Nr. 137 Zweites Blatt 15V. Jahrgang Donnerstag 14. Jnni 1906 Erscheint mit Ausnahme des SormtagS. Die ^Glehener SoniiHenbiatter* werden dem „Anzeiger viermal wSchenUich beigelegt. Der taeöwlrT erfchemt monatlich einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brüh tick» UnwerfttätSdruckeret. 8t Lange, ©<**. Redaktstm. Expedition «.Druckerei: Dcbulltr.U, Tel. Nr. 6L Telegr.-Ldr.! Anzeiger tiußee. General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. Politische Tagesschau. Die Herausgabe einer hesfis^en Landtagskorrespondenz ist am Riillwoch von der 2. Rammet beschlossen worden. Wieder einmal haben unsere Herren Parlamentarier eS versäumt, in den zunächst beteiligten Kreisen, das sind dies- mal die Zeitungen, vorerst eine Umfrage nach dem Bedürfnis zu veranflalten. Dieses Unterlassen wird hoffentlich zur Folge haben, daß keine hessische Zeitung, die sich selber achtet, von dieser Korrespondenz Gebrauch machen wird. Tie Herren scheinen zu glauben, daß sie nach Willkür verfahren dürften und daß btc Allgemeinheit nach ihrer Pfeife zu tanzen habe. Schon um dieser völligen Verkennung ihrer Stellung rind ihrer Aufgaben willen ist e5 die Pflicht der gesamten hessischen Presse, diesen Kammerbeschluß einfach zu ignorieren. Die beabsichtigte S ch a b l o n i s i e r u n g der gesamten Hess. Kammerberichterstattung stellt sich tm übrigen als die Absicht eines schweren Eingriffes in die Freiheit der Presse dar, die diese mit aller Energie zurückzuweisen hat. Die Zeitungen Hessens werden nach wie vor ihre eigenen Kammerkorrespondenten in Darmstadt beschäftigen und im übrigen tun, was ihnen beliebt und nicht, was die Kammer ihnen oorzuschreiben sich für berechtigt halt. Der Zinsertrag von Stadtanleihen. Die Stadt Köln hat zu Angeboten auf Uebernohme von 36 Mill. Mark 3*/, proz. Anleihe aufgefordert, aber keine Angebote erhalten. Ablehnende Antworten auf die Ausschreibung sind von der Gruppe der Deutschen Bank, der Gruppe Salomon Oppenheim jr. & Co., der Tiskonto-Gefell- schäft und Darmstädter Bank, der Gruppe Schaaffhausenscher Bankverein, A. Levy, Telchmann & Co. und Dresdener Bank soivie der Gruppe Delbrück, Leo & Co. eingegangen. Die Stadtverordnetenversammlung wird nun vor die Frage gestellt werden, ob sie eine einmalige Anleihe mit 4 Proz. Verzinjung ausschreiben will. Mit dem Mißerfolg bei der Begebung einer Kommunalanleihe steht die Stadt Köln nicht allem. Die Hauptstadt Bayerns mußte die gleiche Erfahrung machen, und sie fam erst zum Ziel auf Grund der Bereitwilligkeit, den erhöhten Zinsfuß von 4 Proz. zu bewilligen. Die Kölner Kommune wird ebensowenig umhin können, diesem Beispiel zu folgen, ime die ansehnliche Reihe der anderen Stadtverwaltungen, die sich insgesamt einige 100 Millionen auf Kredit beschaffen möchten. Auch der Eintritt günstigerer Geldverhültnisse als der gegenwärtigen würde wohl nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß es mit* der Aera des 3^,prozentigen Kommunalkredits zu Ende geht. In einer Zeit kaum unterbrochenen Kursrückgangs erstklassiger StaatSpapiere ist das Verlangen eines höheren Zinsertrages der Stadtanleihen sicherlich kein übertriebenes. Es ist es umsoweniger, als erfahrungsgemäß in nicht seltenen Fallen der Verkauf von Abschnitten dieser Anleihen äußerst erschwert, wenn nicht unmöglich ist, jedenfalls an der Berliner Börse. Der Kurs wird schon bei geringem Angebot gestrichen, sodaß beispielsweise einem K leinkapi - taUsten, der flüssiger Mittel bedarf, nichts übrig bleibt, als die Verpfändung der Stadtobligation zu teurem Zinsfuß. Der Mangel eines regulär funktionierenden Börsenmarktes für Kommunalanleihen muß also wenigstens in etwas ausgeglichen werden durch einen den Verhältnissen angemessenen Zinsertrag. Was wird in Rußland? Der frühere russische Minister des Innern Durnowo weilt, wie behauptet mirb, im strengsten Inkognito in Paris. Er soll die Mission erhalten haben, den Zaren über die französische Stimmung betreffs der Ereignisse in Rußland zu unterrichten und gleichzeitig die französischen Finanzkreise über die eventuellen Konsequenzen einer russischen Krise zu beruhigen. Graf Witte hat Paus soeben verlassen, um sich „ach Air-lex-BainS zu begeben, und zu gleicher Zeit ist Großfürst Wladimir, der Onkel des Zaren, von Paris nach Petersburg zurückgekehrt. War Graf Witte Träger einer besonderen Mission, wenn er gleich der Regierung nicht mehr angehört? Im Herbst soll eine Neubildung öeS Kabinetts erfolgen, bis dahin kann der Wind vollends wieder sich wenden nach der „Richtung Witte'. Das dürfte zunächst beeinflußt werden von dem Ergebnis der Verhandlungen des vielgewandten früheren Ministerpräsidenten mit den Pan,er Finanzkreisen. Wie die mnerpolitifchen Verhältnisse Rußlands sich bis zum Herbst gestalten werden, das vermag allerdings wohl niemand mit Sicherheit zu beurteilen, auch Graf Witte nicht Dic Takttk dcs 'UlinillcriumS Sorcmtjrtn, das Paria, ment sich müde reden zu lassen, scheint sich emstweüen zu bewähren, Durch dic uferlosen Debatten »t das Interesse eines orossen Seils der Deputierten abgestumpft, und soll e die Regierung deu.uächst zur Vertagung der Duma l>ch ent- Messen, dann kann sie sicher fern, dass es darüber u.cht zuu. Konflikt kommt. Der GährungSprozeß des gingen parlamen- torischen Leben- Hai sogar eine gewisse Märchen in|ofetn herbeigeführt, als sich Ansätze zu einet Neubildung der Parteien zeigen. ES scheint eine Art .Zentrum- ,m Entstehen zu fein, eine Fraktion der ©cmaytgten, au die eine zu Konzessionen an den Liberalismus geneigte Regierung sich vielleicht wird stützen können. Wenn eS gelingt, dem Volke und besonders den Bauern, im Verlaus deS Sommers begreiflich zu machen, daß das Parteiwcsen er. ausrciscn muß, ehe die stürmisch verlangten Reformen auf konstitutioneller Grundlage bewerkstelligt werden können, dann bleibt Rußland möglicherweise bis zum Herbst von schweren Unruhen verschont. Vor der Hand heißt es: .Zeit gewonnen, viel gewonnen!* In Hoskreisen wird behauptet, daß der Zar auS persönlicher Initiative den Befehl erteilt hat, die Vollstreckung aller Todesurteile bis auf weiteres einzustellen. In Dumakreisen hofft man, daß diesem Befehl bald die gänzliche Abschaffung der Todesstrafe folgen werde. Ter Minister des Innern erließ einen Befehl, daß alle politischen Gefangenen, insbesondere die Zöglinge der Militär-Lehranstalten, welche zwei Monate sich m Untersuchung befinden, ohne daß, strikte Beweise gegen sie erbracht werden konnten, sofort frei» zulasten seien. Bei den Strafexpeditionen in den Ostseepro- Dingen sollen in der letzten Zeit wieder häufig Uebergriffe seitens der Soldaten stattgefunden haben. Im Kreise Tuckum wurden zwei Bauern, Neumann und Bchrsin, verhaftet, trotzdem die Haussuchung kein Belastungsmaterial ergeben hat. Auf dem Wege nrch Tuckum ivurden die beiden erschossen aufgefunden. — Nach einer Meldung auS Simferopol wurde bei Feodosia die Geldpost beraubt. — Im Moskauer^ Gouvernement ist eine Panik unter den Gutsbesitzern auSgebrochen wegen deS Gerüchts von bevorstehenden Agrarunruhen. Die Preise für Grundstücke fallen bedeutend, und zwar um zwei Drittel. — Im Ministerium deS Innern 'ist eine Vorlage zur Regelung der Juden frage ausgearbeitet worden. Die Juden dürfen danach ihre Wohnorte frei wählen und ohne Einschränkung Handel treiben. In Warschau wurde ein Pfandhaus auSgeraubt und die Besitzerin Sarah Goldgewicht erschossen. Die Täter sind entkommen. Em russischer Revolutionär teilte einem New-Porter Journalisten mit, daß die russischen Revolutionäre am 14. Juli eine allgemeine Erhebung planen. Dieses Datum fei gewählt worden, weil an dem Tage auch in Frankreich die Republik erklärt worden sei. Zum russischen Gesandten bei der schweizerischen Eidgenossenschaft ist der bisherige 9)linifterrefibent in Tanger. Wirkt. Staatsrat Kammerherr von Bacheracht ernannt worden. Herr von Bacheracht ist mit der geschiedenen Frau von Kolemine geb. Gräfin von Hutten Czapska verheiratet, die einst einige Tage lang die morganatische Gemahlin des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen war. Deutsches Reich. Berlin, 13. Juni. Dem Verein deutscher In- genicure, welcher in einer außerordentlichen Tagung sein 50jähriges Bestehen feiert, ist apf eine an den Kaiser, zugleich mit der Widmung einer goldenen Erinnerungsmedaille gerichtete Huldigungsadresse, folgender kaiserlicher Dank angegangen: „Dem Verein deutscher Ingenieure danke Ich von ganzem Herzen für die Mir gewidmete goldene Denkmünze. Ter Verein darf sich versichert halten, daß Ich, wie bisher, seinen Bestrebungen Mein lebhaftes Interesse zuwenden werde. Möge die Tätigkeit deS Vereins auch in den kommenden fünfzig Jahren von reichem Er- folge begleitet sein. Wilhelm R,“ — Dem Generalleutnant z. D. v. Trotha, bisher Kommandeur der Schutztruppe für Südwestafrika, wurde der Rote Adlerorden 1. Kl. mit Eichenlaub und den Schwertern am Ringe verliehen. — Zum Militäranwalt am Reichsmilitärgericht ist der bisherige OderkriegSgerichtsrat M ü l b e r g e r aus Frankfurt a M. ernannt worden. 1887 wurde er als Divisionsauditeur zur 25. (Großh. Hess.) Division versetzt und zugleich mit Wahrnehmung der Geschäfte des Garnisonsauditeurs m Darmstadt beauftragt. Als die 25. Division dem neu errichteten 18. Armeekorps zugeteilt wurde, trat Mülberger mit zu diesem über, bei der 1900 in Kraft getretenen Umgestaltung des Militärjustizwesens aber wurde er Oberkriegsgerichtsrat beim Generalkommando dieses Korps und siedelte nach Frankfurt über. — Der .Reichsanz.« veröffentlicht das Gesetz, betreffend die Ordnung des Reichs Haushalts und die Tilgung der Reichsschuld, vom 3. Juni 1906. — Der .Voss. Ztg." wird von zuverlässiger Seite zu der angeblichen Meuterei in Südwestafrika berichtet, daß allerdings einige Fälle von Gehorsamsverweigerung usw. zu verzeichnen gewesen sind. Diese haben jedoch feinen außergewöhnlichen Charakter getragen, sondern sind als Erscheinungen aufzufassen, die bei einer Truppe in Stärke von zirka 15 000 Mann unter den obwaltenden Verhältnissen leider wohl immer vorkommen. Von der Erstechung eines Offiziers ist absolut nichts bekannt. Karlsruhe, 13. Juni. Seines Amtes entsetzt worden ist der zur Zentrumspartei gehörige Bürgermeister (Seng in Löhningen, weil bei seiner Wahl nummerierte Wahlumschläge verwendet worden sind, um die Stimmen kontrollieren zu können. Stuttgart, 13. Juni. Nach zweitägiger Beratung erfolgte heute in der Abgeordnetenkammer die Schlußabstimmung über die au5 den verschiedenen Beratungen beider Häuser bis jetzt hervorgegangenen Beschlüsse zur 23er» fassungSreform-Vorlage. Die Schlußabstimmung ergab die Annahme derselben mit 64 gegen 23 Stimmen. Es ist also, wie unter Beifall des Hauses der Präsident konstatierte, eine Zweidrittel-Mehrheit vorhanden. Die Erste Kammer erhält also erweitertes Budgetrecht bezüglich der Steuern mit festen Sätzen. Die Vorlage geht nun noch einmal an die Erste Kammer. Während der heutigen Nach- mittagssitzung wurde der Führer der Volkspartei, der Abg. Friedrich Hausmann, von einer tiefen Ohnmacht befallen und mußte aus dem Saale getragen werden. Nürnberg, 13. Juni. Eine Versammlung des deutschen Verbandes der Zigarren- und Tabakladeninhabe r beschloß, Schritte für die Erlangung reichsgesetzlicher Regelung der Sonntagsruhe mit mindestens fünf Stunden Verkaufszeit in die Wege zu leiten und erklärt sich gegen den Achtuhrladenschluß an Werktagen. Ausland. Stockholm, 13. Juni. Im Befinden des Königs Oskar von Schweden ist eine bedenkliche Verschlimmerung cingctretcn. Tie ernste Erkrankung besteht in rasch fortsch reitender Herzschwäche und Verkalkung der Arterien. Ter Zustand deS Königs gilt als hoffnungslos. (Private Meldung!) — Der König begibt sich morgen nachmittag an Bord der hier eintreffenden englischen Pacht .Enchantreß", um den Herzog und die Herzogin von Connaught zu begrüßen. (Offiziöse Meldung I) Madrid, 13. Juni. In Villanueva, in der Nähe von Bapzelona, ist ein Priester verhaftet worden, der verdächtig war, der Urheber bc5 Attentats gegen König Alfons in Paris gewesen zu sein. Die Polizei hatte geglaubt, der Verhaftete hätte die Priesterkleidung zu Unrecht getragen. Es stellte sich jedoch heraus, daß der Betreffende tatsächlich ein armenischer Priester mit Namen NieokaS war. Er wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Aus Der österreichische» Delegation. Wien, 13. Juni. Bei der Verhandlung des Budgets des Ministeriums des Aeußern in der österreichischen Dele gation bezeichnet Steiner die auswärtige Politik als nicht zielbewußt und alS nicht einheitlich. Er verlangt insbesondere erhöhte handelspolitische Tätigkeit in der auswärligen Politik. Die Haltung der Regierung in der Marokkofrage billigt der Redner, er betont, das Zusammengehen mit Deutschland fei auch in der Balkan Politik notwendig, und wendet sich schließlich gegen die Zugeständnisse, die Italien auf dem Balkan gemacht worden seien. jiramare# führt aus, daß der Dreibund nicht in die Welt Politik passe und die Völker Oesterreichs sich energisch bedanken würden, wenn sie in einen Konflikt hineingezogen würden, bei dem es sich nur um die Interessen der Bundesgenossen handle. Auch in der europäischen Politik spiele der Dreibund keine große Rolle mehr, jnbetreff der Marokkofrage bemerkt der Redner: Wollte Deutschland eine Mensur haben und um jeden Preis einen Renommierschmiß bekommen, den es ja auch erhalten hat, so sei das seine Sache, und wir haben gar feine Ursache, uns in einem solchen Falle ausschließlich auf die Seite Deutschlands zu stellen. Wir müssen endlich einsehen, daß ein Bündnis mit 'Deutschland zwar eine, wenn auch nicht absolut notwendige Sicherung des Friedens ist, daß jedoch die einzige feste Gewähr für die Zukunft Oesterreichs in einer friedlichen, konservativen Politik liegt. Eine solche friedliebende Monarchie liegt so sehr im Interesse des Weltgleichgewichtes, daß ihre Zukunft auch ohne spezielle Aünid nisse gesichert ist, da alle Staaten Europas an der Erhaltung dieser Monarchie das größte Interesse haben. Der Minister Graf GoluchowSki geht auf die Aeußer- ungen Kramarschs ein. Jrn Dreibund-Vertrage seien die Fälle, in denen wir gegenseitig einzugreifcn haben, sehr genau bestimmt und alle möglichen Garantien gegeben. Es heißt, daß sowohl für uns, als für baS Deutsche Reich der ca^us foederis eintrete, wenn einer von uns von zwei Seiten angegriffen wird. Das biete eine genügende Sicherheit. Wenn man ein Defensivbündnis schließt, sind die Rechte und Verpflichtungen gegenseitig. Das, roaS uns in eine unangenehme ilage bringen kann, kann ebenso Deutschland in eine unangenehme Lage bringen. DaS Bündnis hat den Frieden verbürgt und uns gestattet, über manche Klippe hinweg- zukoimnen. Es ist nur zu hoffen, daß es in Zukunft nicht anders sein wird. Wanderausstellung der Deutschen Laudwirtschasts- gesellschast. Berlin, 13. Juni. In der großen Landwirtschaftsausstellung hört man heute schon Naturlaute. In den großen Hallen neben dem Vorführungsring sind jetzt die Rinder eingetroffen, deren Vorführung am Dienstag stattfand. Brüllen in allen Tonarten grüßt jetzt den Besucher. Dazu meldet sich auch daS Geflügel schon, daS gleichfalls eingetroffen ist. Heute fand die Vorprüfung der Geräte-Neuheiten neben der Vorprüfung der anderen Tiere und das Preisrichten der milchwirtschaftlichen Ausstellung statt. Hier traten auch die jungen Damen, die Milch kredenzen, in Tätigkeit. Am Abend war ein Empfang im Rathause. Aber dieser Willkommen vollzog sich in einer Art, die ein Novum für Gäste und Wirte im allgemeinen und für das gastfreie Berlin im besonderen bildet. Unsere Reichshauptstadt hat eS sich noch stets zur Ehre gerechnet, die m ihren Mauern zu ernster Beratung versammelten Körperschaften durch ihre Gemeindebehörden bewirten zu lassen. So waren erst vor einigen Tagen die Ingenieure aufgenommen worden, und gleiches hatte man den Landwirten zugedacht. Sic aber nahmen nur die Einladung an, den Abend mit den Lenkern und Leitern der Stadt im Rathause zu verbringen. Sie baten auch, es möge die nötige Vorsorge getroffen werden, daß sie nicht Not zu leiden brauchten, d. h. daß Essen und ein guter Tropfen vorhanden fei. Im übrigen jedoch werde jeder selbst bezahlen, waS er im Laufe des Abends verzehre. Der Kaiser hat für dic Wanderausstellung eine kostbare Vase als Ehrenpreis für die beste Sammlung der schwarzbunten Tieflandrinder und der Kronprinz eine silberne Vase als Ehrenpreis für Privatgestüte gestiftet. Aas Kerkomer-Acnrrerr. ix. München, 13. Juni, In der Herkomcr-Konkurrenz wurden heute folgende Preise zuerkannt: 1. Preis Wagen Nr. 155 Dr. Stoß- Zwickau, 2. Preis Nr. 78 Neumaier-Stuttgart, 3. Preis Nr. 18 Pöge-Chemnitz, 4. Preis Nr. 141 Opel-Rüsselsheim, 5. Preis Nr. 93 Neumaier-Mannheim, 6. Preis Nr. 19 Weingand- Düsseldorf, 7. Preis Nr. 1 Dreher-Triest, 8. Preis Nr. 24 Ladenburg-Mannbeim, 9. Preis Nr. 144 Uren-Köln, 10. Preis Nr. 102 Horch-Zwickau. Semmering-Bergfahrt: 1. Preis Nr. 18 Pöge- Chemnitz, 2. Preis Nr. 48 Neumaier-Stuttgart, 3. Preis Nr. 93 Neumaier-Mannheiin, 4. Preis Nr. 17 Dahmen-Köln. Schnelligkeitsprüfung im Forstenrieder Park: 1. Preis Nr. 155 Dr. Stoß-Zwickau, 2. Preis Nr. 152 Westphal-Hamburg, 3. Preis Nr. 154 Bezin-Berlin. Schönheitskonkurcnz: 1. Preis Nr. 98 Eschebach-München, 2. Preis Nr. 129 Wandersleben-Koblenz, 3. Preis Nr. 48 Haase-Breslau. Den Abschluß der Herkomer-Fahrt bildete ein Festmahl im Hotel „Vier Jahreszeiten" mit 600 Gedecken. Prinz Heinrich hielt die erste Rede. Er meinte, wenn bei einer schönen Veranstaltung irgend ein Bedauern am Platze sei, so würde er bedauern, daß die Herkomer-Fahrt beendet sei. Sie bildete ein Band zwischen deutschen Ländern. Neberall war die Bevölkerung freundlich, man sah nicht ein böses Gesicht. Die Schirmherren der drei Länder, der deutsche Kaiser, der Prinzregent von Bayern, der Kaiser von Oesterreich: Hurra! Dann nahm Prinz Heinrich die Preis Verteilung vor. Die Preise zierten eine große Tafel, prunkend in Edelmetall und Kunstwert. Die Erbprinzcssin von Sachsen-Meiningen hatte einen Extrapreis gestiftet für den besten Fahrer, der Arbeitsausschuß einen Extrapreis für Frau Manvillc. Der von der Erbprinzessin gestiftete Preis wurde Fritz E r l e - Mannheim zuerkannt. Der Jass Karte vor Sen Keschworenerr. th. Gießen, 14. Juni. Heute begann die Verhandlung gegen den Dachdecker- meister und Bauunternehmer Heinrich Carle wegen Versuchs der Brandstiftung. Der Tatbestand der Mrklage ist: Die Witwe Rothenberger besitzt am Neuenweg eine Hofraitc, in der sie Mhandet und ein Lumpengeschäft betreibt. An das nach der Straße zu gelegene Wohnhaus schließt sich, durch einen kleinen Hof getrennt, nach hinten hinaus das zur Lagerung von Lumpen, Knochen usw. bestimmte Magazin an, das nrit seiner Brandmauer an die einer früheren Werkstatte des Glasers Luh grenzt. Diese Werkstätte und das der Rothenbergerschen Hofraitc unmittelbar benachbarte gleichfalls an dem Neuenweg gelegene Luhsche Anwesen und die daneben liegende Hofraitc des Schmieds Thomas sind von Carlö vor nicht allzu langer Zeit erworben worden. Die Wohnhäuser beider Hofraiten hat er niederlcgen lassen, um an ihrer Stelle einen großen Neubau mit Läden zu errichten. Die Luhsche Werkstätte blieb vorerst noch stehen und wurde von Carle zur Unterbringung von noch verwertbarem IMbbruchmaterial, wie Fenster, 'Türen, Oefen üsw. benutzt. Mach das gesamte hinter den Hofraiten Thomas, Luh und Rothenberger und dos auf der anderen Seite des Rothenbergerschen Anwesens liegende Gelände, insbesondere der Löwenhvf, ist von Carls erworben worden, sodaß die Liegenschaft der Frau Rothenberger sich wie ein schmaler Keil in das Eigentum des 'Angeklagten hineinschiebt. In dem Rothenbergerschen Lumpenmagazin brach am 24. Februar d. I. nachmittags gegen 234 Uhr ein Brand aus, der einen starken Rauch entwickelte und deswegen sehr bald entdeckt und int Keime erstickt wurde, sodaß außer einigen verbrannten und verkohlten Lumpenstücken ein Schaden nicht entstanden ist und das Gebäude selbst nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach der ganzen Sachlage und nach der Feststellung des Tatbestandes ist die Nnklagebehörde der Ansicht, daß es sich bei dem Brande Nveifelsohne nur um eine vorsätzliche, und zwar von der früher Luhschen Werkstatte aus erfolgte Brandstiftung handelt. Der sofort vorgenommene Augenschein ergab: In die Brandmauer der Werkstatte war ein etwa eiför- |mfg€§ Loch von 2—5 Zentimeter Durchmesser geschlagen, das die Brandmauer hindurch, über den zwischen dieser und der Brandmauer des Lunchenmagazins etwa zwei Finger breiten Zwischenraum hinüber, bis in das Lumpenmagazin führte, in dem dicht an der Wand Lumpensäcke und Ballen aufgestapelt waren. Durch das Loch hatte der Täter einen langen, bis zu den Lumpenvorräten reichenden Holzstab gesteckt, der an der Spitze mit teilweise verbranntem Papier und Stroh umwickelt war, und dazu gedient hatte, das an ihm entzündete Feuer, dent gleichfalls durch das her gesteckte Loch vorher auf die Lumpen geschobene, leichter als diese feuerfangende Brennmaterial mitzuteilen. Dieser eigentliche Zündstoff bestand aus verschiedenen, an kleineren Hölzchen befestigten, pettoleum- getränkten und mit Streichhölzern gefüllten Papierhülsen, sowie aus einem Bündchen Stroh. Drei unweit der 'An- legungsstelle in der Carls sch en Werkstatte aufgefundene eiserne Stäbe ließen deutlich erkennen, daß der Täter diese Uim Schlagen des Loches benutzt hatet. Sie zeigten sämtlich an einem Ende anscheinend srische Teilchen von Mörtel und Backsteinmehl, wahrend sie an der anderen Seite gänzlich frei davon waren. Die Anklage führt aus, daß die Tatsache der Brandstiftung klar zutage liege, ebenso die Art ihrer Ausführung. Ebenso sei man sich keinen Augenblick im Zweifel gewesen, wo man den Täter zu suchen habe. Der 'Angeklagte wurde als dringend verdächtig in Haft genommen, und nach dein Anklagebeschluß hat sich der Verdacht ttotz des Leugnens Carlss weiter bestätigt. Tatsache ist, daß es bereits vor zwei Jahren in einem Hintergebäude des Löwen, in dem ebenfalls Abbruchs- material lagerte, auf unaufgeklärte Weise ein Brand ausbrach, wodurch eine schnelle' und vorteilhafte Verwertung der dem Carle gehörenden und gegen Feuersgefahr versicherten Materialien herbeigeführt worden wäre, woran nur der Angeklagte ein wesentliches Jüteresse hatte. Ebenso nimmt die Staatsanwaltschaft in der unter Anklage stehenden Brandstiftung an, daß nur Carle ein Interesse hatte an dem Brande und seinen Folgen. In der Anklage wird ausgeführt, haß der Brand nur dem Lumpenmagazin gelten konnte, dessen Beseitigung der Angeklagte mit großer Energie erstrebt hatte. 'Als Beweis hierfür verweist die Anklage darauf, daß Carls im Laufe der letzten Jahre die gesamten Neben- und Hintergebäude des Rothenbergerschen Äüwesens an sich gebracht und vergeblich versucht hat, auch dieses zu erwerben. Das Lumpenlager hinderte ihn besonders bei der Durchführung seines Planes, das Hinter- gelande durch Anlage einer Straße als Baugelände benutzen zu können. Er beabsichtigte nämlich, die Stadt dafür zu gewinnen, von der Johannessttaße zwischen Sparkasse und Schwesternhaus durch das Löwenhosgeländc in den Neuenweg kurz vor dem Kreuzplatz eine Sttaße durchzuführen, oder diese Sttaße selber anzulegen. Ohne diese Sttaßenanlagc ist das Hintcrgelände der von Carlo erworbenen Hofraiten nicht verwertbar und sein Besitz am Neuenweg unrentabel. Die von Carlo geplante Sttaße führt nun gerade über die Stelle hinweg, auf der das Lumpcnmagazin der Witwe Rothenberger steht. Die Versuche des Angeklagten, dieses Gebäude gleichfalls zu erwerben, scheiterten an der hohen Preisforderung der Witwe Rothenberger, die, trotzdem Carlo dafür ein Altgebot von 45 000 Mk. für das nur 20 000 Mk. werte Anwesen nrachte, bisher ihre Hofraitc nicht hergeben wockte, weil sic für ihr Lumpengeschäft eine Konzession innerhalb der Stadt nicht mehr bekommen ivürdc. So erklärt es sich, daß für die Rcckhenbergcrsche Hofraitc eilt Preis gefordert wurde, der cö ermöglicht, die Folgen des Verkaufes zu ertragen. Das Haupthindernis, den Straßenplan durchzuführen, war beseitigt, wenn das Rothen- bergersche Magazin nicderbrannte, dann war die Konzession beseitigt, Frau Rothenberger durste das Gebäude zum Lagern von Lumpen nicht wieder aüfbaucn. Tas Interesse des Angeklagten an dem Verschwinden des Lumpenlaoers, selbst wenn das Straßcnprejekt nicht zur Ausführung kam. sucht die Anklage nachzuweisen: Dem Eigentümer des Löwen und des auf dem Luhschen und Thomasschcn Gelände zu errichtenden Geschäftshauses mußten die Gerüche und Ms- dünstungen, die mit dem Lumpeng^ichäft naturgemäß verbunden sind, die sich auf der Sttaße abspielendeu Arbeiten, das Auf- und Abtaden der Lumpen- und Knochensendungen höchst lästig sein. Carlo hat dies in wiederholten Eingaben, Anzeigen und Beschwerden erklärt und auf Abstellung hin- gewirkt. Der Umstand, daß mit der Rothenbergerschen Hofraitc auch die gänzlich zwecklose Luhsche Werkstatte mit ihrem Inhalt ein Raub der Flammen hätte werden können, konnte dem Angeckagten nur willkommen sein. Es wäre die schnellste und gewinnbringendste Verwertung des gut versicherten, in ihr verwahrten Abbruchsmaterials gewesen. Der Angeklagte ist nach seinem Geständnis unmittelbar vor dem Ausbruch des Brandes in der Werkstatt gewesen und hat sich dort einige Zeit aufgehalten. Ferner wurden in seiner Rocktasche abgebrannte Streichhölzer von der gleichen Beschaffenheit wie die zur Brandstiftung benutzten gefunden. Belastend ist weiter, daß in der Carlch'chcn Wohnung Papier und Garn beschlagnahmt wurde, das mit dem zur Herstellung der zur Inbrandsetzung verwendeten Papierhülsen übcrc'instimmt. Außerdem ist zwischen den beiden in Frage kommenden Brandmauern ein an Carlo adressiertes angebrannter Briefumschlag gesunden worden. Die Anklage erachtet es für ausgeschlossen, t ß ein anderer Täter als der Angeklagte dies zeitraubende Durchstoßen der beiden Brandmauern zum Zwecke der Brandstiftung vorgenommen hat. Die Möglichkeit, dies unbeobachtet tun zu können, ist bei der häufigen Anwesenheit Carles in der Werkstättc ganz ausgeschlossen, abgesehen davon, daß "ein Anderer kein Interesse an der Brandstiftung haben kann. Aus alten diesen Gründen und Tatsachen zieht die Anklage den Schluß, daß Carlo es war und nur er es gewesen sein kann, der die vorsätzliche Inbrandsetzung des Rothenbergerscheit Lumpenlagers versucht hat. Lange vor dem Beginn der Verhandlung war der Zuhörerraum des großen Schwürgerichtssaals von Personen aller Stände überfüllt. 'Aber auch int Zeugenraum blieb kaum Platz, um den zur Verhandlung geladenen ca. 70 Zeugen Raum zu gewähren. Pünktlich um 9 Uhr betrat der Gerichtshof den Saal. Er besteht aus Landrichter Brühl als Vorsitzenden, Landrichter Dr. Frie drich und Landgerichtsrat Neunhagen als Beisitzer. Die Mklage verttitt Staatsanwalt H o o s, während die Verteidigung dem Rechtsanwalt Dr. Jung übertragen ist. Als Sachverständiger ist der Gerichtschemiker Dr. Popp-Frankfurt am Main von der Anklage geladen und erschienen. Nach Bildung der Geschworenenbank und nach Aufruf der Zeugen wird beschlossen, einen Teil derselben bis morgen vormittag zu entlassen. Staatsanwalt Ho os weift darauf hin, daß er einen Antrag auf Augenschein an Ort und Stelle stellen würde. Mf Anfrage des Staatsanwalts erklärt die Verteidigung, daß der größte Teil der geladenen Entlahtungs- zeugen über den Leumund Carlos, sowie über die Art und Weise, wie er sein Geschäft bettieb, usw. «gehört werden soll. Nach Verlesung des Anklagebeschlusses wird der Angeklagte vernommen. Kurz nach 12 Uhr ist seine Vernehmung beendigt. Carlo bestreitet die Urheberschaft des Brandsttstungs- versuchs. Nach der Vernehmung Carlos begaben sich die Mitglieder des Gerichtshvfes, der Staatsanwalt, die Geschworenen, der Verteidiger, der Mgeklagte, die als Zeugen geladenen Architekten, Oberbürgermeister Mecum und Stadtbaumeister Gerbel nach dem Löwenhof zur Augenscheinnahme. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich dort eingeftrnden, ohne jedoch etivas sehen zu können, da die in Frage kommenden Stellen durch Schutzleute abgesperrt waren. Aus S.crSL uns Gießen, den 14. Juni. • * Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Großherzog haben der Gemeindehcbamme Marie Schröder, geb. Feucht, zu Ober-Erlenbach die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" verliehen. * * Das Frühlings fest der deutschen Lands- mannschafter zur Erinnerung an die Gründung des Ko- burger L. C. führte am Sonntag gegen dreihundert alte Herren und Aktive mit ihren Damen nach Zwingenberg und Heppenheim. Besonders erhöht wurde die Festfreude durch die Wiedervereinigung der beiden bisher getrennten landsmannschaftlichen Verbände, nach welcher der Koburger L. C. nunmehr 42 Landsmannschaften umfaßt. So verlief das Fest unter Leitung des Sanitätscats Dr. Vömel (Frankfurt) in ungetrübtester echt studentischer Fröhlichkeit, bis in später Nachtstunde der Sonderzug die Teilnehmer davon führte. * * U e b e r d i e russische National-Vokal -Kavelle Nadina S l a v i a n s k i, die am Samstag, den 16. d. Mts. im Neuen S a a l b a u konzertiert, schreiben die „Leipz. N. N." u. a.: „In der allrussischen Tracht des 16. und 17. Jahrhunderts betrat die russische Vokal-Kapelle unter Leitung von Nadina Slavianeky das Podmm, um uns russisches Volksleben und des Volkes Empfinden iu Wort und Ton zu Gehör zu bringen. Zumeist bekannte, zum Teil berühmte russische Komponisten waren es, deren Volks-, Kirchen- und Opernchöre zum Vortrag gelangten. Frei vor- getragen, ohne Noten, als echter Volksgesang, berühren uns die wehmütigen und heiteren slavischen und speziell russischen Lieder außerordentlich sympathisch. Der allbewährte Rui der Slaviansky- schen National-Vokal-Kapelle erwies sich auch diesmal als fest- gegründet und berechtigt. Tas Ensemble isi vortrefflich, und daß die Vokal-Kapelle den Volkston ans das schärfste festzuhalten versteht, sich nicht in äußeren Effekten verliert, ist ihr als hoher Vorzug anzurechnen. —r. Gleiberg, 13. Juni. Der im vorigen Jahre zu Braunfels begründete Verein der Gemein dcbe- amten des Kreises Wetzlar hielt am letzten Sonntag auf der Burg Gleiberg eine Versammlung ab. Es wurde die Gründung eines Familienbeirates beschlossen. Die Satzungen sollen in einer späteren Versammlung beraten werden. Um auch den Gemeindeförstern eine Vertretung im Vereine zusichern wurde Herr Förster Möller aus Krofdorf in den Vorstand gewählt. — Butzbach, 13. Juni. Verschüttet und getötet wurde gestern nachmittag ein Arbeiter, der an der Erweiterung deS hiesigen ZellengefängnisieS beschäftigt war. Er war an den Aushebungsarbeiten zu den Fundamenten als Erdarbeiter tätig, als sich plötzlich Erd- und Gesteinsmassen lösten und ihn begruben. Nach längerer Arbeit schaffte inan den Schwerverletzten hervor, doch nach zwei Stunden starb er. Der Getötete ist ein Gefangener der Anstalt, der nur zu einer kurzen Freiheitsstrafe verurteilt war. △ Butzbach, 13. Juni. Hauptlehrer Storch wurde heute vormittag in Darmstadt von S. K. H. dem Groß- herzog in Audienz empfangen. Herr Storch überreichte dem Landesfürsten ein Exemplar seines Festspiels „Der Hütten berg er", das in einem prachtvollen Einband gebunden ist und mit dem hessischen Wappen und den Initialen des Großherzogspaares geziert ist. Ferner überreichte Herr Storch einige am letzten Sonntag von Herrn Weikhardt aufgenommene Bilder von dec Eröffnung der Ausstellung und den Darstellern des Festspiels. △ Bad-Nauheim 12. Juni. Der Sängerchor des Turnvereins wird unter Leitung seines Dirigenten, des Kgl. Musikdirektors August Glück, Sonntag, 24. Juni auf der Kurhaus-Terrasse in Gemeinschaft mit der Kurkapelle wieder 2 große Konzerte veranstalten, begin- nend um 4 und 8 Uhr. Der große Beifall, den die Vorträge des Chors bei seinem vorjährigen Auftreten in Bad-Nauheim gefunden ultd ein vorzügliches Programm lassen auch für dieses Mal auf einen vollen Erfolg hoffen. Beienheim b. Friedb., 14. Juni. Hier wurde ein Kriegerdenkmal zum Gedächtnis der hiesigen Teilnehmer an dem Krieg von 1870/71 errichtet, da§ mit größeren Feierlichkeiten am 7., 8. und 9. Juli cingeweiht werden soll. fc. Mainz, 13. Juni. Eine Versammlung von Kolonial waren Händlern nahm einstimmig eine Resolution an, in der gegen die beabsichtigte Einführung des Acht-Uhr-Ladenschlusses protestiert wird. — Der Vorstand der Mittelstandspartei sprach sich ebenfalls gegen den 8 Uhr-Ladenschluß aus. — Infolge der Aufregung über den Angriff ausständiger Fuhrleute auf seinen Sohn erlitt der Großschlächter Konstantin Schramm in der Emmeransstraße einen tötlichenSchlaganfall. Er stand int 67. Lebensjahre. sf. Fellingshausen, 13. Juni. „Hier rüstet, man sich zum nächsten Sonntag und Montag für das 15 jährige Stiftungsfest des Gesangvereins. Die Festjungfrauen haben den strebsamen Verein, der seit 6 Jahren unter der Leitung des Lehrer Berg steht, eilte künstlerisch ausgeführte Fahuenschleife gestiftet. Der Festplatz liegt am Ausgang der Straße nach Rodheim und ist von den Stationen der Biebertalbahn: Rodheim und Bieber in 25 Minuten zu erreichen. Zahlreiche auswärtige Vereine haben ihre Beteiligung zugesagt. h. Frankfurt a. M., 13. Juni. Die Flaschenbierhändler von Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden sowie der weiteren Umgebung nahmen in einer geheimen Sitzung Stellung zur Biersteuervorlage. Bei ablehnender Haltung der Brauereien ist die Gründung einer Genossenschastsbrauerei vorgesehen. — Wegen Wechselfälschungen wurde der hiev geborene 36 Jahre alte Fahrbursche Willi Ullrich ver- h ast et. Er hat Wechsel auf bekannte hiesige Bauftrmen ausgestellt und mehr als 32 000 Mark erschwindelt. 1c. Kassel, 14. Juni. Die Typhusepidemie in Datterode bei Eschivege, die durch schlechtes Trinkwaffer entstanden ist, hat einen großen Umfang angenommen. 40 Personen sind erkrankt und mehrere Todesfälle sind vorgekommen._________________________ Vermischtes. * Kais er Wilhelm II. als Braut werber. Am Freitag, dem 15. d. M., begeht der Generalleutnant z. D. von Lucadou seinen 80. Geburtstag und dieser Anlaß erweckt die Erinnerung dar, an wie einst Kaiser Wilhelm II. für die Tochter des verdienten Generals den Brautwerber spielte. Er beschloß seine militärische Laufbahn als Kommandant von Frankfurt a. M., und siedelte dann nach Berlin über. . In glänzender materieller Lage durch seine Heirat mit einer der Töchter des reichen Industriellen Pauli-Vogel (die Andere wurde die Gemahlin des Majors Freih. von Beverhörde, von dem man in der Armee sang: „Der schönste Mann der Oerde — ist Major von Beverhörde") macht er sein Haus bald zu einem der gesuchtesten Centren der vornehmer Berliner Geselligkeit. Eine Tochter entsproß der Ehe, und sie erwuchs zu einem Mädchen von seltener Schönheit. Ihr wandte sich die Neigung des damaligen Flügeladjutanten des Kaisers Wilhelm II. Dietrich von Hülsen — des derzeitigen Chefs des Militär-Kabinets, Grafen von Hülsen- Haeseler — zu. Aber den Eltern des 16 jährigen Fräulein von Lucadou mochte ihr Kind wohl noch zu jung zur Ehe erscheinen. Da war es der Kaiser, der den Liebeskummer seines Adjutanten und Freundes erriet und ihm zu Hilfe kam. Er setzte sich eines Tages allein in seinen Wagen und gab dem Leibjäger Befehl, nach der Bellevuestraße zu fahren, wo der General von Lucadu wohnte. Unterwegs aber ließ er an einem Blumenladen halten und kaufte einen schönen, großen Rosenstrauß. Mit diesem in der Hand stieg der Kaiser die Treppe hinauf, klingelte und ließ sich von dem öffnenden Diener der | Frau von Lucadou melden. Als sie ihn mit Ueberraschung Juni 1906 NNE 2 ENE 2 9. des den imb Handel 4«5 Ocsterr. Goldrente. Wetter ro’tu'riesen TIT . 210.10 . 111.40 Juni Berliner Börse, 14 Juni. Anfaneskurae. Fräulein Katharine Kichl, mit Herrn Heinrich — Fräulein Anna Leichihammex (Austav Ringshauien, Nidda. — Fräulein Luise Len 89 F) hervorragende, erstklassige Uranselienonade von vorzüglichem Geschmack, gesetzlich geschützt No. 28 537 ha*/, Friedrich Orlenbach 13. 13 7459 744,7 745,6 21,1° C. 10,9° mit Herrn mit Herrn 33 30 144.90 153.50 10,1 10,0 8,6 Zimmer von Mk. 2.— an. Bier-, "Wein-Restaurant. Lombard Eisenbahn . . Gestern Staatshahn . . . Princc-Henri-Eisenbahn . Höchste Temperatur am Niedriaste Stegen Bed. Himmel Bcw. Himmel Harpener Bergwerk Laurahtttte f ombnrden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . Berkner Handelsgos Darmstädter Bank . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenl ahn . Gotthardbahn . . . In Ocsterr. Silhenente linear. Goldrente . . Italien. Bente . . . Portniriesen Serie T . Verlobte. Modebach, Schliß. 3X 3147. 354 3X7. 3X7, Canada E. B..... Darmstädter Pank . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwach. 99.45 87.50 99.45 87 50 98.90 . 159.00 . 139.50 . 23610 . 82.50 . 158.30 252.10 129.75 Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schnckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . • T.anrnhiitte...... Nordd. Lloyd . . . . . Obei’chlcs. Eisen-Industrie Beichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . Oberhessen Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst, voraussichtliche Witterung in Hessen für Frcitaa. 15. Juni 1906: Meist trüb, doch nur geringer Regen, kühl windig. Nähere? durch die Giestener Wetterkarte. in e § Ganzen fü hle. Berlin, 14. Juni. Der Massenmörder Dittrich Bäckerei-Verkauf. Modern eingerichtete Bäckerei, sehr altes, gutgehendes Geschält in bester Laae einer Garnison- sladt Oberhessens allerer Unter- nehmungen halber günstig git verkaufen. Schritts. Anfragen unter 3380 an den Gießener Anzeiger erbeten. l*ird)licbe Nachrichten. Israelitische Nclitzionsgescllfchaft. Kottesdientl. S a b b a t h s c i e r am 16. I u n i 1906: Freitag abend 8.00 Uhr. Samslao vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 9.35 Uhr. : morgen? 6.00 Uhr, abends 8.00 Uhr zu haben in den meisten Hotels und Restaurants von Giessen und Umgegend. 3672 ist in da§ Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Er gestand bis jetzt neun Lustmorde. Jede Absicht des MordeL leugnet er und behauptet, er habe beim 91 n 61 i cf von Frauen blindlings um sich gestoßen, ohne die Absicht der Tötung gehabt zu haben. D. ist auch einer der gefährlichsten Einbrecher. In Dresden hat er 46 Einbrüche eingestanden, darunter einen, bei dem er einen Wächter erschoß und für 100 000 Mk. Wertsachen und Bargeld erbeutete. Er wird zunächst in einer Irrenanstalt längere Zeit 17,9 16,2 11,4 Heute nacht wurde uns ein kräftiger JUNGE geboren Hermann Will und Frau Gertrud geborene Balzer Giessen, 14. Juni 1906 OriglnKl-DrahteneL-rrngL«. Berlin, 14. Juni. 91m gestrigen Vorabend der heute erfolgenden Eröffnung der von der deutschen LandwirtscbaftS- gesellschaft veranstalteten Landwirtschaftlichen 9luS- stellung fand eine Begrüßungsfeier im Berliner Nathause statt. Etwa 800 Personen waren anwesend, darunter Land- Wirtschaftsminister v. Podbielski. Ter Vorsitzende des deutschen LandwirtschaftsratcS Graf Schwcrin-Loenitz sagte in einer Begrüßungsansprache, daß die deutsche Landwirtschaft mit Ernst bestrebt sei, das deutsche Volk unabhängig vom 9luslandc zu machen, nnb daß alle Zweige der Industrie mit der Landwirtschaft verwachsen seien. Oberbürgermeister Kirschner wies auf die Pflicht hin, daß man die gegenseitigen Interessen achte und sich als Glieder 47,9. 4 “6 ' 4°C ■ 3-6 1 3«< 1 100 60 100.70 95.80 105— 69.70 70.50 89.60 95 40 95.80 144 40 53 80 91 00 70.50 97.55 214.20 240.50 3L20 127.20 148.50 130.25 264.75 219 40 161 75 214 50 242 25 127 70 128.75 171.00 139 60 235 60 186.50 183.70 158.50 Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße». Heinrich Hirzel, Ortenberg. — Fräulei Marie Seibert, mit Herrn Georg Erbe, Homberg a. Obm. Geborene. Herrn Max Stern und Frau, geb. Katz, Büdingen, eine Tochter. — Herrn Pfarrer Lie. Brauer und Frau Luise, geb. Kegel, Grusen, einen Sohn. Telefonische Kursberichte Giessener Anzeiger*, mitcreteilt von der Bank für und Industrie, Glessen. Frnnkfnrter Itör»#*, 14. Juni, 115 Uhr. Steife. Tie Pläne fiir die Sommerreife sind gemocht, die Voi> bereihmgen haben begonnen. Tic Hausfrau hat die letzte Wäsche, angesetzt, sie sorgt fiir die Garderobe und macht sich schon Gedanken über da? Einmotten. Ter Hausherr ift ruhiger, er glaubt, er hat genua aetan, wenn er da? nöt'ae Reifegeld befchnfft. Genügt das wirklich? Erinnert er sich nicht des unruhigen Gefühls, das ibn im vorigen Jahre ergriff, als er von Einbrüchen in leerstehende Wohnungen las? Nicht des GeuihlS der Erleichterung, als er bei der Nückfebr lein Hab und Gut unversehrt Vorland? Tiefe Unruhe kann er sich fvaren, er braucht nur wenige Mark für eine Einbruch- diebslahl'Bersicherung anuilegen ! Wenn er eine Reife machen kann, hat er auch »och daS 6>old für diele Versicherung. Tie Prämie hietiir ist im allgemeinen kleiner als für die Feuer-Versicherung. Tie Bedingungen der \;ictorio, Feiier-Versichenmgs-Aklien- Gesellscbgft, sind in verschiedenen Punkten für die Versicherten günstiger als die anderer Geiesiscbaften. Bei einer Veillcherungs- dauer von mindestens 5 Jahren ist bei ihr die Zahlung der Prämie 'm Wochenraten zulässig. Tie Reife legt auch ben Gedanken an die lebeitslängliche Eisenbahn- und Darnnfschiff-Unglück-Versichemug wieder nahe. Tic Viktoria gewnh'-t dieie Versicherung gegen eine einzige Jahresprämie, die in Woebenratelt von 20 Vfg. an' entrichet werden kann, auf die ganze VcbeitS^eit. Ihre VersicherlUtg gilt für alle Eifeitbabnen. Straßei-.bohlten usw. der ganzen Erde unb für Tamvsschiffe und Motorboote mif etiropäischen Binnengewäsiern. Ter Preis der Versicherung ist verschwiitdend klein, beträgt er doch auf die ganze Lebenszeit verteilt, nur weniae Pfennige für die Woche. Je früher mnn sie nimmt, je billiger rechnet sie sich. Eine Ein- brnchdiebstahl- und eine Eisenbahn-llnglück-Versicherung erfdieint unerläßlich für den, der sich mit Ruhe auf die Reise begeben will. Lacke, Firnisse aller Art, Bohnerwachs, Linoleum- wichse, Stahlspähne, Pinsel, stanbb. Fußbodenöl, inSbes. Fußbodenanstrichfarben, rasch und hart trocknend. % empM» Angnst NoU, .Vtrcu^Troderie, Frankfurt a. Main Hotel Victoria Kaiserstrasae 59, 2 Minuten vom HauptbahnhoL Elektr. Licht. Central-Heizung. Aulzug. beobachtet rnerben. Die vorläufigen Beobachtlingen von Aerzten haben ergeben, daß er zu rechn ungSfähig sei. Berlin, 14. Juni. Zu dem Kapitel „Meuterei in S ü d w e st a fri ka" nimmt der „Vorwärts" nochmals das Wort und schreibt u. a.: „Die Nordd. Allg. Ztg." schiveigt ich aus und mir durch die Kloaken der Scherl-Blätter und der „Voss. Ztg." wird einiger duftender offiziöser Kehricht gegen uns gespült. ES beißt da, von Vorkommnissen dieser 9(rt ist an maßgebender Stelle nichts bekannt, mit anderen Worten nach einem sehr alten Rezept: „Was nicht in den Akten steht, hat auch nicht existiert." Die „Voss. Ztg." gibt wenigstens zu, daß einige Fälle von Gehorsamsverweigerung usiv. zu verzeichnen gewesen find. Dieses „Undsoweiter" ist einfach göttlich. Es ermöglicht nach Belieben, wenn die Negierung an zuständiger Stelle zur Verantwortung gezogen wird, unter „undsoweiter" das Verhauen eines Wachtmeisters und das Erstechen eines Offiziers zu registrieren. Man wird von un§ nicht verlangen, feafe, wir solches lächerliches Drumherumgerede irgendwie ernsthaft nehmen. Die „Nordd. Allg. Ztg." wird schon eine andere Methode anwenden müssen, wenn sie es nicht vorzieht, weiter zu schweigen." Brandenburg a. d. Havel, 14. Juni. Ein Wolkenbruch überschwemmte weite Landstrecken bei Brandenburg. Die Ernte wurde zum Teil vernichtet. Dresden, 14. Juni. Im Albertinum wurde ein Fremder verhaftet, weil er drei GipS statu en: Merkur, Alexander den Großen und den sterbenden Fechter, angeblich aus Entrüstung über deren Nacktheit, verstümmelte. Der jedenfalls geisteskranke Mann soll ein russischer Duma-Pope sein. London, 14. Juni. Hier ist ein Ausschuß ernann worden zwecks Untersuchung über den geheimnisvollen Tod von 16 Personen in Hüll. Man vermutet, das; diese durch den Genuß von amerikanischem Konservenfleisch vergiftet worden sind. Mehrere hundert Kilogramm Konserven, wurden vernichtet. London, 14. Juni. Auf eine Anfrage im englischen Unterhause erklärte derRegierlingsvertreter, daß er von Verhandlungen Deutschlands über den Erwerb einer Insel im pers. Golf oder von Konzessionen zur Bahnlinie Bagdad bis Khanakin keine Informationen habe. , Rom, 14. Juni. Es verlautet hier bestimmt, datz die preußische Regierung die an der Porta Pia gelegene Villa Bonaparte gekauft hat, um dorthin den Sitz des historischen Instituts und desStipen- diaten-Ateliers der Berliner Akademie der Künste zu verlegen. c „ _ Mailand, 14. Juni. Dem „Goutiere della Sera -ufolge wurden in Venedig drei Matroscder Kriegsmarine bei dem Versuche, Pläne des Forts San Nicolo zu entwenden, entdeckt und festgenomm cn. 4X°'„ mss.Staatsanl. 1095 4X°'„ Japan. Staatsanleihe 4 °£ Conv. Türken von 1903 Tnrk^nlose ... . . 4 % Griech. Monopol-An1. 4?i> äussere Argentinier . 3° 0 Mexikaner . . 4X7O Chinesen . . . . Aktien: Roch tun Guss..... Buderus E. W . . . Tendenz: schwach. Marklslr., preiswert zu verkaufen. Schristl. Anfraaen unter 04161 cm ben Gießener Anzeiger erbeten. Gebe. Fahrrad für 35 Mk. zu bcrfqufen. Ebklstraftc 32,v. f04*” Gebrauchtes Damenrad billig zu verk. Nordanlage 7, L [04323 GerLchtssaal. R. B. T o rin st ad 1, 13. Juni. Vor dem Schwurgericht batte sieh heute der am 16. November 1877 zu Lörzenbach nehovcnc Landbriefträger A d a m Müller in Vtörlenbach wegen U n t c r* s ch l a a u n g i m A m t e zu verantworten. Er hatte am 23.Ang. 1905 in Weiher auf einer Postanweisung von 10 Alk. die Unterkhriit gemischt und nm 27. Januar 1906 eine Postanweisung von 100 Alk. unterdrückt. Der früher Unbescholtene hatte sich auch während der Militärzeit gut geführt, iodast er zum Unteroffizier befördert wurde, mit dem Abgangszeugnis sehr gut ging er vom Militär nb und wurde als Landbriesträger angestellt. Sein jetziger Verdienst betrug 2 Mark täglich, (!) wovon er Frau und Kind ernähre n in n ß t c. In Anbetracht dessen lumben dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt, er erhielt 1 Jahr Gefängnis, wovon 3 Atonal Untersuchung abgerechnet werden. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zn tragen. Er trat die Strafe sofort an. Leipzig, 13. Juni. Das Reichsgericht hat heute den ztvischen der DresdenerBank resp. dem preußischen Fiskus einerseits und der HiberniaHütte andererseits schwebenden Prozeß z u g u n st e n d e r l e tz t e r e n entschieden. _ , Frankenthal (Pfalz), 13. Juni. Wegen Wern- sälschung Ivurde der Wein Händler Schneider in Neustadt a. Haardt zu fünf Monaten Gefängnis und 3 0 00 Mark Geldstrafe, und sein Buchhalter Schober zu zwei Monaten Gefängnis und 15 00 Mark Geldstrafe verurteilt. Die in Betracht kommenden 20 000 Liter Wein wurden ein gezo g en. Eine Kindesmörderin freigesprochen! ^ie ledige Verkäuferin Ida Tettenborn, die im April ihr uneheliches Kind nach der Geburt getötet und in den Ofen gesteckt hatte, wo es im angekohlten Zustande gefunden 'wurde, ist gestern vom Schwurgericht Rudolstadt freigesprochen worden. Sandel uir- Verkehr, Volkswirtschaft. ‘y o nu b q ch 12. Juni. Bei dem heutigen Markte waren über 500 Jungschweine aufgetrieben: namentlich waren viele auswärtige Händler erschienen. Tie Preise waren nicht hoch: DaS Paar Ferkel war zu 70 Mk., das Paar Lauser zu 100 Mk. käuflich. Fast die ganze Ware wurde abaesetzt. Märkte. ---Lauterbach, 12. Juni. Der gestern hier abgebaltenc PränUenmarkt hatte stark unter bem anhaltenden Regen- weiter zu leiden. Der Auftrieb von Vieh war trotzdem verhaltrn-- mäßia recht lebhaft. Es waren im ganzen ca. 300 Stück Rindvieh ! nh 476 Stück Schweine. Der Handel ging im allgemeinen recht Stt und diemststeWare wurdkauch abgesetzt Die Preise waren bei Rindern und Schweinen recht hoch, insbesondere winden für ^'ukrs hw ne sehr hohe Preise gefordert und gezahlt. Auch au feem Kieaenmarkt wurde recht lebhaft gehandelt Em recht bemo PHfmirfe(te sich auf dem nachmittags abgebalteneu gingen flott, und die Händler waren wie man wahruelime.i konnte, recht zufrieden. waren, wie nmu - j. (Teiegr. Ong.-Bencht des Gies-' Än-"1 Amtliche Notierungen der heutigen V i e li m arkb- c KumVerkaufe standen: 40 Ochsen, 7 aus Oesterreich 0 Bullen O^aus Oesterreich, 100 Kühe, Ferien Stiere und Rinder, 0 Butten, 0 au. ' so Schafe und vammel, 1 Ziegen, 0 aus Oester., 7o7 ' Bezahlt wurde für I “l » L bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. - r, . , l. q io Qiini iv ru ch t m a r k t. Durch G-rbicn 0.00 Tif.. Kartof'elu 0.00 Mk. ---Temperatrrr der Lahn und der Luft in der M ü l l e r'schen Badeanstalt. Wasser 15° N. empfing, überreichte er ihr den Strauß und' — wünschte ihr tn herzlichen Worten Glück zur Verlobung ihrer Tochter mit seinem Adjutanten, dem besten Schwiegersöhne, den sie sich wünsche könne. — So wurde, durch die Freiwerbunq des Kaisers, die Berliner Gesellschaft um ein glückliches junges Ehepaar reicher, um das sich inzwischen eine kleine Schar blühender Kinder gesammelt hat. * Heidelberg, 13. Juni. Nachdem die Geheimräte Prof. Bier in Bonn und Prof. Garr^ in Breslau die an sie ergangenen Berufungen an die hiesige Universität als Nachfolger Geheimrat Ezernns abgelehnt hatten, ist jetzt ein solcher Ruf an den Chirurgen Prof. Dr. A. Na rat h an der Universität Utrecht ergangen. Gießener Strafkammer. -. . . Ä )( Gießen, 12. Juni, uut der Kontrolle der Wehrvf'ichtigen beauftragten Behörden haben der Staatsanwaltschaft angezeigt, das; 7., teilte, die sich in der Provinz Oberhessen aufgehalten hoben, sieh AJt den angeordneten Reo sionen nicht gestellt Haben. Die an- gestellten Ermittelungen ergaben, daß sie sich nicht im Deutschen Nkich au'halten, auch ergaben die Erkundigungen feine Umstände, welche die Annahme ausschliefien, daß sie das Bundesgebiet ver- lasien haben, um sich der Wehrvflicht zu entstehen. Da feiner auf feie öffentliche Ladung erschienen ist, wurde jeder zu 3 0 0 Mart Geld st rafe verurteilt und die Beschlagnahme des Vermögens, soweit es zur Deckung der Strafe und Kosten nötig ift, verfügt. T'itrch das hiesige Schöffengericht war der frühere G a st w i r t St. B. hier, wegen Duldens von G l ü ck s v i c l zu 40 Marl Geldstrafe verurteilt worden; seine mitangeflagte Frau wurde mangels Beweisen sreigesprocheu. Der Verurteilte und die Staatsanwaltschaft fochten das Erkenntnis an: letztere ließ ober die Be- rufung bezüglich der Frau vor der Verhandlung wieder fallen. Nach der Beweisaufnahme erhielt die Polizei infolge einer Beschwerde des Wirtevereins Kenntnis von dem Treiben in der Wirtschaft d"s B. Sie stellte fest, dast insbesondere von junoen Leuten allabendlich dem 6stückssviel gehuldigt wurde, wobei größere Geldbeträge vcr= svielt wurden ; ein Kellner verlor on einem Abend 70 Mark, während andere in der nämlichen Zeit 5 bis 20 Mark Verluste hatten. Der Angeklagte spielte nicht blos selbst mit, sondern er animierte auch feie Gäste dazu. Seine Berufung stützte sich darauf, dast er nicht Inhaber der Wirtschaft gewesen sei, seine Frau allein sei die Konzession zum Betriebe erteilt worden. Wenn auch tatsächlich feslsteht, daß ihm wegen einer Strafe, die er wegen einer Kuppelei erhalten hat, die Konzession versagt worden war, solche ab r der Frau erteilt wurde, so war doch erwiesen, daß er unabhängig von seiner Frau, in der Wirtschaft geschaltet und gewaltet hat, was insbesondere daraus hervorging, daß er einen Gast, der sich unliebsam gemacht hatte, ohne weitere? vor die Türe beförderte und einen Anderen, mit dem er wegen Zahlung feer Zeche in Differenzen geraten war, den lleberzieher einbehielt. Das Gericht war sich klar, daß das Gebaren des Augeflagten darauf hinauslief, die Bestimmungen des Gesetzes zu umgehen. Es hob hervor, indem es daS Urteil bestätigte, daß der Angeklagte neben seiner Frau wohl auch als Inhaber angesehen werden kann; auch fei kein Zweifel, dast das sogenannte Maufcheln sowohl, als auch das Wutzspiel und Siebzehmmdvier als Glücksspiele anzusehen seien. HM ■gyHayptg.e^ine^ 1(^0,000 8LA etc. //J .■ mTmlJ/ Vy^V’Wf'?; :a « IÄB? ■ WßiL ■Kl -■■■• ZAUDER' Butzbach: [3679 Saarbrücken. [3684 Lüchuger Pferdetuecht per Sofort gesucht. [3680 versieht, gesucht. [3683 H. F. Nassauer, Neuenweg 15. B‘~/fi| Alte Lrlinit. hunger Hausbursche gejltchr. 3579] Wetzlleinstr. 44. Wiese«. 3681 Lohn gesucht. 3682 [3646 Frau Hermann Wwe. An den Bahnhöfen 80. Sack «KJughardt, Zementwaren- fabrlk, Heuchelheim. Dkeldungen auch Süd-Anlage 20. LlliismÄchc» 04291s Landgrafenstraße 3, III. Fleißiges LiciisimsöDn für Küche und Hausarbeit bei hohem Hausbursche v. Lande, ein gesunder, kräftiger, welcher auch elivas Gartenarbeit ßiflt sich. LiessimW aufS Land sofort gesucht. Will). Man?, Metzgermeister Samstag, den 16. Juni 10 Kellner Sonntag, den 17. In. i 20 Kellner Montag, den 18. Juni 10 Kellner Zu melden bei H. Ruht, hier, Marktplatz 18, HI. Lanthan ^jismarckstr. 10,1. KeUnerlehrlinA gesucht. [04295 Hotel Prinz Carl, Gießen. 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