Nr. 187 erscheint tätlich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. IRotationSbrud u. Verlag der Brüh l'schen Un ivers.-Buck-n. Stein- bruderet. R. Lange. Slcbaffion, Exveditiou und Druderei: Echntftratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exved.e-^öi Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 14. Jnni 1906 Gießener Anzeiger General-Anzeiger ** Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen mawwiwMi ^TMTrrffm7[ ■■■.. ■ Hy k ■ _m> -to-ct yezu gSvretS, monatlich 7bPl., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlidi 6ü Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. auSschl. Beslellq. Annahme von Anzeige» für die TageSmlinm« bis vormittags 10 Uhr, ZeilenoreiS: lokal 18M, ausivänS 20 Pig. Verantwortlich *üt den polit und aOgem, Teil: P. Witt ko; füt .Stabt und Cantr und .Gerichtssaal'. Ernst Heß; hit den Anzeigenteil: Han 4 Veck. Pie veutige Kummer umfaßt 8 Seiten. beiter erfolgen solle. Finanzminister Dr. Gnauth entgegnet dem Vorredner kurz und betont, daß die Regierung ihren bei der Forst- und Wasserwirtschaft beschäftigten Arbeitern nie daS Koalitionsrecht verweigert habe. Es sei auch zu bedenken, daß die Löhne der Arbeiter beständig gestiegen seien, während sich die Beamtengehülter seit 10 Jahren nicht geändert hätten. Nach einer kurzen Frühstückspause werden zunächst mehrere Ersatzwahlen für den verstorbenen Abg. Möllinger oorgenommen. Abg. Bähr will vor der Abstimmung in eine Diskussion eintreten und bezeichnet es laut als eine .Vergewaltigung", als ihm der Präsident bemerkt, daß hierbei nicht disputiert, sondern nur abgestimmt werden dürfe. (Es handelte sich hier offen, bar nur uni ein Mißverständnis.) Die Wahlen erfolgen darauf sämtlich mit Stimmzetteln. Zum landsländischen Mitglied der Staatschuldenoeiwaltung wird Abg. Reinhart mit 29 Stimmen gewählt und zu deffen Stellvertreter Abg. Bähr mit 22 Stimmen (Abg. Mol- than erhielt 18 Stimmen). Bei der Wahl zum Mitglied des Finanzaus'chuffeS werden zuerst 21 Stimmen für Stapler und 19 für Brauer, sowie 3 weiße Zettel abgegeben, in der Stichwahl wird Abg. Brauer mit 23 Stimmen gewählt. Bei der Wahl eines Mitgliedes in den Sonderausschuß für die Verwaltungsgesetze erhält zuerst Abg. Tr. Gläfsing 22, Abg. Senßfelder 21 Stimmen, Abg. Stöpler 1 Stimme. Auch hier muß Stichwahl entscheiden, wobei Dr. Gläfsing nut 24 die WohnungSgeldjnschüffe für die Beamten. Mg. Brauer (Böd.) fuhrt aus, er muste un Einverständnis mit seinen Parteifreunden doch mancherlei prm- Lipielle Bedenken gegen den in hem Ausschußantrag aus Erhöhung der Wol/nungsaeldzuschüsse gemachten Vorschlag erbeben. Man werde damit den Zudrang vom Lande nach der Stadt doch nicht beseitigen. Mit der Vermehrung des Einkommens der Beamten in den größeren Staören wurde man geradezu eine Prämie auf die flucht vom ^ande äusseren Man habe vor menig Wochen erst bei der Etarv- beratung mit allergrößter SpMsamkett v-rsahren muffen hon bem Zuschuß von 50 000 Mk. für Sa||erfatung8»tocde auf bem Linde 20 000 Mk. gestrichen ufto. und nun sollten oBne weiteres 600000 oder 800000 Wk. sirr Wohnung^ znM«e m die Beamten »ermatt werden, nachdem erst, Stimmen z-w-hil wird bei Feststellung der Besoldungsordnung versichert worden war, daß nun in der Hauptsache auf Jahrzehnte hinaus Ruhe und -Ordnung geschaffen sei. Redner erklärt zum Schluß, daß er und seine Freunde dem Ausschußantrag nicht ihre Zustimmung geben könnten. Finanzminister Dr. Gnauth: Die Regierung habe es für ihre Ausgabe gehalten, gemeinsam mit dem Finanz- ausschuß diejenige Form zu suchen, in welcher die dringendsten Anforderungen der Beamtenschaft befriedigt werden könnten. Von einer allg. Revision der Beamt e n g e h ä l t e r, die einen Krieg aller gegen alle im Lande heraufbefchworen hätte, mußte von vornherein Ab- stand genommen werden, und man entschloß sich, auf dem Wege der Wohnungsgeldzuschüsse vorzugehen. Die allgemeinen Verhältnisse hätten sich seit Festsetzung der Besoldungsordnung sehr zu Ungunsten bei Beamten verändert und am meisten bedrängt seien die Beamten, die sich nicht im Besitz einer Dienstwohnung befänden. Deshalb habe sich die Negierung zur Bewilligung mäßiger Wohnungsgeld- zuschüsse entschlossen. Es werde aber damit noch lange leine Prämie für den Fortzug vom Lande gewährt, Ivie Abg. Brauer meint, sondern nur mildernd gegen die größten Härten gewirkt, soweit das mit 6—800000 Mk. möglich sei. Den Beamten auf dem Smibe und in den kleineren Städten sei auch durch die Herbeisüh.ung der Gleichberechtigung der höheren Schulen eine wesentliche Erleichterung geschaffen worden, der Vorredner könne schon daraus ersehen, daß die Regierung auch den Bedürfnissen des Landes möglichst entgegenzukommen bereit sei. Die Beschränkung, daß diese Zuschüsse nicht pensionsfähig seien, beweise wohl, daß die Negierung keineswegs blindlings in der Sache vorgehe. Neven den Wohnungsgeldzuschüssen solle auch die Vergütung der nicht angestelsten Schrcibgehilsen und Schulverwalter erhöht werden, dagegen könne den staatlichen M- beitern in diesem Zusammenhang keine Versprechung auf Lohnerhöhung gemacht werden. Sie hätten ja auch die Möglichkeit, besser bezahle Stellen anzunehmen, die Beamten aber nicht, und ihre Löhne seien ebenfalls besser geworden. Die Volksschullehrer hatten ja bereits entweder ihre Dienstwohnung oder bekämen vollen Ersatz des ortsüblichen Mietsgeldes. Man müsse sich überhaupt hüten, den Kreis der zu berücksichtigenden Beamten noch weiter zu ziehen, denn je größer derfelby sei, desto schwieriger werde sich die Lösung dieser Aufgabe gestalten. Vor allem müsse die Besserstellung durch Wohnungsgeldzuschüsse ohne Steuer- erhöhnng durchgeführt werden, denn die Regierung habe die Ueberzeugung, daß die Beamten selber nicht ihrer Wohnungsgelder wegen eine aHgemeine Steuererhöhung wünschen dürften. Er hoffe, daß sich der für diese Zwecke erforderliche Mehrbetrag aus den überaus erfreulichen bedeutenden Steigerungen der Ueöerschüsse aus der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft, sowie den voraussichtlichen höheren Steuererträgnissen und den Mehreinnahmen aus den sich bessernden wirtschaftlichen Verhältnissen decken lassen werde. Es müsse vor allem auch auf eine Konsolidierung unserer Staatsfinanzen Rücksicht genommen werden. Abg. Dr. David führt ans: Das Interessanteste und Bemertenswerteste in den Worten des Finanzministers war, daß er die Frage einer Bessergestaltung der staatlich an- gestellten Arbeiter mit keinem Wort erwähnte. Die Bemerkung des Vorredners, daß der Lohnarbeiter besser daran sei, als der Beamte, weil der erstere ein leicht lösbares Är- beitsverhältnis habe und auch in seinem Verdienst besser gestellt sei, treffe nicht zu. Gerade das, was der Minister als einen Vorteil für die Arbeiter betrachte, sei ein großer Nachteil für sie; habe der Staat doch heute noch nicht den Arbeitern das Koalitionsrechr zugestanden. Mit der Gleichberechtigung der höheren Schulen sei für btt ländliche Bevölkerung wenig getan, man solle endlich den Gedanken einer Einheitsschule zu verwirklichen bestrebt sein. Redner befürwortet daraus einen Zusatzantrag seiner Partei, dem Zlusschußantrag die Worte hinzuzufügen, daß auch „eine entsprechende Erhöhung der Bezüge und Löhne aller nicht mit Beamtencharakter bedachten Hilfsangestellten und Air- Aweite hessische Kammer. .. R. B. Darmstadt, 13. Juni. . E Ministertsich: Staatsminister Ewald, Ministerial- praswent Braun, Finanzminister Gnauth, Ministerialräte Becker, Usinger. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9^ llhr. Das überweist zunächst eine Reihe zur vorläufigen Berichterstattung im Plenum gestellte Anträge und Vorstellungen den zuständigen Ausschüssen. Dann kommt ein Antr.ag Reinhart und Gen. zur Beratung, welcher die Herausgabe einer Landtagkkorrejpoudenz betrifft und lautet: „Hohe zweite Kammer wolle beschließen, den Herrn Präsidenten zu ersuchen, die Herausgabe einer Landtagskorrespondenz durch das Bureau der 2. Kammer der Landstände zu veranlassen und die Vorbereitungen hierzu so zu beschleunigen, daß dieselbe in der diesjährigen Herbsttagung der zweiten Kammer bereits erscheinen kann. Die Kosten, welche durch die Herausgabe dieser Landtagskorrespondenz entstehen, sollen unter Kapitel 13 des Hauptvoranschlags verrechnet werden." Der Vorstand des Hauses beantragt hierzu: Die Kammer wolle dem vorstehenden Anträge Folge geben. Nachdem die sofortige Beratung beschlossen, führt Mg. Dr. Heioenreich aus, die Wählerschaft habe ein volles Interesse daran, von den Kammerverhandlungen ausführlich unterrichtet zu werden. Die jetzige Berichterstattung in manchen Zeitungen lasse aber zu wünschen übrig, sie sei meist je nach der Partei gefärbt. Auch die offiziellen Berichte des Regierungsorgans könnten schon lange nicht mehr den berechtigten Ansprüchen genügen. Es sei die Einführung einer objektiven Berichterstattung daher sehr erwünscht. Abg. Adelung ist der Ansicht, daß durch die Einführung einer solchen Korrespondenz nur dann gewonnen werden könnte, wenn sie völlig objektiv wäre. Jnbezug auf Raschheit würde sie die jetzige Berichterstattung der Zeitungen auf keinen Fall übertreffen können. Der Redner fragt, wie denn die Sache eingerichtet werden solle. Sie müßte doch den Zeitungen gratis überlassen werden, wenn sie nicht unter Ausschluß der Oeffentlich- keit erscheinen solle. Abg. Dr. G u t f l e i s ch bemerkt, er werde zwar ebenfalls bem Antrag seine Zustimmung geben, könne aber doch verschiedene Bedenken nicht unterdrücken. Er glaube nicht, daß mit Einführung einer solchen Landtagskorrespondenz die jetzt beklagten Miß st ände beseitigt werden wurden. Eine objektivere Berichterstattung über die Latidtagsver- handlungen sei erwünscht, es frage sich aber sehr, ob bei der neuen Korrespondenz eine völlige Unparteilichkeit erreicht werden würde. Es werde schließlich doch jeder Redakteur sich mehr oder weniger unbewußt von seinen politischen Anschauungen dirigieren lassen; man könne ja auch z. B. schon in einer etwas weniger ausführlichen Wiedergabe einer Rede eine gewisse Tendenz oder Parteilichkeit erblicken. Da müßte doch in allen wichtigen Fällen auf die stenographischen Protokolle zurückgegriffen werden. Nach seiner Meinung sei'die freie Konkurrenz auch hier das Empfehlenswerteste. Abg. Ulrich spricht sich für den Antrag aus und bemerkt, es solle wenigstens einmal ein Versu ch mit der Landtagskorrespondenz unternommen werden. Nach seiner Meinung werde es zwei gewiegten Journalisten sehr wohl möglich sein, am Schluß einer Sitzung einen unparteiischen Bericht darüber zu liefern. Wenn ein Teil der Blätter trotzdem seine eigene Berichterstattung über die Kammer beibehalte, so könne das gar nichts schaden, man könne dann vergleichen, wie sich die Berichterstattung im allgemeinen gestalte. H anptsache sei eine objektive Berichterstattung der Blätter auf dem Land». Er halte den jetzigen Vorschlag für einen sehr glücklichen und bitte, ihn nicht erst einem Ausschuß zu überweisen, sondern direkt den Vorstand mit der Ausführung zu beauftragen. Präsident Haas bemerkt, daß der Vorstand Bereit» entsprechende Vorbereitungen getroffen habe. Ganz umsonst werde aber die Kvnespondenz den Zeitungen nicht überlassen werden können. Wbg. Reinhart spricht sich im allgemeinen für den Antrag aus. Gegenüber der Bemerkung eines Vorredners sei er der Meinung, daß die Berichte, die vor nicht langer Zeit im Oktav format in der Darmst. Ztg. erschienen, sehr objektiv und gut und auch ausreichend gewesen seien. Abg Noack (freis. Hospit.) ist nicht in der Sage, bem Antraa zuzu stimmen, schon well es an jeder Kostenberechnung fehle. Da könnte sich leicht eine Ausgabe von 10 000 Mk. und mehr ergeben. Bei der Abstimmung wird der Antrag mit allen gegen die Stimme des Abg. Nock angenommen. Es folgt nun die Fortsetzung der gestern unterbrochenen Debatte über Das Haus sstzt daraus die Beratung über die Wohuungsgeldzuschüsie fort. Abg. Dr. Schmitt erklärt den Antrag Dr. David für zu weitgehend, und wendet sich dann gegen die Ausführungen des Abg. Brauer. Derselbe solle doch bedenken, daß das WohnungSgeld nicht nur den Beamten in der Stadt, sondern auch denen auf dem Lande zugute komme, soweit sie keine Dienstwohnung haben. Sollte der Antrag des Ausschusses heute nicht angenommen werden, so dürfe die Regierung daraus keineswegs den Schluß ziehen, daß die Mehrheit eine solche Vorlage überhaupt nicht wolle. Ein großer Teil wolle sich nur nicht im Voraus binden, sondern werde erst seine Zustimmung geben, ivenn die Vorlage mit ihren ziffernmäßigen Nachweisen cingebracht sei. Abg. Joutz (b. k. Partei) polemisiert in scharfer Weise gegen den Ausschußantrag. Es grenze nahezu an Unverschämtheit, wenn die Beamten jetzt schon wieder von allen Seiten mit dem Gesuch um Gehaltserhöhung kämen. (Präs. Haas rügt diesen Ausdruck. Redener fährt fort:) Der Aiisdruck mag scharf sein, aber er kennzeichne die Stimmung, die in seinem Wahlkreise herrsche, in welchem 90 Prozent der Wählerschaft ebenso dächten, wie er. Redner führt dann aus, die Beamten seien viel besser gestellt, als die Arbeiter, der Staat baue ihnen LtixuSwohnungen, bezahle aber dabei die Schiilmeister auf dem Lande schlecht. Wenn man für die Wohnungsgeldzuschüsse jetzt die Nachbarländer mit heranziehen wolle, so sei daS nur ein Kniff der Regierung. Die Beamten sollten sich billigere Wohnungen nehmen, bann würden sie auch besser allskoiumen. Bekannt sei, daß in Darmstadt die kleinen Beamten sämtlich sozialdemokratisch gewählt hätten, weil sie mit Recht unzufrieden seien. Die Negierung kultiviere eine übertriebene Beamten- wirtschast, die höheren Beaniten würden nur zum Müßiggang erzogen. Alan solle auch die schwierige Lage des Arbeiters und des Geschäftsmannes bedenken und endlich einmal mit den fortwährenden GehaltSverbesserungen der Beamten aushören. Staatsminister Ewald: Ich möchte doch bitten, mit einer derartigen Kritik, wie sie der Vorredner beliebte, zurück- zuhalten. Vergleichen Sie (zum Abg. Joutz) doch erst, ob unsere Gründe auf Wahrheit beruhen und dann werden Sie finden, daß Ihre Vorwürfe ungerechtfertigt sind. Der Herr Staatsminister protestiert dann weiter gegen den Ausdruck „Kniff der Regierung" und erklärt, daß er sich nie solcher Mittel bedienen würde. Er müsse es auch als eine Beleidigung unserer höheren Staatsbeamten bezeichnen, wenn man den Vorwurf erhebe, daß sie zum Müßiggang erzogen würden, er weise auch diesen Vorwurf entschieden zurück. (Lebhafte Zusliinmung.) Präsident HaaS ruft den Abg. Joutz wegen dieser Vorwürfe zur Ordnung. Abg. Noack: Wenn Herr Joutz den traurigen Mut hatte, von Unverschämtheit der Beamten zu sprechen, so be- iveist er damit nur, daß ihm jedes Verständnis für die soziale Lage unserer kleineren Beamten fehlt! Redner polemisiert dann weiter gegen denselben Abgeordneten, Der wegen wiederholter Zwischenrufe zur Ruhe gemahnt wird. Abg. Dr. Heydenrelch erklärt, auch seine engeren Freunde hätten sich den Anforderimgen der Beamten stets in entgegenkommender Weise angenommen. Sie seien auch jetzt bereit, die dringendsten Härten zu beseitigen, müßten aber auch Rücksicht auf die Finanzlage und die Steuerzahler nehmen und wollten deshdlb erst die Regierungsvorlage abwarten. Abg. Dr. David polemisiert noch gegen Dr. Heydenreich und den Finanzminister und gibt lange statistische Tabellen über die Stundenlöhne der Arbeiter in den Staatsbetrieben. Schließlich empsiehlt der Redner die Annahme eines abgeänderten Antrags seiner Partei, worin statt „entsprechende Erhöhung" der Bezüge und Löhne re. nur „Revision" gesagt werden soll. Abg. Dr. Gut fleisch gab aber als Berichterstatter die Erklärung ab, daß sich der Finanzausschuß dahin entschloffen habe, seinen früher mitgeteilten Antrag zurückzuziehen und dafür folgende Resolution vorzuschlagen: „Die Kammer beschließt, mit Rücksicht auf die von der Regierung gegebenen Erklärungen die Entscheidung über die beiden Vorstellungen des hessischen RichteroereinS und des Vereins mittlerer Justizbeamten bis zur Vorlage des nächsten Etats aus- zu setzen " Darauf verzichteten die noch zum Wort bereiten Redner auf eine weitere Debatte, und der neue Antrag wurde einst l m m i g a n g e n o m m e n. Ta die übrigen Punkte der Tagesordnung nicht eiliger Natur sind, werden sie bis zum Herbst verschoben, worauf der Präsident die Kammer vertagt. politische Tagesscharr. Abrüstung? Zu den englischen Abrüstungsdebatten im Unter- und Obeihause bemerkt das „Freie Wort" in einem Artikel „Abrüstung?": So erfreulich auch alle Stimmen sein mögen, die sich zugunsten einer Einschränkung des allgemeinen Wettrüstens und damit zugunsten des Weltfriedens ergeben, so wenig braucht man auf das Verhalten der Mächte der englischen Aufforderung gegenüber gespannt zu sem. Das mit England so eng liierte Frankreich hat bereits durch den Mund Leines Admirals Thomson seine Absage erteilt, und über 'einige höfliche Redensarten und Verbeugungen werden auch die anderen Regierungen nicht hinausgehen. (Inzwischen hat das der ftanzös. Ministerpräsident Sarrien bereits qetan. D. Red.) Und sie können es auch nicht, weil sic damit die Existenz.oder zum wenigsten die Selbständigkeit ihrer Staaten aufs Spiel setzen würden. Für Deutschland besonders liegt in dem plötzlich erwachten englischen Abrüstung seifer, der ganz deutlich seine Spitze gegen die Verstärkung der deutschen Flotte richtet, eine ernste Bedrohung, imb darum sollten wir doppelt auf der Hut sein. Wir wollen an den guten Wsichten der jetzt herrschenden Liberalen in England durchaus nicht zweifeln, aber die Garantie, daß sie ewig an der Herrschaft bleiben, werden sie uns schwerlich geben können. Zudem rst es für England ein verteufelt gescheiter Gedanke, jetzt, wo es auf dem Gipfel seiner Macht steht, Mrüstung oder doch Einschränkung der Rüstungen den andern Mächten anzuempfehlen. Was besagt das denn anders, als einen recht offensiven Vorstoß zur Stabilierung der jetzt bestehenden Machtverhältnisse, um Englands Weltherrschaft für die Dauer zu besiegeln? — '5Euf diesem Weg kommen wir in unserer Zeit schwerlich zmn Ziele, viel wahrscheinlicher dagegen zu dem „frischen, fröhlichen Kriege" (den sich ja auch der österr. Feldmarschalleutnant Potiorck, ein sonderbarer Schwärmer, sehnlichst erhofft! D. Red.), der gerade vermieden werden soll. Solange noch die Staaten ihrem innersten Wesen nach Raubstaaten sind, wird an eine allgemeine Ab r ü st u n g ü b e r hau p t n i ch t zu denken sein, vielmehr wird jedes aufstrebende Volk in der größtmöglichen Vervollkommnung seiner Kriegsmittel seine erste und vornehmste 'Ausgabe erblicken. Anders kann es erst werden, wenn neben die jetzt herrschen- LenSchichten in allen Völkern andere Schichten mit ausschlaggebendem Einfluß treten, die in eigenstem Interesse den Schlachtruf „Krieg dem Kriege" erheben. Eine Umgestaltung der sozialen Verhältnisse in allen Staaten ist also die Grundbe- dingung für eine dauernde Wrüstung. 17. Landes-Versammlung des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes. X Niedernhausen, 12. Juni. (Schluß.) Auf der Abgeordneten-Vcrsammlung der Zweigvereine waren 53 Orte mit 10 077 Mitgliedern vertreten, darunter aus Oberhessen, Allendorf, Alsfeld, Billertshausen, Butzbach, Eckartshausen, Friedberg, Geiß-Nidda, Gießen, Gonterskirchen, Kirtorf, Laubach, Leusel, Nidda mit Michelau und Unterschmitten, Nonnenrot, Ober-Gleen, Ruppertsburg, Schotten, Sellnrod, Stornfels, Ulfa, Villingen, Wallernhausen mit Fauerbach und Zell. Die Berichte der Zweigvereine gaben ein anschauliches Bild von der Arbeit, welche zur Sammlung des evangelischen Volkes und zur Stärkung deutsch-protestantischen Wesens allerorts in Angriff genommen »ist. Von den Vorsitzenden wurde zweier Männer gedacht, die im letzten Jahre verstorben sind und sich um die Sache des Evang. Bundes verdient gemacht haben, des Professor Dr. Marx von Worms, gewesenen Mitgliedes des Vorstandes des Hilfsausschusses, und des Direktors Dr. Weiffenbach von Friedberg, vormals Mitglied des Hauptvorstandes. Folgende Resolutionen wurden angenommen: 1. Die Hauptversammlung empfiehlt den Zweigvereinen ruv wirkungsvollen Förderung unserer Vundeszwecke und zur Erstarkung des evangelischen Bewußtseins ihre regelmäßigen Vortrags- und Familienabende nach der Seite hin auszubauen, daß sie auch die Freude an deutscher, auf dem Boden des Evangeliums stehender K u l t u r a r b e i t pflegt. — Ferner empfiehlt sie die Gründung von Volksbüchereien deutsch-evangelischen Geistes und von Gemeindeblättern, sowie die Errichtung oder Unterstützung jedweder evangel.-christlicher Liebestätigkeit, insbesondere der Gemeindepflege und hierzu nötigenfalls den Zusammenschluß benachbarter Gemeinde-Vereine zu Bezirks- Vereinigungen. 2. Der Vorstand des Hessischen Hauptvereines wird ersucht, bei der Zentrale des Bunde? die Aufstellung eines Kataloges guter, des evangelischen Bewußtseins weckender und stärkender Bücher für Volksbüchereien zu veranlassen. Am Abend des zweiten Tages war der Zudrang so groß, daß in zwei Sälen Versammlungen abgehalten wurden, die eine von Lehrer Eichmann-Niederhausen, die andere von Lehrer Arras von Steinau eröffnet und geleitet. Begrüßungen brachten dar: die Gemeinde Niedernhausen (Bürgermeister Beilstein), das Kirchenspiel Niedernhausen (Pfarrer Vogt), der Zweigverein Niedernhausen (Forstwart Hechler), der Posaunenchor (Landwirt Ad. Becker), christliche Gewerkschaft von Billings und Groß-Bieberau (Steinmetz Pohl-Groß- Bieberau), der Zweigverein Groß-Bieberau (Beigeordneter Voltz und Bäckermeister Späth), der Kirchengesangverein Niedernhausen (Schneider Schwöbel). Herzliche Dankesworte sprach der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins und der Kirchengesangverein und Posaunenchor wirkten wiederum mit. Interessante Reise- und Geschichtsbilder gab Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg. Er schilderte die kirchlichen Verhältnisse der Schweiz und von Savoyen in Vergangenheit und Gegenwart. Die Worte des Redners gipfelten in der ernsten Ermahnung an die Zuhörer, unseren evangelischen Glauben treu zu bewahren und sich seiner würdig zu erweisen. Mit hinreißender Beredsamkeit wußte Pfarrer Ropfermann von Caub a. Rh. seines Themas gerecht zu werden, das lautete: Baut der Bund oder reißt er nieder? Unter allen Vorwürfen, die bem Bunde gemacht werden, ist nicht der geringsten einer, er sei nur zum Niederreißen da, seine Aufgabe fei nur, zu kämpfen, seine Kraft liege im Verneinen. So sagt man ihm nicht allein von katholischer Seite nach. Aber der Bund bekennt sich in feinem Programm zu Jesus Christus. Er sammelt die evangelischen Gemeinden; er weckt auch in solchen wieder Freude und Anteilnahme, die bisher abseits standen; er gibt durch seine reiche Literatur Hunderttausenden Anregung und Förderung für ihr Glaubensleben. Er schützt die großen Männer unserer Kirche und fördert dadurch die Ideale unseres Volkes. Er nimmt sich der evang. Bewegung, besonders in Oesterreich, an; er ist in christliche Liebestätigkeit praktisch eingetreten. Indem er die Gefahr des Ultramontanismus aufdeckt und ihr zu Leibe geht, schützt er deutsches Wesen. Dagegen predigt er Ehrfurcht vor aller wirklichen Religiosität in der lathol. Kirche. In der letzten Abgeord neten-Versammlung gab Pfarrer Berk von Wald-Michelbach, Schriftleiter des Hess. Bundesboten, einen Bericht über dieses Organ, der eine Auflage von über 15 000 hat. „Für Gemeinde, Kirche und Vaterland arbeitet der Evang. Bund, also auch sein Bote". Darum hat er die Geburtstage des edlen Fürsten Philipps des Großmütigen und des großen Dichters Friedrich v. Schiller mitgefeiert. Darum stellt er immer wieder Luther und Bismarck dem Volke vor die Seele. Ebenso ist er stets auf dem Plan, wo es gilt, zu wahren und zu wehren. — Zum Festort des nächsten Jahres wird auf Einladung Worms beftimmt Zum Höhepunkt der Tagung führte die Mitglieder- versammlnng des letzten Tages. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Pfarrer Lic. Waitz, in der er den Vorwurf gegen den evang. Bund, als störe er den konfessionellen Frieden, zurückwieS, ergriff Oberkonsistorialrat Flörin g aus Darmstadt das Wort, um von dem Großh. Oberkonsistorium „die wärmsten Grüße und Wünsche zum Feste zu bringen". Es stimmte die Versammlung zur dankbaren Freude, ausgesprochen zu hören, daß es für die Hess, evang. Kirchenbehörde selbstverständlich ist, die freie Tätigkeit eines Vereins zu schützen, der die Wahrung der deutsch-pro- testantischon Interessen sich zur Aufgabe stellt, und es war ganz aus dem Sinne der Bundesmänner gesprochen, daß der Evang. Bund nicht kämpft um deS Kampfes, sondern um höherer Interessen willen, und daß schließlich der siegt, der den stärkeren Glauben, die tieferen Gedanken, das festere Herz und den weitesten Blick hat. Es folgten Begrüßungen seitens des Zentralvorstandes und durch den geschäftsführenden Vorsitzenden Direktor Lic. Everling aus Halle a. d. S., der mit flammenden Worten das Bundesband zu rühmen wußte, das All-Deutschland umschlingt; ferner durch Dekan Keil (Dekanat Reinheim), der zur rührigen Arbeit aufforderte, durch den Dekanats-Stellvertreter Pfarrer Knodt von Groß-Zimmern (Dekanat Groß- Umstadt), der mit wahrer Begeisterung besonders vom Evang. Bunde rühmte, daß er das innerkirchliche Leben befruchtet, die Lauen und Flauen weckt. Ebenso grüßt der Zweigverein Niedernhausen nochmals durch Lehrer Eichmann von Niedernhausen: Nachdem Rummel von Darmstadt Bericht über die Rechnung erstattet und ihm für seine musterhafte Rechnungsführung und feine mühevolle und selbstoerleugnende Slrbcit Dank ausgesprochen war, folgte ein Vortrag des Lic. Everling-Halle a. d. S. über das Thema: „Was lernen wir ans den landläufigen Bedenken über unsere Bundesarbeit?" Der Evang. Bund hat sein Existenzrecht schon darum, weil weder der Staat, noch die politischen Parteien, noch die evang. Kirche die Arbeit tun können, dir er tut. Ein Volksbund zur Wahrung deutsch- protestantischer Interessen ist eine Notwendigkeit in unserer Zeit, und sein Ruf zur Sammlung ist Ijeiite notwendiger denn je. Auf die anderen Bedenken, er störe den konfessionellen Frieden, er reize zum Widerstand und trage so §ur Verschärfung des konfessionellen Hader bei, er verwirre die Gemüter, und anderes, fallen angesichts der Tatsachen in sich zusammen. Der Evang. Bund will nicht religiös verletzen, aber ultramontane Herrschaftsansprüche klar und deutlich zurückweisen, die Gewissen der Evangelischen, besonders der im öffentlichen Leben stehenden Männer, schärfen, und dies Alles nicht aus Angst vor den Gegnern, auch nicht au§ Angst ums Evangelium, sondern aus Angst um die Zukunft des deutschen Volkes." Es war eine mächtige Begeisterung, die dieser Vortrag heroorrief, die zusammenstimmte mit der Begeisterung, die folgendes Antworttelegramm Sr. Kgl. Hoh. des Groß Herzogs auSlöste: „Für treue Grüße danke ich allen herzlichst. Ernst Ludwig." Es wurde von der Versammlung stehend angehört und mit einem begeisterten Hoch auf den Landesfürsten beantwortet. Das Lutherlied, gemeinschaftlich gesungen, bildete den Schluß der Tagung. Ein Festessen auf der Burg Lichtenberg, durch zahlreiche Tischreden gewürzt, schloß sich an die Tagung an. Ferner erfreute ein von Lehrer Laute nschläger unter Mitwirkung einheimischer und auswärtiger Kräfte veranstaltetes schöne? Kirchenkonzert die Festteilnehmer._____________Bt. Der Friedberger Stratzenrarib vor den Geschworenen. th. Gießen, 13. Juni. Heute verhandelte das Schwurgericht gegen den 30 Jahre alten Taglöhner Heinrich Kutscher aus Herzberg, Kreis Torgau, wegen Straßenraubs. Der Angeklagte ist wegen Bettelns und Diebstahls sechsmal vorbestraft. Die Linklage vertritt Staatsanwalt Neuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Peters. Der Angeklagte ist geständig, daß er in Gemeinschaft mit einem nicht ermittelten Genossen, den er nicht kennen will, und der dem Dialekt nach ans Bayern stammt, am 24. Februar ds. Js. zwischen Friedberg und Fauerbach dem Färbergesellen Paulini seiner Baarschaft und seiner Habe beraubt hat. Paulini sagt als Zeuge aus, er sei mit dem ihm bekannten Kutscher und dessen Genossen am 24. Februar in der Herberge zur Heimat zusammen getroffen. Dort habe er beiden mehrere Glas Bier bezahlt und schließlich habe man eine Flasche Branntwein, die er bei sich gehabt hätte, ge- meinsam geleert. Der Herbergsvater, der den SchnapSgemiß in der Herberge nicht duldet, hat darauf das Kleeblatt an die Luft befördert, und sie gingen in eine Wirtschaft, um für Paulinis Geld weiter zu kneipen. Der Färber lud die Beiden zu einem Ausflug nach Ufingen ein. Schon hatte man am Bahnhof die Fahrkarten nach Ufingen gelöst, aber man war in einen falschen Zug geraten. Der Ufinger Zug ging ohne die drei ab, sie ließen sich ihr Fahrgeld wieder geben und legten es in einer Wirtschaft in Bier und Schnaps an. Inzwischen war es Abend geworden, der nicht ermittelte Genosse aus Bayern machte den Vorschlag, nach Fauerbach zu gehen, wo er einmal gedient hätte. Paulini erklärte, er sei angetrunken gewesen, wisse aber genau, was auf dem Wege mit ihm vorgegangen fei. Als man die Eisenbahn passiert gehabt, habe ihn der Bayer in die Hosentasche gegriffen, sein Messer genommen und es geöffnet. Drohend habe er ihn gepackt und gerufen, „Geld und alles heraus, sonst steche ich dich nieder". Man habe ihm die Taschen durchsucht, ihn seiner au§ 17 Mark bestehenden Baarschaft, seiner Papiere sowie seiner sonstigen Habseligkeiten beraubt. Der Angeklagte habe ihm zwar auch in die Tasche gegriffen, sei aber der weniger Beteiligte gewesen. Auf Antrag des Staatsanwalts Reuß bejahten die Geschworenen die Schuldfrage wegen Straßenraub und bejahten das Vorliegen mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof den Angeklagten zu lJahr 1 Monat Gefängnis verurteilte, auf welche Strafe 2 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Vermischtes. * Vom Vater mit der Schnapsf lasche tot- geschlagen. Der Arbeiter Frankowski aus Pätz bei Königswusterhausen wurde, wie wir bereits mitteilten, unter dem dringenden Verdacht, feinen jüngsten Sohn ermordert zu haben, verhaftet. Frankowski behauptete, daß der Knabe aus dem Bett gefallen fei und sich dabei die tätlichen Verletzungen zugezogen habe. Jetzt hat der älteste Sohn des F. ausgesagt, daß der Vater den kleinen Bruder aufgefordert habe, gerade zu stehen, doch fei der Junge immer wieder hingefallen. Da habe der Vater mit der Schnapsflasche auf den Bruder so lange geschlagen, bis dieser ganz stilllag. Diese Darstellung findet ihre Bestätigung durch den Obduktionsbefund, der unter anderem zwei durch Schläge mit stumpfen Instrumenten hervorgerufene Verletzungen am Kopfe der Leiche ergeben hat. Gegen Frankowski dürfte die Anklage wegen Totschlages erhoben werden. Gerichtsssal. DaS gefälschte Tckanatözeuguis. Durch eine Urkundenfälschung hat der Studiosus der R e cb t e Otto R. aus Königswusterhausen seine Existenz vernichtet. Er stand vor der ersten Straskauuner des Landgerichts II, zu B c r l i n. Zu Anfang des Wintersemesters 1902 ließ sich R. in Berlin immatrikulieren, nachdem er vorder ein Stipendium aus einer Stillung erhalten hatte. Diese schreibt vor, daß nach Ablauf des ersten Seinesters dem Stistungsvermalter ein Prüsungszeugnis vorgelegt werden muß. R. hatte etwas gebummelt und iürchlete daher, daß das Zeugms nicht besonders gut ausfallen dürste. Er nahm zu einem verwerflichen Mittel Zuflucht. Eines Tages erschien R. bei dem Amlsvorsteher in Königswusterhausen und ersuchte diesen um Abschri't eines von dem Unwersitälsvrofessor Geheimrat Kahl angeblich ausgestellten Dekanatszeugnisses. Der Amtsvorsteher entdeckte zufällig, daß auf dem Original Rasuren vorgenominen waren. Er behielt das Schriftstück zurück und reichte es der Staatsanwaltschaft ein. Ans photographischem Wege ivurbe sestgestellt, daß das Datum auf dem Zeugnis gefälscht worden ivar. Da der Verdacht nahe lag, daß R. ein altes Zeugnis gefälscht hatte, um das Stipendium von neuem zu erlangen, wurde gegen ihn Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben. Die Strafkammer sprach den Angeklagten damals frei. Der Verteidiger führte damals aus, daß jenes gefälschte Tekanatszeugnis gar nicht eine beweiskräftige Urkunde sei. Nach den Statuten der Friedrich Wilhelms-Universität vom Jahre 1816 habe nicht der einzelne Professor, sondern nur die gesamte juristische Fakultät als solche Behördenqualität. Auch eine Privalurkunde sei in jenem Schriftstück nicht zu erblicken, weil eine Beweiserheblichkeit für Rechtsverhältnisse hierzu erforderlich sei. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob jedoch das Reichsgericht das freisprechende Urteil auf. In diesem Erkenntnis wird ausgeführt, daß jenes Zeugnis den Charakter einer Privalurkunde trage. Nach dem Gesetz vorn 21. Juli 1852 würde sich der Professor K. einer disziplinarischen Ahndung aussetzen, wenn er zu Unrecht ohne Prüfung jenes Zeugnis ausgestellt hätte. Durch die Fälschung des Angeklagten habe aber jenes Zeugnis diese Eigenschaft und fonüt in einem eventuellen Verfahren eine Beweiskraft erlangt, so daß die Urkunde als eine solche im Sinne des Strafgesetzes anzusehen sei. In der erneuten Verhandlung beantragte der Staatsenwalt ein Jahr Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Werthauer plaibierte aus eine erheblich mildere Strafe, da R. schon schwer genug dadurch bestraft sei, daß er seine ganze Existenz vernichtet habe. Der Gerichtshof erkannte auf s e ch s Monate Gefängnis. — Im Prozeß gegen den Oberst Hüger führte Justizrat Dr. Wallach als Verteidiger vor der Strafkammer in Dortmund aus, es habe ihn schwer bedrückt, daß die Staatsan-- waltschast über den Anyeschuldigten eine Gefängnisstrafe in Antrag gebracht hat. Wenn Sie diese Strafe über den Oberst Hüger verhängen, dann kann ich wohl mit Sicherheit sagen, daß Sie über den Oberst das Todesurteil sprechen werden. (Lebhaftes Bravo im Zuhörerraum.) Das Urteil Dürfte am Freitag spät oder am Samstag zu erwarten sein. HanHeL und Verkehr, Volkswirtschaft. — Zur B ö r s e n l a g e. Am Montanaktienmarkt macht sich trotz der Fortdauer der günstigen industriellen Konjunktur eine ausgesprochene Verstauung bemerkbar, so daß die meisten Aktien dieser Gattung, die schon nt den letzten Tagen uin V3—1 Proz. ab- bröcfelten, nunmehr schärfer rückgängig sind. Wir notieren z. B. Bochumer Bergbau- und Gußstahl gingen von 257 dis 253, Buderus Eisenwerke 1,20 Proz. zurück, Deutsch-Luxemburger wichen bis 210, Eschweiler von 266,10—273,75, Gelsenkirchener von 223—221, Harpener von 218—217, Massen von 149,20—147, Vereinigte Königs- und Laurahülte von 247,50—245,70. Es ist eben des Unberechenbare der Börse, daß sie heute das verwirft, worauf sie sich gestern noch stützte. Rheinische Firmen sollen als Verkäufer auftreten. Man muß dies als eines der alten, schon oft gemachten und immer wiederkehrenden Manöver bezeichnen: Wenn die Tresors überfüllt sind, dann wird geleert um jeden Preis; später aber, sobald die Stimmung wieder nach oben tendiert, wird Material schnell wieder hereingeholt. Die sereusen Besitzer von Aktien mögen sich von der gegenwärtigen, gänzlich unklaren und auch ungesunden Situation nach keiner Richtung hin beeinflussen lassen. Die Spekulation von Beruf forciert es förmlich, daß sich das Privatkapital vom „Geschäft" scrnhält. Der ß o m b a r b c n r u m m e l erfährt seine Fortsetzung. Wie lange er noch anhält, ist allerdings auch eine Frage, die ansängt heikel zu werden. Die Sanierungsperiode auf die jetzt schon gebaut wird, war bekanntlich von 1902—1917 vorgesehen. Wohl wird infolge der über Erwarten günstigen Entwicklung der Erträgnisse der Abschluß der Sanierung wesentlich früher erfolgen können, aber die verfrühten Dividendenerwartungen der Aktionäre sind keineswegs am Platze. Die entschiedenen Erklärungen, die in der letzten Generalversammlung seitens der Verwaltung sowohl ivie des Prioritäten-Kurators abgegeben worden sind, lassen keinen Zweifel, daß die Verwaltung allem Drängen nach vorzeitiger Dividendenzahlung entschiedenen Widerspruch entgegensetzen und darauf sehen wird, daß der Sanierungsreserve erst alle ihr znkommenden Beträge effektiv zurückerstattet werden, ehe der Gewinnanspruch der Aktionäre beginnt. Ginge-an-t. (Für den Inhalt der unter diei'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wird in diesem Sommer der Bach, der noch teilweise die Stadt durchivandert, nicht ivic alljährlich geräumt- Es ist geradezu gesundheitsschädlich für, die Anwohner bei der jetzigen Witterung die wohlriechenden Düfte, die dem Bach entsteigen, Tag und Nacht einatmeu zu müssen, namentlich ist in der Sonnenstraße ein großer Mißstand, da dort Häufet abgebrochen werden und durch den Schlitt die Flüssigkeit gehemmt wird. Hoffentlich genügen diese Zeilen daß Abhilfe geschaffen wird. M obrere A n w ohne r. 1 Für Blutarme, Nervöse I9J {nie« (Weizen-Lecithin-EIWEISS). mPa rllClin Tägliche Ausgabe ca. 25 Pfg. In Apotheken, Drog. — Wissenschaft!. Literatur kostenfrei. Dr. Volkniar Klopfer, Dresden-Leubnitz. 3678 Giessen, den 14. Juni 1906, 'M K SV. £-'V K U M -U -M Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Nachricht, dass es Gott gefallen hat, unseren treuen, fürsorgenden Gatten und Vater, unseren unvergesslichen, guten Schwiegervater und Grossvater 3673 Herrn Bürgermeister Hillgärtner im Alter von 64 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Dm stille Teilnahme bittet im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen Familie Hillgärtner- Allertshausen, Frankfurt a. M., den 14. Juni 1906. Die Beerdigung findet Freitag, den 15. Juni, nachmittags 4 Uhr statt. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser einziges liebes Töchterchen und Schwesterchen ßfflaipäechen nach kurzem, aber schwerem Leiden im 5. Lebensjahre zu sich zu rufen. Um stille Teilnahuw bitten Die tiestrauernden Hinterbliebenen, Familie Barschel. Gießen (Schühenstraße 6), den 14. Juni 1906. Tie Beerdigung findet Samstag, den 16. d. Mts., nachmitlags 5 Uhr'von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 3687 Herrn Karl Kramer Ober-Briefträger insbesondere für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schwabe, für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden, sowie den Postbeamten und Unterbeamten und der grossen Beteiligung zur Begleitung zu seiner letzten Ruhestätte sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Marie Kramer, geb. Pansch und Kinder. Donnerstag, den 21. Juui 1906, nachmittags 3Ubr werden auf hiesigem Orlsgericht die vor dem Nainen des Earl Wenzel und Ehefrau geb. Kläger in Gießen stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen 6/113'/,, — 3426qm Grabgarten beim Jughardsbrunnen, rechts an der Landstraße 6/112 — 872qm Hoiraite daselbst öffentlich meislbiereiid unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, welche vorher aus Großh. Orls- qericht Gießen eingefehen werden können,auseinandersctzungshalber freiwillig versteigert werden. Gießen, den 6. Juiii 1906. [B'/8 Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. K 19/06 K 22 06 B ”4 billigst abzugebeii. [3667 K 27/06. IBai/c Donnerstag, den 5. Juli 1906, nachm. 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen der Joh. Richard Urmersbach Ehefrau geb. Babenheim stehende Parzelle der Gemarkung Gießen Donnerstag den 21. Juni 1906 nachmittags 3 Uhr ivird auf lnesigein Ortsgericht die vor dem Nameii der Urmersbach, Joh. Richard Ehefrau geb. Badenheim stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 1/1379 — 139 qm Hosraite auf dem Asteriveg öffentlich nieistbietend versteigert. Gießen, den 17. Mai 1906^ Großh. Lrtsgericht Gießen. Gros. Donnerstag den 21.Juni 1906 nachmittags 3 Uhr wird auf hiesigeni Ortsqericht die vor dem Nanien der Urmersbach, Joh. Richard Ehefrau geb. Baben- heim stehende Parzelle der Ge- niarknng Gießen 1/1379 — 139 qm Hosraite aus dem Asteriveg öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 17. Mai 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. Mehrere leichte Irüti6port= uni) WM Harren A. Kilbinger ______Seltersweg 19*_______ Goldfchmidt'S Wanientod Radikalmittel gegen Wanzen ßoWtfinriiifä Parasitin zerstört Kopfläuse nebst Brut. Erfolg garaiitiert. |hv7A Per Flasche 50 Zu haben bei Adolf Bieler. Marktstr. 5 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste unseres lieben unvergesslichen Gatten, treusorgendeu Vaters Danksagung. Unsere Abteilung für Spareinlagen 1/1379 ----- 139 qm Hoiraite auf dem Asterweg öffentlich ineistbietend versteigert. Gießeii, den 30. Mai 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. 65 r o §. vergütet zur Zeit folgende Zinssätze: 4°|0 bei ganzjähriger Kündigungsfrist, und zwar für Beträge von Mk. 1000 aufwärts. °|0 bei einvierteljähriger Kündigungsfrist. Unser Institut ist von Grossh. Ministerium zur Anlage von Mündelgeldern geeignet erklärt worden. a“/6 Giessen, im Juni 1906. Bank für Handel und Industrie Depositenkasse Giessen (Darmstädter Bank.) Aktienkapital und "Reserven 1831/» Millionen Mark. K 32/06 Donnerstag den 19. Juli 1906 nachinittags 3 Uhr werden die vor dem Namen des Joh. Kg. Seipp in Gießen stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießeii 3/112,3 — 143 qm Grasgarten am Brennosen, stößt an die Wiesen 3/112,6 = 381 qm Hosraite daselbst auf hiesigem Ortsgericht meistbietend versteigert. Gießen, 14. Juni 1906. Großh. Ortsgericht Gießen. ________Gros._________ VekaMtmachuno Durch Fertigstellung der Wasserleitung sind 6 Gerneiudepumpcu (darunter eine gnßeiserlie, erst vor zwei Jahren neu angeschaffte) billig zu verkarsten. 3669 Beuern, den 12. Juni 1906. Otto, Bürgermeister. Josz’sche Emaille- WandbekleiUiingen für Küchen, Badezimmer, Klosetts u. s. w. Bester nni) billigster Ersitz sir PlWcMag empfehlen [3378 Brüder Schmidt süö/4 ^Giessen Fabrik £ 1 für‘Geldschränke ? Freitag dcu 15. Iuui, mittags 12 Uhr, soll ein herrenlos eingc- ianqener, kleiner, grauer, wertvoller Pinschcrhund auf der Polizeiwache meistbietend versteigert werden. 3686 Der Polizeiwachtmeister. ____________ftnsper._________ WbtlikrstkignW. Freitag, der» 15. d. Mts., nachm. 2 Uhr, werden Tiefen« weg 8, wegzugshalber gegen Barzahlung 2 Betten, Kleidcrschränke, Nüchenschrank m. Glasaufsatz, Stühe, Tische, Spiegel, Bilder, HauS- und Küchengeräte usw. versteigert. [3633 Bersteigerung findet bestimmt statt 7/isitenkarten liefert rasch and billigst Brühl'schc Omv-Druckerel Möbelfabrik Lager und Ausstattungs-Geschäft verbunden mit eigenen Schreiner-, Polster-, Tapezier- und vekorations Werkstätten bietet Verlobten die praktischste und übersichtlichste Auswahl beim Aussuchen des zukünftigen Heimes. Stets Lager von ca. 50 Salons Speise-, Herren-, Schlaf- und Wohnzimmer-Einrichtungen Moderne Küchen-Einrichtnngen in jeder Preislage. 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Lehrlinge: 3 Schmiede, 2 Spengler, 1 Schlosser, 1 Mechaniker, 1 Wagner^ 2 Buchbinder, 1 Schremer, 1 Glaser, 1 Kaufmann. ES suchen Arbeit: Bu/„ 1 Maschinenschlosser, 1 Heizer, 1 Schreiner, 2 Wasch- und Putzfranen, 1 Flickirau, 1 Verkäuferin, 2 Laufkranen, 1 Reisebegleiterin oder Stütze der Hausfrau, 1 Halls- lind 1 Bureaudiener. Bilanz nm 31. Znnnnr 1900. Aktiva. JC $ 1. Kassenbestand . 407.72 2. Ausstände und Manko d. Lagerhalters ... 2 618.93 3. Warenvorrat . 7 905.69 4. Mobilien . . 77.60 11 009.94 Passiva. JtC $ 1. Warenschulden 3 292.63 2. Aufgen. Kapitalien ... 2 840.—. 3. Stammguthab. 340.— 4. Noch zu bezahl. Verwaltungs- kosten . . . 358.45 5. Reservefonds. 2 921.30 6. Betriebsrück - 7. 733.51 524.05 läge . . . Reingewinn . 11009.94 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1904 . 71 Zugang in 1905 ......2 Abgang in 1905 ...... 2 — Stand der Mitglieder Ende 1905 .... ' Ti Der Vorstand des Landwirtsch. Kon.um-Vereins I Beuern E. G. m. u. H. Ludw. Ranft II. Johannes Stroh. [**^ 26. Lahntal-Sänger-undesfest zu Gießen. An verehrliche Einwohnerschaft! Der Lahntal-Sängerbund feiert in unserer Stadt in den Tagen vom 7. btv 9. Inti sein Bundesfest und verspricht die Veranstaltung nach geschehenen Vorbereitungen ein rechtes Volksfest zu werden. Es sind nahezu 500 auswärtige Sänger angemeldet, die im edlen Wettstreite mit den hiesigen beteiligten Vereinen Zeugnis von der Pflege des deutschen Volksliedes ablegen wollen. Dem unterfertigten Empfangs- und Wohnungsausschuß liegt nach den Bestimmungen des Bundes u. a. die Aufgabe ob, den auswärtigen Sängern für Freiquartiere zu sorgen. Wir richten daher an die verehrliche Einwohnerschaft die Bitte, die oft bewährte Gastfreundschaft wieder zu betätigen und in die im Umlauf befindlichen Listen einzuschreiben, wieviel Sängern Logis und Kost gewährt werden kann, oder einen Geldbetrag, um auswärtige Sänger dafür in Gastwirtschaften zu beherbergen. Für gütige Unterstützung im voraus verbindlichsten Dank! v»/6 D"r Empfangs- und Wohnungsansschuß. Emil Hoeft, Vorsitzender. 12Seltene Kaufgelegenheit!! Dekorationen, Tisch-, Reise- und Schlafdecken, Kissen etc. nach Original-Entwürfen von Prof. Olbrich, solange der Vorrat reicht _z weit unter Preis Gart Stückrath, Seltersweg 38 Möbel, Dekorationen, Gardinen, Teppiche, Linoleum a“/6 Hei* und MttMest MM. Aufführung des Festspiels: Oie Wittenberger Volksschauspiel mit Gesang in 3 Teilen von A. Storch am 20., 24. und 27. Juni, Beginn am 7 Uhr, am 17. Juni um 6 Uhr abends. Billets im Vorverkauf in der Geschäftsfiliale Braubach und Fischer (Giessen), daselbst auch Textbücher und Festprogramme. Ferner: Eintrittskarten zum Festplatz und zu der Ausstellung am 17. und 18. 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ArbeilSbcschreibung und Bedingungen liegen während der Tienllfiunden bei uns zur Einsicht auf. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum vorgenannten Zeit- ^mkt an uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 12. Juni 1906. B18/0 Städtisches Tiefbauamt. Braubach. 0 39/06. In der Strafsache gegen den Eduard Reusch von Gießetr, wegen Beleidigung hat die Strafkammer des Großherzogl. Landgerichts zu Gießen am 3. April 1906 ür Recht erkannt: „Der Angeklagte Eduard Reusch, Kaufmannslehrling zu Gießen, geboren daselbst am 11. Aug.1891, evangelisch, unbestraft, wird wegen Beleidigung im Sinne des St. G. B. §§ 185, 200, 57 in eine Geldstrafe von fünfzehn Mark.welcheimFallderUnem- bringlichkeit mit drei Tagen Gefängnis zu verbüßen ist, und in die Kosten des Verfahrens in beiden Instanzen, einschl. der der Nebenklägerin Gustav Koch Ehefrau in Gießen in zweiter Instanz und dem Nebenkläger Gustav Koch zu Gießen in erster Instanz erwachsenen notwendigen Auslagen, verurteilt. Der Beleidigten, Gärtner Gustav Koch Ehefrau, wird die Befugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil des Urteils nach Zufertigung einer Urteilsabschrift binnen 14 Tagen mittelst einmaliger Veröffentlichung im „ Gießener Anzeiger" öffentlich bekannt zu machen. 3676 Das angefochtene Urteil wird aufgehoben. Die Richtigkeit der Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. G i e ß e n, den 7.Juni 1906. L.S. gez.: Seibert, Gerichts-Assessor • als Gerichtsschreiber des Großherzogl. Landgerichts. Für die Richtigkeit der Abschrift für die Rechtsanwälte W. Grünewald, L. Leun und F. Fischer Leun, Rechtsanwalt. 1 Lunn am besten - Metier Saalbau (Steins Karten) «"/. Donnerstag, den 14. Jnni I. Abonnements ■ Konzert ansereführt von der Kapelle des Inf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116 unter Leitung- des Grossh. Musikdirektors Herrn 0- Kransse Anfang präcis 8 Ul-sh*. Eintritt 50 Pfg. Die Liste zirkuliert und liegt an den Kassen ans, ausserdem sind Karten in der Musikalienhandlung des Herrn Challier zu haben. Heiser SaaSbau. Samstag den 16. Jnni 1906: Grosses Konzert der russischen 3578 National-Vokal-Kapelle Nadina Slaviansky (40 Personen in altrussischen Kostümen des 16. u. 17. Jahrhunderts) unter Mitwirkung des Grossrussischen BalalaYka-Orchesters unter persönlicher Leitung von Nadina Slaviansky. Eintritt an der Abendkasse I Mk., Im Vorverkauf 75 Pfg. bei Ernst Challier. 3578 Im Neuen Saalbau Rur am Dienstag, den 19. Juni von 11—1 Uhr vormittags und 3—7 Uhr nachm. Grosse Ausstellung von Reform-Neuheiten des Reformhauses Thalysra, Leipzig. Herren und Kinder höflichst verbeten. Eintritt frei. 04228 Man verlange unsere illustriert«* Preisliste. Praktisch! Reinlich! Sparsam! Spiritus-Kocher aller Art, wie Hand-, Herd- und Reise- Kocher, Kochherde, Kochplatten, Rechauds in jeder Ausstattung und Preislage von 50 Pf. an. In Giessen zu beziehen durch die einschlägigen Geschäfte oder direkt durch die Centrale für Spiritus-Verwerthung G. m.b.H. Ausstellung- und Verkaufslokal: Berlin NW. 7, Frledrichstr 96, genenüber dem Central-Hotel Gelegenheitskauf. Grtete« Handschuhe in verschiedenen Qualitäten u. Längen, verkaufe bedeutend unter 3™5' J. Haan jr. König!. Preuss. Klassen-Lotterie Ziehung 1. Klasse 9. und 10. Jnli Vio Los Vb Los 1/i Los V» Los Vi Los Mk. 4 Mk. 5 Mk. 10 Mk. 20 Mk. 40 BüchM, Königlich Pttnsiisiitt Lvttcrie-Kiinlchnier. Gießen, Neuen-Bäue 11. 3504 für 2 gute Teller vorzüglicher Suppe. Ohne weitere Zutat, nur mit Wasser zuzubereiten. 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