Erstes Blatt Domrersrag 11. Ottober 1906 ■ Ire heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. KsSiLische Lcrgessehan« 156. Jahrgang Schulstrasse 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e-^51 Adresse für Depeschen: Aürsten-Nriefwechsel zur Kraunschwergi/chen Irage. Zwischen dem Kaiser, dem Herzog von Cumber-- kand, sowie zwischen letzterem nnd dem Reichskanzler fand wegen der Negierung in Braunschweig ein Briefwechsel statt, den die ,Nordd. Allg. Ztg."' zu veröffentlichen ermächtigt ist: Schreiben des Herzogs an den Kaiser: Durchlauchtigster, gretzwämtigster Kaiser und König, freund- lich lieber Vetter und Bruder! Tie Resolution, welck)e die Larrdesvcrsammlung des Herzogtums Braunschweig zur 9Zeuorb» nnng der Regicrungsverl-älttlisse des .Herzogtums am 25. September angenommen und das Herzog!, ^taatsministerium mir zur Kenntnis gebracht hat, gibt mir Anlatz, an Eure kaiserl. und wnigl. Majestät mit einer freundlichen Bitte mich zu wenden. Es ist mein Wunsch, eine endgültige Ordnung der Regrerungsvcrhättnisse im Herzogtum Braunschweig aus dem Wege herbeigefiihrt zu sehen, datz ich u n d m c i n ä l t e st c r S o h n Prinz Georg Wilhelm unsere R e ch t e auf die Regierung im Herzogtum aus meinen jüngsten, nach braunschweigischem Dausgesetz volljährigen Sohn, Prinzen Ernst August übertragen, und datz dieser als Herzog die Regierung übernehme. Mir und meinem ölte st en Sohne, sowie dessen Deszendenz würde die Sukzession in Braunschweig für den Fall Vorbehalten bleiben, datz die Linie meines jüngsten Sohnes erloschen sollte. Die Verzichtleistung auf den braunschweigischen Thron würden ich und mein ältester Sohn aussprcchcn, sobald die Gewissheit besteht, daß der Re- gierungsübcrnahmc meines jüngsten Sohnes keine Hindernisse entgegenstehen. Diese meine Absicht und meinen Wunsch bitte ich dem allergnädigsten Wohlwollen Eurer kaiserl. und königl. Majestät empfehlen zu dürfen^ Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung und Freundschaft verbleibe ich Eurer kaiserl. und königl. Majestät freundwilliger Vetter und Bruder gez. Ernst August. Gmunden 2. Okt. Schreiben des Herzogs von Cumberland an den Reichskanzler: Wr. 239 «rfftetnt täglich außer SonmagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck tu Verlag der Brüh l'kchen Univers.-Buch-u. Stein- drrickerei. R. Lange. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger & Amts- AKö Anzeigeblatt Br ben NlKK Gietzen Respektes vor fremder Ueberzeugung erfüllt, und sie wurden nicht von dem leisesten Mißton gc'tört. So darf man hoffen, dass diese Tage von Segen für unsere evangelische Kirche gewesen sind und datz sie vor allem die Ueberzeugung gestärkt haben, datz trotz aller Verschiedenheit der Auffassungen doch ein fester ^Boden der Gemeinschaft verstanden ist, und daß auch die Forschungen der modernen Theologie nicht auf Un- DeuLsches Reich. Berlin, 10. Okt. Der Kaiser traf heute abend im Automobil von Hubertusstock, die Kaiserin mit der Bahn ein. Um 8 Uhr abends fand im Konzertsaal des Schauspielhauses in Gegenwart der Majestäten eine Gedächtnisfeier für den Prinzen Louis Ferdinand statt. An der Feier nähme,: u. a. die Prinzen des kgl. Hauses, die Rektoren der Universität und der Technischen Hochschule, Vertreter des Kricgsministeriums uslv. teil. Die F-eier be-, gann mit dem Vortrage von Zelters seinerzeit zur Trauer-, feier des Prinzen Louis Ferdinand komponierten Motette „Der Menschen Streit ein ewig Streben" durch den Opern- chor. Hierauf hielt Oberstleutnant Dickhuth eine Gedächtnisrede. Darauf folgte der Vortrag eines Klavierquar- tetts vom Prinzen Louis Ferdinand. Den Schluß machte der Trauermarsch aus der Eroica-Symphvnie von Beethoven. — Die zurzeit mit Spanien schwebenden Handelst vertragsverHandlungen nehmen nach der „Post"" einen so befriedigenden .Verlauf, daß die Reichs- regierung berechtigten Grund zu der Hoffnung zu haben glaubt, dem Reichstage noch in diesem Jahre den Entwurf eines zufriedenstellenden neuen Vertrags vor-, legen zu können. — Gegenüber einer Mitteilung der „Germania"" erklärt die „Nordd. Allg. Ztg."", daß eine Verfügung auf Ueberweisung der Angelegenheit Wistuba an die Disziplinär- kammer noch nicht erfolgt, daher eine solche nicht rückgängig gemacht werden konnte. Die Erklärung für die Verzögerung des Disziplinarverfahrens liegt darin, daß inzwischen ein Strafverfahren gegen Wistuba öffnet worden ist. Leipzig, 10. Okt. Die Stadtverordneten nahmen einstimmig die Ratsvorlage an betreffend die Einverleibung der Vororte Möckern, Stötteritz, Stünz, Probstheida, Dösen mrd Dötitz. Die Zustimmung der Rc-, gierung ist zweifellos. Die EinwoHnerzahl von: Leipzig wird dann 538 000 betrageu Saatfeld, 10. Okt Ber herrlichstem Wetter fand heute nachmittag die 10 0jährige Gedenkfeier an das öefedjt bei Saatfeld auf dem Schlachtfelds bei Wöhlsdorf statt. Der Feier wohnten u a. bei: Die Füritts von Schwarzburg-Rudolstadt, als .Vertreter des Kaisers General der Infanterie v. Kessel, Prinz Ernst von Sachsens Meiningen, Staatsminister Frhr. v. d. Recke-Rudolstadt, eine Abordnung des , 27. In sau terie-Regiments Prinz, Louis Ferdinand und eine Abordnung des Husarenregiments von Schill. Nach dem Gottesdienst erfolgte die Kranzniederlegung am Denkmal, wobei General v. Kessel eine längere Rede hielt. Zum Schluß hielt Oberleutnant Franke einen Vortrag über das Gefecht be. Saatfeld im Jahre 1806. Karlsruhe, 10. Okt. Die „Katttsr. Ztg." veröffentlicht eine Reihe von Ordensauszeichnungen durch den Großherzog. Verliehen wurde u a dem spanischen Gesandten und Minister de Beruabö das Großkreuz des! Ordens vom Zähringer Löwen, das Ritterkreuz 2. Kl. mit Eichenlaub dem Che fredakteur Herzog in Karlsruhe. ------------ Hf«, M.- .nnuununuun m-ituunv. L Uiuuunui -i. LJ t U l U g l C II t tl) l aus Un» Hoffentlich zeigt sich die englische Negierung von der- glaube hinauslaufen, sondern im Dienste des Glaubens stehen lewen Ansicht durchdrungen gegenüber den beizpieNosen' und wirken. Der Braunschweiger Briefwechsel und die Presse. In der Besprechung des Briefwechsels zwischen dem Herzog von Cumberland mit dem Kaiser und dem Reichs- kan^er sind sich die meisten Blätter darin einig, daß durch das Anerbieten des Herzogs zugunsten seines jüngeren Sohnes auf den Thron von Braunschweig zu verzichten, eine neue Situation nicht geschaffen sei. Man kann die Ausführungen der Blätter dahin resümieren, daß der Herzog nicht geben, sondern nur nehmen wolle, denn er beharrt stillschweigend auf der Mchtanerkennung der Annektierung Hannovers, wünscht aber trotz dieser Auffassung, daß (em jüngerer Sohn den braunschweigischen Tbron ein-. Ein Verleumdttngsarükel. Wenn gelegentlich davon gesprochen worden ist, es müsse deutscherseits die Empfindlichkeit fremder Nationen geschont.werden, sofern man die eigene berücksichtigt zu sehen wünsche, danil wurde dieser Hinweis speziell an die Adresse der deutschen Witzblätter gerichtet, denen man vorhielt, daß sie zuweilen in der Jroni- sierung fremdländischer Souveräne zu weit gingen. Auch Fürst Bülow hat einmal im Reichstag in diesem Sinne ^.adel und Mahnung ausgesprochen. Daß jenseits der deutschen Grenzen sich vielgelesene, obendrein ernst- gehaltene Zeitschriften finden, die spitzere Pfeile entsenden, als die deutschen satirischen Blätter, dafür liefert die Lo n d o n er „National Review^" ein mar- fante-g Beispiel in ihren mit Gift gegen Deutschland getränkten Monatsübersichten. Der besondere Mitarbeiter der ^?^buzztg." für auswärtige Politik, der nicht selten im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt die Feder führt, macht auf den letzten Hetzartikel dieser Monatsschrift aufmerksam, in dem gegen die Person Kaiser Wilhelms gerichtete Unterstellungen beleidigendster und verlogenster Art enthalten sind. Es wird dem Kaiser vorgeworfen erstens: drei Kriege herbeigeführt zu haben — den spanisch-amerikanischen, den südafrikanisch en, den russisch-japanischen,- zweitens: die Krisen in Siam, Faschoda und Porr Arthur zugespitzt zu haben; drittens: im Oktober 1904 bemüht gewesen zu sein, eine Berständigurrgin der Doggerbankaffäre zu verhindern. Mit Recht fordert der „Kreuzztg."-Mitarbeiter auf, sich dieser bös- willigen Lügen zu erinnern, wenn wieder einmal sehr zahme Betrachtungen der deutschen Presse zu angeblichen Felndieligkeiten gegen die englische Nation ausgebauscht werden. Etwas Aehnliches wie diese Ungeheuerlichkeiten, me hier dem Beherrscher eines Staates vorgeworfen werden, mit dem England in politisch normalen Beziehungen lebt, und der zudem ein naher Blutsverwandter des britischen Königs ist, konnte allerdings noch nicht verzeichnet werden. Wenn die „Kreuzztg." ausdrücklich hervorhebt, daß die große Mehrzahl der englischen Preßorgane keineswegs in den Ton der „National Review"" einjtimmt, sondern in freundschaftlicher Weise über das Verhältnis des Jnselreichs zu Deutschland spricht, so muß das „Wohlverhalten"" erst recht in Anspruch genommen werden für den weitaus überwiegenden Teil der deutschen Zeitungen und Zeitschriften. Es bleibt abzuwarten, ob der englische Kabinettschef oder der Minister des Auswärtigen vor dem Parlament das in hohem Grade bedenkliche Verhalten dieser Zeitschrift als solches kennzeichnen wird. Frn deutschen Reichstag hat es sich vor wenigen Jahren ereignet, daß der Reichskanzler den Schild über den englischen Minister Chamberlaiu hielt, als letzterer von einem alldeutsch gerichteten Redner gelegentlich einer Besprechung -es Burenkrieges mit Worten derber Kritik bedacht wurde. Und doch konnte dieser Redner am nächsten Tage auf eine Anzahl telegraphischer Zustimmungskundgebungeu verweisen, die ihm aus den Kreisen des deutschen Volkes zugegangen waren. Der Reichskanzler behielt gleichwohl alle besonnenen Elemente aus seiner Seite, dem: die Auffassung behauptete sich, daß solche Vorstöße Zurückweisung verdienen im Interesse des internationalen Friedens. Verdächtigungen seitens der „National Review"". Von einer Beschwerde des Londoner deutschen Botschafters, dem diese Monatsschrift doch wohl auch zu Gesicht kommt,' verlautet einstweilen nichts. Graf Wolff-Metternich bemüht sich aller- dings auch an seinem Teil um Besserung der deutsche- englischen Beziehungen, aber durch vornehme Ignorierung solcher böswilligen Artikel würde der Besserung wohl nicht so sehr gedient, als durch die entschlossene Fordere ung an die offiziellen Stellen, der Verbreitung oder Wiederholung öffentlicher Verleumdungen ent- g e g enz n t reten. Eurer Durchlaucht beehre Ich mich die Abschrift bc5 Schreibens, welches ich an des Deutschen Kaisers und Mnigs von Preußen Majestät wegen Uebernahme der Regierung im Hcrzogtum Braunschweig gerichtet habe, zur geneigten Kenntnis hierüber zu übersenden, und ersuche Eure Durchlaucht als Vorsitzenden des Bundesrats, diesem Mitteilung machen zu wollen, sobald Durchlaucht dies für angezeigt halten. Indem ich freundlich die Bitte aus- spreche, datz Durchlaucht der Verwirklichung meines' in dem Handschreiben seiner Majestät unterbreiteten Vorschlages geneigte Un- terstutzung au gedeihen lassen wollen, verbleibe ich mit vollkommener Hochachtung Euerer Durchlaucht ergebenster (gez.) Ernst August, Gmunden, 2. Okt. 1906. Schreiben des Kaisers an den Herzog von Cumberland: An Prinzen Gruft August von Großbritannien und Irland, Herzogs von Cumberland königl. Hoheit. Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter. Euer königl. Hoheit Schreiben vom 2. 10. habe ich zu erhalten die Ehre gehabt. Die Regierung von Braunschweig ist durch Vundesratsbeschluß vom 2- 7. 85 in der nach Lage der Verhältttisse durch die Interessen des Reiches gebotenen Weise geregelt. Als berufener Hüter dieser Interessen muss ich An st and nehmen zur Neuregelung die Hand zu bieten, solange die Sach- und Rechtslage, die zum gedachten Bundesratsbeschluss geführt hat, unver- ändert sortbesteht. Der Inhalt von Eurer königlichen Hoheit Schreiben bietet aber keinen Grund, diese Lage als verändert an zu sehen. Ich sehe mich daher äusser Stande, der mir von Eurer königl. Hoheit ausgesprochenen Bitte näherzutreten. Eurer königl. Hoheit bitte ich, die Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung entgegenzunehmen, womit ich bin Eurer königl. Hoheit freundlicher, ergebener ^»etter^ gez. Wilhelm II. Romiuten, 6. Oktober. Schreiben des Reichskanzlers an den Herzog von Cumberland: Seiner tönigl. Hoheit dem Prinzen Ernst August von Gross- brltannren und Irland, Herzog Cumberland. Eure königl. Hoheit beehre ich mich mit untertänigstem Dank den Empfang des gnädigen Schreibens vom 2. dieses Monats zu bestätigen, mit welchem Euere königl. Hoheit mir die Abschrift des von Ihnen an S. Ar. den Kaiser und König wegen der Regierung im Herzog- tum Vraunichweig gerichteten Schreibens zur Kenntnis übersandt haben. Was Eurer königl. Hoheit Wunsch nach Mitteilung dieses Schreibens an den Bundesrat betrifft, so muss ich mir die Entschliessung darüber Vorbehalten. Dagegen sehe ich mich zu meinem, Bedauern aufrer Stande, die g e- to unf *te ttuterftüfcun g des von Eurer königl. Hoheit S. „M. dem Kaiser unterbreiteten Vorschlages zuzusagen. Die Geftchtsrmnkte, nach welchen ich als Reichskanzler, wie als preu-1 ß'-schcr JJctnmer des Auswärtigen pflichtmätzig die braunschweigische r^rage zu behandeln habe, sind in zwei in dieser Eigenschaft von mir mtt Genehmigung S. M. des Kaisers an die herzogl. braunschweigische Regierung gerichteten, inzwischen der Oesfent- lichkeit übergebenen Schreiben dargelegt. Von dem in diesem Schreiben eingenommenen Standpunkte aus glaube ich in Eurer kömgl. Hohett Vorschlag eine für die Reichsinter- ef f e n anne hm bat e Lösung n icht erblicken zu können. i dem Ausdrucke der ehrerbietigsten Gesinnungen verharre ich als Euerer korngl. Hoheit Untertänigster Homburg v. d. Höhe, den 7. Oktober 1906 (gez.) Fürst v. Bülow, Reichskanzler. nehme, mrd verlangt außerdem die Freihaltung der Regierung des Herzogtums für sich und seinen ältesten Sohn, falls die Linie des jüngsten erlöschen sollte. Angesichts dieser Haltung des Cumberlünders iverden die ablehnenden Antworten des Kaisers und Reichskanzlers als auf dem Boden des Rechts und der Verfassung befindlich uild' als korrekt bezeichnet. Die Post schreibt: Da sich au dem prinzipiellen Standpunkt des Herzogs von Cumberland nichts geändert hat und kaum semals etwas ändern loird und da man auf der andern Sette ebenso entschieden an der Wahrnehmung der Interessen des Reiches festhält, so liegt für das braunschweigische Land kein Grund mehr vor, jetzt noch länger mit der definiliven Regelung der ^.hronsrage zu warten. Die D e u t s ch e D a g e s z t g. meint: Es widerspreche unleugbar dem Reichsinteresse aus das entschiedenste, wenn in einem deutschen Bundesstaat ein Fürst regieren solle, dessen Vater und Bruder Ansprüche auf Gebietsteile eines anderen Bundesstaates aufrecht erhalten, zumal wenn diesen Fürsten die Thronfolge gegebenen Falles Vorbehalten bleiben soll. Die Tägl. Rundschau meint: Es ist schwer zu glauben, dass der Herzog von Cumberland selbst einen Erfolg seiner Zumutung erwartet hat, vielmehr darf man annehmen, daß es in 1 einer Absicht gelegen hat, die Krone Preußens erneut ins Unrecht zu fetzen und damit neues Wasser aus die Mühle der welsi- schen Agitation zu leiten. Tas Welfenhaus muss nach dieseln schritt für das Reich und das Herzogtum Braunschweig als ein für allemal erledigt angesehen werden. Die Rat.-Ztg. meint: Der halbe Verzicht auf Vraun- ichweig kann den Mangel eines völligen Verzichtes auf Hannover nicht wett machen. Bei den Welfen wird der Herzog von Cumberland nun wieder gewonnenes Spiel haben, — was vielleicht der Hauptzweck des Schreibens war. Die Voss. Ztg. führt aus: Der Herzog von Cumberland beharrt auf seinem früheren Standpunkt; demnach haben auch Kaiier und Kanzler keinen Anlass, einer Aenderung des bisherigen Zuilandes näher zu treten. Ihre Haltung ist nach Lage der Sache vollkommen korrekt. Ter Herzog von Cumberland will den Frieden nicht. Das Berl. Tagebl. schreibt endlich: Kaiser und Kanzler beiiiiden sich in ihrem ablehnenden Bescheid durchaus auf dem Boden des Rechtes und der Verfassung. Die Art, wie der Schritt des Herzogs von Cumberland ausgelegt ist, kaNn nicht anders bezeichnet werden, als ein Schachzug, von dem aber wohl der Urheber selbst kaum erwarten wird, dass man ihn ernst nimmt. Vcz«gSpret-r monatlich 7bPs., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.—viettel- jährl. ausschl. Bestellg, Annahme von Anzetgea für die Tagesilummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ aufwärts 20 Psg. Verantwortlich füe den polit. und allgern. Teil: P. Wittko; füt „Stadt und Lank/ und .Gerichtssaal': Ernst Hess; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Airche unO Schule. § Marburg, 10. Okt. Heute um 1 Uhr wurde bet Theologische Ferienkurs für Hessen und Nassau beschlossen. Am Montag mit 150 Teilnehmern, darunter 21 aus dem Großherzogtum Hessen, eröffnet, hat er unter nicht ermüdender äußerer und stets wachsender und sich vertiefender innerer Anteilnahme einen gradezu glänzenden und erhebenden Verlauf genommen. Das ivar vor allem den trefflichen Vorträgen der Dozenten, sämtlich Professoren der theologischen Fakultät zu Dlarburg, gu danken. Prof. v. Iülicher redete über ^Neuere Forschungen zur synoptischen Frage", Prof. D. Weiß über: „Forschungen zu dem religionsgeschichtlichen Hintergrund des Neiien Testaments", Prof. D. Herrmann über „die gegenwärtige Ausgabe der Dogmatik"'. Vor allem diese letzteren Vorträge verdienten in weitesten Kreisen, auch der Gemeinde bekannt zu werden, damit sie sieht, von welch tiefem Gewissensernst und von welch weitherzigem Verständnis für die Bedürfnisse der Frömmigkeit in unseren Tagen die Theologen getragen sind. Für die Teilnehmer waren gerade diese Vorträge Stunden ber inneren Erbauung. Auf bet Höhe standen auch die Diskussionen, in denen es auch an scharfem Widerspruch der zahlreichen auf anderem theologischen Standpunkt Stehenden nicht fehlte. Aber auch sie waren von dem ernsten Bemühen gegenfeitigen Verständnisses und des Ausland. London, 10. Okt. Noch einer Meldung deS Dail. Telcgr. aus Saloniki ereignete sich indem mazedonischen Dorfe Zaza Marikavo in der Provinz Monazo eine entschliche Tragödie. Eine griechische Bande überfiel plötzlich das Dorf, um Rache wegen der Angriffe der bulgarischen Banden zu nehmen. Die Griechen richteten ein furchtbares Blutbad an. Allen Männern wurde die Kehle durchschnitten, im Ganzen etwa 200. Türkische Truppen, welche herbeigeholt wurden, leisteten keine Hilfe, sondern gingen daran, ein anderes Dorf in der Nähe zu zerstören. Hier wurden 10 Männer und drei Frauen von den türkischen Soldaten getötet. Belgrad, 10. Okt. Für die am Sonntag zusammentretende Skupschtina werden skandalöse Enthüllungen über die Korruptions wirtschaft deS Minister- prasidenten Paschitsch vorbereitet. A'Mches. Arg verspätet glaubt die Times über ein Attentat berichten zu sollen, das angeblich vor seiner Finnlandrcisc aus den Zaren unternommen worden sein soll. Danach soll der Zar eine Parade abgenornrnen haben, an die sich eine Gefechtsübung anschloß, wobei mehrere Kugeln in unmittelbarer Nähe des Zaren einschlugen. In Pcterh-of macht die Polizei durch Anschlag bekannt, daß das Automobilfahren in derNähe des kaiserlichen Palastes auf das strengste verboten sei. Die Schildwache hat den strikten Befehl, ans Zuwiderhandelnde zu schießen. Gerüchtweise verlautet, die russische Negierung suche vor dem Zusammentritt der neuen Duma eine ausländische Anleihe abzuschließen. Der Kongreß der Kadettcnpartei in Helsingsors nahm mit 84 gegen 44 Stimmen die vom Zentralausschusse eingebrachte Resolution an, die den passiven Widerstand für unmöglich erklärt. Tie Resolution der Minderheit, die die Organisation des passiven Widerstandes empfiehlt, wurde mit 88 gegen 53 Stimmen verworfen. Für st, Jason Pawlesnow wurde im Dorfe Gorkij in der Nähe 'von Tiflis ermordet. Er hatte sich^durch seine Strenge bei den Revolutionären verhaßt gemacht. Seine Leiche wurde lange auf der Straße liegen gelassen. Die Mörder entkamen. In Riga ließen zwei junge Frauen in einem Straßenbahnwagen ein Paket liegen, das sich bei näherer Untersuchung als eine mit Dynamit geladene Höllenmaschine erwies. Durch Anhalten des Wagens wurde die Explosion verhütet. In Wilna verhaftete die Polizei das ganze Personal einer Vereinigung für revolutionäre Propaganda in der Armee. Unter den 23 Verhafteten befinden sich ein Offizier und 2 Soldaten. In Lodz versammelten sich viele Tausende an dem Platz, wo sechs Terroristen hin gerichtet worden waren, bereit Namen die Behörden verheimlicht hatten. Die Leichen wurden aus denGräberngeholt und Geldsantmlungen veranstaltet, um die Erschossenen in Särgen beisetzen zu können. Kaum hatten die Sammlungen begonnen, als Kosaken herbei eilten, welche die Menge mit Säb e ln und Knuten hieben auseinandertrieb. Dabei wurden zwei Arbeiter schwer und viele leichter verletzt, 30 Personen wurden verhaftet. Solange das Feldgericht weiter tätig ist, soll der Generalstreik nnbav.cm. Der Redakteur Gadomski in Warschau, der, als er seinen Schwiegervater gegen Banditen verteidigte, von diesen durch Revolverschüsse schwer verwundet wurde, ist gestorben. In Gaidowka bei Sosnowice drangen Revolutionäre in die Wohnung des Haus- und 'Gutsbesitzers BieMi und forderten Geld. Da sie nur 300 Rubel erhielten, ermordeten sie Bielski und dessen Sohn durch Revolverschüsse. Der Opernsänger Schaljapin in Petersburg wurde zu einer Strafe von 900 Rubel verurteilt, weil er sich weigerte, in der Oper „Das Leben für den Zaren" die Partie des Sussanin zu fingen. Die Studenten der Moskauer Universität beschlossen, den Professor Sinizyn, Präsidenten der medizinischen Prüfungskommission, angeblich wegen seines schroffen Verhaltens gegenüber Studenten und Patienten zu b o y k o 11 i c r e n. In Wirklichkeit aber richtet sich der Haß der Studenten gegen ihn wegen seiner reaktionären Gesinnung. Aus Sravl rrrro Catto* Gießen, den 11. Oktober 1906. * * Justizpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, Amts- gerichtsrat Edmund Beyke, zum OberamtSrichter bei dem Amtsgericht Bensheim ernannt. * • Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der provis. Lehrer an der Präparandenanstalt in Lich Gg. Kilian zum Lehrer an dieser Anstalt, unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer. — Uebertragen wurde dem Lehrer Äug. Bopp zu Dalheim eine Lchrerstelle an der Gemeindeschnlc zu Wallerstädten; dem Schulamtsaspiranten Jos. Harrer aus Hofen (Württemberg) eine Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Hainhausen; dem Schulamtsaspiranten Gottfr. Weber aus Nierstein eine Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Gau--Algesheim. — Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Michelstadt präsentierte Schulamtsaspirant Adam Knecht aus Lampertheim; ferner der von dem Grafen zu Solms-Rödelheim in Assenheim auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Friedberg, Stadtteil Fauerbach, präsentierte Lehrer Karl Sang zu Bruchenbrücken. * • Der erste sozialdemokratische Beigeordnete in Hessen. Die „Darmst. Ztg." meldet: S. K. H. der Grvßherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. Oktober d. Js. die von der Stadtverordnetenversammlung zu Offenbach vollzogene Wahl des Stadtverordneten Leonhard Eißnert zum unbesoldeten Beigeordneten daselbst zu bestätigen. Nachdem die Beigeordnetenwahlen van Mühlheim und Kelsterbach, die ebenfalls sozialdemokratisch ausgefallen waren, von den Kreisausschüssen zu Offenbach und Groß-Gerau, erstere auch vom Provinzialausschuß, nicht bestätigt worden waren, durfte man doppelt gespannt sein, wie die Negierung sich zu der Wahl eines notorischen Sozialdemokraten zum Beigeordneten in der drittgrößten Stadt des Landes verhalten werde, und weite Kreise wollten in dem Ausfall ihrer Entscheidung den Prüfstein dafür erblicken, ob die hessische Regierung wirklich liberal sei. Nach der jetzigen Entscheidung werden selbst die Sozialdemokraten hieran nicht mehr zweifeln können und ihrem agitatorisch vielfach verwerteten Gerede, als ob die Sozialdemokraten Staatsbürger zweiter Klasse seien, ist mit der Bestätigung EißnertS der Boden entzogen worden. Unter diesen Umständen gewinnt die Offenbacher Bürgermeisterwahl, die wohl schon in den nächsten Wochen erfolgen wird (nach einer uns zugegangenen Mitteilung beschäftigt sich der für die Wahl eingesetzte nur aus Sozialdemokraten bestehende Souderauschuß heute mit der Sichtung der eingegangenen Bewerbungen), erhöhte? Interesse, da bekanntlich in der Offenbacher Stadt- v er ordneten-Versammlung eine sozialdemokratische Zweidrittelmehrheit besteht. ** Bürg errneisterpersonalien. Der neugewablte Bürgermeister Ur ich zu Hitzkircheu ist unter dem 8. Okt. verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden. — Bürgermeister Wagner zu Rindcrbügen ist auf seinen Antrag von der Führung der Bürgermeistereigeschäfte entbunden und der Beigeordnete Heinrich Kaiser bis zur Neuwahl eines Bürgermeisters damit betraut worden.'—In N e i be r t e n r o d wurde Herr Heinrich Schmidt II. zum Bürgermeister gewählt. ♦* Einrücken der Rekruten. Kaum sind die Manöver zu Ende und die alten Mannschaften zur Reserve entlassen, so heißt es für den nestausgehvbenen Rekruten „einrücken zum Kommiß". Wie die Reservisten mit fröhlichem Liedersang der Kaserne LebewoU sagten, so tut es der Rekrut zu Hause in seinem Freundeskreise. Doch während der stolze Reservist mit freudigem Gefühle sein Abschicdslied fang, so klingen die Scheidelieder der Rekruten etwa§ Wehmütig: „Heute scheid' ich, heute Waud'r ich, keine Seele weint um mich." Doch der junge Mann ist stolz, daß er nun des Kaisers Rock tragen soll, und stolz ist auch der Vater. So sprach zu dem Schreiber dieses einer dieser ehrwürdigen 70er: „Ich hab' dem Kaiser gedient, und mei' Buwe solle aach Soldate Wer'n, doas is niet' Stolz." Mancherlei Bräuche herrschen heute noch auf dem Lande, um den Rekruten abschied zu feiern. Die Spinn ftubengenoffen und -gen off innen kommen abends zu- sammen, und fröhliche Soldatenlieder und wehmütige Scheidelieder erklingen. „Morgen muß ich fort von hier" singt der eine, und „Trautes Liebchen, ich muß scheiden" der andere. Mancher, der die „Gefahren" des Soldatenlebens und die „Anziehungskraft des „ZweierleiLuchs" noch nicht kennt, ist so unklug, feinem Liebchen schon heute feste Versprechungen zu machen und singt: „Und ist die Dienstzeit dann vorbei, und du mein Liebchen bleibst mir treu, so führ ich dich, gewiß und wahr, als meine Brant zum Traualtar." Zieht dann am andern Morgen die fröhliche Schar aus, so erschallt das alte Volkslied: „Jetzt reisen wir zum Tor hinaus, mein Schatz der schaut zum Fenster hinaus, ade." * * Aus dem Bureau des Stadttheatcrs. Da von vielen Seiten der Wunsch ausgesprochen wurde, die so wohlgelungene Aufführung von „Braut von Messi ua" auch an einem Nachmittage zu wiederholen, so hat die Direktion das Schillersche Trauerspiel für nächsten Samstag, 13. d. M., nachmittags */»4 Uhr, als Schüler Vorstellung zu ermäßigten Preisen angesetzt. • • Gastspiel Ferdinand. Das im gestrigen Blatte angezeigte Gastspiel deL Dr. Ferdinand findet im neuen Saalbau statt. * * Diebstahl. Heute vormittag 9 Ubr entwendete ein Arbeiter aus Tiefenbach in einer hiesigen Wirtschaft ein Portemonnaie mit 70 Mark. Da der Diebstahl gleich entdeckt wurde, flüchtete der Dieb in ein HauS in der B a h n- hofstraße. Ein Gendarm und ein Schutzmann sandenden Täter im Abort deS 3. Stockwerks vor, er hatte sich von innen eingeschlossen. Da er nicht öffnete, wurde die Türe von außen gesprengt. Gleichzeitig fielen im Abort zwei Schüsse. Ob die Schüsse die Beamten abschrecken oder ihnen gelten sollten, bleibt dahingestellt, der Täter hatte aber die zwei Kugeln selbst im Kopf unb mußte vorerst in die Klinik gebracht werden. Die Verletzungen scheinen sehr leicht zu sein, denn er konnte noch auf der Polizei vernommen werden und in die Klinik gehen. Das Portemonnaie mit 30 Mark in Gold fand sich vor, das Silbergeld und den Revolver hat der Töter in den Abort geworfen. • • Schwindel. Am 21. d. Ms. verbreitete eine Firma Verkelbach u. Co. zu Utrecht in den Zeitungen Prospekte, worin zur Beteiligung an einer Lotterie gesell schäft aufgefordert wurde. Es ist nun daraufhin ermittelt worden, daß die betr. Firma gar nicht existiert, und lediglich an einem Hause in Utrecht ein Firmenschild mit ihrem Namen angebracht ist, aber keine Inhaber der Firma vorhanden sind. Die unter der Adresse einlaufenden Briefe und Geldsendungen werden von den Gaunern auf der Post abgeholt und jeder ist betrogen, der auf den Leim geht und Geld einschickt. * • Betrüger. Gestern nachmittag erschien in einem hiesigen Schuhwarenges chäft ein junger Mann und übergab einen verschlossenen Brief des Inhalts, man möge dem Ueberbringer zwei Paar Stiefel zur Auswahl mitgeben. Unterzeichnet war der Brief mit dem Namen eines hiesigen Professors. Der Geschäftsinhaber unterließ nicht, zunächst telephonisch anzufragen, ob die Sache ihre Nichtigkeit habe und erfuhr, daß es sich um einen Betrug handelte. Er erstattete alsbald Anzeige und der Betrüger nebst seinem auf der Straße wartenden Komplizen wurden in der Stadt noch betroffen und verhaftet. Sie entpuppten sich als die stellenlosen Handlungsgehilfen Arthur Germann aus Magdeburg und Fritz Keßler aus Jena. In ihrem Besitz fand sich noch ein Brief, der an ein anderes Geschäft adressiert war und demselben Zweck dienen sollte, ebenso noch eine Anzahl Kuverts nebst Briefkärtchen. • • Vom neuen Bahnhof. Der Umzug der Fahr- karteu-AuSgabe, der Gepäckabfertigung und der Aufbewahr- ungsstelle für Handgenöck erfolgte heute. Die alten dafür verwendeten Räume sind dementsprechend von heute ab geschlossen. * * Als Termin für die Zusammenberufung und Konstituierung der Hessischen Lau d wirtschaft s- Cam in er ist bestem Vernehmen nach der 22., bezw. 23. Oktober d. I. in Aussicht genommen. Die neue Institution der hessischen Landwirtschaft wird zunächst im Citzungssaule der Zweiten Ständekammer zusammentreten und sich in der ersten Sitzung lediglich mit der Vornahme der Wahlen zum Vorstand unb der ev. Ausschüsse beschäftigen. • • Wie in Darmstädter Lehrerkreisen verlautet, hat die Regierung eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet, wonach die Gehalte der hessischen Volksschullehrer mit Wirkung vom 1. April 1907 derart erhöht werden, daß der Grundgehalt 1200 Mark, der Höchstgehalt 3 0 00 Ma rk beträgt. Der derzeitige Grundgehalt beträgt 1100 Mark, der Höchstgehalt 2800 Mark. * * Der entdeckte Tenor. Schon vor Jahren hat ein den allerhöchsten Kreisen angehörender Herr im Walde beiHarnbach gelegentlich eines Jagdausslugs einen Tenor entdeckt. Der Sänger ist ein junger Holzmacher, der im Walde draußen ein Volksliedchen sang und dabei eine sehr gute Stimme verriet. Er studiert nun seitdem auf Kosten des besagten Herrn in Darmstadt bei den tüchtigsten Musik- und Gesanglehrern. Wie von glaubwürdiger Seite mitgeteilt wird, ist sichere Hoffnung vorhanden, daß der junge Mann es zu einem geschätzten Tenoristen bringen wird. ^Münchholzhausen, 10. Okt. Neber die Bluttat, die sich hier zugetragen hat, sei noch folgendes berichtet: Der etwa 50 Jahre alte Maurer Mampertin kam an dem Abend ziemlich spät und zwar — wie dies öfters geschah — in angetrunkenem Zustand nach Hause und fing mit seiner Frau Streit an. Als bald darauf der ältere Sohn heimkehrte wurde er nach kurzein Wortwechsel vom Vater tätlich augegriffen. 9(I§ dieser sogar die Holzaxt ergriff, flüchtete er, vom Later verfolgt, auf den Hof. In der Notwehr ergriff der Sohn eine Latte und versetzte dem Vater einen Schlag, der leider statt den Arm den Kopf an den Schläfen traf. Der Vater stürzte rücklings in den vor dem Hause vorbeifließenden Bü b ling§Häuser Bach. Als man ihn herauszog war er zum großen Schrecken der Angehörigen eine Leiche. Der so zum Mörder seines Vaters gewordene junge Mann wird allgemein bedauert. Er stellte sich selbst der Ortspolizei und wurde nach Wetzlar ins Gefängnis gebracht. Ob nun der Tob vom Schlag allein eintrat, oder ob er auch nur betäubt war und im Wasser vollends erstickt ist, wird die Untersuchung ergeben. sd. Darmstadt, 10. Okt. Prinzessin Heinrich von Preußen hat heute mit ihrem Sohne Siegismund ihren kurzeiu-dlufenthalt bei dem Besuche ihrer Schwester Prinzessin Ludwig von Battenberg auf Schloß Heiligenberg beendet und ist wieder nach Kiel zurückgefahren. DerGroß- h erzog fuhr heute nachmittag zu Besuch der Herrschaften zur Tafel. S. K. H. begleitete dann die hohen Verwandten zur Bahn nach Bickenbach, wo der sonst nicht anhaltende Schnellzug die Prinzessin mit Gefolge nach Norden entführte. Nach den bisher getroffenen Dispositionen wird daS Groß- herzogliche Hof lager im Laufe der nächsten Woche von Jagdschloß Wolfs gart en nach Darmstadt verlegt werden. (Darmst. Ztg.) h. Frankfurt a. M., 10. Okt. Zum Andenken ihrer Eltern haben die Kinder von Moritz und Johann Oppenheimer 1 00 000 Mk. dem Kindergarten für Israeliten zugewendet. — Der Porks hire - Chor richtet anläßlich der guten Aufnahme der Sänger an die hiesigen Zeitungen ein Dankschreiben, in welchem er die Hoffnung zum Ausdruck bringt, daß weitere derartige freundschaftliche Besuche dazu beitragen möchten, ein besseres Empfinden zwischen den beiden großen Ländern herbeizuführen und Freundschaft und Wohlwollen zwischen ihnen zu befestigen. ** Kleine Mitteilungen au 3 Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Vantechniker Albert Lang in Herborn, gebürtig von Großen-Lin den wurde auf Grund hervorragender Leistungen in seinem Fache und nach Msolvier- ung einer Prüfung in Elementarsächern nach § 89 Ziff. 6 der allgemeinen Wehrordnung, die Berechtigung zum Einj.-freiw. Militärdienst zuerkannt. — In Offenbach wurde ein zweijähriges Kind, welches auf der Straße spielte, von einem schweren Roll- fuhrwerl' überfahren und starb an den erhaltenen Verletzungen. — In Groß-Gerau war ein junger Mann in einen falschen Eisen bahn zu g gestiegen, was bei der Kontrolle der Fahrkarten festgestellt wurde. Er wollte dann beim Eintreffen in der hiesigen Station aus dem Wagen springen, geriet aber unter die Räder und wurde vollständig zermalmt. ick,.«.« i .1 ■ .............. !■■■— Vereds scht§s. • V oppard, 10. Okt. Eine furchtbare Pulver- explosion ist gestern nachmittag in dem Oertchen Schwall bei Halsenbach vorgekommen. Der Schachtmeister Flick in Schwall hatte in dem Hause eines Landwirts auf dessen Erlaubnis hin einen Sack Pulver, der etwa 40—50 Pfund schwer war, untergebracht, damit er nicht jedesmal in das Pulvermagazin gehen müsse. Gestern nachmittag schickte er einen 16jährigen Arbeiter in daS Haus des Landwirts, um dort das Pulver zu holen. Die Tochter des Ackerers Wilh. Schmidt öffnete ihm die Kellertür. In dem Keller angelangt, zündete der junge Mann ein Streichholz an, um nach dem Sack zn suchen. Von dem Streichholz sprang nun ein glühendes Teilchen ab und unglücklicherweise gerade auf den Sack, wodurch dessen Inhalt sofort explodierte. Der junge Mann erlitt schwere Verletzungen. Das Fleisch hängt ihm vom Körper herunter. Auch das Mädchen, welches die Tür geöffnet hatte, trug erhebliche Verletzungen davon. Der Schachtmeister stellte sich sofort der Behörde. Er hat Frau und vier Kinder unb wurde deshalb wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Haus liegt vollständig in Trümmern. Da es isoliert stand, ist ein größeres Unheil verhütet worden. . * Berlin, 10. Okt. Als heute mittag die 61jährige Witwe Kreszentia Sackmeister an dem 25jährigen Schlosser Kaufmann aus Nagy-Kasoly in Ungarn, der auf dem Hcrmaunsplatz in Nixdorf auf eine Straßenbahn wartete, vorübergiug, stieß ber Ungar fie mit einem Dolche nieder. Er traf die Witwe in die Brust, in das Gesicht, in den Leib, und als die entsetzt cmsschreicnde Frau die Hände zum Schutze vorstreckte, schnitt er ihr die rechte Pulsader durch. Die Witwe Sackmeister wurde in die Nixdorfer Krankenanstalt befördert, wo sie in einem hoffnungslosen Zustande anlangte. Als Motiv zu seiner Mordtat hat Kaufmann, der sofort verhaftet wurde, angegeben, daß die Witwe Sackmeister einen ,bösen Blick" gehabt habe. Er sei zu maßloser Wut gereizt worden, als die Frau ihn angesehen hätte, und habe sie deshalb töten müssen. * Friedrichshafen, 10. Okt. Heute nachmittag unternahm Graf Zeppelin einen neuen Fahrversuch mit dem lenkbaren Luftschiff. Dieses flog zunächst landeinwärts, dann, durch Einsetzen der Motorkraft wieder im raschesten Tempo seewärts geführt, nahm cs seinen Weg über Meersburg und die Landenge nach Konstanz, am Schweizer Ufer über Romanshorn, Rorschach und den Ort Altenrhein hinweg und wandte sich dann, als es sich wieder nahe dem See befand, Langenargen und der Ballonhalle zu, in deren Nähe es nach 2 Stunden IG Minuten glatt landete. Gegen die ziemlich kräftige Secbrise gelang es dem Luftschiff, mit einer relativen Geschwindigkeit von reichlich 12 Metern anzufahren. "Der neueste Eisenbahnunfall. Am 9. d. M. entgleisten in der Haltestelle Käfertal (Baden), wahrscheinlich infolge vorzeitiger Einstellung einer Weiche, drei am Schlüsse eines Zuges laufende Wagen. Ein 17jährige8 Mädchen erlitt eine Verletzung. Sonstige Verletzungen sind, obwohl der Zug voll besetzt war, nicht vorgekommen. * Diord eines Schülers an einem Lehrer. In Meiderich schlug ein zwölfjähriger S ch ü l c r in der Schule den Hauptlehrcr Lukas mit einer in einem Strumpfe verborgenen Bleikugel gegen den Kopf. Der Lehrer ist gest orben. * Kleine Tag«'sckronik In St. Johann (Saar) schenkte eine kaum 14 Jahre alte höhere Tochter einem Zwillings- vaar das Leben. Als Vater gilt ein Unterprimaner, der Sohn eines angesehenen Kaufmanns. — In Neuwert (Nhcinl.) warf eine Arbeiterfrau ihre drei Kinder von neun, vier und anderthalb Jahren in einen mit Wasser und Morast gefüllten 6"> taben und stürzte sich über sie, nm sich und die Kinder ?n ertränken. Vassanten retteten alle vier. Das neunjährige Kind, das -u unterst lag, wird wohl kaum am Leben bleiben. — Vost- assistent Sickinger vorn Vostaint Altkirch (Elsaß) flüchtete nach Unterschlagung amtlicher Gelber in der Höhe von 10 000 Mk. — In D ü s s e l d o r s überfuhr mit einem Automobil der Restaurateur Honen eine Iran mit ihrem fünfjährigen Töchterchen. Die Frau war sofort tot, das Kind lebensgefährlich verlebt. — In Nancy übers u h r ein vom Herzog von M o n t p e n s i e r benutztes Automobil einen Ctrasienbahnaugestellten. welcher last augenblicklich verstarb.— In H i l d e s h e i ur sind nach bem G e n n s s e von gehacktem Fleisch 37 Personen erkrankt, darunter auch zivei Kinder des Schlächters, der das Fleisch lieferte. — In Stuttgart hat sich der Sohn des bekannten Malers Professors Kraken Leopold Kalckreuth, gegenwärtig Einjähriger der Artillerie, erschossen. Man vermutet, daß ein Nervenleiden die Ursache zur Tat ist. — Der in einer Berliner Z a h n k l i n i k tätige Praktikant Winckler gab auf den leitenden Arzt Dr. F i s ch l e r zwei R e v o l v e r s ch ü s s e ab, wodurch dieser schiver verletzt wurde. Der aus Warschau ftnmmenbe 24 Jahre alte Winckler rourbe verhaftet. Veraulassuitg zu bem Llufseben erregenden Attentat nab die Weigerung des Verletzten, dern Praktikant ein Zeugnis über dessen Tätigkeit in der Klinik auszustellen. — In Bloemdal und in Oranjewond ^Holland) lunrbcn zwei Ehole ras alle sestgestellt. Die Kraiiken sind beide gestorben. Man glaubt, daß c5 sich um Cholera nostras handelt. — Zu den Erkrankiliigen infolge Genusses verdorbener W u r st in dem Holländischei, Orte Vaals wird bekannt, daß insgesamt 230 Personen und zwar 130 in Vaals selbst, annähernd 100 in der Umgebung erkrankt sind. Die betroffenen befinden sich andauernd in sehr schlechter Verfassung. — In der französischen Garnisonstadt Ehalon s u r Marne finb bei der Verwaltung der Militärmagazine bedeutende U n t e r s ch l e i s e entdeckt worden. Es fehlen Tiengen von Mehl und Hülsenfrüchten, bereit Verschwindei, nur durch betrügerische Manipulationen erklärt roerben kann. Es nnirbe eine Anzahl von Personeii verhaftet, darunter zwei Unler= ossiziere und mehrere Militärhandwerker. — Aus Tarbes und Pau (Frankreich) wirb gemeldet, daß mehrere Erdstöße verspürt wurden, wodurch besonderer Schaden indes nicht ai,gerichtet wurde, doch machte sich die Bewegung in den Wohnhäusern fühlbar. — Infolge Aus tretens des S a n t-I a g o - F l u s s e s in Mexiko sind v i e l c M c n s ch e n it m q e! o m m e n. 15 Männer sind in San Pedro durch Umkippen cine= Bootes ertrunkei,. Die Ueberfchivemmungei, haben an viele», Stellen großen Schaden angerichtet. OavrdeL tstufc Verkehr», VoSksLVLL»L?chaft. Die Zukunft der deutschen Kantschukkultur. D'.ircki die Aufforderung der Deukichcu Kautschuk-Aktiengesellschaft in Berlin zur Beteiligung an Zeichnungen b-e-3 auf 3 Mill. Mark festgesetzten Aktienkapitals, ist eine in den Kreisen derjenigen deutschen Industrien, welche unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Kautschukvrvduktion und des deutschen Kautschnkhan- dels in eilte Art von Zwangslage geraten sind, seit Jahren ventilierte Frage zur Höhe sachlich-ernster Diskussion erhoben worden: Obgleich Zweckmäßigkeit und praktischer Wert ebenso wie die glänzenden finanziellen Aussichten dieser deutschen Unternehmungen außer Zweifel gerückt sind, so erheben sich trotzdem gegnerische Stimmen. Dieser Pessimismus zieht nicht in Betracht, daß die bon einer deutschen Gesellschaft beabsichtigte Gummi- 1-robuFtion in erster Linie der Interessensphäre des deutschen' Kautschukhandels zugute kommen wird, dessen hochwichtige Industriezweige, unter denen man nur die der Elektrizität, der Anto- mobil- itnb Fahrrad-Industrie, der Fabrikation chirurgischer und orthopädischer Instrumente zu nennen brmicht, genügen, um die wirtschaftliche Bedeutung her 'neuen Gesellschaft zn rechtfertigen. Erfreulich ist die Wghrnebmi'ng, daß die Bestrebungen der Deutschen Kaistschuk-Aktiengesellschart sick im Einklang befinden mit jener Tendenz aller deutschen Interessen im Kautschukhandel, sich von dem drohenden amerikanischen Kautschuktrust zu befreien und von den Benachteiligungen dieser deutschen Interessen, welche baruiiter zu leiden haben, daß die Ausfuhr brasilianischen, Kautschuks in großen Mengen nach ?lmerika. Großbritannien und Frankreich stattfindet, während Deutschland sich mit einem Verschivindend kleinen Quantum begnügen muß. Während im Jahre 1903 (neuere Angaben noch nicht vorliegend) vom Amazo- nasgebiete nach den Vereinigten Staaten von Nordainerika 15 427 477 Kilo, nach England 11 610 223 Kilo und nach Frankreich 1925 667 Kilo Kautschuk ausgesührt wurden, mußte Deutschland mit 167 533 Kilo zufrieden sein und war gezwungen, seinen Restbedarf durch Zwischenhändler in Liverpool zu beziehen. Das beständige Ahuehmcn der Produktionen gegenüber dem beständigen Anwachsen des__ Bedarfs seitens der Gummi-Industrie, bringt Deutschland, denen direkte Zufuhr an Rohmaterial die bescheidenste und das deshalb am meisten ans die hohen Preise des Zwischen- handels angewiesen ist, nicht nur in die peinlichste Abhängigkeitslage, es zwingt es auch, nur eine Steigerung ihres Gewinnes zu Gunsten höherer .Kautschukpreise zu verzichten und dabei noch die Preise ihrer Erzeugnisse erheblich zu erhöhen. In dieser Erkenntnis haben handelspolitische Autoritäten die Anlage von Kautschukpflanzungen für die einzige Möglichkeit bingestellt. diesem. Zustande abzuhelfen, und auch die Deutsche Kautschuk-Alticngesellschaft tritt mit den aleich-m Argumenten, aber auch mit einen, arrondierten geschäftlichen Material vor das geldkrästiae Publikum. Swansea, 10. Okt. Wie. das Rentersche Bureau meldet, sind Derhandliingen im Gange zum Verkaufe von fünf int Swanseatole beTcgmcn Kohlengruben, darunter zwei im Besitze der Poutardave (Yofficries Eompanv befindliche Gruben, an ein s r a n a ö f t sch es S v n d i k a t. Man nimmt an, daß d>e Angelegenheit in den uäch''cu Tagen endgi-ltig geregelt wird. Da? Kapital soll nominal 250 000 Pfund Sterling betragen. Man glaubt, daß es sich um ein ausgedehntes Proiekt handelt, das späte--- noch andere Unternehmen im gleichen Bezirke umfassen wird. Märkte. Gießen, ll.Qkt. Marktbericht. Auf heilkiciein Wochenmarkte kosteten: Butter pr. Pfb. 0.90—1.00 Mk.. Hühnereier 1 St. 8—9 Pfg., 2 Stck. 00—00 Psg.. 65niüecier 00—00 Psg., Enteneier 0 Pfg., Käse pr. Stck. G—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Psg., ErRen v. W 18-24Psg., Linsen v.Pfd.25-40Psg., Dauben vr.Pr.0.80-1,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1.60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk.. Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Md. 00—00 Psg., Ocbfcnfleifch pr. Pfb. 82—88 Psg.. Kuh- und Rindfleisch vr. Pfund 80—82 Psg., Schweine- f(eifrf) vr. Pnmd 90—100 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 84—90 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk.. Zwiebeln vr. Ztr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg.. Aevlel per Zentner 15 bis 20 Mk., in Körben 00 Md., Nüste 100 Stück 30 Psg., Birnen per P'b. Mk. 0.00—0.00, per Ztr. 9—15 Mk.. Zwetichen per Ztr. 2,50—3.00 Mk., Weißkraut per Stück 10—15 Psg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 8-2 Uhr. (th.) Gießen. 10. Okt. Der dieswöchentliche Vietzinarkt hatte einen Auftrieb von 1000 Stück Großvieh, 150 Stück junge Tiere zur Zucht, ca. 150 Kälber und 414 Stück Schweine. Auf dem Milchviehmarlt herrschte rege Kauflust, wenn auch der Handel nicht so flott sich abwickelte wie bei dem letzten Markt. Die Preise für schwere Milchkühe hielten sich in alter Höhe, dagegen wurden gr.te Milchkühe billiger losgeschlagen. Das Geschäft in Fettviel? war diesmal etwas flauer und es war deshalb, wie bei dem Frankfurter Markt, auch ein geringes Mschlagen der Preise bemerkbar, trotz des kleinen Vorrats wurde derselbe eist gegen Schluß vollständig geräumt. Der Handel in jungen Rindern zur Zucht war nickt schlecht und machte sich zu den letzten Marktpreisen. In Kälbern war ein Preisabschlag gegen bie sehr hohen Preise der letzten Märkte bemerkbar, 'so daß unsere heimischen Metzger die Gelegenheit benutzten, ihren Bedarf zu decken. Trotz des geringen Austriebs an Schweinen war der Handel hierin tot und schleppend, es hat dies Wohl seinen Grund in den hohen Kartoffelpreisen. Die Preise für die Tiere gingen gegen den letzten Markt wieder um eine Kleinigkeit zurück. doch war ein wesentliches Abschlagen nicht zu erreichen, so schlecht der Markt sich bis gegen die Mitte auch anließ. Die Handelsleute verzichteten lieber auf das Geschäft, ehe sie die Tiere mit Schaden hergaben. Es wurden gehandelt das Stück Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qual. 475—550 Mark. 2 Qual 375—450 Mk 3. Qual. 280-350 Mk.; Junge Rinder zur Zucht, 5—7 Monate alt. 125—180 Mk., 9—12 Monate alte Tiere, 180—220 Mk. Fettvieh wurde verkauft, der Zentner Schlachtgewicht fette Rinder, 1. Qual., 78—80 Mk, 2. Qual 75—77 Mk. Fette Kühe. 1. Qual. 76—78 Mk., 2. Qual. 74—75 Mark. Kälber, 1. Qual. 73—75 Mk., 2. Qual. 65—70 Mk., 3- Qual. 59—63 Mk. Schweine wurden gehandelt: Ferkel, 4—6 Wochen alt, 34—45 Mk., 8—12 Wochen alt. 55—68 Mk., Lauter, 3—5 Monate alt, 90—120 Mark vro Paar. Einleg- schweine wurden je nach der Güte mit 70—90 Mark das Stück verkauft. Die nächsten Markttage sind am 23. und 24. Oktober, am zweiten Tage außer Krämer-- auch Z w i e b e l m a r kt. (th.) Der gestrige erste Zwiebel markt hatte einen ar rim Dcn ca- —^00 Zentrier meistens Wetterauer Ware. Am Vormittag ging der Handel recht schleppend, weil es an Käufern fehlte. Bei dem schönen Wetter stellte sich aber noch Asch reichlich Kundschaft ein, so daß der kleine Vorrat felyr schnell zu guten Preisen abging. Verkauft wurden der Zentner Zwiebeln mit 4—4V2 Mk.. brsi kleinerer Abnahme mit 5 Mk. Limburg e gingen mit solcher Entschwfseubrit vor. ^daß die Polizei zu den Waffen greifen mußte, nm die Ruhestörer anseinnuder zu jagen. Die Behörden requirierten Truppen, da die Lage immer bedrohlicher wird. Mehrere Per- bnen wurden getötet und verwundet. Meteorologische Beobachtungen der Station gZießen. Höchste Temperatur am 9.—10. Oktober — -4- 17,7 0 C. Niedrigste * . 9.—10. , = + 6,60 C. Oktober 1906 1 Barometer aui 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute. Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 10. ^15 749,3 17,7 5,9 39 S 4 Sonnenschein 10. 9M 748.8 7,5 6,7 88 ESE 2 KlarerHimmel 11. 7SS । 748,5 4.2 5,6 90 N 2 Sonnenschein umö Wissenschaft. 7" B)ic bie Münchener „Allg. Z'g." erfährt, bit das preu. B i f cg c Ku lt u s min i st e r i u rn die nötigen Schritte unternommen. um ben bekannten Münchener Künstler B r " n o P a u l als Leiter der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums zu gewinnen. Daß Bruno Paul seine Mitarbeiterschaft am S i m v l i z i s s i m u s in der neuen Stellung wird aufgeben müssen, versteht sich von selbst. Der Künstler steht heute inr 32. Lebensjahre. Paris, 10. Olt. In der Internationalen T u b e r ku l o s e^ Gesellschaft hielt gestern Dr. Bernheim einen Vortrag. Gr suchte auf Grund von Erperimenten zu beweisen, daß die von Professor v. Bebring mit der von üyn? erfundenen Tulase vorgenommeucn Versuche zur Behandlung von Tuberkulosekranken wirkungslos geblieben seien. Auch an den mit Tulase geimpften Tieren Hobe er ^'inersei Wipkima ieüstetteu fönnen. Nnivcrsrtäts-Nachrichten. — Ernannt wurde der Privatdozent für Geschichte an der Berliner Universität. Professor Dr. vhil. Elimar Klebs, zum auß>''-orl-."'kl ii-',i'n >-r 1Ttn.^rii।.'s t ni? n r [i u r g' Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag, den 12. Okobet: Heiter und trocken. Stellenweise leichte Nachtsrsste. Mäßige östliche Winde. Landwirtschastskammerwahlen. Im Wahlbezirk Gießen wurden bei der heute vor- mittag abgehaltenen Wahl gewählt als Kammermitglied Landwirt Wilhelin Weil in Lang-GönL, als Ausschuß- niitglieder Bürgermeister Hirz in Waßenborn und Pumpenmacher Heinrich Gilbert II. in Heuchelheim. Wahlbezirk Vilbel. Im hiesigen Bezirk wurde Landwirt Ka lbHenn in Vilbel als Kammermitglied gewählt. Graf Oriola ist unterlegen. Wahlbezirk Hungen. Landtagsabgeordn. Philipp Kähler als Kammermitglied gewählt. Wahlbezirk D a r m ft a b t. Gutsbesitzer Karl Fritsch 51t Dilshofen wurde als Kammermitglied gewählt. Berlin, 11. Okt. Der sozialdemokratische Par te i v 0 r sta n d beschloß, der Fraktion zu empfehlen, sofort nach Zusammentritt des Reichstages eine Interpellation über die Lebensmittel- beziehungs- weise Fleischteuerung einzubringen. Leipzig, 11. Okt. Gegen den Volksschullehrer Meirich, den Redakteur der „Leipz. Lehrer-Ztg.^, wurde wegen eines Artikels, der an der amtlichen Tätigkeit des Schuldirektors Schäfer int Orte Gohlis Kritik übt, im Di§- ziplinarwege ein Bessern ngsver fahren eingeleitet. Es wurde ihm wegen achtungswidrigen Verhaltens und Unverträglichkeit in dienstlicher Beziehung eine drei Jahre geltende Ermahnung erteilt. Die Redaktion der Lehrer-Zeitung muß er niederlegen. Paris, 11. Okt. Der römische Korrespondent des „Echo de Paris" dementiert die Meldung, daß der Bischof von Trier, Korum, und der Erzbischof bon Mecheln, Mercier, nn nächsten Konsistorium' den Kar d in als Hut erhalten werden. Rom, 11. Okt. Die Polizei in Genua verhaftete gestern einen gewissen Baher, Vorstand des Verwaltungsrats mehrerer Industrie-Gesellschaften. Er wird beschuldigt, Unterschlagungen in Hohe von über einer Million Lire gemacht zu haben. Palermo, 11. Okt. Zwischen E h r i st li ch-D e nro- traten und Sozialisten kam es gestern in Bianca Viltt'o zu einem heftigen Z u s a m tn c n st 0 ß. Auf beiden Seiten wurden zahlreiche Personen durch Stockhiebe, Dolchstiche und Nebolverschüssc twrlctzt. Die Polizei schritt ein. und nahm über 200 Verhaftungen vor. Te!ef©mscSiß E5,fjiesbe!P3chte des Giessener Anzeigers. mit»cteilt von der Bank flir Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter JRörs«. n. Oktober. 1.15 Uhr. Peichsanleihe . 98.10 Oberschlcs. Eisen-Indnstrie 131.75 . 125.10 36.60 Gelsenkirchen Bergwerk . 224.00 TTambure1- Amerik. Pnketf. 159.30 Elektriz. Lnlnneyer . FJektriz. Schnckert . Eschweiler Bergwerk 142.90 128.20 243.60 Harpcner Bergwerk Lanrnhiitte . . . Nordd. Lloyd . . Berliner Handelsges Darmstädter Bank . Deutsche Bank . Dentscli-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthard bahn . . . Lombard. Eisenbahn 3% WL 3% 3 X°'n 3y?i, 99.05 99.50 do. Konsols . do. Ressen . . Oherbessen . 172.40 . 139.75 . 239.50 . 174.00 . 183.10 . 157.70 . 212.10 102.60 69.40 70.20 86 30 92.75 86.40 98.25 86 45 97.35 4?o Oesterr. Goldrente. . 4,/5 9X Oesterr. Silberrente 4 ?o Uiurar. Goldrente . . Italien. Bente . . . 3?o Portugiesen Serie I . 3% Portugiesen „ JJI 4^°^ russ.StaatsanL 1905 4j Giesseit Fabrik für Geldschränke 5^0 Bank-Einrichtungen Schöne 3—4-Zimmerwol-ug. im 1. St. sos. oder später zn vermieten. Neustadt 41. 5992 2-Zintmer-lM st. 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