Nkr. 85 Zweites Blatt 156. Jahrgang Dienstag lO.Ilpril 1906 Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Sletzener FamilieablSttcr" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »tzesstschr Laovwtr»" ericheint monatlich einmal. Geetzener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Vrühk'sch« UnwerstiätSdruckerct. R. Lange. Gieß«. Redaktion. Expedition n. Druckerei: Schulstr.V. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger (Siefem. General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Ite rulstichen Iirnanzen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen: gerade an dem Tage, da Maxim Gorki in einem Berliner Blatt eine Warnung vor der Beteiligung an der nächsten russischen Anleihe erließ, ging uns, kurz nach dem Erscheinen der bereits von uns kurz erwähnten Biermer- schen Broschüre, ein sehr instruktives und unparteiisches Buch, „Die russischen Finanzen, eine wirtschaft!. Bilanz des absoluten Regiments in Rußland", von M. Friedmann, Dozent am polytechnischen Institut in Petersburg zu, erschienen bei S. Eronbach in Berlin. Wir haben wohl ein Interesse, etlvas über die russischen Finanzen $u erfahren, ehe sich der neue Aderlaß vollzieht, und da ist es erfreulich, Authentisches, mit Ziffern belegtes Material von einem Manne zu erhalten, der, obwohl ein Gegner des absoluten Systems, doch keineswegs den Revolutionären zuzuzählen ist und anscheinend vollste Objektivität sich bewahrt hat. Tas macht das Buch wertvoll. Friedmann gibt zunächst einen Ucberblick über den russischen Staatshaushalt. Tie Einnahmen des russischen Reiches beliefen sich im Jahre 1903 — neuere Ziffern liegen anscheinend noch nicht vor — auf die Riesensumme von 2 Milliarden, 203 Millionen Rubel, die ordentlichen Ausgaben auf nicht ganz 2 Milliarden Rubel. Ten nicisten Ertrag liefert der fiskalische Verkauf von Branntwein, dann kommen Die indirekten Steuern, die die unteren Schichten des Volkes, die Bauern vor allem, in der unerhörtesten Weise bedrücken. Ueberbaupt bringen die unteren Volksschichten mehr als drei Viertel der ganzen Einnahmen aus, während die privilegierten Persönlichkeiten (und m Rußland ist jeder privilegiert, der etlvas besitzt) eine lächerlich geringe Summe zu leisten haben. Ter russ. Bauer l>at beispielsn-eise im Mitteleren Scyarzerde-Gouver- nement 125 Kopeken für die Tcßjatine an Staatssteuern zu zahlen, der Gutsbesitzer dagegen 5 Kopeken. Tas ist ein himmelschreiender Unterschied. Wir können hier nicht niil)cr auf Die Ausführungen des Verfassers eingehen; das eine Beispiel zeigt wohl zur Genüge, rote die Tinge liegen, und erklärt auch, warum die Bauern sich dem Verzweislungs- klunpse cmgeschlossen haben. lieber Die Fmanzen des russischen Reiches sagt der Verfasser nun folgendes: Unsere Finanzen befinden sich auf einem toten Punk t. Der Krieg hat ungeheure Summen verschlungen. Sttuererhöh' ung. Die wieder den armen Bauer treuen würde, kann nicht mel/r viel einbringen; er ist ja ausgeprestt wie eine Zitrone und bei ihm ist nichts zu holen..... Es blieb nichts übrig, als wieder zu auswärtigen Anleihen zu greifen. Es würde eine Anleihe im Betrag von 300 Mill. Rubel nominell in Frankreich avgeschlossen, bei faktischer Verzinsung von co. 7 Prozent. Dann folgte die 500 Millionen anleihe auf dem Berliner Markt, deren Verzinsung sich faktisch schon auf etnxid über 7 Prozent stellt. ... Bis jelit ist aus der Pariser Anleihe, die schon im April 1904 emittiert worden ist, keine einzige Kopeke nach Rußland gekommen, und auch aus der Berliner Anleihe wird sicher keine kommen: alles wird int Ausland bleiben zur Bezahlung unserer Aufträge und zur Sicherung der Zinsenzahlung auf ältere russische Anleihen. Darnach also sieht es um die russischen- Finanzen im Augenblick |o traurig aus, als nur irgend möglich. Ter Verfasser schreibt die Schuld daran der unglaublichen Stört ruptioil zu. Tic Beispiele für die Riefenunterschleife, die insbesondere während des russisch-japanischen Krieges ganz offen vorgekommen sind, haben den Reiz der Neuheit längst verloren. Es fehlte eben bisher jede Finanzkontrolle. Die Behörden taten, was ihnen beliebte, schlossen Verträge mit privaten Firmen unter unglaublichen Bedingungen ab — zu wessen Nutzen, braucht man nicht zu fragen. Mit dem, dem Volte und zwar seinen untersten Schichten erpreßten Gelde wurde gewirtschaftet, wie man gerade wollte, unD daher kommt cs, daß Rußland heute vor dem Staatsbankerott steht. Ter Verfasser des Buches gibt das nun allerdings nur in verklausulierter Form zu; er ist der Ansicht, daß dieser Bankerott sich wohl noch aufhalten ließe, wenn eben eine entsprechende Präventivkontrolle der Finanzwirtschaft durch ein Parlament eingeführt würde. Er sagt am Schlüsse seiner überzeugenden Ausführungen : Mißbräuche gibt es überall. Auw im Westen sind sie oft genug vorgekommen. In Rußland ist aber diese Verschwendung deS Vollsvcrmögenö zu einem System geworden, das keine Schranken kennt. Wir haben: kein Parlament, keine Preßfreiheit, feine Redefreiheit. Unter dem dichten Schleier des Amtsgeheimnisses passieren haarsträubende Dinge, herrscht unglanbliMe Fahrlässigkeit mib Sorglosigkeit. Es wäre kindisch, zu glauben, daß irgenb welche ernsten Reformen in der russischen Staatswirt- fchaft möglich seien. Erst must des heutige Regime der repräsentativen Staatsordnung weichen, bei der die Erwählten der Nation das Budget genau kontrollieren werden. Tas scheint richtig, aber leider beantwortet der Verfasser die Frage nicht, ob Rußland auf dem Wege zu dieser Neuordnung ist. Wäre das der Fall, daun könnte man ja nach den Ausführungen Friedmanns einiges Vertrauen in die russischen Finanzen haben; darin liegt der springende Punkt. * Einige Börsenblätter sind ganz außer sich, daß die neue russische Anleihe in Deutschland offiziell nicht zugelassen wird. So schreibt der „Franks. 2lkt.", daß das Vorgehen der Regierung unpraktisch und unklug zu gleicher Zeit gewesen sei. Tann phantasiert das gen. Blatt, daß Rußland „mit Lechtiigkcit" 2 Milliarden Francs geborgt erhält, daß es noch weitab von finanziellen ytöten, geschweige vom Staatsbanlerott sei. U. a. behauptet cs auch, daß die Isolierung Deutschlands nur noch stärker yervorlritt, weil es sich nicht an der Anleihe beteiligte. Tie neue Milliarden- anleihe wird wieder mit einem Schlage geordnete Finanz- Verhältnisse in Rußland schaffen, btc russischen Staatspapiere werden eine glänzende Kursentwicklung nehmen!? Tie Sperrung des deutschen Marktes für die russische Anleihe treffe Deutschland weitaus härter als Rußland, deshalb wird das Vorgehen der Regierung in finanziellen Kreisen eine ziemliche Mißstimmung zurücklasscn. - - Wir wundern uns nur, daß der „Akt." nicht gleich dazugesetzt hat, die finanziellen Kreise sollen jetzt die neue deutsche Reichscmleihe zu hintertreiben suchen. Tie Weigerung Deutschlands, an der russischen Anleihe teilzunehmen, veranlaßt den Londoner „Lbserver" zu der Vermutung, diese Weigerung Deutschlands sei ein politisches Ereignis, welches ganz Europa interessiert. Die Haltung Teutschlands bedeutet, daß die persönliche Allianz zwischen dem Hause Hohenzollern und dem Hause Romanow erschüttert sei. Tie Weigerung Teuti'chlands beruhe nicht auf Finanzschwierigkeiten, sondern auf der Haltung Rußlands in Algeciras. Tie Abweisung der russischen Anleihe ist insdes, wie die „Tägl. Rundfch." erfährt, aufgrund von Gutachten erfolgt, zu welchen die Prüf identen der Reichs bank und der Scehandlung, daS Reichsschatzamt und das preußische Finanzministerium vom Reichskanzler anfgcfordert worden waren. Ter Pariser „Temps' meldet, daß. offiziellen Mitteilungen zufolge die neue russische Anleihe mit fünf Prozentvcrzmslich fein werde und sich auf zweiMilliar- b cn Francs belaufen werde. In Wien fand unter dem Vorsitze des Sektionschefs im Finanzministerium, Gruber, eine Konferenz statt. Wie verlautet, handelt es sich um die Grundlagen für die in Daris einzuleitenden Verhandlungen über eine Beteiligung des österreichischen Kapitals an einer russischen Anleihe. Die „F. Z." weist auf eine anscheinend offiziöse Notiz der „Torg. Prom. Gaz." hin, wonach die ordentlichen Staats- einnahmen Rußlands im Jabre 1905 gegen den Voranschlag ein Mehr von -17 Mill. 3ibl. und gegen den Eingang des Jahres 1904 ein solches von 6 MiL Rbl. ergeben. Diese Angabe beweist, wie ungünstig sich der Steuereingang in Den letzten Monaten des verflossenen Jahres entwickelt hat. Es gingen nur 365,7 Mill. Rbl. gegen 449,2 Mill. Rbl. im Jahre 1904 ein. Tas Ergeonis ist somit eine Steigerung von nur 6 Mill. Rbl. Dabei sind noch Die zahlreichen Steuererhöhungen in Betracht zu ziehen, die ebenfalls im ver- ilossenen Jahre erfolgten. Nach amtlicfycr Schätzung erwartete man von den in 1905 durchgcführten Steuer» erhöhungcn eine MelM in nähme von reichlich 50 Millionen Rubel. Tatsächlich aber haben sie nur gerade ausgereicht, reinen Rückgang der ordentlichen Einnahmen gegen das Vorjahr eintreten zu lassen, und der Minderertrag der allen Steuer muß demnach auf etwa 44 Mill. .Rbl. geschätzt werden. Tie Notiz des genannten russischen Blattes gibt ferner an, daß in den ersten, beiden Monaten des laufenden Jahres der Emnahmeneiugang im oUgcnteinen befriedigend sei, daß aber speziell die Erträge der Staaisbahnen 19 Mill. 9ibl. hinter dem gleichen Abschnitt 1905 zurückbleiben. Kotttische Tagessehatt. Frankreich und Venezuela. Von Frankreich wird behauptet, es beabsichtige, nachdem nunmehr die Akten über Marokko geschlossen sind, seine politische Nechmmg mit dem Präsidenten Castro ins Reine zu bringen. Die Regierung in Washington soll ihr Einverständnis erklärt haben mit der von Frankreich geplanten Aktion gegen Venezuela. Das könnte doch wohl nur dahin verstanden werden, daß ein gemeinsames Vorgehen gegen Castro verabredet ist. Tenn dieser hat auch bei den Vereinigten Staaten noch einen Posten im Schuldkonto, unb es ist mcht anzunehmen, das; man in Washington den Franzosen die Generulexekutive überträgt Noch weniger verständlich freilich wäre eß, wenn Frankreich zu seinem Vorgehen gegen Castro die Genehmigung der Unionsregierung nachgesucht hätte. Das wäre bedauerlich für zukünftige Auseinandersetzungen zwischen einer tzurop. Macht und Venezuela, die bei der Willkürherrschaft der dortigen Gewalthaber wohl unausbleiblich sind. Ein politisches Vorrecht der Union in Venezuela könnte europäischerseits nur anerkannt werden, wenn die Union sich in gewissem Sinne verantwortlich erklärte für die Streiche der Castro und Genossen. Ausland. London, 9» April. Die Arbeiten zur Bergrößcrung der Häfen von Plymouth und Devonsport werden demnächst beendet. — Nach Meldungen au§ Athen ereigneten sich gestern am Jahrestage der Unabhängigkeit Griechenlands Unruhen. Die Anhänger von Ralli gerieten in Streit mit den Anhängern der jetzigen Regierung. Es kam zu einem heftigen Straßenkampf, wobei zwei Personen getötet wurden und 17 verwundet. Schließlich zerstreuten Truppen die beiden Parteien. Paris, 9. April. In Tanger ist zwischen den Europäern und den einheimischen Behörden ein Konflikt ausgebrochen. Mit Bewllllgung des Sultans hat der französische Unternehmer Alfred Regis eine Konzession behufs Wasserzu« fuhr für die Schiffe erhalten. Die marokkanischen Behörden widersetzten sich jedoch der Anlage der Röhren. Ein Pascha kam mit Soldaten. Er schickte die Arbeiter fort und ließ sogar einige festnehmen und die Anlagen zerstören. In der Stadt rourbe dann daS Gerücht verbreitet, ein Franzose habe eine unterirdische Mine anlegen wollen, um die Stadt in die Luft zu sprengen. — (Senat.) Im Laufe der Beratung des Marine- etats tadelt Destournelles das Anwachsen der jährlichen Ausgaben für Schiffsbauten. Die Notwendig- keck, sie fortwährend weiter zu vermehren, beweise deren Nutzlosigkeit. „Warum/ fährt der Redner fort, „lassen wir uns immer durch die 9(u§gaben der Vereinigten Staaten, Englands oder Deutschlands, niemals aber durch die Bemühungen leiten, die diese Staaten machen, um die A us -- gaben z u verringern? Halten wir uns, wie in Amerika, an die dringende 9iotioenbigfcit der nationalen Verteidigung!" Destournelles schließt mit der Aufforderung, durch eine Einigung unter den Brächten zwar mcht die Abrüstung, aber die Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen. Admiral de Cuverville hält die Flotte für ungenügend, um im Kriegsfälle in roirt)amer Werse ihre Ausgabe lösen zu können. Der Redner wünscht Vermehrung der Panzerschiffe unb meint, man müsse auch den Vorsprung, den man anderen Mächten gegenüber bezüglich der Unterseeboote und der Tauchboote besitze, erhalten. Marineminister Thomson eroberte, das Flottenprogramm trage den jüngsten Erfahrungen im russisch- japamschen Kriege Rechnung und werde Frankreich seine Stellung erhalten. Alle Länder handelten trotz ihrer friedlichen Absichten ebenso wie Frankreich. Es fei notwendig, daß Regierung und Parlament erklärten, ob sie die Opfer bringen wollen, die erforderlich sind, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten, und daß sie beide dem Lande gegemM: die Verantwortlichkeit für ihre Haltung übernehmen. ' Mesch cd (Persien), 9. April. Seck drei Tagen sinden hier große Ruhestörungen statt, die ihren Grund in der Verteuerung der Lebensmittel haben. Die Läden ivurden geplündert und in Brand gesteckt. Die Volksmenge griff das Gebäude des Schatzamtes an. Der Gouverneur lind 20 Europäer sind getötet oder verwundet worden. d! ewyork, 9. April. Die Regierung der Union hat Suifelanb durch ihren Botschafter zur Erwägung anheim- gegeben, daß der Zeitpunkt für die Haager Friedens- lonserenz u n g ü n |t i g gewählt ist wegen des panamerikanischen Kongresses. Da indessen wohl trotzdem die süd- amerikanischen Staaten europäische Vertreter für den Haag übrig haben werden, so ist der Erklärung nur die Tatsache ju entnehmen, daß die Union sich mit den südamerikanischen Staaten jror der Haager Konferenz derart einigen wird, daß hmftig Streitfragen zwischen Südamerika und Europa keinem Schiedsgericht vorgelegt werden können, an welchem europäische Staaten beteiligt sind. Der Ausbruch des Bcsuvs ist cm Ereignis, das die ganze Kulturwelt mit lebhafter Anteilnahme, mit schmerzlicher Spannung verfolgt. Italien erscheint dem Gebildeten als bas Lanb ber Träume. Eg ist auch hier die Liebe zum Schönen, zum Besonberen, ein gerollter romantischer Zug, ber bas Mitgefühl in bebeutenbem (Sirabe erhöht. Es versteht sich von selbst, baß in Deutschland die politische Verstimmung gegen Italien angesichts des Wütens ber Elemente schweigt. In biesem Sinne schreibt die „Voss. Ztg.": w9)iit aufrichtigem Schmerz nehmen wir au dem Unglück teil, bas Italien wieder betroffen hat. Nicht Dem Bundesgenossen, sondern den schwer heimgesuchten Menschen gilt unser Mitgefühl.- Die ,Nat.-Ztg.« und andere Zeitungen geben in ähnlicher Weise ihrer Sympathie Ausdruck. Jeder Empfindende wird einstimmen. Und doch! Wenden wir den Blick ab von dem großen, majestätischen Drama zu der Katastrophe von Nagold mit ihrem so viel schlichteren unb nicht durch Poesie unb Ueberlieferung verklärten Schauplatz. In Italien ist Besitz vernichtet, sind gewaltige, zum Teil unersetzliche Kulturwerte von der Zerstörung bedroht. Die Bevölkerung flieht; das, was der Fleiß von Tausenden in Jahren geschaffen, ist in einem Augenblick Nauch unb Asche. Aber baß Kostbarste, bas Leben, kann fast überall gerettet werden. Dagegen in Nagold ein halbes Hundert entsetzlich verstümmelte Tote, aus dem frohen Genuß des Lebens jäh abberufene Menschen. Wahrlich, dies Bild ist nicht so groß und erhaben, wie ber Ausbruch beS Vesuvs eß ist, aber es ergreift ganz anders bas Herz. Es ist manch- mal nötig, den Blick des Deutschen von fremden Angelegenheiten auf das eigene Haus zurückzulenken. Für Courr iöres ist viel geschehen, für Italien werden btc Hände sich öffnen. Denken wir daran, daß es in Deutschland Wunden zu lindern und Trost unb Hilfe zu spen den gilt! Die heutigen Meldungen besagen int ivesentlichen folgendes- Aeapel, 9. April. Das Matt „Giorno" beziffert die Anzahl der Flüchtigen aus dm Ortschaften nm Vesuv auf 150 000. Turch die Räumung van Bos'cotreease sind 10800 Menschen obdachlos geworden. Die Autonwbil-Fahrt des Königs und der K ö n i g i n nach den Vesuvortschaften ging bei sehr schlechtem Wetter vor sich Der SckMUtz auf den Straßen >var so bedeutend, bas; die Automobile, in denen Gefolge fuhr, nach einiger Zeit zurückbleiben mußten. Ter ganze Weg ivar von Flüchtigen angesüllt, die auf Wagen und Karren sich und ihre Habseligkeften in Sicherheit zu bringen suchten. Me Züge treffen hier mit drei bis vierstündiger Verspätung cm. Neapel hat sich von seiner Panik uneder erholt. Die Hauptstraßen sind zum Teil gesäubert, doch viele sind noch mit Asche bedeckt, die schmutzigem Sckmee gleicht. Ter Vesuv sänckt eine riesige Nauchroolle, die wie ein schwarzer Vorhang über dem Meer hängt. Tas Werter tu seit heute morgen schön. Der Zufall, daß der Umschwung des Wetters unb der teilweise Stlllstaiib der Lava begannen, als das Künigspaar im Auto.nobil in Torre Annunziata eintraf, wird von dem abergläubischen Volke als ein gutes Zeichen getwinmen. Kurz vor Ottajano ist die Straße cmen halben Meter hock) von Asche und Steinen bedeckt. Es siel ein so dichter Srein regen, das; die Einwohner die L>tadt nerließen aus Furcht, die schwach gebauten Dächer konnten die Last nicht tragen. Der Vesuv hat seine frühere Form eingebüßt, oa der Haupt kegel glatt ab rasiert scheint. Svebeic wird aus Torre Annunziata gemeldet, daß der Vulkan wiederum lautes Getöse von sich gibt. Der König und die Königin, die heute nachmittag eine Vvot- sahrt im Golf unternahmen, mußten diese miterbrecfjcn, da die dichten Aschenwolken jeden Ausblick verhiiiderten. Tas K'önigs- paar ging in Torre del Greco ans Land, begab sich, von Laternen tragenden Matrosen begleitet, zum Bahnhöfe und fuhr gegen sechs Uhr ncutz Neapel zurück. Finanzminister Salandra und Unterstaalsükretär Denava be- schloffen, die Zahlung der am 16. April fälligen Steuer n in den durch den Vesuvausöruch betroffenen Gemeinden zu st u n d e n. Ferner ordneten sie die Verteilung von LebenSmitteln an die notwende Bevölkerung an. — Die Tätigkeit des Vesuv nimmt ab, doch dauert der Sandauswurf noch an Tie telegraphische Verbindung mit Resina ist unterbrochen Tee Bevölkerung versieg Renna. In Torre bei Greco herrscht Panek. Der Aschenregen nahm dort zu. Professor Mattcucci konnte nach dem Observatorium zurück- kehren und telegraphierte das; das Observatormm durch den Steinrcgcn beschädigt und btc Instrumente durch die Voden- ersckiütterung in Unordnung geraten sind. -ter Krater werfe jetzt s Sandmassen aus und hin und wieder Gestembtocken. . Flüchtlinge bestätigen, da» in Ottaianv 18 Hauser, die Käse nc, das Gefängnis un d 5 Kirchen einst ür'ztcn, sowie das; eine Glashütte in Flammen aufging. Auch der Tom 2t. Michael brach unter dem Truck der Lavamassen zusammen Viele Kunstschätze. Fresken und Mosaiken gingen nnt ihm zu Grunde. In St. Giorgia del Greco dauert der Aschen- rcgcn, der auf vielen Dächern handhoch liegt, fort, sodaß auch dort die Einsturzgefahr iminer grüner wird. Unter derselben Plage haben Pergola, Pvllena, Tcrrocchia und Marino zu leiden. Es fehlt j cd c Nachricht über den Verbleib von 90 Kindern aus der Klosterschule von Ottasana, die zerstört ist und aus der die Kinder auf die Felder flüchteten. Die Panik ist so groß, daß ein Zug von San Giovanni nach -tc= duccbio, in dem sich über hundert Flüchtlinge befanden, ans der Station v e r l a s s c n wurde, weil die M a s ch i n i st c n und Heizer, vor dem Aschenregen in Angst versetzt, flohen und die Weichensteller infolge der Finsternis nicht arbeiten konnten. Zn San Carlo a Mortelle fanden tumultuarische Ansammlungen statt von geängstigten Menschen, die die verschlossenen Kirchen mit Gewalt erbrachen. Die Finsternis ist so groß, daß nickt einmal elektrische Lampen auch mir auf wenige Schritte leuchten. Niemals hatte Neapel eine so schauerlickc Nacht. Biele Herren und Domen gingen auf der Straße nur mit Automobil-Kappen und Brillen. ' Um 7 Uhr brach in_Ncapel ein fürchterliches Unwetter los, das die Straßen in Schlammbäcke verwandelte. Uebcrraschend Eoinmt folgende Nachricht aus der Hauptstadt von Montenegro: E et in je, 9. April. Seit gestern nachmittag bis heute früh fiel hier ein gelblicher Staubregen. Sämtliche Straßen und Dächer in Cetinje sind mit einer gelben Staubmasse bedeckt. Aehnlicher gelblicker Staub ging auch in Tulsigne, Antivari, Riesa und anderen Orten nieder. Vermutlich "steht dieser Staub mit dem Besuvausbruch in Verbindung. Me parlamentarische Studienreise nach Togo und Kamerun. Gießen, 10. April. In einer gut besuchten Versammlung des national» Iiberaten Vereins, die gestern abend im Saale des „Großherzogs von Hessen" stattfand, erörterte Reichstagsabg. Landgerichtsrat Dr. Hage mann auS Erfurt die wirtschaftliche Entwickelung unserer Kolonien und die parlamentarische Studienreise nach Togo und Kamerun, an welch letzterer der Redner mit Reichstagsabgeordneten aller Richtungen (ausgenommen die Sozialdemokraten) im vergangenen Jahre teil» genommen batte. Zu Beginn der Versammlung begrüßte der Vereinsvorsitzende, Stadtv. Ktrch, die Anwesenden, insbes. die Vertreter des freisinnigen Vereins, deren Erscheinen die Hoffnung berechtigt erscheinen lasse, daß beide Parteien wie seither auch in Zukunft bei Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahlen zusammen vorgehen werden; ferner die Vertreter der Handelskammer und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Abg. Hagemann begann dann seine mehr als zweistündigen interessanten Ausführungen mit der Bemerkung, daß die Veranlassung zu seinem Bestreben, die auf der parlamentarischen Studienfahrt gewonnenen Erfahrungen den weitesten Kreisen zugänglich zu machen, darin zu suchen sei, daß noch sehr viele schiefe Ansichten über den Wert unserer Kolonien im deutschen Volke verbreitet seien. Die Teilnehmer an der Reise seien zum Telle als Kolonialfeinde hinausgegangen und es sei bezeichnend, daß gerade die beiden Abgeordneten, deren Parteien sich am meisten ablehnend gegen die deutschen Kolonien verhalten hätten, der freisinnige Volksvartciler Goller und der süddeutsche Demokrat Storz als begeisterte Freunde unserer Kolonialpolitik heimgekehrt seien. Den Anlaß zu der Reise gab' eine Bemerkung in der Budgetkommission des Reichstages, daß es wünschenswert sei, daß bei Bewilligungen für unsere Kolonien aus eigener Erfahrung und Kenntnis heraus geurteilt werden könne. Traufhin habe der Vorsitzende der deutschen Kolonialgesellschaft, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, die Einladung zu der Fahrt ergehen lassen und so sei es daun gekommen, daß einige Zeit später eine Anzahl Volksvertreter sich an Bord des Hamburger Dampfers „Eleonore Wörmann" eingeschifft hätten. Unterwegs hatten die Reisenden Gelegenheit, im Kanal die große Aesuv-Krinuerurrgen. Von Paul Schweder. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) Vor vier Wochen fuhren wir, von einer Reise durck Aeghpteu und Palästina heimkehrend, in die Straße von Messina ein. Der alte Kasten, der uns beherbergte, hatte infolge eines furcht - baren Sturmes eine derartige Verspätung, daß wir statt bei nachtschlafender Zeit das entzückende Taormina und den Aetna in voller Morgensvnne genießen konnten. _ Und da zeigte sich uns das merkwürdige Naturschauspiel, daß der alte Herr da oben, dessen Krater zu den erloschenen gezählt wird, feine weiße Dämpfe in die Morgenluft entsandte. Mit uns sah der Kapitän erstaunt dem Treiben des Berges zu. Wohl wußte er, daß einzelne Spalten am Gipfel von Zeit zu Zeit schwache Wasserdämpfe herauslasfen; ebenso auch, daß sie infolge ihrer Unbedeutendheit nur bei einer Besteigung des Berges selbst kenntlich werden. Wenige Stunden später machte unser Dampfer im Hasen von Messina fest und der erste, der sich den Weg zur ersten Kajüte bahnte, war ein Zeitungshändler, der die Extra-Ausgabe der „Gazetta di Messina" zum Verkauf brachte, die eine Hiobspost über den Untergang einer ganzen Ortschaft in nächster Nähe Messinas enthielt. Ueber 2000 Häuser waren durch das plötzlich aufgewühlte und mit elementarer Wucht gegen das Ufer.geworfene Meer von einem furchtbaren Strudel mit einem Schlage verschlungen worden und eine öde Sand- und Trümmerstätte bezeichnete den Platz, wo vor wenigen Augenblicken noch ein blühendes Städtchen gestanden hatte. Unterdessen hatte unser Dampfer mit der Anbordnahme zahlloser Kisten voll Apfelsinen und Zstronen begonnen. Das Kreischen und Donnern der beiden Krahne trieb uns ans Land und ohne Meffina einen Blick zu schenken, lenkten wir unsere Schritte zu der Unglücksstätte, wo wir Militär und Kärabinieri mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt, antrafen. Bor allem galt es, die gefährdete Bahnstrecke zu retten, die von dem Messina gegenüber liegenden Reggio nach ^Neapel führt und Hunderte fleißige Hände regten sich zu ihrem Schutze und zum Barackenbau für die Bewohner des in den Meeresfiillen verschwundenen Ortes. Ans eine Frage nach der Ursache des Unglücks zuckte unser Cicerone, ein Zollbeamter aus Meffina, mit den Achseln und sagte, nach den gegenüberliegenden, ebenfalls mit Schnee bedeckten kalabri- schen Bergen deutend: „Tic Serge sind unser Unglück!" Und wir erinnerten uuS der entsetzlichen Schreckensnachrichten aus Calabrieu. Vermutlich hatte auch hier ein unterseeisches Erdbeben den Wohlstand eines ganzen Ortes vernichtet. Als unser Dampfer am Abend den Anker klar machte, erschien an dem Fallreep ein Karabiniere in Begleitung einer etwa 25 jährigen schwarzhaarigen Italienerin. Ihre Züge mußten ein- jnal schön gewesen sein, aber jetzt war das Gefickt verzerrt und englische Seemacht mit eigenen Augen zu sehen, und bei den vier englischen Geschwadern, die dort zusammengezogen waren, befanden sich gerade französische Kriegsschiffe zu Besuch. Nach einer guten Fahrt tourten die kanarischen Inseln und Monrovia besucht und dann der Kurs auf Togo genommen. Jedoch wurde der vorgeschriebene Kurs nicht ganz eingehalten, denn am 24. August wurde Abg. Fries von einem Schlagmrfall betroffen, an dessen Folgen er kurze Zeit danach starb. Um ihn, den Forstmann und Sohn des Thüringer Waldes, im afrikanischen Urwald betten zrr tonnen, wurde nur Axim angelaufen und dann direkt nach Lome gefahren. Während des dortigen Aufenthaltes fuhr der Postdampfer zurück, um seine Posthäfen aufzusuchen. Lome, die Hauptstadt vpn Togo, empfing die Mgcord- neten anstatt mit Freudenklängen in Trauerzeichen, denn die Nachricht von dem Tode eines ter Teilnehmer an ter Fahrt, war telegraphisch gemeldet worden. Im Zollgebäude fand eine Trauer feier statt und dann wurde die Leiche des Volksvertreters neben der des früheren Gouverneurs Köhler beigesetzt. Negerkinder sangen deutsche Choräle und Negersoldaten widmeten dem Mitkämpfer von 1870/71 die Ehrensalve. Dem Tode war sein Recht geworden und die Ueberlebenden gingen an die Arbeit. Am nächsten Tag wurde zunächst Lome besichtigt und zwar die Regierungsgebäude, insbesondere das Gerichtsgebäude und das Gefängnis. Die Kettenstrafe, von der bei uns so viel Aufhebens gemacht wird, ist nach der Ansicht des iBor trag en beit nicht so schlimm, als man glaubt, insbesondere ist sie nicht mit der früher in Deutschland üblichen zu vergleichen. Die besichtigten Schulen sind alle als sehr gut zu bezeichnen, während die Regierungsschule in wesentlichen praktische Arbeit leistet, unterrichten die evang. und die kath. Missionsschule die kleinen Neger int Lesen, Schreiben und Rechnen. Sodann wurden Faktoreien besichtigt, die einen steigenden Verkehr auftoetfen, sodaß bald an einen Hafenbau gedacht werten muß, denn die jetzige Landungsbrücke wird trotz der beschlossenen Vergrößerung nur noch kurze Zeit genügen. Ein Besuch des Marktes gab Gelegenheit, die Eingeborenen zu beobachten. Die Togoneger sind ein schöner Menschenschlag. In ähnlicher Weise wie in Lome wurden sodann in Änecho, dem früheren Klein-Popo, Besichtigungen vorgenommen und auf der Togobahn eine Fahrt bis No öppe Unternommen. Die Bahn ist von höchster Bedeutung für die Entlvicklung der Kolonie, denn das Land, das etwa so groß wie Bayern und durchaus fruchtbar ist, bringt nur Stapelartikel hervor, die die jetzigen teuren Transportkosten (es muß alles von Stegern getragen werden) nicht vertragen können. Von ter Küste aus kommt zunächst eilte Kokosnußzoiie, dann eine Buschzone, in der mit gutem Erfolg Mais angebaut wird, und eine Oelpalmzone. Für Kakao- und Käutschnkgewinnung sind die günstigsten Vorbedingungen vorhanden und die gelungenen Versuche mit Baumwollanpslanzuitgeit lassen die Hoffnung berechtigt erscheinen, das amerikanische Baumtoollrnonopol dereinst durchbrechen zu können. Hieran hat namentlich auch die deutsche Arbeiterschaft das größte Interesse, und es ist unbegreiflich, daß gerate die Partei, die die Arbeiterinteressen zu vertreten vorgibt, so kolonialfeindlich ist. Von Bedeutung ist ferner das Vorkommen von Eisenerzen. 20 Millionen Tonnen können im Tagbau abgebant werten und das Erz hat 68,6 Proz. Eisengehalt, übertrifft also das beste europ. Eisen, das schwedische, noch um 1,8 Proz. Von Togo ging die Fahrt weiter nach Kamerun, das sich vom Busen von Guinea bis zum Tschadsee erstreckt. Tie vor kurzem bewilligte Kamerun-Jnlandbahn soll später bis zu diesem See durchgeführt werden und Anschluß an die französische Bahn von Algier erhalten, sodaß man in Zukunft von Berlin bis Kamerun (abgesehen von der kurzen Mittelmeerstrecke) mit der Bahn fahren kann. Der Hafen von Vietoria, der Haupthafen von Kamerun, wird vermöge seiner Lage und Beschaffenheit zum besten westafrikanischen Hasen werden und in späterer Zeit selbst Kapstadt überflügeln. Auch in Kamerun wurden Schulen, Plantagen usw. besichp- tigt und mit der Bahn und auf Dampfern Ausflüge ins Innere gemacht, so nach Buöa, Bibundi und Kribi. Ueberall gewannen die Reisenden den Eindruck, daß die Kolonien trotz aller vorgekommenen Mängel in schönstem Aufblühen begriffen sind. Auch dem Gouverneur Jesko v. Puttkamer habe man viel zu danken, wenn auch namentlich die sittlichen Verfehlungen nicht zu billigen seien. Er habe cmßer- oroentliches geleistet, und cs könnte nur bedauert werden, wenn er den Klagen der dkkwaleute geopfert werde. Der Redner gab ergötzliche Schilderungen von den Eincntstcllt durch einen eigenartigen Blick. „Wo sind meine Bam- | bine?" schrie sie und mackte Miene umzukehren. Allein mit sanfter Gewalt drängte der Karabiniere die nur in ein dünnes Umschlagetuck gehüllte Frau vorwärts in den zur zweiten Kajüte führenden Raum. Und nun begann ein verzweifelter Kampf, dem wir mit steigendem Entsetzen zusahen. Die Frau wollte mit aller Gewalt ans Land zurück und versuchte, als sie sah, daß die Brücke ausgenommen worden war und die Schraube die ersten Umdrehungen gemacht hatte, ins Wasser zu springen. Aber anstatt daß unser Karabiniere sie nun zu überwältigen suchte, hörten wir ihn so zart auf die Verzweifelte einrcdcn, daß es uns zum Bewußtsein kam, eine Tiefunglückliche und nickt eine Verbrecherin vor uns zu haben. Wischte sick doch sogar der Beamte einmal die Tränen aus den Augen, als er uns von dein Unglück seiner Begleiterin erzählte. Die Llermste ferm aus Monteleone in Cala- bricn, ivv bei dem letzten Erdbeben ihre vier .Kinder int Aller von 6 bis 10 Jahren vor ihren Augen von dem einstürzenden Wohnhause zermalmt worden waren. Tas hatte die Unglückliche um den Verstand gebracht. Und nun sollte sie nack Neapel ins Irrenhaus. .Vergebens hatte der Beamte sie glauben zu machen versucht, daß sie auf dem Schiffe ihre Lieblinge wieder finden würde, die man durch ein Wunder ins Leben zurückgerufen habe. Vergebens bemühten auch 'wir uns um sie und suchten ihren verirrten Geist auf andere Dinge ab^ulcnken. Bis in die tiefe Nacht hinein hörten wir ihr herzzerreißendes? Klagen und Weinen. Mir hatte der Vorfall den Schlaf geraubt und so wandelte ich noch» um 2 Uhr morgens auf Deck umher, als plötzlich in einer Entfernung von nur wenigen Kilometern nordwestlich vom Schiff eine dunkclrvte Feuergarbe anscheinend mitten aus der spiegelglatten dunkeln See heraus ausstieg. Erst bei angestrengtem scharfen Sehen erkannte ick den schwarzen, ca. 900 Meter aus dem Meere hervorsteigenden Kegel des Stromboli, der mir diese Ueberraschung bereitet hatte. Und wiederum mußte ich mich vom Kapitän beleben lassen, daß diese Ersck)einung ganz ausnahmsweise sei und daß daher das ganze Land voller Unruhe über die letzten Ereignisse sei. Ich solle nur erst nach Neapel kommen, da gehe cs noch ganz anders her. Ick würde den Vesuv kaum wieder erkennen. Also schlug ick mir auch noch die andere Hälfte der Nackt um die Ohren und saß voll Neugier in der bitterkalten Nacht auf Deck, um den Vesuv, den wir wenige Stunden später erblicken mußten, möglichst nock vor Sonnenaufgang zu Gesichte zu bekommen. . Hatte er dock bei meiner letzten Anwesenheit in Neapel vor zwei Jahren nur etwa alle zehn Minuten sich mit einem ganz schwachen Nauchwölkchen bemerkbar gemacht, sodaß ich bei meiner Ankunft am Gipfel enttäuscht war, so wenig Bewegung in der tief unten im K'caterkefsel glühenden Lava zu sehen. Gegen G Uhr früh, als noch nicht einmal Capri gesichtet morden mar, nahm ich am nördlichen Horizont einen roten Schein wahr, der von Minute zu Minute an Ausdehnung gewann und drücken, die unsere schwarzen Landsleute, insbesondere auch die „Kings", auf die Europäer machen. Auch umgekehrt wurden ergötzliche Proben geboten, so z. B. gaben Negerkinder ihr Urteil über unsere NeichStagS- abgeorbiieten in folgenden Worten ab: „Massa, müssen die Herren zu Hause viel zu essen haben!" Zu beklagen ist der Gegensatz, in dem vielfach die Missionen zu der Verwaltung stehen, der Missionsstandpunkt, in den Negern lediglich unsere Brüder zu sehen, ist nicht richtig. Wenn man den Negern Kultur bringen will, geht es ohne Zwang nicht ab. Der Ge- samteindruck, den die Afrikafahrer nach Hause mitbrachten, ivar, daß ans unseren Kolonien etwas 511 machen ist, und sie auch noch finanziell ein günstiges Resultat für das Reich liefern werden. Mit der Aufforderung, sich die Freude au den Kolonien nicht verderben zu lassen, und seine Pflicht int Dienste des Vaterlandes zu tun, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenonunenen Ausführungen. Zahlreiche interessante Lichtbilder unterstützten wesentlich das Verständnis des Vortrages. Herr Kirch sprach dem Redner im Namen des Vereins und der Anwesenden herzlichen Dank aus. Auf eine Frage des Landgerichtsrats Wiener erörterte der Redner noch die Möglichkeit, den Sandgürtel in Südwestafrika durch Eisenbahnen zu durchqueren. Tas fei nicht allein ganz gut ausführbar, sondern auch bereits mit Erfolg durchgeführt worden. Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit wurde das Referat des Reichstagsabgeordneten Heyligenstadt über die Reichssteuervorlagen auf eine spätere Versammlung ver- schoten. Das .Unglück von ^ourriLres und die französischen Ausstände. Lens, 9. April. Bergungsmannschaften waren heute nacht nicht tätig; da die Regierungsingenieure allein das Recht haben, sie zu requirieren, würde die Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit der Gruben in Frage gestellt sein können, denn der Brand breitet sich a us. Die Ingenieure der Gesellschaft und die Gendarmen sagen, daß die Aus ständigen die B er gungS Mannschaften an der Einfa hrt hinderten, andererseits erhielt Basley Erklärungen von Bergarbeitern, daß sie wohl bereit wären, sich an den Bergungsarbeiten zu beteiligen, daß aber die Ingenieure die Bergungsmannschaften zu Arbeiten für die Kohlenförderung anstatt zur Herausschaffung der Leichen benutzten. 3000 Ausständige hielten gestern Abend eine Versammlung ab. Abg. Basly machte Mitteilungen über die Lage und fragte die Ausständigen, ob sie den Vorschlag der Grubenbesitzer, betreffend 6,75 Francs Tagelohn und Kontrolle an ne hm en oder nicht. Die Anwesenden erklärten sich bereit, den Vorschlag an zu nehmen. Infolgedessen wird der Kongreß sich mit dieser Frage zu befassen haben. Man glaubt, daß eine Verständigung erzielt und der Ausstand bald beendet fein wird. Aus Suud Land. Gießen, 10. April 1906. •• Verunglückt. Heute morgen wurde auf dem Bahndamm der Main-Weser-Bahn in der Nahe des Bahnhofs die Leiche eines Mannes gefunden. Der Kopf lag vom Rumpfe vollständig getrennt zwischen den Schienen und der Körper rechtwinklig zu den Schienen außerhalb des Geleises. Bei der Leiche fand sich eine Monatsfahrkarte Limburg- Wiesbaden auf den Namen Josef Fiebig. — Nach einer uns von der Bahnbehörde zugegangenen Mitteilung soll es sich bei dem Vorkommnis nicht um einen Selbstmord, sondern um einen Unglücksfall handeln. Man nimmt an, daß der Verunglückte au§ dem 5 Uhr-Schnellzug, als der Zug vom Einfahrtssignal ab langsamer fuhr, in der Schlaftrunkenheit aussieigen wollte und dabei überfahren wurde. X Leihgestern, 9. April. Heute ist die Schürfung zu unserer Wasserleitung m Angriff genommen worden. Die Quelle ist so stark, daß wahrscheinlich noch Großen-Linden mit Wasser versorgt werden kann. O Mainzlar, 10. April. Gestern wurde von dem Gemeinderat unser Schul haus neu bau mit einem sich schließlich als ein langer feuriger Lavastrom erwies, der von der, von Capri gesehen, linken Seite des Vesuv hinablief bis zur Mitte des Berges, wo der Kegel absetzt und die erbeute Drahtseilbahn nach dem Gipfel ihren Anfang nimmt. Zu dieser damals neuartigen Erscheinung kamen dann die üblichen Eruptionen des Vesuv selbst, die aber in keinem Vergleich zu der früher schon gesehenen Raucherscheinung standen. War es damals eine pimen- ähnliche Wolke, die bei Windstille ruhig über der Kuppe des Berges hing, so brachen heute aus dem Krater 50 und mehr Meter hohe dicke, tiefschwarze feurige Wolken in ganz kurzen Zeiträumen von etwa 10 bis 15 Sekunden tervvr. Und das Charakteristische war, daß diese glüheirden Wolken sich sofort senkten und zunächst! einen Hagel von Steinen, kochendem Schlamm und glühender Asche über den Gipfel hinstreuten, während die Rauchwolke langsam den Hang hftlabzog und mit ihrem giftigen Schwefelodem die Luft in den umliegerrden Vesuvdörfern, vor allem aber in dem jüngst vollständig vernichteten Bos'cotrecafc, verpesteten. Und gerade von hier and1 setzten sich die großen Touristenkarawanen in den letzten Jahren allnwrgendlick in Beivegung. Mit jeder neuen Eruption wurde auck eine mehrere Meter lange erst weiß, bann rot glühende Lavaschlange aus a.'in Krater herausgedrängt, die sich über die kurz vorher hcrauSgewvrfeue hinübcrwälzte und langsam die linke Seite des Berges hinunterfloß. So war es schon ca. 14 Tage lang. Am Tage bewunderten Hunderte von Fremden das wundervolle Phänomen und nachts leuchtete die rote Schlange, einem riesigen Raketenzug ähnlich, meilenweit in die Nacht hinaus. Und so ost ich nachts dieses Anblicks wegen den Pofilip hinaufwanderte, um das erhabene Schauspiel in Einsamkeit zu genießen, konnte ich das Gefühl nicht los werden, daß da oben wieder einmal etwas int Werke sei. Die Vesuvleute freilich freuten sich, daß die vermehrte Tätigkeit des Berges gerade in die Saison fiele. Nur die Beamten der Bahn waren damals schon unruhig. Als der Lavaerguß gar nicht aushören wollte, ballten sie zum Schlitze der oberen Station eine Znklopenmauer, die nunmehr, kaum vollendet, ebenfalls mit der ganzen Bahn in wenigen Minuten vernichtet worden ist. Auch auf dem Vesuv-Observatorium herrschte der größte Optimismus und die neuesten Nachrichten haben gezeigt, daß ebenso wie im April 1872 der von einer unmittelbaren Gefahr nicht überzeugte Direktor Palntieri trotz der btennenben Fensterkreuze int Observatorium ausharrlc, bis der etwa 7 Km. weit gelaufene Lavaskrom zum Stehen gekoinnlCll war, auch diesmal die Gelehrten dort oben auSzuharren versucht haben, bis schließlich die Zerstörung deS (Gebäudes ztir Flucht zwang. 1 , _ Nun ist alles dahin, das freundliche Boscotrecase, oomma nut» Ottajano, ja sogar Torre Annunziata mit seinem unvergleia-- 1 ich en Blick auf Castellamare erscheint bedroht, dieses Städtchen, das gleich Resina und Portici auf den Savainuffen über dein antiken Hercnlanum steht. Heute ist dort alles in Trauer und Schrecken und zu jener unglücklichen Mutter aus! Monteleone haben, sich zahllose untere gesellt. freute, • . .h kopier Wb Cn geboten l’nierc mjj J* l .SDIqÜo J ei^tQqE, ? der?r i|1 drr Rltbiqli?ltuS 8«nn um,, ? '°> unicte lll9 »ich, ob'1’?'®'» ch ßw.Metfc Wtat ffc" « fit und |eiut|S‘ ?" d-r Rtdn-r,? ^ «n '«Zungen ,nil «" Ntdntr S?1,s Ä -A-L ft. Zeit wurde das Lustadt über die Veriamwlung ÜC[, urritzres * Ausstande. 'J^üiten waren heute IBingeiuenre allein da? e b,e Wiederherstellung 7 gestellt jein können, »• Tie Ingenieure dec ' daß die Ausstandi. a an der Einfahrt >asley Erklärungen von t waren, sich an den "der die Ingenieure die für die Kohlenförderung cn benutzten. n Abend eine Vcrsanun« eilungen über die Lage sie den Vorschlag dec 75 Francs Tage, der nicht. Tie Anwesen, chlag anziniehmtt. mit dieser Frage zu bc- Verständigung erzielt wi> Lavastrom erwies, W des Vesuv [( ilunbfblCQub^^ r*Sgs", g über Höbe 150 ''"d "'ZittLuinen vcn ganz Käerijlii^1^ nd und zun°A foN 'f älschender M । in BeMgunO- r'F'KfcSwMS . binübeooab- ,S'K'-G S-KSH JigSÖ S'-%Ä -WA 'SLS AGÄ 4^*-' > Land. en, 10. April 1A rgen wurde er dem n der Nähe bei Bahnen. Der Stopf lag vom den dienen uni) der m/Mhalö des onaisschr^üe Lmburg. ied'rg. - Nach einer i^nen Mitteilung soll t= einen Selbstmord, fonberr. Man nimmt an, bah Schnellzug, als dec Zug sihr, in der Schlaftrunken' erfahren wurde. )eute ist die Schürfung P jj genommen worden. - nlich noch GroßtmLm Gestern wurde DOni® lisneubau mit Kostenaufwand von 24000 Mk. genehmigt. Tas Gebäude wird ein stattlicher massiver Bau und enthält außer dem großen Schulsaal noch eine geräumige Lehrerwohnung im ersten Stock. — Butzbach, 9. April. Nach allem, was bis jetzt über das am 17. Juni hier geplante Oberhessische B olk§ trachte ns est in die Oeffcntlichkcit gedrungen rst, scheint daS Fest sehr schon und reichhaltig zu werden. Etz soll mehrere Abteilungen umfassen: einen Festzug mit Trachten- grupven und historischen Darstellungen, ein Festspiel und eine Ausstellung. Zur Gruppenstellung im Fcstzug haben sich cn. 15 Gemeinden gemeldet. A Aus der Wetternu, 9. April. Dns schöne Früh- linqswetter hat c5 den Landwirten möglich gemacht, die Frühjahrsbestellung zu beginnen, und so steht man allenthalben Menschen sich regen, um Hafer, Dickwurz, Sommerweizen und Gerste zu säen. Durch das späte Eintreten der warmen Tage ist die Aussaat 2—3 Wochen verspätet. Doch verhinderte auch da? rauhe Wetter das Hervor- brechen der Baumblüten. Die Gefahr des Erfrierens der Blüten ist deshalb nicht groß und bei dem guten Fruchtansatz läßt sich wohl ein gutes Obstjahr erwarten. Allerdings haben die Vögel viele BlütenknoSpcn ausgepickt. DaS Legen her Frühkartoffeln hat bereits begonnen. Die Kartoffelpreise sind wider Erwarten niedrig geblieben, daS Malter kostet 4.50 bis 5 Mk. Der Stand der Saaten ist sehr gut. y. Büdingen, 9. April. Heute begeht Kammersekretär Klig sein 50jähriges Dienstjubiläum als fürstlicher Beamter. Von dem Fürsten wurde ihm eine kostbare Standuhr überreicht. Der Landesherr verlieh ihm das Ritterkreuz 2. Klasse des PhilippSordens. sd. Darmstadt, 9. April. Die Ehefrau des Metzgers Schröder, die bei dem Beffunger Raubmordversuch schwer verletzt wurde, befindet sich auf dem Wege der Besserung, die Stiche haben sich als völlig ungefährlich erwiesen. Der Metzgergeselle Rühl, der die Tat ausführte, liegt noch vernehmungsunfähig im Krankenhause. Ob er wegen Mord- oder Totschlagsversuch unter Anklage gestellt werden wird, hängt von den Aussagen der Verletzten und deS Taters selbst ab. Bisher sind beide noch nicht vernommen worden. fc. Mainz, 9. April. Die Milch Händler haben sich mit den Milchproduzenten geeinigt bezw. sie haben nachgegeben. Die Händler zahlen den erhöhten Preis und haben für ihre Abnehmer zugleich einen erneuten Preisaufschlag beschlossen. In Wiesbaden behelfen sich bekanntlich die Händler mit der kondensierten Schweizermilch. Ober-Ingelheim, 7. April. In einer hiesigen Zeitung war gestern folgendes Eingesandt veröffentlicht: pDer heutige Kontrollversammlungsverlauf wäre als ein guter zu bezeichnen, wenn sich nicht die bereits bewährte Kraft unserer Polizei veranlaßt gesehen hätte, einem Manne wegen Sprechens im Gliede zu 48 Stunden Arrest zu verhelfen. Es geht doch nichts über Schneidigkeit." — Die Behörde hat nun, da sich die Gendarmerie beleidigt fühlte, den Namen deS Einsenders festgestellt. Der Mann war selbst Kontrollpflichtiger und wird nun, als unter dem Militärgesetz stehend, bestraft, da er das Eingesandt am Kontrolltage veröffentlicht hat. Frankfurt a. M., 9. April. Prof. Dr. Petersen, eine besonders in Alpinistenkreisen bekannte Persönlichkeit, beging am Samstag seinen 7 0. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Am vormittag versammelten sich die Vorstände der Frankfurter Sektion des Älpenvereins und der Ehemischen Gesellschaft in dem Heim des Geburtstagskindes. Der Alpenverein überreichte ein Oelgemälde, eine Alpenlandschaft darstellend, und die Chemische Gesellschaft ein Porträt Bunsen?, unter dessen Leitung Petersen in Heidelberg studierte. Am Abend sand im Hörsaale des Physikalischen Vereins eine akad. Feier statt. Prof. Dr. Hartmann schilderte die Verdienste Petersens um die Wissenschaft, besonders um die Physik und Chemie. Ehrenmitglied des Vereins sei er bereits, darum habe man beschlossen, ihn nun zum ewigen Mitglied zu ernennen. Gleichzeitig haben eine Anzahl Freunde eine Stiftung ins Leben gerufen, die den Namen Petersen-Stiftung tragen soll. Prof. Freund sprach im Namen der Chemischen Gesellschaft, die ihn ebenfalls zum einzigen Ehrenmitglied ernannte. Für die Senckenbergsche Administration sprach Prof. Schmidt-Metzler, für die Senckenbergsche Natur- forschende'Gesellschaft Dr. Jassoy, für die Deutsche Cheni. Gesellschaft Prof. Le p si u? - Griesheim, für den Frankfurter Bezirkßverein deutscher Chemiker Dr. Becker, für den Technischen Verein Dr. Popp, für den Verein für Naturwiffen- schasten und Unterhaltung Prof. Richter, für den Verein für Geographie und Statistik Prof. Bleicher. Prof. Petersen dankte in beredten Worten für all die Ehrungen, die ihm zu teil geworden. Der akademischen Feier schloß sich ein Festmahl im „Frankfurter Hof" an. Auch hier wurden noch verschiedene Reden gehalten. Zuerst sprach Justizrat -tr. Haetrlin, dann Prof. Epstein, Prof. Ma urer-Darni- stadt und Rechtsanwalt Dr. Marr-Offenbach. iFr.R. N.) VerinTschts». * Berlin, 8. April, um u u er hör ter Roheitsakt hat fick gciier,i auf der Chaussee hinter Lichtenberg am Rieselfeld Tasdorf ereignet. In der Richtung von Frankfurt a. kam ein Automobil herangesaust, in dem stAäwer berliner .perren und eine Kellnerin befanden. An einer Wegbiegung warten die Llutomobilisten plötzlich 'das Mädchen aus dem a gen und fuhren im rasenden Tempo weiter, ohne fich um die Unglückliche zu kümmern. Die Kellnerin hat lick einen doppelten Beinbruch und schwere innere Verletzungen Sugezogen. dem Gemeindevorsteher des Ortes tourde sie nach der Heilanstalt Reu- Rahnsdorf geschafft. _ _ _ ,. , * Leipzig als Stadt des 12. ^cutidjcn Turnfestes 1913. Bekanntlich wird das kommende leltte) Deuyche Turnfest int Juli 1908 in Frankfurt a. M., wo 1880 das vierte Deutsche Turnfest begangen wurde, gefeiert werden In matzgebenden Kreisen der Tcutsckrcn, und im besonderen der hingen Turnerschaft besteht die Absicht, Leipzig als Ltadt d e» 12. xcut* idwn Turnfestes für daS Jahr 1913 in Vor,chlag zu bringen. Fällt doch in dieses die Hundertjahrfeier der Leipziger plackt, jene? weltgeschichtlichen Ereignisses, desien Uriadjen unmittelbar die Gründung des deutschen Vvlkstiirnens durch Friedrich ^Ludwig Jahn veranlaßten. Dazu tritt die Funfztgiahrfeier des unvergeßlichen dritten Deutschen Turnfestes, das in den ersten Augusttagen deS Jahres 1863 in Leipzigs Mauern unter, Teilnahme aller deutschen Männer in so einzigartiger ^.eue begangen wurde. Das Völkerschlachtdenkmal wird 1 einer Vollendung entgegengegangen feilt und einen wichtigen Anziehungspunkt für das Fest bilden. *TasStändchen. -Ein trittiger Grund für cm Ständchen ist von Mainz zu melden. In einer Wirtschaft ist frohes Treiben, Musik und Becherklang und Hochrufen. Auf der Treppe sitzt eilt kleines Mädchen. 9üif die Frage, was denn hier loS fei, sagte das Mädchen: „Ei, mei Papache is e Ständche gebracht worde". Auf die weitere Frage, ob Papcichcn wohl Geburtstag habe, sagt die Kleine: „Rein, mei Papache is heil von mei'm Mamache g e s ch i e d e w o r'n!" * R i e s en s chi f fe. Tie beiden Cunard-Dampser Mauri- tania, und Lusitania, die mit vierzig Millionen Mark, welche die englische Regierung geliehen hat, gebaut werden, gehen ihrer Vollendung entgegen. Sie werden im Juni bezw. Juli vorn Stapel laufen. Die beiden Dampfer, die größten ^dnffe, der Welt, werden 60 Fuß läno«'r als das größte bisher gebaute Schiff fein. Die Bruttotonaae beträgt 33 200 Tonnen, die größte Breite 88 Fuß: das Schiff ist mit Turbinenmaschinen ausgerüstet, die über 80 000 Pferdekrärte entwickeln können: die Mindestgeschwindigkeit beträgt 24 Knoten in der Stunde, der vorhandene Platz reicht für 3000 Fahrgäste, und die Besatzung zählt 800 Köpfe. * Der Prinz als Pferdeknecht. Ein Reffe des jüngst verstorbenen Ras Makonnen b°ffnde1 sich seit mehreren Jahren in Bologna bei dem Ritter Elodoveo Cayarini als — Pferdeknecht. Ali — das ist b**r Rome des jungen Abessiniers — ist von seinem Vater so grausam behandelt worden, daß er nach Europa entfloh und unter Aufgabe seines prinzlick'en Ranges eine gerade freio-'wordene Stall'n"chtsstellung annafmt. Mit seinem Onkel Makonnen stand er b:5 zuletzt in regem Briefwechsel. Der Tod des tapferen R"s hat den prinzlichm Pferdeknecht tief betrübt, und Ali hat seit dem Tage, an welchem die Todesnachricht bei ihm eintraf, noch nicht aufgehört zu weinen. In fernem Testament scheint Ras Makonnen den Reffen nicht bedacht zu hoben, woraus man ersehen kann, daß zwischen den Onkeln aus Afrika und den Onkeln aus Amerika ein grorer Unterschied besteht, ein ebenso großer Unterschied wie zwischen den Reffen aus Mrika und den Reffen aus Europa, denn Ali weint, obwohl er nichts geerbt Hot, was ein europäischer Reffe, der sich in gleicher Lage befände, wahrscheinlich nicht getan hätte. *DreiZigarren. Im östreichischen Kriege 1866 wurden 500 gefangene östrcichische Soldaten Tt'vh der ostvreußischen Feste Bvyen bei Lötzen gebradrt. Auf dem Wege dorthin verabfolgte ein junger Ostpreuße ans dem Dorfe ein-'m östteichischen Kanonier drei Zigarren, für welche der Oesterreicher dankte; er bat zugleich um den Namen des Gebers. So sind 40 Jahre dahingegangen: aber der Oesterreicher hat diese Liebenswürdigkeit nicht vergessen. Aus Brooklyn in Nordamerika erhielt dieser Tage der Ostpreuße von jenem Beschenkten einen Bries, worin er gebeten wird, zu längerem Besuche nach Amerika zu kommen. Der Schreiber könne jene ihm in schwerer Zeit erwiesene Wohltat noch 'immer nicht vergessen, befinde sich in sehr guten Vermögensverhältnissen und wolle dem einstigen Wohltäter für eine eventuelle Reise vorher das Reisegeld schicken. Arbeiterbewegung. Köln, 9. April. Die Bewegung unter den Belegschaften des Saiierlandes nimmt zu. Während die Arbeiter der Schiesergruben Silbacherbrnch und Schilhorn bereits st r e i k e n , traten heute die Belegschaften der Gruben Brandholz und Winterseite in den Ausstand. Auf der Grube Magog wurde einer Anzahl von Arbeitern gekündigt, worauf die gesamte Belegschaft sich mit diesen solidarisch erklärte. Nur eine Grube, die Grube Nuttlar, bewilligte die Forderungen der Arbeiter. Weimar, 9. Avril. Da in den Lohndifferenzen im S ch u h m a ch c r g e w e r d e keine Einigung erzielt wurde, sind sämtliche Gehilfen heute in den Streik eingetreten. Universitäts-Nachrichten. Darmstadt, 9. 9lpri(. Dr. Karl Förch, Privatdozent an der Technischen Hochschule, bat einen Ruf als Hilfsarbeiter an das Kaiser!. Patentamt in Berlin erhalten. (Darmst. Ztg.l — Die von dem Ehe'redaktenr der „Darmst. Ztg." heraus- gegebene „Südwestd. Korresp." schreibt über den bekannten A n f- r u f der fünf Studenten z u m Austritt a u 5 der Kirche: „Neuerdings scheint der Studentenulk Formen cnizu- nehmen, die wirklich schon das Interesse de? Psychiaters erwecken/ Es folgen einige Säße aus dem Ausruf und dann wird geschlossen: „Wir fürchten," die Verfasser dieses stammenden Protestes werden niemals Männer werden, sondern bleiben, was sie sind, nämlich alte Weiber oder Mufensöhne, die an „dementia invenilis" leiden/ Gerichtssaal. säDarmstadt, 9. April. Ter Musketier Karl G r c m c l s- pacher aus Basel, heimatberechtigt in Freiburg i. B. wurde im vorigen Jahre zum Regiment Nr. 116 ausgehoben. Er stellte sich aber nicht, sondern begab sich auf die Walze. In Mannheim geriet er mit einem Schlafkollegen in Streit und brachte ihm schwere Stichwunden bei. Später pumpte er in Burgfelden i. E. feine Kostgeberin an und ging ihr mit dem Mietgeld durch. In Lörrach wurde er verhaftet. Tas Kriegsgericht verurteilte ihn wegen Fahnenflucht, Körperverletzung re. zu 1 o Monaten Gefängnis und Versetzung in die 2. Klaffe des Soldatenstandes. fc. Frankfurt a. M., 9. April. (Oberkriegsgericht). Ter Unteroffizier Karl Nickel von der 7. Komp. 115. R g t s. war eines Sonntags im Dezember v. I. als Unteroffizier vom Dienst kommandiert. Mittags sagte er den Mannschaften, die mit ihm auf der Stube lagen, sie sollten sich nachmittahs drücken, es komme Besuch. Nachmittags kam er mit einem Mädchen, weil aber dieLente noch da waren, ging er noch einmal mit dem Mädchen weg, nachdem er den Gardisten noch einmal gesagt hatte, sie möchten verschwinden. Das taten sie beim auch bis auf Einen, 'er sich unter dem Bett versteckte. Dem Unteroffizier, der übrigens bestreitet, daß er mit dem Pfädchen etwas Anstößiges beabsichtigt ober getan habe, trug der Vorfall eine Anklage ein wegen Miß- braiichs der D i c n st g e w a l t zu Privatzwecken. Das Kriegsgericht der 25. Division hatte ihn freigesprochen, weil die Aufforderung nicht die Form eines Befehls gehabt habe. Das Oberkriegsgericht aber erfanntc auf 7 Sage gelind en Arrests, weil die Gardisten sagten, einem Kameraden würden sie den Gefallen nicht getan haben. Hamburg, 9. Avril. Die Strafkammer 2 des hiesigen Landgerichts verurteilte den Redakteur der Zeitung „Ter Hafenarbeiter", Organ des Verbandes der Hafenarbeiter und der verwandten Bernfsgenossen Deutschlands, Goerlitz, zu sechs Monaten Gefängnis wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen gegeneinander. L i ii b a u, 4. April. Das „Lind. Tagbl." berichtet über folgende Schösfengerichtsverhandlung: Ter Postbote Anton Keller, der im Spätjahr 1905 auf einige Wochen zur Aushilfsdienstleistung nach Nonnenhorn berufen war, klagte gegen dieGräfinWald- burg - Zeil, deren Gatte in Nonnenhorn eine Villa besitzt, wegen gröblicher Beleidigung. Wenn Keller auf seinem Bestell- gange Post für die Gräfin abzuliefern hatte, mußte er außerhalb des Gartenzaunes lange warten und wurde überdies noch von einem bösartigen Hunde der Gräfin belästigt. Statt die erbetene Abhilfe zu schaffen, beschwerle sich die Gräfin in Begleitung ihres Gemahls bei den Vorgesetzten des Postboten und brachte dabei die umuahrc Behauptung vor, der Postbote habe von ihr verlangt, sie solle ihren Hund erschießen lassen, auch habe er sich gegen sie sehr unpassend benommen. Als Keller sich bei der Gräfin zu rechtfertigen suchte, folgte sie ihm ins Tienstlokal und schrie ihn an: „Sie sind ein ganz unverschämter, arroganter Kerl! Wenn Sie nicht das Maul halten, haue ich Ihnen ein vaar herunter! Ich garantiere Ihnen, daß ich Sie von hier wegbringe, Sie sind ja nur ein Postbote!" Sämtliche Zeugen waren darin einig, daß Keller sich vollständig ruhig mit) artig benommen habe und daß die Anschuldigungen der Gräfin unwahr feien. Angesichts des erdrückenden Beweismaterials bot der Gras schließlich einen Vergleich an, indem er namens seiner Frau den Vorfall bedauerte und die gesamten Prozeßkoslen übernahm. Das Schmerzlichste bet der Sache ist der Umstand, daß daS Oberpostamt Hein-n Keller auf die Beschwerde des Grafen hin sofort abberief und diesen hiervon „gebührend in Kenntnis setzte, mit dem Beifügen, daß seiner $c- schwerde nunmehr abgeholfen sei. Handel unö verkehr, Volkswirtschaft. Berlin, 9. Avril. Tie hier abgehaltene Aufsichtsratssitzung der Held b u rg -Akt.- Ges. nahm die Offerte eines unter Führung der Hildesheimer Bank stehenden Konsortiums an, welche den Erwerb von bis zu ' „ sämtlicher Kuxe der Gewerkschaft „D es- d e in o n a" bezweckt. Ebenso beschloß die Anfsichtsratssitzung, eine neue Anleihe von Mst 2'st Millionen der Gewerkschaft „Frisch Glück" nufer Garantie der Heldburg-Gesellschaft anizunehmen, welche Anleihe von der Hildesheimer Bank übernommen wird. 'Bon der Berliner Borsc. Realisationen und Mangel au Kauflust herrschten am Montag zu Beginn der Börse in Berück- fiditiaimg der nahenden 4 Börsenfeiertage. Auch die unklaren politischen Verhältuiffe in Rußland arbeit recht zu denken. Auch herrscht in betreff der russischen 9In(cihcbcmühunacn, da man weder in Amerika noch in England so redit anbeißen will, Zurückhaltung. Weiter wird von Rußland aemelbet, daß neue Baluisvemmgen int Innern des Landes zu befürchten sind. Auf dem Montanmarkt wirkte drückend die Vorsichtsmahnung, die in der Gelsenkirchener Generalversammlung ansgefvrochen wurde. Es gingen Bochumer, Deutsch-Luxemburger und Rheinische Stahlwerke zurück. Auch der Kurs der Laurahütte wich auf die angedrohten Aussperrungen im schlesischen Metallaewcrbe. Banken waren gleichfalls nadiacbcnh und für amerikanische Bahnen fanden sich keine Käufer. Oester- reichische Werte waren lebhaft gefraat und konnten steigen. Hingegen war auf allen anderen Gebieten die Haltung lustlos und blieb es bis zum Schluß. Privatdiskont wieder anziehend 35,8 Prozent. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 11. April 1906: Trübung und Regen (stellenweise Gewitterregen). Zunächst noch wärmer, besonders nachts. Teilweise windig. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Orrginal-Drahtmeldunge«. Altenbeken, 10. April. Den deutschen Arbeitern beim Altenbekener Tunnel wurde eine Lohnerhöhung bewilligt, die Kürzung der Arbeitszeit aber abgelehnt. Damit ist der Aus- st a n d b e e n d e t. Kiel, 10. April. Die ch i n e s i s ch e S t n d i e n k o m m i s s i o n unternahm am 9. April eine Fahrt mit Hochseetorpedobooten. Abends veranstaltete das See°Ofsizier-Korps ein ^Festessen. Hambma, 9. April. Eine Verfammlung sämtlicher Arbei t- geber des M a l e r g e w e r b e s und Mitglieder der Malerimd Lackiererlnnungen von Hamburg-Altona, Wandsbeck, Lübeck und Bremen sprach die Ucberzeiigung au$, daß es sich bei der Ai a l e r g e h i l f e n b e w e g u n g in Berlin, Bremen und Lübeck lcbiglich um eine Machtprobe zum Zwecke der Sprengung des Bundes und des Berlin-Hamburger Meisterkartells durch die über ganz Deutschland verbündete und in Hamburg zentralisierte Gehilfenschaft handelt. Zur ltlbwehr dieser Gefahr beschloß die Versammliing: Wenn der in Berlin ausgebrochene Ausitand der Malergehilfen nicht bis spätestens am 12. April von der Streikleitung aufgehoben ist und die 2lusständigen die Arbeit wieder ausgenommen haben, so sollen am 14. April alle in den Malereibetrieben des Bundesgebietes Hamburg, Altona und Wandsbeck beschäftigten Gehilfen entlassen merben. Die Wicder- einstelliing von Entlassenen sowie die Neneinstellilng von Gehilfen überhaupt darf nicht früher als an dem Tage, an dem her Ausstand in Berlin als beendigt erklärt wird, stattfinden. Ter vom Bundesvorstand außer Kraft gesetzte Tarif soll erft mit dem Tage wieder in Kraft gesetzt werden, an dem der Verband der Malereigeschäfte in Berlin und Vororten auf Grundlage seiner letzten Angebote den neuen Tarif in Kraft setzen kann. Jena, 10. Avril. Die Tischler sind wegen Lohnstreitig- Feiten ausständig. Ter Verband und der Gewerkverein gehen gemeinsam vor. Braunschweig, 10. April. Der Streik im Helmstadter B r a u n k o h l e n r e v i e r wurde einstimmig abgebrochen. Stuttgart, 10. April. Gegen den Baiiimternehmer Architekt Erasmus R ü cf a a u e r in Stuttgart ist Anklage erhoben worden. Er hatte für seinen Sohn, den Baumeister Eugen Rück- gaucr, der das Unternehmen leitete, den Bauvertrag mit dem Wirt des e i n g eft ür 31 cn Gasthofs in Nagold für 4000 Mark abgeschlossen. Neavel, 10. April. Nach dem Ein stürz der Kaserne in Ottajano werden ein Carabinerie-Ehepaar und ein Unteroffizier vermißt. Pilsen, 10 April. Die Aktienbrauerei st e l l t e infolge der gemachten Zugeständnisse den gesamten Betrieb ein und ei»t ließ sämtliche Arbeiter. Odessa, 9. April. Da? Militärgericht verurteilte heute den G r e n z w e h r m a nu Jgnatiew zum Tode durch den Strang, weil er zwei Frauen und ein drei Monate altes Kind ermordete, da die Frauen ihm von ihm verlangte 25Kopeken nicht geben konnten. Jgnatiew war während der jüngsten Bauernunruheii mit der Bewachung von bedrohtem Eigentum betraut gewesen. _-t—L_JL L1_______ 1 ’SSS Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, miteeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frnnkfurter Hörse. 10. April, 1.15 Uhr. 3K°/o Reichsanleihe • • 100.30 3% do. . . 89.90 314°/o Konsols .... 100.35 3 % do. .... 88 80 3%°/0 Hessen.....—•— 3i^°/n Oberbessen . . . —.— 4°o Gestern Goldrente. . 100.60 4*/6 °-< Gestern Sil betreute 101.30 4% Unsan Goldrente . . 98.25 4% Italien. Rente . . . —.— 3?o Portugiesen Serie I . 69.40 3% Portugiesen „ III 70.85 4}a°'o russ.Staatsanl. 190"» 91.75 4}A° „ japan. Staatsanleihe 9510 4 % Conv. Türken von 1903 93.50 Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Sch ackert . . . Esehweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bersrwcrk . Hamburg1-Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte ...... Nordd. Lloyd . . . . . Obei«cliles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . . . 14300 131.50 259.50 226 60 164 60 216.75 246.— 135 50 129.70 171.80 144.90 240 70 187.00 189.00 162.30 Turkenlose . . 147.40 Kreditaktien.....214.10 4% Griech. Monopol-Anl. 54.50 4% äussere Argentinier . 92.10 3°/0 Mexikaner .... 68.80 4 >5% Chinesen .... 98.50 Aktien: Bochum Guss..... 246.30 Baltimore- und Ohio- Eisentahn . . - 113.60 Gotthard bahn.....— Lombard Eisenbahn . . 24 40 Oesterr. Staats bahn . . . 147.20 Prince-Henri- Eisenbahn . 143.60 Buderus E. W . ... 129.50 Tendenz: fest. Berliner Börse, 10. April. Canada E. B......172.90 Darmstädter Bank . . . 145.20 Deutsche Bank .... 240.25 Dortmunder Union C. . . 86.50 Dresdner Bank .... 162.00 Anfangskurse. Harpener Bergwerk . . . 216.60 Laurahütte . . , . 245.50 Lombarden E. B. ... —.— Nordd. Lloyd.....135.60 Türkenlose . ... —.— Tendenz: ruhig. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Srühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 02470| Hofmannstra„e 9. A Zimmer dir8U verini"teil |928 Seltersweg 14. U. f. 6362 an Rudolf Messe, Leipzig, erbeten. ss°/4 zwischen 9 und 1 Uhr entgegengenommen. 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