Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen die einen 8tefo- Ausdruck gibt, ein Mann, der auch dann aus der Menge Un herausragen würde, wenn nicht die Krone eines Weltreiches" ^ci aus eine Jahre getrocknetes Obst int Werte von rund 17 Mill. Mk. aus den »Staaten* nach Deutschland ausgeführt worden. Einen derart sich äußernden „idealistischen Geist" begreife wer kann! DaS internationale Einvernehmen auf eine gefimbe Grundlage zu stellen, ist er wohl kaum geeignet. Man kann deshalb den Amerikanern nur wünschen, daß recht bald ein ehrlicher »realpolitischec* Geist über sie konnnt. Handelsvertrag mit Deutschland als erwünscht bezeichnen, z. B. die Obstexporteurc. Mit Genugtuung auf diese Bundes- genossenschaft 511 blicken, hat man indessen deutscherseits leider keinen Anlaß, denn die Ironie des Schicksals fügt es, daß gewisse Praktiken der amerikanischen Fruchtkonscrven-Jn- dnstriellcn zur öffentlichen Kenntnis gelangen, die bedenklich erinnern an die Gepflogenheiten der Chikagoer Fleischkonserocn- fabrikantcn. Es finden u. a. Chemikalien zur Auffrischung gründlich abgelagerter Ware auch in der amerikanischen Obst- konserven-Industrie auSgibig Verwendung, was für Deutsch, land nicht ohne Interesse sein kann. Ist doch im letzten harmonisches Bild. Ais Redner gleitet Kaiser Wilhelm über die rauhe Wirtlichkeit nur zu gern hinweg, und erführt uns mit Vorliebe in historisch verklärte Zeiten, als Monarch dagegen gibt er sich bei seinen Regierungsgeschäf- ten ganz gewiß keiner Täuschung hin. So hat er erst wenige Tage, bevor er seine Philippika gegen die Schwarzseher hielt, mit der Berusurig Ternburgs an die Spitze des Kolonialamtes deutlich gezeigt, daß er genau weiß, was überall nottut, und wie wir hoffentlich einmal aus den Kolonialkalamitäten herauskommen. Frisches Blut. Die Diskussion auf dein ersten Delcgiertentag der national- liberalen Jugend hat wieder einmal gezeigt, wie notwendig cs für jede politische Partei ist, für 9tach wuchs aus den Reihen der Heranwachsenden Jugend zu sorgen, wenn sie nicht vorzeitig dem MarasnruS verfallen soll. Die Konservativen, das Zentrum »mb die Sozialdemokraten, sie alle haben ihren Anhang unter der Jugend, und aus diesem gehen immer wieder neue ft'reif le hervor, wenn die alten vom Schauplatze abtreten müssen; nur die liberal gesinnte Bürgerschaft hatte cs bis vor wenigen Jahren versäumt, für frisches Blnt in ihrer Partei zu sorgen. Das war ein arger Fehler, der sich nicht zuletzt durch das stetige Abflauen der liberalen Stimmen bei den NeichStagSwahlcn bitter gerächt hat. 93er* mögen doch nur jene politischen Parteien ihre Stärke und Bedeutung behaupten, die von der Begeisterung der Jugend getragen werden. Wir haben dabei natürlich nicht etwa jene junger» Leute im Auge, die sozusagen noch die Schulbank drücken, halten sogar die Agitation für gefährlich, welche z. B. die Sozialdemokratie imter den unreifen jungen Burschen treibt, aber jeder junge Mann, der das zwanzigste Lebensjahr überschritten hat, hat das Recht und die Pflicht, sich politisch zu betätigen. In diesen» Alter ist das politische Interesse gewöhnlich sehr lebhaft, und eS äußerst sich umso intensiver, als es noch an keiner Enttäuschung erlahmt ist. Diese jungen Leute sind die besten Agitatoren, die uneigennützigsten Arbeiter bei den Wahlen, und der Schwung und der Idealismus der Jugend beseelt ihre oratorische Begab»ing. Ganz richtig sagte einmal ein bekannter deutsch-nationaler Führer und Reichs- ratsabgeordneter in Oesterreich: Die Jugend bildet den besten Gradmesser für die Beliebtheit einer Partei im Volke! Tcrq es schar-:. Amerikanischer „Idealismus". Es sind in letzter Zeit hervorragende Persönlichkeiten den Vereinigten Staaten vom Kaiser empfangen worden; Gemeinschaft von Deutsch-Amerikanern hat den Kaiser Aus SiaSt wno Lano. Gieße»», den 12. Sept. "Militärische Auszeichnungen. ,S. K. H. der Großherzog haben rum 12. September (den» Geburtstage des, Großherzogs Ludwig IV.) verliehen: das Äomturkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen den» Obersten v. Besser, Konnnandeur des 1. Großh. Infanterie- (Leib- in aller Fon»» z»l einem Besuch der neuen Welt eingeladen; nicht weniger als drei höhere amerikanische Offiziere nehmen als Gäste deS Kaisers am Manöver in Schlesien teil — kurz, es scheint das beste Einvernehmen zwischen beiden Ländern zu bestehen. Doch die Amerikaner legen es offenbar darauf au, den „Wahrheitsbeweis" für die Behauptung des deutschen Botschafters Frhn. Speck von Sternburg z»» erbringen, daß der amerikanische Geist idealistisch sei, der „geldrnachende Yankee" im Grunde von idealen Impulsen geleitet werde. Materielle Angelegenheiten, die allerdings gar leicht 311 Disharmonien führen, scheinen von den guten Amerikanern gänzlich bei Seite gestellt. Man hört beispielsweise nicht das Mindeste von einer Geneigtheit der offiziellen Kreise, den Handelsvertragsverhandlungcn mit Deutschland näherzuireten. Allerdings muß erwähnt werden, daß diese Zurückhaltung der Männer in Washington teilweiser Mißbilligung im Lande Nr. 214 Erscheint tLgltch außer Sonntags. DemGießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Kamilien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Untvers.-Buch-u. Steindruckerei. 9t Lange. Redaktion, Expedition und S)ruderet: Schulstrake 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.SrqALl Adresse für Deoeschen: Anzeiger (»tcßen. Don besonderer Seite wird uns aus Berlin geschrieben: Wenn unser Kaiser spricht, dann gibt es säst immer ein sang anhaltendes Echo in der Oeffentlichkeit! Aber nicht nur deshalb, weil die oratorischen Kundgebungen gekrönter .Häupter ohnehin mehr Beachtung finden als die Reden und Aussprüche gewöhnlicher Menschen, sondern man hat bei den Worten Wilhelms II. stets die Empfindung, daß hier eine besondere Individualität ihrer Weltanschauung sein HaPpt schmückte. Aber trotzdem erscheint es doch verfehlt, daß die Presse sich jedesmal beeilt, an seine Reden allerlei Kommentare zu knüpfen, in denen versucht wird, den Monarchen sozusagen aus ein bestimmtes Parteipro-- grannn sestzulegen und politisches Kapital daraus zu schlagen. Wer nämlich die Regierungshandlungen des Kaisers aufmerksam verfolgt, der wird finden, daß sie meist von einein wesentlich anderen Geiste inspiriert werden als dem, der sich in seinen Enunziationen oft so leidenschaftlich mauifestrert. Zeigt doch unsere ganze innere und äußere Politik unverkennbar den Charakter eines sehr vorsichtigen Fühlens und Tastens und das heiße Bestreben, allen drohenden Konflikte»» durch Kompromisse aus dem Wege zu gehen. Der Zick-Zack-Kurs des Reichsschiffes, über den schon so viel genörgelt wurde, ist eine Folge dieser Politik,. und wenn man die letzten beiden Jahrzehnte zurückblickt, stößt man tatsächlich nur auf einen einzigen Konflikt, der mit einem offenen Bruche endete, nämlich die Entlassung des Altreichskanzlers. Alle anderer» Klippen, seien es nun Flottenvorlagcn, Zolltarif oder sonst dergleichen gewesen, wurden stets vorsichtig umschifft, ohne daß es zu einer Katastrophe kam. Man darf eben nicht übersehen, daß Wilhelm II. wohl im Reiche des Idealen ein romantischer, im wirklichen Leben jedoch ein sehr real denkender, nüchtern abwägcnder Kopf ist. In seinen Reden weist er unablässig auf die deutschen Ideale hin, die er dein Volke nicht genug ans Herz legen kann, in Wirklichkeit aber rechnet er mit den Tatsachen und strebt nie mehr als das Erreichbare an. Dazu kommt, daß der Text seiner Rede»» nur in der. seltensten Fällen vorher ausgearbeitet wird, sondern der Kaiser spricht frei aus dem Stegreif und zeichnet sich hierzu höchstens einige Punkte und Daten auf, was man oftmals auch aus dem Ausbau der Sätze deutlich erkennen kann. Es liegt deshalb auch wirklich kein Grund vor, an ben Passus von den Schwarzsehern und dem Rechte der Lebenden gleich so tiefsinnige Betrachtungen zu knüpfen, und dem Optimismus des Herrschers dem Pessimismus der Millionen Un- zufriedener entgegenzuhalten, die sozialdemotratisch gewählt haben. Unsere Zeit mit ihrem rastlosen Arbeitsdrange hat int übrigen Wahrlich nickst viel Lust, pessimistischen Grübeleien nachzuhängen, lieber sieht sie de>» Himmel voller Baßgeigen hängen. Und mir brauchen in Deutschland auch nicht mit scheelsüchtigen Augen um uns zu blicken, denn wenn auch wirklich nicht immer altes zum Besten bestellt ist, so schaut es doch im sonstigen Europa unbestreitbar noch schlechter aus. Es gibt eben leider keine Vollkommenheit auf Erden, und wenn daher der impulsive Kaiser mal ein kräftig Wörtlein gegen die Nörgler, die Schwarzseher losgelassen hat, so gab er damit vornehmlich jener heiteren, schasfensfrohen Weltanschauung Ausdruck, die erfahrungs- genläß die Mutter alter positiven Tatkraft ist. lebenssrischeu Eindrücke, die unser Kaiser bei seinem! begegnet. Es" gibt konuncrziette ^Interessenten, 1 61'nbE,§“Crt™ TruMmid rns ermüntot h nanzvoden seiner letzten Reden. Daß er sich andererseits auch bet ernsteren Anlässen der schweren Verantwortlichkeit seines Herrscheramtes, und der jeweiligen Situation sehr genau bewußt ist, das Hai er wohl schon oft genug gezeigt. So sehr er z. A. in intimem Kreise am Biertische die Fröhlichkeit liebt, so ungehalten kann er darüber werden, wenn am unrechten Orte.und zu unrechter Zeit ein leichtfertiges Wort die Stinrmung stört. Endlich klingt fast bei allen Kaiserreden ein militärischer Unterton mit, und dies erklärt so mmiche Wendung, die stem Zivkltsten nicht gefällt. Ta gibt es keine Flosl'eln und zierlichen Redewendungen, feine halben Andeutungen und Verschleierungen! Und noch rücksichtsloser wird gesprochen, wenn sich der*M'onarch dort befindet, wo er sich am wohlsten fühlt: Im Kreise seiner Offiziere. Hielt da einmal bei einer intimen Feierlichkeit ,in einer Kaserne ein hoher Offizier eine Ansprache an den Kaiser, die mit den Worten schloß: Für uns Offiziere gibt es überhaupt nur ein Gesetz: die Befehle des jeweilig regierenden Hohenzollern. Beifällig nickte Wilhelm II. und verlieh dem Sprecher eine hohe Ordensauszeichnung. Tie Reden des Kaisers sind Impressionen, Eingebungen des Augenblickes, und sie einzeln zu prüfen, hieße eine bedeutende Individualität nicht als Ganzes, sondern als Stückwerk genießen. Wenn mack sie über als Ausfluß ein und derselben Persönlichkeit, die mir in verschiedenen Stimmungen kennen, betrachten, dann lösen sich die vermeintlichen Wioersprüche von selbst und man bekommt ein Dannhaue r, 2. AuShorcher des „Lokalanzeigers". Dr. Mode, 3. Wlshorcher des „Lokalanzeigers". Ort: Die Reichshauptstadt. Quades Schlaf-Und Amtszimmer; die Zimmerstraße. Zeit: Leider das 67. Jahr des „jungen deulfchen Reiches". 1. Akt. Aufruhr beim Lokalanzeiger. Man hat erfahren," „daß noch ein anderer Oistzier des Oberkommandos erhebliche Darlehen von der Firma Tippelskirch erhalten hat." — Der 1. Aus- Horcher, noch in der Nacht zum stellvertretenden Chef des Oberkommandos. „Nur um es zu dementieren"; erfährt nichts, läßt aber den Namen des Offiziers zurück. Quade fragt deu Offizier dienstlich au; — Antwort: Er Hal mit Tippelskirch in einem Konto- torrentverkehr wie mit einer Bank gestanden. 2. Akt. Aufruhr beim Lokalanzeiger. Er will ja nur dementieren und fmy »och immer nicht. Ter 2. Aushorcher aufs Oberkommando : Wir wissen jetzt alles „positiv".' Wir werden es melden! „Wie ist eigentlich die Geschichte." Quade wird weich: Ter Offizier hat dienstlich nichts mit Tippelskirch zu tun. Es war nur Komokorreulverkchr; die Sache ist anhäugig; nennt wenigstens bei» Namen nicht; der 2. Aushorcher ab. 3. Akt. Aufruhr beim Lokalaiizeiaer. Nicht Namen nennen! Gut, ober wir halteu uns schadlos. Also: „Uns zugehende Nachrichten weisen darauf hin, daß außer Major Fischer auch noch andere Offiziere der Schichlruppe in einem engen freundschaftlichen Berhällms zu Herrn v. Tippelskirch gestanden haben, welche zu nicht wünschenswerten Kreditgewährungen führten —" Die emft- hafte Dame entrüstet: „Klatsch! Nichts als Klatsch!" 4. Akt. Ausruhr beim Lokalanzeiger. Der 3. Aushorcher des Lokalciuzetaers sctzl sich nach der unteren Zimmerstraße in Bewegung; Rendezvous in der Destille. Grausen der ernsthaften Dame. Sie gehl nach Hause und enthüllt: Es ist kein Klatsch; es sind aber nicht mehrere Offiziere; Taifache ist nur, daß ein Offizier, der dienstlich mit der Firma Tippelskirch nicht das mindeste zu tun hatte, dem Herrn v. Tippelskirch Geld schuldete. Herr Oberstleutnant Qnade aber hat die Veröffentlichung veranlaßt und ihre Fassung seslgefetzt, somit private Verhältnisse von Untergebenen preisgegeben, d.e'er dienstlich ersahren; Sensation; ein ganzes Lffizierkorps an den Pranger gestellt; fort muß er! ö. Akt. Wonne beim Lokalanzeiger. Quade aber geht zur Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, das gewichtige späte Mädchen jagt alles; die ernsthafte Dame wird blamiert und mit Klage bebrot)!. Tie ernsthafte Dame in berechtigter Entrüstung spricht mit .Elijabekh: „Ich bin unerhört betrogen," und flüchtet in die Oeffenb lidjfeit: Kladderadatsch! Ter Vorhang fällt einstweilen! Vom holM KogelsSetg. Tie Verhältnisse im Vogelsberg habtzu in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, Mid es ist vieles in dem früher jo viel geschmähten und verkannteu „Vugelsberg" besser geworden. Hierzu haben in erster Linie die n e u e n B a h n l i n i e n beige- trageu, von denen die vor fast einen» Jahr eröffnete Strecke G e d e r n ° H a r l in a >» n s h a i n - G r e b e n h a i n als die höchste hessische Bahnstrecke dem Herzen des Vogelsbergs möglichst nahe gelegt wurde. Erreicht man doch von Station Hartmannshain in einer halben Stunde bequem den Gipfel der Hercheuhaiuer Höhe und in einer halben Stunde bequem den Hoherodskopf und Tauj- stein. Ties und die eifrige Tätigkeit des Vogelsberger Höhenklubs haben dem^Vogelsberg gerade m diesem Sommer eine äußerst zahlreiche Schar von Touristen und Sommersrischleru zugesührt, >vie man sie in früheren Jahren nie kannte. Allenthalben werden fortgesetzt neue schöne Wegstrecken und idyllische Waldpartien «narkierl und den Erholung silchenden Wanderern erschlossen und fortgejetzt ist man bestrebt, auf den schönsten und höchsten Punkten des Gebirgs Aus sich t stürme zu erbauen. So wurde vor kurzem aus dem Ulrichsteiner Schloßberg ein Aussichtsturm für den nordmestlicheii Vogelsberg emgeweiht, der im Bau befindliche Hainigturm bei Laiiterbach ist schon auf einer Höhe von ca. 8 Meter gediehen, der Bismarck türm wird in Kürze begonnen und im Frühjahr soll auf der Herchenhainer Höhe der Ernst Ludwig-Turm in Angriff genommen werden. Nebel» diesen Neuertmgeii und Verbesserungen hat aber anch der neue Luftkurort H 0 ch w a l d h a u s eil bei Ilbeshausen dei» Fremdenverkehr in größerer Zahl nach dem Vogelsberg gelenkt. Der neue Luftkurort erfreut sich fortgejetzt eines regen Zuspruchs der Wanderer »mb Sommerfrischler. Tie Zimmer des großen Hotels zum „Felseiimeer" waren den gangen Sommer über stets voll besetzt, viele Gesuche rim Ausnahnie mußten an die Einwohner de2 Corses Ilbeshausen gewieselt iverben, und auch dort haben viele Gaste Ausnahnie gefunden. Die Betvohiier de§ Torfes richten sich mehr und mehr dazil ein, den Sommerfrijchlern Quartier geben zu können; hat doch der Fremdenverkehr in der durch Natur- schonheit, herrliche Wälder und Höhen, sowie durch das anmutige Schwarzbachtal ausgezeichneten Gegend stetig zugeliommen. Die Lage an der Hauptverkehrsstraße nach dem Taussteiu und Hoherodskopf trug wesentlich dazu bei. In einein Waldwinkel am rauschenden Schwarzbach, geschützt durch bewaldete Höhen, liegt idyllisch der neue Luftkurort. Riesige Baumbestände aus der Vorzeit unjeres Volkes, impojaute Feljeupariien, eiitzückeude AuSsichts- puukte silld in uunii'telbarer Nahe. Ganz luunberbar ist die in der Umgebung herrschende Ruhe, die nur durch das schäumellde, munter über die Felsen springende Gebirgsbächlein ivohltuend unterbrochen wird. Im Frühjahre wurde ivieder ein neues Gebäude vollendet, ebenfalls nach den Pläiieli des Baurats Hofmanii- Herboril im Vogelsberger Bauernstil. Geplant sind ferner neben weiteren Bauten die Errichtung eines E r h 0 l »l n g s h e i m s für Musiker und wahrscheinlich auch eines Genesungsheims für A e r z t e. Ein neues großartiges Projekt ist nlmmehr ausgetaucht, es ist die Anlage eines Gebirgsfees auf einer Hochebene, eliua lö Minuten bergwärts von Hochwaldhaufen. Wenn der Wanderer von Hochivaldhaufen aus dem Laufe des Schwarzbachs nach der Höhe des Taufsteines zu folgt, fo kommt er auf ein 2 Kilometer langes, ca. 800 Meter breites Hochplateau, das aus herrlichen Waldiviejen besteht und von schönen Buchen- und Nadelwalduugen eingefaßt ist. Hier soll der Gebirgssee angelegt werden, der 1 Kilometer lang, 300 Meter breit und 8 Meter tief werden soll, also eine Wassermenge von 2 400 000 Kubikmeter fassen würde. Tie Vorarbeiten sind im Gange und die durch Geometer Rühl kürzlich vorgeuommeueu Lermessungeu haben zu einem günstigen Resultat geführt. Tas Laudfchaftsbild des Oberwaldes wurde hierdurch außerordentlich gewinnen und der Litftkurorl Hochwaldhaufen einen weiteren Anziehungspunkt erhalten. — Bemerkt sei noch, daß sich mich m dem Torfe Ilbeshausen eine Sehenswürdigkeit befindet, die gern und viel besichtigt wirb. Es ist dies die 1691 erbaute sogenannte Teufels m u hie, die überaus reich au Holifchmtzere:eu ist und unter dem Denkmatfchutze steht. Ta das Gebäude fo schon ist, f0 geht die Sage, der Erbauer Haus.Muth hülle sich dem Teufel verfchriebeu und biejer hätte ihm den prächtigen Bau aufführen helfen. Bezugspreis, monatlich 7bPs., vierteljährlich Alt. 2.20; durch Abhole-11. Zweigstellen monatlich 65 Pf - durch diePost 9)1L2.—viertel« jährl. cnlsschl. Bestellg. rinnahme von Anzeigen für die TageSnuimne, bis vormittags 10 Uhr. Zeileupreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den DOiit. und allgem. Teil: P. Wlttko; sur »Stadt und Land" und „Äerichksj,aal": Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Ha>i4 Beck. Der Fall Quade ist bereits dramatisiert ivorden. Ter „Münch. Atlg. Zlg." gebührt das Verdienst, unter dem Titel „Tas Satyrspiel" tiefen dankbaren Stoff verarbeitet zu haben, und zwar folgendermaßen: Das Satyrspiel. Personen des Satyrspiels: Quade, Oberstleumam, in Stellvertretung mit der Leitung der Geschäfte des Oberkommandos der Schutziruppe betraut. Die „Tägliche Rundschau", eine ernsthafte Dame, wohnt in der Zinimerstraße. Ter „Lok al anzeig er", ent eiliger, aber unzuverlasiiger Herr, wohnt auch in der Zimmerstraße. . Die „Norddeutsche Allgemeiue Zeitung , em gewichtiges, aber fpätes Nlädcheu. v. S p a l d i n g, 1. Aushorcher des „Lokalanzeigers . Erstes Blatt 15«.Jahrgang Mittwoch IS.September ir,06 Gießener Anzeiger General-Anzeiger ** Iie heutige Aummer umfaßt 8 Seiten. Kaiserreden. allerdings wurde ihnen der Handel noch er chwert durch die hohen Einkaufspreise im Auslande, wvzu noch der bekanntlich sehr hohe Eingang6zoll kommt, b--r für Pferde seit dem 1. März d. I'. befahlt werden mich. Auf der andern Seite hat dieser hohe Zoll den. Vorteil, daß er unserer heimischen, in Oberhessen im Zunehmen begr offenen Pferdezucht zugute kommt. Wer regelmäßig der Pr imiicruitg des Pserbematerrals, das sich im Besch von Le ndwirten aus Oberhessen befindet, auf unseren Gießeüer Pferdemärkten mit Interesse und Aufmerksamkeit beiwohnt, kann nur erfreut sein, wie von Markt zu Markt das Material sich zahlreicher und edler entwickelt zeigt. Be l anders lobend und anerkennend sprachen sich gestern die $,• erren der Prä- miierungskommission über die vorgeführte n Fohlen aus, wobei einer der Preisrichter begeistert erklärte: „Wenn wir im Lande so weiter züchten, machen wir uns vom Auslande unabhängig", welche Hoffnung! allerdings Wohl frommer Wunsch bleiben wird. Bei dem schönen Wetter fehlte es nc türlich nicht an Zuschauern, die gekommen waren, nm sich au den schönen Tieren satt zu sehen und sich am' Leben und Treiben des Marktes selbst zu lustieren. Auf einer neu errichteten Tribüne konzertierte eine stärkte Musikkapelle. In dem Restaurationszelt ging es überaus lebhaft her. Hinter dem Zelt arbeitete die Verlosungskommission und ließ sich Pferde zum Ankauf für die Verlosung vorführen. -TaS größte Interesse erregten natürlich die Arbeiten der Prämiierungskommission, deren Mitglieder bei der Fülle des vorgeführten Vorzüglichen in vielen Fällen ihre Muhe hatten, von dem Besten das Beste zur Auszeichnung herauszufinden. Mittags gegen V2I2 Uhr staute sich die Menge um deu großen abgegrenzten Ring, in befielt Mitte das Zelt für die Mitglieder der Prämiierungskommission seinen Platz hatte. Tie Musik stimmte eine flotte Weise an und es begann die Musterung der im Privatbesitz befindlichen Tiere usw. Tie Brauerei Bichler brachte, allerdings außer Konkurrenz, einen einjährigen braunen belgischen Hengst und einen ebensolchen zweijährigen Rot- chimmel, sowie ein Paar einjährige Rappen zur Schau, amtlich in ihren Stallungen geboren. Hierauf wurden edle Tiere der Herren Bichler, Bur? und Kreuzburg in allen Gangarten vorgeritten. Ueberraschend war die Vorführung von Geschäftsfuhrwerk Elegant und chik war das Fuhrwerk des Metzgermeisters Fr. Schreiner, des Bäckermeisters Löber und des' Gemüsehändlers Joh. Hankel. Ter letztere hatte seinen Rollwagen mit Blattpflanzen, Gemüse und Obst wirkungsvoll arrangiert. Es folgten darauf in langer Reihe die Chaisen, zuerst die Einspänner, an deren Spitze Fräulein Kirch ein elegantes Gig lenkte. Mit Chaisengespannen beteiligten sich Fabrikant A. Klingspor, Hoflohnlutscher Huhu mit je einem Ein- und Zweispänner, während Weinhändler Schwan einen Fuchs im Halbverdeck vor- Wirte gaben nach. Bad-Nauheim, 11. Sept. Hier ist am Samstag der Dichter und Publizist Wolfgang Kirchbach gestorben. Er war in London 1857 geboren. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: der Roman „Das Leben auf der Walze", die Nomanzyklen „Kinder des Reiches" (dieses Buch führte s. Zt. zu einer hitzigen Debatte im Reichstag), ,®ie Weltfahrer", die dramatischen Arbeiten: „Waiblinger", „Die letzten Menschen", „Eginhard und Emma", „Jung gefreit", „Wien" und seine Gedichtsammlungen „Gedichte" und „Lieder vom Zweirad". Viel beachtet wurden auch seine religions-philo- sophischen Schriften „Was lehrte Jesus?" und „Das Buch Jesu", die 1897 erschienen. X Dortelweil, 11. Sept. Hier hat sich vor einiger Zeit ein „Verein zum Schutze der nützlichen Sing- -vägel" gebildet, dessen Bestrebungen und bisherige Tätigkeit zum Schutze der kleinen Helfer unserer Landwirte und Obstzüchter allgemeine Beachtung und Nachahmung verdiente. So hat der Verein unter Leitung des Lehrers Stock zwei Vogelherbergen an der Nidda angelegt und diese mit Hollunder, Hainbuchen, Eschen, Fichten, Erlen, Schwarzdorn, Weißdorn, Wachholder, Birken, Pappeln, Heckenrosen und Akazien bepflanzt und das Flußufer mit Weidengebüsch «ungesäumt. [] Marburg, 11. Sept. Aus Eifersucht schoß gestern in Roßdorf bei Kirchhain ein junger Mann auf ein Mädchen, das sich in Begleitung seiner Tante befand. Während das Mädchen unverletzt blieb, wurde die Frau in die Hand getroffen. Der Täter wurde alsbald der Gendarmerie übergeben. — Aus Wehlheiden traf heiste die Nachricht ein, daß aus dem Gefängnis drei Gefangene entwichen seien. ührte. Tie Prämiierung hatte bas folgende Ergebnis: Abteilung II. Wagcnschläge paarweise: S. Michel- Gießen 1. Preis, Jakob Leopold-Nidda 2. Pr., Salomon Lamm-Kirdorf 3. Pr. Abteilung III a. Schwere Arbeitschläge paarweise: S. Michel-Gießen 2. Pr. Abt. IIIb: Leichte ArbeitSfchläge paarweise: S. Michel-Gießen und Aug. Frensdorf-Gießen je 2. Pr., Ed. Kaufmanu-Nieder- Weisel und I. Leopold-Nidda je 3. Pr. Abteilung IVa. Schwere Arbeitsschläge einzeln: Aug. Frensdorf-Gießen 1. und 2. Pr. Ab teilung IV b. Leichte Arbeitsschläge einzeln: Aug. Frensdorf-Gier en 1. und 4. Pr., S. Michel- Gießen und I. Halbe.'tadt-Löhnberg je 2. Pr., Ed. Kauf- mann-N.-Weisel und M. Bing-Lich je 3. Pr. Pferde im Besitz von Landwirten, die Mitglieder des Landes-Pferdezucht- oder landw'irtsch. Vrovinziolvereins sind: Abt.Va. ArbeitSfchläge einzeln: K. Häuser XX., Nieder-Weisel, 1. Pr., K. Kraußgrill VIII., N.-Weisel, K. Volp-N.-Weisel und Joh. Aach-Nied er-Weisel je 2. Preis, Wilh. Göbel-Pohlgöns Bürgermeister Kulm-Ober-Bessingen, Jak. Klippcl-Nieder- Weisel und G. Biehl I.-N.-Weisel je 3. Pr. Abt. Vb. Arbeitsschläge paarweise: I. Faber X.-Leihgestern 1. Pr., W. Haffcr III.-N.-Deisel 2. Pr., H. Bender-L>ofgut Griedel 3. Pr. Abteilung Via. 3jährige Fohlen (Wagenschläge): K. A. Wagner-Langgöns 1. Pr., W. Faber-Kirchgöns 2. Pr., Ph. Nock-Hattenrod 3. Pr., P. Esau-Gr.-Buseck 4. Pr. Abteilung VI b. 3jährige Fohlen (Arbeitsschläge): Bürgermeister Kreuder-Vadenrod 1. Pr., I. Faber X.-Leihgestern 2. Pr. Abt. VIIa. 2jährige Fohlen (Wagenschläge): I. Gon- trum-Röthges 1. Pr., W. H. Fenchel-Griedel 2. Pr., Fr. Fenchel-Griedel 3. Pr., H. W. Straßheim-Griedel 4. Pr. Abt. VIIb. 2jährige Fohlen (Arbeitsschläge): G. W. Straßheim-Griedel 1. Pr., H. Schmidt-Münch-Leusel 2. Pr., K. G. Jung-Leihgestern 3. Pr. Ab t. VIII. Zuchtftuten mit Fohlen oder gedeckt (Wagenschlüge): G. Tietrich-Langel bei Hungen 1. Pr.', K. Volp-N.-Weisel 2. Pr., G. W. Straßhenn-Griedel 3. Pr., W. Göbel-Poh'lgöns 4. Pr.. K. Tilges-Fauerbach V. d. H. 5. Pr., F. Fenchel-Griedel 6 Pr. Abt. VIIID. Zuchtstuten mit Fohlen oder gedeckt (Arbeitsschläge): I. Klippet-N.-Weisel 1. Pr., G. Bill I., N.-Weisel 2. Pr., I. A Heinz-N.-Weisel 3. Pr., K. Kraußgrill VIII., N.-Weisel 4. Pr., G. W. Straßheim-Griedel 5. Pr., H. Schmidt-Münch-Leusel 6. Pr. Für im Vrivatbesitz vorgeführte Pferde usw. erhielten nachstehende Eigentümer Ehrenpreise: Fr. «Schreiner, Max Kreuzburg, Wilh. Löber, A. Klingspor, Joh. Hankel und Karl Huhn, sämtliche in Gießen. Aug. Schwan und Jean Kirch hatten ihre Gespanne außer Konkurrenz Vorfahren lassen. Hrkurston des technischen Hereins. B—r. Gießen, 12. Sept. Der technische Verein Gießen hatte mit den benachbarten technischen Vereinen Wetzlar und Weilburg für den vergangenen Sonntag eine gemeinschaftliche Besichtigung der Kalk- und Ziegelwerke des Herrn August Gabriel fr. in Gießen verabredet. Die auswärtigen Teilnehmer an dieser Exkursion wurden morgens von einigen Herren des Gießener Vereins am Bahnhofe empfangen und bis zum Neustädter Tor geleitet, wo sich noch weitere Mitglieder des techn. Vereins Gießen anschlossen. Bei günstigstem Wetter zog man es vor, die Strecke bis zum Abendstern zu Fuß zurückzulegen, um die Frische des schönen Somnwrmorgens voll und ganz zu genießen Am Windhof angelangt, gruppierten sich die Teilnehmer au der Freitreppe an der Westfront zu einer photographischen Aufnahme, welche von Ingenieur Frey-Wetzlar ausgeführt wurde. Beim Eintreffen auf dem Werke wurden die Vereine von Vertretern des Herrn Gabriel begrüßt und besichtigten nun, meist in zwei getrennten Gruppen, die hochinteressante Fabrikanlage. Der Rundgang begann mit der Bepchligung der Kallöfen, der Förder- und Vorbereitungsanlagen für Kalk und Terrazzomaterial, der maschinellen Anlagen für die Herstellung des gemahlenen Kalkes sowie der Dampfmaschinen- und Dampfkesselanlagen. Als zweiter Teil folgte sodann die Besichtigung der neuen Ziegeleianlage. Hier lüiirbc die Fabrikation der Ziegelsteine, von der Gewinnung de§ Rohmaterials bis zum fertig gebrannten Ziegel, eingehend erläutert. Allgemeines Erstaunen erregte bei den Besuchern ein mächtiger Kollergang, welcher zur Vorbereitung des Rohmaterials bient; außerdem wurde gezeigt, wie der Stein auf der Steinpresse seine Form erhält und in großen Zügen wurde erklärt, wie dem frisch geformten Stein das in ihm enthaltene Wasser in dem patentierten Trockenofen (eigene Erfindung des Herrn Gabriel) wieder entzogen wird, um ihn zum Einsetzen in den Brennofen brauchbar zu machen. Dieser Ofen — ein Ringofen von ganz bebeutenben Dimensionen — weckte denn auch das Interesse der sämtlichen Besucher. Der Gang des Fe««ers im Ofen, die Führung und WärmeauS- nutzung der abziehenden Heizgase sowie das Einsetzen und Ausfahren der Steine wurde gezeigt und eingehend erläutert. Nach Verlassen des Ofens wurden die fertiggebrannten Steine auf ihre Qualität geprüft und für ganz vorzüglich befunden. Inzwischen war auch Herr Gabriel cingetroffen und begrüßte nun die erschienenen Vereine, worauf er noch einige Proben von Versuchen zeigte, die er mit seinem Rohmaterial angestellt hatte. Schließlich wurden noch die Arbeiterwohnungen, Bade- und Aufenthaltsräume besichtigt und allgemein als muftergiltig befunden. Hierauf folgte auf dem Windhof ein gemeinschaftlicher Frühschoppen und nochmalige eingehende Besprechung der Anlage. Ingenieur Frey-Wetzlar dankte sodann im Namen der versammelten Vereine Herrn Gabriel und empfing von Herrn Gabriel den Dank für den freundlichen Besuch. Herr Kocker- beck brachte alsdann ein Hoch auf die deutsche Technik aus, worauf die Tafelrunde nach zwei weiteren photographischen Aufnahmen aufgehoben wurde, weil die Wetzlarer Herren die Heimreise antreten mußten. Man trennte sich mit dem Versprechen baldigst wieder Gelegenheit zu nehmen, um recht oft solche interessante und lehrreiche Exkursionen gemeinschaftlich auszuführen. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 11. Sept. Sachbeschädigung. Ter Weißbiudermeister I. K. von Bad-Nau beim hatte sich mir drei seiner Arbeiter vor dem Schöffengericht wegen Sachbeschädigung zu verantworten. Er hatte die 2(rbeiler veranlaßt, die Aeste von i)cn vor seiner neuerbauten Villa stehenden Ulmen- bäumen zu entfernen, sodaß diese verunstaltet und in ihrem Wachstum gefährdet würben. Tas Schöffengericht sprach die Arbeiter frei, da sie im Auftrag des K., der ihre austauchenden Bedenken zu zerstreuen gewußt hatte, gehandelt haben. K. selbst wurde zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. Tie Staatsanwaltschaft locht das Urteil an, hielt aber nur bezüglich des K. wegen deS Strafmaßes die Berufung aufrecht. Ter Angeklagte machte geltend, daß er sich ui der Maßnahme berechtigt geglaubt habe, da der Maler den Eindruck der Fassadenverzierung durch die Aeste nicht beobachten konnte, während andererseits von der Kurdirektion darauf hm- gciniefcn wurde, welch enorme Arbeiten und Kosten erforderlich sind, bis eine Allee in dem Zustande ist, wie die an der Villa des Angeklagten vorbciführende. Das Gericht kam zur Erhöhung der Strafe auf 50 Mk. Wege» Beleidigung eines Staatsanwalts. Als Ende Juni vor der Strafkammer gegen den Kellner W. F. von Mainz wegen eines hier verübten Mansardendiebstahls verhandelt wurde, und der Staatsanwalt den Antrag gestellt hatte, ihn zu einer längeren Zuchthausstrafe zu verurteilen, sprang er auf und schrie, sich mit geballten Fäusten gegen den Staatsanwalt wendend, mit lauter Stimme: Schuft, Gauner und verschiedenes andere. Der Gefangenaufseher und ein zufällig als Zeuge anwesender Schutzmann faßten den sich wie rasend gebärdenden Angeklagten, um ibn vor weiteren Ausschreitungen abzuhalten. Es gelang ihnen erst nach heftiger Gegenwehr, unter Ausbietung aller Kräfte seiner Herr zu werden und ihn zu fesseln, da er um sich schlug, trat und biß, sodaß beide Beamten Verletzungen davon- trügen. Infolge Stellung Strafantrags durch die vorgesetzte Behörde des Staatsanwalts, erfolgte Anklage wegen Beleidigung und Widerstands. Da der Angeklagte angab, er könne sich nicht mehr auf den Vorfall erinnern, da er an Bewußtseinsstörungen lewe, so wurde er von einem Sachverständigen aus seinen Geisteszustand untersucht. Dieser stellte zwar fest, daß der 9(ngef(agte, der schon als Kind von seinem Vater, einem Trunkenbold, und von seiner Mutter, einer unsittlichen Person, zum Haus hinausgestotzen wurde, sodaß er bald auf die Bahn des Verbrechens geriet und jeben ittlichen Halt verlor. Er schilderte ihn als einen lahzormgen, nervösen und sittlich-moralisch minderwertigen Menschen, der aber doch für sein Verhalten verantwortlich zu machen sei. Das Gericht setzte hierfür f e ch s M 0 n a t e G e f ä n g n i s an, die e^ in mer Monate Zuchthaus umwaudelte unb mit drei Monaten m Anrechnung brachte, sodaß er unter Einbeziehung der früher erkannten Zuchthausstrafe von drei Jahren und fünf Tagen m eine ®e'omt- strafe von drei Jahren, drei Monaten und fünf Tagen Zuchthaus verurteilt wurde, welch» Strafe er sofort anerkannte. Dem beleidigten Staatsamvalt wurde die Besiigms zuerkannt, das Urteil im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen. Ein rabiater Schwiegersohn. Das Schöffengericht Alsfeld haste den Fabrikarbeiter F. Sch. von Romrod wegen Beleidigung unb Bebrohung zu 7 Monaten Gefängnis unb wegen Ruhestörung zu 6 Wochen Haft veriirteist, nachbem es sestgestellt hatte, baß er seine Frail und sevie Schwiegermutter mit Umbringen bedroht hatte, so daß sie sick flüchten mußten. Ebenso hatte er zwei Rachbarssrauen mit dem Messer bedroht, so daß die eine vor Schrecken in Ohnmacht fiel unb die andere am qgmcii Körver zitterte. Das Schöffengericht war der Ansicht, baß der wegen Gewalttätigkeiten dreizehn Mal vorbestraste Angeklagte die ganze Strenge deS Gesetzes fühlen muffe, zumal er ,seiner Frau einen nicht wiederzugebenben, die Frauenehre ams tie'ste berab ui setzen geeigneten Vorwurf in verleumderischer Weise gemacht hat. Unter anderem hat er dem Arzt, der seine kranke Frau besuchen sollte, sagen Taffen, salls er ins Haus käme, würbe er ihn hmaus- werfen. Er focht das Urteil an unb behauptete, daß ferne bei tpm wohnende Schwiegermutter an allem Schuld fei; das Gericyr würbe seine Handlungsweise für, erklärlich halten, wenn es ein Leumundszeugnis bezüglich der Schwiegermiitler em holen wuroe. Das Berilfiingsgericht halte weder zu weiteren Beweiserhebungen, noch zur 9lenberung des Urteils Anlaß, weshalb das Crfenntn seine Bestätigung sand. Ein beleidigter Bürgermeister. Schon vor Jahresfrist hatte der Gemeinderat zu Vübingeir die Erbauung eines neuen Schulhauses beschlossen. Man tonnre aber bezüglich der Platzsrage keine Einigung erzielen und dieses zeitigte die Spaltmig des Genieinderats in zwei Parteien, was viele Unannehmlichkeiten unb heftige Diskussionen ’n_°cl .. memderatssitzungen nach sich zog. Der Gememderat W.D^^machte beni Bürgermeister St. ben Vorwurf, et haste em Gemeinberats Mitglied davon abgehalten, ben Kausakt bezüglich des Schu Platzes zii unterschreiben, womit er ihm den Vorwurf der machte. Der Bürgermeister erhob gegen D. wegen Bele digmig Privatklage, die vor bem Schöffengericht nut ^rurteilimg zii emer Geldstrafe von 20 Mk. endigte, ivelches Urteil et durch Bern ung ansoclst. Die Berufmigsverhandlung iülirle zur Aufhebung d ese Urteils unb zur Freispre ch u n g desD da er d'e Beha ptung im guten Glauben ausgestellt hatte, w.w 0. ihm au der Absich * beleidigen fehlte. narbe-) Regiments Nr. 115 unb dem Obersten Grafen von ‘ Westarp, Kommandeur des 1. Großh. Feld-Artillerie-Regi- ; mentS Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps); das Ritterkreuz : 1 Klasse desselben Ordens dem Major v. Amelunxen, . Adjutanten der Großh. (25.) Division, dem Major ^rhrn. Treusch v. Buttlar-Brandenfels, Bataillonskommandeur im 1. Großh. Jnfanterie-(Leibgarde-)Negmient Nr. 115, dem Major Frey er, Bataillonskommandeur un Jnsanterie- Leib-Regiment Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, dem Major Buchholtz, Bataillonskommandeur un 5. Großh. Infanterie-Regiment Nr. 168, dem Major v. Pannwitz, Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk II Darmstadt, dem Major Frhrn. v. Keyferlingk, Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Worms, dem Jntendanturrat Nordhofs, Vorstand der Intendantur der Großh. (25.) Division, den Hauptleuten Otto Wilhelmi, Balthasar und Becker, 51ompagnie- Kiefs im Jnfanterie-Leib-Regiment Großherzogin (3. Großh. Hess.ä Nr. 117, dem Rittmeister Tlndreae, Eskadronchef un 2 Großh. Dragoner-Pegiment (Leib-Dragoner-Regiment) Nr 24 dem Ober'tabs-Veterinär Reinicke und dem Oberzahlmeister Kuhn vom 1. Großh. Feld-Artillerie-Regiment Nr 25 (Großh. Artillerie-Korps), sowie dem Oberzahlmeister St'amm vom 1. Großh. Jnfanterie-(Leibgarde-)Neg.ment Nr 115* baS Ritterkreuz 2. Klasse desselben Ordens dem Oberleutnant Kolb vom 1. Großh. Jnfanterie-(Leibgarde-) Regiment 91r. 115, dem Stabsveterinär Schneider vom 2. Großh Feld-Artillerie-Negiment Nr. 61 unb dem Militär» Bauregistrator Burggraf beim Militär-Bauamt Darmstadt; das Silberne Kreitz desselben OrdeuS dem Unterzahlmeister Zulauf vom 2. Großh. Feld-Artillerie-Regunent Nr. 61, den BezirkSfeldwebeln Fortnagel vom Bezirkskommando Gießen und Oes er vom Bezirkskommando I Darmstgdt, dem Wachtmeister Günther, sowie den Vizewachtmeistern Gerste r, Schmidt unb Hensel vom 2. Großh. Dragoner-Regnnent (Leib-Dragoner-Regiment) Nr. 24. ** Aus der sozialdemokratischen Partei. An Stelle des Anfang Oktober au§ seinem Amte als hessischer Parteisekretär scheidenden Abg. Dr. David wurde Landtagsabg. Orb vom Landeskomitee der hessischen Sozialdemokratie als LandeSsekretär gewährt. — Für die neubegründete Stelle eines Parteisekretärs für den Wahlkreis Offenba ch- Dieburg wählte der Kreisvorstand Rink-Urberach. (Die „Kl. Pr." meldet ferner, daß Abg. Dr. David nach Berlin übersiedeln werde.) * * Der Klapperstorch im Automobil. Daß der Klapperstorch in der Eisenbahn öfters Einkehr hält, ist bekannt, doch auch im Automobil hat er sich dieser Tage eingestellt und einer Insassin ein kleines Knäblein beschert. Ter Kraftwagen brachte die Mutter unb den kleinen Automobilisten nach Gießen. • • Drachensteigen. Zurzeit vergnügen sich die Knaben auf den vom Getreide befreiten Feldern, auf den Chausseen und selbst auf den Stadtstraßen mit dem Drachen- steigenlassen. Da aber in der Stadtnähe und auf den Chausseen sich die Drachenschwänze oft in die Telegraphen- und Televhondrähte fangen und dadurch Betriebsstörungen beim Telegraphen- und Telephonamt entstehen, seien die Eltern darauf auftnerksain gemacht, daß sie für den durch ihre Sprößlmge verursachten Schaden haftbar sind. 9(uf freiem Felde können sich die Jungen unbesorgt dem Vergnügen des „Drachensteigens" hingeben. - h Klein-Linden, 11. Sept. Das von der Dorf- jugenb alljährlich am Sedantag auf dein Schildberg ange- -ünbete S edanf euer wurde dieses Jahr verboten. = Gambach b. Butzbach, 10. Sept. Auch hier versuchten die Wirte eine Verteuerung des Bi e rpreifes herbeizuführen, sie forderten für 0.3 Liter 10 Pfg., für 0.4 Liter 12 Pfg., während seither der Schoppen (V2 Liter) nur 12 Psg. kostete. Sämtliche Biertrinker streikten unb die Herbstpferdernarkt in Gießen. th. Gießen, 12. Sept. Ter gestrige Herbstpferdemarkt kollidierte mit lern am Tage vorher abgehnltenen Frankfurter Pferdemarkt, ein Umstand, der natürlich für unfern Provinzmarkt zu Ungunsten ins Gewicht fiel. Hierzu kam, das unser Markt ausnahmsweise am Dienstag abgehulten werden mußte, weil der ältere Schwesternmarkt in Homberg a. O. schon immer auf den heutigen Tag fiel und bei Ansetzung des Gießener Marktes darauf Rücksicht genommen werden mußte. Tas auf dem Markt befindliche Pferdem'aterial, bestehend in 212 Pferden und 34 Fohlen, bestand in der Hauptsache aus schweren Arbeitsschläaen, um die sich gleich von Beginn des Marktes an ein lebhafter Handel entwickelte. Das Geschäft war für die Verkäufer leidlich zufriedenstellend, Von der Reise zuruck Dr. Zinsser S490 »Md zu billigsten Preisen in und außer dem Hause. Qd Eä [5098 besichtigt. besitzt also auf für nur Ansstellnngsraum Scltersweg 83. 4853 ss10A Fluß- und Seefische EX' mann, Cderstr. Die sslu/. 31. Elias. hv11/. e genonnnen. Hochachlungsvoll zli vermieten. [4040 [5175 = Gießen, Südanlage 7. 5371 3 -utf S' Stemslraße v4. 54651 54861 Stetzen 3n verkaufen " ♦ < u Vermieten ein Nürnberger Loh zu 1 Mk. heben, mit welchem zu gewinnen sind < Oelfarben Lackfarben Fussbodenlacke Parquetwachs d) e) baren Geld, tut ganzen 13 507 Gewinne mit 2 y i 5 i) b) -) Niederlage in Giessen: Hermann Mettenheimer, Beleuchtungsartikel. AontroNasse wegen Anschaffung einer größeren zu verkaufen. SchrisU. Anfragen unter 5475 cm d. Gießener Anzeiger erbeten. immer. )(Gießen, 11, Sept, mg. L Bad-Nauheim hatte -chössengericht wegen Sach ;tte die Arbeiter vnanlof den Billa stehenden Ulms- H'taltct und in ihrem W-.- nqericht sprach die Aibre hre austauchenden BedlG haben. K. selbst wuck ilaatsanwallichast iochi te s K. wegen dcS SlratmM ! machte geltend, daß er iiq t habe, da der Maler den । die Aeste nicht beobalblen r fturbirettion daran! hinten und Hosten erforderlich roie die an der Billa des !)t tarn jitt 6rf)bf)ung bet Beginn des Unterrichts in allen weiblichen Handarbeiten sowie Kunstarbeiten, Brandmalerei, Tiefbrand, Schnitzerei, Lcderplastik usw. Montag, den 17. September flS06. Für Auswärtige ganze oder teilweise Pension im Hause. Milchlieferanlen gesucht! Suche Oekonomen und Ortschaften, welche, sofort oder- spater anfangend, Milch nach Gießen liefern wollen. Schriftliche Angebote unter 5480 an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers erbeten. BCaH Schmidts Tanzlehrer Mitglied des Bundes deutscher Tanzlehrer. Privat-Unterricht zu jeder Tageszeit. 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