Erscheint $3gU(5 mit Ausnahme des Sonntags. Die ..Giehener fiamtlknblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der tandwlrl- erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck tmb erlag der örfibPfcbei UnwersitStZdruckerei. DL Lang», Gietz«. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Gchulstr.2» Tel. Nr. 6L Telegr.«Adr.: Anzeiger Gieß«. Zweites Matt ISO.Jahrgang Mittwoch 10. Oktober 1906 Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«. KeKanntmachung. Betr.: Railschbrand bei einer Kuh des Heinrich Dern VI. zu Lang-Göns. Bei einer verendeten Kuh des Heinrich Dern VI. zu Lang-Göns wurde Rauschbrand festgestellt. Betr.: Rauschbrand bei einem Stier des Pachters Rudolf Weiß zu Hof-Graß. Bei einem verendeten Stier des Pachters Rudolf Weiß zu Hof-Graß wurde Rauschbrand festgestellt. Betr.: Rauschbrand bei einer Kuh des Georg Dichter auf der Hardt bei Gießen. Bei einer verendeten Kuh des Georg Dichter auf der Hardt wurde Rauschbrand festgestellt. Gießen, den 8. Oktober 1906. Größt). Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wöruer.________ Sotttischc Tages§charr. Der nationalliberale Parteitag. Von nationalliberaler Seite ivird uns heute folgendes geschrieben: Daß bereits im nächsten Frühjahr abermals eine derartige Veranstaltung stattfinden soll, ist ein Beweis dafür, wie sehr man eine nochmalige Aussprache der Delegierten wünscht, damit die pari. Vertretungen in möglichster lieber* einstimmung mit dem Gros der Partei vorgehen. Der innere Zwist in unserer Partei hat ziemliche Aehnlichkeit mit dem Kampf der Jungen und Alten in der sozialdemokrati -- schen Partei; aber auch wie bei dieser ist es nicht zu einer Trennung gekommen, man suchte eine mittlere Linie, um sich auf dieser entgegen zu kommen. Im übrigen beschäftigte inan sich mit der Mittelstandspolitik, wohl nicht in letzter Linie aus dem Grunde, weil aus Mittelstandskreisen der Partei verschiedentlich der Vorwurf gemacht wird, sich ihrer Jnteresien nicht genügend anzunehmen und weil andere Parteien lebhaft bemüht sind, jene Kreise für sich zu fesseln. Mit bloßen Resolutionen ist es hier allerdings nicht getan, es wird dabei einer entschiedenen Werbetätigkeit bedürfen, die Hand in Hand geht mit einer praktischen Betätigung im Parlamente. Im allgemeinen haben die Verhandlungen in Goslar fein besonderes Resultat gezeitigt, indessen dürfte der Parteitag vielleicht doch zur Folge haben, daß die nalionallib. Paclamentsvertreter mehr in Fühlung nicht nur mit den Wählern, sondern auch mit der Presse gelangen, als es in letzter Zeit zuweilen der Fall war. Von anderer ^eite erhielten wir folgende Zuschrift: Um den inneren Gegensatz zwischen den „Alten" und ben „Jungen" richtig zu verstehen, wird es nötig sein, kurz auf die Vergangenheit der nationallibe- raleu Partei zurückzugreifen, wie sie im Oktober 1866 gegründet wurde. Es geschah dieses "durch Vereinigung von Mitgliedern des linken.Zentrums und der Fortschrittspartei, welche als Programm der Partei ausstellten, „in besonnener Weise, das will sagen, in Erwägung des Erreichbaren, den liberalen Ueberzeugungen, vor allem anderen aber den vaterländischen Interessen zu bienen." Hierin liegt gleichzeitig die Stärke und die Schwäche der national- liberalen Partei, da sie unter Umständen gezwungen sein mußte, ihre liberalen Ueberzeugungeu nationalen Ausgaben zu opfern, oder umgekehrt. Gab sie den ersteren in geringerem Grade Ausdruck, so erhielt sie Zufluß von rechts, während sie durch stärkere Betonung des liberalen Prinzips auf der liberalen Seite wohl Anhänger gewinnen konnte, wenn nicht eben der Freisinn diese festhielt. So hatte sie, je nach ihrer Haltung den augenblicklichen Aufgaben gegenüber, bald mit einer Abbröckelung n a ch links, bald m,ii einer Abbröck'elung na ch rechts zu rechnen und war daher im wesentlichen auf die Einhaltung der mittleren Linie angewiesen. Diese mittlere Linie ermöglichte ihr — und das ist das Große an der Vergangenheit der Nationalliberalen — vom Jahre 1867—1875 den organischen Ausbau der Neichsverfassung vorzunehmen und so einen positiven Erfolg des Liberalismus im nationalen Sinne herbeizuführen.. Von dieser Höhe, wo sie zeitlveise im Reichstage 151 Mitglieder zählte, stürzte sie herab, als Bismarck im Jahre 1878 eine neue Wirtschafts- und Finanzpolitik inaugurierte. Die schutz- zöllnerischen Nationalliberalen bekämpften die freihänd- lerischen und trugen über diese den Sieg davon, eine Tatsache, welche die Sezession des linken Flügels in Stärke von 19 Abgeordneten zur Folge hatte. Seit dieser Zeit hat sich die nationalliberale Partei immer weiter nach rechts entwickelt und ist jetzt bis zu einem Punkte dieser Entwicklung gelangt, wo ihr ein großer Teil der nationalliberalenWählerschaftim Lande und die nationalliberale Jugend die Gefolgschaft verweigern. Und wenn dieses geschieht, so ist es also weniger die Haltung der Partei gegenüber der Reichsfinanzreform, als vielmehr der schon seit einem Menschenalter vorhandene und ständig verschärfte Gegensatz zwischen rechts und links innerhalb der Partei. Ob es nun gelungen ist, diesen Gegensatz aus dem Parteitage in Goslar endgültig zu überbrücken, läßt sich noch nicht übersehen, wenn auch die dort angenommene Resolution die nachdrückliche Betonung der liberalen Forderungen für geboten hält, und der nächstjährige Vertretertag in Kassel die Richtlinien der nationalliberalen Politik erneut feftlcgen soll. Hierbei ist eben, wie es schon so oft innerhalb des Nationalliberalismus geschah, eine weitere Sezession zu befürchten, wenn nämlich die rechtsstehenoen Narionalliberwien des Westens oder die linksstehenden des Südens und Ostens sich diesen neuen Richtlinien nicht beugen wollen. Würde durch ihre Annahme, wofern sie nur, wie eben gefordert, das liberale Prinzip im Nationalliberalismus stärker als le betonen, eine .Stärkung des Gesamtliberalis- mus erfolgen, so würde durch ihre Ablehnung ein wei- terer Zerfall der liberalen Parteien gezeitigt werden, der der Reaktion und der Sozialdemokratie zugute käme. Und dieses wäre umso bedauerlicher, als bekanntlich im Jahre 1908 Reichs ta gswahlen bevorsiehen, bei denen, wie auf dem diesjährigen Parteitage festgestellt wurde, ein großer Teil der Wahlkreise, z. B. in Rheinland und Westfalen, den Sozialdemokraten anheimfiele, falls nicht die Nationakliberalen schon für die Hauptwahl ein Abkommen mit dem Zentrum schließen. Neben den ©o- zialdemokraten ist aber dieses der größte Feind des Liberalismus, und Wahlkompromisse mit ihm sind daher, auch wenn sie der Sozialdemokratie Abbruch tun, für den Liberalismus verhängnisvoll. Wenn die Nationalliberalen sich selbst und ihrer Vergangenheit treu bleiben wollen, müssen sie nach links, also bei hen Freisinnigen, Anschluss suchen. Sie müssen, wie der freisinnige Abg. Müller-Meiningen kürzlich betonte, gemeinsam mit dem Freisinn, unter Ausschaltung aller kleinlichen Zwistigkeiten, arbeiten, um zu einer inneren Sammln ngspolitik zu gelangen, welche früher ober später den Sieg des liberalen Gedankens über rote und schwarze Internationale davonträgt. Und was hier von dell National- liberalen gesagt ist, gilt natürlich ebenso für die Freisinnigen. ..Diesem Einigungsgedaiiken gibt denn auch der Schluß- passus der Goslarer Resolution in gewisser Weise Ausdruck, nach welcher die nationalliberale Partei den Sammelpunkt für alle liberalen Elemente unseres Volkes bilden soll. Daß dieser Zukunstssame aufgehe, dafür sei uns nach dem alten Harzspruch die grüne Tanne ein Symbol. Möge das Erz der unentwegten liberalen Gesinnung weiter „wachsen", wie es jetzt in Goslar begann, so wird das deutsche Herz wieder un- verzagt und fröhlich schlagen können! Russisches. Aus Helsingfors wird heute gemeldet: Die Opposition gegen die vom Komitee des Kadettenkongresses beantragte Resolution teilt sich in zwei Gruppen, deren eine die vollständige Verwirklichung des Wyborger Programmes fordert, wahrend die andere die Steuerverweigerung für notwendig erhärt, die Verweigerung der Rekrutengestellung 'aber nicht für zweckentsprechend hält, da die Rekruten nach ihrem Eintritt in die Armee die alten Soldaten gewinnen würden. Die Spaltung der oppositionellen Stimmen eröffnet eine günstige Aussicht für die Resolution des Komitees. Die Untersuchung in Angelegenheit des Wyborger Aufrufs bezw. dessen Unterzeichnung hat begonnen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Unter diesen erregt besonders die des Professors Petadyski in Petersburg großes Aufsehen. In Petersburg traf die Meldung ein, daß das Landgut des Justizministers durch Brandstiftung eingeäschert worden ist. Da in Warschau jeden Tag Hinrichtungen von Banditen stattfinden, die durch Feldkriegsgericht zum Tode verurteilt sind, so dauern die lieber fälle auf reiche oder politisch verhaßte Personen fort. So drangen vier Räuber in die Wohnung des Rechtsanwaltes Demski, um Beute zu machen. Als dem bedrängten Rechtsanwalt dessen Schwiegersohn, der Chefredakteur Gadamski, zu Hilfe kam, schossen die Banditen und verwundeten ihn schwer. Sämtliche Räuber entkamen. In Lodz sind wegen de§ Tagens des Feldgerichtes die Ar- beiter von sämtlichen Fabriken in den Ausstand getreten. In Sosnowiee fanden bei angesehenen Bürgern Haussuchungen statt. Zolldeklarant Ginsberg, Bankbuchhalter Baumgarten und andere wurden wegen sozialistischer Agitation nach Bendzin abgeführt. Das Czenstochauer Feldgericht verurteilte einen Dragoneroffizier, einen Grenzwachtmeister und zwei Soldaten wegen Sozialistenagitation zum Tode. Auf der Dünabrücke in Riga waren vor einem Monat ein Polizeiossizier und ein Schuhmann ermordet worden. Kürzlich gelang es, die Mörder, 6 an der Zahl, zu verhaften. Einer , von ihnen flüchtete beim Transport und wurde sofort erschossen. Die übrigen wurden vor das Feldgericht gestellt. Dieses sprach drei Angeklagte frei und verurteilte zwei zu langjähriger Zwangsarbeit. Ein Todesurteil wurde in Anbetracht der Minderjährigkeit der Mörder nicht gefällt. Der Generalgouverneur Sollahub kassierte dieses Urteil und setzte unverzüglich ein neues Feldgericht ein, das vier Angeklagte zum Tode verurteilte und nur den fünften freisprach. _______ Deutsche» Reich. Hubertus stock, 9. Olt. Das Kaiserpaar ist heute hier eingetroffen. Berlin, 9. Okt. Die „Disch. Tagesztg." bestätigt, daß der Landwirtschaftsminister v. Podbielski an seinem alten Gallen st ein leiden erkrankt ist, daß er aber voraussichtlich binnen kurzem die Geschäfte seines Amtes wieder in vollem Umfange übernehmen wird. — Die falschen Gerüchte über eine neue Militär- Vorlage haben durch die Reise des Frhrn. v. Stengel und des Kriegsministers v. Einem nach Homburg zum Reichskanzler neue Nahrung erhalten. Demgegenüber fann die „Nat.-Zlg." wiederholt versichern, daß es sich keineswegs um eine Durchbrechung des Quinquenats handelt, andern nur um allerdings nicht unerhebliche Mehr- orderungen für Material, die sich aber im Rahmen des Etats halten. — Der ReichStagsabg. Landgerichtsrat Dr. Ernst Müller-Meiningen wurde von Aschaffenburg nach München versetzt. — Wie die ,51. G. C." von zuverlässiger Seite hört, ist es richtig, daß die Untersuchung gegen den Major Fischer vom Oberkommando der Schutztruppe demnächst abgeschlossen werden soll. Sie hat in den wesentlichen Punkten nicht mehr ergeben, als bereits in die Oeffentlichkeit gelangt ist, nämlich, daß Fischer durch Ausnahme von Darlehen dem Herrn v. Tippelskirch pekuniär verpflichtet war. Fischer hat ich damit einer Verfehlung schuldig gemacht, die ohne Zweifel feine Verabschiedung zur Folge haben wird. Trotzdem dürfte die Frage berechtigt fern, ob genügend Veranlassung vorlag, ihn, einen deutschen Stabsoffizier, der sich bis dahin vorwurfsfrei geführt hatte, in Haft zu nehmen. — Der Entwurf betreffend die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine wird dem Reichstage nach seinem Zu- fammentritt am 13. November vorliegen. Es hat sich in dieser Beziehung an der im Mai d. I. im Reichstage vom Grafen Posadowsly über die Stellring der Bundesregierungen abgegebenen Erklärung nichts geändert. Bei der Wichtigkeit des Gesetzes ist anzunehmen, daß der Reichstag die erste Lesung irr den ersten Tagen vornehmen wird. — Der Münchener Parteitag der Deutschen Volkspartei hat bekanntlich einen engeren Ausschuß beauftragt, in einer gemeinsamen Versammlung von Anhängern der Linken die Gelegenheit zu einer klärenden Aussprache über das Zusammengehen zu schaffen. 'Nach der demokr. Korr. ist nunmehr beim engeren Ausschuß angeregt worden, diese Zusammenkunft unmittelbar vor Zusammentritt des Reichstages zu veranstalten. ES kommen demnach für die Versammlung, die in Frankfurt statt- sinden soll, der 10. und 11. November in Betracht. — Die deutsche Anti-Duell-Liga hielt tn Hannover unter der Leitung des Fürsten zu Lö lven stein eine Tagung ab, auf der zunächst in geschloffener Sitzung folgende, die Arbeit der Liga betreffende Beschlüsse gefaßt wurden: Die Liga unterstützt alle Bestrebungen der Studentenschaft, ivelche dahin gehen, unter Vermeidung des Duells Ehrenhändel durch Ehrengerichte zu schlichten. Es sind jedoch nur solche Ehrengerichte ins Singe gefaßt, welche weder direkt oder indirekt auf Duelle erkennen. Ferner sollen in allen Hoch- schulstädten Ortsgruppen der Liga gegründet werden. Der in Dresden gebildete oberste Ehrenrat wurde bestätigt. In einer öffentlichen Versammlung wurden dann mehrere Propagandavorträge gehalten, in denen der gesellschaftliche Diiellzwang bekämpft und die Errichtung von staatlichen Ehrengerichten gefordert wurde. Staatsanwalt Yelin- Stuttgart begründete die Notwendigkeit des Anschlusses aller Gegner des Duells an die Liga damit, daß es darauf ankomme, dem Protest offen Ausdruck zu geben, denn so lange die Gesellschaft das Duell anerkenne, könne man nicht vom Offizierkorps, in dem im letzten Jahre nur em Duell vorgekommen fei, dessen Beseitigung verlangen. Homburg v. d. H, 10. Okt. Reichskanzler Fürst. Bülow ließ den „Dresd. Nachr." zu deren bOjäM^em Geschäftsjubrläum folgendes Schreiben zukonrmen: „Die. Redaktion und den Verlag der „Dresd. Nachr." bitte ich, menten besten Dank für die freundliche Ueberfendung eines Jubiläumsblattes und meine aufrichtigen Wünsche für weitere 50 Jahre publizistischer Arbeit im Dienste unserer nationalen Aufgaben entgegenzunehmen." Kiel, 10. Okt. Die Vorarbeiten zu dem Riesenprojekt der Verbreiterung und Gradführung des Nord- ostsee-Kanals haben gestern begonnen. Der Cvaugelische Bund. Graudenz, 9. Oktober. Gestern abend sand unter großem Andrang eine Vollversammlung des Evangelischen Bundes statt. Es sprachen Professor Scholz-Breslau und Pfarrer Niemöller-Elberfeld über „Das Einheitsband der evangelischen Deutschen", und zwar ersterer über die Voraussetzung dieses Bandes __ die gemeinsamen eoang. Güter —, letzterer über die Stärkung desselben durch die evangelische Wachsamkeit. Beide Redner anden _ reichen^ Beifall. Am Vormittag fand eine Sitzung des Gesamtvorstandes statt, worin unter anderem über eine Kundgebung gegen die Aufforderung des Essener Katholikentages zum gemeinsamen Vorgehen aller Gläubigen gegen den Unglauben und gegen den Umsturz Beschluß gefaßt wurde._____________ AöLönMpoft. Berlin, 9. Okt. In einer Reihe von Gefechten gegen. Hottentottenbanden in Südwestafrika sind auf deutscher Seite 18 Mann gefallen, 11 wurden verwundet. — Ein Londoner Blatt bringt haarsträubende Mit- te-il ungen und Enthüllungen über die Art und Weise, wie die aufständischen Eingeborenen in Natal behandelt worden sind. Nachdem der Aufstand unterdrückt worden war, herrschte in vielen Provinzen eine wahre Hungersnot, und es wäre Pflicht der Behörden gewesen, dafür Sorge zu tragen, daß den Zulus Hilfe geleistet werde. Nach den Angaben der „Tribüne" unterließen es die Behörden, ihre Pflicht zu erfüllen, so daß viele Eingeborene tatsächlich verhungerten. Tie Leichen verhungerter Zulus blieben angeblich auf den Straßen und auf den Feldern liegen und wurden photographiert. Die Bilder zeigen entsetzliche Verstümmelungen, die von Hyänen und Raubvögeln den Leichen beigebracht wurden. Gegen diese Angriffe des radikalen Organs verteidigen sich die Behörden in Natal, indem sie sagen, daß die Vorwürfe unberechtigt seien. liitö Flotte. — Dem Generalleutnant v. Voigt, Gouverneur von Mainz, wurde der Note Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub, dem Generalmajor Grafen Buenau, Kommandeur der 49. Snfantericbrigabe in Darmstadt, der Rote Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub verliehen. Ärts Stadt uno Lasso. Gießen, den 10. Oktober 1906. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Rechnungs- und Kassenführer Phil. Harth zum Vor- itzenden des Vorstandes der staatlichen Betriebskranken- kasse für das Großherzogtum Hessen, den Regierungsbau-i meister ~ubn>. ollc' in Szene, der bei der Premiere am Sonntag einen stürmischen Heiterkeitserfolg davongetragen hat. — (Sin Gastspiel bringt Donnerstag, der 18. d. M., an dem Charlotte Wiehe auftreten wird. ** Submissionsresultat. Die Ausschreibung der Verstellung des As ph altb e la g s für den Bürgersteig in der Stephanstraße (700 Quadratmeter) hatte folgendes Ergebnis: W. u. I. v. d. Wette-Köln 3325 Mark, Konrad Rübsamen Gießen 3570 Mk., I. Simons-Köln 4060 Mark, Löhnhold u. Co.-Franksurt a. M. 4431 Mk., Buchheim u. Heister-Frankfurt a. M. 4585 Mk. Ter Belag wird 26 Millimeter stark verlangt, cs ist dies mehr, als der seitherige Belag war. X Dutenhofen, 9. Okt. Im benachbarten Münchholzhausen erschlug gestern abend gegen 9 Uhr der Maurer Mampotin im Streit seinen Vater. Er stellte sich heute morgen der Polizei in Rechtenbach. Södel (Wetterau), 8. Okt. Die Beerdigung des Nestors der Lehrer Hessens, Loos, sand unter äußerst zahlreicher Beteiligung hier statt. Fast die gesamte Bevölkerung, die je der Verstorbene in seiner 61 jährigen Tätigkeit fast sämtlich unterrichtet hat, gab ihm daS letzte Geleite, dazu kam eine große Schar Lehrer, die Vereine, Schulklasien und die Vertreter der Kreisschulkommission. Schulrat Süß- Friedberg hob die segensreiche Lehrertätigkeit des Verblichenen hervor, Hauptlehrer Storch schilderte ihn als ein leuchtendes Vorbild. Außer von diesen beiden Herren wurden noch Kränze niedergelegt von dem Bezirkslehrerverein Södel, der Gemeinde Södel und den Vereinen aus Södel. Hier hat Lehrer Loos in reichem Segen 61 Jahre als Lehrer, Organist und Dirigent des Gesangvereins gewirkt und sogar die Enkel seiner ersten Schüler unterrichtet. .Vater Loos" starb an einer Sport. = Radfahren. Der Radklub Germania Gießen veranstaltete am vergangenen Sonntag zum Schluß der diesjährigen Rennsaison ein B e r e i n s r e n n e n , das unter großer Beteiligung stattfand und folgende Resultate ergab: 1) Klubmeisterschaftsfahren, 1600 Meter: 1. P. Kron en berg , 2. K. Boller, 3. A. Kircher. 2) Wanderpreisfahren, 20 000 Meter: 1. P. Kronenberg 35V2 Min., 2. A. Kircher 36 Min., 3. E. Zederbauer 3602 Min., 4. K. Boller 37 Min. Von den (Senioren ging als Erster R. Rödiger in 40°’ Minuten übers Ziel. Weiter erhielten folgende Herren einen Ehrenbecher: L. Volpert, I. Friedrich, C. Löwer, H. Marx, C. Muhl und P. Gaub. Nach Schluß der Nennen vereinigte man sich zu einem aernütlichen Zusammensein im „Schützenhcius". || Fußball. Vergangenen Sonntag siegte in Wetzlar die zweite Mannschalt des G i e ß e n e r F n ß b a l l k l n b 2 von 1900 über den Wetzlarer Fußballklub 1905 mit 4:3 Toren. Bei Pause führte Wetzlar mit 3:1. Gießen bot im Sturm und in der Verteidigung gute Leistungen und konnte durch schönes Zusammenspiel den Sieg erringen. Wetzlar machte ausgiebigen Gebrauch von feiner körperlichen Ileberlegenheit, zumal der Schiedsrichter über sein 9(mt stets im Unklaren war. Paris, 8. Okt. Aus der B u f f a l o - R e n t, b a h n ereignete sich heute nachmittag ein U n g l ü ck s f a (l. Ein Motorradfahrer st ü r z t e in der Bahn: die Zuschauer beugten sich über die Rampe, um den Gestürzten zu sehen. In diesem Angcnblick kam ein zweiter Motorradfahrer herangescmst, dessen Rad gegen die Köpfe einer Anzahl von Zuschauern stieß. Eine Person wurde getötet, sieben Personen erlitten Verl etzungen.__. Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. Tie R c i ch s b a n k hat den Wechseldiskont ans 6 °/0 und den Zinsfuß für Lombard-Darlehen auf 7% erhöht. Kalisyndikat. Wir haben seinerzeit mitgeteilt, daß in der letzten Aufsicktsratssitznng des Kalisyndikats die Frage der Errichtung einer Berbauck'sslelle des Syndikats in Hamburg nicht auf die Tagesordnung gestellt worden war. Es heißt jedoch, daß in der demnächst stattfindenden Mfsichtsratssitznng in Magdeburg diese Lkngelegenheit noch einmal ein geltend in Erwägung -gezogen werden soll. Einstweilen machen sich innerhalb des Direktoriums in bezug auf die Hamburger Niederlassung noch verschiedene Auffassungen geltend. Auch ist die Stellungnahme des Fiskus noch nicht ganz flar. Die Hamburger Verwaltungsstelle sollte sich in erster Linie der Auslandsvropaganda widmen reffe, sic in umfassenderer Weise, als dies seitens des Syndikats bisher geschah, betreiben und organisieren. — Der Herausgeber der „Süddeutschen TabaU Z t g/, Isidor Katz, ist am 9. ds. Mts. in M a n n h e i m im 53. Lebensjahre einem Herzleiden erlegen. Er gründete vor 16 Jahren die „Cüdd. Tabakztg/', die sich zum führenden Organ in der kontinentalen Tabakindustrie entwickelt hat. So oft dieses große Gewerbe von neuen Steuern und sonstigen Erschwernissen bedroht war, fand es in dem Verstorbenen einen Anwalt, der mit unermüdlichem Güter und nie erlahmender Energie den Kamps für diese Industrie ausnahm. Auch die diesjährige Tabaksteuervorlage fah ihn als Ersten auf dem Plane, und es ist nicht zum wenigsten seinen Bemühungen und seiner Art, wie er die in Betracht kommenden Parlamentarier zu informieren wußte, zu verdanken, wenn es gelang, die Tabakindustrie vor einer allzu weitgehenden Einschnürung zu bewahren. Aber gerade, die Aufregungen, die hiermit für ihn verbunden waren, haben, wie es scheint, sein Leiden, an welchem er schon seit etwa acht Jahren krankte, verschlimmert. . . 86.50 . . 98.25 . . 86 55 . . 97.25 Gerlchtssaal. Berlin, 9. Okt. Das Schwurgericht sprach heute die Ar- beitersran Berger, die mit ihren: Manne in. unglücklicher Ehe lebte und aus Verzweiflung ihr einjähriges K i n d m i t L y s o l vergiftete und ihr vierjähriges Töchterchen zu löten versuchte, frei. Köln, 10. Okt. Der Kaufmann August Ludwig, welcher Töchter gut situierter Eltern verführt und dann den Betrogenen mit der Veröffentlichung des Verhältnisses drohte, wenn 182.40 140.20 239.30 abgefahren. 0 Marburg, 10. Okt. Iw Intereuentenwalde bei Heskem gelang es gestern zwei auf der Jagd befindlichen dortigen Einwohnern, ein feit Mittwoch abend verschwundenes und eifrig gesuchtes geistesgestörtes Mädchen aus Mardorf festzu- halten und den besoraten Eltern zurückzubringen. Die ausgesetzte Belohnung betrug 300 Mark. W. Frankfurt a. M., 9. Okt. Die Stadtverordnetenversammlung nahm heute einstimmig einen Antrag an, den Magistrat zu ersuchen, bei der Reichs- und Staatsregierung vorstellig zu werden zwecks sofortiger Ergreifung aller zu Gebote siebenden Mittel zur Herabminderung der aufs Unerträgliche gesteigerten Fleischnot. Der Oberbürgermeister erklärte sich mit dem Antrag einverstanden. Ein weiterer Antrag auf Einrichtung öffentlicher Verkaufsstellen für Seefische wurde dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. — Als gestern abend der Reisende Ernst Weinert aus Magdeburg mit einer Dame über den Bahnhofs platz gina, verspotteten ibn vor einem Hotel zwei junoUest)ienfi. Donnerstag den 11. unb Freitag den 12. Oktober 1906 : Schlntzfest und GcfctzcSfreude. 1. Tag: Vorabend 5.25. Morgens 8.00 Nachmittags 4.00. 2. Tag: Vorabend 6.25. Morgens 8.00. Sabbatfeier den 13. Oktober 1906: Vorabend 5.00. Morgens 8.30 Nachmittags 3.30. Sabbatausgaug 6.20. Wochenaottesdienst morqenS 7.00 AbendS 5.00. Orrainai-Drahtnreldungen. Berlin, 10. Okt. Die „Tägl. Rundschau" schreibt: Die Frage der Befreiung der Abgeordneten von der Zeugnispflicht dürfte, wie wir erfahren, den Reichstag bald nach seinem Zusammentritt beschäftigen, da der Abg. Ablaß aus Anlaß der Kolonial-Untcrsuchung eine diesbezügliche Interpellation einbringen wird. Ueber die juristische Seite der Angelegenheit besteht an maßgebender Stelle kein Zweifel, daß die bereits 1886 vom Abg. Windt- horst geforderte Anerkennung der Befreiung der Abgeordneten vom Zeugniszmang unter allen Um» ständen von der ReichSregiernng versagt werden wird. Sollte der Reichstag trotzdem die Ausdehnung der Immunität auf die Zeugnispflicht beschließen, was keineswegs ausgeschlossen ist und dadurch eine Abänderung der Verfassung herbeizuführen beabsichtigen, so ist anzunehmen, daß die ReichSregiernng einem derartigen Beschluß ihre Zustimmung versagen wird, da die Befreiung von der Zeugnispflicht dem Denunziantentum, wie es schon jetzt in höchst unerfreulicher Weise in die Erscheinung getreten ist, noch weiter Vorschub leisten würde. Auch auf feiten der Abgeordneten liegt in dieser Frage kein so wichtiges Interesse vor, daß eine Verfassungsänderung zu rechtfertigen wäre. Rom, 10. Okt. Auf dem italien. sozialistischen Kongreß erklärten die Reformisten das Programm der Jntegralisten annehmen zu wollen, welche Erklärung bei den Syndikats-Anhängern große Turn ulte hervorrief, indem sie die Reformisten und Jntegralisten beschuldigten, Schwindler zil fein. Der Kongreß nahm schließlich mit großer Mehrheit eine von den Jntegralisten beschloßene Resolution an, welche befürwortet, die Einheit der sozialistischen Partei wieder herzustellen. Ferner wurde die Gründung eines • Zentral-Komitees für die Provaganda in Rom be- schlosien und die Herausgabe eines Wochenblattes, welches anti-militaristische Tendenzen vertreten und für das allgemeine unb gleiche Sti mmrecht eintreten soll. Arbeiterbewegung. Böckum 9 Okt. Gegenübe'- Dortmunder Meldungen, die Zeckenv er waltun gen des Ruhrgebiets seien zu Zugeständnissen in d e r Lo hn fr a g e bereit, wird von unter» richteter Seite erUärt, daß dem herein für bergbaunche Interessen sowie den einzelnen Zeckendirektwnen die anr Lohnforderungen hinzielenden Beschlüne der Sieben.-.r-Kommullon erst^mor- gen übersandt werden, und datz erst m den nächsten -Lagen Stellung zu den Beschlüssen der Siebener-Kommmwn genom- 9. Okt. In der heute nach Organisationen dorgenommenen geheimen Abstimmung der Arbeiter des Hüttenwerks Rote Erde wurde mit allen gegen 142 Stimmen die o r t = f ü b r u n a d e L o b n k n m n f c -? beh blei'cn. 4% Oesterr. Goldrentd. . 4*/5?X Oesterr. Silberrente 4% Unaar. Goldrente . . 4% Italien. Bente . . . 3 So Portugiesen Serie I . 3% Portugiesen „ III 4%°tn russ.Staatsanl. 1905 4K% japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner . . . . 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Die im Vorjahre innegehabten Plätze bleiben, wenn nicht ausdrückliche Abmeldung erfolgt, in derselben Zahl reserviert. Den Mitgliedern des Akademischen Gesangvereins, sowie des Saalbauvereins werden Mk. 6.— auf die Abonnementspreise gut gebracht. Die Entrichtung des Mitgliedsbeitrages allein berechtigt zum Eintritt in die 8 Kammermusikabende (für Sperrsitz ist ein Zuschlag von Mk. 3.— zu entrichten). Die Preise für die Abonnements und die einzelnen Konzerte betragen: Regenschirme Winlerhandschuhe bedeutend unter Preis. Eao jr., Krenzplatz. Größt, flusftattungsma- ii n flasin hx Porzellan, Glas üfoßieferant Iky . ... udnaushalturgsartikeln fkdXßacfi, Qießi fKünstlidhe Blumen, präpar. Pflanzen, Blumentische und Stag6ren. 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