Nr. LV Freitag, 12. Januar 1906 > LSV. Jayvg. scheint a-nch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Zamilienbläiler" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der 'hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Giehener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brühffsche« UniversttLLsdruckerei. R. Lange, Gieße«. Redaktion, Expedition n.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 6L Telegr.-2Ldr.: Anzeiger Gießen Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblalt für den Kreis Sichen Sapienti sat! ihren Entschluß mitteilen. Abg. Patzig snatl.s: ßU einer Vernichtung der mittleren und kleinen Brauereien, Niederdrückung des Gastwirtsgewerbes und zur L Schnapspest führen muß. Notwendig ist aber die Staffelung Der Bierst^uer, vor allem mit Rücksicht auf bte kleinen Brauereien. Dies ergibt sich schon aus der Tatsache, daß sich in den Jahren 1891 bis 1903 die Produktion verdreifacht hat, während die Zahl der Betriebe von 13 516 auf 6500 zurückgegangen ist. Parlamentarische Verhandlungen. Nach" uck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 17. Sitzung vom 11. Januar. 1 Uhr. Das Haus ist s ch w a ch besetzt. Am Bundesratstisch: Frhr. von Stengel, Frhr. von Nheinbaben u. a. Die erste Lesung der Reichsfinanzreform und der Steuergesetze wird fortgesetzt. Staatssekretär Frhr. v. Stengel gerichtet wird. Nun zum Tabak! Man hat auch hier wieder einen enormen Rückgang des Konsums prophezeit. Nun haben wir zwar feine direkte Statistik über den Konsum, denn wir können doch nicht jedem Raucher die Zigarre aus dem Mund nehmen und zahlen. (Heiterkeit.) Unsere Statistik ist eine Produkrions- und Emfuhr- statistik, aus der Produktion und Einfuhr schließen wir zuruck, auf den Konsum. Dieser Rückschluß wird in normalen Zeiten ziemlich richtige Resultate liefern. Was lehrt nun die Stanstik? Die zweite Hälfte der siebziger und der achtziger Jahre müßen wir, weil es sich hier um ungewöhnliche Zeiten handelte, außer aast lasten. In der Periode von 1891—1903 ist der Verbrauch langsam aber stetig gestiegen, von 1,3 auf 1,6 Kg. pro Kopf der Bevölkerung. Einige Worte über das Kapitel 6er Arbeiterentlassungen. Auch 1879 wurden große Arbeiterentlastungen prophezeit. Ich habe schon am 6. Dezember auf die ganz unglaublichen Ueber- treibungen hingewiesen, mit denen damals gearbeitet wurde. Es wurde u. a. gesagt, tausende von Arbeitern wurden durch das Gesetz brotlos werden. Die Statistik hat diese Besorgnis in keiner Weise gerechtfertigt. Nach der Gewerbezählung von 1875 waren in der Tabakindustrie 110 891 Personen beschäftigt, 1892 waren es 113 396, das sind nicht viel mehr, aber immerhin ist doch wenigstens kein Rückgang eingetreien. Die Zählung von 1895 hat eine weitere Steigerung bis auf 153 000 Arbeiter erborgen ommen, die Breusteuer auf die bisherige Höhe zu heben und zugleich ein Sourrogatverbot einzuführen. Irrig ist die Annahme des Herrn Abg. Dr. Pachnicke, daß dem Brauereigewerbe durch den Entwurf eine unerschwingliche Last auferlegt werde, und daß auch die Gastwirte nicht in der Lage seien, die Steuer zu tragen. Die Berechnung des Schank-Nutzens mit 19,6 Mk. pro Hektoliter ist durchaus nicht zu hoch gegriffen, wie der Herr Abgeordnete meinte, sondern sie ist sogar noch etwas zu niedrig. Nach den neuesten Ermittelungen, die erst vor Wenigen Tagen abgeschlossen sind, beläuft sich der durchschnittliche Echanknutzen auf 22,62 Mk. pro Hektoliter, oer Mindestnutzen ist 11% und der Höchstnutzen 35,70 Mk. Ich erkenne nun ja vollständig an, daß das kein reiner Verdienst ist, sondern daß darauf viele Unkosten ruhen, aber Tatsache ist es doch, daß der Schanknutzen von durchschnittlich 22,62 Mk. vom Biertrinker aufgebracht werden muß. Wenn dem so ist, wie kann man da sagen, daß eine weitere Verteuerung um 1% Mk. pro Hektoliter • rvx ____! XL...» ntnX av* ^SVCHlCtClCll/ Verbreitung der M. H.! Ter Herr Staatssekretär des Reich-?-':। uns empföhleii, in die Einzelheiten der Steuervorlagcü, i:n i- Die Deckung für den großen Mehrbedarf des Reiches liefern sollen, uns nicht zu tief hineinzubegeben; ich halte mich an diese Empfehlung, die jedenfalls ihre Berechtigung hat. Die Erfahrungen, die wir in den wenigen Tagen der erneuten ersten Beratung dieser Vor- laaen gemacht haben, bestätigen es: das Einzelne läßt sich hier nicht behandeln. Diejenigen Redner, die der Versuchung nicht widerstanden, zu sehr ins Detail zu gehen, werden denselben Eindruck gewonnen haben. Die Details also gehören in die Kommission. Das Plenum ist nicht in der Sage, all den mannigfaltigen Einzelheiten so rasch zu folgen. Auch die ganze finanzielle Funda- faunt gelingen, an dieser großen Zister des Bedarfs gütlich etwas herabzuminderii. Wir müssen uns afto nnt dem GedwnkM vertraut machen, eine so hohe Summe, weit über 200 Millionen hinaus, au Deckungsmitteln neu zu iHmen, und wenn auch nickt int ersten Augenblick der ganze Bedarf erfordert ist, f» müssen sich doch die Teckungsmittel so entwickeln, daß sw in einer Folge von fünf, sechs Jahren bis zu dieser Hohe ansmwellen. Tann, meine Hurren, hat uns der Herr ^taatyfetretor es nochmals als Pflicht ans verz gelegt, dem Weiche die notige Hilfe nicht zu versagen. Eine solche Verpflichtung hat auch dc^S Parlament sich selbst gegenüber, nachdem es ut Kiner Mehrheit, wie der Herr Staatsselretär ganz richtig bemerkte, die Ausgaben beschlossen har Ja, nachdem die Mehrheit nunmehr scspwchen hat, entspricht es dem demolratischrn Prinzip, baß das Parlament in seiner Gesamtheit die Verantwortlichkeit^ für bie ßnn* iiahmebereitstellung sorgt. (Zuruf von den So^ Was uns in der Vorlage vorgeschlagen wird, ist indes gang dazu angetan, draußen im Lande Mißstimmungeu lscrworzurufen. Die VolV- Vertreter sind verpflichtet, an der Regierungsvorlage Kritik zu üben, zumal auch die Vorlage md)it ockn- § 6 des genügend berücksichtigt. Wenn man die Einnahmen aus den voa> geschlagenen neuen Steuern auf 225 Millionen veranschlagt ^ sind es 70 Prozent, die auf den Massenkonsnm entfallen, wahrend nur 30 Prozent von dem Wohlstand beigetragen werden wurden. Es soll eine einheitliche Finanzreform vorgenommen toerben, und da stelle ich als erste Forderung auf, J>afj die EmzB- s!aalen möglichst geschont werden. Was die Stempelsteuer an- betrifft, so wird die Regierung mit eingreifenden Abänderungen rechnen müssen. Auf der Grundlage, die uns die Regierung gegeben hat, werden wir sicherlich- zu feinem Remltat kommen. Bei der Fahrkartensteuer würde schon eine Steuer nach der Mometerzahl eine große Einnahme oringen, am besten ab^ wäre cs, wenn die Eisenbahn bestimmte mummen an das Reich abgeben würde. Anch^ hierbei könnte die Ailometerz.ahl die Grunb^ läge bilden. Die Eisenbahnverw-altung, die sich letzt durch das Scheitern der Betriebsmittelgemeinschast um 40 Acillionen gebracht hat, würde ganz gut in der Sage fern, eine entsprechende Abgabe an das Reich zu übernehmen. 10 Prozent auf den Kilometerübersckuß würde eine angemessene Einnahme gewahren. Ter preußische Staatsminister wird sickwrlich gegen eme solche Abgabe nichts einzuwenden haben. Bei der Steuer der Postpakete und Postanweisungen würden hauptsächlich die kleinen und nutt» leren Gewerbetreibenden betroffen werden. Ich glaube _etnen Weg gezeigt zu haben, der 5um Zuie führt, und hoffe, tmß der gute Wille auck im Bundesrat gerade bet den Vertretern der größeren Staaten vorhanden sein wird, auf diese Weise zu einem gedeihlichen Wschlnß der Arbeiten mit uns zu kommen, i Bravot tret den Nationalliberalen.) Finanzminisler v. Rheinbaben: Es ist eme AnstandS- psticht des preußischen Staates, den kleinen Staaten nach Möglichkeit enlgegenzukonimen, und er hat es an diesem Entgegenkommen auch nie kehlen lassen, das lehren die Leistungen Preutzens für bte : thüringischen Staaten. Es steht auch fest, daß die Betriebs- : Mittelgemeinschaft nicht zum einseitigen Nutzen von Preuß«i -abgeschlossen worden ist. Tas Entgegenkommen darf aber nicht so weit ausgedehnt werden, wie der Vorredner vorschlagt. Gegen , die Besteuerung der E i s e n b ah n ü b e r s ch u s s e werde nicht nur ich mit Entschiedenheit auftreten, sondern der ganze Bund es rat. Tie Schwierigkeiten, die der Finanzreform ent- aegenstehen, soll man nicht noch vennehren durch Vorschläge, wie sie'der Vorredner gemacht hat. Die Ueberschüsse der preuß. Eisenbahnen sind allerdings zum Teil für allgemeine Staatszwecke flüssig gemacht worden- aber in steigendem Maße werden diese Ueberschüsse in den nächsten Jahren für die Zwecke der Eisenbahnverwaltung selber m Anspruch genommen. In den beiden nächsten Jahren werden wir allein 300 Millionen auf den Etat übernehmen müßen, um dem W a g e n in a n g e l zu steuern. Preußen kann von lernen Eisenbahnüberschüssen nichts abgeben; denn auf diesen beruht bte Mog- lichkeit, fernen kulturellen und wirtschaftlichen Aufgaben gerecht zu werden. Die Folge würde die Notwendigkeit sein, die Einkommensteuer zu erhöhen. Der Vorredner überschätzt auch bte Vorteile der geplanten Betriebsmittelgemeinschaft. Nach dem wettestgehenben Projekt sollte die Ersparnis 10 Millionen betragen. D,e nicht- preußischen Staaten sind um so weniger in der Lage, etwas von- ihren Elsenbahnüberschüffen abzugeben. Es i|t auch wieder behauptet worden, daß die Regierung bte sogenannte Liebesgabe im Interesse der ostelbischen Grundbesitzer aufrecht erhalte. Diese Behauptung ist grundfalsch und sie wird wiederholt, anscheinend lediglich aus politischen Gründen. Die kleineren Brennereien int Westen und Süden würben am ersten von dieser Atuhebung der Liebesgabe geschädigt werden und in deren Interesse kann nur leise und vorsichtig an eine Aenderuna der Brmintweinsteuergesetzgebung herangegangen werden. Es ist notwendig, der politischen Brunnenvergntung, die am bieiem Gebiete von der Presse getrieben wird, entgegenzutreteit. Es i|t unrecht, zu behaupten, daß die Biersteuer den Mapenkonsum trifft. Die Verhältnisse in Norddeutschland darf man nicht einlach mit den süddeutschen vergleichen. Bei uns wird der Preis des Bieres verteuert durch eine fast unsinnig kostspielige Ausstattung der Lokale, durch unsinnig hohe Mieten und dergleichen. Man sollte sich auch fragen, ob denn wirklich nicht zu viel Schankbetriebe bei uns existieren. Es entfällt auf 54 erwachsene Manner bet uns eine Wirtschaft. Tas deutsche Reich geht noch lange nicht zu Grunde, wenn in Zukunft 55 oder 58 Männer auf eine Wirtschaft entfallen. In Bayern hat die Erhöhung des Malzaußchlags durchaus nicht zu einer Erhöhung des Bierpreises geführt und das braucht auch bei uns nicht der Fall zu sein. Das Publikum bet uns sollte sich nur wie das süddeutsche daran gewöhnen, mit einzelnen Pfennigen zu rechnen. Daß die Biersteuer die breiten Massen nicht belastet, geht aus einem Artikel der sozialdemokratischen „Münchener Posft' hervor. Tort wtrtzs der Etat eiiies Arbeiters nut 1500 Mark ausgestellt und darin figuriert eme Ausgabe von täglich 3 Quart Bier für den Mann uni ein Duart Bier für bte die Frau, zusammen 9Jiarf 73. Daneben^ gibt der Mann für sozialdemokratische Partei und Ko -n-.ecke 86Mark au§. (Vcrt! hört.)* Was sollte die Bevölkerung wohl von einer Gesetzgebung denken, die heute das wieder fortwirst, was sie gestern erst mühsam geschaffen hat. Ich persönlich bin nicht der Meinung, daß für alle Zeiten eine Reform der Branntweinsteuergesetzgebung ausgeschlossen rst. Was aber die Gegner wollen, das ist alles andere eher als eine Reform. Es ist eine schädliche Maßnahme, der sogar ver- faffungsmäßige Bedenken entgegenstehen, die geeignet ist, tausende von kleinen Existenzen zu schädigen und eine erhebliche preissteigernde Wirkung auszuüben, insbesondere auch eine Verteuerung des Trinkbranntweins herbeiführen. Nun zur Brausteuer. Früher belief sich der Ertrag auf eine Mark pro Hektoliter, aber dieser Ertrag ist allmählich auf 72 Pf. gesunken. Was das bedeutet, mögen Sie daraus erkennen, daß jeder Pfennig für das Reich einen Verlust von annähernd V2 Million ausmacht. Schon bei meinem Amtsantritt habe ich mir sofort ssehr schwer verständlichst Nachdem nun zwei Tage lang nur Vertreter m,s dem Reichstag zu Worte gekommen sind, mache ich auf diese vielfachen Anregungen meinerfett» auef) nocu einige merkunaen machen. Mehrere der Herren Vorredner haben sich ja bemühten der Generaldebatte schon möglichst alles zu detaillieren. (Weiterleit \ ^ch bin aber der Meinung, wenn man sich über Die Uhe des gebeten Bedarfs im Reinen befindet, so ist alles übrige nach Lage der Sache nur noch in der Kommission zu erörtern möglich. Ueberdies ist ja der Vorlage eine ausführliche Begründung beigegeben worden, auch ist in der ersten Lesung vom Regierungsttsa) noch eine ausführliche Erörterung gemacht worden, sodaß es nicht nötig ist, erneut daraus einzugehen. Ich werde mich daher Mund- sätzlich darauf beschränken/nur das noch richtig zu stellen, was naaj dem Gang der Verhandlungen noch der Richtigstellung bedarf. Auch dabei werde ich mich möglichster Kürze befleißigen. Trotzdem wird es fick nicht vermeiden lassen, daß meine Ausführungen etwas laug werden enffprechend dem umfangreichen Stoffe. (Heiterkeit.) Der Abg. Büsing hat gesagt, ich hätte in der ersten Lesung de? Etats ausgesprochen: Lösen Sie aus dem Bau nur einen Stein heraus, so bricht das ganze Gebäude zusammen. So wenig vorsichtig habe ich mich in meiner Rede nicht ausgedruckt. Ich habe mich nur bedingt ausgesprochen, ich habe gesagt, wenn Sie einen Stein aus dem Gebäude herauslösen, bann riskieren Sie, baß das ganze Haus zusammenfällt. (Stürmische Heiterkeit links.) Sie Sonnen eventuell einen Stein herauslösen, wenn Sie nur Sorge tragen, daß dafür ein anderer geeigneter Stein gefunden wird, der das Gebäude statt dessen stützt. Enffchieden muß ich der Ansicht widersprechen, daß die Regierung Steuern auf Vorrat verlangt. Wir werden Ihnen in der Kommission an der Hand unseres Mate- rials ausführlich barlegen, daß das nicht der Fall ist. Gegenüber den Bedenken betreffend die Festlegung einer Höchstgrenze der Matrikularbeiträge möchte ich bemerken, daß doch die borgeschlagene Erbschaftssteuer in gewisser Richtung den Charakter von Matrimlar- beiträgen hat, denn bis zum Höchsibetrage von Zweidrittel soll sie ja dem Reiche zustießen. Wollte der Reichstag, daß diese Zwei- drittel nicht als höchste Grenze, sondern als dauernd festgelegte Quote in das Gesetz hineingebracht werden, so wird dagegen kaum von den Regierungen Widerspruch erhoben werden. Sehr merkwürdig erscheint es mir, daß gerade die Redner der Linken sich fortwährend auf den § 6 des Flottengesetzes berufen. Denn gerade die Sozialdemokraten und die freisinnige Volkspartei haben doch feinerzeit gegen das Flottengesetz gestimmt. Die Btindcsstaaten waren fortgesetzt bestrebt, ihre Schuldenlast zu verringern; das Reich hat dagegen immer mehr Schulden gemacht. Woher kommt das? Das liegt daran, daß es in unserer Volkswirtschaft eine Reihe von Elementen gibt, die feit Dezennien schon darin ihre Aufgabe sehen, jeden Versuch einer Gesundung der Reichsfinanzen im Keime zu ersticken. lLachen links.) Nun wird von der Linken immer auf die Branmweinsteuer hingewiesen unb_ die Abschaffung der sogenannten Liebesgabe verlangt. Demgegenüber erinnere ich daran, daß das Vranntiveinsteuergesetz doch erst vor einigen Jahren nach langwierigen mühsamen Verhandlungen im Wege eines Kompromisses zu stände gekommen ist. Ter Zweck des Gesetzes war doch zweifellos der: dem Brennereigewerbe auf eine Reihe von Jahren, nämlich bis 1912, eine ruhige Entwicklung zu gönnen. , Während dieser Periode der ruhigest Entwicklung läßt sich ja dann eine gründlichere Reform vorbereiten. Ein vorzeitiges Verlasien des Kom- promißstandpunrtes würde aber nur geeignet fein, das Vertrauen in die Stetigkeit der Reichsgesetzgebung zu erschüttern. geben. Es ist mehrfach gesprochen von einer weiteren Verlegung der Tabakindustrie von Norddeutschland nach Süd- undMitteldeuffchland Ich gebe zu, daß nach der Zahl der in der Tabakindustrie beschäftigten Pörsonen die Entwicklung der Zigarrenproduktion in Südbeuischland schneller vor sich geht als in Norddeutschland, aber diese Entwicke- lung hat sich mcht vollzogen auf Kosten der mittel- und norddeutschen Industrie. Auch in Nord- und Mitteldeutschland zeigen die Zahlen der in der Zigarrenindustrie beschäftigten Arbeiter eine beträchtliche Zunahme. ^Wenn in Süddeutschland die Zunahme relativ eine höhere war, so ist das für Nord- und Mitteldeutschland kein Grund zur Klage. Der Rückgang des Konsums von Rauchtabak, der mit in die Debatte gezogen ist, hängt ohne Zweifel mit der Zunahme des Zigarren- und Zigarettenkonsums zusammen. Sehr viele Leute sind von der Pfeife zur Zigarre und Zigarette uber- gegangen. Es ist auch gesagt, den kleinen Zigarettenfabrikanten würde durch die Zigarettenpapiersteuer die Existenzmöglichkeit genommen. Uns ist nur eine einzige Zigarettenpavierfabrik bekannt und von der ist uns eine Klage nicht zu Ohren gekommen. Was die Stempelsteuer betrifft, so ist die Fahrkartensteuer so gering bemessen, daß die gefürchtete Schädigung des Mittelstandes dadurch gar nicht eintreten kann. Im übrigen ist die Regierung gerne bereit, inbezug auf diese Steuer den Wünschen des Reichstages 10 weit wie möglich entgegenzutommen. Heber die Erbschaftssteuer ist hier sehr vieles ausgeführt worden. Namentlich hat man pcy mehrfach für deren Ausdehnung auf die Deszendenten ausge- sprocken Dieses würde aber den allgemeinen Grundsätzen widersprechen, die für diese Steuergesetzgebung maßgebend gewesen sind, a"ch würden dann Defraudationen leicht Vorkommen können. Auf die zahlreichen Vorschläge aus dem Hause kann ich jetzt nicht c ngehen. Die Regierung wird das Ergebnis der Kommn ■ ■ ' abwarten und dann zwischen der zweiten und .....1 . Heber das Detail der Art der Staffelung können wir uns in der Kommission unterhalten, aber eine kräftige Staffelung liegt durchaus im Interesse der kleinen und mittleren Brauereien, und nickst bloß in ihrem Interesse, sondern auch im Jntereste unserer heimischen Landwirtschaft. Auf diesem Wege allein wird es verhindert' werden, daß mehr und mehr die kleinen Betriebe vmi den I M-otzen Betrieben aufgesogen werden. Wenn gestern nach den ; Erfahrungen im Süden gefragt ist, so kann ich nur erwidern, daß mir von der württembergischen Regierung erst in jüngster Zest mitgeteilt worden ist, daß die dortige höhere Staffelung den Erwartungen wenigstens teilweise entsprochen hat- Für die mittleren und kleineren Brauereien ist sie auch m Württemberg unbedingt von Nutzen gewesen. Die Vorschläge der Regierung werden mehr als alles andere geeignet fein, der Schnapspest entge^en- zutreten. Was nun die Prophezeiungen der Jntereffenten betrifft, daß viele tausende von Arbeitern durch die Steuer brotlos gemacht würden, so muß ich sagen, daß ich solchen Prophezeiungen ziemlich skeptisch gegenüberstehe. Ich erinnere nur an bte Vorgänge bei der Verabschiedung des Schaumweinsteuergesetzes Da wurde von Jntereffenten eine Reihe von Flugschriften verbrenet, in denen der Entwurf bezeichnet wurde als eine verhängnisvolle Maßnahme, als ein Gesetz gegen die deuffche Schaumweinfabrikation, als die antisozialste Steuer, die man sich überhaupt denken kann. (Heiterkeit.) Es wunde ber,Untergang der ganzen deutschen Schaumwein Industrie vorhergesagt. Nichts davon ist em- getroffen. Der Ertrag der Schaumiveinsteuer erreicht mit 5 Dtill. Mark den Voranschlag des damaligen Regierungsentwurfes, obwohl der Reichstag den Steuersatz gegenüber dem Dorfostage der Regierung ermäßigt hat. Ob er es heute wieder tun irrnd, weiß ich nicht. So bewahrheiten sich die Prophezeiungen der Interessenten. Bevor ich nun das Bier verlasse (Heiterkest), yestatten Sie mir, noch darauf hinzuweisen, daß auf Grund einer in einer österreichischen Fachzeitung veröffentlichten Statisttk im Durchschnitt der Erde die Steuer auf em Hektoliter Bier 8,60 Mk. beträgt, in Norddeutschland nur 72 Pfg., in England .dagegen 6,82 Mk., also 8mal soviel wie bei uns. Ich verstehe es nicht, tme man angesichts dieser Zahlen behaupten kann, daß durch die Vorlage der verbündeten Regierungen das Brauereigewerbe zu Grunse mentierung dieser großen Vorlagen wird in der Kommission nach- . zuvrüfen fein. Ich will nicht verfehlen, daß ich fürchte, die große Rechnung, die das Reichsschatzamt aufgemacht hat hinsichtlich des j Teckimgsbedarfs, wird wahrscheinlich die richtigere fein; es wirb ; jie h» Abg. v. Gerlach (fress. ögg.): Abg. Ganip (Np.): er von dem Luxus der Bierpaläste sprach. In der Provinz, namentlich und Gump an. Zunächst mutz ober erst 'm Osten, wird er meist recht ärmlich eingerichtete Lokale finden, und I Erbrechts gcnau abgearen-fi sein Meine der Gewinn der Gastwirte ist dort sehr gering. Ich halte cs füv einen gewissen Grad der Verwandtschaft Schlutz 6iz Uhr. 1905 Kreise Gieren. Ästertshanseu Allen-Bujeck it 7U1 428 446 Gesamtzahl 194 301 841 1900 8ö0 390 480 308 180 286 768 552 531 729 1016 515 148 512 1166 198 557 990 315 312 555 330 694 264 736 332 657 479 306 hat 3" erden 2621 357 2012 1905 879 386 509 299 500 308 Wart 86 ? Tas ist r Vnrvrc wzMig. Abg. @ lmgnrr ml bedacht wni srSt m bei berg Stangenrod Stau'enberg mit Friedethausen Steinbach Sleinhelm Slockhatisen Trais-Horloff Treis a. d. Lda. Trohe Utphe BiUingen Watzenborn mit Steinberg Weickartshain Weuersham Wiesect Wnnierad 1728 378 528 2632 34 2401 344 15 8 639 316 350 578 368 342 308 311 529 Akte auf der Bühne und tcrhielft Beit zur Aussöhnung mit der zürnenden Elcrudine. Tie Rolle der schönen Elaudine van Zuylen liegt bei uns in den Händen von Frau Bayr-- h^ammer, der Maler Beit wird von Herrn Loehr aus; Tarmstadr gespielt, die sonstigen größeren Rollen des Stückes sindta lle mit ersten Kräften besetzt. So steht zu erroarten,. das; das Lustspiel bei guter Darstellung am nächsten Montags hier ebenso gilt gefallen und unterhalten wird, wie an allen Bühnen, die es bisher ausführten. 0 A u s dem O h m t a l, 10. Jan. Das gesamte Ohmtab zwischen Bürgeln, Kirchhain und Schweinsberg ist infolge der Regengüsse wieder in einen großen See verwandelt. Viele Wege sind völlig unpassierbar. Abhilfe von diesen immer wieder- kehrenden Ueberschwemmungen kann nur die schon lange pro* jeUierte Ohmregulierung bringen. Meine Freunde sind keineswegs mit ollen Einzelheiten der neuen Vorlagen einverstanden. Wir haben auch noch aetoifie Bedenken gegen die Form der Brausteuer. Der preußische Finanz- nnnister hat doch heute wohl zu sehr aus Berlin cxcmplisiz'crt, als Abg. Barbeck (frs. Vp.) spricht sich besonders gegen die Erhöhung der Tabaksteuer ans. namentlich im Intcresie der baheri'chen Tabakindustric. Abgesehen von der Steuer auf Lurusantomobilc. die auch er billiac, seien aber die übrigen neuen Steuern gerinnet, das deutsche Erwerbsleben schwer zu schädigen. In Preußen bestehe die schöne Sitte, daß scder Prinz ein Handwerk lerne; er sollte es aber auch eine Zeitlang als Gewerbe ausüben. Dann würde man auch an den höchsten Stell n allmählich einschen, wie schwer es den gewei b- üchen Ständen werde, ihr Brot zu verdienen. Seine Freunde seien daher gegen jede Steuer, die das Gewerbe noch mehr belaste. nöiig, daß bei der Staffelung die kleinen Brauereien noch mehr berücksichtigt werden. Daß an sich eine Braustener an das Reich berechtigt sei, wurde auch in der neulichen Brauerversammlung in Berlin anerkant, nur meinte mau dort, daß man die kommunalen Brausteuern daun nicht auch noch tragen könne. Der Resolution, die in jener Ver- lammlnng gefaßt wurde, lege ich gar keine Bedeutung bcit ES baben dort nur die Vertreter der großen Brauereien geredet, den kleinen habe man einfach durch Schluß der Debatte das Won abgeschnitten. Diese venießen darauf das Lokal und nur so geschah eS, daß jene New ution gegen die Vransteuer einstimmig angenommen wurde. Das ist doch geradezu eine Fälichung der öffentlichen Meinung. Eine Reichseroschaftssteuer halte ich für berechtigt, freilich nur insoweit cs sich nicht um Defendenten und Ehegatten handelt. Bei entfernteren Verwandten kann man den Eibanfall sehr gut mit einem Lotteriegewinn vergleichen. Ich würde gar kein Bedenken haben, bei Geschwistern Ergebnis der Volkszählung für ihr Land schon lange bekannt qc* geben, warum ist dies in Lessen nicht möglich. 9inv immer lang- mm voran, scheint der Wahtspruch der statistischen Zentralstelle zu sein. Tatftmcr die ’Mmmg b> bümbtm Di yeM diese unb Wtf An Leben ■ dn Tübakni Gerung gss sind avftro dieser Löhm jrat Jni e AeMM, Aus Sia&t und Land. Gießen, den 12. Januar. ** Dem Gießener Konzertverein ist es gelungen, für die beiden demnächst bevorstehenden Solistcnabende, 21. Januar und 4. Februar zwei gleich hervorragende Künstler ihres Faches zu gewinnen: den Pianisten Wilh. Backhaus und den Violinisten Alexander Petschni- ko ff. Wir haben also erlesene Genüsse zu ermatten und bekennen gern, daß der Konzertoerein es verstanden hat, bem Wedekind-Buff-Abend Ebenbürtiges zur Seite zu stellen. Möchte das allseitige Anerkennung finden und dtirch einen ebenso guten Besuch belohnt werden. Beide Künstler sind vor Jahren bereits hier in Gießen gewesen; sie haben damals reichen Beifall geerntet und wir zweifeln nicht, daß alle wiederkommen werden, die damals den Künstlern gelauscht haben. Von ganz besonderem Jntereffe aber wird es sein, Wilhelm Backhaus zu hören, der damals als 17jähriger Knabe bereits bewiesen hat, daß er den Auserwählten angc- der Einwohner des Kreises: 1905: 88 627, 1900: 81916. Zweifellos kann das Reich Steuern jeder Art erheben, also auch direkte. Gegen die neuliche Aeußerung des Freiherrn von Rheiubaben, daß die Arbeiter so hohe Beiträge zu ihren Gewerkschaften zaylcn und deshalb auch mehr kaum aufbringen können, haben christliche Gewerkschaften mit Recht protestiert. Durch die Rede dco Finanzministers ging der Geist des preußischen Landtages. (Sehr wahr I links) Dio reichen Leute .,ahlcn nur ungern Steuern. Jnbezug auf die Erbschaftssteuer Ichltcßc ich mich den gestrigen Ausführungen der Kollegen Pachnicke "t einmal der Begriff des . t. Meiner Meinung nach sollte über einen gewissen Grad der Verwandtschaft hinaus ein Erbrecht übet* . anpt mcht anerkannt werden. Den von dem Grafen Kaiutz vor- gcichlagenen Ausfuhrzoll auf Kohlen halte ich für sehr bedenklich, andere Länder würden dann Ausfuhrzölle aufandere Produkte einfübren, unb wir würden aufs schwerste geschädigt werden. Allgemeine Sympathie verdient dagegen die Weinsteuer. Für eine Automobil- Iteucr wäre ich nur dann zu haben, wenn sie zu einer allgemeinen Luxus- und Verkehrssteuer au gebaut würde. Die Zigarettenpapiersteuer i|t unsozial und deshalb unannehmbar. Das Haus vertagt die weiteren Beratungen auf Freitag hört. Bedürfte es dafür eines neueren Zeugnisses, so Backhaus dies bcigebracht, indem er im Sommer 1905 Paris unter 25 Mitbewerbern den großen Rubinsteinpreis rang: Von 15 Preisrichtern haben ohne Zögern 14 ihm Preis zuerkannt. Backhaus ist 1884 geboren, also z. Gemeinden Londorf Lrrmda Mainzlar Münster Muschenheim mit Hof-Güll Nreder-Bessingen Ronnenrokh Obbornhofen Ober-Bessingen Ober-Horgern Odenhausen mit Appenborn Oppenrod Queckborn Rabertshausen mit Ringelshausen Rembardshain Reiskirchen Rodheun mit Hof Graß Rödgen Röthges Rüddmgshausen Ruttershausen mit Kirchberg Saasen rn. Bollnbach, Densberg u. Wirr- 476 25491 244 1704 1737 1992 723 343 397 453 2144 1107 1364 375 437 1526 580 1561 901 418 1252 1900 341 703 110 268 1216 549 642 298 395 368 996 503 683 249 753 414 734 984 504 135 479 1138 172 512 893 1909 397 524 2877 63 691 313 354 618 349 352 1125 266 1188 575 635 310 389 354 1061 486 721 252 807 402 Kelims der Volkszählung am 1. Dezember 552 568 814 467 28910 247 1697 1916 2165 733 39 S 426 518 2391 1168 1523 389 441 1641 573 1629 915 412 1364 . im Gemeinden 1905 Albach 361 hUenborf a. b. Lahn 719 ^Utendorf a. d.Ltza. Annerod Bellersheim Lettershain Lersrob Lettenhausen Beuern Birklar Vurkharbsselden Climbach Laubringen Dori-Gill Eberstabt mit Arnsburg Ettingshausen Garbeiuelch Geilshausen Ließen ! Göbettirob Grouen-Buseck Großen-L-nben Grünberg Grüningen Harbach Hattenrob Hausen .Heuchelheim Holzheim Hungen ;Jnheiben Kesselbach Klem-Linben Langd Lang-Göns Langsdorf Lauter Leihgestern Lich mit Hos Albach, Eoluhauseu und Mühljachjen Lindenstruth Lollar K "S »ifiri» i rrv w •rf«« Sri M l i.t zur Ann tett 0« - ÄH* « W »i* " ^baim Iwo oll- — Ich kann dir nur raten, was mir selbst neulich geraten wurde: Stimm Fay's ächte Sodener Mineral- | Pastillen! Ich bin sonst nicht bnh'ir, jedem em Mittelchen 8 anzupreisen, aber die Sodener haben mir selbst so gut getan, * daiZ cS Meuichenpflicht ist, sie weiter zu empsehlen. Ver- f Ülch S icbenmUS bannt unb bu wirst sehen, sie tun dir gut. | <\‘lv 85 dlg. die Schachtel m allen Apotheken, Drogen- und 1 Mmeralrvasserhandlimgen erhältlich. ? Schotten, 11. Ion. Nach der letzten Volkszählung betragt die Einwohnerzahl des Kreises Schotten 27 388, 670 Personen mehr als im Jahre 1900. An ber Zunahme sind besonder^ beteiligt: Schotten, Ulrichstein, (Gebern, Ober-Seemen, Ober- ©eibertenrob, Eichselsachsen unb Eichelsbon. Die erste Provinz unseres Großherzogtums aus der das Ergebnis der Volkszählung vorliegt, ist Starkenburg. Dessen Bevölkerung beträgt niinmehi. 543 989 Einwohner gegen 488 598 vor 5 Jahren. Die Zunahme beträgt sonach 55 391 Seelen oder 11,1 Prozent. In den einzelnen Kreisen stellt sich die Bevölkerungszahl wie folgt: Darmstadt 128 949 (112 941), Bensheim 61 233 (55 916), Dieburg 59 877 (55 378), Erbach 47 708 (46 583), Groß-Gerau 56 195 (50 798), Heppenheim 8640 (8318), Offenbach 141 072 (120 813). J * Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Nun sind bereits anderthalb Monate seit der letzten Volkszählung m die Lande gegangen, aber immer noch hört man -nichts, wie das vorläufige Ergebnis für das Groß- Herzogtum Hessen ausgeialleii ist. Als die Zähluiig m Aussicht ttand, bemühten sich die maßgebenden stellen, der Bevötterung die Wichligkctt der Erhebung ans Herz zu legen, damit sich ms= beionbere auch unbezahlte Zahler melbeicu. Was sollen diese mm denken, wenn man mit der^ Veröffentlichung der Ergebnisse io saumselig i|t. Diele andere -Staaten, große und kleine, haben das mMeuer ar k. K-K & &S?- "ach 1 die feiner Vaterstadt Leipzig. 1899 ging er ausgerüstet auf das Beste mit den Grundlagen der Diusik zu Eugen d'Albert nach Frankfurt a. M., deffen Lieblingsschüler er wurde. Was Begabiing gepaart mit unermüdlichem Fleiße vermag, mag man daraus ersehen, daß Backhaus nicht weniger als 21 große Konzerte mit Orchester auf seinem Repertoire hat neben vielen Hlindcrten von anderen Werken, daß er Bach'sche Fugen nach jeder beliebigen Tonart transponiert. Ein so hervorragender Künstler wie Hans Richter sagt von ihck: Jch^ habe das G dur Konzert von Beethoven von allen großen Pianitten gehört, aber keiner hat es mehr im Geiste Beethovens gespielt, als Wilhelm Backhausl Neidlos gestehen die^ größten Pianisten unserer Zeit, ein d'Albert, Biisoni, Rosenthal, Godowski u. a, daß Backhaus ihnen schon jetzt ebenbürtig ist. Richard Strauß hat ihn öffentlich auf das Wärmste empfohlen, Dr. Wuellner prophezeit, daß Backhaus der allergrößte werden wird und bei der Rubinsteinkonkurrenz in Paris hat ihn Leopold Auer, der berühmte Petersburger Geiger, als Rubinstein redivivus bezeichnet. Somit dürfte sein hiesiges Konzert dem Interesse der weitesten Kreise begegnen. ** „T er Schwur dcr Treue", das neue Lustspiel pon Blumenthal ist — so wird uns geschrieben wie seine graziöse Plauderei „Wenn wir altern", die im letzten Winter auch aus unserer Bühne häufig und mit großem Erfolge gegeben wurde, in Versen geschrieben. Tie Entstehung des Lustspiels ist, wie der Verfasser in einem vorangeschickten Gedicht an seine Frau Marie erzählt (das -buch ist bei Eduard Besch in Berlin C 2 erschienen) auf einen Besuch der Tresdener Gallerie zurückzusühren: Es Ivar die Betrachtung des bekannten Rembrandtschen Bildes, das den Künstler selbst n it seiner Frau Saskia auf den Stnicen, in der Hand das geschwungene Kelchglas, darstellt, und die Deutung des Bitte es durch Frau Marie, die den Anlaß zu dem Reimspiel gaben, das, wenn auch nicht den Meister selbst, so doch einen Schüler Rembrandts, von Blumenthal Beit Dan Emde genannt, zum Helden hat. Eine Skizze des Rembrandtschen Bildes erscheint aber im letzten rrÄMW 9tr?timrcg ist sM erm vle MA tot String itiimnt oni ihre Vorig, rwch verscf Ä PL Kra-kt nn einem bitb bfj K.rund! Hl die Reichsf die Vorlage 2er? Mei werden unb schließlich wird ber Preis ganz unerschwinglich sein. Was bie Erbschaftssteuer betrifft, so liegt mein Bebenken gegen diese einzig und allein darin, daß sie eine direkte Steuer ist, und daß die direkten Steuern ausschließlich den Einzelstaaten überlassen bleiben sollten. Das wäre ber einzig natürliche unb gc- sunbe Zustanb. Den haben wir auch z. B. in ben bereinigten Staaten von Amerika. Die Erbschaftssteitererhebung wird freilich zu vielen Scherereien Anlaß geben. Wie soll eS denn mit den foulen Erbschaften werden, ferner mit Grundstücken von zweifelhaftem Werte? Sollen die ehrlickien Leute allein bie Kosten bc? zahlen? Tas Mindeste wäre schon die Errichtung eines Reichs- Erbschasts-Steuer-Amtes. ES ist gesagt worden, wir sollten selber Vorschläge machen. Da würde ich einen Kohlonausfichrzoll von 1 Mark pro Tonne Vorschlägen, der Dem Reiche 18 Mill. Mark bringen würbe, ohne irgendwie drückend emvsunden zu werden. Auch eine Weinsteuer wäre ganz zweckmäßig. Wein ist nun einmal ein Luxusgetränk unb dürfte es auch fürs erste bleiben. die ReichSerbschastSsteucr 5 Prozent zu normieren unb bei Verwandien im zelmten ober gar zwanzigsten Grabe wie sie jetzt oft, nur mühsam durch Preßaufriste zum ‘“ntriite einer verlassenen Erdsä-ast beranqcbolt werben, überhaupt bas Erbrecht ZU beseitigen unb bie Erbschaft auf ben Si'eichsfiskus zu übertragen. Eine Heranziehung ber Ehegatten %ur Erbschaftssteuer ist bei ber Vielgestaltigkeit unserer GüterrechtSsyste>ne gar nicht möglich (Wider- spruch beS Abg. von Gerlach.) Ich weiß nicht, ob Sie verheiratet sind, Herr von Gerlach, ich kenne Ihre Verhältnisse nicht (Heiter- kesiV aber wie wollen S e nach 30 ober 40 Jahren beim Erbfall feststellen, waS ber Fran unb bem Mann aehört, WaS zur gemeinsam n ober cinzeliieil Errungenschaft gebürte u. s. w. Also eine Heranziehung ber Ehegatten zur Erbschaftssteuer ist schon infolge dieser Schwierigkeiten imniöglich. Ebenso ist aber auch die Heranziehung der Deszendenten unmöglich, beim sie würde sortwährenb durch unkontrollierbare Schenkungen unter Lebenden umgangen werden. Eine Erhöhung der Brauntweinsteiier, wie sie bie Linke wünicht, ist ganz unaus'ührbar, wenn nicht hunberte unb tauienbe laiidwirtichaskliche Betriebe bem Ruin picisgegeben werden sollen. Eine Aufhebung ber sog. Liebesgabe ist nur benfbar, wenn ein einheitlicher Steuersatz von 60 Mk. pro Hektoliter für Branntwein eingeführt wirb. Auch bie Jnbnstrie. bie s. Z. gegen bas Monopol inar, wirb heute dafür zu haben sein. Den Bedenken q'-gen bie Quittungssteuer schsieße ich mich an. Nachdem ber Schatzsekretär bem Grasen Kanitz für bie Gaben, bie er ihm bargebracht, so warm gebankt hat. glaube auch ick mir seinen Dank ?u verdienen, wenn ich Zwu Schluß die Juserateiistcuer empfehle. (Heiterkeit.) (Staatssekretär Frh. v. Stengel schüttelt bem Abg. Gamp gleichfalls bie Haub.) Hlngesandt. Ter Fußsteig! auf der rechten Seite der Ebelstr aße, speziell: zwischen Wilhelm- unb Licbigslraße wird dm Herren Stadwäterrr einer eingehenden Besichtigung empfohlen. Ter hier in F-rage tommendc Teil des Fußsteigs wird durch Lastfuhrwerke, welchej nach einem in der Nähe gelegenen Bauplatz fahren, derart Zu- gerichtet, daß man beim Passieren unbedingt ein Fußschlammbad zu nehmen hatt Diese Stelle aber zu vermeiden und das Stück' Weg auf der Straße zurückzulegen, hieße aus dem Regen unter die Traufe gehen. Für was find denn aber Fußsteige da? Könnte der hier in Fa'age kommende Bauunternehmer nicht angeh * Bewohner der Ebelstraße. Kriegerverein gegen Militärbehörde. Wie manchmal Unzufriedenheit unter reichs- treuen Wählern geschaffen wird, ergibt folgendes: Der Kriegerverein Annerod hatte von der Gemeinde, vor ca. 7 Jahren Gelände zur Verfügung gestellt erhalten und' baute sich, da das Gelände günstig war, ohne große Stoften einen Schießstand. Gewehre, Munition, Scheiben usw. wurden ange» schafft und int Sommer Preisschießeu abgehalten, das immer einen Ueberschuß ei'gab. Im Jahre 1904 legte die Garnison- Verwaltung zu Gießen auf einigen vor langen Jahren in der Nähe des Standes liegenden Aeckern eine Wasserleitung an und brach, ohne den fti-iegerüerein in Kenntnis zu setzen, den Ltand weg. Der Verein schrieb nun deswegen an die Garnison- Verwaltung, worauf diese fragte, wieviel er Entschädigung verlange. Der Verein gab 700 Mark an. Diese Summe ist der Garnisonverwaltung aber zu l)och und sie wollte nur 300 Mk. »der noch Nicht einmal so viel geben. Dieses schlug der Kriegev- verem ab, worauf die Garnisonverlvaltung sckstieb, der Verein^ möge einen neuen Platz angeben. Jedenfalls beabsichtigte dw Verwaltung einen neuen Stand anzulegen. Der Kriegerverein- wandte stch deshalb wegen anderen Geländes an die Gemeinde die aber dem Verein dies abschlug, da ber alte Platz des' Lchießstaudes noch Eigentum des Kriegervereins wäre. Die Ver- haiidlungeii mit der Garnison-Verwaltung schweben schon über ein; Aahr. Nun hat der Kriegei-verein keinen Stand, fernen Platz' ur einen Stand mid keine Entsckstidigung und die Garnison-Ver- waltung rcw. der Staat baut lieber einen Schießstand, der viel- leiast 1000—.,000 Mark kostet, als daß dem Verein eine ent- prechende Msindungssumme wird. „ Zt. noch nicht 22 Jahre alt. Schon außerordentlich frühzeitig zeigte sich reine Begabung für das Instrument seiner Wahl und seit seinem 10. Lebensjahr besuchte er das Conservatorium