Are heutige Nr. 160 Erscheint täglich außer Sonntag-, Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- bruderet. R. Lange. Redaktion, Spedition und Druckerei: Gchulstratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Exped.e-^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt 156. Jahrgang Mittwoch 11. Juli 1906 Eichener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt fist den Kreis Gießen Mmmer umfaßt 12 Seiten. Bezugspreis: monatlich7b Pf., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch ^lbhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnurniner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf. auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und £onb* und „Gerichtssaal*-. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Arntticher Heil. KeKmmtumchMg. Der Provinzial ausschuß hält während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien. Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind die Ferien ohne Einfluß. Gießen, den 7. Juli 1906. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen. _______________ Dr. Breidert.________________ Bekanntmachung. Betr.; Rauschbrand zu Utphe. Der bei einem Schaf des Karl Jöckel zu Utphe aus« gebrochene Rauschbrand ist erloschen und die Sperre aufgehoben. Betr.: Schweinerotlauf zu Holzheim. Der unter dem Schweinebestand des Konrad Jung XIV. zu Holzheim ausgebrochene Schweinerotlauf ist erloschen und die Sperre aufgehoben. Gießen, den 9. Juli 1906. GroßherzogUches Kreisamt Gießen. I. B.: Dr. Wörner. Ale Strafanstalten. Der preußische Minister deS Innern hat in einem Runderlaß an die Strafanstalten darauf hingewicsen, daß in manchen Anstalten unverhältnismäßig viele Disziplinarstrafen über die Gefangenen verhängt werden. Es ist, meint der Minister, wohl nicht ohne Disziplinarstrafen auszukommen, aber bei geringfügigen Vergehen wider die Hausordnung soll man durch Belehrung zu bessern suchen und nicht gleich mit dem Strafparagraphen hinter den Gefangenen her sein. Das ist sehr richtig. Ms Leuß sein bekanntes Zuchthaus- buch veröffentlichte, hat die Presse sich mit dieser ernsten und bedeutsamen Veröffentlichung beschäftigt, und es ist die Forderung laut geworden, das muß anders werden! Seither sind Jahre ins Land gegangen und man hat nichts mehr von den Reformforderungen gehört. Um so dankenswerter ist der Erlaß des preußischen Ministers. Ganz gewiß sind die Strafanstalten nicht dazu da, den Verbrechern ein möglichst angenehmes Dasein zu verschaffen. Aber man darf nicht vergessen, daß die Eingekeri'erten auch Menschen sind, und daß eine menschliche Behandlung für sie gefordert werden muß. Was Leuß von der moralischen und auch der physischen Demütigung der Strafgefangenen erzählte, war grauenhaft, und doch hat dem Schilder er des Zuchthauslebens niemand den Vorwurf der Uebertreibung machen tönneir. Ja man muß wohl annehmeu, daß es in manchen Strafanstalten noch schlimmer mit der Behandlung jener von der Menschheit ausgestoßenen Elemente steht, die vielleicht nur durch eine Verkettung unglückseliger Ereignisse im Zusammenhang mit angeborenem Verbrechertrieb so tief gesunken sind. Der Minister macht darauf aufmerksam, daß die Grenze zwischen Verbrechen und Wahnsinn sehr schwer zu -ziehen ist, und daß deshalb beim geringsten Verdacht, ein Drsziplinar- vergehen könne seinen Grund in der geistigen Zerrüttung eines Strafgefangenen h^hen, der Irrenarzt betzuziehen, nicht aber sofort zu sttafen sei. Das ist ein eminenter Fortschritt, zu dem hier ein preußischer Minister sich bekennt — die neue Zeit ist also doch nicht ganz an der preußischen Regierung vorübergegangen. Und auch die Sttafanstaltsvvrstände, denen der Minister die allzuvielen Disziplinarbesttafungen vorhält, werden sich den Erlaß zu Herzen nehmen müssen, denn der Minister hat deutlich durchblicken lassen, daß die unverhältnismäßig hohe Anzahl von Bestrafungen in einzelnen Anstalten nicht auf die Gefangenen, sondern auf den verantwortlichen Leiter der Anstalt ein schlimmes Licht wirst. Ob man nicht überhaupt in absehbarer Zeit zu einer totalen Reform unseres ganzen Bestrafungswesens und Bestrafungsapparates greifen muß, das ist eine andere Frage. Die Art der Bestrafung, wie wir sie' heute haben, ent» sprickst kaum mehr den Voraussehungen, auf denen unsere moderne Weltanschauung fußt. Vor allem ist es die Art der Beschäftigung der Strafgefangenen, die Bedenken erregen muß. Die Einsperrung ohne genügende Luft, ohne genügendes Licht, das Verrichten von Arbeiten, die unter solchen Umständen gesundheitsschädlich sein müssen, wie Wollzupfen und bergt, sind nicht geeignet, Menschen zu bessern, was doch der Zweck der (Strafe auch mit sein soll, sondern sie erzeugen bei Einern Teil der Gefangenen jene Vertroddelung, die man den Zuchthauskoller nennt, und bei dem größeren unheilbare Krankheiten. Da ist die bayerische Regierung einen weiten Schritt vorausgegangen, als sie die Strafgefangenen zu M oor- kulturen und ähnlichen Arbeiten heranzog, was sich sehr gut bewährt hat. Ueberhaupt wird schon aus wirtschaftlichen Gründen daran gedacht werden müssen, für die Strafgefangenen eine andere Beschäftigung zu suchen. Die Zucht Haus ko nkurrenz ist bekannt genug, als daß es noch der Bildung eines Urteils über sie bedürfte: der gesamte Stand der Handwerker und Gewerbetreibenden löidqt unter dieser Konkurrenz. Ob da nicht doch der einzige Ausweg aus der Kalamität der ist. Verurteilte, die längere Freiheitsstrafen zu verbüßen haben, in die Kolonien zu schicken? Man denke, was in Australien in dieser Beziehung geleistet worden ist! Tüchttge Kolonisationsarbeit, die wir in unseren Schutzgebieten so nötig brauchen, wäre unseren Strafgefangenen heilsamer für Geist und Körper, und dem größten Teil wohl auch lieber, zumat, wenn den Leuten nach Verbüßung der Strafe Gelegenheit zum Landerwerb gegeben würde. Vielleicht wird in nicht zu ferner Zeit einmal darüber eingehender gesprochen werden. BoMesche Cagesscha-r. Prinz Arenberg über seinen Besuch in Norderney. Einer unserer Berliner Mitarbeiter berichtet von einem Gespräche, das er mit dem Prinzen Franz, Arenberg hatte und dessen Gegenstand die Reise des Prinzen zum Reichskanzler Fürsten Bülow nach Norderney bildete. Prinz Arenberg betonte, daß dieser Reise politischer Charakter gefehlt habe. Prinz Arenberg und Fürst Bülow sind seit 36 Jahren eng miteinander befreundet. „Wir haben den Feldzug bei den Bonner Husaren zusammen mitgemacht, wir haben uns .in Greifswald gemeinschaftlich zum Referendar vorbereitet, in Metz zusammen bei der Regierung gearbeitet. Daß der Fürst sich schon hier in Berlin vollkommen von seinem Unfälle erholt hatte, davon hatte ich mich vor seiner Abreise überzeugen können. Aber es drängte mich, zu sehen, wie ihm die fünf Wochen Urlaub in Norderney bekommen waren. Ich freue mich, mitteilen zu können, daß ich den Reichskanzler so wohl und so frisch gefunden habe, wie nur je zuvor. Er ist etwas schlanker geworden, seine Gesichtszüge haben eine frühere gewisse Schlaffheit verloren, und er ist auch geistig in der allerbesten, regsten Verfassung. Er lebt in Norderney nach einer streng geregelten Tagesordnung, reitet viel, ist auch sonst so viel als möglich an der freien Luft und arbeitet täglich fünf Stunden. Daß unser Gespräch auch die Politik gestreift hat, ist natürlich. Mer ich wiederhole, daß die Polttik nicht die Ursache meines Besuches war. „Vollkommen unrichtig ist die Behauptung, daß meine Reise irgendwie mit den kolonialen Affären im Zusammenhang gestanden habe." Aüf die Frage, welchen Eindruck er von der gegen die Kolonialleitung geführten Fehde habe, erwiderte Prinz Arenberg, seiner Meinung nach sei anscheinend Wahres mit1 Falschem vermischt. Deutsches Reich. Berlin, 10. Juli. Gegenüber der Meldung, daß der Kaiser in einem Schreiben an den Zaren gedroht habe, daß, falls die Duma eine Zwangsenteignung des Landes dekretieren würde, die russischen Werte an den deutschen Börsen nicht mehr zugelassen werden würden, stellt die „Nat.- Ztg." fest, daß^an dieser Mitteilung kein wahres Wort ist. — Das zwischen Frankreich, Großbritannien und Italien vereinbarte Abkommen über Abessinien hat allem Anschein nach, nachdem der Text von Seiten Italiens der deutschen Negierung bekannt gegeben worden ist, hier eine günstige Aufnahme gefunden. Man glaubt, daß durch dieses Abkommen die wirtschaftlichen Interessen aller Nationen gewahrt werden. In der Lösung der Frage der abessinischen Eisenbahn wird eine Besserung der allgemeinen Handelsinteressen erblickt. Altena, 10. Juli. Nach den bis 10% Uhr abends vorliegenden Meldungen wurden bei der heutigen Reichs- a g s - S t l ch w a h l im Wahlkreise Altena-Iserlohn abgegeben *für Regierungsrat Klocke (Zentr.) 13 449, für Haberland (Soz.) 14 747- Stimmen. Leipzig, 10. Juli. Zu einem Rencontre zwischen Sozialisten und Anarchisten kam es in einer Versammlung, die sich mit den zwischen dem soz. Parteivorstand und der Generalkommission über die Durchführung des polit. Massenstreikes ausgebrochenen Differenzen beschäftigte. Ein anarch. Redner, der für den Generalstreik eintrat, warf dem sozialist. Parteivorstand Parteiverrat vor und wandte sich gegen die Zentralorganisation der Gewerkschaften. Ein anderer Redner nannte die Gewerkschaftsführer die Kuropatkins der deutschen Arbeiterschaft. Der sozialistische Reichstagsabg. Grenz meinte, es sei vorläufig noch nicht möglich, ein ab» schließendes Urteil über das Gebahren der Generalkommission und die Haltung des Parteivorstandes zu fällen. Nachdem man drei Stunden lang diskutiert hatte, trennte man sich, ohne einen Beschluß zu fassen.________________________________ Ausland. London, 10. Juli. Lord Roberts veranlaßt - im Oberhaus eine längere Debatte über militärische Angelegenheiten, indem er darlegte, die Nation sei für einen Krieg nicht vorbereitet und die militärische Erziehung der Nation müsse so weit verstärkt werden, daß jeder.Bürger an der Verteidigung Noch ein kaiserliches Festspielhaus. Aus Kassel wird geschrieben: 'Außer Berlin, Hannover und Wiesbaden hat bekanntlich auch Kassel den großen Vorzug, ein königliches Hoftheater in seinen Mauern zu bergen. Das ist der Fall seit 1866. Das Kasseler Hoftheater ist — mit gebührendem Respekt zu bemerken — sozusagen ein alter Kasten. Es soll ein neues Theater gebaut werden. Nach langem hin und her wurde zwischen den Vertretern der Krone und den Vertretern der Stadt vereinbart: das alte Theater wird auf Abbruch verkauft; zu der Summe, die für das Grundstück bezahlt wird — 2 005 000 Atark — soll die Stadt 600 000 Mk. zulegen und für den Betrag von 2 605 000 Mk. soll das neue Theater erbaut werden. Das Grundstück für den Neubau sollte vom Fiskus gratis abgegeben werden. Nun entstand eine Streitfrage wegen des Platzes, auf dem das neue Theater errichtet werden sollte. Die verschiedensten Vorschläge wurden gemacht. Schließlich entschied der Kaiser sich für den Friedrichsplatz. Das ist einer der größten Plätze Deutschlands, einer der schönsten, zweifellos aber der eigenartigste aller uns bekannten Plätze. Er ist 324 Meter lang, 152 Meter breit. Im Nordwesten wird er begrenzt von der Hauptstraße, der Kriegssttaße; an der nordöstlichen Längsseite stehen nebeneinander: zwei Schlösser aus kurfürstlicher Zeit, das Museum, die Kriegsschule und die katholische Kirche. Dieser imposanten Front gegenüber stehen Geschäfts- und Privathäuser. Die besondere Eigenart des Platzes stellt der Mschluß im Südosten dar. Hier steht das Auetor, ein niederes, zierliches, von Mei kleinen Wacht- häusern flankiertes Tor aus rotem Sandstein, durch das man die Kar'lsaue, den Kasseler Tiergarten, betritt. Da nun der Friedrichsplatz wesentlich höher liegt als die Karls- aue, so sieht man von allen Seiten des Friedrichsplatzes durch und über das Tor hinweg über die Karlsaue und das entzückende Fuldatal hinaus nach den fernen Höhenzügen — Söhre und Meißner. Das ist ein wahrhaft entzückendes Bild. Zweifellos ist der Friedrichsplatz mit dem offenen Auetoravschluß die schönste Perle unter den vielen berühmten Stadtbildern Kassels. Man kann sich denken, welche Aufregung in weiten Kreisen Kassels entstand, als der Kaiser bestimmte, daß das Auetor zu beseitigen und an seine Stelle das neue Theater zu bauen sei. Daß die Stadtverordneten jede Opposition unterließen und den kaiserlichen Willen zu beachten beschlossen, ist beklagenswert. Allmählich hat man sich in Kassel mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß demnächst das Auetor mitsamt der herrlichen Aussicht verschwunden und der Friedrichsplatz an jener Stelle durch einen Theaterbau zugemauert sein wird; daß aus dem prächtigen Unikum, das der Friedrichsplatz bisher darstellte, ein Dutzendplatz geworden sein wird. Da kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel eine Nachricht. In einem Blatte wurde mitgeteilt: „Wie wir hören, hat sich bei einer Nachprüfung des Karstschen Projekts hcrausgcstellt, daß, wenn cs in voller Opulenz unter Anwendung der neuesten innertechnischeir Errungenschaften ausgeführt wird, sich Mehrkosten von einer Million ergeben. Die Krone hat sich nun bereit erklärt, von dieser Summe noch 200 000 Mark zu übernehmen, ttnmu sich die städtischen Behörden entschließen, für den M aufzukommen, und die entsprechenden Mittel zu den bereits zugestandenen zu bewilligen. Wir würden aber dann auch ein Theater von seltener Schönheit erhalten, das vorbildlich luerben dürfte. Es liegt im Plan, das königliche Theater unter diesen Voraussetzungen zu einer Muster- anstalt zu machen. Ferner soll die Absicht bestehen, alljährlich im August während d er Residen z des K a iser s auf Wilhe lmshöhe Musterausführungen ähnlich wie die Maifestspiele in Wiesbaden zu veranstalten. Es, liegt auf der Hand, daß bei Durchführung dieser Pläne ein außerordentlich wirksames Mittel für die Förderung des Fremden- vetkehrs in Kassel gegeben wäre/' Heber kurz ober lang nnrb also bas herrlichste Stadtbild Kassels zerstört und an seiner Stelle ein Prunkbau entstanden sein, der würdig ist, alle Jahre wenige Musteraufführungen zu erleben. * * — „Vorgeschlagen zum Nobelpreis". Ju dem „Kuristwart" wendet sich Avenarms gegen das Projekt, M Bewer für den Nobelpreis vorzuschlagen. Er empfindet es auch als eine Blamage vor Europa, wenn Bewer als Deutschlands Dichter genannt würde und schließt: ,Eiu Kunsthistoriker und ein Germanist (die Professoren Thode-Heidelberg und Kluge-Freiburg hatten Bewers Kandidatur unterstützt) brauchen nicht Sachverständige in literarischen Dingen zu sein, es ist nicht nötig, daß sie die Hunderte kennen, die heute in Deutschland bessres als Bewer dichten. Mer sie sollten doch wenigstens wissen von Lyrikerw wie Greif ober Liliencron, Jensen ober Heyfe, Falke ober De h mel, die sie zurücksetzen, indem sie Bewer empfehlen. Und mußte der empfohlene deutsche Dichter denn gerade ein Lyriker sein? Von den Dramatikern zu schweigen: Wilhelm Raabe lebt noch und Karl Spitteler auch. Kann es denn irgend einen Gebildeten geben, dem ein Max Bewer mehr gilt als Wilhelm' Raabe ober Karl Spitteler'? Ich muß gestehen, ich schäme mich ein wenig für unsere literarische Kultur, baß diese Empfehlung bei uns möglich ist. Ich schäme mich darüber, baß ich in dieser Zeitsck-rift so viele Seiten diesem Gegenstand widmen mußte, und mußte das doch, wollte ich auch begründen. Mer die Er- teilung des Nobelpreises an Bewer wurde unsere literarische Kultur im Auslände lächerlich machen. Und damit auch! dem Ansehen des Deutschtums als solchem einen Schlag versetzen, den wir um so schwerer empfinden müßten, als er nicht verdient wäre." Der „Kunstwort" .hat im großen und ganzen vollkommen Recht; den Schlußsatz wird jeder gern unterschreiben. Liliencron und Raabe hätten wahrlich den Preis verdient, aber vor 20 Jahren schon, denn Nobel will ihn ja zur Aufmunterung an esu en Jüngeren verteilt sehen. Jensen und Heyse finden schwerlich heute noch den Beifall der Besten. Bleibt Falke und Dehmel, von denen Dehmcl der Jüngere, mit keinem Staatspreis bedachte, und der weitaus bedeutendere ist. * — Der bdannle sympathische Frankfurter Schauspieler Alexis Müller, der 1881 sein 25jähriges Künstlerjubiläum an der Frankfurter Bühne feierte, geht demnächst in Pension. Seine Kollegen lassen ihm als AbschiedSgabe seine nach dem Leben modellierte Bronzebüste überreichen. — Ein sozialdemokratisches Theater in Berlin. Die Neue Freie Volksbühne plant, im Zentrum Berlins ein eigenes Theater zu erwerben oder ein solches zu erbauen. Es soll unter dem Titel: „Freies Kunstheim" eine Gesellschaft gegründet werden, die ein sozialdemokratisches Theater bewirtschaftet. Wie es heißt, liegen der Freien Volksbühne bereits Angebote von zwei Seilen vor. Sie kann geeignete Theater sofort erwerben. Falls sich die Verhandlungen zerschlagen, soll mit dem Bau eines neuen Hauses möglichst im Zentrum Berlins sofort begonnen werden. — Richard Wagner- und Mozart-Festspiele München 1906. Die Besctzungspläne der Münchener Richard Wagner« und Mozart-Fest« spiele, die vom 2. August bis 7. September statlfindcn, sind erschienen. M Landes Anteil nehmen könne. Der Untcrstaatssckrctär CrnTl nf Portsmouth tciltz mit, der Krieqsmintstcr Haldane lucrbc. nm 12. d. M. Mitteilung machen, daß die Frage der Territorialarmee nicht vernachlässigt worden sei. Rebncr spricht sich dann entschieden gegen die allgemeine Wehrpflicht aus unter besonderer Hervorhebung der kosten. Lord Milner befürwortet die allgemeine Wehrpflicht. Mehrere Redner verweisen sodann auf die Verhältnisse aus dem F^sÜande, insbesondere auf Deutschland. Paris, 10. Juli. Die Kammer hat cndgiltig das Gesetz betreffend die Verpflichtung zur Gewährung eines wöchentlichen Ruhetages angenommen, das vom Senat bereits angenommen war. — Der bevorstehende Besuch der Exkaiserin Eugenie bei Kaiser Franz Josef lmrd in hiesigen bonapartistischen Kreisen mit Versuchen in Zusammen hang gebracht, eine Begegnung zlvischcn einem hervorragenden Mitgliede des österreichischen Kaiserhauses und dem italienischem Königspaar auf italienischen! Boden vorzubereiten. Der Lieblingsplan der Exkaiserin Eugenie wäre die Verlobung des Grafen'von Turin mit einer österr. Erzherzogin. — Der ehemalige Kriegsminister Okncral Andrä er- zählt heute, daß er sich einst veranlaßt sah, Oberstleutnant Ducasse zum Obersten zu befördern, obschon der Münster Präsident Eombes dieses Avancement eines ehemaligen Mtidrehsusards bekämpfte Andre publiziert in dieser Angelegenheit an ihn gerichtete Zuschriften des Eonscilchess Eombes und des Scnatspräsidenten Falliörcs. Dieser war für Ducasse eingctreten. Was Andrö mit seinen Indiskretionen bezlvcckl. wurde von dem Senator wie folgt präzisiert: In Frankreich kommt man am bequemsten durch Gcschichtchen in die Geschichte. Wien, 10. Juli. Das Abgeordnetenhaus nahm den deutschagra risch en D r i n'g l i ch k c i t s a n t r a g an, welcher verlangt, dast bebufs unveränderter Ausfuhr von G c r st e n m a t z nach Ten tsch land Einfuhrscheine für Gerste und Malz nach dem in Deutschland bestehenden Systeme vom 1. August 1906 ab eingeführt werden sollen. Äus dem parlamentarischen Rußland. Petersburg, 10. Juli. Der Reichsrat beriet in seiner heutigen Sitzung den von der Duma ausgehenden Gesetzentwurf über die Abschaffung der Todesstrafe. Mehrere Redner befürworteten die Annahme des Gesetzentwurfes. Timirjascw führte aus, die einstimmige Annahme des Entwurfes, zum mindesten des ersten Artikels, würde für daS Land beruhigende Bedeutung haben. Die Debatten in der R c i ch s d u m a über die Vorgänge in Bjelostok verlieren imnrer mehr an JUteresse. Von den Abgeordneten, die offenbar von den langen Reden ermüdet sind, in denen anhaltend die Regierung angegriffen und ihr die Fähigkeit zum Regieren abgcsprochen wird, hasten sich nur wenige im Sitzungssaale auf. Die Duma nimmt einen Antrag an, nach welchem zur vorliegenden Frage keine Redner mehr in die Rednerliste ein getragen werden sollen, da 34 bereits dort verzeichnete Redner noch nicht gesprochen haben. • In Kronstadt wurde vom Marinekriegsgericht Admiral Roschdjestwenski frcigcsprochen. Bier Offiziere des Torpedobootes Pjedowy wurden für schuldig erachtet, das Schiff mit Vorbedacht den Japanern übergeben zu haben. Vier Offiziere wurden zum Tode durch Erschießen verurteilt, indes der Gnade des Zaren empfohlen. In Moskau meuterte das 7. Reservc-Kävalleric- Regiment. Als zur Unterwerfung der Revolte Infanterie sowie eine Schwadron Dragoner beordert wurden, schloflen sich die Kosaken in die Kaserne ein und empfingen die anrückenden Truppen mit Schüssen. Eine Dragoner-Attacke, wobei ein Offizier getötet und einige Dragoner verletzt wurden, mißlang. Aus Warschau meldet vom 10. Juli ein Privattelegramm : Als heute mittag zwei Beamte der Direktion der Weichselbahnen in Begleitung zweier Soldaten Geld nach dem Finanzamt bringen wollten, wurden sie von einer Bande überfallen und beschossen. Ein Soldat wurde erschossen, der andere verwundet. Ter eine der beiden Beamten, ntelcher 60000 Rubel in Banknoten bei sich trug, konnte sich retten, während Srlbergeld in der Höhe von 6000 Rubel der Bande in die Hände fiel, welche entkam. Bel Zagorze in Russisch-Polen wurden zwei Provokateure erschossen. Den Toten waren Zettel mit ihrem Todesurteil auf der Brust aufgeheftet. Bei Bendzin wurde von einem Kosak ein Mann erschossen. Der Kosak will von Jüden dazu angestiftet fein, weil der Erschossene als ein Aufreizer zu Pogroms galt. Sämtliche Hafen- und Rhedereiarbeiter Odessas sind in den Generalstreik getreten Einige kleinere Gruppen arbeitswilliger, die unter den Bedingungen der Gesellschaft weiter arbeiten wollen, wurden zur Riederlcgung der Arbeit gezwungen. Eine Reihe von Verhaftungen wurde vorgenommen. Unter den Arbeitern und Angestellten der Warschau- Wiener Bahn herrscht Gärung. Die Direktion lehnt im Hinblick auf das zu erwartende Defizit die geforderten Lohnerhöhungen ab. Die Arbeiter bestehen auf ihren Forderungen und drohen mit dem Ausstand auf der gesamten Strecke. Die Verwaltungsbehörden griffen in den Lohn- kampf ein und machten den Streikenden bekannt, daß sie vor ein Kriegsgericht gestellt werden würden, da die Eisen- Außcr dem gefaulten Personal der Münchener Hosbübnen wirken bei den Festspielen an auswärtigen Künstlern u. a. mit: die Damen David.Köln, Delsarta-, eine Tochter PossartL, Dessau, Schumann-Heink-Newyark, Ter- nina-Newyork; die Herren: Forchbammer.Frankfurt, Rciß-Ncwyork, van Rooy-Ncwyork. Die musikalische Leitung für den Ning des Nibelungen und die Meistersinger von Nürnberg ist Äcueralmusikbirektor Felix Mottl und Hofkapellmcister Fischer überfragen, die für Tannhäuser dem Hof. kapcllmeister Dr. Richard Strauß-Berlin. Die musikalische Leitung der Mozart.Fcstspielc liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Mottl und Hofkapellmcister Röhr. — Deutsche Kunftschätze in Gefahr? Eben erst ist die Gemäldegalerie deS verstorbenen Berliner Bankiers Oskar Hainauer von seinen Erben nach London verlaust luorbeir — der Kaiser soll sich, wie man hört, hierüber sehr schroff geäußert haben — und schon scheint eine andere Sammlung dcutscl>er Kunstschätze in 6>esahr, den gleichen Weg zu wandern und unserem Vaterland verloren zu gehen. Amerikanische Zeitungen bringen wenigstens zur Zeit die Nachricht, daß ein süddeutscher Fürst gewillt fei, Kunstwerke, die sich seit Generationen im Besitz seiner Familie befinden, und deren Wert sich auf Millionen beziffert, zu verkaufen. Es sollen sich darunter Werke von Dürer, Holbein, Rembrandt, Van Thck, Rubens, Reynolds, Nattier, Lawrence ustv., kostbares Dresdener und Sevres - Porzellan. Meisterstücke der Augsburger Silber- schmiedekunst deö Ui. Jahrhunderts und anderem mcljr befinden — Es rväre interessant, zu erfahren, wer dieser süddeutsche Fürst sein soll. bahn ein Gebiet burchschneidct, üßer welches der Kriegszustand verhängt sei. illuster den Arbeitern und Angestellten ollen auch diejenigen Privatpersonen dem Kriegsgericht überliefert werden, welche den Streik begünstigen, sowie auch die Führer des Aufstandes. In L o d z str e i ke n alle Fabrikfuhrlcute. Jeder Warentransport wird verhindert. In 34 kleinen Fabriken streiken 5000 Arbeiter. Auch in Grodn o sind die Arbeiter in den Generalstreik qe<* treten wegen Erschießung eines Genossen durch Polizisten. IColottialpofte — Die „Freis. Ztg." schreibt: „In der gegen Beamte der Kolonialabteilung schwebenden Untersuchun gssachc ist am Montag der Zentrnms-Abg. Das bach vernommen worden, natürlich mit durchaus negativem Erfolge, denn erstens ist DaSbach an der Sache ganz unbeteiligt und zweitens braucht er als Reichstags-Abgeordneter während der Dauer der Session überhaupt nichts auszusagen. Wie wir erfahren, soll auch der Abg. Erzbcrger vernonnnen werden. Hier dürfte das Resultat erst recht negativ ausfatlen. Während übrigens der verantwortliche Redakteur unseres Blattes bereits vor dem Untersuchungsrichter hat erscheinen müssen, verlautet bisher noch nichts von einer ähnlichen Maßnahme gegen den verantwortlichen Redakteur der „Germania", in deren Redaktionsräumen doch auch HauS- uchungen stattgefunden haben. Uebrigens werden diese Hausuchungen mit einem Eifer fortgesetzt, der erstaunlich ist. So ist am Montag sogar in einem großen Berliner Lokal, wo die beschuldigten Beatnten zu verkehren pflegen, eine Haus- Uchung abgehalten worden, bei der das unterste zu oberst gekehrt, aber natürlich nichts gefunden wurde." Aus Stadt und Land. Gießen, den 7. Juli 1906. * Preisgekrönt. In dem öffentlichen Wettbewerb für ein Dienstgebäude des Vorschuß- und Kredit- Vereins Friedberg wurde der Konkurrenzentwurf der hiesigen Architektensirma Seultng & Nicolaus an erster Stelle preisgekrönt. * • Eine größere Schlägerei entstand gestern morgen auf dem Sängerfestplatz. Einige Studenten gerieten in der bayrischen Bierhalle in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Zuschauer riefen nach der Polizei, worauf zwei Schutzleute herbeikamen und die Streitenden zu trennen versuchten. Diese wendeten sich jetzt gemeinsam gegen die beiden Schutzleute und in dem entstehenden Handgemenge wurden die Polizisten zu Boden geworfen. Zwei weitere Schutzleute eilten ihnen zu Hilfe und befreiten sie unter Anwendung ihrer Waffen. Cs gelang bei den: Durcheinander nicht, die Namen der Teilnehmer festzustellen. ** Selbstmord. Heute morgen wurde der Schreiner F. von hier in seiner Werkstätte erhängt altsgefunden. Der Mann hat sich schon längere Zeit mit Selbstntordge- danken getragen; er machte den Eindruck eines geistig nicht mehr normalen Menschen. Er hinterläßt eine Frau mit acht Kindern. Lauterbach, 10. Juli. Bei der Ausgrabung des Heizraumes in der Kirche wurde festgestellt, daß der Fußboden der früheren Kirche 1.60 Dieter tiefer lag, als der jetzige Fußboden. Bei einer Tiefe von 2 Meter wurden verschiedene Grabgewölbe bloßgelegt, auf welchen sich kunstvoll gearbeitete Grabsteine mit den Wappen derer v. Riedesel, Hochfeld, Felsberg, Fahrenbach, Berlepsch, Wulwershausen:c. befanden. Ferner wurden nach dem „L. Anz." Bruchstücke einer männlichen Statue auSgegraben. • • Fraurombach (Kr. Lauterbach), 10. Juli. Heute vormittag starb hier nach kurzem Krankenlager unser Bürgermeister Georg Hohmeier. Der Verstorbene, der im 62. Lebensjahre stand, erfreute sich hier allgemeiner Achtitng. * AlS f e l d , 11. Juli. Die Vorstände der hiesigen polit. und evang. kirchlichen Gemeinde haben folgende Vorstellung an die zweite K' a m m e r der Stände gerichtet: Die hiesige altehrwürdige Walpurgiskirche , ein hervorragendes, kunstgeschichtliches Baudenkmal, dessen ältester in frühgotischem Stil erbauter Teil aus der Zeit um 1240 stammt, bedarf dringend einer gründlichen Hlesamternenerung. Schon feit 1896 sind dahingel>ende Verhandlungen gepflogen worden; die Pläne und Voranschläge sind von Architekt Hofmann in Herborn für 3000 Mark h:rgestellt worden und bereits ist 1905 die Wiederherstellung des Daches, die sich ohne Gefälirdung des Gotteshauses nickst länger verschieben lieft, geschelien. Diese erforderte einen Aufwand von 12 000 Mark. Der Voranschlag der noch ausstehenden Wiederherstellung von Schiss und Clwr beläuft sich auf 125 000 Mark. Der Stadlvorstand als Vertreter der politischen Gemeinde, der die Baupflicht obliegt, da die kirck'lick>e (Gemeinde nur geringes Vermögen besitzt, will sich dieser Pflicht nickst entziehen, sondern hat in feiner mit dem Kirchen- vorstand gemeinsam gehaltenen Sitzung am 3. März 1904 den Beschluß gefaßt, mit der Gesamliviederherftellung int Avril 1908 zu beginnen. Die sehr bedeutenden Kosten müssen durch Ge- meindeumlagen gedeckt werden. Dies fällt der Stadt um so schwerer, als sie in den letzten Jahren große Ausgaben für Wasserleitung, Elektrizitätswerk, Kreislrankenhaus und Schlachthaus hatte und hat, und ihr die Lösung weiterer umfangreicher Arbeiten bevorsteht. Beim Kreiskrankenhaus hat die Stadt nicht nur die auf sie entfallenden KreiSumlagen, die etwa ein Fünftel bis ein Viertel betragen, zu leisten, sondern auch ein fünf Morgen großes Owimdstück kostenlos zur Verfügung zu stellen; dazu hat sie alljährlich einen namfaiftcn Barzuschuß zu leisten. Schull-auSnenbauten sind in allernächster Zeit nötig, die Kanalisation erweist sich immer mehr als notwendig, und das als altes Baudenkmal weit und breit berühmte Rathaus soll auf Anregung der Qhroftl). Regierung wieder hergestellt werden. Mit Rücksicht auf diese hohen Anforderungen und im Hinblick auf den Umstand, daß auch bei der Wiederherstellung der Stadtkirchen zu Oppenheim, Friedberg, Wimpfen und Butzbach, sowie des Domes zu Worms ans Staatsmitteln Beiträge geleistet worden sind, erlauben sich die Vorstände hiesiger Gemeinde um Bewilligung eines Betrages zur Wiederherstellung der Walpurgiskirche zu bitten. * * Kleine Mitteilungen aus Hessen nnd den Nachbarstaaten. Der Güterverkehr auf dem Güter-Bahn- bof Dorheim hat sich so gehoben, daß demnächst der Güterschuppen erweitert werden wird. Der T u r n v e r e i n N i d d a beabsichtigt, die Gründung einer Männerriege. — In Nonnen- roth beging der Gesangverein ,Liederlranz" das Fest seiner Fahnenweihe. 22 auswärtige Vereine waren erschienen, nm dieses Fest mitzuseiern. — InMaar wurde Bürgermeister Hermann mit 107 Sllmmen wiedergewählt. Auf den Oiegenkandidaten entfielen 62 Stimmen. — In Altenschlirf fand ebenfalls Bürgermeisterwalst statt. Gewälzt wurde Zimmermeist?r Schmidt mit 49 gegen 36 Stimmen, die auf den Gegenkandidaten Möller fielen. — Streiken de ^Fri senrg e hil fe u überfielen zu Offenbach in der Herrnstraße einen arbeitswilligen Gkl)ilfen und brachten ihm drei Stiche in den Kopf bei. - Der Rechner an der Butzbacher Zellenstrafanftalt, Rech- »ungSrat Bauer, begeht am 16. Juli mit seiner Ehefrau das Fest der sübernen Hochzeit. — Die Eisenbahnwcr kstätte in Mainz soll verlegt werden. MS Bewerber um das Institut treten besonders Worms und Wzeh auf. - Die Forstwarte des BezirlSvereins Nidda versammelten sich am 8. d. M. zu Ehren ilyreö in den Ruhestand versetzten Kollegen Haber von Michelnau in dem Rnllrnannschen Saale und überreichten als Zeichen treuer Kollegialität einen Ruhefessel. — AnS Liebes- lummet vergiftete sich daS 22jährige Dienstmädchen Helene Heil in Frankfurt mit Lysol. Man fand das Mädchen heute morgen tot im Bette. Gerichtssaal. 6. Mainz, 10. Juli. Der 25jährige Fuhrmann Wilhelm- Hinkel anS Framersheim erhielt von der Strafkammer^' wegen Sachbeschädigung eine exemplarische Strafe. In der Nacht des 31. März hatte der Angeklagte auf dem Heimwege von Dittelsheim nach Framersheim neun Bäumchen auf der Kreisstraße und zwei Bälnnchen von Landwirten die Krone abgebrochen und sie- dadurch vollständig zerstört. Ter Staatsanwalt beantragte 1 Jahr' und 6 Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung. Der bisher unbestrafte Angeklagte erhielt sechs Monate Gefängnis. — Der 26jährige Schilhmacher Gustav Ifinger mi5 Bingen hatte im Scherz an einen dortigen Friseur eine Postkarte gerichtet und dessen Sohn zum Mandolinenunterricht für den Sohn eines Gastwirts bestellt. Die Karte war fälschlich mit dem Rainen des Gastwirts unterzeichnet. Der Angeklagte roitrbe zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. fc. Frankfurt a. M., 10. Juli. Ein 22jähriges Mädchen, das in der Kaiferstraße einen Laden hat, stand heute wegen Verkaufs unzüchtiger P o st k a r t c n vor der Strafkammer. Es erklärte wiederholt, daß es die inkriminirte Postkarte für vollständig harmlos halte. Dahingegen nahm der Staatsanwalt ein solches Aergernis an der Karte, daß er gegen die bisher unbescholtene Angeklagte eine 63efängni§ftrafe von drei Monaten und eine Geldstrafe von 400 Mk. beantragte. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrase von 500 M k. Brandenburg a. H., 10. Juli. Das hiesige Kriegsgericht verurteilte den Leutnant W e y g a u d, der den Lehrer Kogge „Flaps" genannt hatte und mit einer R e i t p e i t s ch e schlug, wegen Beleidigung zir 10 0 Mark Gelftrafe und wegeir Körperverletzung zu drei Wochen 65 e f ä n g n t §. Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. (b.) Schotten, 10. Juli. Die hiesige Mvlkerei-Ge- nossen schäft „H v he rod stopft^, an die eine große Zahl von Orten auS der Umgegend angeschlossen sind, hat im Geschäftsjahr 1905 einen Reingewinn von 8125 Mark erzielt. Den Aktiva von 75 977 Mark standen 67 851 Mark Passiva: gegenüber. Für die Gefamtmilcklieferung wurden 126 439 Mk. ausgegeben Während sich dem Unternehmen hundert neue Ge-> nassen anschlossen, war nur ein Abgang von sieben zu verzeichnen. Die Molkereiprodukte unseres Vogelsbergs werden ihrer Güte wegen sehr gerne gekauft, so daß die Nachfrage die Produktion tets bei weitem übersteigt. Deutsche Reichsbank. Der neueste Ausweis sieht sich bedeutend freundlicher an als der vorhergegaugene. Der Rückfluß ist diesmal wesentlich höher gewesen alS im Vorjahr zur gleichen Zeit. In der Notcnsteuer ist aber die Bank noch immer mit 89,24 Mill. M. gegen 282,07 Mill. M. in der letzten Berichtswochr. Vor einem Jahr um diese Zeit gab es bereits wieder eine steuerfreie Reserve von 21,81 Mill. M. Die Besserung des Ausweise- in diesem Jahr beträgt indes 192,83 Mill. M. gegen 120,73 Mill. M. int vorigen Jahre. Der Wcchsclbestand ist um 126,23 Mill. M. leichter geworden. Gleichzeitig ist auch der Lombard, der in voriger Woche um 164,08 Mill. M. gestiegen war, um 111,01 Mill. M. zurückgegangen. Neue Ansprüche sind dem Jnstititt durch weitere 6 Mill. M. RcichSschatzscheine, die cs übernahm, erwachsen. Im v. I. waren 25,29 Mill. M. zu notieren. Erwähnt sei noch, daß eine starke Kräftignng des Metallbestandes eingctreten ist. Es betrügt die Zunahme deS Metallvorrates bet 879,012 Mill. M. nicht weniger als 34,58 Mill M. Doch ist der Metallbestand immer uin 67 Mill. M. geringer als int Vorjahre. Am 16. d. MtS. hat wieder eine Einzahlung auf die letzte RcichSanlcihe zu erfolgen, waS beachtet werden muß. Die Möglichkeit, daß die Reichsanleihc in absehbarer Zeit eine Diskontoermäßigung vornimmt, ist noch nicht näher gerückt. Von der Berliner Börse. Da der BankattSweiS befriedigte, war auch die Tendenz ziemlich fest, jedoch der Verkehr nahezu geschäftslos. Banken nnd Fonds waren meist gestrichen, nur für österreichische Kredit zeigte sich einige« Interesse. Amerikaner waren ruhig und abbröckelnd. Prince Henri etwas erholt 145,50. Schissahrtsakttcn sehr matt, weil nun auch der Norddeutsche Lloyd den PassagepreiS herabgesetzt hat. Oesterreich-ungarische StaatSbahn stiegen auf die Hoffnung energischer Behandlung der VcrstaatlichungSsragc. Privatdiskont 3‘/„ Prozent. — Die Firma Ackermann & Scheickert in Offenbach a. M. befindet sich in Konkurs. Märkte. ko. Fr a n f f tt r t a. M., 11. Juli. lOria.-Telegr. des »Gieß. Avz.") V i e h m a r k t. Ztrnt Verkaufe fianbcn 00 Kälber, 00 Schafe und Hammel, 1144 Schweine; 1. Qual. 73—74 Psg. Lebendgewicht 57.00—57.50 Pf., 2. Qual. 71—72 Pf., Lebendgewicht 55.50-56 Psg., 3. Qual. 60-62 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Psg. Schase 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft: gedrückt, Uebcrstand iinbcbcutcnb. fc. Frankfurt a. M., 10. Juli. H e tt- und S tr o h- m a r f f. Mau notierte: Heu, altes Mk. 3.80 bis Mk. 4.10, nettes Mk. 3.00 bis 3.20. Stroh Mk. 3.20 bis Mk. 3.60. Alles per 50 Kilo. Geschäft: lebtzaft; Teitdenz: fest. Vermischte-. * N.G.C. DaS Tauskleid beS Kaiserenkels Da§ Taufgcmanb ber kleinen Prinzen unb Prinzessinnen be8. HohenzollernhauseS besteht aus zwei getrennten Stücken.. Zunächst wirb ber kleine Täufling mit einem langen Kleidchen auS seinem, dünnen Stoff bekleidet. Zur Garnierung dieses Kleidchens dürfte die Kaiserin wohl diesmal für ihren Enkel auS ihrem Besitz von herrlichen alten Spitzen das Nötige bciftciicrn. Ist der kleine Täufling so geschmückt, so wird er auf ein großes Kiffen gelegt, das mit schwerem Silberstoff bezogen ist und von dessen vier Ecken Silberquasten herab-^ hängen. Um dieses Kiffen wird nun das eigentliche Prunkgewand gebunden, eine etwa vier Meter lange Schleppe, die von den Hofdamen geträgen wird, während die Oberhof- mcisterin das Kissen mit dem kleinen Weltbürger trägt. Die Taufschleppe der Hohenzollernprinzen wurde seinerzeit von dem Prinzen Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augttsta zur Taufe ihres erstgcborciten Sohnes, deS nachmaligen Kaisers Friedrich III. gestiftet, ist also nicht Eigentum der Krone, sondern ein Familicnerbstück der Hohenzollern. Die Schleppe besteht aus schwerem Silberbrokat. Oben in der Mitte befindet sich eine in dicker Goldstickerei ausgeführte KönigSkrone, unb barunter in gleicher Arbeit die Taufnamen Kaiser Friedrichs und daß Datum seiner Geburt. Unter diesem folgen dann die Namen der Großherzogin Lttise von Baben unb bie bcr drei ältesten Kinder Kaiser Friedrichs: der Erbprinzesfin Charlotte von. Meiningen, Kaiser Wilhelms II. unb beS Prinzen Heinrich. Diese Namen finb parallel mit bem ihres VaterS, bie Namen bcr übrigen Kinbcr ber Länge nach an den Seiten eingestickt. Da für weitere Eintragungen in bieses ebenso kostbare wie originelle Taufregister kein Platz mehr war, unb man boch aus ©rünben ber Pietät das von Wilhelm I. her- ftammenbe Prunkstück nicht bei Seite legen wollte, würben bei bcr Geburt bcs Kronprinzen bcr Taufschleppe ein ansehnliches Stück hinzugesügi, bic Naht durch eine quedaufenbe WS- u,cn kute Sfet.**» Arakr. '"' der Rtei£5llleI§- = ,Qbqebto2tQ^unb ctbQhiinq. D. n-Qte Ges/!b,§[|er ilinqer c «'ne ^oft fU§ ^'"gen WM feäg iM.il lkswirUch? 8* ZM 1 8I&> Mark erzielt 6,R2! Mark äiM 1 wurden 126 439 ML wen hundert neue Ge- »nkedenzn verzeichnen cgs werden ihrer Mr cachirage die Muftum uiStteiS sicht sich bedeutend SudfluB ist diesmal tveseut- 1 3tit. In der Notensteuer M. gegm 282,07 MLM. : um diese Zeit gab eS be« l Rill, M. Die Besserung e- 192,83 Mill. M. gegen ^echscibestand ist um 128,23 auch der Lombard, der in war, um 111,01 Mill. M. rstitut durch weitere 6 Mill, i. Im v.J. waren 25,29 Mill, iarke Kräftigung deS Metall- ibmt deS MelallvorrateS bei !ill M. Dach ist der Metall« - im Barjahre. Am 16. d. te ReichSanleibe zu erfolgen, die StiManltibt in ab« mmt, ifi notb nidjt nä1}tt mfauSrotiS brfr'M^ü, xoox ctebr nahezu ^ichäMvS. r für viirrrrichiichr Kredit m ruhig und abbrödelnd. .ialttm sehr matt, weil nun z herabgesetzt hat. Oester« visnung energischer Behänd» al 31/. Prozent. fert in Offenbach a. M. be- goldene Franse verdeckt und nun die Namen der kaiserlichen Kinder ebenfalls querlaufend cingestickt, während die Namen der Kinder deS Prinzen Heinrich seitwärts zu stehen kamen. Diese Tanfschlcppc wird bei der Taufe des jüngsten Hohen- zollernprinzen jetzt wieder in Gebrauch genommen werden. * Abstürze in den Alpen. Die Innsbrucker Ober- gymnasiasten Bucher und Norz machten eine Partie vom Brand joch zum Solstein. Am Hinterbrandjoch stürzte Norz infolge Ausbrechens s-mes Griffes über eine steile Platte, sich mehrmals überschlagend, in die Tiefe. Blicher hörte das Aufschlagen des Körpers und rief, aber es erfolgte keine Antwort. Norz ist tot. Er war der Sohn des Hoteldirektors Norz in Nizza. In der Nähe der Schynigen Platte (Berner Oberland) wurde die Leiche eines vermutlich vor 14 Tagen abgestürzten etwa 25jährigen Mannes geh''den, dessen Identität noch nicht fellgestellt werden konnte. Der Verunglückte hatte ein am 22. Juni in Basel gelöstes Nn-^- rcisebillet bei sich, sowie ein Tagebuch mit stenographierten poetischen Schilderungen von Land und Leuten. Man nimmt an, daß es ein Deutscher sei. — Am Piz Iulier ist der 22jährige Tapezierer Fritz Michel nu§ M"-chen, wohnhaft in St. Moritz, abgestürzt; er blieb tot. * Paris, 10. Juli. Der „Figaro" rwröffentlicht ein Interview mit Loubet über die Verteilung der für die. Hinterbliebenen von Conrrisres gesammelten Gelder. Loubet, der Präsident des Hilfskomitees ist, erklärt, die end- giltige Verteilung, die jetzt unmittelbar bevorstehe, habe bisher nicht erfolgen können, da es sehr schwierig gewesen sei, in jedem der tausend Fälle die Zahl und die Berechtigung der Hinterbliebenen festzustellen. Loubet berechnet, daß einzelne Familien 1 2 000, selbst 14000 Francs erhalten werden. Außerdem zahlt die Grubenaesellschaft jährlich 900000 Francs Pensionen. * Der neueste Eisenbahnunfall. Im Nordbahnhofe zu Paris entgleisten zwei Wagen des aus Brüssel eintreffenden Schnellzuges infolge falscher Wcichenstell'.-ng. Mehrere Passagiere wurden verletzt, darunter eine Frau. * Kleine Tageschronik. Unter dcm Verdachte, 12000 Mk. amtliche Gelder unterschlagen zu haben, ist der Amtsgerichtssekretär Müller aus Kalkbergc-Rüdersdorf verhaftet worden. Vor einem halben Jahre wurde Müller von Mittenwalde nach Kalkberge versetzt. Die Unterschlagungen soll er in der ersterwähnten Stellung begangen haben. — Der 4fache Mörder Finke, der am 31. März in Herford seine Ehefrau und seine drei Kinder grauenhaft ermordet hat, ist nach dem Gutachten der Aerzte für geistesgestört erklärt und deshalb außer Verfolgung ge- seht worden. — In Leipzig wurde ein Einbruch bei dem Fleischer- meister Nietschmann verübt. Zwei Schutzleute konnten einen Einbrecher festnehmen. Der andere gab im Fliehen vier Schüsse auf die Schutzleute ab. Schuhmann Tag wurde durch Schüsse in den Unterleib schwer verletzt. Der Täter ist noch nicht festgenommen. Er heißt Bacher, ist 24 Jahre alt und stammt aus Bochum. — Ein bayrischer Leutnant au5 einer kleinen Garnison, der Spiel- und Schwindelschulden bis zum Betrage von 100000 Mk. und darüber gemacht hat, ist verhaftet worden. In diese Wechselgeschichte soll auch ein Prinz verwickelt sein. Die Sache steht in Zusammenhang mit einem Selbstmordversuch des Grafen Preysing, für den auch eine Spielhölle die Ursache der Tat geworden ist. Das Verderben zieht immer weitere und höhere Kreise. — Graf Pückler ans Klein-Tschirne, der seinen Festungsurlaub zum Auftreten in Berliner Versammlungen benutzte, hatte mitten in seiner Arbeit eine unerwartete Störung zu verzeichnen. Kurz vor seinem Auftreten in einer Versammlung wurde er auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft aus seinem Hotel abgeholt und nach Weichselmünde in seine Festungshaft zurückgebracht. — Der 17 jährige Schlosser Poinmerell wurde im Luxemburger Festungsgeröll furchtbar verstümmelt als Leiche anfgefunden. Es liegt ein Lustmord vor. Von dem Täter fehlt jede Spur. — Ein Bankbeamter wurde während der Abwesenheit seiner Familie in Leipzig wegen schwere Sittlichkeitsverbrechen verhaftet. SpSvt. O Fußball. Am vergangenen Sonntag, 8. Juli, sand auf dem Trieb das Retoltrwettspiel des Büdinger F.-E. Wolfgartg Ernst- Gymnasiums gegen den Gießener F.-C. Nealgvmnassum statt. Gießen gewann überlegen mit 6:0 Toren. Tie Torzahl verteilt sich auf Mink 4, Norb und Widerstein je 1. Uiirversitäts-Nachvichterr. * Fräulein & o_n ft a n 5 e Schweich aus F r a n f f n r t a. M., welche mehrere Semester Vorlesungen in der Würzburger philosophischen Fakultät als Hörerin besucht hat, hat zum Andenken an ihren verstorbenen Vater zugunsten der Universität mit der Suntme von 10 0 0 0 0 Mark eine Stiftung errichtet, welche zur Förderung des philosophischen, sowie des neusprachlichen Studiums und zur Gewährung von Stipendien an strebsame junge Gelehrte dienen soll, nachdem sie schon vorher durch Spenden von je 500 Mark zur Forderung der Arbeiten des psychologischen Instituts und des neuphiloloaischen Seminars dankenswerte Beiträge geliefert hc4fe. H^eteoros^ische Beobachtungen der Station Giessen. Höchste Tempera'' ' am 9.—10. Juli — 4- 23,0 0 C. Niedrigste „ „ 9 —10. „ = 4- 15,30 c. Juli 1906 Baroiileter auf 0d reduziert Temperalttr der Ltlft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 10.1 235 750,8 23,0 14,2 68 N 4 Bew. Himmel 10. 92S 749,8 18,2 14,3 92 ESE 2 Klarer „ ,LI 725 747,9 17,1 13,8 95 NNW 4 Bed. Giessener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witt^'ung in Hessen für Donnerstag, den 12. Juli 1906: Abnehmende Bewölkung. Nur stellenweise in der Nacht Gewitterregen. Etwas kühler. Näheres dnrch die Gießener Wetterkarte. Grsgittal-DrahtimsLörrsrgen. fc. Frankfurt a. M., 10. Juli. Der Buchhalter iTug. Filsinger von der Mtienqescllschaft für Hoch- und Tiefbau ist nach Unterschlagung von 10 000 Marr geflüchtet. Auf seine Ergreifung sind 300 Mk. Belohnung ausgesetzt. fc. Hanau, 10. Juli. Gestern nachmittag fand man im Wald von Nieder-Roden das 13jährige Schulmädchen Euler aus Nieder-Roden an einem Baum gefesselt vor. Das Mädchen war von einem Landstreicher überfallen und vergewaltigt worden. Berlin, 11. Juli. Dem „Vorwärts" zufolge siegte in der Stichwahl im Reichstagsivahlkreise Alteng-Jser- lohn der Sozialdemokrat Haberland mit über 1500 Stimmen Majorität. Dem „Tageblatt" zufolge wurden für Habertand 15523 Stimmen abgegeben. Dieses Resultat sei unveränderlich. Trier, 11. Juli. In Oberkorn erschoß ein italien. Arbeiter wegen eines geringfügigen Streites seinen Gastgeber und verletzte dessen F>rau schwer. Der Täter ist flüchtig. Trier, 11. Juli. Durch Blitzschlag wurde das v. Nellsche Rittergut, ein langgestrecktes Gebäude mit reichlichen Futtervorräten und landwirtschaftlichen Maschinen neben der berühmten Matheiser-Kirche in Brand gesetzt. Der Brand wurde lokalisiert. Lüdenscheid, 11. Juli. Auf der Schmalspurstrecke Lüdenscheid-Altena entgleiste auf der Station Dünebreit ein Güterzug. Der Lokomotivführer Hassel wurde getötet. Bern, 11. Juli. Auf einer Spazierfahrt von St. Moritz nach Sils stürzte ein Zweispänner mit Kurgästen über den Straßenrand, wobei das 26jährige Fräulein Alice Wolf aus Eisenstadt in Ungarn sofort tot blieb. Zwei andere Damen wurden mehr oder minder schwer verletzt. Der Wagen fiel in den See, der an jener Stelle nicht tief ist, sodaß die Verunglückten rasch geborgen werden konnten. Petersburg, 11. Juli. Nach Meldungen aus Brcst- Litowsk fam es auf dem Gute des Grafen Podok zu blu- hp™ Zusammenstößen zwischen plündernden Bauern und Militär. Viele Bauern wurden erschossen und verwundet. _ Moskau, 10. Juli. Aus der Eisenbahnlinie Saroslaw—Moskau drangen acht bewaffnete Unbekannte in ein Abteil 3. Klasse, in welchem sich der Kassierer einer Waggonfabrik befand. und riefen den Passagieren zu: Hände hoch! Die unbekannten Bewaffnet töteten einen Schaffner, verwundeten den Kassierer, dem sie 27000 Rubel raubten, und brachten darauf den Zug durch Ziehen der Notbremse zum Stehen, worauf sie unbehelligt im Walde verschwanden. Rio de Janeiro, 11. Juli. Revolutionäre der Provinz Mato Groß haben den Gouverneur der Provinz ermordet und die Hauptstadt besetzt. Telefcmscfoe des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frneikfnrfer Htörse. 11. Juli 1.15 Uhr. 3^°/0 Reichsanleihe . . 99.75 ?>% do. . . 87.90 3^°/0 Konsols .... 99.75 3% do 88 00 3%n/0 Hessen .... 98.35 3 %"/<■, Oberhessen . . . —.— 4Oesterr. Goldrente. . 100.50 4'/5?n Oesterr. Silberrente 100.50 4% IJnsrar. Goldrente . . 95 65 4% Italien. Rente . . . 103.80 3% Portugiesen Serie I 70.00 3% Portugiesen ,. III 7050 4 y2 °/0 russ.Staatsanl. 1935 88.80 4y°:n japan. Staatsanleihe 95.40 4 9, Conv. Türken von 1903 95.45 Tiirkcn’ose 147.20 4% Griech. Monopol-Anl. 53.50 4% äussere Argentinier . 91.10 4°/0 Mexikaner . . . 7(1.00 3>5°/o Chinesen . . . . 9810 Aktien: Bochum Guss 242.00 Buderus E. W . ... 126.20 Tendenz : ziemlich fest. Berliner Börse, Canada E. B 153.70 Darmstädter Bank . . . 139.60 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 85.40 Dresdner Bank .... 158.10 Tendenz: geschäftslos. Elektriz. Lahmerer . . . 143.30 Elektriz. Schlickert . . . 128.90 Eschweiler Bergwerk . . 252.60 Gelsenkirchen Bergwerk . 222.50 Hamhnrcr- Amerik. Paketf. 159 35 Harpener Bergwerk. . . 209 93 Lanrahütte 233.25 Nordd. Lloyd 125.00 Obei’chles. Eisen-Industrie 128.00 Berliner Handelsg-es . . 170.0a Darmstädter Bank . . . 139.90 Deutsche Bank . . . 236 00 Deutsch.-Asiat. Bank . . 178.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.20 Dresdner Bank . . . 158.20 Kreditaktien 210.40 Balt'more- und Ohio- Eisenl ahn . . 116.00 Gotthardbahn — Lombard. Eisenbahn . . 34.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.30 Prince-Henri-Eisenbahn . 146.50 11. Juli. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 208.80 Lanrahütte —.— Lombarden E. B. ... 34.40 Nordd. Lloyd — Türkenlose —.— Arbeitsvergebmrg. Die Herstellung der Zement- und Terrazzonrbeiten im Neubau der israelitischen Leichenhalle soll Samstag den 21. Juli d. Js., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbcüsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dieuststundcn bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis znrn genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. B:i/7 Gießen, den lp. Juli 1906. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. Die Arbeiten und Lieferungen zur Erweiterung des Güterschuppens und Herstellung einer Rampe auf Bahnhof Dorheim, Strecke Friedberg — Nidda, sollen verdungen werden. Die Verdingungsunterlagen liegen bei der unterzeichneten Inspektion zur Einsicht aus und können von hier für 0,80 Mk. inur Postanweisung) bezogen werden. Eröffnung der mit entsprechender Aufschrift versehenen und vorher einzuscndcnden verschlossenen Angebote erfolgt am Mittwoch dcrr 25. Juli 1906, Vormittag-Z 1 .11 Uhr, im Bureau der unterzeichneten Inspektion. Bn/r Zuschlagsfrist 14 Tage. Vollendungsfrist: 3 Monate nach Aufforderung. Gießen, den 9. Juli 1906. Gross!). Eisenbahn-Betricbs-Fnspektiou 2. 04961 wegen Vergrößerung des Geschäftes, um schnell zu räumen. ufe ne; iPrio -Teleqr. de? 1. 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