K Wir Aon •5? LSs ® r*. -do 2-y a 2 s 'ss iJC< SA A »% 2 9 *-*-« K 09" rt n %d* 9-0 s- - -9p M 9 2 P. Sl 0 C •d- ,O I» fd - 5§ « 9 15V. Jahrgang Erstes Blatt Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen “Oie Heutige Mummcr umfaßt 18 S-iten. c n, daß eine Mannes in das hellste Licht stellte. Neuerdings hat Bernhard dadurch bei seiner Partei mißliebig gemacht, er m seiner Zeitschrift »PlutuS" in Uebereinstimmung sich daß tnd Rouvier hatte am 7. eine lange Unterrebun'gf mit dem Fürsten Radolin über die event. Beeinflussung der Instruktion des französischen Delegierten im Zusammenhang mit der Ministerkrise.___ tzugen Wchter t* Berlin, 10. März. Der Reichs- tagsabg. Eugen Richter ist heute früh 4 Uhr 15 Min. gestorben. Der ja längst befürchtete Tod des »großen Volks- /ri&unen', wie Richter vielfach von Anhängern der meisten bürgerlichen Parteien genannt worden ist, wird von allen Liberalen deS Reiches im höchsten Maße bedauert werden. Und nicht allein von diesen. Widmeten ihm doch selbst die hochagrarische »Dtsch. TageSztg." und das führende deutsche ZentrumSorgan, die »Köln. Volksztg/ ebenso wie die reichsoffiziöse »Rordd. Allg. 3tg.' bei seinem Scheiden auS dem preuß. Landtage (Anfang Dezember 1905) höchst ehrenvolle Worte der Anerkennung und Hochachtung. Vier Jahrzehnte etwa stand der bisherige Führer der Freisinnigen Volkspartei inmitten der politischen Bewegung. Mehr als die Hälfte seines Lebens ist in parlamentarischen Kämpfen aufgezehrt worden, und von seiner Einreihung in die Fortschrittspartei an legte er Wert darauf, in erster Reihe zu fechten. Eugen Richter war ein straffer Parteimann; der Gedanke, durch Verständigung mit dem Nachbar, ja selbst mit dem Gegner Terrain zu gewinnen, lag ihm so fern, daß er um greifbaren Vorteils willen auch nicht eines Strohhalmes Breite des Programms opferte. Er hielt in seiner Aktion den Standpunkt eines Extremen fest, der nicht transigieren, sondern den vollständigen Sieg seiner Idee unter den Waffen abwarten will. Run vertritt aber die freisinnige Volkspartei in ihren Anschauungen durchaus nicht mehr die äußerste Linke, selbst der bürgerlichen Demokratie. Sie hat nicht nur nach rechts, sondern auch nach links hin Front zu nehmen, und ein großer Teil ihres RekrutierungSbezirkeZ ist ihr durch sozialistische Werbung entzogen worden. Der Reaktion wie der Utopie gegenüber ist eine große liberale Partei erwünscht, die dem Bürgertum den ihn zustehenden Einfluß verschaffen könnte. Diese Union ins Leben zu rufen, war Richter nicht der geeignete Mann. Er glaubte in einem kleinen festaekchloffenen Haufen die Fahne für die Zutuns; retten zu können, während andere der Meinung sind, es wäre bester, sich zusammen zu schließen, damit der Liberalismus wieder vorwärts kommen könne. Richters Wahlpolitik und Organisationstaktik ist nach . den erzielten Erfolgen nicht der hervorragende Teil seiner Tätigkeit gewesen. Seine enormen Kenntnisse in der Staatsverwaltung, seine ganz außerordentliche Beherrschung des Etats, seine schlagende, stets den wesentlichen Punkt treffende Beredsamkeit hat dagegen ihm und seiner Partei den Raum und die Bedeutung zu sichern gewußt, die weit über die Zahl der Mandate hinaus dem freisinnigen Redner gebührten und mehr oder minder willig von den Gegnern auch zugestanden wurden. Wenn Eugen Richter sprach, lauschte das Haris aufmerksam, und gespannt horchte man in den Tribünen; seine Gegen- rechnüngen beunruhigten die Finanzminister und frappierten den Fachmann am Regierungstische. Sein scharfer Blick sah die Lücken und Verkleidungen von Lücken in sämtlichen Ver- waltungSzweigen, und kein General auf der Bundesratsestrade wagte es, Eugen Richter, der niemals eine Waffe trug, als Laien hinzustellen, wenn dieser Abgeordnete über militärische Dinge, über Einrichtungen, Formationen und . Hine einfache «-Lösung. Nun ist man in AlgeeiraS glücklich soweit, um, durch den österreichischen Vermittelungsvorschlag, eine «Grundlage« für die Regelung der marokkanischen Polizeifrage Herstellen zu können, dieser Frage, die von der internationalen Diplomatie wie ein Problem von der »lngeheuersten Wichtigkeit behandelt worden ist, von besten Lösring ober Nichtlösung Krieg und Frieden in Europa abhängig sein sollte! In acht kurzen Bestimmungen, in wenigen Zeilen, hat Oesterreich-Ungarn der »Weisheit letzten Schluß" niedergelegt. Und all' dieser furchtbare, ofyrenbetmibenbe, die Welt aufs höchste beunruhigende Sarin, dies Kriegsgeschrei im Ausland, das bereits Handel und Industrie bedenklich angriff und bei noch längerer Dauer die Unternehmungslust zu zerstören drohte — alles das war, im Grunde genommen, ein Lärm um nichts. Tenn die marokkanische Polizei ist ein Nichts gegenüber der Bedeutung des Weltfriedens. Konnte wirklich nicht früher diese verblüffend einfache Lösung gefunden werden? Gott bewahre uns vor einer neuen internationalen Konferenz l Ein Stelldichein für alle Gegner Deutschlands ist in AlgeeiraS geschaffen worden. Wir sind niemandem nähergen'uft — sofern diest r holde Wahn bestand— aber alle, die neidisch auf Deutschlands Ausstreben sind, sanden die bequemste Gelegenheit, gemein* samen Empfindungen Ausdruck zu geben und Verbindungen fester zu tniipfcn. Spanien und Frankreich, Rußland uns Frankreich, Italien und Frankreich, sogar die Bereinignm Staaten und Frankreich, ja Holland und Frankreich, mit jedem neuen Bericht aus Algeciras wurde die Freundschaft, die Intimität größer und offenkundiger. England und Frankreich brauchen sich kaum noch etwas zu gewahren. Muslergiltig erfüllte England den Part, Frankreich zu unter* stützen. Aber Deutschland? Welchen Freund hat Deutschland gewonnen beim Langen Beisammensein in Algeciras? Oder welchen Gewinn an Einfluß nehmen wir aus Algeciras mit? Die deutschen Forderungen sind durchgesetzt worden, könnte man sagen. Dasselbe werden die Franzosen von ihren Forderungen behaupten. Schließlich darf Oesterreich-Ungarn mit noch größerem Rechte daS Verdienst der „rettenden Tat" bea-nspruchLn. Aber selbst den Sieg der deutschen Forderungen angenommen, der Erfolg in wirtschaftlicher wie in politischer Hinsicht ist kern olcher, um das Herz höher schlagen zu machen. Die Mw- rokkopolitik war glänzend bis zum Fall Delcasses. Die Konferenz ist kein Triumph des Fürsten Pläne sein Urteil abgab. Richter war stets eine in hohem Maße eigenartige Persönlichkeit im Parlament. Was menschlich mit seinem oft schroffen Auftreten versöhnte, war die zweifellose U eb er* zeugungStreue, die seine Reden durchwehte, der er auch dann nachging, wenns schwierig wurde — nach rechts wie nach links. Und man tat ihm unrecht, wenn man seine Wirksamkeit als lediglich negativ bezeichnete. Seine Kritik hatte oft auch eine sehr positive Seite; und durch sie hat er namentlich im Reichstage dem deutschen Volke Dutzende von Millionen an entbehrlichen Ausgaben gespart und auf die Gestaltung unserer Finanzgesetze und Etats nicht selten sehr wohltätigen Einfluß ausgeübt. Seine höchste Befähigung lag auf dem Gebiete deS Finanzwesens, und wer ihn in seinem innersten Wesen begreifen wollte, mußte feine Tätigkeit in der Budgetkommission deS Reichstages verfolgen. Als ehrlicher Liberaler im alten politischen Sinne, war er aller Bedrückung religiöser und kirchlicher Freiheit abhold und hat sich sehr bald zum Gegner des Kulturkampfes der 70er und 80er Jahre durchgerimgen. Auf der Höhe seiner politischen Laufbahn hat er gestanden, als er mitten in seiner unerbittlichen Opposition gegen den neuen Zolltarif gleichzeitig die Bekämpfung der brutalen Obstruktion der Sozialdemokraten aufnahm, weil diese ihren Zweck verfehlte, dem parlamentarischen Prinzip widersprach und den Parlamentarismus verderben mußte. Damals hat er sich als einen wirklichen Charakter gezeigt, welcher auch durch persönliche Unbilden und Schmähungen sieh von dem als richtig erkannten Wege nicht abbringen läßt. Seit mehreren Jahren machte dem Abg. Richter zunehmende Herzschwäche infolge von Arterienverkalkung das Arbeiten und das Verweilen im Reichstag immer schwerer. Vor drei Jahren schon mußte er die von ihm 1885 begründete Freisinnige Zeitung den Händen seines Fraktionsgenoffen und Freundes, des Abg. Müller-Sagan, überlassen; Samstag 10. März 1906 VczugSpretA» monalllch 75 Pü, viertel- Siebener Anzeiger M General-Anzeiger w Deutsches Reich. Berlin, 9. März. Heute begaben sich der Kaiser und die Kaiserin nach dem Mausoleum in Charlottenburg unb legten dort anläßlich bes Todestages Kaiser Wilhelms I. einen Kranz nieder. — An einem parlamentarischen Effen beim Präsidenten deS Herrenhauses nahmen der Kaiser und der Reichskanzler teil. Der Kaiser besichtigte habet baS neue Haus. — Die „Nordb. Allg. Zig/ schreibt: Das „Echo de Paris" will in einer Mitteilung aus Budapest die von der dortigen Presse bereits zurückgewiesene Behauptung aufrecht halten, der Kaiser habe in Kopenhagen dem Erzherzoge Salvator bei et bien erklärt, er werde den Kaiser Franz Josef im Kampf gegen die Ungarn unterstützen. Wir stellen fest, daß der Gewährsmann deS „Echo de Paris' „bei et bien“ geflunkert hat. Die Sr. Maj. zugeschriebene Aeußerung ist dreist erfunden und die Budapester Presse hat es mit vollem Recht abgelehnt, sich durch solche plumpen Machenschaften mystifizieren zu lassen. — Der Sozialdemokrat Georg Bernhard ist aus dem sozialdemokratischen Wahlverein des zweiten Wahlkreises ausgeschlossen worden. Wie bekannt, hat Georg Bernhard schon wiederholt durch seine Selbständigkeit das Mißfallen der Parteioberen erregt. Auf dem Dresdener Parteitage wurde ihm seine Mitarbeit an bürgerlichen Blättern Dorgerooifen, und er mußte infolgedessen diese Tätigkeit ein- stellen. Freilich rächte er sich damals hierfür durch eine arge Kompromittierung Mehrings, die die Schmock-Natur dieses jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Alk. 2.— viertel- jährl. ausichl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis Dormitlagd 10 Uhr. Zeilenvrels: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den oolit. und allgem. Teil: P. Will ko; für »Stadt und Land'' und «föcncbt^aal*: Ernst Heß. mr den Anzeigenteil: Öen? Beck. Schon sein AenßereS, der massige, energische Kopf, die starke, etwas vorstehende Stirn, der kräftige Unterkiefer, die gedrungene Gestalt deuteten darauf, daß er feinen Willen durchzusetzen verstand. Allerdings hatte in den letzten Jahren, seit der Sechzigjährige, der stets als grimmer Weiberhasser galt, die Witwe seines Freundes Parisius heimführte, sich ein (eifer Schimmer der Weichheit über fern Wesen gebreitet. Er wirkte nicht durch kühne Gedankenflüge in das Land der Phantasie, sondern durch kühle, folgerichtige Rechenarbeit, er war kein graziöser Florettfechter, sondern er schwang mit 'Wucht den Mahnung. Seinem großen Gegner, dem Fürsten Bismarck war er verhaßt wegen seines Mangels an geistiger Grazie. * Maximilian Harden, der heiße Bismarckoerehrer, sagte einmal von Richter folgendes: Erft wenn Bismarck fort ist. bitte mancher gedacht, kommt Richters große Zeit. Sie uun nicht. Viel Verdruß, Aerger im eigenen Lager kam, und die Macht schmolz allmählich boom. Langsam aber entgiftete sich nun dir alte Liebe. Zuerst, als er muh glauben konnte, der Verfehmte werde sich wieder m bie Sonne ducken, verfuhr er nicht säuberlich mit ihm. Tann merkte er den Irrtum. Dieser Junker war doch nicht so machtgrerig, wie Richter immer geglaubt oder vielleicht sich zu glauben gezwungen hatte. Oft und öfter, von Jahr zu Jahr, nannte Richter den ersten Kanzler nun rühmend; stellte ihnen den Epigonen als Muswr hin. Und immer freier, Heller, größer wurde bei solcher (rriräfniuitg der Ton. Tann kam die große Rede, die öerrr. v. Bötticher das Staatsfekrelariat Miete. Tas Beste, was über die offizielle Politik nachbiSmärckifcher Zeit m einem Parlament gesagt worden ist. Schneeblaß saßen die Exzellenzen; mit ängitlui) gespannter Miene. Wen würde der nächste Streich treffen? Alle Register klangen. Zorn, Hohn, Verachtung, Pathos, Humor, gellender Witz. Und wie Orgelgedröhn klang's immer wieder durch: „Bismarck war aus anberent Stoff als Ihr Armieligen, deren Leben und Lebensspur ein Windhauch von oben für ewig verwischen kann. Der, Ihr wißt's, war nicht nach meinem Sinn; doch ein Mann; und Ehre, mit ihm zu fechten. Ihr und der!..., Diesen Eindruck suchte ick aiizudeuten, als Bismarck mich mit leuchtendem Blick gefragt halte: „Was haben Sie zu Richter gesagt?" Er schmunzelte, schüttelte den Avpf und meinte: „Ja, um Richter war's eigentlich immer schade." Schade? Gewiß: daß er nicht dazu kam, gestaltend, verwaltend seine Straft erproben zu löunen. Sonst aber: sein Leben war nicht arm. Der letzte starte Vertreter des Politischen Individualismus hat sich selbst auch den Luxus gestattet, seine Individualität zu schrankenloser Geltung zu bringen. Er hieb, stach vnb schoß auf jeden, der ihm nicht gefiel; auch aus die Nächsten s"nd viel zu ost leider auf Hasen, die ihm vor die Flinte kamen). Er hielt sich im Schatten und kam deshalb gar nicht erst m die Gefahr, von der Sonne sich den Mantel abschmeicheln zu lassen. Zu sehen war er kaum: nicht an Dinertafeln, noch bei der Fütterung in Ministerhäusern. Steiner von uns hat ihn ie im Zwack erblickt. Und trotz alledem (nein: und oben darum ist er populär. War's auch in den 2>gen der wildesten Strautze mit dam Recken: selbst bei dessen Getreuesten immer ein bißchen. Am meisten nach seiner Abrechnung mit der neuesten Aera. der beschränkt wird ohne eine sonstige internationale 5ton- tiütfe ober Sicherheit der Ueberwachuny. Es wäre vvrauszusehen, daß Marokko in Abhängigkeit von diesen beiden Staaten geratest und damit für andere Länder eine unannehmbare Ungleichhest der Lage geschaffen würde. Europas Interessen nt Marokko erfordern , tärferc Garantien. Wir fordern also bei der Sck>affung, einer marokkanischen Polizei eine ausländische Mitwirkung, welche allen interessierten Ländern Gleichheit der wrrt-> schaftlichlLu: Behandlung und die Politik der offenen Tüv gleichzeitig nahm diese den Titel Freie Deutsche Preffe an. Während der ganzen vorigen unb gegenwärtigen Parlamentszeit mußte er sowohl bem Reichstag rote dem Abgeordnetenbause fernbleiben. Zum letztenmal gesprochen hat er im Ab- georbnetenhause, unb zroar in einer Sitzung fünf mal. Es ivar am 20. Juni 1904. Im Reichstag hat er zuletzt in ben Sitzungen vom 14. unb 15. Juni 1904 gerebet, als es sich um Ge- roährung eines DarlehnS an bie Kolonie Togo zum Eisen- bahnbau unb um bie Garantie bes Reiches für bie Eisenbahn Dar cs Salam—Mrogoro hanbelte. Eugen Richter hatte sich allgemeine Achtung erzwungen. Daß er, um ein bekanntes Wort zu gebrauchen, «fefte um sich baute*, bas war unter Umftänben nicht unangebracht, im Allgemeinen freilich nicht geeignet, bic Zahl seiner Freunde ins Ungemeffene zu verniehren. Es hielt für viele schwer, bei solcher Veranlagung gute Nachbarschaft mit ihm zu halten; gelang es doch Richter oft nicht, sich selbst eigensten Anhängern gegenüber zusammen zu nehmen. Angesichts seines Hinganges aber geziemt es sich, bes mutigen, unerschrockenen, wackeren unb schneidigen Kämpen für Freibeit unb Volksrechte zu gebenden. Dem Manne Eugen Richter wäre wohl ein längeres Leben zu wünschen gewesen, unb bem beutschen Volke eine Reibe von Führern, bie für seine Wohlfahrt unb für die eigenen Ucberjcugungcn ebenso energisch unb unermüdlich eintreten, wie es Eugen Richter getan hat. Engen Richter wurde am 30. Juli 1838 in Düsseldorf als Sohu des Generalarztes des 8. Armeekorps geboren, der sich um die Resoc.n des Militärs.-nitätswcsens verdient gemamt Hst. Er studierte von 185G bis 1859 zu Voun, Heidelberg und Berlin Rechts- und Staatswisfenschaften, wurde Rcgierungsreferendar zu Düsseldorf und 1854 Assessor. Zum Bürgermeister von Neuwied gewählt, aber von der Regierung nicht bestätigt.und gegen leinen Wunsch nach Bromo er g versetzt, roeigerte s ich Richter, dieser Verfügung zu folgen, verließ den Staatsdienst und widmete sich der Presse, in der er eine rege und umfangreiche Tätigkeit entfaltete. Im Jahre 1867 trat er im Wahlkreise Nord habest als liberaler Kandidat für den Reichstag auf,und wurde bciojiberv aus Empfehlung von Schultze-Telit sch, dessen genossenschaftliche Bestrebungen er sowohl als Schriftsteller wie als Volksredner lebhaft unterstützt batte, gewählt. In jenem ersten Reichstag war Eugen Rich'er Inaenfrfrbriftfüftaer, ebenso wie. Herr v. ^turnm und der wätere Minister Graf Otto zu .Stolberg-Wernigerode. Richter zählte erst wenig mehr als 28 Jahre. In diesem Reichstag hat er nicht gesprochen. Seine erste parlamentarische Rede hielt er im Abgevrdneteuhause, wohin ihn der K'rcis Königsberg in der Neumark entsandt hatte, am 13. Februar 1869. Büloro. t Die in der letzten Komiteesitzrmg von dem deutschen Delegierten b. Radowitz abgegebene Erklärung über bie Polizeifrage lautet im wesentlichen folgendermaßen: Wir stimmen den Ansichten zu, welche die Notwendigkeit bartun, in Marokko eine unter der souveränen Gewalt der schm- fischen Majestät stehende Polizei zu schassen. Wir würdigen die Gründe, welche dafür sprechen, zu einer wirksamen Beteiligung! an ihrer Organisation auf französische und s pan i 1 chü Offiziere zurückzugreifcn; aber wir können .Nicht zu- J ' ' solche Mitarbeit auf diese beiden Län- wird ohne eine sonstige internationale Kon- Nv. 59 Ersitzet«« «»«NH außer SormtaqS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wecbiel mit dem hessischen Landwirt bie Eichener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rolalwnsdruck il Verlag der Brühl'fchen Unweri.-BuchiLStem- bruderci. . R. Lange. Redaktion, Ervedttio« unb T ruderet: schnlstrabe 7. Redaktion 112 Verlag u.Exved.e-^51 Adresse für Deoeichen: Anzeiger Gießen. den extremen Agrariern gegen das .Handelsprovisorium mit Amerika sich aussprach. München, 9. März. Abgesehen von den gestern gemeldeten Begnadigungen für Militärpersonen an- läßlich des 85. Geburtsfestes des Prinzregenten am 12. d. MtS. ist in Aussicht genommen, in nächster Zeit auch eine Anzahl verurteilter Militärpersonen, welche nicht unter dem gestrigen Gnadcnakt fallen, zu begnadigen. Ferner wurden über 200 Zivilpersonen begnadigt, welche durch Not, Leichtsinn oder Unüberlegtheit in Strafe kamen. parlamcntarifcfces* — Die Wahlprüfungskommission des Rcichs- kagS erklärte die Wahl deS Äbg. Dr. Becker-Offenbach für giltig. Das nette französische Ministerium. Paris, 9. März. Präsident Fülliöres unterhielt sich vormittags mit dem Senator Poinearö, worauf er Sarrien zu sich berief. Sarrien hat bat Auftrag zur Kabinettsbildung noch nicht angenommen, sondern seine Entscheidung vom Resultat einer Rücksprache mit seinen politischen Freunden abhängig gemacht. Die Fraktion der radikalen Linken, deren Führer Sarrien ist, sprach Iallieres ihre Zuversicht aus, daß die neu zu b il- dende Regierung sich ausschließlich auf die Parteien bet' Linken stützen und die Trennung von Kirche und Staat ohne Einschränkung und ohne Aufschub ausführen werde. Wenn Sarriens Schritte nicht auf Schwierigkeiten stoßen, so würde er als Ministerpräsident das Ministerium des Innern übernehmen, Löon Bourgeois dos Aeußere, Poin - ears die Finanzen, Thomson würde Marineminister bleiben, damit die bereits begonnene Diskussion des Marmebudgets sofort nach der Konstituierung des Kabinetts fortgesetzt werben kann. Auch der ^Landwirtschaftsminister Ruau, der ein persönlicher Schützling Sarriens ist, mürbe bleiben. Barthou würde die Justiz erhalten. Die Freunde Sarriens bemühen sich, die Mitarbeit Br Lands zu erlangen. .Briand wendet aber die Schwierigkeit ein, die ihm -dürch die Anrrahme eines Portefeuilles in der sozialistischen Partei, der er angehört, erwachsen würde. Unter diesen Umständen ist schwer vorauszusehen, ob die Mission Sarriens zum Ziele fuhren wird. politische Lage-scharr. Deutschfeindliche Skandalszenen in einer Straßburger Elsasserkneipe zur Fastnachtszeit werden in einer Zuschrift an die „Tagt. Rundsch." ziemlich ernst beurteilt. Wer die reichsländischen Verhältnisie gründlicher kenne, wisie, daß in Flegeleien betrunkener Rauhbeine nur plump und unvorsichtig die Gesinnung zu Tage trete, die in geschloffenen Elsäfferkreisen insgeheim und vorsichtiger gepflegt werde. Es sei zu hoffen, daß die reichsländische Regierung es verstehe, Entivickelungen zu hindern, die zur Gründung eines Vereins zum Schutze des Deutschtums in der Westmark nötigen könnten. Es muß überraschen, von einer so pessimistischen Auffassung zu hören, denn erst vor wenigen Jahren konnte ein entschiedener Sieg des Deutschgedankens in den Reichslanden festgestellt werden, nämlich bei den letzten Wahlen zum Reichstage, als sämtliche protestlerische Kandidaten unterlagen und selbst das spröde Metz einen reichstreuen Vertreter nach Berlin entsandte. Die Aufhebung des Diktaturparagraphen war die Antwort auf diese politische Gesinnungskundgebung der Elsaß- Lothringer. Soll man es auch für möglich halten, daß eine Hinneigung zu Frankreich bei einem Teil der reichsländischen Bevölkerung obwaltet zu einer Zeit, in der die Verleihung bundesstaatlicher Rechte an Elsaß-Lothringen angestrebt wird? Dies anzunehmen, hält schwer, und der Vertreter Straßburgs im Reichstage, der Abg. Riff (Hosp, der Fr. Vg.), dürfte nicht verfehlen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit von der Tribüne des Reichsparlaments aus festzustellen, daß die Ausschreitungen im Straßburger Wirtshause nichts weiter sind als Bravourstücke von Leuten, denen geistige Getränke und Kriegsgerede zu Kopf gestiegen waren. Wenn irgend ein Volksteil Anlaß hat, die Erhaltung de§ Friedens zu wünschen, dann sind es die Reichsländer, die den Schreck- niffen eines Krieges vor allen ausgesetzt fein würden. Mögen immerhin einige unentwegte Alt-Elsässer dieser Wahr- heit sich verschließen und in geheimen Konventikeln französische Kriegslieder singen — die weitaus überwiegende Mehrheit der Elsaß-Lothringer hat mit solchem Treiben sicherlich nichts gemein, sondern hält fest an der Pflege friedlicher und reichstreuer Gesinnungen. Äu8 dem Bochumer Knappschastsverein. Nachdem, wie unsere Leser wissen, erst kürzlich im Verein für die bergbaulichen Jntereffen des Ruhrkohlenreviers eine fernste Krisis entstanden war, ist es nun auch im Allgemeinen lKnappschaftsverein zu Bochum gu tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten gekommen. Für die Beamten dieses Vereins besteht eine vom Vorstand erlassene Dienstanweisung, deren Befolgung die Direktoren zu überwachen haben. Diese selbst unterstehen der Beaufsichtigung durch den Vorsitzenden, der .nötigenfalls Weisungen, Mahnungen und Rügen erteilen darf. Infolge verschiedener Verstoße gegen die Ordnung erließ b:v Vorsitzende, Bergrat Ludwig, an'ben Direktor Dr. Bäumer eine schriftliche Ermahnung zu größerer Pünktlichkeit, die dieser in scharfem Tone beantwortete. In Einern Erwiderungsschreiben hierauf brauchte der Vorsitzende den Ausdruck .ungehörig", wodurch sich Dr. Bäumer beleidigt fühlte. Da beide Herren Rcserveofsiziere sind, kam die Angelegenheit vor den zuständigen Ehrenrat. Trotz davon Bergrat Ludwig abgegebenen Erklärung, daß ihm die Absicht einer Beleidigung fern gelegen und er nur als Vorletzter Dr. Bäumers seine Pflicht getan habe, scheint sich der Ehrenrat auf den Standpunkt Dr. Bäumers gestellt zu haben, der erklärte, daß er Bergrat Ludwig nicht als seinen Vorgesetzten anerkenne, da nach dem Statut des Vereins auch ein Arbeiter Vorsitzender des Knappschaftsvorstandes werden könne, und einen Arbeiter könne er unmöglich als Vorgesetzten betrachten. Bergrat Ludwig wurde eine Forderung a u f P i st o l e n überbracht; er Ie i)nte aber jede weitere Unterhandlung in dieser Angelegenheit a b. In einer außcrordent» lichen Vorstandssitzung wurde sodann der Versuch gemacht, derartige Differenzen für die Zukunft generell zu verhindern, jedoch vergebens. Der bergamttiche Kommiffar sah sich in- folgedeffen veranlaßt, das Einschreiten des Oberbergamts in Aussicht zu stellen. Aus StaM tmb Land. Gießen, den 10. März 1906. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Präsidenten des Ministeriums des Innern Ernst Braun von den Dienstverrichtungen eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Justiz- und Verwaltungsfach enthoben und den Ministerialrat in dem genannten Ministerium Aug. Karl Weber zum Mitglied der bezeichneten Kommission ernannt. — S. K. H. der Großherzog haben zum 9. März d. I. dem eoang. Pfarrer und Dekan Kirchenrat Ludwig Meyer zu Friedberg den Charakter als Geh. Kirchenrat erteilt. — Ernannt wurde der Hilssgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Rheinhessen Wilh. Ranft zum Hilfsgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Oberheffen. — Volksunterhaltungsabend. Der für morgen abend angekündigte Volksunterhaltungsabend (s. Ins.) findet — darauf sei ausdrücklich hingewiesen — ohne Restauration statt, um auch alleinstehenden Damen den Besuch zu ermöglichen. Auch dürfte dadurch dem weniger mit Glücksgütern gesegneten Teile unserer Bewohnerschaft (und gerade für ihn ist ja der Abend in erster Linie berechnet) der Besuch wesentlich erleichtert werden. Doch findet zwischen dem 1. und 2. Teil des Programms eine längere Pause statt, in der Restauration in den Nebenräumen möglich ist. Die an dem Saaleingang zu verabfolgenden Programms werden gegen das im Inseratenteil d. Bl. veröffentlichte einige kleine Aenderungen aufweisen, die aber dem Gelingen des 2(benb§ nur gi m Vorteil gereichen dürften. — Promenadekonzert findet Sonntag vormittag 11 V2 Uhr in der Südanlage mit folgendem . Programm statt: 1. Ouvertüre zu ,Stradella" von Flotow, 2. Melodie celebre von Rubinstein, 3. Introduktion und Chor aus .Lohengrin" von Wagner, 4. Armeemarsch Nr. 206. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters Nochmals sei and) an dieser Stelle auf die Fremden- vorste llung am morgigen Sonntag nachmittag Uhr hingewiesen, die KleistS „Prinz von Homburg" in der Ausstattung und Besetzung der Hauptrollen genau wie in der Festvorstellung zu ermäßigten Preisen bringen wird. Am Sonntag Abend gelangt die Posse „Rosa-Dominos" zur Aufführung, die durch die Balleteinlage von Frl. Lina Oldini im ersten Zwischenakt (japanischer Fächer tanz) eine besondere Attraktion erhalten hat. **DerBürgerverein veranstaltet nächsten Mittwoch in Steins Garten einen Vortrag über die Kanalisation. Im Anschluß daran ist jedem Gelegenheit geboten, Fragen zu stellen. Oberbaurat Schm ick und Stadtbau- meister Braubach wollen alle gewünschten Aufklärungen geben.. Nach Erledigung der techn. Erörterungen über die Kanalisation wird die Kostcnfrage zur Verhandlung kommen; die Versammlung verspricht dadurch in jeder Beziehung sehr interessant zu werden. ** Die Mitglieder des Bienenzüchter-- vcreins fürGießcn und Umgegend, sowie Freunde der Bienenzucht feien auf den am Sonntag, 11. März, im Restaurant „Karlshos" stattfindenden Vortrag des Pfarrers Weygandt aus Staffel a. d. Lahn über: „Wie wirtschaftet der Kleiniml'er am praktischsten, um bei mäßigen Kosten den größtmöglichsten Nutzen aus seiner Bienenzucht zu erzielen?" aufmerksam gemacht. " Besitzwechsel. Die Restauration «Kaiser Friedrich" Grünberger Straße, ging durch Kauf an Herrn Oppers für den Preis von 34 000 Mark über. — Tie Ho freite des Postschaffners Wilhelm Da pp er in der Wall- torstraße 49V,» kaufte Holzhändler Eduard Sack zum Preise von 16 000 Mk. — Das Gelände des Bankiers Joseph Herz in der Stephanstraße, das er vor 12 Jahren für 3 500 Mk. kaufte, ging in den Besitz deS Schreinermeisters Schön in der Ebelstraße für 52 000 Mk. über. — Für 12 000 Mk. erstand .Kaufmann Christoph Bieker in der Neustadt das Ackerg-'lände der Jakob Nonstadt Erben, Schmidt und Weldig. “• Sturm und Unwetter sind in Verbindung mit Schneefällen seit vergangener Nacht an Stelle des warmen Frühlingswetters im Beginn dieser Woche getreten. Heute nacht erreichte das Sturmwetter seinen Höhepunkt, wahrend im Laufe des Vormittags wieder eine entschiedene Steigung zu schönerem Wetter eintrat. Aus ganz Mittel-Deutschland liegen ähnliche Nachrichten vor. Die Telephon- und Telegraphenleitungen waren vielfach gestört. *• Bund deutscher Militäranwärter (Landesverband Großherzogtum Hessen). Der diesjährige ordentliche Verbandstag findet Sonntag, 11. l. Mts., in Darmstadt statt. Der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Generalmajor von Kloeden, hat sein Erscheinen dabei zugesagt. Es wird darauf hingewiesen, daß alle dem Verbände noch fernstehenden Militäranwärter, Kriegs- und Friedensinoaliden sich in ihrem eigensten Interesse zu dem Verbandstage einfinden sollten, da nur durch den Zusammenschluß die Lage aller eine Besserung erfahren kann. Es sei hier darauf hingewiesen, daß der Bund deutscher Militäranwärter nahezu 40000 ehemalige Unteroffiziere, Kriegs- und Friedensinvaliden zu seinen Mitgliedern zählt. Der Landesverband Großherzogtum Hessen setzt sich aus fünf Vereinen, Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen und WorrnS mit nahezu 500 Mitgliedern zusammen. (Siehe Inseratenteil.) ** Ueber die bei der Erteilung von Schießerlaubnis vom Großh. Polizeiamt eingeführten Grundsätze befindet sich in der heutigen Nummer eine Bekanntmachung, auf die Interessenten aufmerksam gemacht seien. ** Kunstausstellung. Einheitlichkeit der Stimm- iung, diesen Hauptvorzug künstlerischer Ausstellungen, der so manches Mal atfer heißen Mühe zum Trotz sich nicht einstellen will, verdankt die gegenwärtige dem freundlichen Zufall, der lauter Werke graphischer Kunst, teils Arbeiten Ernst Liebermanns-München, teils solche des hochangesehenen Münchener Originalradiervereins zusammenführte. Den ganzen Saal füllen die mehr als 200 Blatter, scbwarz-4veiß und farbig, Radierungen, Lithographien, Stiftzeichnungen. Ohne den Ruhm anderer schmälern zu wollen, lenken wir die Aufmerksamkeit der Besucher ganz besonders auf die schöne Liebermannsche Sammlung, die uns einen liebenswürdigen und feinsinnigen Illustrator kennen lehrt. Daeser Teil der Ausstellung wird am nächsten Montag verschwinden, während die Radierungen der Münchener bis. zum 18. Mürz ausgestellt bleiben sollen. A ” Zum Ankauf des Aktienbrauereigeländes. Zu unserem gestrigen Referat in der Stadtverordneten- Versammlung schreibt uns Herr Brauereibesitzer Bichl en Verehrlicher Redaktion teile ich im Hinblick auf die in der vorgestrigen Stadtverordnetenversammlung gegen mich erhobenen Angriffe vorläufig mit, daß ich denselben in geeigneter 23 c ij e entgegentreten werbe. Diese Angriffe sind u n- begünbet, die zu ihrer Begründung oorgebrachten Behauptungen sind mehrenteils u nwah r. Ich habe gehandelt, wie es mein Recht und meine Pflicht gewesen ist. )!( Leihgestern bei Gießen, 10. März. Die Gemeinde plant eine, Vergrößerung des Gotteshauses oder die Errichtung einer neuen Kirche. Ter Um- und Vergrößerungsbau ist zu 60 000 Mk., der Neubau zu 75 000 Mk. veranschlagt. )( Butzbach, 9. März. Gestern abend wurde von der hiesigen Gendarmerie in Nieder-Mörlen ein Korbmacher Namens Haßler festgenommen, der in dem dringenden Verdacht steht, die Frau Fett von Ostheim auf der Chaussee nach Niederweisel angefallen zu haben. Er ist bei Gegenüberstellung der Frau von dieser aufs Be- stimmteste als Täter erkannt, und daraufhin in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. Im übrigen handelte es sich nicht um einen Raubanfall, sondern um einen unsittlichen Angriff. Zur Ergänzung sei mitgeteilt, daß es sich nicht um die Witwe des Gastwirts Fett handelt. (-) Friedberg, 9. März. Kirchenrat Meyer beging unter überaus großer Teilnahme der Einwohnerschaft und der Behörden sein oOjähriges Amtsjubiläum. Vormittags wurden ihm in seiner Wohnung die Glückwünsche der Behörden und Korporationen überbracht, nachmittags 2 Uhr fand im Hotel Trapp ein Festmahl statt. Kirchenrat Meyer ist bereits 49 Jahre in unserer Stadt als Geistlicher tätig und seit dem Tode des Kirchenrat Baur 1888 steht er an der Spitze der evang. Gemeinde. Nächsten Sonntag findet im Saalbau zu Ehren des Jubilars eine gesellige Vereinigung statt. [] Muschcnheim, 7. März. Der Vo lksb ild- ungsverein veranstaltete gestern abend im Saale des Gastwirts Roth einen Familie nabend. Aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares bildete den Mittelpunkt der Veranstaltung ein Vortrag des Pfarrers Köhler über: „Unser Kais er paar", worauf die Nationalhymne gesungen wurde. Zur Belebung der Feier trug der Gesangverein durch Vortrag einiger schöner Lieder bei. Nach einem kurzen Schlußwort des Pfarrers wurde noch gesungen: „Deutschland, Deutschland über alles." Tie Versammlung war recht gut besucht und die erste derartige Veranstaltung in der Gemeinde verlief in schönster Weise. — Wie alljährlich, so findet auch dieses Jahr ein Ball der Beamten der Butz b ach -Lich er Eiseubahn statt, und zwar Samstag, 10. März, im Saale des Gastwirts Roth hier. Darm stad t, 9. März. I. K. H. die Großherzogin besuchte gestern nachmittag das Elisabethenstift bei Nieder- Ramstabt. Geheimerat Prof. Bin ding aus Leipzig wurde gestern vormittag in dludienz empfangen unb nahm alsdann an der Großh. Frühstückstafel im Neuen Palais teil. (D.Z.) Wetzlar, 9. März. Wie der „W. A." hört, schweben zwischen dem Fürstlichen Hause Solms-BraunfelS unb der Firma Krupp in Essen Verhandlungen, die den Verkauf der im fürstlichen Besitze befindlichen Bergwerke sowie der Ern st bahn gum Gegenstand haben. Frankfurt, 7. März. Zwei prächtige Elenn-Anti- lopen — nächst der Giraffe die größte Antilopenart der Erde — mb vom Zoologischen Garten erworben worden. Die erst IV-jährigen Tiere haben schon fast Pferdegröße und Hörner von saft Vs Meter Länge. Die älteren Besucher des Zoologischen Garten werden sich gewiß des früheren Paares dieser Prachttiere erinnern, von denen das letzte Stück im Jahre 1890 starb, seitdem sind diese Antilopen zu den größten Seltenheiten geivorden/ da auch in ihrem Vaterlande die Viehseuchen das wiederkäuende Wild gewaltig dezimiert haben. — In das Affenhaus gelangten unter einer Anzahl Halbaffen zwei Varis, die durch die schneeweiße Färbung des Arm- unb Rückenpelzes einen sehr schönen Anblick ' gewähren, was von der gleichzeitig eingetroffenen, sehr häßlichen Känguruhratte nicht gesagt werden kann. Ein im Fliegen purpurn schimmernder H e l m v v g e l komplettiert jetzt wieder das Paar dieser afrikanischen Prachtvögel, von denen das Männchen kürzlich gestorben war. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. 2Iuf eine 25jährige Tätigkeit im Gendarmerie-Dienste konnte Wachtmeister Kersting in Lützellinden am 1. März dö. Js. zuriickblicken. — Die Staatsanwaltschaft bat das Versahren gegen den katholischen Pfarrer in Jügesheim, der angeblich an einem 13 jährigen Mädchen ein Sittlichkeitsverbrechen verübt haben sollte, e i n g e st e l l t. Nach eingehender Untersuchung haben sich die beiden anonymen An-- /seinen als falsch erwiesen. Gießcncr Strafkammer. )( Gießen, 9. März. Die Strafkammer verurteilte den 19jährigen Buchdrucker O. B. aus Großbreiterrbach wegen Diebstahls und Mundraubs zu 10 Monaten Gefängnis. Er kam am 7. vor. Monats auf der Wanderschaft nach Fauerbach-Friedberg! und stieg durch ein offenstehendes Fenster in ein Haus ein, wo er außer Nahrungsmitteln zwei Paar Stiefel stahl. Beim Verlassen des Hauses wurde er abgefatzt und der Polizei überliefert. Das Gericht stellte fest, daß er die drei letzten Jahre fast ausschließlich im Gefängnis zugebracht hat: kaum war er entlassen, so ließ er sich wieder cinV Straftat zu schulden kommen. Nur der Unerheblichkeit des Gestohlenen hatte er es zu verdanken, daß ihn das Gericht nod) einmal mit dem Zuchthaus verschonte, zumal er schon recht erhebliche Vorstrafen erlitten hat. Mit Rücksicht auf sein Geständnis erfolgte die Anrechnung eines Monats der Untersuchungshaft. —, Zwei hiesige Taglöhners- witwen H. und E., die beide schon ansehnliche Strafregister aufzuweiscn haben, gerieten in ihrer gemeinsamen Wohnung in >streit, der sich auf der Straße fortsetzte. Frau H. drohte wrer Gegnerin den Kopf abzuhacken, indem sie ihr mit erhobenem Hackbeil nachlief. Jede von ihnen will in Notwehr handelnd auf die airdere eingeschlagen haben. Auf gegenseitigen Strafantrag verurteilte sie das hiesige Schöffengericht wegen Körperverletzung, Bedrohung und Werfens zu Geldstrafen von 20 und 3 Mk. bezw. 10 und 3 Mk. Wahrend :tte erwarten lassen sollen. Banken erholten sich kräftig von ihrem Kurssturze. Die gesteigerten Dividenden verlohnten die "ockulcUion einigermaßen und halsen leichter über den Mangel her Liquidität hinweg. Montan- und L> iN t e n w e r t c hatten bettete Tendenz, wenngleich auch die scharfen Rückgänge noch nutzt roicber eingeholt werden konnten. Trotz günstiger Industriebertchte bteibt man weiter zurückhaltend und bHdt abwartend auf btc Entwicklung der amerikanischen Verhültn'.sse. S ch inahrts- mcite tonnten im Hinblick auf die bevorstehende Abtrennung her Dividenden wieder im MUrfe gewinnen. Renten ohne iedes ?fnimo, aber in freundlicher Beurteilung mit Nachlaßen des v’-.-ibfnl-ce UniVerfttäts-NachrZchten. Göttingen, 9. März. Die akademischen Behörden genehmigten ben Ausschuß bes ©tubentenoerbanbed, her sämtliche nichtkonfessionellen Korporationen, sowie Nichtinkorpo- riertc, welche die Grunbsätze des Derbanbes deutscher Hochschulen anerkennen, umigstt._______________________ ____ "Hansel un» Perfcbr, Volkswirtschaft. Berlin, 9. Vlärz. Ter Aussichtsrat der Deutschen Bank beschloß, eine Dividende von 12 Proz. in Vorschlag zu März Barometer mit 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit । Relative Feuchtigkeit Windrichtung ____ Windstärke Wetter 906 9. 215 7406 + 4,7 5,4 84 NW 6 Bew. Himmel 9. 9” 740 8 + 3,2 4,8 83 W 4 Bew. Himmel 10. 7- 1745,9 + 1,7 4.3 84 NNW 4 Bew. Himmel 1.50 „ ausgeführt von der 1536 Anfang 4J/2 Uhr. Eintritt 40 Pfg. © K. Schön, Bauinsvcftor. 1446 letztere GeltzeHeilskNf Nach, gegenüber. 01630 a JC 3.60 K 2.60 schon Schlossgasse 8. Schlossgasse 8. B*7S knollig, 1584 Südweine ,55 alter Drogerie, SeUerSweg 39,VüllLchLaf n » 1! 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Die Nummern des zu versteigernden Holzes sind rot unterstrichen. Zusammenkunft im Distr. Neuerwald. Nähere Auskunft erteilt Großh. Forstwirt Höres zu Treis a. Lda. Freitag, deu 16. März, vormittags von 9»/, Uhr ab in den Nein-Domanial- und Mitgebrauchswaldungen der Forstwartei Treis (Distr. Scheid, Hcege, Hainbuch usw.) Stämme: 19 Fichte unter 25 cm dick — 5,18 fm; Terb- staugcn: 11 Eiche 0,45 fm, 350 Fichte = 28,13 tm; Rntzfcheiter rm: 3 Eiche; ferner Brennholz Scheiter rm: 34 Eiche II. Klasse, 20 Kiefer (rund), 1 Aspe; Knüppel rm: 6 Buche, 10 Eiche, 1 Aspe, 95 Kiefer; Reisig rm: 15 Eiche, 352 Kiefer; Stöcke rm: 22 Kiefer. Die Nummern des in den Distrikten Hainbuch, Pftngst- kops, Holzgeschirr, Heege, Alte Unner, Himberg, Bommen^ stein, Todtenberg und Auf dem Busch zu versteigerrrdeu Holzes sind rot unterstrichen, und wird das in diesen Distrikten zerstreut liegende Dürr- und Windfallholz nicht vorgezeigt. Die blau durchstrichenen Nummern des Brennholzes im Distrikt Scheid werden nicht versteigert. — Zusammenkunft bei Nr. 1 in Distrikt Scheid. §tahere Auskunft erteilt Großh. Forstwart Mandel zu Treis a. Lda. »ctdjnete in Äieseck wegzugLhalder ein geräumiges Wohnhaus, an der Gießener Straße gelegen, zu jedem Geschä.csbetrieb geeignet, mit massiven I Mein Geschäft liegt etwas abseits, ■Stauungen, großem Gras- u. Grad» I aber es lohnt sich, zu mir zu kommen 9°oC?'< mitSö‘iem Bauplatz, ferner Zur Saison - KröfEnang -t>44 qm 23tefe am eauerngrabtn, setze einen großen Posten neue Pneu- derWackerswiese, l matikS, renom. Fabrikat, einem Aus. " ant Hammweg, | verkauf aus und erlaffe, solange 30b „ „ tn dem Wasserfall, | Borrat reicht: ein Baumflück hinter den Hopfen- prachtvolle Mäntel . gärten, gute Luftschläuche mit ein Baumstuck hinterm Haag Dunlop-Benül auf dem Nathans öffentlich meist-1 ferner offeriere bietenb Derfieig-rn. sI589 Acetylen-Laternen ’ ______E- Komeke Ww. 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