Nr. 23r Zweites Blatt 156. Jahrgang Erscheint tLslich mit Ausnahme des Sonntags. Die ^Sketzener §amllienb!atter"' werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beig-legt. Der E^eistsche Landwirt^' erscheint monatlich einmal. Eichener Anzeiger z. Oktober 1806 Rotationsdruck und Verlag bet vrühl'fche» UntverfilätSdruckerei. 3L Lange, Stehe«. Redaktion, Expedition «.Druckerei: 8chulstr,U, Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Dietz««. General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Eine IiplomaLenreise. Gestern kain die Dtcldnng, daß der Staatssekretär des Ausw., Frhr. v. Tschirschky, auf der Neise nach Wien und Rom sich befinde, und sofort knüpften daran mehrere Berliner Blätter allerhand politische Kombinationen. Tas offiziöse Burean aber bemerkte, daß die Reise keinerlei Bedeutung habe; wenn der Staatssekretär in Wien bei feinem dortigen Aufenthalte den Minister desAnSw., Grafen Golu- chowSky. besuche, dann sei das ein selbstverständlicher Akt der Löslichkeit. Run wird aber die Reise des Staatssekretärs auch von österreichischen Blättern als politisches Ereignis behandelt, welche der Erörterung der Beziehungen beider Reiche zu Italien gelten soll. Demgegenüber erfährt nun heute wieder die „Tägl. Rundschau", daß zu der Reise ein bestimmter politischer Anlaß überhaupt nicht vorliege, sondern rein persönliche Gründe. Dies schließe nicht aus, daß Herr v. Tschirschky auch mit den Leitern der österreichisch-ungarischen Politik und besonders mit dem ihm persönlich bekannten Grafen Golnchowsky in Verkehr treten werde. Im Anschluß an den Aufenthalt in Oesterreich plane der Staatssekretär einen Besuch in Liorn, um dort mit den ihm noch nicht bekannten Staatsinännern in persönliche Beziehung zu treten. Also ist die Reise doch politisch. Und um so bemerkenswerter, als der Dreibundvertrag im> Jahre 1908 abläuft. Viel Zeit, um unsere Beziehungen mit Italien ins Reine zu bringen, ist nicht mehr vorhanden, denn die Kündigungsfrist der Tripelallianz ist in wenigen Monaten, nämlich am 1. Januar 1907, fällig. Zwar würde der Dreibund automatisch wciterlaufen, wenn er nicht während des nächsten Jahres von einem dec drei beteiligten Staaten gekündigt wird, aber man hat in der Berliner Wilhelm-Straße offenbar kein rechtes Vertrauen zu der Haltnng Italiens. Deshalb will man wohl bei Zeiten wissen, woran man ist, um nicht mit einem unsicheren Faktor rechnen zu müssen. Wie aus gut unterrichteter Wiener Quelle verlautet, haben die beiden Kaisermächte indessen nicht'die Absicht, sich mit einer Rekonstruktion des Allianz- Vertrages auf der alten Basis zu begnügen, sondern sie wollen eine Erweiterung, bezm. Ergänzung an- slreben. Es handelt sich'dabei vor allem, die Gegensätze an§- zugleichen, die zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn immer wieder Reibungen Hervorrufen und in einem seltsamen Gegensätze zu den verbrieften und besiegelten Freundschaftsbeziehiingen zivischen den Kabinetten von Wien und Rom stehen. Diese „Unstimmigkeiten" rühren einerseits von der irredentistischen Propaganda in den italienischen Landesteilen Oesterreichs her, die von Italien aus gefördert wird, und anderseits sind es die Aspirationen des apenninischen Königsreiches auf dem Balkan, welche dort auf den Widerstand der traditionellen österreichischen Orientpolitik stoßen. Bei uns in Deutschland unterschätzt man die tiefgehenden Differenzen, welche zivischen unferen beiden Bundesgenossen stets von Reilem Unfrieden stiften. Tie heftigen Zusammenstöße zivischen Kroaten und Italienern, deren Schauplatz kürzlich Fiume und einige dalmatinische Küstenstädte waren, haben in Italien wieder viel böses Bliit gemacht, u>id das römische Kabinett sah sich sogar veranlaßt, im Wiener auswärtigen Amte eine beträchtlich hohe Schadenersatz-Rechnung einzureichen für die Verluste, welche in Fiume und Dalmatien angesiedelte Reichsitaliener bei den Krawallen an ihrevi Vermögen eingebüßt haben. Ferner ist es. höchst bemerkenswert für die gesamte Situation, daß die Habsburgische Monarchie seit einiger Zeit militärische Vorkehrllngen trifft, die sich unverkennbar gegen Italien richten, d. h. mindestens den Zweck verfolgen, die in früheren Jahren vernachlässigte Militär. Sicherung Südtirols, fowic der Küstenlande wieder herzustellen. Anders lassen sich die fortwährenden Truppcnverschiebungen nach diesen Provinzen nicht erklären. Aber auch Italien konzentriert die Hauptmacht seiner Streitkräfte in dem berühmten Festungsviercck in der Poe bene, wogegen -es an der französischen Grenze eine ganze Anzahl von Garnisonen aufgelassen hat. Und gestern kam die Nachricht, daß der italienische Marineminister eine Forderung von 120 Millionen Lire zur Erbauung einer neuen Schlachtschiffs division im nächsten Mimsterrat einbringen wird mit der Motivierung, daß Oesterreich ebenfalls die Schaffung einer neuen Schlacht- schlffsdivision beschlossen habe. Also em recht nettes Bundesverhältnis, bei dem die beiden Freunde einander bis an die Zähne gerüstet kampfbereit gegenüberstehen, anstatt Schulter an Schulter gegen einen dritten zu kämpfen! Herr v. Tschirschky soll nun also wohl in Wien wie in Nom vorsichtig diese Dinge zur Sprache bringen. Wenn die Tripelallianz in Kraft bleiben soll, so muß zwischen Nom und Wien vollständige Klarheit geschaffen und das Trennende beseitigt werden. Der deutsche Staatssekretär soll wohl dafür sorgen, daß Oesterreich und Italien sich zu allerhand Ver- pstlchtungen gegen einander bequemen. Des Dreibundes Ende würde nicht nur den Feinden Deutschlands einen neuen zugesellen, sondern auch über kurz ober lang zu einem Kriege zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien führen. Dagegen lassen sich bei einer Revision des Dreibundvertrages die Friedensbürgschaften nicht nur erhöhen, sondern auch die österreichisch-italienischen Gegensätze auf diplomatischem Wege schmerzlos beteiligen. So könnten beispielsweise die österreichischen Behörden die irredentistische Agitation spielend leicht unterdrücken, wenn sie nicht immer von Italien aus genährt werden würde. Auch auf dem Balkan ist für die beiden Mächte genug Ellbogen-Freiheit, aber man empfindet es in Wien peinlich, daß der Fürst von Montenegro, der Schwiegervater des Königs Viktor Emanuel, dem österreichischen Nachbar gegenüber eine Politik der Nadelstiche verfolgt, und als Quartiermacher Italiens die interessanten Völkerschaften in Albanien nicht zur Ruhe kommen läßt. Gerade aber kleinliche Zänkereien pflegen am meisten zu erbittern und so erklärt sich die gereizte Stimmung, welche in dec Wiener Hofburg gegen den unangenehmen Bundesgenossen herrscht. Aber die Diplomaten des Dreibundes müssen bei der Erneuerung des Dreibundes ganze und nicht halbe Arbeit leisten, denn? sonst würde nur das Eine erreicht werden, daß Italien sich zwar für eine weitere Reihe von Jahren als dritter Mann beim Skat festhalten ließe, im Spiele aber gegen die beiden anderen mogelte, soviel eS nur anginge. Ein unsicherer Bundesgenosse ist aber schlechter als gar keiner! Kotlitische Tagesschau- Ein Protest des Kaisers. Die Prager „Vohemia" meldet: Kaiser Wilhelm haße an den Fürsten Philipp Ernst Hohenlohe nach Schloß Podjebrad eine telegraphische Nachricht des Inhalts gerichtet, daß er von den Veröffentlichungen, welche fein Verhältnis zum Fürsten B i s- marck und die Gründe für dessen Entlassung betreffen, Kenntnis erhalten Hube. DerKAjer bezeichnet es als eine grobe Taktlosigkeit, daß ohne seine Erlaubnis Angelegenheiten, die seine Person betreffen und die unabsehbare Konsequenzen nach sich ziehen könnten, veröffentlicht werden. Ter Kaiser spricht aus diesem Anlaß dem Prinzen den schärfsten Tadel aus. Fürst Philipp Ernst, der ältere Bruder des Prinzen Alexander, Bezirtsprasidenten in Colmar, ermächtigte die „Vohemia" zu der Mitteilung, daß er Kaiser Wilhelm daraufhin ein Telegramm folgenden Inhalts habe zugehen lassen: Er, Fürst Philipp, habe von der Art der Veröffentlichung der Memoiren des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst gar nichts gewußt. Die Memoiren seien Eigentum seines Bruders und würden von Professor Curt ins in Straßburg herausgegeben. Er selbst habe von ihrem Inhalt keine Kenntnis gehabt, auch auf "die Veröffentlichung feinen Einfluß genommen und überhaupt nichts davon gewußt. Es sei ihm wohl bekannt gewesen, daß die Veröffentlichung für spatere Zeit in Aussicht genommen war, er sei aber entrüstet darüber, daß gerade dieser Teil der Memoiren jetzt veröffentlicht würde, und müsse sagen, daß der Kaiser über diese Veröffentlichung mit Recht ungehalt en sei. 1 —■ —। ■ i . ■ . 1 "2LJ . ■. । tl o i Deutsches Reich. Danzig, 8. Oft. Dec Kaiser traf heute abend, von Kabinen kommend, in Langfuhr ein, nachdem er kurze Rast in Marienburg gemacht hatte, und nahm im Kasino des 1. Leibhusarenregimentes bas Souper ein. Gegen IO1/» Uhr erfolgte die Abfahrt nach Werbellinsee. Berlin, 8. Oft. Wie die „Nordd. Allg. Zig." hört, wirb sich der Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Freiherr v. Stengel, in den nächsten Tagen zum Vortrage beim Reichskanzler Fürsten Bülow nach Homburg begeben. Bei der Besprechung wirb es sich in erster Linie darum handeltt, wie der nächste Neichshau shalt unter Berück- irraMwuni-nsn—wnea ■linTwr rramn i ....... sichtigung der militärischen Erfordernisse am zweckmäßigsten zu gestalten ist. Der Unterredung wird voraussichtlich auch der Kriegsminister v. Einem beiwohnen. — Nach der „Lid. Korr." sollen die 60000 MarV, die Stöcker zu bekommen sucht, dazu dienen, sämtliche n i ch t s o z i a l b e m o k r a t i s ch e Arbeiterorganisationen im ganzen Reich unter der Flagge der christlichen 91 r- beitervereine zusarnmenzuschließen. Allenthalben im Lande sollen jetzt Sekretariate dec christlichen Arbeitervereine eingerichtet werden. Hannover, 8. Okt. Unter dem Namen „Hannoversche b em o kr atisch e Vereinigung" bildete sich eine neue '4Bcl f cnpart ei. Ans Hannover und Umgegend meldeten bereits 2000 Personen dem Vorstand ihren Beitritt an. ----- ■ ----... ; . —LU—ü1-' " J ' " Berlin, 9. Oktober. Zu den Mitteilungen der Germania in Bezug auf die Anzeige gegen Dr. Kersting, den Bezirks-Hauptmann in Togo, schreibt die Freis. Ztg.: Wir sind in der Lage, die Richtigkeit dieser Angaben in vollem Umfange zu bestätigen. Gegen Wistuba wäre bis auf den heutigen Tag nicht das geringste unternommen worden. Trotzdem man ihn zuerst bestrafen und aus dem Kolonialdienst entlassen wollte, war man nachher sogar geneigt, Wistuba, um ihn nur zu beruhigen, zum Bezirksamtmann zu befördern, wenn sich nicht herausgestellt hätte, daß er zu den bekannten Herrn Pöptau in Beziehungen stand und gleich diesen durch Vorstellungen an die Behörde eine Beseitigung der Mißstände in der Kolonial-Verwaltung erzielen wollte. Wie wir hören, beabsichtigen Wistuba und Pöplau nunmehr ihr gesamtes, in der Oeffenllichkeit noch lange nicht vollständig bekanntes Material, in Sonderheit auch sämtliche unerledigt gebliebenen Eingaben an den Reichskanzler, dem Reichstage auf dem Petitionswege zur Kenntnis und Uebcrprüfung zu unterbreiten. ' Russisches. Die „Ruff. Korresp.", ein von revolutionären jungen Russen m Berlin herausgegebenes, unentgeltlich sämtlichen Zeitungen Deutschlands und Frankreichs zugehendes journalistisches Unternehmen, von der wir bisher nur äußerst selten Gebrauch gemacht haben, da uns die Tendenz keineswegs zusagt, brachte kürzlich einen längeren Artikel über die russischen Finanzen, dec behauptete, auf Grund eines Ge- beim?rpofee des russischen Finanzmini st ers Kok owzef f entstanden zu sein. Diesen Artikel veröffentlichte zuerst der Pariser „Teinps", und es schlossen sich daran allerhand Preßäußerungen. Vom offiziösen Nuss. Tel.-Bureau wurde dieser Artikel alsbald rektifiziert und als „mit Vorsicht zu behandeln" bezeichnet, aber doch nicht gänzlich dementiert, sondern im wesentlichen dahin kommentiert, daß der Finanz- minifter selbst die größte Vorsicht übe, und daß die Finanzen keineswegs schlecht stünden. Diese offiziöse Erklärung trug aber gerade dazu bei, daß dem trübseligen Exposee besondere Beachtung geschenkt wurde, und es werden jetzt umso ungünstigere Schlüsse gezogen auf die Fortdauer dec russischen Gold Valuta. Wenn allerdings Kokowzeff, der nicht leicht um Hilfsmittel verlegen wird, erklärt, baß ihn das Defizit von 15 5 Millionen Rubel der Ratlosigkeit nahebringe, dann erscheinen Bedenken hinsichtlich der Goldvaluta gerechtfertigt. Wir glauben aber aus zwei Gründen nicht an den Zusammen bruch dieses Rückgrats der russischen Finanz wirtschaft. Einmal haben sich in Sibirien während der beiden letzten Jahre bedeutende 9)1 engen Goldes angehäuft, die jetzt in das europäische Rußland abzuslrömen beginnen. Ferner ist es wohj zweifellos, daß die russifche Negierung' sich zu jedem Abstrich am Budget, namentlich bei den Ausgaben für die Marine verstehen wirb, um die Goldvaluta zu retten, deren Preisgabe daS Zarenreich vollends um den internationalen Kredit bringen müßte. Darüber gibt sich wohl auch nicht Exz. Kokowzeff einer Täuschung hin. Eine 9luslassung in der neuesten Nummer der amtlichen „Petersb. Handels- und Jndustrie-Ztg." trägt auch dazu bei, einige Beruhigung herbeizuführen. — In Kasan wurden auf den Vizegouverneur Ko- befe von einem Unbekannten zwei Bomben geschleudert, von denen eine den Vizegouvernenr leicht verwundete. Ein Mausoleum für das Groscherzogspaar Ludwig IV. uud Alice. _ . Nachdruck verboten. In al.er Stille wird gegenwärtig in Darmstadt ein Werk der Vollendung. entgegen geführt, das Interesse und Bewunderung in den Kreisen der Kunst 'erregen dürste. Es ist das nach den eigenen Intentionen Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs erbaute neue Mausoleum aus der Rosen höhe. Der Großherzog setzt damit, wohl im Verein mit seinen hohen Geschwistern, seinen Eltern, dem Großherzog Ludwig IV. und der Großherzogi.: Alice, ein unvergängliches Denkmal. Noch sieht es im Innern cd und leer ans, aber eine Reihe namhafter Künstler, Größen der Bildhauer- und Farbenkunst Italiens und /er Heimat, sind schon mit der Innenausstattung des Gewölbes beschäftigt, und man darf erwarten, daß hier Wahrhaft Bedeutendes entsteht, die Pläne und Skizzen lassen es vermuten. Heber drei Jahre schon ist oas Mausoleum im Bau und nun ist dieser selbst vollendet. Rechts von dem zum Mausoleum sichre wen Hauptwege, inmitten hoher düsterer Tannen, hat es feinen Platz gesunden, versteckt fast, wird es erst sichtbar, wenn man sich immittelbax davor befindet. In schweren, wuchtigen Formen wächst es aus dem Boden. Das eigenartige Baumaterial mit [einer Mauen Färbung macht schon jetzt den Eindruck ehrwürdigen Alters. Der Bau ist in der Form eines liegenden Meuzes gehalten. Tie Schnittfläche beider Kreuzesarme krönt ein turmartiger Ausbau, der, im Innern eine Halbkugel bildend, auf den Bogen der Arme ruht und ebenfalls mit dem Ziegeldache versehen ist. Die Bauten der Kreuzarme sind etwa öi/2 Meter, der Mittelbau ungesähr 8 Meter hoch. Das ganze Bauwerk ruht auf einem etwa 2 Meter hohen gemauerten Sockel, der außen mit Erde beige füllt wird, sodaß es den Anschein erweckt, als sei der Bau auf einen Hügel gestellt. Zum Eingang führt eine Freitreppe. Es ist ein außerordentlich hartes Gestein, Basaltlava, von grauer Farbe. Die Steine Werden von den Prcuß.-Hess. Basalt- Werken in Kesselbach und dem "Steinbruche Londorf bei Gießen geliefert. — Die Pläne zu dem neuen Mausoleum hat Geh. Oberbaurat Hofmann entworfen, die Ausführung der Bauarbeiten liegt in den Händen des Architekten H. Müller. Nach der Vollendung des Bauwerks werden die zurzeit im Mausoleum stehenden Särge des verewigten Großherzogspaares hierher übergeführt und in Grüften, die die beiden seitlichen Kreuzarme enthalten, versenkt. Prachtvolle Marmorsarkop'hage werden bfc letzten Ruhestätten dieses populärsten Fürstenpaares aus Hessens Tron krönen. Verde sind schon in Arbeit. Die Sarkophage Werden eben» • falls nach Entwürfen, die Se. Kgl. Hoheit im Verein mit ihm bekannten Künstlern feriigte, zum Teil von italienischen Künstlern ausgeführt. Beide werden die überlebensgroßen Figuren der hohen Toten tragen. Die Figur des Grofiherzogs Ludwig IV. ist bereits vollendet, und zwar war sie eins der letzten Werke, die Professor Habich vor seinem Weggänge noch fertig» stellte. Die Gestalt Ludwigs IV. ist in weißem Marmor gehauen, sprechend lebenswahr dargestellt. In der Uniform seines Leibregiments ohne Kopfbedeckung, die Brust nur geschmückt mit dem Komturkreuz 1. Klasse des Verdienstordens mit Schwertern und mit dem breiten Ordensband, die Hände über dem zwischen den Füßen liegenden hessischen Reitersäbel übereinandergeschlagen, scheint die Gestalt friedlich zu schlafen. Der weite Reitermantel, aus der Brust geöffnet, Der lange Kragen zu beiden Seiten in natürlichem Faltenwurf herab hängend, umschließt den Körper, der Pelzrragen ist hochgeschlagen und dient dem Haupt als Ruhekissen. Der Oberkörper liegt etwas erhöht, bie Erhöhung ist am Kopfende gestützt durch zwei trauernde und weihenbe Engelsfiguren. Ein Lorbeerreis durch den Sabelgrifs geschlungen, liegt aus der Brust des Schlafenden. Das Ganze ein Meisterwerk. Der Täter ist entkommen. In Sewastopol wurde ein Bombenattentat auf den Chef der hiesigen Garnison, Generalmajor Dumbadse, verübt, als dieser in einer Equipage nach der Kaserne des Brestregiments fuhr; der General, der leicht verwundet wurde, schoß auf den davoneilenden Täter. Zwischen diesem und einem in der Nähe der Kaserne stehenden Soldaten entspann sich eine Schlägerei, jedoch gelang es dem Täter, zu entkommen. Das au die Kasernen angrenzende Gelände wurde von Truppen umstellt; es finden Haussuchungen statt, da man annimmt, daß mehrere Personen an dem Anschlag beteiligt sind. Der Kutscher und zwei den General begleitende Soldaten wurden schwer verwundet. Eine Petersburger medizinische Fachschrift veröffentlicht eine gräßlich e Blut- Statistik. In der Periode vom Februar 1905 bis Mai 1906 wurden getötet oder schwer verletzt: 34 General-Gouverneure oder Polizeipräfekten, 8 8 Polizeimeister oder deren Adjunkten, 2 04 Polizeioffiziere und Unteroffiziere, 206 Schutzleute, 184 Gendarmerie-Offiziere usw. In Asch (Böhmen) ist aus Irkutsk eine junge Dame eingetroffen, die von Juden-Massacres erzählt, deren Schauplatz Irkutsk und Tomsk war. Am schrecklichsten seien diese in Tomsk gewesen, wo 4 00 Juden, darunter viele Frauen, in ein Fabrikgebäude eingesperrt und dann das Gebäude an allen Ecken angezündet worden sei. Viele seien aus dem Fenster gesprungen, aber sofort niedergemetzelt worden. Auch der große Bazar in TomSk, wo sich viele Juden befanden, wurde nieder- gebrannt. In Irkutsk fand eine Militär-Emeute statt, die aber von den regierungstreuen Truppen niedergeschlagen wurde. Aus Stadt rind Land. Gießen, 9. Okt. 1906. * * Die Zarin kommt nicht! Die Darmst. Ztg. teilt mit: Die. in letzter Zeit in der Presse aufgetauchten Meldungen von einem demnächstigen Besuch der Kaiserlich russischen Majestäten bczw. I. M. der Kaiserin von Rußland und der Kaiserlichen Kinder am Großh. Hessischen Hofe entbehren jeder tatsächlichen Unterlage. * * Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog verlieh dem Hauptmann Tau im 5. Lothring. Infanterie-Regiment Nr. 144, seither im Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. * * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrer Otto Schreiber zu Langd die evang. Pfarrstelle zu Grebenau übertragen, dem Vorsteher des Bureaus des Feldbereiuigungskommissärs zu Friedberg Karl Lotz zu Friedberg zum Burcauvorsteher der Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe des Ministeriums des Innern ernannt und dem Kommunalforstwart Johs. Schäfer zu Echzell aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als „Förster" erteilt. *• Die Frequenz im städtischen Freibad betrug in der zu Ende gegangenen diesjährigen Badezeit im Monat Mai 929, Juni 7107, Juli 10 849, August 9684, September 1361 Badende. Im ganzen badeten 29 930 gegen 34 723 Personen im Vorjahre. Der Rückgang ist erklärlich durch den kühlen Sommer, der auch in der Benutzung des Volksbades seinen Einstuß ausübte. + Durchbrenner. Den 13jährigen Josef Szweda, der sich in Ohmes in Pstege befindet, hatte gestern die Reiselust gepackt. Er entwendete seiner Pflegemutter 40 Mk. und fuhr mit der Bahn hierher. Hier nahm sich die Polizei seiner an und sorgte für seine Rückreise. § Neuhof bei Leihgestern, 8. Okt. Am 7. Oktober feierte die Haushälterin und Köchin Frau P. Gentner ihr 25jähr. Jubiläum in Diensten bei Oekonomierat Müller. Es wurden der Jubilarin sehr wertvolle Geschenke überreicht, woran sich eine würdige Feier anschloß. Auch trafen zahlreiche Glückwünsche von auswärts ein. A Leihgestern, 8. Oktober. Am Sonntag abend fand im Gasthaus „Zum Löwen" eine schöne Feier statt. Der Gastwirt Philipp Arnold und die Brauerei Friedel u.^ Asprion in Gießen hatten aus Anlaß ihrer 25jährigen ununterbrochenen Geschäftsverbindung die Gäste der Wirtschaft zu einer kleinen Festlichkeit eingeladen. Herr Krapf eröffnete die Feier mit einer Ansprache, in der er die guten Beziehungen der beiden Jubilare hervorhob und den Wunsch aussprach, daß dieses Verhältnis ein dauerndes sein möge. Der Gesangverein Liederkranz setzte sein ganzes Können ein, um den Abend recht unterhaltend zu gestalten. Im Lause des Abends wurden Herrn Asprion von dem Gesangverein Liederkranz und von Herrn Ph. Arnold Diplome überreicht. Herr Asprion dankte für die Ehrungen und schloß mit dem Wunsche, daß es allen Anwesenden vergönnt sein möchte, nach weiteren 25 Jahren die 50 jährige Jubelfeier miterleben zu können. So verliefen bei Gesang, Instrumental- und komischen Vorträgen rasch die Stunden und die Feier wird den Teilnehmern in angenehmer Er- mnerung bleiben. V Kinzenbach, 8. Okt. Um den Sparsinn anzuregen und zu fördern und das regelmäßige, wöchentliche Sparen namentlich für den jugendlichen Arbeiter und die Kinder zu erleichtern, hat sich die hiesige Sparund Tarlehnskasse entschlossen, den Sparkartenverkehr einzuführen. Dadurch können schon Beträge von 10 Pfg. als Spareinlagen angenommen werden, während sie sonst gar oft ganz nutzlos vergeudet werden. Der Sparkartenverkehr hat mit dem 1. Oktober begonnen. Die Beträge werden allsonntäglich in den Wohnungen abgeholt. t Wißmar, 7. Okt. Heute nachmittag fand hier die Hauptübung der neng-grnndetcn freiwilligen Feuerwehr statt. Als Brandobjekt war das Rathaus angenommen. Gegen i/23 Uhr wurde die Webr alarmiert und es dauerte nicht lange, so wären schon alle Wehrleute cm der Arbeit. Der Angriff, sowie die sonst noch vorgenommenen Uebungen verliefen tadellos. Besonders die Se'lbstrettungs- versuche der Steigermannschaften gingen sehr gut von statten. Aus der ganzen Uebuug ersah man, daß es den Mannschäft'en auch "im Ernstfälle "g'ellngen wird,' ihre Aufgabe zu erfüllen. Von Gießen hatten sich auch einige Feuerwehrleute eingefunden, die sich sehr lobend über den Verlauf der Hebung aussprachen. Hohensolms, 8. Okt. Zum Schauplatz einer Untat, die zur Vernichtung eines blühenden Menschenlebens geführt hat, ist gestern unser friedliches Dorf gc- wordcn. Der auf dem Fürstlichen Gutshofe bedienstete 30 Jahre alte Knecht Karl Hornivius von hier kam anscheinend betrunken in die gemeinschaftliche Schlafstelle und betrug sich dabei so lärmend, daß ihn ein Mitarbeiter, der 22jährige Gutstaglöhner Wilhelm Judt von hier, der schon im Bett lag, zur Ruhe ermahnte. Hierüber erbost, stürzte sich Hornivilis auf Judt und versetzte ihm mehrere Stiche mit einem M esser, von welchen einer die Schlagader traf. Trotz alsbaldigen ärztlichen Beistandes starb der Schwer- getrosfene an Verblutung. Der Täter ist in Haft genommen. (Wetzl. Anz.) Wetzlar, 6. Oktober. Die hiesige Firma Leitz, Fabrik optischer Instrumente, ließ heute aus Antrag des Arbeiter-Ausschusses die Beteiligten über die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit abstimmen. Von den Arbeitern stimmten 340 dafür und 12 dagegen. Demzufolge wird die Firma vom 15. Oktober d. I. ab die achtstündige Arbeitszeit einfichren. (Frkf. Ztg.) X Wetzlar, 8. Okt. Gestern batten sich die Vorstandsmitglieder des Vereins der Gemeinde beamten des Kreises hier versammelt, um darüber zu sprechen, wie weit sich die Tätigkeit des Familienbeirats erstrecken solle. Im Laufe d. Js. hatten die Geineindebeamten des hiesigen Kreises unter sich einen Familienbeirat gegründet, der den Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder mit Rat und Tat beistehen soll. Die Tätigkeit desselben soll sich nun, wie heute beschlossen wurde, auf die Abwickelung der für die Beerdigung erforderlichen Geschäfte, ferner auf die Flüssigmachung des Gnadengehalts, der Sterbekassen-, Lebens- versicherlmgS-, Pensions-, Witwen- und Waiscngeldcr und event. die Erwirkung von Unterstützungen, Stipendien und andere Zuwendungrn erstrecken. Jedes Vereinsmitglied, das gewillt ist, die ihm angebotenen Kräfte des Familienbeirats in Anspruch zu nehmen, ist verpflichtet, bei Leibzeiten seine Wünsche und Anliegen, die nach seinem Ableben zur Geltung gebracht werden sollen, bei dem Verein schriftlich zu hinterlegen. Zu diesem Zwecke hat das Vereinsmitglied auf einen Briefbogen seine sämtlichen Wünsche, sowie eventuelle Angaben der abgeschlossenen Lebens-, Sterbe- und Vegräbnis- kassenversicherungen usw. zum Ausdruck zu bringen und einen im Druck hergestellten Personalbogen aliszufüllen und alsdann dem Vorsitzenden in einem für diesen Zweck hergestcllten und zu versiegelnden Briefumschlag, der mit den: Namen des Einlegers zu versehen ist, zu übermitteln. Die Aufbewahrung dieser Schriftstücke soll in einem feuerfesten, eisernen Schrank erfolgen. Sobald nun das Ableben eines Vereinsmitgliedes dem Familienbeirat bekannt wird, soll zunächst festgestellt werden, ob der Verstorbene ein Schreiben hinterlegt hat. Zutreffendenfalls soll alsdann zur Oeffnung desselben und zwar in Gegenwart der Hinterbliebenen geschritten und die von dem Verstorbenen hinterlegten Wünsche und Anliegen nach Rücksprache mit den Hinterbliebenen nach Möglichkeit zur Ausführung gebracht werden. Etwa entstehende Kosten für Porto usw. sollen aus der Vereinskasie bestritten werden. § Bad-Nauheim, 8. Oktober. Mit dem gestrigen Tage hat die Kirchweihe ihren Abschluß gefunden und die sogenannte „ruhige Zeit" in unserer Stadt wiederum Eiuzug gehalten. Die wenigen Kurgäste, die der schönen Witterung halber bisher noch hier verweilt haben, fangen an, sich zur Abreise zu rüsten, und täglich sieht man die dienstbeflissenen Geister mit Kisten und Kostern zur Bahn eilen. Das Resultat unserer diesjährigen Badcsaison ist günstig zu nennen, haben wir doch die stattliche Zahl von 27 400 Kurgästen erreicht. Die staatliche Bauleitung hat bereits den Abriß der Bäudehäuser 3 und 7 in Angriff genommen. Letzteres wird in derselben Weise in Bad Salzhausen aufgestellt. Badehaus 3 wird in diesem Herbste nur zur Hälfte abgebrochen, der Mittel- und östliche Bau dann im kommenden Jahr. Es geschieht dies zu dem Zwecke, damit in kommender Saison die nötige Anzahl von Zellen zur Verfügung steht. Bis zur Saison 1908 denkt das Hochbauamt mit dem Bau der neuen Badehäuser soweit vorgeschritten zu sein, daß die Passage von der Bahnhofstraße nach den Sprudeln vollständig frcigelegt ist. Auf diese Weise bekommt man einen herrlichen Blick von der Bahn durch die neuen Verwaltungsgebäude nach den Sprudeln mit dem Johannisberge im Hintergründe. fc. Groß-Karben, 8. Okt lieber das Vermögen des praktischen Arztes Dr. Kohl wurde der Konkurs verhängt. Die Maßnahme kam um so überraschender, als Dr. Kohl eine vorzügliche Praris hat und als ein solider Mann gilt. Er soll in Wechselgefchäfte mit dem kürzlich in Kloppenheim verstorbenen Lehrer Witze! hineingeraten sein. Wie man hört, dürfte der Konkurs demnächst wieder aufgehoben werden, nicht aus Mangel an Masse, sondern umgekehrt, weil die Aktiva die Passiva überwiegen, sodaß über 100 Prozent herauskommen würden. sd. Darmstadt,8 Okt. Regierungsrat Dr. Balken- berg, Ministeriaksekretär im Ministerium des Innern, der sich heute vormittag, wie schon teleqr. gemeldet wurde, in seiner Wobnung aus unbekannten Gründen erschossen hat. soll herzkrank gewesen fein, doch war diese Krankheit nicht von Bedeutung, denn er heiratete noch im vorigen Jahre die 20jährige Tochter des Professors Lepsins hier. V. war früher im Großh. Kabi'aett tätig, wurde dann Mlnisterialsekretär im Staatsministerium und wird seit vorigem Jabr im Ministerium des Innern beschäftigt. Er stammt von der sehr geachteten und vermögenden Familie V. in Worms und gatt allgemein als liebenswürdiger und geachteter Beamter. V, dessen Hinscheiden mit allgemeinem Bedauern ausgenommen wird, erreichte ein Alter von 36 Jahren und hinterläßt außer seiner Witwe ein Kind. Darmstadt, 8. Okt. I. K. H. die Prinzessin Heinrich von Preußen ist mit ihren Söhnen aur S ch l o si Heiligen berg zum Besuch I. G. H. der Prinzessin Ludwig von Battenberg eingeiroffcn. (Tarinit. Ztg.) to. Gelnhausen, 8. Okt. Für den Kaiser bestich ist folgendes Programm vorgesehen: Der Kaiser trifft am 14. Oktober 8.50 'vormittags nut dem tzoszuge lnlsclnyaujen ein. Sofort nach der Ankunft fährt der Kaiser im Automobil nach der Marienkirche und nimmt am Gottesdienst teil. Metropolitan Schäfer hält die Predigt. Nach dem Gottesdienst begibt sich der Kaiser nach dem Romanischen Hanse, das vermutlich das ursprüngliche Rathaus von Gelnhausen ist. Vom Romanischen Hause fährt der Kaiser nach der Staufischen Kaiserpfalz. Nach eingehender Besichtigung der Pfalz geht die Fahrt nach dem Hofzuge zurück, in dem das Frühstück eingenommen wird. Punkt 2 Uhr fahren drei Automobile mit dem Kaiser und sechs Herren des Gefolges nach Meerholz ab. Um 5 Uhr fährt der Kaiser von Meerholz im Hofzuge ab nach Cronberg. Offizieller Empfang durch die staatlichen und städtischen Behörden findet in Gelnhausen nicht statt. Der Kriegerverein, die anderen Gelnhäuser Vereine und die Schuljugend bilden Svalier. Qanfccl unfc Verkehr, Volkswirtschaft. — 23 o m angeblichen Woizencorner der Stahl- t r u st inagnate 'n. Eine Londoner Meldung von einem Weizencorner wird airgezweifelt und zwar aus folgenden Gründen: Es ist unwahrscheinlich, daß 30 Millionen Bushleß-Weizen vom Stahl- trust ausgekanst worden sind, selbst luenn ausländischer Weizen zu- gezogen wurde, weil die gesamten sichtbaren Weizenvorräte der vereinigten Staaten überhanvt nur 33 Millionen Bushles und einschließlich Canadas ea. 57 Millionen Bushles betragen. Es dürfte ferper wenig wahrscheinlich sein, daß es einer Spekulanten- grupve so leicht gelingen kann, sich in den Besitz von mehr als der Hälfte des.gcsamten Weizenvorrats zu setzem Es scheinen aber nicht einmal außerordentlich umfangreiche Käufe vorgenommen worden zu sein, denn die letzten Marktberichte wußten nichts von einer Haussestimmung zu melden. Weiteres bleibt abzuwarten, denn Heimlichkeiten h'ir längere Tauer gibt es auf diesem Gebiet nicht. Bei dieser Gelegenheit ist vom Ctahltrust weiter zu melden, daß die von ihm erworbenen Histachen Erzlager zum Zwecke der Ausbeutung auf eine Korporation übergehen sollen, die eine 4-prozentige Dividende ansznrichten hätte. Der Stahltrust werde gleichfalls eine 4-prozentige Dividende auf seine Stammaktien zahlen und überdies würden die Stahltrust-Aktionäre für je fünf Aktien eine Aktie jener Erz-Korvoration als Bonns erhalten. — Kleine F i n a n z ch r o n i k. Mit der Besetzung des Direk t y rp o st en s an der Bank für Handel und I n- d n st r i e in Darmstadt-Berlin an Stelle des zum Kolonialdirektor ernannten Herrn Dornburg soll einstweilen noch gewartet werden und die Direktion der Berliner Niederlassung in ihrer jetzigen Zusammensetzung mit Herrn v. Klitzing an der Spitze bis auf weiteres bestehen bleiben. — Die Eh emische Fabrik G r i e s h c i m - E l e c t r o n Frank f u rt a. M. beabsichtigt auf ihrem Werk I zu Bitterfeld eine Anlage zur Herstellung von rotem Bbosvbar zn errichten. Gießener Wetterdienst. Boranssi^liche Witterung für Hessen am Mittwoch, den 10. Dfober: Heiter und trocken. Am Morgen Nebel. Temperatur nicht verändert. Mäßige östliche Winde. OrLgLnaL-Drahtmel-riiigen. Berlin, 9. Okt. Der Gesundheitszustand de? Landwirtschaftsministers v. PodbielSki läßt zu wünschen übrig. Der Minister, der auf seinem Gute weilt, leidet dort unter den heftigsten Schmerzen, die sein alteS Gallen- steinleiden mit sich bringt. Ter Minister hofft jedoch, sich noch im Laufe dieser Woche auf kurze Zeit nach Berlin begeben zu können. Berlin, 9. Okt. Der Vorwärts enthält heute einen Aufruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes an die Parteigenossen, mit neuen Anleitungen für die Agitation. Kaiserslautern, 9. Okt. Der kürzlich in München verstorbene Graf Emich zu Lein ingen-Westerburg, dessen Stammschloß in der Pfalz liegt, hat seine wertvolle, 20 000 Stück umfassende Exlibris-Sammlung, die als die größte in Europa gilt und die bis zum Jahr 1270 zurückreichende Stücke enthält, deut Germanischen Museum in Nürnberg anläßlich dessen 50 jähriger Jubiläumsfeier testamentarisch vermacht. Nom, 9. -Oft. Der an gekündigte Besuch des deutschen Staatssekretärs v. Ts ch ir s ch k v wird in hiesigen politischen Kreisen in Zusammenhang gebracht mit der Genugtuung, welche Oesterreich wegen der Zwischenfalle in Istrien der italienischen Negierung aegeben bat. Die meisten Blätter ergreifen die Gelegenheit, um die Beziehungen zwischen den Mächten des Dreibundes einer Kritik zu unterziehen. „Seeolo" glaubt, daß eine Erneuerung des Dreibundes nicht mehr nötig sei, weil die Sympathien der beteiligten Mächte untereinander ständig in der Abnahme begriffen seien. Nur die „Tribuna" bringt als einzige einen drcibundfreundlichen Artikel; alle übrigen Blätter kommen zu dem Schluß, daß der Dreibund nicht erneuert zu werden brauche. Sollte dies aber geschehen, so müßte Italien genaue und umfassende Garantien von Oesterreich erhalten. — Die Tatsache, daß die österreichische Regierung offiziell an Italien eine Entschuldigung wegen der Angriffe auf Italiener übermittelt hat, wird hier als ein wichtiges politisches Ereignis betrachtet, da es das erste mal ist, daß Italien eine derarGch- G'n"aD'"na «'rbält. — Telefonische KursbeipicMe des Giessener Anzeigers, rnito-eteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter 15ör*e, 9. Oktober. 1.15 TJbn 3/4’/o Beichsanleihe . . 98.35 3% do. . . 86.50 3^°/0 Konsols .... 98.30 3% do- .... 8655 3%°{n Hessen .... 97.05 3^°/n Oberhessen . . . —.— 4 °n Oesterr. Goldrente. . 99.15 4*/s Oesterr. Silberrente 100.00 4°,; Ungar; Goldrente . . 95.15 4% Italien. Pente . . . —.— 3Ao Portugiesen Serie I . 69.30 3% Portugiesen „ 3TI 70.50 1 °'n russ.Staatsanl. 1903 86.75 4’/2n n jnpniu Staatsanleihe 93.35 1 °o Conv. Türken von 1903 93.80 Türkcnlose 145.80 4 % Griech. Monopol-Anl. 53.30 4% äussere Argentinier . — 3% Mexikaner . . . 68.40 4^t°/0 Chinesen .... 97.10 Aktien: Bochum Guss 242.00 Buderus E. W ... 128.50 Tendenz : fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 143.50 Elektriz. Schlickert . . . 128.80 Eschweiler Bergwerk . . 243.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 223.80 Hamburg - Amerik. Paketf. 159.40 Harpener Bergwerk. . . 212.50 Lanrahütte...... 246.50 Nordd. Lloyd 126.50 Obei schles. Eisen-Industrie 130.65 Berliner Handelsgcs . . 172.50 Pannstädter Bank . . . 140.00 Deutsche Bank . . . 239.40 Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.20 Dresdner Bank . . . 15^.00 Kreditaktien 212.40 Baltimore- und Ohio- Eisen! ahn . . . 124.90 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 37.00 Ocstferr. Staatsbahn . . 147.70 Prince-IIenri-Eisenbahn . 145.50 Berliner Biirse, Canada E. B 181.80 nnrmstfidter Bank . . . 139.40 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 8310 Dresdner Bank .... 157.70 Teudepz: fester. 9. Oktober. Anfanjrsknrse. Harpener Bergwerk. . . 212.7 Lanrahütte —.— Lombarden E. B. ... 37.00 Nordd. Lloyd 126.10 Türkenlose ..... 145.50 JJÄ tb»- einn ?Q,fer nach gehender tzx, ' zurück, tat""" d° n m.c- ^zieller £ r'*”" tet der Stahl einem Nei-e,' .ft ®runben: tzz vom Stahl. Weizenvorrate L 1? b?Qflen. tzz Ar Spekulanten, te wehr al? ^ewen ober m^°°^mmen wunten nicht? von ^Wiworten, denn d'chm Gebiet nicht, zu melden, daß 'n Zwecke der Aur- d'ee,ne4.pro;entiac ft werde oleichsav? mmhen -ohlen und 1« IN Aktien eine ni. der Besehung des andel und 3n- un Kolonialdirektor 'en noch gewartet 'cvlafiunq in ihrer lng an der Sp'che emilche Fabrik M. beabsichtigt au| rstellung von rotem am Mittwoch, den Nebel. Temperatur lugen. citszustand deS äßt zu wünschen Gute weilt, leidet sein alte? Gallen- er hofft jedoch, sich if nach Berlin be» ,ithalt heute einen wrftaiM an die ngen für bic 246.5? 145^ Bai* •. ,w^4x BH* ahn • . ■ bahn. . 3 EiK^1 SS» «1»» 1435» ahmeyer. ■ ' 12s.8O clmM • • 243.00 ner!rwerk • n,zO rUw** O B**f ;: >5 ter Bank • zID tC ' ' 173/ 'Mk 15^ ' jl2> 1U90 zlich in München slerburtz, rvntvoisr, 20000 ( V\t als die grohte 270 zurüäreichende luieum in Nürn- zseier testamentarisch ZeluS des deutschen , hiesioen politischen it ber ö^^.' AK i«»W Sie * 9-9 CT CT r> 00 «I rs-- SS S> er 5 « CD a er 07 3 ° 5 Ö5: a -- ®a er 09 ä rj CC@ 30 « r- O n- o rZ O9L- Q ro $D ad ro r- >8 »8 ö^ö Z (?) 3 O. rs ?-9 n> S. ö :co=5 (5 3 r.Q ? -e o ti "ff S M 09 5? rpco K @ö Ö 2 O- 5 -r er Ö7S S ÖÖ 00 <20 ä er 8 ra O O 38 □ 09 3 09 & '7. 5? ö e. t£ D® t 6) SS'Ö' © (?) 8 {2 C5 S 3 w( &■ to » iS ä2 rs £ A. Z SS 'S to & SY 116 S o < @ @ 2. ö ö ö zz. "ZZ2 ^5 IQ a o Q (?) 3< S 3 09 § ö. 0 §1 e> o ?L 3 3 ro ‘ ö?5?2 Z?. er1» re V.CQ S) « ’u' Z 2. 0 #S ___ö >-l A-V «0 2-. y Mo ff 12.3 3 SZ -V n o 0'2.a?O9 3 p ^S-5 2.^ O 36 er >o cra» Q o 2* rs E ^> <10 03 __ cu " q, • j- «o 3 c#» C?) ^53^- ff CÖ 1») ro es 2 o- ■ge G) «6 to Ul) UV 3 so <16 <ä>: to <10 <50 <$o e ISO e <5v 3. <5v O O' 3 3 <50 » 3 <5v JO CD 00 Oktober 1906 o®ro «□ «a «3 O' »- oaa *C» ip*to Barometer auf 0° reduziert b—* b—* *>PS> iE- Wetter vermischte». • Erdbeben in Schweden. Aus Hernösand in Schweden wird gemeldet, daß in der Gemeinde Nordingra in der Nacht zum Sonntag eine heftige, von unterirdischem donnerähnlichem Getöse begleitete Erderschüttcrung verspürt wurde, die sich in der Richtung von Westen nach Osten bewegte und von starkem Wind und Regen begleitet war. • Neue Diainantfelder. Auf der Versammlung de§ Collis Diamond Syndicat, welche am 8. d. M. in London stattfand, wurde mitgeteilt, daß der Vertreter des Syndikats in Kapstadt Option auf Diamantfelder in der Nähe von Kimberley, ferner Option auf Kupfcrkonzession in Damaraland erhielt, die als die reichsten geschildert werden, die jemals untersucht wurden. "Lava vom Vesuv. Von einer Hamburger Wohlfahrts-Anstalt wird seit einiger Zeit ein eigenartiges Naturprodukt in den Handel gebracht, nämlich die verschiedenen Arten von EruptionSmassen, die im April die Anwohner des Vesuv in Angst und Schrecken versetzten. Wer sich für solche Naturerscheinungen interessiert, dem ist Gelegenheit gegeben, diese glühendyn Massen, welche in Verbindung mit ihren erstickenden Gasen dem Erdboden entströmten, in erkaltetem Zustande in Augenschein zu nehmen. Die Hamburger Arbeiter-Kolonie hat ein beschränktes Quantum der typischsten Auswürflinge des Vesuv erhalten und bietet sie in ihren drei Hauptformen, nämlich: 1. Asche, 2. Lapilli, und 3. Lava nebst kurzer Beschreibung von Professor Dr. Gotische vom Naturhistorischen Museum in Hamburg in einem Kästchen aus Cedernholz Interessenten an. Der Inhalt dieser Kästchen vermittelt ein klares Verständnis für die Beschaffenheit dieser merkwürdigen Massen. * Kleine T'ageSchronik. In Zwickau hat sich der Asiessor Dr. Theodor S i c b e ck in seiner Wohnung entleibt. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Arbeiterbewegung. Saarbrücken, 8. Okt. Unter dem Hinweis auf die im Nuhrreviere geforderte Lohnerhöhung setzte der ch r i st l ich e Bergarbeiterverein im Saarrevier eine gewaltige Agitation in Gang, um in einer Massenpetition auch für die , Saarbcrgleute eine Lohnerhöhung zu verlangen. Ferner wird um I Abstellung knappschaftlicher Mißstände ersucht und die Regierung gebeten', schleunigst Mittel und Wege zur Beseitigung der Fleis ch • n o t zu finden. London, 8. Okt. Es sind Aussichten vorhanden, daß der für den 31. Okt. angedrohte Aus st and der Bergleute in den Pontypridd- und Nhondda-Kohlengrnben nicht zum Ausbruch kommen wird, da viele der nicht organisierten Bergleute in den Bergarbeiteroerband eintreten. Ottawa (Eanada), 8. Okt. In dem benachbarten Buckingham sind die Arbeiter der Sagemühlen in den Ausstands getreten. Da die Ausständigen den Betrieb der Mühlen zu stören suchten, mußte die Polizei einschreiten, welche aus die Ausständigen feuerte, von beiten drei getötet und elf verwundet wurden. Miliztruppen sind mit einem Maschinengewehre nach dem Schau- platze der Unruhen abgefahren. Es war einmal eine gütige Fee. A A Die sah, wie die arme Menschheit von Husten, von Heiserkeit, AM Schnupfen, Verschleimung und allen lästigen Heimsuchungen wK dieser Art geplagt wurde. Da hatte sie Mitleid und lehrte ■nfli einen klugen Mann, wie matt die Heilschätze der Quellen in Pastillenform bannen körnte, und seitdem haben die Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen tausendfältigen Segen geil ii jvendct. Wer die Pastillen noch nicht kennt, kaufe sich eine II || Schachtel in der nächsten Apotheke, Drogen- oder Mineral- m(W wasserhandlung zu nur 85 Pfg. [hv13/» 5867 empfiehlt J. BI. ScMhof. 8 Zimmer zu vermieten. (5449 5 Zimmer Bahnhofstraße 41. 45901 4 Zimmer Wasche mit wäschtam besten 05844] Diezstraße 7, part. 07474 Ebelstraße 28. Wlbirm Seltersweg 81. AMlWWchv Zu vermiete^ Zu verkaufen Gebr. Herd und Äochofcn zu verkaufen. Seltersweq 81. (6139 5 schöne Zimm, mit all. 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