Nr. 153 Erscheint «glich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Githener ZamlNrnblatter" werden dem ^Anzeiger Dtenrtal wöchentlich beigelcgu Der ^hessische Landwirt erscheint monatlich einmal. Zweites Blatt ILE. Jahrgang Gießener Anzeiger Montag 3. Juli 1906 Rotationsdruck und Verlag der Nrühl'sch« Untversilätsdruckerei. 9L Lange. Gietzea. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.V. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Dreßen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. fürchten anfangen. Zahlreiche Polizeiageiuen verließen in den letzten Tagen fluchtartig die Stadt, um der Ermordung zu entgehen, sodaß sich in einzelnen Revieren Mangel a n P o l i z c i fühlbar macht. Der Mob, dem diese Polizistenflucht nicht unbekannt geblieben ist, nimmt eine bedrohliche Haltung an. Die Unsicherheit der Straße nimmt immer mehr zu. Am gestrigen Sonntag abend wurde im Juden- viertel ein Gendarmerieunteroffizier erschos- kommission der Gewerkschaften und der Partcivorstand der sozialdemokratischen Partei erlassen. Diese Erklärungen widcr- sprechen in den wesentlichen Punkten einander direkt. Während die Generalkommission die Darstellung des SilKerschmidt bestätigt, schreibt der Parteivorstand: „Nach Genosse Silber- schmidt lautet Punkt 1, auf den es hauptsächlich ankommt: Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, den politischen Massenstreik zu propagieren, sondern lvird, soweit es ihm möglich ist, einen solchen zu verhindern suchen." Nach Bebel lautet der Satz: „Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, gegenwärtig den Massenstreik zu propagieren, sollte derselbe aber propagiert werden müssen, so wird sich der Parteivorstand mit der Generalkommission ins Benehmen setzen." Der Unterschied in den beiden Formulierungen fällt in die Augen. Daß die Bcbel'schc Formulierung des ersten Satzes zutreffend ist, ergiebt sich mit voller Klarheit aus dem Sinn der in der Hauptsache nicht bestrittenen anderen fünf Punkte. Letztere zu erörtern, wäre nutz- und zwecklose Arbeit gewesen, wenn der Partcivorstand die Verhinderung des politischen Massenstreiks als eine seiner Aufgaben betrachtet hätte. Karlsruhe, 30. Juni. Auf eine Rede des Fürsten Löwenstein in der ersten Kammer gegen die Simultanschulen erklärte Staatsministcr v. Dusch, die Regierung werde bestimmt und fest an der Einrichtung der Siniultanschulen als einem der Fundamente für die friedliche Entwicklung in Baden festhalten. Stuttgart,' 30. Juni. Die Kammer der Standes- herren hat heute nochmals die Vcrfassungsrevision beraten. Sic verharrte dabei einstimmig auf ihrem früheren Standpunkt bezüglich des Budgetrechtes, machte auf anderen Gebieten wesentliche Konzessionen gegenüber der zweiten Kammer und stimmte namentlich hinsichtlich des Ersatzes für die aus der zweiten Kammer ausscheidenden Privilegierten der Zuwahl von 17 Abgeordneten durch Landproporz zur zweiten Kammer zu, jedoch in der Weise, daß diese in zwei Partien gewählt werden, und zwar vom Neckar- Kreis und Schwarzwald-Kreis 10 Abgeordnete, vom Jagst- Kreis unb Donau-Kreis 7 Abgeordnete. München, 1. Juli. Das 25jährige Ministerjubiläum des Ministers des Innern, Grafen Feilitzsch, wurde heute im Ministerium des Innern festlich begangen. Ter Prinzregent sandte sein von Fuchs gemaltes Porträt. An der Spitze einer Deputation der Beamten des Ministc-- riums überreichte der Präsident des VerwaltungsgerichtshofcS, v. Lerman als Ehrengabe eine Bronzestatue der Bavaria. Namens des Bundesrats im Auftrage des Reichskanzlers übersandte Staatssekretär Graf Posadowsky ein Glückwunschschreiben.__ [en. Als der Kassierer einer städtischen Fabrik in einem Einspänner mit 3000 Rubel Arbeitslöhnen fuhr, wurde er von vier Bewaffneten überfallen und beraubt, ebenso der Gasfabrikkassierer, der 2000 Rubel Löhne bei sich trug. In der Neuseld-Zabrik in der Pragavorstadt überfielen zehn bewaffnete Männer die Fabrikmädchen, mehrere Hundert nu der Zahl, und beraubten sie ihres Wochenlohnes. Ein Räuber wurde bei der eisernen Brücke gestellt, verübte aber Selbstmord, die anderen entkamen. Um 11 Uhr abends wurden in der Neubrudnovorstadt drei Landschutzmänner auf dem Felde erschossen. Am Freitag Nachmittag warf ein Unbekannter in der Praga-Lorstadt Warschaus gegen den Wagen des Gendarmerie-Chefs, Oberst M ur a d o w eine Bombe. Der Oberst wurde nur leicht verletzt, der begleitende Gendarmerie-Unteroffizier und der Droschkenkutscher schwer, • ein Pferd getötet. In Petersburg wurden zwei verkleidete Polizei-- agenten, die einer Arbeiterversannnlung beiwohnten, erkannt und erschlage n. Tie Feuerwehrleute drohen in einen Streik zu treten, falls vier ihrer Kameraden, die wegen der Unruhen entlassen wurden, nicht wieder eingestellt werden. Eine Bande von 2000 Personen räumte zwei Häuser aus. Tas 2. Erenadierbataillon hat Befehl erhalten, nach Kronstadt abzugehen. Tas dem Tumamitgliede Grafen Pototzky gehörende Gut Wolea wurde von revolutionären Bauern ausge- raubt und in B r a n d gesteht. Rach Meldungen aus Pinsk bat der Fürst Truzti-Ljebecki int dortigen Adelsklnü einen Gutsbesitzer durch geprügelt, weil dieser sich abfällig über die Reichsduma geäußert und den Bruder des Fürsten wegen seiner Mitgliedschast in der Reichsduma beschimpft hatte. Die Affäre dürfte ein Tuell zur Folge dings angebracht. Sehr schlimm sind 3. die Verkehrs steuern. _ Eben hat die Reichspostverwaltung kurzerhand dekretiert, daß alle Ermäßigungen im Ortsporto beseitigt werden, insbesondere das 5 Pfg.-Porto für Briefe und das 2 Pfg.-Porto für Postkarten. Angeblich hat die Post bei dem billigen Porto zugesetzt, die Privatpostanstalten konnten aber dabci bestehen und die Post hat 1899 mit beiden Händen zugc- gr.ffen, als sich ihr die Möglichkeit bot, die Privatposten auszukaufen. Daß nun dem Publikum die Vorteile geraubt werden, ist ein schwerer politischer Fehler, der sich bei etwaigen neuen Verstaatlichungsaktionen rächen wird. Uebrigens glauben wir nicht an einen Nachteil der Post aus dem billigen Ortsporto. Denn 1899 ergab die Einnahme aus dem Ortsverkehr 16 Millionen Mark, 1902 aber bereits 23 Millionen. Bei dieser Steigerung um 7 Millionen wird für die Post schon etwas hängen geblieben sein! Noch schwerwiegender ist die Fahrkarten st euer für Verkehr und Publikum, die aber so kompliziert ist, daß sie nicht vor dem 1. August in Kratt treten kann. Sie läßt die vierte Klasse frei und zwingt dadurch die süddeutschen Länder, eine solche nach preußischem Muster einzuführen. In der dritten Klasse steigt die Steuer von 5 Pfg. bis auf 2 Mk., in der zweiten Klasse von 10 Pfg. auf 4 Mk. und in der ersten Klasse von 10 Pfg. auf 8 Mk. Frei bleiben Fahrkarten bis 60 Pfg., alle anderen müssen blechen. Diese Steuer ist die unheilvollste, weil sie die ganze Tarifgestaltung erschwert und eigentlich iede Tarifreform illusorisch niacht. Hier ilt S c l bst - Hilfe des Publikums am Platze und möglich, mdem jeder die nächst untere Klasse benutzt. Dann wird zwar das Reich seine Steuer befommen, die Einzelstaaten werden jedoch die Erfahrung machen, daß sie mit der Zustimmung zu dieser Steuer sich in das eigene Fleisch schnitten. Aus der Fahrkartensteuer werben nicht weniger als 50 Millionen erwartet, aus der Verteuerung des Ortsverkehrs 12 Millionen, aus der Automobilsteuer 3 Millionen. Es sind dann noch 4. Stempelsteilern in Ansatz zu bringen, sowie die auf 10 Millionen veranschlagte Tanticmcnstcucr, 14 Millionen aus der Frachtbriefsteuer, in 5. Linie kommt die Zigarettensteuer hinzu mit 14 Millionen Mark. 2>n diesen unzähligen Millionen ist Arbeit des Volkes enthalten, die geleistet werden muß, ohne daß der Arbeitende ihren Ertrag empfängt. Gewiß braucht ein großes Reich auch Einnahmen — niemand bestreitet das. Es kommt aber darauf an, ivie diese Einnahmen beschaffen sind und wie sie verwendet werden. Die Gärung in Rußland. Die öffentliche Unsicherheit in Rußland wächp nach den neuesten Meldungen. Räuberische Uebersalle, Ermordungen von Polizeibeamten, Anschläge auf Schutzleute usw. smd an der Tagesordnung. In Warschau wurden tu ben letzten Tagen so viele Po 1 i z istc n und P o ltz etagen - ten ermordet, daß die übrigen auch für ihr ~eben Hin Kritischer Hag. Am 1. Juli haben mit Ausnahme der Fahrkartenstencr die neuen Steuern ihre Wirkung begonnen, durch die das Reich eine Mehreinnahme von rund 180 Millionen Mark erwartet. Es ist das nicht ganz so viel, als d,e Reichsregierung beanjpruchte, die 245 bis 255 Millionen neuer Einnahmen haben wollte, aber cs genügt einstweilen auch Und den Rest will die Regierung sich iin nachllen Jahre holen. Am 1. März ein neuer Zolltarif nut schweren halten für die arbeitende Bevölkerung, letzt em ganzer Strauß neuer und bedenklicher Steuern, auf diesem Gebiete kann man wirtlich sagen: Deutschland in der Welt voran! Die einzelnen Blumen des StcucrbukettS sind folgende: 1. Erbschaftssteuer mit Normalsätzen von 4 bis 10 Proz., die je nach der Höhe des Erbanfallcs noch um das L^fache ___ also im Maximum bis 25 Proz. — steigen. Die Erbschaftssteuer ist die erste direkte Reichssteuer, weshalb ihr auch der Liberalismus zustimmte; ihr Ertrag ilt für das Reich auf 48 Mill. Mark veranschlagt. 2. Die Brausteuer. Sie beträgt bis 250 Doppelzentner verarbeiteten Braustostes 4 Mark und steigt bis 10 Mark pro Doppelzentner, die erhoben werden, sobald mehr als 1000 Doppelzentner Braustost verarbeitet werden. Ertrag 29 Mill. Mark im xZahr. Bei der Brausteuer waren sich die Mchrhcitler durchaus^nicht klar, was sie eigentlich wollten — ob es eine Konsum- ober eine Gewerbesteuer werden solle. Es machte sich ein Steuer» dilettantismiis geltend, bei dem man sich damit tröstete, eine so beschaffene Steuer werde nicht abgewälzt werden können. Wie wenig die Steuerkonnnifsion die tatsächlichen Verhältmste kannte, das geht aus dem jetzt zivischen Brauern, Wirten und Konsumenten entbrannten Abwälzungskampf hervor. Natürlich dreht es sich dabei gar nicht um den Nettobetrag der Steuer — es werden Zinsen, Verluste und sonstige Spesen dazugeschlagen — das Publikum muß letztes Endes zahlen. Jetzt reizen sogar preußische Landrätc die Bier- trinker zur Selbsthilfe auf; eine solche Selbsthilfe ist aller- Deutsches Neich. Potsdam, 1. Juli. Der Kaiser traf gestern abend aus Traveinünde auf Station Wildpark ein und begab sich nach dem Neuen Palais. Berlin, 1. Juli. Kaiser Wilhelm wird den „Meteor" im nächsten Jahre zur internationalen Regatta nach Jamestoivn (Nordamerika) senden. __ Nach einem von der „Barmer Ztg." über die Neichstags-Ersatzivahl in Iserlohn-Altena aus- gegebenen Extrablatte, das eine amtliche 2)Htfci(img wicdergiebt, soll der freisinnige Kandidat doch noch 84 Stimmen mehr als das Zentrum erhalten haben. Im Wahlkreise verlaute mit größter Bestimmtheit, daß die Sozialdemokrateii etwa 1500 Wähler auf den Zentrumskandidaten abkommandiert hätten in der Erwartung, daß ein großer Teil der nationalliberalen und freisinnigen Wähler der von den beiden Parteileitungen zu erwartenden Parole, das Zentrum in der Stichwahl zu unterstützen, nicht Folge leisten werde. — Der „Vorwärts" veröffentlicht zur ö-ra9c des Massenstreiks mehrere Erklärungen, die die General- Ausland. London, 30. Juni. Der „Daily Mail" wird aus Rio de Janeiro telegraphiert, daß ein Irländer Patrick Ohera und ein Engländer Jolm Allen, die itacf) Maximbomba wanderten und nachts in eifern Hause nach dem Wege fragten, von zwei berittenen Polizisten arg in ißh aii del t worden seien. Die Polizisten s ch o s s e n auf sic und schlugen sie mit Säbeln, banden sie an die Steigbügel und schleppten sie nach Alfonso ins Gefängnis. Hier erhielten sie 50 Peitschenhiebe und wurden besinnungslos in die Zelle geworfen. Ms sie etwas zu sich kamen und um Wasser baten^warfen die Polizisten Sand und rohen Spiritus über sie. Schließlich nnirben ie itad) Rio de Janeiro gebracht, wo sie sofort freigelassen wurden. Auch wurde eine Untersuchung über die Handlungsweise der Polizei cingeleitet. Tie »nglisä)e Kolonie verlangt das Einschreiten des britischen Gesandten. _ H aag , 30. Juni. Die holländische und deutsche Regierung haben Verhandlungen angeknüpft wegen Hcrab- eljn n g des Posttarifes der internationalen Pop- taxe nach dem Muster, wie cs zwischen Deutschland und Leiter- reich besteht, wo die Posttaxe von einem Lande zum andern die für das Inland nicht übersteigt. . . Paris, 30. Juni Gerüchtweile verlautet, daß em neues Attentat im Justizpalast in Versailles veriibt worden sei Tatsächlich war im Justizpalast ent Geschoß entdeckt worden, über dessen Gefährlichkeit man noch keine Gewißheit hat. — Der „Jntransigeant" versichert, daß während des Dmers, das Präsident Falliörcs dem König von Kambodscha im Elysec gab, der König in seiner Muttersprache einen ^nnsipruch ausbrachte, der sehr heftige Worte: a e g e n E n g l a n d enthielt. Das Blatt behauptet, auch m Mar,eitle habe der König auf einem Diner ähnlich gesprochen. Madrid, 30. Juni. In Lagrange verhaftete man den Anarchisten A q u i l a s u e n t e. Er hat sich in Paris zur Zeit des Bonibenattentates aufgehalten und i,i Mitte vorigen Monats nach Spanien gekommen. Zwei andere verdächtige Per,onen smd heute ebenfalls verhaftet worden. Das Königspaar gab den sür heute geplanten Ausflug nach dem Kloster Paular aus. R o m, 30. Juni. Wie verlautet, ist em neues Kom pl ott aeaen den König entdeckt worden. Der König erhielt r,roh- tefe, reifte aßet trobbem n«d> der Insel Monte Chnsto. um dort zu jagen. Die Polizei hat uimasien.de Vorkehrungen zur Ueberwackung der Eiscubahnstrecke getroffen. Zahlreiche Anarchisten haben sich an Bord von Fiicherbooten nach der dalma- tinischeli^Küste^ ^(^Juni. Der Kongreß nahm die Vüchsen- fle is ch^J nsp'e ktionsb ill an, welche die Kosten der Re- aimmg auferlegt. Die Datierung der Büchsen wurde nicht gc- wrderü Tie Bill gegen Nahrungsnnttelvcrfalschuiig wurde cben- ^lls anqeitomm^ii (gtcntei ) ^uf der mandschurischen Bahn ist eine besondere Frachtermäßigung für ,a panisch en Tabak und einige andere Waren zugestanden worden. ~ie5 erweckte bei den beteiligten Fremden erliste Defurchtiiugen, denn eine weitere Ausdehnung der Rabattgewahrung gewahrt die Möglichkeit besonderer Vorteile für japanische Waren, und duAus- länder sind der Ansicht, daß dadurch , ein freier Wettbenurl unmöglich, und die osferw Tü^ illu,orich)^achr werd^^---- haben. _. . . Nach Meldungen aus ^tnseropol ^überfiel eine bewaffnete Bande das Gut eines gewissen -Lheliabin im Kreise Dnjebrowsk, verwundete den Besitzer und raubte 1800000 Rubel m Geld und Wertpapieren, außerdem ein wichtiges Schriftstück. Vier Räuber wurden verhaftet. Der /Roivoje Wremja" wird aus Bat um gemeldet-. Die Gärung bei den Mannschaften der Fcflungs- artillerie dauert fort. In der Stadt hört das Morden und Rauben nicht auf. Die durch nun fünf Wochen dauernde Unterbrechung, die der Dampferoerkehr mit Odessa durch den Streik der Schiffsmannschaften erlitt, hat das wirtschaftliche Leben an der ganzen Küste des schwarzen Meeres lahmgelegt. In Peterhof herrscht, wie behauptet wird, vollständige Panik. Tie Revotte im Preobraschenski-Regiment hat den Zaren, als er davon erfuhr, in heftigste Erve g u n g versetzt, sodaß er einen O hnmachtsanf a ll erlitt. Später dürchschüttelte ihn ein sBe in fr am pf. General Trepow mußte auf Befebl des Zaren die Wachen vor dem kaiserlichen Schloß verdoppeln, doch weroeu nur ganz zuverlässige Leute zum Waülldienst ausgesucht. Rach einer Meldung aus Petersburg wäre der Zar geneigt, ein Kabinett aus konstitutionellen Demokraten zu ernennen. Doch besteht in .Hoskreisen große Abneigung gegen eine Politik des Rachgebens. Tie Hosparlei drangt den Jarcn zu einem Konflikt mit der Duma und besurwor^er deren sofortige Auslosung. Ter Plan, ein liberales Ri i n i ft e r i u m einzuberufen und die Duma m Die Ferien zu schicken, stammt von Po b j e d o n N o sze w. einer öeni Zaren unterbreiteten Denkschrift sucht dieser nachzuweisen, daß Rußland für die Konstitution noch sticht reff sei. Deshalb müsse man vorläufig vöm Parlamentarismus absehen, vorher jedoch Maßnahmen zur Beruhigung des auss tiefste aufgeregten Landes ergreifen und zu ptc|em Behuf das gegenwärtige Ministerium entlaffen. Rach einer Petersburger Meldung der Wiener „9c. rie bestraften Ofsizlere dürsten ihren Wschied einreichen Tie 5 Kompagnie des Leibgarde-^appeurbataillonA hielt trotz strengen Verbotes des Kompagniechefs eine Versammlung ab und beschloß, sich nut dem Borgehen be» Preobraschenski-Regiments , o 1 ioart > ch m ^klaren Et waigen Verhaftungen will man ffck> gewaupim widersetzen. 9hmmel)r wird bekannt, daß die Entlassung des Palaftkornwand unten von Peterhof, des Gene- - rals Pleskow und dessen Gehilfen, erfolgte, well durch ihre Nachlässigkeit Arbeiter, die der anarchrsttschen Partei angehören, in den Palast in Peterhof eindringen konnten. Cm Petersburger Blatt greift den General Rennen kam p auf das deftigste an und beschuldigt shn des sv st e m a t i s ch e n D i c b ft aI) l s während des Kriegs in Ostasicn. Ebenso wie von [eiten des Generalstaves die Ernennung von Juden zu Offizieren als untunlich erklärt wurde, soll nunmehr auch den Inden der Eintritt in die E i s e n b a h n v e r u> a l t u n g verwehrt werden. Ein entsetzliches Eisenbahnunglück. Am 1. Juli entgleiste zwischen London und Southampton ein Expreßzug der Dampferlinie American Line bei Salisbury. Nach den leisten Nachrichten wurden 2 3 Personen getötet und viele verletzt. Die Getöteten sind meist Amerikaner. Die Reisenden kamen in Plymouth mit einem Dampfer der Nemyork-Amerikalinic an. Unter den Passagieren deS Dampfers befanden sich auch der Bürgermeister von Newyork, Mac Lellan und seine Gattin. Diese fuhren jedoch mit dem Dampfer von Plymouth nach Southampton weiter. Bei dem Unfall fuhr die Lokomotive, die zuerst entgleiste, in einen entgegenkommenden Güterzug hinein. Bei dem Zusammenstoß wurden mehrere Wagen des ExprcßzugeS, in dem sich 47 Reisende befanden, vollständig zertrümmert. Die Toten und Verwundeten konnten nur mit größter Mühe unter den zertrümmerten Wagen hervorgezogen werden. Die letzteren stürzten zum Teil den Bahndamm hinunter. Unter den Verunglückten sind einige mit deutschen Namen. Sie sind jedoch amerikanische Staatsangehörige. Kurz vor Schluß der Redaktion werden uns noch folgende Einzelheiten gemeldet: Ms der Expreßzug aus Devonport, der die mit dem amerikanischen Dampfer „Newyork" eingetroffenen Passagiere nach London bringen sollte, mit einer stunden-Ge- schwindigkeit von 100 finite, durch das Bahnhofsgebict von Salisbury raste, entgleiste die Lokomotive an einer Kurve dicht hinter dem Stationsgebäude und krachte in den hintersten Zugführerwagen eines Milchzuges, der zerschmettert und dessen Z u g f u h r e r g e t ö t e t wurde. Die Lokomotive kollidierte alsdann mit einem Eisenpfeiler, der über die Schienen führenden Fußgängerbrücke, die total weggefegt wurde, überschlug sich und explodierte. Der Maschinenführer und der Hetzer tourben unter ihr begraben und getötet. Der erste Vagen schoß an der Lokomotive vorbei, der zweite und dritte Wagen überschlugen sich und wurden ebenfalls zerschmettert. Der vierte und letzte Wagen, in dem sich der Schaffner und die Küche mit dem Küchenpersonal befanden, blieb aus dem Geleise. Nur zwei Insassen dieses Wagens wurden leicht verletzt. Das Stöhnen und schluchzen der unter den Trümmern liegenden entsetzlich Verwundeten war herzzerreißend. Biele Verletzte konnten nur mit Mühe und nach Zersägen der Trümmer hervorgeholt werden. Tie Toten, deren Körper meist gräßlich verstümmelt ivaren, wurden in einer Reihe auf dem Perron niedergelegt. Erschütternde Szenen spielten sich ab, als die Ueberlcbcnden ihre Angehörigen unter den Toten und Verwundeten entdeckten. Von einem amerikanischen auf der Hochzeitsreise befindlichen jungen Ehepaar wurde der Bräutigam getötet, während die Braut unverletzt blieb. Tie Leichen des Lokomotivführers und des Heizers wurden vollkommen verkohlt unter der Lokomotive hervorgezogen. Tie Lokomotive hatte sich wie ein Tampf- pflug in den sandigen Bahnsteig eingewuhlt. Durch den Anprall der übereinander stürzenden Wagen tourt)en die Brückenpfeiler weggerissen. Tie Bahnsteige wurden in eine unentwirrbare Trümmerstätte verwandelt. Unter den Opfern befinden sich mehrere hervorragende amerikanische Bürger. Ter amerikanische Botschaftssekretär Ridgele Carter hat sich mit anderen amerikanischen Botschaftsmitgliedern von London nach Salisbury begeben, um nach den Verwundeten zu sehen. Weiter wird gemeldet, daß noch sieben schwer Verwundete in Todesgefahr schweben. X • Noch ein Eisenbahnunglück. In der Nähe von Ntika (Nordamerika) wurden bei der Entgleisung eines Eisenbahnzuges 50 Personen verletzt, darunter zwei tödlich. Ans Stadt nnd Land. Gießen, den 2. Juli 1906. * * Von uns er er Landes-Universität. Die Tarmst. Ztg. schreibt: Wir sind in der angenehmen Lage, mitteilen zu können, daß es dem Großh. Ministerium gelungen ist, einen schweren Schlag, der unsere Landes- Universität durch einen an den Inhaber des Lehrstuhls für innere Medizin und Direktor der medizinischen Klinik Herrn Professor Dr. Moritz unter besonders günstigen Bedingungen ergangenen Ruf als L e i t e r d e s st ä d t i s ch e n Krankenhauses in Frankfurt a. M. bedrohte, glücklich abzuwenden. Professor Tr. Moritz hat sich als Nachfolger des Herrn Professor Tr. Riegel während seiner nun bald V/2 Jahre dauernden Tätigkeit in Gießen nicht allein als Lehrer und Forscher, sondern auch als ärzllicher Berater einer umpfangreichcn Klientel so vortrefflich eingeführt, daß man seinen Weggang auf's tiefste hätte bedauern müssen, von seinem Verbleiben in seiner jetzigen Stellung aber eine weitere Steigerung des Ansehens des Lehrstuhls für innere Medizin an unserer Landes-Universität mit Sicherheit erwarten darf. ”* Das Ergebnis der diesjährigen Preisaufgaben unserer Landesuniversität ist: 1) Aufgabe der theologischen Fakultät: „Ter Engelglaube in den Psalmen"; Verfasser ist: stuä. tdeol. Theodor Petersen von Darmstadt. 2) Aufgabe der juristischen Fakultät: ^Bedeutung und Anwendungsfälle der Schriftsorm im Reichs- zivilrecht"; Verfasser ist: cand. jur. Friedrich Diehl von Groß-Gerau. 3) Aufgaben der medizinischen Fakultät: a) Für den akademischen Preis: „Es soll untersucht werden, in welcher Weise die Resorption des Phosphors bei Einspritzung von Phosphoröl vor sich geht"; Verfasser ist: cand. med. Wilhelm Werlä aus Mainz, b) Für den Balser-Preis: „Es soll untersucht werden, ob die Höhe der Ammoniakausscheidung im Harn tatsächlich, wie fast allgemein angenommen wird, nur durch die Größe der jeweiligen Ausfuhr von Säuren durch den Harn bedingt rnirb*; Verfasser ist: cand. med. Wassa Klein aus Gießen. 4) Angaben der philosophischen Fakultät: a) Aufgabe aus der englischen Philologie: „Tie englische Laut- ontwickelung, nach französischen Grammatikerzeugnisten"; 23erfaffer ist: stud. phil. Theodor Spira aus WormS. b) Aufgabc aus der griechischen Philologie: „Graecorum hymni sacii in deos heroes reges qui tempus tulerunt praeter Orphicos deperditorumque reliqniae colligantur recenseantur explicentur nec non Rom an o- rum imitationes addantur“; Verfasser ist: stud. phil. Wilhelm Kölsch aus Büdingen. c) Mathematische Aufgabe: „Behandlung der abstrakten Gruppen, die durch zwei Elemente gegebener Ordnung gebildet werden"; der Lösung konnte der Preis nicht zuerkannt werden. ""Ein gol denes Lehrerjubiläum. Rektor Hahn kann in diesen Tagen auf eine 50 jährige erfolgreiche Berufstätigkeit zurückblicken. AuS diesem Anlaß wird am 14. Juli dieses JahreS im Neuen Saalbail eine besondere Festfeier stattfinden, die Gelegenheit geben wird, dem Leiter unserer städtischen Volksschulen die verdiente Anerkennung für seine langjährige gewistenhafle und verdienstvolle Aintsführling auszusprechen. * * Geschäftsjubiläum. Heute begeht die hiesige bekannte Firma I. H. Fuhr die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Sie nuirde nach den noch vorhandenen Büchern von bem Vater des jetzigen Inhabers Joh. Hein. Fuhr begründet. Er betrieb anfangs eine Zinngießerei. Laut Kanf- brief ging am 26. März 1832 das jetzige Anwesen der Firma, das dlirch verschiedene Zllkälife beträchtlich vergrößert wurde, in seinen Besitz über. Die verniehrte Benutzlmg von Porzellan und Steingut hatte eine geringere Nachfrage nach Zinmvaren zur Folge, iveshalb sich H. Joh. Heinr. Fuhr mehr auf den Verkauf von Spielwaren und später auch von Kurz- und Tapisseriewaren verlegte. Nach dem Tode des Begründers übernahm 1877 dessen Sohn Ludwig Fuhr — der jetzige Inhaber — die Firma. Er hat es verstanden, im Einklang mit der schnellen Entwicklung unserer Vaterstadt, den Umfang stetig zu vergrößern. * * Entsprungen. Am verflossenen Saurstag nachmittag entsprangen bei der Außenarbeit einem Gefangenaufseher die Strafgefangenen Louis Hardt und Heinrich Klein, beide hier wohnhaft. Es gelang noch am gleichen Abend die Ergreifung des Hardt, und Klein wurde gestern in Atzbach ergriffen. • • Diebstahl. Einem hiesigen Dachdecker mürben in der Nacht vom Freitag auf Samstag mehrere Rollen Dachpappe von unbekannten Tätern aus seinem Hofe entwendet. * • Dachdeckermeister Carl 4, der, wie bereits berichtet wurde, das Urteil anerkannt hat, befindet sich zur Verbüßung der gegen ihn erkannten Strafe in der Zellenstrafanstalt Butzbach. * * M il itärkonzert. Morgen Abend konzertiert im Saalbau das Trompeter-Korps des 2. Rhein. Husaren-Reg. Nr. 9 aus Straßburg. " Die Ehrhardtsche UniversitätsbuehHandlung (G. Schramm) ging in Marburg in den Besitz deS Herrn Adolf Ebel aus Gießen über, der das Geschäft in den alten Räumen, Marktsiasft 18/20, weiterführen wird. * * Das „P o st b u ch, Ratgeber für den Post- und Telegraph en verkehr" ist anläßlich der vielen Aendernngen in der Postordnung, den Tarifen usw. soeben unter Berücksichtigung der nciteflcn Bestimmungen neu herausgegeben worden. TaS Werkchen, welches in manchen Punkten eine Erweiterung erfahren hat, enthält u. A.: VersendungS- und Zollvorschriften, Bestimmungen der Postordmmg, des PostgesetzeS und des Wkltpostvertrags, Tarife aller Art für den In- und Aüslandsverkehr, Umrechnungstabellen für den ausländischen Postanweisungsverkehr, Verzeichnis aller Reichs-Postanstalten, der deutschen Postorte im Auslande, der wichtigeren Postorte in Bayern, Württemberg und Oesterreich- Ungarn (15 000 Postorte) nebst einer Zonentabelle zur Berechnung des Paket- und Geldbriesportos nach jedem beliebigen Postorte; Straßenvcrzeichuis von Berlin, Verzeichnis der Nachbarpostorte, Telegraphen- und Fernsprechverkehr. Tas Werkchen, welches sich als zuverlässiger Ratgeber in den einschlägigen Fragen bestens bewährt hat uub dessen sorgsame Bearbeitung anerkannt wird, ist zu 1 Mark au den Postschaltern erhältlich. - ll-L a n g - G ö u s, 2. Juli. Unsere am 12. Dezember 1880 errichtete freiwillige Feuerwehr feierte heute unter Teilnahme der Einwohnerschaft, der hiesigen Vereine und circa 25 Nachbarwehren ihr 25jähriges Jubiläum. Tas Fest wurde eingeleitet mit einem Kom mers am Samstag abend auf dem Fcitplatzc. Am Sonntag vormittag wurden die Gäste in dem festlich geschmückten Orte empfangen und gegen 11 Uhr eine Hebung mit Drandangnsf abgehalten. Der stattliche Festzug bewegte sich gegen 2 Uhr durch die Straßen nach dem Festplatze. Hier hielten Bürgermeister Rompf und Feuerwehr-Kommandant Nern Begrüßungsansprachen. Diesen folgten Vorträge der hiesigen Gesangvereine. Regierungsrat Dr. Wagner überreichte sodann den Wehrmännern Hch. Boller II., Phil. Schmidt II. und Joh. Karl Müller IV. die vom Großherzog verliehene Ehrenzeichi^l für 25 jährige Dienstzeit. Die zahlreich im Festzug Vertretenen Elsrenjungfrauen in ihrer kleidsamen Hüttenberger Tracht hatten im Verein mit den Frauen ein schönes Banner gestiftet, das von einer Ehrenjung-ffau der Feuerwehr überreicht wurde. Regierungsrat Tr. Wagner ergriff nochmals das Wort, um dem vollzählig erschienenen Kriegerverein die vom Kaffer verliehene Fal'/nenschleise zu überreichen. Es folgten weiter Vorträge der Gesangvereine und Tanz, wobei die Gießener Wehren durch eine Extratour mit den Ehrenjungsrauen ausgezeichnet lmn> den. — Am heutigen Montag wird das Fest durch Volksbelustigungen und Aufführungen des Lang-Gönser Turnvereins geschlossen. — Aus Anlaß des Jubiläums war eine kleine Festschrift erschienen. r Londorf, 1. Juli. Vom schönsten Wetter begünstigt, feierte heute der Lahntal-Radlerbund sein zweites Bund es fest, verbunden mit Bannerweihe dcS Radfahrervereins Londorf. Gestern abend fand Konzert im Saale der „Stadt Gießen* statt, das erst sein Ende erreichte, als nach 1 Uhr der hiesige Radfahrerverein zum Vereins-Dauerfahren über 100 Kilometer ab fuhr. Heute morgen war Frühkonzert auf dem Festplatz, zur Begrüßung der vom Tauerfahren ankommenden Vereine. Hm 12 Uhr fand gemeinschaftliches Mittagessen der Vereine statt und kurz nach 2 Uhr begann das Korsofahren durch den reichgeschmückten Ort. Ehrenjungfrauen schritten dem Zuge voran und trugen das neue Vereinsbanner. Es folgten der hiesige Gesangverein, der Kriegeroerein und dann kamen die Rad- fahrervereinc. Wenn auch die große Nachttour manchem Fahrer nicht so ganz leicht gefallen haben mag, hier merkte man nichts mehr davon. Man sah, wie sichs jeder Einzelne angelegen sein ließ, seinem Verein zu einem' guten Erfolge zu verhelfen. Nachdem der Zug auf dem Festplatz angelangt war, begrüßte der Vorsitzende des Londorfer Radfahrervereins, Louis Weber, die zahlreich erschienenen Festgäste. Lehrer Schaum hielt sodann die Fest- und Weiherede. Er schilderte in kurzen Zügen die Entstehung und Bedeutung des Rades und der Radfahrervereine und weihte hierauf das von der Mündener Fahnenfabrik schön und geschmackvoll verfertigte Banner. Der Bundesvorsitzende, Bürgermeister Schmidt-Lollar dankte sodann dem Radfahrerverein Londorf für das schöne Arrangement des Festes und brachte auf den Verein ein dreifaches „All Heil* aus. Nun entwickelte sich auf dem Festplatz bei Konzert, Tanz und Liedervorträgen des Gesangvereins „Frohsinn* ein lebhaftes Treiben. Um 1/27 Uhr fand die Preisverkündigung statt. Es erhielten Preise int Dauerfahren: 1. Lollar, 2. ylllcndorf a. Lda., 3. Großen-Linden, 4. Klein-Linden, 5. Londorf. Londorf, das die meisten Kilometer gefahren hatte, hatte einen Mann verloren und kam etwas zu spät an. Im Korsofahren erhielt den 1. Preis Lollar, 2. Klein-Linden, 3. Londorf, 4. Allendorf, 5. Großen- Lmden. b. Friedberg, 2. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Hier wurde in der Abortgrube eines in der Kaiserstraße gelegenen Hauses die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Die Polizei soll der Täterin bereits auf der Spur sein. ? Vom Hoherodskopfe, 1. Juli. Heute fand das JahreSfest des „Vogelsberger Höhenklubs" statt. Trotz günstiger Witterung war der Besuch gegen frühere Jahre gering, was dem Umstande zuzuschreiben ist, daß vorigen Sonntag das Gauturnfest in Schotten abgehalten und heute zahlreiche Feste in Oberheffen stattfinden. Die Fernsicht war nicht gut; ein dichter Nebelschleier umhüllte die fernliegenden Gebirge. Im schattigen Buchenwalde standen die Pferde der Gäste, die zu Wagen angekommen waren. Die sonst übliche Festrede siel diesmal aus. Von Mittag an konzertierte die gut geschulte Kapelle Faust-Feldkrücken, worauf sich die Jugend mit Tanz vergnügte. Der Festwirt, Klub- wirt Stein, hatte für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt. p. Schlvalbach (Kreis Wetzlar), 1. Juli. Das Schmal» bacher Mineralwasser hat in unserer Gegend und weiter einen guten Ruf. Die Nachfrage steigert sich mit jedem Sommer. In den heißen Tagen feiern wir nun jedes Jahr ein fBrunncnfeft. Voriges Jahr wurde es allerdings buchstäblich zu Waffer. Heute dagegen machte der Himmel ein freundliches Gesicht und es wurde daher manches Glas Waffer, aber wohl noch mehr Bier getrunken. (•) Ehringshausen (Dill), 1. Juli. Der bisherige Katasterkontrolleur Kaiser ist am 16. Juni d. J§. vom Dienste suspendiert und der Katasterlandmeffer Scholz bis auf weiteres mit der Führung des Katasteramtes Ehringshausen betraut worden. Frankfurt, 30. Juni. Als Nachfolger Proseffor v. Noordens für die Stelle eines Direktors für innere Krankheiten am städtischen Krankenhaus, ist Profeffor Hugo Lüthje, jetziger Leiter der ambulatorischen Klinik in Erlangen, ernannt worden. Gelnhausen, 30. Juni. Infolge eines Schlaganfalls starb Bürgermeister Schöffer, der die Geschäfte der Stadt 27 Jahre geführt hat, und sie auch im Kreisausschuß, sowie im Provinziallandtag vertrat._______________ Die abgehauene Hand vor Gericht. S. u. H. Breslau, 1. Juli. In der geftern vor der 5. Zivilkammer verhandelten bekannten Klagesache deS Bierfüllers B i e w a l d gegen die Stadtgemeinde Breslau wurde eine Beweiserhebung darüber beschlossen, daß sich unmittelbar vor dem Abhauen der Hand eine Zusammenrottung ereignet hat, für deren Folgen die Stadtgemeinde Breslau haftpflichtig sein würde. Ter Klager und sein Nechtsbeistand Iustizrat Mainroth machten geltend, daß die Schutzleute, unter denen sich der Attentäter befand, an jenem Tage in Ausübung ihres Amtes die Straße entlang gekommen seien, in der Biewald mit seinem Kollegen Hartmann stand. Der § 1 des preußischen Tumultgesetzes vom 11. März 1850 besage: „findet bei einer Zusammenrottung oder einem Zusammenlaufe von Menschen durch offene Gewalt oder durch Anwendung der dagegen getroffenen gesetzlichen Maßregeln Beschädigungen des Eigentums oder Verletzungen von Personen statt, so haftet die Gemeinde, in deren Bezirk diese Handlungen geschehen sind, für den dadurch verursachten Schaden". — Ter Vertreter der Stadtgemeinde machte geltend, daß der demnächst zu verhandelnde große Breslauer Aufruhr-Prozeß erst eine Klärung der Vorgänge an jenem Tage bringen werde, um so mehr, als auch Biewald in diesen Prozeß mit verwickelt sei. Biewald, der anwesend war, und die ihm abgehauene Hand in der Tasche mttgebracht hatte, widersprach im Verein mit seinem "Anwalt Tr. Mamroth der Vertagung, weil sein Rechtsanspruch klar zu Tage liege. Tas Gericht beschloß jedoch die Vertagung der Verhandlung auf den 26. September. Sport. H.B. Darmstadt, 1. Juli. Der Frankfurter Sportklub „Hermania" hatte heute mit ca. 40 Mitgliedern eine Hundert kilonieter-Lauftour. veranstaltet, die von Zachsenhausen-Fraukfurt über Mainz und Darmstadt und dann über Offenbach nach Frankfurt zurückführte. Der Aufbruch der Daucrläufer erfolgte früh um halb 5 Uhr und schon um halb 12 Uhr trafen die ersten der Konkurrenten, jeder einzelne von mehreren Radfahrern begleitet in Darmstadt ein; sie hatten also über Zweidrittel der ganzen Strecke in 7 Stunden zurückgelcgt und dürften so mit ihre Aufgabe, die 100 Kilometer in 11 Stunden zu bewältigen, in glänzender Weise gelöst haben. Die in mehr oder minder großen Zwischenräumen die Rheinstraßc und die Frankfurter Straße passierenden leichtfüßigen Konkurrenten, fast durchweg elastischen Schrittes dahineilcude, schlank gebaute Gestalten im besten Jünglingsalter erregten bei den zahlreichen Zuschauern und Paffanieu allgemeine Aufmerksamkeit und bei dec sie begleitenden Straßen« fugend Helle Freude. Arbeiterbewegung. Berlin, 30. Juni. Die heutige Versammllmg des Arbeitgeberverbandes der Glasereien Berlins und eine Meisterversamm- litng haben beschlossen, sämtliche im Zetttralverbande der Glaser Deutschlands organisierten Bau- und Bleiglasergehilfen sowie Glasmaler heute abend zu entlassen. Nichtorganisierte Gehilfen werden weiter beschäftigt. Es kommen 650 Betriebe mit etwa 800 Arbeitnehmern in Betracht. Leipzig, 2. Juli. Eine große Z i m nt e r e r- Versammlung beschloß, bem Lohn°Uebereinkommen der Maurer mit dem Bau- Arbeitgeberverbande nicht beizutreten, sondern auf der Forderung sofortiger Zahlung von 65 Pfg. Stundenlohn zu beharren und eoent. am Dienstag die Arbeit niederzulegen. Gerichtssanl. Erfurt, 30. Juni. Tas hiesige Schwltrgericht ocrurteille den 61 jährigen Weber Kundeshagen wegen Totschlags seiner Iran zu 12 Jahren Ztichthatts. H a m bürg, 30. Juni. Ter B e l e i d i g u n g s - P r o z e s; des Kritikers n t o n Lindner gegen den Schriftsteller^ Otto E r n ft wird nochmals die Oeffenllichkeit beschästigett, ba, Lindner bei der Schwere der Beleidigung eine Geldstrafe für unzureichend erachtet und Berllsung einlegte. Thorn, 30. Juni. Das Kriegsgericht verurteilte den Kaiwnier S i c iü c v t vorn 15. Fußart.-Regt., der bald nach seiner Einstellung^ die Truppe verlassen unb sich mehrere Monate umhergetrieben hatte, nach seiner (Ergreifung aus dem Militärarresthaus unb dann aus einer verschlossenen Zefle des Garuisonlazaretts ausgebrochcir, die Vinsch- 3%°/. 4 %' Oesterr. Goldrente. . 115.60 253.10 Börse, 30 Juni, Anfangskurse. 138.20 8 Statt besonderer Anzeige Gestern abend 8 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet unsere liebe Tante und 4053 Giessen (Westanlage 32), den 2. Juli 1906. Die Beerdigung findet auf dem alten Friedhof, Dienstag, den 3. Juli um 6 Uhr statt. am Gcrbel. Arbeiter be- zu vereiteln, zu passieren Elektriz. Lahm eyer . EJektriz. Schnckert . Esch weil er B er "werk Harpener Bergwerk Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . . 34 40 . 145.70 . 152.50 . 146.00 . 130.40 . 264 90 . 217.40 . 70.00 . 97.70 Die trauernden Hinterbliebenen i. d. A.: Friedrich Habenicht. 99.85 88.10 99.85 88 25 98.40 82.10 157.10 Berliner Handelsges Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Ei senl ahn . Gotthard bahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn P.eichsanleihe do. Konsols . . do. . ■ Hessen . . . Oberb essen . 215.60 . 240.25 . 34.50 . 126.50 . 146.20 war wegen dreifacher Fahnenflucht, Preisgabe von Dienstgegen- ftanben, Einbruchsdiebstahls, Unterschlagung und Beilegung eines glichen Namens zu 21 /„ Jahren Gefängnis, zehn Tagen Hast, vier fahren Ehrverlust, Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten- standes und Enticrining aus dein Heere. Erzherzogs Eugen und des Eisenbahnministers gaubahn feierlich eröffnet. Moskau, 2. Juli. Die organisierten schlossen, die Umtriebe der schwarzen Bande überwachten die Straßen, die eine Prozession koloniale Fragen, bestehend aus Frankreich, Italien und England. Der erste Punkt, über welchen eine Einigung erzielt wurde, betrifft Marokko, Tripolis, Egypten und Aethio- pien. Das Abkommen betreffend den Eisenbahnbau von Dschibuti nach Addes Abeba sei bereits unterzeichnet. Augenblicklich findet ein Meinungsaustausch über die Abgrenzung der Einflußsphären für eine jede der beteiligten statt. Meran, 1. Juli. Heute wurde hier in Anwesenheit beS hatte, und fingen mehrere Provokatoren, die durch Revolverschüsse eine Panik und einen Progrom Hervorrufen wollten. Kiew, 2. Juli. Der Generalgouverneur Fürst Melinow wies für die Tauer des Belagerungszustandes einige Hooligans wegen Aufreizung zu Judenhetzen aus. Rewyork, 2. Juli. Die Hitze erreichte gestern wieder 37 Grad. 10 Todesfälle infolge Hitzschlages waren zu verzeichnen. Gegen 50 Personen mußten in Krankenhäusern untergebracht werden. Erst gegen Abend stellte sich leichter Regen ein, der etwas Abkühlung brachte. Die Meldungen über zahlreiche tätliche Hitzschläge aus anderen Orten mehren sich. Washington, 2. Juli. Präsident Roosevelt hat eine Kundgebung erlassen, in der er die vom Kongreß in der abgeschlossenen Tagung geleistete gesetzgeberische Tätigkeit rühmt, besonders die Gesetze über die Eisenbahntarife, die Fleisch- beschau, den Panamakanal und die Naturalisierung. Tokio, 2. Juli. In der Nähe von Sascho kollidierten die japanischen Dampfer „Hinode Maru* und „Niichiyei Marn". Ersterer ist gesunken, letzterer nur wenig beschädigt. Von den Passagieren und der Besatzung des ersteren werden 2 7 Personen vermißt, die übrigen wurden gerettet. und Industrie. Gipssen. Frnnkfni'tei' Börse. 30. Juni, 1.15 Uhr. 241.00 126.50 125.50 169.25 138 00 23500 178.00 182.20 157.50 210.40 Harpener Bergwerk. . . Laurahütte...... Nordd. Lloyd . . . . . Obei=chles. Eisen-Industrie Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Hotel-Restaurant Kronprinz. Bad-Salzhausen. Billigster, bester Kur- und Sommeraufenthalt. Prost. Gratis. 392^ 100 20 100.50 95.80 103.90 70.00 70.50 89.20 95.00 96 20 146 60 53.80 91.00 4°/0 Mexikaner . . - 3^°/0 Chinesen . . . Aktien: Bochum Guss . . . Buderus E. W . . . Tendenz : schwach. Berliner i Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwach. Günther infolge Raddefektes und wurde ziemlich s ch w e c verletzt, so daß er bewußtlos vom Platze getragen wurde. Berlin, 2. Juli. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich in dec Nähe der Kaiser-Wilhelm- Gcdächtniskirche, an der Stelle, wo vor einigen Tagen der Major a. D. Wachs verunglückte. Tas Break des Fabrikanten Hahn wurde von einer Motordroschke angefahren und mit solcher Gewalt zur Seite geschleudert, daß die Insassen aus den Straßenbahndamm geworfen wurden. Der Kaufmann Brandt, der sich mit im Wagen befand, fiel so unglücklich auf das Pflaster, daß er einen Genickbruch erlitt. Auf dec Unsallstelle konnte der Arzt nur den Tod konstatieren. Eisenach, 2. Juli. Die internationale ethische Konferenz ist hier zusammengetrcten. Als Vertreter waren erschienen: für Amerika Professor Adler, für England Standon Eoich, für Deutschland Geheimrat Förster, Dr. Pfungst, Dr. Penzig, für Oesterreich Börner. Auch Japan 'ist vertreten. Die Organisation des internationalen ethischen Bundes soll sehr erweitert werden. Am Dienstag findet eine öffentliche Versammlung statt. Londo n, 2. Juli. Der Erfinder des Kehlkopfspiegels, Manuel Garria, ist gestern abend im Alter von 102 Jahren gestorben. Rom, 2. Juli. Die Zeitschrift »Italia moderne" bestätigt die Gründung eines neuen Dreibundes für 47» 4% 3 9oz 3% des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel 4^0/0 rnss.Staatsanl. 1905 4%°n japan. Staatsanleihe 4 ?o Conv. Türken von 1903 Türken! ose...... 4% Gricch. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier . Vergebung non Die Herstellung der äußeren Verputz« und Anstreicherarbeiten ^Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule sollen Samstag, den 14. Juli d. I. vormittags 10 Uhr Altbewährte Nahrung für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitict:Di3rr_hoe, BreclidurchFajjJDarmkatarrn. Hierauf: „Der Tar- Versteigerung Dienstag, den 3. Juli d. Js., nachmittags 2 Uhr: versteigere ich Neustadt 55, dahier, gegen Barzahlung: 14060 1. 1 Fahrrad, 2. 1 Knssenschrank, 2 silberne EtuiZ, 1 Halbverdeck, 3Dreh- häufe, 5 Grabsteine u. Model aller Art. _ . t Versteigerung zu 1, pudct Grosstante Fhiäippine Habenichfi SpulpluK btt «rriniaten Frankfurter Stadtthcater. Dvcrnhans. Don Sonntag den 17. Juni bis incl. Samstag den 14. Juli bleibt das Opernhaus geschlossen. Schauspielhaus. Dienstag den 3. Juli"): G a st s p i e l d e s H e rr n I o s e f $a in,: „Rosenmontag". Mittwoch den 4. Juli: Gastspiel des Herrn Josef Kainz: „Fritzchen. . tiiifc" Donnerstag den 5. Juli: Gastspiel des Herrn ^ofef Kainz: .Sodoms Ende." Freitag den 6. Juli: Letzte Vorstellung vor den Schauspiel-Ferien: „Die Mütter." Von Samstag den 7. Juli bis mc(. Freitag den 3. August bleibt das Schauspielhaus geschlossen. ' öffentlich vergeben werden. Arbestsbeschreibungund Bedingungen liegen bet uns zur Einsicht osten. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 30. Juni 1906. Städtisches Hochbauamt. Rezept: 50 <*r Zucker, etwas Butter, ein halbes Liter Milch und ein Päckchen Dr. Oetker’s Pudding-Pulver zu 10 Pfg. (3 Stück 25 Pf».) geben eine delikate nahrhafte Speise für alle Kinder. Vorrätig in den Geschäften, welche Dr. Oetkers Backpulver führen. Oesterr. Silberrente Ungar. Goldrcnte . . Italien. Bente . . . Portugiesen Serie I . Portugiesen III ASsfeSeä Station der Preußisch-Hessischen Eisenbahn. Am 30. Fuli l. Js. findet dec V. Pferde- und Fohlen-Markt in Verbindung mit dem Främienmarkt ans den städtischen Marktanlagcn (Lindenplatz) statt. Für bieien Markt sind für die besten Pferde und Fohlen hessischer, loivte nichthessischer Züchter und Händler Prämien tm Betrage von cn Ml. 1500 vorgesehen. Diese Pramuerung beginnt morgens 8 Uhr. Es können nur fehlerfreie Tiere mamnert werden. Importierte Fohlen rangieren bei den .vohlen ihrer Zlreumngsprodukte sind von icder Prämie ausgeschlossen. Deck, Gcburts- bezw.- Körscheine sind vorzuzeigen. Anmelduiigen ru diesem Markt sind an die Geschäftsstelle des Hcff. Landes - PfcrdczuchtbcrctnS in Darmstadt, Neckar straße 10, bis zum 25. Juli ebenso Wmnche und Anfragen tnsbe- ionberc weaen Stallunqen nn Grchh. '><««. seid bis zum gleichen Termin zn richten. Gleichzeitig stndrt c ne von Fohle,i, Zuchttieren, Maschinen -c. statt. Lose a 50 Pfg. sind nt haben bei der Lotterie-Generalagentiir Georg Kurtz ji. tn Alsfeld. Wicderverkänfcr erhalten Rabatt. T Zum Besuche dieses AtarklcS wird freundlichst emgeladen. 9(f(c Pferdezüchter und -Verkäufer werden gebeten, den llarft zab.- "*« zu -,ch.ck°u unb zu bef.Wn. ' Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag den 3. Juli 1906: Meist heiter und trocken. Am Tage etwas warmer, nachts kühl. Näheres durch die Giesiener Wetterkarte. Grigisrnl-DrahtmeLdurrgen. sd. Darmstadt, 2. Juli. Das Ministerium genehmigte den Bau einer Wartehalle auf dem Ernst-Lud- wigsplatz für die elektrische Straßenbahn und ein Bureau ° des Vcrkehrsvereins. Der Bau wurde vor über einem Jahr begonnen und mußte dann eingestellt werden, weil verschiedene Anlieger Einspruch erhoben hatten. sd. Mainz, 2. Juli. Ter 27 Jahre alte Schrerb- gehilfe Müller, der bei einem hiesigen Rechtsanwalt beschäftigt und wegen Unterschlagung entlassen worden war, hat sich im Binger Wald erschösse n. Berlin, 2. Juli. Bei dein internationalen Fliegerrennen in Steglitz siegte der Däne Elligaart, zweiter der Franzose Friol, dritter der Amerikaner Kremer. Bei dem Nennen um den Preis der Diack Brandenburg stürzte Nnfnna wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. VandeHnd Verkehr, Volkswirtschaft. — Depression! So lautet gegenwärtig die Losung an den oauptbörsenplätzen. Wir haben schon vor einiger Zeit angezeigt, daß dem New-Porker Platz wieder gar nicht zu trauen ist. In den lebten Tagen wurden die dortigen Schwankungen als fieberhaft bezeichnet. Es wird befürchtet, daß das Ende der sehr unruhigen Bewegung vorläufig gar nicht abzuseben ist. In London ist roieber einmal der Minenmarkt vollständig desorganisiert und die Verluste auf diesem ©ebiete haben neuerdings große Vermögen verschlungen. In Paris hegt man wegen der politischen und finanziellen Lage Rußlands die allergrößten Besorgnisse. Die rufst,che Freundschaft drückt hart auf den französischen Nationalwohlstand. An der letzten Börse in der vergangenen Woche herrschte cme vollständige Panik für Nussenwerte m Paris. Auch für Deusichland sind die Verluste in diesen russischen Werten uäeraue; empftnblid). Ru dieser Ueberzeugunq sind nun auch die deutschen Börsenblätter gekommen, die seinerzeit nicht laut genug ihre Entrüstung darüber aussprechen konnten, daß Deutschland bei der Russenemission nicht mittat und sie hielten es für ein sehr großes Unrecht bis tn Die neueste Zeit, wenn andere Blätter vor jedem Neuengagement tu Russenwerten warnten. , — Russische Sparsamkeit. Tie russis' e Regierung will sich jetzt aufs Sparen verlegen. Es soll der Finanzminister Kokoszew im letzten Ministerrat einen Plan vorgelegt haben, der bezweckt, den nationalen Geldaufwand bedeutend emzuschranken. Die vom Krieqsminister zur Stärkuiig der russischen Lage tm fernen Osten verlangten 133 Mill. Rbl. sollen verworfen werden desgleichen die als Nachtrag zum Kriegsbudget verlangten 43 Millionen. Verschiedene Ministerabtellungen sollen abgeschafft werben. Der Minister sagte, der Generalstreik nn vorigen Oktober kostete der Regierung 80 Mill. Rbl. - Glaubt nun der Minister, daß mit den jetzt geplanten Ersparnilsen bet der sonstigen Mißwirtschaft ein neuer Generalstreik verhindert wird? Märkte. •• Die Diehmarkte in Gießen sind für 1907 auf folgende Tage festgesetzt worden: 8. und 9, 22. u. 23. Januar, 5. u. 6., 19. u. 20. Februar, 12. und 13., 26. u. 2t. Marz — am 27. März auch Pferdemarkt —, 16. u. 17. April, 7. und 8., 28 tt 29 Mai, 18. u. 19. Juni, 2. u. 3., 16. u. 17. Juli, 6. u. 7., 20 uiib 21. August, 3. tt. 4. September — am 4. September auch Pf'erdemarkt —, 8. u. 9., 22. und 23. Oktober, 12. u. 13., 26. und 27 November, 10. u. 11. Dezember. Außer nn Januar und Februar findet an jedem zweiten Markttage, der immer auf Mittwoch fällt, ein Krämeristarkt statt. fc. Frankfurt a. M., 2. Juli. (Ong.-Telegr. des „Grenen. Anz") Amtliche Notierungen der heutigen Frtich t m a r k t pre t f e. Reizen Tlf. 13.50—13.75, Kurhessischer Mk. 19.00—00.00, La Plata Mk/19.50-20.50, Kansas Mk. 19.25-20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25 —17.50, Gerste (Wetteraueri Mk. 17 25—17. ert ruoti Q§ konkorda Mtittg da * ^l'becker ^Skben, l)Ql &<>•> -$s J?” ®?ji» Att Weselg^"' gro6»"11 jchl-S iW Den W"f w »ns ,«ekllljsPs MVchcii ür die Küche. Frau Th. Heß, Stephanstr. 7. Meldungen erbilleBismarckstr.lLZ Fräulein aus achtbarer Familie al» Stütze ür Büffet foivlc Haushalt fnv einen Ausflugsort in unmittelbarer Nähe Gießens sofort gesucht. Schriftl. pjlelöuiigcn unter 3992 an dcil Gießener Anzeiger erbeten. Jüngeres ordentl. Mädchen für ff. Haush. ges. Meld, von 6 Uhr abends an. Liebigstr. 83, p. 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