Nr. 257 Donnerstag 1. November 1806 Zweites Blatt 156. Jahrgang General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Sem traf heute hier Der SV 5 n i g von Sachsen sandte an den Präsidenten Falliöres dieser schönen SUüjlc zu scheiden, bitte von Preußen Lotteriever- wurden gestern Rotationsdruck und Verlag der vrü hl'scheu UniversttätSdruckerel. 9L Lange, Ätrßen, Redaktion, Expedition ».Druckerei: SchuIfK.^ Tel. Nr. 6L Telegr^Adr., Lla-etg« Vieh«. Cannes, 31. Oft. heute vor seiner Abreise folgendes Telegramm: „Im Begriffe, von An den „Hauptmann a. D." Voigt, dee im Berliner Untersuchungsgefängnis krank darniederliegt, gelangen fortgesetzt Ansichtskarten mit Versen auS aller Welt, sogar Dedikationen werden ihm übersandt. So stiftete ihn: ein lustiger Stammtisch in Bamberg als Anerkennung für sein Köpenickec Bravourstücklem drei Mark. Auch im Auslande genießt der „Hauptmann a. SX" Voigt rege Sympathien, besonders in dem Lande solcher Helden- ein, um der Feier des Jubiläums des 250 jährigen Be- stehcils beizuwohnen. Die Kirchengemeinde erhielt ein kaiserl. Gnadengeschenk von 15 000 Mark zur Wiederherstellung der Kirche. Hohensalza, 31. Okt. Hier überfiel ein Haufe polllischer Fanatiker das Schulhaus. Die Menge warf die Scheiben ein, demolierte das Gebäude und verwüstete und verunreinigte das Anwesen. Zivei Verhaftullgen wurden vorgenommen. — Die Ratifikationsurkunden zu dem und Braunschweig zur Regelung der hältnisse abgeschlossenen Staatsvertrage hier ausgetauscht. Hauer, 31. Okt. Der Kronprinz rzkier. ilz- und Würzt- , Vöchnerinneir, ihcn medizinischen Kirche rrnd Schule. — Der älteste Lehrer Deutschlands ist dieser Tage im Alter von 97 Jahren gestorben, Lehrer Seiwert in Ihn a. d. Saar, wo er ununterbrochen 53 Jahre wirkte. Vor 20 Jahren war er in den Ruhestand versetzt worden. Hamburg, 31. Okt. Bezüglich eines von Mitgliedern der Bürgerschaft gestellten Antrages, den Senat um eine Anordnung zu ersuchen, daß Abiturienten des Realgy mnasiurnS und der Oberrealschule auch das Recht zum juristischen Studium zustehen soll, teilte der Senat einen Beschluß mit, durch den das mit jenem Antrag verfolgte Ziel allerdings auf etwas anderem Wege erreicht werden solle. Der Senat habe entschieden, wegen Zulassung dieser Abiturienten zur ersten juristischen Prüfung das Erforderliche zu veränlassen, sobald nach Abschluß der darüber schwebenden Verhandlungen feststehen werde, daß jetzt solche Abiturienten jedenfalls in der Mehrzahl der deutschen Universitäten 511m Nechtsstudium zugelassen werden. iwigstraße 55, lite i dT Deutsches Reich. Berlin, 31. Okt. Der Kaiser, der sich, wie gemeldet, eine leichte Erkältung zugczogen Hai, blieb gestern und heute, im Dienen Palais. — Die Einführung des Kronprinzen in die Zivilverwaltung erfolgt, wie verlautet, durch ein höfisches Zeremoniell. Der Kaiser hat für den Akt den morgigen Tag bestimmt und wird die Einführung des Thronfolgers voraussichtlich selbst vornehnlen. Auch mehrere Prinzen werden der Feier beiwohnen, so u. a. Prinz Heinrich. — Kultusminister v. Studt gedenkt sich demnächst nach Posen zu begeben, um sich dort über die durch den poln. Schulstreit hervorgerufenen Verhältnisse persönlich zu unterrichten. Erst nach seiner Rückkehr dürften Entscheidungen über weiter zu ergreifende Maßnahmen getroffen werden. In Schroda, wo die Shader der katholischen Schule.dabei beharren, im Religionsunterricht nicht deutsch zu antworten, hat die Regierung beschlossen, vier weitere Lehrkräfte anzustellen. __ 2 5 polnische Schriftsteller hatten beim Kaiser rin Gnadengesuch eingereicht für den Posener Redakteur i). Wierzbynski, welcher wegen Aufreizung durch einen Artikel in der Leitung Praca zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Das Gesuch ist nun abschlägig be- schieden worden. — Rach amtlichen Meldungen aus Deutsch-Südwestafrika wurden 10 Km. nördlich von Ketmannshop der Farmer Schütte.sowie die Buren Hanekam und Potgieter von Viehräubern erschossen. — Aus Anlaß der Fleischteuerung liegen dem Vorstande des deutschen Städtetages verschiedene Anfragen und Anträge wegen Einberufung eines außerordentlichen deutschen Städtetages vor, über die in nächster Zeit Beschluß gefaßt werden soll. — Ein preußischer Ausschuß für Frauenstimmrecht hat sich in Berlin konstituiert mit der Aufgabe, die Frauen Preußens zu gemeinsamer politischer Arbeit anzuregen. — Drei Pücklerversammlungen, die für die nächste Zeit angesagt waren, sind für Berlin und die Vororte verboten worden. Ansrnnv. London, 31. Okt. Auf eine Anfrage deS Liberalen RiclS- dale, ob nach dem letzten Memorandum der Admiralität über die Zusammensetzung der heimischen Flotte die Zahl der Linienschiffe in voller Dienstbereitschast vermindert werden solle, erwiderte heute int Unterhause der Präsident der Admiralität Robertson, daß die dldmiralität damit eine günstigere Verteilung der Linienschiffe in Bezug aus ihre kr ieg er is che Verwend u n g habe herbeisührcn wollen, und dsaß die heimische Flotte um je 2 Linienschiffe von der Kanal-, der Mittelmeer- und der atlantischen Flotte vermehrt werden solle. (Vgl. den Artikel „Im Zeichen des Mars") Paris, 31. Okt. Im heutigen Ministerrat teilte der Minister des Aeußeren mit, daß man beabsichtige, durch Vermittelung des Militärattaches bei der französischen Botschaft in Berlin dem deutschen Kaiser die Gefühle der Dankbarkeit der Negierung der Republik auszudrücken für die persönliche Intervention des Kaisers bei der Ueber- führung der Gebeine der in Mainzverstorbenenfranzösischen Soldaten. ich Sie, Herr Präsident, für die mir von Ihnen und von der Regierung der Republik während meines Aufenthaltes in so reichem Maße erwiesenen Ausmerksamkeiten meinen aufrichtigsten Dank entgegenzunehmen und an meine lebhaft empfundene Sympathie für Ihre Person und für die französische Nation zu glauben." FalliLres sandte dem König folgendes Antworttelegramm: „Das liebenswürdige Telegramm, welches Eure Majestät mir vor IHrcr Abreise von Cannes zu senden die freundliche Aufmerksamkeit hatten, hat mich lebhaft erfreut. Ich beeile mich. Ihnen dafür zu danken und Ihnen den erneuten Ausdruck meiner Empfindung aufrichtiger Sympathie zu übermitteln." Paris, 31. Okt. Dem „Echo de Paris" zufolge enthält ein vom Generalstab vorbereiteter Gesetzvorschlag die Verminderung der Kavallerie um 7 Regimenter, 5 Kürassier- unb zwei Regimenter afrikanischer Jäger, um die Mittel für die neuen Artillerieausgaben zu beschaffen. .— Eine französische Kamelreiter Patrouille, bestehend aus einem Offizier und CO Mann ist etwa 200 Meilen nordöstlich vom Tschädsee von einer Sc^usstz-Vsande aufgerieben worden. ' Bor,raus. ” 6605______ politische Tagesschau. Tie Kriscngerüchte. Gestern schrieb uns aus Berlin einer unserer Mitarbeiter, daß mit dem Rücktritte des Fürsten Bülow gerechnet werden müsse und, das „Leipz. Tagcbl." behauptet heute, dieser Rücktritt werde vor dem 13. d. Mts. erfolgen, dem Tage des Reichstagsverhandlungen; das sei die Meinung aller ernsthaften politischen Beobachter. Demgegenüber wird uns heute von einem anderen Berliner Korrespondenten folgendes geschrieben: Die Zahl der „ernsthaften" politischen Beobachter muß darnach keine große sein, denn m den Kreisen, die für einigermaßen unterrichtet gellen können, wird keineswegs von dem Aiisscheiden des Fürsten Bülow ans dem Amte gesprochen. Im Gegenteil, Fürst Bülow nimmt seit seiner Rückkehr wieder sehr regen Anteil an den Geschäften. Er hat täglich längere Empfänge und Konferenzen, er präsidiert den Sitzlingen des preuß. Staalcminisleriums, das sich sehr eingehend mit deut polnischen Schutstreik beiaßt hat, leider nicht mit dem viel brennenderen Thema der F t e i s ch t e u e r u n g, er wibmet seine Aufmerksamkeit der auswärtigen Politik: alles das setzt körperliche Rüstigkeit und Arbeitsfähigkeit voraus. Daß der Kanzler den Aufgaben, die er sich stellt, gesundheitlich nicht gewachsen sei, oder daß an ihm Ermüdung zu bemerken wäre, wird nirgends be- behcmptet. Fürst Bülow habe, so sagen Besucher, seit dem Vorfall im Reichstag, allerdings gealtert, er besitze auch vielleicht nicht nr e h r ganz die frühere Elastizität, aber zw e i f e II 0 § unvermindert s c i d i e g e i st i g e Frische. Nun wird abzuwarten sein, ob Fürst Bülow im Reichstag sich zeigt und in die Debatte eingreift. Geschieht das nicht, so brmid)t auch dann noch nicht notwendig eine Nanzlerkrisis zu bestehen, weil es wohl möglich ist, daß Zurückhaltung vom polit. Tageskanrpf vorsichtshalber von den Aerzten e m p i 0 h l e n wird. Es steht das Eine fest, daß der Kaiser den Für st en Bülow nach wie vor als seinen ersten Vertrauensmann schätzt, und daß für den Kaiser eine längere Nichtbeteiligung des Fürsten Bülow an der Parlamentär. Diskussion keinen Grund bilden würde, einen Kanzlerwechsel in Betracht zu ziehen. Fürst Bülow wird bann gehen, wenn er zu gehen wünscht, unb dieser Fall tritt ein, wenn Fürst Bülow burcl) eine unverhoffte Aenderung seines Besindens der Leitung der Politik sich nicht mehr gewachsen fühlt. Zurzeit befinden wir uns nicht in einer Kanzlerkrisis, nur in einer P 0 dbielski - Krisis. Ans O.cror uno Rano» Gießen, den 1. November 1906. ** Personalien. S. K. H. der Gr 0 ßherz 0 g haben den Forstassistenten Adolf Kutsch zu Grünberg zum Oberförster dec Oberförsterei Ernsthofen und den Forstaffor Johannes EggerS ztl Alsfeld zum Forstassistenten ernannt, dem Bauasscssor Franz Beck zu Mainz den Titel und Rang eines Batlinspektors verliehen und den Bezirkskasfier der Vezirkskaffe Rieder-Ingelheim Hch. Schlehenbecker zu Niedec-Jngelheim, in gleicher Tiensteigenschast an die Bezirkskaffe Langen versetzt. Uebertragcn wurde dem Lehrer Hch. Schmidt zu Albig die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kloppenheim. ** In Audienz empfangen wurden von S.K.ö« dem Großherzog am Mittwoch u. a. Oberst Riedel, Kommandeur des o. Grosih. Jns.-Regt. Nr. 168, Major Schmidt, Kommandeur deS Gendarmcricüistrikts Oberhessen, und die Pfarrer Scheck von Qneckborn und Ri t t e r von Friedberg. ** Eine allgemeine Zim merm eister - Berfa m m l u n g findet.in Verbindung mit der Generalver-, sammlung des Verbandes hessischer Zimmermeister. am naMen Sonntag in Lad-Nauheim Russisches. Von den 11 am Ueberfall auf den Petersburger Geldtransport beteiligteit Personen wurden a ch t v 0 m F e l d g e r i ch t zu m T0 d e v e r u r t ei l t. Das Urteil ist bereits vollzogen worden. Unter den 11 Angeklagten befanden sich sechs Zeitungshändler, die offenbar für den Ueberfall angeworben waren. Nach Angabe der Geheimpolizei waren an dem Ueberfall mindestens 40 Personen beteiligt. Drei Angeklagte werden dem Militärgericht übergeben. Alle Nachforschungen der Polizei na ch dem geraubten Gelbe u n d n a ch der Dame, die mit dem Raub davongefahren ist, blieben bisher völlig resultatlos, da keiner der Verhafteten etwas aus- gesagt hat. Man nimmt an, daß die Dame nach der Schweiz geflohen ist, um den russischen revolutionären Organik sationen das Geld zu überbringen. Wie jetzt amtlich festgestellt worden ist, beträgt die gestohlene Summe 398 772 Rubel. Ferner sind fünf Personen, die in Kronstadt auf dem Kriegsgericht eine Bombe werfen wollten, darunter zwei Frauen und zwei Soldaten, zum Tode verurteilt worden. Ebenso ist eine an einem bewaffneten Ueberfall auf einen Kolontalwarenladen beteiligte Person verurteilt und hingerichtet worden. Der politische Verbrecher Gerschuni ist aus der Festung Schlüsselburg entkommen, wo er mehrere Jahre interniert war, nachdem er zuvor nach Sibirien transportiert, dort aber entflohen war. Die kühne Flucht aus Schlüsselburg erfolgte mittelst einer leeren Tonne, die aus dem Gefängnishof weggerollt wurde. Gerschuni war der Urheber vieler Staatsverbrechen, auch der Eisenbahnkatastrophe von Borki, wobei Zar Alexander III. nebst Familie beinahe ums Leben gekommen wäre. Der Verteidiger von Port Arthur, General Stössel, befindet sich augenblicklich in einer wenig beneidenswerten Lage. Nachdem er seiner militärischen Dienststellung enthoben worden ist, hat er jetzt „freiwillig" auf den Titel eines Gencraladjutanten des Zaren verzichtet. Stössel hat sich aber auch, wie Petersburger Zeitungen ntelden, mit anderen unangenehmen Dingen zu befassen. Der Pächter des Marine-Klubs von Port Arthur hat ihn um 12 000 Rubel verklagt, die ihm die Offiziere während der Belagerung schuldig geblieben sind. Der Pächter klagt ferner aus den Ersatz der Einrichtung des Klubs, die ihm auf Befehl Stössels am Vorabend der Uebergabe von Port Arthur fortgenommen worden sei, angeblich für die Kranken und Verwundeten, in Wirklichkeit aber, um den Japanern — vermutlich gegen klingende Münze — ausgchändigt zu werden. Die Höhe der Ansprüche, die der Klubpächter gegrn den ßfeneral Stössel geltend macht, beläuft sich aus 200 000 Rubel. Ä-SC, stücklcin, in Rußland. AuS RI 0skau geht dem ,93. %.e folgender Brief zu: „Tie glänzende Ausführung der großen Ausgabe durch'den Herrn „Kommandanten" von Köpemck veranlaßt uns, unserer Bewunderung Ausdruck zu geben. Wir müssen leider als sicher an- neljmen, daß der Herr Kommandant trotz feiner Fähigkeit in contumaciam wegen unvorschriftsmüßigen Tragens der Kokarde 311m Verluste des Rechtes des Tragens der Uniform und zum Verlust des Hauptmannstitels verurteilt werden wird. Wir haben deshalb beschlossen, dem Herrn Hauptmann als Ersatz dafür einen Ehre n- säbel zu ftiften, und bitten Sie, sich der Mühe unterziehen zu wollen, in einem Kitt verspiel Warengeschäft einen solchen Säbel zu kaufen und dem Herrn Kommandanten in unserem Namen überreichen 511 wollen — wenn Sie ihn sehen sollten. Falls der Herr Hauptmann in unangebrachter Bescheidenheit die Annahme der ihm von un5 zugedachten Ehrung ablehnen sollte, so bitten wir Sie, ben Betrag entweder dem Stadtsäckel von Köpenick oder einem anderen wohltätigen Zwecke zu übermitteln. Hochachtungsvoll M 0 s k a u e r Kegelklu b." Dec „Hauptmann von Köpenick" wird übrigens in einem Leitartikel des ,Daily Expreß" als gemeinsames Eigentum aller Kulturnationen in Anspruch gehommen, da er endlich einmal dem Wort „Internationale Heiterkeit" einen bestimmten Inhalt gegeben hat. Von diesem Gesichtspunkte aus hofft das Blatt, daß den „Hauptmann" keine allzu strenge Strafe treffen werde, besonders in Anbetracht der versöhnenden menschlich guten Eigenschaften, die er sich trotz seines langen Aufenthaltes im Zuchthause bewahrt habe. Das englische Blatt empfiehlt ihn der Gnade des Kaisers. Der Hauvtmann von Köpenick hat auch die verdiente künstlersiche Verherrlichung gefunden. Der Romanschriftsteller Hans Hy an und sein Kollege von der Griffelkunst, der Maler Humorist Paul Haase haben sich zu-, sammengetan und unter dem Titel „Der Hauptmann von Köpenick, eine schaurig-traurige Geschichte vom beschränkten Untertanenverstand", ein mit zahlreichen mehrfarbigen Bildern geschmücktes Versbuch über den berühmten Räuber- Hauptmann erscheinen lassen, dessen Titelbild wohl in den nächsten Tagen sich in den Schaufenstern unserer Buchhcmd- hingen präsentieren dürfte. Das Buch ist im Verlag von Hermann Seemann Nachf., Berlin NW. 87, erschienen. Die erste Dramatisierung der Tragikomödie von Köpenick hat auch bereits! die Bretter gesehen. Die Ge- IcgenkxitSdichter reiten ihren Pegasus schnell. Diese^ allererste Dramatisierung ging im Kolosseum zu Wien in Szene und nennt sich „Der Schuster von Köpenick" und hatte einen stürmischen Heiterkeitscrfolg. „Ein Staatsstreich von mnu> dazumal" ist der Untertitel. Drei srech-geniale Gesellen: der Prinz von Liberia, Nuchem Schapira und — der Schuster von Köpenick plündern den Th-ronsaal des Schlosses, finden hier alte Uniformen und benutzen die Leibgarde des Königs dazu, das Ganze ins ' Versatzamt zu bringen. Dann besetzten bie Abenteurer das Schloß und setzten den König ab. Originellerweise fyat man den Schuster- Hauptmann als — „Hosenrolle" verarbeitet. Der bekannte Reuterdarsteller Junkermann schreibt dem „B. T.": Gestatten Sie auch mir, einen kleinen Beitrag zur Tragikomödie von Köpenick cinzusenden, der lüicbcrum beweist, daß das wirkliche Leben viel luftiger ist, als alle von un§ Bermskomikern inszenierten Schwanke es fein können. Ich hatte am letzten Sonntag meinen diesjährigen Berliner Vorlesungszyklus im Architekten- hause beschlossen, und der freundliche Beifall des liebenswürdigen Berliner Publikums rief mich am Schluß noch einmal an bas Pult, wobei wiederholte laute Zurufe nach Zugaben erschallten. Gehorsam, wie ich bin, holte ich meinen Rciiter-Banb noch einmal hervor und blätterte nach einem letzten Gebichtchon. Ohne mich weiter 311 befinuen ober irgend etwas damit andeuten zu wollen, las ich arglos bie Ueberschrift: „Respekt oor’n König iienen Rock!" Ein homerisches Gelächter! „Köpenick, Köpenick!" erscholl cs von allen Bänken, unb nur allmählich legte sich die allgemeine Heiterkeit, bis ich endlich das Gebichtchen lesen konnte. Es handelt sich in den wenigen hübschen Versen um folgendes: Ein Bauer hat einen schönen Kleeacker, über den ihm wiederholt ein uniformierter Postillon fährt, der ihm den Klee ruiniert, bis ihn der Sauer endlich erwischt, ihn beim Kragen faßt unb mit feinem Stock durchbläuen will. Großprotzig sagt der Postillon: „Weg mit den Stock, Ick brage hier des Königs Rock, Ten möten S' an mi respektieren!" Darauf sagt der Bauer: „Wat heww ick mit den Rock lau bauhn? Meenst du, ick mag mi Magestätsbeleid'gungsschererei? Nee, in de Snut kriggst eins von mi, lln be hürt di!" Ich habe feiten solchen Beifall gehört, als er diesem unbeabsichtigten aktuellen Nimel folgte. Und die Moral davon? Der falsche Haiiplmauu kannte, ivie Sie berichtet haben, seinen Reuter, und hätte ihn der Bürgermeister auch gekannt, so hätte er ihm auch wohl mir eins in die „©nut" zu geben brauchen, ohne des Königs Rock zii berühren. Dann wäre der Kassenraub vielleicht ungeschehen geblieben, und Reuter hätte auch seinen luftigen An- teil an den Köpenlcker Gaunerstreich gehabt. ekti»« “||*6'L’**1 j für die mir über* mudeüMr Gade aieibau. I660® 'vseßor Fromme. deä in Rleui’hnöeü $1 verloreneiiLedertäsch' ,rd ersucht, dasselbe soiort t.4 abjugeben, * ireiae erfolgt. yg en KirchettpMäü^ .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der I g V. U § jL d U & UH «HMchr tandrvlrt" erscheint monatlich einmal. V « 'v W A vH Offener Brief. Giessen, den 31. Oktober 06. Jjießer Julius 1 Auf Deinen letzten Brief kann ich Dir heute mit Freuden mitteilen, dass sie sich sogar hier befindet und zwar Blockstrasse 14—16. Sie liefert auf bequeme Teilzahlung J^ößel, Ketten, ^ofsferwaren Herren-., Damen- und J^inder-(^aräero6en, ^janufaKfur-, ^^ode-, ^eiss- 'Maren, faselte, ygfiefel, J^cfiirme, J^üts I^kren, ^efzwaren. Anzahlung von Mk. 3.— an per Stück. NB. Ueber alle Verkäufe bewahrt sie strengste Diskretion. Hof entlieh kommst Du bald nach hier und suchst Dir das Gewünschte aus. Die Firma ist als reell und koulant bekannt; sie heisst I. Tftmann. Frau Brugier wurde sofort in Haft Handel des Oberschics. Eisen-Industrie 125.75 . 120.40 . 234.50 124.201 ISürse, I. November. Anfangskurse. 209.10 126.50 146.90 67.15 97.85 98.90 99.95 94.80 Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schlickert . . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Berliner Handelsges Barmstädter Bank . « Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat. Bank . Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn , Gotthard bahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn . 36.50 . 145.70 . 147.50 Qesterr. Goldrente. . 'o Oesterr. Silberrente Ungar. Goldrente . . Italien. Bente . . . Portugiesen Serie I . 141.00 123.75 237.75 220.00 156.90 Tiirkeulose..... 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . 4>£°/o Chinesen . . . Aktien: Beichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . . Oberhessen . 169.90 . 138.70 . 238.30 . 172.60 . 182.50 . 155.40 . 212.00 3^7o 3% 3^7o 3% 3^°/o 3K% . 147.00 52 60 Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: geteilt. Berliner Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: lustlos. 4‘/s9. 4% " Telefonische SCursberscMe Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen. Frankfnrter Bürse. 1. November, 1.15 Uhr. 69.00 69.70 90.00 92.35 93.00 Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag, den 2. November: Heiter und trocken. Temperatur nicht verändert. Mäkiae östliche Winde.___________ Vermischtes. • Berlin, 31. Okt. Der unter dem dringenden Verdacht des Raubmordes an dem Bierkutscher Haase verhaftete Pole Ignatz Poledniak hat sich im Laufe der Untersuchung als ein gemeingefährlicher Verbrecher entpuppt. Er ist fünfzehnmal vorbestraft. Trotz des erdrückenden Beweismaterials bestreitet er hartnäckig seine Schuld. Von dem geraubten Gelde hat man bei ihm nichts gefunden. Wahrscheinlich hat er eS irgendwo vergraben. — Zu der gestern gemeldeten Aufhebung einer Lasterhöhle im Westen wird noch berichtet: In der Passauerstratze 39 hatte eine Frau Brugier eine Etage von sechs Zimmern gemietet und die Wohnung sehr komfortabel ausstatten lassen. In ihren Salons verkehrten tagsüber und in den späten Abend- und Nacht- stunden eine große Anzahl sehr hübscher Mädchen, meistens von der Bühne. Gegenüber befindet sich eine höhere Töchterschule. Da das Treiben vor der Wohnung der Frau Brugier sich von Tag zu Tag anstößiger gestaltete und man die Bemerkung machte, daß es auch den höheren Töchtern nuffict, wurden von verschiedenen Seiten Denunziationen gegen die 97.90 86.10 97.95 86 00 97.10 . 176.60 . 138.50 . 238.50 . 8150 . 155.70 Gerichtssaal. (sd.) Darmstadt, 31. Okt. Wegen A chtnngsve r^e 6 - ung, verbunden mit einer Drohung stand heute der 28 Jahre alte verheiratete Bczirkslfeld webel Sih. aus Hungen vor dem fttiegS'gericht. Er hat im August d. I. auf Drängen einer Fran M. aus Eichelsdorf, bereit Sohn bei dem Jnf.-Regt. Nr. 168 einqezogen, aber angeblich den Dienst nicht vertragen konnte, im Namen ihres Mannes an das Reqimentskommando ein Gesuch angefertigt, in dem unter Bezugnahme auf den Tod ihres ältesten Sohnes, der während seiner Militärzeit erfolgt ist, um die Freigabe ihres jüngsten Sohnes ersucht wird. Im Falle man ihren Wunsch nicht erfülle, werde er (der Vater) auch in anderer Beziehung vorgehen. Damit gemeint war die Klage gegen einen Unteroffizier, der angeblich ihren Sohn mißhandelt haben sollte, die Sache stellte sich aber als harmlos heraus. Sch. hat sich mit dem Niederschreiben der Drohung eines gerichtlichen Vorgehens einer Achtungsverletzung gegenüber dem ihm vorgesetzten Regimenlskommando schuldig gemacht und war daher von dem Standgericht zu 18 Tagen gelinden Arrest verurteilt worden, von denen 15 durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gelten. In der heutigen Rerufnngsverhandlung suchte Sch. klarzulegen, daß er nur als Beauftragter der Fran M. das niedergeschrieben habe, was ihm die Frau nütteilte, dienstlich habe er mit der Sache nichts zu tun haben wollen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Brust wies darauf hin, daß der Angeklagte das Gesuch weder unterschrieben, noch bei dem Regiment eingereicht habe, er komme also weder als Mittäter noch als Beihelser in Frage, doch wird die Berufung kostenfällig verworfen. Düsseldorf, 31. Okt. Wegen Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses wurde, heute vor der 4. Strafkammer gegen den Redakteur von der Düsseld. Volksztg. verhandelt. In einem Artikel „Die Pfaffeninsel" war das Abgeordnetenhaus däs verachtetste Parlament der Welt genannt worden, das von a lle n P arl a men t e n d i e s chl echtesten Sitten hätte. Die Beratung der Schulvorlage sei eine abgekartete Komödie gewesen. Die Dinklage war auf Grund des S 185, formale Beleidigung, erhoben worden. Die Verteidigung stellte vier Beweisanrtäge, die indes vom Gericht 1 amtlich abgelehnt wurden. Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate, das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis. Der Schutz des ? 193 wurde b?ni 9fnn-fio1-itPii versagt. Märkte. kc. Frankfurt n. M., 1. Nov. tTelegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Vieh m arkt- vreise. Zum Verkaufe standen: 46 Ochsen, 0 aus Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 48 Kühe, Fersen, Stiere und Rmder 5 aus Rumänien, 504 Kälber, 403 Schafe und Hammel, 5 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für Berlin, l.^Nov. Die Freis. Ztg. teilt mit. daß noch ein richterlicher Beamter die Tätigkeit in der Kolonial- Ab t eil - ung eröffnet hat, nämlich Landgerichtsrat Wilke. Damit sind jetzt im Ganzen 5 Justizbeamte mit der Führung der Untersuchung in dieser Sache beschäftigt. B r o m b e r g , 1. Nov. In Schablowch hat der Pfarrer in der Kirche einen deutschen Knaben, in Gnesen der Vikar Furmanowicz deutsche Kinder geschlagen, weil sie sich geweigert haben, an dem polnischen Unterricht teilzunehmen. Die „Ostd. Rundschau" weist darauf hin, die Zahl der Strafprozesse, die allein gegen die polnischen Blätter in Posen zurzeit anhängig sind, sich auf 40 beziffert. Karlsruhe, 1. Nov. Der Berichterstatter der Rhein- Neckar-Korresp. meldet, daß Prinz Max von Baden sich vor kurzem zwei Tage lang beim Herzog von Cumberland in Gmunden aufgehalten hat. Nach seiner Rückkehr begab er sich zur Berichterstattung nach Schloß Baden zum Großherzoa, der an demselben Tag den preußischen Gesandten v. E i s e n d r e h e r in Privat- Audienz empfing. Am nächsten Tag war der Gesandte nebst Gemahlin zur Hoftafel eitiaefabe.it. Koburg, 1. Nov. Die Handelskammer nahm eine scharfe Resolution in Sachen ' der Fleischnot an. Die Regierung habe unbedingt die Verpflichtung zur Abstellung der Mitzsiände. Die Verteuerung der Lebensmittel mache den Arbeitern eine ordnungsmäßige Ernährung unmöglich, was eine aroße Gefahr bedeute. Wien, 1. Rov. Rach der „Polit. Korresp." berechnet Japan die Entschädigung für den Unterhalt der russischen Gefangenen auf 50 Millionen Pen. Die russische Gegenforderung für japanische Gefangene beträgt 7 Millionen. Eisenbahn unfalt. Auf dem Bahnhofe der schlesischen Gebirgsbahn R ab i sch au stieß eine Rangiermaschine in einen Äüterzug. Der Lokomotivführer wurde leicht, 2 Heizer schwer verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. * Ein anarchistisches Eisenbahnattentat? Ein Eisenbahnattentat zwischen Toulouse und Montpellier cheint von Anarchisten verübt worden zu fein. Die Eisenbahnschienen wurden auf einer Strecke von ca. 500 Metern abgeschraubt, was unmöglich von einem einzigen Menschen bewerkstelligt worden sein kann. Zudem soll mit dem betr. Expreßzug auch ein russischer Großfürst gereift fein, dessen Namen aber verschwiegen wird. ♦* Der evang. Arbeiterverein veranstaltet nächsten Sonntag im Konfirmandensaal der Lukasgemeinde, Liebigstraße 56, eine Rembrandt-Aus st ellung, die von 11 Uhr vorm. bis 6 Uhr abends geöffnet sein wird. Um 2i/3 Uhr hält Prof. Tr. Sauer im gleichen Saal einen Rembrandt-Vortrag, für den die Sbcrren Rentamtmann Schäfer und Dirigent Gernhardt musikalifche Mitwirkung (Zusammenspiel auf Klavier und Harmoniums zugesagt haben. — Die Ausstellung zeigt in 80 Reproduktionen die Hauptwerke deS Meisters. Auch wird eine Anzahl Rembrandt-Hefte usw. ansgelegt werden. Der Zutritt ist für jedermann frei. t. Lindenstruth, 31. Okt. Ein hiesiger Landwirt ging heute mit seiner Frau auf einen nahen Acker und ließ fein dreivierteljähriges Kind allein zuhause. Die Frau setzte es auf ein Kiffen ins Zimmer. Plötzlich sah eine Nachbarin dicken Qualm aus dem Zimmer dringen. 9(11 f das Geschrei kamen die Eltern zurück und, als sie ihr Zitnmer öffneten, stand das Bett in Flammen. 9luf welche Weise das Feuer entstanden, ist nicht festzustellen gewesen. Nur noch wenige Minuten und das Kind wäre verbrannt oder erstickt. T Garbenteich, 31. Okt. Die Arbeiten der an der Straße von hier nach Lich gegenwärtig zirr Errichtung gelangenden Sammelwafeu meisteret für den Kreis Gießen schreiten rüstig voran. Bereits sind mehrere Gebäude unter Dach gebracht. )—( Burkhardsfelden, 31. Okt. Der hiesige Gesangverein „Germania" begeht im nächsten Jahr das Fest seiner F a h n e n w e i h e. Die Fahne wurde bereits bei der Licher Fahnenanstalt Max Hisgen und I. H. Schmidt, vormals Georg Hisgen und Schmidt, in Auftrag gegeben. Ruhlkirchen, 30. Okt. Vergangenen Freitag kurz nach 6 Uhr abends brach in dem An wes en des Schafhändlers Josef. Bir cken st 0 ck hier Feuer aus, dem in kurzer Zeit das ganze Gebäude zum Opfer fiel. Die Flammen hatten sich auch aus die benachbarte Scheuer des Peter Hainbuch erstreckt und dort Nahrung an Flachs, Heu und Stroh gefunden, während durch Wasser und Rauch ein großer Teil des Futtervorrats wertlos Wurde, sodaß auch dadurch ein empfindlicher Schaden entstand. In beiden Fällen genießen die Betroffenen die Wohltat einer Feuerversicherung. Ueber die Entstehung des Feuers ließ sich noch nichts genaues seststellen. (Ob. Ztg.) X Aus dem Kreise Alsfeld, 31. Okt. Unser Kreis besitzt in dem Dorfe Reibertenrod die kle in sie V olks- schnle Oberhessens mit nur 10 Schülern. Trotzdem beschloßen die wohlhabenden Bauern die Schule nicht eingehen zu lassen. — In Nicder-Ohmen wird nächsten Sonntag das nach den Planen des Baurats Diehm-Gießen errichtete neue Schulhaus eingeweiht. Der prachtvolle Bau enthält vier Lehrsäle und drei Lehrerwohnungeu. — In Homberg a. d. Ohm wird Ostern 1907 die vierte Schul- stelle errichtet. p. St.eindorf bei Wetzlar, 31. Okt. Seit 14 Tagen Kupplerin eingereicht, genommen. * Der neueste Mrchliche Nachrichte«. Katholische Gemeinde. Donnerstag, den 1. November 1906: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. x Ä Ä Freitag, den 2. November 1906: Allcrscclentag. Vormittags von 6V„ Uhr an: Gelegenheit zur Heck. Beichte. „ ' um 6% Uhr: Die erste heil. Messe, vor und m derselben Austeilung der heil. Kommunion. um 7 Uhr: Die zweite heilige Messe. „ um 8 Uhr: Seelenamt für alle Verstorbenen der Pfarrei. Nachmittags um 6’/2 Uhr: Nosenkranzandacht mit Segen. Schluß des Rolenkranmebetes das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen . 1. Qualität 85—89 Mk., 2. Qualität 76-80 Mk., 3. Qualität 69-72 Mk.: Bullen I Qual. 77-80, 2. Qual. 00-00; Ruhe 1. Qualität 81-83 Mk., 2. Qual. 79—00 Mk., 3. Qual. 67—70 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5 Qual 00-00 Mk. Kälber l.Qual. 100—106 Pfg., Lebendgewicht 60—63 Pfg., 2. Qualität 96-100 Pfg., Lebendgewicht 56-59 Pfg Schlachtgew. 75—78Pfg.; Schafe: 1. Qual. 81—83 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschält: gut, Uebersiand nndeutend. -- Lgng-Göns, 31. Okt. Der gestrige Markt war gut mit S chweinen befahren und der Handel ging lehr flott. Hamburg - Amerik. Pakett. Harpener Bergwerk. . . 209 25 Laurahütte...... 244.50 Nordd. Lloyd.....126.90 wurde der 19 Jahre alte Bergmann Heinrich Uhl von hier vermißt. Heute vormittag zog man seine Leiche in der Nähe von Hof Altenberg aus der Lahn. Ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, läßt sich wohl kaum feststellen. sd. Darmstadt, 31. Okt. Der Falschmünzer Erike, der am Freitag hier festgcnommen wurde, hüt inzwischen eingestanden, daß er bei einem hiesigen Zigarrenhändler ein Zweimarkstück verausgabt hat. Dadurch ist in Verbindung mit der Anfertigung des Geldes der Tatbestand der betr. Falschmünzerei gegeben und E. der gesetzlichen Strafe verfallen. Er hat sich übrigens schon bald nach seiner im Frühsahr erfolgten Ankunft verdächtig gemacht, da seine Wirtsleute häufig auf dem Fußboden Spuren von Säuren, Gips usw. vorfanden. ■ Entgegen früheren Mitteilungen kann festgestellt werden, daß die Falsifikate sehr täuschend nachgemacht und an ihrem Klang kaum zu erkennen sind. Nur einige Stücke fand man, die schlecht aussehen, die aber anscheinend noch nicht poliert sind. Spuren seiner Mitwisser führen nach Rheinhessen und Düsseldorf. — Zu den (in einem Teil der Auflage des gestrigen Blattes schon gemeldeten, Wechselfälsch - ungen des Weißbinders und Bauunternehmers I. Eigen- brodt II. hier sei noch mitgeteilt, daß die Fälschungen bis zum Jahre 1892 zurückreichen. E. hatte von Haus aus kein Vermögen, er machte sich vor Jahren selbständig und galt für solid und fleißig. Nachteiliges war niemals über ihn bekannt geworden. Umsomehr überrascht nunmehr die Tatsache seiner Fälschungen. jedenfalls hat er durch seine verschiedenen Bauspekulationen seine Verhältnisse nicht mehr übersehen können und ist dann auf diesen Abweg geraten. Es sind jetzt für zirka 42000 Mk. Wechsel fällig, die alle auf eine hiesige Baufirma von Bedeutung gezogen sind. Die Wechsel machte E. bei einer Bank zahlbar und er hat auch bisher für die Einlösung prompt gesorgt. Schließlich mußte aber doch das Verhängnis über ihn hereinbrechen. Man glaubt, daß der größte Teil des Geldes -verloren geht, wenn auch einige Häuser vorhanden sind, denn diese sind stark belastet. Seligenstadt, 31. Okt. Der sozialdemokratische Parteitag für hie Provinz Hessen-Nassau tagte am Sonntag in Klein-Steinheim auf großherzoglich hessischem Boden, da man in Preußen keinen Saal bekommen konnte. Zu diesem Parteitage war auch der Genosse Ulrich als Vorsitzender des hessischen Landeskomitees geladen worden. Ulrich lehnte aber diese Einladung mit folgendem Schreiben ab: „Das Landeskomitee beauftragt mich, für die freundliche Einladung zu Euerer Landeskonferenz zu danken. Da man aber nicht weiß, welchen Zweck eine Teilnahme an derselben haben sollte, so wurde von einer Delegation Abstand genommen. Besten Gruß C. Ulrich." " Der Vorsitzende des Parteitages war über diese Ablehnung im höchsten Grade empört und meinte, man müsse sich wohl in Zukunft erst bet dem „roten Vize- Großherzoge" entschuldigen, wenn man sich überhaupt erlaube, in Hessen einen Parteitag abzuhalten. ck. Rüsselsheim, 31. Okt. Ein schändliches Bubenstück ist durch die Aufmerksamkeit eines Bahnbeamten in der Samstag Nacht noch rechtzeitig verhindert worden. Ueber das Bahngeleise war eine 2 Meter lange Schiene gelegt worden, um den herannahenden Zug zum Entgleisen zu bringen. h. Nieder-Saulheim, 31. DH. Die bekannte Affäre des Müllers Thomas und seines Sohnes dürfte nunmehr dadurch ihre Erledigung gefunden haben, daß beide als unzurechnungsfähig erklärt mürben und somit ein Gerichtsverfahren und Bestrafung ausgeschlossen ist. 3% Portugiesen „ III 4'A*70 russ.Staatsanl. 1905 4%°/n japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Die Stiftsoberin v. Heusler freigesprochen. München, 31. Okt. In dem G i f t m 0 r d p r 0 z e ß gegen die Stiftsoberin Elise von Heusler erklärte heute der Sachverständige Medizinalrat Dr. Hoffmann: „Daß in dem Kaffee der Dienstmagd Wagner, die von Frl. v. Heusler vergiftet worden sein soll, Salzsäure in'ar, ist zweifellos. Eine andere Frage ist, ob und wieviel sie davon gesunken hat. ^Die Diagnose im Krankenhause lautete auf Vergiftung mit Salz- äure, und ich gestehe, daß ich nach Lage der Umstände in ähn- ichen Fällen das auch angenommen hätte." — Der Psychiater Prof. Dr. Kr äpelin erklärt, die Minna Wagner sei zur Zeit, ccks sie im Marimilian-Stift diente, psychopathisch minderwertig gewesen. So müßte die Frage, 00 sie im Hinblick aus ihre krankhaften Eigenschaften fähig war, sich selbst ein Leid anzutun und andere in Verdacht zu bringen^ bejaht werden. Der Sachverständige glaubt, baü, Minna Wagner bei der Schwurgerichtsverhandlung einen wissentlichen Meineid begangen hat. — Der Staatsanwalt sprach dann eine Stunde lang und schloß seine Rede mit der Erklärung, er könne es mit einem Gewissen nicht vereinbaren, ein Schuldig vor den Ge- chworenen zu beantragen, obwohl mancherlei Momente derart seien, daß man vielleicht ein Schuldig aunehmen konnte. Den Geschworenen wurden zwei Fragen gestellt: Verbrechen der Körperverletzung (Vergiftung) und Versuch dazu. .Sie vernci n- ten beide Schuldfragen, worauf das Gericht auf Freisprechung erkannte. Das freisprechende Urteil wurde von der Angeklagten mit lautem Schluchzen und der zu Hunderten angesammeltcn Men- chenmengc mit lebhaften! Beifall ausgenommen. Die Angeklagte vird voraussichtlich für die erlittene Untersuchungshaft und für die ihr sonst noch durch die langjährige Zuchthausstrafe usw. erlittenen Verluste und Nachteile Entschädigungsansprüche gegen den bavrisckien Jnstcknsck's neckend machen. 8Ue»U> i- ^UOI An „ M ;?*» äs*» M®. s’Ä, itenb. *9,,2-^uq[. ft r f f fijMfljJ“ N "**■ 4re* LLiZL İ"?rPfar- '£,tb: .*•%' S*ft di- *°1en zurzeit cm, Stteber®* ' °k >>°» Sabtn 2lnJ berzog bot HEen hat. rrchterstattung nach ,Qn demselben Tag ^eher in Privat, 1 der Gesandte nebst el8kamnier nahm Wchnot an. Tie dt'mg zur Abstellung densmittel mache den Nahrung uninSg- e. -Korresp.' berechnet den Unterhalt der Millionen Hen. ‘ japanische Gesangeite berichte der Bank für Handel >n. Inder, 1.15 Uhr. Lahm eyer. . . ULM Schnckert. . . 123.75 ;r Bergwerk . . 237 75 dien Berrrwerk . 220.00 - Araerik. Paket!. 156.90 Bermrk. . . 20925 ie. . . . . . 244.50 )vd .... . 126.90 . Eisen-Iudnstrie 125.75 anderes . . 169.9° r Bank . . . 168-70 ank . . . 238.30 it Bank . .172.60 nnmdit . anv . . AW *.....212.00 nnd Ohio- hn . jahn . • • • . Eisenbahn . Staatsbahn. ■ lenri-Eisenbahn . 120.40 ' 36*50 s 145.70 . 147.50 20910 r Bergwerk. ■ -_ tte ■ • • ’ _ _ 'en E. B. • • 1196'5o V - ' ' ' ' 146.90 re- ' ' ' \1. Oktober 06. iusl ritf kw» 'm i»ss M StK W P>»MaSSe i^olsterwarefl in» *, *s- r etz waren- f ** 3 *0 (ffl l .IWN si‘ ■ftrkw!* ***,»>* © 2 © 6) 62 ito" sd 40 © CO er <£d c c c cr s » o o 05 TS» s w Q C o 6) 3 CD o L- S) C9 8 c o 2 C> c,. - o CD ^CD CD " O Gl SD CD c 2 o X 5 o er' S "^2 o STs' s3* SD S er = es ® Q r-r CD ö S r* - l'c» » ö" ZZ « S ro C3- § ■S< a r» SD " 5 CD m- ro CD GO ©=’ o "C -7- tio — >£^ -• IO ~ 2 g,*- o = » 6: 3 o w Q « 5 M .3.0 CD O e 05 a • CD ^6) er o 2 s o p -■ n £ «• o o — 5 - Co £,^2, X « er « 2 *2 'S. s&S - = L Z S 2? - S 2- — ■ #D 0-9° o « — GO S< 66 ??■ CD 3 S- 6)5 ■Sä S 3 — o s 5 SD >-»•74- G: O- c» 2 =K — r-z tp 2- r" 60 « 2 15'0' o S'-e s -'4' 3 «" s r ~TT ■ÖS s> 2. - -;3< = = = 21" <5" p. 3 = S< Ö0o° 2. = Ä §:B = a< ' 54-^ - — - ro CW UD ctD TS* — •*- -> ~ c* rt o $5 Ff 2 o E'" eg'» ?6) = 'S' : 5 a 63 Ä - 2: ö. a» - 'S' - - 2 Cö W — er S S> L-Z 6)^ - OOd o = 6) " B. = = -2 77* ' "C o <» » 2. ?z s: — CD — ° — t: •DT ti = 3 2 er 7- So S-.S'B *-! - G: TT' O" er ^r SS c,: So Ord.-Nr. VL 8 od re «S88S9? eso 63 S6B §§§§ o- ° 7? c' S =' s I S 2-, E = 2 z. Z - -S2 -es L 8 = n 2 s 3 3 se a 'B (?) 5 3 • s- • sr rr L' 8 ' -N 3 3 2 rs dr © E Ä a 88 8 8 88 O 00 bO 00 8 L 8 3 8 to to w s1 c 8 1 L 2. a & ö EE a? ? 3 5 e« a. = 2 6) & 5 L 3 s; ö es, a <2 ?' 5io -2^'^ ~ ES! M =■ g. - LLL8 -ti ’ 55 3- S öE“ L < 2 Z. 2. lit- 5 » 2 HZ' 0 e @S- 2. -2 2 = K « § — S s S ö« WZ g 2-&&I' t"- 5E? §.a® 5 ■*= »• »a «t 7D " lil^ E - -Zm - -- s-a.- cr-CpS «. ö 5 3 s cz DZs oB o ; s®31 s* • KZ- 2 - 11 ZA- 2. s 5. ' " • 2 - • Ä«8 o M- JT- - !»•■•■ = 3. . . . K ' S-§ sr • • • ZK- - ' - p 5*; S. V* aflf = " §2* 3 3 8Z . . t 'S*--© =a — q. ü-Z =’= 3 S12- = S«3s«? J« <-2i 1?ö ' •-- E frfFSSf UW - - JtZZ" 3 IQ ' a- Hi3 r5S- 2^ S$"'$5 SA' « 6 <2 ü 22 - z5’ s 2 «*■. 'S 2 X‘ EA ff er ö> S _ & ffss-LLZ _5sh^w °M°rZ r = =£ = ■& « »SHä* K) 2 2.2-2. = © A 2?=§Iä2 r- ssr^-s-g-g K--SZ2Z . S » 2«” "9?' SSg S« o 3i O • • ’ jr ? 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