Nr. 5630 Zweites Blatt LTG.Jahrgang Montag 1. Oktober 1906 Vrlcheinl mit Ausnahme deL Sonntags. Die „Vietzener gamMenblätter** werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelcgL Der ta«dwirt" erscheint monatlich einmal. L Rotationsdruck und Verlag der VrÄKl'fch« Universitätsdruckeret. R. Sang», (Btefeai. Redaktion, Exvedttion n.Druckereir Schulstr^D Tel. Nr. 5L Telegr^Adr-: Nn-etg« Gieße». Eemral-Anzeiger, Amts- Md Anzeigeblatt für dm Kreis Eich«. KeKmuUmaHsng. Beir.r Feldbereinigung in dec Gemarkung Borsdorf. In der Zeil pom 2. bis einschließlich 15. Oktober l. I. liegen auf dem Rathaus zu BorSdorf folgende Akten der Feldbereinigung Borsdorf zur Einsicht der Beteiligten offen: Das Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume die geschoßweise Zusammenstellung der Obstbäume; das Geldausgkeichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig empfangenes Gelände; das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig empfangenen Obstbaumwert. Tagsahrl zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen soivie zur eoent. Wahl eines Schiedsrichters findet daselbst statt: Dienstag, den 16. Oktober 1906, vormittags 9—10 Uhr, wozu ich die Beteiligten mit dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich einzureichen. Büdingen, den 28. September 1906. Der Großherzogluye ^«.tobereungrmgvlommissär: Schnittspahn, Kreisamtmann. politische Lagesscharr. Nationalliberalismus und Zentrum. Man schreibt uns: Bei der letzten Reichstagswahl in Hessen ist von einem Zentrumsredner öffentlich erklärt worden, daß Abmachungen zwischen den Parteileitungen der Nationalliberalen und des Zentrums für ganz Hessen bestehen, welche das Zentrum verpflichten, in diesem Wahlkreise schon im ersten Wahlgange für den nationallib. Kandidaten zu stimmen. Kurze Zeit darauf ist von ähnlichen Abmachungen oder darauf abzielenden Plänen der beiden Parteien in Rheinland-Westfalen die Rede gewesen. Jetzt lesen wir in einer Korrespondenz aus Sachsen an die nationallibcrale »Köln. Ztg.*: »Auch im übrigen sieht man hier gewisse Richtungen innerhalb der nationalliberalen Partei Reich nicht ohne schwere Bedenken. Ma» fürchtet, daß die nationälliberale Partei in Hessen und R h e i n ! a n d - W e st f a l e n einer Verständigung mit dem Zentrum bei den NeichstagLwahlen näher steht, als es von einer wirklich liberalen Partei erwartet werden kann. Eine derartige Verständigung würde man bei uns nicht verstehen. Man kann als sicher annehmen, daß sie auf das Ansehen des Nationalliberalisnius in Sachsen besonders schwer zurückwirken würde." Vom Verein deutscher Studenten. Aus Akademikerkceisen wird uns geschrieben: Aufmerksamere Beobachter der Entwickelung desV. D. St. haben seit einiger Zeit die Wahrnehmung gemacht, daß die jüngere Generation der aktiven Mitglieder desV. D. St. sich allmählich von den konservativ-antisemitischen Anschauungen zu emanzipieren anfängt. Hier in Süddeutschland und im Westen ist dieser politisch-reaktionäre Charakter des V. D. St. übrigens niemals in dem Maße in die Erscheinung getreten wie etwa in Berlin. Hier hat zwischen den Mitgliedern des V. D. St. und ihren jüdischen Kommilitonen von jeher ein besseres Verhältnis bestanden. Der Ausschluß von v. Frdr. Naumann — der angeblich erfolgt ist wegen Begünstigung der Sozialdemokratie, in Wirklichkeit aber wegen seiner veränderten Stellung zum Antisemitismus, insbesondere wegen seines öffentlichen Auftretens gegen die russischen Judenmetzeleien — hat aber auch, wie wir positiv wiffen, weitere Kreise des V. D. St. in Norddeutschland aufgerüttelt. So erklärt jetzt Wilhelm Heile, der Herausgeber der deutschen »Hochschule" und Wortführer gegen die konfessionellen Studentenverbindungen, frei und offen in seinem Organ, das für Hunderte und Tausende deutscher Studenten bestimmt ist: Wenn es sich um die Stichwahl zwischen einem Zentrumsmanne und einem Sozialdemokraten handle, würde er den Sozialdemokraten bevorzugen, und er -möchte sehen, wer ihm deshalb das Recht bestreiten wollte, dem Kyffhüuser- oerbande anzugehören. Heile ist eine bekannte Persönlichkeit im 33., D. St., der Hunderte von Anhängern hinter sich hat. Ob nun auch gegen ihn ein Ausschluß verfahren ä la Naumann beantragt werden wird?________________ FLulstjches. " Das Zarenpaar hat den Ministerpräsidenten Stolypin aus Finland frische Forellen, sowie Blumen für die verwundete Tochter gesandt. Stolypin fand auf dem Schreibtisch seines Arbeitszimmers im Winterpalais folgenden Drohbrief: »Wir waren achtzehn Verschwörer. Zwei von uns wurden hingerichtet, drei sielen bei dem Attentat auf Ihre Villa. Wir bleiben also dreizehn. Wir sind entschlossen, Ihr Todesurteil zu vollstrecken." Stolypin hat alle Wachen verdoppeln lassen. In Riga zirkulieren Gerüchte, daß über Kurland, Estland und Livland die Diktatur verhängt werden soll. — Im Rigaer Zentralgefängnis wurde eine politische Gefangene, welche vom Fenster aus Zeichen gab, durch den Wachtposten erschossen. — Im dortigen Militärhospital wurden große Unterschleife entdeckt und der Oberarzt, sowie der Inspektor vom Amte suspendiert. In einem Hause beschlagnahmte die Polizei ein Bombenlager; sämtliche Hausbewohner wurden verhaftet. In der Provinz ist dieser Tage eine ganze Anzahl Revolutionäre bei Fluchtversuchen von Soldaten erschossen worden. — Die Bildung eines über ganz Ruß- lland ausgedehnten Selbstschutzes ist gesichert. Zahlreiche Meldungen, darunter von sechzig- und siebzigjährigen Männern, die bereit sind, mit den Waffen Güter und Bauernhöfe gegen revolutionäre Banden zu schützen, sind eingegangen. Die kurländische Ritterschaft bewilligte 120 000 Rubel zur Bewaffnung der Organisation dieses Selbstschutzes. Aus Odessa sind in den letzten Monaten gegen 21/2 Tausend Juden nach den Vereinigten Staaten, Kanada und Argentinien aus gewandert. Das Reichskontrolleuramt hat eine Kommission zur Prüfung der ungeheuren Ausgaben, welche der ehemalige Gesandte in Korea Pawlow und General Dustnow zur Kriegszeit in Shanghai gemacht hatten, eingesetzt. In Grimsby (England) trafön zwei junge russische Flüchtlinge ein. Sie erzählten folgendes: Auf Befehl des Bundes in Warschau warfen sie Bomben gegen eine dortige Kaserne, wodurch diese teilweise zerstört und eine Anzahl Soldaten getötet wurde. Beide flohen dann nach Deutschland und schifften sich von Hamburg aus nach Grimsby ein. Das Einwandecungskomitee entschied, daß sie als polit. Flüchtlinge auf englischen Boden zuzulassen seien. Deutscher Reich. Berlin, 30. Sept. Wie eine hiesige Korrespondenz berichtet, verlautet zuverlässig, daß der Kaiser Mille Oktober, wenn er zur Hochzeit des Prinzen Albert von Holstein- Glücksburg reist, auf der Hin- oder Rückfahrt den Reichs- kanzler Fürsten v. Bülow in .Homburg au i juchen wird. — Die „7Lordd. Mg. Big." schreibt: Frn Gegensaß zu den dankenswerten Bemühungen englischer Publizisten von der vornehmen Denkungsart Diccys (Londoner Empire Review), die Annäherung beider Volker im allg. Interesse und nicht zuletzt im Interesse Englands selbst zu fördern, benutzt die „Daily Mail" die Meteor-Episode in Portsmouth zu einem neuen Hetzmanöver. Sie cntblödet sw) nicht, bei Besprechung dieser Episode die s ch a m l o s e L ü g e auszut.schen, daß die deutschen Blätter, die das Lvrtommnis zu einem Z.vischensall ausgcbauscht haben, vom deustcycn. Auswärtigen Amte inspiriert worden seien. In Wahrheit hat das Auswärtige Amt die Aufbauschung dieses lieber iedes politischen Eharaiters entbehrenden Vorfalls nicht nur nicht gefördert, sondern ihr auf jede Weise cntgcgengeiuirü. — Der bevorstehende nationalliberale Parteitag in Goslar dürste dwsmal eine beioudere Bedeutung beanspruchen. Das ergibt .sich schon daraus, daß bisher 600 D e l e- gierte angemeldet worden sind. Braunschweig, 29. Sept. Staatsminister Dr. v. Otto ist aus Homburg hier wieder eingetrvssen. Heute fand im Staatsministerium eine Besprechung statt, der der Inhalt der vertraulichen Besprechung v. Ottos mit dem Reichskanzler zugrunde lag. Auch ein Schreiben des Herzogs von Cumberland, das hier eiugctrojjen ist, lag dem Regent,chastsrat vor. Darin sollen bcdei.t,ume Aeußerungen zur Thronfolge enthalten sein. Mach der Sitzung empfing Staatsminister Dr. von Otto den zurzeit hier wellenden preußischen Gesandten am olden- burger Hos, v. B ü lo w , der auch für Braunschweig afircDitiertift — Die weifische „BolkSztg." bringt einen Ausruf an die deutschen Fürsten und an die freien Städte, in dem sie diese aufsordert, das „begangene Unrecht gut zu machen" und den Bundesratsbeschluß über die Thronfolge in Braunschweig aufzuheben. M ü n dj e ii, 29. Sept. In der heutigen Generalversammlung des oberbayrischen und schwäbischen Bauernbundes wurde beschlossen, für die nächsten Landtags-Wahlen keinerlei Annäherung an Zentrum oder Liberale zu suchen. Der bayrische Bauernbund wolle ganz allein in die Aktion eintreten. — Der Deutsche Volksparteit a g wurde heute nachmittag hier eröffnet. Den Vorsitz führte Professor Quidde. Die Begrüßungsansprache hielt Dr. Rößler (Frankfurt). Den Jahresbericht erstattete Dr. Goldschmidt-Frankfurt. Der Parteitag begann dann die Beratung des Kommunalprogramms und genehmigte sofort nach kurzer Erläuterung durch Dr. Haas-Karlsruhe den ersten Abschnitt, der volle Selbstverwaltung fordert. Duisburg, 1. Okt. Nachdem in letzter Zell massenhaft russisch-litt hauische Arbeiter im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk Unterkunst gefunden, erläßt Die Behörde an einzelne Arbeitgeber die Mitteilung, daß die Weiterbeschäftigung sowie die weitere Heranziehung dieser Art Ausländer unter keinen Umständen geduld e t würde. Diejenigen, welche in neuerer Zell zugezogen sind oder zuziehen sollten, werden alsbald aus Preußen ausgewiesen, während die übrigen schon länger im Jukande Weilenden zum Verlassen des Staatsgebietes Frist bis zum 20. Dezember erhalten. Anstand. Brüssel, 1. Okt. Wie Passagiere eines soeben eingetroffenen Kvngo-Dampsers „Albertville" berichten, ist der Kommandant Moll, der Chef der französischen Kommission zur Grenzregulierung zwischen der französ. Kongo-Kolonie und der belgischen, bei Sang ha nebst vier Weißen von Eingeborenen ermordet worden. Von Brazzaville sei eine Straf-Expedition unterwegs. Die Meldung ist amtlich noch unbestätigt. Haag, 29. Sept. Ein amtliches Telegramm teilt mit, daß Der Häuptling von Tabana auf der Insel Bali, wo kürzlich Unruhen ausgebrochen waren, sich mit seinem Sohne getötet hat. Pans, 30. Sept. Präsident F a lliäres ist in Agen eingetroffen. Der Bürgermeister hielt eine Ansprache, worin er u. a. erklärte, daß er das Projekt betr. die Verbindung des atlantischen Ozeans mit dem Mittelmeer durch den Bau eines Kanals befürworte. La Ro che-sur-Pon, 30. Sept. Minister Elemenceau erklärte in einer heute hier gehaltenen Rede, er wolle die Einigung aller Republikaner herbeijühren. Die Kirche ziehe cs vor, gegenüber dem Liberalismus der. französischen Republik den Aufruhr und den Bürgerkrieg wieder auflcben zu lassen, während sie sich gleichzeitig deutschen Härten unterwerfe. Die französische Regierung lucrüe aber nicht zurüüweichen und feinen sremden Eingriff in ihre Gesetzgebung dulden. Genf, 29. Sept. Die Arbeiter sich utzkonserenz hielt heute ihre Schlußsitzung ab. In Betreff des Maximal- arbeitstages hält die Konferenz dafür, daß die Intervention des Gesetzgebers, des Arbeitsgebers und der organisierten Ar- beiterschast nötig ist, um eine allgemeine Festlegung eines Maximalarbeitstages zu ermöglichen. Wegen dör Arbeitsversicherung werden die Settiouen eingeladen, der nächsten Delegiertenversammlung den Entwurf eines internationalen Vertrages zunächst in Bezug auf Unfallversicherung, porzulegen. Beide Anträge werden angenommen. Bukarest, 29. Sept. Nach Meldungen aus Bessarabien haben in allen Städten, Marktflecken und Dörfern durcy Militär- und Zivilbehörden Haussuchungen stattgefundm. Inden waren beschuldigt worden, ui Bethäusern revolutionäre Versammlungen abgehalten zu haben. Nach 'Meldungen aus Jassy sind verschiedene Leichen e r m o r d e t e r I u d e n auf der Pruth schwimmend gesehen worden. Tokio, 29. Sept. Für Reparaturen und den Ban von Kriegsschiffen beantragte der Marineniinister beim Parlament einen auf Zeit bis 1930 zu verteilenden Kredit von 270 Millionen den, davon 23 Millionen Mn für 1906. Vom Kriegsreffort wird in Hiroshima ein neues Arsenal erbaut. Die Sachalinbahn soll bis zum Winter fertiggestellt werden; sie soll anfangs ausschließlich Militärvorräte besördern. Ihre besondere Aufmerfsamleit wendet die Regierung der Verstärkung der Frei- wittigen Flotte zu. Dürfe» Fabrikarbeiterinnen Samstags abend mit der Reinigung der Kontorräume beschäftigt werden? Nachdruck verboten.. Nach § 137 der G.-O. dürfen Slrbeiicviiinen in Fabriken nicht in der Nachtzeit von iP/2 abends bis bl/2 morgens und am Samstag sowie an Vorabenden der Festtage nicht nach 87» Uhr nachmittags beschäftigt werden. Dieses Verbot bezweckt Förderung des Familienlebens und größere Freihaltung der Sonn- und Feiertage von Arbeiten, die sonst nicht an Wochentagen vorgenommen werden könnten. Das Gesetz spricht allerdings nur von Fa b ri karbeit. Diesen Begriff hat das Reichsgericht jedoch in einer Entscheidung vom 23. März 1906 wesentlich erweitert. Beschäftigung in einer Fabrik ist gerade soviel wie Fabrikarbeit überhaupt. Zur Fabrikarbeit gehört nicht nur die unmittelbar zur Herstellung der Fabrikerzeugnisse erforderliche Arbeit. Auch Ncbenverrichtimgen, insbesondere die Instandhaltung und Reinigung der Maschinen und der Fabrikräume sind Fabrikarbeit. DaS geht schon daraus hervor, daß nach § 105 c der G.-O. gerade diese Verrichtungen eventuell auch an Sonntagen vorgenommen werden dürfen; prinzipiell sind sie also auch dort verboten. Zu den Fabrikräumen rechnet das Reichsgericht auch die Kontorräume. Sie dienen der für den Fabrikbetrieb notwendigen Führung der Bücher und der Korrespondenz. Ohne eine solche kaufmännische Leitung kann unter gewöhnlichen Umständen wenigstens eine Fabrik gar nicht bestehen. Die Kontorräume sind deshalb als Bestandteile der Fabrik anzusehen. Auch das Privatkontor macht keinen Unterschied; es ist ein Raum, von dem aus die Fabrik geleitet wird. Demzufolge wurde der Angeklagte mit Recht wegen Uebertretung des § 146 Abs. 1 Nr. 2 in Verbindung mit § 137, 1 der G.-O. vom 26. Juli 1900 in Strafe genommen, als er Arbeiterinnen seiner Fabrik im Alter über 16 Jahre an Samstagen von 7 Uhr bis gegen 91/, oder 10 Uhr abends mit der Reinigung seiner Kontorräume be- schäftigte. Ans StaOt und Land. Gießen, 1. Ott. 1906. ** EineLös ch -- und Re11ungsubung der Freji-^ willigen Feuerwehr und der sreiw. Sanitäts-l tolonne fand aut Sonntag vormittag 11 Uhr an der Stadtmädchenschule in der Westanlage statt. Es war an-- genommen worden, im 1. -Obergeschoß fände ein Wohl--- tätigkeitsbazar statt. Infolge des sehr regen Besuchs feien' sämtliche Räume von Personen überfüllt. Es entsteht eine Panik, alles drängt nach den Ausgängen, die Entleerung^ der Räume stockt, die Sicherheitsposten stehen dem SSoP’i kommnis machtlos gegenüber. Die' telephonische Meldung-, lautet: Feuer in der Stadtmädchenschule, Westanlage — Menschen in Gefahr — Feuerwehr und Sanitätskolonnel alarmieren. Nach Ankunft der Feuerwehr werden sofort Rettungsversuche durch Eindringen in das Innere des @e* bäudes und mittelst Sprungtuch, Rettungsschlauch usw. vor°-> genommen. Da die Feuerwehrleute ,in erster Linie &ur' Rettung von Menschenleben verwandt werden müssen, konnte das Feuer sich ausdehnen. Es wird inzwischen mit' einigen Schlauchleitungen Vorlegungen. Das Feuer bricht, durch und setzt das 2. Obergeschoß und den Dachstuhl in' Flammen, weshalb sämtliche Löschzüge zur Tätigkeit be»i ordert werden. Das Herausholen der im Gebäude eröv» gesperrten Verwundeten, Ohnmächtigen, die sich nicht selbst' retten können, wurde von den Steigmannschaften aus alle! möglichen Arten vorgenommen. Die Sanitätskolonne wurde' von ihrem Kolomrenführer, der vorausgeeilt war, sogleich' nach den verschiedenen Punkten venellt. Eine Sektion ließ' sich sofort in der Turnhalle, die als ^Verbandplatz erkoren^ wurde, häuslich nieder; sie richtete provisorische Lagerstätten ein, bereitete das mi-.gebrachte Verbandmaterial oor usw. Gleich wurden auch schon die ersten Verwundeten, i>ie von den übrigen Sektionen, soweit sie nicht wegen Knochen-r brüchen gleich im Hose mit dem ersten Notveroand versehen wurden, nach dem Verbaridplatz der Turnhalle gebracht. Hier sah man, mit welcber Vorsüht und dennoch- wie rasch die Verwutweten und Ohnmächtigen von der Tragbahre auf die improvisierte Lagerstätte gehoben wuroen. Es ging alles nach militärischem Kommando, aber das Zugreifen war derart, daß dem Verletzten im Ernstfälle Erschütterungen oder durch unnützes Bewegen der einmal gegebenen Körperlage verursachte Schmerzen usw. erspart blieben. Die am Verbandplatz beschäftigten <5ani* tätslolomiemnitglieder hatten alle Hände voll zu tun, um den fortwährend sich vermehrenden Verunglückten die erste Hilfe durch Verbanoaittagen zu gewähren. In sehr praktischer Weste waren den Verwundeten Täfelchen angehangt, auf denen man die Art der Verletzungen ersehen tonnte. Da waren solche mit Knochenbrüchen, Quetschungen, Brandwunden am Kopf, an der Brust, an Medmaßen usw. Ber einigen war oie Brandwunde als leichtere bezeichnet, bei anderen war diese als größere — mit Blasenbildung — angegeben. Mehrere Bewußtlose wurden gebracht, die durch Einatmen der Rauchgaje niedergefallen und alsdann noch von den den Llusgang mit allen MMeln Suchenden niedergetreten zu sein schienen. An diesen wurde sofort künstliche Atmung versucht. Es konnte beobachtet werden, wie immer zuerst die schwerer Verletzten behandelt, die leichter Blessierten dagegen vorläufig vertröstet wurden, daß sie auch noch branidnteii. Man konnte in der Turnhalle zum Schluß alle möglichen Arten von angelegten Verbänden [elj^n. Iie zu der Hebung ei1ngelabenen (Säfte, Worunter außer Vertretern des Kreisamtes, 7>er Stadt usw. mehrere Stadtverordnete u. n. zu erblicken Waren, sprachen sich, Wie mir hören, sehr lobend über den Verlauf der Hebung aus. — Am Nachmittag fand eine von der Gießener freiw. Feuerwehr veranstaltete Familienfeier in Steins Saalbau statt, woran die Mitglieder der Sanitätskolonne mit ihren Familien teilnahmen. Die Feuerw-ehrkapelle leistete ihr Bestes; die Jugend wurde mit Bretzeln und Fähnchen beschenkt. • • Kirchenrat Dr. Naumann. Wie wir kürzlich mitteilten, tritt unser 1. Stadtpfarrer demnächst in den Nuhe- stand. Aus diesem Anlaß wurde ihm von unserem Landesfürsten nochmals eine hohe ehrende Auszeichnung verliehen, worüber folgendes amtlich mitgeteilt wurde: Se. Kgl. Hoh. der Großherzog hoben am 12. September d. I. den coana. Pfarrer KirchenrcU Dr. Karl Nauman n zu Gießen auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu aeleisteten Dienste, mit Wirkung vcun 1. November 1906, in den Ruhestand verseht und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ” Zur Städteordnung. Die Landtagsabg. Mol- than und Dr. Schmitt haben in der zweiten Kammer den Antrag cingebracht, den Gesetzentivurf über die Städteordnung dahin abzuändern, daß den Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern das Recht eingerämut wird, mittels OrtSstatutS bei den Wahlen z ur Sta d t v c r o rd u et c n- Versammlung das Proportionalwahlsystem ein- z u f ü h r e n. • * Der Konzert-Verein, der im nächsten Monat seine musikalische Tätigkeit wieder aufnimmt, hat sein 116. Jahr in sorgfältigster Weise vorbereitet. Eine Reihe auserlesener Künstler und Künstlerinnen ist verpflichtet worden. An der Spitze dieser steht die ausgezeichnete Wagner-Sängerin Marie Wittich, die nach jahrelanger Pause wieder als Gast ftir ihre Vaterstadt gewonnen ist. Ihr schließen sich an der berühmte Baritonist Scheidemantel, Eugen d'Albert, die jugendliche Cellistin Elsa Rueggcr, Gabriele Wictro- wctz, Agnes Leydecker, Frau Hiller, Frau Basser- mann und andere mehr. Im heutigen Inseratenteil sind das fast vollständige Wi uterprogramm, sowie die Ab onnementS - Bedingung en aufgeführt, worauf wir hiermit ganz besonders Hinweisen. * • Konsum-Verein Gießen und Nmgegxnd. Die gestrige General-Versammlung war des schönen Herbsttages wegen mir mäßig besucht. Der vom Geschäftsführer erstattete Geschäftsbericht und der vom Kassier mitgeteilte Kassenbericht wurden genehmigt und Entlastung erteilt. An Stelle des aus bem Vorstände ausgeschiedenen Glasermeisters Baum wurde Bureaugehilfe A. Lentz gewählt. In den Auf- sichtsrat wurde A. Bock wieder- und H. Fourier neugewählt. Dem Vorschläge des Vorstandes und Aufsichtsrats, 6 Prozent Rückvergütung zu gewähren, dem Reservefonds ca. 1370 Mk. und dem Spezialreservefonds ebensoviel zuzuführen, wurde zugestimmt. * * Turnverein. Am Sonntag fand zum Abschluß der diesjährigen Wetturnen da§ Ab turnen des Turnvereins in der Turnhalle statt. Um 8 Uhr vormittags begann das Welturnen, das um 12% Uhr beendet war. Für die aktiven Turner war ein Vierkompf (4 volkstümliche Uebungen) und für die Zöglinge ein Sechskampf (3 volkstümliche Uebungen und Uebungen an 3 Geräten) bestimmt. Tas Ergebnis diese? Turnens war recht gut. Mit Freude konnte man beobachten, wie die Turnenden mit regeln Eifer nach besten Kräften ihrer turnerischen Arbeit oblagen. Die am Abend vorgenommenc Preisverteilung, bei der auch den Tanzlustigen Rechnung getragen wurde, ergab folgendes Resultat: L) Aktive Turner: Ehrenpreis: Heinrich Hamel 381, Punkte, 1. Preis August Loos 36, 2. Heinrich Baumann und Heinrich Ehrhardt 35'z1,, 3. Heinrich Loos 33, 4. Friedrich Pitz 311/?, 5. Karl Jugbardt 29'/,, 6. Wilhelm Scheid 29, 7. Paul Dotzenrod 28'/,, 8. Friedrich Rau und Karl Luh 28, 9. Philipp Stein 21'/,. b) Oberstnse (Zöglinge): 1. Preis Karl Loos 731/, Punkte, 2. Karl Jakob 65, 3. Friedrich Amend 56'/„ 4. Ludwig Stein 55'/,, 5. Julius Amon 54. c) Unterstufe (Zöglinge): 1 . Preis Karl Erb 69*/» Punkte, 2. Karl Hamel 65. 3. Gustav Wilbetin 63, 4. Fritz Klotz 62, 5. Heinrich Gröninger und Karl Müssing 60'/,, 6. Heinrich (Serina und Julins Balser 60, 7. Arthur Appel 57'/,, 8. Adoli Heck 56'/,, 9. Karl Müller I. 56, 10. Justus Hoß 54'/,, 11. Karl Müller II. 48'/,, 12. Wilhelm Gilbert 48, 13. Wilh. Ude 46. • • Der Gernhardtsche Zither- und Mandolinenchor Gießen (E. 93.) veranstaltet am 7. Oktober im Hotel Einhorn einen seiner bei Freunden volkstümlicher Musik-Pflege bekannten und beliebten musikalischen Unterhaltungs-Abende. Zither-, Mandolinen-, Zym- bei*, Violin- usw. Vortrage, sowie Gesangs-Piöcen werden auch dieSinal geboten werden. Auch Nichtmitglieder haben Zutritt gegen an der Abendkasie zu lösende Karten. Alles Nähere ist aus den Anzeigen ersichtlich. - r. Lich, 30. Sept. Seit 33 Jahren ist heute zum ersten mal wieder die Kirmes in dec früher ortsüblichen Weise gefeiert worden. Es war im Jahre 1873, al? der damalige Engelwirt, spätere Bürgermeister unserer Stadt, die letzte Kirmes auf seinem'Felsenkeller abhielt. Seit dieser Zeit hat man hier keine öffentliche Kirmes gefeiert. Dieses Jahr hat sich die männliche Jugend wieder zusammengetan und ihre Kirmesburschen erwäh'lt, um den Tag in althergebrachter Weise zu feiern. Ein stattlicher Zug bewegte sich unter Vor- antrttt des verstärkten hiesigen MusikvercinS Waldlust durch die Straßen unserer Stadt. Im Heilandschen Saale und in der Turnhalle huldigte man lebhaft dem Tanzvergnügen. Beide Lokale waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Tie städtische Bleiche hatte sich in einen Juxplatz umgewandelt. Es fehlte nicht an KaruffelS, Schießbuden, Kraftmessern usw. Auch hier war der Besuch sehr stark. ’ Kinzenbach, 30. Sept. Am Samstag' nachmittag hatte flch in einem unbemerkten Augenblick ein Fremder in das Haus von Georg Schäfer eingeschlichen und daselbst anscheinend eine gründliche Durchsuchung vor genommen. Die Leute Waren nach dem Backhaus gegangen. Die ältere Tochter, die zu Hause etwas holen wollte, merkte ebenfalls nichts. Als sie aber bei ihrem Weggehen die Haustür abschloß, mag es dem Eindringling doch unheimlich geworben sein. Er bearbeitete mit Hilfe von vorgefundenem Handwerkszeug das Türschloß, und als es ihm nicht gelang, die Mr zu öffnen, suchte er durch ein Fenster das Weite. Erst später kam man auf den Gedanken, den Ausreißer dingfest zu machen. Mit Hilfe eines Radfahrers wurde er von mehreren beherzten 'Männern vor Heuchelheim fest genommen und einstweilen hier eingcspcrrt. Als am Albend von Wetzlar die Polizei eintraf, würde konstatiert, daß der dreiste Hausbesucher bereits mehrmals wegen ähnlicher Streiche mit der Polizei Bekanntschaft gemacht hat. 0 Hochwcisel, 1. Okt. Ein fortgeschrittenes Dorf ist unsere fast nur Landwirtschaft treibende Gemeinde. Zwei wichtige Neuerungen gehen ihrer Vollendung entgegen und werden gewiß zum weiteren Aufblühen des Dorfes erheblich beitragen: die Feldbercinigung und Wasserleitung. Bezüglich der Feldbereinigung wird Ende d. Mts. die Ucber- weisung der Parzellen stattsinden, die Landwirte müssen bis 15. Oktober die jetzigen Grundstücke räumen. Dieser Tage fand der Verkauf der Maffengrundstücke statt; es wurden rund 155 000 Mk. erzielt, während die Bereinigung nur ca, 80000 Mk. kostet. Tie Preise waren für unsere Gegend am Abhang des Taunus sehr hoch, der Morgen Ackerland kostete 1600 bis 2000 Mk., Wiesen 1800 bis 2400 Mk. Die Wasserleitung soll in etwa sechs Wochen in Tätigkeit treten. Die Quellen liegen im Jsseltal am Fuße des Taunus. Die Rohrlegung durchs Dorf findet gegenwärtig statt. X Vom hohen Vogelsberg, 30. Sept. Innerhalb der letzten 10 Jahre ist an der Verbesserung von Oedungen und Wüstungen im Vogelsberg sehr viel geschehen. In den Jahren 1896 bis 1905 wurden insgesamt 590 Hektar in 39 Gemeinden melioriert und zwar 436,3 Hektar, gleich 1745 Normalmorgen Hutweiden und 153 Hektar Gemeindeviehweiden. Die Kosten betrugen insgesamt 158 000 Mk., davon trugen die Gemeinden 67 200 Mk., der Staat, bezw. der landw. Provinzialverein für Obcrhessen 90 800 Mk.; für Hutweiden wurden 125 390 Mk., für Gcmeindeviehweiden 18171 Mk. auSgegeben. Am meisten geschah in den letzten Jahren und zwar in dem Kreise Lauterbach. Hier meliorierten 20, im Kreise Schotten 19 Gemeinden. Auf den Kreis Lauterbach entfielen an aufgebcsserten Flächen 228 -|~ 108 Hektar, auf Schotten 208,26 -j- 45 Hektar. Die Orte, die am meisten meliorierten, sind im Kreise Schotten: Ober- Seemen44,83-s-20,Hartmannshain35,5,Volkhartshain23,6 -s- 10,25, Schotten 20,94-s-14,70,Nieder-Secmen 18,15 Hektar; im Kreise Lauterbach: Crainfeld 30,41, Bermuthshain 26,11, Salz 23,73, Eichenrod 23,12, Hörgenau 23, Nösberts 19,16, Steinfurth 12,20 Hektar. Am wenigsten roitrbe melioriert in Ober-Seibertenrod 0,75, Bobenhausen 0,75, Wohnfeld 1,25, Gedern 1,75, Eichelsachsen 1,90, Bräungeshain 2, Metzlos 1,50, Metzlos-Gehaag 2,60 und Rebgeshain 3,57 Hektar. Ji, den Orten, die viel zur Verbefferung ihrer Weiden getan haben, hat die Viehzucht einen fortgesetzten Auffchwung genommen, da man fast ausnahmlos die besten Resultate bei der Melioration erzielte. Manche Gemeinden haben bereits in den letzten Jahren aus den so angelegten Wiesen beträchtliche Summen gelöst. R. B. Darmstadt, 29. Sept. Der Provinzial- Ausschuß beschäftigte sich mit der Wachl des sozialdemokratischen Beigeordneten Peter Zahn III. auS Mühlheim, der gegen den Beschluß des Kreisausschusses vom 7. Februar 1906, der die Wahl für ungültig erklärt hatte, Rekurs eingelegt hatte. Rechtsanwalt Dr. Fulda verteidigt den Gewählten. Der Provinzialausschuß entschied dahin, daß der Rekurs zu verwerfen sei und verurteilte ihn in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung von 10 Mk. in die Provinzialkasse. fc. Mainz, 30. Sept. Nach dem Genus; von Bückingen erkrankte der Schneider Valentin Pfeiffer, der auf der Umbach wohnt, seine Ehefrau und sein vierjähriges Töchterchen, ferner die Familie eines Arztes, bestehend aus Mann, Frau, zwei Kindern und dem Dienstmädchen. Schwer krank ist der Schneider Pfeiffer und das eine Kind des Arztes. Bei den übrigen Personen treten die Vergiftungserscheinungen weniger stark auf. (Nach einer späteren Meldung befinden sich die Kranken auf dem Wege der Befferung.) Worms, 30. Sept. Die Lederfabriken von Cornelius Heil setzten mit dem 1. Oktober die Arbeitszeit von 9V2 auf 8 3/< Stunden herab. Worms, 30. Sept. Der Ausflug der Teilnehmer am Mannheimer sozialdemokratischen Parteitage verlief ohne Störung. Infolge der Verweigerung aller Säle kam man unter freiem Himmel im Garten des Gewerkschaftshauses zusammen. Vorher hatte ein imposanter Stadtumzug stattgefunden. David, Dreesbach, Queffel und Geck hielten Ansprachen. ICirdte und Schule. Die Synode für den Kreis Erfurt hat folgende Resolution angenommen: „In Erwägung des regen kirchlichen Interesses der Frauenwelt sowie der gegen früher erheblich veränderten Stellung, die heutzutage die Frau im öffentlichen Leben einnimmt, ist es als eine Forderung der Billigkeit anzusehen, den Frau ei,, insofern sie die in § 31 der Kirchengemeinde- und Synodal-Ordnung für die männ(id)cn Gemcindernitglieder aufgestellten Bedingungen erfüllen, das aktive Wahlrecht zugebilligt werde. In Er- wägnng, daß die Frauen aus dein (Gebiete der Kranken- und Armenpflege besondere, ihnen eigentümliche ©oben besitze«,, soll den Gemeindekirchcnräten warm empfohlci, werden, in die von ihnen si'ir die kirchliche Liebestätigkeit ernannten Kommissionen gemäß § 17 der Kirchcngemeiude- und Spnodal-Ordnung auch Frauen hineinzuwählen. Beide Beschlüsse sind der Provinzialsynode zur weiteren Verfolgung zu übergeben." Eine Körperverletzung mit tötlichem Erfolg, begangen an der eigenen Mutter. (1H.) Gießen, 1. Oktober. Am Samstag verhandelte das Schwurgericht gegen die noch unbesirgste unverehelichte 33 Jahre alte Elisabeth R e u b e r von Angersbcrch wegen des Verbrechens der Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. Die Anllage vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel, als Verteidiger der Angeklagten war Rechtsanwalt En- g isch tätig. Es waren in der Verhandlung, zehn Zeugen und als Sachverständige die Kreisärzte Dr. Heinrich-Lauterbach und Medizinalrat Dr. Haberkorn-Gießen zu hören.. Die Angeklagte, die einen überaus reuevollen Eindruck machte, ißt geständig und schildert unter Schluchzen den Hergang der Sache in Uebereinßiwmi'ng mit dem Inhalt der Anklage, die das Folgende sestgestellt hat. Am Nachmittag des 18. Juli d. I. war Elisabeth Reuber auf einen ihren Eltern gehörigen Äcker in der Gemarkung Angers- bach mit Feldarbeiten beschäftigt. Gegen 4 Uhr erwartete das Mädchen die Mntl^. bi;' ihr den Kaffee bringen wollte. Ms die Frau sie längere Zeit hatte warten lassen, begab sich die Angeklagte auf eine in der Nähe der Arbeitsstelle gelegene Anhöhe, um Ausschau zu halten. Von hier aus c-chlickte sie ihre offenbar betrunkene Mutter au einem Feldwege liegen. Hierüber geriet die Angeklagte in heftigen Zorn, sie eilte mit einer Hacke zur Mutter hin und versetzte ihr mit,bem Haclensüel mehrere heftige Schläge und gab ihr auch einige Fußtritte. Star? blutend bl,eß die Frau zunächst noch einige Zeit am Boden liegen, sie rapte sich bann aber em vor und schleppte sich ins Dors, um nm ms Bett zu begeben. Erst einige Tage nach dem Vorfall ließ die Frau einen Arzt rufen. Sie gab aus Scham über das Vorgefallene an, sie sei gefallen und habe sich dabei verletzt. Der Arzt stellte mehrere Rippenbrüche und eine Lungenverletzung fest. Am 26. Juli starb Frau Reuber und es verbreitete sich im Ort alsbald W Gerücht, ihr Tot sei auf Verletzungen zurückzuführen, die ihr die eigene Tochter beigebracht habe. Durch die cinaeleitete Untersuchung, insbesondere aber die borgenommene Leichenöffnung wurde die Wahrheit dieses Gerüchtes bestätigt. In der Beweisaufnahme wurde der Inhalt her Anklage voll und ganz bestätigt und auch festgestellt, dass die Angeklagte eine leicht erregbare Person ist, die früher an sogenanntem Veitstanz gelitten hat, ferner, daß ihre Mutter tatsächlich an jenem Nachmittag stark betrunken gewesen ist und dadurch das Ansehen ihrer Familie den Dorfbewohnern gegenüber herabsetzte. Der Vertreter der Anklage und die Verteidigung waren sich nach Lage der Sache darin einig, daß wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg Bestrafung eintreten müsse, daß aber auch eine gatr.e Reihe von Umwänden vorlagen, die die Tat in recht mildem Lichte erscheinen ließen. Nachdem die Geschworenen btc Frage wegen Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände bejaht hatten, erkannte der Gerichtshof auf 8 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft auf die ausgesprochene Strafe. Die Reuber erkannte die Rechtskraft des Urteils sofort an. vermischte». • Da § n e u c ft c Eisenbahnunglück. Am 29. Sept, fuhr auf der Strecke Longbranch-Philadelphia der Penn- sylvauia-Eiscnbahu, elf Meilen nördlich von Philadelphia, die Lokomotive des Newyorker ExpreßzugeS mitten durch einen Schlafwagenzug, der von Lonybranch nach Philadelphia ging, zertrümmerte dessen vorletzten Wagen und beschädigte die übrigen. Fünf Menschen sind tot, 2 0 verletzt. * Durch ein neues Unwetter würden in der span. Provinz Andalusien Verwüstungen angerichtet. Die Vorstädte von Sevilla sind überschwemmt; mehrere Personen sind ertrunken. Die Eisenbahn in der Nähe von Cadix ist auf eine Strecke von mehreren Kilometern unterbrochen. — In Pensaeola (Nordamerika) sind 2000 Menschen durch den Orkan obdachlos geworden. Die Quarantänestation ist zerstört, das Hospital hinweggeschwemmt, Fort Perkrns stark beschädigt; mehrere Kriegsschiffe sind beschädigt bezw. gescheitert, 19 auswärtige Schisse auf Land ausgelaufen, ebenso zahlreiche kleinere Fahrzeuge. Die Zahl der Ertrunkenen beträgt 25. Etwa 30 Fischerboote sind gesunken. Die Gleise der Louis- ville-Nashpille-Bahn sind auf einer Strecke von 30 Meilen zerstört. * Kleine Tageschronik. Zn der vergangenen Nacht brach in der Schuhfabrik von Gebrüder Krapt in Fahrn au (Schwarzwald) F e u e v aus, den, 5 Fabrikgebäude zum Opfer fielen, wahrend die übrigen Gebäude und das Wohnhaus gerettet werden konnten. Der Schaden beträgt eine halbe Million. Durch den Brand sind 400 9(rbeitcr brotlos geworden. — Der russische Student Turtschinowilsch, der in der Nacht vorn 6. Mai den Studenten Martin Heinisch in Gegenwart von deffen Braut, der Kellnerin Berta Ruf, aus Eifersucht erschossen hat, wurde in M ü n ch en nach zweitägiger Verhandlung zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. — In Berlin machte der 20 Jahre alte Kellner Eollas auf seine Geliebte, die Kellnerin llrmincit, einen Mordversuch aus Eifersucht. 91(5 sie zu einem Vermittler gehen wollte, feuerte E. zwei Revolverschüffe auf sie ab. Die erste Kugel streifte ihre Stirn, die zweite durchschlug den rechten Daumen. Der Täter wurde verhaftet. — Am 28. Sept, kollidierten bei der Stadt Juels der englische Dampfer „Ashbrooke" und der französische Dampfer „Juliane and Mary". Ter Dampser Ashbrooke" ist innerhalb zwei Stunden gesunken. Der Steward und der erste Offizier wurden bei den, Zusan,menstoß t o tg e d r ü ck t. — Der Lübecker Kaufnmnn Steinwenger ist auf der Rotwand im A >t- holzertal beim Abstieg über verschneite Felsen abgestürzt. Er wurde mehrfach verletzt von feinem Sohne gerettet. — Laut „Münchener Post" ist ein bei der Trainkompagnie inIngolstadt stehender Unteroffizier, der früher Einjähriger war, in letzter Zeit aber als Kanzleischreiber verwendet wurde, unter Mitnahme von Mobilmachungsplänen verschwunden. Um besser sortzukommen, nahm et einen dreitägigen Urlaub. — Am 29. Sept, kam im Marstallgebäude des Prinz Alb- r e ch t s ch e i, Palais in der Königgrätzer Straße zu Berlin ein Zimmerbrand aus. Zahlreiche Feuerwehrzüge aus allen Reviere ■, der Branddirektor und der Polizeipräsident waren alsbald zur Stelle. Infolge größerer Futtervorräte in dem Gebäude war die Gefahr erheblich. Doch konnte der Brand in kurzer Zeit abgelöscht werden, ohne daß größerer Schaden entstand. Es verbrannten Matrazen und Möbelstücke. — Josef Ritter v. Ohano- wicz wurde auf seinen Besitzungen in Bessarabien von eigenen Bediensteten ermordet; ebenso die Köchin und das Stubenmädchen. Telefomsche Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitaeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glessen. Frankfurter Vtitrfio. 1. Oktober. 1.15 Uhr. 3J4°/O Reichsanleihe . . 98.70 3»»' do. . . 86.50 3^7o Konsols .... 98.65 3% do. .... 86 50 3*^°/n Hessen 98.00 3%°/n Oberhessen . . . —.— 4°o Oesterr. Goldrente. . 99.30 4'/KAn Oesterr. Silberrente 100.00 4 Unsrar. Goldrente . . 94.90 496 Italien. Rente . . . —.— 3®o Portugiesen Serie I . 69.55 396 Portugiesen „ III 70.80 4%°/n rnss.Staatsanl. 1905 86.20 4%0,n japan. Staatsanleihe 93.50 4 % Conv. Türken von 1903 94.10 Türkenlose 145.20 4% Griech. Monopol-Aul. 53 80 4% äussere Argentinier . 89.00 3°/n Mexikaner .... 68.40 4^% Chinesen r . . . 97.10 Aktien: Bochum Guss 244.00 Buderus E. W . , . . —.— Tendenz: fest. Berliner Börse, Can ad a E. B 184.40 Parinstädter Bank . . . 139.70 Deutsche Bank .... 239.40 Dortmunder-Union C. . . 84 20 Dresdner Bank .... 159.00 Tendenz: fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 141.00 Elektriz. Schlickert . . . 128.50 Esch weil er Bergwerk . . 248 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 226.00 Hamburg1- Amerik. PaketL 159 50 Harpener Bergwerk. . . 215 90 Laurahfitte 248.50 Nordd. Lloyd 127.30 ObPTschles. Eisen-Industrie 132.00 Berliner Handelsges . . 173.80 Darmstädter Bank . . . 139 90 Deutsche Bank . . . 239.60 Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.80 Dresdner Bank . . . 159.40 Kreditaktien 211.75 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 125.60 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 38 00 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.10 Prince-Henri-Eisenbahn . 145.00 I. Oktober. Anfan »sknrse. Harpener Bergwerk. . . 215.60 Laurahütte —.— Lombarden E. B. ... 38.20 Nordd. Lloyd 127.10 Türkenlose 145.00 Grsenbahn-ZeStung. — Am 27. und 28. d. M. haben Konferenzen von Vertretern der beteiligten Bundesregierungen in Eisenach stattgefunden, in denen über einzelne Aussührnngs-Bestimnuingen der Vereinbarm,gen über die R e f o r m d e r deutschen Personen- n n d Gepäck 1 a r i s e beraten ist. lieber alle wesentlichen Punkte ist ein erfreuliches Einverständnis erzielt, sodaß nuiunebr mit Sicherheit auf da? Inkrafttreten des ReformtarifeS auf der 6e= kannten Grundlage am I. Mai 1907 gerechnet werden kann. ICunft «nd Wissenschaft. — Professor v. Behring in Marburg hat sich einem Ans- träger des „Echo de Paris" gegenüber über das, was er die Jn> arisfe Bernheims uub Gautiers in der Pariser Vrehe nennt, bitter beklagt. Vorzeitige Veröffentlichung klinischer Versuche sei übelwollende und teiidenziöse Spionage. Er habe nie versprochen, mit seinem Tulase die Tuberkulose zu heilen. Tirrch den Feldzug gegen ihn schade man nur dem Publikum, denn man verzögere den Abschluß der Arbeiten, die den Kranken zugute koinmen sollen. _ Hamburg, 29. Sept. „Der Abt von Sankt Ber° narb', Ohorns Fortsetzung der „Brüder von Sankt Vernarb , ruurbe im Deutschen Schauspielhaus zum erstenmal gegeben. Lj behandelt die Kämpfe eines Abtes von freien, modernen Ideen mit engherzigen, intriguierenden Mönchen. Trotzdem es, ime der „Frankl. Ztg? geschrieben wird, nichts weiter als ein Stuck für Vereine ist, sand es Erfolg bei den Zilhörern, die eine Tendenz rochen. __ ___ Meteorologische Beobachtungen der Station Kieken. NE Still Bed. Himmel Nebel Wetter Höchste Temperatur Ni edriqste 30. 30. am 30. September — + 16,0 • C. „ 30. = + 4,5 ° C. 8,6 9,8 8,1 752,7 752,7 753,9 64 93 98 15,9 12,3 8,6 September Oktober 1906 2“ 9” 7" c> o o E5 O gj* S s Vo ,2 <5> ■äf Giehener Wetterdienst. BoranSstchtliebe Witterung in Hessen für Dienstag, den 2. Oktober: Meist heiter, morgens Nebel, warmer, trocken, auffrischende östliche Winde. , FamNien-Nac^vtchten. Gestorben. Herr Dr. jur. Otto Fischer, Großherzoglicher Hessischer Geheimer Ober-Rechnungsrat, Darmstadt. Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 1. Oktt. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz/) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtnrarktpreis e. Weizen Mk. 17.25—17.50, Kurhessischer Mk. 18.00—00.00, La Plata Mk. 19.25—20.25, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 16.00—16.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 18.00—18.50, Franken- elder Mk. 17.75—18.25, Hafer 15.50—16.25, Mais Mk. 13.00—13.50, Weizenmehl 26.75—27.75, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.75, 3. Qualität Mk. 22.75—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 24.25—24.75,1. Qualität Mk. 22.50—23.00, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 18.00—18.50. Alles per 100 Kg. ab hier. fr. Frankfurt a. M., 1. Okt. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz/). Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 397 Ochsen, 122 au8 Oestreich, 54 Bullen, 0 ans Oesterreich, 0 aus Dänemark, 905 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 267 Kälber, 410 Schafe und Hämmel, 1548 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 90—95 Mk., 2. Qual 82—85 Mk., 3. Qual. 73-76Mk.; Bullen 1. Qual. 80 bis 82 Mk., 2. Qual. 74—76 Mk.; Kühe 1. Qual. 80—84 Mk., 2. Qual. 78-80 Mk., 3. Qual. 67-70 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 100—106 Pfg., Lebendgewicht 60—63 Pf., 2. Qual. 95—100 Pfg., Lebendgewicht 55—60 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 73-76 Pfg., Schafe: l.Qual. 83-85, 2. Qual. 00—00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Vfg.; Schweine 1. Qual. 79—00 Pfg., Lebdgew. 62.00—00.00 Pfg., 2. Qu.76—78Pfg., Lebend- gew. 61.00—00 Pfg., 3. Qual. 73—74 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft bei Kleinvieh gut, Ueberftanb unbedeutend. OrrginaL-Drahtmeldungsn. Schloß Friedrichshof, 1. Okt. Der Kaiser trifft am 13. Oktober hier ein. Er wird von hier aus den Reichskanzler in Homburg besuchen. Am 14. Oktober begibt sich der Kaiser nach Schloß Meerholz zur Hochzeitsfeier des Prinzen Albert zu Schleswig-Holstein. Berlin, 1. Okt. Eine neue Militär-Vorlage mit nicht unbedeutenden Mehrforderungen wird, wie verlautet, dem Reichstage in den nächsten Monaten zugehen. Es handelt sich hauptsächlich um eine ziemlich erhebliche Vermehrung der Genietruppen zur ausgibigeren Anwendung deS Telegraphen- und Telephondienstes, sowie um eine ausgedehntere und systematische Anwendung des Automobils im Heeresdienst. Daneben dürfte, nach den Erfahrungen der letzten Manöver zu schließen, eine nicht unerhebliche Verstärkung der schweren Feld-Artillerie gefordert werden. Berlin, 1. Okt. Verschärfte Vorschriften über den Antomobilbetrieb enthält eine neue Polizeiverordnung über Len Verkehr mit Kraftfahrzeugen, welche der Oberpräsiüent mittels Sonderausgabe des Amtsblattes publizieren läßt und die mit dem 1. Oktober für die Provinz Brandenburg bereits in Kraft tritt. — Auf der Steglitzer Radrennbahn gewann Robt den 1. Preis von Europa leicht gegen Demke und Nat Butler. Danzig, 30. Sept. Am Samstag wurde zwischen den Stationen Graudenz und Woffarken auf dem Ueberwege der Straße nach dem Pfaffenbergc ein D i e n st f u h r w e r k des Infanterieregiments Nr. 141 beim Schließen der Zugschranke eingeschlossen und vom Schnellzuge Nr. 67 üb er fahr en. Zwei Offiziere und ein Fähnrich konnten sich durch rechtzeitiges Abspringen retten; der Kutscher, Musketier Scheine, wurde schwer verletzt und wurde nach dem Garnisonlazarett geschafft. Der Wagen wurde zertrümmert, das Pferd blieb unverletzt. Hamburg, 1. Okt. Ein 16jähriger Schüler der Eimsbütteler KarlSschule erschoß sich vor den Augen seiner Schulkameraden, weil er nicht versetzt wurde. Weimar, 1. Okt. Der christlich-soziale Parteitag ist gestern abend unter großer Teilnahme eröffnet worden. Stöcker sprach, lebhaft begrüßt, über den sozialdemokratischen Parteitag, die russische Revolution und die liberale Preffe. Heute begannen die Verhandlungen. Dresden, 1. Okt. In der Zigarettenfabrik von IaSmatzi wurde eine Niederlage durch Feuer zerstört. Der Schaden ist bedeutend. Eydtkuhnen, 1. Okt. Wie iln vergangenen Jahr hat auch diesmal der Kaiser in Ronrinten an den Chef der russischen Grenzgendarmertie, Oberstleub- nant Massafedoff in Wirballen, die telegraphische Einladung zum Sonntags-Kirchgang und daran schließendem Diner ergehen lassen. Massajedoff hatte sich darauf, per Automobil nach Rominten begeben. Paris, 1. Okt. Während eines Festes, welches gestern tm Trocadero unter dem Vorsitz des Generals Dalstein statte fand, veranstalteten die Antimilitaristen eine Kund^ gebung. Es kam zu einem großen Tumult, in dessen Verlauf etwa 20 Personen, darunter auch Professor Herr» verhaftet wurden. Rom, 1. Okt. Beim Kardinal Vanutelli wurde ein großer Einbruch verübt. Meßgewänder von großem künstlerischem Wert, silberne Pokale und kostbare Kirchengeräte wurden gestohlen. Von den Tätern hat man keine Spur. Nom, 1. Ott. Giornale d'Jtalia veröffentlicht heute em! Interview mit einem Admiral der ital. Flotte über die Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich. Der Admiral soll hierbei erklärt haben, daß man in volitischcn Kreisen die Eventualität eines Krieges mit Oesterreich als nicht ausgeschlossen betrachte. Dasselbe Blatt veröffentlicht ein. zweites Interview mit einem deutschen Diplomaten, welcher angeblich erklärte, Deutschland werde sein Möglichstes! tun, um Differenzen zwischen Italien und Oesterreich auf gütlichem Wege beizulegen, sollte es aber zu einem Konflikte kommen, so werde Deutschland auf Seite Oesterreichs stehen. Die Veröffentlichung erregen in politischen Kreisen großes Auf-, sehen, obwohl man dem Blatte die Verantwortung überlassen hat. Wien, 1. Okt. Der Professor der Chirurgie Josef Weinlechner wurde in der Nähe von Wien von einem Schlaganfall betroffen und ist sofort im Alter von 77 Jahren gestorben. Ischl, 1. Okt. Das Hotel auf dem Schafberg ist gestern abend gänzlich niedergebrannt. Die Ursache des Brandes ist elektrischer Kurzschluß. Petersburg, 1. Okt. Der Gesundheitszustand^ bei bei dem Attentat auf den Ministerpräsidenten verwundeten Kinder Stolypins hat sich sehr gebessert. Die Wunden der Tochter beginnen zu vernarben, der Sohn kann bereits wieder gehen. Die Zarin erkundigt sich oft nach dem Befinden der Kinder. Kronstadt, 30. Sept. Das Kriegsgericht fällte heute! über die wegen Matrosenmeuterei Angeklagten das Urteil. Das ehemalige Neichsdumamitglied Onipk wurde zum Verluste alter Rechte und zur Deportation verurteilt. Von den Matrosen würden 19 zum Tode durch Erschießen, 12 zu Zwangsarbeit auf unbestimmte Dauer, 120 zu Zwangsarbeit von 4—20 Jahren und 429; zur Einreihung in die Arrestantenabteilung und zu Ge-f fängnis verurteilt. Alle Verurteilten wurden aus dem> Militärstande ausgestoßen. 129 Matrosen und drei Bauers wurden freigesprochen. Das Urteil bedarf noch der Bestätigung durch den Kommandanten der Stadt und der Festung Kronstadt, General Adlerberg. Frachtbriefe mit hrmeneindruck * Sehr billig BröM’sche Ünivers.-Dmckerei © o Statt Karten. Marta Engersch Jacob Heilbronner Verlobte Hanau a. M. Giessen 5949^ KW SA? ß 1 l Die glückliche Geburt einer gesunden Tochter (Frieda) zeigen hocherfreut an Professor Alfred Körte u. Frau Frieda, geb. Gropius. Giessen, Sonntag, den 30. September 1906. 07213 Statt Karten. Ernestine Thoma, Emil Zschiesche, Architekt, Verlobte. Gießen Bad Schachen bei Lindau i. B. im September 1906. Wtzkmmn Sich». Die Herbst-Mitglieder-Versammlung findet Montag, den 15. Oktober im Schntzenhaus mit folgender Tagesordnung statt: 1. Berichterstattung. 2. Prüfung der Jahresrechnung und Wahl de§ Prüfungs- AusschuffeS. 3. Neuwahl des Vorstandes und SchützcnrateS. 4. Winterfestlichkeiten. 5. Auslosung von 6 Anteilscheinen des Schützenhauscs. 6. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht v*/w Der Borstand. Prima [07216 Hammelfleisch Fnr die Theat@r-Sa.isoi empfehle mein gut sortiertes Lager in Spitzen und Seidenblusen DVio J. Pfeffer Marktplatz 6 Marktplatz 6. sowie Lenden im Ausschnitt empfiehlt von jetzt ab täglich Conr. Malkomesias Telephon 447. Mäusburg 19. of Langnages Giessen, Schulstrasse 101 Grösstes Sprach-Institut für Hamen und Herren. — 4 goldene, 2 silberne Medaillen. —------ Weltausstellung St. Louis 1904: Grand Prix. — Lüttich 1905 i Grand Prix. Englisch — Französisch — Italienisch. Am Mittwoch, den 3. 0 kt o b e r, abends 9 Uhr, wird eine Probestunde nach der Berlitzmethode im Schullokal gratis und ohne Verbindlichkeit erteilt, zu welcher Damen und Herren ergebenst eingeladen werden. Nähere Auskünfte werden von der Direktion am Mittwoch von 10—12'/, Uhr vorm. erteilt. VitelSo stet? frisch bei C.G.Meinhemr Delikat.-, Fisch- u. Geflugelhandtg. Bahnhosstr.59. Telephon 66. IW Der erste Waggon diesf. neue Konserven ist eingetroffen. Preise billig. [07221 in modernen Farben und Grössen sowie cBiioke Abendmäntel Männer Turnverein Gießen. SMMMtt-VersWmlW Samstag, den 13. Oktober d. I., abends 9 Uhr im Vereinslokal (Hotel Schütz). Tagesordnung: 1. Bericht. 2. Entlastung des Rechners. 3. Ersatzwahl des Turnrates. 4. Feststellung der Wintervcrgnügen. 5. Verschiedenes. Wir weisen noch auf Satz 33 Absatz 3 der Satzungen hin u. bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand. v710 Der 1. Sprecher Der 1. Schriftführer C. Kaufmann, Rechtsanwalt. C. Lang. Genau hinsehen beim Einkauf, bannt an Stelle der gewünschten Oetker's Fabrikate, wie Backpulver und Vanillin-Zncker ä. 10 Pfg. (3 St. 25 Psg.) keine Nachahmungen unterschoben werden. Die reellen Geschäfte liefern die echten gern. —wanmiMiwi—■ -■ Tapisserie! Tapisserie! h. Fute ®onn25ftr‘,6e empfiehlt den Eingang ganz besonders schöner in gezeichneten und angefangenen Arbeiten, sowie aller Arten Stoffe, Materialien und sonstiger in sein Fach einschlagender Artikel zu billigsten Preise». 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