Nr. 305 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener ZamilienbiStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Eanöwtrt" erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Zweites Blatt L56.Jahrgang Samstag 1. September 1800 Gießener Anzeiger Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Deutsches Reich. Potsdam, 31. Äug. Heute vormittag 10 Uhr fand im Stadtschloß und Lustgarten der Dien st ein tritt des Prinzen Oskar von Preußen beim 1. Garderegiment statt. Ter Prinz meldete sich im Schlosse beim Kaiser in Gegenwart seiner direkten Vorgesetzten. Der Kaiser begab sich daraus zu Pferde mit dem Prinzen und dessen Vorgesetzten in den Lustgarten, wo das 1. Garderegiment im Viereck aufgestellt war. Ter Kronprinz und die in Berlin anwesenden Prinzen, die Lehrer und Erzieher des Prinzen, die Militärbevollmächrigten der Bundesstaaten, die fremdländischen Offiziere und bas Kadettenhaus Potsdam wohnten der Feier bei, zu der aus Berlin Großfürst Wladimir, Erzherzog Josef, der Herzog von Genua mit ihren Gefolgen, und andere eingctrossen waren. Die Kaiserin, die Kronprinzessin, Prinzessin Eitel Friedrich, Prinzessin Friedrich Leopold, Prinzessin Viktoria Luise und die Kronprinzessin von Griechenland wohnten der Feier von den Fenstern des Stadtschlosses aus bei. Beim Heraus- tretcn des Kaisers präsentierte das Regiment. Die Fahne, die Lcibkompagnie und die direkten Vorgesetzten traten in die Mitte des Vierecks. Prinz Oskar leistete darauf den Fahneneid. Hierauf hielt der Kaiser eine Ansprache, worauf er dem Prinzen £)§Tar die Hand reichte. Ter Kommandeur des 1. Gardercgiments erwiderte und schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser. Zwei Parademärsche des Regiments in Zügen und in Kympagniefronten, wober Prinz Oskar und Prinz Joachim bei der Leibkompagnie eintraten, beschlossen die Feier, an die sich ein Frühstück im Neuen Palais anschloß. Berlin, 1. Sept. Ter Berliner Lehrerverein hat in einer scharfen Resolution gegen den Ministerialerlaß vom 4. Mai d. I. über die Lehrerbesoloung protestiert. Kiel, 31. Aug. Ein aus den sieben Panzerschiffen A-cran, Mauligreten, Oden, Njord, Goeta, Swea und Thule, zwei Torpedokreuzern und zwei Torpedojägern bestehendes schwedisches Geschwader traf heute vormittag um 9s/* Uhr im hiesigen Hafen ein. Bald nach 10 Uhr traf auch das dänische Geschwader, aus den drei Küstenpanzerschiffen „Olsert Fischer", „Herluf Trolle" und „Skjad" nebst zwei Torpedobooten bestehend, hier an. Die Geschwader feuerten den Landessalut und salutierten sodann die Flagge des Großadmirals, und des Chefs der Marinestation der Ostsee. Die Musikkapellen auf den Flaggschiffen beider Flotten spielten beim Einlaufen die deutsche Nationalhymne. Düsseldorf, 31. Äug. Der Stahlwerksverband Düsseldorf hatte beim Staatssekretär des Reichsschatzamts Beschwerde über die Berechnung des Fracht- und U r künden st empels geführt und beantragt, daß die Fracht von 25 Mk., die als Grenze für die Berechnung des Stempelbetrags von 20 und 50 Pfg. dient, für 10 Tonnen gelten solle und nicht, wie nach dem Wortlaut des Gesetzes bisher angenommen wurde, für die ganze Ladung, hieraus ergab sich, daß bei einer wirtschaftlichen Ausnutzung von Magen mit höherem Ladegewicht in überaus zahlreichen Fällen die Stempelkosten bedeutend höher wurden, als bei Verwendung von Wagen mit geringerem Ladegewicht oder mangelhafter Ausnutzung der Wagen. Dieser offenbare Widersinn ist jetzt beseitigt, nachdem der Staatssekretär dem Stahlwerksverbande mitgeteilt hatte, daß er sich mit der Regelung der Angelegenheiten im Sinne der vom Stahlwerksverbande vertretenen Auffassung einverstanden erklärt habe. München, 31. Aug. Zum Bischof von Regensburg wurde der bisherige Bischof von Eichstädt D. von Mergel, zum Bischof von Eichstädt der Regensburger Meihbischof v. O w ernannt. Dresden, 31. Aug. Unter Vorsitz des früheren Reichstagsabgeordneten Professor Hasse-Leipzig begann heute der Alldeutsche V e r b a n d s t a g seine Sitzungen. Ter Jahresbericht beklagt u. a. den Mißerfolg der deutschen Marokkopolitit und die Isolierung des Deutschen Reiches. Tie Regierung habe es versäumt, die Gunst der politischen Lage auszunützen und sei m.: ihrer Flotten Vorlage hinter dem zurückgeblieben, was unbedingt notwendig und zu erreichen gewesen wäre. Ter Jahresbericht beschäftigt sich außerdem mit den Vorgängen in Südwestafrika und Deutschostafrikas. Ter Kassenbericht balanziert in Einnahmen und Ausgaben mit 75 000 Mk. B r e s l a u, 31. Aug. Um dem immer fühlbarer werdenden Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern abzuhelfen, hat die deutsche Feldarbeiter-Zentrale in Myslowitz durch Vermittelung des russischen Bötschafters in Berlin mit dem General-Gouverneur von Warschau über die Anwerbung russischer Arbeiter aus Polen für die deutsche Landwirtschaft vor einiger Zeit Unterhandlungen ange- knüpsl. Ter „Schles. Ztg." zufolge ist jetzt durch die russ. Botschaft in Berlin der Feldarbeiter-Zentrale die Genehmigung des General-Gouverneurs zur Anwerbung russ. Arbeiter für die deutsche Landwirtschaft in'beliebigen Ortschaften Russisch-Polens erteilt worden. Posen, 31. Aug. In Gnesen wurden d re i Sextaner des dortigen Gymnasiums lvegen Verweigerung deutscher Antworten im Religionsunterricht aus derSchule entlassen. Danzig, 31. Aug. Ter Kaiser loird Ende Sept, zum Jagdausenthalt in Rominten eintreffen. Ausland. Paris, 31. Aug. Ter Chef oes Gcneralstabes der Armee, General Brun, empfing heute nachmittag im Namen des Kriegs. Ministers die auslän d i sch e n O f fi z ier c, die den Manö- vern des 2. Armeekorps beilvohnen und hieß sie willkommen. Die ausländischen Offiziere werden morgen nachmittag Paris im Sonderzuge verlassen. Am Abend sind sie zu einem Festmahle eingeladen, das der Leiter der Manöver, General Michel, im Schlosse zu Compiegne veranstaltet. — Der „Courrier Europscn" will wissen, daß der Unterrichtsminister Briand mit gewissen französischen Prälaten unterhandle, und daß er sich mit dem Plane trage, angesichts der unversöhnlichen Haltung des Vatikans in der Frage der Kultusoereinigungen eine schismatisch-gallita nische Bewegung hervorzurufen. Dabei rechne der Minister auch insbesondere darauf, daß die Geistlichen durch das Verbot der Kultusvereinigungen sich in ihren materiellen Interessen schwer getroffen sehen. — Dem „Journal" zufolge wird die nächste Vollversammlung d^er französischen Bischöfe unter anderem namentlich die tfrage derBildung vonneuen Vereinig- u n g e n prüfen, die durch ihre äußeren Statuten der Gesetzgebung entiprechen,, durch ihre inneren Statuten unter die Autorität der oNwose gestellt werden und verhindern sollen, daß die Kirchen- guter zu außergoltcsdienstlichen Zwecken verwendet werden. — Das Amtsblatt veröffentlicht heute den ersten Teil der Durchführungsverordnungen bctr. das am 11 Juli vom Parlament angenommene Gesetz über den Wochenruhe- t a g. Das Gesetz, welches bereits Anlaß zu ernsten Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern gegeben hat, tritt übermorgen in Kraft. In einzelnen Gewerben wird mit Ausstand gedroht, falls die Arbeitgeber das Gesetz in irgend einer Weise umgeben sollten. Insbesondere wird diesbezüglich unter den Kellnern und Bäckergehilfen _ agitiert. In Rouen und anderen Orten haben die Bäckergehilfen für morgen den Ausstand angekündigt. — Etwa 1000 Besitzer von Restaurants und Hotels m Paris hielten l)eute nachmittag eine Versammlung ab. Lie nahmen einen Antrag an, der Verwahrung einlegt gegen das Gesetz betreffend die Gewälwung eines wöchentlichen Ruhetages, der in der Praxis nicht durchzusühren sei. Man erwarte eine Abänderung des Gesetzes, welche' dahin geht, daß wöchentlich cm halber Rulietag und als Ausgleich eine Ruhe- Leit im Lause des Jahres gewährt werde. Tie Hotelbesitzer fordern, daß das Gesetz während der Monate Juli, August und September außer Geltung gesetzt werde. Es wurde beschlossen, salls die Regierung den Forderungen nicht Folge gäbe, mit allen, soweit möglich, mit gesetzlichen Mitteln Widerstand zu leisten und die Bettiebe einzustellen, soweit es die Rücksichtnahme auf das reisende Publikum gestatte. Cherbourg, 31. Aug. Zwischen sozialistischen und konservativen Gemeinderäten kam es gestern im Gemeinderat zu einem heftigen Wortwechsel, der in T ä t l i ch ke i t e n überging. Infolgedessen werden die meisten Gemeinderatsmitglieder ihre Demission nehmen. Agram, 31. Aug. Die Landesregierung hob den Beschluß des Agramer Gemeinderatcs, nach welchem bei Gelegenheit der Begrüßung des Kaisers in Trebinje dieser um die V er einig* ung Bosniens mit Kroatien gebeten werden soll, aus. Budapest, 31. Aug. Die gesamte Presse protestiert gegen den Beschluß des Agramer Gemeinderates, an Kaiser Franz Josef die Bitte zu richten, daß Bosnien und die Herzegowina mit Kroatien vereinigt würden, und bezeichnet diesen Akt als eine utopistische Anmaßung. — Der Tschechenführer, Abgeordneter Klofac, traf hier ein, um das tschechisch-ungarische Bündnis zum Kampf gegen Wien und Berlin zu organisieren. Konstantinopel, 31. Aug. Ter heutige Selamlik fand in der üblichen Weise statt. — Auf eine Anfrage des Großwesirs bezüglich französischer Konsularnachrichten, nach denen eine türkische Militärabteilung nach der B i l m e a o a s e abgegangen sei, wogegen die französische Botschaft protestierte, antwortete der Wali von Tripolis, diese Nachricht sei vollkommen unbegründet. — Berichte aus Burgas an das ökumenische Pattiarchat besagen, der gefangene Metropolit von Anchialo sei krank und werde schlecht behandelt. Belgrad, 31. Aug. Auf feiner Reise wurde König Peter in Kladow von der rumänischen Mission begrüßt. König Peter war mit Gefolge auf dem Schiff „Zar Nikolaus II.", die rumänische Mission, bestehend aus General Crainiseana, Major Cornabye und Hauptmann Tragus aus dem Kanonenboot „Geretul" in Kladow nngefomnien. Ter König empfing die Mission aus einer am User errichteten Tribüne. An den Empfang schloß sich ein Galadiner an Bord des „Zar Nikolaus II." an. Der König und Crainiseana wechselten Trink- sprüche. Die rumänischen Schiffe gaben dem Königsschiff das Geleite bis Brza-Palanka. Melilla, 31. Aug. Die Truppen des Roghi ziehen sich in der Stärke von 6000 Mann auf dem rechten User des Muluya zusammen und erwarten Verstärkungen. Die Truppen des Sultans zählen 4000 Mann und sind gut bewaffnet. Kalkutta, 31. Aug. Starke Ueberschwemmungen nach einer sehr dürftigen (Srnte haben in Bengalen und namentlich in Ostbengalen große Hungersnot verursacht. Zur Linderung der Not ist die Bereitstellung eines Unterstützungsfonds vorgeschlagen. — Unter den Eisenbahnarbeitern sind von neuem Unruhen ausgebrochen. Die Eisenbahnwerkstatten der ostindischen Bahn in Jamalstur wurden wegen Ruhestörungen, in bereit Verlauf fünf Indier durch Polizisten leicht verwundet wurden, geschlossen. Schanghai, 31. Aug. Bei Beraiung des von der ins Ausland entsendeiei'. 51 o ni in i s s i o n erstatteten Berichtes ergaben sich zunächst innerhalb der Konferenz Ai e i n n n g s Verschiedenheiten. Tsaust, der Führer dieser Konunission, warf den Beamten vor, daß sie sich der Einführung einer Konstitution widersetzten. Schließlich entschied die Konserenz jedoch zu Gunsten einer K o n sl i t n t i o n. Tas Dekret ist bereits erlassen, das die Einführung einer Koiislitution verspricht, ohne indessen einen Termin dafür ober sonstige Einzelheiten anzngeben. Tokio, 31. Aug. Obgleich halbamtlich erklärt wird, daß die Beurlaubung des Ministers Vikomte H a y a s h i ohne politische Bedeutung sei, so besteht Grnnd zu der Annahme, daß ernste Ai e i n u n g s v c r s che d e n h e i t e n zwischen ihm und dem Premierminister ausgebrochen sind. ES i]i sehr wahrscheinlich, daß Vikomte Hayashi zurücktreien wird. — PuMch.s. Petersburg, 31. Aug. Infolge einer Aufforderung des Kaisers siedelt Ministerpräsident Stolypin mit seiner Familie demnächst nach dem Winterpalais über. — Die Petersburger Telegraphen-Agentur erklärt, daß die an der Pariser Börse aufgetretenen Gerüchte, nach denen Minister- präsident Stolypin zurückgetreten sei und Witte wiederum das Ministerpräsidium übernehmen werde, vollkommen unbegründet sind. Die Hochschulen werden am 28. September wieder eröffnet. __ Der Muselmanen-Kongreß wurde gestern in Nischni-Nowgorod eröffnet. Anwesend sind 800 Delegierte. In Schuscha wurde ein unterirdischer Gang von der Wohnung eines Tataren bis zum Palast des Gouverneurs General Nolotschapow entdeckt. Man nimmt an, daß auf den Gouverneur ein Attentat geplant war. In den Gouvernements der Wolga-Niederungen planen die Bauern einen allgemeinen Aufstand. Nur die Verteilung von Land kann den Aufstand verhindern. In Tscherkati, einer Gemeinde von 15 000 Einwohnern, ivelche als ein revolutionäres Zentrum bekannt ist, wurden große Vorräte vom Bomben und ein ganzes Waffendepot entdeckt. In den Gouvernements Stafan, Simbir und Samara dürfte die Hungersnot schon Ende des Monats au3- brechen. Die Untersuchung über die Unruhen an Bord des „Pamjet Asowa" hat ergeben, daß der Urheber der Matrosenmeuterei der 65jährige Schiffspope gewesen ist. Er wurde verhaftet und wird vor ein Kriegsgericht gestellt. — Ein Hauptmann vom 22. Kosaken-Regi- luent in Mariapol wurde wegen revolutionärer Propaganda unter den Kosaken verhaftet. — Der Ausschuß der Montanindustriellen Südrußlands suchte um Einführung besonderer Schutzmaßregeln im Donezbecken nach. Helsingfors, 31. Ang. Gestern wurde über den Rost der Aufrührer von Sveaborg das Urteil gefällt: 19 Soldaten und 3 Zivilisten wurden zum Tode durch Erschießen, 33 Soldaten zu Zwangsarbeit von 12 bis 15 Jahren, 33 zur Versetzung in die Strafabteilung auf 4 bis 5 Jahre, 195 auf 3 bis 4 Jahre und 298 Soldaten zu 3 bis 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Dios kau, 31. Aug. Der Generalgouverneur hat einen strengen Tagesbefehl an alle Polizeiorgane erlassen, welcher anordnet, daß gegen jede aufständische Person sofort mit der Waffe vor gegangen werden soll. Die Polizei >vird auf keinen Fall mehr Ansammlungen dulden und jeden niederschießen, der sich in der Nähe von Regierungsgebäuden ober den Wohnungen höherer Beamten verdächtig macht. Warschau, 1. Sept. Auf Anordnung des Gouverneurs Becker wurden gestern nachmittag 5 Uhr fast alle Straßen militärisch gesperrt und die Passanten auf der Straße untersucht. Straßenbahnwagen, Droschken und Privatwagen wurden augehalten, die Jnsaffen zum Aussteigen veranlaßt und einer Visitation unterworfen. Viele Verhaftungen erfolgten. Vier Stunden lang war der Verkehr eingestellt. Die Straßen blieben nachts vom Militär besetzt. Nachts sollten zahlreiche Haussuchungen stattsinden. Die Verhaftungen sind schon so zahlreich, daß fein Platz in den Gefängnissen mehr ist. Die Verhafteten werden unter freiem Himmel gehalten. In Jeziorna bei Warschau wurde das Gemeinde-Bureau überfallen und Paß-Formulare gestohlen. Die Reaktion und die Urheber des Attentats. Man schreibt uns aus St. Petersburg, 29. Aug.: „Kommt Zeit, kommt Rat" sagt mau in Deutschland, aber hier zu Lande pflegt die unaufhaltsame, dahineilende Zeit nur neue grausige Rätsel aufzugeben. Vier Tage sind nun seit der furchtbaren Katastrophe auf der Apothekerinsel verflossen. Sonst Zeit genug, um sich über ein großes Ereignis wenigstens, in seinen groben Zügen zu orientieren. Diesmal aber ist es damit ganz anders: mit jedem Tage kommt das blutige Attentat nur dunkler und geheimnisvoller vor. Was für Leute haben es begangen? Die Polizei hat trotz aller Nachforschungen keine Ahnung davon. Auf den ersten Blick scheint die Vermutung nahezuliegen, daß es von Sozialrevolutionären ausgegangen ist. Die Partei erklärt nun aber, daß sie mit ihm nichts zu tun hat und dieser Erklärung ist zu glauben. Tenn erstens hat die Partei die von ihr ins Werk gesetzten Attentate niemals verleugnet und hat auch feinen Grund das zu tun. Zweitens aber entspricht auch die Ausführung des Attentats auf Stolypin nicht der sonstigen Methode der Sozialrevolutionäre. Diese vermeiden geflissentlich jedes nutzlose Blutvergießen und schickten in der Regel nicht ein halbes Dutzend von Attentätern, wie dies hier der Fall zu sein scheint, sondern nur einen oder zwei. Außer den Sozialrevolutionären gibt es freilich noch zwei politische Gruppen, von denen das Attentat ausgegangen sein mag. Und zwar die Moskauer Maximalisten, von denen ich kürzlich berichtet habe, und die hauptsächlich im Südwesten und im Westen verbreiteten Anarchisten. Man hat jedoch keine bestimmten Anhaltspunkte das Attentat der einen oder der andern von den,beiden Richtungen zuzuschreiben. Und es entsteht nun die bange Frage: Ist es denn überhaupt so sicher, daß es von Revolutionären begangen worden ist ? Können das nicht etwa Reattionäre gewesen sein? Etwa von demselben Schlage Ivie diejenigen, die Hcrzenstein ermordet haben? „Undenkbar!" werden sie vielleicht jagen, „die Reaktionäre würden wohl, wenn es ihnen nützlich scheint, ein halbes Hundert Menschen ohne jede Bedenken hinschlachten. Wer sich selber opfern — dazu sind sie doch wohl nicht imstande. Das ftimmt. Aber woher weiß man denn, daß sie sich wirklich dem Tode geweiht haben? War es nicht vielmehr ihre Wsicht, die Bombe oder — da man jetzt schon von zwei Bomben spricht — die Bomben im Hause des Ministers zurückzulassen, damit sie dort durch irgend einen zufälligen Stoß, der gewiß nicht ausgeblieben wäre, oder durch das in der Bombe versteckte Uhrwerk zur Explosion gebracht werden sollten? Diese Vermutung wird dadurch bestätigt, daß ber Landauer, in dem die Attentäter angekommen waren, auf sie warten blieb. Es wurde also erwartet, daß sie bald zurückkommen würden. Die Explosion ist ja anscheinend vorzeitig erfolgt. Auch ist der Umstand beachtenswert, daß die Attentäter ein paar Minuten zu spät kamen. Tas war der einzige Grund, aus dem iljr Verlangen, den Minister zu sprechen, abgelehnt werden konnte. Wenn jetzt etwa behauptet wird, iyre Uniform sei nicht ganz Eorreft gewesen, uno das habe den Verdacht des Portiers erweckt, so sind das nur nachträgliche Kombinationen, für die jede tatsächliche Bestätigung fehlt. Was aber die Verspätung der Attentäter anbetrifft — die nur ganz gering war — so kann man sich sehr wohl denken, daß sie nicht unabsichtlich gewesen ist. Tenn es i|t weit und breit bekannt, daß in dieser Hinsicht bei dem Minister sehr rigoros vorgegangen wurde. , Aber das alles sind natürlich nur Vermutungen. Schwerer wiegt die Tatsache, daß ein paar Tage vor dem Attentat ein ehemaliger Offizier beim Minister erschien, um ihn zu warnen, daß in der Provinz ein mitten tat auf ihn vorbereitet werde. Er wurde jedoch nicht zugelassen, und überreichte eine schriftliche Eingabe. Er ist Mitglied des Verbandes des russischen Volkes. Nach dem Attentat ließ man ihn verhaften. Ob nun seine Ansagen etwas Licht in die geheimnisvolle Affäre bringen werden? Heber Auswanderung. In den Verein. Staaten ist der Vorschlag gemacht worden, eine Kopfsteuer von hundert Dollars für jeden Einwanderer zu erheben. In Großbritannien hat man em Fremdengesetz angenommen, gegen das die Schrss- sahrtsgesellschasten vergeblichen Widerspruch erhoben, xoeiC es die Einwanderung ungebührlich erschwere. Tas engl. Vorgehen ist immerhin verständlicher. Sind doch in England die untersten Klassen tatsächlich vom Bodenbesitz aus- geschlossen, wahrend die Union mit Lern!Msb'au ihrer parisischen Bahnsysteme die Befiederung! westlicher Territorien einleitet. Weder in Großbritannien noch in Amerika kann es sich aber darum handeln, die Einwanderung! des Kapitals vor der der Arbeit Zu bevorzugen. Immerhin neigen die Bankers jetzt ebenfalls der Abkehr von dem alten, für ihre Entwickelung ersprießlichen Grundsätze zu, baß die Erde, wenigstens die amerikanische, für alle Raum habe. In merkwürdigem Gegensätze hierzu steht eine neuerliche Strömung in der Einwandcrungspolitik der en glisch en Ko lo- nien. Was England in Gesetzesform brachte, ist eigentlich nur eilt schwacher Widerhall der in 'Australien und Neuseeland praktizierten Einwanderungspolitik. „Australien für den australischen Arbeiter!" lautete dort bisher die Parole. Inzwischen haben aber die ungünstigen wirtschaftlichen Ver- hältuisse der letzten Jahre gerade in 'Australien eine andere Auffassung ausgebildet. Tie Arbeiterführer selbst sehen dort ein, daß in einem so jungfräulichen Kontinent die Einwanderung das Lebens- und Fortschrittselement ist, daß das Kapital der Einwanderung folgt, ivie der handel der Flagge. Noch deutlicher tritt diese Umkehr in Neuseeland in Erscheinung, wo der 'Arbeitsmarkt völlig unter der Kontrolle der Arbeiterregierung steht. In Can ad a hat die Wendung schon im vorigen Jahre eingesetzt. Für Rhodesien macht die Charteredgesellschaft gegenwärtig außerordentliche ''Anstrengungen, um fremde Siedler heranzuziehen. Für uns Deutsche ist diese Erscheinung von Wichtigkeit. Wir sind im Gegensatz zu anderen Nationen als Einwanderer am beliebtesten, namentlich wo es sich um landwirtschaftliche Einwanderung handelt, in den englischen Kolonien sogar beliebter als die Briten. Es ist wahrscheinlich, daß tote in den nächsten Jähren einem Anwachsen der Eintvan- derungsbewegung entgegengehen. Diese Bewegung ist heure auf 'ganz andere Voraussetzungen gestellt, als in den achtziger Jahren. Sie wird von Bahnen, Siedlungsgesellschaften und Regierungen heute wesentlich systematischer, erfolgreicher und sachlicher in dte Hand genommen. Was nun Deutschland betrifft, so ist seine Auswander- ungsziffer im Verhältnis sehr niedrig. Es steht hinter ihm unter den Großstaaten nur noch Frankreich zurück, dessen aerinqe Volks Vermehrung das zur Genüge erklärt. Rußland sieht jährlich etwa 200 000 Landeskinder in die Fremde ziehen, etwa siebenmal mehr als Deutschland, zumeist Juden. Eine noch höhere Auswanderungsziffer haben Oiroßbritan- nien und Oesterreich-Ungarn. Alle aber werden weit über flügelt durch Italien, das reichlich dreiviertel Millionen Arbeiter im Jahr an das Ausland abgibt, zum größeren Teil an 'Amerika. Es ist bemerkenswert, daß diese Italiener sich ihr Volkstum besser wahren, als es leider bei den Deutschen zu beobachten ist. Vielleicht sind sie auch deshalb als Einwanderer nicht so gern gesehen, wie die Deutschen. Oben drein ist es Gepflogenheit der Italiener, mit den im fremden Lande gemachten Ersparnissen nach der Heimat zurückzukehren. Sie stärken also den Nationalwohlstand des Vaterlandes auf Kosten des 'Auslandes, was es begreiflich macht, daß die italienische Negierung die 'Auswanderung nicht nur nicht erschwert, sondern sie im Gegenteil fördert durch Beihilfen an die transatlantischen Rhedereien, die infolgedessen die Passageprcise niedrig halten können. Ob Deutschland an dem zu erwartenden Anwachsen der Aüswanderungsziffer in den nächsten Jahren stärker beteiligt sein wird, bleibt abz,uwarten. Wünschenswert wäre, daß der so beliebte deutsche Einwanderer sich seine neue Heimat da sucht, wo er sein Volkstum kräftig zur Geltung bringen kann. J'n Nordamerika ist das nicht der Fall, trotz .'aller schönen Reden der Yankees über den kulturellen Mert des Deutschtums. 'Durch die schnöde Behandlung schon der deutschen Sprache, die man aus dem Unterrichtsplan der Volksschulen entfernte und an den Mittelschulen mvr als Wahlfach bestehen läßt, werden diese Lobreden 'entkräftet. Südamerika verdient als Auswanderungsziel "für Deutsche jedenfalls den Vorzug vor den Bereinigten Staaten. Aus Stadt und Land. Gießen, 1. Sept. 1906. • • Kaiser und Kreisrat. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Der Artikel im gestrigen „Anzeiger", datiert Darmstadt, 30. Aug., betr. einen Vorfall bei der Anwesenheit Kaiser Wilhelms in Schlitz, bedarf sehr der Berichtigung. Der verstorbene Dr. Wolf ist dem Kaiser niemals vorgestellt worden, wenigstens nicht als Kreisrat von Lauterbach. Der Verfasser des fc. Artikels hat wohl vielleicht ihm' recht nahe Glocken läuten hören, weiß aber nicht sicher, wo ’fte hängen. Bei der Anwesenheit des Kaisers in Schlitz waren u. A. Oberpfarrer D. Dieffenbach zu Schlitz, Forstmeister Stockhausen daselbst, der Kreisrat des Kreises, der als ^Offizier im Dragoner-Regiment den Krieg 1870/71 mitgemacht und besonders in den Kämpfen an der Loire sich ausgezeichnet hatte, aber in jeder Beziehung eine ganz andere Persönlichkeit als Wolf, zum Mittagsmahle eingeladen. Vor dessen Beginn zog der Kaiser den KreiSrat in ein Gespräch, in welchem er, wohl in der Voraussetzung, daß ein hessischer KreiSrat sei wie ein preußischer Landrat, denselben fragte, ob er studiert habe. Der durch diese Frage etwas betroffen gewordene Herr antwortete: „Ei, natürlich." Der Artikelschreiber redet bei der von ihm korrigierten Antwort von einem „wenig salonfähigen Ton" und hat damit wohl dem verstorbenen Wolf noch einen Kranz a la Marquis Posa auf das Grab legen wollen. Graf Görtz und Kaiser Wilhelm haben den Antwortenden anders eingeschätzt, sonst hätte ihn wohl der Eine nicht zum Diner geladen, der Andere ihm nicht den Kronenorden verliehen. * * Der Termin für die Wahlen zur Landwirtschaftskammer, der nach anderen Nachrichten angeblich auf Mitte September angesetzt sein sollte, ist, wie wir bestimmt vernehmen, noch nicht festgelegt, jedenfalls ist der angegebene Termin viel zu früh. • * Unheimlicher Besuch. Eine alleinstehende Frau fand gestern abend, als sie zu Bett gehen wollte, unter ihreui Bett eine MannSperson versteckt vor, die auf ihr Aufschreien hin sofort stillschweigend verschwand. Die Person deS Mannes wurde festgestellt und Anzeige erhoben. □ Leihgestern, 31. Aug. Die Notiz über die hiesige Kirche in Nr. 202 d. Bl. vom 29. August veranlaßt nuch zu einer kurzen Ergänzung. Nicht zwei gotische, sondern vier romanische Fenster wurden in der nördlichen Wand der Kirche aufgefunden, und zwar gleich nach dem Einsturz des Gewölbes und des Daches. Einen weiteren Anhaltspunkt für die Beurteilung des Altars der Kirche bietet eine Inschrift, welche Prof. Dr. Sauer-Gießen an der Turmwand hinter der Orgel nach Entfernung des Anstrichs bloßgelegt hat. Sie lautet, so weit sie erhalten ift: „Templnm hoc arenatum et renovatum est anno 1602 die XX. Septembris sub acra ac piis precibus Georgii Henrici Heel Darm st. p. t. (fr) pastoris huius loci. Memento mei Dens meus in bonhm. Neh. XIII. V. 31.“ — Diese Inschrift befindet ich unterhalb einer gleichfalls bloßgelegten, aber nur mangelhaft erhaltenen gemalten Kreuzigungsgruppe, die wohl au5 nlheret Zelt stammt als die Inschrift. — Auch an den Chorwänden (Untergeschoß des Turmes) hat der genannte Herr nach Beseitigung des Anstrichs alte Malereien entdeckt. (Apostelbilder.) Eine Blatt-Verzierung, die dabei zum Vor- chein gekommen ist, stimmt mit einer solchen in der Kirche zu Großen-Lindcn überein. Strack, Dekan. r. Alsfeld, 31. Aug. In seiner Sitzung vom 30. er. beschloß der hiesige Gemeinderat einstimmig den Neubau einer Stadtschule und einer Oberrealschule und bewilligte für diesen Zweck 250000 Mk. Das seitherige Stadt- chulgebäude entspricht den Verhältnissen auch keineswegs mehr, und einzelne Schulräume mußten bereits, da sie zu dunkel sind, außer Benutzung gesetzt werden. Alich in Bezug auf die Schülerzahl genügen die zur Verfügung stehenden Räume absolut nicht mehr. Mit Rücksicht auf die hier am Platz zur Verfügung stehenden 9(rbcit§fräftc wurde beschlossen, die beiden Gebäude nicht gleichzeitig in Angriff zu nehmen, und dem Neubau der Oberrealschule den Vorzug zu geben. Offenbach, 31. Aug. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte den die Eingemeindung der Nachbar- gemeinde Bürgel betreffenden Vertrag, der Gemeinderat von Bürgel stimmte ihm ebenfalls zu. Ferner nahm die Stadtverordnetenversammlung die Vorlage über Erbauung und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn nach Bürgel an. AuS Rheinhessen, 31. Aug. Auf Anordnung der Kreisämter haben in den letzten Tagen mehrere Bürgermeistereien durch ortsübliche Bekanntmachung die Dorfbewohner auffordern lassen, den Zigeunern, die gegenwärtig die Landgemeinden schwer Heimsuchen, keine Almosen zu verabreichen und auch keine Waren zu verkaufen, besonders keinen Alkohol. (Fks. Ztg.) Frankfurt a. M., 1. Sept. In 15 Volksversammlungen wurde gestern abend gegen bic ©timmen vieler Brauereiarbeiter, denen Aussperrung droht, der Boykott über alle Brauereien beschlossen. h. Frankfurt a. M., 31. Aug. In der gestrigen Sitzung des Gewcrkschaftskartells teilte ein Redner mit, daß die Arbciterausschüsse der Brauereiarbeiter zu den Direktoren beschieden worden seien, und ihnen mitgeteilt wurde, daß sic in den am Freitag stattfindenden Versammlungen verhüten sollten, daß der Bierboykott verhängt ivürde. Täten sie das nicht, so würde Samstag den be st bezahlten organisierten Arbeitern gekündigt werden, und diese müßten bei späterer cuent. Wiedereinstellung mit dem niedrigsten Lohnsatz anfangen. — Mit dem 1. September tritt der erhöhte Milchpreis von 22 Pfg. für den Liter in Kraft. Es werden energische Versuche seitens der organisierten Arbeiterschaft gemacht, diesem Aufschlag zu begegnen, doch dürfte der Kampf ein recht schwerer werden, da für ausländische Milchversorgnng nur Dänemark in Betracht kommt und viele Schwierigkeiten für den Bezug der dortigen Milch zu überwinden sind. — Der Schauspieler Alexis Müller verabschiedete sich gestern abend nach 50jähriger Tätigkeit an der hiesigen Bühne vom Frankfurter Publikum, um ins Privatleben zu treten. Zahlreiche Ovationen und Blumenspenden legten von der Beliebtheit des trefflichen Künstlers Zeugnis ab. U. Griesheim, 31. Aug. In der chemischen Fabrik von Marx L Müller sind heute zwei Arbeiter verunglückt, die mit Kesselreinigen beschäftigt waren. AlS man die beiden Verunglückten auffand, war einer bereits tot, während der andere noch Lebenszeichen üou sich gab. Ob giftige Gase die Todesursache waren, wird die Untersiichlmg ergeben. Biedenkopf, 30. Aug. Der von der Metzer Staats- omvaltschaft steckbrieflich verfolgte kr oa t isch e Ra u brn ö rd e r Rogis, auf dessen Ergreifliug 300 Mark Belohnung ausgesetzt sind, soll bei Battenberg von Gendarmen ergriffen worden fein. Arbeiterbewegung. Grenoble, 31. Aug. Die aus ständigen Metallarbeiter, deren Zahl bereits 12 000 erreicht hat, veranstalten Straßenkundgebungen, um die Tuch- und Knopfarbeiter zum Anschlüsse an den Ausstand zu bewegen. Madrid, 31. Aug. Die Bäcker von La Coruna beabsichtigen, einen Generalstreik ins Werk zu setzen. Prag, 31. Aug. Der Ausstand int Brüxer Kohlenbezirk ist auf vier Schächte beschränkt geblieben. Die Einfahrt war gestern abend und heute früh gering. Die Ruhe ist nirgends gestört. Im Durer Revier hat sich der Ausstand weiter ausgedehnt. Die Belegschaft der vom Ausstand betroffenen Schächte fuhr vormittags in geringer Zahl an. Man erwartet die Antwort der Grubenbesitzer auf die Forderungen der Arbeiter für den 10. September. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Die Ernteergebnisse Deutschlands werden annähernd geschätzt: Für Weizen auf 40, Roggen 98, Gerste 39, und Hafer 81 Millionen Meterzentner, die Einfuhr unter Berücksichtigung des Konsums für Weizen auf 22, Roggen 3, Gerste 16, Hafer 4 und Mais 11 Millionen Meterzentner. Die Ernte Frankreichs beträgt: Weiten 94, Roggen 13, Gerste 9, Hafer 38 und Mais 5 Mill. M. Z. Die Einfuhr dürste betragen: Weizen 12, Roggen 1, Gerste 3, Hafer 5, Mais 5 Mill. Meterzentner. Tie einführenden Staaten weisen folgende Ernte auf: Weizen 261, Roggen 165, Gerste 105, Hafer 198 und Mais 55 Mill. M. Z., wogegen ihr Bedarf in Weizen 410, Roggen 184, Gerste 146, Hafer 226 und Mais 115 Mill. M. Z. beträgt.. Von den ausführenden Staaten führt der Bericht das Russische Reich mit einem Erträgnis an Weizen von 100, Gerste 70, Hgser 130, Mais 9 auf, wovon der Ausfuhrüberschuß an Weizen 27, Gerftc 18, Hafer 8, Mais 3 Mill. M. Z. beträgt. Dem Erträgnisse an Roggen mit 175 Mill, wird ein Bedarf von 182 Mill, entgegengestellt, wodurch Roggen ein Manko von 6 Mül. M. Z. aufweist. Das Erträgnis O st i n d i e n s wird geschätzt: an Weizen auf 86, Gerste 31, Mais 30 Mill. M. Z. Das Erträgnis der Vereinigten Staaten ist: Weizen 301, Hafer 137, und Mais 692 Mill. M. Z., wovon der Ausfuhrüberschuß an Wetzen 70, an Hafer 5, an Mais 30 Mill. M. Z. beträgt. Der Bericht hebt hervor, daß Rußland bisher schon 4 Mill. M. Z. Getreide für die Einfuhr gekauft habe, und daß noch weitere Einkäufe bevorstehen. , • v ~ " Universitäts-Nachrichten. Die Technische Hochschule zu Darmstadt hatte tm Studienjahr 1905 bis 1906 ein" Erweiterung zu verzeichnen durch Angliederung einer amtlichen. Papierprüfungsstelle, deren Leitung dem ordentlichen Professor des Maschinenbaues v. Roeßler übertragen wurde. Neu eingerichtet wurde ferner eine funkentelegraphische Anlage. Die mit der preußischen Regierung getroffene Vereinbarung wegen der gegenseitigen staatlichen Gleichstellung und Anerkennung der Staatsprüfungen im Hochbau-, Ingenieur-, Bau- und Maschinenbaus ch, wurde dahin abgeändert, daß die bei der Technischen Hochschule in Darmstadt erfolgte Ablegung der Diplomprüfung bei der späteren Zulassung in Preußen zur Baumeisterprüfung, sowie bei der Zulassung zum höheren preußischen Staatsdienst die gleiche Wirkung haben soll, als wenn die Prüfung bei einer der preußischen Technischen Hochschulen in Aachen, Berlin, Danzig und Hannover abgelegt worden wäre und umgekehrt. Die Angehörigen des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin oder der Reichslande Elsaß-Loth- ringen können sich in Schwerin oder in Straßburg als Staats- anwärter für den dortigen höheren Baudienst melden, wenn sie beim Technischen Prüfungsamte in Darmstadt, die Vorprüfung, und erste Hauptprüsung im Hochbaufache oder int Bauingenieur» äche bestanden, oder bei der Technischen Hochschule in Darmstadt die Diplomprüfung abgelegt haben. Hinsichtlich ber Vorbereitung zur pharmazeutischen Staatsprüfung steht die Hochschule der Universität gleich. Die Gesamtzahl der Besucher im Sommerhalbjahr 1906 betrug 1837, davon falten 661 auf die Maschinen- bauabteilung, 285 auf Architektur, 289 auf Jngenieurwesen, 322, auf Elektrotechnik. Chemiker, Elektrotechniker und Pharmazeuten waren 169 vorhanden, die übrigen Hörer verteilten sich auf Vorlesungen allgemeiner Art. Während früher die elektrotechnische Abteiluna die größte Besucherzisser aufwies, gilt dies jetzt vom Maschinenbau. Vermischtes. Berlin, 31. Aug. Wegen Verbrechens gegen keimendes Leben sind in das Charlottenburger Amtsgerichtsgefängnis eine Hebamme und die Tochter einer dortigen vornehmen Familie eingeliefert worden. Die Verhaftung erfolgte auf Grund einer anonymen Denunziation an die Staatsanwaltschaft. Eine Haftentlassung der Hebamme ist abgelehnt worden, dagegen soll derjenigen des jungen Mädchens gegen Stellung einer beträchtlichen Kaution, zu welcher sich der Vater bereit erklärt hat, entsprochen werden. * Stockholm, 31. Aug. Nach einer Meldung der National-Tidende ist der Reise-Marschall der Königin Sophie von Schweden, der Kammerhcrr Graf Wr angel, nach Amerika geflüchtet, um einer verlangten Rechenschaft über ihm anvertraute Gelder auszuwcichen. Es heißt, der Kanunerherr habe im Winter, als das Königspaar auf Cap Martin weilte, tu Monte Carlo hohe Beträge, die er der Reisekasse deS Königspaares entnahm, verspielt, die zu ersetzen ihm nicht möglich ist. * 91 u§ den Alpen, 31. Aug. In den südlichen Tiroler Grenzgebieten, namentlich bei Pozzalchio im Brandtale unweit Rovereit und in den südlichen Tälern deS Monte Tessini erfolgte ein wellenförmiges Erdbeben. Es entstanden mehrfach Spalten im Boden. — Bei ©ulten in den Urner Alpen verunglückte der Bergführer Florian Gehrig. Er war auf einer Bergwiese mit Heuen beschäftigt, als die Nachricht kam, daß zwei führerlose Fremde in eine Gletscherspalte gestürzt seien. Bei dem Ncttungswerke stürzte Gehrig in die Spalte und konnte nur als Leiche geborgen werden, während die beiden Touristen nur leicht verletzt waren und gerettet wurden. * Genf, 31. Aug. Ein Teilnehmer des Espanteristen- Kongresses, der 60 jährige Zolldirektor Richard John Lloyd auS Liverpool, ist auf einem Spaziergang am Rhoneufer unterhalb Genf auf unaufgeklärteWeiseverschwunden. Er befand sich in Begleitung seiner Tochter, die ihn an einer Stelle, wo der Weg sich hoch an einem waldigen Uferhang hinzieht, auS den 9(ugen verloren hat und annimmt, er sei infolge eines Fehltrittes in den Fluß gestürzt und ertrunken. * Newyork, 31. 9(ug. In Greenwood (Carolina) haben große 9lusschreitungen von Weißen gegen die Negerbevölkerung ftattgefunben. Ein Neger hatte einen leichten Diebstahl begangen und war auf einige Tage eingesperrt worden. Der Pöbel stürmte nun daS Gefängnis und lynchte den Neger. Dann richteten die Weißen ein wahres Blutbad unter den Negern an. lieber hundert Schwarze wurden gemordet. * Peter Rosegger als Waldschulmeister. Ein wundervolles, poesiereiches Den Im al für den Dichter! Peter Rosegger wird in diesem Herbst noch in Kapfenberg, am Eingang zum Murztal in Steiermark gesetzt werden. Der Denkstein, den man dem feinfühligen Poeten noch bet Lebzeiten weiht, wird die Gestalt eines Märchens b r u n n e n s haben und ist von seinem Schöpfer, dem Grazer Bildhauer Brandstetter, bereits im Modell vollendet worden. Es zeigt symbolisiert den Dichter Rosegger als Schilderen der Natur, des Waldes und feiner Bewohner. Mm Rande des Brunnens, der aus einem Felsspalt heraus sein Wasser erhalt, sitzt ein Jüngling, der die Züge des jugendlichen Rosegger von einst tragt — ein Waldschulmeister scheint er zu fein, der mit einem' jungen Reh, das sich ihm genähert hat, eine z-arte Zwiesprache hält, als wolle er das schlanke Tier plaudernd über die Schönheit seines heimischen WaldeS belehren, ganz so wie es Rosegger der Menschheit gegenüber tut. Das Denkmal ward- aus Spenden bestritten, die sowohl aus Deutschland wie aus Oesterreich zusammenkamen. Tie Gruppe wird jetzt in Bronze gegossen und nahezu drei Meter Höhe haben. Ter Brunnenaufbau ist aus rötlichem: schwedischen Granit. 'Der Mann mit dem längsten Nam en. Dst Kanaken, die Einwohner der SandwichSinseln, rühmen sich, die längsten Namen zu besitzen. Die amerikanische Verwaltung, die feit einigen Jahren ans den Inseln eingeführt ist, zeigt sich allerdings nicht sehr entzückt von diesen unaussprechlichen Bandwürmern. So war neulich in einer gegen die Regierung anhängig gemachten Klage ein Zeuge erschienen, der den niedlichen Namen „Kaikinakaoili likea Lenoilaina- kahikikiapuokalani* führte. Dieser Name dürste wohl den Rekord halten. Interessant wäre es nur, zu erfahren, mit welchem abgekürzten Kosenamen ihn feine liebende Gattin anredet. * Moderne Kinder. Tante: „Mer Fritz, was ist denn dem Karl geschehen? Der ist ja kreidebleich!" — Der kleine Karl: „Wir haben wegen der Emma ein amerikanisches Duell gehabt! Ich hab die schwarze Kugel gezogen und eine Zigarre rauchen müssen!" Drechens gcqen Charlottenburger Amts. ^Tochter einer dortigen m- D'e Verhaftung er. L ^Enunziation an die Jun9 der Hebamme ist derjenigen des jungen trächtlichen Kaution, zu hat, entfvrochen werden, rch einer Meldung der chall der Königin Sophie Graf Wrangel, nach verlangten Rechenschaft reichen. Es heißt, KönigSpaar auf W Beträge, die er her hm, verspielt, -iezu ?rung" zu batte ^ü'''''gsL^en C’-qcn Lf :9Jcrun9 gL ’tu’u«9en Ä ÄL • rnDarmL^udert «te sum preußischen fcSSS - bochschule^Mmeur. >«li« mg h.{ JJ1 Borbereit- btt ^Ähh, ’4ttuIe |. In den südlichen mtlich bei Pozzalchia im den südlichen Tälern deS ewiges Erdbeben. Es den. — Bei Suiten in ]fiit)rerfortan Gehrig. 'nen befääftigt, als bie :embc in eine Gletscher« geroerfe fiürjte Gehrig »ich? geborgen werben, cht verletzt waren nnb timet beS Gyanieristen« )t MarbIohn Llonb iziergang am Rhoneuser Weiseverschwunden. Tochter, die ihn an einer einem waldigen Userhang hat und annimmt er sei „6 yfürjt »"d «fr*. n der inccham scheu Schreinerei von Bollert zu Can n st a t t brach ,v eu e r aus. Das ganze Anwesen ist nieder gebrannt — Uuf der Zecke Karolinenglück bei Hamme kamen zwei Arbeiter unter herabstür^endes Gestein. Einer wurde getötet, der andere erlitt schwere Verletzungen. — Aus Trieft wird gemeldet, daß dort der Pater Ciarchi und die falsche Nichte N a m v o ll a s aus dem Nachlaß des verstorbenen Pfarrers der Lriester ^euutcnurche 15 000 Kronen in Wertpapieren gestohlen haben. — ,^er Dampfer „Kassa" der Seeschisfah-i-tsgesellschast Adria ist nut voller Ladung, aus Genua kommend, bei der Insel Elba g e j u n k e n. ^.ie Mannschaft konnte gerettet werden. Das Schiss war versichert. — Heute stiess das Automobil des Posener Kau,manns Plonsk auf der Chaussee von Posen nach Gurtschin gegen einen Prellstein. Plonsk wurde getötet, der Chauffeur lebensgesahrlich verletzt — Seit 10 Tagen kam im Gefängnis von Traporant (Türfcij kein Pestfall vor. Die Pest ist somit als erlo,chen zu betrachten. Fanittieir-Nacyrrchten. Verlobte. Fräulein Emnia Nohl, mit Herrn Heinrich Scheuermami, Echzell. . (9 e ft o r b e n c. Herr Ludwig Körbächer, Wetzlar. tyraulein Marie Etz, Torn-Assenheim. — Frail Maria Katharine Jung, geb. Müller, Angenrod. OrSginal-Drahtmeldungen. Düsseldorf, 1. Sept. Heute früh 6 Uhr fand auf dem Hofe des hiesigen Zellengefängniffes die Hinrichtung der beiden Brüder Adolf und Leonhard Bloeiners, welche vom hiesigen Schwurgerichte am 22. März d. Js. wegen Ermordung des Oberstleutnants a. D. N o o? in München- Gladbach zum Tode verurteilt morden ivaren, durch den Scharfrichter Schwitz-BreSlau statt. Ueber das Schicksal der gleichfalls zum Tode veriirteilten Ehefrau Anna Bloemers ist noch keine Entscheidl,ng getroffen. London, 1. Sept. Die Hitze erreichte gestern 36 Grad im Schatten und 43 in der Sonne. Zahlreiche Hitzschläge waren zu verzeichnen, von denen mehrere einen tötlichen Verlauf nahmen. Prag, l.Sept. Die Zahl der streikenden Kohlen- ar beiter ist auf 4300 gewachsen, verteilt auf 29 Schächte, von denen 20 gänzlich stillstehen. Am Sonntag soll die Ent« scheidung fallen, ob der Streik fortgesetzt und allgemein werden soll. Das Teplitzer Revier ist bisher unberührt, weil die dortigen Führer erklären, datz weder Unzufriedenheit mit den Löhnen, noch anderer Anlaß vorliege. Petersburg, 1. Sept. Stolypin richtete neuerdings einen Erlass an sämtliche Gouvernenre. in welchem diese ermahnt werden, sich nicht durch die 9(ttentntc einschüchtern zu lassen und dllrch st r e n g e Durchführung ihrer dienstlichen Verpflichtungen ihre Ergebenheit für den Zaren zu bekunden. Weiter wird ein Instizerlatz vorbereitet, durch welchen das ganze Russland nach ausländischem Muster umgewandelt wird. Riga, 1. Sept Die Polizei verhaftete gestern 108 streikende Strassenbahner. Sie werden ausgewiesen. Bei der orthodoxen Kathedrale brachten nachts Revolutionäre eine Bombe zur Explosion und bei einem Pfeiler der elektrischen Bahn an der Revalstratze eine weitere Bombe. Mide richteten mir geringen Schaden an. New-Port, 1. September. Nach einer Depesche auL Havanna sind die deutschen Interessen in der Provinz Pinar del Rio, wo grosse Plantagen Deutschen gehören, durch die Rebellen schwer geschädigt. Es heitzt. datz die Deiitschen in Havanna ihre Negierung ersuchen wollen, ein Kriegsschiff zum Schuhe ihrer Interessen zu entsenden. Ein Schiff, das 15 000 Gewehre für die Rebellen an Bord hatte, wurde von der amerikanischen Regierung in Delaware abgefaßt. Havanna, 1. Sept. Die Gesuche der Amerikaner, welche Eigentum auf Kuba besitzen, um Intervention der Union- Regierung werden immer z a h l r e i ch e r. Zwei Zucker-Plantagen wurden geplündert, zahlreiche Arbeits-Vorräte zerstört. Die Rebellen hinterließen den Eigentümern, denen sie Pferde und Lebensmittel abnahmen, nur Schuldscheine ohne Wert. Eine deutsche Tabak-Plantage in der Provinz Pinar del Rio ist stark beschädigt worden. .. Tanger, 1. Sept. Leute deS Fah-StammeS griffen vor den Toren der Stadt Anghera-Leute an und entriffen ihnen olle Vorräte, die sie nach der Stadt bringen wollten. Die Nachbarstämme sind durch diese Tat beunruhigt. Wichtig für jede Hausfrau die Obst einmacht! Die nachstehend verzeichneten, modern ausgestatteten und in drei Farben gedruckten Schilder sind in beliebiger Anzahl zu billigen Preisen zu haben. Kleinere Schilder sind vorrätig mit folgendem Eindruck: Apfelgelee Johannisbeergelee Quittenmarmelade Apfelsinenmarmelade Johannisbeermarmelade Reineclauden Birnen Birnhonig Kirschen Kürbis Stachelbeeren T nm atpn Brombeergelee Dreimus Logansbeergelee Mirabellen 1 UUlUlVll Tomalenmus Erdbeeren Mixpickles Wallnüsse Erdbeersaft Quitten Zuckergurken Himbeermarmelade Quittengelee Zwetschen Grössere Schilder sind vorrätig mit folgendem Eindruck: Aepfel Heidelbeersaft Karotten Aprikosen Heidelbeerwein Kirschsaft Apfelsinen Himbeersaft Pfirsiche Bohnen Johannisbeeren Rotkraut Erbsen Johannisbeersaft Stachelbeerwein Heidelbeeren Johannisbeerwein Zwetschenmus Nicht aufgeführte Bezeichnungen werden ohne Preisaufschlag in kürzester Frist eingedruckt. Brühl’sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei Giessen. Schulstrasse 7. geb. Lcmp jagen tiefgefühlten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Weißbindermeister. 5234 Veteranen-Verein 06357] traurige Ableben Wir Pflicht, unseres Die trauemben Hinterbliebenen: Willy Körbächer Fritz Lang und Frau geb. Körbächer Robert Mainzer u. Frau geb. Körbächer Gießen. erfüllen hiermit die unsere Mitglieder von dem Kameraden Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 5 Uhr in Wetzlar von der Friedhofskapelte aus statt. Heuchelheim, Treis a. Lda., Gießen, Darmstadt, Duisburg, Friedberg, Schwalheim, Chicago, den 1. September 1906. Heute morgen 1 Uhr verschied nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im 64. Lebensjahr meine iunigstgeliebte Frau, unsere treu sorgende Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Großmutter und Tante & Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. September, nachmittags 12% Uhr, vom Sterbehause, Kinzenbacher Straße 21, aus statt. 5246 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Müller. Die Erklärung der Maler- und Weißbinderinnung vom 29. August 1906 in Nr. 203 des „Gießener Anzeiger" zwingt mich zu einer Gegenerklärung, obgleich ich eigentlich mit einer Maler- und Weistbindcrinuung Gießens nicht gern etwas zu tun habe, was mein bereits am 4. Mai d. Js. erfolgter Austritt zur Genüge beweisen könnte; allein die Erklärung »erlangt Erwähnung einer wohl absichtlich verschwiegenen Tatsache und das ist mein Austritt aus der Innung, den ich durch eingeschriebenen Brief vom 4. Mai d. Js., adressiert an den Vorsitzenden der Innung, erklärt habe. Da ich der Innung also nicht mehr angehörte, konnte ich auch nicht die Pflichten eines Jnnungsmitgliedes der Innung gegenüber verletzt haben, und damit dürfte der persönliche Angriff gegen mich erledigt sein; hätte man eben in allen Stücken der Wahrheit die Ghre geschenkt, so hätte man mir diese Erwiderung gespart. Nun sei noch erwähnt, weshalb ich aus der Innung, unmittelbar auf meinen Eintritt hin, vor bereits 4 Monaten wieder ausgetreten bin. Als man mich, da ich absolut nicht der Innung beitreten wollte, zur Mitgliedschaft keilte, hieß es, der Zweck der Innung sei, das ungesunde Submissionswesen zu unterbinden, zu verhüten, daß durch Submission das Publikum billige aber schlechte Arbeit geliefert bekäme, und es sollten bessere Preise für die Unternehmer d. h. die Jnnungsmitglieder erzielt werden. Das war der Speck, mit dem man die Mäuse fangen wollte und auch fing; nachdem ich aber so in die mir gestellte Falle hineingeraten war, wurde mir der wirkliche Zweck der Innung klar und der scheint mir der zu sein, den selbständigen, leistungsfähigen Meistern die Hände zu binden, sie zu zwingen, mit den anderen, die nicht mit ihm konkurrieren können, Hand in Hand zu gehen, zusammen mit den änderest, auch mit Pfuschern unter ihnen zu arbeiten, sein gutes Material, eigene reiche Erfahrung, gute Arbeitskräfte eventuell Unfähigen zur Verfügung zu stellen, sodaß diese mitarbeiten können. Ob ich bei Feststellung meiner Submissionspreise auf meine Rechnung komme, ist doch schließlich meine Sache. Aber was würde erübrigt in Gemeinschaft mit 6 oder 8 Meisterin, die an einer Arbeit zusammen schaffen sollen, tuic es die Innung wünscht? Was ich für meine reellen und doch billigen Preise leiste, zeigt mein Crfolg durch immerwährende Neuaufträgc. Daß ich allein es mit der ganzen Weißbinderinnung aufnehme, erkläre ich hiermit und werde es im Konkurrenzkampf auch beweisen, wenn nicht die Innung sich demnächst von selbst in Wohlgefallen auflöst, weil die tüchtigen und konkurrenzfähigen Meister sich ebenso wie ich mich für zu gut Ijalten, durch tadellose Arbeit den weniger leistenden Jnnungsgenossen Beschäftigung und Verwendung zu beschaffen. Ich habe mich gewundert, daß man sich mit einem der Innung schon lange nicht mehr angehörenden Mitglied derartig beschäftigt, und die eigentlichen der Innung noch angehörenden Mitglieder, die die Preise so genau einhalten, sogar 30—40 % unter die festgesetzten Jnnungspreise gegangen sind, weiter ungeschoren läßt. Ich will nur die Jmnmgsmeister Chr. Schmidt (Bürgermeisterei), Georg Mvhl (städtische Kaserne) und Gmil Schwall (städtische Mädchenschule) nennen. Wer in einem Glashause sitzt, soll bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Die Maler- und Weißbinder-Jnnung stützt die Publikation ihrer Erklärung auf den § 59 ihres für mich doch seit dem 4. Mai cr. nicht mehr anwendbaren Jnnungs- statuts und glaubt dadurch sich gesichert gegen eine etwa von mir anzustrengende Jnjurienklage; allein dagegen braucht sie sich nicht zu sichern! Die Weißbinderinnung mag meiner spotten, mich schmähen, mir ist es einerlei, das Publikum kennt jetzt meine Stellungnahme, ihm gegenüber bin ich gerechtfertigt; die Gicstencr Weistbinder- innung mag machen, was ihr beliebt, ich will in keiner Weise mehr etwas mit ihr zu tun haben (wohl bemerkt mit der Jnmmg, nicht mit ihren einzelnen Mitgliedern), denn wer Schmutz angreift besudelt sich. Karl Nikolaus T odes-Anzeige Heute morgen entschlief nach längerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel Herr Ludwig Körbächer Weichensteller i. P. was wir Freunden und Bekannten schmerzerfüllt mitteilen. Wetzlar, den 31. August 1906. Fechtverband Giessen-Lahr. Wir bringen unfern Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser langjähriges, verdienstvolles Mitglied Herr Prokurist Keil nach langem, schweren Leiden verschieden ist. Wir »erben dem Verdorbenen ein treues Andenken bewahren. Der Borstarrd. Ludwig Körbächer geziemend in Kenntnis zu setzen. Der Vorstand. Die Beerdigung findet in Wetzlar Sonntag den 2. September, nachmittags 5 Uhr, statt. v‘/9 Hautkrankheiten Pusteln, Mitesser, Ausschläge, Wundsein beseitigt vrornptBörner'sMedizinai- Seife „Isolde". Z.h.i. all. Apotb., Trog. u. Parfum. Fabrikanten: |bl,/8 J. Börner & Co.. Hanau a. M. Niederlage: Kreuz-Drogerie Aug. Noll, Bahnhofstraße 51. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem so schweren Verluste unserer lieben Hedwig sowie für die vielen Blumenspenden sagen wir hiermit unseren tiefgefühltesten Dank. 5236 Faniilie War Bomarn. Tanksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem .Hinscheiden unseres unvergeßlichen Vaters, Großvaters und Schwiegervaters Jakob Gerhard, Königl. Bahaineijter i. P Friedberg, Gießen, Oppenheim a. Rh., den 31. August 1906. 5235 Gießen, den 1. September 1906. 5262 Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei unserm schweren Verlust, sowie für die vielen Blumenspenden sagen innigen Dank Familien Ed. Michaelis. E. Kluge Wwe. B. Wolf. A. Dürr. Arbeitsvergebmrg. Nachstehende Weitzbinderarbeiten zum Neubau des Stadl- theaterS m Gießen sollen im Wege des öffentlichen Angebotes vergeben werden. 1. ca; 7750 qm. Wand« und Deckenputz. 2. ca: 100 „ 5 cm. stk. Rabitzwände. 3. ca: 1520 „ Facadenputz. Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen, Bedingungen und Angebots« sormulare liegen im Bureau des Architekten Haus Meyer Weston« läge 6 dahier, zur Einsicht offen und können daselbst zum Selbstkostenpreis erhoben werden. Die Angebote sind bis zum EröffnungSlermin am SamSrag den 15. September vorm. 11 Uhr mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an unS einzureichen. Gießen, den 1. Sept. 1906. D7o- Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Meuem. Scriiingiinij wn Melioratiölislirbeittli. Die für Feldbereinignng Gießen littkS der Lahn erforder« lichen, nachverzeichneten Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots m mehreren Losen vergeben werden und zwar: 1) Drainagearbeilen 35000 lfdm. 2) Anfahren von Drainröhren 4970 Ztr. 3) Berschleifen alter Gräben 6800 lsdm. 4) Grabenarbeiten 2280 lsdm. 5) Chaussierungsarbeiten 3940 qm. 6) Verlegen von Zementröhren 324 Stck. 7) Anliefern von Basaltsteinen 1070 Kbm. 8) Anliefern von Kies 126 „ 9) Anliefern von Zementröhren 324 Stck. 10) Aufsetzen von Steinen und Messen deS UebergrünbungsmaterialeS 1130 Kbm. Ae Verdingungsunterlagen liegen bei der unterzeichneten Behörde während der Dienststunden zur Einsicht offen. Die Angebote haben in Prozeuten deS Kostenanschlags zu erfolgen, sind verschl., postfrei und mit «tspr. Aufschrift versehen bis Dienstag Den 11. September d. IS. vorm. 10 Uhr bei UNS einzureichen, Ivoselbst deren Eröffnung, um die angegebene Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bieter slatrfindct. Zu- schtagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 31. August 1906. Bl/0. Großh. AuUuririspektiorr Gießen. I. L. Wallek. Bekanntmachung. Die von dem Großherzoglichen Steuerkommissariat Gießen ausgestellten Hebregister für die Beiträge zu den Kosten der Handelskammer für das Rechnungsjahr 1906/07 liegen 10 Tage lang vom 3. September bis einschließlich 12. September vormittags von 10—12 und nachmittags von 3—5 Uhr im Bureau der Handelskammer, Nord- anlage 15 (Kaufm. Vereinshaus), zur Einsicht offen. Einwendungen gegen ben Inhalt der Hebregister sind innerhalb dieser 10 tägigen Frist bei der Handelskammer schriftlich vorzubringen. Nach Ablauf dieser Frist wird die Handelskammer über die vorgebrachten Einwendungen entscheiden und die Hebregister nach Maßgabe dieser'Entscheidungen, soweit nötig, berichtigen lassen. Gegelt diese Entscheidungen ist innerhalb zweier Wochen Beschwerde an das Großherzogl. Ministerium des Innern zulässig. Gießen, den 31. August 1906. LV. Die Großherzogliche Handelskammer. Koch Städtischer WohMMachmis Meßen. Garteustratze 2, Zimmer Nr. 2. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 8—6 Uhr.) Es sind zu verwtetenr 1 Wohnung von 8 — 9 Zimmern, 1 Wohnung von 5 Ziinmern, 1 Wohnung von 5 Zimmern nedsl Mansarde von 4 Zimmern, 4 Wohnuiraen von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zimmern nebst Küche, 1 Wohnung von 1 Zimmer nebst Küche. Zn mieten gesucht: B1/» 32 Wohnungen von 1—7 Zimmern. Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 Mk. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 Mk. 1,00 Mk.; außerdem ist für jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen. Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelung unentgeltlich._____________ Real-LßMelWle Miltenberg o. R. (Pensionat). Das neue Schuljahr beginntDienstag, den 18.September. Au diesem Tage nehmen die AufnahmS« und Nachprüfungen ihren Anfang, während die Anmeldungen der neueitttrctendcn Schüler bereits in den letzten Tagen der Herbstserien entgegengenomuien werden. Miltenberg, den 30. August 1906. 5225 Das Direktorat: ______________________Kring.______________________ "ÜT Hautkrank- heilen, Haar- und Geschlechtskrankheiten. Behandlung mit Kohlen-, Eisen-, Quecksilberlicht, Lichtbäder, Röntgenstrahlen, Hocbfreqnenzströmen, Elektrostatik und Elektrolyse. Heil- anzeigen: Ausschläge, Flechten, Gesichtspickel, Nasenröte, offene Beine, syphilitische Geschwüre; tieckweiser Haarausfall, Frauenbart: Lupus, Hautkrebs uew. 2519 Frankfurt a. M., Neue Mainzer Strasse 78 (nächst dem Opernplatz). Sprechstunden 10—1, 4—7; Sonntags 10—11 Uhr. Znm „Jagdschlösschen“ DntenhofeaT Gelegentlich der Kirchweihe 06347 Sonntag den 2. und Montag den 3. Septbr. Große Konzerte mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Möhls Tanzschuh Mein diesjähriger Tanzkursns beginnt Montag, den 1. Oktober 1900. Gefl. Anmeldungen erbitte vorher in meiner Wohnung Sonnen« stratze 5 zu machen. Unterricht für Einzelne und Extrapartien erteile zu jeder Tageszeit. 06872 Hochachtungsvoll Joseph Möhl, Tanzlehrer. Verreist Zahnarzt Th. Frutig 0 GSBEB SS8BS6LED 8DD CIS LLlDkWD Giessener Fussballklub 1900 Sonntag, den 2. September 06, nachmittags 41/. Uhr G Wettspiel G unserer zweiten Matmschast gegen die erste Mannschaft des 6). F. E. Victoria. 06354 Spielplatz: Trieb. ELDcMDWLSLiLDcWL-MA «LH GesellscM „Ata“»Giessen. Zu dem Sonntag, den 2. September slattfindenden mit nach dem Windhos (kleiner Saal) beehren wir uns Freunde und Gönner unserer Gesellschaft ganz ergebenst einzuladen. 06353 Abmarsch 3 Uhr von der Lahnbrücke. Der Borstand Sonntag den 2. und Montag den 3. September Kirchweih-Fest wozu ergebenst einladet Säeff'h. KomgB Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Achtung! Lonys-Bierkelisr Achtang! Sonntag, den 2. September 1906 if Eintritt frei! ES ladet ergebenst ein 06382__________________________________L. Wagner. Gleiberg Tonntag, den 2. u. Morrta^, den 3. Sept. Kirchweih-Fest wozu ergebenst einladet 06392 Peter PläKgsken Wirt zum schwarzen Walfisch ÖMteßhoffeei Sonntag, den 2. und Montag, den 3. September Kirchwcih-Fcst wozu ergebenst einladet 5267 Wilhelm Jäger. Weisberg1 Sonntag, den 2. und Montag, den 3. September Hireh.weih.iest Hierzu ladet ergebenst ein 06367 Burgwart Heinrich Reichmann Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Handelsmanns Feist Goldstein in Langsdorf ist infolge eines von dem Gemeinschuldner gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichs- termin auf Mittwoch, den 12. September 1906, vormittags 10 Uhr vor dem Großherzoglichen Amtsgericht in Lich — Zimmer Nr. 1 — anberaumt. Der Nergleichsvorschlag ist auf der GerichtSschreiberei des Konkursgerichts zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. b*/9 Lich, den 29. August 1906. Großherzogl. Amtsgericht. 5266 Vorzügliches Sauerkraut wieder frisch cingetroffen u. billigst bei Augilsl WlillWls vorm. H. E. Jughardt. Marktplatz 15. Telefon 390. Zur Notiz! Mau kann bei den sich uiassenhafi mehrenden zweiselhasienMineln gegen Haarleiden nicht genug auf das bereits seit 38 Jahren sich bewährende, von Autoritäien empfohlene, sich durch Güte und Billigkeit auSzeichncnde Haarwasser von Retter, München aufmerksam machen, welches wirklich leistet, was eö verspricht: Konservierung und Kräftigung der vorhandenen Haare, Reinigung vonSchuppcu, weich und glänzend machen der Haare. Z. b. um 40 Psg. und Mk.1,10 bei [bv*6/i J. H. Fuhr, Souneustr. 25. SS Frachtbriefe mit Firmeneindruck * Sehr billig Brühl’sche Univers.-Druckerei o© --------------------------1----------- Lassen Sie sich nicht durch audercReklamen beirren! 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