Nr. 37 Donnerstag, 1. Februar 1906 Erscheint KgN- mU Tkuknatzme der Sonntags. Die „Gießener ZamiUenblStier- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Laadwttt" erscheuu monatlich einmal. Eichener Anzei 156. Jahrg. Rotationsdruck und Verlag der Trühl'lchen UnwerstlätSdruckerel. 9L Lange, Gießen Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schukltr.7. Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.r Anzeiger Gießer^ General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eießen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. r Deutscher Reichstag. 32. Sitzung vom 31. Januar, 1 Uhr. Das Haus ist schwach beseht. Am Vundcsratstisch: ein Kommissar. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Beratung des vom Abg. Grafen von Hompesch u. Gen. (Ztr.) eingebrachlen Gesetzentwurfes betreffend die Freiheit der Religionsübung (Toleranzantrag). Abg. Frhr. von Hertling (3tr.): Meine Freunde haben in der Tat, wie neulich Herr Schrader Meinte, von der bisherigen Diskussion keinen günstigen Eindruck gehabt. Einmal ist der Grundgedanke des Antrages verschoben worden. Sodann aber sind wir sehr wenig erbaut gewesen von der Behandlung, die der Gegenstand seitens eines einzelnen Redners erfahren hat. Ter Herr Abg. Tr. Müllcr-Mciningen hat offenbar das Milieu verwechselt, in dem er sich befand. Es hat bis jetzt noch kein Abgeordneter den Mut gehabt, eine ernsthafte Angelegenheit im deutschen Reichstage so zu behandeln, wie es der Abg. Tr. Müller getan hat (Sehr richtig! im Zentrum), den Mut gehabt, wenn es sich um einen ernsthaften Gegenstand handelt, hier mit allerlei unkontrollierbaren Histörchen zu kommen. Herr Abg. Tr. Müller meinte mit Recht, er wäre uns sehr unbequem geworden, bin» derartige Dinge pflegen immer auf ihren Urheber zurückzufallcn. Tatsächlich hat Dr. Müller nichts zur Sache vorgebracht. Er hat sich lediglich an den herkömmlichen Namen unseres Antrages gehalten. Er hat den vulgären Ausdruck der Toleranz gebraucht, um eine Variation des Themas zu geben: „Bei Ihnen ist man so intolerant, und Sie wollen Toleranz predigen!" An den Inhalt unseres Antrages hat er sich überhaupt nicht gehalten. Ich hatte anfangs den Eindruck, als ob Herr Tr. Müller den Antrag überhaupt nicht gelesen hat. Der Antrag ist ja in der Tat von vielen, wie Herr Schrader selber sagte, die darüber sprechen und schreiben, nicht gelesen worden. Indessen hat Tr Müller-Meiningen am Schlüsse seiner Rede einige Paragraph‘1 citiert. Ich kann ihm also nicht einmal mildernde Umstände wegen mehr oder minder unverschuldeter Unwissenheit zubilligen (Sehr gut! im Zentrum.) Dr. Müller hat Beichtstuhlgeschichten angeführt. Das sollte man überhaupt nicht tun, da der einen Seite immer der Mund verschlossen ist. Er hat mir dann die Frage vorgelegt: Halten Sie es für eine Sünde, liberale Zeitungen auszutrag-m? Die Beantwortung einer solchen Frage lehne ich einfach ab. Was eine Sünde ist oder nicht, das kann eine politische Versammlung nicht beurteilen. Das Buch des Paters Vitzschnau kenne ich nicht. Daß es vom Bischof gestattet wurde, bedeutet kerne Emvfehlung, sondern lediglich eine Druckerlaubnis. Allerdings berief sich der Abg. Dr. Müller auf die Emvfehlung des Papst 's Pius X Aber auch das imponiert nicht. Man weiß, wie berorrige Empfehlungen zustande kommen. Tie Herren wissen doch auch, daß man im Vatikan kein Deutsch versteht. (Hört, hört!) Das sind einfache Courloisiesachen, ungefähr so, wie wenn ein Landessürst einem Professor einen Orden verleiht. Uebrigens wünsche ich allerdings, daß die geistlichen Behörden in Rom vorstellig werden möchten, das; man in Zukunft recht vorsichtig mit solchen Empfehlungen ist. Ten Abg. Dr. Müller bitte ich übrigens, er solle ruhig fortfahren, wie er es bisher getan hat, durch den Lustgarten unserer Gebete zu wandern und das Unkraut auszujäten. (Heiterkeit.) Durch diese freiwillige Polizeitätigkeit (erneute Heiterkeit) wirkt er vieles gute, und vielleicht fällt auch manches Körnchen für seine eigene Seele ab. (Stürmische Heiterkeit.) Nun zu Dr. David! Wenn die Sozialdemokraten nichts wollten, als die Lage der Arbeiter verbessern, dann könnte auch jeder Katholik ihnen augebören. Aber die Sozialdemokraten stehen auf dem Boden des Klassenkampfes und schüren den Klassenbaß, und so lange dies geschieht, gehören gläubige Christen da nicht hinein. So lange b:r Staat den Schulzwang hat und zu den Schulkosten beitragt, hat er auch die Pflicht, dakür zu sorgen, daß die Kinder als Christ.'N erzogen werden. Unser Antrag will nichts anderes, als die Freiheit der Religionsübung überall einführen. Ich gebe zu, daß durch diesen Anwag mit älteren Theorien gebrochen wird. Es bat daher gar keinen Zweck, uns aus alten Büchern andere romanische katholiiche Grundsätze vorquführen. Ich gebe zu, daß früher anders gedacht wurde, aber für solche Theorien ist heute fein Platz mehr. Ja, wir geben n^ch einen Schritt weiter und faaen: Wir wollen auch gar nicht mehr solche Zustände herbeifuhren. Wir wissen sehr wohl, was wir tun. Wenn wir die freie Religionsübung fordern, so fordern wir sie nicht nur für uns, sondern für alle, wir übernehmen damit die Verpflichtung, die religiösen Anschauungen anderer zu achten. Nun sagt man, unser Antrag sei cm Angriff auf die Staatshoheit. Das ist ganz unrichtig. W'r denken gar nicht daran, eine Trennung von Staat und Kirche in die Wege zu leiten. Wir haben gar keine Veranlassung dazu. Ich erkenne an, daß ein freundliches Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften durebaus nötig ist. Auch auf die vermögensrechtlichen Ansprüche brauchen wir nicht zu verzichten. Wir denken gar nicht daran, mit einem Fedcrswich alle diese Verhältnisse zu beseitigen. Ich bedaure es, daß Frhr. Hehl zu Herrnsheim sich auf da? Gebiet der konfessionellen Statistik begeben hat. Daß wir Katholiken die Minderheit in Deutschland sind, dos wissen wir. Aber aus den Aeußerungen des Frhrn. von Hehl klang es heraus: Wir Protestanten sind die Mehrheit, und wir wollen nicht. Das he'ßt aber eine Frage im Sinuc der Macht entscheiden, nicht im Sinne der Gerechtigkeit! Die Absicht, in die landeskirchliche Souveränetäl der Einzelstaaten einzugreifen, lag uns fern. Weshalb will man aber uns Katholiken die Freiheit nicht geben, wenn wir sie nun einmal wollen? Tas Beispiel der „freien" Schweiz, das Frhr t. Hehl anführte, war recht deplaciert. Denn gerade in der Schweiz sind bie katholischen Kantone einfach vergewaltigt worden. Wie man das Freiheit nennen kann, ist mir unverständlich. Konfessionelle Streitigkeiten liegen un6 wirklich fern. Wir habe.i ganz anderes zu tun, als den Hader der Konfessionen zu entfacKn. Aus dem Geiste Der Versöhnung heraus ist auch unser Anrrag entstanden. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Hoffmann-Berlin (Soz.): Ich Beantrage, diesen Antrag an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen. Wir wollen die Trennung von Kirche und Schule, das hat schon Dr. David vor acht Tagen ausgeführt. Ter Vorredner sagte: Ein Christ könnte nicht Sozialdemokrat sein. ES gibt Geistliche, die gerade umgekehrt denken. So sagte Pfarrer Kutter au§ Der Schweiz: Ein Christ muß Sozialdemokrat fein. In der Schule hat die Religion nichts zu tun, jeder kann seine Kinder ja doch in den Religionsunterricht schicken. Der Vorredner sagte erfreulicherweise, daß das Zentrum seine Ansicht geändert hätte. Vielleicht geht eS noch weiter, am Ende e kennt b-r Papst noch den Darwinismus an. (Heiterkeit.) Wenn man ibn nicht mehr abstreiten kann, erkennt man ihn an, um die Glaubgcn bei der Kirche zu behalten. Allerdings muß man dabei an Den Saure- Trauben-Fuch? denken. (Heiterkeit.) Wenn die Kirche die Macht hätte, würde sie noch ebenso handeln, wie früher. Heute noch kommt eS vor, daß Lehrer und Lehrerinnen wie in Rußland auf administrativem Wege verschickt werden, weil sie „an einem sittlichen Defekt litten", weil sie nicht an Gott glaubten. Wie r Wind von oben weht, so werden die Urteile gefällt. Wer den Mut hat, zu sagen, ich glaube nicht an Gott, wird fortgejagt. Und da? in derselben Zeit, wo der höchste Beamte des Reichs einen Erlaß verliest, nach welchem Offiziere fortgejagt werden sollen, die das Gesetz achten. Dan kann man von uns nicht verlangen, daß wir das Gesetz und die Gerichte achten. Sie tun es ja auch nicht, wenn es Ihnen in den Kram paßt. Gegen das Zentrum muß man mißtrauisch fein. Sie beten zwar: „Und vergib uns unsere Schuld", aber Sie vergeben die Schuld nicht, sondern rufen gern den Staatsanwalt zu Hilfe, wie der Prozeß der Geistlichen von Bonndorf gegen das „Donauefchinger Wochenblatt" beweist. Sogar Meineidssachen gibt es bei Ihnen. Denken Sie an den Pfarrer Gasser! Man kann also ein sehr frommer Mami sein und doch seine Schäflein 3um Me-neid verleiten wollen. Mit dem, was Frhr. von Hertling sagte, schafft man solche Sachen nicht aus der Welt. Ein Pfarrer hat sogar einer Frau die Absolution verweigert, weil ihr Mann ein liberales Blatt austrug. So lange so etwas passiert, können Sie nicht uns zumuten, daß wir an Ihre Toleranz glauben. In Berlin hat man sogar ein Dissidentenkiiid gegen den Willen der Eltern getauft. Es gehört auch zur Toleranz, daß man die Ueber- zeugung anderer achtet und nicht durch solche heimtückische Sachen Zwist in die Familien trägt. Gegen ein solches pfarrherrliches Buschkleppertum müssen wir protestieren. In Bremen mußten sogar Kinder auf Befehl des Senats noch einmal getauft werden, weil der Pfarrer eine falsche Taufformel angewendet hatte. Einige Kinder waren sogar gestorben, da hat der Herrgott im ^Himmel seine Ansicht noch mal revidieren müssen. (Heiterkeit.) In Sanft Johann wurde es sogar verweigert, den Schulkindern Schillers Werke aus- zubäudigen. Soweit haben wir es also schon gebracht. Aber Schiller kann sich trösten, wurde ihm doch um jene Zeit der schöne Vers gewidmet: Deutscher Barde, frei und groß. Seltsam fiel Dein Lebenslos: Stets gefeiert und gepriesen. Stets verketzert und verwiesen. Angestaunt in Deinem Streben Und der Armut preisgegeben. Dumm gelobt und dumm gefabelt Und zuletzt auch noch geadelt. Ach, vergib dem Vaterland, Meister, seinen Unverstand. (Heiterkeit.) Tolerant ist cs auch nicht, wenn man fortgesetzt in Preußen gegen die Feuerbestattung sich auf lehnt; gegen Katholiken, die sich durch Feuer bestatten lassen wollen, wird der Bannstrahl geschleudert. Wir Sozialdemokraten sind es wirklich nicht, die bie Religion untergraben. Tas tut vielmehr unser Kriegsminister, wenn er meini: ob jemand in einem Duell ein anderen töten Darf, das hat er nur mit seinem Gott abzumachcn! Eine gefährliche Theorie! Da könnte ebensogut ein Anarchist fomm.cn und sagen: ob ich jemand in die Luft sprengen soll, darüber bin ich nur meinem Gott Rechensclnsst schuldig! Das sind nun bie Theorien in_ einem christlichen Staate, die der KriegSrninistcr hier vorträgt! (Staatssekretär Graf P o i a b o w S k p ist mittlerweile am Bundcsrats- tifclic erschienen.) Und wie ist Denn baS Töten im Krieg? Das Töten im kleinen ist nur verboten, wer das Töten im großen übt, ist ein tüchtiger Kerl. Wir haben großes Mißtr ’-n gegen den Antrag, besonders in der jetzigen Zeit, wo man bie Schule unter die Botmäßigkeit der Kirche stellen will. Ich kenne einen Fall, wo ein Junge, Der jüdischen Religionsunterricht erhielt, auch noch an dem evangelischen Unterricht in der Mittelschule teilnehmen sollte. (Heiterkeil.) Ter Junge wurde au5 der Schule verwiesen und nicht wieder aufgenommen, obgleich das Gericht die Ausweisung für ungerechtferngr erklärt hatte. Wie find wir in den letzten hundert Jahren immer weiter zurückgegangen! Alerander von Humboldt wollte Freiheit, Erkenntnis und Wissenschaft von der Schule; jetzt aber will man nur Religion, Religion und Religion! 1859 warnte der Wilhelm, der Preußenkönig, den man später den „Großen" nannte, davor, unter dem Deckmantel Der Religion politische Zwecke zu verfolgen. Später aber meinte er: „Die Religion muß dem Volke erhalten bleiben!" Ueberall Rückschritt, und alles aus Furckst vor der Sozialdemokratie! Man klammert sich an die Kirche, um den Staat zu retten! Im preußischen Dreiklassenparlament, aus dem bas Volk ausgeschlossen ist, unb in dem die Herren so hübsch unter sich sind, ist man Drauf und dran, bie Schule völlig ber Kirche auszuliefern; auch bie letzte Zuflucht, bie zum mosaischen Religionsunterricht, wird versperrt! In Frankreich hatte man schon vor der Trennung von Kirckre unb Staat den konfessionellen Unterricht aus ber Schule entfernt; an Denen Stelle steht der Moralunterricht, den wir immer noch nicht haben. Dort wird den Kindern „Achtung und Liebe zu Den Eltern" beigebracht; bei uns heißt es: „Du sollst auf Vater unb Mutter schießen!" (Gröhe Unruhe.) Abg. Stöcker (wirtsch. Vgg.): Es ist schmerzlich, hier im Reichstage eine solche Rede zu hören, schmerzlich nicht sowohl vom Standpunkte ber Religion als vom Standpunkte der Bildung. (Sehr richtig! rechts.) Daß Die Gottes- leugnung auf die ganze Persönlichkeit eines Menschen verderblich wirken muß, ist klar; und gerade die Rede des Vorredners muß uns in biejer Ansckzauung bestärken. Was in Frankreich gelehrt wird, können wir hier nicht brauchen; in 10, 20 Jahren werden sich die verderblichen Folgen solcher Lehren schon auch in Frankreich zeigen. Die biblische Geschichre aus ber Volksschule wegnehmen. heißt ein wichtiges Stück historischer Bildung eliminieren. Und die Anfänge des Christentums aus dem Schulunterricht entfernen, das wäre ein Rückfall in bie Barbarei. Man spielt den Darwinismus gegen bas Christentum aus. Wissen Sie Denn nicht, daß der Darwinismus von der Fachwissenschaft selber aufgegeben ist? (Lachen links.) Herr David kennt die Psychologie des Kindes nicht. Das Kind braucht nicht nur das zu hören, was es schon versteht. Es hat eine ungemein große Fähigkeit, auch die übersinnliche Welt zu ahnen. Man muß und soll ihm vieles sagen, was es noch nicht versteht. Zum Antrag selber habe ich feit der letzten Verhandlung meine Stellung nicht zu ändern brauchen. Ich bin für volle kirchliche Freiheit unter Anerkennung der Staalsobrigkeit. Aber gewisse Grundsätze des vorliegenden Antrags würden auf die Realitäten des Volkslebens sehr ungünstig einwirken. Daher können wir nicht für ihn stimmen. Dagegen haben wir bereit? am 22. Mai eine Resolution einbringen wollen, bie bie Beseitigung aller landes- gesezlichen Bestimmungen verlangt, die der völligen Freiheit ber Religionsübung unb der Vereinigung zu Religionsgesellschaften noch im Wege stehen. Damals fanden wir nicht die nötigen Unterschriften; heute haben wir vielleicht damit mehr Erfolg. Es könnte uns nur erwünscht fein, wenn wir auf diese Weise bie Toleranz- Gesetzentwürfe los würden; das würde nur dem Frieden Dienen. Ihre (nach links) Anschauungen über Toleranz find freilich nicht die meinigen. Sie wollen, daß jeder in der Kirche soll predigen dürfen, was er will. Tas hieße doch nur, Sprengstoff in die Reli- gionsgesellschaft hineintragen I Würden Sie (zum Abg. Schrader) jemals in bie freisinnige Vereinigung einen radikalen Mann hinein, nehmen, der nur käme, um sie zu sprengen? Noch ein Wort zum Abg. Bachem: Er sagte, in deutschen reformierten Staaten seien Lutheraner verbrannt worden, und umgekehrt. Also ganz wie bei der spanischen Inquisition! Tas ist aber nicht richtig. Mir ist nicht ein einziger Fall dieser Art bekannt. Im Gegenteil: die Reformatoren sind stets die entschiedensten Gegner der Ketzerverfolgungen gewesen. Nur in der anglikanischen Kirche sind solche vorgekommen; aber diese Kirche steht nicht auf dem reinen Boden der Reformation. Wenn es dem Zentrum ernst ist mit seinen Bestrebungen, weshalb führt es denn nicht den Toleranzantrag in Bapern ein, wo es doch die Majorität hat? Ich schließe damit, daß der Gesetzentwurf für uns unmöglich ist, wohl aber könnten wir uns auf eine Resolution in dem von mir angedeuteten Sinne einigen, und wir wollen sehen, daß eine solche zustande kommt. (Beifall rechts.) Abg. Fürst Radziwill (Pole)t Der Abg. Dr. Muller hat offene Türen mit großer Emphase eingerannt. Tie Sache darf doch nicht so behandelt werden, daß dadurch Andersgläubige geärgert werden. Was er sagte, gehörte gar nicht hierher. Es handelt sich hier doch nur um die Freiheit der Religionsübung. All ba-5, was er vorlas, wird er doch wohl nicht der Kirche an die Rockschöße hängen wollen. Eptravagg"zen kommen überall vor, wo cs Menschen gibt. Wir haben schon früher für Den Antrag gestimmt, und würden uns sehr freuen, wenn ' ie Darin niedergelegten Gedanken, die sich für die künftige Gestaltung unserer kirchlichen Verhältnisse als sehr fruchtbar erweisen müssen, bald zur Verwirklichung gelangten. Abg. v. Gerlach (frei)’. Vgg.) f In dem Gesetzentwurf liegt in gewissem Sinne ein erster Schritt zur Trennung von Staat unb Kirche, und deshalb begrüße ich das Prinzip des Antrages mit Freuden. Die Kirche als Zwangsinnung zu statuieren, wie es die extremen Gegner dieser Bestreuungen wollen, bedeutet keine Erhöhung, sondern eine Degradierung der Kirche. Der Antrag ist zu begrüßen schon deshalb, weil hier zum ersten Male ein Eingreifen in die kirchliche Gesetzgebung von Reichswegen angebahnt wird. Bei dem heutigen Landtagswahlrechte kann man es nahezu bei jeder Materie als einen Fortschritt ausehen, wenn fie der Reichsgesetzgebung unterstellt wird. Ich bitte Sie deshalb, nehmen sie den Antrag an, nicht des Zentrums, sondern ber Freiheit wegen. Abg. Osel (Ztr.): Ter Abg. Hoffmann hat vom Darwinismus gesprochen, nun, wir wollen uns in Ihre Familienoerhältnisse nicht mischen. (Heiterkeit.) Wenn Sie annehmen, daß Ihre Urgroßväter Affen gewesen seien, wir haben nichts dagegen. (Heiterkeit.) Wir verwahren uns aber von unserer Seite aus gegen solche Verwandtschaftsverhältnisse. (Heiterkeit. Zurufe von den Soz.) Ich schreibe mich mit ’nem C, aber es gibt Leute, die Esel sind, ohne daß fit sich so schreiben. (Große Heiterkeit.) Ter Abg. Tr. Müller-Meiningen Hai das Buch „Geistige Standesunterweisung" ganz falsch zitiert, der Verfasser schreibt sich nicht mit ’nem B, sondern mit 'nem P. (Große Heiterkeit.) Ja, das sind Kleinigkeiten, aber es beweist doch, tote flüchtig der Abg. Müller getoefen ist. Wenn ist es so machen wollte wie er und mir eine Windmühle fonftrv’ercn wollte, um dagegen anzurennen, wie der bekannte spanische Hidalgo, dann könnte ich ja auch manches hier sagen. So könnte ich z. V. sagen: Was ist bas denn für eine Partei, in der Seyboths und Sartoriusse möglich sind? (Unruhe links.) Ich tue das natürlich nicht. Der Abg. Muller sagte zu uns: „Sie können nur noch grunzen". Ter Ausdruck liegt ihm allerdings nahe, er befaßt sich ja mit Vorliebe mit Schweinereien (Heiterkeit), tote sein bekannter Vers auf den Landwirtsckastsminister: „Er züchtet schöne Säue auf, für Sauzucht ist er Lehrer" zur Genüge betoeist. Dir wollen den Antrag vom positiv-christlichen Standpunkte aus bcfjanbelt sehen, aber nicht vom Standpunkte des Abg. Müller-Metningen aus, der weder Protestant, noch Jud', noch Katholik ist. (Heiterkeit und Beifall im Zentrum.). Abg. Schrader (freif. Vgg.) spricht seine Freude darüber aus, daß das Zentrum heute einen ganz anderen Standpunkt eingenommen habe, als fr er. Die weiteren Bemerkungen des Redners bleiben unverständlich. Abg. Dr. Muller-Meiningen (freis. Vp.): Einen größeren Kontrast als zwischen den Reden der Kollegen Frhrn. v. Hertling und Osel kann ich mir nicht vorstellen. Um manchen Treibereien entgegenzulreten, will ich zunächst nur kon- stattcren: ich habe nur für meine Person gesprochen, weil wegen dieser Frage keine Fraktionssitzima mehr staitgesunDcn hat. Trotzdem betone ich aber, daß in der Beurteilung des zweiten Teils des Antrages meine Partei vollständig einig ist. Es ist wirklich kein Hontgschlecken, gegen die mächtigste Partei hier im Hause zu gegen u- Trag- der großen staaten Aber machen. ES mit, Tie ? ^unfl dc4 datz sie a der äußer tac\ kreuz Einzelfwa Gegengen längst DO halten de forberungi Fortsetzun sie nur fii hier notroi faqS1 sm Loch bn§ Linken fiel sich DON Schwerins heworrief, dieser kirch wenn auch prafti$r§ i itiroere M Mittwoch ho sichrem der der lenntm? D.herllir gegen den ki durch die und Deranl nochmals Wahlrechts Vorkämpsii Abg. hos mann'1, n Tonnerstm er im um von der K dem Lehrp sich für w heiternde deutschen ( widerlegt worden. Ich wende mich mit oller Enischied-'nlieit qegen daS System des Klerika Ismus, gegen den Mißbrauch der Religion zu pol tischen Zwecken. Wenn aber auch Sie das in Wahrheit bekämpfen, dann machen Sie doch einen Paragraphen, wonach der bestraft wird, der unter Mißbrauch der Religion und ihrer HeilS- mid Gnadenmittel auf andere einzuwirken sucht. (Sehr gutl links.) Aber Sie fördern ja giadezu die Intoleranz. Der Prozessor Bauz, der jeden S cleubehälter der Hölle und seinen Platz ganz genau bestimmt, ist in Ihren Augen eine Leuchte der Wissenschaft. Geltung hat, spricht von dem „verruchten A-spruch ans Gewissens- freiheil". Gewissensfreiheit und Die i nonsfr iheit ist nach dem LyllabnS ein verwerflicher Irrtum. Darüber ionunen Sie nicht chnweg! Haben Sie den Mut, auch den SyllavuS von sich ab- zuschütteln? Mg. Muller gibt noch verschiedene technische Er- läuterungen zur Südje. Man dürfe nicht vergessen, daß ein Bauobjekt von 2y3 Millionen gründliche Borarbeiten und Berechnungen erfordere. Ten Ausführungen des Abg. Schmitt, auf die Zukunft Bedacht zu nehmen und event. weiteres Baugelände zu sichern, stimme er zu. Abg. Dr. David meint, die Herren von der Bauabteilung sollten nur auch einmal über den Achtstundentag hmausgehen und die Sache fleißiger weiterbearbeiten. sei dringend notwendig, daß noch in diesem Frühjahr dem Bau begonnen werde. - Abg. Dr. Müller: DaS haben Sie nicht getan? Ja, kennen Sie denn die weite Ihrer Worte überhaupt nicht? Abg. Cfck Sie haben auch einzelne Fälle angeführt! Abg. Dr. Müller: Aber wie können Sie das damit vergleichen? Ich habe die Kalle vorgebracht wegen ihrer politischen Bedeutung, ich habe nachgewiesen, daß man Leuten die Sakramente verweigert bat, um einer politischen Partei zu schaden. Was in aller Welt haben aber die Weinfälschungen des Herrn Sartorius mit politischen Fragen zu tun?! Besonders übelgenommen hat man mir den Ausdruck „Grunzen". Er ist mir in der Hitze des Gefechts entschlüpft. Einen parlamentarischen Ausdruck dafür gibt es eben nicht. Präsident Graf Ballcstrcm: ' . Darüber entscheide ich. Es gibt sehr wohl einen parlamentarischen Ausdruck für ^.Grunzen", nämlich: „unartikulierte Laute". (Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Müller: Run ja, das hatte ich allerdings sagen können, oder in diesem ftnH vielleicht noch präziser „animnlisch-kanuibal sche Sone". (Große Heiterkeit). Die Annahme des Freiherrn v. Hertling. daß ich den Antrag nicht gelesen habe, trifft natürlich nicht zu. Ji habe den Antrag sogar so genau gelesen, daß es Ihnen sehr unlequem geworden zu sein scheint. Sachen im Zentrum). Sehr charakteristisch war es mir bei den Ausführungen des Herrn von Heriling. daß er mir auf mei-e Frage, ob es Sünde sei, liberale Blatter auszufragen, ein- ausweichende Antwort gab. Er tagte, die Frage liege auf religiösem Gebiet, darüber schweigen wir. Nun wenn das schön auf religiösem Gebiet l egt und wenn dann noch die Schule, Ehe, Begräbnisioesen usw. als Dlcligion angesehen werden, waö t leibt denn da etgentlich noch als Welt.-.che Angelegenheit übrig? Die Fälle von Intoleranz, die ich Ihnen hiervorgejührl habe, sind mir mit keinem Wort der 9hin<'lull(. Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben erwidert dem Abg. Dr. David, derselbe habe mit seiner Bemerkung offene Türen eingcrannt. Derselbe sollte nur einmal auf die Bauabteilung gehen und zusehen, wie bort gearbeitet wird, dann würde ec einsehen, daß seine Bemerkung über den Achtstundentag nicht am Platze war. Mch einigen weiteren Bemerkungen dc§ Abg. Dr.' Schmitt, des Justizministers Ewald und des Miulsterial- rats Frhr. v. B leget eben ist die Interpellation erledigt. Die Wahl eines Ausschubmitgliedes anstelle des früheren, Abg. Dr. Buff roncbe aus morgen vertagt. Nächste Sitzung morgen vormittag 10 Uhr. Abg. Dr. Schmitt ist erfreut, daß der Beginn der Ausführung im Frühjahr erfolgen solle. Damit werde der Zweck semer Anfrage erreicht. Er werde bei der im Februar erfolgenden Budgelbcratung den Antrag stellen, daß die Forderung für den Justizpalast an erster Stelle Erledigung finde. .. ., die Kalholil u wollen auch ivir beseitigen, dem Klerikalismus dürlen wir keinerlei Konzessionen Denken Sie an das Wort eines bet' besten Kenner des Klerikalismus: Zanardelli sagte: „Nlir wer den Fortschritt der modernen Kultnr au zngeben gewillt ist, kann dem . Klerikalismus entgegenkommen wollen!" Und daher bitte ich Sie, lassen Sie wenigstens den zweiten Teil des sogenannien ..Toleranz"-Nntrags sobald wie möglich in der Versenkung verschwinden I (Beifall links.) Das glaube ich. Teil. *• der Beamten in der letzteren Angelegenheit sei als durchaus korrekt und gesetzmäßig cncrftnv.it worden und auch Wbg. Köhler Hube in der Kammer frei und offen bekannt, daß er getäuscht worden sei. Ter schwere Angriff des Abg. Bahr erscheine also als nicht gerechifertigt. Im lorlieg-i- den pralle war die Staatsanwaltschaft verpflichtet, eine Untersuchung einzuleitcn. Die Staatsanwaltschaft durfte aber uach den gesetzlichen Bestimmungen die ärztliche Unter» suchung nur gegen solche anordnen, die sich derselben freiwillig fügten. Zu seinem lebhaften Bedauern müsse er erklären, daß die weitere Anordnung der StaatZanwaltschaft gegen die Frau Heltzel einen schweren Mißgriff bedeute. (Zebh. Beifall.) Schon die unverhältnismäßig große Zahl der zu Unter,uchenden war nicht gerechtfertigt, der Beamte hätte auf die Schonung der Geschlechtsehre der weiblichen Personen bebadjt fein müssen. Tie generelle Anordnung der Unterfud)ung war sehr wohl geeignet,einen psychischen Zwang darzustellcn, wenn die Hebamme in Begleitung des Gendarmen bei den Frauen erschien. Bei der Foau Heltzel lagen dagegen von vornherein gewisse Verdachtsgründe vor. Fraglich könne sein, ob nach dem Zeugnis des Tr. Machenauer, der bescheinigte, daß die Frau nicht geboren habe, eine nochmalige Untersuchung cmgezeigt war; jedenfalls durfte auch hier keinesfalls mit Zwang gedroht werden, wie es durch die Morte geschah: „Wenn Sie sich nicht untersuchen lassen wollen, so kann ich Sie dazu zwingen lassen." Tas war nicht zulässig, denn die Frau war keine Angeklagte. Es handelt sich aber im vorliegenden Fall um den vereinzelten Mißgriff eines jungen, sonst als pflichttreu und zuverlässig bekannt gewordenen Beamten, der auch sofort aus seiner Stellung entlassen worden ist. Weitere Maßnahmen zu treffen, durfte nicht zweckmäßig sein, denn er (der Minister) setze in seine Beamten das Vertrauen, daß sie sich streng an die gesetzlichen Vor- fünften halten werden, und dieser einzelne Fall eben ein Äusnahmesall bleiben werde. Eine ausdrückliche Ermahnung an die Beamten der Staatsanwaltschaft, in ähnlichen Fallen mit größter Vorsicht vorzugehen, sei bereits erfolgt. Bezüglich des Kreisarztes Dr. Danuenberger schwebe zurzeit eine Privalklage. Tie Regierung halte es für an- gerne) f en, erst den Aus gang derselben abzuwarteii, bevor fie event. weitere Schrille unternehme. (Lcbh Beifall.) Aus Antrag des 2U>g. Köhler beschriebt das Haus •s Besprechung der Interpellation. Sie soll tedoch erst erfolgen, wenn die Antwort der Regierung ge- druat vorliegt. 9 9 zsr A Äol9Lni™ die Beratung der Interpellation 'Dr. Schmitt, Molthan und Een. betr. den ^"bau des ZustlMbäudes in Mainz. fjrT. Anfrage lautet: Aus welchen Gründen verzögert Kunde °n dem neuen mit E-n Kräften dahin ar- Ktett't wrrd? ^^'öpalast m Mainz möglichst bald fertig >zustizminister Ewald beantwortet die Jntervellalfon qen"°TL"V^!s^'^^ über den Gang der Äerhand- mäi™SO3'^f^aen 7 fur Ban kannte erst im un Oktaber Ä äm^9 ZMWmMMß schehen,^munden Bau^ch^schnei? wie Möglich^ Es ge- vom Staat beliebte, verfalTien wn! Iti> toie baS ö"S°rnng des dem Mg. ^roeisfübn trat der frfi 'vkife tnfqeg aDer Prinzip * Soler, ^flnifinn Rede ( 2°""kWolt nQ$ weiterer ^erril, F-rüchal-r 1908 vollendet sein könne. Jetzt habe man schon em ganzes Jahr zugegeben, er glaube aber, daß die Vollendung auch noch nicyt 1909, sondern vielleicht erst 1910 oder noch später erfolgen werde. Tas sei aber nicht dies richtige Art, mit den Interessen der Bevölkerung umzugehen, und wenn man sage, wir haben nicht das Interesse daran, die Ausführung schnell zu vollenden, so sei das verkehrt Tie DauverWallung habe dieselbe Pflicht, sparsam zu bauen, wie der Privatmann, man müsse auch von Staatsbauten den Bureaukratismus fern hallen. Es sei überzeugt, dast das Bauprojekt etwas Tüchtiges und Brauchbares ergeben werde, er müsse aber bitten, darauf zu achten, daß der Justizpalast für lange Jahre hinaus ausreichende Räumej erhalte. Er bitte dringend, in Erwägung zu ziehen, oh nicht ein Erwerb von geeignetem angrenzenden Baugelände für alle Eventualitäten empfehlenswert sei. Im übrigen' glaube er, daß es doch nicht schwer halten könne, die geeigneten Techniker für die Bauausführung zu gewinnen. Ministerialrat Frhr. v. Bieg eieben geht aus bie Gründe der Verzögerung nod) weiter ein und betont, datz die Bauabteilung ganz außerordentlich mit Arbeit überlastet sei. Man dürfe auch nicht vergessen, daß der Bauausführung eine gründliche Vorbereitung durch die Baubehörde vorausgehen mußte. Sobald aber die Kammer dio geforderten Mittel bewillige, werde noch im Frühjahr mit der Bauausführung begonnen werden können. Mit der Erklärung, daß es an geeigneten Technikern gefehlt Habe- Habe er nichts zu tun, er halte dieselbe auch nicht für zu-, treffend. fSmpfm. Ich hte es aber, weil r5 meine hell,äffe Ncberzeugnng ist. -oß man den Klerikalismus als weltlich-politisches Herrschafts- Instrument — nickt die Religion, gegen die ick, nie auftrete — bekämpfen muß. Und so lauge Sie dem kulturellen Fortschritt Hindernisse in den Weg legen, werde ich nicht aufhören, meiner heiligen Ncherzeugung entsprechend Sie zu bekämpfen, mögen Sic tn Ihrer Presse auch wahre Kübel Unrat über mich auSgichen. Die ganze Komik der Ausführungen des Abg. Oscl will ich Nicht abschwächen. Er hat mir schauderhafte Fälschungen .nach- gewicsen. Ich habe in dem Namen des Verfassers jener Broschüre statt eines harten P ein weiches B gebraucht. Welch gram'jge Intoleranz! (Heiterkeit.) Aber etwas Ernsthaftes mich ich doch gegen Herrn Lsel sagen. Ich will von dem Herrn Sartorius nicht sprechen. Ich will kein Wort zu feiner Entschuldigung an führen. Der Mann ist direkt, nachdem das Urteil gesprochen war, zu m**1 gekommen — ein gebrochener Mann in weißem Haar. Wie könne» Sic ihn jetzt hier hincinziebcn? Tic ganze Presse hat sieh gescheut, den Fall politisch zu frukifizieren. Und Sic wollen ihn an die Rockschößc einer einzelnen Partei heften? Dbg. Lsel: Das habe ich nicht getan! fe& »n 'M b,cV6°0( soojm.M «000 9eff •» ood dm gefährlichsten ist das ganze Shffcin gegenüber unserer Jugend, die in unerhörtester Weife gegen einende. verhetzt wird. Herr Dr. von Hertling sagte: wir wellen gar nicht los vom Staate! Das glaube ich. Sie beherrschen ihn ja zum Die kleinlichen Plackereien in den Ein el- L r rHtag. _ R.-B. Darmstadt, 31. Jan. Die heutige Sitzung der zweiten Kammer wird vom Prasidenien Haas um 9'/. Uhr eröffnet. Es erfolgt zunächst dce Vereidigung des neu in das Haus an Stelle bc5 bisherigen Abg. Dr. Buff emgetretenen Abg. Bürgermeister Dr. Glässing. Erster Gegenstand der Tagesordnung sind Wahl- Prüfungen. Das Hau§ genehmigt den Ausschußanträgen entsprechend die Wahl der Abgg. Köhler, Brauer, Bähr, Franz Best, Karl Breidenbach, Korell, Geh. Rat Haas, Horn, Diehl, v. Brentano, Raab, Fulda, Erk^ Breimer, Louis Auler, Häusel, Roack, Pitthan^ Molthan, Phil. Nebel, Berthold und Leun. Am Ministertisch erscheinen: Juslizminister Ewald, Geh. StaotSrat Krug v. Nidda, Geh. Rat Braun, später Almist.-Nat v. B i e g c l e b e n, Oberbaurat Klingel- . höfser. Bei Beginn der vorläufig zur Beratung gestellten Gegenstände stellt Abg. Molthan den Antrag, van der einzelnen Aufrufung der zahlreichen Gegenstände (Pos. 8—75 der Tagesordnung) abzusehen und dieselben gleich ,im Ramsch- den betreffenden Ausschüssen zu überweisen. Präsident Haas widerspricht diesem Antrag, der nach der landiländischcn Geschäftsordnung nicht zulässig sei. Nach weiterer Gcschäftsordnungsdebatte, an der sich die Abgg. Tr. Schmitt, Bähr und Köhler beteiligten, beschließt das Haus, es bei der bisherigen Praxis zu belasten. Daraus werden die einzelnen, zur vorläufigen Beratung gestellten Anträge und Vorstellungen vom Präsidenten verlesen und sämtliche Gegenstände der Reihe nach auf jedes- mallgen Antrag emcs Abgeordneten den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Es folgt nun die Beratung der Anfrage Bähr, betr. das Vorgehen der Staatsbehörden bet Untersuchung des Kindesmordes in Hergershausen. Justtzmmister Ewald erklärt fiel) zur Beantwortung ber ^nkerpellatton bereit und gibt eine aktenmäßige Tarfkell- ung ber ganzen Angelegenhett. Die Kinbesleiche wurde um bte Mittagszeit des 1. November entdeckt und festgestellt, daß dleselbe nur etwa 24 Stunden im Wasser gelegen traben konnte; sie mußle in unmittelbarer Funbuähe in den Bach geworfen worben sein. Ter mit bei Untersuchung des Verbrechens beauftragte Vertreter der TcrimMbter Staats- anwaltsQ)-aft war ein derselben wegen Arbeits- ^brhaufung zur stündigen Aushilfe beigegebener öur Ueberzeugung kam, baß unb ^ie Kindesmörderm nur in dem Orte selbst zu suchen sein Ebune. Ter Stuatsunwoltsvertreter cheauftrvgte daher die Hebamme, in Begleitung eines Gendarmen bei einer Anzahl Frauen und Mädchen von 5deraers- chaufen Unkersuch)ungen vorzunehmen, da zunächst alle ÄN- haltspunkte zum Vorgehen gegen eine bestimmte Person OXtS“wt gesländiiiS reicht nicht aus. ES ist zweifellos, daß eine solche, von der geist icken Zensur approbierte Literatur zur Intoleranz führen muß. Was alles auf dem Gebiete der Intolcraiiz in Ivreil Kreisen geleistet wird, darüber sind mir schon wieder ganze Stöße von Briefen iugegangen. (Lachen im Zentrum.) Wenn Sie mich reizen, dann bringe ich sie alle vor. (Große Heiterkeit.) Es sind Hunderte! 'Murren im Zentrum) Aber, meine Herren, warum schon wieder diese kannibalischen Töne? (Eriicntc aroße Heiterkeit.) Allo, es sind Hunderte. Zunächst nur ein n Brief eines Ihrer Geistlichen an eine Frauensperson, die eine Mischehe einaehcn wollte. Darin schreibt ihr dieser Herr: „Obschon ich Sic nicht kenne, so möcht? ich Sie doch bitte», siet, nicht dadurch linakucklich zu machen, daß Sie eine Mischehe viel- 'cicht sogar mit evanackiickier Trauung und Kindercrüehitng eingehen. Ich mache Sie bnrtiuf aufmerksam, daß Sio damit aus der 'Kirche ausgeschlossen sind und ebenso von den heiligen Sakramenten uti? n id) Vom Himmel. (Hört, hört, links.) Sie begehen geradezu einen Gottesraub, wenn Sie das tun. Wollen Sic denn Baler inid Miitter in alle Ewigkeit nicht totcdcrsehen? Meinen «je denn, daß das bißchen Sinnenkitz'l daS allergrößte Glück wäre? Meinen Sie nicht, daß das bißchen Sinnenkitzel" - Mit t em S,nnc> kitzel hat er anscheinend sehr viel zu tun. (Heit-rkeit. Gloge Uuruhe im Zentrum. Rufe: Schluß! Raus!) Das scheint eie (zum Zentrum) ja sehr aufznregen. (Große Heilcrkeit.) Alw, glauben Sie, daß das bischen Sinnenkitzel Ihnen einen Ersatz für den großen ©dmben bietet, den Sie sich giifügcn ? Auch wenn e« nach Ihrer Ansicht schon zu spät ist, auch wenn Sie sich schon zu Allem bergegeben haben. so bitte ich Sic trotzdem: Kommen Sie nach Hause; die Schande ist leichter zu tragen, als ein schwerer Tod. (Hört, hört!) Bedenken «te, wie viclc solcher grauen sind schon bei der Geburt ihres ersten Kindes gestorben. Ich bitte Die im Namen des heiligen Joseph, folgen Sie mir und denken Sic an Ihre unschuldige Jugendzeit und Katdhestl" ™ O°BC rn,m'to mib8urufe im Zentrum: Das gehört nicht hierher! Was geht uns das an?) So, baß geht Sie nidu§ an? Nun, wem, Sle einen derartigen Gewissenödluck für fo selbstverständlich halten, dann sollte doch jeder Nichlklerikale in di.-semHanse gewarnt sein vor dem Begriff, den dte.Antragsteller mit dem Worte Toleranz ver- bnn en zu sehen wünschen. Ich luiH auf die einzelnen Fälle, die daS 'cifftein ces poliii)chcnKlerika isinns ausmachcn, nicht weiter eingehen. Gerade eie Verquickung von Politik und Religion macht ja den Kampf fo jditoteng und widrig. Herr Dr. v. Hertling sagt: „wir sind letzt nicht mehr so. wir sind jetzt modern!" Ja, haben Lie darüber zu bestimmen, Herr Dr. von Hertling? Bestimmen bariiier nicht ganz andere Gewalten? Das berühmte Rund,chreiben von 1832, das heute noch r M’ •aftion. , *hy gn[ f ** «’V’®* derlei anbe’C|tiqen . 'M b'C , "dü'r luct L bellen ‘ WBt K n 8°rt- L "Vte'S Sm. L^-AL 1 'hren Obere? ?en' gelt lverdeu r *" Nt tanneg.'-0 gen, habe, toie er hm» J W' das fori J ®cMen§M, nJJ Ä1"'* Ct ^de zu verlesen, 'liche Bemerkung. , °">eisung wird sofort nn Plenum lZdeitr 10 oes Reichsamts de- ir»:n UntoiLen hervor^ ,W zum Ärui istMscr Seite eifrigta s man bieten konnte- J bannt Eren wollte, Verfügung hätte. Tie i Baulver^ liege nicht ing, fonbcrn auch ber ch burd) ben Mchtcn erlich. Dom feueren1 i, daß der w M Jetzt \W vtuxn schon ,e abei, daß die Vollen vielleicht erst 1910 ins sei aber nicht die evölkerung umzugehen, t das Interesse daran, ii, so sei das verkehrt., icht, sparsam zu bauen, uch von StaatsbMten Es sei überzeugt, datz > brauchbares ergeben if zu achten, daß der > ausreichende Mm oägung zu ziehen, ob 'renzenden Baugelände wrt sei. Im übrigen halten könne, die go hrung zu gewinnen, ^leben geht aus die :r em und betont, daß! tllch mit Arbeit über- Sei di- SomnerM A auch nicht sur F fes“* nme er zu- . $ail, ««säS in diesem 1 t d°° * * L Mt 6 La«, d-» bl‘ im«8 grieüig« erster eb,n lol aufblJ n-ücde ec iet wird, i>a> „jchi «i‘“ohenl 9 h(5 ülbS- rfutig" $wwl iö und des/ lcbiq|, !Cd°9L |1fi, --z l° * parltnncnfcmfcbes» Berlin, 31. ^nnuar. Die Budgetkommission des Reichstages genehmigte den Etat für Kamerun unter Annahme des Antrages Erzberger betr. die Höheransetzung der Zolleinnabrnen infolge des geplanten Babnbaues und 9(nnn'hine der Resolution Enberger betreffend Einschränkung des Verordniingsrecbtes, sowie Resolution Arendt betreffend Reform der Laufbahn der Kolonialbeamten. _Im Seniorenfon pent des Reichstages schlug Gras Batleslrem vor, die zweite Etatslesung zu beginnen, in der Hoffnung, auch die dritte Lesung vor dem 1. Avril zu beendigen. Graf Ballertrem schlug die Festsetzung einer bestimmten Anzghl von Tagen für die Beratung jedes einzelnen Etats, zusammen 36 Tage, vor. Würden diese Fristen inne gehalten, so sei die rechtzeitige Fertigstellung des Etats (ohne die Steuervorlage) möglich. Tie Etatsberatung soll am 1. Februar beginnen. Der Seniorenkonvent stimmte den Vorschlägen zu. — Die Steuerkommission deS Reichstages besprach das Zigaretten st euergesetz, ohne einen Beschluß zu fallen. Ablehnend svrachen sich die Redner der Sozialdemokraten und der sieis. Vo'kspartei aus, wahrend die Redner des Zentrums und der Nationalliberalen betonten, daß die Zigarettenindustrie sehr wohl eine Belastung tragen könne, wobei die Zentrumsredner statt der Z-garetienpapier- steuer eine Zigarcttentabaksteuer empfahlen. Von Seiten der Regierung wurde erklärt, die Regierung werde gern alle neuen Vorschläge prüfen, und wenn sie auch ihren Vorschlag durchaus für durchführbar halte, erachte sie es doch nicht für aus- geschloffen, daß für die anderen em ebenso guter Weg gefunden werd e.__________________' politifcbe Tagesschau. Aus dem Reichstag. R. Berlin, 31. Januar. Die Frage der Wahlrechtsreform steht im Mittel- punkt des öffentlichen JntereffeS, und eS ist nur natürlich, daß sie auch dem Reichstag unterbreitet wird durch einen von der äußersten Linken gestellten Initiativantrag. Im Reichstag kreuzen sich die Strahlen des politischen Lebens der «Einzelsiaaten; er stellt in gewissem Sinne das parlamentarische «Gegengewicht dar zum preußischen Herrenhaus, daS sich un- llängst vom Fürsten Bülow beruhigen ließ über das Verhalten der preußischen Regierung gegenüber den Wahlrechts- ssorderungen und Temoustrationen der Sozialdemokratie. Eine Fortsetzung muß diese Herrenhausdebatte finden und sie kann ffie nur finden im Reichstag, weil Gegenstand der Erörterung hier notwendigerweise auch die Vorgänge des ,roten Sonn» tags* find, die sich nicht auf Preußen beschränkt haben Doch daS Vorrecht vor dem Wahlrechtsantrag der äußersten Linken fleht dem Toleranzantrag des Zentrums zu, der jfich von Session zu Session fortschleppt und am letzten Schwerinstag wieder einmal eine stundenlange Erörterung hervorries, ohne daß die Rednerliste sich erschöpft hätte. In dieser kirchenpolitischen Frage ist eben des Redens kein Ende, wenn auch nach rote vor geringe Aussicht besteht auf ein praktisches Ergebnis, da der Antrag bei fast allen Parteien schwere Bedenken erweckt. Dem Zentrum war am vorigen Mittwoch hart zugesetzt worden, namentlich von den Wort- sührern der Linken, deshalb wurde heute zur Abwehr einer der kenntnisreichsten und gewandtesten Debatter, Abg. Frhr O. H e r t l i n g, vom Zentrum vorgeschickt. Er wandte sich speziell czegen den kritischen Streifzug deS Abg.Müller-Meiningen durch die katholische Gebets- und Erbatiungsliteratur, und veranlaßte dadurch diesen bayerischen Volkspartetler, sich nachmals zum Wort zu melden. Die Aussicht auf eine Wahlrechtsdebatte rückte ober schon in die Ferne, als der Vorkämpfer der Konfessionslosigkeit und des Dissidententums, Abg. Hoff ma n n-Berlin (Soz.), der „Zehn Gebote-Hoff- wann'1, ans Rednerpult trat. Stundenlang rollte seine Donnerstimme über die halbbetäubte Versammlung hin, als er im unverfälschten Berliner Dialekt Trennung der Schule von der Kirche und Abschaffung des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der Volksschulen heischte. Hoffmann begeisterte sich für weitestgehende Toleranz, er bekundete aber eine erheiternde „Unduldsamkeit* gegenüber den Vorschriften der deutschen Grammatik und deS Sprachgebrauches. In dieser Beziehung ist er ein parlamentarisches Original. Es war dem Abg. Stöcker ein Leichtes, die Oberflächlichkeit der Beweisführung des Vorredners zu kennzeichnen. Im übrigen trat der frühere Hofvrediger heute dem Zentrum ausnahmsweise entgegen, vom Standpunkt des Protestantismus, bei aller prinzipiellen Uebereinstimmung in der Frage der reli- g'ölen Toleranz. Abg. Fürst Radziwill, der polnische Edelmann, bedauerte das zwar, eröffnete aber Stöcker, daß seine Rede eine wahre Erguickung gewesen fei nach dem Donnergepolter des sozialistischen Redners. Ein Verlangen nach weiterer rhetorischer Erquickung schien im Hause nicht vorhanden zu sein. Der sanft plätschernde Landregen der Beredsamkeit des Abg. v. Gerl ach belebte das Interesse b»r Versammlung ebensowenig, wie die Polemik des derben Bafuoaren Osel (Ztr.). Die parlamentarische Aussprache über das Thema von der Duldsamkeit klang in den Reden der Abgg. Müller-Meiningen und Dr. Spahn sehr dis- h.rrmonisch aus. Preußische Professorengehätter. In einigen beteiligten Kreisen wird nach Meldung Berliner Blätter gegenwärtig erwogen, ob die Gehalter der an Muß. Universitäten etatsmäßig angestellten Professoren ztu erhöhen seien. Die Gehaltsverhältniffe der Professoren si:nd in der Tat nicht glänzend. Manche beziehen überhaupt kein Gehalt (in Berlin sind c§ 74), allerdings verfügen von ihnen ziemlich viele über eine feste Einnahme aus anderen Stellungen. DÄe mit Gehalt angestellten ordentlichen Profefforen haben recht verschiedenes Gehalt, es schwankt zwischen 1500 u n d 15 0 00 Mark jährlich. Der Durchschnitt dürfte in her Provinz 4500 Mark, in Berlin 5500 Mark sein. Hierzu fomimen die Wohnungsgeldzuschüsse (meist 600 Mk., in Berlin 9U0 Mk. jährlich) und die Kollegiengelder, deren Höhe nicht nur von der Anziehungskraft des Professors, sondern ganz wusentlich auch von seinem Fache abhängig ist. Erheblich schlechter sind die außerordentlichen Pro- se isoren gestellt. Ihr Meistgehalt in Preußen betragt M00 Mk., doch bezieht die Mehrzahl kaum 3000 Mk. Da ihre Rebeneinnahmen gering zu sein pflegen, so wird man das Gesamteinkommen durchschnittlich mit 5000—6000 Mk. annehmen müssen. DaS ist in Rücksicht aus die gegenwärtigen Lebensbedingungen sicher zu wenig. Dabei handelt eS sich keineswegs um junge Leute. Berechnet man aus dem Lebens- alter, das die tm Unwersitätskalender verzeichneten Extraordinarien in diesem Jahre erreichen, das arimethische Mittel, io erhält man für die philosophische Fakultät in Berlin die Zahl 52,4, in Greifswald 46, in Kiel und Göttingen 49. Der jüngste Ordinarius der philosophischen Fakultät in Göt- tingen ist 31 Jahre alt, in Greifswald 33, in Berlin 34, in Kiel 41. Der Durchschnitt aber dieser Professoren steht in den vierziger Jahren und muß mit einem amtlichen Einkommen von ungefähr 5500 Mk. zufrieden fein. Freilich hat die preußische Regierung einen Fonds von jährlich 435 000 Mk., her zur Hebung der Einkünfte von Pro- sefforeu verwendet wird. Aber gerade diese außerordentlichen Profefforen und die Bedürftigsten uuter den Ordinarien pflegen verhältnismäßig am wenigsten zii erhalten. Vor allen Dingen: sie haben kein Anrecht darauf. Deshalb empfiehlt es sich ohne Frage, daß bei Erwägungen über Gehaltsaufbesserung von Beamten künftighin auch dieser Klaffe gedacht wird. Der Hoehschiilunterricht, die Pflege der Wissenschaft und das Ansehen deS deutschen Profefforentums, werden Nutzen davon haben. Im preußischen Kultusministerium beschäftigt man sieh übrigens z. Zt. mit der Frage, ob es sich nicht empfiehlt, nach österreichischem Vorbild eine Altersgrenze für die Amtstätigkeit der Profefforen festzusetzen. In Aussicht genommen ist die Vollendung des 70. Lebensjahres. ES haben sich viele Unzuträglichkeiten daraus ergeben, daß die Vertreter eines Faches oft bis inS höchste Alker hinein an den Professuren und an den damit verknüpften Tätigkeiten (Abnehmen von Prüfungen, Leitung van Seminanen u. s. ro.) festhalten. DaS wird besonders bedenklich gesunden bei denjenigen Professoren, die zugleich Direktoren von Instituten find, z. B. von chemischen Laboratorien ober Kliniken. Solche verantwortliche Stellungen erfordern 3)irnncr von großer Frische und Geschäftstüchtigkeit. Ein gräflicher Komödiant als öffentlicher Ankläger. Im Wiener Reichsrat stand am Dienstag die erste Lesung der Rckrute.rvorlage zur Beratung. Fräse k (tschechischer Agrarier) erklärte: Wir stehen den Forderungen der Magyaren sympathisch gegenüber, müssen aber verlangen, daß die Militärverwaltung auch die Forderungen der slavischen Völker berücksichtigt. Graf Sternberg, ein lackier kicher Kautz, der sich namentlich gern in schmähendem Klatsch gegen das Kaiserhaus ergeht, kam dann zum Wort. Greise müßten von der Spitze der Armee unddesStaatcs entfernt werden. Tas Greisentum habe nur pathologische Eigenschaften. Ter Greis werde so eigensinnig wie ein Maulesel, kein Wort könne ihn zu neuen Ideen anfeuern. Ein Greis sei auch eitel wie ein Weib. Schmeicheleien zugänglich, mutet er sich noch immer alles Mögliche zu, und dies richte jedes Staatsleben zu Grunde. Dem (Äeis fehle cs auch an Ehrgefühl. Ein alter Herr werde zum Sklaven seiner Gewohnheiten, er gleiche einem ausgepumpten, trotzigen Mitomobil, das nicht mehr vorwärts noch rückwärts könne. Nur ein Mann sei imstande, ein Staatswesen zum Siege der Völker zu führen. Tann vergleicht er den Kaiser mit dem alten Ferdinand, her aber das Ansehen der Armee und des Staates nicht in solchem Maße habe schädigen lassen, wie der jetzige. Tas trug ihm seitens des Präsidenten die Mahnung ein, die Krone nicht in die Debatte zu ziehen. Graf Sternberg erwärmte sich für die Regentschaft des Erzherzogs Leopolo Salvator. Ter Sohn des Ministerpräsidenten beziehe vom Grafen Goluchowski ein Taschengeld von 6000 Gulden. Und noch weiter pöbelte er den Ministerpräsidenten v. Gautsch in der gemeinsten Weise an. Sein Schwiegersohn soll Armengelder unterschlagen haben und mit Hilfe des Preßbureaus des Herrn v. Körber sei die Geschichte unterdrückt worden. Schließlich beehrte er noch die Abgeordneten und sich selbst mit den Schmeichelnamen: „Wir Affen und Bedientenseelen." Ter Ministerpräsident weist die persönlichen Angriffe des Grafen Sternberg zurück und erklärt, daß allerdings die Amtsführung einer ihm nahestehenden Persönlichkeit hätte beanstandet werden müssen. Tie Persönlichkeit verließ den Dienst unter Verzicht auf alle ihr aus dem Staatsdienstverhältnisse erwachsenen Rechte sofort un§ zu einer Zeit, wo dem Ministerpräsidenten keinerlei Einfluß auf die Führung der Staatsgeschäfte ober auf die Presse zustand. Was die Bezüge seines augenblicklich der Pariser Botschaft zugeteilten Sohnes angehe, so genieße derselbe außer den reglementsmäßigen Bezügen die durch die Verwendung im Auslande begründete Zulage. Ter Ministerpräsident glaubt das Vorgehen Sternbergs getrost dem Urteil der gesamten Oeffentlichkeit überlassen zu dürfen. Baron v. Gautsch hat also nicht gesagt, daß die Geschichte nicht vertuscht wurde; der Vorwurf, daß ein Uebeltäter infolge angenehmer Verwandtschaft vor dem Staatsanwalt geschützt wurde, ist nicht völlig entkräftet. Man weiß, wie in Wien der Tratsch und Klatsch blüht — eZ ist nicht ausgeschlossen, daß diese Affäre Herrn v. Gautsch den Hals als Politiker btkfit Was seinen "leiblichen Sohn anlangt, liegen die Tinge fa wohl etwas anders. Ganz reinlich muten uns diese Tinge freilich nicht an, aber — der Schauplatz der Szene ist Oesterreich und das entschuldigt viel! Am Mittwoch widerlegte an derselben Stelle der Justizminister auf Grund amtfkfyen Materials den vom Grafen Sternberg, oiesem Seitenstück zu unserem Grafen Pückler, gegen ihn erhobenen Vorwurf der Akten- fälschun g. ___________' t>ermWd>te». • Skiläufer im Schneeslurm. AuS Savoyen be- j richtet man: Furchtbare Leiden haben am 25. und 26. v.! MtS. vier Skiläufer, zwei Damen und zwei Herren ans Annecy, in den Bergen zwischen Annecy und dem Arve- ' tat auSgesianden. Sie roaren am 25. aufgebrochen und wurden nach einer anfänglich sehr angenehmen Fahrt gegen 3 Uhr nachmittags von einem schweren Schneesturme überrascht. Schon eine Stunde vorher hatte einer der Herren vor dem heraufziehenden Unwetter gewarnt, und man wollte schleunigst bergab fahren, verirrte sich aber und stand auf einem großen Plateau, als das Schneetreiben losging. Bald wurde es ringsum dunkel, und nur mit Hilfe eines Kompasses fand die Gesellschaft die Richtung. So verstrichen mehrere Stunden; die Nacht brach herein und man stand: noch immer inmitten des tobenden Unwetters. Ta gelang! es endlich, eine Sennhütte zu entdecken; die Türe wurde er-j brachen, und man drang in daS Gebäude ein. Emer der Herren machte auf dem Herde Feuer; aber kaum hatte er das getan, so entstand ein Kaminbrand und bald b rannte? auch das Dach der Hütte lichterloh. Die Touristen be*i muhten sich vergeblich, den Brand zu löschen. Tas Feuer griff immer weiter um sich, und eS blieb nichts übrig, als in aller Eile die Hütte wieder zu verlaffen. Der Schnee-^ sturm hatte zum Glücke ausgehört, allein die Damen waren so müde, daß sie kaum noch gehen konnten und von ihren Begleitern geschleppt werden mußten. Im Dunkeln stürzte man wiederholt und alle hielten sich für verloren. Doch plötzlich wurde ein trübes Licht sichtbar und die Gesellschaft erreichte, zu Tode erschöpft, ein Dorf. Beiden Damen waren die Füße bis zu den Knien erfroren und sie liegen schwer krank darnieder. Es war 7 Uhr früh, als man in das Dorf gelangte. • Schiff Sunglück. Wie Generaldirektor Ballin mit- teilt,- ist der Dampfer der Ha m b u r g - A m en ka - L i n ie .Silvia/ welcher mit einem großen Transport russischer Truppen von Wladiwostok abgegangen war, auf eine schwiminende Mine gestoßen und in sinkendem Zustande nach Wladiwostok znrückgekehrt, wo das Schiff auf den Strand gesetzt worden ist, um den Untergang zu verhindern. Der erste Koch Ottomar Schwaibold hat bei dem Unfall sein Leden verloren. Das Schiff war zu seinem vollen Wert gegen Minengesahr versichert. • Der neuerte Eisen bahnunfall. Am Mittwoch irt auf der Nebenstrecke LaSkowitz-K onitz (Westpr.) etwa 1 Kilometer vor dem letzteren Bahnhof ein Zug entgleist. Die Lokomotive, der Packwagen unb der nächstfolgende Wagen, der leer war, stürzten die Böschung hinunter. Personen sind nicht verletzt, der Malerialschaden ist beträchtlich. Stockholm, 30 Jan. Prinz Eugen, der vierte Sohn des Königs Oskar, wird demnächst eine in Paris lebende schwedische Sängerin heiraten und wie sein Bruder Oskar auf alle prinzlichen Rechte verzichten. Prinz Eugen ist 41 Jahre alt. * Kleine Tageschronik. Der früher in Glogau fta- tionierte Eisenbahnmaterialen-Verw alter Weh- n e r t tmirbc in Siegen unter dem Verbacht, mit den dort entdeckten Altmatcrialienschwindeleicn in Verbindung zu stehen, verhaftet. — In München wurde der Staatsanwalt Dr. Müller im Justizp'last während einer Verhandlung von einem Angeklagten, der einen als Beweisgegenstand vorliegenden eisernen Hammer n^-b i^ w'ri. schwer verlebt. Hingejanüt. (Für Form unb Inhalt aller unter diestr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Vubsikurn gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Mitteld. Sotmtaas-Ztg. brachte in ihrer Nummer vom 21. Januar b. I. einen Artikel über die am 14. Januar in der ..Restauration Sauer"' abgehaltene Versammlung d^r nationaler^ Arbeiter, — ioelcher sich mit der Wahrheit nicht deckt. Unterzeichneter sprach kein Wort über Flottenpolitik, übev-^ Haupt ist hon keinem b»r Anwesenden über Flotte oder Armee ge* sprachen worben, sondern ich sprach in meinen Eingangsworten, speziell über ben Zweck ber Gewerbegerichte. Der Wahrheit nicht enfspreckrend ist ferner, daß wir. uns vergeblich bemüht hätten, eine nationale Kandidatenliste zusammen zu bringen, sondern ich legte der Versammlung eine, geschlossene Kandidatenliste vor. Der Wahrheit nicht entsprechend ist ferner, daß etwa; fünfzehn Mann von unserer Seite erschienen seien — eS waren mehr wie das Doppelte —, der schwache Besuch ist ans andere Veranstaltungen zurückznfahren, woselbst ein großer Teil unserer'. Leute anwesend sein mußte. Daß e3 funterbunt zuging, wie sich die M. S. & ausdrückt, ist aus die Gewährsmänner derselben zurückzuführen, berat es ist zur Genüge bekannt, daß, wenn ein anders Denkender seiner Meinung Ausdruck gibt, er nicdergeschrieen wird. In meinem Schlußwort hielt ich allerdings — da in der Diskussion ein Redner meinte, was das sei, „national« Arbeitet, das' Wort habe ihn geärgert — es für geboten, auseinanderzuhalten „Nationale Arbeiter und „freie" Gewerkschaften, daß letztere allerdings nicht mehr frei seien, sondern im Schlepptau der Sozialdemokratie. Hoffentlich bekommt die „Mitteldeutsche SonntagS-Zeitnntj*. mit ihrer Annahme, daß für derartige Arbeiter - Organisationen hier in Gießen fein Boden ist, nicht Recht, sondern ich hoffe, daß bei der Wahl am 3. Februar sich recht viele Stimmen auf die Liste der nationalgesinnten Arbeiter vereinigen werden JacvbRitsert. Arvciterbewegttng. X Aus dem Kreise Wetzlar, 31. Jan. In der Sitzung des Eimgungsamts der Kammer 2 des Gewerbegerichts, welches zur Schlichtung der zwischen der Belegschaft der Gruben, „Juno und Uranus'' und der fürstlichen Verwaltung M BraunselS bestehenden Streitigkeiten ciuberufen war, kam folgende Vereinbarung zustande: Die ausständigen Bergleute nehmen die Arbeit bedingungslos wieder auf. Die Leute werden, soweit es die Betriebsverhältniffe zulaffcn, wieder angenommen und dabei die älteren Belegschaftsmitglieder in erster Linie berücksichtigt. Dux, 31. Jan. Eine Bergarbeiter-Versammlung beschloß, falls am 11. Februar die geforderte 25proz. Lohnerhöhung nicht bewilligt ist, am 12. Februar in den Ausstan b zu treten. In der Versammlung wurde bekannt gegeben, daß in diesem Fall auch die Arbeiter der anderen Bergreviere sich dem 9h,§iTr'nh(» würden. ICiinft und Wijfeitfchaft — Im Düsseldorfer Schauspiel banse ist eine e rn ft e Krisis ansaebrochen. Infolge von »Unstimmigkeiten^ mit der Direktion Dumont-Lindemann werden mit Schluß der laufenden Spielzeit außer dem Dramaturgen Dr. Paul Ernst auch eine ?lnwbl eriter Kräfte au* dem Schan'rnelverbarche ansscheiden. Aricsk^sten Oer Redaktion. (Auouhmc Anfragen bleiben nnbcrüctsichtigt). M. Wenden Sie sich an den Geueralsekrekär des Monisten- bundes Dr. Heinrich Schmidt in Jena, Molkkestr. 1. Giessener Konzert-Verein Sonntag, 4. Februar 1906, abends 5Vi Uhr im grossen Saale des GesellsehaftsTereins Sechstes Konzert Dritter Künstlerabend Aasführende: Herr Alexander PetschnM (Violine). Herr Bemann Moder (Klavier). Vortragsfolge: 1. Sonate für Violine und Pianoforte, G-moll,.....Edw. Grieg, 1867 2. 10 Pröludes, zusammcngestellt von H. Zilcher, ... Fr. Chopin, 1809 — 1849 3. Aus der zweiten Sonate für Violine allein.....J. S. Bach, 1685—1750 a) Sarabande, b) Double, c) Tempo di Bourröe. 4. Rhapsodie hongroise No. 13..... .... Fr. Liszt, 1811—1886 5. a) Cavatine....... ».0. Cui, 1835 b) Danse russe...... A. Petschnikoff, 1873. Rotwein 7t Flasche 55 Pfg. ohne GlaS Gebrüder Adami 14 MäuSburg 14 |1U WM I Neue Varfon Hlatz Mk. 4.—, n. Platz Mk. 3.—, III. Platz Mk. 2.50, unnummeriert Mk. 2.—, lillllllllu&ullull Studeutenkarten Mk. 1.— in der Musikalienhandlung Ernst Challier (Rudolph’s Nacbf.), für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Ritter. va6/| Oeflnung des Saales 47z Uhr. Gültigkeit haben blaue, rote und rotweisse Karten, ungültig sind gelbe Karten. Meis UW Met sich vm 15. geliniar ab Sollaeapaße 31. Schollen. Tarbntt Giessener Seefisch-Markt Bahnhofstr. 27 Gehl*. Lindenplatz 12 empfiehlt lebendfrischen Kabliau perPfd. im ganzen Fisch 16 Psg. la. Hochs. Ungelschellfisch per Pfd. 33 Pfg. »7, PortionS-Schellstsch per Pfund 32 Pfg. BackSsch. per Pfund ZZ Pfg. Gebe bis dahin Dtliche SWmlk» 15 ftssiilt Ui|rr als seither ab, da ich wegen Platzmangel räumen muß. Kiiik Partie Mmren za jeöem airnehmSareii Preise abzazeSeii. 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I., vormittags u-, Uhr be- fitnnenb, werden in der Langohr'schen Wirtschaft am Bahnhof zu Nieder-Ohmen aus den Distrikten Mühlberg, Pfeifensack, Hosstrauch Eandberg, Junger Zwilling, Haag, Oberer Haagkopf, Uni. Haag- fopt, Kröbges, Vorderster Hopf, Diittelster Kopf, tzirzkopf und Dorn- fräher der Forstwartei Nieder-Ohmen versteigert: Scheiter Rm.: .71 Rotbuchen, 40 Hainbuchen (hierunter 33 Rm. rund), 93 Eiche ^hierunter 27 Rm. rund und 2,5 Mtr. laug), 54 Kiefer (teils ritubi o Lärche (2^6 Bieter lang), 12 Fichte. Knüppel Rm.: 163 Rotbuchen (4 Rm. — 4 Meter lang, -u Langmieden geeignet), 142 'Hambuchen, 287 Eichen (hiervon 9 Rm. — 4 Meter lang zu Deichseln geeignet), 3 Kirsche, 2 Erle, 4 Aspe, 1 Lind?, 46 Kiefer 6 Lärche, 10 Fichte. Knüppelreisig Rm.: 124 Buche, 6 Eiche ’33 Kiefer, Lärche, 23 Fichte (hierunter 21 Rm. in Schichten). Gewöhnliches Reisig Rm.: 1102 Buche (hierunter 600 Rm. 1. Durch forstung), 614 Rin. Eiche (teils Stammreisig), 2 Kirsche, 6 Hasel Stöcke Rm.: 65 Buche (10 fein zerkleinert), 72 Eiche (8 fein), 27 Kiefer, Lärche (2 fein), 60 Fichte. Im Distrikt Dornkräher kommen nur die rot unterstrichenen Nummern zum Ausgebot. Nähere Auskunft erteilt der Großh ^eber Obm«LrfCn^0Cf Torflhaus Ober - Grubenbach, Post k. Grimberg, 30. Januar 1906. gi? Großh. Oberförsterei Nieder-Ohmen. ’ Schneider. in ganzen und halben Flaschen erhalten Sie garantiert reut zu jeder Preislage in der Germania-Drogerie Carl Seibel Frankfurter Str. [632 Winterschuhe MS^zum Einkaufspreis "ML empfiehlt [604 Friedrich Magnus 10 Weideugasse 10 nühh Mischer Seefischmarkt Cichs.' Freitag, den 2. Febrnar, vorm. 8 Uhr in den städt« Marktlauben beginnend. ES kommen zum Verkauf: B“/t Feinste Backfische . .....15 Pfg. p.Pfd« la. Delikateß-Nordsee-Schellfische L—4-pfdig. 35 , , , ’ do. großmittel . . ♦ 33 , , r Bester, Heller Nordsee-Cabliau, kopflos in ganzen Fischen 17 , , , do. ausgewogen 20 r r , Hochfeine Vratschollen.......34 r , , ff. grüne Heringe........17,, Orpheum (Lonys Bierkeller) Schanzenstrasse 18. Täglich große VarietL - Vorstellungen mit stets wechselndem Programm. 412 Anfang Abends 8'/, Uhr Anfang Abends 8V, Uhr Es ladet ergebens! ein________L. Wagner. Sängerkranz. *9 Sonntag den 4. Februar abends 7 Uhr präzis in Steins Saatöau E iirtimM Ziest in Tyrol". v1/,_______________________________________Der Vorstand. £eu! Neu! Dem verehelichen Publikum zur gefl. Kenntnis, daß ich in meinem Restaurant Großen Steiuweg 12 einen 0666 Guten bürgerlichen Mittagstisch zu den billigsten Preisen eingeführt hab«. Um geneigtesten Zuspruch bittet J. Gg. Seipp» Wirtschaftsverkam. No. 0. Pfund M. 3. 2.40 2 — 1.60 L N. III. ■ Das der Gemeinde AugerSbach gehörige „Gasthaus -um Stern" in dem seit Jahren Gastwirtschaft betrieben worden ist, das sich aber auch zu anderen Gesttiättsbetrieben eignet, soll Samstag, den 24. Februar l. I., nachmittags 3 Uhr rm Gasthaus zum Löwen, dahier, versteigert werden. Stallung und Scheuer vorhanden. Angersbach, Ort mit 1300 Einw. Bahnstation an der Strecke Gießen Fulda. Zirka 4 Kilometer von Lauterbach und Bad- Salzschlirf entfernt. D*/e Näheres durch Großh. Bürgermeisterei AugerSbach. Praktisch, billig, bequem sind urtzmarkc für 2 gute Teller Suppe. Angelegentlichst empfohlen von c1/, _______________ Ludwig Loth, Walltorftraße 23. ÄBeeeeSSeSäi h um 1111 Auf die Empfehlung des Dachdeckers Herrn Rührig dahier, welcher meinen Namen darin aus irgend einem Grunde anzuführen nicht Unterlasten konnte, betone ich, daß ich nicht ohne Ursache die Geschästsgemeinschast aufgegeben habe, daß die Leitung des Geschäftes in meinen Händen lag und alle Zahlungen aus eigenen Mitteln durch mich gemacht wurden« Meine jetzige Dachdeckerei halte ich in durchgreifend sachlichster Arbeitsführung u. bester Material- Verwendung hierdurch empfohlen. Gießen, im Januar 1906. 052) Hochachtungsvoll Joh. Jos. Krauskopf Dachdeckermeister, Bruchstraße 13. Marktplatz 2. 157 W* Günstige Kanfgelegenheil Wegen vorgerückter Saison gebe auf sämtliche Winter-Schnhwaren auch auf Petersburger Gummischuhe 10% Rabatt. Wilh. Herbert