159 Erscheint ttglich mit Ausnahme des Sonntags. Seneral-Anzriger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis riehen zum Chef des Disziplinar- v. Puttkamer Es handelt sich Die „Gießener §amllirnb!3tter" werden dem »Anzeiger ütermal wöchentlich beigelcgt. Ter »Hessischr randwtrt" erscheint monatlich einmal. hierbei, wenn Bayern das Ortsporto nicht erhöhe, müßten die direkten Steuern um 21/» o. H. hinaufgesetzt werden. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schar Universitätsdruckerei. ÖL Lange, Dietzen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.U, TeL Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. — Kontreadmiral v. Müller wurde Marinekabinetts ernannt. — Wie das „B. T." hört, steht in dem verfahren gegen den früheren Gouverneur eine umfangreiche Zeugenvernehmung bevor. Deutsches Reich. Berlin, 9. Juli. Der Kaiser hat nach dem Abschluß der parlainentar. Verhandlungen über den preuß. Gesetzentwurf, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, bem Kultusminister Dr. Studt den Schwarzen Lldlerorden und bem Ministerialdirektor Schwartzkopff den Kronenorden 2. Klaffe mit dem Stern und Brillanten verliehen. — Der preuß. „Staatsanz." veröffentlicht die Ernennung Dr. Wilhelm Bode's zum Generaldirektor der königl. Museen in Berlin. vor allen Dingen um solche Herren, die den Gouverneur aus seiner früheren Tätigkeit in Afrika genau kennen und schon längst Grund gehabt haben, über die verschiedensten Dinge Klage zu führen. Leipzig, 9. Juli. Die Neichsgerichtsräte Reichardt und Planck wurden zu Senatspräsidenten beim Reichsgericht ernannt. München, 9. Juli. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurden längere und heftige Debatten über die Neichsfinanzreform und ihre Wirkungen auf Bayern geführt. Das Zentrum verteidigte die Reform, insbesondere auch die Portoerhöhung im Orts- und Nahverkehr, die von Sozialdemokraten und Liberalen entschieden bekämpft wurde.. Finanzminister v. Pfaff betonte Fie Kndetrenanstatten. Durch eine Debatte in der bayerischen Abgeordnetenkammer über Vorgänge in der Münchener Kadettenanstalt, die zur Entlassung einer Anzahl von Zöglingen geführt haben, wird das Augenmerk der Oeffentlichkeit auf die Frage der Ausbildung unseres Offizierlörps gelenkt, und wir finden in verschiedenen Blättern Klagen und Anschuldigungen schwerster Art. Die Ka- dettenanstaltcn werden als die großen Schädlinge bezeichnet, als B r u t st ä t 1 e für künftige S o l d a t e n s ch i n d e r , und selbst die militärfronrmc Preise tritt diesen Anschuldigungen nicht mit besonderer Bestimmtheit gegenüber. Der Laie hat darüber, ob die .^adettenanstalten wirklich so schädlich sind oder nicht, kein klares Urteil, aber das muß auch ihm klar sein: wären die Kadettenanstaltcn wirklich so schlecht, wie sie hter hingestellt werden, danit wäre unser Offizierkorps nicht, was cs ist, und Deutschland hätte keinen Anlaß, auf seine Offiziere stolz zu sein. Ausschreitungen natürlich dürften nichts besonders Seltenes in diesen Internaten sein, aber wir halten sie, roenu cs sich lediglich um Kneipereien handelt, für durchaus nicht so gefährlich, daß eine Hof- und Staatsaktion daraus gemacht werdeit müßte. Etwas anderes freilich ist es mit den Rohheitsdelikten, die sich besonders häufig in Kadettenanstaltcn bemerkbar machen sollen. Es muß ja wohl wahr sein, denn selbst der bayerische Kriegsminisler hat halb und halb zugestanden, daß hier nicht alles ist, wie es sein soll, und daß eine Reor- ganijation der Kadettenschulen und insbesondere eine Beschränkung des Stuben Unwesens notwendig ist. Das Beisanrmenwohncn junger Leute, die sich noch dazu einem Stand mit besonderen Vorrechten widmen wollen, hat selbstverständlich auch große Unzuträglichkeiten im Gefolge. In den Semiuarien für die mittleren Bildnngsanstaltcn werden die schädlichen Einflüsse auf die Zöglinge untereinander durch die stramme Aufsicht auch während der freien Zeit zum größeren Teil paralysiert. In den Kadettenanstalten ist das nicht der Fall; die jungen Leute sind sich selbst überlassen, habett ihre nach den Stuben geordnete Orgatitsation, und unterstehen^ der Aufsicht eines jungen Mannes aus ihrer Mitte, des Stubenältesten, dem man in der bayerischen Ständelammer ein recht zweifelhaftes Loblied gesungen hat. Die Militärbehörden gingen, als sie diese Etnrichtungen schufen, von dcr pädag. einleuchtenden, aber nach den enkspr. Verhältnissen sehr anfechtbaren Annahme aus, daß dadurch die jungen Leute zur Selbständigkeit erzogen würden. Das Handwerk der Waffen ist rauh, und es erhellt schon daraus, daß die Zöglinge der Militärbildungsanstaltcn keine Engel an Sanftmut sein können. Wir nehmen das nicht allzu tragisch, und wenn nicht gleich bedeutendere Mißhandlungen Vorkommen, ivic das in den englischen und auch in den amerikanischen Militärbildungsanstalten konstatiert wurde, dann sind wir dafür, daß ein Auge zugedrückt wird, wenn einmal ein Zögling dem andern einen Schippet Haare aus dem Skalp reist. Die Haare wachsen nach, die Beulen vergehen, und wegen der Heinen Raufereien junger Leute wird dcr an sich gute Charakter auch nicht schlechter werden. Daß aber auch systematische Quälereien der jüngeren Zöglinge durch die älteren Vorkommen, Quälereien, die an Dippold erinnern, ist leider festgestellt, und daraus erwächst doch wohl nicht nur für Bayern, sondern für das ganze Reich die Pflicht, die Kadettenanstalten auf eine andere Basis zu stellen, die jungen Leute etivas mehr an die Kandare zu nehmen, entsprechender zu beaufsichtigen. Es ist überhaupt eine Frage, ob die Kadetten- An st alten notwendig sind. Bisher haben wir nicht gehört, daß die Offiziere, die sich von der Mittelschule zmn Osfiziers- ftand gewendet haben, weniger für ihren Beruf befähigt gewesen wären, als die aus dem Kadettenkorps hervorgegangenen. Da, wo das Abilurium einer Mittelschule als Vorbereitung verlangt wird, haben die jungen Leute sicher auch mehr Wissen, als die in den Kadettenanstalten herangepreßten Ofsiziersaspi- ranten, und sie haben, soweit sie nicht aus anderen Internaten kommen, auch mehr Blick für das Leben in der Welt, sind, wenn auch nicht im Dienst, so doch im praktischen Leben geschulter, als die Herren, die die Welt nur in den Ferien, und da nur aus einem sehr hohen Kragen heraus gesehen haben. _ Der Drill lernt sich schon. Freilich wird man der Kadettenanstalten nicht ganz entbehren, da ja die jungen adeligen und hochadeligen Herren, die hier zu Offizieren gemacht werden, mit der misera Plebs in den Mittelschulen nicht in Berührung kommen dürfen und außerdem zu einem Teil vermutlich auch im Lehrgang nicht wilkommen würden. Auch für die Söhne von unbemittelten Offizieren sind die Kadettenanstalten, wenn auch aus anderen Gründen, unentbehrlich, und die geforderte Abschaffung wird deshalb wohl niemals erfolgen. Wir haben sehr selbständige Staatsbeamte, die in Scini- narien herangezogen wurden, und wir haben sehr unselbständige Offiziere, die aus bem Kadettenkorps hervorgcgangen sind. M an braucht also nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten, aber es muß eine durchgreifende Reform der Kadettcnanstalten innerhalb des deutschen Reiches kommen. Und eine Statistik darüber, woraus die Mehrzahl der wegen Mißhandlung verurteilten Offiziere hervorgegangen sind, wäre nicht so übel. sitzende des La.hntalsüngerbundes, Hauptlehfer Schneider von Marburg, noch einmal der Stadt Gießen herzlichem Dank für die gastfreundliche und herzliche Aufnahme aus, die alle Erwartungen übertroffen habe, und brachte ein dreifaches Hoch aus sie aus. Beig. Cur sch mann übertrug diesen Dank aus die Ausschußmitglieder, deren eifriger Arbeit der gute Verlauf des Festes in erster Linie zu verdanken sei. Sein Hoch galt den Ausschüssen und insbesondere den beiden Festvorsitzenden, Stadtv. Eichenauer und Kaufmann Hornberger. Hauptlehrer Storch von Butzbach prieK die nationale Bedeutung des deutschen Gesanges, der in der Stadt Gießen eine seiner besten Pflegestätten gefunden habe. Er tränt" auf das fernere Blühen und Gedeihen der Gießener Gesangvereine, insbesondere der vier Bundes-- Vereine. Stadtv. Sch mall wies in einer feinsinnigem Ansprache darauf hin, wie die Besten des Volkes, insbesondere die deutschen Dichter die Macht des Gesanges erkannt hätten. Er zeigte an der Hand ihrer Dichtungen die Bedeutung des deutschen Liedes für das nationale Leben und schloß, mit einem Hoch auf diese nationale Bedeutung des deutschen Liedes und das Vaterland. Begeistert stimmte die Festversammlung ein und machtvoll erklang im Anschluß daran „Deutschland, Deutschland über Alles" durch die Festhalle. Hiermit hatte dieser Teil des Festes seinen weihevollen Abschluß gefunden. Inzwischen füllte sich draußen der Festplatz mit zahl* reichen Besuchen und es entwickelte sich ein schönes Volksfest, das in den Abendstunden seinen Höhepunkt erreichte. Gegen 9 Uhr füllte sich die Festhalle so, daß jeder Verkehr darin stockte. Geduldig harrte die Menge aus, bis der Vorhang sich hob, um den Turnern Gelegenheit zur Vorführung ihres Könnens zu bieten. Eine aus 16 Mitgliedern des Turnvereins und des Männer-Turnvereins bestehende Riege turnte unter der Lettuug des Turnwartes M üller zunächst am Reck. Einer Reihe hübscher Schulübungen folgte ein prachtvolles Kürturnen, das die Zuschauer zu lebhaftem aber wohlverdientem Beifall hinriß. Nach kurzen Pause hob sich der Vorhang abermals. Eine Reche prächtiger Marmorgruppen, die unter Herrn Müllers Leitung von beiden Vereinen gestellt wurden, zeigte in prachtvollen lebenden Bildern griechische Jünglinge beim Spiel. Der Darbietung wurde ein besonderer Wert verliehen, durch den Umstand, daß die Verwandlungen nicht hinter geschlossenem Vorhang, sondern vor beu Augen des Publikums vorgenommen wurden. Die prachtvollen Silber fandet: lebhaften Beifall. Bald nach ihrer Beendigung strömte die Menge wieder ins Freie, um dort die zweites Hauptnummer des Abends, das große Brillant-Feuerwerk, abzutoarten. Auch dieses verlies programmäßig und ohne Störung. Es sand allgemeinen Beifall, nament* lich die zum Schluß erscheinende prächtige Lyra und die beleuchteten Fallschirme. Im übrigen bildeten Konzcrtt und Tanz das Festprogramm. Der neue Tag hämmerte' schon herauf, als die letzten Festgäste den Festplatz verließen. Unser Festbericht wäre unvollständig, wenn er nicht? der schönen und zweckmäßigen Einrichtung des Fe st Platzes gedächte. Vor allem verdient die praktische! Einrichtung der Wirtschaftshallen, die sich in den Anlagen estradenartig ausdehnten, Erwähnung. Durch die Ein-: beziehung der "Anlagen und des Bürgersteiges der Nord-i anlage wurde es ermöglicht, bedeutend mehr Festbesuchert als sonst unterzubringen. Ter Entwurf dieser Bauten war? dem "Architekten Köhler zu verdanken. Auch der malerische;! Haupteingang verdient alle Anerkennung und ebenso diH geschmackvolle Dekoration, die von den Meistern Kurl Holl-,! mann (Malerei), Karl Kaufmann (Pflanzendekorationst und Ehr. Arnold (sonstige Dekorationsarbeit) ausgesührü wurde. Die Ueberwachung der Festbauten wurde zum ersten- Male von der Wach- und Schließgesellschaft ausgeführt unbi zwar zur Zufriedenheit. Alle Feftbesucher aber werden mit Freuden auf das schöne Fest zurückblicken und auch den finanzielle Erfolg soll so fein, daß die Veranstalter damit zufrieden fein können. Zweites Blatt LLG.Jatzxgmrg Dienstag 1«. Juli 1806 Gießener Anzeiger Aus SecrSt uns £ano* Gießen, den 10. Juli. ** Der liebenswürdige Gatte. Ein Arbeiter oon; hier, der am Sonntag auf dem Festplatz als Kellner tätig gewesen war und hierbei den Getränken stark zugesprochen hatte, mißhandelte gestern morgen seine Frau. Er versetzte ihr u. a. einen Messerstich in den Oberarm. Die Messerspitze brach ab und blieb im Arm stecken. Da die Ehefrau Strafantrag gestellt, wurde der Unmensch verhaftet. •• Festesfreud e. Gestern mittag entkleidete sich am Bahnhof ein Mann und forderte die Leute zum Ringkampf auf. Ein Schutzmann kam noch rechtzeitig und verhinderte ihn, daß er nicht auch noch bas letzte Kleidungsstück von sich warf; er würbe sonst im Adamskostüm herumgelaufen sein. Man brachte den Mann ins Haftlokal, wo er seinen Rausch ausschlafen konnte. X Allendorf a.,d. Lda., 9. Juli. Gestern nachmittag hielt der Bienenzüchterverein „ßumbataP eine gut besuchte Monatsversammlung im .Hotel Ranft" hier ab. Pfarrer Böchner-Treis hielt einen Vortrag über die richtige Einwinterung der Bienen als unerläßliche Vorbedingung zur Ausführung des Meisterstückes der Bienenzucht, der lieber» Winterung. Zur richtigen Einwinterung gehören u. a. starke Völker mit nicht zu alter Königin, der nötige Futtervorrat, guter Wabenbau, Luftzirkulation und warmhaltige Wohnungen (Drei- und Vierbauten nach Keck). An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, die zusammen mit dem Vortrag derr Anwesenden wieder reiche Anregung gegeben hat zum Vorteile der Bienenzucht und des Züchters. lieber die diesjährige Honigernte waren die Anwesenden geteilter Meinung, die meisten halten sie für gering, wenn auch einige Imker von größeren Erträgen als in früheren Jahren zu berichten hatten. Im Verlauf der Sitzung wurden noch manche andere Fragen aus dein Gebiete der Bienenzucht besprochen und an die Anwesenden Kunstwaben verteilt. Zugleich ermunterte 26. «Layntaljangerbundesfest. ii. Gießen, 10. Juli. Gestern erreichten die Veranstaltungen des diesjährigen Sängerbundes fest es ihr Ende. Noch einmal versammelte sich die Bevölkerung Gießens mit den auswärtigen Säugern auf dem schönen Festplatz, um dort frohe festliche Stunden miteinander zu verleben. Und die Wogen der Festfreude gingen noch einmal sehr hoch, und spät, sehr spät tarn: es, bis das Fest, das in allen seinen Teilen einen schönen Verlauf nahm, sein Ende erreichte. Aber auch an em st er Arbeit fehlte es nicht, war doch der erste Teil des Montagsprogramms Der Sängertag des Lahntal-Sängerbundes. Nach einem froh verlebten Sonntag traten Montag vormittag die Sänger wieder zu ernster Tätigkeit, zum 52. Sängertage, im Restaurant „Gambpinus" zusammen. Wie der Bundesvorsitzende Schneider-Marburg nach einer kurzen Begrüßungsansprache feststellte, waren sämtliche 16 Bundesvereine durch ihre Abgesandten vertreten. Vor Eintritt in die geschäftlichen Verhandlungen gedenkt Hauptlehrer Storch-Butzbach in markiger Rede des 60- jährigen Bestehens der Harmonie-Gießen und bringt auf den Jubelverein ein freudig aufgenommenes Hoch aus. Todt-Gießen heißt die auswärtigen Bundesmitglieder nochmals herzlich willkommen und wünscht, daß der zweite Festtag ebenso schön verlaufen möge, wie der erste. Hierauf erstattet der Bundesvorsitzende Bericht über die Bun bestätig keit von 1904—1906, woraus zu entnehmen war, daß in dieser Zeit zwei Bundesfeste und vier Sängertage abgehalten wurden. An neun Mitglieder konnten Diplome für 25jährige Bundeszugehörigkeit verteilt werden. Auch bei der gestrigen Tagung wurde Sänger Fr. Färber-Weilburg durch ein solches Diplom ausgezeichnet. Im übrigen verwies der Bericht auf die in der Festschrift veröffentlichte Geschichte des Bundes. T-a der seitherige Bundeskassierer immer noch leidend ist, konnte die Rechnungsablage nicht erfolgen. Der Verein „Orpheus"-Butzbach will jedoch die Rechnung durch einen anderen Herrn fertigstellen lassen und sie baldigst der hierzu bestimmten Prüfungskommission vorlegen. Das Resultat dieser Prüfung soll in der „Sängerzeitung für Mitteldeutschland" bekannt gegeben werden. Ms 17. Verein findet der „Orpheus"-Wetter einstimmige Aufnahme in den Bund. Das Bundesfest für 1908 wird mit großer Mehrheit Kirchhain übertragen, zugleich aber in Aussicht genommen, das 50jährige Bestehen des Bundes 1910 in Butzbach zü feiern und 'mit dieser Feier das 28. Bundesfest zu verbinden. Unter allgemeiner Spannung gibt nunmehr der Vorsitzende das bereits gestern mitgeteilte Ergebnis des Einzelwettsingens bekannt. Storch-Butzbach dankt namens des Bundes den vier Gießener Brudervereinen für die freundliche Aufnahme der auswärtigen Sänger und gedenkt auch der eifrigen und erfolgreichen Tätigkeit des Bundesdirigenten Gör lach. Der seitherige Bundesvorstand wird einstimmig wiedergewählt und auf Vorschlag von Butzbach Wilhelm Hadermann zum neuen Bundeskassierer bestimmt. Hierauf schließt der Vorsitzende mit einem Hoch auf den Lahntal-Sängerbund den ruhig und würdig verlaufenen 52. Sängertag, Das Festessen. Dem Sängertag folgte zunächst ein fröhliches Früh- schoppenkonzert, das die unermüdlichsten Feftgäste — deren Zahl übrigens nicht klein war — in bester Stimmung vereinigte. Um 1 Uhr begann sodann das Festessen, an dem gegen 100 hiesige und auswärtige »Herren teilnahmen. U. a. nahmen daran teil S. Magn. der Rektor der Landesuniversität Geh. Hosrat Prof. Dr. Behaghel, Provinzialdirektor Geheirnerat Dr. Breiöert, Oberstleutnant von Conta als Vertreter der Garnison und des Obersten, Beig. Eurschmann als Vertreter der Stadt — mit ihm war etwa die Hälfte der Stadtverordneten erschienen — Oberstaatsanwalt Theobald, ferner zahlreiche Mitglieder der Festausschüsse, der Vorstand des Sängerbundes u. a. in. Während des trefflichen Festmahles konzertierte die Kapelle unseres Infanterieregiments unter Musikdirektor Kraußes Leitung, was wesentlich zur Erhöhung der festlichen Stimmung beitrug. Nach dem ersten Gang erhob sich Rektor Geh. Hofrat Professor Dr. Behaghel, um mit folgenden Worten das Hoch auf Kaiser und Großherzog auszubringen: Hochansehnliche Festversammlung I Die Erfindung dcS Chorgesangs ist eine Leistung ersten NangeS ge- wesen in der Geschichte der Menschheit. Von ihm gilt das Wort, das Schiller von der sittlichen Ordnung gesprochen hat, die das Gleiche frei und leicht und freudig bindet. Kräfte der mannigfachsten Art, Töne vom verschiedensten Klang werden zur Einheit gebunden durch daS Walten des Rhythmus, durch den Wink des Taktstocks. So weiß der Sänger tiefer als mancher andere den großen Sinn der Einheit zu begreifen, so hat er je und je zum Ganzen gestrebt, so ist er zumal berufen, in festlicher Stunde sich des gewaltigen Rhythmus bewußt zu werden, der die Völker lebendig durchdringt, derer zu gedenken, deren Machtgebot die Massen zu gliedern, zu beseelen, zu einmütiger Tat zusamuienzufassen weiß. Freilich hat sich die Stellung deS deutschen Liedes von Grund aus gewandelt im Laufe der Zeiten. Früher, da ist es gar manchmal in moll und lamentando erklungen; es war in schwerer Zeit der Ausdruck der Sehnsucht nach anscheinend unerreichbaren Gütern. Heute darf es aufjubeln in den hellsten dur-Tönen und molto-allegro. Tenn das Reich ist unS gewonnen, wir haben einen Kaiser, der in einträchtigem Zusammenwirken mit feinen fürstlichen Bundesgenossen uns dithyrambisch voranschreitet. Unser Kaiser, unser Großherzog, sie sind nicht blos Männer des Staates Sie sind zu künstlerischen Mächten geworden, die bestimmend eingreifen in daS künst- lerische Leben unseres Volkes. In Hingebung und Ehrfurcht beugen wir uns der Führung ihres Stabes; wir folgen ihnen in jedem Tempo, das sic angeben, lento, andante, vivace, hindurch durch die verschlungensten Rhythmen des staatlichen Lebens, hindurch durch die harten Dissonanzen des Tages, in dem ruhigen Bewußtsein, daß sic uns aufwärts leiten zu den göttlichen Harmonien einheitlich nationalen Empfindens. Ich bitte Sie die Gläser zu erheben und mit mir zu rufen unisono fortissimo: S M. der deutsche Kaiser Wilhelm II., S. K. H. der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen nnd bei Rhein, sie leben hoch, hoch, hochl Die geistvollen Worte des Rehners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen und in daS dreifache Hoch wurde begeistert eingeftimmt. Der Gesang der Nationalhymne schloß sich an. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung sprach der Bor Eingesandt. (Für Form und Inhalt dl er nirtcr Meier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, den 8. Juli 1906. Sehr geehrte Redaktion! Als langjähriger, aufmerksamer Leser des „Gieß. Anz." Hobe ich die Beobachtung gemacht, daß Wünsche des Publikums oder Klagen über tatsächliche Mißstände sehr rasch 511111 Jiele gesührt haben, wenn die maßgebenden Behörden durch einige Zeilen in Ihrem Blatte daraus aufmerksam gemacht worden sind. Vielleicht bedarf es auch nur der Veröffentlichung dieser Zeilen, um einem lebhaften Wunsche der Anwohner der R 0 0 n st r a ß e zu schneller Befriedigung zu verhelfen. Ter Mangel eines B r i e s k a st e n s wird in dieser beinahe ausgebauten Straße schmerzlich empfunden. An der (vtfc der Rooustraße und Moltkestraße angebracht, würde er einem wirklichem Bedürfnis gerecht werden. Ergebens! Ein Roo n st r ä ß e r. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juli 1906 Barometer mir 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Wetter ■c yo E 8 9. 2» 753,5 23,0 14.6 70 NNE 4 Bew. Himmel 9. 9,6 753,2 18,8 14,2 88 NE 2 Klarer , 10. 752,3 16,6 12,7 91 • 4 Bed. Höch te Temperatu r am 8.-9. Juli = = + 23f/ 0 C. Niedrigste B ■ 8.-9. • ~ = + 14,1 Q C. •her Vorsitzende, Lehrer Adam hier, zu zahlreichem Besuch der Wanderversammlung des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, die am 22. und 23. d. Mt§. in Friedberg abgehalten werden wird. 0 Beienheim (Wettcrau, 8. Juli, Heute sand die Einweihung des neuerrickiteteu Kriegerdenkmals in un- wcscnhcit zahlreicher Kriegerverewe der Umgegend statt, um 9 Uhr fand Kirchenparadc und über zwei silberne Ketten vernommen, die Frau v. Zander^ bei ihm gekauft imd vor Leistung des Offenbarungseides versteckt haben foIL Bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, daß der Untersuchungsrichter dem Aiigetlagten v. Zander in der Unlersuchnngsfast zwei goldene Manschettenknöpfe in die Zelle gesandt habe. v. Zander: Man wollte eben haben, daß die Knöpfe bei mir gefunden wurden. Bors, «heftig -: Ich muß diesen vollständig unberechtigten Angriff gegen den Untersuchungsrichter aufs Entschiedenste zurück- weisen. Das ist eine der stärksten Verdächtigungen, die gegen den Untersuchungsrichter erhoben werden kann. Ich muß das ganz entschieden zurückweisen. Ein weiteres Darlehen von v. Zander ausgenommen. Malermeister Jentsch als Zeuge: Er sei von der Straf fammer zu Oels wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden, v. Zander habe sich seiner angenommen. Er habe sich nach Berlin ins Justizministerium begeben und dort seine Beguadiguiig durch- gesetzt. Aus diesem Anlaß sei er dem Angeklagten zu Dane verpflichtet gewesen. Er habe deshalb keinen Anstand genommen, dem Angeklagten auf dessen Ansuchen ein Darlehen von 2000 Mark zu geben. Nochmals die Indiskretion de? Untersuchungsrichters. Rechtsanwalt Warmbrunn als Zeuge bekundet: Er habe eine Mage Frey wider v. Zander und Frey wider Luettig geführt. Von wem er von den Chemnitzer Bergweris aktien Kenntnis erhalten habe, könne er nicht sagen. Er glaube nickt, daß der Untersuchuilgsrichter ihm dies mitgeteilt habe. Nach einer mit dem Untersuchungsrichter geführten Korrespondenz halte er es nicht für wahrscheinlich, daß ihm der Untersuchuiigs- richter davon Mitteilung gemacht habe. Er habe den llnternid, ungSrichter ersucht, ihm, wenn angängig, iin Interesse em es Verletzten AusTnnft über den Stand der Untersuchung wider v. Zander und Genossen zu geben. Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Firle, habe dies mit dem Bemerken getan: Er nehme keinen Anstand, im Interesse des Verletzten über den Stand der Untersuchung Auskunft zu geben. J.-R. 4-r. Mamroth: Ich kann den Vorwurf, daß sich der Unteriuchung^ richtcr der Indiskretion schuldig gemacht hat, nicht zuriicknehmen, zumal aus den Aussagen des Kollegen Warmbrunn hervorgeht, daß der Untersuchungsrichter seine amtlichen Be- ug nissc weit überschritten hat. Antrag des Staatsanwalts. Staatsanw.: Damit die Angriffe gegen den Untersuchungsrichter endlich einmal aufhören, beantrage ich, drei Referendare und Landgerichtsrat Firle als Zeugen zu laden. Bert. Dr Mamroth: Ich falte den Antrag für überslusng. Ich taiin allerdings nicht umhin, das Verhalten des Landgerichtsrats ,\-irle gls voreingenommen, einseitig und b e d e n k l i cy zu bezeichnen, trotzdem falte ich eine nochmalige Erörterung dieser Vorgänge für überflüssig. Sollte aber dem Anträge des Staatsanwalts stattgegeben werden, dann beantrage ich, allen drei Angeklagten zu gestatten, sich vorher in ausgiebig,ter Weise über die ihnen vom Landgerichtsrat Firle widerfahrene Befandlung äußern zu dürfen. Ter Untersuchungsrichter und drei Referendare werden geladen. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende' Der Gerichtshof hat beschlossen: den Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Firle, und die Referendare Burkhardt, Eilenburg und Dr. Pachur als Zeugen zu laden, -ter Gencyts- faf bat' außerdem beschlossen, den Angeklagten Gk’Iegenbett zu geben, sich in ausgiebiger Weise über die ihnen angeblich vom Untersuchungsrichter widerfahrene Behandlung zu äußern. Ich muß aber dringend bitten, bis zur Vernehmung des llnterincfa ungsrichters und der drei Referendare sich aller Angriffe gegen den Untersuchungsrichter zu enthalten. vermischtes. * Ein moderner Bankbau. Welche umfassenden Vorkehrungen beim Bau eines neuen allen modernen Anforderungen entsprechenden Bankgcbäudes erforderlich sind, um Geld und Wertsachen gegen Einbrecher und Feuer zu schützen, erfährt man in interessanter Weise au5 einer von der Bau- und Architcktcnsirma Boswau & Knauer herausgcgcbenen Beschreibung des von ihr errichteten neuen Heims der Bant für Handel und Industrie in Hannover. Danach liegen die Stahlkammern mit über 900 einzelnen Geld- bezw. Wertfächcrn im Untergeschoß: sämtliche Tresors sind von Räumen umgeben unü and) unterhalb derselben ist ein Kontrollkeller angelegt, sodaß eine Inspizierung und Bewachung von allen Seiten möglich ist. Ferner ist eine äußerst empfind- liche Signalanlage angebracht, welche bei der geringsten Erschütterung und Ausdehnung des Stahls durch Wärme im ganzen Hause in Tätigkeit tritt, im selben Augenblicke erfolgt im ganzen Gebäude eine Alarmierung, wozu sieben lauttönendc Läutewerke, die an geeigneten Stellen montiert sind, in Tätigkeit treten. Das Leitungsnetz für die Telephon- und Signal- und' SichernngSanlage ist unsichtbar in das Mauerwerk verlegt. Es gelangen hierzu insgesamt ca. 2000 Meter Kabel mit 12—60 Adernpaaren zur Verwendung. Für die Verbindung resp. Abzweigestellen sind Kabel- vertcilungskasten ebenfalls in die Mauern eingelassen. Interessant ist auch, daß ein so umfangreicher Bankpalast außen wie innen binnen 10 Monaten erbaut wurde, allen, selbst den weitgehendsten Anforderungen genügen. * Ein Wettlauf der Kahlköpfe. Das Volksguartier der Marollier in Brüssel muß, so will es der Lokalpatriotismus, alljährlich bei seiner Kirmes etwas Nagelneues, Niedagewesenes bieten. In diesem Jahre sind die „Maitres de plaisir“ auf einen Wettlauf der Kahlköpfe verfallen, der „Klappkoppen", wie sie in der Mundart der Marollier heißen. Siebzehn Bewerber hatten zu diesem Rennen „genannt", doch mir sieben davon wurden als hinreichend kahl befunden. Der Versuch einiger Gerissener, die „Stewards" dieses Rennens durch Rasieren ihrer Behauptung zu täuschen, mißlang vollständig. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß das Rennen, daS durch die lange, dichtbevölkerte Hochstraße ging, ein voller Erfolg wurde. DaS „Turfpublikum" ersparte den in tropischer Hitze dahinkeuchenden Konkurrenten neben zarten Anspielungen auf ihre Platte auch handgreifliche Anfeuerungen nicht: alS Hauptvergnügen aalt es, die leuchtenden Platten der vorüber- sausenden „Spiegclköppe" mit Sirup, Waschblau ober Butter zu bestreichen. Als Preise winkten ben Siegern Pfeifen, Zigarrenspitzen und Geldsummen, deren Höhe sich zwischen fünf und — einem Frank bewegte. Abends fand in einer Kneipe noch die PrciSkrönung des schönsten Kahlkopfs statt. * Kleine Tages chronik. Der Kriminalschutzmann IöckS in Stettin, her dem wieder cingesangenen Raubmörder Hennig ben Stockhieb versetzte, hat den Löwenanteil der ausgesetzten Prämie, nämlich 1950 Mark, erhalten; dem Brauer Sattler sind 500 Mark zugesprochen worden, während der Wächter Haase, der hervorragend mitbeteiligt war, 250 Mk. erhält. Fleischer Koslowski und Schutzmann Sommer bekamen je 125 Mark, der Lehrling Hübner sowie die Schuhmachersfrail Glusa je 25 Mark. — Der Wiener Advokat Dr. Dtax Eisler ist vom Akademikersteig auf der Rar abgestürzt. Er war auf der Stelle t 0 t. — In R 0 in sind infolge Genusses von Fruchteis in einer renommierten Konditorei l3 Personen, darunter der bekannte Fürst Brancaccia, lebensgefährlich erkrankt. — In N e w - P 0 r k beabsichtigt eine Gesellschaft ein Gebäude von 210 Meter Höhe mit 4 1 Stockwerken auszuführen. — Bei einer Nachtspazierfahrt in der Nähe von Neunkirchen (Sesterreich) fuhr ein Automobil an einen Kilometerstein. Alle vier Insassen wurden au? die Straße geschleudert und zwei von ihnen, der Bezirkskommissar Baron Wittmann und der Bezirksrichter Dr. Rudolf, lebensgefährlich verletzt. — Durch Feuer wurde das Torf B i s d 0 r f auf der Insel F e h m arn größtenteils zerstört. Grinst Mfitö Wissenschaft. — Vorn Städelschcn Kunst in fti tu t in Frankfurt. In. der Umgestaltung der Galerie ist ein weiterer Schritt getan worden. Tie Kabinette der modernen Abteilung sind im Anschluß an den bereits von Professor Justi neugestalteten Lenbach-Saal renoviert worden. Die Bilder sind weniger gedrängt als srüfar gehängt. Die einzelnen Werke kommen so besser zur Geltung, der Gesamteindruck ist intimer geworden. In ent)ln-echenbcr Weise wird in der nächsten Woche mit der Renovierung des Lessing-Saals begonnen, des Hauptsaals der modernen Abteilung, in dem die Werke der älteren Generation des 19. Jahrhunderts fangen. Der Umbau der Eingangshalle zum Kitpserstichkabinett zu einem Ausstellungsraum ist nahezu vollendet und wird demnächst mit einer Rembrandt-Ausstellung, die dem 300 jährigen Geburtstag des Meisters ge- widmet ist, eröffnet. NniversZtäts-Nachrschten. — Die Wünsche des Kaisers für den „Präses s 0 r e n ° A u s t a u s ch Prosesjor Murrah Butler, der Präsident der Columbia - Universität in New-Park, befindet sich zurzeit in Berlin. Ter Kaiser, so erzählte Proiessor Butler einem Berichterstatter, entwickelte in mehr als einstündiger Unterredung seine Öledanken, wie der Professoren Austausch ins Werk gesetzt werden sollte, und dcknach ist dieser denn auch organisiert worden. Ter Aionarch forderte eine systematische Darstellung der Einrichtungen und der Entwicklung der beiden Länder durch Vorlesungen in der Sprache des Landes, in denen sie gehalten werden. Von diesem Gesichtspunkte aus wird als erster der sogen. Roosevelt- Professoren, die aus der vom New - Porter Bankier Speyer gemachten Stiftung bezahlt werden, Professor Burg eß von der Columbia-Universität im nächsten Semester in Berlin über amerik. Verfassungsgeschichte lesen. Ihm folgt im Wintersemester 1907 Professor Hadley, der Präsident der Universität Pale, dessen Vortragsthema die volkswirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten sein wird. Er wird seinen Zuhörern u. a. darlegen, welchen Einfluß einzelne Industriezweige für bestimmte Gegenden der Union haben, wie die Eisenstadt Pittsburg entstanden ist, wie der Westen, voin mexikanischen Golf bis zu der Grenze Kanadas durch die Viehzucht groß geworden ist, von welchem Einfluß die Riesenfarmen auf den Nordwesten gewesen sind usiv. Als Grundstock für die erforderliche Bibliothek bringt Professor Burgeß 1000 Bände mit als Ges ch c n k für die Berliner Universität. Von Ministerialdirektor ^llthoff ist angeregt worden, daß die Professoren, nachdem sie im Winter in Berlin gelesen haben, im folgenden Sommersemester ihre Vorträge an einer anderen deutschen Universität, z. B. München usw. wiederholen möchten, und diesem Wunsche wird voraussichtlich entsprochen werden. Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. — D on der Reichsbank. Wie gemeldet wirb, waren bei der Reichsbank die Rückflüsse bebcutenb unb wesentlich größer als im Vorjahr. Auch Metall ist viel zurückgeflossen, aber wegen der Reisezeit nicht wie sonst. Eine steuerfreie Reserve dürfte in der Zweiten Juliwoche noch nicht erlangt werben. — Die Berliner Börse war am Montag bei der Eröffnung fest, aber still. Die russischen Fonbs erfuhren eine Befestigung bis zu 8/< Proz. auf die Nachricht, baß Graf Witte zum Zaren berufen fei. Gestiegen sind noch Montanwerte, die viel von der Tagesspekulation zurückgekauft werden. Don Bahnen waren Baltimore beliebt, Mittelmeer angeregt, dagegen Meridional wieder abgeschwächt, weil man inbetreff der Verstaatlichungs- bivibende noch in Unsicherheit war. Prince Henri waren weiter schwach, weil ein Großspckulant seine Lösungen fortscht. Privatdiskont 36/8 Proz Nürnberg, 9. Juli. In der heutigen Generalversammlung der Continentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen fragte beim Geschäftsbericht Bankier Dispeker an, woraus sich die Verluste ans Effekt en- konto resultierten. Direktor Petri erwiderte, die Anlagen seien nicht auf Grund augenblicklicher Erträgnisse, sondern zum ursprünglichen Kostenpreis angesctzt worden. Da nun einige Werke nicht besonders günstige Ergebnisse gehabt hätten und die Aktien der anderen dem Börsenkurse nicht entsprächen, seien Abschreibungen notwendig geworden. Dispeker nahm dann seinen bereits in der letzten Schlickert-Versammlung gemachten Sanierungsvorschlag durch Reduktion der Aktien im Verhältnis von 4 :3 wieder auf. Petri antwortete, daß die Verwaltung sich mit dies- bezüglichen Erwägungen beschäftige, daß sie aber den Zeitpunkt für eine Rekonstruktion nicht für gekommen erachte. Es handle sich nicht nur um Beseitigung der Nnterbilanz und Schaffung eines Reservefonds für die Zukunft, sondern auch um Gewinnung flüssiger Betriebsmittel. Bei geeigneter Zeit werde die Verwaltung entsprechende Vorschläge machen. Statt besonderer Anzeige. 4233 4241 K M K Im Namen der Hinterbliebenen Georg Schwan, Heinrich Schwan. >* i /••rjSr •” tx .WK4 Prof. Baidensperger und Frau geb. Jaegle. Strassburg i. E. und Giessen, den 9. Juli 1906. 26. Lahntal-Sänger-Bundesfest 1906. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem uns betroffenen Verlust sagen innigsten Dank Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass unser innigst geliebter Vater und Schwiegervater Friedrich Eugen Jaegle am 29. Juni im Alter von 72 Jahren nach längerem, schweren Leiden sanft entschlafen ist. vi°. Hierdurch ersuchen wir alle ausstehenden Rechnungen bestimmt innerhalb 4 Tagen an die betreffenden Herren Vorsitzenden der Einzelausschüsse einreichen zu wollen. Der Geschäftsfuhrende Ausschuß Herm. Eichenauer. 1. Ziehung L Kl. 215. Kgl. Preuss. Lotterie. .. Ziehung vom 9. JalJ IBM, vormittags. .Nur die Gewinne über oo Mark elnd den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 9w/8,n33„?. 12001 441 566 607 849 90 1 513 729 960 1100! £427^o3L°17 666 331 83 955 82 3013 375 676 714 61 M 260 384 462 521 49 601 14 29 60 723 42 5167 690 733 814 6186 618 854 7076 173 615 24 29 96 605 Ö52O25??!2 120 93 367 405 584 17614 707 980 !18°?nm 5oqq^86^ ^^19213 11001 361 [2001 683 21ifu0UÄ ^S"71M%115^667 12001 752 831 95 924 96 Si1A 7^10780go7>11001 76? 69 832 900 22531 53 [100] 603 747 812 88 2 3016 39 11001 157 208 .344 621 978 ?032S7«i#I9^9^ 25010 57 320 475 605 15 91 F59 63 697 726 929 27224 426 28 6 ™ 705924 29322 495 [100] 683 4ao6Jä1 750 985 31)22 97 264 302 96 423 BOG] 510 985 32078 260 594 830 87 88 34251 318 63 502.675 880 3 5146 76 458 534 88 624 3 6033 144 216 IZ—52 339 468 695 737 3 7025 156 237 90 305 8 627 79 749 802 J200] 63 904 38085 252 375 510 31 58 605 47 747 55'98 868 73 911 87 3 9217 23 335 60 83 699 796 ‘ .. 4Olou 317 19 78 421 531 604 51 741 77 883 921 41002 42 253 577 729 [3000] 42361 655 58 73 43088 473 540 647 8a 874 980 44104 278 388 418 27 602 21 92 74o 808 87 45314 650 704 65 4 6184 457 782 809 61 960 f74/2 518 680 777 89 90 96 938 75 4 8653 70 4 9024 J2Ü /5 600 5 0071 160 245 458 505 636 57 705 43 87 5 1235 396 f00./72 S2162 94 386 491 94 528 91 675 771 854 927 5,3429 5 4095 224 344 400 599 641 880 82 5 5062 130 310 433 950 91 5 6070 87 93 142 288 92 380 467 518 47 799 840 84 5 7032 177 260 390 406 39 578 733 904 49 528769 H 961 7S° 538 943 5 9039 178 200 37 307 550 60025 81 229 362 403 649 77 797 906 93 61102 26 393 423 629 52 62111 [300] 35 254 79 513 659 701 852 W 63042 71 171 76 338 88 726 887 6 4009 81 100 243 3g9 767 82 814 991 6 5020 230 36 433 73 521 746 6 6270 300 L3001 12001 36 639 978 6 7246 [100] 94 388 464 91 11001 463 507 71 795 903 18 23 6902° 146 320 500 28 80 99 765 [100] 850 ?/6 395 614 893 950 7 1 257 509 68 637 779 X2°76 123 334 469 527 36 39 41 840 64 963 [100] 73152 NÄ^?9«831 97 Ml 74041 142 266 617 783 863 Z§28f öl 95 [100] 964 7 6288 366 86 471 514 822 Mj78005 63 11001 ™ Oo (S?403 581 799 906 8 1014 198 214 329 465 664 874 »•WH Ä 1« [100] 223 37 617 902 37 ZZMJ'3,8772ß,61^'29 84068 133 366 598 620 781 85161 M8ÄTM697n^J^°^34 190 264 807 20 24 37 49 N 460 563 710 20 854 82 88011 748 889 940 65 89031 46 115 243 321 25 o ^«?ON6159[400] E 33 306 749 9 1055 134 309 607 75 92 773 894 908 86 9 3 226 352 66 424 51 614 55 56 75 833 94154 77 (3001 370 404 530 95 643 896 9 5057 156 M 412 54 550 628 722 35 36 52 830 [100] 921 66 81 96019 430 510 87 726 31 [300] 58 943 9 7368 679 713 45 [200] 75[ 4001 86 1200^863 973 9 8021 530 673 [100] 99241 58 301 736 100290 325 442 595 661 63 768 77 99 SO8 20 58 954 58 69 1 0 1 027 161 263 327 11001 445 507 7v0 11001 871 102073 101 216 41 79 482 535 689 753 800 103286 394 11001 405 45 628 780 896 947 1 04101 547 707 90 105019 862 [JOOl 948 1 06042 147 86 227 422 509 822 107000 114 255 67 93 405 14001 571 faiOl 86 705 58 946 97 1 08432 745 929 1 0 9002 84 567 6Ö8 891 110235 55 382 90 419 76 684 901 111061 140 57 220 82 533 650 817 [200] 918 112078 119 257 82 342 89 438 63 550 64 627 93 [2001 96 978 94 113104 323 71 669 797 114239 367 627 115104 64 315 516 38 72 629 116273 80 467 518 69 90 707 54 929 71 117194 212 42 352 83 93 553 90 723 902 24 37 86 95 118183 220 324 487 545 789 929 119653 [1001 770 823 [2001 29 120656 706 43 814 121338 414 34 713 18 93 122578 754 58 892 1 23111 289 465 524 47 688 713 124282 348 [200] 532 609 34 1 25)40 86 268 558 792 126211 425 547 603 766 96 830 1 27123 223 324 [100] 624 31 707 57 [100] 98 909 1 2 8373 84 784 810 82 959 129240 [2001 75 480 59-4 772 86 [ 400] 13 0045 117 53 524 54 707 816 51 13 1 301 431 671 872 1 3 2384 4 84 692 817 1 3 3276 542 93 693 892 ,134285 395 784 832 1 35142 217 440 74 96 723 870 965 1136095 115 206 515 652 949 1 37259 70 316 73 514 19 667 138167 81 552 91 885 950 1 39023 361.88 416 639 on« W 654 78 712 54 56 61 866 941 14 1 048 205 502 837 49 99 1 42183 322 62 431 700 56 853 }42208 na 454 98 800 144153 [ 200 ! 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Bestehender Bestimmung gemäß bringen wir nachstehenden Gebührentarif der hiesigen Gesindevermieterinnen und Stellenvermittler zum Abdruck. Die Gebühr einer Gesindeoerinietcrin beträgt: 1. Für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen 5 Mk. 2. Für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts 7 Mk. (Frau Geisel und Opper 5 Mk), wovon der Dienstbote jeweils 2 Mk. zu entrichten hat. Frau Schmidt, Neuen-Bäue 5, erhebt von den Dienstboten keine Gebühr. Die Gebühr des Stettenvcrmittters Germann beträgt: Für einen 1. Gesellen Mk. 3, Bekanntmachung, In der Zeit von. 30. Juni bis 7. Juli 1906 wurden in hiesiger Stadt - gefunden: 1 Buch, 1 Brille, 1 Halskette, 1 Metzgerbolle, 1 Korbdeckel, 1 Ning und 1 Handtasche mit Inhalt; verloren: 1 Glasschneider, 1 goldenes Kreuz ohne Kette, 1 Hundertmarkschein und 1 gold. Manschetten* knöpf mit Kettchen. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 7. Juli 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Wolkengasse von heute an bis auf Weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Mäusburg von heute an bis auf Weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 7. Juli 1906. Großh. Polizcmmt Gießen. Herberg. Bienenhonig Lehrer Rabenau, Rödgen. Neue Kartoffeln stets auf Lager. Billigste Preise. J. Weisel [4207 Telephon 235. Sonnenstraße. Neuer Saalbau Dienstag, den 10. Juli 1906 Grosses Konzert der Kapelle des Na ff. Pionier-Bataillons Nr. 21 unter Leitung ihres Musik-Direktors Herrn O. Lischke. Anfang SV4 Uhr. 4230 Eintritt 40 Pfg. Zwiebelkuchen MontGIistiv.u. Freitags bon 9 Uhr ab Friedrich Hoibäcker.[4054 SAPONIA re,'m*Ot alle Metalle (mit Ausnahme von Gold u.Silber) ohne sieanzugreiFen. Ferner Porzellan, Holz.Emailgeschirr. Badewannen. 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