'? Hamel »SvWsws W, ^unermchier^ » »Ü Ml«» 16,1 Wertigt 0572, —^dnttiirave 10, var, " Qi 1.; , billig gearbeitet ^!_,echlllcrstr.2Z,part^ initflrt .®£ Untertextiauer Mull d- Realgymnasiums Z \ , "NkBeauisichligung arbeiten wird gejucht, Angebote unter 4780 i^ieoenOnitigereMi. i . to<33 prima Cbjett von ILOOoR °/. abzugeden. [4781 'perlen an bieSpebüion erb. nickte Lchneibenn nimmt noch Kimdichllit an in und außer auje. Cehl auch nach ansiväris^ )Ircmkiurt.Str.61,llI. [05717 Kre0' r»-i> Auf bequeme lllläbel >r* AAM!-für reisende ospiz»*. ng. Sciwestenü» Heaien, lohanaetttr. Z iWlM 2. ^otftffnu pünU= em ZinkMr ans Irr. Cb- t QtW M Angebote unter 4W Kwncr Anzeiger erbeten, irleheu-Gesnci. uiou i°ch>5*; ein Jahr, gegen kicher- t anszunchmu. -chnftl. Angebote unter M d. Gießener Anzeigermm nn mU lU 41/. °/o NNöjU' illl) A. ««»• ®Ä an benO^ I^ärienvögcl^ntflogkk **** WB ZSLZ (tw* Cer steise am^ „m lnc^e\ auf heute Ubr dort d'^' ^Uidljeiug nD ejbet^ hiung der Nr. IS Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Giehener Familienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt"' erscheint monatlich einmal. Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 8. August 1666 Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Liehen. AödauKung des Zaren. Umsonst rauscht nicht das Gebüsch. Von Tag zu Tag treten die Meldungen bestimmter auf, daß der Zar mit der Abdankung sich trage. In den Kronratssitzungen soll Nikolaus wiederholt mit diesem Schritt gedroht haben, wenn seine Auffassung Widerspruch erfuhr. Das Londoner Blatt „Daily Chronicle" erhält aus Petersburg ein Telegrainm, daß die Fortsetzung der Meutereien in der Armee den Zaren zum Abdanken bestimmen werde. Der Zar will auch nichts davon wissen, den Neoolutionären entgegenzutommen, sie durch Milde zu versöhnen. Also das merkwürdige Beispiel, das der russische Admiral Skrydlow gab, hat nicht den Beifall deS Zaren. Stundenlang verweilte der Admiral bei den gefangen genoinmenen Matrosen im Gefängnis, nannte sie „Brüder" und rührte sie schließlich, obwohl sie zuerst sehr univillig waren über die trauliche Anrede, zu Tränen. Ein schönes Bild, nur so unmilitärisch wie möglich. Im übrigen, Tränen hat der Russe stets zur Verfügung. Er weint aus Freude und aus Rührung und er weint, wenn er aus revolutionärer Ucberzeugung Menschen tötet. Auch der Zar weint. Die Katastrophen des russisch- japanischen Krieges erschütterten ihn bis zu Weinkrämpfen, und ebenso stark äußerte sich die seelische Erregung nach den Attentaten auf hohe Würdenträger. Aber der Zar überrascht immer wieder seine Umgebung durch seine Elastizität. Einige Stunden später scheint auch der stärkste Eindruck verwischt, ja verschwunden; der Zar ist in doppelt guter Laune, er glaubt aufs neue an seinen Stern und „fühlt eine Armee in seiner Faust". Diese Zähigkeit ist eine erstaunliche Eigenschaft. Man muß einmal bedenken, wieviel Staatsmänner und Militärs in Rußland den Platz geräumt haben, weil sie vor der Riesenaufgabe, die Revolution zu bezwingen, verzagten. Der Zar ist anr meisten von den anarchistischen Anschlägen bedroht, das Gefühl absoluter Sicherheit wird er seit langem nicht mehr kennen, er kann nicht in die Herzen seiner Diener sehen, und dennoch harrt der Zar aus. Dazu gehört am Ende doch ein nicht ganz unbeträchtlicher Mut. Aber die zäheste Natur wird durch dauernde Ungunst des Geschicks gebrochen. Nirgends in Rußland zeigt sich ein Anfang zur Besserung, das Heer ist durch und durch von revolutionären Ideen erfüllt, Soldaten und Matrosen diktieren, als Herren der Situation, förmlich ihre Bedingungen, die Gefängnisse können die Menge der Verhafteten kaum mehr fassen, die Gerichte sind trotz summarischer Rechtsprechung außer stände, rasche Sühne zu üben. Nun ist der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch zum Oberkommandierenden des gesamten Heeres ernannt. Wenn das nicht mindestens die Vorbereitung der Militärdiktatur ist, was ist es dann? Daß die Absicht der Diktatur bestritten wird, versteh sich von selbst. Das Ableugnen ist man von den russischen amtlichen Stellen gewohnt. Im Ernst ist nicht zu glauben, daß Großfürst Nikolai der Mann dazu wäre, etwa die Reform des Heerwesens an Haupt und Gliedern herbeizusühren. Der Großfürst gehört anerkanntermaßen nicht zu den „Riesen des Gedankens", von deren Erscheinen das Manifest bei Auflösung der Duma träumte, und noch weniger zu den Niesen der Tat. Die Ernennung scheint einen Uebergang zur Ausführung des verzweifelten Entschlusses zu bilden, mit umfassender militärischer Gewalt die Revolution zu ersticken. Ein Feldzug int Innern, zu dem ein Oberkommandierender erforderlich ist. Mißlingt auch das, so ist es wohl möglich, daß der Zar abdankt. An den deutschen Börsen ist man ja in Bezug auf Rußland von der äußersten Vertrauensseligkeit. Infolgedessen wird man in Berlin immer wieder von den Ereignisien überrascht, mit denen die Pariser und die Londoner Börse, bester unterrichtet und skeptischer, gerechnet haben. So meldet eine Depesche der „Vost. Ztg." ans Paris: „Da man in maßgebenden Finanzkreisen ernstliche Folgen von den Gerüchten über eine Abdankung des Zaren befürchtete, wurden Jnterven- tionskäufe vorgenommen." E§ finden also in Paris maßgebende Finanzkreise die Abdankungsgerüchte beachtenswert genug, um daraufhin Verfügungen zu treffen. In Deutschland wird der Zar für unerschütterlich gehalten. V .. .2. _ ■■ politische Tagesfeharr. Die Monarchenzusammenkuust in Friedrichshof. Der Kaiser trifft nach den neuesten Bestimmungen bereits am 14. August, nachmittags, mittelst Sonderzugs in Cronberg em und begibt sich nach Schloß Friedrichshof. Am 15., morgens 9 Uhr 15 Mm., wird König Eduard erwartet, der von London über Vlissingen und Köln kommen wird. Der Kaiser wird seinen Gast am Bahnhof Cronberg empfangen und ihn nach Friedrichshof geleiten. Dort wird zunächst em Frühstück und dann eine Besprechung der beiden Monarchen stattfinden. Für nachmittags ist eine Autornobil- fahrt vorgesehen, die nach der Saalburg führen soll. Der Kaiser wird seinem königlichen Onkel die dortigen Arbeiten zeigen. Am 16. August um 9 Uhr 40 Min. reist König Eduard von Cronberg ab nach Macienbad. Der Kaiser begibt sich im Automobil nach Homburg, wo um 11 Uhr die Enthüllung des Landgrafendenkmals vorgesehen ist. Dec Kaiser verliest dabei eine Rede, in der u. A. die Verdienste der hessen-homburgischen Landgrafen gewürdigt werden. Sofort nach der Enthüllung reist der Kaiser mittelst Sonderzugs von Homburg nach WilhelmShöhe. * Reine Hände. Der preußische LaudlvlrtjcheftSminister Herr ti. Pod- bielst'i hat sich eines Berliner Blattes bedient, um seine 'geschäftlichen Beziehungen zu Tippelskirch u. Co. inS rechte .Licht fit .setzen. Wr zweifeln nicht im mindesten daran, idaß Herr v. Podbiclski, nachdem er wieder in den .Stacrts- und Flotte. Von besonderer Seite wird uns geschrieben: Die erhöhte Bedeutung der Artilleriewaffe, die sich erneut daran erkennen läßt, daß nach den abgeänderten Bestimmungen über die Ausbildung der Schiffsjungen letztere neben der infantcristi- chen in Zukunft auch artilleristische Weiterbildung erhalten sollen, liefe Bedeutung wird dem Vernehmen nach bei dem Kaisermanöver in Schlesien zum Ausdruck kommen. Einerseits in umfangreicherer Beteiligung der Fußarttllerie, die früher zu den großen Herbst- übungen überhaupt nicht herangezogen wurde, andererseits in ebenfalls umfangreicherer Erprobung der neuen Rohrrücklaufgeschütze, die beim vorjährigen Kaisermanöver versuchsweise zur Verwendung kamen. Es heißt ferner, daß die Artillerie in Schlesien zum ersten Mal nut Licht, ignalen zum besseren Erkennen des Zieles operieren wird, die bei der französischen Artillerie, an deren Vervollkommnung in hervorragendster Weise gearbeitet wird, bereits in Benutzung sind. Aus Stadt und Land. Gießen, den 9. Aug. 1906. •• Der neue Gießener Gymnasialdirektor. S. K. H. der Groß Herzog haben den Direktor des Gyrn- dienst getreten war, keinen Einfluß mehr auf hie geschäftlichen Transaktionen der Firma ausübte, wir halten es auch für selbstverständlich, daß ihm von den Darlehen an Major Fischer kein Sterbenswörtchen bekannt war, aber besser wäre es jedenfalls gewesen, wenn er seine diesbezüglichen Verbindungen vollständig abgebrochen hätte. In anderen Staaten, wie beispielswei,e England, Frankreich und Rußland pflegt man ja über die Beteiligung aktiver Minister und Offiziere an industriellen Unternehmungen liberaler zu denken, als bei uns, und dort macht man auch von Affären, wie die des Majors Fischer lange nicht soviel Aufheben?, aber Prenß-n-Teutschland ist nicht zuletzt durch die absolute Unbch-chlichkeit, die reinen Hände und eiserne Pflichttreue seines Staatsbeamtenkörpers und Offizier- korps groß geworden, und wir möchten diese Eigenschaften nicht in Verfall geraten sehen. Die Vorstellung, daß sich ein deutscher Staatsbeamter auf Staatskosten bereichern könnte, liegt uns vollständig ferne, und hier berührt sich unsere Anschauung mit den Ehrbegriffen der römischen Republik in der Zeit ihres Aufschwunges. Deshalb wirkt die Affäre Fischer-TippelSkirch so peinlich auf das gesunde Empfinden des deutschen Volkes ein, und in weiten Kreisen wird denn auch der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß cs nicht allein in der Kolonialverwaltung stinke. Diese Möglichkeit erscheint uns ausgeschlossen, aber umsomehr ist es Pflicht der maßgebenden Stellen, dafür zu sorgen, daß das Uebel nicht weiter frißt und durch eine Radikalkur wieder Beruhigung geschaffen wird. Vor allem heißt es, die Quelle solcher Vorkommnisse, den immer stärker hervortretenden Hang zum Luxus und Wohlleben zu verstopfen, denn dabei wird sogar am grünen Holze gesündigt. Es sei nur darauf hingewiesen, daß beispielsweise die Repräsentationspflichten unter dem alten Kaiser sich in dem Rahmen schlichter Einfachheit hielten, während unter dem neuen Regime sie nachgerade zu einer wahren Plage für den schmalen Geldbeutel der nicht oder nur mäßig begüterten Offiziere und Staatsbeamten geworden sind. Ein Verteidiger Studts. Der preußische Kultusminister hat bekanntlich den Seminaristen die Lektüre der Werke Ibsens, Hauptmanns und Sudermanns verboten. Er hat sich damit wieder einmal selbst eine geistige Niederlage beigebracht. Diese Auffassung hatte wenigstens die Presse einmütig. Die, die vielleicht anderer Meinung waren, hielten den Mund, denn sie fühlten, daß sie einen verlorenen Posten verteidigen würden. Nun ist doch ein Kampe erstanden, der der Exz. v. Studt beifpringt und ihren Ukas verteidigt. Es ist Herr Max Lorenz, ehemals Sozialdemokrat und jetzt Herausgeber einer „Antisozialdemokoatischen Korrespondenz", ein Mann, der mit Renegaten-iUebereifer für jede Art von Reaktion ficht. Als Organ dient ihm der „Tag", ein Blatt, das ein zwar linksgerichteter Mitarbeiter geschickt als Folio benützt, von der sich seine konservativen und möchtegern- offiziösen Darbietungen desto glanzender abheben sollen. Was bringt Herr Lorenz nun vor? Symptomatischen Wert haben seine Ausführungen allerdings, denn hier kommt ein typischer Vertreter kraß^autoritattver, anti- liberaler Ideen zum Wort. Er sagt: Der Volksschullehrer versteht von Ibsen und Hauptmann nichts und der Seminarist erst recht nichts. Und er ergänzt diesen Vorwurf, der intellektueller Art ist, durch den zugleich moralischen: Nächst den Arbeitern gibt es keine unzufriedenere Gruppe als die Lehrer. „In der jüngeren Generation des Volksschullehrerstandes ist eine unglaubliche Menge von Oppositionsstoff angehä'uft, mehr nur noch in der Arbeiterklasse. Schuld daran aber trägt keineswegs die materielle Notlage. Die besteht gap nicht mehr, ganz besonders auch nicht für den Landlehrer. Was liberale Zeitungen darüber schreiben, läßt jede Kenntnis der wirklichen Verhältnisse vermissen. Die Ursache dieser Oppositionsstimmung liegt vielmehr auf geisttgem Gebiet und zum guten Teil in jenem Bildungstrieb, der nämlich irre geleitet wird." Mithin muß das Lesen der Leute eingeschränkt werden. Das sind die „Grunde", mit denen die Studtsche Verfügung verteidigt wird. Man kann den Gegensatz zwischen konservativer und liberaler Weltanschauung nicht schärfer ausdrücken, als eS hier geschieht. Und es ist denn auch ganz folgerichtig, wenn Lorenz gegen Gerhart Hauptmann mit erfrischender Naivität einwcndet: Der Mann ist ein Liberaler. „Ich (Max Lorenz) aber sehe in .ihm, unter voller Würvigung seiner psychologischen, literarischen und üsthe- ttschen Qualitäten, den Ausdruck einer zu Ende gehenden Epoche, der Epoche der liberalen Bourgeoisie im eigentlichen Sinne, die ihren Anfangs- und zugleich Höhepunkt in Schiller, ihren End- und Tiefpunkt in Hauptmann gefunden hat. Von Schiller zu Hauptmann, das ist der Entwicklungsgang liberalen und bourgeoisen Geister". Daß diese Charakteristik Gerhart Hauptmanns heller Unsinn ist, tut natürlich der Folgerichtigkeit des Kritikers keinen Abbruch. Herr v. Studt hat einen Verteidiger gefunden; aber was für einen! nasiums zu Offenbach, Dr. Wich. Henseil, zum Direktor des Gymnasiums zu Gießen mit Wirkung vom 1. Septbr. an, den Direktor der Realschule und des Progymnasiums zu Alzey, Dr. Ludw. Buchhold, zum Direktor des Gymnasiums zu Offenbach, den Oberlehrer an dem Ludwig-Georgs-Gym- uasium zu Darmstadt, Professor Dr. Theodor Eger, zum Direktor der Realschule und des Progymnasiums zu Alzey ernannt ** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Herrn. Lehr zu Güttersbach 'eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ramstadt. Bestätigt wurde der von den Freiherren Riedesel zu Eisenbach auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lardenbach präsentierte Lehrer Will). Schmidt zu HartmannShain. ** Manöver-Postsendungen. Aus Anlaß der bevorstehenden militärischen Herbstübungen machen wir auf die Wichtigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Aufschriften bei den Manöver-Postsendungen aufmerksam. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (möglichst auch Vorname, unter Umständen Ordnungsnummer) Dienstgrad und Truppenteil (Regiment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Abteilung, Batterie, Kolonne usw.) und der ständige Garnisonort, eintretendenfalls mit dem Zusatz „oder nachsenden". Die Angabe eines Marschquartiers als Bestimmungsort empfiehlt sich in der Regel nicht. ** Kreissammelwasen m ei st erei. Die ersten Arbeiten zur Errichtung der Kreissammelwasen.neisterei bei Garbenteich sind in Angriff genommen. Einzelne Gebäude sollen noch bis zum Herbst unter Dach gebracht werden. Die Maurerarbeiten sind einem hiesigen Vaugeschäft übertragen worden. ** Lehrer wählbar zum Gemeinderat. Der Sonder-AuSschuß der 2. Hess. Kammer für die Revision der Verwaltungsgesetze hat die Streichung der Bestimmung in der Landgemeindeordnung beschlossen, daß seminaristisch gebildete Lehrer an Volksschulen nicht in den Gemeinderat wählbar sind. Wenn die Regierung, die 1. Kammer und das Plenum der Kammer sich anschließen, werden die Volksschullehrer in Zukunft zum Gemeinderat wählbar fein. ** Der Bezirkstag des H assiabezirks Gießen hat beschlossen, daß das Bezirksfest 1907 in Dau bringen abgehalten wird. Der dortige Verein feiert gleichzeitig sein 30jähriges Bestehen. — AuS der Schule. Ein Lehrer hatte in seiner Klasse den Liedervers: Schaffet, schaffet Menschenkinder, schaffet eure Seligkeit! aufschlagen lassen. Als er nun die Frage stellte, was sollen wir schaffen? erhielt er prompt die Antwort: „Wir sollen Menschenkinder schaffen". X Steinbach, 8. Aug. Die, wie wir kürzlich gemeldet haben, für unseren Ort vorgesehene Wasserleitung wurde vom hiesigen Gemeinderat abgelehnt, da sie einen zu hohen Kostenaufwand erfordern würde. Die Kanalisation ist dagegen in Aussicht genommen. A Grünberg, 8. Aug. Die Anlegung eines neuen Straße npfla st ers in der Ne ustadt zeigt schon, obgleich sie noch nicht ganz beendigt ist, ein recht vorteilhaftes Aussehen. Es gibt der ganzen Straße ein ganz anderes Aussehen, das die anzulegenden Bürgersteige noch mehr heben. Die Verbindung unseres Bahnhofes mit der Stadt durch Neubauten geht immer mehr der Vollendung entgegen. Wiederum werden zwei Neubauten an der Bahnhofsstraße aufgeführt. A Butzbach, 8. Aug. Der Inhaber der ersten eoang. Pfarrstelle, Oberpfarrer Valentin Schrimpf von hier wurde heute zum Dekan des Dekanats Friedberg gewählt. — Ein 16jähriges elegant gekleidetes Dämchen erschien gestern abend in später Stunde in einem Schuhgeschäft und verlangte auf Rechnung eines hiesigen Arztes, der angeblich ihr Onket sei, verschiedene Paar Stiefel, die sie nach einigen Minuten abzuholen gedachte. Inzwischen ließ sie sich in einem Modewarengeschäft unter den gleichen Angaben verschiedene Gegenstände vorlegen. Die inzwischen benachrichtigte Gendarmerie nahm sich hierauf der Person an, da der Schuhwarenhändler von dem Arzt durch das Telephon erfahren hatte, daß er es wohl mit einer Schwindlerin zu tun habe. Bei ihrer Vernehmung gab sie an, Elise Wirth zu heißen und aus Niederwöllstadt gebürtig zu sein. •* Aus dem Usatal, 8. Aug. Das Projekt einer gemeinsamen Klaranlage für Bad-9!anheim und Friedberg ist von der Negierung ausgearbeitet worden, zur allgemeinen Freude der Anwohner. Z. Zt. führen die Fäkalien der Nauheimer Kläranlagen in die Ufa, wodurch das früher klare, muntere Bächlein in der Zeit der Hochsaison besonders zwischen Nauheim und Friedberg-Fauerbach an den Nil zur Zeit der egyptischen Plagen erinnert Eine trübe, stinkende Flüssigkeit wälzt sich träge vorwärts, Frösche sind anstelle de§ früheren Fischreichtums getreten, lieber die Verseuchung der Ufa schweben sogar längere Zeit Prozesse, mußten doch mehrere Anwohner ihre Badeanstalten schließen. Hoffentlich kommt das Projekt im Interesse beider Städte bald zur Ausführung. + Naunheim, 8. Aug. Mit Freude blickt unser junger Turnverein, das jüngste Glied des GaueS Hessen, auf feinen am letzten Sonntag zu Gießen errungenen Preis zurück. Der Verein wurde erst im Februar d. I. gegründet und zählt bereits 60 aktive Turner. Auch der vor Jahresfrist im benachbarten Waldgirmes gegründete Turnverein ging bei dem Feste als Sieger hervor. x Heldenbergen, 8. Aug. Bei der heutigen Ergänzungswahl des Vorstandes der israelitischen Neligionsgemeinde wurde Max Speyer mit Einstimmigkeit zum ersten Vorsteher wiedergewählt — Gestern f Für die gesamte Redaktion verantwortlich in Bertr. Ernst Hc 63 des Handel Frnnkfterter Börse. 9. Angrist, 1.15 Uhr. Beichsanleihe . . 99.10 396 Portugiesen III 217.40 Berliner Börse, 9. August. Anfangskurse . 211.70 156.70 243.00 126.10 . 166.30 . 138.30 . 236.90 c r 3370 143.90 144.50 Harpener Bergwerk. Laurabütte . . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . . Türkenlose . . . . 100.30 100.50 95.00 103.50 69.50 70.60 86.40 94.95 96.00 145.50 54.30 90.25 68.50 98.35 143.90 127.50 254.00 226.75 158 50 212.00 231.50 129.20 126.00 168.25 138.20 237.00 175.50 183.40 156.50 211.25 . 33.60 . 129.40- . 145.20 3% 3^7< 396 316% Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: lustlos.. do. Konsols do. Hessen . . Oberhessen 496 Oesterr. Goldrente. . 4% 96 Oesterr. Silberrente 4% Untrar. Goldrente . . 496 Italien. Rente . . . 396 Portugiesen Serie I . £ 83 ' TeEefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen. Aas neue englische Kinwanderungsgeseh. In Großbritannien ist ein nenc§ Eimvanderungsgesetz erlassen worden. Es enthält im wesentlichen solaende Bestimmungen: Kontrolle der Einwanderung und Abweisung unerwünschter Einwanderer vor öder bei der Landung. Die Eiirwanderung^kontrolle ist im allgemeinen nut solche fremden Einwanderer beschränkt, die als ZwischendeckSvassagierc ans einem mehr als 20 solcher Passagiere führenden Einivandcrungs- schifsc dort anlangcn. Jin übrigen sollen die Einwanderer nur in bestimmten, von der Regierung von Zeit zu Zeit bekannt zu gebenden und mit besonderen Einwanderungsbehörden zu versehenden Hä'en des Königreichs gelandet werden dürfen. Fremde Zwischendeckspassagiere, die nachweislich in einem britischen Haien nur zu landen wünschen um innerhalb eines angemessenen Zeitraums nach einem anderen, außerhalb des Königreichs belegenen Reiseziel weiterzureisen, sind gesetzlich von der Eimvauderungskontrolle befreit. Eines besonderen Durchwanderungsnachweises bedarf es nicht, wenn sich der Passagier im Besitze eines durchgehenden und bereits bezahlten Rcisebillets nach einem außerhalb des Vereinigten Königreichs belegeneil Reiseziel befindet und wenn der Kapitän des Schiffs, auf dem der Passagier angelangt ist oder iveiterreisen soll, eine der Regierung genügende Sicherheit dafür bestellt, daß der Pasiaqier sich mir zum Zwecke der Durchreise oder aus anderen von der Negierung gebilligten Gründen in Großbritannien aufhalten wird, daß während seiner Durchreise für seinen Unterhalt und seine Ueberivachuug gesorgt iverden wird, und daß er nach Großbritannien nicht zurückkehren wird, falls er nach der Weiterreise in einem anderen Lande zurückqewiesen werden sollte. Tie Einwanderungskontrolle besieht darin, daß kein fremder Zwischendeckspassagier von dem Einwanderungsschiff gelandet werden darf, bevor er von den: Einwanderungsinspektor unter Zuziehung eines Sanitätsbeamten an Bord untersucht worden ist und die Erlaubnis zur Landung erhalten bat. Abweisung unerwünschter Einwanderer. Die Landung von Eiiiwandereru ist nur mit Genehmigung des Einwanderungsinspektors gestattet. Sie ist unerwünschten Einwanderern zu versagen. Als solche kommen in Betracht: a) Einwanderer, die nicht nachweisen können, daß sie die erforderlichen Mittel besitzen oder zu erwerben vermögen, um sich und ihre etwaigen Anaehörigeu anständig unterhalten zu können. b) Geisteskranke oder Blödsinnige, sowie solche Personen, die infolge von Krankheit oder eines sonstigen Gebrechens voraussichtlich den Steuerzahlern zur Last fallen oder in anderer Weise dem Gemeinwesen schädlich werden fönnen. c) Einwanderer, die in einem fremden Laude, mit bem England in einem Auslieserungsverhältnis steht, wegen eines in dein Vertraue und in bem englischen Auslieferungsgesetz vom Jahre 1870 vorgesehenen Auslieferungsdelikts von nicht politischem Charakter verurteilt worben sinb, imb d) Eiiiwauberer, die aus Grund bes neuen Einwanbcrungs- gcsetzes schon einmal ausgewieseu ivorbcn sind. Doch sollen Personen, die nachweislich nur eine Zuflucht in Großbritannien suchen, um eine Klage ober eine Bestrafung aus politischen ober religiösen Gründen zu vermeiden, ober weil sie eine Vergehung politischen Charakters begangen haben, ober weil sie Verfolgungen entgehen wollen, benen sie wegen ihres religiösen Glaubens in einer mit Geiahr für Freiheit, Leib oder Leben verbundenen Weise ausgesetzt sind, nicht wegen bloßer Mittellosigkeit ober wahrscheinlicher Belastung der Steuerzahler zurückgewiesen iverden. Ausweisung unerwünschter Einwanderer nach der Landung. Eine Ausweisung ist zeitlich unbeschränkt gegenüber den Ausländern zulässig, die im Königreich wegen einer solchen strafbaren Handlung verurteilt worden sind, die mit einer durch Strafgeld nicht einzulösenden Freiheitsstrafe bedroht ist, fofem dies von dem betreffenden Gericht mit dem Hinzufügen bescheinigt wird, daß es die Ausweisung des Verurteilten neben ober an Stelle der Verbüßung der ihm anfertegten Strafe für geraten halte; die Ausweisung ist ferner zulässig, und zwar innerhalb 12 Monaten nach der letzten Ankunft des Ausländers in Großbritannien, bei Personen, bezüglich deren von einem mit derartigen Untersuchungen im abgekürzten Verfahren zu betrauenden Gericht bescheinigt wird, entweder a) daß der Ausländer innerhalb der letzten drei Moiiate seit der Einleitung der Untersuchung von einem englischen Kommunalverband eine Annenunterstützung bezogen hat, die für Einheimische den Verlust des Wahlrechts zum Parlament begründen würde, oder b) daß der Ausländer umherziehend ohne nachweisbare Sub- stineuzmittel betroffen worden ist, oder c) daß er in einem wegen zu dichter Belegung mit Einwohnern ungesunden Quartier gelebt bat. Strafbestimmungen. Alle Zuwiderhandlungen gegen das neue Gesetz sollen gegen den Einwanderer^ mit feiner Behandlung als Landstreicher im Sinne des einschlägigen englischen Gesetzes ober, wenn bie Strafverfolgung in Schottland ober Irland stattsindet, mit durch Zwangsarbeit verschärfter Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten geahndet werden Mit der letzteren Strafe werden, außer „Einwanderern", auch alle anderen fremden Passagiere bedroht, die bem Kapitän gegebenenfalls bie für seine statistischen Nachweise über sie er- sorberlichen Angaben verweigern ober buhet falsche Angaben machen; die gleiche Strafandrohung soll auch sonst in allen Fällen Platz greifen, in welchen den mit der Ausführung des Gesetzes betrauten Organen gegenüber von irgend einem Beteiligten falsche Angaben gemacht werden. Ansführuugsbestimmungeu. Der Einwandererkontrolle unterliegen alle zur Landung in einem britischen Hafen bestimmten Passagiere, bie nickt Passagiere erster Klasse sind ober sonst von ber Einwcmderungskontrolle be- onbers ausgenommen sinb. Ter Secretary of State (Home Office) ist vorläufig bereit, ben einzelnen Schiffslinien für Passagiere zweiter Klasse neben den Passagieren erster Klasse bie Befreiung von ber Emwanberungs- kontrolle gegen gewisse, von ben Schiffseigentümern zu über- nehmenbe Garantien auf deren Antrag zuzugestehen. Ausgenommen hiervon sollen fein: 1. alle fremden Passagiere dritter Klaffe sowie Tecks- oder Zwischendeckspaffagiere, 2. Passagiere, bie lediglich burch Aufzahlung an Borb bie Schiffspassage in zweiter Klaffe erkaufen, Passagiere, bie durchgehenbe Fahrkarten britter Klaffe besitzen unb nur für bie Schiffspassage zweiter Klasse berechtigt sinb. Durchwunderer werben gegen gewisse Garantien (gegen An- teckungsgefahr unb dergleichen) und gegen eine von bem Schisss- eigen,ümer zu stellenbe Kaution ohne weiteres zur Landung zu- gelaffen. Tie ber Kontrolle unterliegenbe» Einwanberer werben nur nach Untersuchung ihrer Vermögens- unb Erwerbsverhältnisse, ihrer Antecebentien und ihrer körperlichen GestindheitSverhältnisse zur Lanbung zugelassen. Hinsichtlich ber Vermögensverhältnisse soll tn ber Regel ein Besitz von 5 Pfund Sterling unb von weiteren 2 Pfunb Sterling für jeben Angehörigen als ausreichenb angesehen werden. Hinsichtlich ber Erwerbsfähigkeit ber nicht im Besitze dieser Mittel besinblichen Einwanberer bleibt die Entscheidung bem Ein- wanberungsbeamten überlassen, wobei feste Arbeitsverträge, Kenntnis ber englischen Sprache usw. Berücksichtigung finden sollen. Züchtigung fremder Kinder. Es ist bekannt, mit welcher Vorsicht unter ber Herrschaft bes neuen bürgerlichen Gesetzbuchs ber Volksschullehrer bei Ausübung der ihm als Recht unb Pflicht übertragenen Schulzucht vorzugehen hat. Wie viel mehr ängstlich und vorsichtig müssen sich aber Per- onen verhalten, bie zu Kinbern in keinem Angehörigkeits- ober bienstlichen Verhältnisse stehen, die aber ein Verhalten von Kinbern beobachten, bas ein unmittelbar körperlich züchtigendes Einschreiten erfordert. Wie manchem alteren Herrn mag wohl ber Stock in ber Hanb gezittert Haben, wenn eine nichtsnutzige Range auf ber Straße ihm srech gegenübertrat ober an anderen Personen oder 416% russ.Stnatsanl. 1905 416°/„ japan. Staatsanleihe 4 96 Conv. Türken von 1903 Tftfkenlose...... 496 Griech. Monopol-Anl. 496 äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . . . 416% Chinesen . . . . Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W . . . . Tendenz: fest. Arbeiterbewegung. Leipz i g , 8. Aug. Ter Verband ber Bcniarbeitgeber gestand ben baugewerblich en Arbeitern (Akkordarbeitern) eine, zehnprozentiae Aufbesserung der Akkordlöhne sowie die Anerkennung ihrer Organisation zu. Straßburg, 8. Aug. In den Fabriken von Zeller Freres in Wegscheid ist ein Weber st reif ausgebrochen. Die Streikenden fordern den Zehnstundentug und eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Tie Bewegung greift in den Webereien in Dollem/ Oberbruck und andern Orten um sich. 87.00 99.15 87 00 98.15 starb der älteste Bewohner von Heldenbergen, Johannes Hacker, im nahezu vollendeten 93. Lebensjahre. " Wettsaasen, 8. Aug. Zu bem hier vorgekommenen Radfahr-Unfall sei noch mitgeteilt, daß das Unglück durch Uebermüdung des Fahrers, der ein ruhiger 'gediegener Mensch von 20 Jahren ist, entstand. Der junge Mann war um %9 Uhr in Schlüchtern weggefahren unb hatte bei der herrschenden heißen Witterung sehr unter ber Hitze zu leiden. Die Verletzungen, die er beim Anprall gegen das offenstehendc Scheuertor erhielt, sind erfreulicherweise nicht erheblich, sodaß er bereits am Sonntag morgen bie Heimreise antreten konnte. ' g. La u nSbach, 8. Aug. Zwischen bem Gleiberg und unserem Dörfchen erhebt sich der kahle Weden berg, von dem mancherlei Sagen im Umlaufe sind, namentlich die, daß der Name Webenberg (Wettenberg) von einer Wette herrühre, welche drei Brüder wegen Erbauung dreier Schlösser auf dem Wedenberg, Gleiberg unb Vetzberg eingegangen hätten. Allein der Berg hieß im Mittelalter Werdenberg unb nicht Wettenberg, woburch sich diese Sage von selbst widerlegt. Im Jahre 1323 errichteten Landgraf Otto von Hesien unb Hartrad, Herr zu Merenbe-g, einen Vertrag, in welchem sie sich verpflichteten, in ben gemeinschaftlichen Gerichten (im gemeinen Land an ber Lahn unb im Hütten- berge) namentlich auf bem Werbenberg kein Schloß zu bauen. = Kinzenbach, 8. Aug. Groß war bie Zahl der Bewerbungen, bie bei Kreisbaumeister Witte-Wetzlar um unfern bevorstehenden Schulhausneubau bis zum festgesetzten Termin, bem 27. Juli, eingegangen waren. Die hiesige Gemeindevertretung hat nun am vorigen Montag über die Ausführung endgültigen Beschluß gefaßt. Es wurden ausschließlich einheimische Meister mit ihren Bewerbungen berücksichtigt. Die neue Schule, bie vorlausig für 2 Klassen unb eine Lehrerwohnung vorgesehen ist, kommt in bie Bahnhofstraße zu stehen unb soll noch im Laufe dieses Jahres im Rohbau ausgeführt werden. — Dillenburg, 8. Aug. Gelegentlich ber am Vormittag des nächsten Sonntags hier im Schloßgarten-Resiaurant stattsindenden Generalversammlung bc§ Westerwaldklub wird eine Sammlung von Photographien zur Ausstellung gelangen, bie auf Anregung bes Landrats Büchtmg zu Limburg von interessanten Fachwerkshäusern im West er - walb hergestellt worben sinb. Die Sammlung, bie fort- währenb noch vervollständigt wirb, enthält gute Wiedergaben einer großen Anzahl bemerkenswerter Holzbauten. Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schnckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurabütte...... Nordd. Lloyd..... Oberschles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . . . Kreditaktien..... Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . 1 . Gotthard bahn..... Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbahn . an Tieren boshafte Rohesten verübte. Aber ber Stock bürste nicht gerührt werben, bie Hanb zur Verabreichung einer kräftigen Ohrfeige nicht ansholen, wenn der mit Recht Entrüstete sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, von dem Vater bes Bengels vor bie Schranken des Strafrichters auf bie Anklagebank gefordert • zu werben. Dieser alle anständigen Menschen bedrückende Alp ist jetzt zu einem großen Teile genommen worben. Das Oberlandes- gericht Braunschweig hat bas erlösende Wort gesprochen, das Befreiung gebracht hat. In dem Urteile vom 24. Mai 1903 legt es zwar nickt jedem Unbeteiligten ein Züchtigungsrecht bei, wohl aber ben Personen, welche durch Unarten unmittelbar oder mittelbar' getroffen werden. Aus den Vorschriften des B.-G.-B., so plaudert darüber Ge- heimerat Goetze im letzten Hefte der intereffanten Halbmonatsschrift „Gesetz und Reckt" (Langewort, Breslau), welche dem Vater in der Sorge für die Person des Kindes das Reckst und die Pflicht' übertragen, das Kind zu erziehen und ihn kraft des Erziehungsrechts zur Anwendung angemessener Zuchunittel gegen das Kind ermächtigen (§ 1631), folgert das Urteil, daß dieser Pflicht ein Reckst ber Allgemeinheit auf ihre Erfüllung gegenübersteht. Die Begründung dieses Rechtes findet da? O.-L.-G. im öffentlichen Interesse, wie denn auch die öffentlichen Gewalten berufen sind, gegebenenfalls den Vater durch Anwendung geeigneter Zuchtmittel in seiner Erzielstmgsvfliclst zu unterstützen. „Vernachlässigt der Vater" — so heißt es wörtlich — „seine P f l i ch t, das Märkte. k. Friedberg, 8. Aug. Auf dem heutigen Schweinern arkt waren sehr viele Ferkel unb Einlegschweine aufgetrieben. Da bie Kauflust sehr groß war, wurden viele Verkäufe abgeschlossen. Die gute Fruchternte unb bie ebenfalls zu erwartende vorzügliche Kartoffelernte veranlassen bie Bauern, möglichst viel Tiere zur Mast einzulegen. Ter Preis für kleine Ferkel war das Paar 25—30 Mk., für ältere 40—50 Mk., Einlegschweine kosteten das Stück 60—70 Mk. — Der Doppelzentner Frühkartoffeln kostet in der Wetterau 5—6 Mk. Limburg a. d. L., 8. Aug. Frucht markt. Durch-- fcknittsvreise pro Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., weißer Weizen. 00.00 Mk., Korn Mk. 00.00, Gerste 00.00 Mk., Hafer 9.20 Mk.' Erbsen 0.00 Mk.. Kartoffeln 0.00 Mk. Deutscher Fleischerverbaudstag. Königsberg i. Pr., 8. August 1906. Ter 29.- Deutsche Fleischer-Verbandstag hat. wie uns von der „Allg. Fleischer-Ztg." telegravlstert wird, heute vormittag in Königsberg seine Verhandlungen eröffnet. Ter Vorsitzende Marx-Frantfurt a. M. führte u. a. aus: Tas Flei'chergewerbe habe bei der Volksernährung eine bedeutungsvolle Aufgabe, bie es nicht nur von Vermittlerstandpunkte auffasse, sondern es fühle sich auch verpflichtet, die Verantwortung für eine reichliche und nicht zu teure Fleischnahrung zu übernehmen. Er bedauere es unter diesem Gesichtspunkte, daß das Fleischergewerbe in diesem Bestreben nicht die Anerkennung finde, die es verdiene, sondern daß die Ernährungsfrage so vielfach zum Angelpunkt parteipolitischer Bestrebungen geworden sei, bei denen das Fleischergewerbe als Puffer in der Mitte stehe. Dem Tätigkeitsberichte des Vorstandes war zu entnehmen, daß der Verband über 38 000 Mitglieder zählt. Der erste wichtige Punkt her Tagesordnung betraf die Viehgewährschaft. Man erklärte die von der Reichsregierung zugestandene Freigabe der einfinnigen Rinder nach 21 tägiger Aufbewahrung in Kuhl- und Gefrierräumeu nicht für geeignet, eine Besserung der jetzigen Viehgewährschaftsverhältnisse herbeizuführen, hielt eine 10 tägige Frist für genügend und beauftragte ben Vorstand, eine erneute Eingabe an den Kaiser zu richten, abermals e'ne Anbien-, nach'.usuchen und ben Reichstag um Unterstützung die'er Bestrebungen ’u ersuchen. Man beauftragte ferner den Vorstand, beim Reichsgesundheitsamt und beim Reichskanzler anzuregen, daß der Frage der Verwendung ungeeigneter Futtermittel in der Schweinemast mehr Aufmerk- famfeit zugewendet und der böswilligen Verfälschung des Schweinefleisches durch ungeeignete Futtermittel entgegengetoirft werde. Zum Viehmangel hat der Deutsche Fleischer-Verbandstag in seiner heutigen Sitzung folgende Resolution angenommen: Ter Verbandstag stellt hiermit vor der breitesten Oeffentlich- keit fest, daß zur Zeit die Preise für Rindvieh und Schafe im Vergleich zum Vorjahre noch höher und diejenigen für Schweine wieder gleichhoch gestiegen sind und voraussichtlich noch weiter steigen werden. Er weist insbesondere die arbeitenden Klassen ber, Bevölkerung darauf hin, daß ihre Erfolge in der Verbesserung der Lohnverhältnisse durch die Geißel der Nahrungsmittel — speziell Fleischteuerung — vollständig illusorisch gemacht werden, da das Fleisch in gewissem Sinne ein Gradmesser für ben Preis einer Anzahl anderer Nahrungsmittel ist. Ter Verbandstag stellt außerdem fest, daß an ein Zurückgehen ber Rinder-, Kälber- und .Hammelpreise kaum überhaupt mehr und an ein Preisnachlaß für Schweine nicht 'eher zu denken ist, bis die Regierung die Vieheinsuhr in erweitertem Maße aus leistungsfähigen Ländern gestattet, denn die deutschen Schweinebestände sind durch Ueberzüchtung und falscher Haltungsweise derart degeneriert und seuchenempfänglich, daß sie aus sich heraus kaum mehr gesunden. Tie deutsche Rinderzucht ist — obgleich sie ben Anforderungen des Milch- und Fleischmarktes nicht zu genügen vermag — so forciert, daß bei schwächeren Futterernten die größten Kalamitäten zu erwarten sind. Der Verbandstag beauftragt ben Vorstand, in Wort und Schrift für die Aufklärung der Bevölkerung über unsere viehwirtschaftlichen Verhältnisse zu wirken und bet der Regierung unverzüglich die Schritte zu tun. die zur Erfüllung der bem Verbandstage vorgetragenen Wünsche führen, nämlich 1. Zulassung des dänischen Rindviehs unter denselben Bedingungen wie des östreichischen (Abschaffung der Quarantäne und Tuberkulinprobe». 2. Zulassung der Nindvieheinfuhr aus Holland. 3. Zulassung eines Schweinekontingents a) aus Frankreich für bie Städte Straßburg, Metz und Hagenau, b) aus Holland für die Schlachthosstädte in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Aachen, c) aus Dänemark für die Schlachthosstädte an der Nord- und Ostseeküste. Im Hinblick auf die Aufdeckung ber ekelerregenden Zu stände in den nordamerikanischen Export- f(Mästereien wurde der Vorstand beauftragt, an die Reichsregierung, an Reichs- und Landtagsabgeordnete und alle die, die berufen sind, über den Sckutz der Volksgesundheit zu wachen, das dringende Ersuchen zu richten, den Vorgängen ihre volle Beachtung zu schenken und unverzüglich die Maßregeln zu ergreifen, die im Interesse einer einwandfreien Volksernährung und eines gesunden Wettbewerbs zwischen dem strengen überwachten deutschen Fleischergewerbe und der skrupellosen Handlungsweise der amerikanischen Exportschlächter notwendig sind. Als Mindestforderungen müssen hierzu angesehen werde»: 1. Die Einführung des Teklarationszwanges für ausländisches Schmalz und Speisefett und solche Ware, zu deren Fabri- latwn solches Verwendung findet. Züchtigungsrecht auszuüben, ober i ft er, wenn bie Pflicht, zu einem Zuchtnuttel zu schreiten, gegeben ist, nicht anwesend, so kann in geeigneten Fällen berjenige, gegen; welchen ober gegen beffen Angehörige Ungezogenheiten begangen werden, in Stellvertretung des V a t c r s zu der diesem obliegenden Z ü ch t i g n n g schreiten", wobei ihm die berechtigte Annahme zur Seite steht, daß der Vater, wenn er von dem Vorfälle Kenntnis hätte, seine Zustimmung nicht versagen würde. Aber selbst ein Irrtum in dieser Annahme, ein entgegenstehender Wille des Vaters würde für bie rechtliche Beurteilung ohne Belang sein. Es würben in solchem Fall in analoger Weise bie Vorschriften zur Anwendung kommen, mit welchen das B.-G.-B. die Geschäftsführung ohne Auftrag ordnet, wonach, ein der Geschäftsführung eutgegenstehender Wille des Geschästs- herrn daun nicht in Betracht fonpnt, wenn ohne bie Geschäfts-- führung eine Pflicht bes Geschästsherrn, deren Erfüllung im öffentlichen Interesse liegt, nicht rechtzeitig erfüllt werden würde (§ 679). Für solche Fälle werde man dann von einem abgeleiteten Züchti-' gungrechte sprechen können. Wird nun allerdings in bem Urteile zunächst eine auf Verletzung beruhenbe persönliche Beziehung bes Züchtigenden zu dem fremden Kinde vorausgesetzt, so kann doch wohl kein Zweifel darüber obwalten, daß unter Umständen, z. B. beim Anblick einer bos-> haften Tierquälerei, im öffentlichen Interesse ein jeder berechtigt ist, in Stellvertretung des Vaters züchtigend einzuschreiten, so daß zu erwarten steht, daß die vom O.-L.-G. Braunschweig festgestellten Nechtsgruudsätze eine immer weitere Ausdehnung und Anwendung erfahren werden. GerichLssaal. (fb.) Anonyme Briefe bildeten am Mittwoch ben Gegenstand einer mehrstündigen Gerichtsverhandlung vm ber Darm- städter Stra fkaminer. Auf der Anklaaebank saß der 62 jähr, jpensionierte Lehrer Seb. Bundschuh aus Semd, der beschuldigt war, in ber Zeit vom 1. März bis 1. November v. I. ben Lehrer Schmidt in Semd, sowie dessen Frau und Tochter durch eine Reihe anonvmer Briefe in gröblicher Weise beleidigt zu haben. Zwischen den beiden Lehrern, die in einem Hause wohnten/ herrschte von Anfang ihres Zusammenseins eine starke Svonnung und die Frauen konnten sich erst recht nicht vertragen. Weshalb, eigentlich, dafür ergab sich auch in der Verhandlung fein' Anhaltspunkt. Schon zahlreiche Zeugenaussagen machten es fefytj wahrscheinlich, haß Bundschuh der Verfasser der Briefe sei, noch: viel stichhaltiger wurde diese Annahme durch die Gutachten des- Gerichtschemikers Dr. Popp aus Frankfurt und des Schreib-' sachverständigen, Kanzleirat Pähler aus Frankfurt. Ersterer fanh. Uebereinstimmungen in dem Papier, der Tinte, verschiedenen Fingerabdrücken usw.. die auf den Angeklagten hinwiesen, letzterer, bezeichnete mit ziemlicher Bestimmtheit die verstellte Schrift ber, anonpmen Briefe als die des Angeklagten. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit anonymere Briefschreiber 2 Monate Gefängnis, das Gericht erkannte auf 200 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten. , i^2. Das Verbot d'er Einfuhr vön Faßsleis^?^ . ; I TS» Das Verbot der Verwendung ausländischen Düchsenfleisches I für Heer und Marine und auf den Seeschiffen. SÄW... , . I SBefnimimarliutta, Km» VCVOtC al. 1 Mittwoch den Gegen- mblunfl önT bei 2arm» MagcbantiQßber 62 jähr, oii» Semd, der beschuldigt V November v. 3- den i Frau und Tochter durch er Weise beleidigt zu haben, n einem Hause wohnten, eins eine starke Spannung t nicht vertragen. VesW n der Ber^ndlung lein laussagen mochten es feljt rotier der Briefe sei, noi durch die Gutachten bei . ffurt und des Schreib rranfiurt. der %\xvte, toM'iien fragte fr.iW letzterer, die verstellte der aqten. Ter Äaatsanwalt ' reinaesährlichleit anonhmn das Gericht erkannte au| na der Wen 143.9) 127.50 254 2’675 m brütigen Schweine« inleqschweme ouigetne cn. viele PerkauieabqeschwM -u erwartende vorzügliche möglich« viel ^e zu: ine Ferlel war W W Zinlegschweine lnerFruhkartolietn - - Durch« 00.00 W, baser 9.20 > LsM eine $M Stbcreic« w 'er bct ß. rrKch cheir beb, to°rbert 3*. Ä1 S 6 **. i'St ,^''le»'öalbin?^ ®e. 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