Nr. 158 Zweites Blatt 156. Jahrgang Erscheint tL-ttch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siehener Zamilirnblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter .hessische Landwirf erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Montag N. Juli 1906 Rotationsdruck und Verlag der Drühkffch« Universitätsdruckerei. R. Lange. Gießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Gchulskr.V. Tel. Rr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Umpflasterungsarbeiten wird die Frankfurterstraße in Grünberg vom 10.—31. Juli l. Js. für den Fuhroerkehr gesperrt. Wir bringen dies mit dem Anfügen zur Kenntnis, das; die gesperrte Straßenstrecke unter Benutzung des Heeglvegs umfahren werden kann. Gießen, den 7. Juli 1906. Großherzogliches SirciSamt Gießen. ’■ I . V.: Dr. W ü r n e r._______ Bon Kaiser Wilhelms Nordlandssahrt. Bergen, 8. Juli. Die „Hamburg" mit dem Kaiser an Bord hat gestern Bergen verlassen. Bevor der Monarch abreiste, stattete er der französischen Pacht »Salvator" einen Besuch ab. Es verlautet, der Kaiser werde Bergen noch einmal auf der Rückreise besuchen. Der Minister des Auswärtigen Lövland und der KriegSminister Olssön sind nach Drontheim gereist, um anwesend zu sein, wenn der Kaiser dort eintrifft. Zur Abendtafel hatten noch der Eigentümer der französischen Dampfyacht Mr. Menier nebst Familie, sowie die Offiziere der Begleitschiffe der „Hamburgs Einladungen erhalten. Drontheim, 8. Juli. Der Kaiser ist heute Nachmittag hier eingetroffen. Kurz nach der Ankunft des Kaisers begab sich König Haakon auf das Kaiserschiff. Kaiser Wilhelm in norwegffcher Admiralsllniform mit dem Löwenorden und dem Großkreuz des Olafordens empfing den König, der Admiralsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adler- ordenS trug, am Fellreep des Schiffes. Die Monarchen umarmten und küßten einander wiederholt. Kaiser Wilhelin und König Haakon begaben sich in die Kajüte der „Ham- burg*, wo sie längere Zeit verweilten und fuhren darauf an Land. Nach dem Abschrecken der hier aufgestellten Ehrenkompagnie fuhren die Majestäten nach dem Stiftshof, wo der Kaiser von der Königin begrüßt wurde. Um 5 Uhr kehrte Kaiser Wilhelm an Bord dec „Hainburg" zurück. Der deutsche Botschafter aus der Staats-Universität von Illinois. Aus Urbana (Illinois) wird uns geschrieben: Der Besuch, den der deutsche Botschafter in Washington, Baron Hermann von Speck-Sternburg, vor kurzem der Staats-Universität von Illinois abgestattet hat, lieferte den Beweis, wie stark die Bande der Sympathie und Freundschaft sind, welche Deutschland und Amerika mit einander verbinden. Bei seinem Eintritt in die Universitätsanlagen wurde Baron Speck von neunzehn Kanonenschüssen begrüßt, und es wurde ihm eine Ovation dargebracht, wie sie selten einem Besucher zu teil wurde. Es ist zweifelhaft, ob außer dem Präsidenten Roosevelt selber irgend ein anderer Staatsmann im Lande eine ähnlich lebhafte Begeisterung hcrvorgerufen haben würde. Die Universität erteilte ihm die höchste Auszeichnung, die sie zu vergeben hat, den Grad eines Doktors der Rechte honoris causa. Die Zuhörer, mehr als dreitausend an der Zahl, erhoben sich wie ein Mann und tausend deutsche Flaggen in den Händen der Studenten wehten bem Gast ihren Gruß zu, während ein donnerndes Hoch durch das Gebäude brauste. Auch die Student enscha ft ließ es sich nicht nehmen, dein Botschafter ihre Achtung 511 bezeugen, indem sie ihn zu ihrem Ehrenmitglied erwählte. Die Einwohner der Zwillings-Städte (Urbana- Champaign) nahmen ebenfalls an der Feier Anteil, indem sie ihre Läden und Häuser ausschmückten und dem Botschafter ein öffentliches Diner gaben, auf dem in einer Reihe von kürzeren Ansprachen die Freundschaft der Amerikaner für ihre deutschen Vettern jenseits des Ozcans, sowie die Leistungen de§ deutschen Volkes auf dem Gebiet des Krieges, der Literatur und der Wissenschaft lebhaft betont wurden. Der Rektor der Universität, Dr. Edmund I. James, der in Halle promoviert und sich auf dem Gebiet der Nationalökonomie und des Erziehungswesens einen bedeutenden Ruf erworben hat, hielt eine Rede über die Verdienste der Deutschen in Kunst und Wissenschaft und über die Förderung, die die amerikanischen Unterrichtsanstaltcn den Deutschen verdanken. Rührend war auch der Ausdruck der Hochachtung, die bei dieser Gelegenheit der Gemahlin des Rektors (Anna Margarethe Lange) gespendet wurde, einer Deutschen von Geburt, Tochter eines lutherischen Predigers in Halle, und Enkelin Gerlachs, der fünfzig Jahre lang Professor der Philosophie an der Universität Halle war. Während ihres mehr als fünfundzwanzigjährigen Aufenthalts in den Vereinigten Staaten hat sie durch ihren Geist und ihre Persönlichkeit und durch treue Unterstützung ihres Mannes in seinen wichtigen Aemtern an vier großen Hochschulen (als Professor an den Universitäten von Pennsylvania und Chicago und später als Rektor dec Northwestern-Universität und der Staats- Universität von Illinois) dem Namen der deutschen Frau Liebe und Achtung verschafft. In hübschem Einklang mit dein Charakter der Feier traf es sich, daß auch Fräulein Dr. Else Conrad zugegen war, die Tochter Johannes Conrads, des berühmten Professors der Nationalökonomie an der Universität Halle. Fräulein Conrad, die vor einiger Zeit auf der Universität promovierte, ist auf eines, Forschungsreise durch die Vereinigten Staaten begriffen, auf der sie an den Hochschulen Studien über amerikanische Frauenerziehung treibt; zugleich untersucht sie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände unter den amerikanischen Fabrikarbeiterinnen. Deutsches Reich. Berlin, 8. Juli. Wie aus Norderney gemeldet wird, gilt es dort als wahrscheinlich, daß der Kaiser dem Reichskanzler Fürsten v. Bülow nach Beendigung der Nordlandsreise einen zweiten Besuch in Norderney ab* stattet. Weimar, 8. Juli. Die Verlobung des Großherzogs Wilhelm Ernst milder Prinzessin Hermine von Neuß ä. L. soll nach Gerüchten in den nächsten Tagen offiziell bekanntgegeben werden. Stuttgart, 8. Juli. Die Kammer der Abgeordneten nahm das Landtags Wahlgesetz unter Zustimmung zu den Beschlüssen des anderen Hauses mit 45 gegen 1 Stimme an. Bei der Beratung der Gemeindeordnung hat das HauS mit 49 gegen 21 Stimmen bei einer Stimmenthaltung die Bestimmung, daß die Abschaffung der Lebens län glicht eit für die nach dem 1. Januar 1905 gewählten Ortsvorsteher rückwirkend gelten soll, aufrechterhalten, im übrigen aber den Beschlüssen der ersten Kammer zugestimmt. Hierauf wurde die Gemeindeordnung einstimmig angenommen. — Gestern wurde hier der 7. Kongreß des deutschen Vereins für Knaben Handarbeit eröffnet. Zur Begrüßung des Kongreffes traf ein Schreiben aus dem Kabinett des Königs ein, in dem es heißt, daß der König dem Verein, dessen Bestrebungen in pädagogischer und sozialer Beziehung, wie in ihrer Bedeutung für Kunst und Kunstgewerbe und für das wirtschaftliche Leben er eine hohe Bedeutung zuerkenne, den besten Verlauf seiner Tagung wünsche. An den König, wie an den Kaiser und an den preußischen Kultusminister wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Hauptvorträge hielten Dr. Papst-Leipzig über die Entwicklung der pädagogischen Idee im Handarbeitsunterricht, sowie der Direktor am Kunstgewerbemuseum zu Berlin Dr. Jessen über die Knabenhandarbeit im Dienste der künstlerischen Kultur. Kultusminister Fleischmann begrüßte den Kongreß im Auftrag des Königs. Prof. Pal lat stellte ein tätiges Eingreifen der preußischen Unterrichtsoerwaltung in Aussicht, namentlich durch Lehrerausbildung. Geh. Obercegierungsrat Dr. Post überbrachte Grüße des preuß. Ministers für Handel. Ein Vortrag des Landrats Dr. Lenz-Beuthen über die Beziehungen der Knabenhandarbeit zum wirtschaftlichen Leben des Volkes fand lebhaften Beifall. Mit einem Ausblick auf die Zukunft und die Bestrebungen deZ Deutschen Vereins für Knabenhandarbeit schloß der Vorsitzende den Kongreß.______ politifdbc Lagestzchau. Zur Iserlohner Wahl. Wir lesen im „Verl. Tagebl.": Die Iserlohner Reichstagsersatzwahl wird von dem führenden Zentrumsorgan schon jetzt anticipando als ein h 0 cherireu - l i ch e r S i e g d e s Z e n t r u m s gefeiert, den der Klerikalisimis als „Unterschrift der Wähler unter feine Flotten-, Kolonial- und Steuerpolitik" beuten dürfe. Die „Germania" knüpft aber an diesen Sieg noch weitergehende Betrachtungen und H 0 f f n u n g e n. Sie hält schon jetzt Umschau nach anderen Wahlkreisen, in denen mit bet Zeit in gleicher Weise ähnliche Erfolge erzielt werden könnten, so Danzig Stabt unb Land, Deutsch-Krone, Breslau-Land, Wiesbaden, Solmgen, Worms unb Bingen-Alzey. Gegen die Wahl liegt übrigens ein Protest bem Reichs- tagsbureau vor. Es sollen verschiebentlich arge Verstöße vorgekommen sein. So sollen u. a. nicht Wahlfähige gewählt haben, in einem Wahllokal soll, als die amtlichen Kuverts ausgegangen waren, ohne solche weitergewählt worden sein und aus Altena wird berichtet, daß in einem Bezirk öfter mehrere .Wähler gleichzeitig die sogen. Wahlzelle betreten haben, statt, wie vorgeschrieben, einzeln. Heer und Flotte. — Eine Affäre Pelissier gelangt in dieser Woche vor dem Kriegsgericht in Marseille zur Verhandlung. Die Anklage gegen den französischen Unteroffizier Pelissier, der seinerzeit nach Belgien desertierte, lautet auf Einbruchsdiebstahl, weil nur dieses Vergehens wegen die Auslieferung bewilligt werden konnte. Pelissier rühmte sich aber öffentlich und ist, wie es beißt, acneigt, in der Verhandlung zu wiederholen, daß er bei dem ihm zur Last gelegten Diebstahl den gesamten Mo b il is a t r 0 n S- plan der französischen Alp en armer entwendet und dem Agenten einer fremden Macht die Gewißheit gegeben habe, daß die Alpen-Armee, weil von Italien nichts zu befürchten fei, an der französiscl)en Ostgrenze verivendet werden könne. Die Gärung in Rußland. In einer am 7. d. M. abgehaltenen Sitzung sprach sich die Zentrumsfraktion des Reichsrats, zu der fast die Hälfte der sämtlichen RcichsratSmitgliedcr gehört, für die Abänderung der bestehenden Gesetze über die Kompetenz der Kriegsgerichte aus, beschloß jedoch, die Militärgesetze nicht zu ändern. In diesem Sinne wird voraussichtlich der Reichsrat zu dem von der Duma ausgehenden Gesetzentwurf wegen Abschaffung der Todesstrafe Stellung nehmen. Ferner wurde in einer in Petersburg abgehaltenen Versammlung, an der etwa 4000 Personen teilnahmen, das Agrarprojekt der Arbeitergruppe einer scharfen Kritik unterzogen. 'Alle Redner stimmten darin überein, daß seine Verwirklichung zu furchtbaren Folgen führen könne. Es wurde eine Resolution gefaßt, in welcher das Projekt als unausführbar bezeichnet und der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die Arbeitergruppe das Projekt fallen lassen und sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei anschließen werde. Nach einer Meldung des englischen Lügenblattes „Mor- ning Leader" beabsichtigten Revolntionäre, die Jacht des Zaren, auf der er in den finnischen Gewässern zu krenzen beabsichtigte, in die Luft zu sprengen. Im Finnischen Meerbusen wurde cm verdächtiges Fahrzeug gesichtet, dessen Besatzung aus finnischen und russischen Revolutionären bestehend, längs der Küste Minen gelegt hatte. Taucher, die-den Befehl erhalten hatten, nach diesen Mmen zu suchen, fanden zahlreiche Minen besonders an jenen Stellen, wo die kaiserliche Jacht im Vorjahr zu ankern pflegte. Die Minen foim'ün vom Lande aus zur Explosion gebracht werden. , . , . . • Zu den Enthüllungen des Fürsten llrussow in der Duma behauptet ein Blatt, die von dem früheren Gehilfen des Minister des Innern ans Licht gezogene Gehe im - druckerei des Polizeidepartements, in welcher hetzerische Proklamationen mir Aufforderung zu Pogroms angesertigt wurden, bestehe auch gegenwärtig noch [ort. An ihrer Spitze bcfinde sich der Stabsnttmeister Kommissarow. Ten politischen Teil besorgten die Beamten des Departements Roezowsky, Manuilow und Pipatritzly. Ms Setzer wurden ausschließlich Gendarmen verwendet. Diese Behauptung habe sich jetzt als wahr herausgestellt und der Minister des Innern verfügte, wie vor ihm Graf Witte es schon einmal getan hatte, die sofortige Schließung der Geheinibrnckerei. Rittmeister Kvm- missarow wurde verabschiedet. Die übrigen Angestellten erhielten eine Monatsgage als Gratifikation und wurden ebenfalls entlassen. Der Gouverneur von Grodno, Küster, zu dessen Amtsbezirk Bjelostok gehört, ist abberusen worden. In Warschau wurde auf dem Bahnhose der Weichselbahnen ein Zollaufseher, der einen Revolver-Schleichhandel entdeckte, erschossen. Wegen der zahlreichen Mordtaten an Polizisten soll der jetzige Kriegszustand in den verstärkten Belagerungszustand mit neuen Repressalien verwandelt werden. — Bei Lodz überfielen sieben Bewaffnete einen Spritladen und verletzten die Verkäuferin und ihre beiden Töchter schwer. Als die Räuber zu entkommen suchten, wurden vier von ihnen von einer Kvsaken-Pa- trouille erschossen. Im Dorfe Kraßnopolsk, Gouvernement Podolien, kam es zwischen landlosen armen Bauern einerseits und reichen Bauern andererseits zu Zwistigkeiten^ da die letzteren an die Rcichsduma ein Telegramm gesandt hatten, in welchem sie sich gegen eine Landteilung aussprachen. Schließlich entstand eine Schlägerei. Nach offiziöser Meldung wurde ein reicher Bauer tödlich, vier andere schwer verletzt. Anderen Meldungen zufolge gab es zahreiche Tote innö Verwundete. In K 0 wno wurde der Schriftführer des 3. Polizeireviers verhaftet, bei dem eine B ombe gefunden worden war. Es wurde festgestellt, daß er der Autor von Drohbriefen ist, die im Flamen des „Bundes" an den Polizei- meister gerichtet wurden. Volkserziehung und Volksbeglückung in Rußland planen jetzt aus einem neuen Wege — die amerikanischen M is s i 0 n s g e s e l l s ch aft e n. Der „United Board of American Foreign Missions" bat in der Person des Professors Steiner aus Iowa einen Emissär nach Rußland geschickt, um dort zunächst die Möglichkeit nach ersprießlicher Missionsarbeit studieren zu lassen. Profesfor Steiner hat sich über seinen Auftrag etwa dahin ausgesprochen: „Sobald die amerikanische Zentralstelle sich auf Grund meiner Berichte davon überzeugt haben wird, ob wirklich religiöse Freiheit in Rußland herrscht, werden von uns, zunächst in den ländlichen Distrikten, Mission s-i schulen errichtet werden, deren einzige Aufgabe es sein soll, die russischen Bauern auf eine höhere Kultur- unb1 Bildungsstufe zu bringen. Tie amerikanische Mission beabsichtigt aber nicht, Proselyten zu machen. Erziehung, nicht Bekehrung, wird unser Wahlspruch sein. Auf dem Wege der Evolution, nicht der Revolution, will die amerik. Missionsbewegung es versuchen, Rußland gegenüber ihre menschlich-christliche Pflicht zu tun." * In Kr0nstadt fand vor dem Marinekriegsgericht die Verhandlung wegen der Ueb ergäbe d e s M i n c n b 0 0 t e s „B j e d 0 wy 1" an die Japaner statt. Generalmajor Wogak bezeichnete in einer dreistündigen Anklagerede die Uebcrgabc des Minenbootes als eine nie dagewesene Schmach in der Geschichte der russischen Flotte und nannte die Angeklagten Verräter. Von der Anklage des Admirals Roschdjcstwenski und anderer Offiziere absehend, verlangte der Vertreter der Anklage für die übrigen Angeklagten die Todesstrafe, stellte jedoch mit Rücksicht aus die mildernden Umstände die Verhängung einer anderen Strafe anheim. Der Anwalt Adamow, der Verteidiger des Kapitäns Kolong, erklärte, die wahren Schuldigen ständen nicht vor Gericht, sondern sie befänden sich in Freiheit und erhielten Beförderungen. Vor Gericht ständen nur die büßenden Opfer des Unglücks des ftriegeö. Wenn diese schuldig seien, könne die höchste Strafe für sie die si-esttnigsstrafe, nicht aber die Todesstrafe sein. Bei der Reorganisation der Flotte und des Marinewesens dürfe man nicht über Leichen schreiten. Ter Verteidiger plädierte für die völlige Freisprechung Kolongs. Auch die Verteidiger der übrigen Angeklagten traten für Freisprechung der angenagten Offiziere ein. * 300 Mitglieder des engl. Unterhauses haben eine Sympathieadresse an die Tuma unterzeichnet. Ausland. London, 8. Juli. Die Mitglieder des Kabinets, Sir Churchill und George haben m längeren Reden in den Provinzen die 9101 m e n b 1 g t c i t einer Abänderung besOberhauses verkündet. Unterstaatssekretär Churchill sagte, daß sich gu Etatsherabsetzungen die Regierung burchaus verpflichtet fühle. Das Oberhaus bezeichnete er als eine nngesiinbe Versammlung ohne Verantwortlichkeitsgefühl, die aufgehört habe, eine normale Tätigkeit im Staat auö* zuüben, und die das Parteiinstrument einer Sonderpattei geworden sei. Der Präsident des Handelsamts, Lloyd George, hat von der ausgeleierten Parlamentsmaschine gesprochen unb gesagt, daß das Oberhaus zum alten Eisen geworfen werden müßte. Paris, 8. Juli. Nach einer Meldung aus Algier hat der Sohn des Königs vonDahomey, Behanzin, einen S e l b st m 0 rd v e rs u ch gemacht, indem er eine starke Dosis Phosphor verschluckte. Es gelang, ihn vom Tode zu erretten. Er erklärte, er habe seinem Leben ein Ende machen wollen, — Der frühere Kriegsminister Berteaux erklärte bei Uebernahme der Präsidentschaft im Budgetausschuß: Der Marokko-Zwischenfall habe große Ausgaben verursacht, trotz- Rente eine Rückzahlung von nur 700 000 Lire verlangten Er sei glücklich, mitteilen zu können, dal; von den beiden 114 Punkte, ans ver- wichtigsten Märkten für italienische Rente, in Berlin, keine Rückzahlung verlangt worden sei. Paris und (Beifall.) 13. 14. 1. 2, i. 4. 5, 6. 7. 8. 9. 10. 11. dem würde sich der Ausschuß bemühen, eine mit der Würde Frankreichs zu vereinbarende Vermin derung der Ausgaben für Kriegszwecke zu erzielen. Rom, 7. Juli. In der Kammer erklärte der Schatz- minister, er werde den Hauptbericht über das Ergebnis der RentenkonVersion bei Wiederaufnahme der Arbeiten in der Kammer vorlegcn. Er sei jedoch glücklich, mitteilen 311 können, nachdem heute die Frist für die Rückzahllingsforde- rungen abgelaufen ist, daß von 8 Milliarden und 100 Millionen Kapital nur Rückzahlungen von ungefähr 1 700 000 Lire Kapital in Italien und von ungefähr 2 Millionen Lire Kapital im Auslande verlangt worden seien. (Lebhafter Beifall.) In der Summe der in Italien verlangten Rückzahlungen sei indessen eine Million einbegriffen, die einem Fremden gehöre, so daß italienische Inhaber von italienischer Postrat Dingeldey in Darmstadt. Versetzt sind: Post- sekretär Kerber von Berlin nach Gießen, Saarbrücken). Bestanden hat die Postsekretärprüfung: Postassistent August Schmidt in Friedberg. Angenommen sind als Telegraphengchilsinncn Ella Steinburg in Friedberg und Friederike Wolff in Bad Nauheim. .Liedertafel "-Marburg .Bauer'scher Gesangvcrem"-Gicßen Heiterkeit"-Gießen .Liederkranz"»Marbulg .Eintrachtt-Hungen .Gemütlichkeit "-Gießen Eäcilia"-Lich Männergesangvercirck-Wetzlar ,Harmonic"-Gießen Liedcrkranz"°Dille>lburg .Mannergesangverein"-Grimberg Liederkranz"-Weilhurg Frohsinn"-Londors ,Gesangverciii"°Kirchhain Butzbach dorthin Tarnen, dann sei man in der Lage, die Einzel- nnd GemeinscliastShaft kennen zu lernen. Ober-Staatsanwalt Aus S.aSt uns LunS. Gießen, den 9. Juli. ** In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Samstag 11. a. Oberlehrer und Rektor Angel berg er von Grünberg und Oberlehrer Dr. Weide von Lauterbach. ** Personalnachrichten von der Ob er-Post- direktion Darmstadt. Verliehen ist das Ritterkreuz 1. Klasie des Herzogl. Sachsen-Ernestinischen Hausordens dem 113 105 105 104 99 98 90 82 801/, 80 80 78 70 67 war Wanderungen nach dem Dünsberg, im prachtvollen Krof- dorfer Walde, durchs Blasbachtal 2c. — Gr 0 ßen - Linden, 8. Juli. Gestern ging im Wiesengrunde zwischen Leihgestern und Watzenborn ein wolkenbruchartiger Regen nieder, so daß das Tal des kleinen Lückenbaches jetzt einen großen See bildet. Bis nach Allendorf ist der Wiesengrund überschwemmt. () Butzbach, 8. Juli. Die Ausstellung für ländliche Kunstbestrebungen und Volkstrachten wurde heute im Beisein des Komitees geschlossen. Der Besuch der Ausstellung war sehr stark, sodaß man mit dem finanziellen Ergebnis sehr zufrieden ilt. — Der Oberhessische G e s ch i cht sv e r e i n unternahm heute einen Sommerausslug nach unserer Stadt und der Umgebung. Man besichtigte die wiederhergestellten römischen Grenzbefestigungen, die mittelalterlichen Gebäude der Stadt und zuletzt auch die Ausstellmig hessischer Landestrachten. X B i e b e r bei Rodheim, 8. Juli. Bergverwalter Götz wurde gestern abend gegen 6 Uhr auf $rube „Eleonore" in der Kell- bach von einem Schlaganfall betroffen, an dessen Folgen er heute morgen verstorben ist. Der Verstorbene war von äugend auf im Bergfach tätig und blickte auf eine nahezu 40 jährige Tätigkeit hier int Dienste der Firma Stumm zurück. Er war ein pflichttreuer und gewissenhafter Beamter. über „wichtige Fragen Die Rede beschränkte sich auf eine Kritik der neuen Steuern und der Weltntachtpolitik des Reiches. Sie war iticht mehr als eine jener Dutzend- ■■■ Agitationsrcden, die mit der Empfehlung der Sozialdemokratie als der allein seligmachenden Kirche schließen: „Rur immer herein, meine Herrschaften". Die Genossen klatschten Beifall, während die übergroße Mehrzahl der Besucher (einheimische Bürger) den sozialistischen Lockiingen mit eisiger Kälte begegneten. Als eiitziger Diskussionsredner kritisierte sodann Rentier I. C. Th. Bücking die hiesige Führung des Freisinns. Schon vorher hatte der Versammlungsleiter, Orbig aus Gießen, wiederholt um Ruhe bitten muffen. Schließlich sprach Herr Bücking sein Einverständnis mit den Ausführungen Dr. Davids aus. 15. „Licderkranz"-Gladeubach Gesangverein „Orpheus" - Butzbach schiedenen triftigen Gründen verhindert, sich , in diesem Jahre on dem Einzelwcttsingen zu beteiligen. — Das nächste Bundesfest findet 1908 in Kirchhain statt. •* Der Verband der hessischen Verkehrs- vercine tagte am Sonntag in Mainz. Fast alle hessischen Verkehrsvereine hatten Vertreter entsandt. Der Vorsitzende, Fabrikant S ch m a h l -Mainz, erstattete den Geschäftsbericht, der beweist, daß der Verband eine rege und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet hat. Die Versammlung beschloß, die Beiträge für die einzelnen Vereine je nach der Stärke auf 5 bis 20 Mk. zu bemessen. Der Vorsitzende gab weiterhin den Bericht über die letzte Gesamtversammlung der Rhein. Verkehrsvereine. Eine Reihe von Eisenbahnfragen'sollen in einer Denkschrift behandelt und diese den maßgebenden Behörden überreicht werden. Die Denkschrift fordert die Behörden zu baldiger Abhilfe in dem angeregten Sinne auf. Wegen de§ Anschlusses an die Rheindampfer in Mainz sollen die Tampfergesellschaften ersucht werden, sich bei ihrem Fahrplan mehr nach den Zuganschlüssen zu richten. Weiter wird die bessere Ausgestaltung verschiedener Führer besprochen, die Führer von Mainz, Bad Nauheim, Oppenheim, vom Odenwald 2c. sollen illustriert werden. Weiter mürbe die Fremdenstatistik, die Schaffung eines hessischen Kaiscr- panoramas, in dem Bilder aus allen hessischen Städten vertreten sein sollen, besprochen und mitgeteilt, daß 1908 ein hessischer Verkehrstag stattfinden soll. Der nächste Verbandstag wird Ende August in Bad Nauheim ab- gchalten. Hotelier Lehmann aus Mainz klagte über die hessischen Bestimmungen bezüglich der Feiertagskonzerte, in Preußen sei es in dieser Beziehung besser. ’* Eine sehr brauchbare und hübsche Touristenkarte von Oberhessen hat soeben in 2. erweiterter Auflage die N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung in Marburg herauS- gegeben. Das wertvollste an ihr sind die farbigen Wegzeichen und die Angabe der Höhenschichten, der klare und aubere, die Orientierung wesentlich erleichternde Druck. Für uns Gießener freilich hat die Karte nur beschränkten Wert, insofern als sie südlich nicht weiter als bis Wetzlar, Münchholzhausen und Steinbach geht, Gießen selbst also fast an der äußersten südlichen Grenze liegt. Darum ist die Bezeichnung „Touristenkarte für Oberhessen" irreführend; die hess.^ Provinz Oberhessen ist nur mit der Gegend zwischen Gießen und Grünberg darauf verzeichnet. Dagegen ist sie ganz vortrefflich geeignet für die Bewandcrung der ganzen weiteren Umgebung von Marburg, das so ziemlich den Mittelpunkt der Karte bildet, die sich nördlich bis Berleburg und Frankenberg a. d. Eder, das neuerdings ja als Sommer- rische in Aufnahme kommt, östlich bis Kirchhain und Homberg a. d. Ohtn, westlich bis Leun und Dillenburg, erstreckt. Hauptsächlich also ist die Karte für Touren in das Hinterland benutzbar, mit LaaSphc und dem reizend gelegenen Biedenkopf, wo das neue, stilvoll eingerichtete Hotel-Pensionat -lannhnufcr zum dauernden Verweilen lockt, sowie, wenn wir die nähere Umgebung Gießens in Betracht ziehen, für Frankfurt a. M., 9. Juli. (Orig.-Tel. des Postassistent Gieß. Anz.) Der Schauspieler Walter Schüttner wurde Friedrich Kohler von Bad Nauheim nach ^nedrichsthal (Kr. wegen mehrerer Diamant- und Goldwarendieb- T he ob alb-Gießen wünschte, bau die Strafanstalten für Juristen täglich von 9—12 Uhr geöffnet sei. Geheimrat Neidhart bat um Zulassung der beamteten Aerzte, zumal bei ihnen eine gewisse Kenntnis der Gefängniskunde verlangt wirb. — Nach Annahme ber Thesen referierten die Professoren Dr. Mit- termaier und Dr. Sommer nnb Oberstaatsanwalt Theo- b alb-Gießen über „D i e Tätigkeit des mebizini- s ch en , im Besonderen bes ü f l) rfj i 0 t r i f di c n <5 a rb b c r ft ä n - big en bar Gericht und bas Verhältnis znnschen dein Sach- verständigen und bent Richter". Eine Reihe überaus interessanter Gesichtspunkte von ber richterlichen nnb sachverstänbigen Tätigkeit und ihren Beziehungen zu einander würben von bett Referenten erörtert. Um bie Verhältnisse des Tatbestandes genau zu erfahren, zieht der Richter Sachverständige zu. Der Richter muß jedoch eine möglichst allgemeine Vorbildung haben. Prof. Dr. Mittermaier erklärte, der Sachverständige ist Lehrer des Richters und ein Richtergehilfe, er soll nicht zu spät zugezogett werden. Oberstaatsanwalt Theobald brachte einzelne wichtige Fälle aus bet Praxis und ber Tätigkeit der Sachverständigen zur Diskussion. Die Zuziehung von Sachverstäitdigen geschieht bei Entmündigung, Leichenöffnung, Giftmord, Münzverbrechen und Schristvergleich. Bei, Leichenfunden hält Redner es für dringend erforderlich, einen Sachverständigen zuzuzicheu, da der Richter nur selten mit Sicherheit feststellen kamt, ob ein gewaltsamer A Alsfeld, 8. Juli. Auf seiner Aqilationstour ist L LL D-. D°°!d auch bei UN- .in. ständigen zu großen Unannebmliditeiten führen, ja es haben stokehrt. Ci sprach gestern Abend vor etwa 100 Zuhörern deshalb schon Ausgrabungen von Leichen stattsinden müssen. Es 1111 Saale des „Deutschen Hauses liegt deshalb im öffentlichen Interesse, daß Selbstmord durch der R e i ch s p 0 l i ti k". Erhängen mir durch Gerichtsärzte festgestellt wird. — Um 51/0 Uhr waren die Verhandlungen zu Ende, und es fand ein gemeinsames Mittagessen statt. ** Lahntol - Sängerfest. Das gestern vormittag veranstaltete Einzel wettsing en der Bundesvereine ergab folgendes Resultat: Itählc und Einbrüche verhaftet. (fc.) Bingen, -8. Juli. Arn 30. Juni verschwand aus Wiesbaden, wo er zur Kur weilte, Herr Leopold Hirsch aus Worms. Jetzt wurde hier seine Leiche aus dem Rhein ge- ländet. Man fand bei der Leiche nur einen Betrag von 3.88 Mark. Da aber anzunehmen ist, daß Hirsch einen größeren Geldbetrag bei sich hatte und ein Grund zum Selbstmord nicht vorlag, so vermutet man, daß ein Raubmord Vvrliegt. sd. Gernsheim, 8. Juli. Der 20. hessische Feuerwehrtag wurde heute hier abgehalten. Gestern vorinittag trafen bereits zahlreiche Teilnehmer aus allen Teilen Hessens in dem festlich geschmückten Gernsheim ein, und am Samstag nachmittag fand eine Sitzung der Abgeordneten statt, in der interne Fragen beraten wurden. Der heutige Sonntag brachte die eigentlichen Festlichkeiten. Zahlreiche auswättige Wehren trafen ein und um 10 Uhr führte bie Gernsheimer Wehr ihren Gästen eine Musterübung vor. Vier Mitglieder ber Gernsheimer Wehr wurden durch Kreisrat Wallau von Groß-Gerau mit dem Ehrenzeichen für Feuerwehrleute dekoriert. Mittags war Festessen und bann bewegte sich ein ausgedehnter Festzug durch bie Hauptstraßen nach dem Festplatz, wo Konzert und Tanz statt- fand. W. Fulda, 8. Juli. Gestern abend 8 Uhr 15 Min. fahr im Bahnhof Elm ein ausfahrender Güterzug infolge falscher Weichenstellung auf einen vor der Station haltenden Güterzug auf. Personen wurden nicht verletzt. Der Materialschaden ist gering. Die Strecke Elm- ^chlüchtcrn wurde infolgedessen bis heute früh eingleisig betrieben. Die Personen- und Schnellzüge hatten während dieser Zeit Verspätungen. Vermischte». * Eisenach, 9. Jüli. In Anwesenheit des Großherzogs erfolgte in der Kürhalle die feierliche Eröffnung des Kurbades. Oberbürgermeister Schmieder sprach über die Entstehung des Kürbades und schloß mit einem Hoch auf den Großhcrzog. Professor Kionka legte die wissenschaftliche Bedeutung der Katharinenquelle dar. Nachdem der Grvßherzog den Ehrentrunk aus der neuen Heilquelle genommen hatte, übernahm Kürdirektor v. Pander mit einer kurzen Ansprache die Leitung des Bades. * Unwettermeldungen liegen heute wieder aus verschiedenen Gegenden vor. Im unteren L ahnt al und im Schwalmtal haben Gewitter arg gehaust. In Ost- h e i m im Kreise Hofgeismar wurden durch Blitzschlag drei Bauernhäuser eingeäschert. Bor der Station Liebenau olieb der Person enzng Kasf el-H agen in der das Gleis fußhoch überdeckenden Hagel schicht stecken, die weggeschaufelt werden mußte, um die Weiterfahrt zu ermöglichen. Infolge wolkenbruchartigen Regens wurden die Hauser in Hattingen fußhoch unter Wasser gefetzt. Die Feuerwehr arbeitete mit Pumpen und Spritzen, um das Wasser aus den Straßen zu beseitigen. Das Vieh mußte auf die Abhänge getrieben werden, um nicht zu ersaufen. Die Ruhr führte-gewaltige Mengen Heu mit sich, das von den Wiesen abgetrieben ist. Die Schäden, die in einem großen Teile des Kgr. Sachsen von Wolkenbruch artigem Regen angerichtet würden, sind sehr groß. Schwere Unwetter haben auch in Görlitz und Umgegend, sowie in ganz Mederschlesien bedeutenden Schaden angerichtet. Blitze zündeten vielfach. Die Flüsse Sachsens und Schlesiens sind reißend schnell gestiegen und stellenweise aus den Ufern getreten. In Rauschwalde wurde der Gastwirt Walter vom Blitz erschlagen, ein 13jähriger Knabe betäubt. Bahndämme sind gerissen, der Eisenbahnverkehr vielfach unterbrochen. 'Auch in der ungar. Ortschaft Ce eb (Komitat Baes) richtete ein Wolkenbruch große Verwüstungen an. 35 Wohnhäuser wurdest vernichtet. Drei Personen wurden getötet. Eine Hilfsaktion würde dort eingeleitet. * Kleine Tageschronik. In Schottland wurde am Samstag ein ziemlich heftiger Erdstoß verspürt, desgleichen längs ber Achil-Hügelkettc. — In der Nacht vom Samstag ist gegen den Bcrgwerksauffeher Neard in Charler 0 i ein Dynamit- Attentat verübt worden. Eine Dynamitpatrone wurde von zwei Unbekannten an das Fenster seiner Wohnung geschleuderk. Tnrch die Explosion wurde erheblicher Schaden angerichtet. Personen wurden nicht verletzt, die Täter entflohen.' Tas Attentat wird auf einen Racheakt znrückgefülirt. — Ein Ungenannter stellte 100 000 Mark bereit zur Anlage eines Stadtwaldes in Bremen auf einem 265 Morgen großen Weidelande. — Beim Motorschritt- machcrrennen ans der Rennbahn Milbertshofen (Bayern) wurde der Schrittmacher Tännemark l e b e n s g e s ä h r l i eh verletzt. Er fuhr im schärfsten Tempo ans die in der Rennbahn liegende Maschine eines abgeslürztcn Schrittmachers auf, wurde im Bogen durch die Lust geschleudert und fiel direkt auf den Kopf. Genf, 7. Juli. Sämtliche Vertreter der Genfer Konferenz, mit Ausnahme des englischen, japanischen und koreanischen, haben einen Antrag angenommen, worin der Wunsch ausgedrückt wird, daß alle Meinungsverschiedenheiten von den Mächten dem permanenten Schiedsgerichtshof im Haag unterbreitet werden möchten, die durch die Auslegung der neuen Genfer Konvention entstehen sollten. Zürich, 8. Juli. Wie jetzt bekannt wird, stimmt Großbritannien dem Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen nur unter der Bedingung zu, daß sich alle Länder, deren Konkurrenz als eine ernstliche zu betrachten ist, beteiligen und für strenge Durchführung der im Uebereinfommen enthaltenen Einschränkungen gesorgt luerbc. Wien, 8. Juli. Im Verkehre zwischen Bosnien- Herzogewina und dem Deutschen Reich sott demnächst die Telegrammgebühr von 24 Cent, auf 18 Cent, für das Textwort herabgesetzt werden. Die Ausführung dieser Verkehrserleichterung hängt von der entgiltigen Entscheidung der deutschen Reichspostverwaltung ab. Die Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie im Großherzogtum Hessen. (Original-Bericht des Gießener Anzeigers.) K. B n tz b a ch, 8. Juli. Die Vereinigung hielt am Samstag hier im Hessischen Hof ihre 4. Hauptversammlung ab. AuS allen Teilen Hessens waren Teilnehmer erschienen: um 10 Uhr und llVo Uhr vorm. fanb vom Bahnhof aus eine Besichtigung ber Zellenstrafanstalt statt, geleitet von Direktor Clcmcnt-Bntzbach. Eine Anzahl Herren fuhren auch per Wagen nach bem Landes Zuchthaus Marienschloß. Gegen 1 Uhr kehrten bie Herren nach Butzbach zurück nnb ht-m i/22 Uhr begannen im Hessischen Hof bie interessanten Verhandlungen. Generalstaatsanwalt P r e t 0 r i u s- Darmstadt führte den Vorsitz. Auf seinen Antrag wurde festgesetzt, daß in Zukunft die Hauptversammlungen an dem ersten • Samstag der Monate Diai und ^November jeden Jahres statl- finben. Die nächste Versammlung tagt also am 3. November unb zwar in Mainz; auf bie Tagesordnung wirb gesetzt: Holismus unb seine Beziehungen zum Verbrechen." Dre Zahl der Mitglieder der Vereinigung beträgt z. Z. 199. Der Vorsitzende gab Mitteilung von einer Zuschrift ber Süb- westdeutschen Konferenz für innere Mission, bie um eine statistische Ausnahme aller schwachsinnigen Kinber bittet. — Als erster Referent sprach Prof. Dr. Mittermaier über das Thema: „Die Einrichtung von Ge f än g n i s l e hr kn r s e n". Aus den interessanten Ausführi'.ugen entnehmen wir: Die Gefängnislehre rlt kaum ein Menschenalter alt, bie Kriminalstatislik ist wr edier Anfang, unb bnrch Mafsenbeobachtungen ber Menge, durch Vergleiche wird man allmählich bessere Resultate erzielen. Ein Verbrecher muß nach seiner Individualität, seinen sozialen Verhältnissen, seiner Herkunft, feinen Wolmungs- nnb Lebens- verhältnissen behandelt werben. Dazu gehört eine lange Er- fabrung. Zur Erlangung biefer Erfahrung gehört Zeit und Verständnis des Lebens. Auf ber Universität fehlt es an beiden, ben Proseporen an Zeit, der Jugend am gereiften Verständnis des gebens. Es Tannjyicr, nur das allerwichtigste von Pstzcholo- S.w, Pspchiattie und Statistik gelehrt werden. Dies ist bcbaiter- 1 - praktische Anschauungsunterrichk sollte eine besonders grotze Rolle spielen.^ Ter Strafjurist soll wissen, was die Strafe bedeutet und wie sie wirkt. Um dies zu lernen, sind die Ge- tanguislehrrurse erforderlich. Dabei muß bie Sttafvottzugslehr?, dw Faktoren des Verbrechens, die Wissenschaft von b:r Herkunft des Verbrechens, der Alkoholismus, die Arbeitsverhältnisse usw. behandelt werden Alles dies ist nur an der Strafanstalt selbst möglich. Man hat bereits in einzelnen deutschen Bundesstaaten Kurse eingerichtet, so z. B. in Baden in den 80 er Jahren, in Preußen 96, jetzt auch m Hamburg und Bayern. Hessen ist gut geeignet zu solchen Kursen, da zwei Strafanstalten, Butzbach und .Nockenberg, nahe beisammen sind. Daneben könnten auch m Darmstadt, Mainz und (ließen Vortragskurse stattfinden. Ter Gesangiiislehrkursus soll sich befassen mit den Fragen: 1. Was xft der Verbrecher? 2. Woher kommt das Verbrechen'^ 3 Was bebeutet b^e Straw? 4 Wie wirkt sie? Zugleich hat der Jurist Ä Einrichtungen ber Anstalten, Beschäftigung ber ^'Ottesdienst, Unterricht usw. kennen zu lernen. Prof. -br. ..iütermaier stellt zum Schluffe seiner hochinterefsanteii Ausführungen folgende Thesen auf, die im Laufe der Diskussion mit geringer Aenderung angenommen werden: 1. Die Einführung von Gefängnis'lehrkursen in Hessen ist dringend erwunicht, um die Juristen und zum Staatsdienst bestimmten Aerzte mit der Bedeutung der Strafe, dem Ver- 2TC^r^n^t&mf vertraut zu machen. , ohne. große Schwierigkeiten ein- SäSS? <&barrr ?ber der Unterstützung unb ^lttt^1^^ung deS Großh. Ministeriums ber Justiz 3. Er- Vorbildung in der Ge- ^nÄp 5nn hrn oUmbrüche 10—14 -tage währende praktische c /'en großen Strafanstalten in Butzbach unb Marien- fdjtofi für höchsten^ 20 Teilnehmer aus den Kreisen ber Richter Sf1, * * * * * * * * * * * * *°rsn' ^oatsanwalte, Gerichtsassessoren, Rechtsanwälte' ^r°m7n °Ll°g7hL tä‘e DbCr bie das Staate tun.^n ® »uriiS™ ^aaanislehrkursus im Lause des Jahres 1907 cin^ x ®CT^5te Direktor Clement-Brchbach ftimrntc bm «uäTübrunocn beä erften Reimers zu. @r forbrrt rine grmrbl.che theoretuihe Borbjlbuua in ber Stra fbollzuas- le brc, bie zu einem Keaenstaub ber S a f u 11 ä t s t>r iif n n q juf ber Unwernlat werben sollte. Ter wichtiaste Ersola war- dak der Richter bie -eele des Verbrechers kennen leme un^: Ä. lebhaftes Jnterem fiir die Gefanaenenfürsorgo c?- halten werde, um bie Entiosienen vor Rückfällen zu bewahren ' «eneralstaatsanwalt Pretorius erklärte fein lebhaftes Inte?- 1 eile für bie Kurie, eine bloße Besichtigung ber Ätten M( leinen Erfolg; es sollen durch die Kurse Ersatzleute ür be?“ tattc ober, erfronfte Beamte ausgebildet werden, oamit bie Sertrehmg in Zukunft nicht mehr durch subalterne Beamten .« ; gegeben braucht, fcr bedauert die Interesselosigkeit der jung n I Zünften flegenuier der Ke,angni«ehre und den bereits bestelnn df" MeimonaNichen Kursen. Mit den neuen Kursen wog man' 1 m l90tLtt,6rlCn'-bo. 1,11 »/Wahr 1907 ber neue Zellenbau zu : Marienschlotz eroimet unb dann sämtliche Zuchthäusler von 1 7 V0Ue» Äcof. 1b ging j . ■usQRenFiA J 'm ”Ce btlbei §9?» bc§ >n>nt. 1 «’S nach fU“nofr ;bes beute^ laÄ DK ««n. Unb zuletzt A ou i ^bon 'Nrina Shi^, Qbf’u jner M( d ft*« « ’ta« 100 aUL."n' .roiäfi.. chränll, SScIIni»*! tint ~-cl‘mad)tpotitit des Sujenih 1 b"ö»i»fe»o= W«fa: ,5lut 'Men UW» '' d'l Ichcher T ?Mgen nti ,'r tritifle* , Sühtung ^nommlungäteifet uf|e. .6l»m muffen. wer,wndnis mit den l^rig.-Tel. des ^chüttner wurde Goldwarendieb, ^uni vm'ümnd 0115 ^opold Hirsch aus aus dem Rhein ge- cmen Bettag von 3.88 vmchZeinen größeren zum Selbstmord nicht 'ubmord vvrliegt. hessische Feuer- "R- Astern vormittag allen Teilen Hessens ein, und am Samstag eordneten statt, in der eutigc Sonntag brachte he auswärtige Wehren zernsheimer Behr ihren ttieder der Gernshcimer i Groß-Gerau mit dem *. Wittags war Fest- ebc&ntcr ssestzug burth mjert unb Zant flott* end 8 W tb Mm. ,d°r Güierzug in* en vor der Station aen mürben nicht ver- g. Tie Strecke Am« utc früh eingleisig be- ! hatten während dieser Wesenheit des M> ne feierliche Er- ttgerineifter ^chmeder badcs und schloß mu Professor Ztonb legte '^atbarinemsuelle dar. cntrunf au? bet wirte übernahm Zur- L-ch-di-ÄMg beute wi-d-1 -Ws "d,ichNM-sA di- W S t nT0R' t, -M- "> b «Set. Sitte ibm «SÄ f''”5 Os U”b U|ö« nlI*£.rt 6i? >m 3aTn5S92 n1,al1ttln ", Eoi>"u"’Ät '>SM M-S — Vy.\ D 1 nan (Frankreich) wurde der Rirkmeisler Rlckrnann vom 20. Drag.-Reg. verhaftet unter der Beschuldigung, Gelder der Regimentskasse, die er führte, unterschlagen ru haben. Man spricht von 30 000 Francs. Nickmann wurde in das Militär-Gefängnis von Rennes cingelicfert. — Das Automobil des Herrn Gustav Silberstein aus Berlin fuhr bei G e r w i s ch (Prov. Sachfen) gegen einen Ebausscestein und erlitt einen Achsenbruch. Die Insassen wurden herausgeschleudert. Silberstein und ein Fräulein Dankert erlitten schwere Schädelverletzungen, ein Herr Willi Nus? und der Ehauffenr wurden leichter verletzt. — Eine neue F l u g m a s ch i n e , welche auf dem Prinzip des Heuschrcckenflugcs basiert, wurde von Pariser Ingenieuren gebaut. Die Spannweite der Flügel des Apparates beträgt 14 Meter. — Am 7. Juli wurde bei einer Felddienstübung des Pasewalker Kürassierregirncnts ein Reiter mit Pferd vom Stettin-Lübecker Zuge bei Löcknitz über- fahren. Das Pferd war sofort tot. Ter Kürassier verstarb im Garnisonslazarett. — Auf Anzeige des Ausschusses der Bürgerpartei in Vallendar hat der erste Staatsanwalt die Voruntersuchung gegen den früheren Bürgermeister Kohls, in Vallendar wegen B e t r u g e s oder Untreue und Unterschlagung anqeordnet. Die Frage, ob Urkundenfälschung vorliegt, wird noch geprüft. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 7. Juli. Im Dezember vorigen Jahres fand man in dem Keller eines Neubaues zu Bad-Nauheim einen 6jährigen Jungen mit einer schweren Schädelverletznu g bewußtlos vor. Dem Bauunternehmer P. St. von Bad-Nauheim legte man zur Last, den Unfall durch Unterlassen der Absperrung herbeige- -ittrt zu lmben. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung Anklage und es erfolgte Nebcrlveisung der Angelegenheit vor das Schöffengericht. Dieses stellte fest, daß mit Zustimmung des Vorstehers des Polizeiamts, mit Rücksicht auf die Enge der Straße, von der Errichtung eines vorschriftsmäßigen Bauzaunes abgesehen wurde: doch sollten aber aus Gründen der Sicherheit alle Vorkehrungen getroffen werden, um Unglücksfälle zu verhüten. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Kind erst nach Ueberwindung von Hindernissen an die Stelle gelangt, wo der Absturz erfolgte: man hielt es aber auch nicht ausgeschlossen, daß es durch einen unverdeckten Lichtschacht gefallen ist. Die Sache war nicht klarzustellen, da Augenzeugen nicht anwesend waren, auch durch Befragen des Kindes keine Feststellung getroffen werden konnte. Das Gericht konnte nicht als erwiesen annehmen, daß der Unfall durch Fahrlässigkeit des Angeklagten verursacht worden ist, weshalb es Freisprechung eilt treten ließ. Der Vater des verletzten Kindes focht als Neben- lläger das Urteil an, um seine Ersatzansprüche geltend zu machen. Er brachte eine Menge Zeugen und Sachverständige zum Be- rufunastermin, da er glaubte, durch Bestrafung des Angeklagten sich günstiges Material zum Zivilprozeß verschaffen zu können. Nach eingehender Belehrung, daß cs zweifelhaft sei, ob er mit seiner Berufung durchdringt, und daß auch eine Verurteilung des Angellagten für das Zivilgericht nicht maßgebend ist, zog er mit Zustimmung des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft die Berufung zurück, was seine Verurteilung in die Kosten des Verfahrens und der dem Angeklagten erwachsenen notwendigen Auslagen zur Folge hatte. Der Drehfus-Prozeß. Paris, 7. Juli. Kassationshof. Drepsus' Verteidiger Mor> nard schloß sein Plaidoyer mit der Erklärung: „Es sei Zeit, dem System der Verzögerung und der Konzessionen a n V e r - b red) ec ein Ende zu machen, da sonst die Ehre der Justiz darunter leiden würde. Das Urteil des Kaffationshofes müsse nicht nur ein vollkommenes sein, durch das die Herrschaft des Rechtes wiederhergestellt werde, sondern es müsse auch eine moralische ®e= sundung herbeiführen. Dreysus ließ erklären, daß er aus einen Entschädigungsanspruch verzichte und lediglich die Bekanntgabe seiner Nichtschuld durch einen Maueranschlag wünsche. Nach anderer Meldung beabsichtigt er nach dem Freispruche Klage gegen die Verleumder anzustrengen. Arbeiterbewegung. .. asset, 9. Juli. Die Taxameterkutschcr sind in den Ausstand getreten, weil die Fnhrherrcn die geforderte Lohnerhöhung ablehncn. Der Fährverkehr konnte durch Einstellung von Hilfskutschcrn aufrecht erhalten werden. Hamburg, 9. Juli. Die Bauhilfsarbeiter, die sich feit längerer Zeit in der Lohnbewegung befinden, beschlossen, am heutigen Montag die Arbeit völlig niederznlcgen. Rom, 8. Juli. Ein Trambahnstreik hält an, was zu bedauerlichen Mißständen zu führen beginnt. Die armen Teufel von Trambahnangestellten wären mit einem Minimallohn von 3 Frank zufrieden, die die Gesellschaft ihnen verweigert. Infolgedessen kam es gestern zu Lärmszenen, wo die Streikenden den Verkehr einiger von Polizeieskorten begleiteten Wagen zu verhindern suchten. Mittlerweile müssen die Römer seit nunmehr 10 Tagen in der brennenden Sonnenhitze über die sieben Hügel klettern. Die Fiakerpreise sind ins Unermeßliche gestiegen. Universitäts-Nachrichten. — Me Burschenschaft „Germ ania" in Tübinffe'ch feiert vom 20.—24. Juli ihr 90 jähriges Stiftungsfest. Landwirtschaft. — Nach dem amtlichen S a a t e n st a n d sberi chte sind die Ernteaussichten im europäischen Rußland: für Winter- Weizen gut mittel, bei einiger Verschlechterung gegen den Stand Dom J.4. Juni im Südwesten und einem Teil von Nordkaukasien: für Sommerweizen mittelmäßig: für Roggen unbefriedigend, bei einiger Verschlechterung im Südwesten und Bcfferung im Nord- Westen ; für Hafer mittelmäßig bei einiger Besserung im Nordosten: für Gerste befriedigend. Sport. Bad Ems, 8. Juli. Bei der heutigen Kaiserregatte wurde der Ehrenpreis .Kaiser Wilhelm I. im Vierer errungen von der Frankfurier Nudergesellschast Sachsenhausen und der Staatspreis im Achter von der Frankfurter »Germania". Gevichtssaal. Würzburg, 8. Juli. Hier wurde der Steinhauer Forster im Februar d. I., weil er ein Mädchen in den Unterleib gestochen haben soll, zu 2*/, Jahren Gefängnis verurteilt. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde er nunmehr als schuldlos freigesvrochen und sofort entlassen. Er hat 80 Tage unschuldig gesessen. Qait&cl rind Verkehr, Volkswirtschaft. — V o m Montau-Ak ticn«M arkt. Manchmal hat es den Anschein, als ob die Interessenten für Kohlen- und Hüttenaktien es satt hätten, sich immer nach „flaues Rewyork" und „weickiende Russenwerte zn richten. Sie hören, daß die Kohlen- und Eisenindustrie von ihrer reichen Beschäftigung nichts eingebüßt bat, was sie veranlaßt, ihre spekulative Tätigkeit wieder diesen Gebieten zuzuwenden. So fliegen an der Samstagsbörse die Deutsch-Luxemburger Aktien erneut um 21/, Prozent; auch die übrigen Montanwerke zogen um 1—P/2 Prozent an und Dortmunder Union erzielten eine Avance von 2 Prozent. Im Zusammenhang damit erfuhren auch die Darmstädter Bankaktien eine Aufbesserung von ’/< Prozent. Dos wäre alles recht schön, nur ist es schon des öfteren dagewesen, daß die Spekulation sich von Rewyork und Petersburg befreien wollte, doch hat es nie lange angehalten. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 9. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 13.50—13.75, Kurhessischer Mk. 19.00—00.00, La Plata Mk. 19.50—20.50, Kansas Mk. 19.25—20.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.25 —17.50, Gerste (Wetteraner) Mk. 17.25—17.75, Franken- selder Mk. 17.75—18.25, Hafer 17.00—18.25, Mais Mk. 13.25-13.50, Weizenmehl 27.00-28.00, M. 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Roqgenmehl 0 Mk. 24.50—25.00,1. Qualität Mk. 22.50—23.00, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00-11.25, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Nied Mk. 17.25—18.25. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 9. Juli. (Teleqc. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtl. Notierungen der heutigen Viebm arktpreise. Zum Verkaufe standen: 467 Ochsen, 209 aus Oestreich, 105 Bullen, 12 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 858 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 00 aus Dänemark, 431 Kälber, 271 Schase und Hammel, 1391 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schallämmer. Bezahlt wurde für lOOPsund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 82—84 Mk., 2. Qual 75—78 Mk., 3. Qual. 67—70Mk.; Bullen 1. Qual. 73 bis 75 Mk., 2. Qual. 69—71 Mk.; Kühe 1. Qual. 75—76 Mk., 2. Qual. 72—74 Mk., 3. Qual. 56-58 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00—OOMk. Kälber: l.Qual. 96—100Pfg., Lebendgewicht 57—60 Pf., 2. Qual. 82—88 Pfg., Lebendgeivicht 48—52 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 63-67 Pfg., Schafe: l.Qual. 78-80, 2. Qual. 00—00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 74—00 Pfg., Lebdge'w. 57.50—00.00 Pfg., 2. Qu.73-00Pfg., Lebend- geiv. 57.00—00 Pfg., 3. Qual. 60—62 Pfg. Lebendgew. 00 Pig. Geschäft: bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Origiiral-Drahtmel-uugen. fc. Bingen, 9. Juli. Heute nacht geriet im Hause des Friedrich Deisel III. durch eine explodierende Petroleumlampe ein Bett in Brand, in dem Frau Deisel mit ihren beiden 6- und 8jährigen Kindern schlief. Das eine Kind starb an den erlittenen Verletzungen, während die Frau und das andere Kind schwer verletzt wurden. fc. Worms, 9. Juli. Der Taglöhncr Krämer erstach gestern nachmittag den Arbeiter Jäger. Der Täter ist flüchtig. fc. Mannh ei in, 9. Juli. Das 16 jährige Dienstmädchen Marie Mangold und drei Kinder der Familie Dann, bei der die Mangold in Stellung war, wurden infolge Gasvergiftung betäubt Das Dienstmaocheu i|i gestorben, die drei Kinder sind außer Lebensgefahr. — Der 21 jährige Glasschleifer Ludw. Gabler in Waldhof erschoß gestern Nacht seine Geliebte, die Fabrikarbeiterin Bertha Gärtner aus Breslau in ihrer Wohnung. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Breslau,' 9. Juli. Im Dorfe Polnisch-Stein erschlug der Blitz den früheren Gemeindevorsteher Freitag» und dessen 18jährige Tochter in der Wohnstube. Die übrigen Familienmitglieder blieben unversehrt. London, 9. Juli. Die Regierung erhtelt aus Transvaal Nachrichten, wonach ein allgemeiner 'Au fstand' der Ein ge borenen in Südwestafrika zu erwarten ift Die Eingeborenen legen eine noch nie dagewesene Frechheit den Weißen gegenüber an den Tag. Es heißt, am 17. d. M. werde das Signal zu einer allgemeinen Nieder- mehelung der weißen Frauen und Kinder seitens der Zuln- kaffern gegeben werden. Paris, 9. Juli. Telegramme aus London berichten, daß die Meldung verfrüht sei, wonach Negus Menelik das englisch-französisch-italienische Abkommen über den Eisenbahnbau in Abessinien gutheiße. Odessa, 9. Juli. Die Polizei verhaftete den Bulgaren Fodorow, bei dem zwei Bomben und 150 Patronen gesunden wurden. Er steht unter dem Verdachte der Teilnahme an dem Attentat gegen den Sultan, das im vorigen Jahre verübt wurde. Durban, 9. Juli. Die Truppen in Natal umzingelten und schlugen im Distrikt Umwoti eine Streitmacht der Eingeborenen vollständig. Der Verlust der Eingeborenen betrug 4 4 7 T o t c , darunter befand sich der Häuptling Matsch- wili. Sehr wenigen gelang es, zu entkommen. Tie Weißen hatten keine Verluste. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hoffen für Dienstag, den 10. Juli 1906: Meist beiter und trocken. Nachts kühler, am Tage wärmer. Schwache nördliche Winde. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. TTeSefomsche des Giessener Anzeigers, mitge und Indnsti Frankfurter 3^°/0 Reichsanleibe . . 99.80 356 do. . 88.35 3%°/o Konsols . 99.80 3% do. ... 8835 3%°/0 Hessen .... 98.50 3%°/o Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.50 4*/6 % Oesterr. Silberrente 100.40 4 So Ungar. Goldrente . . 95.50 4% Italien. Rente . . . 103.50 3% Portugiesen Serie I . 70.10 35o Portugiesen „ III 70.50 4%°/n russ.Staatsanl. 1905 89.30 4X0/n japan. Staatsanleihe 95.30 4 % Conv. Türken von 1903 95 20 Türkenlose 147.00 45o Griech. Monopol-Anl. 53.85 4% äussere Argentinier , 91 20 4°/0 Mexikaner .... 70.25 3j^°/0 Chinesen .... 98 00 Aktien: Bochum Guss 242.00 Buderus E. W . . . 127.10 Tendenz: fest. Berliner Börse, Canada E. B —.— Darmstädter Bank . . 139.20 Deutsche Bank . . . 235.60 Dortmunder-Union C. . . 86.50 Dresdner Bank .... 158.20 Tendenz: fest. Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie. Giessen. , rse. 9. Juli, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . 144.75 Elektriz. Schnckert . . . 130.00 Eschweiler Bergwerk . . 252.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 221.70 Hamburg-Amerik. Paketf. 160 80 Harpener Bergwerk. . . 210 20 Laurahütte 232.00 Nordd. Lloyd 127.50 Oberschles. Eisen-Industrie 127.60 Berliner Handelsges . . 170.00 Darmstädter Bank . . . 139.10 Deutsche Bank . . . 235 80 Deutsch-Asiat. Bank . . 177.50 Diskonto-Kommandit. . . 182.90 Dresdner Bank . . . 158.25 Kreditaktien 210.80 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . UMO Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . 35.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.50 Prince-Henri-Eisenbahn . 146.00 9 Juli. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 210.50 Laurahütte —.— Lombarden E. B. ... 35.00 Nordd. Lloyd . . 125.60 Türkenlose —.— bewährteste Nahrunq für r I 2 Verdingung. Die Anfertigung, Lieferung und Aufstellung des abgebundenen Turmgerüstes für die Wiederherstellungsarbeiten am Dom zu Wetzlar soll öffentlich vergeben werden. 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