Erstes Blatt Montag »♦ Juli 1906 B 156. Jahrgang Nr. 158 Erscheint tSgttch außer Sonntag-. Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sietzener Zamilien. blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untverf^Buch-u.Stein- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei? Schul st raße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^Wbl Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. JMBW A Ä VezngSpretSr ÄMW» ” fv W monatlich7b Pf.,viertel- Sietzener Ameiger» General-Anzeiger V i K . den polit. und eiligem. Amts- Md AnzetgMatt für den Kreis Gießen MW zeigenteil: Hans Beck. Are heutige Yummer umfaßt L0 Setten. politische Wochenschau. Die Nachricht von der Geburt des ersten Prinzen in der k r o n p r i n z l i ch e n Familie wurde mit herzlicher Freude in allen patriotischen Kreisen der Bevölkerung ausgenommen. Die „Times" besprach das Ereignis in bemerkenswert liebenswürdiger Weise. Das Bt.sinden der deutschen Kronprinzessin und des kleinen Prinzen ist zufriedenstellend. Die amerikanische Kolonie beabsichtigt, dem längsten Hohenzollernprmzen ein Gesche n kzu machen, da sein Geburtstag auf den höchsten amerikanischen Feiertag, den Tag uct änÄ>hängigkei1serklar- ung, fällt. Das Geschenk soll in einem Becher, verziert mit der amerikanischen Flagge, bestehen und am Tauftage des Prinzen überreicht weroen. Die „Nat.-Ztg." bestätigt, daß demnächst eine allgemeine Amnestie erlassen werden wird, welche die Vollstreckung von solchen Strafen, bei denen nicht auch gleichzeitig auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt ist und bet welchen der Verurteilte der Gnade würdig erscheint, in weitestem Maße umfassen wird. Diese Amnestie war bereits sür oie Silberhochzeit des Kaiserpaares in Aussicht genommen, wurde jedoch in Rücksicht aus das erwartete uno jetzt eingetretene frohe Ereignis bis dahin zurückgestellt und soll nunmehr Tatsache werden. Die koloniale Untersuchung ist nun in Fluß gekommen. Eine ziemlich vollständige Neubesetzung der Kolonialabteitung mit Räten und sonstigen Beamten soll bevorstehen. Dem bisherigen Legationsrat Prof. Dr. H e l f f - rich, der, mie wir mitteilten, in der „Nat.-Zlg." eine längere Erklärung voller Scharfe gegen Erzberg^rS Angriffe auf die Beamten be^ Kolonialamtes veröffentlichte, erwiderte umgehend der Ä'bg. Erzberger in der „Germania" folgendes: 1. Der Fall der U n t e r s ch l e i f e in Südwestafrika ist nicht »längst erledigt", weil gerade die Antworten der Regierungs- vertrerer nicht befriedigt haben. Ter Reichskanzler har zudem noch nach neuen Meldungen eure Untersuchung angeordnet. Ich selbst habe in der gejammten Angelegenheit mich stets auf das Einbringen von Anfragen beschränkt. 2. Die Behauptung des Professors Helfferich, daß ich mich der »Mitwirkung von Beamten bediene", die in der Kolouial-Abtetlung angeslelll sind und in »deren Mauern als Denunziant und Spitzel unter Verletzung ihres Diensteides ihr Wesen treiben", war entiveder eine b ö § w i l l i g e L e r l e u m d u n g oder eine leichtfertige Behauptung. Jedensalls kann Dr. Helfferich für diese Behauptung nicht die Spur eines Beweises erbringen. Im Gegenteil, wenn em früherer Beamter der Kolonialabteilung eine solche Behauptung ohne jeden Beweis ausspricht, so zeigt er nur, daß ich im Rechte bin, wenn ich sein Ausscheiden riich: bedaiire. Der preußischeLandtug erledigte u. a. die Vorlage zur Festsetzung einer Bersch uldungs grenze für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke. Den Hauptgegenstand der Sommertagung bildete das V o l k s s ch u l u n t e r h a l t u n g sg c s e tz, dessen Durchberatung im Herrenhause zu einer wesentlichen Umgestaltung der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Kompromiß- fassung führte. Das Herrenhaus nahm am Samstag das Schulunterhaltungsgesek unter Ablehnung aller Abänderungsanträge in der Fassung des Abgeordnetenhauses mit erdrückender Mehrheit an. Der Kultusminister sowie namentlich Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopsf wurden von den Vertretern der Regierung und dec politischen Mehrheit des Hauses beglückwünscht. Das Abgeordnetenhaus hielt dann noch eine kurze Sitzung ab, an die sich eine gemeinschaftliche Sitzung beider Häuser anschloß, in welcher die Landtagssesfion geschlossen wurde. In der Sozialdemokratie beschäftigte man sich wieder einmal mit der politischen Massenstreikfrage. Bebel mag vonl Massenstreik nichts wissen. Er weiß warum und ist darin mit den Gewerkschaften einig. Aber öffentlich möchten er und der Parteivorstand den Nimbus des politischen Werwolfs gern wahren, um durch das von Zeit zu Zeit herbeizitierte Gespenst eines allgemeinen Streiks, der natürlich nie verwirtlicht werden soll, manchem ängstlichen Bürger und vielleicht auch manchem nervösen Staatsmann ein gelindes Gruseln zu verursachen. Die lokalorganisierten „Genossen" waren politisch naiv genug, die Schwäche der sozialdemokratischen Massenstreikposition der absolutesten Oeffentlichkeit zu unterbreiten, und so konnte man in bürgerlichen Kreisen das anmutige Gaudium erleben, zuzusehen, wie einem zahmen Grautier das imposante Löwenfell, in das es sich gekleidet hatte, vom Kopfe gezogen wurde. Natürlich erregte diese Entlarvung allenthalben uneingeschränkte Heiterkeit. Wer den Schaden hat, braucht eben für den Spott nicht zu sorgen. Auch eine anarchistische Affäre erlebte man, und zwar ergriff die Polizei in Altona einen von Amerika herübergekommenen Menschen Namens August Rosenberg, gegen den jetzt Voruntersuchung wegen Vorbereitung eines Attentats gegen Kaiser Wilhelm eingeleitet worden ist. Rosenberg lebte 18 Jahre in Seattle im Staate Washington. Ein Bekannter von ihm teilte der amerik. Polizei die Attentatspläne Rosenbergs mit. Die Durchsuchung seines Kollers dort ergab das Vorhandensein von Sprengstoffen und chemischen Apparaten. In Altona hatte Rosenberg bereits mehrfache Vernehmungen zu bestehen, wobei er erklärte, daß die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen unwahr seien. Dagegen soll er sich über seine Zugehörigkeit zu den Anarchisten und über die Propaganda der Tat ausgesprochen haben. Rosenberg ist amerikanischer Bürger. .Er hatte sich ein kleines Vermögen und etwas Grundbesitz erworben und beabsichtigte, nachdem er seinen Grundbesitz verkauft hatte, den Rest seines Lebens mit seiner aus Holstein stammenden Frau in Deutschland zu verbringen. Am 1. Juli begann die neue st e ue r po l i t i s ch e Aerelfen, den es im deutsck)en Volke immer besessen hat - auch zu den Zeiten, wo es anscheinend in Gefahr war, fast in Vergessenheit zu geraten. — Nicht minder aber erfüllt es uns mit der grössten Befriedigung, dass wir überall auch den Punkt der Satzungen in der idealsten Weise hochgehalten sehen, der die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen und Gesinnungen der Mitglieder gegen einander vorschreibt. Als sehr erfreuliches Zeichen hierfür soll nicht unerwähnt bleiben, dass einer der ältesten Bundesvereine, der Gesangverein Harnionje in Giessen, in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag in voller Frische feiert, wozu ihm die herzlichste Gratulation aller Schwestervereine auf einstimmigen Beschluss des vorigen Sängertages nachher in diesen Räumen dargebracht werden soll. Auch wir wollen hiermit diesem tätigen und angesehenen Bundesvereine, dessen Effündung im Jache 1846 erfolgte und der seit 1861 ohne jede Unterbrechung dem Lahntal- Sängerbunde angehört, die besten Wünsche für sein ferneres gutes Bestehen aussprechen und somit gleichzeitig, indem wir diese Ehrting des einzelnen Vereins auf den gesamten Lahntal- Sängerbund übertragen, diesem und seinen Leitern an dieser Stelle den gebüchenden Dank für die bisherige Tätigkeit und die Bitte entgegenbringen, auf dem betretenen Wege, der sich mit den erprobten Satzungen deett, stets weiter schreiten und niemals Nachlassen z". wollen in dem Bestreben, die hohen und idealen Ziele der Verwirllichung näher und näher zu bringen, die dem Bunde schon bei seiner Gründung vorsehwebten. In diesem Sinne rieche ich an Sie Alle, meine werten Festteilnehmer, die Bitte, sich von den Sitzen zu erbeben und als Zeichen Jcher Zustimmung sich mit mir zu vereinigen in dem Rufe: Dem deutschen Männergesangc, dem deutschen Liede, ein dreifach donnerndes Hoch! Hoch! Hoch! Auch dieses Hoch sand freubige Zustimmung. Das von Herrn Ernst Ehallier sen. mit feinem Verständnis aufgestellte Konzertprogramm erreichte seinen Höhepunkt in den beiden von den hiesigen Gesangvereinen vorgetragenen Massenchören. Mendelssohn-Bartholdys altes und doch ewig junges „Wer hat dich, du schöner Wald" gelangte durch die stattliche Sängerschar zu vollendeter Wiedergabe und fast noch mächtiger wirkte der mächtige Chor mit Orchesterbegleitung „Das deutsche Lied* von W. Gernhardt. Als Dirigent entledigte sich Lehrer Görlach, der als Bundesdirigent am Sonntag auch die großen Massenchöre des Bundeschors leitete, seiner Aufgabe in bester Weise. Mit der Begrüßungsfeier hatte man die 6 0jährige Jubiläumsfeier eines der hiesigen Bundesvereine, der Harmonie, verbunden. Herr Challier sen. hatte es als einer der ältesten Sänger in Giessen übernommen, die Feier in die Wege zu leiten. Er gedachte in sehr anerkennenden Worten der Tätigkeit der Harmonie tind insbesondere des Umstandes, daß der Verein seit 1861 ununterbrochen Mitglied de§ Lahntalsängerbundes sei und stets 31t dessen besten und strebsamsten Mitgliedern gehört habe. Seine herzliche Gratulation liess der Redner in ein dreifaches Hoch auf die Harmonie ausklingen. Fräulein Werner sprach sodann dem Verein die Glückwünsche seiner Vereinsdamen nn§ und überreichte als deren Jubiläumsgabe eine Bannerschleife. Die Glückwünsche des Bauerschen Gesangvereins übermittelte unter Ueberreichung eines silbernen Bechers der Vereinsvorsitzende, Herr Todt, während für den Gesangverein Heiterkeit dessen Vorsitzender, Herr Roll, einen Fahnennagel überreichte. Für! den Lahntalsängerbund gratulierte der Bundesvorsüzende, Hauptlehrer Schneider von Marburg. Er nahm in seiner kernigen Ansprache Bezug auf die Reden der beiden Festvorsitzenden und gedachte der Tätigkeit des Jubelvereins in äußerst anerkennenden Worten, indem er ein dreifaches Hoch auf die Harmonie ausbrachte. Als Festgabe überreichte er ihr ein Diplom; auch Herr Ehr. Hahn, der dem Verein und damit dem Bunde seit 25 Jahren als aktiver Sänger angehört, wurde durch Widmung des Bundesdiploms ausgezeichnet. Der Vereinspräsident, Herr B. Amend, dankte für die Ehrtmgen, die der Harmonie 31t teil geworden und verkündete, daß der Verein beschlossen habe, den beiden ältesten Sängern, Hahn und Stadler, Ehrendiplome zu überreichen. Ein Gesang der Harmonie, „An den Gesangs von I. Schneider, den der Vereinsdirigent, Lehrer Alb ach, leitete, bildete den Schluß der würdigen Jubiläumsfeier, aber noch nicht das Ende des Festabends überhaupt. Erst lange nach Mitternacht verließen die Sangesfreunde die gastliche Halle, die von den beiden Festwirten Flamme und Sauer' von hier bestens bewirtschaftet wird. Auch auf dem Festplatz herrschte reges Festesleben, insbesondere in der bayrischen Bierhalle von Spuck, wo ächte Münchener Madel ächten Stoff kredenzten und neben einem gut besetzten kalten Buffet eine Wurstelbraterei zur Stärkung einlud. Der Wettgesang. Rach dem üblichen Weckruf, der am Sonntag morgens 6 Uhr seinen Anfang nahm, folgte der Empfang der aus- wärtigen Bundesvereine an der Bahn imb der Einzug der Festgäste in die schön geschmückte Stadt. Die Sänger begaben sich zum großen Teil alsbald in die Turnhalle des Turnvereins, wo um 9 Uhr das Einzelwettsingen der Bundesvereine begann. Hieran beteiligten sich alle Vereine des Bttndes mit Ausnahme des „OrpheuS"-Butzbach. Es sangen: Mä'nnergesangvereiu Kirchhain: „Wüchsen mir Flügel" von M. v. Weinzierl. Liederkranz Dillenburg: „Frühlingsherold" von R. Wiesner. Liederkranz Gladenbach: „Heil dir, deutscher Männergesang" von G. Zanger. Liedertafel Marburg: „Jnr Walde" von H. Schäffer. Männergesangverein Wetzlar: „Es zog der Maienwind zu Tal" von W. Stunn. Liederkranz Marburg: „Ein Wörtlein" von G. Keuerleber. Cäcilia Lich: „Vom Rhein" von M. Bruch. Liederkrauz Weilburg: „Schätzer! nein" von T. Zant. Frohsinn Londorf: „Waldeinsamkeit" von Ph. Orth. Männergesangverein Grün berg: „Abschied vom Walde" von I. Brodt. Heiterkeit Giessen: „Mainacht" von F. Abt. Gemütlichkeit Giessen: „Mein Schatz" von I. Pauli. Harmonie Giessen: „Ausfahrt" von I. Feyhl. Eintracht Hungen: „In den Alpen" von F. Hegar. Batrerfcher Gesangverein Giessen: „Morgenlied" von I. Rietz. Gesungen luurbe im allgemeinen recht gut, namentlich die Marburger Liedertafel und der hiesige Bauersche Gesangverein boten recht gutes. Die Gesänge wtirden von drei Preisrichtern beurteilt und das Resultat wird beim BundeS- sängertag heute verkündigt werden, Allgemein konnte man hören, dass die Leistungen der Btmdesvereine durchschnittlich sich bedeutend gehoben haben. Um ll1/, Uhr fand sodann die Hauptprobe für die Massenchöre in der Festhalle statt. Die wohl über 300 Sänger entledigten sich ihrer Aufgabe in bester Weise und ihre Leistungen ließen für den Nachmittag das Beste erwarten. Sie sangen „Weihe deS Gesanges" von Mozart, „Schifferlied" von Eckert, „Hyntue" von Herzog Ernst, „Der Soldat" von Silcher und „Das deutsche Lied" von Gernhardt. Der Festzug. Ilm 1l/2 Uhr fand sodann die Aufstellung des Festzugs am Walltor statt und Punkt 2 Uhr erfolgte der Abmarsch durch die Walltorstrasse, Ljndenplatz, Schulstrasse, Neuen Bäue, Ludwigsplatz (Gegenzug und zurück), Neuenweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Schulstraße, Marktplatz, Mäusburg, Seltersweg, Südanlage, Bleichstrasse, Ludwigstraße, Älicestrasse, Bahnhofstraße, Neustadt, zum Festplatz. Der Zug gliederte sich in drei Abteilungen und zwar: I. Abteilung: 1. Radfahr-Klub „Germania" mit Festdamen. 2. Trommlerabteilung der Gailfchen Feuerwebr. 3. Musikabteilung des Jnf.- Regts. Kaiser Wilhelm. 4. Freiw. Gailsche Feuerwehr. 5. Ehren» ausschuß. 6. Festausschuss. 7. Gesamtansfchuß. 8. Gesangverein Kirchhain. 9. Liederkranz Gladenbach. 10. Schützenverein Gießen in einem prächtigen, rosengeschmückten Wagen. 11. Liederkranz Dillenburg. 12. Edelweiß Gießen. 13. Orpheus Butzbach. II. Abteilung: 1. Kutscheroerein zu Pferd, la. Musik. 2. Liedertafel Marburg. 3. Mannergesangverein Wetzlar. 4. Arnieitia Gießen (Festwagen, die Loreley darstellend). 5. Liederkranz Marbltrg. 6. Stemm- und Ringklub Gießen. 7. Eäeilia Lich. 8. Liederkranz Weilbttrg. 9. Bürgergesellfchast Gießen. 10. Frohsinn Londorf. 11. Männer- gesangverein Grünberg. 12. Geselligkeitsverein Gießen. 13. Evang, Arbeiterverein Gießen. 14. Marineverein. III. Abteilung: 1. Schlachterverein Gießen (Reiter und Radfahrer mit der Ztmftlade von 1717). 2. Musikabteillmg der Feuerwehrkapelle. 3. Eintracht jungen. 4. Gießener Turnerfchaft. 5. Bäckerverein „Frühauf" Gießen (Gruppe). 6. Katholischer Gesellenverein Gießen. 7. Heiterkeit Giessen. 8. Maschinenbauergesangverein Gießen. 9. Ge- mütlichkeit Gießen. 10. Kriegervereiu Gießen. 11. Harmonie Gießen. 11a. Artillerieverein. 12. Bauerscher Gesangverein Gießen. 13. Gießener Freiw. Feuerwehr. Im Ehrenausschuß fuhren u. a. mit der Rektor der Landesuniversität S. M. Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, Negierungsrat Dr. Wagner, Hauptmann v. Kamecke als Vertreter des Obersten, ReichStagsabg. Heyligenstadt, Landtags- abg. Dr. Gtltfleisch, Handelskammerpräsident Koch, Polizeiamtmann Herberg, zahlreiche Stadtverordnete usw. Unterwegs wurde der Zug von einer zahllosen Menschenmenge erwartet und die Sänger wurden vielfach mit Blumen begrüßt. Tas Fest am Nachmittag. Nach dem Eintreffen des Festzuges begrüßte im Auftrag der Stadt Gießen Stadtv. Helm die Festgäste mit folgenden Worten: In Verhinderung des Herrn Oberbürgermeisters ist mir als Stadtverordneter der ehrenvolle Auftrag geworden, Ihnen Allen, insbesondere den Mitgliedern deS Lahntal-Sängerbundes, den Willkommengruß des Herrn Oberbürgermeisters und der Stadt Gießen zu entbieten. Ja, willkommen Ihr Sänger auS nah und fern, unsere Bürgerschaft und mit ihr die Festausschüsse haben alles daran gesetzt. Ihnen die Stunden Ihres Hierseins zu schönen und festlich zu gestalten. Was Sie hierhergcführt, ist das deutsche Lied, sein Wert ist nicht zu unterschätzen, cs führt Männer zusammen, die sonst im Leben nie materieller sich finden, im Liede aber, wird der Sinn eines jeden hingelenkt zu höheren Idealen. Es unterliegt auch wohl keinem Zweifel, daß heute die Gesangvereine daS einzige Mittel noch bilden, die Poesie im Volke lebendig zu erhalten. Sic, meine Herren, haben heute Alles daran gegeben, um in dem edlen idealen Wcttgesang Ihren Mann zu stellen. Wer von Ihnen die Siegcspalme nicht errungen hat, soll nicht als Besiegter fehlen, sondern durch Vergleiche hier erkennen, tob er in seiner Weiterarbeit cinsetzen muß. Diese Stunden nur sollen der zwangslosen Festesfreude gewidmet sein und so wollen wir unserem Lahntal-Sängerbund, der sich gebildet hat, zur Pflege des Gesangs, auch ferner Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschen. Nun bitte ich Sie mit mir cinzustimmen in den Ruf: Alle Vereine deS Lahntal-Sängerbundes und Mitwirkende, welche zum Gelingen dcö 26 jährigen Lahntal-Sänger- bund-Festes in Wort und Tat, in Sang und Klang bcigetragen haben, sie leben hoch! Da? Hoch fand lebhaften Widerhall. Bundesvorsitzender Schneider von Marburg dankte für die freundliche Begrüßung und die herzliche Aufnahme, die die Sänger in Giessen gefunden hätten. Er verbreitete sich sodann über die Ziele und Aufgaben deS Blindes und des detitschen Männergesanges und schloß mit einem Hoch auf das Vaterland und daS deutsche Lied. Hierauf begann in der Festhalle das Festkonzert, bei dem insbesondere die Maffenchöre der Bundesvereine und die am Vormittag als Wettgesänge gesungenen Einzelchöre zum Vortrag gelangtem Dazu gab es in der Halle und auf dem Festplatz Militärkonzert und am Abend Tanz. Der am Nachmittag hier und da einsetzende Regen vermochte der fröhlichen Stimmung der überaus zahlreichen Festbesucher keinen Abbruch zu tun und die Festwirte usw. hatten, alle Hände voll zu tun, um ihrer -Aufgabe gerecht zu werden. Auch der Juxplatz an der Lahn, der reich besetzt war, fand eifrigen Zllspruch. Sllles in allem nahm der Haupttag des Festes einen schönen Verlauf, cS war nicht allein ein Sänger- est, sondern ein Volksfest im besten Sinne des Wortes. für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitighDiarrhoe, Brechdurchfall, Darmkabarrh. Hotcl-Restaurant Kronprinz, Bad-Salzhauscn. Billigster, bester Kur- uni) Sommeraufenthalt. Prosp. Gratis. 3924 Todes-Aßzsige im Alter von 50 Jahren, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen, Die tieftrauernden Hinterbliebenen, Giessen (Nordanlage 29), den 8. Juli 1906 des neuen Friedhofes aus statt. 04913 Statt jeder besonderen Anzeige Fra»™ Mo« letz schieserten Dachfläche vormittags 10 Uhr, auf Gr. Bürger- heute vormittag ll3/4 Uhr nach kurzem, schweren Leiden im 64. Lebensjahr sanft entschlafen ist. Giessen (Westanlage 62), den 7. Juli 1906, 945,60 Statt besonderer Anzeige Veterinärrat Wilhelm Pfeiffer Ritter m. 0, im fast vollendeten 72, Lebensjahre. bei Ober-Ramstadt. GroHen-Linden, den 9. Juli 1906. 4232 Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag gegen 21/, Uhr statt, stehende Arbeiten 12. Juli 1906, l obigem zur Eirr- 1. Trägerlieferung 2. Zimmerarbeit 3. Schlosserarbeit 4. Maurerarbeit Titel I veranschlagt 624,96 288,— 451,— 78,40 Hinterbliebenen: Gustav Windecker. Professor Dr. Pfeiffer und Frau Elsbeth geb. Burchardt. Bieber, den 8. Juli 1906. Atrb eitsv erfteigermng. Behufs Erneuerung eines Steges über die Lumda und Mühlgraben zu Treis a. d. Lda. und Erneuerung der gc- Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Juli, nachmittags 6 Uhr von der Kapelle Heute verschied plötzlich unser lieber, guter Vater, Grossvater und Schwiegervater Im Namen der Ernst Bloedner. Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir hiermit die traurige Mitteilung, dass unsere liebe Schwester, Schwägerin, Tante und Grosstante meisterei Treis a. d. Lda., durch öffentliche Versteigerung ha Akkord vergeben werden als: (4156 Gestern morgen ^3 Uhr verschied nach kurzem aber schwerem Leiden unser innigst- geliebter Gatte, Vater, Schwiegervater, Grossvater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager u. Onkel Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wiih. Götz. 11 Uhr von der Kapelle 4214 Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Juli, vormittags des alten Friedhofes aus statt. Die Beerdigung findet in Großen-Linden am 11. d. Mts., nachmittags gegen 4 Uhr vom Sterbehaus, Bahnhofstraße 45, aus statt. 4224 Am 7. Juli entschlief sanft unser lieber Vater, der König! Gestüt-Inspektor und Oberrossarzt des Hauptgestüts Graditz Termin auf Gr. Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. sicht der Interessenten offen. Treis a. d. Lda., den 3. Juli 1906. Großh. Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. Benner. 185^-890® Unseren verehrlichen Alterskollegen zeigen mir hierdurch ergebenst an, daß unser Kollege Herr ^Conrad Hamel aus diesem Leben abberusen wurde, und bitten miv um zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung. 4223 Der Ausschuß. n des Kirchturms daselbst, sollen nach- und Lieferungen, Donnerstag, bei* Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß heule nachmittag 4’/t Uhr unser liebes, gutes Kind Martha im Alter von 3'/. Jahren, nach kurzem, aber schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Die tieftrauerudeu Eltern: Christian Burk und Frau Gießen, Rittergasse 8, 7. Juli 1906. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. Juli nachmittags 5 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 04910 Herr Bergverwalter J« Seta Alter von 64 Jahren. Arbeitsvergebung. Die Weißbinder-, Schreiner-, Dachdecker-, Spengler- und Tapezicrarbciten zur laufenden Unterhaltung der Gebäude des Realgymnasiums und der Realschule sollen Freitag den 13. Fuli d. 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Statt besonderer Anzeige machen wir Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß es dem lieben Gott gefallen hat, meine liebe Frau, unsere treue Mutter Frau Marie Bernhard geb. Engelhardt von langem und schweren Leiden durch einen sanften Tod zu erlösen. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Bernhard, Lehrer i. P., Karl Bernhard, Minist.-Revisor in Darmstadt und Frau Gustel geb. Rohda, Ludwig Bernhard, Pfarrer in Ernsthofen Herr Conrad Hbm®l Installateur Titel II 5. Dachdeckerarbeit veranschlagt zu Mk. Voranschlag und Bedingungen liegen l UH HW > W W ** ■ yZ W’Zi H 'M W W -M Mr W •M; Fortsetzung unseres Sommer-RäumungsVerkaufs 1O° o Rabatt Gebi üder Imheuser, Giessen Marktplatz 9—IO Damen- und Herren-Modewaren. II Seltene Kauf Gelegenheit^! Parfum Oberurseler SS4/* wirkend Westaulage 6 dahier. 4174 D.R.G.M. 1764 Kornbrot Wettner. 4212) Auf alle anderen Artikel bewilligen wir Neues unübertreffliches Taschentneb- Parfam In Flacons zu M. 2.50 u. 1 - Ueberall vorrätig. 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