i. Ganss und Frau. l"n 15 a2® Jahre» u ? ■ Tr-n ür. L^N'hcr, ?!°k>w»o-J'u»dt, Anläßlich unserer Silberhochzeit as erwiesenen Aujmerk- imteit jagen [4890 stkaufschiliinge neuerbauten 5^..:- M0° .mb 850Ö ffll'f™ '-20000 Eark SteUe oudj «ui 0[te 'Ku anzulege», E- Anfragen unter 05737 ^MmAnzcigererbeten. njtl. Auaebnt ‘ LWE &Ä Hitz. Lob und Kau. | Anf bequeme >•«* Für bie Mreichen ßßiifaSnfdje anläßlich -mietet ßld. HochM agen au\ diesem W ! itten i Verlöre» irbutgtv ^- el^b uqeben MM MkÄIÄ^ 5S&S-S -iiSkS» cems 'wv a(jyib§. llniang9 "^rVorfia^ ■ 'm' * 11; i Fi i T 11 Kneiplokal IlllSbel .gSS* Nr. ISS Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Familienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen« Zweites Blatt 186. Jahrgang Mittwoch 8. August 1906 Giehener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. Argen Den übergroßen Reichtum wendet sich 'Paul Dehn int Augusthefte des „Türmers" (Verlag von Greiner u. Pfeiffer, Stuttgart) im Anschluß an die Erklärung des Präsidenten Roosevelt, es müsse gegen die Ansammlung unvernünftig großer Vermögen etwas Ernstliches unternommen werden. Tatsächlich, so führt er aus, gab es zu keiner Zeit eine solche Anhäufung des Reichtums in einzelnen Händen, wie in der Gegenwart. Umfassender als je zuvor werden die Naturschätze an Gold, Silber, Kupfer, Petroleum, Kohle usw. ausge- beutet, neue Ländettien .erschlossen und mit Getreide, Baumwolle usw. bebaut und sodann alle diese Erzeugnisse in ungekannten Massett durch die modernen Verkehrsmittel überall hin verftachtet und bestmöglich verwertet, verarbeitet und verbraucht. Nicht Millionen, sondern AMiarden sind allein in Berlin durch die Steigerung von Grund und Boden seit wenigen Jahrzehnten gewonnen worden, und weit mehr noch in Deutschland, in Europa, in Amerika. Bei diesem wirtschaftlichen Aufschwünge aller Länder konnten sich die Kapitalkräftigsten naturgemäß am leichtesten und am meisten bereichern. Vermehrt, ja vervielfacht wurde der Reichtum durch die Mobilisierung aller Werte von der Börse aus etwa seit 1850, durch die Schaffung von Papierwerlen. An der Berliner Börse werden für annähernd 70 Milliarden Mark solcher Werte gehandelt. Von dem deutschen Volksvermögen in Höhe von mehr als 200 Milliarden Mark hat mehr als ein Viertel Anlage in solchen Papierwerten gefunden. In der Hauptsache führen darüber die Großbanken die Kontrolle und zentralisieren das Kapital, dessen Macht und nicht zuletzt den Gewinn. Allerwürts zeigt sich annähernd dasselbe Bild. Mas war die Folge? Eine zunehmende Verschlechterung in der Verteilung des Volks vermöge ns, das Entstehen von Riesenvermögen in Europa, von Milliardären in Nordamerika. Der Gold- und Diamantenspekulant Beit in London soll zwei Milliarden Mark besitzen, ebensoviel der nord- amerikanische Petroleumspekulant Rockesetler, Hunderte von Millionen sind Eigentum der Astors, Vanderbilts, Carnegies, Armours, Morgans, Goulds u. a. Solche Milliardäre kennt man in Preußen nicht. Immerhin gibt es nach der etwas unzulänglichen preußischen Ergänzungssteuerstatistik in den preußischen Städten 5510 lind in den ländlichen Bezirken 1899 Marb-Millionäre, darunter 23, die mehr als 23 Mill. Mark besitzen. Großen Reichtum kann jemand nur durch die Arbeit anderer erwerben, loyal durch wertvolle Erfindungen und durch Entdeckung von Naturschätzen. In der Regel ist er aber ein Ergebnis der Spekulation bei der Ausnützung geschäftlicher Konjunkturen, bet der Ausbeutung von Naturschätzen, bei dem Bau von Eisenbahnen, .durch Anlagen in städtischem Grund und Boden und an der Börse. Hauptziel der großen Spekulanten ist stets die Beherrschung des Marktes, der Ausschluß der Konkurrenz, die Monopolisierung des Geschäfts. Wer dahin gelangt, hat das Feld für sich. 9)fctt Hikfe der Ringe und Ärnfts haben sich die nord- amerikarrischen Milliardäre Petroleum-, Kohlen-, Eisen-, Stahl-, Fleisch- und andere Monopole geschaffen. Schließlich wirkt der große Reichtum selbst wie ein Monopol. Staatsmonopole können drückend sein. Privatmonopole müssen unerträglich werden. Wo die Plutokratie so emporgekommen ist wie in der Union, strebt sie auch nach politischer Macht, doch nicht um zu herrschen, sondern um die Anhäufung ihrer Reichtümer ungehindert weiter betreiben zu können. Zu diesem Zweck kaust oder beeinflußt sie die Tagespresse. Mit ihren goldenen Schlüsseln verschafft sie sich, überall Einlaß und Geltung. Ihr letztes Ziel bleibt die uneingeschränkte Ausbeutung des Volkes unter dem Schutze der ihr dienstbaren politischen Macht. Die Plutokratie wird zum Staat im Staate und gefährdet die natürliche und friedliche Entwicklung von Staat und Gesellschaft. Dabei verkennt der große Reichtum die Pflichten des Besitzes, Ne erst das Christentum zur Geltung gebracht hat. Die Worte der Bergpredigt: „Selig sind ine Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich" preisen diejenigen selig, deren Herz nicht an den Gütern dieser Welt hängt, die den Mangel daran geduldig ertragen und beim Besitz solcher Güter so nach dem Himmlischen trachten, als ob sie nichts besäßen. Will also der Reiche am Gottes reiche Anteil haben, so muß er inmitten des Reichtums entsagen, als Armer im Geist leben, auf den übermäßigen Genuß des. Reichtums verzichten und seinen Reichtum nicht einseitig für sich, sondern für alle Bedürftigen verwenden. Der Ueberfluß des einen soll nach Paulus dem Mangel des andern abhelfen. Ein jeder Besitzer ist vor Gott nur dcutznießer und Verwalter, er soll nur das Nötige für sich gebrauchen, das Ueberflüssige aber dem Bedürftigen geben. Fremdes Eigentum behält, wer Überflüssiges behält. Wohl haben die Millionäre und Milliardäre der Union gelegentlich recht reichliche Spenden, namentlich für Universitäten, gegeben, fteilich nicht im Verborgenen, sondern unter dem lauten Posaunenschall chrer Presse. Aber diese Gaben erfolgten nicht aus Nächstenpflicht oder Christenliebe. Von den Universitäten der Milliardäre wurden wiederholt Professoren ohne weiteres entfernt, weil sie sich gegen Privatmonopole usw. äußerten und ihre Meinung mit den Interest en der Stifter nicht in Einklang zu bringen wußten. Ernstlich hat man m der Union die Frage aufgeworfen ob es sich für Unterrichtsanftalten überhaupt ziemt, Schenkungen von Milliardären und Millionären anzunehmen, wenn ihr Reichtum nicht redlich erworben wurde, wenn es sich nm „befleckten Reichtum" handelte, und mehrfach sind solche Schenkungen wirklich abgelehnt worden. Ohne Zweifel besteht in breiten Schichten der Unions- bevölkerung eine tiefgehende Abneigung gegen den großen gegen den „befleckten" Reichtum, weil er Verwaltung und Gesetzgebung korrumpiert und beherrscht, den Staat schwächt, bie Gesellschaft ausbeutet, immer größere Vorrechte beansprucht uno sich über seine Pflichten hinwegsetzt. Präsident Roosevelt hat dieser populären und begründeten Abneigung Ausdruck gegeben und zugleich einen bestimmten Vorschlag hinzugefügt. Die. .Begrenzung, des großen Reich- :tmvs, der übermüßigen Vermögen durch eine entsprechende progressive, in den höchsten Stufen geradezu konfiszierende Erbschaftssteuer wird hie und da Bedenken erregen, stützt sich aber auf den gesunden Menschenverstand, rechtfertigt sich durch das Interesse des Staates und läßt sich nicht zuletzt begründen durch die Lehren des Christentums von den Pflichten des Besitzes. Aus dem russtjchen «Hexenkessel. Ter Zar regierungsmüde? Eine überraschende Sensationsmeldung verbreitet die Wiener Zeitungskorrespondenz Herzog. Sic bekam, wie sie behauptet, von angeblich zuverlässiger Seite aus Lemberg eine Mitteilung, wonach ein dort weilender russischer Gras und Kämmerer eine streng vertrauliche Depesche erhalten habe, laut welcher im letzten Kronrat Stolypin einige Reformentwürfe, worunter bie Verteilung von Gütern an die Bauern, vorlegte. Ein Teil der Minister opponierte heftig. Der Zar trat für Stolypin ein, Ts entstand ein heftiger Konflikt, der damit endete, daß der Zar erklärte, er werde abdanken und die Regentschaft an den Großfürsten Wladimir übertragen. Wladimir sei auch bereits telegraphisch aus Meiningen rückberufen worden. Die Abdikation werde vorläufig nicht bekanntgegeben, da einflußreiche Persönlichkeiten sich bemühen, den Zaren von seinem Entschluß abzubringen. Es ist anzunehmen, daß cs sich bei der ganzen An- gelegenheit um die Wiedergabe haltlosen Klatsches handelt, denn wenn der Zar hätte abdanken wollen, hätte er in den letzten Jahren bei größeren und wichtigeren Anlässen dies tun können. Es ist anzunehmen, baß die Meldung nicht einmal eines Dementis gewürdigt wird, trotzdem der amtliche Demeutierungsapparat zurzeit wieder lebhaft arbeitet. U. a. wird gemeldet: Petersburg, 7. Aug. Das an der Börse verbreitete Gerücht von der deoorstehenben Demission Stolypins entbehrt jeder Begründung. — Das Gerücht von einer Demission des Kriegsministers Rüdiger entbehrt jeder Begründung. — Die Meldung eines Berliner Blattes, in Kronstadt seien 3 00 Rädelsführer des letzten Aufstandes vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und bereits hingerichtet worden, ist, wie die Petersb. Telegraphen-Agentur erfährt, ganz unbegündet. Die Untersuchung ist noch nicht beendet. — Die Nachricht einer auswärtigen Zeitung über Unruhen sowie einen Ausstand der Stcaßenbahnaugestellten in Narwa ist völlig unrichtig. In Narwa gibt es überhaupt keine Straßenbahn. Der Generalstreik ist anscheinend nicht richtig geglückt, wie von russisch-offiziöser Seite und aus privaten Quellen gemeldet wird. Das Handelsministerium bezeichnet den letzten Ausstand als vollständig verfehlt. Avßec in Petersburg und Moskau wurde in keinem größeren Jndustriebezick ein größerer Ausstand der Fabrikarbeiter beobachtet. In Petersburg war nach den Berichten der Fabrikinspektion höchstens ein Drittel aller Fabrikarbeiter ausständig. Die größte Zahl der feiernden Arbeiter fiel auf den zweiten AuS- standstag, alsdann zeigte sich eine wesentliche Abnahme. Die Fabrikinspektion erwartet, daß die Mehrzahl der Feiernden noch in dieser Woche die Arbeit in vollem Umfange wieder aufnehmen wird. Am 6. August waren 81OOO Arbeiter ausständig, am 7. nur gegen 48 OOO. Die Sozial-Revolutionäre hier wie in Moskau sind gegen den Streik, der von den Sozialdemokraten ohne Beteiligung anderer politischer Organisationen proklamiert ist, womit die letzten unzufrieden sind. Die Eisenbahner erklärten nur für den letzten entscheidenden Streik ihre Bereitschaft. Es erfolgten 286 Verhaftungen. Kapitän Cock wird steckbrieflich gesucht. Trotz des Beschlußes der Setzer, während der Dauer des Ausstandes nur immer so viel Arbeiter zur Verfügung der Herausgeber zu stellen, daß täglich eine Zeitung zur Information gedruckt werden kann, ist am 7. August in Petersburg eine große Zahl von Zeitungen erschienen, deren Personal seine Angelegenheiten selbständig behandeln will. Die Stadt war gestern abend, abgesehen von Unruhen auf der Sestrorjezkbahn, ruhig. Die Ausstandsbewegung geht sichtlich rückwärts und kann als endgültig fehlgeschlagen gelten, obgleich die Sozialdemokraten noch große Anstrengungen machen und behaupten, der Ausstand werde nunmehr morgen durchgeführt. Auch die Moskauer Börse mißt dem Generalausstande feinerlei öebeutung ju. Die Rente stieg um 1/2 Prozent, die letzte Anleihe um V< Prozent. Die Moskauer städtischen Werke, sowie die dortigen großen Fabriken stehen in vollem Betrieb. Der Verkehr auf den Eisenbahnen ist normal. Die Buchdrucker streiken, infolgedessen sind keine Zeitungen erschienen. Die Ordnung wird vollständig aufrecht erhalten. Sonstige Meldungen. Moskau, 7. Aug. Hier sind gestern einige revolutionäre Kundgebungen ohne Zwischenfall verlaufen. In der Nähe des GüterbahnhofeS wurde mit Revolvern auf das Personal von zwei Lokomotiven geschossen, aber niemand verletzt. Die Streikenden wurden von Militär auseinander getrieben. In der Provinz wurde verschiedentlich versucht, politische Ausstände herbeizuführen. Sebastopol, 7. Aug. Da§ Kriegsgericht erbat vom Marineminister Instruktionen über das in Anbetracht des Aktendiebstahls im Prozeß gegen die Meuterer zu beobachtende Verfahren. Der Militärrichter Wilschesky, der in Begleitung des Admirals Skrydlow ankam, ist dor Meinung, daß eine neue Untersuchung erforderlich sei. El isa be t hp ol, 7. Aug. Nach einer amtlichen Meldung hörten die Massakres in Schucha auf. Zwischen Tataren und Armeniern ist der Friede hergestellt. Beide Parteien versprachen, mit einander in gute Beziehungen zu treten. Afrikanische Sorgen. Zu den Sorgen, die die Eingeborenen-Aufstände in Afrika für mehrere Kolonialmächte bilden, kommen jetzt aus dem dunklen Erdteil iwch einige nniyere. Die Türkei will in Nordafrika die Oase Djanet besetzen, auf die auch Frankreich Besitzrechte zu haben behauptet und die französische Regierung hat bereits erklärt, daß sie gegen eine militärische Besetzung der Oase Djanet in geeigneter Weise protestieren werde. Nach einer aus Tunis datierten Depesche des „Petit Parisien" wird dort angenommen, daß die Mehairis-Ko- lonnen, welche der französische Oberst Laparinnes imb der französische Hauptmann Chauvin nach der Oase Djanet abgesandt haben, früher bart erscheinen werden, äfö bie von bem türkischen Offizier Janin a-Bey geführte Expedition, welche am 7. Juli Tripolis verließ, angeblich mit der Bestimmung über Sezzan die Oase Djanet zu erreichen. Man glaubt, baß Janina Bey, welcher über 200 Mann Infanterie, 40 Reiter, 29 Gendarmen und 10 Geschütze gebietet, unterwegs Verstärkungen suchen unb wicht vor Anfang Oktober in Djanet eintreffen wird. Selbstverständlich benutzen einige edle Menschenfteunde in England die Gelegenheit, um auch hier Deutschland als den schwarzen Mann erscheinen zu lassen. Der Pariser Korrespondent einer Londoner Agentur telegraphiert nämlich angeblich: Ich bin in der Lage, von einer höchsten Autorität zu melden, daß Deutschland die Frage, die zwischen der Türkei und Frankreich über die Oase Djanet entstanden ist, zu einer internationalen zu machen sucht. Aus Konstantinopel ist von der französischen Botschaft eine Depesche eingegangen, wonach Deutschland die P f o r t e d a z u d r ä n g t, über diese Angelegenheit eine Note an die Mächte zu pichten. Viel richtiger wäre es von den Engländern, wenn sie den Versuch, hier im Trüben zu fischen, unterließen und sich statt dessen um ihre eigenen afrikanischen Angelegenheiten bekümmerten, die nicht gerade erfreulicher Natur find. Wie der Londoner „Tribüne" aus Kapstadt tele- araphiert wird, haben Tausende von arbeitslosen Europäern einen Aufruhr hervorgerufen, der sich von der Stadt in die Landdistrikte ausdehnt. Die Rebellen belagerten das Gouvernementsgebäude und verlangten vom Premierminister, daß sämtlichen Arbeitslosen von Staatswegen regelmäßige und lohnenoe Beschäftigung zugewiesen werde. Ms ihre Forderungen unerfüllt blieben, unternahmen sie einen Angriff auf bas Gonvernements- gcbäube, plünderten bie Läden und stießen eine große Zahl der Eigentümer nieder, die sich ihnen entgegenstellten. Waren im Werte von über 80 000 Mt. wurden geraubt und zerstört. Es werden noch weitere Unruhen befürchtet. Die Polizei ist außerstande, die Ausrührer zu bewältigen. Heber weitere Aufstände, die sich im O r a n j e - F r e i st a a t abgespielt haben, enthält ein Liverpooler Handelshaus von privater Seite telegraphische Mitteilungen. Danach haben zwischen Eingeborenen und katholischem Missionaren heftige Kämpfe stattgefunden. Die Eingeborenen bombardierten das Missionsgebäude mit Steinen und anderen Geschossen, zertrümmerten die Scheiben der Nahrungsmittelmagazine und plünderten die Läden aus. Ms die Polizei gegen die Aufrührer vorgehen wollte, entstand ein heftiger Straßenkampf, bei dem viele Weiße und Eingeborene getötet und schwer verwundet wurden. Endlich gelang es, der Aufrührer Herr zu werden, von denen bie meisten hinter Schloß und Riegel gesetzt wurden._______________________________________ Zu«: Fall Tippelskirch. Minister v. Podbielski spricht. Der preußische Landwirtschaftsminister ergreift nunmehr zu der Angeles en heit Major Fischer v. Tippelskirch das Wort. Nicht in der „Nordd. Allg. Ztg."", aber in dem kaum minder offiziösen „Lokalanz.", der der Regierung mit Vergnügen „weißes Papier" zur Verfügung stellt. Herr v. Podbielski befindet sich zur Zeit in dem Bad Nenndorf (Provinz Hannover). Von ebendaher kommt ein langes P r i v a t t e l e g r a m m in Der heutigen Abend-Ausgabe des „Lokalanz.", das ausführlich die Beziehungen des Ministers zu der vielgenannten Kolonialfirma darlegt. Man darf also wohl annehmen, baS die Schilderung, bie nach deni „Lokalanz." „aus Informationen von besonderer Seite beruht"", von keinem Geringeren als dem Minister selbst inspiriert ist. Daß zwar nicht Herr v. Podbielski, wohl aber seine Gemahlin zu den Teilhabern der Firma v. Tippelskirch gehört — und zwar läuft der Vertrag noch bis zum Jahre 1908 — wird bestätigt. tzluf zwei Punkte legt Herr v. Podbielski Gewicht. Erstens, daß er „als Mann der Firmateilhaberin" sehr zurückhaltend gewesen sei, niemals von irgend einem Vertrag der Firma Tippelskirch mit der Negierung Kenntnis genommen oder Einfluß auf Gefchäftsabschlü'st geübt habe, auch niemals in der Kolonialabteilung gewesen sei. Zweitens, daß weder Frau von Podbielski noch ihr Gatte von den Darlehen, die dem Major Fischer von Herrn v. Tippelskirch und dem „alten angesehenen Afrikaner"" gewährt wurden, Kenntttis gehabt haben, bevor die Zeitungen über den Fall berichteten. Ja, Herr v. Podbielski bemerkt, daß er nicht einmal soviel Einfluß auf die Kolonial- abteilnng hatte, um die Anstellung eines Neffen zu erlangen. Diese Bitte sei ihm abgeschlagen worden. Endlich, der Minister hat auch nicht im Hause des Herrn v. Tippelskirch verkehrt. Herr v. Podbielski, sonst eine so joviale und umgängliche Natur, hat mit der Presse nicht gerne zu tun. Er hat vor ihr, wie er in Bekanntenkreisen einmal sagte, einen gelinden Schrecken: er erklärte im Parlament, er bekümmere sich um die Presse nicht und werde ihr niemals Rede stehen. Trotzdem laßt jetzt Herr v. Podbielski durch die Vermittlung der Presse seine Beziehungen zur Firma v. Tippelskirch ins rechte Licht setzen. Wieder ein Beispiel, daß man schließlich doch die Presse einmal braucht, auch wenn man noch so sehr davon überzeugt ist, auf sie ganz und gar verzichten zu können. Herr v. Podbielski täuscht sich wohl auch über die „Antipathie gewisser Kreise", die nach seiner Meinung das Hineinziehen seiner Person in die Affäre Fischer-Tippelskirch veranlaßt hat. Nich* aus Abneigung gegen den Minister, dessen kernigen Humor vielmehr Jeder zu schätzen weiß, sondern aus sachlichen Gründen hat die Presse die Frage anfwcrfen müssen, wieweit Herr v. Podbielski direkt oder indirekt an her Firma v. Tippelskwch betelligt ist. Wenn der Minister sagt, daß er niemals sich für die Firma verwendet bat, so verdient das vollen Glauben. L>err v. Pod- bielski spricht stets, wie er es meint, offen und ehrlich. Ebensowenig kann der Minister mit den Darlehen an den Major Fischer in Verbindung gebracht werden. Bei alledem — geschäftliche Beziehungen zu einer Monopolfirma für Reichslieferungen bestünden besser nicht, wenn ein Minister, ein Mitglied der Regierung der Mann der Firmateil- haberin ist. Selbst die gewiß nicht gegen Herrn v. Podbielski eingenommene agrarische „Tagesztg." het das zugegeben. Deutsches Reich. Berlin, 8. Ang. Nach Meldungen unterrichteter Kreise steht ein Wechsel in der Stellring des Chefs des Admiralstabes der Marine in naher Aussicht. Admiral Büchsel wird von diesem Posten zurücktreten. Münster, 7. Aug. Der Kaiser exerzierte heute vormittag zunächst wiederum mit den zu einem KavalleriekorpZ vereinten beiden Kavallerie-Divisionen. Es folgte ein Feuergefecht gegen einen markierten Feind. Die Aufgabe hierzu war dem Kaiser vom General-Inspekteur der Kavallerie, Edler von der Planitz, gestellt. Zum Schluß nahm der Kaiser den Parademarsch über sämtliche beteiligten Truppenteile ab. Der Kaiser nahm später am Frühstück im Lagerkasino teil. Abends gedenkt er sich in den Sonderzug zu begeben. Seine Ankunft in Urbach ist für Mittwoch früh 9 Uhr 56 Min. vorgesehen. Von dort wird sich der Kaiser nach Wahn begeben, um dem Scharfschießen des Fußartillerie-NegimentS General-Feldzeugmeister Nr. 3 und deS Niedersächsischen Fußartillerie-Regiments Nr. 10 beizuwohnen. Dortmund, 7. Aug. Der Unwille über die Njcht- bestätigung des Pastors Cesar in der Neinoldi-Ge- meinde ist so groß, daß, wenn die an den Ober-Kirchenrat gerichtete Beschwerde die erhofften Folgen nicht haben sollte, ein Maffenaustritt aus der Landeskirche zu erwarten ist. Viele Mitglieder der anderen Kirchengemeinden erklärten sich mit der Reinoldi-Gemeinde solidarisch. Straßburg, 7. Aug. Der „Elsässer* giebt angesichts der bevorstehenden Wahlen, unter Hinweis auf die liberale Blockpolitik im Elsaß die Parole aus, daß die Zentrumspartei in Zukunst den reichsländischen Liberalen nicht mehr gegen die Sozialisten helfen werde. Äirche und Schule. — Hessischer und Naussauischer Theologischer Ferien» kursuS. Bor zwei Jahren haben sich eine größere Zahl Geistlicher und Religionslehrer aus dem Großherzogtum Hessen und den preußischen Konststorialbezirken Kassel, Nassau und Frankfurt mit den Dozenten der theologischen Fakultäten zu Gießen und Marburg zur Veranstaltung regelmäßiger Forienkurse für die Geistlichen und ReligionSlchrer der beteiligten Kirchengebiete vereinigt. Der erste Kursus wurde im Oktober 1904 in Frankfurt a. M. gehalten. In diesem Jahre soll der zweite FerienkursuS in Marburg stattfinden. Er wird vom 8. bis zum 10. Oktober dauern. Professor D. W. Herrmann wird vortragen über „Die Aufgabe der evangelischen Dogmatik in der Gegenwart (an Beispielen erläutert)," Professor D. A. Jülicher über „Neue Linien in der Kritik der Ueberliefcrung der evangelischen Geschichte (Wredc, Wcllhausen, Harnackl',; Professor D. I. Weiß über „Die Entstehung der neutestament. llchen Christologie im Lichte der neuen religionsgeschichtlichen Forschung". Nach der wissenschaftlichen Arbeit wird eine Führung durch die Elisabeth- krrche unter Leitung von Professor D. I. Bauer den Kursus beschließen. Dem BerwaltungsauSschuß, der neben dem akademischen Ausschuß der beiden theologischen Fakultäten und der Predigerseminare zu Friedberg, Herborn, Hofgeismar die Leitung deS Kursus in Händen hat, gehören u. a. an: Oberlehrer Lic. F. Herrmann-Darmstadt; Oberlehrer LampaS- Friedberg: Pfr. D. Schlosser-Gießen; Psr. Velte-Darmstadt. Ausland. Kopenhagen, 7. Aug. Die Tagung der Internationalen Frauenwahlrechtsvereinigung wurde heute vormittag unter dem Vorsitz von Frau Carrie Cap- man Catt eröffnet. Vertreten sind fast alle Länder Europas und die Vereinigten Staaten von Amerika. London, 7. Aug. Laut Daily News verursacht die. bevorstehende Begegnung des Königs mit Kaiser Wilhelm allgemeine Befriedigung. Dies bedeutet das Ende einer persönlichen Entfremdung und drückt das amtliche Siegel den wachsenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen Groß-Britannien und Deutschland auf. Liverpool, 7. Aug. Gestern kam es hier zu großen Straß en - K ra w a l l e n, an denen sich über tausend Personen beteiligten. Viele wurden durch Steinwürfe verletzt. Die Polizei mußte einschreiten und die Menge durch Stockhiebe auseinandertreiben. Paris, 7. August. Heute nachmittag fand im Parke des Prinzen Joachim Murat das Duell zwischen General Andrö und General de Nögrier statt. Andrß schoß auf Mgrier, der das Feuer nicht erwiderte. Die Gegner versöhnten sich nicht. — Im Arsenal von Toulon sind Bronze-Diebstähle in Höhe von 150 000 Franks begangen worden. Ein Teil davon ist bereits wieder gefunden worden. Rom, 7. August. Der Gesundheitszustand des Kardinals Rampolla gibt zu den schwersten Bedenken Veranlaffung. Der Kardinal leidet seit einiger Zeit an fortdauernder Nervenschwäche, die ihn zur Arbeit unfähig macht. Wien, 7. August. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, würde der österreich-ungarische Gesandte in Belgrad, welcher sich zurzeit auf Urlaub befindet, nicht mehr nach Belgrad zurückkehren, wenn die serbische Regierung ihre Rücksichtslosigkeiten gegen Oesterreich-Ungarn fortsetzen sollte.__________________________________________________________ Staatliche Betriebskrankenkasse. Am 30. Juli 1906 sand in Darmstadt die General-Versammlung der staatlichen Betriebskrankenkasse für das Groß- herzogtum Hessen flott. Die Versammlung war von 23 Vertretern der 3 Provinzen besucht. Der Vorsitzende, Rechnungsund Kassensührer Harth, dankt den Mitgliedern für ihr zahlreiches Erscheinen. Er machte die Mitteilung, daß der langjährige Vorsitzende der Kasse, Dr. Stammler inesolge seiner Ernennung zum Kreis- Amtmann in Dieburg seine Stelle bei der Kasse niedergelegt habe und das Ministerium ihm seine vollste Anerkennung ausgesprochen habe für seine Tätigkeit bei der Einführung und Weiterführung der Kasse, Dr. Stammler infolge seiner Ernennung zum Kreisstimmig den Dank für die ersprießliche Leitung der Kasse aus. Dann wird der Jahresbericht besprochen, aus dem vor allem eine Steigerung der Mitgliederzahl in den höheren Klassen zu konstatieren ist. Die aus den bei den staatlichen Arbeitern eingetretene Lohnerhöhung erwachsene Mehreinnahme an Beiträgen beläuft sich auf rund 5000 Mark. Auch sonst sind erfreuliche Ergebnisse zu berichten: der durchschnittliche Mitgliederstand hat 1905 5299 betragen. Die Zahl der erwerbsfähig Erkrankten ist um 180 gefallen, die der erkrankten Ehefrauen von Mitgliedern um ca. 60. Nur die Zahl der erwerbsunfähig Erkrankten hat eine kleine Zunahme erfahren, jedoch ist bte Dauer der Krankheitsfälle etwas kürzer geworden. Die Zahl der Sterbefälle ist nach dem Bericht um 22 gegen das Vorjahr zurückgegangen, die der Unfälle um 17. Ter Abschluß uer Kasse ist, gcgen_ bie Vorjahre betrachtet, als günstig zu bezeichnen. Das Vermögen der Kasse hat sich um 34 000 Mark vermehrt, jedoch ist der Reservefonds bis jetzt nur zur Hälfte aufgebracht. Für die Invalidenversicherung sind im ^gelaufenen Jahr für rund 70 000 Mark Jnvalidenmarken geklebt. Aus der Berichterstattung über den Stand der Medizinal- kaffe ist zu entnehmen, daß ihr in 1905 durchschnittlich 918 Mitglieder mit 766 Frauen und 1486 Kindern angehört haben. Die dritte von der staatl. Betriebskrankenkasse verwaltete soziale Einrichtung des hessischen Staates, die Versorgungs- Anstalt für st a a t l i ch e Arbeiter, hat bis jetzt 78 Ruhe- gchalte und an 20 Witwen und 16 Waisen Hinterbliebenengelder bewilligt. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung stellt eine weitere Erhöhung der Leistungen der Kasse dar. Gesetzlicher Vorschrift gemäß sind die Krankenkassen zur Gewährung von Heilmitteln und ähnlichen Vorrichtungen verpflichtet, sobald der Höchstbetrag 20 Mark nicht übersteigt. Nunmehr wurde beschlossen, Heilmittel bis zum Höchstbetrage von 40 Mark für Mitglieder nach sechswöchentlicher Mitgliedschaft zu übernehmen. Diese Erweiterung gilt auch für die Ehefrauen. Eine weitere Statutenänderung ist die Bildung einer Lohn klasse I a für Personen, die einen Durchschnittstagesarbeitsverdienst von 4.50 Mark und mehr haben. Die Statutenänderungen treten am 1. Oktober 1906 in Kraft. Die über die gesetzlichen Mindestleistungen hinausgehenden Leistungen der Kasse sind, außer der oben erwähnten, nunmehr folgende: 1. Wegfall von zwei Karenztagen bei der Krankengeldauszahlung. 2. Wöchnerinnenunterstützung im 14/s fachen Betrag des Krankengeldes. 3. Sterbegeld im Mindestbetrag von 50 Mark. 4. Rekonvaleszentenunterstützuug bis zur Dauer eines Jahres nach Ablauf der Krankenunterstützung. 5. Gewährung freier ärztlicher Behandlung und Arznei oder Krankenhausverpflegung für die Dauer von 13 Wochen an die Ehefrauen der Mitglieder nach 6 wöchiger Mitgliedschaft des Mannes. 6. Gewährung von Ausnahme in den der Kasse zur Verfügung stehenden Wald- erholungsstätten gegen Abzug eines Fünftels des Krankengeldes. Ferner ist hervorzuheben, daß die Kasse seit Errichtung beschränkte freie Arztwahl mit Einzelhonorierung hat. Um 3A2 Uhr war die Sitzung zu Ende. Um 3 Uhr versammelten sich die Mitglieder der Generalversammlung und das Bureau in dem Gebäude der Zentralstelle für die Gewerbe, dem unter sachkundiger Führung eine Besichtigung der hochinteressanten Tuberkuloseausstellung der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen stattsand. Aus StaOt utto ttaato. Gießen, den 8. Auq. ** Die Begegnung des Kön igs von England mit dem Kaiser findet, wie uns aus Darmstadt drahtlich gemeldet wird, bestimmt am 18. d. M'. auf Schloß Fried richshof bei Cronberg statt. Der König wird einige Zeit als Gast des Kaisers dort verweilen. Durch diesen Besuch ist es fraglich geworden, ob die für die Truppenschau bei Mainz, an der auch der Großherzog teilnehmen sollte, getroffenen Dispositionen eingehalten werden können. Der Großherzog begibt sich bestimmt am 13. d. M. auf etwa acht Tage nach Bayreuth. ** Freisinnig e§ Parteisekretariat. Der Landesausschuß des freisinnigen Landesvereins für das Großherzogtum Heffen hat ein Parteisekretariat mit dem Sitz in Darmstadt errichtet. Als Sekretär ist Herr Albert Kuhlmann aus Oldenburg gewonnen, der bereits während der Darmstädter Reichstagswahl tätig war. •• Ein heiterer Vorfall, der sich am Sonntag morgen ereignete, wird aus einem oberhessischen Landstädtchen berichtet: Kam da ein dicker Herr durch den Schloßgarten spaziert, um seinen Frühschoppen im Bergwirtshause zu nehmen, als er auf dem Galgenberg mitten im Gerstenacker einen Mann mit Gerste mähen zu gewahren glaubte. Unterstützt durch andere Personen, die ebenfalls dieser Meinung waren, marschierte besagter Herr direkt zu dem nächst- wohnenden Gendarm, um Anzeige zu erstatten, damit der Sabbathschänder der wohlverdienten Strafe nicht entgehe. Dieser wollte sich den Fang auch nicht entgehen lasten und begab sich an Ort und Stelle, um die Legitimation dieses rohen Burschen festzustellen. Aber wie erstaunt war unser Gesetzeshüter, als er statt des vermeintlichen Sonntagsent- heiligers einen zur Abwehr des Spatzenfraßes von dem Besitzer des Grundstücks auf seinem Acker aufgestellten sogenannten — Butzemann antraf. h. Frankfurt a. M., 8. Aug. In sieben sozialdemokratischen Versammlungen wurde gestern abend zu dec von den Brauereien beschlossenen Erhöhung des Bierpreises Stellung genommen. Ein direkter Bier-Boykott wurde vorläufig noch nicht ausgesprochen. Die Vorstände der einzelnen Gewerkschaften wurden aber beauftragt, über die Verhängung eines baldigen Boykotts der Ringbrauereien Stellung zu nehmen. Der Untergang des „Sirio". Zu dem Untergange des „Sirio" wird nachträglich noch berichtet, daß nicht nur der Kapitän, sondern auch sämtliche Offiziere und die Mannschaft des Schiffes sieh feige benommen haben. Der Kapitän stürzte sich einige Minuten nach dem Auslaufen des Schiffes in ein Boot und rief: „Rette sich, wer kann!" Die Offiziere folgten seinem Beispiel und ihr Verhalten war die Veranlassung zu einer allgemeinen Panik. Der italienische Konsul hat Taucher angeworben, um wenigstens etwas von der Ladung zu retten. Spenden für die Schiffbrüchigen laufen zwar von allen Seiten ein, doch reichen sie kaum für die nötigsten Bedürfnisse aus. Der Kapitän deS französischen Dampfers „Poitou" dementiert daS Gerücht, wonach verschiedene Schiffe am Orte der Katastrophe vorbeigedampft seien, ohne Hilfe zu leisten; er habe sich sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe an Ort und Stelle begeben und sich an den Rettungsarbeiten beteiligt. Am Montag abend ist Bergungsmannschaft mit einem Schleppdampfer abgegangen, um einen Teil der Ladung des „Sirio" zu bergen. Der König von Spanien verlieh den Kapitänen der Schiffe „Joven Miguel" und „Vincente Sacomba', die die Mehrzahl der Schiffbrüchigen des Dampfers „Sirio" gerettet haben, den Orden für Verdienste zur See. Vermischtes. • Berlin, 7. August. Durch den gestern nachmittag kurze Zeit herrschenden Sturmwind wurde in Eberswalde ein dort auf einem freien Platze aufgestellter Zeltzirkus zum Einsturz gebracht. Der etwa 25 Zentner schwere Mittelmast, auf den sich das ganze Zelt stützte, stürzte um, und riß alle Seitenbalken und Absteifungen mit. Die Zeltpfähle wurden herausgerissen und in die Manege geschleudert. Unter den zur Nachmittagsvorstellung anwesenden 400 Personen entstand eine Panik. Alles flüchtete nach den Ausgängen und bet dem Gedränge erlitten einige Personen äußerliche Verletzungen. * Nedlitz (Brandenburg), 7. Aug. Ein schiverec Bootsunfall ereignete sich Sonntag nachmittag. Der auf einem Ausflüge befindliche 41jährige Kesselschmied Friedrich Moritz unternahm mit seinen 18, 11 und 9 Jahre alten. Söhnen eine Bootsfahrt auf dem Jungfernsee. Dyrch den herrschenden Sturm wurde das Fahrzeug umgeworfen und die vier Insassen sielen ins Wasser. Die drei Knaben retteten sich durch Schwimmen, der älteste Sohn zog auch den Vater mit. Dieser gab aber bei seiner Landung nur noch schwache Lebenszeichen von sich; Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos und man mußte endlich den Tod feststellen. Moritz ist wahrscheinlich einem Herzschlage erlegen. * Osterode a. H., 7. Aug. In Nordheim ist nach dem Genuß von Pudding die Familie des Gymnasialdirektors Nossener unter Vergiftungserscheinungen schwer erkrankt. Ein Enkelkind des Direktors ist bereits gestorben. — Im Kaiser Wilhelmsschacht zu Klatt st Hal sind zwei Bergleute durch Absturz verunglückt. Einer ist tot, der andere schwer verletzt. * Stettin, 7. Aug. Gestern abend in der zehnten Abendstunde entstand in dem Speicherkomplex am Bahnhof Feuer, das an dem von der Hitze ausgetrockneten Holze des Schuppens reichliche Nahrung fand. Die Feuerwehr konnte sowohl von der Oder wie von der Parnitz mit Erfolg angreifen, und es gelang ihr, nach etwa zweistündiger Tätigkeit die Gefahr zu beseitigen. Abgebrannt sind etwa 15 große Lagerschuppen der Firma Soll, in denen sich allster Heringen noch Wagen und Gerätschaften befanden. * London, 8. Aug. Als der Herzog von Con- naught gestern mittag im Automobil von Monmouth nach Rhayader in Wales unterwegs war, stieß sein Wagen mit dem entgegenkommenden Automobil eines Majors so heftig zusammen, daß beide Wagen zertrümmert wurden. Der Herzog und der Major wurden auf die Straße geschleudert, kamen aber mit leichteren Verletzungen davon. Der Chaffeur des Majors wurde als vermutlich schuldig an dem Zusammenstoß verhaftet. * Brünn, 7. Aug. Am Sonntag nachmittag unternahmen drei Arbeiter und vier Arbeiterinnen aus Mährisch- Trübau auf dem Mühlenteich in Ranigsdorf eine Kahn - partie. Während der Fahrt versuchten sie die Plätze zu wechseln, hierbei kippte der Kahn um. Sämtliche Insassen sielen in den Teich. Zwei Arbeiter und drei Arbeiterinnen er tra nken. • S t. Louis, 7. Aug. Aus dem Fort Worth in Texas wird über Ueberschwemmungen in Südtexas berichtet. 25 Personen seien ertrunken, hlinderte obdachlos. Der Schaden an Grundeigentum wird auf 500000 Dollar geschätzt. Die Hilfszüge vermögen nicht ihren Bestimmungsort ju erreichen. Die Telegraph- und Telephonverbindungen sind gestört. * Opfer der Berge. Seit mehreren Tagen wird eine Aerztin aus Zürich vermißt, die ohne Führer eine Besteigung de§ Toedi unternahm. Die angestellten Nach- forschlmgen waren bisher ergebnislos. — Der Seidenfabrikant Louis Sachon aus Lyon ist auf einer Bergtour in der hohen Tatra abgestürzt und erlitt Bein- und Armbrüche. * Ein unternehmendes Mädchen. In Porta San Giorgio in Italien war ein 16jähriges Mädchen, nachdem es sich die Haare abgeschnitten und einen Anzug des Bruders angezogen hatte, den Eltern entlaufen. Nach vielen Bemühungen gelang es der Polizei, die Abenteuerlustige in Ancona in der Person des Kutschers eines Jn- dustr-ieslen zu ermitteln. Kein Mensch hatte Verdacht geschöpft, da der vermeintliche junge Bursche alle seine Obliegenheiten kundig erfüllte, wvhlgemut die schweren .Stallarbeiten ausführte, das Pferd zum Schmied und in die Schwemme ritt und auch den Schwerenöter zu spielen wußte. Er hatte sogar ein Liebesverhältnis mit einer Köchin. Diese soll der Wechsel am empfindlichsten schmerzen. • Von einem verstorbenen, berühmten Göttinger Universitätsprofessor wird folgende Geschichte erzählt und verbürgt: Es traf sich, daß es eines Abends in Strömen vom Himmel goß, gerade als der Professor fein Kolleg schloß und sich auf den Weg nach seiner sehr entfernten Wohnung machen wollte. Schließlich ließ er sich durch die Bitten einer befreundeten Familie, die nahe bei der Universität wohnte, bewegen, die Nacht bei ihr zuzubringen, statt durch den Regen nach Hause zu laufen. Da der Professor keine Familie und nichts zu versäumen hatte, willigte er ein. Man bereitete nun ein kleines Abendbrot und wollte e§ genießen, ehe man sich niederlegte. Aber da war der Professor plötzlich verschwunden. Man suchte treppauf, treppab; der Herr war und blieb fort. Schließlich gab man das Suchen auf und wollte sich gerade niederlegen, da ging die Hausglocke. --Triefend von Nässe stand der Professor im Flur, ein Paket im Arm. — „Aber um Gottes willen, Herr Professor, wie sehen Sie aus! Wo sind Sie denn nur gewesen?" — Höchst erstaunt sah der Herr die Frager an. „Ja, ich mußte mir doch aber mein Nachtzeug holen!" meinte er dann in selbstverständlichem Tone. ' EinseltenerFall. In Petit-Rechain, einem Vorort von VeroierS (Belgien), feierten am 11. November 1899 zwei Brüder Doppelhochzeit mit zwei Schwestern. Der 24jährige Jacques Zauwen heiratete die 21jährige Elisabeth Winandy, fein 30jäbriger Bruder Henri deren 19jährige Schwester Marie. Später stattete der Storch den beiden Paaren je zwei Besuche ab, und zwar brachte er im Laufe der Jahre den Eheleuten Jacques Zauwen zwei Mädchen, den Eheleuten Henri Zauwen einen Knaben und ein Mädchen. Aber die Uebereinftimmung ging noch weiter. Dieser Tage wurde das erstere Ehepaar mit weiblichen, das andere mit männlichen Zwillingen überrascht. * Der Roman einer Oberin. Die frühere Oberin des Elisa- bethinerklosters in Ofen, Therese Pacher, mit dem kirchlichen Namen Schwester Emerikka, ist vor einigen Tagen auS dem Kloster ausgetreten und hat einen 25jährigen Maurergehilfen geheiratet. Schwester Emerikka war vor 24 Jahren in einer Ofener Familie als Bonne an- gestellt, sie kam infolge einer schweren Erkrankung inL Spital deS Klosters und trat nach ihrer Genesung als Nonne ins Kloster ein. Während der langen Jahre, die sic im Kloster weilte, gewann sie die Sympathien ihrer Vorgesetzten, so daß sic zur Oberin des Klosters gewählt wurde. Vor längerer Zeit wurde daS Kloster renoviert. Bei diesem Anlasse kam eine Anzahl von Maurern ins Gebäude, um die Arbeiten vorzunehmen. In den einen verliebte sich die Oberin und lud ihn auch ein, sic in der Zelle zu besuchen. Dies gelangte zur Kenntnis der höheren Kirchenbchörden, die Oberin wurde vor das Kirchengericht gestellt, zu sechs Mouateu Jä ®in ?'*■ 11 lind 9 (S.,lwedrih S.«ai)rieil„ • Äirch «Iler. $i .u”»i»otfcn C 5[l,ile gJ" ^°dr» in °>q 2 endlich bc^H icnt öer iAr 'tob fest, Qmi(ie d l?11,1 M tunq§Cr{x^t)n’llfc ArL'Z77-°. * 1- «(«im? .«'■ ®s» von bet ftik k gilt J“i°9 »on Eon, )W »oji »onmoulf) mi| |h,6 Im Sagen mit " *®* 1°heftig i'titnmmert TOItiltn8 ™ °"I die Ltroße ™ jungen toi 16 PenniiHi^ Mi, an 'nntag nachmittag unter. «Herinnen aus Mährisch- ^nigsdors eine Kahn. Achten sie die Plätze zu um. Sämtliche Insassen T und drei Arbeiterinnen dem Fon Worth in Texas i in Südtexas berichtet, e obdachlos. Der Schaden 00 Dollar geschäht. 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