Nr. 26S Erscheint tlflltd) außer bonnlagS. Dem Gießener Anzeiger werden fm Wechsel mit dem krsflschen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal tn der Woche betgelegt. Rotationsdruck il ®erlag der Brü h l'scheu Unwerl^Buch-u. 6tein- druckeret. 9t Lange, Redaktion. Erveditto» und Druckerei; Schulstraße 7. Redaktion fcsfl) 118 Verlag u.Exped.er^bl Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt ISS. Jahrgang Mittwoch 7. November 1906 Vezu gSpretS» monatlich 7bP^o«ertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abtzole- lu Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Pik. 2.—viertel- jahrt auöschl. Bestellg, Annahme von Anzeigen für die TageSnlnnmeT biS vormittag- 10 Uhr. ZetlenprelS: lokal ISP^ auSivürtS 20 Pig. Verantwortlich lüden polit und allgein, Amts- Md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MW v 1 ** zetgenteil: HanS Ve2. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Die heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Me KanzlerLrifin gemacht werden. Eine Enthüllung. Von einer in jeder Hinsicht vollständig informierten Seite erhielten wir aus Berlin folgende höchst beachtenswerte Zuschrift: Seit dem Augenblick, da Fürst Bülow im Reichstag plötzlich von einer Erkrankung befallen wurde, sind fast ununterbrochen Gerüchte in die Welt gesetzt worden, nach denen seine Ersetzung durch einen in der inneren Politik bewanderten hohen Vemxrltungsbcamten oder durch einen General eine Frage sehr knapper Zeit sein sollte. Derartige Kombinationen waren immerhin unmittelbar nach dem Unfall des Reichskcm^crs erklärlich. 9hui sind diese Zweifel behoben. Aber je gesünder Fürst Bülow wurde, als er je zuvor war, um so häufiger tauchten Andeutungen auf, daß dennoch mit der nahen Mvglichre.it eines Kanzler- Wechsels zu rechnen sei. Denn bestimmte Streife wollten eine Kanzlerkrisis, und wollen sie noch. In allen wichtigen Fragen herrscht jedoch völlige Ueb ereinstimmung der Ansichten zwischen dem Kaiser und dem Kanzler, und so ist wohl an eine „Kanzlerkrisis" nicht zu denken. Sorgenvoll plädiert man aber an maßgebender höchster Stelle dafür, daß Fürst Bülow, weil noch immer leidend, nach Möglichkeit geschont und entlastet werden. Ein Vorschlag geht dahin, dem Fürsten einen Vizekanzler zur Seite zu stellen, der ihm das Schwerste abnehmen und sich allmählich genügend einarbeitcn könnte, um ihn zu ersetzen, wenn er amtsmüde werden sollte, oder der Kaiser sich aus irgend einer Ursache entschlösse, sich von „seinem" Kanzler zu trennen. Ist das Ziel erreicht, Fürst Bülow beseitigt und durch einen möglichst geschäftsmttundigen Nachfolger ersetzt, so hoffen diese im dunklen Hintergrund, aber um so eifriger wühlenden Männer, daß der Kaiser die auswärtige Politik mit Herrn v. Tschirschkh betreiben und durch sie gänzlich in Anspruch genommen sein werde. In der inneren Politik dagegen gedenken sie, sich des von ihnen auf den Schild erhobenen neuen Kanzlers ganz nach Gutdünken zu bedienen. Und dieser künftige„ReichskanzlerdesJnnern" ist auch schon gefunden und präsentiert worden. Es ist der Träger eines Namens, der in der Kriegsgeschichte Preußens bei der Neugründung des Reiches als erster genannt wird. Er ist selbst, wie sein großer Vorgänger, ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Er ist nur der Geschobene, — geschoben von der Hand eines hochgeborenen Barden. Geschoben, ohne es zu merken. Der Kanzler merkt, wie man annehmen muß, nichts. Die Verwirklichung des so schlau gegen chn ersonnenen Planes sollte vor dem 13. November erreicht werden. Doch das beschleunigte Tempo bekani dem Plan nicht, —- und so ist er jetzt, zu früh, ans Licht gelangt. . . . politische Tagesschau. lieber die persönliche Herrschaft des Kaisers besonders als Kunstliebhaber äußert sich die .Kreuzztg." mit einer in hochkonservativen Zeitungen sonst nicht herkömmlichen Offenheit wie folgt: Das Gefühl beherrscht uns jetzt alle, daß wir vielleicht kritischen Tagen e n t g e g e n g e h e n, und darum ist es wohl erklärlich, wenn das Volk vieliach mit einer gewissen nervösen Bedenklichkeit a n i den Herrscher blickt. Wir schließen wis offen dein Wunsche an, daß unser König und Herr die psychologische Berechtigung dieser ©ümnumg anerkennen. Tenn jene Fehler des deutschen Volkscharakters siiid die Kehrseiten feiner Vorzüge, seines Idealismus, feiner Gründlichkeit, der Diese seines Geniüislebens. Wir werden nie der Furcht vor der öffentlichen Meinung das Wort reden. Farbe befennen war immer die beste Politik. Aber es gibt Gebiete, in denen jede Persönlichkeit das Recht ans freie Betätigung hat, diese Freiheit allein den kulturellen Fortschritt sichert und jeder gewaltsame Einfluß von außen auf die Tarier wirkungslos bleiben mriß. An unb für sich siiid diese Gebiete außer Ziisammenhang mit der Politik, aber jede Parteinahme der regiereuderi Geivalten zieht sie in^das politische Treiben hinein, erweckt Mißtrauen auf beiden Seiten, und aus bein Mißtrauen entsteht eine politische Gegnerschaft. Tieje Gebiete sinb indbefonbere die Angelegenheiten der Wissenschaft, der K u u ft u n d Technik. Wir wollen sie nicht geradezu als politische Adiaphora bezeichnen. Aber sie sind heute Angelegenheiten der ganzen Mensch- beit, ihre Entwickelung ist international, auch der mächtig st e Monarch kann ihnen nicht die Richt ring vor- fchreiben, und wäre er mit der Wahrheit selbst ini Bunde. Hier bringt nur das ^schaffende Genie die Entscheidung, nicht die Kritik, nicht das i)läcenalentnm des Staates. Haben also die wissenschaftlichen und ästhetischen Urteile des Monarchen, wenn sie noch so gut und richtig sind, nur bie Bedeutung persönlicher Meinungsäußerungen, jo muß man wünschen, daß sie von ben staatlichen Gewalten auch als solche ausgefaßt unb nicht zu polit. Verwaltungsprinzipien gemacht werden. Tas erzeugt nur eine politische Gegnerschaft gegen die Person des Monarchen und ist praktisch doch ohne nachhaltige Wirkung. 9)lan sollte denken, über diese Ursachen so inanchen Abfalles in der Gefolgschaft des Kaisers unb Königs wurden ihn seine Ratgeber, auch seine künstlerischen Vertrauensmänner leicht unterrichten. Aber entweder ist der j)l onarch gerade in diesem Punkte schwer zugänglich, ober seine Umgebung unter- schätzt die Bedeutiing aller dieser Dinge. Das letztere ist uns wahrscheinlicher, unb darum müssen wir hier noch etivas länger verweilen. Kaiser Wilhelm II. scheint nicht zu bemerken, daß sich eine müde, überlebte oder großsprecherische Kunst in seinen Schutz stellt, die uns nichts mehr zu sagen hat. Die bildenden Ktinste (von der dramatischen sprechen wir besser gar nicht) stehen beu i Volke in kaum dagewejener Gunst, unb es ist nicht gut, wenn .kl) em Monarch hierin einer Exklusivität ergibt, die heute der Privatmann, auch wenn er persönlich einen ganz individuellen Geschmack hat, nicht mehr übt. Tie Absicht unseres Kaisers geht ganz offenbar darauf hinaiis, alle guten Keime zu pflegen, die sich fetzt mühsam gegen die überwuchernde Scheinkunst behaupten. Wäre er darin besser beraten, das Volk würde ihm mit Enthusiasmus folgen, denn es hat ja aus sich heraus schon gegen die ihm auigerebete natur- und tult urwidrige Kunst eine starke Reaktion erzeugt, von der man bei Hose aber keine Kenntnis zu haben scheint. Statt des Enthusiasmus hört und lieft man immer häufiger Aenßerungen der U nzu - friedenheit, der Resignatioii ober der offenen Gegnerschaft gegenüber bem kaiserlichen Macenatentnrne, und diese Stimmung spielt immer deutlicher auch in bie politischen Verhältnisse hinüber. Derartiges hat man seit langem nicht in führenden konservativen Blättern gelesen, unb cs dürfte auf den Fürsten Bülow nichts weniger als erfreuend wirken, wenn er sogar die Männer der Rechten, für deren wirtschaftliche Interessen er so viel getan hat, zur Kritik abschwenken sieht. In der Oesfentlichkeit wird jetzt der Bildung einer nationalen Opposition das Wort geredet. Es sei Ausgabe aller Patrioten, in dieser unruhevollen Zeit sich zu solcher Opposition zusainmeuzuschlicßen und einer verkehrten Politik Einhalt zu tun, ehe es zu spät ist. Wie ein Echo dieses Gedankens liang es aus der jüngsten Rede des nationalliberalen Führers Abg. Basser mann in Wiesbaden. Tie bürgerliche Linke bekennt sich schon seit Jahr unb Tag zu ähnlicher Auffassung, die neuerdings sogar tn konservativen Einzelverjammlungcn und auf dem Parteitag der R e i ch s p a r l e i laut wurde. Einen Hauch dieses Geistes wird zweifellos auch der demnächst in Berlin stattsindcude konservative Delegiertentag verspüren lassen, wenngleich andererseits die „traditionelle Besonnenheit" im Lager der Reckten hochgehalten werden dürfe. Das Referat über die Wirt- schastspolitik hat Gras Kanitz übernommen, das sozialpolitische Frhr. v. Richtyofen--Damsdorf. Es wird wohl auch hier nicht ohne scharfe Worte abgehen, denn die Konservativen sind unzufrieden mit der handelspolitischen Nachgiebigteit der Negierung und mit der „schrankenlosen" Sozialreform, wie sie ihres Erachtens Graf Posadowsky betreibt „unter unzureichender Berücksichtigung der finanzie llen L e i st u n g s s ä h i g k e i t des Reiches". Ja dem „Entwurf zu vertraulichen Aenßerungen über die Motive zu meinem Rücktritt au£ dem Dienste^, der jüngst veröffentlicht wurde, erwähnt Fürst Bismarck ein kai serliche 8 Handschreiben, das auf Grund der Berichte des Konsuls von Kiew an ihn gerichtet wurde und zur entscheidenden Ursache seines Rücktritts geworden sein soll. Der Wortlaut dieses Handschreibens ist bisher noch nicht veröffentlicht worden. Das Depeschenbureau ^Herold" teilt nun den Text in folgendem Wortlaut mit: »Tie Berichle lassen auf das Klarste erkennen, daß dieRussen in vollstem st r a I e g i s ch e m A u f n» a r s ch e sind, um zum Kriege z ii schreiten. Nur muß ich sehr bedauern, daß ich io wenig von den Kiewer Berichten erhallen habe. Sie hätten mich schon längst auf die furchtbar drohende Gefahr aufinerffam machen können! Es ist die höchste Zeit, hie Oesterreicher zu waruen und Gegeumaßregeln zu treffen. Unter solchen Umständen ist natürlich an eine Reise n a ch K r a s n o j e meinerseits nicht zu denken. Die Berichte sind vorzüglich. W." Zu diesem Schreiben hat Bismarck bemerkt: „In diesem Schreiben ist erstens^ der Vorwurf ausgedruckt, daß ich S r. Majeslät BeriHte oorent batten und allerhöchst denselben nicht auf die vorhandene Kriegsgefahr aufmerksam gemacht habe. Zweitens enthält dasselbe politische Weisungen, die ich nicht cruS führ en kann. Wir sollen Oesterreich warnen unb selbst Gegeumaßregeln treffen. Und der Besuch Sr. Majestät zu den russischen Manövern, zu welchen derselbe sich selbst, ohne mein Zutun, angemeldet hat, soll unterbleiben. Ich bin überhaupt nicht verpflichtet, Sr. Majestät alle Berichte, die mir zugehen, vorzulegen, und ich habe unter diesen die Mahl je nach dem Inhalte, für dessen Eindruck auf Se. Majestät ich glaube die Verantwortung tragen zu können. Die fraglichen Berichte waren sämtlich nur für den Generalstab von Interesse und auch für diesen meist veraltet. Ich habe nach bester Einsicht eine Auswahl für Se. Majestät getroffen und finde in dem Handschreiben ein unverdientes krän kend e§ Mißtrauen. Bei meiner noch jetzt uirerschütterten Auffassung von den friedlichen Ab sichte n deS Kaisers von Rußland bin ich aber außer stände, Maßnahmen zu vertreten und in Oesterreich zu veranlassen, wie Se. Majestät es verlangt." Es ist verständlich, daß der Fürst den Etndruck hatte, der Kaiser spreche ihm hier sein Mißtrauen aus. Man wird ejs aber auch begreiflich finden können, wenn der Kaiser ungehalten ist, daß man ihn über einen vollen strategischen Aufmarsch der Russen im unklaren gelassen hat. lieber ihn mußte der Kaiser orientiert werden. Daß sich sein Groll gegen den Kanzler wandte, dafür werden die Unverantwortlichen wohl auch damals die Schuld getragen haben, die es verstanden, sachliche Differenzen auf das persönliche Gebiet zu übertragen und dadurch einen Ausgleich der Meinungen zu erschweren. Daß der Kaiser selbst sich später zu Bismarcks Anschauung bekehrt und damit zugegeben hat, daß er s e l b e r z u s ch w a r z sah, beweist seine im August desselben Jahres unternommene Reise nach Krasnoje. ♦ Oberstleutnant Quade vom Oberkommando der Schutztruppe hatte gegen den Chefredakteur der „Tägl. Rundschau" Klage erhoben. Jetzt ist die Sache, wie es heißt auf Betreiben des Reichskanzlers, dahin geregelt worden, daß die „Lägt. Rundsch." eine Ehrenerklärung und bündige Abbitte veröffentlicht, worauf die Klage zurückgezogen wurde. Die Klage war dadurch hervorgerufen, daß die „T. R." behauptet hatte, Quade habe einem Berliner Blatte mit „Enthüllungen" aufgewartet und insbesondere die Mitteilung veranlaßt, daß noch andere Ossiziere der Schutztruppe, außer Major Fischer, in Beziehungen zur Firma; Tippelskirch gestanden hätten, die dann zu nicht wünschenswerten Kreditgewährungen führten. Heute liest man in, der „D. R.": Wir sehen unS gedrungen, den gesamten Angriff gegen Herrn Oberstleutnant Quade alS in vollem Umfange aui s a l s ch er Juso r m a t io n beruhend bezeichnen zu müssen und bedauern außerordentlich, durch lieberschrist, Ton und Inhalt unserer AuS- ftll-rungcn vom 5. September einen vorwurfsfrei dastehenden Offizier völlig zu Unrecht schwer verletzt zu fabelt. Wir können nur unsrem Bedauern Ausdruck geben, daß wir jenem, Herrn Oberstleutnant Quade angreifenben Artikel, iih’d ipt Platz in unserem Blatt gegeben habet:. • SchiffahrtSabgaben. Man schreibt unS: Auch von Ihnen ist darauf hingewiesen worden, welche unheilvollen Wirkungen auch scheinbar minimale SchiffahrtS- nbgaben auf bie Entwicklung wichtiger Zweige unsres Wirtschaftslebens haben würben. Auf manchen Strömen würbe bie Rentabilität der Befahrung überhaupt in Frage gestellt. Wenn es bie preußische Regierung trotzbem versucht, bie Einführung von Schist'ahrtSabgaben zu erzwingen, so hat baB noch eine andere, bedenklichere Seite. Rach der vordem von niemand bestrittenen allgemein herrschenden Ansicht verbietet nämlich der 2lrt. 54 Abs. 4 der ReichBverfassung solche Abgaben. Aber schon um ben § 19 bcB Hanoi- gcsctzes vom 1. April 1905 mit der Reichsverfassung in Einklang zu bringen, mußte der preußischen Regierung daran gelegen sein, diese Auffassung zu miberlegen. Ihr erster Helfer im Streit war Geheimrat Peters, vorlr. Rat im Mi- nislcrium. Eine Widerlegung seiner Argumente, bie zum Teil mit einem erstaunlichen Aufwanb von Material begründet werden, gelang jetzt dem Leipziger Staatsrechtslehrer Prof. Dr. Otto Mayer. Die klar und prägnant geschriebene Schrift Otto MayerB verdient bie größte Verbreitung. Sie erschien soeben bei I. C. B. Mohr in Tübingen. Ausland. London, 6. Nov. Nach einer Meldung aus Sh an Hai wurde der deutsche Ko n s u l a t s s ch u tz m an n Hiemann ur:d einer seiner Freunde, ein Russe, bei einem Spaziergang von Wusung nach Shanghai von chinesischen Dorfbewohnern überfallen, als sie vom Wege afa gekommen waren. Die Chinesen feuerten eine Pistole zur Warnung ab, sie knebelten dann Hiemann und warfen ihn in einen Teich, wo ihm das Wasser bis an den Hals reichte. Hier blieb er eine halbe Stunde lang. Er versuchte zu entfliehen, wurde aber wieder ergriffen. Endlich entkam er und versteckte sich in einem Reisfeld. Auch der Russe entfloh. Beide trafen schließlich halbnackt in Shanghai ein. Paris, 6. Nov. Die Kammer nimmt die Debatte über die Interpellation bctr. das Trennungsgesetz auf. Deputierter Grousseau wirst der Kammer und der Negierung vor, die Kirchen berauben zu wollen, und fügt hinzu, daß die Katholiken dem Auslunde nicht unterworfen feien, denn der Papst fet weder ein Ausländer noch einer ausländischen Oberhoheit unterworfen. In seiner Erwiderung spricht Kultusminister Brianp vom Papst als einer ausländischen Macht. Es entsteht Lärm. Grousseau verlangt für die Kirche das Recht der Vereinigung; er fordert ferner die Revision des Trennungsgesetzes und führt aus, das einzige Mittel, den inneren Frieden wieder herzustellen, fei eine Verständigung mit dem Papst. Wien, 6. Nov. Die Leichenfeier für den verstorbenen Erzherzog Otto fand heute nachmittag statt. Um 4 Uhr versammelten sich in der Jakobinertirche der Kaiser, welcher mit König Friedrich August von Sachsen gleichzeitig die Kirche betreten hatte, wo sämt-, liche Erzherzöge und Erzherzoginnen versammelt waren, ferner Prinz Eitel Friedrich als Vertreter des deutschen Kaisers, sowie Vertreter der Monarchen von Württem- bera, Kvburg-Gotha, Bulgarien, England, Italien, Ruß- lano, Portugal und Schweden. Weiter waren anwesend die fNinister Frhr. v. Aehrenthal und Wekerle, ferner Deputationen des 2. westfälischen Husarenregiments Nr. 11 unter Führung des Oberstleutnants v. Storch und des sächs. Gardereiterrcgiments unter Führung des Obersten Krug zur Nidda. — Das Abgeordnetenhaus setzt die Verhandlung des Dringlichkeitsantrages betreffend die Beratung der Wahlreformvorlage fort. Korasec betont, die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts sei auch im Interesse des Bauernstanoes ge- gelegen. Pernerstorffer befürwortet die Dringlichkelit und erklärte, die Sozialdemokraten nähmen die Vorlage mit allen Unzulänglichkeiten und Fehlem an, weil sie eine Etappe aus dem Wege der völligen Demokratisierung Oesterreichs sei. New York, 6. Nov. Nach der „Newyorker Staats- zeiiung" ist zum Gouverneur des Staates Hughes gewählt. Die W a h l k o r ru p t i o n stand in vollster Blüte. Zehntausend Haftbefehle wurden gegen Personen erlassen, welche Wahlschwindel verübten. Vielfach stimmten junge Männer im Namen von Wählern, die schon längst gestorben sind. Die sonstigen Wahlschwindel spotten jeder Beschreibung. Der demokratische Kandidat Hearst soll zwei Millionen Mark au§gegeben haben zugunsten seiner Wahl. Aus Stadt und Land. Gießen, 7. Nov. 1906. • * Neuer Feldbereinigungskommissar. Durch Verfügung deS Großh. Ministerimns des Innern ist der Großh. Feldbercinignngskommistar, Kreisamtmann Otto Schnittspahn in Büdingen mit Wahrnehmung der Geschäfte eines FeldbcrcinigungskommissarS für die Provinz Oberhcsscn mit Ausnahme des Kreises Büdingen sowie für die Provinzen Starkenburg und Nheinhessen mit Wohnsitz in Friedberg beauftragt worden. — Zur Verwaltungsgcsctzreform. Der sechste Ausschuß der zweiten hessischen Kammer verhandelte am Dienstag gemeinsam mit der Negierung über die Artikel 89 bis 110 der Landgemeindeordnung. Es wurde angeregt, daß die Bürgermeister eine angemessene, den heutigen Verhältnissen entsprechende Besoldung erhalten. Bei der Gehaltsfestsetzung müsse sowohl die Arbeit, als mtd) die Größe und Seelenzahl de§ Ortes berücksichtigt werden, vielleicht auch der Vermögensstand der Gemeinde. Von anderer Seite wird angeregt, den Bürgermeistern für die dem Staat zu leistenden Arbeiten auch entsprechende Pauschalsummen zu sichern. Die von den Referenten vorgeschlagenen Ratsschreiberstellen finden bei der Negierung bei Gemeinden, wo es die Menge der Amtsgeschäfte erheischt, keinen Widerspruch. Ein Vorschlag wünscht die größere Selbständigkeit der Bürgermeistereischreiber, damit sie nicht ohne weiteres von dem Bürgermeister entlasten werden können, doch soll der Schreiber selbstverständlich immer Untergebener des Bürgermeisters bleiben. Lokalgartenbauausstellung. Die Vorbereitungen zu der vom 9. bis 12. November im Netten Saalbau stattfindenden Gartenbailausstellting haben gute Fortschritte gemacht, sodaß man sich bereits von dem, was sich vor allem dem Besucher in dem großen Saal zeigen wird, eine Vorstellung machen kann. Es ist sicher anzunehmen, daß dem Publikum mit dieser Ausstellung etwas, was Großartigkeit und Pracht anbetrifft, noch nicht annähernd Dagewesenes, geboten werden wird. Der große Saal wird gegenwärtig in einen herrlichen Bltimenhain umgewandelt, der auf den Be- slicher einen überraschenden Eindruck machen wird. In der äußeren Halle, die vom großen Saal nuS direkt betreten werden kann und durch Anbau eines Glashauses in einen geschloffenen Raum verwandelt worden ist, werden die Leistungen auf dem Gebiet der modernen Binderei gezeigt werden. Von besonderem Interesse dürfte die im obengenannten GlaShauS unterzubringende Ausstellung von Chrysanthemums und sonstigen Pflanzen sein, die von den Schülerinnen der Stadtmädchenschule gepflegt wurden. ** Gießener Konzertverein. Mit freudiger Genugtuung konnten wir jüngst bekannt geben, daß es uns gelungen war, für das Kvnzert vom 18. November (Brahms-Chor-Abend) den vortrefflichen Drcsner Sänger, Karl Scheidemantel, zu gewinnen. Da, kurz vor dem 1. Kvnzert vom 4. d. M. traf uns die für uns schmerzliche Nachricht, daß die Dresdener Intendanz dem Künstler anqesonnen hatte, auf seinen kontraktlichen Novemberurlaub zu verzichten, weil eine neue Oper von Schillings einstudiert werden solle: der Künstler bat uns daher, ihn seiner Verpflichtungen zu entbinden und so blieb uns nichts anderes übrig, als ihn sreizugeben. Die sofort cingeleiteten Verhandlungen ergaben, wie schwer es ist, so kurz vor einem festgesetzten Dermin, Ersatz zu finden. Nm so mehr freut es uns, mitteilen zu können, daß Fräulein Agnes Lcidhecker es ermöglicht hat, zum 18. November zu uns zu kommen. Freilich ergibt sich daraus eine weitere Verschiebung ftir uns, da Frl. Leidhecker zum 17. Febr. 1907 engagiert war. Freuen wir urrs, einen so ausgezeichneten Ersatz gefunden zu haben, der es u. a. ermöglicht, zwei der herrlichsten Gesänge Meister Brahms' zu Gehör zu bekommen: zwei Lieder für eine Mtstimme mit Begleitung des Klaviers und einer Bratsche, welch letztere Herr Bassermann, Frankfurt, über- rwnrmen hat. • • Die Güterabfertigung Abend stern ist an das Bezirksfernsprechnetz Gießen angeschlosten worden. ** Parteipolitisches aus Hessen. Daß die Aufregung über die Bestätigung des sozialdem. Beigeordneten Eißnert wenigstens in Oberhesten nicht sehr groß ist, beweist die Haltung eines Teiles der kleinen oberhessischen Provinzpresse, die die Darmstädter Protestversamm- lung überhaupt nicht erwähnt, so z. B. der Grünb. Anzeiger, die Hungener Landpost und der Schlitzer Bote. — Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß durch einen durch undeutliche Schrift unseres Referenten hcrvorgerufenen Druckfehler die Zahl der Vcrsammlungsbesucher der Darmstädter Protestversammlung auf 300 angegeben wurde, während sie in Wirklichkeit 800 betragen hat. — Der freisinnige Reichstagskandidat für Darmstadt, Pfarrer Korell-König- stadten, wird im Laufe des Winters in Gießen und Bad- Nauheim politische Vortrage halten. * • Das Universitäts-Taschenbuch für das Winter-Semester 1906/07 ist im Verlag von August Frees in der gewohnten Weise erschienen. ^Lollar, 7. Nov. Gestern abend 9 Uhr starb nach kurzer aber schwerer Krankheit der frühere langjährige Oberingenieur der Main-Weser-Hütte, Franz Wilh. Feller. Er bekleidete diese Stellung 35 Jahre lang und trat vor einigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Neben seiner erfolgreichen beruflichen Tätigkeit war der Verstorbene auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen und Gemeindelebens tätig. Herr Feller war lange Zeit hindurch Mitglied des Gemeinderats und gründete 1876 die freiwillige Feuerwehr, der er bis zu seinem Tode als ihr erster Hauptmann angehörte. Auch die Pfennigsvarkaste, die für ihre Mitglieder höchst segensreich wirkte, half er mitbegründen. Außerdem war er ein eifriger Förderer der hiesigen Kleinkinderbewahranstalt und Mitglied der Brandversicherungskammer. Seine selbstlose Tätigkeit fand die Anerkennung des Landesherrn durch die Verleihung des PhilippsordenS und der Feuerwehr-DienstauSzeichnung. Das Andenken deS in weiteren Kreisen geschätzten und beliebten ManneS, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, wird in Lollar allezeit in Ehren gehalten werden. X Fauerbach b. Nidda, 6. Nov. Unser langjähriger verdienstvoller Bürgermeister, Herr Gustav Nies, ist heute vormittag 6 Uhr gestorben. (?) Friedberg, 6. Nov Bei Eröffnung des Wintersemesters der Großh. Obstbauschule und Landw. Winterschule Friedberg hatten sich 34 neue und 16 vorjährige, im Ganzen 50 Schüler und viele Eltern der Schüler cingcfnnden. Direktor Dr. v. Peter eröffnete den neuen Jahrgang, indem er ein Bild der derzeitige,! Landwirtschaft gab und daraus' die Verpflichtung der Eltern abl. i den Söhnen eine tüchtige berufliche und allgemeine Bildung zu geben, um sie in die Lage zu setzen, richtig wirtschaften, und den Stand dereinst entsprechend vertreten zu können in den Selbstverwaltungskörpern der Gemeinde, des K'reises und des Staates, sowie der neuen Landwirtschaftskammer. Wer die Interessen anderer vertreten wolle, müsse selbst tüchtig und in der Lage sein, mit weitem Blick neue Dinge und Verhältnisse zu erfassen und abwägen zu können. Auch der Beruf selbst erfordere immer mehr kritisches und klares Denken, dazu müsse der Verstand ausgebildet und geübt werden. Ferner wurde ein Bild dkr Tätigkeit der Schule während des Sommers gegeben. An den verschiedenen Sommer-Kürsen beteiligten sich 183 Personen, 75 mehr als int vorigen Jahre und zwar waren alle einzelnen Kürse stärker besucht, namentlich der Baumwärtcrkursus, der Kürsus für Obstweinproduzenten, für Pfarramts'kandidatcn, der Landw. Reyctitionskursus, der nülch- wirtsch. Kürsus und der Obstverwcrtungskursus, ein Obstverpackungskursus wurde neu eingeführt. Eine Besichtigung der Anftaltsräume und Anlagen beschloß die Eröffnungsfeier. d. Darmstadt, 6. Nov. Zwischen Darmstadt und Roßdorf wurde der Fuhrknecht Peter Spilger auf feinem Gefährt von einem Strolche überfallen. Er bedrohte den Knecht mit einem Messer und versuchte desten nmgehängtc Geldtasche zu rauben. Dies mißlang ihm zwar, doch brachte er dem Spilger einen schweren Stich in den Oberschenkel bei, worauf er entfloh. te. Mainz, 6. Nov. Am Sonntag war die Ehefrau des Arbeiters Hu mm vom Kurzen Hanikel von ihrem Manne sortgezogen. Gestern abend trafen sich die Beiden auf der Straße. Als sich die Fran weigerte, mit ihrem Manne heimzugehen, brachte er ihr mit dem Messer einen gefährlichen Stich in den Rücken bei. Frankfurt, 6. Nov. Um 6 Uhr heute nachmittag versagte auf einmal auf der Zeil und in den angrenzenden Straßen daS städtische elektrische Licht. Die Störung erstreckte sich auf Zeil, Friedberger Tor, Bleichstraße, Große Eschenheimerstraße u. s. w. Alle Räume der Post wurden plötzlich dunkel, in einigen großen Geschäftshäusern auf der Zeil mußte man sich mit Notbeleuchtung behelfen. Erst um 73/4 Uhr war die Störung behoben. Kassel, 6. Nov. Eine von über 1500 Personen besuchte Volksversammlung forderte die Stadtverwaltung auf, bei der Negierung die sofortige Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch zu beantragen und die städtische Verbrauchsabgabe auf Lebensund Genußmittel aufzuheben. "Kleine Mitteii'-ngen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Wohn selb hat die Drelchmaschine ein Opfer gefordert. Anr Samstag Nachmittag geriet ein junger Bursche in die Trommel. Ein Bein wurde ihm völlig abgerissen. Trotz rascher ärztlicher Hilfe war es nicht möglich, den Bedauernswerten zu retten. Schon gegen Abend v e r s ch i e d er. — In Bergen wurde an einem getöteten Hnnde Verdacht der Tollwut festgestellt. Vom Landratsamt Hanau ist bis 1. Februar die Hiludesverre verhä'nnt worden._________________________________ Vermischtes. * Das neueste Eisenbahnunglück. Bei Rehfelde (Reg.-Bez. Potsdam) entgleisten von einem Güterzuge 11 Wagen. Beide durchgehenden Hauptgeleise sind gesperrt. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Hilfsbremser Neurrig ist tot. • Berlin, 6. Nov. Ein Naubmordanfall wurde heute vormittag auf einem Neubau gegen den Gel d brief- träger Hammer verübt. Der arbeitslose Tischler Gärtner hatte eine Postanweisung über vierzig Pfennig an sich selbst nach dem Neubau aufgegeben, ohne daß er dort beschäftigt war. Die Anweisung mußte heute vormittag bestellt werden. Gärtner hielt sich auf der Straße auf bis Hammer kam. Er folgte ihm nach dem Neubau unter dem Vorwande, daß er ihm den Adressaten zeigen wolle. Im zweiten Stockwerke des Baues angelangt, schlug er den vor ihm gehenden Geldbriefträger durch einen Hieb mit einer- eisernen Brechstange nieder und entriß ihm die Geldtasche, die 16 0 0 Mark enthielt. Während der schwerverletzte Beamte um Hilfe rief, ergriff der Räuber mit der Beute die Flucht. Zunächst wollte er sich im Kellerschacht verstecken, als er jedoch zwei Arbeiter dort beschäftigt sah, eilte er davon. Acht Bauarbeiter und ein Schutzmann verfolgten ihn, holten ihn ein, nahmen ihm das Geld wieder ab, fesselten ihn und brachten ihn nach der Wache. Um 12 Uhr wurde der Verbrecher, wieder gefesselt, mit einer Droschke nach dem Polizeipräsidium gebracht. Er ist geständig. — Die bei einem Rechtsanwalt bediensteten Mädchen Pollatz und Settmacher wurden heute früh in ihrem Zimmer bewußtlos aufgefunden. Sie Hattern am abend einen Gashahn in der Küche nicht geschlossen. Da die Tür zum Mädchenzimmer in die Küche führt, konnten die giftigen Gase ungehindert zu den Schlafenden dringen. Sie wurden nach dem Krankenhause gebracht. — Da§ Befinden des Dompteurs Willi PeterS, der am Sonntag das Opfer einer schreck- ichen Szene im Raubtierkäfig wurde, hat sich verschlechtert. Der Arzt bestand auf der Ueberführung des Verwundeten nach dem Krankenhaus, da der Zustand des durch die Bisse der Tiger verwundeten Armen Anlaß zu Be- denken gibt. Arbeiterbewegung. Der Arbeitgeberverband für Binnenschifffahrt und verwandt?. Gewerbe in Hamburg faßte folgenden Beschluß: Es wich den Mitgliedern des Verbandes überlassen, mit ihrer Schiffsmannschaft an der Hand der Dresdener Ver- aleichSvorschlagc das Arbeitsverhültnis neu zu regeln, wobei indessen der Standpunkt Verhandlungen mit dem .Hasenarbeiterverband abzulehnen, nach wie vor festgehalten wird. VorauÄ- setzung der Verhandlunaeu mit der Schiffsmannschaft ist die vorherige bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit. — Nach Mitteilungen, die bei den Vereinigten Elbschisfahrtsgcsellschästen von den Stationen der Oberere eingegaugeu sind, beginnen die ausständigen Decksleute, sich dort wieder zum Diensteintritt zu melden. Auch in Hamburg hat sich eine kleine Anzahl von Heizern und Decksleuten bereit erklärt, die Arbeit wieder auszunehmen. Der Verkehr von der Oberelbe hat sich weiter etwas gehoben. Die Vereinigten Elbscknffahrtsgcsellschvsien haben den Steuerleuten, die auf fremden Kähnen arbeiten, eine Entschädigung von 3 Mark täglich bewilligt, da ihnen dort die Möglichkeit des Essenkochens fehle. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 7. Nov. lOrig.-Telegr, des „Gieß. Anz/H Vieh markt. Lum Verkaufe standen 00 Kälber 00 Schafe und Hammel, 1253 Schweine: 1. Qual. 75—00 Psg. Lebendgewicht 58.50—00.00 Pf., 2. Qual. 73—74 Pst, Lebendgewicht 57L0-68Psg., 3. Qual. 63—65 Pfg. Kälber 1. Qual. 00-00 Pst, Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Psg., Lebendgewicht 00— 00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschält: bei Kleinvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend. Grnge-crndL. Was hellen die edelsten Bestrebungen der Tierjchutzvereine, wenn die Verkehrswege für Fnhrverkehr nicht z w e ck e n t s p r e ch e n d im Stande sind. Die benutzbaren Zufuhr- straßen (Frankfurter-, Hof m a n n st r a ß e re.) nach dem Bahngüterschnppcn verursachen augenblicklich große Quälereien für Tiere, erregen vielseitiges Aergernis und für die Fuhrbefitzer Schaden. Könnte man da nicht Abhilfe schaffen? Ein Unbeteiligter. Gießener Wetterdienst. Bo'-anSsichtlichc Witterung für Hessen am Donnerstag, den 8. November: Wieder Trübung und Negenfälle. Temperatur nicht verändert. Mäßige südliche Winde. Der Großherzog und Staatsminister Ewald. Wir erhielten heute kurz vor Redaktionsschluß folgendes Telegramm: sd. Darmstadt, 7. Nov. Bestimmt verlantet soeben, daß Staalsminister Ewald heute dem Großherzog, infolge der heftigen Angriffe der nationalliberalen Landesversammlung vom Sonntag auf das Ministerium, seine Demission angeboten habe. Der Groß Herzog habe sie aber nicht angenommen. Wir bezweifeln sehr die Richtigkeit dieser Meldung. Der Protest eines Teiles der Nationalliberalen des Großberzogtums gegen eine landesherrliche, vorn Minister gegengezeichnete Entscheidung bat it. E. die Stellung des Ministers keineswegs erschüttert, im Gegenteil erscheint in den Augen aller auf dem Boden des Gesetzes Stehender die Stellung eines Ministeriums überhaupt unerschütterlich, das es sich angelegen sein läßt, volle Rechtsgleichheit nn Staate walten zu lasten ohne alle Voreingenommenheit nach links oder rechts. In jedem Falle aber, auch wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, kann das hessische Volk fortan mit besonderem Stolze und unbeirrbarem Vertrauen auf seinen aufgeklärten und durch nichts vom geraden Rechtswege abzulenkenden Landesherrn schauen. MrigSuraL-Drahtmelduirgen. Köln, 7. Nov. 5)er interkonfessionelle Verein zur Bekämpfung der Prostitution hatte mit dem Präsidenten der größten kölnischen Karnevalgesellschaften, mit der katholischen, evangelischen, jüdischen Geistlichkeit und angesehenen Bürgern Besprechungen darüber, wie den Auswüchsen des Karnevals auf den Straßen beiznkommen sei. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die sich mit dieser Mission befassen und demnächst mit bestimmten Vorschlägen an die Versammlung herantreten soll. Düsseldorf, 7. Nov. Die Fran des Bureauchefs eines großen industriellen Werkes wurde bei der Rückreise von Bad Nassau in einem Eisenbahnabteil 2. Klasse überfallen und beraubt. Wie eine mitreisende Dame gesehen hat, ist der betreffende Mann aus einem Abteil 3. Klasse während der Fahrt in das andere geftiegen. Der Räuber muß sein Opfer betäubt haben, denn die Ueber- fallene kam erst auf der Station Nivcrn bei Ems wieder zu sich. Der Frau war die Bluse geöffnet und das darunter getragene Geld ge ft oh len. Ferner vermißt sie ihr Handtäschchen mit drei Kassenscheinen zu je hundert Mark und ihren Dr a n r i n g. Vom Täter fehlt jede Spur. Berlin, 7. Nov. Wegen fortgesetzten Betruges und schwerer Urkundenfälschung wurde der frühere Gcmcinde- sekretär Karl Schulze aus Pankow zu 1 Jahr Gefängnis rind 2 Jahren Ehrverlust verurteilt. Stettin, 7. Nov. In Hammelstal auf Usedom traten 42 Hau später lokaler Streitigkeiten halber ans der Landeskirche aus. B a den-Baden, 7. Nov. Gestern abend ereignete sich hier ein mysteriöser Mord. Die Witwe des in Karlsruhe tätig gewesenen Medizinalrats Molitor erhielt die Aufforderung, ein auf der Poft für sie angekommenes Paket in Empfang zu nehmen. Als sic sich kurz nach 6 Uhr mit ihrer erwachsenen Tochter auf dem Wege zur Poft befand, sprang plötzlich ein Mann aus einem Versteck hervor und gab einen oder zwei Schüsse auf sie ab. Man vermutet einen Racheakt. Portsmouth, 7. Nov. Die Unruhen der Ma-' rinesoldaten wiederholten sich gestern abend nicht. Der Eingang zur Kaserne und zu. den Offiziersquartieren wurde durch Doppelposten bewacht. Die Leute, die Abend- urlaub hatten, kehrten ruhig zurück und die in der Kaserne zurückgebliebenen Soldaten verhielten sich ebenfalls ruhig. Man glaubt, daß bstrrch die von den Behörden verursachtes Maßnahmen die Ruhe völlig wiederhergestellt sein wird. Newyork, 7. Nov. Der polnische Fanatismus entfacht in der Eriesee-Region einen wütenden Deutschenhaß. Clevelanöer Hetzpolen unterstützen dort durch, lärmende Massen-Meetings das gehässige Vorgehen der Natavisten gegen den deutschen Unterricht in den öffentlichen Schulen. Die Vertreter von 120 deutschen Vereines beschlossen die Mündung eines deutschen Schulvereins, denr 15 000 Mitglieder gesichert sind. Sie wollen gegen die Verbrüderung der nataviftifchen Engherzigkeit und den Deutschenhaß der Bolen dos aanze Deutschtum mobil machen. Telefcnische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel nnd Indnstrie. Glessen. Frankfeirter Börse. 7. November. 1.15 Uhr. 3^®/o Beichsanleihe . . 97.85 3% do. . . 86.15 o%°/0 Konsols .... 97.95 3% do 86 20 3%°/0 Hessen 96.90 3J4°/n Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 99.55 4X/S$n Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 95.25 4% Italien. Bente . . . 103.40 3% Portugiesen Serie T . 69.05 3% Portugiesen TU 69.90 4 russ.Staatsanl. 1905 89.00 4%°/n japau. Staatsanleihe 92.25 4 % Conv. Türken von 1903 93 75 Türkenlose 145.50 4% Griech. Monopol-Anl. 52 60 4% äussere Argentinier . 88 40 3°/0 Mexikaner . . 67.40 4%°/0 Chinesen .... 95 60 Aktien: Bochum Guss 231.50 Buderus E. W . . . —.— Tendenz: jetzt besser. Berliner Börse, 7. Canada E. B 177.50 Darmstädter Bank . . . 137.50 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 79.70 Dresdner Bank . ... . 154.40 Tendenz: unentschieden. Elektriz. Lahmeyer . . . 140.00 Elektriz. Schnckert . . . 124.50 Esch weil er B er »werk . . 238.20 Gelsenkirchen Bergwerk . 220.40 Hamburg - Amerik. Paketf. 155.40 Harpener Bergwerk. . . 209.60 Laurahfitte ..... —.— Nordd. Lloyd 125.80 Oberschi es. Eisen-Industrie 125.00 Berliner Handelsgea . . 169.10 Darmstädter Bank . . . 137.75 Deutsche Pank . . . 237.20 Deutsch-Asiat. Bank . . 170.50 Diskonto-Kommandit. . . 181.40 Dresdner Bank . . . 154.25 Kreditaktien 212.10 Baltimore- und Ohio- Eisent.ahn . . 120.50 Gotthard bahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 35.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.80 Prince-Henri-Eisenbahn . 147.50 November. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 209.90 Laurahfitte —.— Lombarden E. B. ... 35.10 Nordd. Lloyd 125.50 Türkenlose .... —.— 209.9t* Sg 0-9° 35’2<* 144.80 neldungen. osesswnelle Verein int utj.on hatte mit dem !en -^.ornevalgesellsüiasten, ’J1' jüdischen Geistlichkeit Magen darüber, wie den Is auf den Straßen Kommission eingesetzt, die ii> deinnachst mit bestimm« lung herantreten soll. t Frau des Bureauchefs :> wurde bei der Rürkreise bahnabteil2.Klasse Sie eine Mitreisende Dame Mann aus einem Wteil das andere gestiegen. Der b t haben, denn die Heber» n Bibern bei Ems wieder nse geöffnet und das bien. Ferner vermißt sie 'senscheinen zu je hundert ?om Täter fehlt jede Spur. irtgefefctcn Betruges und her frühere Gemeinde« s Panlow zu 1 5adr grverlust rerurte/l/. nelsial auf Wam traten iiglciten Wg£I au* &er tfittn abend ereignete sich Die Vitwe des in Arls- Lt§ Molitor erhielt dre r sie angelommenes Parct sich lur; nach 6 W dm Dege zur Post be- 1 aus einem Bersteck hervor sse auf sie ab. Mnticr' be, fts»»’ ■ ■ - rurk^0* "'Len de,. ^ch^n? b,e HbSiJj >r aBB?" 1J folgendes Ä'Ä“. » 8.» «3 ** tat Seni.f ™,u'i «t» i' "'"«elote« e 9li?1fÖ1!8enom®tn. Teiles ^ dieser ing M „ ??*' »•«> tt im « bl,Slf0®.(| , ' - ®'8*l «Ifrmt .bgS HMchi SJoli f0d„ ' Rech,r«,g, 16, sich gefteni M IN«'. L Tie Leute, die Abend« WG §WZ 'm kr 5 ® Ä®1” )on 1;U ^.-lve'-eins, deut di! &r‘ S-- w°^"§ jM Scui' fS'Sff--" >ilt von rter ■ -KZ Ä Berer^L ' 220.40 )her.9 Traudel^M 1 J37.73 Berli"®rE pank . • ' 937.20 W ‘ 170.50 Pen^8. Ba»k ' ‘131.^ penUetAoDi"iaDd,t' ' 154-26 r’:i W ■ ' . 212-10 nrgsdDci » . ■ Ohio- 120.50 ”Ä:-: ' ' Oo‘tbRrj Eisenh»b" ' .10^ fjbahn • ' 147-5° ^S^nblbD K M y if M. Statt jeder besonderen Anzeige. Heute Abend gegen 9 Uhr verschied im 72. Lebensjahr nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Grossvater eller err F. W Hütteningenieur i. P., Ritter hoher Orden p. p. Die Beerdigung findet Freitag, den 9. November d. J., nachmittags 3Vs Uhr zu Lollar, statt. d1/11 Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau J. Feller Leutnant Feller Lina Feller Otti Feller Pfarrer 5®ahr und Frau geb. Feller Oberförster Scheel und Frau geb. Feiler Fr. Grau und Frau geb. Feller und 6 Enkel Bekanntmachung B7“ I. V.: Georgi. I. 23.: Georgi- Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Georgi. Melduiigen nimmt das Armenamt, Neuen Bäue 25, Zimmer- Nr. 2, biS 20. d. Mts. während der Geschäftskunden entgegen. Gießen, den 8. Nooeinber 1906. Dte Armen-Deputatlon der Stadt Gießen. I. 23.: Georgi. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. I. 21: Georg i. Bekarrnria^chnng. Aus der Stiftung der Eheleute Karl und Emilie Hensel (ft alsbald eine lebenslängliche Pfründe im Jahresbetrag von 175 Mark an die Witwe eines GietzeuerS, ohne Unterschied der Konfession zu vergeben. Meldungen sind bis spätestens 20. d. Mts. beim städtischen Armenamte, Reuen Bäue 25, mündlich emzureichen. Gießen, am 1. November 1906. Großherzoglm-e Bürgermeisterei Gießen. I. 23.: Georgi. Bekanntmachung. AuS der Louis Scheid-Stiftung sind am 11. Dezember die diesjährigen Zinsen in Gaben nicht unter 20 Mark an Witwen und Walsen armer Kaufleute, oder au arme Kaufleute selbst, sofern sie unverschuldet in Not gekommen sind, ohne Unterschied der Konfession zu verteilen. Bekannrmachung. Die Zinsen der Friedrich Heyer vou Roseufeld'schen Stiftung mit 67,20 Mark sind am 21. Dezember an solche evangelische, würdige Stadtarme zu verteilen, die selbst und ihre Eltern und Großeltern tu Gießen geboren sind und das Bürgerrecht besitzen oder besaßen. Meldungen nimmt das Armcnamt, Neuen Bäue 25, Zimmer Nr. 2, bis 20. d. Mts. während der Geschäftsstunden entgegen. Gießen, 2. November 1906. Bskatrrümachrmg. Aus der Stiftung der Ludwig Theodor Felsing Eheleute zrt Gieße» sind die diesjährigen Zinsen an zehn in Gießen geborene, würdige Arme zu gleichen Teilen zu vergeben. An- Meldungen hierzu haben bis 20. November d. IS. auf dem Armcuamt, Neuen Bäue 25, Zimmer Nr. 2, zu erfolgen. Gießen, den 2. November 1906. «Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Aus der Minna Keil-Bogt-Stiftung sind für das Jahr 1906 tnei Gaben von je 70 Mark an drei in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige Handwerksmeister oder Witwen vou Handwerksmeistern, evangelischer Konfession, zu vergeben. Bewerbungen sind bis spätestens 20. November d. IS. beim städtischen Armenamt, Neuen Bäue 25, einzureichen. Nur selbständige Handwerker oder Witwen selbständiger Handwerker können berücksichtigt werden. Gießen am 3. November 1906. Bekanntmachung. AuS der Stiftung des Gcmcinderatsm.tgliedeS LoniS Labroisse und der Echteruach-Stroh-Stiftuug sind in der ersten Woche des Monats Januar 1907 'tztwa IGO Zentner Kohlen an arme Familien, einerlei welcher Konfession, zu verteilen. Meldungen nimmt das städt. Armenamt, Nene» Bäne 25, Zimmer Nr. 2, biS 20. d. Mts. entgegen. Gießen, am 3. November 1906. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Lollar, Mühlhausen i. E., Friedberg, Eppelsheim, Neustadt i. 0., Wetzlar, den 6. November 1906 V©$i der Heise zurück Olga Theiss Bentiste 6710 Kreuzplatz 10 Sprechstunden von 9—5 Uhr Schwarze Asziigre. Durch frühzeitigen Abschluss bin ich in der Lage,) meine Spezialität: schwarze Herren-Kleider trotz Preisaufschlags zu den bisherigen billigen Preise«, unter jeder Garantie zu liefern. Frack- und Gesellschaftsanzüge auch leihweise. Ka^nbach, Kanzleiberg 9, L 6393 gegenüber dem Altertumsmuseum. Wir empfehlen aus heutiger Sendung: Fa. Schellfisch, M Bratfifche Cablian, blüieHkll ohne Kops Seelachs Seeaal Alles in tadelloser Ware und starker Eispackung, z» äußersten Preisen Hochachtend »7 Sehr. Berdux Bahnhofstraße Lindenplatz bei Giiesöen. Freitag, den 9. November, abends 81/, Uhr hält Kapitän Behrcud aus Berliu interessante und belehrende Lichtbilder - Borträge. Eintritt: Erwachsene 20 Psg., Kinder 10 Pfg. s08324 ■ Jeder ist willkommen! = Heuchelheimer Mühle Morgen, IonneÄnp, den 8. 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Ende 91/, Uhr AusführHche Programme zu 20 Pfg. und Eintrittskarten zu Mk. 1.60 und Mk. 1.—, sowie Studentenkarten zu Mk. 0.7ö bei Herrn Cha liier und an der Abendkasse. v7/11 Gasihaes „Är alten post“. Stelle heute ein großes, schönes W7* Frati-Musikwerk Qigin 5 2 6688 Mm beachia die Fabrikmarke. von H. Kembel in Frankfurt a. M. auf, mit dirigierendcui Kapellmeister sowie zwei umspielenden Trompetern. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein 6660 Ph. Schneider, früher im Adler. MPAghwMhjjm, ^Singer Co. Nähmaschinen Act Ges. Lindenplatz 1 Biemsen Lindenplatz 1 El Giesser. Seltersweg 30 A. Reinig Optische Die Firmen Heinrich Dörr zu Hattenrod und Philipp Nock zu Hattenrod wurden heute in unseremHandelsregister gelöscht. Lich, am 5. Novbr. 1906. _______Gr. Amtsgericht. (b7/n Kartoffeln für den Wiuterbedarf. la Magnum bonum, gelbe Mäuschen u. andere Sorten lieiert zu den billigsten Tagespreisen frei fetter g. TreCiiSlCF, Steinstraße 48. Telephon 581. Proben auf Wunsch. 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Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht über das verflossene Vereinsjahr. 2. Rechnungsablage u.Entlastung des Kassierers. 3. Vorstandswahl. 4. Verschiedenes. v6/11]_________Der Vorstand. Mm. Verein weibl. Angestellter. Zu der am 11. November im Saale des Hotel Einhorn von 5 Uhr ab stattfindenden geselligen Zusammenkunft werden hierdurch alle Mitglieder und Solche, die es werden wollen, freundlichst eingeladen. 6714]________Der Vorstand. Miflltr liieren Direktion Hermann Steingoetter Freitag, den V. November 5. Freitag-Abonn.-Vorstellung $cr LWWiicnkoiilMiir. Schwank in 3 Akten von A. Bisson. In deutscher Bearbeitung von B. Jacobson. gesucht. Liebigslr. 33,1. [6668 Der heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt von August Äröll, Gießen, Seltersweg 12 bei. [D7/u