vielleicht einwerfen, das sei ein absurder Partikularisten- einsall, unserer Zeit des Verkehrs sei gerade in erster Linie nachzurühmen, daß sie Gegensätze beseitige und den Bewohner der Kapstadt dem Bürger von Hammerfest nicht nur durch den Draht verkehren lasse, sondern sogar äußerlich ähnlich mache. Dem wäre zu errvidern, daß die Beseitigung politischer Gegensätze, die zwischen Nationen bestehen, sehr vieles für sich hat, daß aber größerer Wert zu legen ist auf die Entwicklung von eigenen Persönlichkeiten, von wrenschen von Eigenart, mit nur ihnen eigenen Ideen innerhalb jeder einzelnen Nation. Und wie heute jede Landschaft Leute lockt aus anderen Gegenden zum Schauen ihrer Eigentümlichkeit, so würde sie, und namentlich wäre das von Wert für eine solche, die von der Natur nicht sonderlich begnadet ist, noch mehr Leute locken, wenn ihre Bewohner sich von anderen unterschieden durch ihre Tracht. Denn die meisten von uns halten sich doch, um mit Goeihes Lynkeus zu sprechen, „zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt". Und diese Wißbegier ist gar löblich Trachten büch er gibt es seit dem 16. Jahrhundert, und eins der vorzüglichsten ist Hottenroths zweibändiges Werk „Deutsche Volkstrachten" (Frankfurt a. M., Keller), das sich auch ein wenig mit der hessischen Tracht beschäftigt und interessante Schilderungen und Abbildungen aus der Marburger, Wetzlarer, Wormser Gegend, dem Taunus usw. liefert. Trachtenfeste fyai es in Thüringen wiederholt gegeben, wo man sich gleichfalls, wenn auch leider mit wenig Glück, sehr um die Erhaltung der Volkstrachten bemüht. Trachtenausstellungen aber hatte man bisher, soweit uns bekannt, noch nirgends. Darum sind die Butzbacher Festwochen etlvas ganz Besonderes. Zu diesem besonderen Feste nun hat der Hauptlehrer August Storch in Butzbach em „Vollsschauspiel" erscheinen lassen unter dem Titel „Die Hüttenberger". Tas Stück ist auch als Büchlein im Verlage von Emil Roth in Gießen erschienen und für wenige Pfennige in allen Buchhandlungen zu haben. Es soll während des Trachtenfestes sechsmal zur Aufführung gelangen. „Ami Hüttcnberg" hieß bekanntlich in früherer Zeit der oberhessische Bezirk südlich von Gießen bis zur Wetterau mit ausburschen. Carl Xowack. !^%Wtr.a9 "N kellrie, ___ gesucht. Steten. Schläge zerer tzausbursche gesucht. lUs3s LudwWrahe 20. jttlÄrscüe sosort oesuchi. |3406 gramer, vrenzplatz 11. Tüchtiger 04127 Ärsche rtl La-ea. jum 1. Uugul't ttnejuued. Köchin hünsacbett übernimmt av.Miidch. zu ernnf herrsch. Schotten gesucht. Näherer ) Frau Hüllenberger. [04111 Mädchen tagsüberLesuchi Tiezstraee 7. ----öüIF Äü str halben oder W Alicefmßellü. , kleinen, kinderlosen HaushaÜ Hl. Q -—-— -----fC^HA iür leichte ISkvMKontorarbeit dop ob. tzustt. Meldungen uuterElö en GießenerAnzeFrerbelw. .Ä&u iii«imb MNlWM M neinetterHE j, 3,uan! U Erstes Blatt 156. Jahrgang Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Samstag 9. Juni 1906 vezugspretS: monatlich 7bPk., viertel- Nr. 133 • rlfteint täglich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der, Brübl 'sehen Univers.-Buch-u. Slein- druckeret. 9L Lange. Redaktion, Erveditioa und Druckerei: «chuk st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.(i$pcb.e^51 Adresse für Deoeschen: Anzeiger «letzen. inbrlid) Alk. 2.20; durch Abholc- iu Ziverqslellen monallid) Go Pf.; durch diePost Alk. 2.— tncrtel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesmmuner bi« vorimllags 10 llhr. ZeilenvrerS: lokal 12P1* auswärlS 20 Pig. Verantwortlich für den doIiL und ntlflcm. Teil: P. Witt ko. Kit „Stadt und Lantck und Verichtssaal*. Ernst peß. Kir den Anzeigenteil: ÖanS Beck. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger y Die heutige Bummer umfaßt 14 Seiten. Zweite hessische Kammer. K. B. Darmstadt, 8. Juni. Am Ministertische: Staatsminister Ewald, Finanz- Minister Gnauth, Ministerialrat Best. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 91/, Uhr. DaS HauS tritt sofort in die Tagesordnung ein und überweist zunächst die Vorstellung der freien christlichen Ge- memde Mamz, bete. Trennung von Kirche und Schule, sowie die deS Wirtevereins Mainz, betr. die Aushebung deS § 228 des PoUzeistrafgesetzes vom 30. Oktober 1855, und die der Polizeidiener des Kreises Offenbach um gesetzliche Regelung ihrer GehaktS- und Anstellungsverhältnisie, den zuständigen Ausschüssen. In Betreff der Vorstellung der Witwe des AmtsgerichtSdienerS Nees in Zwingenberg a. d. B. um Erhöhung ihres Witwengehaltes ftimmt die Kammer einem AuSschußantrag zu, die Regierung um Gewährung einer Gnadenzulage zu ersuchen. Ueber die Prüfung der Wahl des Abgeordnete« Ullman« im 1. oberhessischen Wahlbezirk (Vilbel) liegt ein Ausschußantrag vor: 1) die Wahl zweier Wahlmänner in Groß-Karben für ungiltig zu erklären und die Regierung um Anberaumung einer Neuwahl in jener Gemeinde zu ersuchen; 2) die Wahl des Abg. Ullmann für gütig zu erklären, und 3) die Vorstellungen deS Heinrich Busold zu Friedberg und Wilh. Michel und Genoffen in Groß-Karben für erledigt zu erklären. Abg. Orb (Soz.) bespricht die gegen die Giltigkeit der Wahl erhobenen Beschwerden und wünscht die Ungiltigkeitserklärung der Wahl. Es seien namentlich m Klein-Karben und Petterweil große Unregelmäßigkeiten vorgckommen; in letzterem Orte habe sich der Bürgermeister mit seinem nationalliberalen Herzen leicht über die gesetzlichen Vorschriften hinweggesetzt. Abg. Bähr (Bauernbd.) weist die vom Vorredner vorgebrachten Behauptungen zurück und empftehlt die Annahme deS Ausschußantrags. Er protestiert besonders gegen den Vorwurf, der Ausschuß habe parteiisch gehandelt. Wären die Mißstände bei der Wahl wirklich so groß gewesen, so hätte doch Abg. Berthold nicht dem Ausschußantrag zugestimmt. Von sozialdemokratischer Seite werde überhaupt mitunter recht leichtsinnig gegen Wahlen protestiert. Nach kurzem weiteren Wortwechsel zwischen den beiden genannten Rednern und nachdem auch der Ausschußberichterstatter Abg. Pennrich die Einwendungen des Abg. Orb als ungerechtfertigt zurückgewiesen, wird der Ausschuß antrag mit allen gegen zwei sozialdemokratische Stimmen angenommen. Ueber die Wahl des Abg. Finger im 1. Wahlbezirk der Provinz Rheinheffen erstattet Abg. Bähr mündlichen Bericht. Der Ausschuß beantragt die Giltigkeitserklärung der Wahl und ersucht zugleich bte Regierung, die Wahlkommiffare zu veranlassen, daß sie den Wahlvorständen möglichst genaue Instruktion über die Wahlhandlung erteilen. Das Hails stimmt dem Anträge zu. Präsident Haas weist bei dieser Gelegenheit im An- chluß an die gestrige Vereidigung des Abg. Finger darauf hin, daß auch schon früher die Verpflichtung in ganz ähnlicher Weise erfolgte, so 1862 bei der Vereidigung der Abgg. Möllinger und Finger, des späteren Staatsininistcrs, die beide ebenfalls der Mennonitengemeinde angehörten. Auch hier trat damals an Stelle des Schwurs die Verpflichtling durch Hand- schlag mit den Worten: .Ich gelobe es." Diese Formel fei für Mennoniten auch im Strafgesetzbuch und durch eine 93er- orbnung vorgesehen. Zur Beratung kommt nun die Regierungsvorlage, betr. den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung deS Gesetzes übet die Feldbereinigung vom 28. September 1887. In der Vorlage sind besonders zwei neue Gesichtspunkte zur Geltung gebracht. Seither hatten die Grundbesitzer in Gemarkungen, in denen keine Parzellenvermeffungen vorlagen, zu beschließen, ob die im Grund- (Flur) Buch enthaltenen Größenangaben oder ob die durch eine Vermessung zu ermittelnden Flächengehalte der Bereinigung zugrunde zu legen sind. Künftighin fall nun die Größe des tatfächlich vorhandenen Besitzes maßgebend fein. Dadurch wird mancher Zwistigkeit der Boden entzogen. Bisher fand eine zweimalige Vermessung statt, einmal durch den Bereinigungsgeometer, das zweitemal durch den Katastcr- geometer. Durch den jetzt bestimmten Fortfall der zweiten Vermessung hofft man auf eine raschere Beendigung des Verfahrens. Ferner stand seither der Ehefrau ein Abstimmungsrecht bezüglich ihres eigenen Grundvermögens zu. Dieses Recht soll nach der neuen Vorlage der Ehefrau entzogen und nur durch den Ehemann ausgeübt werden, sodaß hiernach der Ehemann sowohl bezüglich des Gesamtgutes, als auch bezüglich des von der Frau eingebrachten Gutes stimmberechtigt wird. Der Ausschuß hat dagegen daran festgehalten, daß es sich bei der Abstimmung über die Feldbereinigung nicht um eine Verwaltungshandlung, sondern uni eine Verfügung über Grundvermögen handelt, wofür die Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuchs in Betracht kommen. Nach dieser Auffassung des Ausschusses ist sonach die Frau berechtigt, bei dem Verfahren der Feldbereinigung über ihr eingebrachtes Gut selbstständig abzustimmen, ohne hierzu der Einwilligung ihres Mannes zu bedürfen. Aus diesem Grunde beantragt der Ausschuß, zu Art. 1,1 anstelle der Regierungsvorlage folgende Fassung: „Gehört ein Grundstück zum Gesamtgut, so bedarf der Mann nicht der Zustimmung der Frau. Gehört ein Grundstück zum eingebrachten Gute der Frau, so bedarf diese nicht der Zustimmung des Mannes. Im übrigen beantragt der Ausschuß unveränderte Annahme der Vorlage. Der Ausschußberichterstatter Abg. Leun gibt eine kurze Erläuterung zu den Beschlüssen des Ausschuffes und richtet dann die Anfrage an die Großh. Regierung, ob trotz der Bereinigung auch in Bad-Nauheim ein Grundbuch angelegt werden solle. Die Kosten für die Grundbuchanlage seien entschieden zu hoch. Abg. Stöpler geht auf verschiedene Einzelheiten des Gesetzentwurfs ein und beantragt, daß Grundstücke, auf welchen sich Mineralquellen oder sonstige zu gewerblichen oder hauswirtschaftlichen Zwecken dienende Wasserquellen befinden, soweit sie für diese Zrvecke notwendig sind, nicht in die Feldbereinigung mit ein bezogen werden. Abg. Bähr bringt gleichfalls verschiedene Mängel der bestehenden Gesetzgebung zur Sprache. Auch dem neuen Gesetz hafteten noch mancherlei Mängel an, die aber vielleicht spater durch Abänderungsantrage beseitigt werden konnten. Bei den für den landwirtschaftlichen Betrieb notwendigen Durchführung der Feldbereinigung seien besonders die Kosten zu hoch. Die Mitwirkung der Kulturinspektion halte er für überflüssig. Es seien in manchen Gemeinden der Wetterau Wasseranlagen gemacht worden, die eigentlich nur bei Hochwasser leistungsfähig seien. Es empfehle sich, den Geometern Kulturtechniker zur Seite zu stellen. Abg. Br eite nbach (Bbdl.) regt an, die Kulturinspek- tionen nicht bei jeder Gelegenheit heranzuziehen, die, wie er aus eigener Erfahrung wisse, sehr kostspielig seien, unb auch häufig Mißerfolge in der Einrichtung von Wasserleitungen hatten, so auch in zwei Gemeinden seines Wahl- Cxeifed. Abg. Braun (natlib.) beschäftigt sich gleichfalls mit mehreren Mängeln der Vorlage, wahrend Ministerialpräsident B r a u ii diese Einwendungen widerlegt resp. richtig stellt. Tie Feldbereinigung sei in vielen Gemeinden nicht an den hohen Kosten gescheitert, und auch die Behauptung, daß die Kulturinspeltionen nicht richtig funktionierten, sei nicht erwiesen. Er glaube nicht, daß die Gemeinden bei Kulturveränderungen schlecht gefahren seien, wenn diese den Weg über Darmstadt nahmen. Den vielfachen Wünsck)en auf Erhaltung der Hecken und Raine werde unmöglich im ganzen Umfange entsprochen werden können, denn es sei zu bedenken, daß dieselben zwar dem Schutze der Singvögel dienten, aber auch den Schlupfwinkel für allerlei Feldräuber, Marder, Iltis, Wiesel, Mäuse usw. bildeten. Die Mitwirkung der Kulturinspektion bei der Feldbereinigung sei unentbehrlich. Ministerialrat Best führt aus, daß der neue Gesetzentwurf gerade hauptsächlich mit bezwecke, die Kosten für die Feldbereinigung zu vermindern. Abg. Korell legt dar, daß tatsächlich viele Feldbereinigungen infolge der zu hohen Kosten verhindert worden seien, so im Kreise Alsfeld und auch in Ortschaften des Kreises Friedberg. Nach weiterer Debatte, an welcher die Abgg. Erk, Korell, Bähr, Hauck u. a. teilnahmen, schließt der Präsident die Generaldebatte und es tritt eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung fand die Feier des 25 jähr. Al zeorduetevjubil'äums des Kammerpräsidenten Geheimrat Haas stall, dessen Platz im Hause inzwischen mit Blumen und einem Lobecrkranz geschmückt worden war. Vizepräsident Köhler erinnerte daran, daß Abg.Haas am 8. Juni 1881 zum Abgeordneten gewählt wurde und daß er auch am 9. I-ebruar 1907 Präsident des Hauses sein wird. Bei Besprechung der Tätigkeit des Jubilars während dieser Zeit müsse er absehen von den Verdiensten, die er sich als Präsident des Hauses erworben, wie er mit unvergleichlichem Geschick die Ordnung im Hause und seiner Einrichtungen neu gestaltet und das Ansehen der Kammer gehoben und gepflegt habe. Er müsse auch absehen von des Jubilars entscheidende Bedeutung als Organisator auf dem Gebiete des deutschen Genossenschaftswesens, dessen Bild die Geschichte des hessischen und des deutschen Volkes besser zeichnen werde, als wir es vermögen. Wie gesagt, absehen muß ich von dem allen. So sehr das meiner Neigung widerspricht, muß ich mich beschränken auf das, was Haas als Abgeordneter deni Landtage, unserem Volke uns uns, allen seinen Kollegen jetzt noch ist und in den vergangenen 25 Jahren seiner so erfolgreichen Landtagstätigkeit gewesen ist. Auch hier habe er sich als organisatorisches Genie und als unerschöpfliche Arbeitskraft mit einer Betätigung eisernen Pflichtbewußt)eins gezeigt. Ganz hervorragend sei fein Wirken auf dem Gebiet der Land- Aas Kühbacher Trachtenfest und „Die KüNenberger". Gießen, 9. Juni 1906. Butzbach, unser altertümliches Nachbarstädtchen, schickt sich an, eine lange Reche von Festtagen zu begehen. Und zwar Festtage ganz besonderer Art. Jedermann kennt Sänger- und Turnerfeste, Mai- und Eisfefte, kennt ^auf- feste und kennt das Totenfest. Man könnte sich auch das 3/iiichriqe Jubelfest eines Vereins zur Züchtung silbergrauer Vorstehhunde und das vierteljährige Stiftungsfest einet 'Gesellschaft zur Veredelung der Wasserrüben vorstellen. Doch derartige oder ähnliche Vereinsmeiereien sind ebenso vernünftig wie wenn etwa ein amerikanischer Billionär sich nur von dem berühmten Corned beef aus Ehieago nährte. Die Idee eines Trachtenfestes aber, das man bei uns überhaupt noch nicht, und sonst wohl bisher nur im Badischen gekannt Hal, ist originell und vernünftig.zugleich. Sie Lugt von Geschmack und, mehr noch, von historischem und obendrein pietätvollem Sinn. i>Nan will unsere heben Volksgenossen ui Stadt und Land blättern lassen un großen Musterbuche der Vergangenheit, dem auch unsere Kunst, mit allem ihren neuen Ideenreichtum, immer neue Anregungen entnimmt. Man will ihnen zeigen, wie viel malerischer, wie viel farbenfreudiger und zudem dauerhafter die Trachten dereinst waren, als es noch keine weltbezwingende „Mode gab. Und man will die heutigen hübschen Trachten unserer Landbewohnerinnen bewußt vorbildlich gegenuberstellen unferm leidigen Allerweltskostüm. Wir leben seit Jahrzehnten, seit der immer unheimlicher sich entwickelnden Ausgestaltung des Verkehrs in einer Zeit gefährlicher, individualitätsfeindlicher Gleichmacherei, nicht allein in der Kleidung, sondern auch leider im Charakter, in der Persönlichkeit. Erst ein winziges Häuflein Einsichtsvoller bemüht sich dieser Gefahr nach prüften zu entrinnen. Vilich, alle Zeiten hatten ihre „Moden", in Literatur uni) Kunst, in der Wohnungsausstattung und in den Ver- kebrsformen, und ganz besonders in der Kleidung. Aber alle diese Moden und namentlich wieder die Kleidermoden ^umfaßten einst nicht, wie heute, nahezu die gesamteKulturwelt, sondern nur sehr kleine Bezirke. Ja, wie die Mundarten von Dorf zu Dorf sich heute noch bei uns zu Laiide unterscheiden, sodaß z. B. ein Lehrer in Gießen an der Sprache seiner Schüler erEemit, ob sie aus Wieseck oder aus Heuchelheim stammen, so unterschieden sich einst auch allenthalben die Trachten. Heute dagegen hält nur noch ein kleiner Teil unserer weiblichen Landbevölkerung an der schönen volkstümlichen Gewandung fest im Gegensatz zu der pietätloseren männlichen Bevölkerung, die längst die alte ortsübliche Tracht vertauscht hat mit ter charakterlosen, lässigen und unschönen Tracht des „Kultur"-Städters, ob diese Stadt nun Butzbach heißt und in Oberhessen liegt oder den poesie- vollen Namen Aautepee hat unb am Fuße des lieblichen Popo- katepetl in Mexiko sich auöbreitet. Allmählich ertvacht wieder der Sinn für individuelle Wohnungseinrichtung, historisch und künstlerisch gründlich gebildete Architekten und Kunstgewerbler lassen es sich angelegen sein, für jede besondere Landschaft eine besondere Form von äußerer und innerer Hausausstattung zu komponieren, meist in getreuer Anlehnung an das von altersher Ueberkommene, was unsere Ahnen mit naivem Kunstgeschmack sich selber ersonnen hatten als passend für Heim und Heimat. So wären allenthalben in deutschen Landen veranstaltete Trachtenausstellungen sehr wohl geeignet, nach dem guten Spruche "i^sthalten am Alten mit Fleiß und Treue, daraus aber gestalten kunstfertig das Neue", die Wiederkehr überall verschiedener ländlicher Volkstrachten zu fördern und wertvolles und wohl verwendbares Material zu liefern zu einer gründlichen allgemeinen deutschen Tr ach tenr e f orni. Die blinde Unteriverfung der Welt unter die Modestädte Paris, London und Wien ist heute durch nichts mehr gerechtfertigt. Nun ist es ja leider ausgeschlossen, daß jeder Ort, wie er heute noch seine besondere Mundart besitzt, auch seine eigene Tracht, in Anlehnung an die Volkstracht vergangener Zeiten, sich wieder schafft. Aber die geringste landschaftliche Reindividualifierung dec Tracht wäre schon ein Fortschritt auf dem Zickzackwege des Geschmacks. Man könnte Wirtschaft gewesen, das mit der Errichtung der Landes- kreditanstalt im Jahre 1883 begann; dann folgten Anträge und Referate in reicher Fülle und zuletzt sein bedeutender Antrag über die Landwirtschaftskammer, der in Gestalt eines Kompromisses wrsentUch den Inhalt des neuen Gesetzes über die Landwirtschaftskammer bildet. Unermüdlich sei aber auch die Mitarbeit des Jubilars in den Ausschüssen und auf fast allen anderen Gebieten der Landtagszuständigkeit gewesen, worüber die Akten der Kammer alles nähere enthielten. Dazu komme der liebenswürdige und herzliche Verkehr, in welchem der Jubilar stets mit den Kollegen stand. Der Redner schloß wörtlich: „Hochgeehrter Herr Kollege Haas! Indem ich Sie bat, für diesmal und für kurze Zeit von diesem Präsidentenftuhle herabzusteigen und Ihren Platz wieder einmal als Abgeordneter einzunehmcn, und um Ihnen die Gefühle der Dankbarkeit, der Hochachtung, der Freundschaft und herzlichsten Verehrung zu verdolmetschen, handelte ich 'gewiß im Sinne aller Mitglieder dieses hohen Hauses. Rosen der Liebe und schlichte Blumen der freien Flur, der ja in so hervorragender Weise Ihr Lebenswirken galt, schmücken heute Ihren Platz. Ein Lorbeerkranz, ausgezeichnet mit der Inschrift „25 Jahre Abgeordneter" möge Ihnen eine stete Erinnerung sein, daß in diesem Hause der Satz, daß der Prophet in seinem eigenen Daterlande nichts gelte, in das Gegenteil gewandelt wurde. Hochgeehrter Herr Kollege! Mögen Ihnen, nach so ganz erfolgreichem Wirken, noch viele, viele Jahre goldigsten Abendsonnenscheins beschieden sein. Ihnen, all Ihren Lieben und Freunden und unserem gesamten Volke zu Glück und Wohlergehen! Das sei unser aller Herzenswunsch zu Ihrer Jubiläumsfeier." Staatsminister Ewald: Hochgeehrter Herr Geheimer Regierungsrat! Gestatten Sie, daß auch ich namens der Gr. Regierung Jh-nen herzlichen Glückwunsch zu dem heutigen Tage darbringe. Es hätte wohl kaum der beredten Worte meines Herrn Vorredners bedurft, um hervorzuheben, in welchem Maße Sie sich um unser engeres Vaterland verdient gemacht haben, denn das sprechende Zeugnis dafür, daß das allgemeine Anerkennung gefunden hat, ist ja die Tatsache, daß Sie seit 25 Jahren das Vertrauen Ihrer Wähler an diese Stelle berufen worden sind, und es gewinnt dieses Zeugnis umsomehr an Bedeutung, als das in einer Zeit geschah, in der die Aufgaben, die den gesetzgebenden Körperschaften in Deutschland gestellt gewesen sind, auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens, der Sozialpolitik, der Rechtsentwicklung wohl mit die bedeutendsten sind, die in den letzten Zeitabschnitten solchen Körperschaften gestellt waren. Ich darf die Hoffnung aus- sprechen, wie es schon der Herr Vorredner getan hat, daß wir auch in Zukunft Sic immer wieder an diese Stelle zurückkommen sehen, mag es nun sein im Wege des indirekten oder, wieich immer noch hoffen darf, des direktenWaylrechts. (Bravo! Heiterkeit.) Wir hoffen ferner, und deshalb lege ich ganz besonderen Wert darauf, daß es auch der Regierung heute verstattet ist, ihre Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, daß Sie dann auch wieder das Vertrauen finden, das sich in diesem Hause auf Ihre Person konzentriet hat; daß die Herren Abgeordneten auch Sie dann wieder zum Leiter ihrer Geschäfte erwählen werden. Und so möchte ich mit dem Wunsche schließen, daß wir in kommenden Jahren in gleicher Weise wie seither in dem Einvernehmen uns befinden werden, in dem wir seither mit dem Leiter der Geschäfte dieses Hauses gestanden haben. (Bravo.) Präsident Haas dankte mit herzlichen Worten. Er habe sich in der langen Zeit stets bemüht, für die Interessen des Landes zu arbeiten, und sei unbeirrt seinen geraden Weg gewandelt und bestrebt gewesen, seine Pflicht zu tun. Tas sei nicht ohne Fehler geschehen, aber das Haus habe ihm Indemnität erteilt, und er habe den schönsten Lohn in dem freundlichen Verkehr mit den Mitgliedern dieses Hauses gefunden. Wenn man ihü auch zukünftig wieder auf seinen Posten berufe, werde er bemüht sein, auch weiterhin seine Schuldigkeit zu tun und sich die freundliche Gesinnung seiner Kvllegen zu erhalten. (Beifall.) Vizepräsident Köhler erklärt darauf, daß nach der Feier wohl keine Neigung zu geschäftlichen Beratungen bestehe und beraumt die nächste Sitzung auf Dienstag vormittag 10 Uhr an. ^parlamentarisches ans liessen. R B. D a r m st a d t, 8. Juni. Die 1. Kammer der Stände wird, da eine Anzahl Gesetzesvorlagen eiliger Natur, die gegenwärtig von der 2. Kammer fertig gestellt werden, noch zur Erlangung der Gesetzeskraft der Zustimmung des anderen Hauses bedürfen — wir er Ürnern nur an die Vorlagen über Bad Salzhausen und die Wasserversorgung von Bad-Nauheim und den angrenzenden Gemeinden, die Gesetzentwürfe über die Abänderung des Berggesetzes, der Feldbereinigung usw. — gegen Ende des Monats Juni ebenfalls noch zu einer kurzen Tagung zusammenretten. Die 2. Kammer wird mit ihren Beratungen Mitte nächster Woche zu Ende kommen und dann treten in der folgenden Woche die zuständigen Ausschüsse der 1. Kammer zur Vorberatung der von der 2. Kammer erledigten Vorlagen zusammen. In der zweiten Ständekammer hat sich während der heutigen Sitzung eine kleine Revolution im sozialdemokratischen Lager ereignet, die unter den Parlamentariern mit Heiterkeit beobachtet wurde und vielleicht auch für weitere Kreise einiges Interesse haben dürfte. Der sozialdemokratische Vertreter im Wahlprüfungsausschuß, Abg. Berthold, hatte sichi, wie Abg. Bähr heute konstatierte, ausdrücklich der Anschauung des Ausschusses angeschlossen, daß die Wahl des Abg. Ullm an n im Wahlbezirk Vilbel für giltig zu erklären und der sozialdemokratische Wahlprotest der Heinrich Busold u. Gen. zu Friedberg als in sämtlichen Punkten unbe- gründet zurückzuweisen sei. Bei der heutigen Beratung über diese Wahl erhob nun plötzlich Abg. Orb einen energischen Protest gegen die Giltigkeit dieser Wahl und suchte die in dem sozialdemokratischen Protest erhobenen Vorwürfe z.u verteidigen, indem er zugleich dem Wahlprüfungsausschuß Parteilichkeit uno Ungerechtigkeit vorwarf. Bei der Abstimmung trat nun der in unserer hessischen Kammer und wohl auch anderwärts höchst seltene Fall ein, daß die Sozialdemokraten getrennt marschierten. Während die Abgg. Orb und Raab als die beiden einzigen im Hause gegen die Giltigkeit der Wahl votierten, stimmte Abgl Adelung gemeinschaftlich mit allen übrigen Kammer- mitgliedern für die Giltigkeit. Berthold war im Moment der Abstimmung wohl nur „zufällig" nicht zugegen, während die Abgg. Ulrich und Dr. David erst später im Hause erschienen und Dr. Fuldas Abwesenheit entschuldigt war. Die Frage ist nun, wie wird sich die Parteileitung zu dieser zwiespältigen Haltung stellen? Wird nun auch über die Herren Adelung und Berthold ein Hochnotpein liches Scherbengericht abgehalten werden, wie seinerzeit über den widerspenstigen Abg. Cramer wegen seines Gangs zum Großherzog? Es muß doch einigermaßen zu denken geben, daß in einem Moment, in welchem von einem sozialdemokratischen Vertreter die Beschwerden der Parteigenossen jenes Wahlkreises aufs lebhafteste gegen die „verrottete bürgerliche Gesellschaft verteidigt wurden, die Mehrheit der Parteiangehörigen in der Kammer durch Abwesenheit glänzte! Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung der 2. Kammer, die am Dienstag, 12. Jüni, stattfindet, steht u. a. die Fortsetzung der Beratung des Feldbereinigungsgesetzes, ferner das Berggesetz und die Gruppenwasserversorgung Bad-Nauheim. Eine der Kammer zugegangene Vorstellung des Landesverbandes der Bürgermeister bittet, bei der Revision des Stempelsteuergesetzes zu beschließen, daß ein Teil des Stenrpels für Wirtschaftskonzessionen (etwa 1/3) den Gemeindekassen zu fließt. Begründet wird dies damit, daß bei den vielen Wirtschaftsgründungen durch den Polizeischutz usw. den Gemeinden erhöhte Ausgaben erwachsen. Der Wirteverein für Mainz u. Emg. petitioniert um Aufhebung des § 228 des Polizeiftrafgefetzes vom 30. Okt. 1855. Der Paragraph verbietet den Wirten, während des Gottesdienstes Getränke und Speisen an die Ortseinwohner abzugeben.________________________________________________ Vermischtes. * Aerzte und Kr edit. Wie wir im „Aerztl. Centralanz." lesen, hat der Verein der Aerzte des Kreises Wanzleben sich veranlaßt gesehen, „gegen die unbe- scheideneInanfpruchnahmedesvonAerztenge- währten Kredites und Ueberbürdung mit den Lasten der Buchführung und des Rechnungswesens folgende Maßregeln zu ergreifen: 1. Das Honorar für die oft vereinzelten Sprechstunden und Hausbesuche, sowie für Atteste ist sogleich zu entrichten; 2. Auch Nachtbesuche, Konsilien (Beratungen mehrerer Aerzte am Krankenbett), chirurg. und geburtshistiche Leistungen sollen in Zukunft allgemein sofort honoriert werden; 3. Für den Dienst an Sonn- und ersten Feiertagen wird die doppelte Gebühr erhoben; 4. Die Rechnungen werden vierteljährlich zugestellt. Nach Ablauf eines Jahres restierende Beitrage werden — wenn nicht für besondere Verhältnisse andere Zugeständnisse ausdrücklich gemacht sind, dem allgemeinen ärztlichen Rechtsschutz-Verein zur Eintreibung übergeben. Diese Bestimnnmgen werden, so meint das genannte Fachblatt selber, an mancher Steller Aufsehen erregen. Es fügt hinzu: „Wer jedoch von dem maßlosen Mißbrauch, welcher heutzutage mit dem von den Aerzten bewilligten Kredit getrieben wird, nur eine schwache Vorstellung hat, der muß sich wundern, daß man in deutschen Aerztekreisen nicht längst schon zu der Forderung der Barzahlung der englischen und anderer Aerzte übergangen ist. Wie oft muß der Arzt, der ohne Rücksicht auf die eigene Verfassung, Tag und Nacht, bei Sonnenbrand und Ünmetter dienstbereite „Helfer in der Not", die bittere Enttäuschung erleben, daß man für seine Honorarforderung einige Zeit nach Abwendung der Gefahr auch seitens der zur Zahlung sehr wohl Befähigten oft kein Verständnis mehr hat. Aber nicht nur mit Gleichgültigkeit, sogar mit Spott und Hohn wird oft genug der nachträglich erhobene Gebührenanspruch verdienter Aerzte beantwortet! Angesichts solcher Zustände ist es auch den Aerzten nicht mehr zu verdenken, wenn sie mit Rücksicht auf das oft traurige Los ihrer Hinterbliebenen von dem ihnen geübten besonderen Entgegenkommen mehr und mehr fallen lassen." * Kl ei ne Tageschronik In Berlin wurde der Schlosser Hermann Laurich verhallet, der als Kassierer des Metallarbeiter-Verbandes in Sonderburg mit eingezogenen Geldern durchgebrannt war. — Aus Beringung des Landgerichts Güstrow wurde die Untersuchung gegen die Fürstin Wrede wegen Silberdiebstähle eingestellt, da die Fürstin als geistig erkrankt betrachtet wird. — Bei der Revision der Güterkaffe in Wernshausen (Thür.) ergab sich ein großer Fehlbetrag. Der Kassenbeamte stellte sich selbst dec Staats- anwaltschast. — Der letzte Zeuge der Schlacht von Waterloo, eine Frau Therese Dupuis, die am 6. Juni ihren 115. Gebnrtstag feierte, ist am 8. d. M. g e st 0 r b e n. Sie wurde in Chalelle les Herlaimont, in der Nähe von Charleroi geboren. Sie war 13 Jahre alt, als die Schlacht von Waterloo stattiand, und half damals Verletzte pflegen. — In Budapest wurde Rennstallbesitzer Zomvori von 150 Beamten eines Bankinstitutes zunr Duell gefordert, weil er anläßlich eines Streitfalles einem Beamten des Instituts „ritterliche Genugtuung" mit der Motivierung verweigerte, em Bankbeamter stehe gesellschaftlich unter ihin. Zur Frage der konfessionellen Studentenverbindungen hat der Deutsche F r e i st u d e n 1 e n t a g mit folgender Resolution Stellung genommen: „Der deutsche Freistudententag zu Weimar erblickt in dem Versuch des Verbandes deutscher Hochschulen, den Einfluß des- U l t r a m 0 ii t a n i s m u s isoliert auf dem Gebiete des akademischen Lebens zii bekämpfen, nichts als eine Verschärfung des fonf. Dualismus im Deutschen Reiche, die bei der schwierigen allgemeinen Weltlage zum mindesten als ll n e r iv ü n s ch t zu bezeichnen ist. Infolgedessen legt der 6. Deutsche Freistudentenlag allen in der Deutschen Freien Studenteilschaft vertretenen Organisationen nahe, sich den so gekennzeichneten Bestrebungen des Verbandes Deutscher Hochschulen gegenüber durchaus ablehnend zu verhalten, und hält zumal die Beteiligltng an beit Sonderverbänden mit Ausschluß der katholischen Studeiitenverbindiingen für schlechterdings uiivereinbar mit den Grundforderungen dec sinkenschastlichen Beivegung, die es ja von jeher für ihre schönste Aufgabe betrachtet hat, auf der Grundlage der Toleranz eine Einigung der gesamten deutschen S t u d e ii t e n s ch a f t herbeizusühreu. Auf das entschiedenste verwahrt sich die Deutsche Freie Studentenschaft gegen den Vorwiirf, als ob sie die konfessionellen Korporationen für berechtigt anerkenne. Nicht an§ diesem Grunde lehnt sie eine Beteiligung an dem Verband deutscher Hochschulen ab. Sie hält vielmehr an ihrer vor einem Jahre schon ausgesprochenen Ansicht fest, daß die fonf. Korporationen a l s bedauerliche Auswüchse zu betrachten sind, die dem Wesen der akademischen Freiheit widersprechen. Sie ist aber nach wie vor der Ueber- zeugung, daß ihre Bekämpfung in der bisher geführten äußerlich gewaltsamen Weise zum erstrebten Erfolge nicht führt, sondern mit durch Verkündigung eines positiven Gedankens jenes rückständige Prinzip überwunden werden kann. Andere Bestrebungen des Verbandes deutscher Hochschulen, die anf Abschaff ung offenbaret Mißstände im studentischen Leben, wie z. B. der Verrüfe, gerichtet sind, können der ungeteilten Sympathie und der freudigen 9)iit- arbeit der Freien Studentenschaft sicher sein." für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigt:Diarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrh. <4^15<4^A in der Entwicklung oder beim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich mattfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungsmittel mit großem Erfolg Dr. Hommel'S Haematogen. Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, daS Gesamt-Rervenshsteur gestärkt. Man verlange jedoch ausdrücklich das echte „Dr. Hommel'S" Haematogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen aufreden. dem Hauptorte Großen-Linden. Butzbach gehörte nicht mehr dazu. So ist denn der absonderliche Titel nicht sehr viel versprechend. Dem Verfasser aber ist doch seine Arbeit, als Gelegcn- cheitsstück betrachtet, ganz vortrefflich gelungen. Es ist ein echtes und rechtes Volks-Schauspiel, aus dem Volke für das Volk. Um zu zeigen, daß der hessischen Bevölkerung die rechte Heimatsliebe und die rechte Liebe zunr großen deutschen Vaterlande wie heute so einst zu eigen, glaubte er sein Stück auf historischem Grunde aufbauen zu müssen. Zu diesem Zwecke konnte er keine frei zu komponierende Episode aus dem uralten „Botisphaden" des 8. Jahrhunderts, die ja auch der größeren Menge weniger behagt hätte, auch keine solche aus der Blütezeit Butzbachs in der ersten Hälfte de§ 17. Jahrhunderts brauchen, als noch, wovon uns der Gießener Professor Dr. Roschen in seiner verdienstvollen „Wanderung durch die nördliche Wetterau" erzählt, Butzbach die Residenz des Landgrafen Philipp war. Die neuere Zeit lieferte ihm den Stoff, und zwar das bemerkenswerteste Ereignis aus Butzbachs Vergangenheit während der letzten 100 Jahre: Blüchers kurzer Aufenthalt in Butzbach wenige Wochen vor seinem welthistorischen Rheinübergange am Neujahrstage 1814. Der erste Akt („Teil" sagt Storch, wohl wegen deren gar zu verschiedenen Länge) spielt in PohlgönS, in der Wirtschaft von Andrees. Er beginnt mit einer kurzen drastischen, in seine frischen Realismus sogleich den Leser feffelnden Ehestandsszene. Natürlich behält die Frau Wirtin, das Kathrinche, das letzte Wort. Gleich hier sei festgestellt, daß dem Verfasser gerade diese ganz frei erfundenen intimen Volksszenen aufs beste gelungen sind. Sie zeugen von respektablem Talent in der kräftigen, urwüchsigen Gestaltung von Volkstypen und lassen annehmen, daß seiner keck zugreifenden realistischen Kunst auch wohl ein größeres dichterisches Prosawerk gelingen würde. Die WirtSstubc füllt sich allmählich mit Landleuten, die eifrig politisieren. Jeder von ihnen trägt dabei eine andere Gesinnung und einen anderen Charakter zur Schau, und es verdient anerkannt zu werden, daß die Individualisierung dem Verfasser recht geglückt ist. Dann erscheint auf der Szene ein in ganz Hessen seit hundert Jahren beliebter und verehrter Mann, der junge Butzbacher Rektor Weidig. Friedrich Ludwig Weidig, der beklagenswerte politische Märtyrer, war freilich damals, im November 1813, noch keine 23 Jahre alt, Storch aber legt ihm im Verlauf seines Stückes eine ganze Reihe seiner erst viel später, zumeist Anfang der 30er Jahre des vor. Jahrh. verfaßten Gedichte in den Mund. Doch das wäre nicht weiter schlimm. Leider aber hat der Verfaffer es nicht gewagt, diesen Wackeren aus Eigenem zu gestalten, er operiert vielmehr im wesentlichen mit einer Menge von Zitaten aus Weidigs Schriften, die nicht immer ganz am Platze scheinen, auch schon ihrer gehobenen Tonart wegen. Sie fallen aus dem Milieu, während es doch anzunehmen ist, daß der junge Rektor zu den Landleuten ftisch von der Leber weg ohne besondere Feile der Rede gesprochen haben dürfte. Ein mit der rechten dichterischen Freiheit geschaffener Weidig wäre Storch bei seiner schönen Gestaltungskraft gewiß weit bester gelungen. So ist gerade diese Figur, die er in den Mittelpunkt seiner Handlung rückt, die an: wenigsten lebendige. Andererseits aber ist nicht zu verkennen, — und hier beweist Storch seinen klugen Sinn für das Volkstüinliche — daß die eingestreuten Weidigschen Zitate, die vielen Hesten gar wohl bekannt find, auf das Publikum ihre besondere Wirkung nicht verfehlen werden. — Weidig, der aus Gießen kommt, verkündet die bevorstehende Ankunft Blüchers, und „Hucrah der Blücher, der Sieger vor Leipzig!" schallts durch den Raum. Immer lebendiger wirds im Wirtshause, als nun noch Husaren emrücken. Weidigs Begeisterung für die Abschüttelung des korsischen Cäsarcnjoches teilt sich den Versammelten mit, die dann nach Hause ziehen, um den Ihren die große Neuigkeit zu künden. Die Alten räumen der Jugend das Feld, und wir erleben eine Spinnstubenszene all in ihrer Munterkeit. Einer der Husaren gewinnt sich das Herz eines Hessenmädchens, und ein Bauernbursche läßt sich von seinem Liebchen nicht abhalten, den Bauernkittel mit dem Husarenrock zu vertauschen, um fürs deutsche Vaterland zu kämpfem Der zweite Akt führt uns auf den Butzbacher Marktplatz. Die Bürger sind in Bewegung wegen des Nahens Blüchers. Man erfährt, daß der Bürgermeister in seiner Aufregung einen Unfall gehabt hat und man entschließt sich, daß außer dem ältesten der Gemeinderäte, dem Gerber- meister Rotinger, der Rektor Weidig den Marschall Vorwärts begrüßen soll. Weidig nimmt zögernd den ehrenvollen Auftrag an, und einigen lebhaften und bunten Volksszenen, die uns unsere ganze Pohlgönser Bekanntschaft wieder vorführen, folgt dann die Blücher-Szene, die mit dem Gesänge des Arndtschen „Was blasen die Trompeten" höchst effektvoll schließt. Im letzten Akte sind wir, V/2 Jahr später, wiedev in Pohlgöns. Der Korse ist überwunden, aber blutige Wunden hat der Kampf dem Volke geschlagen. Dortchen, eine unserer lieblichen Freundinnen aus dem ersten Akte, hat ihren Liebsten verloren, Lieschen aber wird mit Fritz, dem Husaren aus Thüringen, getraut. Es vereinen sich die Herzen der deutschen Volksstämme. Mit einer poetischen Rezitation Weidigs und einer Huldigung an diesen schließt daS eindrucksvolle Schauspiel, das mit seiner patriotischen Glut und seiner Verherrlichung der glänzenden deutschen Siege, in seiner kraftvollen und ztigleich schlicht volkstümlichen Tonart, die Storch aufs beste zu treffen wußte, ganz dazu angetan ist, den begeisterten Beifall einer großen Volksmenge zu finden und nach den Butzbacher Festtagen auch in anderen hessischen Städten aufgeführt zu werden verdient. P. W. fiqt '°ch- )°r «„W *n ft btt ),e «jene«ft ""d ttnwÄK SnttäZ b* «berung «> ’fe’bttiStj.a« ?5*iä *??5 pDir das oft Z ?u °er- * »m D°r°s ft Mfen.-fOnbt,ai ** A° u^de ^^nberbuto L®r beä All? 3W. $ ?'* ehtflf tz J L lte sich kM?M grober e am K cy, , ~ ° t e r • ^■•Ss ^cntcnbcrbinbun^T- ng m,t folgenber SRe?o- Weimar erblickt in dem Sfr» bsn 6"flub der möebiefe des akademischen -'ne Derschärsling des konf. torjrfmnenqen allgemeinen i»nicht ju bezeichnen ift iltubcntentaq allen in der >e»en Crqaniiationen nahe, n des Verbandes Sentjaiec «>d zu verhalten, und hält frbänden mit Ausschluß der schlechterdings unvereinbar ältlichen Bewegung, die es trachtet hat, aus der Grund- ;ung der gesamten beizniühren. Ans das ent- Freie Lludentenschast gegen m Korporationen Nir bered)« de lehnt sie eine Beteiligung ab. Sie hält vielmehr an ebenen Ansicht sest, da» die auerliche Auswüchse akademischen Freier nach wie vor der lieber- bi^er geführten sicherlich ifge nicht führt, fonbem in Gedankens jenes nick- an. Andere Bestrebungen awMchaüung chienbarrr B. der Änm'e, gerichtet ie und der freudigen Atit> c sein?___ _ nesende. Verhütet rhFaljz Darmkatarrh^ itwicklunq oder- beim Lewen [.«„Sa tzjnder, sowie blut \ überarbeitete, leicht erreg- aebrancben als Kräftignngs- el'S.haematogcu- »inen und körperliche« ,„6 SBäSS titmnt M n j(imm ® “mit » *T lerniinei {xmP|cn. ins aus den 9 des in Bewegung abt böt un„l. bfin ©erber* Geme'nderau. o $ ärt§ di, **s. * aernb den _ ,|o;.enen, b,e 'anntsch°l Assange de- ■'b,e X- effcto irowpetk" 9 , hl., fieber 11247 1. Etage, 5 Zimmer, d. Nenzen entsprechend bis 1. Juli zu vermieten. _ 2177 Näheres Steinstraße 42 III, 5-Zimmerwohnung, 1. St. mit all. Zubehör u. Kochgas p. 1. Juli zu verm. 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