132 Zweites Blatt 156. Jahrgang scheint a-Nch mit Ausnahme des Sonntag«. PP * V Die ..Gietzener Lamillrnblätter" werden dem SM| CH ET -Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der U A U» g E & S O fi U 3 V\ K •WfdN candwlr-' erscheint monatlich einmal. ▼ W B V ■ V V ▼ B ▼ V WÄ V Freitag 8. Juni 1906 Rotationsdruck und Verlag ba Vrühllch« UnwerfflätSdruckeret. 9L Lange, Diehea. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Gchulstr.?. Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzetger Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bekanntmachung. Betr.: Die Unterhaltung der Kreisstraßen. Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten wird die Kreisstraßenstrecke unter der Pfordt in Wieseck vom 11. bis 13. d. Mts. gesperrt. Gießen, den 6. Juni 1906. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wörner. ,_____________ __ Kaiser Wilhe.rn in Alsterreich. Wien, 7. Juni. Heute mittag traf Kaiser Wilhelm beim Grafen Hans o. Wilczek auf dessen ganz mittelalterlich eingerichteten Schlöffe Kreuzeustein ein. Als der Kaiser ben Bannbereich der Burg betrat, wurde auf dent großen Hofe die deutsche Kaiser- standarte gehißt; ein Hornqnartett intonierte „Heil Dir im Siegerkranz", zugleich begannen alle Glocken zu läuten. Im Schloßhofe bildeten auf der einen Seite die Arbeiter des Grafen Spalier, auf der anderen Seite standen die Burgnachbarn des Grafen. Nach Vorstellung der anwesenden Herren erfolgte ein Rundgang durch das Schloß. Er begann mit der Besichtigung der Kapelle, dann ging man zum Besuch der Küche, welche einen Einblick in die Lebensgewohnheiten des mittelalterlichen Haushalts gewährt, in die Weinkammer und in die Herrenkammer. Dort wurde das Dejeuner genommen. Nach der Tafel ronrbe der Rundgang fortgesetzt durch die Jagdkammer, die Schlafzimmer, Bilderzimmer, Kupferstich-, Bibliothekar- und Archivzimmer, Orgelchor, Waffenkammer und Rüstkammer. Beim Betreten des Burghofes fiel dem Kaiser der mächtige Wehrturm auf. Im Schloßhofe sah der Kaiser eine alte Steinschleuder und einen Reiterschlitten, die Holzgalcrien des Turmes und eine merkwürdige Sonnenuhr. Er besichtigte bann emgehenb bic Waffenkammer, beren alte Waffen sein lebhaftes Interesse erregten; ferner besichtigte ber Kaiser die Bibliothek, das Archiv, das alte Himmelbett aus dem Jahre 1539 und vieles andere Gerat. Durch die gothischen Fenster blickte der Kaiser in das Donautal und sah die Burgruine Greifenstein und die jenseitigen Ufergelände. Weiter besichtigte der Kaiser in Hen Sälen alte Truhen und kunstvolle Schnitzereien. Dann wieder feffelten ihn die prachtvollen Zeichnungen eines Fest- zuges aus der Zeit Kaiser Maximilians, und des Kaisers Totenmaske und vieles andere interessante. Der Kaiser äußerte sich wiederholt entzückt über das, was er auf dem Schlosse gesehen hatte. Ein Kaisertoast aus Kreuzenstein. Beim Dejeuner brachte Graf Wilczek einen Toast auf den edlen, ritterlichen Kaiser und ausgezeichneten Altertumskenner aus, worauf Kaiser Wilhelm erwiderte: Mein innigster Wunsch war, hierherzukommen und das bewunderungswürdige Werk in Augenschein zu nehmen, von dem mir schon lange berufene Kunstfreunde und Kunstverständige berichtet haben. Ich habe als junger Mensch die hohe Freude gehabt, Ihre werte Bekanntschaft zu machen, und zwar unter Aufsicht meiner unvergeßlichen, hochseligen Frau Großmutter, die viel und gern von Ihren ausgezeichneten Eigenschaften erzählt hat. ES war mir gegönnt, als junger Mensch zu einem ernsten, tatkräftigen und strebsamen Manne aufzublicken. Wir haben beide oft im Gespräch unsere Ansichten über Kunst und Geschichte getauscht. Unsere Anschauungen haben sich stets gedeckt. Wir wollen gern dem jetzigen Geschlecht vorführen, wie in alter Zeit die schwert gewohnten Ahnen ihre Tugend und treue Pflichterfüllung, ihre ritterlicheVerehrung der Frauenwelt bewiesen haben, wenn auch unsere Anschauungen noch so sehr angegriffen werden. Immerhin haben Sie Ihre Aufgabe da- mit erfüllt, daß Sie die DiSkufsion erwecken, und das ist auch schon etwas. Sie haben hier ein Kulturwerk vollbracht. Mochte es die Kritik ober Bewunderung Hervorrufen, Stellung mußte dazu genommen werden, und wenn man Stellung nimmt und diskutiert, so ergibt sich daraus die geistige Arbeit für die hohen Ideale der Geschichte. Nach diesen Idealen haben die Vorfahren dieses Werk ausgeführt. Wir Wiedererbauer wollen dieses Werk in diesem Sinne fortsetzen. Ich erhebe mein Glas: Dem edlen Burgherrn und den anwesenden Geschlechtern! Abreise. Kaiser Wilhelm ist um V26 Uhr von Kreuzenstein nach Schönbrunn zurückgekehrt, wo ein ©al ab in er zu 100 ©checken slattfand. Toaste würben nicht ausgebracht. Infolge des regnerischen Wetters wurde die Serenade des Wiener MännergesangvereinS im Freien abgesagt. Der Männergesangverein brachte in der kleinen Galerie einige Lieder zum Vortrage. Um J/21 0 Uhr reifte Kaiser Wilhelm vom Penzinger Bahnhofe ab. Die Absendung der Depesche an den König von Italien erfolgte auf Anregung Kaiser Wilhelms. Diese Dreibunds-Depesche hat allenthalben mit ber Kraft der Ueberraschung gewirkt, boch lauten die Bemerkungen ber Berliner Presse zurückhaltender, um nicht zu sagen kühler, als insbesondere in Wien. Nach den Wiener Aeußerungen hätte jetzt der Dreibund ganz seinen alten Glanz und seine Festigkeit wiedererlangt, wäre jeder Zweifel und jedes Mißverständnis beseitigt. Das ist wohl eine etwas überschwängliche Auffassung, wie denn in Wien von jeher in Superlativen deS Entzückens und des Tadels geschwelgt wird. Kundgebungen von Herrschern sind zweiffellos von großer politischer Bedeutung, sie erhellen wie ein Scheinwerfer weite Gebiete, es werden Bestrebungen und Ziele der Politik scharf und klar ersichtlich, auch an das Ausland sind solche Kiindgebiingen in gewissem Sinne mitgerichtet — aber daß Kundgebungen, Trinksprüche, Depeschen, Handschreiben von noch so mächtiger Stelle nicht Wirkungen von Dauer auf den Gang der Politik auSüben, darüber dürfte keine Täuschung walten. Die Welt hat Kundgebungen genug gehört und gesehen, um sie auf ihren politischen Wert einschätzen zu können. Das Telegramm bildet die Ergänzung zu der Goluchowski- Depesche des Kaisers mit dem Dank für die Unterstützung Deutschlands durch Oesterreich-Ungarn in Algeciras. In Italien waren darüber Verstmimungen entstanden, die sich steigerten durch die' vielfach gehegte 'Vermutung, die Kaiser- reise nach Wien bezwecke im Gegensatz zu der schwankenden Haltung Italiens die Festigkeit der Beziehung zivischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn darziitun. Wäre nun die Begegnung ohne eine Erwähnung des verbündeten Italien verlaufen, so hätten diese Vermutungen Nahrung erhalten. Es war also einerseits ein 9lft ber StaatSkunst, andrerseits ber Höflichkeit, daß bic bciben 23erbünbetcn beS britten Ver- bünbeteu gebuchten. König Viktor Emanuel wird in der Depesche das Prädikat eines „treuen" Verbündeten gewidmet. Das Prädikat konnte natürlich nicht fortbleiben, ohne daß bic Lücke sofort unb allgemein empfunben worden wäre. Ter König mag bic Treue beS Bündnisses sehr ernst nehmen; wie die ital. Staatsmänner lange vor dein Marrokko - Fall die Werbung um Frankreichs Liebe in Szene gesetzt haben, weiß bic Welt. Davon ist nichts abzustreiten, das gehört der Geschichte an. Die Antwort des Königs ist gew-iß herzlich, obschon auch mit Erwägung der Tragweite jedes Wortes abgefaßt — z. B. die Bezeichnung „liebenswürdig" rückt die Schönbrunner Depesche elegant aus dem Gebiet der hohen Poli tik in das Gebiet freundschaftlicher Aufmerksamleiten — aber es ist nicht zu vergessen, daß die franz. Republik sich schon kaum minder herzlicher Aeußernngen des italienischen Herrschers erfreut hat. Alles in allem: es bleibt abzuwarten, ob die italienische Politik ihren bisher so entschieden nad} Frankreich gerechteten Kurs ändert. Die „Voss. Ztg." schreibt: „Ter Auffassung, als sei durch diesen Depeschenwechsel der gesicherte Fortbestand des Dreibundes vor aller Welt handgreiflich bewiesen, vermögen wir uns einstweilen nicht Vorbehalt- los anzuschließen". Aehnlich skeptisch sprechen sich noch andere Blätter ans, so die „Tägl. Rundsch." und die agrar. „Tagesztg.". Der „Popolo Romano" schreibt: Jede auch intime Kundgebung zwischen den Herrschern der Dreibundstaaten wird in Italien herzlich begrüßt als Beweis für die Loyalität der Vorsätze und der Gefühle, welche die drei verbündeten Länder verbinden. „Vita" erklärt, das Telegramm der beiden Kaiser mache aller Pressepvlemik über die Kaiserreise ein Ende und sei ein Beweis, daß diese nichts Unerfreuliches gegenüber dem abwesenden Verbündeten habe. Die Pariser Blätter begnügen sich mit der Wiedergabe der telegraphischen Nachrichicn über die Reise, ohne irgendwelchen Kommentar daran zu knüpfen. Rur das „Journal" leitartikelt über die Monarchenbegegnung, indem es u. a. meint, daß dieselbe als Gegengewichtder englisch- russischen Annäherung aufzufassen sei und die Festigkeit des Dreibundes beweisen sötte. Tie Entrevue solle zeigen, daß die unliebsamen Zwischenfälle im Innern des Drechundes während der letzten Zeit wieder ausgeglichen wurden. — Nach einer Pariser Meldung der „Deutschen Tagesztg." wird es im Lause dieses Sommers zu einer grofjen Manifestation zwischen den Flotten des Dreibundes kommen. In einem deutschen Kriegs Hafen soll nämlich eine Flottenschau statt- finden, zu welcher die österreichische und die ital. Kriegsmari ne gleichfalls eine Anzahl von Schissen entsenden werden. Der Londoner „Standard" betont, der Dreibund habe keine Feinde in Europa, er sei eine ständige Bürgschaft ür den Frieden auf dem Festlande. Keine Macht wünsche »essen Auflösung. Die „Taily News" befürwortet eine Zu - ammenkunst des Kaisers mit König Eduard zur Herstellung besserer Beziehungen zu Deutschland, die durch ben Besuch der Bürgermeister angebahnt und durch ben Besuch der Journalisten gefördert werde. Aus AomvenatteriLat von Madrid. Madrid, 6. Juni. Der etwa 70jährige republikanische Führer Nakens, Herausgeber des Blattes „El Motin", ist verhaftet worden. Der Attentäter Morral hatte nach dem Attentat bei Nakens, nach dessen eigenem Geständnis, Zuflucht gesucht; derselbe hat ihm jedoch zwar selbst die Hilfe verweigert, dafür aber Morral an den Anarchisten Daza in der Vorstadt Gundalera verwiesen, der ihm zur weiteren Flucht beistand. Vor dem Untersuchungsrichter sagte Daza aus, der mit ihm befreundete Straßenbahninspektor Harra habe ihn am vorigen Donnerstag in der Nacht gebeten, er möge einen aus dem Gefängnis entwichenen italienischen Journalisten beherbergen, den fein Unstern gerade am Tage des Attentats nach Madrid geführt habe. Er, Daza, habe dies abgelehnt. Harra, der daraus festgenommen wurde, sagte aus, als er am Donnerstag nach dem Vorort Cuatro Caminos gekommen sei, habe man ihm gesagt, daß ihn in einer Wirtschaft Nakens und andere erwarteten. Tie Kleider Morrals, die man Harra zeigte, erkannte dieser sofort als den Anzug des einen der Begleiter Nakens' wieder. Wie die „Correspondencia de Espana" mitteilt, flüchtete Morral sofort nach Verübung des Bombenanschlags in die Geschäftsräume des Blattes „El Motin", rasierte sich dort den Schnurrbart ab und verbrachte daraus die Nacht in einer Herberge im Weichbilde der Hauptstadt, wo ihn Nakens mit einem anderen Anzuge versah. In einem Schreiben an die „Eorrespondeneia de Esp." schildert Nakens den Vorgang, wie Morral bet ihm Hilfe suchte, in folgender Weise. Er, Nakens, befand sich am 31. Mai nachm. in den Geschäftsräumen seines Blattes, als ein junger Mann ein trat und fragte,'ob er Ratens sei. Aus seine bejahende Antwort habe der Besucher ihm das Ehrenwort abgeiwmmen, daß er über das, was er ihm jetzt sagen werde, kein Wort verlauten lasse. Er entarte sodann, daß er soeben eine Bombe gegen den König in der Lalle Major geworfen habe. Nakens hieß ihn mit ihm kommen und sie fuhren mit ber Straßenbahn nach dem V o r o r t C u a t r o L a m i n o s. Als sie an einer Wirtschaft vorbeikamen, wurde Nakens von einigen politischen Freunden erkannt, die ihn einludcn, ein Glas Bier mit ihnen zu trinke n. Später fuhren ^Lakens unb Morral mit der Eisenbahn nach Eiudad Lmeol, wo sie spät abends an kamen und mit der Straßenbahn nach dem Vorort Ventas fuhren. Dort traf 'Nakens einen Freund. Dieser erklärte sich bereit, Morral in der Nacht in seiner Wohnung zu beherbergen. 9takens trennte sich von ben beiden unb erfuhr am nächsten Tage, baß Morral gegen 10 Uhr vormittags seinen Freund verlassen habe. Ratens erklärte schließlich, daß er alle Verantwortung für feine Handlungsweise übernehme. Er habe den um Beistand bittenden Anarchisten nicht einmal nach seinem Namen gefragt. Der König hat gestern ein Dekret unterzeichnet, wodurch zahlreiche politische und militärische Verurteilte begnabigt werden.' Ministerpräsident Morel bot darauf dem König die Demission des Kabinetts an. Morel wurde jedoch vom Könige enbgittig im Amt bestätigt und wird das Sfabinett neu bilden. Infolge Trauer wegen des Todes seiner Gattin gedenkt der Herzog von Almodovar seine Demission als Minister des Auswärtigen zu geben. Deutsches Reich. Hamburg, 7. Juni. Die KaiserstotlUe geht am 14. Juni nach ber Elve ab. Ter Kaiser trifft am 16. Juni hier ein, um Taufpate bei dem jüngsten Sohne seines früheren Flügeladjutanten, des jetzigen Direktors der Hamdurg-Amerika- linic, v. Gramme, zu sein. Berlin, 7. Ium. Ter .Vorwärts* teilt heute mit, daß der Betrag von 200 Mark, welchen ein Kriminalbeamter einem sozialistischen Vertrauensmann autzqehändigt hatte, der Parteikasse übermittelt worden ist, nachdem die politische Polizei, der die Summe zur Perfügung gestellt morden war, diese nicht in Empfang genommen hat. — Eine neue sozialdemokratische Frauenorganisation ist unter dem Namen „Freie Vereinigung erwerbstätiger Frauen und Mädchen* begründet worden. Sie ist hervorgegangen aus dem gewerkschaftlichen Frauenverein in Berlin, der vornehmlich Auswärlerinnen, Dienst- boten und Handarbeiterinnen umfaßt. Das Programm dieser Frauenorgantfation ist identisch mit dem Programm der fozialdcmokrattfchen, radikalen Gewerkschaften. Der gewerkschaftliche Frauenverein war auch dem Kattell ber lokalistischen Gewerkschaften angeschloffen. Ausland. London, 7. Juni. Im Unterhause kenkte Lee (kons.) die Aufmerksamkeit auf die amerikanischen Fleisch, versorg ungs in iß stände und ersuchte den Kriegsminister Haldane, sehr Wett darauf zu geben, daß, ehe man nicht wieder Vertrauen zum amerikanischen Büchsenfleisch gewonnen habe, er nicht zulassen wolle, daß solches für die regulären ober freiwilligen Truppen gekauft werde. Haldane erinnerte bas Haus daran, daß in früherer Zeit auch Klagen über bas in England beschaffte Büchsenfleisch vorgebracht worden seien. Wien, 7. Juni. Die Programmrede des Ministerpräsidenten Baron Beck im ReichSrat fiel durch ihre scharfe, ja drohende Sprache gegen Ungarn auf. Beck erklärte, die österreichische Regierung halte daran fest, daß die Vorlage des Ausgleichs auch in Ungarn als gemeinsame, nicht selbständige Abmachung Rechtskraft erlangen müsse. Die Regierung werde noch einen Versuch mit Verhandlungen machen, bann aber werde Oesterreich sein Haus selbst bestellen müssen. Dazu erbitte er bic Unterstützung bes Reichs- rates auch biirch Ausstattung mit neuen Machtmitteln, so durch die beschleunigte Erledigung der Vorlage über die Ver- staatlichilng der Nordbahn. Nach der Rede wurden Zettel in den Sitzungssaal geworfen, in denen die Bergarbeiter eine Verbesserung ihrer Lage fordern. Ein Antrag Placzek, die Debatte über die Regierungserklärung zu eröffnen, wurde mit 180 gegen 91 Stimmen abgelehnt, auch ein Antrag, die Debatte in der nächsten Sitzung zu eröffnen. Die Abstimmung wird als ein günstiges Zeichen angesehen.___________________ Aas KerkoMer-ZLennen. rv. Rosenheim, 7. Juni. Als heute früh bie Teilnehmer an der Herkomer-Konkurrenz bie Stabt passiert hatten, üb er fuhr ein Ordnungswagen in der Ortschaft Waldering ein Bauernfuhrwerk. Der Bauer wurde vom Wagen geschleudert, ein Fu ß wurde ihm abgefahren. Bei Freylassing ist der Waget: Nr. 40, Kröll-Eltville, der von der Konkurrenz ausgeschlossen wurde, (well Kröll vor kurzem ein Kind totgefahren hat, was ihn 5 Monate Gefängnis kostete) und die Fahrt privatim mitmachte, unterwegs gegen einen Baum gefahren, wobei der Jrtsasse herausgeschleudert wurde unb schwere Wunden an Kops und Brust erlitt. Linz, 7. Juni. Als erster Wagen traf heute vormittag nm 10 Uhr 39 Minuten bei günstigem Wetter Wagen Nr. 1, Friedrich Dreher, ein. Als zweiter Willy Posge um 10 Uhr 41 Minuten. Als dritter Hermann Weigand um 10 Uhr 44 Minuten, als vierter E. C. Machis um 11 Uhr 21 Minuten. Dreher fuhr auf ber Strecke München-Linz den Kilometer in durchschnittlich 48,7 Sekunden. — PrinzHeinrich traf als vierzehnter um 1 Uhr 5 Minuten 52 Sekunden hier ein und wurde vom Prinzen zu Solms begrüßt, Abends 7 Uhr waren nur 4 Wagen ausständig. Die meisten Wagen fuhren bei strömendem Regen ein. Ans Stadt uns Land. Gießen, den 8. Juni. - Personalien. Peter Klinkerfuß zu Bad Nauheim wurde zum Parkauffeher bei der Badeanstalt Bad Nauheim ernannt. ** Erledigt ist die mit einem evangel. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Meiches. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden. * S ch w u r g e r i ch t. Bei der am nächsten Montag beginnenden Schwurgerichtsperiode werden folgende Fälle zur Murteilung gelangen: 1. Montag. 11. Juni, vormittags 91/2 Uhr: Kurl Flecken st ein aus Weibersbrunn und Alois Strott aus -Offenbach, wegen Meuterei. Ankläger: Oberstaatsanwalt Theobald: ' Verteidiger: Rechtsanwälte Römheld und Dr. Rosenberg. 2. Dienstag, 12. Juni, vorm. 9 Uhr: Heinrich Möller und dessen Ehefrau von Schlitz wegen Brandstiftung. Ankläger: Gcrichtsassessor Dr. Hetzel: Verteidiger: Rechtsanwalt Mendelsohu. 3. Mittwoch, 13. Juni, vormittags 9 Uhr: Otto Kutscher von Herzberg, wegen Raubs. Ankläger: Staatsanwalt Reuß: Verteid.: Rechtsanwalt Peters. 4. Donnerstag. 14. Juni, vormittags 9 Uhr (auch Freitag und Samstag vorgesehen!: Heinrich Carls in Gießen, wegen Brandstiftungsversuchs. Ankläger: Staatsanwalt HooZ; Verteidiger: Rechtsanwalt Dr. Jung. 5. Montag, 18. Juni, vormittags 9 Uhr: Hermann Franken aus Köln, wegen Meineids. Ankläger: Gerichtsassessor Dr. Hetzel; Verteidiger: Rechts anwalt Dr. Jung. — Die Burschenschaft Frankonia ist auf der Eisenacher Tagung der deutschen Burschenschaften der allgemeinen deutschen Burschenschaft beiaetreten, so daß dieser Verband jetzt in Gießen durch drei Burschenschaften vertreten ist (Allemannia, Germania, Frankonia). ** Der landwirtschaftliche Lokalverein Gießen hielt gestern, am 7. d. M., ausnahmsweise eine Sommersitzung ab. um unter Führung des Professors Gisevius die Versuchsfelder im Neustädterfelde zu besichtigen und dann zum Schluß auf Tertors Terrasse die Tagesordnung zu erledigen. Es hatte sich am Sammelplatz an der Lahnbrücke eine große Anzahl von Mitgliedern des Vereins eingefunden und dazu eine größere Anzahl von Gästen: Hörer am landwirtschaftlichen Institut der Universität und Volksschullehrer aus dem Kreise Gießen, die ihre Ausbildung für die Fortbildungsschule an jenem Institut erhalten. — Professor Gisevius zeigte die Versuchsparzellen von je einem halben Morgen vor, die sorgfältig getrennt von einander mit Winter- und Sommersaaten bestellt waren und deren Ernteergebnis zeigen soll, welche derselben die für unseren Boden und klimatischen Verhältnisse sich am geeignetsten erweisen. Da Parallelversuche im ganzen Lande vorgenommen werden, stellen sich etwaige Fehler, die unterlaufen könnten, leicht heraus, abgesehen davon, daß die Versuche wiederholt und die Ergebnisse bestätigen müssen, ehe man ihnen entscheidenden Wert beilegt. Auf dem Hardtbergs, nahe am Hardthofe, sind 138 verschiedene Kartoffelsorten angepftanzt, die später auf 4—600 Sorten gesteigert werden sollen. Wie viel von denen einmal in die engere Wahl kommen, steht dahin. Nach einem Gange über den Hardthof, am Bismarckturm vorbei, erreichten die Teilnehmer an dem Ausflug den Saal der Textorschen Terrasse. Es folgte in der durch Oekonomierat Sch lenke eröffneten Sitzung des Lokalvereins eine Besprechung des Gesehenen, die Professor Gisevius Veranlassung gab zu weiteren Ausführungen. Tann beschäftigte die Versammlung die am 16. Juni d. I. in Kraft tretende Milchverkaufsordnung. Zweifellos wird diese Verordnung zu einer weiterest Preissteigerung der Milch führen müssen. Die Erfüllung all der Anordnungen erhöht die Produktionskosten, welche der Milchproduzent notgedrungen auf den Konsumenten abwälzen muß, um nicht in Schaden zu kommen. — In Zukunft soll nur Milch mit 3 Prvz. Fett als Vollmilch angesehen toerben, Milch mit z. B. 2,9 Pcoz. $ett erhält den Namen Magermilch und kann nur als solche gehandelt werden. Unter Magermilch verstand man bisher Milch mit 1/2—3/l Proz. Fett. Diese Bestimmung der Milchverkaufsordnung wird wohl in den nächsten Jahren wieder verschwinden müssen. — Wiederholt wurde den Herren, insbesondere auch Herrn Bichler, für ihre Bemühungen um das Zustandekommen des lehrreichen und interessanten Ausfluges der Tank ausgesprochen. W. Bad-Nauheim, 7. Juni. Der Einweihungstag unserer neuerbauten evangelischen „Dankeskirche", der 21. Juni, rückt immer näher heran und mächtig regen sich alle Hände im Innern der Kirche, um alles seiner Vollendimg entgegenzufi'chren. Fast macht es den Eindruck, als wäre die noch rückständige Arbeit der Schreiner, Bildhauer rc. bis zum genannten Termine nicht mehr zu bewältigen, und trotzdem muß bis dahin alles fertig sein, da doch S. K.H. der Großherzog den Einweihungstag bestimmt und dazu auch sein Erscheinen zugcsagt hat. Die neue Orgel, ein wahres Kunstwerk der Firma Walcker aus Ludwigsburg bei Stuttgart, ist seit 14 Tagen eingetroffen und wird z. Zt. aufgebaut. Auch ist an ihr eine Organola angebracht, die Konzertzwecken dienen soll. Das Gebläse sowie auch das Läuten der neuen Glocken wird auf elektrischem Wege in Betrieb gesetzt. — Das Pferd des Besitzers vom Europäischen Hof wurde gestern Vormittag beim Anspannen scheu und rannte mit dem Hotelwagen direkt gegen das Portal der Dankeskirche, woselbst es auf der Stelle tot blieb. § Helpershain, 7. Juni. Ein entsetzlicher Unfall trug sich gestern hier zu. Zehnjährige Buben hatten sich durch einen älteren Knaben Dynamit Patronen, die zur Sprengung beim Bau der Wasserleitung in dem benachbarten Köddingen verwendet werden, zu verschaffen gewußt und suchten siezur Explosion zu bringen. Auch das gelang, aber dabei wurde einem Jungen die Hand abgerissen, einem anderen das Auge zerstört. fc. Usingen, 7. Juni. Das im vergangenen Jahre hier errichtete Fürst Walrad-Denkmal wurde beschädigt, indem Stücke von dem weißen und blauen Quarzit abgeschlagen wurden. Der Täter, ein Zögling der Präparandenanstalt, ist ermittelt worden. u. Gernsheim, 6. Juni. Die Vorbereitungsarbeiten für den Hess. Feuerwehrtag gehen ihrem Abschluß entgegen. Die Einladungen und Programme sind an die Hess. Bruderwehren versandt worden und es ist zu hoffen, daß der Einladung recht zahlreich entsprochen wird. Die Gäste dürfen auch einer freundlichen Aufnahme in unserem Städtchen sicher sein. Kreisrat Dr. Wallau von Groß-Gerau hat die Ehrenpräsidentschaft für das Fest übernommen. Es wird eine Festschrift erscheinen, die Aufsätze über unsere Vaterstadt und über deren Feuerlöschwesen in Gegenwart und Vergangenheit enthalten wird. Die Festmusik wird von der ganzen Kapelle des Wormser Jnf.-Regts. Nr. 118 gestellt. Gernsheims gesamte Einwohnerschaft unterstützt die Festlichkeit finanziell, durch praktische Arbeit, durch Rat und Tat. ** Wiesbaden, 7. Juni. Gestern Abend zwischen 7 und 8 Uhr ereignete sich jenseits der Platte bei Neuhof ein Auto mobil Unfall, wobei der 25 Jahre alte Rentner Schreiber von hier den Tod fand. Ein Freund des Getöteten, der noch im Automobil saß, wurde nur leicht verletzt; der Chauffeur, der trotz Warnens der anderen zu scharf gefahren und deshalb das Unglück verschuldet haben soll, blieb unverletzt. sFkf. Ztg.) P. A. Hanau, 9. Juni. Vom 14. bis 18. Juli findet, wie bereits mitgeteilt, in Hanau das 2 8. Mittelrhein. Kreisturnfest statt. Nach dem Programm findet eine Vorfeier am Sonntag, den 8. Juli, statt. Die Festordnung für die eigentlichen Festtage ist: Samstag. 14. Juli: Empfang der auswärtigen Turner, nachm. 3 Uhr Sitzung des Kampfgerichts. Mends 8 Uhr: Begrüßungsfeier in der Festhalle. Gesangsvorträge der vereinigten Hanauer Gesangvereine. Turnerische Aufführungen der Hanauer Turnvereine. Konzert und Aufführungen auf dem Festplatze. Sonntag, 15. Juli, morgens 7 Uhr Vcreinswetturnen. Empfang der auswärtigen Turner. Mittags 12 Uhr Aufstellung des Festzuges. Nachm. 12i/2 Uhr Fe st zu g durch die Stadt nach dem Festplatze. Nachm. 3 Uhr allgemeine Freiübungen. Nachm. 5 Uhr Turnen der Altersriegen, Sondervorführungen der Gaue. Turnspiele, Eilbotenlauf. Nachm. 4—7 Uhr Konzert. Abends 8 Uhr Verkündigung der Sieger im Vereinswetturnen. Mends 8—12 Uhr Konzert und turn. Aufführungen der auswärtigen Vereine in der Festhalle. Konzert und Tanz auf dem Festplatz. Montag, 16. Juli: morgens 6 Uhr: Einzelwetturnen (Sechskampf). Vormittags 10—1 Uhr: Konzert. Nachm. 2 Uhr Festtafel in der Festhalle. Nachm. 4 Uhr Wetturnen in volkstümlichen Hebungen, Turnspiele. Nachm. 6 Uhr Kinderturnen der Turngemeinde. Nachm. 4—7 Uhr Konzert auf dem Festplatz. Abends 8 Uhr Verkündigung der Sieger im Sechskampf. Abends 8—12 Uhr Konzert und Gesangsvortrüge der vereinigten Hanauer Gesangvereine in der Festhalle. Konzert und Tanz auf dem Festplatz. Dienstag, 17. Juli, morgens 8 Uhr Wettfechten. Vorm. 10—1 Uhr Konzert auf deni Festplatz. Nachmittags 3 Uhr Ringkampf. Nachm. 4—7 Uhr Konzert auf dem Festplatz. Mends 6 Uhr Verkündigung der Sieger im Dreikampf, Wettfechten und Ringkampf. Abends 8—12 Uhr Konzert und turnerische Aufführungen in der Festhalle. Konzert, turnerische Aufführungen und Tanz auf dem Festplatz. Mittwoch, 18. Juli: Turnfahrten. Nachm. 3 Uhr Volksfest. Abends 10 Uhr Feuerwerk. p. Wetzlar, 7. Juni. Gestern und heute fand die Ziehung der 2. Wetzlarer Dom bau-Lotterie statt. Der Hauptgewinn siel auf Nr. 154 858. — Or. weck. Schäfer zu Laun hat in unserer Stadt ein Nöntgenlabora- torium zu chirurgisch und medizinisch-diagnostischen wie therapeutischen Zwecken errichtet. Vermischtes. * Eine deut sch-französische Wettfahrt. Wie Pariser Blätter berichteten, hat sich die Ueberfahrt der in den französischen Häfen Cherbourg und Havre aus New-Pork eingetroffenen Dampfer „Deutschland" und „La Provence" zu einer tatsächlichen Wettfahrt gestaltet, die an Bord beider Schiffe mit großer Erregung verfolgt wurde und Anlaß zu hohen Wetten gab. Der französische Dampfer hat den deutschen um fünf Stunden überholt. Der Kapitän des Dampfers „Deutschland" erklärte, wenn „Provence", der eine halbe Stunde nach ihm abgefahren sei, früher als die „ Deutschland" in Cherbourg angekommen sei, so liege dies wahrscheinlich daran, daß der Dampfer den Weg über die Sandbänke von Neufundland genommen und so 120 Seemeilen gespart habe. '"Kleine T 0 g e s ck r 0 u i f Der Direktor der Nbeinischeu Stahlwerke iuMeider 1 ch, Müller, verunglückte auf einer Wagen- kahrt infolge Scheuwerdens der Pferde lind wurde in das Dia» konissenhaus in Duisburg gebracht, 100 er mittags gestorben ist. — Den letzten Nachrichten aus T 0 n g k i n g zufolge fordert die P e st zahlreiche Opfer. In der Umgebung von Hanoi sterben allein täglich 40 Personen. In der Provinz Beo-Niuh ist eine C b 0 l e r a-Evidemic ausgebrochen. — Einem Washingtoner Blatte zufolge erklärte einer der größtenKonservensabrikanten Chicagos, Wilson, daß bei der Wu r st f a b r i ka t i 0 n Anilin verwendet worden sei, um dem Fleisch ein gutes Aussehen zu geben. Allch gestand er, daß die Schinken, die für das Ausland bestimmt waren, mit S n I v r t - r b e st r e n t wurden. Rurrst und wr??enschaft. Stuttgart, 7. Juni. Der Tclögiertentag der Deutschen G 0 c tst'cb ü n d c beschäftigte sich herllc zunächst mit den von Otto Ernst-Hamburg vorgelegten Toleranzthesen, welche in der Forderung der vollständigen Trennung von Staat und Kirche gipfeln und den Staatsbürgern, deren Neberzeugungcn von den Kirchenregierungen nicht geduldet werden, den Austritt aus derLandeskirche empfehlen. Ist derDebatte wurden von einer Reihe von Rednern lebhafte Bedenken gegen diese Thesen geäußert und schließlich eine Resolution angenommen, in der sich der Goethebund grundsätzlich für die Trennung von Kirche unb Staat ausspricht, im übrigen aber eine vorhergehende Besprechungin deneinzelnen Verbänden für nötig erklärt. Den Schluß der Tagung bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Diez-Stuttgart über die Volksbildungs- b estreb un gen im Sinne des Goethebundcs. Ueber den künftigen V 01ksschi llerpreis einigte man sich dahin, daß der Preis einem hervorragenden Werke der deutschen dramatischen Produktion znerteill und jeweilig an dem Delegiertentage vergeben werden soll. Als Sitz der Stiftung wurde Bremen bestimmt. - Uvr-versitäts-Nachrrchterr. X Gießen, 8. Juni. Da? gestrige Morgenblatt der „Franks. Ztg." meldete, daß nach Beschlüßen des Coburger und Arüst ä d t e r Psiugstkongresses eine Wiedervereinigung der seit dem Jahre 1897 getrennt gewesenen genannten beiden Verbänden von L a n d s m a n n s ch a f t e u an deutschen Hochschulen stattgewnden habe. Man schreibt uns dazn : „Die erfolgte Einigung ist bereits seit mebreren Jahren erstrebt worden und wurde auch von dem vorjährigen Vertreter der diesigen Landsmannschaft Darmstadtia in Coburg warm befürwortet. Nachdem jedoch damals Meinlingsverschiedeuheiten den Zusanuncn- schluß des Coburger und Ar>iüädter Verbandes hatten scheitern lassen, fand nun in Coburg, nachdem beide Kongresse die Vereinigung beschlosten, der Zusammenschluß statt; der neue Verband, der unter dem Namen Coburger L. C. sortbesteben wird, zählt nun wieder 40 Landsmannschaften auf allen deutschen Hochschulen und ist damit wieder einer der stärkten Verbände geworden. In Coburg, das au deu Geschicken der deutschen Landsmannschaften regen Anteil nimmt, herrscht ob der Einigung großer Jubel und Feststimmung. Weimar, -7. Juni. Die Freie deutsche Studenten- schait wählte Ctzarlotteuburg zum Vorort, Göttingen, zum stellvertretenden Vorort. Die Generalversammlung Alter Herren der Freien deutschen Studentenschaft gründete einen V e r b a n d über ganz Deutschland, mit Bürgermeister Tr. Heinzig (Kahla) als Vorsitzenden. (BcrictytsfaaL d. Mainz, 7. Juni. Der 32 jäbrige Geschäftsführer und frühere H i l f s g e r i ch t s s ch r e i b e r H ch. B e ck ans Worms, zuletzt in Frankfurt wohnhaft, ist an der Strafkammer der Urkund e n v e r n i ch t u n a und der Unterschlagung im Amte angeklagt. Der Befcbuldigte bat 1894 die Gerichtsschreiber- vrüsung gemacht, längere Zeit auf der hiesigen Staatsanwaltschaft und vom Jahre 1899 bis zu seiner Entlassung im Februar 1905 am Amtgericht Osthofen tätig. Im Oktober 1904 kam Staatsanwalt Schneider zur Aushilfe als Amtsrichter nach Ostbo'en. Bald bemerkte er, das; eine große Anzahl von Akten der freien Gerichtsbarkeit fehlten. Er fmib dann nach einigem Suchen im Beratunas- zimmcr des Schöffengerichts 80—90 Akten, die längst bätten erledigt sein müssen. Ter Angeklagte, der nach der Schilderung seiner Vorgesetzten ein durchaus befäbigter Beamter war und nur durch all- zuvielcn Alkoholgeimß in seinen Arbeiten zurückkam, wurde, nach- dciu er öfters in betrunkenem Zustand auf das Bureau kam, entlassen. Nach seiner Entlassnna wurden bei ibm Haussuchungen vorgcnommen und eine Anzahl unerlediater Akten vorgefunden, darunter solche, die er seit 43 Monaten im Besitze batte. Die Akten betrafen Sterbesallsanzeiaen, Vormundfchastssachen, Privatklaaen rc., außerdem wurden Strafakten vorgefunden, bet denen in zwei Fallen der Angeklagte 8 und 10 Mark Strafgelder eingenommen und unterschlagen batte. Ferner wurde festgestellt, daß er das Sparkassenbuch eines minderjährigen Kindes sich angeeignet und die Einlage in Höhe von 114 Mk. erhoben und für sich verwendet hatte. Nach seiner Entlassung d"ckte der Angeklagte dieses Geld wieder. B ck gab heute zum größten Teil seine Verfehlungen zu, er will aber nur durch große Ärbeitsüberlasttmg zu den Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Die Akten will er mit nach Hause genommen haben, um Verfügungen und Protokolle zn erlediaen. Ta er auch richterliche Arbeiten eines Assessors habe aussühren müssen, seien viele seiner Arbeiten unerledigt geblieben. Bezüglich der Akten habe am Amtsgericht Osthofen überhaupt eine furchtbare Verwirrung geherrscht. Das Geld will er verwendet haben, weil er stch in Not bcstmden habe. Ter Staatsanwalt beantragte 3 Jahre Gefängnis, das Gericht erkannte auf zehn Monate, abzüglich 3 Monate Unlersuchnugshaft. Sport. (.) Sport. Entgegen der Behauptung des Einsenders des Fußballartikels in vor. dtummcr teilt uns der Gießener Ballspielllub von 1904 mit, daß eine aus der 2. und 3. zusammengesetzte Mannschaft des Klubs in Gelnhausen weilte und dort mit 4:3 verlor. Sie hätte sogar gewonnen, wenn der Unparteiische nicht 6 Min. länger hätte spielen' lassen, da in dieser Zeit zwei Tore für die Gegner fielen. Mrchttche NachrLchten. Evangelische Gemeinde. Trinitatis, den 10. Juni. (fcoftesbfenfL In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Kraus. Zugleich Christenlehre stir bie Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde. Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas- gemeinde und der Johannesgemeinde genteinsam. Vormittags 91/., Uhr: Oberlehrer Schmoll. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas- gemeinde. Pfarrer Guter. Sonntag Abend 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung .tu Konsirmaudensaale der Johanneskirche. Katholische Gemeinde. Samstag, d e n 9. Juni: Nachmittags um 5 Uhr unb abends um 8 Uhr Gelegenheit zttr heil. Beichte. Sonntag, d e n 10. I u n i: Drcifalttgkeitssonntaq. Vormittags von 6‘Z, Uhr an: Gelegenbeit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilnng der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. „ um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; daraus Andacht mit Segen Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdientt in der Snnaqoge (Sübankage). Samstag, den 9. Juni 1906: Borabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Schrifterklärung. Sabbathcutsgaug 9.30 Uhr. Telefonische KursbeHcMe des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Rank für Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse. 8. Juni. 1.15 Uhr. 3K°'o Reichsanleihe . . 99.56 3% do. . . 87.25 3%% Konsols .... 99.55 3% do. .... 8725 3K% Hessen 99.00 3%6ln Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Gold reute. . 100.65 4l/s % Oesterr. Silberrente 100.75 4% linear. Goldrente . . 96.40 4% Italien. Rente . . . 105.00 3% Portugiesen Serie I . 69.90 3% Portugiesen „ III 70 55 4^% russ.Staatsanl. 1905 90.70 4Xo4 japan. Staatsanleihe 95 70 4 % Conv. Türken von 1903 95.75 Tttrkenlose 147.00 4% Griech. Monopol-Anl. 54.00 4% äussere Argentinier . 91.30 3°/0 Mexikaner .... 70.55 414°/» Chinesen .... 97.55 Aktien: Bochum Guss 257.00 Buderus E. W . ... 132.00 Tendenz: ziemlich fest. Elektriz. Ltihmeyer . . . 153.50 Elektriz. Schuckert . . . 134.75 Eschweiler Bergwerk . 266 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 225.80 Hamburg-Amerik. Paketf. 163 00 Harpener Bergwerk. . . 219 25 Laurahfitte 249.00 Nordd. Lloyd 129.00 Obeischles. Eisen-Industrie 131.60 Berliner Handelsges . . 173.70 Darmstädter Bank . . . 142 00 Deutsche Bank . . . 238 80 Dentsch-Asiat. Bank . . 187.40 Diskonto-Kommandit. . . 185.30 Dresdner Bank . . . 160.40 Kreditaktien 211.40 Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . . . 109.75 Gotthard bahn — Lombard. Eisenbahn . . 31.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.50 Prince-Henri-Eisenbahn . 154.60 Berliner Börse, 8 Juni. Anfangskurse. Oanada E. B 160.70 Darmstädter Bank . . 142.00 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 87.10 Dresdner Bank .... 160.70 Tendenz: still. Harpener Bergwerk. . . —.— Laurahntte —.— Lombarden E. B. ... 31.10 Nordd. Lloyd 129.20 Türkenlose 146.50 daS GeldauSgleichungSverzcichniS für ju viel oder zu wenig erhaltene- den Wagen bestiegen hatte, trat er an das offene Fensters- das Geldausgleichungsverzeichnis für zu! oder zu wenig erya imh fnr»* mit W»r Kr,.: Or. Goerh, SiegierungSasiesior. Vriginal-DrahtinelHrrngen. Berlin, b. ^junt. Gottoeruettr von Pultkammer wird in nicht allzttferner Zeit mit schlichtem Abschied entlassen werden und sich ms Privatleben zurückziehen. Die cingeleitete Untersuchung ist jetzt beendet und hat einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge keine Handhabe geboten, gegen den Gouverneur disziplinarisch oder gerichtlich vorzugehen. tc. Frankfurt a. M., 7. Juni. Seit Donnerstag wird die 26 jährige Frau Kunig. Schmidt, geb. Messinger, aus O b e r r a d mit ihrem 2 jährigen Kinde vermißt. Man vermutet, daß sie sich ein Leid angetan hat. ic. Kitz ingen a. M., 7. Juni Der Maurer Hering aus Sulzfeld, der Vater voll 7 Kindern ist, wurde vom Schnellzug erfaßt und getötet. tc. Mannheim, 7. Juni. Die Wirtschaft von Gustav Schepper, die voll besetzt war, wurde heute nacht der Schauplatz einer Ehetragödie. Schepper geriet mit seiner Frau in Wortwechsel und gab schließlich 5 Schüsse aus einem Revolver auf sie ab, von denen sie drei lebensgefährlich verletzten. Tas Motiv der Tat ist Trunkenheit und Eifersucht. W i e n, 7. Juni. K a i s e r W i l h e l m hat heute 9.35 Uhr vom Penzinger-Bahnhof aus die Rückreise angetreten. Kaiser Wilhelm, der die Uniform seines 17. öster.-ung. Husarenregiments trag, unterhielt sich mit dem Botschafter Grafen von Wedel und dem Militärattachee Major von Buelow 93^ 187.40 185.30 160.40 211-40 ■eS 2. S ' 81 j! ' 120 '.\0 Wien, 8. Juni. Herr von Tschirschky erklärte einem Vertreter der , jr. Pr.8 es sei falsch, daß die Reise Kaiser Wilhelm? eine Spitze gegen England habe. Man sei im Gegenteil in Deutschland froh, daß die östcrr. wie die deutschen Beziehungen zu England zur Zeit so gut sind. Was Italien betreffe, so zeige der Depeschen- wechsel zwischen den Monarchen, wie herzlich das Einvernehmen zwischen den drei Staaten sei. Zu besonderen Abmachungen liege kein Grund vor, zumal das Bündnis für neue Abmachungen gar keinen Platz lasse. Riga, 8. Juni. Tie baltischen deutschen Großgrundbesitzer beabsichtigen im Falle einer Expropriation ihrer Güter insgesamt nach Preußen auS- zuwandern und sich der Ansiedelungskommission in den Oslmarkcn zur Verfügung zu stellen. Newyork, 8. Juni. Die Bundesbehörden ziehen allmählich die Truppen zurück, die seit dem Erdbeben und der Brandkatastrophe den Polizeidienst in San Francisco verrichtet haben. Wenige Kompagnien verbleiben für den Wachtdicnst in den zerstörten Stadttellen. Bürgermeister Schmitz hat den Vorschlag gemacht, 3 Millionen Dollars städtischer Gelder m Bauplätzen und Häusern vor- zulegen und ein städtisches Bau- und Darlehensgeschäft in großem Maßslabe einzurichten. c = e; ” Betreffend: Fetdbercinigung in der Gemarkung Greven, rechts Lahn und in dem zugezogenen Heuchelheimer GemarkungSteil. Die nachstehende Bckann!machung bringen wir hiermit zur öffent- und sprach mit Kaiser Franz Josef, bis der Zug ins Rollen kam und salutierte bis der Zug aus der Halle fuhr. 4. 5. 6. Id«--- j V ■ ■ irkettl°se f o n n t a g. tfieit zur WL."ftelben Messe, vor und m ocrfcioen tiuiion. iliae Messe. ^nsgkUleindt. ffJ’S* 18.30 Uhr. yandel und Verkehr, Volkswirtschaft. Die Reulenverkäufe des Jnvalidensonds. Auf die zusammen 8 Mill. Mk. betragenden 3V2prozentigen Reichsanlcihcn und Konsols des Jnvalidensonds haben die um ein Gebot angegangenen Mitglieder des Konsortiums der letzten Emission eine gemeinsame Offerte durch die Seehandlung mit 99 Proz. abgegeben. Die Offerte wurde vom Jnvalidensonds abgelehnt: er gehe mit der Absicht um, die Werte event. selbst direkt am Markte zu verkaufen. Tie Konsorten erhöhten ihr Gebot nicht. Die Perhandlungen zwischen dem Jnvalidensonds und der Sechandlung dauern fort. Auf die 6 Mill. Mk. ZVeproz. Bayern gab die kgl. Bank in München ein Gebot von 99 Proz. ab; auf die Baden die Berliner Jnteressentengruppen eine Offerte, über die noch nichts bekannt ist. Märkte. ko. F r a n k f u r t a. M., 8. Juni. (Orig.-Telegr. de§ »Gieß. An;.") B i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber, 00 Schafe und Hammel, 285 Schweine: 1. Oual. 69—00 Pfg. Lebendgewicht 54.00—00.00 Pf., 2. Qual. 68—00 Pi., Lebendgewicht 53.00 Psg., 3. Qual. 60—00 Plg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pig., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewich: 00—00 Pig., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00-00 Pfg., 2. Qualität 00 - 00 Pfg. Geschält: flott, kein Ueberstand._______’___________________________________________ «W, c ^>vord°,, M'lei, '6et 2±,,ii9 § « ei * Ä1"« ®Tts: s94 .■Oq,,11Q im "ach Äa,?Qni"alt 9nlb Cme"4enim3444 3 junge Deutsche Doggen zu verk. Grünberger Slr. 15. [04108 Wirtschafts-Verpachtung. Eine gutgehende Wirtsch. in gut. Lage, auch f. 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Juni Singstunde Vollzähliger Besuch erwünscht. vb/J Der Vorstand. brudert1- Sledakl'0'' Btrlagu'7' ghrtlit 7 Am Minister E Prah Das Überweist memde 9J die des 2 des Poti- Polizetdte ihrer ®e( AuSschüss Anttsgeri Höhung Ausschuß Gnadenz Ur im 1. ol antrag v für ungil einer 3h des Abc stellunge und Gei Ab Wahl et erklärun! und Pet letzterem naüiberc hinwegg Ab gebracht« be§ M Xorivitrf, Mtßsländ« doch Abz Don jozi' leichtsinn genannt! erstatter Abl ungerech wird bei demokraj im 1. 5 Ab die Gill Regierui Wahloo! handlun Da Pr, Buh sich an, Zwar F Sanger- seste un V.jährig. Vor,tehh Gesellsch derartige Günstig, wir von uberham- ßelannt öeugt vo obendrei öttlossen zqüL allem ih ^.wimm wirvi^ beretnsi Landbet unserm f-x llch ent sä’ m der boller b bestich und bie-