Nr. 157 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt dre Gießener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- druckeret. 0t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.s-^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt 156. Jahrgang Samstag 7. IM 1906 vietzener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen «ezngspretsr monatlich7bPs.,vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatüd) 65 Pf.; durch diePostMk.2.—Vierteljahr!. auSschl. Bellellq. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps^. auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den oolit. und allgem. Teil: P. Witt ko- für „Stobt und Land^ und „Gerichtsiaaf-. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: L>anS Beck. Are heutige Yummer umfaßt 16 Seiten. politifdye Tagessehan. Amerikaner unter sich. Der Telegraph bringt die harmlos klingende Nachricht Mts Newyork, daß Staats ftrretär Root eine Reise nach Mittel-und Südamerika angetreten habe. Es handelt sich natürlich um nichts anderes, als um d-ie Fahrt zum panamerikanischen Kongreß nach Rio de Janeiro, ttro Root dem Sternenbanner moralische Eroberungen schaffen will. L-eicht wird es ihm nicht werden, denn einige mittel- und südamerikanische Freistaaten stehen den Wünschen Roots kühl gegenüber, besonders dem die Drago-Tvkrrin" betreffenden. Diese Will den Grundsatz im internationalen Völkerrecht aufstellen, daß eine Nation nicht Gewalt anwenden darf, um Geldforderungen ihrer Bürger an eine andere Nation einzutreiben. Ein vom Standpunkt der zuweilen sehr säumigen freistaatlichen Schuldner höchst bequemer Grundsatz, denn wenn das letzte Mittel zur Eintreibung von Nationalschulden, die Anwendung von Gewalt, völkerrechtlich unzulässig sein soll, dann gäbe es eben in Zukunft nur noch lachende Schuldner. Das geht denn doch sogar der Washingtoner Regierung zu weit. Sie muß sich allerdings sagen, daß auch sie eines Tages in die Lage kommen könnte, Geldes halber einen der südlichen Freistaaten gegenüber mit gepanzerter Faust dreinzufahren. Der kluge Staatssekretär 0toot ist deshalb auf den Ausweg verfallen, die Zuweisung der Drago-Doktrin-Frage an die zweite Haager Friedenskonferenz in Vorschlag zu bringen Davon wollen nun aber Argentinien und andere Republiken durchaus nichts hören, es sind sogar despektierliche Aenßer- ungen über den Wert dieser Konferenz gefallen. Wahrscheinlich wird der Verlauf des Kongresses in Rio de Janeiro erkennen lassen, daß mehrere amerikanische Staaten die Konferenz überhaupt nicht beschicken werden. Um bie Harmonie dürfte es also auf dem panamerikanischen Kongreß nicht zum besten bestellt fein, aber Herr Root wird wohl dafür sorgen, daß fatale Auseinandersetzungen hinter verschlossenen Türen stattfinden. Man läßt sich driiben nicht gern von Vertretern der alten Welt in die Karten sehen. Deutsches Reich. Berlin, 6. Juli. Man meldet aus Bergen: Heute vormittag meldete sich beim Kaiser der Präsident des norwegischen Staatsministeriums Michelsen. Zum Frühstück folgte der Kaiser einer Einladung des Konsuls Mohr. — Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute abermals mit dem Bo lks schulunterh a ltun gs-Gesetz, das aus dem Herrenhause zurückgekommen ist. Es wurden verschiedene Beschlüsse des Herrenhauses umgestoßen und dann das ganze Gesetz in der Schlußabstimmung gegen die Stimmen der Freisinnigen, Polen und einiger Zentrumsabgeordneten angenommen. — Wie die „Rh.-W. Ztg." von angeblich gut unterrichteter Seite hört, ist aus Mlaß der Geburt des jüngsten Thronfolgers ein königlicher Gnadenerlaß für m i l i t ä r i s ch e! und po l i t is ch e V e r g e h e n in Aussicht genommen. Der Erlaß, der sich auch auf kleine Haft- und Geldstrafen erstreckt, wird voraussichtlich am Tage der Taufe des jungen Prinzen veröffentlicht werden. Krefeld, 6. Juli. Heute wurde der neue Krefelder Rheinhafen in Anwesenheit des Ministers Breitenbach feierlich ein gemeint. Der Einweihungsatt vollzog sich unter strömendem Regen. Leipzig, 6. Jüli. Die neue Stadtverordnete n- Wahlrechtsvorlage des Stadtrats ist den Stadtverordneten zugegangen. Danach sollen sechs Wählerabteilungen geschaffen werden, von denen jede 12 Abgeordnete wählt. Die erste umfaßt alle der Alters-, und Jnvalidi- tätsversicherung Unterliegenden (also in der Hauptsache die «Arbeiterschaft), die zweite die Aerzte, Beamten, Geistlichen, Lehrer und Rechtsanwälte mit einem Einkommen über 300 Mk., die dritte die nicht in das Handelsregister eingetragenen Handels- und Gewerbetreibenden mit einem Einkommen bis 3000 Mark, die vierte die in das Handelsregister eingetragenen Handels- und Gewerbetreibenden mit einem Einkommen über 10 000 Mk., die fünfte alle sonstigen Bürger, einschließlich der freien Berufe mit einem Einkommen über 3000 Mk., die sechste solche mit einem Einkommen bis zu 3000 Mk. Stuttgart, 6. Juli. Die Kammer der Abgeordneten hat heute nochmals die V e r f a s s u n g s r e v i s i o n beraten und mit 38 gegen 30 Stimmen bei einer Stimmenthaltung dem Beschlüsse des anderen Hauses betr. die Wahl von süns Berufsvertretern statt acht der ersten Kämmer zil- gestimmt. Ferner wurde zugestimmt dem Ersätze ausscheidender Standesherren durch lebenslängliche Mitglieder, wenn das Ausscheiden ein freiwilliges ist, der Einteilung des Landes in zwei Kreise hinsichtlich der Proporzwahl von 17 Abgeordneten der zweiten Kammer und schließlich auch noch mit 64 gegen 34 Stimmen dem Verlangen der ersten Kammer bezüglich des Budgetrechtes. Dagegen wurde das unbeschränkte Mitwirkungsrecht der ersten Kammer bei der Erhöhung der Einkommensteuer mit 78 gegen 11 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. In der Schlußabstimmung wurde das Gesetz mit 65 gegen 23 Stimmen des Zentrums und dreier Ritter bei einer Stimmenthaltung, also mit der nötigen Zweidrittelmehrheit, angenommen. (Lebhaftes Bravo.) Das Zustandekommen der Verfassungsrevision gilt damit für g e s ich e r t. Kolonialpofte — Die Freis. Ztg. schreibt: In dem Strafverfahren gegen die beiden Beamten der Kolonialabteilung Götz und Schneider ist jetzt auch der verantwortliche Redakteur der Freis. Ztg. als Zeuge vor dem Unter- üchungsrichter vernommen worden. ' Der Redakteur weigerte sich selbstverständlich den Namen seines Gewährsmannes zu nennen. Er erklärte sich aber bereit, beeidigen zu wollen, daß er sein Material nicht von einem Beamten des auswärtigen Amtes erhalten habe. Wie wir erfahren, nimmt die Untersuchung einen stetig wachsenden Umfang an. Unter anderem ist bei einem in Oberschlesien wohnenden Privatmann, der mit den Missionen in Verbindung steht eine Haussuchung abgehalten worden, auf Grund eines Brieses, den man bei einem Kolonialbeamten vorfand. Aus dem parlamentarischen Rußland. In der Re ich s dum a erstattete am Freitag Professor Schtscheykin Bericht über die Vorgänge in Bjelostok. Die Polizei und die Truppen, sagt er, blieben untätig, Polizei nahm sogar am Pogrom teil und rief erst dann Truppen zu Hilfe, als die von den Juden organisierte Verteidigung wirksam wurde. Der Redner behauptete, daß die amtlichen Berichte, die von der Polizei und den Befehlshabern des Militärs zusammengellellt worden, unwahr sind. Die Hauptursache des Pogroms sei, daß die Regierungskreise die Juden mit den Anarchisten und jeden Abwehrversuch mit einer Revolte des Heeres identifizierten. Redner bezeichnet es als Pflicht der Duma, eine DUliz zu organisieren, um künftig Pogroms zu verhüten, und ein Gesetz zu beschließen, das den Soldaten gestattet, offenbar ungesetzlichen Befehlen der Befehlshaber den Gehorsam zu verweigern. Wenn die Duma ohnmächtig bleibt, fährt Schtschepkin fort, bann werde Rußland eine Intervention der europäischen Mächte zu dulden haben und zwar nicht nur aus Gründen der Menschlichkeit, sondern auch aus finanziellen Rückss.chten. Die russische Regierung führt Unsinniges in der inneren Politik aus, sodaß sie unter Vormundschaft gestellt werden muß. Rußland wird dadurch nicht geeinigt, denn das russische Volk hat nichts mit einer Regierung gemein, die das Vertrauen der Duma nicht besitzt. (Beifall.) Jakubson erzählt, daß man in Bjelostok bat, der Duma zu sagen, welche Schrecken die Juden durchgemacht hätten. Die Politik der Regierung, bemerkt Jakubson, ist klar, sie will die Freiheitsbewegung im Blute der schwächsten Rationalität ersticken. Das russische Volk ist unschuldig, aber seine Regierung bedeckt es mit Schande« * Priester Afangsiew gibt dem Schmerze und der Entrüstung über die Ereignisse in Bjelostok Ausdruck. In den Herzen der russischen Gouverneure sei Gott erstorben. Sie hätten das Christentum vergessen und badeten sich wie Herodes im Blute der Juden. Der Becher der Geduld sei aber voll. Das russische Volk werde die UebeHäter strafen. Diese mögen empfinden, daß die Stunde des Gerichts nahe fei. Im weiteren Verlauf der Sitzung geht die Duma zur Beratung des Antrags des Finanzministers, einen Kredit von 50 Millionen für die von der Hungersnot bedrohten Provinzen zu bewilligen, über. Fürst Lwow schildert die in den betroffenen Distrikten herrschenden Zustände als schrecklich und erklärt, daß dort eine völlige Verwirrung herrsche. Professor Herz en stein teilt mit, daß der Finanzminister selbst zugegeben habe, daß der Zustand der russischen Finanzen bedenklich fei, und daß der Minister oorgeschlagen habe, für das laufende Jahr eine Anleihe zu genehmigen, bann aber vom Jahre 1907 ab mit einer sorgfältigeren Behandlung des Budgets zu beginnen. Der Redner verwirft den Antrag des Ministers und schlägt im Atomen der Bubgetkommission vor, 15 Millionen zu bewilligen, und ben Rest der Summe durch Abstriche am Budget zu decken. Er sei überzeugt, daß der Minister die Ausgaben für das laufende Jahr herabsetzen kann, und bezeichnet diesen Weg als den einzigen, der von der Duma beschritten werden könne. (Beifall.) Der Finanöminister verteidigt sein Anlecheprojekt und verspricht, in vollem Einvernehmen mit der Duma vor- zugehen. Es sei aber unmöglich, bie Budgetausgaben in diesem Jahre herabzusetzen. Roditschew erklärt: Da§ beste Mittel zur Hebung des russischen Kredits sei bie Demission des Ministeriums. Jedes Rücktrittsgerücht verursache an den europäischen Börsen eine Hausse. Nach einer kurzen Erwiderung verläßt der Minister den Sitzungssaal, wobei einige Mitglieder der extremen Linken rufen: Nieder mit der Regierung! Die Duma nahm nach weiterer Verhandlung die Vor- schläge der Minister der Finanzen und des Innern mit einem Abänderungsantrage der Budgetkommifsion an, nach welchem an Stelle der geforderten 50 Millionen 15 Millionen zur Linderung der Hungersnot bewilligt werden und der Rest durch Abstriche atl den Ausgaben des Budgets aufgebracht werden soll. Der Antrag der Sozialisten, 50 Millionen durch Abschaffung der Polizei und aus ben Einkünften der kaffer--, lichen Domänen zu beschaffen, wirb abgelehnt. Heber eine Kais er - Zusammenkunft des deutschen und russischen Monarchen wird auch in Peterhofer Kreisen m dielen Tagen vielfach gesprochen. Als Treffpunkt ist Danzig genannt. In Samara meuterte bie gesamte Garnison. Die Unruhen begannen im Busuluk'schen Regiment unb unter den Artilleristen. Ihnen schloß sich das Regiment Borissoglebsk an. Die revoltierenden Mannschaften beabsichtigten nach dem Gefängnis zu marschieren und die politischen Verhafteten zu befreien. Ihre Forderungen sind teils politische, teils wirtschaftliche. — In Miechow im Gouvernement Kielce umzingelten nachts 25 Kosaken einen außer Betrieb befindlichen Kalkofen, in dem sich eine Vomben-Werkstatt befand. Sechs Mann drangen in den Ofen ein. Ein Kosak stieß in den durch eine Steinplatte verschlossenen Keller. Plötzlich erfolgte eine gewaltige Explosion. Das Gebäude flog in die Luft und acht Kosaken mürben getötet, fünf verwundet. — In Zaborze kam es bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Grubenarbeitern am Donnerstag zu einem blutigen Zwischenfall. Der Polizist Freitag wurde durch einen Wurf mit einer Türklinke im Gesicht schwer verwundet. Dieser zog blank und spaltete dem Arbeiter Oschinski den Schädel. An dem Aufkommen Ofchinskis, der im Krankenhause liegt, wird gezweifelt. Aus Tokio wird berichtet, daß zahlreiche Flüchtlinge aus Wladiwostok in Japan eintreffen. Die Stadt soll wieder unter der Schreckensherrschaft ber Revolutionäre stehen. Der Pöbel versucht, die Gefängniffe zu erstürmen unb die Gefangenen zu befreien. Wiederholt kam es zu blutigen Straßenkämpfen zwischen Kosaken und Revolutionären. Die Aufständigen fanden Unterstützung durch meuterndeTr uppen. Die Meuterer und die Aufständigen setzten sich in den Besitz mehrerer Geschütze unb beschoffen die Kosaken, welche große Verluste erlitten. Die Verluste an Menschenleben waren auf beiden Seiten enorm. Nach einem Telegramm aus Wladiwostok über Tokio sind 600 Personen wegen Teilnahme an revolutionären Umtrieben in Chardin hingerichtet worden. Der deutsche „Neichsanz." meldet: Nach einer amtlichen Mitteilung des russischen Botschasters hat die russische Regierung bie zollamtlicheUeberwachung der Grenze in der Ostsee und ihren Meerbusen v e r f ch ä r s i, um die Einfuhr von Waisen unb Munition nach Rußland auf dem Seewege, entsprechend dem für bestimmte Teile Rußland erlassenen Einfuhrverbote wirksamer als bisher zu verhindere Zu diesem Zweck haben die rllssischen Kriegsschiffe ben Befehl erhalten, den Zollkreuzern der russischen Grenzwache bei bet Verfolgung und Beschlagnahme von Konterbande Hilfe zu leisten. Die Kommandanten der Kriegsschiffe sind nach Maßgabe der russischen Zollgesetzgebung unb des internationalen Seerechts mit der Weisung versehen. Die Zollzone an der russischen Seegrenze erstreckt sich auf drei Seemeilen von der Küste. Die Gruppe der geeinigten französischen Sozialisten hat eine Tagesordnung angenommen, worin sie Einspruch gegen die Juden-Metzeleien in Rußland erhebt, der Negierung und dem Kapital die Schuld an ben Unruhen zuschiebt, ihre vollste Jdeen-Gemeinschaft mit den russischen Revolutionären ausspricht unb dem russischen Volke ihre Bewunderung aus- d rückt. Ausland. Stockholm, 6. Juli. Der Ministerpräsident Lindrnan hat in einem Interview seine 'Absicht angedeuket, _ die Stimmrechtsfrage durch einen Wahlmodus zu lösen, der das Einbringen oppositioneller Elemente in die erste Kammer erleichtern würde. Haag, 6. Juli. Königin Wilhelmine sieht, wie von zuverlässiger Seite mitgeteilt wirb, ihrer Niederkunft im September entgegen. Paris, 6. Juli. Finanzminister Poineare äußerte! sich heute nachmittag über ben Budgetvoranschlag im Finanzausschuß des Senats. Jnbezug auf den Wunsch des Ms- schusses, in dem Etat für 1906 außerordentliche Kriegs kredit e einzustellen, bemerkte der Minister, di« Finanzlage sei viel weniger günstig, als man im Juni zunächst geglaubt habe. Das Budget für 1906 werde mit einem Defizit ab schließen, das durch die Eni- steNung der gewünschten Msgaben nur noch vermehrt würde. — Marine m in i ster Th omson erklärte in der Marinekommission, daß vor Ende dieses Jahres 6 Panzerschiffe auf Stapel gelegt werden fotten. Der Bau sei verzögert worden infolge Erwägung der Frage, ob, wie in England, Turbinen- oder große Schlachtschiffe Verwendung finden sollen. Der Minister betonte, daß Fran k- reich sich anstren gen müsse, nm nicht vom Ms- lande überflügelt zu werden und um den inbezug auf den Bau von Unterseebooten erreichten Vorsprung nicht wieder einzubüßen. Budapest, 6. Juni. Die ungarische Regierung hat im Einvernehmen mit der österreichischen gegen Serbien die Grenzsperre verfügt, und die Anordnung getroffen, daß der autonome Zolltarif gegen Serbien heute in Kraft tritt, mit der Verschärfung, daß die Vieheinfuhr aus Serbien aus veterinärpolizeilichen Gründen untersagt ist. Konstantinopel, 6. Juli. "Am 2. d. M. machten 300 türkische Soldaten, unterstützt von 700 arabischen Irregulären, einen Angriff auf einen Transport in der persischen ProvinzPuschtikuh. Mf beiden Seiten wurden mehrere Kämpfer verwundet bezw. getötet. Da infolge der Truppenkönzenttationen weitere derartige Zusammmr- stöße zu erwarten sind, erhielt die türkische Grenzkommisfion Befehl, sofort an die Grenze sich zu begeben. ?? c toh o r T, 7. Juli. D. D. He st wood, Präsident des westlichen Bevgarbeiterbundes, der auf die Mtklage hin, den früheren Gouverneur Steurenberg ermordet zu haben, im Gefängnis sich befindet, wurde gestern von der sozialistischen Partei als Kan di d at fü r den ®out>er=’ nettrposten von Colorado aufgestellt. Heer und Flotte. ,— Ein Lemberger Blatt verzeichnet das Gerücht, der Kaiser werde den großen Herb stm an Svern in Schlesien nicht beiwohnen, da die Landesregierung Kenntnis erhalten habe, daß sich in Schlesien Anarchisten aufhalten. Graf und Wäscherin. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) M. Frankfurt a. M., 6. Juli. Stoff zu einem Sensationsroman liefert nachstehender Prozeß, der nur ein Glied in der Kette der Prozesse bildet, die dem Hause Erbach-Erbach bitrcb die Vermählung des Erb- grafen Erasmus zu Erbach-Erbach mit der bildhübschen Tochter einer Wäscherin, erwachsen sind. Erbgra' Erasmus zu Erbach-Erbach heiratete am 1. September 1905 in London die Tochter der Wäscherin Dorothea Fischer, geb. Voll, die seit September 1900 in jener Eigenschaft bei dem Vater des Erbgrafcn tätig war. Tie Verwandten des jungen Grafen waren gegen diese Verbindung. Sie beschlossen, daß im Falle des Fortbestandes der unebenbürtigen Ebe dem Erbgrafcn die Erbschaft des Millionen betragenden Vermögens und des gesamten Fideikoinmiises nicht zu fall en solle. Es wurde beantragt, die Ehe im Wege der Klage für nichtig zu erklären. 'Dann wurde bei dem Amtsgericht Homburg n. ix H. der Antrag gestellt, den jungen Grafen Erasmus für geisteskrank zu erklären und den Vater als Vormund zu bestellen Graf Georg Albrecht zu ^Erbach-Erbach, der Vater des Erbgrafcn, veranlaßte alsbald, daß sein Sohn den ehelichen Wohnsitz in Ol erursel in: Taunus verließ und sich in die auf der hohen M-wk belegen-'' Nerven- Heilanstalt des Dr. Friedländer begab, wo er sich zur Zeit noch aufhält. Als Okaf Erasmus fein Heim verlassen hatte, «wlftelt seine Gattin einen Bcttaa von 200 Mark monatlich zur Be- streittmg ihres Wterhaltes. Diese Summe war ihr ab--^zu wenig, da sic mit dem Erbgrafen lurur-ös gelebt hatte. Sie forberte daher 500 Mark monatlich. Die cklagc wurde bei dem Landgericht Frankfurt anhängig, das sie aber mit der Forderung abwics, so das; die Gräfin gezwungen Ivar Berufung einzulegen, wenn sic zu ihrem vermeintlichen Recht gelangen wollte. Das Oberlandesgericht hatte sich denn auch mit dem Prozeß zu beschäftigen. Die Gräfin, wohl eingeschüchtert durch das erstinstanzliche, Erkenntnis, reduzierte ihre Ansprüche dahin, daß fte_ monatlich 300 Mark begehrte. Natürlich sollte ihr dieft ,.Summe" nur bis zur Entscheidung des Ehcprozesses gezahlt werden, dessen Ausgang fte abwarten wird, um dann vermutlich neue Forderungen aufzustellc-n. Begründet wurde nun diese Forderung zunächst damit, daß der Erbgraf eine jährliche Apanage von 9000 Mark beziehe, von seinem Vater außerdem einen erheblichen Zuschuß erhalte, und standesgemäß mit ihr gelebt habe. In der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht gelangte ein Schreiben, des Oberarztes der Nervenl>cilanstalt Dr. Märchen ?ur Verlesung, das an die Grösin gerichtet ist, und in dem es n. a. heißt, daß der Erbgraf dm Ansicht sei, cs wäre besser, wenn er vorläufig nicht mft ihr zusammen komme. Der Erbgraf lasse ihr sagen,, daß er, nach wie vor für ihre Bedürfnisse sorgen werde. Trotz dieses Brieses beharrte Graf Erasmus zu Erbach-Erbach aber auf der Abweisung der Klage, denn er erhalte, seitdem er tn der Anstalt sei, nur noch ein Taschengeld von 100 Mark monatlich. Richtig sei, daß er eine Apanage von 9000 Mark bekommen habe. Der Rechtsarrwalt der Klägerin, Dr. Wnrz- mann machte vor dem Oberlandesgericht geltend, daß die Vor instanz die Klage abgewiescn habe, ivcil der Beklagte jetzt nach seinen Verhältnissen leben müsse, selbst, wenn er auch dem hoben 2ldcl angchore. Es komme wohl aber nickt darauf an, welches Einkommen der Erbgraf gemäß dem Hausgesetze derer zu Erbach-Erbach besitze, sondern wclckes tatsächliän' Ernkommcn er habe und hierzu gehöre eben die Apanage von jährlich 9000 Mk. Der verlassenen Gräfin könne man nicht zumuten, nun mit 2400 Mark auszukommcn, denn der Erbgraf habe mit ihr fürst- lick in Deutschland und England gelebt und ihr fürstliche Gesäwnke gemacht. Zum ^Beweise hierfür legte her Anwalt dem (Herickt einen kostbaren Brillantschmuck vor. Die Gräfin habe ihre Eltern zu unterstützen und send? ihnen monatlich 30 bis 40 Mark. Im Oktober 1905 habe Hoftat Mcckcl der Mutter der Gräfin gekündigt. Nun erhalt? hie bejahrte Frau keine Stelle mehr, iveil die Leute sagten, sie besitze ja eine reiche Tochter. Die alte Wcisckfcrin verdiene monatlich nur drei Mark. Ihr lungenkranker Mann sei arbeitsunfähig. Der Erbgraf habe das Ehepaar unterstützen wollen, aber , nur zweimal habe er Unterstützungen gegeben Daß dic Gräfin mit, 200 Mark nicht auskommen könne, gehe auch daraus hervor, daß sie dcm Dienstmädchen 20 Mark invnatlich zu bezahlen habe. Schon zweimal sei die Gräfin von ihrem Gatten ,um Darlehen angegangen worden, doch hätte sie hem Wunsche nicht willfahren können. Referendar Horowitz, her Vertreter der Gegenpartei führte u. a aus, daß nach einer eidesstattlich abgegebenen Versicherung des Hofrates Richter, die Gräfin außer den 200 Mark noch eine 750 Mark jährlich kostende Wohnung ftei erhalte, den Lohn für das Dienstmädch.'n extra bekomme und zudem dic vom Erbqraftn gekaufte Wohn- img^etnridttung besitze. Nach Richters Aussage sei das Vermögen des Erbgrafen gleich null. Er werd? überhaupt nichts erhalten, wenn die Ehe nicht für ungültig erklärt werde. Infolge seiner Nervosität sei der Erbgraf nickt erwerbsfähig. Im vorigen Jahr habe der Vater 21N 090 Mark Schulden des Sohnes bezahlt. Infolge des Schnldenmackens labe die Entmündigung des Erbgrafen stattgefiinden. Die Verpflichtung des Vat?rs als Vormund sei kürzlich erfolgt. Rechtsanwalt Dr. Wurzmann betonte, gegen die Entmündigung sei bereits' die Anfecktungs- klage in die Wege geleitet worden. "as Oberlandesgericht wies die Berufung des Klägers zurück. Aus Stadt uns tiand* Gießen, den 7. Juli. Ein neuer Roman beginnt heute in den .Gießener Jamilienblättern." „Ter Stern" von Ulrich Jrank (Pseudonym einer als Schriftstellerin und Journalistin wohl bekannte Berliner Dame) ist eine spannende Erzählung aus dem modernen Theaterleben und namentlich die Gestalt der Titelheldin ist der Verfasserin sehr gut gelungen. Die Tochter eines Kleinstadtkantors widmet sich aus das Drängen ehrgeiziger Verwandten hin der Bühne und erringt als Opernsängerin große Erfolge. Sie bleibt dabei in ihrem innersten Wesen schlicht und einfach und ihre edle Frauennatur bleibt unberührt von all dcm Unschönen, das sich ihr während ihrer Künstlerlaufbahn in den Weg drängt. Auch als liebende und geliebte Gattin eines Jugendfreundes bleibt sie der Bühne treu. Die Herzenskämpfe, die „Der Stern" durchkämpft, bis er zu diesem Ziel gelangt, find in dem Roman in lebendiger, schöner Sprache geschildert. ** Vom Kaiser Wilhelm-Regiment. Das Regiment kehrte heute vormittag 11 Uhr von einem großen Nach t fe ld dien ft zurück, der in der Gegend von Niederkleen, Kirch-Göns und Butzbach stattfand. Das Regiment war bereits nachts 12 Uhr ausgerückt und marschierte über Klein-Linden, Großen-Linden und Hörnsheim nach dem Kleebachtal bei Dornholzhausen und Nicdcr-Kleen. Dort Bis zum 5. Juli vermuten ließ erschienen — zu täuschen, verschwunden, eines reichen sic war, wie sie ging und stand, ohne Gepäck gelang es ihr doch, ihre Logicrwirtin einige Tage Als der Schwindel cingesehen wurde, war sie Bei einem Gastwirt gab sie sich, als Begleiterin Kommerzienrats aus. für den sie sich um eine Als sic nack einigen Tagen gefragt wurde, weshalb die Fraut Dekan so lange ausblcibe, erklärte sie lächelnd, sie sei die Frau selbst, sie habe sich deshalb als Dicnstbotc ausgegeben, um zu sehen, welche Behandlung das Dienstpersonal in Bad- Nauhcim erfährt. Obwohl ihr Acußeres eine reiche Dame nicht Wohnung umsehen sollte. Sie wußte ihn acht Tage lang hin- zuziehen, ohne zu zahlen, da sie das ausländ''chc Geld vor Ankunft des Kommerzienrats nickt wechseln lasten wollte. Als der Wirt auf Zahlung drang, bot sic ihn mit ■’uf dic Bank zu gehen, um Geld zu wechseln. Sic wollte fick noch etwas auf ihrem 3immer holen, blieb aber lange ans, als man nach ihr sehen wollte, stellte sich herw3, daß sie über eine Mauer entkommen war. Es gelangen ihr noch drei weitere Betrügereien unter den nämlichen Umständen. Da sic von Frankfurt a. M. ebenfalls wegen Betrugs verfolgt wird, legte sie fick einen falschen Namen bei, der auch in die Fremdenbücher eingetragen wurde. Bei ihrer Verhaftung bediente sic sich der Polizei gegenüber aud) eines falschen Namens. Sie wurde des Betrugs in sechs Fällen für schuldig erkannt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, wobei der Umstand, daß sie infolge eines Leidens in ihren Erwerbs Verhältnissen gehindert ist, strafmildernd angesehen wurde Wegen der falschen Namensangabe der Polizei gegenüber erhielt sie eine durch dic erstandene Untersuchungshaft als verbüßt erachtete Haftstrafe von einer Wockc., Da nicht mit Sicherheit angenommen werden konnte, daß die falschen Ei'träge in die Fremdenbücher zwecks Täuschung der Behörden erfolgt ist, trat bezüglich dieses Punktes Freisprechung ein. Universitäts-Nachrichten. — Dir 50jährige Jubelfeier als Doktor der Medizin begeht am 9. Juli der ordentliche Professor der Zoologie an der Univerfität Freiburg i. Br.. Geheimrat Dr. med. et. phil. August WeiSmann. Der Gelehrte ist ein Forscher von Weltruf, dessen Arbeiten auf die Entwicklung der niobernen Bioloaie bestimmend eingewirkt. Geboren wurde er 1834 zu Frankfurt a. M. Noch Vollendung seiner medizinischen Studien kam er 1863 zu Prof. Leuckart nach Gießen, um sich der Zoologie zu widmen. In demselben Jahre habilitierte er sich in Freiburg i. B. für Zoologie und vergleichende Anatomie. Vier Jahre später wurde er dort Extraordinarius und 1874 ordentlicher Professor Darwins Lehre zu verkünden, betrachtete Pros. Weismann als seine Hauptaufgabe als Lehrer, sie weiter auszubauen und zu befestigen war daS Ziel seiner Forschungen. Eingehendes Studium widmete er den Vererbungserscheinungen. Sandel und Verkehr, Volkswirtschaft. B ei der portugiesischen Tabakgesellschaft hat eine Feuersbrunst einen Schaden von 2 */7 Mill. Frcs. verursacht. Er ist durch Versicherung gedeckt, führt aber längere Betriebsstörungen herbei. — Voit der B e r 1 i n e r B ö r s e. Die Börsentendenz ist wieder schtvach, tvegen Beginn der Schulferien, der Newyorker Kursschwankungen, der Minenbaisse in London und Paris und der Eingaben, wonach der Zar sich für Auslöstutg der Dunta aitSge- svrochen habe. Auch Lombarden, wie alle österreichischett Werte gingen zurück atü den Zollkrieg mit Serbien. Fonds waren un- luftig ; Russen wichen bis 40 Cents. Zu Schluß war die Haltung wieder etwas fester; der Privatdiskont 3 7? pCt. — Verei n Deutscher Werkzeugmaschinen- Fabriken inDüsse 1 do r f. Nach dem Bericht über das zweite Quartal 1906 war die Beschäftigung sehr gilt; erheblich besser als int ersten Vierteljahr. Doch fehlt es an tüchtigen Facharbeitern, namentlich an Drehern und Schlossern herrscht ein immer stärkerer Mangel. Selbst andere Arbeiter waren an manchen Orten in ge- nügenber Anzahl nicht zu bekommen. Die Löhne steigen fortdauernd. Märkte. Gießen, 7. Juli. Marktbericht. Auf heutigent Wochenmarkte kosteten: Btitter pr. W 1.10—1.20 Mk.. Hühnereier 1 St. 6-7 Pfg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen p. Pfund 22Pfg., ßiufon v. Pfund 32Psg., Tauben vr. PaarO,80-1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Gckise nr. Pfo. 00-00 Pfg., Ochscmleisch pr. Md. 76—84 Pfg., Kuh- und Rindfleisch vr. Psttnd 70—72 Psg., Schweine- fle pr. Pfund 80—94 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund Liteearrswcs. — „Das eiserne Zeitalter". In dem bereits von uns erwähnten sehr bedeutenden neuen Buch Friedrich Naumanns: „Neudeutsche Wirtschaftspolitik* lB"chverlag der „Hilfe", Berlin) lesen wir: Wenn ntan früher vom eisernen Zeitalter redete, so verstand man darunter ein Zeitalter grober Gewalt. Nun, wo die wirkliche Gifon^eit, vor unserer Schwelle steht, sühleit wir, daß sie doch sehr anders ist, daß sie ©eroalt ist, aber nicht tu Grobheit, sondern in Akkuratesse. Erst der Eisenbetrieb hat uns präzis gemacht; denn das gerade ist ei ie der Eigenschaften des Eisens, daß es mit weniger Quantum dasselbe tut, was Holz oder Steiit mit vieler und darum oft grober Quantität geleistet haben. Das wirkliche Eisenzeitalter legt eilt großes Gewicht auf kleine Maße und Differenzen. Erst mit der Eisenbahn wurde der Verkehr zuverlässig. Und welche Verfeinerung des Nachrichtendienstes liegt im Telephon! Ja selbst der schwerste Schmiedehammer ist nicht nur schwer, sondern auch absolut genau : Die Wucht im Bann des Millimeters! Es ist deshalb nicht ztt viel gesagt, wenn man die Eisen- produktion als die größteErzieherin ihrsMenschen- v o I f e S bezeichnet, ein Punkt, den wir hervorheben, weil die ganze Präzisionsmethode in Handel Preisbildung, Arbeitsorganisation hier ihre Urquelle hat. — Von den „Blättern dcS Deutschen Monistenbnndes" lHerausgeber Dr. Heinrich Schmidt-Jena) ist die erste Nummer erschienen. Sie enthält folgende Beiträge: „Das Präsidium des Deutschen Monisten- bundeS" von Ernst Haeckel, „Gott" von Heinrich Schmidt, „Was will der Deutsche Montstenbund?", „Der Zusammenschluß der freien Geister" von W. Dreitenbach. Auch Nichtmitglieder dcS Bundes können die „Blätter" von der Verlagsbandlung Dr. W. Breitenbach in Brackwede i. W. oder durch jede Buchhandlung beziehen. = Bad-Nauheim, 6. Juli, r* u ' sind 14820 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem ZCtwft und Wissenschaft. — Der Ausschuß zur Prüfung des Baues des MarkuS- T tt r m e § hat seine Arbeiten volleitdet. Der Bericht erhebt Anklage gegen den Erbaue r '? D. Red.) des Markusturntes. Atif Grund dieses Berichtes ließ der Bürgermeister Gnmani die Arbeitett eiustellen und ernannte eine neue Kommission, um die begangenen Fehler auszubesscnt. — Eine gro ßartig e deutsche Erfindung im T c 1 c g r a p hc n we s c n. Aus München berichtet man: Siemens u. Halske machen in München auf der Leitung München- Nürnberg ober- und unterirdische Versuche mit einem neuen schnellwirkenden T p p cn d ru ck t eke. g r a p hc n. Er gibt durchschnittlich 2000 Zeichen in der Minute über einen Trabt und in einer Richtung. Der den Apparat bedienende Telegraphist tippt mittest der Rcmingtonsckrcibmaschme auf das Papierband, das auf dem schmalen oberen Rande die Schrift- reichen ivicbergibt. inälyrenb von oben schräg nach unten gleichzeitig für jedes Zeichen zwei Lochungen erscheinen, die in verschiedenen Zwischenraumkombinationen sämtliche erforderlicke Schriftzcichen bringen, und auf ihre Richtigkeit durch die sofort ichtbar werdende Maschinensckrrist mühelos kontrolliert sind. Das Band wird nun mit oroßer Sckptelligkeit durch den Ofoberapparat gejagt, worauf im Empsanasapverot dic Sckreidmaschincntvven Vchobographiert erscheinen. Dieser große Erfolg der deutschen Technik ist, so sckweiben die ,,Münch. N. N.", um so erfreulicher, als bisher die d-utschcn Minter lediglich auf Erfindungen des Auslandes ana?'- - -'m waren, betten nun eine überlegene deutsche Erfindung gca- 1 rmtretett scheint.__ Gießener Strafkammer. )( Gießen, 6. Juli. .. „Die Ar Leiterin M. E. D. hier übernahm im verstossenen Monat bei einem Lehrer eine Auschilfsstelle als Dienstmädchen. L-chon am dritten Tag stahl sic ihrer Dienstherritt eine golbene Damenuhr mit Halskette im Werte von 80 Mark und verschiedene Kleider und Wäschestücke, womit sie sich heimlich entfernte. Es stellte sich heraus, daß die 22 jährige Angeklagte bereits acht Vorstrafen hat und erst im Mai d. I. in'Darmstadt wegen Diebstahls unb Hehlerei mit ß Monaten Gefängnis bestraft worden ist. Das Olericht hielt sie für eine geistig minderwertige Person, die sich über den Begriff von Recht und Unrecht im Unklaren zu fein scheint. Sie hat eine schlechte Erziehung genossen und thr Hang zum Diebstahl beweist, daß fte der an sic heran tretenden Versuchung nicht so leicht wider stehen kann. Unter Berücksichtigung dieses und der Tatsache, daß das gestohlene Gut alsbald wieder zurückgegcbcn werden .onnte, wurden ihr mildernde Umstände zugebftkigt, weshalb te statt des angedachten Zuchthauses, mit 8 Monaten Gefängnis durckkam. Wegen Diebstahls im Rücksa 11 erhielt die Tag- lohnerm 2,. ^p. von Obcr-Schmitten 4 Monate Gefängnis. Lie hat gelegentlich einer Versteigerung in Nidda, ein von einem bärtigen Einwohner erstandenes Sophakissen 'im Werte IrnK Ei $f. entmenbet Sic berief fick auf Schwerhörigkeit unb behauptete fte halt? auf das Kissen geboten. In der Annahme ne hatte den Zuschlag erhalten, will sic es, zwar ohne Zahlung zu leisten, mitgenommen haben. Da sich ihre ^Mben als unwahr erwiesen, wurde sie für übernihrt erachtet, aber mit Rücksicht auf ihre geistige Minderwertigkeit und die Geringfügigkeit ' -• Gestohlenen, mildernde Umstände angenommen. Th bic 34 i. ä b r i g e Dienst ma g d M. Th. von Holzhansen in Vatern mittellos in Bad-Nauheim an. x^xe stieg tn einem Gasthof ab und mietete neben einem Zimmer für sich, ein folckes angeblich für ihre Dienstherrin eine Dekanswttwe, die krnnfl>eitshalber genötigt sei, sich einer "verziehen. Als die Dame ausblieb, mürbe Verdacht geschöpft, worauf die ?kngeklagte crflärte, es sei ihr auf der Balmlifts 5" in das in der Nähe des Bahnhofs liegende Hotel^Jmpertal gebracht werden mußte. Der Hotelter ichtckte seinen ^ohn mit der Angeklagten dorthin, sie Clt-^eT *U ^."reben, auf der Straße stehen zu bleiben sis ^un^rai?lf- Stc ging in da? Hotel binciit unb ver- fbmanb durch eine Ture auf der anderen Seite. Nun begab vertrauensseligen alten ledigen Person, bic ich durch Zinnnerver,nteteu ernährt und mietete zwei Zimmer 5 ^nr K bebnmrä^C' ^nnnc-r fiLr bic Dekan sei für h.r(Av«L b b'.llM' ftc könne mindestens 10 Mark r rSC ^ame sc, zwar anspriichslos, doch sehr reich fte hätte tn der letzten Zett in Monaco enormes Geld gewannen' Tage noch 6120 anwesend waren. Bader n)urben bis jum 5. Juli — 176 258 abgegeben. § Worms, 6. Juli. Das diesjährige Rosenfest hat mit einem Ueb er schuß von 6000 Mark abgeschlossen ; die Einnahmen betrugen über 24000 Mark die Ausgaben 18000 Mark. Das Vermögen des Rosett- garten-Ausschusses ist damit auf rund 10000 Mark gestiegen, wobei die nicht intbebciitcnbeu Kosten, bic bas Preisausschreiben zur Erlangung von Jbeen für die Anlage des Rosengartens verursacht hat, schon abgerechnet sind. Das vierte Rosenfest soll am 8. und 9. Juni 1907 begangen werden. ** Kleine Mittcilun g e i: a u s Hessen unb d c n N a cb b a r ft a a t c n. In Bad Nauheim rourbc das dem Baitkhause Kahu u. Co.-Fraittfurt gehörige Hotel „6n ro- päischer Hof" für 800000 Mk. an den Hotelier Hauff aus Wiesbaden verkauft. — In die Mümling gestürzt hat sich der 69jährige Peter Petry von Neustadt i. O., welcher wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet werden sollte. entwickelte sich bas Gefecht. Man dachte sich eine von Wetzlar vorbringende feindliche Mmee, gegen die das Regiment die Uebergänge besetzt hatten und sichern sollte. Das Gefecht enttmckelte sich hauptsächlich in T>em Dornholzftäuser Wald. Gegen morgen hntrbe in dem Walddistrikt Wehrholz bei Niederkleen abgekocht und um 8 Uhr der Rückmarsch über Lana-Göns, Großen-Linden und Klein-Linden angetreten. ** Folgende gewerbepolizeilichen Revisionen wurden in den Monaten Mai unb Juni vorgenommen: 1. Steinbrüche unb Sandgräbereien tn Bezug auf Einhaltung ber Un fallvcrhüttmgsvorschriften bei bem Abbau, ttotz ber in biefen Betrieben häufig vorkornrnenben Unfälle, bereits ergangenen Bestrafungen unb wieberholten Verwarnungen wirb immer ttock vielfach gegen dic Vorschriften verstoßen. 2. Die Unterfun ft^räuntc ber Arbeiter auf den Felbziegeleien unb Einhaltung ber Arbeitszeit b*'r jugendlichen Arbeiter unb Arbeiterinnen in diesen Betrieben. Trotzdem auf diesem Gebiete nach vorherigen polizeilichen Verwarnungen Bestrafungen ein treten müssen, fand sich auch in diesem Jalfre wieder eine Reihe von Anständen vor. Strafanzeigen wurden erhoben. 3. Die Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen in Fabriken uirb auf den Konfektionsfoerkstätten in b-zug auf Einhaltung der Arbeitsfoit. 4) Die Beschäftigung v--'. sch n 1 pfl i ch t i g c n Kindern vor und nach 8 Uhr abends, insbesondere die Verwendung solcktcr im Wirtsgcwerbc. 5. Tie Herstellung von künstlichem Mineralwasser. 6. Die Barbier- und Friseur st u b c n auf Einhaltung d-r Polizei-Verordnung den (Gewerbebetrieb dic Barbiere bett. 7. Dic Aufbcwahrmtgs-, Ar- beits- und Verkaufsräume der Metzgereien, auf Grund der Bestimmungen her Polizei-Verordnung vom 2. Januar 1891, das Schlachtwesen in der Provinzialhauptstadt Gießen betr. 8. Den Verkauf von Süßrahmbutter in abgepaßtcn Stücken zu einem bestimmten Sollgefvicht. Vielfach ergab sich bei Nachwiegungen, daß Stücke mit einem Sollgewicht von 250 Gramm ein Mindergewicht von 5—10 Gramm hatten. 9. Entnommen wurd-m eine ?vnzahl Lebensmittelprvben. * • Landes Universität. Der außerord. Pofessor der orientalischen Sprachen Dr. Friedrich Sch wally hat den Ruf an die Universität Aligarh (Ostindien) abgelehnt. * * WarnuN g. Ein von einem hiesigen Kaufmannsgeschäft entlassener Haus bursche versucht bei der KnndschaftGeld bet rage au szu sch windeln, indem er Warenbestellungen entgegennimmt und um sofortige Bezahlung bittet mit der Motivirung, die Waren bringe er gleich. * * Roheit. Am Wetterhäuschen in der Südanlage wurde in verflossener Nacht von roher Hand eine Glasscheibe zertrümmert. *’ Ein wackerer Fußgänger. Um Oberhessen und ^besonders den Vogelsberg zu vurchqueren, hatte sich ein Tourist einen kräftigen Gepäckträger aus einem Heinen Dorfe mitgenommen. Nach einem weiten Gang kehrte man hungrig im Wirtshaus ein, um ein gutes Mittagessen einzunehmen. Als der Dorfbewohner im Begriff tvar sich den dritten Teller Silppe zu Gemüt zu führen, sagte ihm der Tourist, er möge nicht zu viel Suppe esseit, da es noch „zwei Gänge" gäbe. Der antwortete der Ländler: „Dös packe mer noach, aich sei goat zu 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 80—84 Psg., Hammelfleisch pr. Psimd 60—80 Psg. Welsche per Pfund —Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,oo—o,00 Mk.. Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel ver Pfund 00 bis 00 Pfg., in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 50—00 Via., Birnen ver Pfd. Mk. 0.00—0.00, Kirschen per Pfd. 30—40 Pfg.. Weisskraut per Stück 00 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 7—1 Uhv. Gerichtssaal. [i Marburg, 6. Juli. Die Strafkammer verurteilte beute beit Taglöhner Hain aus Hebel, der bei Homberg fünf Obst- slämmchen um geknickt batte, zu vier Wochen Gefängnis. Der Täter hatte sich durch die Fußspur ,m Schnee Berlin, 6. Juli. Der Diener Glase, der der versuchten Erpressung gegen da« Fürstenpaar Wrede beschuldigt wird, wurde von der Strafkammer des Landgerichts I zu 9 Monaten ßjcfängiu5 und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr Gefängnis und 2 Jabre Ehrverlust beantragt. "Wegen M u t t e r m o r d e s von den Geschworenen f r e i g e s p r o ch c n. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts Berlin II sand die Verhandlung gegen den des Raubmordes an der eigenen Mutter beschuldigien srüberen Schlächter Max «Jordy statt. Der Angeklagte, ein Mann von mittelgroßer, nicht besonders kräftiger Statur, mit schwarzem, 'sorgsam gescheiteltem Hauvthaar und kleinem dunklen Schnurrbart, machte einen be° kümmerten Eindruck und weinte wiederholt. Bei seiner Vernehmung erklärte der Angeklagte mit tränenersticktcr und säst unver stündlicher Stimme: „Ich babc bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden meine liebe Mutter nicht ermordet. Ich bin nicht der Mörder, ich bin es bei Gott nicht gewesen." Die Sache nahm mehrere Tage in Anspruch. Jordy wurde sreiqesprochen. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Anklage sich lediglich aus zwar schwere, aber nicht ganz zwingende Indizien stützte. Der Angeklagte konnte kein Alibi nachweisen. Er ist von zwei Zeugen unmittelbar vor dem Morde in der Nähe der Wohnung seiner Mutter gesehen worden und an seinem Paletot imtrben Blutspritzer gesunden, für die der Angeklagte keine Erklärung geben konnte. Andererseits mißlang der von der Anklage versuchte Beweis, daß der Angeklagte, bei dem nach dem Morde 900 Mark gefunden wurden, vorher ohne größere Geldmittel gewesen sei, vollständig. Außerdem ist Jordy wenige Stunden vor und nach dem Morde in ziemlicher Entfernung von dem Tatort gesehen worden und es wäre ihm nur bei großer Zeitausnutzung möglich gewesen, in der Zwischenzeit den Mord auszuführen. Mitqewirkt hat bei dem Freispruch wohl auch die Tatsache, daß die Kriminalpolizei von Anfang an sich aus die Uebersübrung Jordys geworfen und keinerlei andere Spuren verfolgt hat. Bei der Verhandlung darüber trat zutage, daß infolge der jetzigen Zuständigkeitsbestimmungen die Kriminalpolizei die Untersuchung nicht mit b c r notigen Vielseitigkeit geführt hat. *Postbeamtcngchält er auf der Anklagebank! Vom Schwurgericht Göttingen wurde der frühere Postverwal- ter Borchers aus Bodenfelde wegen Unterschlagung von Vost- anweisungsbeträgen in Höhe von annähernd 15 000 Mark zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.. Der Angeklagte war in vollen! Umfange geständig, so daß die Geschworenen lediglich zu entscheiden hatten, ob ihm mildernde Umstände zuzubilligen seien. Nach dieser Richtmrg trat schon der Staatsanwalt für den Angeklagten ein, indem er davon ausging, daß ein Gehalt von 2000 Mark, welches Borchers zuletzt bezogen habe, für einen Beamten in geordneten Verhältnissen, dem außergewöhnliche Ausgaben, wie für Krankheiten usw., erspart blieben, ausreichen möge; wenn aber, wie bei Borchers, der Vater von fünf Kindern sei, vielfach Krankheiten hinzukämen, so wäre bei einem so kargen Einkommen ein AuNommen schlechterdings immöglich und eine Tat, wie die vorliegende in gewissem Grade verzeihlich. In demselben Sinne sprach sich der Verteidiger aus, indem er darauf hinwies, daß zur Beurteilung der Tat Borchers nicht das zuletzt bezogene Gehalt zu beachten sei, sondern vielmehr sei zu berücksichtigen, daß der Angeklagte seinerzeit mit nur 1200 Mark als Postverwalter angestellt worden sei. Die Geschworenen sprachen sich für mildernde Umstände im weitesten Umfange aus und der Gerichtshof kam dem Anträge ches Staatsanwalts entsprechend zu der obengenannten Strafe vhne Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Leoben, 6. Juli. Im Prozeß gegen die Schwestern Zeller wegen Mordes im Raxental wurde Friederike Zeller wegen gemeinen Mordes an der Köchin Marie Mayer zum Tode durch den Strang und Mizzi Zeller wegen entfernter Teilnahme zu 18 Monaten schweren Kerkers verurteilt. Der Bräutigam Friederikens, der Opernsänger Prochazka, der wegen Vorschubleistung nach dem Morde in Untersuchung steht, wurde abends wegen Fluchwerdachts verhaftet. * Kleine Tageschronik. In Newy ork wurde der Naturforscher Henry Ward von einem Automobil überfahren und getötet. — In Fischbach bei Koburg ist ein sechsjähriger Knabe nach dem Genüsse von unreifen Stachelbeeren gestorben. — Ter Morgenschnellzug München- Berlin bat am Donnerstag in der Nähe der Station Groß.Deuben ein Fuhrwerk überfahren. Der Knecht und beide Pferde wurden getötet, der Wagen zertrünnnert. Die Fahrt konnte nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt werden. — Frau Krupp in Esten stiftete anläßlich der Verlobung ihrer zweiten Tochter Barbara eine weitere Million für Arbciterwohlfahrtszweckc. — Heftige Regengüsse haben in Mittelitalien Ueberschwemmungen und große Verheerungen bervorgcrufcn. Mehrfach sind Brücken und Häuser ringestürzt. Im ganzen sind 9 Personen um8 Leben gekommen. Truppen wurden zu den Rcttungsarbeiten telc- graphisch hcrbcigerufen. — In Bergheim bei St. Agathe (Belgien) wurde eine altersschwache Frau mit durchschnittener Kehle in ibrem Bett anfgesunden. Die Tochter der Frau erklärte, daß ihre Mutter während ihrer Abwesenheit sich selbst entleibt habe, dagegen wird ärztlicherseits erklärt, daß die Frau dazu zu schwach gewesen sei. In die Enge getrieben gestand die Tochter ein, mit einer 12jährigen Nichte die Mutter um» gebracht zu haben. — In London ist der Arbeiter Heinze, welcher Veranlassung zu der vielumstrittenen „lex Heinze" gegeben hat, in einem Hospital an der Schwindsucht gestorben. Heinze wurde wegen des Mordes an dem Nachtwächter Braun zu einer Strafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, welche er voll verbüßt hat. Der Sänger an den Regenmacher. Freund Pluvius, Nu mach kau Stuß Unb spar bcn Guß, Sonst gibts Verbruß! Wir haben Naß Genug int Faß Unb hoffen, baß Du kenust and) Spaß. Du ließt am Gießen Genug schon fließen! Drum und deswegen Spar deinen Regen Und regne lieber andersivo; Vielleicht am Nordpol slörts nicht so. Mit Naß von außen wie von innen Kann mau ja oftmals viel gewinueu. Soviel mir jetzt erinnerlich: Der Sänger liebts mehr innerlich. Läßt du das Fest recht gut gelingen, So tritt ich dir ein Ständchen bringen! Pb. G. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterttng in Hessen für Sonntag den 8. Juli 1906: Aufheiterung. Vorwiegend trocken, mir vorübergehend bewölkt. Nachts etwas kühler, am Tage wärmer. Schwache südliche Winde. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Orrgrnal-Drnhtnreldungen. sd. Darmstadt, 7. Juli. Prinz Reinhard und Prinzessin Dorothea zu Sol ms-Hoh ensolms- Lich sind zum Besuch des Großherzogspaars in Wolfsgarten eingetroffen. Berlin, 7. Juli. Die „Rat.-Ztg." veröffentlicht einen Brief des früheren Legationsrats im Kolonialamt Dr. Helfferich, in welchem dieser sich scharf gegen den Abg. Erzberger wegen seiner Angriffe auf die Beamten des Kolonialamtes wendet. Hamburg, 6. Juli. Heute nachmittag wurde unter den Trümmern des eingeäscherten Braun'schen Warenhauses die verkohlte Leiche des verunglückten Heizers Stellig aufgefunden. — Drei Züge der Feuerwehr • sind bis jetzt unausgesetzt bei den Bergungsarbeiten tätig gewesen. London, 7. Juli. Der Schwimmer Wolff hat die Strecke Dover-Ramsgate, die 16 englische Meilen lang ist, in fünf Stunden zurückgelegt. Wolff wird demnächst den Versuch machen, den Aermelkanal zu durchschwimmen. Paris, 7. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht beute ein Schreiben des deutschen Kaisers, worin derselbe der französischen Regierung die glückliche Geburt eines Enkels mitteilt. Genf, 6. Juli. Die Genfer Konvention wurde heute abend unterzeichnet und die Sitzung geschlossen. Neber die Schiedsgerichte gemäß § 16 dN Haager Konvention wurde folgender Wunsch formuliert: Die Konferenz äußert den Wunsch, daß, um zu einer möglichst genauen Interpretation und Handhabung der Genfer Konvention zu gelangen, die kontrahierenden Mächte dem ständigen Schieds- gerichtshofe im Haag Differenzen, die in Fricdenszeiten hinsichtlich der Interpretation der Genfer Konvention sich ergeben könnten, unterbreiten. Dieser Wunsch wurde von allen Staaten angenommen, ausgenommen von Japan, Korea und Großbritannien. Petersburg, 7. Juli. Die geplante Vergnügung s-. tour des Kaisers nach den finnischen Schären ist neuerdings aus Sicherheitsgründen ansgegeben worden. -- Außerhalb der Stadt hat eine Versammlung der Mitglieder des Bundes zur Bekämpfung der Revolutionäre getagt, wobei über die Veranstaltung eines Vroqromes im Zentrum von Petersburg beraten wurde. Die Versammlung, in der etwa 150 Personen anwesend waren, nahm einen stürmischen Verlauf. Anscheinend findet hier jetzt ein Kongreß der Vertreter der Schwarzen Banden von ganz Rußland statt. Telefonisch«* KupsbericHe des Giessener Anzeigers, mitsreteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankfurter Rör«p. 7. Juli. 1.15 Uhr. 3%°/0 Beichsanleihe . . 99.80 Elektriz. Lahmerer . . . 144.50 3% do. . . 88.25 Elektriz. Schnckert . . . 130.2 2 3%°/0 Konsols .... 99.80 Eschweiler Bergwerk . . 253 10 3% do. . . . . 88 30 Gelsenkirchen Bergwerk . 220.80 3^°/n Hessen.....98.50 Hamhnrq-- Amerik. Paketf. 161 00 3%°/n Oberhessen . . . —.— Harpener Bergwerk. . . 209 90 4% Oesterr. Goldrente. . 100.70 Lanrahütte...... 232.00 4*/5 Oesterr. Silberrente 100.60 Xordd. Lloyd..... 127.00 4% Ungar. Goldrente . . 95.60 Obei schles. Eisen-Industrie 126.00 4% Italien. Rente . . . 103.40 Berliner Bandeisens . . 169.50 3% Portugiesen Serie I . 70.10 Darmstädter Bank . . . 139.75 3% Portugiesen „ III 70.60 Deutsche Bank . . . 23550 4172°ln russ.Staatsanl. 1905 89.25 Deutsch-Asiat. Bank . . 177.80 4^°/n japan. Staatsanleihe 95.25 Diskonto-Kommandit. . . 182.00 4 % Conv. Türken von 1903 95 40 Dresdner Bank . . . 157.75 Türkenlose ... .. 14680 Kreditaktien..... 209.20 4% Griech. Monopol-Anl. 53.65 Baltimore- und Ohio- 4 % äussere Argentinier . 91.20 Eisen! ahn . 116.00 4°/0 Mexikaner ... 70.30 Gotthardbahn..... —,—■ 3x°/0 Chinesen .... 97.95 Lombard Eisenbahn . . 35 20 Aktien: Oesterr. Staatsbahn . . . 143.80 Bochum Guss.....241.20 Buderus E. W ... 127.00 Prince-Henri-Eisenbahu . 151.20 Tendenz : fest. Berliner Börse, 7 Juli. Anfangskurse. Canada E. B......158.70 Harpener Bergwerk. . 209.50 Darmstädter Bank . . . 139.50 Lanrahütte .... 232.20 Deutsche Bank .... — Lombarden E. B. . . 35.10 Dortmunder-Union C. . . 85.30 Nordd. Lloyd .... Dresdner Bank .... 157.50 Türkenlose . ... Tendenz: fest. in der Entwicklung ober beim Lernen erW11ML/41K£ zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich niattiüblenbc unb nervöse überarbeitete, leicht erregbare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungsmittel mit großem Erfolg Dr. Hommel's Haematogen. Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem gestärkt. Alan verlange jedoch ausdrücklich das echte „Dr. Hommel's" Haematogen und laste sich keine der vielen Nachahmungen aufreden. Die nach- A a r *7 f O sin(1 Sonntaff, den 8. Juli von stehenden ß v X L l v 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts sicher anzutroffen. Dr. Markwald. Seltersweg58 II. -Dr.Richter, Frankf.Str.4U. Dr. Stuhl, Bahnhofstr. 26. Sonntaff 4—9 Uhr 206 Nur offen. für Gas, Spiritus, Benzin Lo©om@Men sind die treuesten Freunde und Gehilfen für den Industriellen, Handwerker und Landwirt. UnverwüstSic^! —---- Fordern Sie Offerte. —..... General-Vertreter: A. Collin, Frankfurt a. M., Kaiserstr. 60 I. Kosmos“- SauE-“’in ■ j MW Pserde-Versteigerung. Dienstag, den 10. Juli, vormittags 10 Uhr, sollen im Großh. Hofmarstalle dahier zirka 8 ausrangierte Landgestütsbeschäler, wovon voraussichtlich 3 unter der Bedingung des sofortigen Abschlachtens, versteigert werden, lieber das Abschlachten ist ein beglaubigtes veterinärärztliches Zeugnis einzureichen und ist bis zur Erbringung desselben eine Kaution von 100 Mark für jeden zu schlachtenden Hengst sofort zu hinterlegen. py Darmstadt, den 3. Juli 1906. Großherzogliche Landgestüts-Direktion von Willich. Freibank. Sa,-l°LtI-rflc,sch 30 P,g. |B'/, Prima Bnchen-TchMch zu haben [04879 Ph. Kröck, Kinzenbach. Bienenhonig C„Ä Lehrer Rabenau, Rödgeu. Sihen Jahamesbeermck pro Flasche 65 Pfg. mit Glas 04881] Bergstraße 17, p. König! Preuss. Klassen-Lotterie ZiehimgiibetwrgetitoSJiili 7,0 Los 7s Los Mk. 4 Mk. 5 Lose vorrätig bei: 4187 Ernst Legler Kgl. Preuss. Lotterie-Einnehmer. Inhaber der J. Rickers’chen Univ.-Bnchb. Südaulage 5. Fernsprecher 82. VeckiWNll M Arbeiten n. Fiihrleistuiigei!. Für die Feldbereinigung Bellersheim sotten Dienstag, den 10. Juli, vorm. ?) Uhr, nachverzeichnete Arbeiten, getrennt in einzelnen Losen auf dem Wege schriftl. Angebots vergeben werden. Los I Die Anlage des Grabens im Weihersgarten 526 Mk. „ II „ „ ,, „ Am Hintergarten 610 , „ III „ „ von Weg und Graben Nr. 142a 80 , „ IV Die Verschleisung des Berstädter Weges . . 800 . „ V—VII Die Erd- und Ehaussierungsarbeiten zur Herstellung der Kreisstraßenabfahrten 2184 „ „ VIII Verlegen von Zementrohren .....168 v u IX Anfahren von Basaltgrus....... 208 „ „ X—XII Die Planierung der Gewannwege .... 5141 „ „ XÜI Beton- und Ehaussierungsarbeiten zur Herstellung eines Durchlaffes 130 „ Voranschläge und Verdingungsunterlagen liegen aus Großh. Bürgermeisterei Bellersheim zur Einsicht offen, woselbst auch die Angebote, in Prozenten des Voranschlags, verschlossen und mit cntspr. Aufschrift versehen, einzureichen sind. Eröffnung der Angebote in Gegenwart erschienener Bieter. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gleichzeitig findet nachmittags 2 Uhr die anderweitige Vergebung von Waldrodungsarbeiten am Münchwald, ca. 3500 qm nach Bekanntgabe der Bedingungen durch öffentliches Ausgebot an Ort und Stelle statt. Gießen, den 2. Juli 1906. B4/r Großh. Kulturinspektiorr Gießen. Wißmann. BilriCtÄtehBm Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1904 . . 105 Während 1905 gingen zu...... . 3 am 31. Dez, Aktiva. An Utensilien Konto . . 128,49 „ Kasten-Konto . . . 334,74 „ Waren-Konto . . . 6785,94 „ Dcbitoren-Konlo . . 482,26 ?mber 1905t Passiva. jl 4 Per Anteil-Konto . . . 535,— „ Reservefonds-Konto . 1846,04 „ Betriebsrücklage . . 1511,05 „ Aufgen. Kapital . . 1000,— „ Div. Gläubiger . . 1340,76 „ Rest dcS Reingewinnes 1498,58 7731,43 773.,43 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1904 . . 105 Während 1905 gingen zu........ 3 108 Während 1905 gingen ab........ 1 Daher Stand der Mitglieder Ende 1905 . . ~ 107 LandmWfWcr Misim-tain H zu tarn Eingetr. Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Hch. Phil, «paar Ph. Lindenftruth V. 4190 Direktor. Lagerhalter. Q Wohne jetzt 04743 Geschäfts*? elbergabe Frau Pirr Wwe 04847] H. W. Rinn. Gießen, am 6. Juli 1906. Frau Katharina EHe Eintritt frei! Eintritt frei! Grünberg.Str. 47. Ludwig Abel. die Expedit, d. Bl. |S33/t A. Reinig gekauft. [4189 3327 Zöpfe!! Vereinfachtes Konservierungs - System (System Schildknecht—Tobler) 4180 DD fertigt bei [775 Leichenfrau. -ME Verkäufe. M KüMHdfüche Vereine VerPchiedenes Oiietstriißk 2 Adolf Schmidt Immobilien u. Hypotheken. lypoihekgelder auSzuleiheu zu 4—4'/, Prozent ohne jede Provision. Schriftl. Anfragen unter 3985 an den Gießener Anzeiger erbeten. Mimes Wohnhaus mit etwas Garten zu kaufen gesucht. Vermittler nicht erwünscht. Schriftl. Offerten nut. 04882 an den Gießener Anzeiger erbeten. zur Herstellung von Obst-, Gemüse-, Beeren- und Fleisch-Konserven. Gläser in allen Größen »/t, 1 und P/2 Liter. S((te§ Nähere durch Prospekte, welche gratis versendet Carl Müller, Hochstrasse 12. 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