9?r, 209 Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 6. September 1906 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. fr ö ------ 6 kr-A ** -** AAA. AA AA*4 R->«°ti<>n-druck und Verlag d-r Brühl',chm Die „Sietzener Kamlttenblätter" werden dem B WM D ä d W X O g fi gff /j yUP' Unwersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der M El WC. M kj ra g| | O A -------- „hesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal. W P- G- Redaktion, Expedition u.Dnickerei: Schulstr.7. VS ^l. Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bekanntmachung. 93efr.: Feldbercinigung in der Gemarkung Lollar. In der Zeit vom 11. bis einschließlich 24. September I. I. liegen auf dem Aintsziinincr der Großh. Bürgermeisterei Lollar: 1. Das neue Projekt über die Ausführung von Drainagen in Teilen der Fluren II und XII, 2. Der Beschluß der Vollzugskoinmission über die AuS- führung dieses Projekts rind die Kostendeckung zur Einsicht der Beteiligten offen. Einivendungen hiergegen sind bei Meldung deS Ausschlusses innerhalb der obenangegebenen Offenlegungsfcist bei Großh. Bürgermeisterei Lollar schriftlich einzureichen. Friedberg, den 3. September 1906. Ter Großherzogl. Feldbereinigungskommissär: I. V.: Dr. Goertz, NegierungSassessor. Deutscher Afarrertag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) H. F. Dresden, 5. Sept. 1906. Ci*: großen Saale des in der Zinzendorfstraße belegenen Evangelischen Vereinshauses begannen heute vormittag unter zahlreicher Beteiligung die Verhandlungen des Verbandstages der deutsch-evangelischen Pfarrer-Vereine. Es waren 67 Abgeordnete mit 24 Vereinen anwesend. Der Vorsitzende, Dekan Deißmann (Eubach, Hessen-Nassau), schlug vor, an den Kaiser und an den König von Sachsen Hul- bigungsdrahtungen und an den Ehrenpräsidenten des Verbandes, Superintendent Sternberg (Selchow, Pommern) eine Begrußungsdrahtung zu senden. Ter Vorschlag gelangte sofort einstimmig zur Annahme. — Pfarrer D. Flos (Vorland, Pommern) sprach alsdann über den M i l i t a r d i e n st der Theologen. Der Redner befürwortete folgenden Antrag: a) Der Verband deutscher Pfarrervcreine hält eine Aenderung der jetzigen Ordnung des Militärdienstes der evangelischen Theologen für durchaus geboten. Bei der ablehnenden Haltung der Militärbehörden sieht er jedoch zurzeit davon ab, eine prinzipielle Entscheidung herbei- zuführen. Er bittet die Vereine, die Sache nicht aus dem Auge zu verlieren, und erwartet vom Vorstande, daß er dre wichtige Frage gegebenenfalls wieder auf die Tagesordnung setze, b) Ter Vorstand des Verbandes wird beauftragt, an den Herrn Kciegsminister eine Eingabe zu machen dahingehend, daß die Bezirkskommandos angewiesen werden, jedes Gesuch eines Geistlichen um Dispensierung von einer Kontrollversammlung schon acht Tage vor dieser zu genehmigen, auch wenn noch nicht aügegeben werden kann, ob der Betreffende amtlich verhindert sein werde. c) Der Verband empfiehlt den Einzelvereinen, bei ihren Konsistorien dahin vorstellig zu werden, daß die Geistlichen des Beurlaubtenstandes nach Analogie der Lehrer jährlich davon benachrichtigt werden, ob sie im Kriegsfälle unabkömmlich sind, b) Ter Verband wolle bei dem Herrn Kriegsminifter dahin vorstellig werden, 1. daß die vierwöchentliche freiwillige Lazarettübung der Geistlichen von den Theologen des Beurlaubtenstandes bereits vor ihrer Ordination absolviert werden darf; 2. daß ihnen ein Titel, etnxi Felddiakon, verliehen werde, der sie dem Militär gegenüber als an- aehender Feldgeistlicher legitimiere, e) Ter Verband wolle beim Herrn Kriegsminister dahin vorstellig werden, daß denjenigen Geistlichen, welche die freiwillige vierwöchent- liche Lazarettübung absolvieren, eine angemessene Zulage aus Staatsmitteln auf ihren Antrag gewährt werde. Nach längerer Erörterung gelangte der Antrag, unter Streichung der Worte im Absatz d: „etwa F^lddiakon" und des ganzen Absatzes e, zur Annahme. $n den Vorstand des Verbandes wurden gewühlt u. a. Tekan Deißmann (Hessen-Nassau), Pastor Soldan (Hessen-Kassel), Pfarrer Wahl (Langen, Hessen-Darmstadt), au' über 20 ^an9en' Hessen-Darmstadt) sprach hier- Zn welcher Richtung ist das geistliche Gerichtsverfahren einer Reform bedürftig und fähig? Redner befürwortete in Uebercinstimmung mit dem ^^^or'lchterstatter Pastor Pasche (Dieskau) eine große An- rahl Leitsätze, in denen es u. a. heißt: Bei Irrungen in der Lehre und Seelsorge und ähnlichem geistlichen Wirken tritt an die Stelle der Voruntersuchung durch die Kirchen- behorde die Tätigkeit des Schlichtungsrats. Tiefer besteht: 1. aus dem Generalsuperintendenten, 2. und 3. einem Richter und einem Pfarrer, die dem Gerichtshof erster Instanz schon angehören, und in dem Falle, daß ihm mehrere Richter und mehrere Pfarrer angehören, von ihm hierzu bestimmt werden, 4. aus einem Professor der Theologie der zur Provinzialsynode wählbar sein muß und von ihr für die Dauer der Wahlperiode gewühlt wird, 5. und 6 aus einem Professor bet Theologie und einem Pfarrer die der Landeskirche angehören und von dem Angeschul- digten gewählt werden. Tie Kirchenbehörde ordnet die Tätigkeit deS Schlichtungsrates an. Ter Schlichtungsrat hat 1. den Sachverhalt festzustellen, 2. je nach Befund auf den Geistlichen und die Gemeinde seelsorgerisch einzuwirken mit dem Ziele, einen Ausgleich herbeizuführen 3. an die Kirchenbehörde zu berichten: a) bei erfolgtem Ausgleich über das Ergebnis, b) im anderen Falle mit dem Anträge auf Zusammentreten des Gerichtshofes erster Instanz. Dem Gerichtshöfe erster Instanz treten für den betreffenden Verhandlungsfall die drei Mitglieder des Schlichtungsrates, lvelche dem Gerichtshöfe noch nicht angehören, als vollberechtigte Mitglieder zu. Bei Irrungen in der Lehre und Seelsorge und ähnlichem geistlichen Wirken treten dem Gerichtshöfe zweiter Instanz als vollberechtigte Mitglieder hinzu: 1. ein von der Generalsynode für die Tauer der Wahlperiode gewählter der Landeskirche angehörender Professor der Theologie, 2. und 3. ein von dem Angeklagten gewählter, der Landeskirche angehörender Professor der Theologie und Pfarrer; diese dürfen der ersten Ipstanz noch nicht angehört haben. Äsungen in der Lehre uitf) Seelsorge und ähnlichem geistlichen Wirken tritt in erster und zweiter Instanz an die Stelle des Erkenntnisses auf Schuldig das Fest- stellungsverfahren über den Tatbestand der bekenntnis- wldrigen Lehre oder der der kirchlichen Ordnung nicht entsprechenden Seelsorge resp. ähnlichen geistlichen Wirkens. Innerhalb eines halben Jahres soll es dem Geistlichen frei stehen, jein Amt niederzulegen, ohne daß er damit die Rechte des geistlichen Standes und den Anspruch auf Pension und Relittenversorgung verliert. Für leichtere tfäne, namentlich aus dem Gebiete der Seelsorge, ist die Nachsuchung der Versetzung in ein anderes geistliches Amt zu gestatten. Ausgabe der Pfarrervereine ist es, dahin zu wirken, daß jeder ihnen angehörende Pfarrer die dem ^eststellungsverfahren entsprechenden Konsequenzen zieht, zollte er das innerhalb der gegebenen Frist nicht tun, so hat der kirchliche Gerichtshof, der die Feststellung getroffen hat, auf Amtsenthebung resp. in leichteren Fällen auf dem Gebiete der Seelsorge aus Versetzung in ein anderes Amt zu erkennen. Ter Unterschied von Amtsenthebung nnb Dienstentlassung ist schärfer zu gestalten. Dienstentlassung bars nur eintreten -in Fällen, bie zum geistlichen Amt überhaupt unwurblg machen, Amtsenthebung, bei welcher die Anstellungsfähigkeit verbleibt, ist in der Regel unter Zubilligung eines Ruhegehalts auszusprechen. Die Vollstreckung der Strafe gebührt der vorgesetzten Kirchenbehörde. Tas Verfahren ist den neuzeitlichen Forderungen der Strafrechtspflege anzupassen. Nach längerer Besprechung wurde beschlossen: „Tie Leitsätze den Vereinen als Richtschnur zu unterbreiten, jedoch zu beschließen: Der Vcrbandstag erklärt eine Reform des Disziplinarverfahrens bei Irrungen der Lehrer und Seelsorger und bei sittlich-ordnungswidrigen Verfehlungen für notloenbig. Es ist erforberlich, für diese Fälle selbständige streng voneinander getrennte Gerichtshöfe erster und zweiter Instanz zu bilden." Pastor Ar per (Weimar) befürwortete folgenden Antrag: Ter Verband wolle sich dafür aussprechen und dahin wirken, daß die kirchlichen Behörden beim liebergang eines festangestellten Geistlichen aus dem Dienst der einen in den Dienst einer anderen Landeskirche auf eine Nachprüfung (Kolloquim) verzichten und sich, wenn nötig, aus andere Weije über bie Qualifikation des Bewerbers für das geistliche Amt innerhalb ihrer Landeskirche unterrichten möchten. Ter Redner bemerkte: Ter Antrag sei älter als der Fall Cesar, er habe also damit nichts zu tun. Ein Kolloquium sei kein Examen, sondern ein religiöses Gespräch. Tie wissenschaftlichen Anforderungen an alle anderen akademischen Berufe seien in ganz Deutschland einheitlich; nur die im Auslände abgelegten Prüfungen werden nicht anerkannt. Die evangelischen Landeskirchen in Deutschland behandeln sich aber gegenseitig als Ausland. Für die religiöse Ueberzeügung sei man nur seinem Gotte Rechenschaft schuldig. — Aus Antrag des Pastors Neubauer (Berlin) wurde beschlossen: „In Erwägung, daß 1. die Beseitigung des Kolloquiums zur Voraussetzung hat eine gleichrnäßige wissenschaftliche Vorbildung der evangelischen Theologen, dem Vernehmen nach aber in den verschiedenen Landeskirchen zurzeit noch nicht entschieden ist, 2. der Beschluß des erweiterten Vorstandes vom. Januar d. I. betreffend vorherige Befragung des deutsch-evangelischen Kirchenausschusses noch nicht zur Ausführung gekommen ist, wird beantragt: Die Behandlung dieser Frage an bie Einzeldereine zur Sammlung bes erforderlichen Materials nnb Vorlage auf bet nächsten Mbge- orbnetenvetsammlung zurückzuverweisen." Der Verbanbstag beschäftigte sich banach mit dem Fall Korell. Pastor Arper (Weimar) befürwortete solgenben Antrag: „1. Wir evangelischen Pfarrer brauchen für unsere amtliche Wirksamkeit unb beanspruchen deshalb Freiheit in politischer und sozialer Beziehung. 2. Wir sind überzeugt, daß eine Beschränkung in der Ausübung dieser Freiheit nicht mir unnötig ist, sondern auch unser amtliches Wirken schwer beeinträchtigt. 3. Wir haben die Zuversicht, daß die deutschen evangelischen Pfarrer auch ferner von dieser Freiheit einen Gebrauch machen werden, der mit den Aufgaben und Pflichten ihres Amtes in Einklang steht." — Pfarrer Deißmann (Eubach, Hessen-Nassau) hat folgenden Antrag gestellt: „Die Abgeordnetenversammlung des Verbandes deutscher evangelischer PsarrLrvereine verzichtet auf eine Besprechung des Falles Kvrell wegen Mangels an genauerer Information, sieht sich aber veranlaßt zu folgender prinzipieller Erklärung: 1. Wir beanspruchen in politischer Beziehung die volle Freiheit, welche jedem Staatsbürger gewährleistet ist, und protestieren gegen jede Art von Bevormundung, welche die Aufgaben, Rechte und Pflichten unseres Standes beeinträchtigt. 2. Insbesondere ühlen wir uns berechtigt nnb verpflichtet, an den sozialen Aufgaben unserer Zeit in Gemeinde und Staat milzuar- beiteü und bie materielle Besserstellung einzelner Volks- klassen und -Schichten nach Kräften zu fördern, wenn und öweit nicht die sittlich-religiöse Entwicklung und das Allgemeinwohl dadurch gehemmt und gefährdet werden. 3. Eben deshalb und unter denselben Bedingungen werden wir auch özialdemokratischen Mitgliedern unserer Gemeinde gern in jeder Weise dienen, solange sie zur Religion und Kirche sich bekennen, erklären aber jegliche Unterstützung der sozialdemokratischen Partei als solcher durch einen evangelischen Geistlichen wegen deren antireligiöser Tendenz für unbedingt ausgeschlossen." Pfarrer Arper bemerkte: Er glaube kaum nötig zu haben, den Antrag noch zu befürworten, daß die Geistlichen vollständiger Freiheit bedürfen. Er halte es für verfehlt, einen Beschluß gegen bie Sozialbemokratie zu ässen. Er kenne keinen evangelischen Geistlichen, der mit den Sozialdemokraten liebäugle, es liege also für die deutsch- evangelischen Pfarrer keinerlei Anlaß vor, die Sozialdemokraten von ihren Rockschößen abzuschütteln. Er halte es aber auch aus taktischeli Gründen für falsch, einen Beschluß gegen bie Sozialdemokratie zu fassen. .Vorläufig stehe noch immer auf dem Programm der Sozialdemokratie: „Religion ist Privatfache." Ein Beschluß der deutsch-evangelischen Pfarrervereine gegen die Sozialdemokratie würde oen >o- zialdeniokratischen Führern willkommene Gelegenheit bieten, offen gegen die Kirche und den Pfarrerstano oorzugehen. Eine solche Gelegenheit dürfe man über umsoweniger geben« ba bie Kirche keinerlei Veranlassung habe, bas noch zwischen vielen Sozialdemokraten und der Kirche bestehende Band au zerschneiden. (Beifall und Widerspruch.) — Pfarrer Wahl (Hessen): Er müsse dem Vorredner ganz entschieden widersprechen. Tie Sozialdemokraten würden es als Mutlosigkeit, wenn nicht als Feigheit bezeichnen, wenn bie evan- gelilchen brutschen Pfarrer nicht entschieden in dieser Angelegenheit Stellung nehmen wollten. Es wäre grundfalsch ja bie Oeffentlichkeit würbe es nicht verstehen, wenn bie evangelischen Pfarrer nicht offen Farbe bekennen wollten Vor allen Folgen bet Beschlußfassung bürfc man eben nicht scheuen. (Beifall.) Er ersuche, folgendem Anträge zuzu-, stimmen: „Wir halten es im allgemeinen für Pflicht bes Verbandes deutscher Psarrervereine, bei Beurteilung der Verhältnisse in den einzelnen Landeskirchen bie sorgfäl- Ugstc Zurückhaltung zu beobachten. Darum lehnen wir es ab, zu dem Falle Korell klär und deutlich Stellung zu nehmen, da er für bie öffentliche Meinung nicht genügend geklärt ist und innerhalb der hessischen LanbeSkirche selbst gegensätzliche Beurteilung erfährt. Die Tatsache indes, daß eine deutsch-evangelische Kirchenbehörde die politische Haltung eines Geistlichen zum E^genstande behördlicher Kor-, rektur machte, veranlaßt uns, grundsätzlich zu erklären: 1. Wir fordern für das politische unb soziale Wirken des Geistlichen die FreilM, wie sie ihm als Staatsbürger zu- l'ommt unb wie sie eine Bedingung für die Ausrichtung, seiner A>mtsaufgaben im öffentlichen Leben ist. Das Ein-, treten für bie Aufrechterhaltung ber bestehenben Wirtschafts- unb Gesellschaftsordnung insbesondere kann dem Geistlichen nicht zu einer aus dem Amte bet Wortverkünbigimg fließenden Pflicht gemacht werben. 2. Wir halten es für selbstverständlich, daß jeder evangelische Geistliche den gesunden Zielen loyaler Reformen, vor allem der Hebung und Sicherung der Lage des Arbeiterftaiides, das tatkräftigste Interesse entgegenoringt; desgleichen daß er allen Gliedern seiner Gemeinde, ohne Rücksicht auf ihre politische Parteü" stellung, in seelsorgerischer Liebe dient. AbeL^wir halten es mit gleicher Gewißheit für unvereinbar mürben Amtspflichten eines Geistlichen, die politische Machi unb bas' Machtbewußtsein einer solchen Partei bewußt zu stärken, die, so wie die heutige Sozialdemokratie, sowohl bie religiösen wie sittlichen Grundlagen unseres christlichen Volkslebens tatsächlich zu zerstöreri sucht." (Lebhafter Beifall.) — Pastor Lie. Schäfer (Remscheid): Er könne dem Vor» rebner nur» in jeder Beziehung zustimmen. In seiner Pa^ rochie seien die Sozialdemokraten ungemein zahlreich. Am Tage nach den letzten Reichscagswahleu habe er im Hanse eines sozialdemokratischen Atbeiters ein Kind getauft. Nach vollzogener Taufe habe er dem Manne offen gesagt: es freue ihn, baß, obwohl sie politisch an verschiedenen Seilen ziehen, in religiöser Beziehung auf einem Standpunkte stehen. Ter Geistliche sei verpflicytet, das Zukunftsparadies bet Sozialbemokraten als Unsinn, das es boch sei, zu bezeichnen. Auch sei es notwendig, die antinationalen und antireligiösen Tendenzen der Sozialdemokratie zu bekämpfen. — Pastor Zimmer (Rheinland): Er halte es für sehr be- denklich, baß ber Pfarrer sich in politische Parteistreitigkeiten mische. Er sei von seiner Behörde zur Veranttvortung gezogen worden, weil er in ber engeren Wahl gegen den ultramontanen Kanbidaten Stellung genommen habe. — Pastor Riehm (Rheinland): Er könne sich auch nicht für )cn Antrag Wahl erklären. Dann müßte man sich boch konsequenterweise auch gegen bie destruktiven Tendenzen )es Ultramontanismus erklären. (Beifall und Widerspruch.) Er halte die Ultramontanen für viel gefährlicher als die Sozialdemokraten. (Beifall und Widerspruch.) — Nach längerer Erörterung gelangte ber Antrag Wahl mit großer Mehrheit zur Annahme. — Ein Antrag au\ Abänberung des § 166 des Strafgesetzbuches wurde einer Kommission überwiesen. Als Abhaitungsort für den nächsten ^Verbands- tag wurde Hannover gewählt. _________ politische Lagesscha«. Die kommenden Reichstagsausgaben. Der September ist herangekommen unb bie Wochen bis zum Zusammentritt des Reichstags verstreichen gar schnell, so daß es Zeit ist, an die kommende Winterarbeit zu denken. Es ist daher sehr wohl möglich, daß das preuß. Atinisterium in seiner Sitzung am letzten Freitag an die Vorbereitung von Entwürfen herangetreten ist, welche demnächst dem Bundesrat zur definitiven Gestaltung zugehen werden. Der Bundesrat pflegt alljährlich nach der Sommerpause im September wieder zusammenzutreten, um den inzwischen ausgefammelten Stoff zu bearbeiten und vor allen Dingen seine Rtaßnahmen im Hinblick auf die bevorstehende Parlamentskampagne zu treffen. Diesmal tritt der Reichstag ja auch etwas früher als sonst zusammen, am 13. November, und es ist daher wünschenswert, genügend Beratungsmaterial bereit zu halten, wenn auch noch manches von der vorigen Tagung übrig geblieben ist. Der Reichshaushaltetat wird allerdings diesmal weniger Schwierigkeiten bieten als im Vorjahre, weil die Erledigung der Steuergesetze wegfällt unb man von vornherein mit den gegebenen Verhältnissen auf finanziellem Gebiete rechnen kann. Freilich wird trotz alledem die Etatsberatung diesmal sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, weil es zu einer sehr eingehenden Debatte über die Kolonialaffäre unb die begleitenden Nebeniimständen kommen wird. Indessen stehen mehrere wichtige Vorlagen an, deren Erledigung seit langem von weiten Kreisen der Bevölkerung erwünscht ist. Es handelt sich hierbei um den Entwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsoereine und das Gesetz über die Sicherung der Bauhandwerkerforderungen. Bei beiden Vorlagen sind die Vorarbeiten längst abgeschlossen und eS handelt sich für den Bundesrat nur noch darum, die letzte Feile anzulegen. Die Frage der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine ist feit Jahren heiß umstritten, weshalb man die gesetzliche Regelung dieser Materie längst wünschte, während ihre Erledigung immer wieder auf die lange Bank geschoben wurde. 2(n der Annahme der Vorlage im Reichstage kann kaum ein Zweifel obwalten. Anders steht es dagegen um den zweiten Ent- wurf, der den Gegenstand scharfer Kritik bilden dürfte, da sich schon jetzt zahlreiche Stimmen gegen die Tendenz des Entwurfes erheben, der vor längerer Zeit in seinen Grundzügen von Seiten der Negierung der Oeffentlichkeit zur Begutachtung unterbreitet worden ist. Mag auch der Entwurf manche Schwächen haben, so steht es doch außer Frage, daß mit einem derartigen Gesetze den Bauhandwerkern eine große Wohltat erwiesen wurde, da gerade diese durch die vielfach herrschende Baumiserc und schwindelhafte Unternehmer geschädigt werden, weil sie mit ihren Forderungen zumeist das Nachsehen haben. Sonst sind kaum Vorlagen von Bedeutung zu erwarten, auch die verschiedentlich angekündigte neue Flottenoorlage wird unter allen Umständen ausbleiben, da niemand an eine solche innerhalb der Neichsregierung denkt. ES ist auch nicht einmal anzunehmen, daß ein Ersatz für die Kaiseryacht „Hohenzollern" gefordert wird, da es hierbei vielleicht zu unliebsamen Kritiken kommen könnte. Höchst wahrscheinlich ist es, daß auch die so dringend notwendige Reform unsererVersicherungsgesetzgebung kommen wird, da die Vorarbeiten hierzu infolge des Umfanges dieser Materie beendet sind. * Treu deutsch. Ein Festmonat i st für das Großherzogtum Baden der September, sind doch 50 Jahre verflossen, seitdem Großher- zog Friedrich von Baden den Thron seiner Väter bestiegen und vollendet der greise Herrscher zur selben Zeit sein 80. Lebensjahr. Auch außerhalb der badischen Grenzpfähle geziemt es sich dieser Ehrentage zu gedenken, denn Baden und sein Großherzog Friedrich waren von je die treuesten Anhänger des deutschen Gedankens, und Baden war der erste deutsche Staat, welcher nach erfolgter Einigung der deutschen Stämme noch einen weiteren Teil seiner Hoheitsrechte aufgab, um eine starke kaiserliche Zentralgewalt herbeizusühren. Ebenso ist es die badische Negierung gewesen, welche bereits Anfang September 1870 in einem Schreiben an Bismarck die Wiedervereinigung Elsaß-Lothringens mit Deutschland und vor allem die Umwandlung des Norddeutschen Bundes in einen deutschen forderte: auch gab Baden im Verfolg dieser Anschauungen seine militärische Selbständigkeit auf und schaffte als erster Bundesstaat seine auswärtigen Vertreter ab. Nicht d ie persönlichen verwandtschaftlichen Bande, welche das Großherzogliche Haus mit den Hohenzollern verknüpfen, waren es, welche diese Politik bestimmten, sondern aus der innersten Ueberzeugung heraus wurden diese Entschlüsse gefaßt. Allerdings war 1866 Vaden auf der Seite der Gegner Preußens zu sehen, indessen geschah dies unter dem Zwange der äußeren Verhältnisse,^ da angesichts der Stimmung der übrigen süddeutschen Staaten; Baden nicht anders konnte, wenn es nicht selbst am schwersten die Last des Krieges tragen wollte. Um so inniger war aber nach erfolgtem Frieden der Anschluß an Preußen und das Beispiel Badens hat sicherlich auch Bayern und Württemberg wesentlich in ihrer spateren Haltung beeinflußt. Ebenso überzeugungs- Ireu waltete der Großherzog im Lande selbst, er kennt keinerlei Vorurteil und war von je ein Vertreter des konstitutionellen Gedankens, der in Baden eine gute Folgestätte hatte: hat man doch darum auch Baden den Beinamen des konstitutionellen .„Baderländle" gegeben. Von schweren Stürmen ist das Großherzogtum ja auch nicht verschont geblieben, als Großherzog Friedrich die Regierung antrat herrschten traurige inuerpolityche Verhältnisse, bis es dem Großherzog und seinen Ratgebern gelang, eine gemäßigte Politik einzuführen, die seitdem auch innegeholten wurde. Freilich hat es auch in der Folgezeit und speziell in den letzten Jahren nicht an scharfen Parteifehden gefehlt, indessen hat sich die Regierung nie eingcmischt, sondern den cingeschlagenen Kurs getreulich inne gehalten. Für all' das weiß das badische Land seinen getreulich.ui Hüter Dank, und die Festestage werden der Bevölkerung die Möglichkeit geben, dem geliebten Herrscher gegenüber ihrer Gesinnung Ausdruck zu geben. Aber auch die übrige deutsche Nation erinnert sick an diesen Tagen doppelt der großen Verdienste des Großherzogs Friedrich von Baden, dem Oheim des deutschen Kaisers, der es namentlich in den ersten Jahren der Rcgierungszeit des kaiserlichen Neffen nicht an weise und abgeklärte Ratschläge hat fehlen lassen, und so hat man auch außerhalb Badens allen Grund, Anteil an den Jubelfesten zu nehmen und (siroßherzog Friedrich als einen der treuester! deutschen Fürsten zu feiern. Aukland. Die Ratlosigkeit. Aus Petersburg' wird uns geschrieben: Trotz aller Prahlereien der Regiernngsklique steht es fest, daß in den Reihen der Bureaukratie eine außerordentliche Ratlosigkeit herrscht. Mle Erwartungen und Berechnungen haben sich Äls falsch erwiesen, und die Regierung sieht jetzt immer üneljr ein, wie unklug sie gehandelt hat, als sie die Gossu- darstwennja Duma auflöste. Man glaubte damals, daß die Revolution völlig gebrochen sei, und daß ein bißchen Terrorismus allein genügen werde, das Land in „Ruhe" zu halten. Man erinnert sich noch, mit welcher Freude und mit welchem Stolz die Regierungsagenten auf die ersten Nachrichten hinwiesen, die von der „Ruhe" im Lande sprachen. Man war schon fast sicher, daß alles gut ablaufen und daß der politisch verbrecherische Streich der Regierung keine weiteren schlimmen Folgen haben werde. Es kam aber anders. Sweaborg, Kronstadt, Vrest-Litowsk, Sebastopol, die Attentate auf Stolypin, auf Minn und auf andere hohe Würdenträger, die immer wachsende Flut der Bauernbewegung — alles zeigte, daß die Regierung sich in der Stimmung der Bevölkerung verrechnet hat. Was aber soll geschehen — darüber weiß niemand etwas Gescheites zu sagen. Die Regierung selbst hat keinen festen Plan und wankt bald nach links, bald nach rechts, und wofür sie sich endlich entscheiden wird, ist vorläufig noch schwer zu sagen. Um irgendwie einen Ausweg aus der Sackgasse, in die sie geraten ist, zu finden, veranstaltet die Regierung jetzt eine außerordentliche Konferenz, an der sich die allerhöchsten Würdenträger Rußlands beteiligen sollen. Diese Konferenz soll über die folgenden drei Fragen ihr Urteil abgeben: 1. ob es wünschenswert ist, zwecks Beruhigung des Landes, die Duma möglichst bald einzuberirfen; 2. ob es für den jetzigen Moment zweckmäßig und notwendig ist, an den konstitutionellen Prinzipien des 17. Oktobers weiter sestzuhalten und falls nicht — wie die Aufhebung der konstitutionellen Garantien motiviert werden müsse; 3. im Falle einer bejahenden 'Antwort, — ob es für die Bildung einer regierungsfreundlichen Majorität der kommenden Duma zweckmäßig und wünschenswert sei, schon jetzt die von dem Ministerrat ausgearbeiteten Gesetzentwürfe zu verwirklichen. Sowohl die Fragen wie die Tatsache der Einberufung der Konferenz selbst beweisen, daß von einem' festen Kurs der Regierung keine Rede sein kann. Und diese Unschlüssigkeit zeigt wiederum', toie weit die Regierung davon entfernt ist, die Lage zu beherrschen. ♦ -r-: -r- Gegenübcr widersprechenden Meldungen teilt der Petersburger Korrespondent der „Köln. Ztg." mit, daß angesichts der jüngsten schwerwiegenden Ereignisse Stolypin geneigt ist, die Duma schon zu einem früheren Termin als Februar ein zuberufen. In den letzttägigen Ministerratssitzungen wurden hierüber (Erörterungen gepflogen; , Stolypin wurde angeblich beim Kaiser dieserhalb vorstellig. In Hofkreisen erhält sich 'v.’.x offiziöser Ableugnungen hartnäckig das Gerücht, daß Trepow sein Amt niederlegen wird. Ein Shstemwechsel sei indessen in der Enthebung Trepows von dem wichtigen Posten nicht zu erblicken, ebensowenig wie in der bevorstehenden Ersetzung des erkrankten Generalgouverneurs von Polen durch General Rennen- kampf. Im Gegenteil sei man an maßgebender Stelle entschlossen, den Revolutionären gründlich auf den Leib zu gehen. Auch sollen die Bestimmungen über das Standrecht wesentlich verschärft werden. — Der Mini st errat hat in seiner Sitzung vom 4. Sept, beschlossen, ein Regierungskommuniquö zu erlassen, durch welches die Gerüchte, denen zufolge die Regierung beabsichtige, das den Ko s a ke n he er e n gehörige Landeigen- tum zu konfiszieren und unter die Bauern zu verteilen, als Erfindung böswilliger Elemente bezeichnet werden, welche im Kvsakenheer Beunruhigung Hervorrufen und die traditionell: Ergebenheit desselben gegen Thron und Vaterland untergraben wollen. Das Kommunique erinnert daran, daß die Ländereien den Kvsakenheeren durch kaiserliche Urkunden auf ewige Zeiten verliehen wurden und nicht enteignet werden können. Bei der Durchführung der Agrarreform werde die Regierung, wie schon öfter festgestellt wurde, an dem Grundsätze der Unantastbarkeit des Privatlandbesitzes sesthalten. — Das Komitee für die Organisation des Agrarwesens stellte Regeln auf für die Benutzung der Kronländercien zur Erweiterung des bäuerlichen Grundbesitzes; diese Ländereien umfassen ein Areal von mehr als 4 Millionen Deßjatinen und geben zusammen Einnahmen im Betrage von 7 Millionen Rubel. — Ein kaiserlicher NkaS überweist die Strafsachen wegen staatsgefährlicher Propaganda unter den Angehörigen der Armee an die Kriegsgerichte bei gleichzeitiger Erhöhung des bisherigen Strafmaßes. Ende September findet in Petersburg ein gemeinsamer Parteitag der Oktobristen und der „Partei der friedlichen Erneuerung" statt. Es ist in Aussicht genommen, daß sich der Verband vom 17. Oktober auflöst und der zweitgenannten Partei beitritt. Der Direktor des Festungsgefängnisses zu Warschau wurde in der letzten Nacht von 6 wachhabenden Soldaten erschossen und der Eingang zu den Kasematten gesprengt. Sämtliche Nachtaufseher wurden geknebelt und 56 Mitglieder des revolutionären Komites befreit. Die meuternden Soldaten sind mit den Befreiten gefluchtet. Deutsches Reich. Frankfurt, 5. Sept. Angesichts der bevorstehenden Neichs- tagswahlen haben schon vor längerer Zeit Angehörige der drei Parteien der bürgerlichen Linken, der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Vereinigung und der Deutschen Volkspartei, die Mittel zur Errichtung eines gemeinsamen Parteisekretariats für Frankfurt und die angrenzenden Wahlbezirke zusammengesteuert. Jetzt ist Redakteur Schwarz aus Mülhausen für diesen Posten gewonnen ; er wird sein Amt am 1, Oktober antretefi. Kiel, 5. Sept. Die russischen Panzerschiffe „Zeßarewitsch" und „Salawa", sowie der Kreuzer „Bogatyr" sind heute vormittag unter dem üblichen Salut in dem hiesigen Hafen eingelaufen. Die Schiffe verbleiben einige Tage hier, um Proviant und Kohlen einzunehmen. — Prinz Heinrich empfing heute mittag im Stationsgebäude den Admiral und die Kommandanten der russischen Kriegsschiffe. Der Prinz erwiderte alsbald den Besuch an Bord der Schiffe. Im Laufe des Nachmittags begab sich der Großadmiral v. Köster zu einem kurzen Besuche an Bord der drei Schiffe. Eisenach, 5.Sept. Der Großherzog von Sachsen- Weimar trat heute eine Reise nach Schweden und Norwegen an. Leipzig, 5. Sept. Dr. Friedrich Naumann hat auf eine weitere Zugehörigkeit zum Kyffhä user-Verbande verzichtet und ist auf sein Ansuchen in der Alten Herren-Liste des hiesigen Vereins deutscher Studenten gestrichen worden. London, 5. Sept. Der Herzog von Connaught wird heute die Reise von London nach Deutschland antreten, um dort den Manövern beizuwohnen. In Begleitung des Herzogs befinden sich Brigadegeneral Maxwell, der Chef seines Generalstabes, und sein 9(bjutcmt Major Murray. — In Meigle in Schottland fand heute unter großer Beteiligung die Beerdigung der verstorbenen Lady Campbell Bannermann statt. Auch in London wurden anläßlich der Beerdigung Trauergottesdienste abgehalten. Paris, 5. Sept. Heute vormittag fand wieder eine Versammlung der Bischöfe statt. Gegen die allgemeine Erwartung erhielt die Presse keine Mitteilung über die Antwort des Papstes auf das gestrige Schreiben der Bischöfe. Man glaubt, daß sie noch nicht eingetroffen sei. Am Nachmittag wurde die vierte Vollversammlung der Bischöfe abgehalten. Auch über diese ist der Presse keine Mitteilung zugegangen. Am Freitag nachmittag schließt die Versammlung die Arbeiten mit einem feierlichen Gottesdienst in der Notredame-Kirche. — Kardinal Richard erhielt ein Telegramm des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val, in in dem es heißt: Die Adresse der Bischöfe bereitete dem Papst eine angenehme Genugtuung, denn er sah darin einen neuen Beweis vollkommener Anhänglichkeit des französischen Episkopates an den heiligen Stuhl, der gern auf dieser Anhänglichkeit die Hoffnung gründe, daß die Bemühungen der Bischöfe ihr Ziel erreichen werden, durch das Heil der Kirche Frankreich die wahre Wohlfahrt zu sichern. Nom, 5. Sept. Infolge von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kabinettschef und dem Bautenminister droht eine Ministerkrise auszubrechen. In parlamentarischen Kreisen heißt cs, der Bautenminister werde zurücktreten. Fiume, 5. Sept. Mehrere Hundert tschechische und kroatische Mitglieder von Gesangvereinen, die in Agram die Ausstellung besucht hatten, durchzogen die Stadt, wobei sie Spottlieder auf Ungarn sangen. Es entspann sich eine Schlägerei zwischen der Bevölkerung und den Sokolisten, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Militär verhinderte weitere Ausschreitungen. Die Gesangvereine verließen dann die Stadt zu Schiff. Wien, 5. Sept. Der Kongreß der deutschen Eisenbahnverwaltungen beendete feine Beratungen; er bestimmte als Ort der nächsten Tagung Amsterdam. — Ministerpräsident Beck wird sich an diesem Samstag nach Budapest begeben, um persönlich die Ausgleichsverhandlungen zwischen Oesterreich und Ungarn einzu- leiten. Konstantinopel, 5. Sept. Obwohl der Sultan bereits am vorigen Samstag alle seine Minister sowie die verschiedenen Patriarchen in Audienz empfangen hat, ist bis jetzt noch keine Entscheidung üoer den Empfang der Botschafter getroffen worden. Der amerikanische Botschafter Leishman hat bereits wiederholt eine Audienz verlangt, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Der deutsche Botschafter begiebt sich nächste Woche auf Urlaub. — Die Botschafter der Ententenmächte überreichten der Pforte eine Kollektivnote, welche dagegen Einspruch erhebt, daß, anstatt die von der mazedonischen Finanz- ko m m i s s i o n für das lausende Jahr in Aussicht genommenen öffentlichen Arbeiten auszuführen, der Mali von Salonik für den Bau zweier strategischer Straßen, Strumitza-Osmanie und Strumitza-Nadowista, Bewerbungsschreiben erlassen habe. Die Botschafter weisen darauf hin, daß die Finanzkommisfion im laufenden Jahre bedeutende Summen für rein strategische Arbeiten bewilligt habe, weil die Sicherung der Grenzen eine wichtige Bedingung für die Entwicklung der Provinzen sei. Da aber die Kommission die strikte Einhaltung des Budgets überwachen müsse, sei sie berechtigt, gegen nicht vorgesehene Arbeiten Einspruch zu erheben. Die Botschafter verlangen schließlich die Zurückziehung der Bewerbungsausschreibung. — Alle Großmächte, an die die Pforte wegen der Haltung Bulgariens Rundschreiben gerichtet hat, haben mit Bezug auf Bulgarien beruhigende Antworten gegeben. Die türkischen Handelsagenten in Bulgarien melden noch immer eine Fortdauer der antigriechischen Bewegung, die sich angeblich auf Türken und Armenier ausdehnen soll. Petersburg, 5. Sept. An Stelle der bisher in der Mandschurei bestehenden Agenturen des Ministeriums des Ausivärtigen werden russische Generalkonsulate in Charbin, Mukden, Kirin, Zizikar und Dulni und ein Vizekonsulat in Kuontsenei errichtet. New-Pork, 6. Sept. Von Havanna eingetroffene Personen berichten, daß es in Kuba viel schlimmer aussieht, als bisher bekannt war, da Palmas Regierung keine alarmierende Nachrichten durchläßt. Gefechte finden beständig statt und die Tabakernte sei bedroht. General Guerra habe angeordnet, alles niederzubrennen, wenn Palmas nicht abdankt oder nachgibt. Santiago de Chile, 5. Sept. Auf Antrag des Präsidenten Nieseo hat der Staatsrat über die Provinz Valparaiso auf einen Monat den Belagerungszustand verhängt. In der Begründung des Antrages heißt es, daß mehr als 7000 Menschen noch immer in den Straßen kampieren. Kalkutta, 5. Sept. Die Hungersnot infolge des Mißratens der Reisernte in Bengal greift weiter um sich. Die Neispreise sind zu einer abnormen Höhe gestiegen. Die Eingeborenen plündern die Lagerhäuser. Lahore, 5. Sept. Die feindselige Haltung der Mohammedaner gegen die Agitation der Hindus gegen die kürzlich erfolgte Teilung von Bengalen in zwei Provinzen hat zu einer Bewegung zugunsten eines großartigen politischen Zusammenschlusses der Mohammedaner geführt. Der Vizekönig hat sich bereit erklärt, am 1. Oktober 1906 eine mohammedanische Abordnung zu empfangen, die ihm die Beschwerden von 70 Millionen Glaubensgenossen, die den Erfolg der Agitation der Hindus als eine Bedrohung ihrer Interessen ansehen, zu Gehör bringen will. Airs Stadt itttfc Land. Gießen, 6. Sept. 1906. ** Der Ausschuß des landwirtschaftlichen Bezirksvereins desKreisesGießen hielt am Dienstag nachmittag im Cafö Ebel eine Sitzung ab, in welcher zunächst die Frage erörtert wurde, ob der Verein auch nach dem Jnslebentreten der durch dös Gesetz über die Landwirtschaftskammer geschaffenen neuen Organisation noch fortbestehen solle. Hierfür wurde geltend gemacht, daß auch in der Provinz Hessen-Nassau die landwirtschaftlichen Vereine neben der Landwirtschaftskammer beständen, und es sei kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß dies nicht auch im Großherzogtum Hessen und insbesondere in der Provinz Oberhessen der Fall sein könne. Gerade die Provinz Oberheffen verdanke zum größten Teil der Tätigkeit des Provinzialvereins und der Bezirksvereme den großen Aufschwung, den die Landwirtschaft der Provinz genommen habe. Ferner wurde bemerkt, daß, wenn den neuen Organisationen zahlreiche Aufgaben überwiesen worden seien, deren Erfüllung seither Zweck der landwirtschaftlichen Vereine gewesen, diesen immer noch Aufgaben genug blieben, welchen sie sich widmen könnten. Es sei hier besonders zu erwähnen das landwirtschaftliche Unterrichtswesen, für welches gerade der Bezirksverein Gießen seither schon warmes Interesse bekundet und erhebliche Mittel aufgebracht habe. Die von dem Verein gegründeten Schulen: die landwirtschaftliche Winterschule und die Wander-HauS- haltungsschule erfreuten sich des steigenden Jntereffes der Landwirte des KreiseS. Auch durch die Einrichtung von Lehrkursen an dem landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in den Fortbildungsschulen habe sich der Verein ein anzu- erkennendeS Verdienst um die Landwirtschaft treibende Bevölkerung erworben. Es könne nur mit Freuden begrüßt werden, wenn eS dem Vereine möglich sei, seine segensreiche Wirksamkeit zur Förderung des landwirtschaftlichen Unterrichts auch ferner zu betätigen. Der Ausschuß beschloß ein» stimmig, daß der Verein weiter bestehen solle. Zu- gleich wurde beschlossen, eine engere Verbindung mit dem landwirtschaftlichen Lokalverein Gießen in Aussicht zu nehmen. Das Gesetz über die Landwirtschaftskammer und die zu seiner Ausführung erlassenen Bestimmungen gaben zu einer Reihe von Fragen Veranlassung. Es wurde beschloffen, den Vorsteher der landwirtschaftlichen Winterschule in Lich, Oekonomie- rat Weitzel, zu ersuchen, in einer in Kürze abzuhaltenden Versammlung das Gesetz und die Ausführungsbestimmungen durch einen eingehenden Vortrag den Mitgliedern des Vereins zu erläutern. Nach verschiedenen geschäftlichen Mitteilungen schloß der Vorsitzende die Sitzung. sd. Sarin ft abt, 5. Sept. Die völlige Sonntagsruhe ist kürzlich von den Darmstädter Stadtverordneten nahezu einstimmig abgelehnt worden. Damit sind die wurde schwer, seine ft-rau, seine chwugerin und der dfcaiffcur leichter verletzt. Ein weiterer Insasse, ein Student aus Karls. Handel Frankfurter Börse. 6. September, 1.15 Uhr. Beichsanleihe* . 98.90 i . 124.10 Prince-Henri-Eisenbahn . 146.00 Berliner Börse, 6. . 215.50 dem bet inbu ft rieften Nachtarbeit der Frauen ab. 2. I Kerbel. 18°/, VeckWilst von kri>- iinö LhavssierttvBarbeitm D6A B •/. C IV 10893.84 2050 Los Mk. 6481.75 Los Mk. 1526.80 Mk. Mk. 2151.— 954.— wagen wert. 145 90 54.80 90.20 68.80 97.95 1710 700 450 1200 34.20 144.90 Los Los 34.20 129.20 September. Anfangsknrse. Harpener Bergwerk. . Laurahütte .... Lombarden E. B. . . Nordd. Lloyd .... Türkenloge . ... Berliner Hondelages Darmstädter Bank . Dentgche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . Gotthardbahn . . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn . den 1. versteigert werden. Gemeinden, welche zuchtfähige Bullen und Ziegenböcke benötigen, werden auf diese günstige Gelegenheit, sich gute Zuchttiere zu beschaffen, aufmerksam gemacht und zur Versteigerung eingeladen. . 178.50 . 140.75 . 240.50 . 84.00 . 159.00 werden. 300 Mk. Canada E. B. . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: fest. do. Konsols do. Hessen . . Oberhessen Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schuckert . . . Eschwciler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte...... Nordd. Lloyd..... ObcTschles. Eisen-Industrie Handlungsgehilfen natürlich nicht zufrieden und sie veranstalteten heute abend eine Protest Versammlung im „Kaisersaal*, die sehr gut besucht war. Sic war von den Kreisvercinen Darmstadt de§ Verbandes deutscher Handlungsgehilfen, deS Kaufmännischen Vereins Frankfurt und des Vereins für Handlungskommis von 1858 Hamburg einberufen. Tas Referat hielt Kaufmann K a tz aus Frankfurt, der energisch gegen den Beschluß der Stadtverordneten protestierte und die Hoffnung aussprach, daß völlige Sonntagsruhe fürs ganze Reich in Kürze kommen werde. sd. Darmstadt, 6. Sept. (Drahtbcricht.) Der Großherzog ist heute morgen 7 Uhr von Dresden zurückgekehrt. — Als Vertreter des Großhcrzogs wird Generaladjutant von Wachter an den Karlsruher I u b i l ä u m s fei er l ich- keiten teilnehmen.— Der Sergeant Albert Laurent vom Infanterie-Regiment 168 wurde vom Kriegsgericht wegen vorschriftswidriger Behandlung eines Untergebenen zu fünf Tagen Mittelarrest verurteilt. Er hatte den Musketier Schäfer von Sprendlingen dadurch übermäßig angestrengt, daß er ihn fortgesetzt aufstchen und sich niederlegcn ließ. K. 8. Darmstadt, 6. Sept. (Drahtmcldung.) Die 29jährige Russin Helene Kompinski, die in Wiesbaden zur Kur weilte und von dort gestern hier zum Besuch ihres in der Motterstraße wohnenden Bruders, des Studenten Kompinski, eintraf, hat sich in der Wohnung des letzteren während seiner Abwesenheit erschossen. Das Motiv der Tat ist Krankheit. 86.95 99.05 86 95 97.45 B% GroßherZoalics'e 9^üracrmeiftcrei Gießen. I. B.: Curschmann. Großherzogliche Kultnrinspektion. gez.: Fraissinet. Hungersnot infolge bc5 gal greift weiter um sch. rmen Höhe gestiegen. Dre läufer. bfelige Haltung der Mo- n der HinöuS gegen die Bengalen in jivei $ro» unften eines großartigen Mohammedaner geführt, rt, am 1. Oktober 1906 zu empfangen, b'\t 'M >. । n AaudentzgenoM, ' ,bu§ als ernt Bedrohung bringen M. Friedberg, den 3. September 1906. Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Obcrhcsscn: Schlenke. 144.10 129.00 252.50 227.50 160.30 215.25 245.00 129.80 132.30 173.80 141.20 240.75 175.20 185.10 159.40 211.40 3^70 3% 3^7o 3% 3^70 3^7» 99.70 100.40 95.30 103.55 70.00 70.80 86.40 94.05 246.50 126.80 Provinz Biscava zu einem Zusammenstoß zwischen Llus- fiänbigett und Militär, bei dem mehrere Personen verletzt wurden. Komotau, 5. Sept. In Ellyschacht in Seesiadtl wurden arbeitswillige Bergleute von Ausständigen übersä llcn. Tic Gendarmerie schritt ein und verhaftete drei Lln- grciser. ruhe, kam mit dem Schrecken davon. Der Straßenübergang der Nebenbahn war durch eine Schranke nicht gesichert. * M e tz, 5. Sept. Gestern nachmittag 3 Uhr drang der Dachdecker Falles in die Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Ehesrau ein, feuerte aus einem Revolver zwei Schüsse auf sie ab un^ verletzte sic lebensgefährlich. Tann tötete er ließ selbst mit der Wassc. Tie ft-rau lebt noch, doch ist wenig Hoffnung, sic am Leben zu erhalten. — Heute früh erschoß in Montig''v ein Unteroffizier des Königsinfanterieregiments Nr. 145 seine Geliebte und richtete dann die Masse gegen sich selbst. *Neue Eisenbahn Unfälle. Tcr Lokomotivführer An - ding des München-Lindauer D. -Zuges neigte sich beim Passieren der Station Grasraab aus der Maschine und stieß mit dem Kops gegen einen Krahnen. Der Kopf wurde ihm vollständig weggerissen. Ter Zug mußte anhaltcn und dann durch den,Heizer weitergesührt werden. — Am Dienstag abend ereignete sich in der Station Bicßen Hofen ein Z ug z usam- m e n ft o ft. Drei Wagen wurden hierbei zertrümmert, ein Mann verwundet. * Unwetter inSvanien. Infolge he ft i g e r Regengüsse sind die Nebenflüsse des Tajo über das Ufer getreten und haben starke Ueberschwemmungen in der Umgebung der Hauptstadt hervorgerufen. An den Kulturen wurde beträchtlicher Schaden angerichtet. — In C astilicn und Andalusien herrschen heftige Stürme. — Auch in Madrid gingen furchtbare Gewitter nieder, wobei durch B l i tzs ch l a g eine Person getötet und mehrere verletzt wurden. Die Eisenbahn zwischen Madrid und Ciudad Real ist auf eine Strecke von 6 Kilom. zerstört. * Waldbrände in Algier. Im Departement Constantine auf dem Gebiet von Collot sind große Waldbrände ausgebrochen, wobei verschiedene Ortschaften bedroht sind. Zur Zeit sind 40 000 Hektar Kvrkbaumwaldungen zerstört. Man vermutet Brandstiftung seitens der Eingeborenen. Die zerstörten Waldungen gehörten zur Hälfte dem Staat, zur Hälfte Privatpersonen. Bekanntmachung. Auf der Iungviehweidc Lauterbach sollen Donnerstag, 13. d. Mts,, vormittags 9 Nhr: zwei dort stehende, im September 1905 bezw. 1906 aus dem Simmental importierte 20 bezm. 14 Monate alte Simmentaler Bullen und ca. 10 bis 15 Stück Saaner Ziegenböcke, teils in der Ziegenzuchtstation gezüchtet, teils aus Zuchtvereinen aufgekauft, wurde 25 Meter weit fortgeschleudert und to^'. rctrürn- Ter Besitzer, Kausrnann ftritz Schneider aus Mannheim III Derschleifung des Plattenweges „ TotenweqeS . II Erd- und Chaussierungsarbkiten zur Herstellung der Kreisstrastenabfabrten .......... Bern, 6. Sept. Die japanische Regierung teilte BundeSrate mit, Japan lehne die Beteiligung an dem internationalen Nebereinkommen betreffend das Verbot ftür die Feldbereinigung Utphe sollen Montag, den 10. September nachm. 21 Uhr nachverzeichnete Arbeiten, getrennt in einzelnen Losen, auf dem Wege schriftl. Angebots vergeben Los I Erdarbeiten zur Wegherstellung Weg Nr. 17 . . Verdingung. Die zur Erbauung eines Wehres an der Gänsniühlc zu Wieseck erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, und zwar: Betonarbeiteu ......... veranschlagt zu 300 Mk. Liefern und Einrammen einer Spundwand U II lo4 y Erd- und fonftige Arbeiten „ „ 446 „ sollen auf dein Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Tie Verdingungsunterlagen (ieaen aus dem Bureau der unterfertigten Behörde, Frankfurter Straße 29, während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote haben in Prozenten des Voranschlags zu erfolgen, sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen nud postkrei bis längstens Montag, den 10. September, vormittags 11 Uhr bei uns einzureichen. Tie Eröffnung der Angebote findet zur angegebenen Zeit auf unserem Bureau in Gegenwart etwa erschienener Bieter statt. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, om 1. September 1906. B4/» Großherzogliche Kulturinspektiou Gießen. I. V.: Wallek. vermischtes. * Heidelberg, 5. Sept. Gestern abend fuhr ein Benzin au t o m o b i l mit einem MaterIalzug der Nebenbahn an der neuen Eisenbahnstreck^ zusammen. Te>- Kraft- ,n Jcöcr beliebigen Schriftart and Korto*. VlllllUildl lorte, sowie mit Zirkeln aller studentischen I Vereinigungen, liefert zu mäßigen Preisen örühl'sche Universitäts-Druckerei, Zchulftraße 7 Betreffend: Feldbereinigungsmeliorationen Borsdorf. Arbeits- imh LiefernilMeUbiM. Montag den 17. September 1906, vormittags 97„ Uhr, sollen in der Wirtschaft von Bernshausen zu Borsdors die'nachverzeichneten Arbeiten und Lieferungen tm Anbietungsverfahren vergeben werden. Voranschlag: Los 1: betr. die Herstellung von 43641 Ifdm. Draingräben in 7 Abteilungen Mx 2: betr. Drainröhrenlieferung frei Bahnhof Geiß- Nidda 3: betr. Tonmuffenrohrlieferung frei Bahnhof Geiß-Nidda Arbeitsvergebung. Tie nachstehenden Arbeiten zur Errichtung einer Einfriedigung benn Neubau der höheren imb erweiterten Mädchenschule sollen Samstag, den 15. September d. Js., vormittags 10 Nhr öffentlich vergeben iverden. 1. Maurerarbeit 2. Steinhauerarbeit a) Lungsteinarbeiten (Basaltlavas b) Sandsteinarb. (rote Mainsandsteine). Zeichnungen, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Tienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf oorgeschriebenein Formular, das daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 4. September 1906. Städtisches Hochbauamt „ V „ „ kleinen See's . . . „ VI und VII Planierung der Gewannwege..... „ Die LcrdingnngSnnterlagm liegen auf Großh. Bürgermeisterei Utphe zur Einsicht offen, woselbst auch die Angebote in Prozenten deS Voranschlags verschlossen und mit entspr. Aufschrift versehen, einzureichen sind. Eröffnung der Angebote in Gegenwart etwa erschienener Bieter. Zuschlagsfrist 3 Wochen. jjy Gießen, den 31. August 1906. * Großhcrzoglrche Kulturinspektion Gießen. __________________________ I. V.: Wallek. 4?» Oesterr. Goldrente. . 4‘/5 % Oesterr. Silberrente 4?i> Unsar. Goldrente . . 495 Italien. Rente . . . 395 Portugiesen Serie T . 3% Portugiesen „ III 4%7O mss.Staatsanl. 1905 4^7n japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose...... 4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . . . 4>$7o Chinesen . . . . Aktien: Bochum Guss..... Buderus E. W . . . . Tendenz: fest. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, niitgeteilt von der Bank für nnd Industrie. Giessen. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 4: betr. Anfuhr von 5300 Zentnern Röhren 5: betr. die Melioration der alten Gäusweide Plaue, Kostenanschläge und Bedingungen liegen in der Kanzlei der unterfertigten Behörde, sowie im Dienstzimmer der Großh. Bürgermeisterel Borsdorf zur Einsicht offen. Angebote aus akten- großern Papier find bis zum obigen Termine verschlossen und mit ber Aufschrift: „Angebot F^ldbereinkgnng Borsdorf" versehen, der Großh. Bürgermeisterei Borsdorf einzureichen und haben in Prozenten des Voranschlageserfolgen. Friedberg, 31. August 1906. Wer Aerger vermeiden, will, benutze Dr. Thomvsons Seifenpulver, Marke Schwan, das beste und int Gebrauch billigste Waschmittel der Welt. — Ueberall zu haben. SB n/ »7 r-tzKL Qmct't(iniiA Bol- ib?lUbieni um Strümp1' n9Mt(ibtn '"men füS01’l"fc *“»9 ypa-4” qeriftktS ^gen der h-ben mit Antworten gegeben c ^usdehnen soll. 1 der bisher in der !?n d-s Ministerims ^neralkonsulate in unb $u(ni und ein Vize, ‘ eingetroffene 'a vlel schlimmer aus. Wmn§ Regierung keine , finden beständig Ot. General Guerra habe venn Palmas nicht abdanlt Sept. Ruf Antrag btS srat über die Provi^ > Belagerungszusten) es Antrages heißt t$, Laß immer in den 4- Friedberg, 5. Ccpt. Eine evangelische Missionskonfcrcnz fand gestern und heilte hier statt, die recht zahlreich besticht war, Geistliche und Missionsfreunde aus allen Teilen Hessen? waren anwesend. Eine Reihe von Fachmännern auf dem Gebiete der Hcidcnnlission hielten Vorträge und Ansprachen. Gestern fand im Saalbau eine gut besuchte Abendversammlung statt. Missionar Michel sprach über seine Tätigkeit in Borneo, Flad über China, Ehroy über Jndiei. Der Kirchengcsangvcrein trug unter Leitung des Pfarrers Klecberger zur Verschönerling des Abends mehrere geistliche Chöre vor. Heute fanden in der Burg- kirche zwei Versammlungen statt. Missionsinspektor D. Oehler- Basel referierte über die Folgen der neuesten Ereignisse in Ostasicn für die Mission, Missionsdirektor v. Schwarz-Leipzig über die indischen Tamulen und Sekretär Würz-Basel über die Zukunft von Kamerun. Auch Seminardirektor Wurster- Friedberg hielt einen Vortrag über ärztliche Mission und studentische Missionsbewegung. Mainz, 5. Sept. In einer gestern abend abgchaltcncn stark besuchten Bürgerversammlung in Kastel wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, mit Mainz wegen der Eingemeindung in Unterhandlung zu treten. Sollte die Eingemeindung nicht zustande kommen, wird sofort beim Kreisamt die Einführung der Städteordnung für Kastel beantragt werden. (Frkf. Ztg.) w. Worms, 5. Sept. Ein enormes Großfeuer zerstörte die dem Kommerzienrat Geck gehörigen Rheinischen Hobel- und Sägewerke vollständig. Das Feuer iunr nach vierstündiger Dauer noch stundenweit sichtbar. Das Löschen erwicS sich als unmöglich. Der Schaden ist sehr groß. h. Frankfurt a. M., 5. Sept. Die Mutter des auf dem Boden der Gutleutfchule tot aufgesiindenen Kindes wurde im städtischen Krankenhanse ermittelt. Es ist das Dienstmädchen Elise Braun aus Buttenwiesen. Sie gab an, sic habe das Kind heimlich geboren und ihm, um es am Schreien zu verhindern, ein Tuch um den Kopf gebunden und in einen Schornstein versteckt. Getötet habe sie es nicht. — DaS seit .voriger Woche vermißte Dienstmädchen Susanna Höfling wurde gestern im Winterhafen des Rheins bei Mainz als Leiche gcländct. Es ist anzunehmen, daß sie sich schon om Tage ihres Verschwindens das Leben genommen hat. Arbeiterbewegung. Kehl, 5. Scvt, Streikende Arbeiter der Solvay- Wcrke in Saaralben besetzten die Wege zur Saline nnd hinderten Arbeitswillige. Die Gendarmerie verhaftete einen der Streikenden. Hierauf wurden Fenster und Türen des Wachlokals zur Befreiung des Verhafteten erstürmt. Der Kreisdirektor ordnete seine Freilassung an. Die Stimmung ist sehr erregt. Madrid, 5. Sept. Der Ausstand der Bergarbeiter bauert an. Heute kam cs bei den Gruben von Mora in der Bekanntmachung. Ter von der Stadtverordneten-Versaminlnng unferm 21. April 1904 ausgestellte Bebauungsplan für die Schwarzlach und das Gartfeld hat durch Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 2. August 1906 entlang der Eisenbahnlinie Gießen—Cassel eine Abänderung erfahren. Nach Feststellung des Planes soll der Geländestreifen zwischen der Straße A—B und der Eisenbahn von der Bebauung ansge- schlossen werden und die Grundstücke zwischen der Straße B— Z und der Eisenbahn ans nicht mehr als 18 Meter Entfernung von der Banflnchtlinic ans bebaut werden dürfen. Der abgeänderte Bebauungsplan liegt bis zum 10. Oktober 1906 ans dem städtischen Tiefbauamt offen. Einwendungen gegen denselben sind binnen der gleichen Frist bei Meidung des Ausschlusses bei uns vorzubringen. Gießen, den 4. September 1906. Mrchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgcmeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südankagc). Samstag, den 8. September 19Ö6: Vorabend 6.45 Nhr. Morgens 8.30 Nhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathansgang 7.45 Uhr. VoranSfichtlichc Witterung in Hessen für Freitag den 7. September: Meist westliche Winde; meist trübe; Regenfälle, kühler. Orrgrnal-Drabtmeldttngen. Berlin, 6. Sept. Die „Nationalztg." meldet: Vom 1. bis 4. Okt. wird in Berlin in den Räumen der Universität ein Kongreß für Kinderforschung und Jugendfürsorge abgehalten. Den Vorsitz in dem Ausschüsse führt Professor Wilhelm Münch. — Das Kriegs mini st eri um erwägt, ob es wünschenswert wäre, den Bezirkskommandos die Wahl der Reserveoffiziere teilweise zu nehmen und sie den aktiven Truppenteilen zu übertragen. Stettin, 5. Sept. Die heute nachmittag fortgesetzten Verhandlungen zwischen dem Hafenarbeiterver- bande und dem Verbände der Reeder, die wiederrtm unter Ausschluß der Oefientlichkeit stattfanden, führten zu keinem Resultat; sie sollen morgen weitergeführt werden. Es ist jedoch Aussicht auf Einigung vorhanden. Den Haupt- streitptinkt bildet die Forderung der Hafenarbeiter auf Wiedcr- einstcllung sämtlicher Streikenden. Essen, 6. Sept. Rach Mitteilungen der „Deutschen Bergwerkszeitung" soll von der Staatsregierung eine völlige Aufhebung der freien Bergbau-Tätigkeit in Preußen beabsichtigt sein. Parrs, 6. Sept. Der '„Eclair" meldet aus Rom' In poetischen Kreisen hat die Nachricht großes Äufsehen hervorgerufen, daß das österreichische Geschtvaoer, welches dre dalmatinische Küste kreuzt, nachts auf den Italien i s ch e n Sira n dort ft- a n o einen Scheinan- g r l f f ausgeführt hat. Tittoni soll den italienischen Botschafter in Wien beauftragt haben, von der österreichischen Regierung Aufklärung über den Zwischenfall zu verlangen Auch dürfte die Angelegenheit Anlaß zu einer Kammer- interpellation geben. Paris, 6. Sept. Tic kretische Na tio n a l-Be r- lammlung richtete an die Schutzmächte ein Zirkular- schreiben, worin die Beibehaltung des Prinzen Georg als Oberkommissar von Kreta verlangt wird. Madrid, 6. Sept. K ö n r g A l f o n s empfing gestern in Bilbao eine Mordnung der S t r e i ke n d e n. Der König empfahl ihnen, die Mbeit wieder aufzunehmen, wobei er sich verpflichtete, auf die Arbeitgeber zu ihren Gunsten einzuwirken. Sofia, 5. Sept. Der Ministerpräsident ist aus Marienbad hier eingetroffen. Newyork, 6. Sept. Depeschen aus Honolulu melden, daß ein starkes Erdbeben am Dienstag 3 Uhr 15 Min. morgens ofif der Insel Hawaii verspürt wurde. Bald nach dem Erdbeben war der Inselstrand meilenweit mit toten Fischen bedeckt, die offenbar durch die Gewalt unterseeischer Misbrüche getötet wurden. Der auf bet Insel tätige Vulkan ist der Kilauca. _______________________ Märkte. fc. ft rauf für t a. M., 6. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht be5 „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Dichmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 89 Ochsen, 0 au8 Oesterreich 0 Bullen, 0 ans Oesterreich, 74 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oester., 581 Kalber, 71 Schafe und Hammel, 2 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 86—87 Mk., 2. Qualität 76—79 Mk., 3. Qualität 69—71 Mk.; Bullen 1. Qual. 00—00, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 79—81 Mk., 2. Qual. 75—77 Mk., 3. Qual. 62—64 Mk., 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber l.Qual. 100—103 fBfa., Lebendgewicht 60—62 Pfg., 2. Qualität 98-101 Pfg., Lebendgewicht 57-61 Pfg., Schlachtgew. 76—81 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 86-00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschäft: bei Kleinvieh lebhaft; Markt schleppend, kein Ueberftaiib. id Land. icßen, 6. Sept. 1906. I landwirtschaftlichen Gießen hielt am Dienstag Sitzung ab, in welcher >b der Verein auch nach omr eh über bieW*5' jotion nochMM^' , ba6 a«i Imitat®*1”' , fc« ®=“”b * i überließen der M N»**® itairt. *be k-M urUj*» rfüllung W o b diesen immernochM ich w'dmen ^ ^er- 6 landwÄE |S. bet und . schulen: ; ÖÄsSi? ch die Universa hen Unterricht ein «*' t sich 't treibende Ve* -ondn-E^n b-g-Ä nut M'! «« möglich ti'ffliien M>-°' . ianbtniAf e<«' ,Ile. 3“' et b'^Adung Yievenund d'e zu' , O-tzL- en 91 f. . So"»' »g- oöll'9 Ebneten %>•$** 53151 Dillenburg. 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