Nr. 260 Zweites Matt 156. Jahrgang Montag 5. November 1906 Erscheint 12 glich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siehener Familienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Hessisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. KchWR MMger Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitätsdruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Cchulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen« General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Laudesverjammluug der Freisinnigen Hessens. ^Driginal-Bcricht des Gießener Anzeigers.) C. Darmstadt, 4. November. Nach mehr denn zehnjähriger Nuhepause hatte der freisinnige LcmdcSvercin für das Großher^ogtum Hessen einen Parteitag cin- berusen. Nach einem anregend verlaufenen Bcgrüßungsabend gestern im „Kaisersaal", begannen heute die Verhandlungen des Parteitags mit einer Sitzung des Landesausschusses. Es waren u. a. anwesend die freisinnigen LandtagSabgg. 'Dr. Gut fleisch, Reh und Damm, und Vertreter befreundeter Orga*iisatiouen in Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Frankfurt a. M. Gegen 11 Uhr eröffnete Justizrat Gallus die Landes- Versammlung. Begrüßungstelcgramme wurden verlesen u. a. von den Reichstagsabgg. Dr. Müller-Meiningen und Neinhart Schmidt. Namens der Zentrallcitung der freisinnigen Volkspartei überbrachte Rcichstagsabg. Kopsch Grüße und Wünsche für besten Verlauf. Sodann wurden zu Mitvorsitzerrden Justizrat Metz-Gießen und Ne iß-Mainz bestimmt. Den Bericht des Ausschusses erstattete Henrich- Darmstadt. Neben der Anstellung eines Parteisekretärs sei aus der Parteiarbeit hrrvorzuheben, die Gründung von OrtSvercincn in Groß-Gerau, Bischofsheim, Rüsselsheim, Bad-Nauheim. Im Landesverband seien keine politischen Gegensätze vorhanden. Ein neues Organisationsstatut sei zunächst nicht erforderlich. Nur soll der § 5 (Zusammensetzung des Landesausschusses) neu kodifiziert werden. Eine Kasse hat der Verein noch nicht, darin liegen nur unbezahlte Rechnungen. Zur vorläufigen Deckung der Unkosten soll jeder OrtSverein vorerst 50 Pfennig für jedes Mitglied abgeben. Auch die freisinnige Presse deS Landes müsse nachhaltiger unterstützt werden. Die Reaktion sei noch immer Truurpf. DaS Reichstagswahlrecht stehe nicht so gesichert da, wie vielfach geglaubt werde. Auch die ivirtschastlick-e Reaktion sei weiter am Werk. In den Namen Podbielski und Tippelskirch feiere sie ihre Vollendung, die kulturelle Reaktion zeige sich im preußischen Schulgesetz, Fall Kvrell usw. In Hessen haben wir eine im Wesentlichen liberale Regierung, die aber in ihren Bestrebungen zu ost im Gegensatz zu der Mehrheit der Volksvertretung stehe. Me nationalliberale Partei sei reaktionär, sonst wäre es nicht möglich, daß ein Mann in dieser Partei fort- loätzrend den elementarsten Grmrdsätzen des Liberalismus ins Gesicht schlägt. Heute sieht man diese Partei in einer scharfen gegeusätzUäMN Stellung zur Regierung, wie die heutige „Protest- vcrsamuüung" zeigt. Me Sammlungsparole gegen die Sozial- banotratie soll wieder einmal ausgepäppelt werden. Wenn wir auch nicht Regierungspartei sind, so haben wir doch die Pflicht, die Regierung in der Bestätigungssrage zu unterstützen. (Zuruf: Auch in Mühlheim?) Mühlheim ist mir offiziell nicht bekannt. Hoffentlich erkennt die Regierung, daß daS Bestätigungsrecht eine zweischneidige Waffe ist, und sie zeigt sich einer diesbezüglichen Reform bei den Verwaltungsgesetzen geneigt Der Redner hat folgende Resolutionen vorgeschlagen: 1. Die Landesversammlung des freisinnigen Landesvereins für daS Großherzogtum erhebt entschiedenen Protest gegen die von dcr ReichSregierung und der gegenwärtigen Reichstags- mehrheit eingeschlagene Steuerpolitik. Sie verurteilt insbesondere die Erhöhung der die breite Masse des Volkes in ungerechter Weise belastenden Verbrauchssteuern und die Einführung von Verkehrs steuern. Die Versammlung fordert die Wiederaufhebung dieser Konsum- und Verkehrssteuern und deren Ersatz, soweit unumgänglich notwendige Ausgaben dies erfordern, durch die Einführung direkter Reichs st euern und den Ausbau der Erbs chafts st euer. 2. Die LandeSversaminlung erhebt energischen Widerspruch gegen die Untätigkeit der Regierungen gegenüber der unvermindert fortbestehenden Fleischteuerung. Sie fordert zur Deckung des Fleischbedarfs die Zulassung ausländischen Viehes, unbeschadet wirksamer Maßregeln gegen die Einschleppung von Viehseuchen und zur Verbilligung der inländischen Fleischproduktion die alsbaldiae Abschaffung aller Zölle auf Futtermittel 3. Die LandcSversammlung erklärt, in Rücksicht auf die reaüw- näre Haltung der hessischen nationalliberalen Abgeordneten, ihre rückhaltlose Uebercinftimmnng mit den Beschlüssen des freisinnigen Landesausschusscs für Hessen und des Ausschusses für Hessen und des Ausschusses des südwestdeutschen Verbandes der freisinnigen Vollspartei bezüglich der Haltung der vereinigten Siberaicn bei der Reichslagsuachwahl im Wahlkreise Darmstadt—Groß-Gerau. I Die Landesversammlung erkennt die von der Großh. Regierung bei der Bestätigung des Beigeordneten Eißnert in Offenbach eingenommene Haltung als eine dem Geiste der Verfassung entsprechende, die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetze und das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden gleichmäßig achtende an. Sie verurteilt die von reaktionärer Seite unternommenen Versuche, die Regierung von dem Wege der Gerechtigkeit und Gesetzestreue abzudrängen, die lediglich geeignet sind, eine Verschärfung der Klassengegensätze in unserem Lande herbeizuführen. 5. Zusatz zu § 5 der Satzungen: Dem Landesausschuß gehören ferner an die freisinnigen Abgeordneten des hessisch»! Landtages, die im Großherzogtum wohnenden freisinnHm Reichstagsabgeordneten und je ein Vertreter der dem Landesverein angeschlossenen Ortsvereine. Heber die Einigung deS Liberalismus sprach E k ö s s e r - Darmstadt In dem Mindestprogramm ist nicht ein einziger Punkt, den nicht ein aufrichtig Nationalliberaler gut- heißen könnte. Der Redner unterbreitet der Versammlung folgende Resolution: Der Landcsvercin der freisinnigen Partei im Großherzogtum erkennt, unbesck)adet seiner weitergehenden Forderungen, das von dem Wahlverein der Liberalen und der deutschen Volkspartei angenommene „Frankfurter Mindestpro- gramm" gleichfalls als eine geeignete Grundlage für ein dauerndes Zusammengehen der liberalen Linken an und ist seinerseits bereit, unter Aufrechterhaltung seiner Selbständigkeit mit anderen Richtungen zusammen zu wirken, die ihrerseits das „Frankfurter Mindestprogramnr" für sich alS bindend anerkennen. Sodann referierte LandtagSabg. Reh über die Reform dcS Wahlrechts zum hessischen Landtag. Die Vevöl- kerungszunahme rechtfertige durchaus die Vermehrung der Städte- mandate. Das gleidje, aeheime, direkte, allgemeine Wahlrecht muß auch weiter energisch angefhebt werden. Der Redner empfiehlt die Annahme folgender Resolution: Die Landesversammlung fordert die alsbaldige Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für die Wahlen zum hessischen -Landtag und legt entschieden Verwahrung dagegen ein, daß die Reform des Wahlrechts durch Preisgabe von Volksrechten oder Erweiterung per Rechte der ersten Kammer erkauft werde. Auf Vorschlag des Abg. Reh soll der n g ch fl e Parteitag in Gießen stattsinden. Die Diskussion über die drei ersten Referate leitete Justtz- rat Dr. Gutfleisch ein. Er bat an keiner der vorgeschlagenen Resolutionen etwas auszusetzen. Hinsichtlich der Bestätig - ungsfrage in Offenbach muß verurteilt werden, wie in Darmstadt und in WormS gegen die Regierung agitiert wird. Wir wurden schon einmal „ReichSseinde" genannt, vielleicht hält man uns auch einst nicht für geeignet mehr Beigeordnete sein zu können. Noch in diesen Tagen ngnnte uns die Wormser Zeitung „Volksfeinde". Ich kenne keine gemeinere Handlungsweise als diese Art Agitation. Dafür gibt es nur ein Pfui. Hinter der Beigeordnetensrage steht eine Frage von hoher prinzipieller Bedeutung, die Aufrechterhaltung der politischen Gleichheit! Man versucht von Worms und einem Darmstädter kleinen Kreise auS, den Großherzog zu beeinflussen. Wir glauben nicht, daß sich der Großherzog von einer solchen Agitation beeinflussen läßt. Man will die Minister diskreditieren, um sie bei dem Landesfürsten unmöglich zu madjen. Die Wormser Ztg. schreibt, eS wäre an der Zeit, daß man sich den engen Schlingen der Kvterie Gnauth- Gutsleisch, die die Steuerreform machte, entzieht. Nun, man tut mir da zu viel Ehre an. Ich habe die Gemeindestenerresorm erst zum Gegenstand meiner Arbeit gemacht, alS mir die Abfassung des Ausschußberichtes übertragen wurde. Man scheut sich nicht, auf jener Seite zu sagen, die Bauern hätten eingesehen, daß die Steuerreform nichts wert sei. Dabei wird wohlweislich verschwiegen, daß diese Reform in der zweiten Kammer einstimmige Annahme fand, also auch seitens der ländlichen Abgeordneten. Freilich, als einige Tage nach dieser Annahme der Vorlage der Olegicrung bad bekannte parlamentarische Abschiedsessen beim Großherzog stattfand, ließ ein bekannter Herr aus Worms die Worte fallen: „Nun habe ich aud) die Bauern ht der Tasche". Also Herr v. HeylbenutztdieGastfreund- schaft des Groß Herzogs, umGesetzesvorlagender Regierung des Großherzogs zu Fall zu bringen! Was Herr v. Heyl an Stelle der Steuerreform bringen will, hat er bis jetzt immer noch nicht gesagt. Es liegt in dem ganzen Gebühren jener Seite, eine niederträchtige Agitation vor, die den Zweck verfolgt, die Ratgeber der Krone dem Großherzog zu entfremden und die mit Patriotismus und Wohl des Landes absolut nichts zu tun hat. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Inzwischen hatte Christ-Mainz beantragt, 'anstelle der Einigungsresolution zu beschließen: Die heutige Landesversammlung des freis. Vereins für Hessen nimmt von dem Beschluß des Zentralausschusses der freisinnigen Volkspartei vom 28. O?t. d. I. mit Genugtuung Kenntnis und I)ofit, daß die Parteileitungen her drei linkslib. Parteien am 10. und 11. 9iov. in Frankfurt zu einer Einigung bezüglich der nädtften Reichstaaswablen kommen werden. May-Bingen ist erfreut über den frischen Zug, der heute hier zutage tritt. And) wir Rheinhessen hätten bei einer Eventualität wie der Darmstädter Ersatzwahl nicht anders handeln können. Wir erwarten von der nächstsonntäglichen Besprechung in Frankfurt einen vollen Erfolg in der Einigungsfrage und idj möchte Herrn Christ bitten, seine Resolution zurückzuziehen. Hoffentlich wird auch Dr. Gut fleisch, der heute so energisch gesprochen, sich für die kommenden Wahlen als Kandidat aufstellen lassen. (Lebh. Beifall.) Christ- Mainz erachtet seine Resolution als die nach' den derzeit vorhandenen Tatsachen einzig gegebene. Reichstagsabg. Kopsch: Wir sind alle beseelt von dem Wunsche einer Einigung. Aber Herrn Elösser sind bei feinen Betrachtungen über die Blockpolitik doch einige Schnitzer passiert, die einer Korrektur bedürfen. Die Einigung wird nur durch) gegenseitiges Bemühen sich) )u verstehen, gefördert. Wir haben dieses Bemühen und die Heften sollten versuchen, gleiches Verständnis gegenüber der Zentralleitung zu gewinnen. (Lebh. Beifall.) Henrich-Darmstadt freut Heb über die Ausführungen des Vorredners. Abg. Kopsch: Wir legen dem Mindestprogramm nicht den weltstürmenden Wert bei, denn Erfolge werden nur durch die Tat erzielt. Beide Anträge tonnen nebeneinander angenommen werden. Zu der dritten Resolution macht Christ-Mainz daraus aufmerksam, daß eine Resolution zur Darmstädter Ersatzwahl auf dem Obersteiner Parteitag nicht angenommen wurde. Justizrat Gallus erklärt, daß die Resolution in Oberstem nicht zurückgezogen wurde, sondern man lediglich Abstand davon nahm, darüber abzustimmen. May-Bingen konstatiert, bau die Auffassung Christs richtig ist. Die Resolution hätte feine Aussicht sür Annahme gehabt. Rcichslags-Abg. Kopsch 'will seine heutige Aufgabe, Dissonanzen zu beseitigen, auch hier betätigen. ES ist ein Streit um des Kaisers Bart. Aber entgegenkommend empfiehlt es sich, den Wünsck)en aus dem Wahlkreise Alzey-Bingcn zu entsprechen. Abg. Reh-Alsfeld ist der Ansicht Gallus. Metz-Gießen schließt sich dem Vorredner an. Wir fag.cn ja nicht,, daß der Obersteiner Parteitag damit einverstanden get wesen sei. Nach einer Bemerkung deS Dr. Gutfleisch zieht Christ* Mainz seinen bezüglichen Vorschlag zurück. Zur Resolution (Bestätigungsfrage) erklärt Fe ist mann- Offenbach, daß er sich hier der Abstimmung enthalte, da er nicht mit der Resolution einverstanden sei. Sämtliche Resolutionen,werden baruad) einstim- mig angenommen, ebenso die von Christ gestellte. In den Landesausschuß werden gewählt: Böckel-Mainz, Christ-Wörrstadt, Feistmann-Ossenbach, Flegler-Bensheim, Gallus- Darmstadt, Hanstein-Friedberg, Henrich-Darmstadt, Höhn-Heppen- heim, Klein-Worms, Langenbach-Darmstadt, May-Bingen, Metz- Gießen, Soldan-Mainz, Waldeck-Alsfeld, Wolf-Alzey. Ferner geboren dem Ausschüsse an die LandtagSabgg. Damm, Dr. Gut- flelsch und Reh, sowie als Vertreter der Orrsvereine Borumann- Alsfeld, Bechtolsheimer-BischvsSheim (Stellv. Möller), D a u * bach-Gießen (Stellv. Eichenauer), Dr. Neuroth-Groß- Gerau, ReiS-Mainz, Lederhord-Oberingelheim (Stellv. Kvch) und Esser-Worms. < Der Vorsitzende Justizrat G alluS schließt darauf den Parteitag mit dein Wunsche, daß die heutige Arbeit förderlich sein möge dem Wohle des liberalen« hessischen Bürgertums. Die am Nachmittag stattgehabte öffentliche Volksversammlung wurde bou Gallus eröffnet, der eine Resolution vorschlug, in der man die Zustimmung zu der von der Negierung bestätigten Wahl EißnertS aussprach. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Dann sprach der von der Versammlung lebhaft begrüßte Pfarrer Korell, der auS- führt, daß cs wünschenswert sei, wenn die Sensationslust und der Personenkultns etwas weniger werde. Er bespricht die Lage und die Z u k u n f t d c s L i b e r a l i s m u s , mit dem es trotz mancher Stimmen der Gegner und sogar aus dem eignen Lager nicht s o schlecht stehe. Es sei aber die Frage zu erörtern, ob der Liberalismus in der Lage sei, Kulturträger zu werden, denn hier handle cs sich nidjt um eine Partei-, sondern um eine Kultur frage. Man wolle Bürger fein und als solcher Mitarbeiten und nicht einfach gelenkt iöerden. Hauptaufgabe sei der Kampf mit der Reaktion; mit der Sozialdemokratie habe man verwandte Grundgedanken und könne man später abrechnen. Er wünscht für Darmstadt eine wahrhaft liberale Presse. Reichstagsabg. Kopsch verteidigt die frcif. Partei gegen die Angriffe der Worms. Ztg., schützt auch die freis. Führer gegen die gleichen Angriffe und tritt in sehr gehaltvollen Ausführungen für bie drei Ideale des Freisinns: Einigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit, ein. (Lebh. Beifall.) Das Schlußwort 1 prack) Kvrell.__________________________________________________________________ Deutsches Reich. Berlin- 4. Der Kaiser empfing heute nckttag im Neuen Palais die Teilnehmer an der Internationalen Konferenz für Funkente le grast hie. Später fand bei dem Kaiser und der Kaiserin anläßlich des Abschlusses der Konferenz eine FrühMckstafel statt. — Zum Abschluß der Konferenz fnr Funken- telegraphie schreibt die „Nordd. Allg. Ztg": Deutschland, auf dessen Anregung die Konferenz zusammentrat und das das Programm der Konferenz aufgestellt hat, darf mit Befriedigung auf das Ergebnis blicken, das in wesentlichen Punkten die Erfüllung der deutschen Wünsche im Interesse des internationalen funkentelegraphischen Verkehrs enthält. Wir wollen aber nicht verkennen, daß dieses erfreuliche Ergebnis nur durch die werktätige und loyale Mithiilfe der beteiligten Staaten und ihrer Vertreter hat zustande gebracht werden können, und möchten nicht unterlassen, ihnen sür die Förderung des im Interesse des freien internationalen Verkehrs gedachten Werkes an dieser Stelle .aufrichtigen Dank abzustatten. — Der französische Militärattachee bei der Botschaft stattete dem Kaiser Wilhelm den Dank der französischen Negierung ab sür die Ehrung der bet Mainz begrabenen französischen Soldaten. — Das „Berl. T." schreibt: Die Möglichkeit einer Kanzler krtse ist sehr nahe gerückt. Die Gegner des Kanzlers sind eifriger denn je am Werk,, ihn zum Fall zu bringen. Zu diesem Zweck wird, von anderem abgesehen, immer wieder darauf hingewiesen, daß der Reichskanzler, obschon wohlauf, den großen Anstrengungen des bevorstehenden parlamentarischen Feldzuges doch nicht gewachsen sei. Alles drängt zu einer Entscheidung. Im Kreise der Amtsgenossen des Herrn v. Podbielski wird bestimmt erwartet, daß im Laufe der nächsten Woche, also noch vor Zusammentritt des Oieichs- tages, die Lage geklärt sein werde. — Der Chef des Geh. Zivilkabinetts Dr. v. Lukanus stattete gestern dem erkrankten Minister v. Podbielsk/i einen Besuch ab. Wie der „L.-A." mitteilen kann, steht dieser Besuch mit der sogenannten Podbielski-Krisis in keinerlei Zusammenhang. Der Gesund- Gietzener Konzert-Berein. Erstes Konzert 19 0 6/07. 1. Orchesterabend. DaS erste Abonnementskonzert unter Herrn Universitäts- Musikdirektor G. Trautmann fand am Sonntag im fast /vollständig ausverkauften Saale statt. Es wurde mit der Beethovenschen Ouvertüre op. 124 in C-dur (Zur Weihe des Hauses) vortrefflich eingeleitet. Ganz besonders gut waren die Bläser. Nach der Ouvertüre spielte Frl. G. Wietro- we tz daS herrliche L.-äur-Konzert für Violine von Mozart und errang sich einen vollen Erfolg. Technisch mit großer Virtuosität und mit vollkommener Klarheit die schwere Aufgabe beherrschend, brachte die Künstlerin vermöge ihrer Intelligenz auch geistig das Konzert dem Publikum zu vollem Verständnis. Rauschender Beifall wurde ihr zuteil, der sich nach ihren Solostücken, vom Dirigenten gewandt begleitet, zu mehrfachen Hervorrufen steigerte. Es folgte die leider Fragment gebliebene sehr gut studierte H-moll-Sgmpbome von Schubert, und die ebenso schöne wie interessante Symphonie Nr. 11 in G-dar (Militär-Symphonie) von Haydn. Die Ausführung beider war vorzüglich, namentlich gelangen die zwei ersten Sätze der Haydnschen Symphonie mit großer Genauigkeit. Im dritten Satze erschien das Tempo ein wenig zu schnell, sodaß die dem Menuetts eigene Zierlichkeit nicht recht znr Geltung kam. Das Publikum war sehr animiert und spendete reichen Beifall, an dem neben der Solistin sowohl Herr Trautmann wie auch das tüchtige Orchester rhren wohlgewogenen Anteil zu beanspruchen haben. • — Aus Frankfurt wird un3 geschrieben: Das angebttche Lllstfpiel „La Piste“ von Snrdou, das Blumenthal unter dem Titel Verwehte Spuren ins TelNsche übertragen hat, ist in Wirklichkeit nur ein Schwank und nicht einmal em übermäßig lustiger. Nur der zweite All zeigt den alten Melfter der tollen Situationen, der geistvollen Verwickelungen auf seiner vollen Höhe. Tie Exposition ist breit und der Schlußakt langweilig. Daß das gewagte Thema der Handlung nicht ist, daß ein Familienvater seine Haustöchter mitnehmen könnte, sei beiläufig erwähnt, obwohl man heule in dieser Hinsicht mehr als früher verträgt. Gespielt wurde ausgezeichnet. Entzückend war Fräulein I r in e n als jo anmutige Sünderin, die eifrig bemüht ist, ihr altes Vergehen zu beweisen. Wacker unterstützt wurde sie von Fräulein San gor a. Auch die Herren Bauer, Bolz und Pfeil waren vorzüglich. — „Sie St i r d) e it ro e r b en immer fahler, im m ei n ü chterne r". In der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften hat kürzlich Professor Tr. I e ch t festgestellt, daß neuerdings zahlreiche Kirchen namentlich auf dem Lande, ihrer Ausstattungsstücke »beraub t" würden. Tie Gotteshäuser — so führt Jecht aus — die früher von teuren Erinnerungsstücken der Vorfahren gefüllt waren, würden immer kahler und nüchterner. Durch solches Entfremden leide die liebgewonnene Gewohnheit, die treue Pietät gegen die Vorfahren, sowie der Heimat Eigenart und Wesen. — Unter lebhafter Zustimmung warnte Prof. Tr. Jecht vor dem jetzigen Veräußerungs-System; die Ausstattungs-Gegenstände der Kirchen selber „nid)t ohne höchste Nötigung" loegegeben und verkauft werden. Jecht dachte bei feinen Ausführungen wohl haupt- sachtlich an Miiseen, Antiquare und Privatliebhaber, die die alten Schatze der Dorfkirchen erwerben. Heitszustand des Herrn v. PvLbielM läßt weiter viel zu wünschen übrig, der Minister leidet unter Heftigen Schmerzen, die sein Gallenstein- und Gichtleiden Smit sich bringen, und hütet zumeist das Bett. — Bei den Angriffen gegen den Wirkl. Legationsrat sDr. v. Jacobs von der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, die auf seinen Antrag jetzt zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht worden sind, handelt cs sich darum, daß bei den Kapstadter Lieferungen für Siidwest- afrika im (Z^samtbetrag von über 120 Millionen Mark Unregelmäßigkeiten und Begünstigungen vorgekommen sein sollen. Dresden, 3. Nov. Das Kultusministerium erließ eine Verordnung über die Erleichterung des Schulunterrichts. Die meisten Unterrichtsstunden werden um 10 Minuten verkürzt, die Pausen verlängert. Vormittags sollen fünf Unterrichtsstunden in Deutsch mehr abgehalten werden, für die Nachmittage sollen Turnübungen, Sport und Ausflüge vorgesehen werden. Weimar, 4. Nov. Nach den bis jetzt vorliegenden Wahlmännerwahlen wird der neue Landtag des Großherzogtums aus 14 Nationalliberalen, 2 Freisinnigen, 2 Sozialdemokraten und 15 Bündlern und Konservativen bestehen. Eine Mehrheit für das direkte Wahlrecht scheint gesichert zu sein. Karlsruhe, 4. Nov. Zu dem Jubiläum des Groß Herzogs sind, wie hier in einer liberalen Versammlung mitgeteilt wurde, auch Beiträge gezeichnet worden mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß der Geber Sozialdemokrat sei, aber für diesen Anlaß doch noch etwas übrig habe. Stuttgart, 3. Nov. In ihrer heutigen Sitzung hat die Abgeordnetenkammer den Antrag des württembergischen Journalisten- und Schriftstellervereins, die Regierung möge int Bundesrat auf die Aufhebung des Zeugniszwangsverfahrens für Journalisten hinwirken, mit 58 gegen 18 Stimmen angenommen. Dann wurde der Landtag geschlossen. politische Tagesschau. Die Verbesserung der Peusionsbestimmungen für die Reichsbeamten dürste, wie uns aus Berlin geschrieben wird, sich ähnlich gestalten wie die Durchführung der Militärpensionsgesetze. Die Reform wird nach dem Vorbilde des neuen Offizier- Pensionsgesetzes voraussichtlich mit einem Pensionssatze von 2%o anstatt von bisher 15/60 — nach zehnjähriger Dienstzeit — einsetzen. Vom 30. Dienstjahre an ist anscheinend in dem Gesetzentwurf, der den Reichstag noch in diesem Winter beschäftigen sollte, eine Steigerung von 1J1W statt 1/60 vorgesehen, sodaß im 40. Dienstjahre ein Ruhegehalt von 45/60 des Diensteinkommens erreicht wird. Ob die Reform des Reliktengesetzes den'Reichstag noch in der gegenwärtigen Legislaturperiode beschäftigen wird, erscheint bei den großen Anforderungen fraglich, die durch eine solche Reform an die Reichssinanzen gestellt werden würden. Immerhin beschäftigt auch diese Frage die maßgebenden Stellen erheblich. Heer und Flotte. Heiraten verboten! Gegenüber dem von vielen Seiten unterstützten Bestreben, möglichst viele verheiratete Beamte und Offiziere in den Kolonien zu haben, erscheint ein Vorfall sonderbar, den die „Köln. 3tg/, unter Berufung auf eine ganz zuverlässige Quelle, erzählt: Einer unserer ältesten und tüchtigsten südwestafrikanischen Offiziere, der für seine hervorragende Tapferkeit und Umsicht während des Aufstandes vom Kaiser besonders ausgezeichnet worden ist, hat sich hier während des Urlaubs verlobt und war um die Erlaubnis eingekommen, demnächst mit seiner jungen Frau in Deutsch-Süd- westafrika seinen Dienst wieder antreten zu dürfen. Die Genehmigung hierzu wurde ihm aber, obwohl angeblich der Gouverneur nichts dagegen einzuwenden' gehabt hat, mili- tärischerseits rundweg aus prinzipiellen Gründen abgeschlagen. Der Offizier hat daraus für sich die Folgerungen gezogen und seinen Abschied eingereicht. DaS Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika verliert dadurch einen Mann, der als erfahrener, in manchem Sturm erprobter Kenner von Land und Leuten der Verwaltung von Südwestafrika noch in mancher Hinsicht sehr nützlich hätte werden können. AuslairS. Paris, 4. Nov. Der Justizminister wird morgen der Kammer einen Gesetzentwurf betreffend Abschaffung der Todesstrafe vorlegen. Nach dem Gesetzentwurf wird bic Todesstrafe in lebenslängliche Haft umgcwandelt. Jeder zu lebenslänglichem Gefängnis Verurteilte darf nur sechs Jahre in Einzelhaft gehalten werden, falls er sich nicht während dieser Zeit eines neuen Verbrechens, z. B. durch einen Angriff auf Gcfängnisbeamte schuldig macht. — In der französischen Sektion des hier tagenden Kongresses der kolonialen Presse Frankreichs* und des Auslandes wurde heute ein Bericht verlesen über die Punkte, die Frankreich besetzen müßte zur Verbcffcrung seiner Kolonien oder ihrer Sicherung im Falle eines Weltkrieges. Es heißt in diesem Berichte, Frankreich müffe die Insel Hainan, die das südchinesische Meer beherrscht und verschiedene chinesische Provinzen, die aufgezählt werden, besetzen. Was Marokko anbctrifft, so müßten im Gebiete des Großen Atlas die Punkte Tontjan, Figia und Monlaia überwacht werden. Weiler beschäftigte sich der Bericht mit der Frage der Grenze zwischen Tunis und Tripolis und sagt, Tunis müsse für den Fall eines türkisch-italienischen Konfliktes eine sehr scharf markierte Grenze haben. Athen, 3. Nov. AuS Saloniki wird gemeldet: Die bulgarische Bande, welche am 17. Oktober in Kossinowa fünf Männer und zwei Frauen, alle Griechen, ermordete, hat neuerdings einen angesehenen Griechen namens Narneli, seine Mutter und Gattin und vier Töchter ermordet. Von den letzteren standen zwei noch im Kindesalter. Eine andere griechische Familie ist verschwunden. Man fürchtet, daß sie dasselbe Schicksal betroffen hat. Schanghai, 4. Nov. Missionare berichten: Im nördlichen Teile der Provinz Kiangsu herrscht große Hungersnot; etwa 10 Millionen Menschen sind dem Hunger- tode nahe. Die Behörden verhindern die Bevölkerung an der Abwanderung, tun aber keine Schritte zur Beschaffung von Nahrungsmitteln. Die Ruhestörungen, die bisher unerheblich waren, nehmen jetzt zu. Russisches. In Petersburger diplomatischen Kreisen werden die Gerüchte von einem bevorstehenden Abschluß eines Drei- Kaiser-Bündnisses bestätigt. Der bevorstehende gemeinsame Empfang der Minister Iswolski und Baron Mehrenthal beim Zaren soll in Zusammenhang damit stehen. Der Inhalt des Bündnisses soll vorläufig noch geheim gehalten werden, doch besteht die Absicht, ihn demnächst teilweise durch eine Note bekanntzugeben. Von anderer Seite reilich wird der Abschluß eines solchen Bündnisses sehr heftig in Abrede gestellt. Der Kammerherr Pawel Tolstoi, ein Vertreter des panslawistischen Gedankens, richtete jedenfalls soeben einen offenen Brief an den Petersburger „Herold", in dem er rückhaltlos für ein Bündnis mit Deutschland eintritt und in leidenschaftlicher Sprache davor warnt, den Weg der englischen Bündnis-Politik zu betreten. Der „Herold" betont, daß das deutsch-russische Bündnis der Eck- tein eines all gemein en europäisch en Bündnisses werden müffe. Endlich hat die Detektivpolizei den Urheber des Bomb en attentats gegen den Minister Stolypin entdeckt, das im August d. I. auf der Apothekerinsel stattfand. Es ist der wegen Beteiligung an dem großen Raube Hingerichtete Rosenberg. Nachdem der Ueberfall geglückt war, gelang eS diesem, nach Finland zu entkoinmen. Aks er jedoch wieder nach Petersburg zurückkehren wollte, wurde er auf der finnischen Grenzstation Terrijoki überrumpelt und verhaftet. Die unter dem Verdacht, an dem in der vergangenen Woche verübten großen Raube beteiligt zu sein, verhaftete Dame ist wieder entlassen worden, nachdem konstatiert worden war, daß die wahrhaft Schuldige über Finnland zu Schiff nach Schweden entkommen ist. Vor einigen Tagen hat ein Kongreß von eh em al. Reichsduma-Abge ordneten, die Mitglieder der Ar- beitsgruppe waren, stattgefundcn. Es stellte sich heraus, daß 23 aus der Gruppe ausgetreten sind, während 72 noch zu ihr halten. Erschienen waren aber kaum die Hälfte dieser 72 Mann, waS darauf zurückzuführen ist, daß die meisten durch Verfolgungen der Regierung in eine sehr schwierige Lage geraten sind. Zwölf von ihnen sitzen hinter Schloß und Riegel, 19 sind verschwunden, von zweien ist bekannt, daß sie sich im Auslande aufhalten, einer ist wahnsinnig geworden. Die versammelten drei Dutzend Mann beschlossen, weder nach links noch nach rechts abzuschwenken, ihr altes Programm beizubehalten, ihre Agitation auf die Städte auszudehnen und vor allem die Bildung von OrtskomitceS anzustreben. Aus Stadt und Land. Gießen, 5. Nov. 1906. • * Zu einer Besichtigung der neuen Erwerbungen unseres Altertums museums hatte der oberhessische Geschichtsverein für gestern vormittag seine Mitglieder und deren Angehörige eingeladen, welcher Einladung recht zahlreich entsprochen wurde. Der eifrige Konservator des Museums, Hauptmann Kramer, begnügte sich aber nicht damit, die neuen Schätze des Museums zu zeigen und zu erläutern, sondern er bot eine interessante Führung durch das gesamte Museum, das im letzten Jahr auf den verschiedensten Gebieten wertvolle Bereicherungen und Ergänzungen erfahren hat. In der wissenschaftlichen Abteilung, die sich hauptsächlich mit den früheren Bewohnern unseres Landes befaßt, fesselten namentlich die bei den neueren Vereins-Ausgrabungen gemachten wertvollen Funde vom Nodberg, dem Trieb, der Lindener Mark und der aus dem Stadtwalde die Aufmerksamkeit. Der Besuch des Museums gestaltet sich auch in den Wintermonaten dank der durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung ermöglichten Heizungsgelegenheit recht angenehm und kann nur warm empfohlen werden. Schließlich möchten wir außer der Anerkennung für den verdienstvollen Leiter des Museums noch dem Wunsch Ausdruck geben, daß die verständnisvolle Förderung und Unterstützung, die die Sammlung bisher in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft Gießens und anderer oberhessischer Gemeinden erfahren hat, ihr auch fernerhin erhalten bleiben möge. ** Zur Unterstützung des bedrängten Deutschtums in Rußland wurden aus den Gemeinden Reiskirchen und Burkhardsfelden 21 bezw. 33 Mk. als Erntefestgaben an Professor Dr. Haller übergeben und von diesem dem deutschen Schulverein in den baltischen Provinzen überwiesen. S chw ererUnfall. In der letzten Nacht 12,03Uhr wurde der Wagenpnher Adolf Heller von Lang-Göns beim Überschreiten des Geleises III im Bahnhof Gießen durch eine Nangiermaschine erfaßt und leider sehr sch wer verletzt, indem ihm beide Füße abgefahren wurden. Der Verletzte wurde sofort in die hiesige Klinik verbracht. * * 2ie Sektion Gießen des Deutschen und Oe st erreicht scheu Alpenvereins feierte am Samstag ' und Sonntag ihr 2 0jähriges Stiftungsfest unter sehr zahlreicher Beteiligung der Sektionsgenossen. Der Festkommers am Samstag abend, der in dem mit Pflanzen, alpinen Dekorationen usw. sehr hübsch geschmückten Saale des Hotels Einhorn stattfand, nahm bei Musik, gemeinschaftlichem Gesang alpiner und anderer Lieder, sowie humoristischen Vorträgen von Sektionsgenossen einen sehr schönen, allseits befriedigenden Verlauf. Der Sektionsvorsitzende, Professor Heddcrich, begrüßte die Sektionsgenossen und wies dann in seiner Festansprache auf die hohe gesundheitliche, ethische und wissenschaftliche Bedeutung des deutsch-österreichischen Alpenvercins hin, der jetzt 70 000 Mitglieder umfaßt. Die Sektion Gießen, die am 31. August 1886 von neun Alpenfreunden gegründet wurde, habe sich nach Kräften bemüht, an den Arbeiten des' Gesamtvcrcins teilzunehmen und es außerdem berftmiticn, in der Bevölkerung Gießens den Sinn für die Naturschönheiten der engeren Heimat und die Touristik wachzurufen und zu fördern. Dies zu tun, werde auch fernerhin die Aufgabe des Vereins sein, der jetzt 119 Mitglieder zähle. In "das von dem Redner ausgebrachte Hoch auf den Gesamtverein und i>ic Sektion Meßen wurde von der Festversammlung begeistert eingestimmt. Im weiteren Verlauf des Abends gedachte Herr Waldschmidt -Wetzlar der zwei noch dem Verein angehörenden Mitbegründer Justizrat Dr. Gutfleisch und Kaufmann Fritz Kühn, sowie des Fabrikanten Barnaß, der dem Verein fast von Anfang an angehört, und brachte diesen ein dreifaches „Berg Heil" aus. Um 12 Uhr erlitt der Kommers eine kleine Unterbrechung, da ein gemeinsamer „gänzlich gefahrloser" Abstieg zur .„Gießener Hütte" erfolgte, in der ein echter Enzian und ein kaltes Buffet die Bergwanderer erfreute. Hierauf sand der Kommers seine feuchtfröhliche Fortsetzung. Am gestrigen Nachmittag sand dann noch ein gemeinsamer Ausflug n a ch Wetzlar statt, woselbst im Hotel Kaltwasser einige gemütliche Stunden mit den dortigen Klubmitgliedern verlebt wurden. Das Stiftungssest, das einen echt alpinen Charakter trug, wird trotz seiner Einfachheit allen Teilnehmer:: in angenehmer Erinnerung bleiben. ” Der Turn-Verein Gießen eröffnete am Samstag mit einen „Winterfest" seine diesjährigen Wrntervergnügungen. Das hierzu ausgestellte Programm bot durch Zuziehung auswärtiger Künstler ein schönes, neuzeitliches Arrangement, das allgemeinen Beifall fand. In angenehmer Abwechslung kamen Musikstücke der hiesigen Regimentskapelle sowie Gesangsvorträge des Sängerchors des Turnvereins unter Leitung des Dirigenten, Herrn Kasten, zu Gehör, während die künstlerischen Leistungen in Opern-, Operetten-, Rezitations- und Lanz-Humoresken stets größere Heiterkeit und Bravos hervorriefen. So hatte die Veranstaltung einen vollen Erfolg und wird allen Besuchern eine angenehme Erinnerung sein. Der am Sonntag nach dem Philosophenwald unternommene Ausflug hatte eine außerordentlich starke Beteiligung. Der Turnverein hat wiederum gezeigt, daß er Feste feiern und feinen Mitgliedern etwas gediegenes bieten kann. * • Eine seltene Auszeichnung. Ans Mainz wird uns drahtlich gemeldt: Die französische Regierung verlieh dem Bürgermeister von Mainz, Dr. Goettel- mann, den Orden der Ehrenlegion. (In Mainz hat bekanntlich dieser Tage die feierliche Beisetzung einer Anzahl französ. Krieger stattgefunden.) * * Gesa in t-Ga st spiel RosaPoppe undEnsemble Berliner B ü h n e n k ü n st l e r i in S t a d t t h e a t e r. Ein außerordentliches theatralisches Ereignis steht, wie uns ans dein Bureau des Stadttheaters mitgeteilt wird, für Dienstag, 13. November, bevor. Rosa Poppe, die gefeierte Heroine des Berliner Kgl. Schauspielhauses, wird an diesem Abend im Ensemble mit den Berliner Künstlern Roderich Arndt (Kgl. Schauspielhaus), Margarethe Hübler (Deutsches Theater), Adele Werra (Berliner Theater), Paul Pauli (Schiller-Theater) und Franz Stephans (Deutsches Theater) ein einmaliges Gastspiel absolvieren, bei welcher Gelegenheit Grillparzers „Sappho" zur Darstellung gelangt. Der Vorverkauf für dieses einmalige Gastspiel ist eröffnet. Vorbestellungen werden bei Ernst Challier von heute an entgegengenommen. Braunfels, 3. Nov. Am 1. November, trat die Firma Friedrich Krupp in Essen in den Besitz der Fürstlich Solmsischen Bergwerke. Die Stadt Braunfels erhofft von dieser Aenderung eine wesentliche Steigerung des Bergwerksbetriebes und hierdurch der Industrie der nächsten Umgebung, woran auch der Wohlstand der Stadt seinen Anteil nehmen wird. Auf eine von Herrn SanitätS- rat Dr. Gerster an das Kruppsche Direktorium gerichtete Bitte, die Firma Krupp möge an diesem Tage auch ber' Braunfelser Armen gedenken, hat ihm diese 1300 Mark zur Verteilung überweisen laffen. Die Summe ist zu drei gleichen Teilen an die Stadtarmen, das Solmser Heim und das' Solmscr Stift übergeben worden. △ Butzbach, 4. Nov. Gestern abend hielt der Gesangverein „Orpheus" im Restaurant Wilhelm Steinhäuser seine diesjährige Stiftungsfeier und Generalversammlung ab. Nach einem vorzüglichen Abendessen fand die Wiederwahl des allen Vorstandes statt. Für das nach Gießen verzogene Vorstandsmitglied Heinrich Schneider wurde Herr Ludwig Schmidt gewählt. Mit einem Toast des Vorsitzenden, Hauptlehrers Storch, auf das weitere Blühen und Gedeihen und verschiedenen gesanglichen Vorträgen schloß die hübsche Stiftungsfeier. — Im Hotel „Hessischer Hof" hielt der „Fecht- klub Butzbach" seine diesjährige Generalversammlung ab. Der seitherige Vorstand wurde per Akklamation wiedergewählt. — Heute abend entstand in der Jungschen Wirt-, schäft nächst der Kaserne zwischen einem Soldaten und einem 18jährigen Burschen eine Rauferei, die sich auf der Straße fortsetzte und bei der die Gendarmerie ein greifen mußte. x Bad-Nauheim, 4. Nov. Gestern abend fand im Gasthaus „zum Ritter" die erste Monatsversammlung.des Militärvereins „Hassia" statt. Der Präsident Schäfer sprach seine Freude über den zahlreichen Besuch der Versammlung aus. Es sind für diesen Winter wieder zwei Vorträge vorgesehen und der Vorsitzende denkt, daß er hierzu zwei Nauheimer Kameraden bewegen kann. Mit dem ersten Vortrag am 1. Dezember? soll zugleich die Geburtstagsfeier Sr. Kgl. Hoh. unseres Großherzogs verbunden werden. Murn einigte sich auf diesen Tag, weil am 25. November, das Totenfest ist. Der zweite Vovtrag findet im Februar: statt. Weiter einigten sich die Kameraden dahin, in diesem Winter wieder einmal eine Abendunterhaltung abzuhalten. — Die Freiwillige Feuerwehr, die heute mittag eine größere Uebung abhielt, -an der die aktiven und passiven Mitglieder teilnahmen, veranstaltet heute abend im GasthauL „zur Krone" ein Vergnügen. Q Nieder-Ohmen, 4. Nov. In dem Vogelsberg ist e§ nicht selten der Fall, daß Schulstellen trotz der Höhenzulagen ohne Bewerbung bleiben. Vielfach sind dann die Ursache die schlechten Zustände von SchulhauS und Lehrerwohnung. Aehnlich lagen die Verhältnisse bisher in unserem Dorfe, dem größten des KreiseS Alsfeld. Obwohl der Ort ein der Bahn liegt, blieben seither die älteren Lehrer in Anbetracht der schlechten WohnungS- und Schulverhältniffe nicht lange hier. Dies ist nun ihit einem Schlage anders geworden. Die Gemeinde bat ein großes, prächtiges Schulhaus erbaut und darin in Anbetracht der steten Zunahme der Bewohnerschaft sogar einen Lehrsaal mehr vorgesehen, als Schulklassen vorhanden sind. Während nämlich die Volksschule nur drei, allerdings starke Klassen zählt, enthält der Neubau vier Schul- sälc. An den Lehrbau schließt sich als westlicher Flügel der Wohnungsbau an, der neben zwei Lehrerwohnungen eint Schulvcrwaltcrwohnung enthält. Lehrball und Wohnungsbau haben vollständig getrennte Eingänge. Die Kosten des großen Gebäudes belaufen sich auf nur rund 55 000 Mk. Heute fand nun gelegentlich deS Kirchweihfestes unter äußerst zahlreicher Beteiligling auS nah und fern die Einweihung deS Gebäudes statt. Um 2 Uhr wurde am alten Schulhaus ein langer Festzug aufgestellt, an dem die Vereine, die Orts- vorstände, die Vertreter der Kreisschulkoulmission, Kreisrat Hölzinger, Kreisschlilinspektor Eck, Kreisbauinspektor Fischer, Dekan Waguer-Grunberg lind zahlreiche Lehrer teilnahmen. Das Dorf hatte Festschmuck angelegt. 9(n den beiden alten Schulhäusern sanden 9lbschiedsfeiern statt, es sprachen die Lehrer Schäfer lind D u >l ke n be rg er. $(m Nelibau hielt der Ortsgeistliche Pfarrer Becker die Weiherede, als Weihelied trug der Gesangverein „Eintracht" vor: „Tie Hiulmel rühmen des Ewigen Güte." Kreisschulinspektor Eck dankte der Gemeinde für den Nelibau und ermahnte die Jugend zu Fleiß und Pflichttreue, damit sie einst würdige Nieder der Gemeinde und des Staates würden. KreiSrat Hölzinger betonte, daß dies die erste Festlichkeit sei, der er im Kreise beiwohne lind sprach die Hoffnlmg nn§, daß das neue Schul- hauS auch ferner die Llist zum Vorwärtssireben in Schule und Gemeinde wecken möge. Bürgermeister Neeb dankte der Behörde für ihr Gntgegenfommen und die Förderung deS Balies und brachte ein Hoch auf S. K. H. den Großherzog nu§. Dann erfolgte die Uebergnbe des Schlüssels und die Oeffmlng des Gebäudes. Gino Schülerin trug noch ein Begrüßungsgedicht vor. Den Schluß der Feier bildete der Schülerchor: „Lobe den Herrn, o meine Seele." Dann fand die Besichtigung des Gebäudes statt, das in jeder Beziehung mustergiltig und den Forderungen der Schulhygiene eiltsprechend eingerichtet ist. Jede Lehrermohmmg umfaßt fünf schöne, im modernen Stil auSgeführte Zimmer, von denen man eine herrliche Aussicht inS Ohmtal und nach dem Vogelsberg genießt. Die Folge deS NenbauS wird sein, daß in Zuklmst unsere Schulstellen zu den meistbegehrtesten Oberhessens zählen werden. P. Schlitz, 4. Nov. Da? Verlieren von Gegenständen aller Art, wie Geld, Schirme, Stöcke, Pfeifen usw. gehört ja zll den Alltäglichkeiten, daß man jedoch eine Kllh verliert, dürste wohl schon seltener vorkommen — passierte aber einem Handelsmann auS dem benachbarten Grebenau am vergangenen Freitag. Er ging, eine Kuh im Werte von etwa 200 Mk. am Seile hinter sich herführend, an diesem Tage von hier nach seiner Heimat. In Gedanken versimken — wahrscheinlich darüber, wen er am nächsten Montag mit dem Tiere glücklich machen will — schreitet er seines WegeS. 9(uf der Höhe, mitten im dichtesten Walde angekommen, fühlt er daS Bedürfnis, etwas zu verschnaufen, setzt sich auf einen Stein und gewahrt hinter sich blickend, daß sein Tier schon viel früher das Bedürfnis gehabt hat, auszuruhen, denn nur das leere Seil schleift noch hinter ihm her, die Kuh jedoch ist spurlos verschwunden. Bis spät in die Nacht wurde durch Viehtreiber mit Laternen der ganze Wald abgesucht, ober leider vergebens, das Tier war und ist bis jetzt verschwunden. Selbstverständlich trifft auch hier wieder das alte Sprichwort zu, daß, wer den Schaden hat, für den Spott nicht zu sorgen braucht. Offenbach, 3. Nov. Die „Offenb, Ztg." schreibt: Infolge der zunehmenden Fleischnot hat gestern die Stadt- verordnetenversammlung einstimmig beschlossen, -das Oktroi auf Schlachtvieh, sowie Fleisch, Wildpret, Würste und Geraube auf zu heben. Ferner wurde beschlossen, das Großh. Ministerium nochmals zu ersuchen, im Bundesrat für die schleunige Deffnung dek Grenzen einzutreten. — Auf den am Donnerstag abend um 5.45 Uhr nach Sachsenhausen durchfahrenden Personenzug wurde vom Feldwege aus von einer bis jetzt nicht ermittelten Person ein großer Stein in daS Wagenabteil zweiter Klaffe geschleudert. Die beiden Jnsaffen des Abteils, öeffen Scheibe zertrümmert wurde, kamen mit dem Schrecken davon. Die Verfolgung nach dem Täter blieb bis jetzt erfolglos. • Vermischtes. * Berlin, 4. Nov. Als der Tierbändiger Meters heute nachmittag im Zirkus Busch seine zehn Tiger und sechs wen vorführte, glitt er aus, worauf die Bestien aus ihn einstürzten und ihn durch Bisse und Kratzwunden schwer verletzten. Die vier Gehilfen drangen in den Käsig ein und trieben die Tiere durch Hiebe mit eisernen Stangen und durch Schreckschüsse zurück. Unter ihrem Schutze kroch Peters durch die Gittertür heraus. Er konnte sich dem Publikum noch dreimal im Zirkus zeigen, dann brach er bewußtlos zusammen. Er wird längere Zeit zu feiner Widerherstellung gebrauchen, das Publikum, besonders die Kinder, wurde bei der Sch recke nSs.'eue von einer Art Panik erfaßt, wurde dann aber durch Zirlusangestellte beruhigt, worauf die Vorstellung fortgefeht wurde. * Kleine Tageschronik. Im .f>n?en von Toulon explodierte vom franz. Kreuzer „Eharles Märtel" ein lanciertes und nachher wieder ausgesischtes Torpedo, nachdem es wieder an Bord gebracht worden war, auf Teck. Ein Mann wurde getötet, zwei Leute wurden schwer, mehrere leicht verletzt. — In Kiel feuerte der Kaufmann Müller in dem Geschäfts- Haufe seines Prinzipals nenn R e v o l v e r s ch n s s e a n s Angestellte und herbeieilende Schutzleute ab. Niemand wurde verletzt. Auf einen blinden Schreckschuß eines Beamten erschoß sich Müller. — In Leipzig wurden auf der Stadtkasse Unregelmäßigkeiten entdeckt und alsbald der Stadtkassierer Grützmann mit der Selbstbezichtigung, große Beträge aus der Stadtkasse unterschlagen zu haben. Eine Zeitung meldet, es handle sich um etwa 100 000 Mark. — Als die Frau des Hotelvortiers Foertsch von einem Besuch bei ihren auswärts wohnenden Eltern in ihre Wohnung zurückkehrte, sand sie ihren Gatten und ihre b e i d e n K i u d e r im 9llter von 7 und 8 Jahren tot in ihren Betten vor. Ter Vater hatte die Kinder durch Nevoloerfchüsse ins Herz getötet und sich dann durch einen Schuß in die Schläfe entleibt. Der Motiv der Tat ist unbekannt. — In Leipzig verhaftete die Polizei einen gefährlichen Hochstapler, den Ehemiker Wenge, der dort in Berlin und Hamburg zahlreiche Straftaten verübte. Er hat auch ein minderjähriges Mädchen nach Paris entführt. Tas Mädchen wurde ihm dort abgenommen, worauf Wenge nach England flüchtete. Wenge ist schon vielfach mit Zuchthaus vorbestraft. — Ter von Hamburg unter Mitnahme von Juwelen im W e rt e v o n 4 0 0 0 00 Mark f l ü ch t i a aewordene und in Odessa verhaftete Lemberger Groß-Kauf,nanu Elkan ist aus dem Gefängnis in Odessa entflohen. Ter schuldige Gefängniswärter wurde verhaftet. — Bei Lueg - nano (Italien) wurde ein Gefährt von einem Bah izuge eriaßt. Drei Jnsaffen wurden getötet, einer schwer verwundet. — Auf der Hubertusjagd des Westvreußischen Reitervereins bei Langfuhr ist der R i t t m e i st e r v o n K r o s i g h vom 1. Leibhusarenregiment so unglücklich mit bem Pferd gestürzt, daß er das Gkiiicf brach und bald darauf v c r st o r b e u ist. — Tas Verschwinden des jugendlichen G n e s e n e r D o m p s a r r e r s Skowronsky, der im August angeblich eine Reise nach der Schweiz angetreten har und seither spurlos verschwunden ist, hat sich dahin aufgeklärt, daß Skowrousky infolge übertriebenen l u r i 5 s e n Lebens Schulden in der Höbe von^15 000 Mark gemacht hat. Tas Gnefener Tomkcwital wird die Schulden decken. — In Leipzig hat sich der Kaufmann Hoffmann, der in der Wafienhandlung von Straub einen Revolver erstand, wobei die Frau des Gcschafis- inhabers einen unbeabsichtigten Selbstmord beging, in seiner Wohnung erschaffen. — In Hamb u r g wurde die Vermieterin 9l g n es Iark in ihrem Bett ermordet ausgefunden. 9lnßer mehreren Wertgegenständen fehlte ein Sparkaffenbuch über 270 Mk. Von dem Täter hat man noch keine Spur. Arbeiterbewegung. Hamburg, 3. Rov. Tie Steuerleute der Vereinigten Elbschissghrtsgesellschaften, die sich im Ausstand befind-m, haben heute die Arbeit wieder ausgenommen und wollen nunmehr mit den Arbeitgebern wegen Aufbesserung ihres Lohnes direkt verhandeln. Die Arbeitgeber werden die Wünsche der Steuerleute in Erwägung ziehen und demnächst in Verhandlungen darüber eintreten. Der Verkehr auf der Elbe ist infolge dieses Ausstandes auf ein Minimum gesunken. Gestern und heute sind elbaufwärts über vier Schleppdampfer mit etwa der doppelten Anzahl von Kähnen abgegangen, während von der Oberelbe überhaupt keine Schleppzüge eingetroffen sind. Altona, 4. Nov. Auf dem seewärts fahrenden Fischdampfer „Elbe" erklärten zwei Matrosen, sie wollten zu dem neuen Tarife nicht arbeiten, und da der Kapitän auf Verlangen der anderen die Bezahlung ablehnte, forderten die Matrosen die sofortige Rückkehr des Dampfers nach Altona und drohten den Kapitän über Bord zu werfen. Der Dampfer kehrte nach Mtona zurück, wo die Matrosen nach einem vergeblichen Versuche, über Bord zu springen, verhaftet wurden. London, 3. Nov. In den zehn größten Bergwerken des Rhondda-Tales sind 13 000 Bergarbeiter in den Aus - st a n d getreten; die Arbeiter wollen durch den Streik gegen die Anstellung nicht svndizierter Arbeiter protestieren. Verviers, 3. Nov. In einer Versammlung der ausständigen Webereiarbeiter, die einen stürmischen Verlauf nahm, haben heute die Wollkämmer mit 517 gegen 412 Stimmen sich gegen Wiederaufnahme der Arbeit erklärt, sofern nicht die vor der Aussperrung gültigen Bestimmungen wieder in .Maft gesetzt würden. Dagegen haben die Wollwäscher, die sich zuerst unversöhnlich zeiaten, für Wiederaufnahme der Arbeit gestimmt. Tetschen, 4. Nov. Unter den Ko hl e n - Ka r r e rn des Außiaer Umschlagplatzes sowie unter den Arbeitern des Umschlagplatzes der österr. Nordostbahn in Laube wird eifrig agitiert, daß sie zurUnterstützungderstreikendenElbschiffer ebenfalls die Arbeit niederlegen. Wenn der Streik zustande kommt, dürfte der KdUen-Transpvrt nach Deutschland gänzlich unterbunden werden. Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft. Preisbewegung. Nahezu konform den Preissteigerungen in Deutschland gehen die in Oesterreich, zuweilen unter aus- drücflichem Hinweis auf die Erhöhungen bei uns. Das östreichische und das ungarische Eisenkartell erhöhten, wie gemeldet wird, mit Rücksicht auf die Preissteigerung in Deutschland die Trägerpreise, ja nach verschiedenen Fracbtlagen bis zu 1 K^r. für den Meterzentner. — Die Seiden-, Plüsch- und Samtfabrikastten erhöhten ihre Preise durchweg um 6 Proz. — Die Vereinigung rheinisch-westfälischer Bandeisenwalzwerke teilt mit, daß in der am 1. d. M. abgehaltenen Sitzung die Preise für Bandeisen um 2.50 Mark für 100 Kilogramm erhöht wurden, sodaß sich diese jetzt auf Grundpreis 157.50 Mk. und 160 Mk. je nach der Menge stellen. Hofbierbrauerei SchöfferHof -Frankfurter Bürger- brän. Es verlautet, daß das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr in seiner Dividende den Erwartungen der 9lktio- näre kaum entsprechen dürfte. Im vergangenen Jahr, dem ersten Jahr der Fusion, konnte 11 Proz Dividende zur Verteilung gebracht werden. Diesmal dürften, so wird von mancher Seite behauptet, nicht mehr als 8 Proz. heranskommen. Der 9lbsatz sei zwar größer als i. V. gewesen, jedoch seien die Unkosten usw. gestiegen. 9lnch soll der Bierbopkott im September ungünstig auf den Geschäftsgang gewirkt haben. Jedenfalls wäre es recht angebracht, wenn die Verwaltung sobald als möglich, eine offizielle Schätzung der Dividende gäbe. Zur deutschen Geld Marktlage. Man hat bereits wieder am eine wesentliche Besserung des Geldmarktes geglaubt und nun ist zum Schluß der vergangenen Woche doch wieder eine, wenn auch nicht bedeutende, Versteifung zu verzeichnen gewesen. Sie zeigte sich anck im neuesten Ausweis der Deutschen Reichsbank, dessen Status sich zu Monatsschluß naturgemäß verengte. Immerhin fenut auch gegen Monatsanfang gehalten, eine gewisse Entlastung verzeichnet werden. Die Steuerpflicht hat zu Anfang des Monats 130 Mill. Mk. betragen, jetzt 76 Milt. Mk. Die Versteifung ist hauptsächlich auf die Begebung von Schatzscheinen zurückzuführen; außerdem hat noch 'das Angebot au Wechseln zugenommen. Märkte. fr. Frankfurt a. M., 5. Nov. (Telegr. Orig.-Dericht des „Gieß. Anz."). 9lmtl. Notierungen der bentiaen Viebmarktp reife. Zum Verkaufe standen: 388 Ochsen, 95 ans Oestreich, 54 Bullen, 0 ans Oesterreich, 0 aus Dänemark, 658 Kühe^ Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Dänemark, 265 Kälber, 366 Schafe und Hämmel, 00 Schafe aus Oesterreich, 0 Ziegen, 1669 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 87—89 Mk., 2. Qual 75—73 Mk., 3. Qual. 66—70Mk.; Bullen 1. Qual. 78 bis 80 Mk., 2. Qual. 74—76 Mk.; Kühe 1. Qual. 79—81 Mk., 2. Qual. 75—76 Mk., 3. Qual. 61-65 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual. 100—106 Pfg., Lebendgewicht 60—63 Pf., 2. Qiml. 95—98 Pfg., Lebendgewicht 56—58 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 75—80 Pfg., Schafe: 1. Qual. 80—82, 2. Qual. 00—00 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 75—00 Pfg., Lebdgeiv. 58.50—00.00 Pfg., 2. Qu.73—74Vfg., Lebend- gew. 57.50—58 Pfg., 3. Qual. 63—65 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend; bei Kälbern und Schafen gut, kein Ueberstand, Schweine mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend. fc. Frankfurt a. M., 5. Nov. (Obig.-Telegr. des „Gießen. 9lnz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktvreisc. Weizen Mk. 18.00—18,25, Kurhessifcber Mk. 18.00—18.25, La Plata Mk. 20.00—21.00, Kanfas Mk. 19.25—20.25. Roggen (hiesiger) Mk. 16.75—17.00, Gerste tWetteranerl Mk. 18.25—18.75, Franken- selber Mk. 18.75—19.50, Hafer 17.00—18.00, MaisMk. 13.50—13.75, Weizenmehl 27.00—28.00, 9)L 00—00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 26.00, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 25.00—25.50,1. Qualität Mk. 23.00—23.50, Weizenkleie Mk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 11.00 bis Mk. 11.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 18.00-18.50. 9llles ver 100 Kg. ab hier. ko. F r a n k f u r t a. M., 4. Nov. Kartoff elrnarkt. Man notierte auf dem gestrigen Kartoffelmarkt 5.75—6.25 Mk. für 100 Kilo. Sport. O Fulda, 4. Nov. Bei dem heute zwischen dem -Gießener Fußballklub von 190 0" und dem hiesigen Verein „Borussia" auf der Klosterwiese ausgefochtenen Wettkampf war das Glück den Borussen günstig. Sie verloren zwar das erste Spiel, aber aus den folgenden drei Giänqeit gingen die Fuldaer als Sieger hervor. Sehr riete Leute sahen bei kaltem Wind dem Wettspiel zu. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen SSW 5C Wetter 88 91 98 7,6 7,5 7,7 6,9 7,1 7,6 Sonnenschein Bed. Himmel Bew. Himmel 738.6 737,9 741,4 •e - November 1906 Höchste Temperatur am 3. bis 4. November = + 7,9 • C. Niedrigste „ ,3. „4. „ = + 4,4 • C. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche »Uttern,tg für Hessen am DienStttq, den 6. November: Veränderliche Bewölkung. Leichte Regenfälle. Etwas kühler. Leichte westliche Winde. Origiiral-Drahtmeldnngen. Berlin, 5. Nov. Die Zentral-Vcreinigung preußischer Vereine für Handel und Gewerbe hielt gestern hier ihre Generaloersaininlung ab. DaS Handelsministerium vertraten Gqhcimrat Greppert und Assessor Dr. Huber. 9lllgemein ging Sie Ansicht dahin, daß Schritte getan werden müßten, um eine Erhöhung der Zeugengebühren für Kaufleute herbeizufuhren. Ferner wurde beschlossen, den Vorstand deS Bunde? zu beauftragen, eine Vorlage auszuarbeiten, die eine wesentliche Erhöhung der Warenhaus st en er bezwecken soll. Weiterhin trat die Zentral-Vereinigung für eine prinzipielle Besteuerung der Konsum-Vereine und für staffelförmige Be steuerung der Filial-Geschäfte ein. Um Mißständen vorzubeugen, wurde doch beschlossen, den Entwurf eines AusverkaufS- gefetzeS dem Reichstage zu übermitteln. Rom, 5. Nov. In Italien erblickt man in dem Programm' des Baron Aehrenthal das Symptom einer völlig neuen Auffassung des Verhältnisses der beiden Staaten und einer fortschreitenden Aussöhnung der Völker. Einflußreiche Blätter ergehen sich in dem Zu-- kunftstraum, daß Oesterreich und Italien den Gang der künftigen Ereignisse int Sinne des Weltfriedens zu beeinflussen vermöchten. Ein Blatt bemerkt, Italien habe sich in London wie in Berlin der keineswegs leichten Mühe unterzogen, die schärfsten und die gefährlichsten Herbheiten zwischen England und D.euisch- land zu beseitigen und der sichtbare Erfolg dieser Arbeit sei der Besuch König Eduards bei Kaiser Wilhelm. Petersburg, 5. Nov. Hier zirkulieren neuerdings Gerüchte von einem Attentats versuch auf den Zaren. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitpeteilt von der Bank ftlr Handel und Industrie. Giessen. Frnnkfnrtcr Rörwe. 5. November, 1.15 Uhr. 31^°/. Reichsanleihe . . 98.10 3% do. . . 86.20 3^7o Konsole .... 98.20 3% do..... 86 35 3K°/0 Hessen.....96.90 3%°/n Oberhessen . . . —•— 4% Oesterr. Goldrente. . 99.35 4Oesterr. Silberrente 100.05 4% Ungar. Goldrente . . 95.20 4% Italien. Rente . . . 103.00 3% Portugiesen Serie I . 69.00 3% Portugiesen „ III 69.90 4 russ.Staatsanl. 1905 90.00 4K°Z» japan. Staatsanleihe 92.20 4 % Conv. Türken von 1903 93.50 Türkenlose......146.00 4% Griech. Monopol-Anl. 52.60 4% äussere Argentinier . 88.30 3°/ Mexikaner . . . 67.60 4J4°/O Chinesen .... 96.20 Aktien: Bochum Guss..... 233.70 Buderus E. W . . . . 124.10 Tendenz: ziemlich fest. Berliner Börse, 5. Canada E. B......178.50 Darmstädter Bank . . . 137.80 Deutsche Bank .... 237.70 Dortmunder-Union C. . . 80 30 Dresdner Bank .... 155.10 Tendenz: fest. Elektriz. Lahmeyer . . . 140.25 Elektriz. Schnckert . . . 124.50 Eschweiler Bergwerk . . 239.40 Gelsenkirchen Bergwerk . 220.70 Hamburg - Amerik. Paketf. 156.10 TTarpener Bergwerk. . . 208.25 Lanrahfltte...... 242.00 Nordd. Lloyd.....126.00 Obersehleg. Eisen-Industrie 126.00 Berliner Handelsges . . 169.50 Darmstädter Bank . . . 138.00 Deutsche Bank . . . 238.00 Dentsch-Asiat. Bank . . 170.65 Diskonto-Kommandit. . . 182.00 Dresdner Bank . . . 155.30 Kreditaktien . . . . . 212.M Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 121.10 Gottbardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 35 5C Oesterr. Staatsbahn . . . 145.20 Prince-Henri-Eisenbahn . 148.00 November. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 208.40 Lanrahütte .....—'— Lombarden E. B. ... 35.60 Nordd. Lloyd.....126.10 Türkenlose......145.90 Die Kleidung der Säuglinge bildet schon lange vor deren Geburt ein wichtiges Studium für die jungen Mütter. Viel wichtiger ist es jedoch, daß sich dieselben mit der Nahrung beschäftigen, welche die Kinder bekommen muffen, falls die Mutter nicht selbst nähren kann. Die rationellste Nahrung bildet in diesem Falle Kufekes Kindermehl mit oder ohne Zusatz von Kuhmilch. Knfekes Kindermehl, welche? selbst leicht verdaulich ist und den Kindern vom ersten Monate an gegeben werden kann, macht die dem Alter des Kindes entsprechend verdünnte Milch durch Herbeiführung einer feinflockigen Gerinnung derselben im Magen des Kindes leichter verdaulich, regelt den Stuhlgang und erhöht die Nährkraft der Milch durch seinen reichen Gehalt an Eiweiß- und Mineralstoffen. Es bietet auch einen gewiffen Schutz gegen Erkrankungen des Magendarmkanals. hv*/tl QuakerQats Ergiebigkeit ist eine Haupteigenschaft von Quaker Oats; aber auch überlegene Qualität, Reinheit und Wohlgeschmack unterscheiden die Waare von allen anderen Haferpräparaten. Nur in Packeten. 3 Lolwertr mit Firma billigst vrühl'sche Universttatt-Dmckerei. det am 9. November abends 8 Uhr statt. ▼7i » .Sfc D. Schlosser. Edelweiss Gebrüder Imheuser Marktplatz 9—10 Für Jäger ! 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Anmeldungen sind bei dem Dirigenten, Herrn UniversttätSmufikdtrektor Trautmanu, Moltkestraße 6, oder bei dem unterzeichneten Borsitzenden erdeten. srr •tl! auf Dem'' werbe bemj die S tlätiei Ä gioiai tag 1 Unit" brud Meda u Ret Verl' Sibrc Av Marktplatz 9—10 a’/x0 6632] Genutzmittelr Echt chinesische Theo’s lose und ui Orignialpackungen. Deutschen u. hollänv. Cacao. Aleischcxtrakt. Hafermehl, Maismehl. Kondensierte Milch. Gewürze, ganz und zerstoßen. Feinstes Lliueu»Sa atöl. Essig und Essigessenz, ff. Rum, Arrac, Cognac, Fruchtsäfte, Wein u. j. w. Adler-Drogerie Seltersweg 39. Otto Schaaf. Lose sind zu haben bei: Richard Buchacker, W. Senimler, Phil. Weiler. swaaqen i Mthiz.LebechrN Gust. Wallet, MusSiitg 13 aller Art empfiehlt billigst 6163 Aw giu st Selters weg 12 Akademische Vorträge. Im Laufe des Winters werden in der Universitäts- Aula folgende fünf allgemein verständliche Vorträge abgehalien: 1. Professor Dr. Oncken: Deutschland und Frankreich teit dem Kriege von 187U/71. 2. Landrichter und Privatdozent Dr. Friedrich: Die Trennung von Staat und Kirche in Frankreich. 3. Professor Dr. Kaiser: Die Tätigkeit der Vulkane, unter besonderer Berücksichtigung des Vesuvs und der Montagne Pel6e. 4. Universitäts-Musikdirektor Trautmann: Unsere Musik pflege in Haus, Schule und Kirche, sowie im ötienthchen Leben. 5. Professor 3)r. Eck: Goethe’s „Geheimnisse“. Der Ertrag ist zu gemeinnützigen Zwecken bestimmt. Abonnementskarten (für eine Person zu 4 Mk., für zwei Personen derselben Familie zu 5Mk., für drei und mehr Personen derselben Familie zu 6 Mk.) und Einzelkaiten zu Mk. 1.50 sind in der Fcrber’schen, Erees’schen und Ricker’schen Universitäts-Buchhandlung, Studentenkarten bei Herrn Univ.-Hausbeschliesser Ritter zu hauen. Der Vortrag des Herrn Professor Dr. Oncken fin- könrit sagt, erinn Weser dem Begas des aber ander wann kiS erbau einem feut|d der P- 5"bgei tdjenj Kch-i Hit ter @d S *oek ^gend hIe,e Pr 5» Ph. Kayfarth & Cie., Frankfnrt a. U. 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Erlaube mir, meiner werten Kundschaft, sowie einer verehrlichen Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend die ergebene Mitteilung zu machen, daß mein Geschäft ab heute an Herrn Heinrich Benter übergeht. Das mir dargebrachte Vertrauen bitte ich auf meinen Nachfolger g-fl. übertragen zu wollen. Hochachtungsvoll Rudolf Schlabach Nachf. Reinigung m Hans- nns HotelivWe jeder Arr unter Garantie absoluter Schonung. 6571 Spezialität: Feine Damen- und Herrenwäsche. Neuplättexei. Abholen und Rücklieierung durch eigenes Fuhrwerk. «Os Friedrich Wörner Krofdorfer Straße 12 Leide» Sie (tn Hautausschlag, Flechten, offene Beine, Braudivnudeu, Entzündungen, GefichtSröte, Wundfetu,Schweißfütze, Yrost. beulen, rote Häude, Hämorrhoiden rc., dann [z6/, verlanaen Sie in allen Apotheken Wenzel-Salhe! Pat. ges. gesch. 42 608 Aerztlich empfohlen! Vielfach mit höchsten Auszeichnungen prämiiert. Dankschreiben gehen täglich ein. Dose Mk. 1.— Gießen: Pelikan-Apoth. Prosp. grat, durch bte allein. Fabrik Ehr. 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