156. Jahrgang Erstes Matt. GietzenerrlW, rr General-Anzeiger Zmi§- md ÄZeigMaiL für den Ureis Sichen Die Beutifle Bummer umfaßt 8 Seiten. Das HeichSloloaialsMt. Zeilenpreis: lokall2Pft auswärts 20 Pfg. Verantwortlich füt den polit und atigern. Teil: P. Wittko: füt Stadt und Land" und .Gerichtssaal": Ernst Heb', für den Anzeigenteil: Hans Beck. Vslitische Tagesschau. Ter deutsche Tabakverem Aus guhmterridjtefen Reichstagskreisen erfährt man, die Stimmung im Reichstage nicht darauf schließen läßt, daß die Vorschläge der Negierung bezüglich der Umwandlung der Kolonialabteilung in ein Rcichskolonialamt unbedingt Z u si i m m u n g finben werden. Es haben sich Politiker verschiedener Parteien mehr dagegen wie dafür ausgesprochen, da eine ganze Reihe von Gründen für bte Beibehaltung des jetzigen Verhältnisses zwischen der Kolonialabteilung und dem Auswärtigen Amte sprechen. Jedenfalls ist der Inhalt der betr. Denkschrift, die die Errichtung eines ! 'elbständigen Amtes zu begründen sucht, nicht dazu angetan, i. Die Zahlen, welche angeführt werden, um zu beweisen, welchen bedeutenden Umfang die zu erledigenden Eingänge bei der Kolonialabteilung angenommen haben, können' deswegen als Beweismaterial nicht recht in Frage kommen, weil man nicht angegeben hat, welcher Art diese waren und auf welche Weise sie erledigt werden konnten. Jedenfalls läßt sich aus benjn der Denkschrift enthaltenen Mitteilungen kein Urteil über^ den Geschäftsumfang der Kolonialabteilung gewinnen. Wenn nun, wie die Vorlage es fordert, die vollständige Trennung des Kolonialamtes vom Auswärtigen Amte erfolgt, so wird vermutlich eine Erschwerung des Schriftwechsels zwischen beiden Behörden die Folge sein, so daß das bisherige Verhältnis dem vorzuziehen fein dürfte. Bei Prüfung dieser Fragen im Reichstage wird man möglichst eingehende Ermittelungen über den Umfang des Verkehrs zwischen der Kolomalablcil- ung und dem Auswärtigen Amt, wie er sich jetzt stellt und wie er sich später gestalten würde, fordern müssen. Abgesehen hiervon scheint die Umgeltaltung der Kolonialbehörde jedenfalls keine dringliche Frage zu sein, und man ist recht geteilter Ansicht, ob sie überhaupt notwendig ist. Die Ernennung des Kolonialdirektors 3 u m Unter* staa tssekretär und kleinere Veränderungen in der Organisation der Abteilung würden zunächst wohl genügen. Die für ein Reichskolonial amt erforderlichen Ausga den sollte man jetzt lieber sparen, zumal sie nicht die Gewähr für eine wirklich sachliche Verbesserung bieten und Geld siir bte Kolonien gerade genug gefordert werden muß. Im Zeiitrum machen sich besonders gewichtige Stimmen gegen die Regierungsvorlage geltend. Nr. 6 erscheint tärltch au per Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siebener §amtliew blätter viermal In der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unioers.-Buch-u. Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Redaktion ess 112 Verlag u.Expcd.e-^51 Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. Verbraucher, abgesehen von der gleichzeitig,vorgeschlagenen neuen Riaarettenfteuer, 28 000 000 Mark und einschließlich Zlgarettensieu« und Roll 44 000 000 Aiark jährlich mehr b>r ihren ^abakgenuß aufroenben werden. Wir haben dem hohen Neichstag bereits unter dein 1. Dezember 190d nachgewlesen daß dem deutschen Volk sogar über 55 Millionen, oder richtiger einschließlich Mehr- sabrikatzölle, 6 OMillionen Mark M e h r a u s g a b e daiur jugemutet werben sollen. Nun ist der Tabak das weitaus am meisten differenzierte Genußmittel. Vom 30 Pfennige das Pfimd an amwarts durch Hunderte von Sorten und Preislagen biiiaitf bis zur feinsten importierten 8g« und Zigarette, von welcher 1 Psund 50 Mark und mehr kostet, jeder Verbraucher mit Ausnahme der für diese Frage kaum mit zählenden oberen Zehntausend, mr welche eme Mel)rau^abe kur ihren Tabnkgennß nicht m Betracht kommt, siw das aus gewählt, was feinen Mitteln, bezw. dem nach seinem Haushaltsplan für Tabak angesetzten Aiifwand entspricht, «nb er genießt bavon sein festbegrenzteS Quantum. Wurde er m d« Lage sein, mehr ausgeben zu können, so wurde er mehr Tabat genießen ober sich eine bessere Sorte zulegen, denn aus persönlicher Liebhaberei wird niemand das Geringere genießen, wenn er sich das Bessere erlauben kann. Nach dem frafttreleit der vorgeschlagenen Mehrbelastung des Tabaks wird c as deutsche Volk, da es noch sehr erhebliche andere sMhraufwenbungen für die Neichskasfe zu machen haben soll, also eher wemger^Geld als seither für seinen Tabakgenuß misgeben. Die hohen Fleisch preise werben voraussichtlich nur roemg zuruckgehen. Auch die Brotpreise werden auf die Dauer hoher werden, da beispielsweise für Mai 1906 die Weizenpreoe mit ca. 180 und die Noggenpreise mit ca. 170 tzftter werbetp was eine erhebliche Steigerung gegenüber den Preisen Anfang 1905 deutet Der neue Zolltarif wird weitere 150 Millionen Mr. Zollerbohungen bringen, und anßerdern soll^i durch die vorgeschlagenen Steuern auf Bier, Quittungen, Frachtbrrese, Fahrkarten und Erbschaften 200 Millionen Mk. mehr ausgebracht werden. Es ist deshalb ganz undenkbar, daß das deutsche Volk nach1 (Srfuüung : all dieser neuen und erhöhten Anforderungen, welche die Reichs kasse an seine Steuerleistungsfähigkeit stellt, nun auch noch erheblich . mehr Geld für seinen Tabakgenuß aufwenden kann/ Der Verein schließt seine Eingabe mit den Worten: Mir hoffen, daß die von uns vorgetragenen, auf Sachkunde und sorgfältiger fack)män>iischer Erwägimg beruhenden Grunde aus- reichen werben, um dem hohen Reichstag zu einer Ablehnung des Gesetzentwurfes unb damit zu einer Verhütung drohender schwerer wirtschaftlicher und sozialer Schäden Anlaß zu diesen. Auch das Z i g a r e t t e n st e u e r g e s e tz muffen wir wiederholt als unannehmbar bezeichnen, weil dasselbe die Zigarettenfabrikation schwer belasten jmb nach sachverständiger Ansicht technisch unausführbar sein würde." Montag 8. Jarmar 190» BezngSPvetSr monatlich 75 Pf., viertes jährlich Mt. 2.20; durch Mhole- xl Zweigstellen monatlich 05 Pf.; durch biePostMk.2.—viertel- jährl. ausschl. Aestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Volttische Wochenschau. ■ Im Mittelpurrkt b^ Weltmt^esses steht Marokko- Frage. Ungestüm gebärdete sich in dm letzten Tageii ticTrm.nri\'rh<' Mii-sssse die aus den Worten des deutsclnni. Kaise^ von seiner Pflicht vor Gott und dem Volk, den Friedeii »iS herauslesen 'zu Vnncn glaubte . daß^DeutManb der franrösisa'EN Rea'erung in Marokko völlige freie $)aitb geben Sto die deutsche Presse sie ans ihren IntU7N aunnersiam m7L, mit d^m Becken, daß der K^ znxar von Zedern aber von einem Frieden in Ehren gespro^ habe erhob die französische Publizistik einen gewaltigen SMrm, der abermals bewie« d^ß Frankreich wieder erneut zu der Hoffnung greift, die Protektoratsgewalt über Marokko. zu erlmrgem Maul kann hierin eine. Rückbildung der sr-mzosischen ^uffaffung m der marokkanischen Angelegenheit erblicken. Denn xm Lummer hatte liran in Paris die Protektoratsidee bereits völlig fallen gelaffem Wenn jevt Frankreich neue Aspiratwnen. auf GesEtmarokko betätigt, so kann man das w-olsi mit der mtwiattonälen Polrtt- scken Situation begründen. Es heißt, daß der neue Minister der ausm Anaelegenheitcn Englands, Sir Edw. Greh, farme(1 Mitgeteilt habe, er werde bei der Marokko-Kvnftrctiz dtc Politik LatLsdv.vncs rerfoTgcn und die ^rde^mgen ^ankreichs kräftig unterstützen. Es sei, so äußerten sich emflnsirnche Londoner B'ätter nicht wahrscheinlich, daß Deutfchland ^iber bre ?vran^ reich bewiesene Treue Englands^ erzuriitseinwerbe Mrst -ülow werde daher wohl, so lange die RMe Deutschlands gewahrt wurden, die besondere Stellung jfranFre^. gegenüber anerkennen müssen. Möglich, daß ermge Minister im ^ndon.r Kabinett gegen Greys Politik Widerstaiid leisten, doch bersten sie es bei einem formellen, also gänzlich ntüllSsagcmden, Protest bewenden lassen. - In Italien hat der neue Mmlster des Ai s- wärtigen M arguiS die San G i u l i a n o dem italienischen Vertreter Silvestrelli den bereits erteilten Auftrag der 58er--. trstung wieder genommen und Biseonti Venosta mit der Vertretung Italiens desiMie Treiben ^rweranllm-rtlicher Persönlich- keilen, die Unftieden Mischen den beiden Volkern Susaen suchen. TaS ist richtig, aber man sollte doch 'an anderen Orten em be- । stimmtes Maß bei einer so erfreulichen Bergung nicht überschreiten. Fern steht es dem Deutschen Reiche wdeiffalls, die englische Freundschaft mit Opfern auf dem Gebiete der internationalen Politik zu erkaufem An Konsequenz ^d UnersHütter> lichkeitwird es die dentsihe Regiemmg bet der Vertretung ihr es Standpunktes auf der Marokkokon seren z hosfentlich nM WM en lassen. Don den deutschen Rechten darf mcptS geopfert werden. Eiii bemerkenswerter Telegrammaustausch vollzog vA zu Neujahr zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef, sowie zwischen letzterem und bem Könige von ^taaen. Erneut wiirde gemeldet, ber italienische Botschafter in Berlln Graf Lcmza habe geäußert, daß Kaiser Wilhelm im Fruylmg^Mailand besuchen werde. Dem Kvrresvondenten der romtzchen Tribuna wurde indes seitens der italienischen Botschaft dementiert, daß Lanzg diese Reise in Aussicht gestellt habe. Der preußische Lehrertag hat eme schärft Absage errt den Studtschen D ol ksschul en t Wurf ergeben lasstn. Der Pwtest ist ein Beweis von t erwarten die verbündeten Regierungen, daß die deutschen -r.abak°!N - soll eine Reform des Reichsrats bevorstehen Danach sollen die von ber Regierung ernannten Mitglieder mriit das Recht haben, an jeder Reichöratssitzung teilzunehmen. Die Regierung werde vielmehr für jede Zession die zur Teilnahme berechtigten Mitglieder ernennen. (Vergl. im übrige» den heutigen Sondercirtikel über Rußland.) England steht tm Zeichen des erbittertsten Wahl- kamvfes, ber zu Gunsten ber neuen, liberalen Regierung aus- M.qchen scheint. Wenigstens hatten L h a m b e r l a i n unb B a l - LL ss ä« ä «« ...........-...... Versammlungen tm Lande verliefen ebenso unruhig. Die politischen Leidenschaften sind durch den Wahlkampf aufS höchste erregt Frankreich soll, nach der endgiltigen Annahme des Ge etzes, betr. bie Trennung von Kirche und Staat, in eme Anzahl von Kirchenvrovinzen eingeteilt werden, von denen lebe aus mehreren Diözesen bestehen wird. Für einen m der Provinz erledigten Bischofssitz werden die Bischöfe dem Pap,te eme» drei Namen um- fnn'enbe» Vorschlag zu machen haben. In den Pariser ^tenlt- vermittelunqsbureaus sollen gegenwärtig nicht weniger als 6000 ehemalige K l o st e r s ch w este r n , welche durch bas Rongregationsgesetz brotlos geworden se.en such um Stellen als Gesellschafterinnen, Köchinnen und Dienstmabchen de mpUJn Die frmizösischen Kardinale erwarten die Zustimmung des Papstes, um ein Konzil der sranzösifchen Bischöfe einzuberufen, bas seinen Vorsitzenden selbst wählen und zum Trennungsgesetz Siellung nehmen wird und ztvar zweifellos versöhnlich. In der unga risch eii Stadt D e brecz rn kam es zu Gewalttaten gegen den dorthin entsandten neuen Obergespan, so daß militärische Hille nötig wurde, um bte Unruhen zu untei» b?ücfcn Auch in'anderen Städten wurden die iieuen Obergesvane verhöhnt. Die Regierung ist entschloffen, gegen bte renitenten Komitats mit aller Strenge vorzugehen. In Tebreczui erfolgte dte Verbafttmg bes Redakteurs des bortioen ^positioneNen Blattes, beÄ Advokaten und Stadtrepräsentanten Dr. Revay und des Staa.-.- hahnoberkontrol!curs Kastel. Tie Oberbemnten der Komrtate protestieren ober gegen bas Vorgehen der Regierung und beschloffett die Fortsetzung des Widerstandes. Vertretung zeugt. Die Kleinen auf dem Balkan. Heber Nacht ist in der „interessanten Gegend* Europas Mieder em Konflikt entstanden. Diesmal ist es nicht der Sultan, der, widerborstig, wie er ist, die Erfüllung eines Versprechens versagt, sondern zwei kleine Potentaten haben die Ruhe gestört, die ohnebin nicht im Uebermaß vorhanden ist. Peter, »von Gottes Gnaden" König der Serben, und Ferdinand, immer noch Fürst von Bulgarien, taten sich zusammen zu Nutz und Frommen ihrer schlechten Finanzen, und ritten gegen die Pfeffersäcke loS, wie weiland . . . wir wollen den Vergleich nicht zu Ende führen. Sie vereinbarten eine gemein same Finanz-, resp. Zollpolitik, in der löblichen Absicht, dem augenblicklich im Innern sehr be- schäftigten Oesterreich-Ungarn ein wenig die Wolle zu scheren. Aber man ist Wien wachsamer, als man da unten dachte. Man ließ dem Fürsten Ferdinand kund tun, daß er eigentlich nur Vasall de§ Großherrn im Stambul sei, und daß ihm das Recht nicht zustehe, eine Zollpolitik nach eigenem Gutdünken zu treiben. Laut Berliner Vertrag hat er dafür zu sorgen, daß alle am Vertrag beteiligten Mächte in gleicher Weise begünstigt sind. Diese Mitteilung war für den Fürsten, der gar so gern König wäre, sehr bitter, wie man sich denken kann. Aber sein großer Protektor sitzt in ZarSkoze Sselo in bitteren Nöten, also hat Oesterreich-Ungarn allein das Wort, und das schöne Abkommen muß wieder fallen zum größten Leidwesen PeterS und Ferdinands und ihrer Finanzminister von der leeren Tasche. Die serbische Regierung notifizierte bereits der zu Sofia, daß sie zur Verhinderung von Komplikationen mit Oesterreich Zollunion annuliere. So ist denn also dieser Streich vorbeigeglückt. Die Sache zeigt auch, wie sehr es der Wachsamkeit bedarf, damit die Herrschaften an der unteren Donau nicht zu übermütig werden. Dem Fürsten Ferdinand traut man schon lange recht ehrgeizige Pläne zu, und wa§ seinen neuen Freund anlangt, weiß man nicht, wohin die eigentlichen Machthaber in Serbien den König "treiben werden. Diesmal hat man ihnen auf die Hände geklopft — hoffentlich lassen sie sich das zur Warnung sein. Die Bevölkerung Frankreichs. Man schreibt au§ Paris: „Der amtliche Bericht über die Bewegung der Be- oölkerung in Frankreich im Jahre 1904 bestätigt die bekannte Tatsache, daß die Zahl der Geburten fast'in regelmäßiger Weise seit einer langen Reihe non Jahren abnimmt. Diese Zahl betrug 1904 nur 818 229 gegenüber 826 700 im vorhergegangenen Jahre, ist also neuerdings um 8471 gesunken. Mehrfach ist in den letzten Jahren schon die Zahl der Todesfälle höher als die Zahl der Geburten gewesen, sodaß eine direkte Abnahme der Bevölkerung stattfand, so 1890, 1891, 1892, 1895 und 1900. Der Ausfall betrug in diesen einzelnen Jahren zwischen 11 000 und 38 000. Der französische Statistiker Bertillon weist darauf hin, daß in England 1903 1 183 601 Geburten und eine Zunahme der Bevölkerung um 515 642, in Deutschland 1983 078 Geburten und eine Zunahme der Beoöl ke- rung um 81217 3 Einwohner zu verzeichnen sei. Daher habe Deutschland jetzt 60 Millionen Einwohner gegenüber 39 Millionen in Frankreich. Die Ursache hierfür liegt nicht etwa in einer verhältnismäßig geringeren Zahl der Heiraten in Frankreich. Diese betrug 1904 298 721, während sie z. B. 1875 rund 300 000 betrug. Aber auf eine Ehe kommen in Frankreich im Durchschnitt nur 2.7 Geburten, in England dagegen 3.7, in D eut sch land 4.4." sind dies 9,5 Proz. resp. 9,4 Proz. So auffällig gering diese Zahlen scheinen, sind sie doch in Friedberg schon viermal (Januar 1902, November und Dezember 1903 und Dezember 1904), in Oppenheim dreimal (Dezember 1901, November 1903 und Dezember 1904) erreicht bezw. unterschritten worden. Was den Eindruck des trüben Charakters des verflossenen Te^ember aber besonders verschärfte, war der Umstand, daß sich der tatsächliche Sonnenschein in Oppenheim auf 8, in Friedberg auf 7 Tage verteilte, sodaß 23 bezw. 24 Tage gänzlich jonnenscheinlos waren. Eine so große Zahl von Tagen ohne jeden Sonnenschein ist aber auch in den oben angeführten früheren sonnenscheinarmen Monaten nicht aufge treten. * * Gießener Adreßbuch 1 868. Im Jahre 1868 wurde, wenn wir recht berichtet sind, zum erstenmale ein i'ldreßbuch für die Stadt Gl eß en herausgegeben. Danach zählte damals die Stadt 31 .--'triften, 17 Aerzte, 34 Agenten, 2 Antiquare, 3 Apotheker, 27 Bäcker, 3 Vanquiers, 9 Barbiere, 11 Bierbrauer, 6 Bleicher. 15 Buchbinder, 3 Druckereien, 6 Buchhändler, 2 Btichsenmacher, 16 Zigarrenfabri- fanlen, 35 Kolonialwarenhändler, 3 Konditoreien, 6 Dachdecker, 4 Dielenhandlungen, 1 Delikatessenhandlung, 6 Drechsler, 4 Drogisten. 6 Eisenhändler, 16 Ellenwarenhändler, 2 Essigfabrikanten, 4 Färber, 7 Friseure. 2 Fruchthändler, 5 Gärtner, 7 Galanteriewarenhändler, 4 Gasthöfe, 8 Gastwirte, 9 Gerber, 7 Glaser, 2 Glockengießer, 3 Goldarbeiter, 2 Graveure, 1 Gürtler, 7 Hebammen, 2 Holzhändler, 2 Holzschneibereien, 1 Hutmacher, 3 Knaben- und 1 Mädcheninstitut, 6 Messerschmiede, 2 Jnstrumentenhändler, 2 Kaminfeger, 3 Kammacher, 7 Kappenmachcr, 7 Kohlenhändler, 16 Käfer» 2 Kürschner, 2 Kupferschmiede, 2 Lackierer, 6 Lcderhändler, 3 Leinweber, 4 Ligueurfabrikanten, 5 Lohnkutscher, 2 Mafchinenfabrikanten, 8 Maurermeister, 3 Mechaniker, 3 Webereien, 4 Mehlhändler, 29 Metzger, 5 Möbelhändler, 3 Müller, 1 Optiker, 5 Photo- grapyen, 5 Porz ellan Handlun gen,, 2 Posamentierer, 1 Pumpenmacher, 5 Putzmacherinnen, 9 Modehandlungen, 5 mattier, 4 Schirmmacher, 10 Schlossen, 6 Schmiede. 48 Schneider, 2 Schornsteinfeger, 38 Schreiner, 77 Schuhmacher, 4 Seiler, 11 Spengler, 3 Stein Hauer, 4 Tabakfabrikanten, 11 Tapezieren, 2 Tierärzte, 8 Uhrmacher, 4 Wagner, 6 Weinhändler, 10 Weißbinder, 50 Schankwirte, 1 Zahnarzt, 3 Ziegeleibesitzer, 7 Zimmermeister und 1 Zinngießer. * • Man purzelt. Wir erhielten am Samstag nachstehende anschauliche Schilderung eines bedauerlichen Unfalles, die wir buchstabengetreu wiedergeben: Man kann doch eigendlich sehen und hören welche Umstände in Gießen hergehen. Ich ging nähmlich mit meiner Braut die Babnhoistraße herunter es war vieleicht acht Uhr morgens, auh welcher wie es gestern überall etwas glatt war und man mußte Vorsicht gebrauchen wenn man nicht der Bahnhofstraße rutschen wollte oder man mußte zuerst in die Lebensversicherung gehen. Mir und meiner Brant war es nicht einerlei, über das berunter- fommen, denn überall sah man Leute purzeln. Es dauerte aber nicht lange, da purzelten wir auch und zwar meine Braut so heftig, daß sie ein Bein brach und sich erheblich das Gesicht verfiel. Ist das nickt zu bedauern, wenn für Luxus alles ausgeqeben wird und das was sich gehört wird nicht gemacht. Die Stadt Gießen müßte eigentlich mehr auf sich sehen, daß man nicht im Sommer an verschiedenen Straßen stecken bleibt im Winter dagegen purzelt. Sie denkt aber was liegt uns daran wenn andere Leute stecken bleiben oder wie jetzt purzeln, die Hauptsaeh ist ja, daß wir ein Theater bekommen und Leute wenn ihr purzeln wollt dann purzelt nur denn wer da purzeln soll der purzelt doch. Ich muß aber was die Hauptsache ist an meine Braut zuräckdenken welch jetzt in der 5ilinik sitzt und sagt „ach was kann einem doch alles in Gießen passieren" Die Kosten habe ich davon, aber ich werde mich dagegen wahren, denn eigentlich sind sie doch der Stadt, welche aber euch sicher nichts davon wissen will. Da kann man auch sagen traurig aber war. X Stockheim, 6. Jan. Heute morgen fanden zur Schule gehende Kinder den Schuhmachermeister Bechtold in dem durch den Ort fließenden Bleichenbach tot auf dem Gesichte liegend. Man nimmt an, daß derselbe in der Dunkelheit abgestürzt ist. □ Unterschmitten, 7. Jan. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl siegte der im 28. Lebensjahrstehende ledige Landwirt Döll mit 4 Stimmen Majorität über den Gegenkandidaten. R. B. Darmstadt, 7. Jan. Der dritte (Wahl- prüfung8-)AuSschuß der 2. Kammer hat sich bereits eingehend mit den drei eingegangenen Protesten gegen die Wahl der Abgg. Christ-Wörrstadt, Dr. Schmitt-Mainz- Land und U l l m a n n - Nieder-Erlenbach beschäftigt. Er faßte den Beschluß, die Regierung zu ersuchen, über alle drei Wahlproteste amtliche Ermittelungen anzustellen und das dabei gewonnene Material dem Ausschuß baldigst zur Kenntnis zu bringen. Mit der Berichterstattung wurde für die Wahl des Abg. Christ der Abg. Lang, für die Wahl des Abg. Dr. Schmitt der Abg. Erk und für die Wahl des Abg. Ullmann der Abg. Pennrich beauftragt. Darmstadt, 7. Jan. Die Sektion der Lerche des Oberbergrats Chelius hat keine Momente zutage gefordert, die das Gutachten des Oberarztes Dr. Oßmald 'zu alterieren geeignet erscheinen konnten. Tie Beerdigung fand heute mittag auf dem Damrstäd-ter Friedhof statt. d. Mainz, 7. Jan. Tas 24jährige Kinderfräulein EmUre Pogten Horn aus Hannover, das feit mehreren ^ubren bet einem Musikdirektor auf der Mittleren Bleiche m Stellung ist, wurde am Samstag Nachmittag zum Kaffee- trsch aus ihrem Zimmer gerufen. Als das Mädchen Platz genommen hatte, erzählte es lachend, daß es sich mit Med Ende März zirka 70 Beraturrgstage zur Verfügung, aber es ist zu bedenken, daß ein großer Teck nicht vom Ctctt, sondern von der Finanzreform und der Flottenvorlage - forbiert wird. Auch mehrere NachtragseE-, insbesondere der von S ü d w e st a f r i k a, muffen rechtzeitig beendet werden, sodaß es fraglich bleibt, ob alles bis zum 1. erledigt ist, wenn man sich nicht im Hause ber den Debatten igroße Beschränkung auferlegt, wozu sich leider die wenigsten Redner verstehen können. Man wird daher wieder das wenig ergötzliche Schauspiel erleben daß der Etat nicht zur rechten Zeit fertig wird, zumal die Ergebmffe ber Finanzreform bereits bei dein neuen Etat in ^rechnuna kommen sollen. Für andere Vorlagen wird daher schwerlich Zeit übrra bleiben, höchstens, daß man einige Jnterpella-- tionen zwischen schiebt, wie die der Konservativen über den geringen Schutz des Deutschtums ^n N)lßland, was wohl Gelegenheit zu einer ergiebigen Ruffendebatte geben dürfte. Auch mehrere sogenannte Schwerinstage werden abgehalten werden müssen, da eine Unmenge von Initiativanträgen der verschiedensten Parteien fror liegen, für welche eine parlamentarische Erörterung verlang^ wird. Von besonderer Bedeutung dürfte hierbei der Traten - antrag des Zentrums fern, der wohl diesmal mit bem größten Nachdruck von allen Parteien gegenüber der Regierung befürwortet werden dürfte. Es hieß zwar, die Regierung wolle sich endlich hierzu bequemen, von offiziöser Sette ist aber nun doch wieder Wasser in den Wein gegossen worden und es wird daher alles beim alten bleiben. Hiergegen wird sich aber der gesamte Reichstag ganz entschieden wenden, und zwar nicht bloß wegen dieser einen Frage, sondern weil er überhaupt mit der Regierung ein Hühnchen zu rupfen hat wegen der Art und Weise, wie der Bundesrat wichtige Initiativanträge des Reichstags, worunter der Tiätenantrag, völlig ignorierte, ein Verhalten, das gerade nicht von Hochachtung gegenüber der Volks- Aus Stadl uud Land. Gießen, den 8. Januar 1906. * * Personalnachrichten von der Reichspost. Verliehen ist der Titel „Ober-Postassistent": dem Post- assistenten Kuhl in Büdingen; versetzt sind: die Postassistenten Israel von Dresden nach Bad-Nauheim, Friede. Koehler von Kassel nach Gießen, Bogt von Bad- Nauheim nach Marburg. * * Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke, Oberstabsarzt a. D. Dr. Nietner in Berlin das Ritterkreuz, 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * In den Ruhestand versetzt wurden Eisenbahnassistent Karl Schmidt zu Mainz, Lokomotivführer Ludw. Schmauk zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit, Wagenmeister Phll. Schmitt zu Darmstadt, Mchnwarter Andreas H e n ß zu Meder-Olm. ** Erledigt ist die mit einem' evang. Lehrer zu besetzende 2. Lehrer stelle an der Gemeindeschulc zu Södel, Kreis Friedberg. **DieHauptverfammlungderOrtsgruppe Hessen der An tidueN-Li ga findet am 14. Januar im Taunus zu Frankfurt statt. Auf der Dagesordnung steht die Bildung eines Ehrengerichts für Hessen. ** Vorn Großh. Hydrographischen Institut. Tas außergewöhnliche trübe Wetter des verflossenen Dezember steht noch frisch in der Erinnerung. Daher dürfte es interessant sein, zu erfahren, daß sich diese Eigenschaft des Monats jetzt auch zahlenmäßig belegen läßt, nachdem durch die staatliche meteorologische Zentrecke im Großherzogtum, das Großh. Hydrographische Bureau zu Darmstadt, mit Einrichtung des meteorologischen Landesdienstes im Jahre 1901 zwei sogen. Sonnens cheinautographen in Friedberg und Oppenheim in Betrieb gesetzt wurden. Es sind das Apparate, welche die Zeitdauer des Sonnenscheins genau selbsttätig aufzeichnen; die Aufzeichnungen werden dann allmonatlich int Hydrographischen Bureau zu Darmstadt ausgewertet. Dabei hat sich als tatsächliche Sonnenscheindauer im Dezember 1905 in Friedberg 23 Stunden 51 Mim, zu Oppenheim 23 Stunden 37 Min. ergeben. In Prozenten oer an beiden Orten möglichen größten Tauer salz vergiftet habe. Die Erzählung' des Mädchens toitrbto als Scherz aufgenommen, doch flagte es alsbald über heftige Schmerzen im Leibe und fiel vom Stuhl herab. Mau lieft einen Arzt holen, der die sofortige Verbringung der Unglücklichen ins Hospital anordnete. Als der Krankenwagen kam, war das Mädchen bereits t o t. Das Mädchen muß die Tat in Geistesgestörtbeit verübt haben, denn es liegt keinerlei Ursache zu dem Selbstmord vor, auch hatte das Mädchen keinerlei Verhältnis. — Einen frechen Raub verübten zwei unbekannte junge Burschen am hellen Tage in der Schafsgiasse. Dort glitt ein älterer Herr aus und stürzte zu Boden. Die beiden Burschen sprangen sofort hilfsbereit hinzu, halfen dem Herrn auf und verschwanden dann. Ter Herr bemerkte später, daß ihm seine goldene Uhr mit Kette gestohlen worden war. * Kleine Tages chronik. Der Gntsinspektor Maibaum von der deutschen Kolonialschule Witzenhausen wurde wegen mehrerer Beirügercien in der Verwaltung des Gelsterhoses von der Kasseler Strafkammer zu sechswöchigem Gefängniß verurteilt. — Der Gürtler Lehnert aus Mauk (Bayern! wurde auf einem nächtlichen Heimwege bei Wernsbach übersatten, ermordet und ausgeraubt. Der Mörder ist unbekannt. — Nach aus Madrid ein- getroffenen Drahtmeldungen stürzte im dortigen königlichen Theater während einer Aufführung von „FauslS Verdammung* eine von vierzig Zuschauern besetzte Estrade ein. Eine Person wurde getötet, drei schwer verletzt. — In Trier ist nach Unterschlagung einer hohen Summe der K a s s i e r e r des Stadttheaters geflüchtet. — In O c a n a (Spanien) stürzto eine längst als baufällig erkannte Kirche ein und verschüttete ein anstoßendes Wohnhaus, in dem sich vier Personen befanden. Em Stint) wurde als Leiche aufgesimden, die drei anderen Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Der Unwille über die Nachlässigkeit der Behörden bei der Bevölkerung ist sehr groß. — Nach vielen Debatten hat der rumänische Mimsterrat die Ausweisung von neun Wucherern aus Bukarest beschloßen, unter denen sich der mehrfache Millionär Friedrich Goldwurm befindet. Tie Wucherer verleiteten die Söhne vermögender Familien, enorme Wechselbeträge zu unterschreiben und dabei die Unterschriften zu falschen. --------- j j Spiclpla« der rerrinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 9. Januar'): ^Iphigenie auf Tauris." Mittwoch den 10. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: „Prinzeß Tausendhändchen.* Abends 7 Uhr: Mozart-ZykluS. 1. Abend: „FigaroS Hochzeit." Donnerstag den 11. Januar: „Tannhäuser." Freitag den 12. Januar : Mozart-Zyklus. 2. Abend: „Die Entführung aus dem Serail.* Samstag den 13. Januar, nachmittags halb 4 Uhr? „Prinzeß Taufendhändchen.* Abends 7 Uhr: „Carmen." Sonntag den 14. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: »Prinzeß Tausendhändchen.* Abends 7 Uhr: „Tie Stumme von Porttci.* Schauspielhaus. Dienstag den 9. Januar'): „Der alte Vürgerkapilän.* Hieraus: „Der rote Schornsteinfeger." Zum Schluß: „Dodgeschoffe/ Mittwoch den 10. Januar: „Die Räuber." Donnerstag den 11. Januar: Zum ersten Male: „Der Helfeti'. Freitag den 12. Januar: „Der Helfer." Samstag den 13. Januar: „Ter alte Bürgerkapitän." Hieraus: „Der rote Schornsteinfeger.* Zum Schluß: „Dodgeschofse.* Sonntag den 14. Januar, nachmittags halb 4 Uhr: „Mamsell Tourbillon." Abends 7 Uhr: „Ter Helf er.* Montag den 15. Januar: „Der Helfer." Dienstag den 16. Januar- „Sappho * •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. IooM m deu SllmresowlerloiAttu der Stsdt Hieße«. Aufgebote. Dezember. 26. Wilhelm Adam, Gefangenauffeher dahier, mit Anna Katharina Kraft in Bleichenbach. Januar. 2. Heinrich, Gilbert, Weißbinder in Watzenborn, mit Katharina Sommer ba-\ selbst.. 3. Heinrich Giehl, Mineralwafferhändler dahier, mit Elisabeth Lämmer Hierselbst. Eheschließungen. Dezember. 30. Gustav Baader, Forstaffeffor in Lollar, mit Hedwig Nowack dahier. 30. Karl Größer, Schlaffer dahier, mit Anna Feuerbach in Butzbach. 30. Emil Euler, Oekonom dahier^ mit Kolharine Pfeiff Hierselbst. 30. Wilhelm Rinn, Metzger dahier, mit Johanuette Adelmann in Oberndorf. Januar. 2. Pauk Gottfried Hofstetter, Friseur in Büdingen, mit Apollonia Hörst, dahier. 3. Heinrich Jung, Schutzmann in Alzey, mit Maria Batten-' hausen dahier. Geborene. Dezember. 22. Dem Lokomotivheizer Karl Hupfeld ein Sohrui 24. Dem Fabrikarbeiter Peter Kuhn ein Sohn, Karl August Hermann. 24. Dem Glasermeister Wilhelm Schmitt eine Tochter. 25. Dem Elektrotechniker Max Weißbäcker ein Sohn, Georg Max. 26. Dem Fuhrmann Kaspar Rang eine Tochter, Marie Wilhelmine. 26. Dem Schuhmacher Christian Weeg ein Sohn. 27. Dem Buchbindermeister Paul Richter eine Tochter. 27. Dem Metzger Heinrich Blum HI. eine Tochter. 27. Dem Kaufmann Aloys Spengler eine Tochter, Paula Aloysa. 28. Dem Pedellen Johannes Fersch ein Sobn, Robert. 29. Dem Buchhalter Peter Caslein ein Sohn, Rudolf Heinrich. 30. Dem Sattler Karl Diebel eine Tochter. 31. Dem Schuhmacher Ferdinand Eckert eine Tochter, Agnes Magdalene. Gestorbene. Dezember. 31. Philippine Schulz, 80 Jahre alt, ohne Berufi dahier. Januar. 3. Jakob Goldschmidt, 64 Jahre alt, ohne Berns dahier. 5. Adolf Aloys Spengler, 3 Jahre alt, Sohn des Kaufmannes Aloys Spengler dahier. Kirchliche Nachricht en. Evangelische Gemeinde. Montag, den 8. Januar, abends 8 Uhr: Bibel stunde/ im Konfirmandensaal der Lukasgemeinde. Text: 1. Petr.-Br^ Kap. 1, 6 ff. Pfarrer Euler. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur am 6.-7. Januar — + 6,4° C. Niedrigste , „ 6.-7. „ — 4- 3,7° 0. Januar 1906. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 7. 2” 739,6 5,6 5,5 82 W 4 Sonnenschein 7. 99S 738 3 3,8 5,2 87 SW 2 Bew. Himmel 8. 726 727.9 2,0 4,9 93 SSW 4 Regen für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u. beseitigt - Diarrhoe, Brechdi I rch all, Darmkatarrh. Immer wieder bVÄiÄ Myhrrholinseife. Doctei Giessen (Blockstrasse 2), den 8. Januar 1906. y/i 2 Uhr, auf dem alten Friedhof statt, dankend verbeten. Die Beerdigung findet Mittwoch den 10. ds. Mts., nachmittags Blumenspenden im Sinne des Verstorbenen Im Namen der Hinterbliebenen: Frau Doster und Kinder Heute morgen verschied nach kurzem, schweren Leiden im Alter von 64 Jahren unser innigst geliebter Gatte, Vater. Schwiegervater und Grossvater 1 o D71 geziemend in Kenntnis zn setzen. Der Math. Nat. Verein zn Giessen I. N.: Gübert X Die Beerdigung findet Dienstag, 2 Uhr, in Darmstadt vom Trauerhause (Soderstr. 17) aus statt. MM Unterfertigter Verein erfüllt hiermit die traurige Pflicht, s. 1. E. M., A. H, C. B. nna V. B. von dem am 6. 1. Mts. in Darmstadt erfolgten Ableben s. 1. a. M. Hermann Schott stud. rer. nat- Bekanntmachung. In Gemäßheit Beschlusses der Stadtverordneleu-Versammlung vom 15. Juni 1879, wonach zur dauernden Erinnerung an die goldene Hochzeit des Deutschen Kaiserpaares, Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm I. und Ihrer Majestät der Kaisern» Augusta, von der Stadt Gießen eine Stiftung zu Gunsten bedürftiger Ehepaare, welche hier ihr goldenes Ehejubiläum erleben, errichtet worden ist, fordern wir alle diejenigen, welche im lausenden Jahre ein solches Fest zu begehen haben und Anspruch auf Bit- wendung der zu 150 Alk. bemessenen Stiftungsgabe erheben wollen, auf, sich bei uns zu melden. Gießen, den 4. Januar 1906. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. B’A Bekanntmachung. Um für den kommenden Sommer der Schuakeuplage wirksam entgegenzntreten, ist es jetzt notwendig, daß die überwin- ternden Schnaken in Kellern, Ställen und sonstigen Gelassen vertilgt werden, ehe sie ausfliegen und ihre Eier ablegen. Zu diesem Zweck wird demnächst die Stadtverwaltung durch Leute, die hierfür besonders ausgebildet sind, die Vertilgungsarbeit in den Kellern vornehmen lassen. Die Einwohner unserer Stadt bitten wir in ihrem eigenen und im allgemeinen Interesse, den hiermit beauftragten Leuten bereitwillig entgegenzukommen und ihnen bei Erledigung ihres Auftrages jede mögliche Unterstützung zu leisten. Seinerzeit wird sich hieran die Vernichtung der Schnakenbrut in den stehend. Tümpeln u. Gewässern, Wassertümpeln usw. anschließeu und steht zu hoffen, daß auf diese Weise die Schnakenplage unterdrückt werden kann. Das ist jedoch nur dann möglich, wenn die Vertilgung auch m den Gebäuden planmäßig erfolgen kann und jeder auf seinen Grundstücken die Vornahme der erforderlichen Arbeiten gestattet. Gießen, den 4. Januar 1906. B8/i Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Dl ecum. Holzversteigerung in der fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag den 15. Januar, von vormittags 9l/2 Uhr an in öen Distrikten Fuchsstrauch u. Kolnhänferkopf: Scheiter: 192 Rin. Buchen (4 Rm. Werkscheit, 1 Rm. Hainbuche rund), 7 Rm. Eichen (4 Rm. Werkscheit II. Kl., 2 Rm. rund), 2 Nm. Kirschbaum (rund); Knüppel: 165 Rm. Buchen, 94 Rm. Eichen; Stöcke: 177 Rm. Buchen (24 Rm. Scheitbrocken), 34 Rm. Eichen (4 Rm. Scheltbrocken; Reisholz-Wellen: 3300 Buchen, 800 Eichen, 160 Weichholz, 30 Nadelholz. 6 Stück Eichenschnittholz — 3,19 Fm. (die weniger schönen Stücke); 27 Stück Buchenjchniltholz — 53,54 Im. (gutes Holz); 3 Fichtenstämme — 0,40 Fm.^ 16 Fichtenderbstangen — 1,07 Fm.; 4 Fichtenreisstangen — 0,06 Fm. Die Zusammenkunft ist auf der Chaussee von Kolnhausen nach dem Höler beim Kolnhäuserkopf. Dienstag, den 16. Jauuar, von vormittags 91/, Uhr an im Distrikt Riedwald: Scheiter: 76 Rm. Buchen (4 Rm. Hainbuchen rund); Knüppel: 136 Rm. Buchen. 77 Rm. Eichen, 5 Rm. Weichholz, 49 Rm. Nadelholz; Stöcke: 38 Rm. Buchen, 20 Rm. Eichen, 18 Rm. Nadelholz; Reisbolz-Wellen: 4400 Buchen (halb Forst,vellen), 1900 Eichen (ebenfalls), 330 Hartlaubholz, 150 Weich- holz, 450 Nadelholz. 1 Eichen-Schnittholz — 0,58 Fm. (43 Em., 4 Mtr.); 4 Fichtenbauholz ■= 1,82 Fm.; 306 Fichtenderbstangen — 7,02 Fm.; 1426 Fichtenreisstangen — 8,61 Fm. Die Zusammenkunft ist auf der sog. alten Laubacherstraße, wo dieselbe vom Fußpfad Lich-Harbach gekreuzt wird. B8/, X'i.D (Oberhessen), den 6. Januar 1906. Fürstlich Solmfische Oberförsterei: Dr. Dieffenbach. Kekanntmachrmg. In der Zeit vom 30. Dezember 1905 bis 6. Januar 1906 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Zwicker, 1 Taschenmesser, 1 Paar weiße Handschuhe und 1 Portemonnaie mit Inhalt; o erloren: 1 Geldbeutel (Inhalt 25 Pfg. und I Schlüssel), 1 Zehnmarkstück und 1 Portemonnaie mit ca. 16,40 Mk. und 2 kleinen Schlüsseln Inhalt. Entlaufen ist: 1 Hund, deutsche Dogge, 80 cm hoch, Farbe dunkel gestrant; trägt Rute geringelt. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 6. Januar 1906. Großh. Pcu')riamt Gießen. I. V.: Roth. Holzversteigerung. Dienstag den 16. Januar 1906, vormittags IO1 Uhr, werden aus den Distrikten Rainröder Spies und Gierlöpse der Forste wartei Rainrod versteigert: Stämme: 1 Eiche VI. Kl. — 0,45 fm, 4 Buchen III. u. IV. Kl. (Schnittstämme) — 2,80 fm, 6 Fichten V. Kl. — 1,1lfm; Derbst a n g e n : 5 Fichten — 0,57 fm; Scheiter, Rm.: 644 Buchen I. Kl., 68 li. Kl., 5 Hainbuchen (rund); Knüppel, Rm.: 134 Buchen, 7 Hainbuchen, 2 Eichen; gewöhnlich Reisig, Rm.: 726 Buchen; Stöcke, Rm.: 142 Buchen. B8/t Beginn der Versteigerung im Distrikt Rainröder SpieS bei Nr. 1. Wettere Auskunft erteilt der Großh. Forstwart Adam zu Rainrod Eichelsdorf, den 6. Januar 1906. Großherzogl. Oberförsterei Eichelsdorf. Di a n n. Eingesandt. Bezugnehmend auf die am Freitag, den 5. Januar 1906 von den Gießener Neuesten Nachrichten gebrachte Notiz über die Namensänderung deS 1902 gegr. Gernhardtschen Zither- und Maudolmen- Chors möchten wir zur allgemeinen Kenntnis richtig stellen, daß es sich durchaus nicht um eine Spaltung des genannten Vereins handelte und daß Herr Gernhardt gerade nicht allzufern von unserem Vereine steht, sondern die frühere Dirigentschaft inne hatte, und daß vielmehr laut Beschluß der Vorstandssitzung vom 28. Juli 1905 man auf die Leitung des Herrn Gernhardt infolge höchst unliebsamer Vorkommnisse verzichten wollte. Die Wiederwahl des Herrn Gernhardt in der Generalversammlung vom 31. Juli 1905 war infolge davon, daß ein nicht stimmberechtigtes Mitglied mitgewählt harte, ungültig, so daß die Vorstandsmitglieder die Verzichtlelstimg auf die Leitung des Herrn Gernhardt aufrecht erhielten. Inzwischen hatte jedoch Herr Gernhardt vorqezogen, aus dem Verein zu scheiden. In der letzterwähnten Generalversammlung war man gezwungen, einen ziemlich beträchtlichen Teil der Aktiven auszuweisen, da die erwähnten das Vereinsmteresse md)t zu wahren vermocht hatten. Mit diesen und einigen seiner mit ihm gegangenen Anhänger gründete Herr Gernhardt einen gleichlautenden Verein: „Gernhardtscher Zither- und Mandolinen-Chor 1905". 214 Also eine Nengründnng und keine Spaltung. Der alle (1902 gegr.) Verein zog es deshalb vor, seinen Namen in „Verein itzretzener Zithersrennd " umzuäiidern, einesteils um eine bedeutende Reibfläche zwischen den beiden Musikveremen zu vermeiden, anderseits, da er sich sagte, daß er es nicht bedürfe, sich mit falschen Federn zu schmücken und gedenkt, unter der neuen Aera mehr sich icmeni Ziele widmen zu können, als er es unter der alten imstande war.- Allen Freunden und Gönnern unseres Vereins dies zur gesl. Mitteilung. I Der Vorstand deS Vereins Gießener Zitherfreuude. SS18/. in empfehlende Erinnerung. 28 Wallenfels und Carl Seibel. Ludwigslraße 55. Lndwigstraße 55 Bierverlag 14 Jede Hausfrau probiere Iornbrot von der Kiazeobacher iflühie Zu haben in den bekannten Verkaufstellen Aut Wunsch pünktl. Lieferung frei ins Haus. Unübertroffen in Geschmack und frischbleibend. -M- Zu haben in jedem besseren Installation»« geschälte. Kataloge und Prospekte gratis und franko durch das Werk? 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