Erstes Blatt ISS. Jahrgang Montag 5. November 1906 Giehener Ammer M General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen □6 E3 Nr. 260 <6etnt tflflttJ) außer SormiagS. Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beiqelegt. Rotationsdruck tu Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buck-u. Stein- bruderet. 9t Lange. Redaktion, Erveditton und Druckerei: Schul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. vezngSpret-t monatlich 7bPt., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel» jährl. auSschl. Bestellg, Annahme von Anzeige» sür die TageSnutnme» bis vormittags 10 Uhr, ZeilenprelS: lokal 12Pf, auSwärtS 20 Pig. Verantwortlich tüt den poItL und allgem. Teil: P. Wittko: tüt .Stadt und Land* und -Gerichtssaal'. Ernst petz; fut den Anzeigenteil: HanS Bei, Are heutige Mmmer umfaßt 10 Seiten. Apolitische Wochenschau. Unversehens hat die kleine Wolke, die schon lange am innerpolitischen Hovizont drohte, den ganzen Hrrnmel umzogen, und die Atmosphäre hat sich zu krisen- schwangerer Spannung erhitzt. Die Ursachen, die diesen Zustand herbeigeführt haben, liegen weit zurück. Wenn wir eine parlamentarische Reichsregiernng hätten, so würde die Ablehnung eines selbständigen Reichskolonialamtes genügt haben, ihren Sturz hcrbcizuführen, so aber ist es nicht eine Niederlage im Reichstag, die möglicherweise zu einem Wechsel in der Besetzung des höchsten Reichsamtes führen kann, sondern ganz andere Motive würden den Sturz des Für st en Bülow verschulden. Tie Pod - b ie ls ki-Tippelskirch-Affäre hat gezeigt, wie schwach im Grunde die Autorität Bülows im preußischen Staatsministerium sein muß, wenn er nicht imstande ist, einen Minister zum Rücktrrtt zu bewegen, der seiner Meinung nach reif zum Rücktritt ist. Es war schon ein merkwürdiger Vorgang, Herrn v. Podbielski durch die „Nordd. Allgemeine" einen Wink mit dem Zaunpfahl zu geben, aber änderbarer mutete die Tatsache an, daß der Landwirt- chaftsminister eine Desavouierung des Kabinettschefs in ressen eigenem Moniteur durchzusetzen wußte. Und es ge- chah das zweite Wunderbare: Fürst Bülow tat so, als ob nichts vorgefallen wäre. Auch in der Fleischteuerungsfrage zeigt der Reichskanzler überraschende Gleichgültigkeit, und .Herr v. Podbielski allein hat bisher eine Oeffnung der Grenzen zu verhindern gewußt. Es scheint also, daß der spiritus rector der deutschen Reichsregierung und des preuß. Ministeriums nicht Fürst Bülow, sondern Herr v. Podbielski ist, genau so, wie Clsmenceau die Seele des Kabinetts Sarrien war. Ein solches Verhältnis scheint aus die Tauer unhaltbar und drängt angesichts der bevorstehenden Er- ösjnung der parlamentarischen Herbstkampagne zur Klärung. Aver auch wenn der joviale Landwirtschaftsminister von seinem Posten zurüütrtti, so wird doch ein Bodensatz von Verstimmung gegen den Fürsten Bülow zurückbleiben, denn das Schauspiel innerer Zerfahrenheit, welches die Reichs- regierung bietet, kann nicht dazu beitragen, das politische Ansehen des Reichskanzlers zu erhöhen. Mit der fortgesetzten Fleischteuerung hängt eine Preis st eigerung fast aller unentbehrlichen Gebrauchsgeaenstände zusammen. Man sollte doch meinen, daß die Volkserhaltung eine der wichtigsten Staatsangelegenheiten ist und deshalb die größte Fürsorge verdient. Es scheint jedoch, daß die Reichsregierung der Kalamität des steten Anziehens der Fleischpreise erst in den letzten Tagen ihre Aufmerksamkeit zuwendetc, und die Befürchtung liegt leider nahe, daß man auch hier mit der bekannten Politik der kleinen Mittel und halben Maßnahmen vorgehen wird. Eine Oeffnung unserer Grenzen gegen Rußland und Oesterreich zu freier Vieheinsuhr dürste umsoweniger Abhilfe schaffen, als in beiden Staaten selber Wiehnot herrscht und speziell in Oesterreich die Fleischpreise auf derselben Höhe stehen wie bei uns. Ja, es steht sogar eine zeitweise Sperrung der österr. Grenze gegen die Fleischausfuhr in Aussicht. Eine Masseneinfuhr aus Argentinien und Australien.könnte allein eine nennenswerte Verbilligung der Fleischpreise herbeiführen. Darauf wird sich indes niemand ernsthafte Hoffnungen machen. In Oesterreich-Ungarn dauert die Krisis fort. Der ungar. Ministerpräsident Wekerle hat bereits öffentlich erklärt, die Ungar. Regierung werde für die Erhöhung des Rekrutenkontingents nationale Konzessionen verlangen. Wenn solche gegeben werden, werde sie die Gelegenheit zur endgültigen Beseitigung der militärischen Differenzen zwischen der Krone und Ungarn gern benützen. Herr W. weiß aber, daß die österr. Regierung neue Konzessionen nicht machen kann, ohne sich ganz aufzugeben. Die Wiener Siegierung ist eben den Ungarn bereits so sehr entgegengekommen, daß die Ungarn vollends unersättlich geworden sind. So beantworteten sie z. B. den hochherzigen Gnadenakt des alten Kaisers, der die Erlaubnis gab, die Asche des magyarischen Rebellen Rakoczy, der vor zwei Jahrhunderten die Waffen gegen das Haus Habsburg geführt hatte, in ungarischer Erde zu bestatten, mit hochverräterischen Demonstrationen gegen die Dynastie. Und der ungar. Handelsmini st erKossut h sagte sogar in einer Rede ganz offen, das Ziel der magyarischen Bestrebungen sei die gänzliche Losreißung Ungarns vom Hause Habsburg. In Rußland dauert die Ruhe fort, und nur der letzte Bombenanschlag in Petersburg erinnerte daran, daß die unterirdischen Mächte der Revolution noch keineswegs die Waffen niedergelegt haben. Auch die Schließung der Moskauer Universität, eines Hauptherdes der anarchistischen Umtriebe, beweist, daß die vollständige Pazifikation Rußlands noch eine schwere Arbeit kosten wird. Inzwischen tauchen immer wieder Gerüchte von neuen Anleiheverhandlungen auf, und sicher macht auch die russische Regierung alle Anstrengungen, um sich neue Geldquellen zu erschließen. Wunderbar zu rechnen aber verstehen die ruf). Reichsfinanz- künstler. Nach dem soeben erschienenen Bericht der Reichskontrolle über die Realisierung des Budgets von 1905 überstiegen die gewöhnlichen Einnahmen die gewöhnlichen Ausgaben um 99 382 405 Rubel. Durch Benutzung der aus dem Budget von 1904 verbliebenen freien Mittel, welche die Reicbsrentei rur Deckung außerordentlicher Ausgaben verwandte, ist dvs Gesamtdefizit, das in Höhe von 180 Millionen erwartet war, ,D. Ztg." bekundet eine Pflichtvergessen h eit. Es handelt sich nicht, wie die Regierung sagt, um eine Entscheidung von Fall zu Fall, sondern um eine Prinzipienfrage. Die Minister müßten der Krone gegenüber das Rückgrat beweisen, das wir Nationalliberalen verlangen. Die Erklärung in der „D. Ztg." ist ein Armutszeugnis über die politische Unkenntnis, in der sich die Regierung befindet. Wenigstens sollte sich die Negierung die Zeit nehmen, die sozialdem. TageSpresse zu verfolgen. Wenn man nicht wüßte, wer an der Spitze der Regierung stände, könnte man ihre Haltung als modernen Jugendstil bezeichnen. (Große Heiterkeit und Beifall.) Geh. Justizrat Osann L: Seit der Mnister Finger gegangen ist, schwebt über unsere Regierung eine Art ästhetische Stimmung. Unter Rothe hatten wir schon eine gewisse Katzenpfoterei. Unter der jetzigen Regierung ist das mit Riesenschritten weiter gegangen und der Eißnert-Akt setzt allem die Krone auf. Man sagt sich, die Sozialdemokratie müsse se behandelt werden, daß man sie dach mal bei gewissen Gelegenheiten zur Bewilligung haben kann. Angesichts der Bestätigung meint man, der Geist der Regierung sei umwölkt gewesen, ihr Gehirn hätte irgend ein Schlag getroffen. Alle deutschen Staaten bekämpfen die Sozialdemokratie mit Ausnahme des Großherzogtums Hessen. Natürlich wird der Einfluß des Großherzogs, befonbcrS’ wenn sich seine Taten in solchen Bahnen bewegen, noch geringer im Reich, als es ohnedies schon der Fall ist. Wenn auch die Tonart in der Resolution noch etwas schärfer sein könnte, so sollte man sie doch annehmen. Die Versammlung beschließt darauf einstimmig eine Resolution des Inhalts? Die Landesversammlung der natlib. Partei in Hessen spricht ihr tief st es' Bedauern über die Bestätigung des von der sozialdemokratischen Mehrheit der Stadtverordneten in Offenbach zum Beigeordneten gewählten Eißnert aus. Sie erachtet diese Bestätigung angesichts der befannten Bestrebungen und Ziele der Sozialdemokratie und der offenkundigen und fortwährenden verletzenden Agitation, nicht bloß für überaus besorAuis- erregend für die verfassungsmäßige und gesetzlich bestehende Staatsordnung im Reich und den Einzelstaaten, wie für die darauf beruhende bürgerliche Gesellschaftsordnung, sondern erblickt in der Bestätigung eine gegenwärtige große Gefahr für die friedliche und förderliche Entwickelung des Reiches und der Bun des st aalen. Die natlib. Partei erachtet es als eine öffentliche Pflicht, sich gegen die Bestätigung eines Sozialdemokraten in der Stadt Offenbach öffentlich auszusprechen und hat die Ueberzeugung, damit zugleich den Anschauungen, den Gefühlen und Gesinnungen des überwiegenden Teiles der Bevölkerung des Grvüherzogtums Ausdruck zu geben. Mit einem Hoch auf das Vaterland schließt der Vor- sitzende die Versammlung._________________________________ Die „Zukunft" über die Entlassung Bismarcks. In der neuesten Nummer der „Zukunft" beschäftigt sich Maximilian Harden in einem langen Artikel mit der Entlassung des Fürsten Bismarck. Wir teilen daraus folgende Stellen mit? „Im Mai (1890) beginnt der Ausstand der westfalischen Bergarbeiter. Am Achtzehnten spricht der Kanzler int Reichstag. lAhnt er, daß es das letzte Mal ist? Er läßt sich int Foyer fotographieren.) Er verhehlt nicht, daß er mit fast allen Parteien schlecht steht: auch der Kvnservativen nicht mehr sicher ist ldenen der schwartower Hammerstein den nahen Sturz des Kartellpatrons verkündet hat.l Vom Einundzwanzigsten bis zum Sechsundzwanzigsten ist König Umberto mit seinem Sohn und Crispi in Berlin. Der Kaiser schenkt dem italienischen Ministerpräsidenten eine Photographie mit der Aufschrist: A'gentil- homme, ä corfaire et denn. Crispi glaubt sich als Kvrfaren erkannt und rennt aufgeregt in die Wilhelmstraße, wo er, nicht ganz leicht, überzeugt wird, der Satz solle mir ausdrücken, daß der Kaiser ihn für einen gentilhomme halte. Am Tag nach bet Abreise der Italiener ist Ktonrat. Der Streik, der beendet schien, hatte wieder begonnen. Der Kaiser hat vierzehn Tage vorher die Delegierten Bunte, Sieget und Schröder im Schloß empfangen und gesagt,, wenn sich „sozialdemokratische Tendenzen in die Bewegung mischen", werde er mit unnachsichtlicher Strenge einschreiten. Im Ktonrat spricht er sehr schroff gegen die Grubenbesitzer. „Wenn diese reichen Leute nicht Vernunft annehmen, ziehe ich mein Militär zurück; wird ihnen bann der Rote Hahn aufs Dach ihrer Villen gesetzt, ist's nicht meine Schulb." Bismarck antwortet, auch diesen reichen Leuten sei der Schutz der Staatsgewalt nach preußischer Tradition und Verfassung nicht zu versagen; ihr Recht, über die Arbeitsbedingungen nach freier Ueberzeugung zu verhandeln, sei in einer nicht sozialistischen Gesellschaft unbestreitbar. Der Kaiser habe geirrt, als er den „vaterländischen Sinn" der von ihm empfangenen Delegierten rühmte und ihnen, die „dezidierte Sozialdemokraten" seien, lobend nachsagte, sie hätten „sich der Fühlung mit der Sozialdemokratie enthalten" ; der Kanzler fürchte eine neue Täuschung des Allerhöchsten Vertrauens und müsse, wenn er auch den beantragten Belagerungszustand noch nicht für nötig halte, doch für energische Schutzniaßregeln eintreten. Schon während er sprach, fühlte er, daß er nicht mehr alle Kollegen hinter sich habe; konnte, es aber nicht beweisen. Der Kaiser schied verstimmt. Eine ängstliche Exzellenz ringt die Hände. „Hätten Euer Durchlaucht es ihm wenigstens unter vier Augen gesagt!" Antwort: „Soll ich im Ktonrat vielleicht den Obersten der Eunuchen spielen? Dann hätte bie Geschichte doch wirklich keinen Zweck und es wäre nur schade um die verlorene Zeit. Ehre und Rewuatton kann ick» dem Aller- höchsten Dienst nicht opfern." Ucbcr den letzten Besuch des Kaisers beidem Fürsten Bismarck schreibt Harden: „Der Kaiser hat sich bitter beklagt, daß Bismarck an, diesem Morgen so heftig geworden sei, und erzählt: ,Daß er mir nicht das Tintenfaß an den Kopf geworfen htt. war alles.' Nicht scherzens, wie ich noch 1903 vermuten mußte, erzählt; ernsthaft, vor den versammelten Kommandierenden Generalen, denen er das Benehmen des Kanzlers so erregt schilderte, daß Moltke, als erster, das Urteil in die Worte faßte: ,Wenn der Mensch sich so vergessen kann, muß er fort.' Bismarck, der sein Handeln doch nicht feig zu verleugnen pflegte, hat bestritten, daß er je von der Pflicht der Ehrerbietung gewichen sei. Als die Tintenfaßlegende, deren Herkunft damals noch unsicher war, immer wieder auftauchte, hat er eine Erklärung versucht. Die war nicht schwer zu finden. Der Fürst hatte, wenn ex lebhaft sprach, bie Gewohnheit, mit der rechten Faust kurze, leise, aber starke Stöße gegen die Tischplatte zu führen; dabei konnte ein Tropfen Tinte aus dem Fäßchen springen. Herbert behauptete, in dem Zimmer, baß ber Schauplatz des Gespräches war, habe gar kein Tintenfaß gestanden. Einerlei. Wilhelm heischte mehr Devotion. Wer dem Fürsten aber Flegelei zutraut, er habe mit Realinjurien gedroht, hat ihn nie gekannt. Der Riese, der so viel auf „Wohlerzogenheit" hielt, war nicht grob; nur rückhaltlos wahrhaftig. Stand vor jedem König wie ein Edelmann vor dem anderen. Als er, beim Empfang in Sanssouei, Friedrich Wilhelm die Mumung der Hauptstadt vorgeworsen, unb die über solchem Tun empörte Königin gerufen hatte, daran sei der Kinig, dem seit drei Tagen der Schlaf gefehlt habe, ganz unschuldig, antwortete er ruhig: ,Ein König muß schlafen können'. Auch harte Wahrheit ertragen. Zur Schranzenservilität und Hunde- demnt hatte der Mann keinen Blutstropfen in sich. Hätte niemals, wie Caprivi, den Vortrag einer wichtigen Sache vertagt, weil ,der Kaiser heute übler Laune ist'. Wer vom Genie bedient fein will, muß auf Lakaienkünste verzichten." Aus um »uns. Sprechstunden ber Redaitien 11—l Uhr Vom., i/27—1/28 Uhr abbs. Gießen, den 5. November 1906. ** Personalien. S. K. H. der Gr 0 ß h e r z0 g haben den Hauptlehrer an der Lanbesbaugewerkschule Artur Wienkoop zu Darmstadt zum Direktor der Landesbaugewerkschule und die Geometer 1. Kl. Friedr. Hoffmann aus Veitshain und Gg. Ritsert aus Groß-Umstadt zu Feldbereinigungsgeometern ernannt. ** Lehrerpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den prov. Lehrer Eduard Zinßer zum Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach ernannt. Uebertragen wurde dem Lehrer Friedr. Schön zu Unter- Seibertenrod eine Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Ulrichstein; der Lehrerin Josephine Dingeldein zu Münster (Kr. Dieburg) eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg. In den Ruhestand versetzt wurde oer Oberlehrer an der Volksschule zu Mainz Karl Pf ass auf sein Nach suchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, sowie am 27. Oktober d. I. der Oberlehrer an der Gemeindeschule zu Reinheim Friedr. Kopp auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. ** Neuer Konsul. Ter Generalkonsul der Republik Uruguay Dr. Louis Garadelli in Berlin ist zur Ausübung konsularischer Funktionen im Großherzogtum zugelassen worden, ” Der Vorstand ber Landmirtschaftskammer hielt am Samstag, vorm. 10 Uhr, in Darmstadt eine Sitzung ab, die mit kurzer Unterbrechung sich bis abends um 7 Uhr ausdehnte. Zunächst teilt der Vorsitzende Geh. Negierungsrat Haas mit, daß der für die ersten Ausgaben notwendige Kredit zu mäßigen! Zinsfuß von ber Landwirtsch. Genossenschaftsbank zur Verfügung gestellt wird, später wirb die Regierung den Betrag von Mk. 50 000 zinslos und unkündbar zur Verfügung stellen. Umlagen sollen aus verschiedenen Gründen erst im Jahre 1908 erhoben werden. Hierauf sand eine Aussprache über die in die neuen Satzungen aufzunehmenden Punkte statt. Die von dem Landwirtschaftl. Verein bisher herausgegebene Zeitschrift soll übernommen und in entsprechender Weise ausgebaut werden, im Falle der Landwirtschastsrat hierzu seine Zustimmung gibt. Bezüglich der Taggelderfrage wird beschlossen, dieselben Sätze vorzuschlagen, wie sie bei der Zweiten Kammer üblich sind, mit ber Ausnahme, daß nur das Fahrgeld dritter Klasse bewilligt wird. Zum Vorstand des ziemlich umfangreichen notwendigen Bureaus wird Landesökonomierat Müller, als dessen Stellvertreter Dr. Hammann vorgeschlagen. Alsdann wurde behufs Erledigung der Vorberatungen die Bestellungen von 7 Kommissionen beschlossen. Es fanden dann Aussprachen über die Uebernahme der Geschäfte des Landwirtschaftsrates, sowie der Provinzialvereine, sowie über die Zu wähl von Sachverständigen in die Kammer statt. Auch stimmte man den Anträgen einzelner Fachvereine wegen ber Ausnahme von Delegierten im Prinzip zu. Zwecks baldiger definitiver Erledigung all dieser Vorschläge soll die Landmirtschaftskammer in Bälde zufammentreten. ** Brieftauben-Ausstellung. Der Brieftauben- Klub Gießen, dessen Mitglieder ihre Tiere sich alljährlich an großen Preisfliegcn beteiligen lassen, ist auch in der abgelaufenen Flug^il überaus rührig gewesen, um die Tauben für den Ernstfall zu trainieren. (Bekanntlich hat der Verein sich mit seinem Material dem Kr i e g s Minister htm für den Fall einer Mobilmachung zur Verfügung gestellt.) Die von den Vereinstaubeit unternommenen Reisen gingen in diesem Jahre für alte Dauben von Brandenburg a. d. H. nach Gießen, 335 Km. Luftlinie, für junge Tauben Göttingen—Gießen 132 Km. Weg unb für im Spätsommer geborene Tiere Wabern—Gießen. Der Verein wird am 18. November in der Stadt Marburg seine sämtlichen an den Reisen beteiligt gewesenen Brieftauben öffentlich ausstellen und hofst auf einen regen Besuch seiner Ausstellung durch die zahlreich:n Tierfreunde unserer Stadt und Umgebung. O Abend st ern, 2. Nov. Die Station Abendstern am Schnittpunkt ber Bahn Lollar-Wetzlar und der Biebertalbahn hat einen nie geahnten Aufschwung genommen, wozu besonders die neu eröffnete Güterablabestelle beigetragen hat. Letztere kommt namentlich den Gemeinden Heuchelheim, Krofdorf, Rodheim it. s. f. sehr gelegen. Aber auch für bie Kleinbahn ist nunmehr der lang ersehnte Gleis- anschluß geschaffen worden. Derselbe war durch die An- läge eines „Schüttwerks^ (geschaffen von der Firma Faber- Betzdorf) möglich. Der gesteigerte Verkehr machte auch eine Vermehrung der Beamten notwendig. Für letztere werden int nächsten Frühjahr entsprechende Dienstwohnungen erbaut. -a-. Dutenhofen, 2. Nov. Ober-Negierungsrat Löffel aus Coblenz traf heute nachmittag in Begleitung des Landrates hier ein, um mit der Gemeindevertretung Verhandlungen wegen des SchulhauSneubaues einzu- leiten. Naeh einer Besichtigung der bisherigen Schulräume fand eine längere Sitzung im Rathaussaale statt, zu ber der KreiZschulinspektor, der Bürgermeister, sowie der Orts- und Schulvorstand eingeladen waren. Es handelt sich um einen Schulbau mit vier Klassen und entsprechenden Lehrerwohnungen. Dutenhofen hat in einem Zeitraum von kaum zehn Jahren mit großem Kostenaufwand eine Lahn brücke erbaut (1895), eine Güterverladestelle angelegt (1905), dazu jüngst den Ausbau ber Kirche vorgenommen (1906) unb nun steht für die nächste Zeit als weitere Aufgabe die neue Schule bevor. fc. Mainz, 5. Nov. Bei einem Einbruchsversuch in Nackenheim wurde vor einigen Tagen ein Bursche fest- genommen, bei dem die Papiere eines im September bei Lüneburg ermordeten unb beraubten Arbeiters namens Preuß gefunden wurden. Ter Bursche sitzt hier im Gefängnis. Ucber den Erwerb der Pvpiere kann er sich nicht ausweifen. Er behauptet, sie in der Herberge von dem großen Unbekannten erhalten zu haben. Vermischtes. • Bau erngerichte, nicht Fehmgerichte. Die 600 Jahre alte Dortmunder Fe hm linde soll, wenn nicht der Kaiser, wie einst fein Großonkel König Friedrich Wilhelm IV., ein Machtwort spricht, .versetzt" werden, um für neue Eisenbahnanlagen Raum zu schaffen. Die Wenigsten — auch in Westfalen — wissen, daß sich unter dieser Linde nicht die eigentlichen Fehmgerichte, sondern die Bauerngerichte abgespielt haben. Archivar Dr. Nübel hat dies festgestellt. Er schildert u. a. die Verfall der Fehme und schreibt bann: Seitdem die Fehme ihre alte Bedeutung verloren hatte, wurden sie für Dortmund wieder, was sie gewesen waren: Gerichte für die Bauern. Ein Mitglied des Rates, der Fehmgraf, versammelte die Bauern an der Fehmstätte und hielt hier ein Gericht ab, welches fortan im wesentlichen ein Polizeigericht ober Nügengericht über Wegeverletzungen, Sonntagsentheiligung unb ähnliches war. Immerhin wurden diese Gerichte nach wie vor unter besonders feierlichen Formen abgehalten. Die Bauern mürben, wie zurzeit ber alten Fehme, aufgefordert, dreimal im Jahre vor dem Königsstuhle vor ber Bergpforte zu erscheinen. Besonders feierlich war die Verhandlung am Mittwoch nach Johannis, bann erschienen die beiden Rittmeister wie auch der zeitliche Richter und der aus dem Nate eingesetzte Freigraf, sowie die dauern . . . Der letzte Freigraf war ein Löbbecke. Von Heimlichkeiten war bei diesen Gerichten keine Rede mehr. Dr. Rubel meint mit Recht, daß die Entwicklung der Fehme nur unter den zähen unb nachhaltigen Bauern ber roten Erde möglich war, bie voll Unbefangenheit Herzöge und Grafen vorforderten. Universitäts-Nachrichten. — Bei der Immatrikulation neuer c r- o Ä e o» L- 00 5 C -D o?- 13 2r2 C5 ° Z4 ■^7 — <«< o o VD « C C = © V « -a — ZK o — o Zs e « I g Ä W .. * W — » .XD «23 £ ZD UO Ü ,D- X> _ D o K N I- Z •c 5 -c'-' ZIL «ES) H ~ . 2^ ?-dQ to VD g D-.~, § ® O 5 D- C — • — MHZ- -* 1' e> •-. -■ä jo ~ iS -'-' E c vD % 3 ~ o ^_. c ->2 *o ;-» tGl ZD U_ Z «•gS® s - oQ-g « D o -b C r Ü ° i to.4=-.»a s - x> c s ..^ c CO ,- c — o P - s 2? -5^5) «-LZ an 6"V — x x> ■d: .. o o «S J m ° t-< t: !_> — 'H o 2 ° *2 -<ß c "5 c - ts -e B« o » r- «D 2 O »O £ 5 ~c «2tfo = «2 S « © **“ o «» P r. Z -o «7'.^ gSÄä r- •*-* c £ •— ö — JX D X « =2 GO* tiD GO CD Q Cs => o cn g cd SS CÖ vO ss o Ä C *w S> UU CD CD £ iS' G> R o . ^eo ’-S M CQ2 o Z2 *t7 'S c - = c? c — VQ Ä CD St o o « . Q an u~; o 5 »’S — cr-^l ■° -nt - o >5" LLV CD s Z3 C *£© - c © § = CT-CJ *2 o >ff C (71 ' o S-» W . kö- s5< So CO u u o 5-. an ZL E ^QA K'Z'Z sKsr- o VCäzL & O j-, j3 S 2 b-< m *- &JJ. L -N- •S « tH 00*^7 ** W S- o ZF o c*> i— 2^ g § .L^-2 «c <— "SS "St an '-' ’ w o • » $5 st SS " C?g co st ^rZ i = o ‘tr E o E 5^5 t? s 5 S o p e— • _q 2 2 — •-O0- (Ä CD St . . SS E » ■? =3 L S § ’g-s .Z es st cs g '^s on o g© ’S §2 p.2z5;= o H KH K j?ä w ‘e’ S OU3 o SS Pct ft «S o *ti co D-O, © X ^•isa *: », an o S» cg- -L- ° = O © O o —CS . = >Dy „Hua E •-» = M — '-' »■ ;,)$}•. ■ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gcmeiiide Göbelnrod iür 1907 liegt eom 7. ds. Ntts. an 8 Tage lang zur Einsicht der Interessenten aus dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen. Göbelnrod, den 4. 91ooember 1906. Großh. Bürgermeisterei Göbelnrod» Damm. l) Versteigerung. Dienstag, den 6. d. Mts., nachm. 2 Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: >6669 3 Nähmaschinen, 3 Drehbänke, 11 Kippwagen, 1 Kassenschrank, 21 eichene Bohlen u.versch. Ntöbel. Born, GerichtsvoUzieher. T ödes-Anzeige. Heute Morgen 5 Uhr starb nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater Herr Wilhelm Bühel Gastwirt zu Winnen im 43. Lebensjahre. Mit der Bitte um stille Teilnahme Elise Göbel geb. Lichau und Kinder Winnen, den 3. November 1906. Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. November nachmittags 1 Uhr statt. 6666 WD Wua*st Blutwurst, Braunschweiger —.60 Presskopf, Thüringer 1.— Leberwurst, Sächsische 1.— Zungenrotwurst, Thüringer 1.30 Mettwurst, Braunschweiger 1.30 Cervelatw. u. Salami, Thür. 1.85 Lachsschinken, Pariser 1.90 Büchsenflcisch, deutsches —.90 Snöwitj SteiiltzSchr, & Stimmen avier Reparieren PoSieren in tadelloser Ausführung durch [D*/i Wilh. Rudolph Grossh. Hess. Hoflieferant Pianohandlg. u. .Reparaturwerkstätte, Seltersweg 91. WwWV*N>eWMi Bekanntmachung. Wir niachen alle Hausbesitzer darauf aufmerksam, daß wlr unser Tiesbauamt angewiesen haben, während der Zeit vom 1. Dezember 1906 bis 15. Februar 1907 keine Hansentwässeruugs- anschlüsse in den Straßen bezw. Berbindungeil der Grundstücke mit den Straßenkanälen herzustellen. Gießen, den 3. November 1906. B6/“ Großherzogliche Bürgermeifterer Gießen. Mecum. Bekai,nr»ttuet)nng. Die städtische Kuhrwerkswage am Neustädter Tor ist wegen deS dcadsichtigken Umbaues derselben blS auf Weiteres gesperrt. Gießen, den 3. November 1906. B8/11 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. MAGGI’5 c6/11 Ecke am Kreuz sei die besten! In Kapseln mit 2 Portionen zu 10 bezw. 15 Pfg. ange- legentlichst empfohlen von Adolf Geisse, Seltersweg 2 MNM Gut Utöbl. Zimmer zu verm. Neuenweg 9 II. 6479 Lüden etc. Hirz. 6667 Astra-Separatoren. V 4 Illi X1 Chemische Fabrik Rr SelterLweg. 5221] Düsseldorf l|| Ahtirngestll5chafl| Reparaturen aus der |6581 C*/*! zu vermieten. [4040 6 Pelzwaren zu vermieten. {6530 Näheres Weserstraße 8 pt. Umänderungen und Reparaturen 6678 Ceberall zd frabtm 6 Paoker 15 PK Steinstraße 75. 6654 Morgen Dienstag 08275 Um zahlreichen Besuch bittet H- Rusch 08264 Schnlstraße 1 U. 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Fran, gr 08271 b'j*— Vioiin-Unterricht (Atelhode Sevdik) erteilt Wilhelm Schattier, Bioliii-Birtuose, Schüler von Professor Hugo Heermauu. Zu en ragen Sonnenstr. 12, II. von 4-6 Uhr.[08260 Für die zahlreichen Be- 1?^- weise freundlicher Auf- X??. ...av ka. ....la___FT" Lilbtrnell Hchzcit t 42 sagen wir auf diesem -eta Wege herzlichen Dank. 4^ Gießen, 5. Nov. 1906. ^2 C7*\ie Beleidigilng, die ich gegen den Bäckermeffler Wilhelm Faber ausgesprochen habe,nehme ich mit Bedauern zurück. 08263] G. B., Wicseck. EnMäogesi Kanarieubogel (schwarzer Kopf). Abzugeb. Setters weg 24,111. [0626a G. R. V. 1885 Arn Donnerstag, 8. Novbr., oll imBereinlokale die diesjährige Ordentliche ßeiiernl=!ßetfnnimliing tattfinben, unö merben bie verehr!. Mitglieber dazu ergebenst eingelaben. Tagesordn ung: 1. Geschäftsbericht über das verflossene Vereiusjahr. 2. Rechnungsablage u.Entlastung des Kassierers. 3. Borstalidswahl. 4. Verschiedenes. v°/“]_________Der Vorstand. G. F. F. Heute, Montag, abeudS 9 Uhr ImiatSrnfÄnioilung bei Kamerad LaugSdorf, Erednerstraße 34. LV"] Das Kommando. Swi-tato- Gieseii Direktion Hermann Stelngoetter Dienötag, den 6. November 5. Dienstag-Abonn.-Vorstellang Ichekisr Sifin Lebensbild in 5 Akten nach Fritz Reuters Roman von Th. Gaßmamm u. I. Krügel MMHW-