Nr. 30 Montag, 5. Februar 1906 156. Jahrg. scheint ISgNch mit Ausnahme des ScmntagS. Die „Siebener ZamiNendlätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich belgelegt Der Landwirt" ericheüu monaUich einmal. Giehener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwersUätSdruckeret. 8L Lange, Greben. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.7. Del. Nr. 5L Telegr.-Adr.r Anzeiger Grehew General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 84. Sitzung vom 3. Februar, 1 Uhr. Das Haus ist äußer st schwach besetzt. Am Bundesratstische: Graf Posadowskh u. a. Die zweite Beratung des Etats des R e i ch s a m t s des Innern toilu beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs" fortgesetzt. Abg. Patzig snatl.): Wer den Januar hier im Hause mit durchcrlebt hat, teilt gewiß mit mir f.e Auffassung, der Gesetzentwürfe wären es genug, auch solche, die daS Neichsamt des Innern uns beschert hat, waren darunter. Nun ist am Donnerstag gleich vom ersten Redner aus dem Hause ein starkes Bedauern laut geworden, daß die Sozialpolitik in ihren Verzweigungen dabei zu kurz gekommen sei. Ich kann mich dem im wesentlichen anschließen. Wir hätten manchen Entwurf zunächst wohl nicht vermißt, wenn dafür anderer Stoff gekommen wäre. Man wird es verstehen, wenn ich sage: wir möchten auch solche Arbeit gerne in Angriff nehmen, die wir selbst unL gewünscht haben, nicht nur, was dem Bundesrat gerade als das besond-rs Wichtige erscheint. Aber ich laste es auch gelten — wie die- H^r Kollege Trimborn getan hat: soweit wirklich Vorbereitungen tnt Gange sind, muß sich der Reichstag zufrieden geben, wenn er wenigstens die Sicherheit hat, daß cs vorwärts geht. Das scheint nun aber bei gar manchem Punkt nicht der Fall zu sein. Ich erinnere mich, ziemlich bestimmt lautende Gr» klärnngen gehört zu haben, daß daS Reichsarbeitsamt, auch die Arbeitskammern, Gegenstand ernster Vorbereitung seien. Ein Gesetz über die B e r u f ö v e r e i n e ist uns wiederholt in Aussicht gestellt worden. Das Verlangen, daß der Staat hier ordnend eingreift, wirb ja allgemein erhoben. Bereits in der kaiserlichen Botschaft von 1890 ist uns das versprochen worden; bis jetzt aber ist die Erfüllung der Zusage keinen Schritt weiter gerückt. Je später, desto mehr entwickeln sich die Organisationen gegen den Staat und gegen daS gemeinsame Interesse aller gewerblichen Arbeit, desto länger wird die Uebergangsftist dauern, die wir durchmachen müsten, bis die verbindende, vereinigende Kraft der neuen Organisation sich bewährt hat, desto schwieriger wird es auch, daß sie ihre erzieherische Wirkung übt. Immer wieder hören wir, oaß in dem gesamten Arbeiterschutz die gutachtliche und auch aufsichtfübrende Tätigkeit der Arbeiter selbst mit eingewebt werden muß. Daran ist natürlich nicht zu denken, so lange uns nu< die Vertrauensleute der Sozialdemokratie als Mitwirkendc präsentiert werden. Und dieze sind weder unabhängige, noch unbefangene Gutachter unb Detriebsordner, dazu werden sie selbst viel zu sehr überwacht von ihren eigenen Kontrolleuren. Solche Mitarbeiter am Werke der wirtschaftlichen und betriebstechnischen Verständigung kann erst die gemeinsame Organisation hcranbilden und selbständig werden lasten. Den Beginn dieser erzieherischen Wirkung mochte ich nun nicht allzu lange hinausgeschoben sehen. Ein Wunsch, den auch ich hege, ist, daß baldigst eine Regelung des H e i m a r b e i t w e s e n s in Angriff genommen werde. Namentlich Dringend ist die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Heimarbeiter; im Zusammenhang damit eine Reform b;- Krankenversicherung im allgemeinen und damit wiederum die an» gekündigte R-jorm der Arbeiterversicherung überhaupt. Freilich ein sehr schwieriges Werk und gar nicht durchführbar, ehe alle dazu gehörigen Nebengebiete geregelt sind. Um so lebhafter möchte ich wünschen, daß wenigstens diese Nebengebiete baldigst in Angriff genommen werden. Was die Versicherung der Privat- a n g e st eilten betrifft, die ja mit dazu gehört, so freue ich mich i dankbar daß diese im Reichsamt des Innern bearbeitet und vorbereitet wird Die Schwie igkeiten werden allerdings wachsen, je näber die Gestaltung der Dinge an uns berantrift. Man wird aut dar..n tun, von vornherein keine irrtümlichen, allzu weitgehenden Vorstellungen von dem Umfang der Versicherung in den be- trcffend'n Kreisen aufkommen zu lasten. Der österreichische Entwurf, auf den man immer wieder hinweist, ist zunächst einmal bisher nu" En'wurf, und außerdem ist er so gestaltet, daß man seine Nachahmung schwerlich befürworten kann; den Vorteilen stehen zu große Nachteile gegenüber. Auch dieses Spezialproblem drängt zu dem allgemeinen Problem der Vereinfachung und Vereinheitlichung unseres ganzen Versicherungswesens. Gras Posadowskh meinte, um diese durchzuführen, dazu bedürfe es eines Diktators. Doch Wohl nicht ganz. Jedenfalls darf der Staatssekretär auf einen mächtigen Bundesgenosten rechnen: das ist die gesunde Vernunft in der Sache selbst, die zwingende Notwendigkeit der Vereinheitlichung und Vereinfachung. Schon die zunehmende Höbe der Verwaltungskosten in den ein-elnen Zweigen der Versicherung drängt dabin. Auch bei den Ortsk'ankenkastcn mit ihrer weitestgehenden Selbstverwaltung hat tm 3' nimm 1838—1903 eine bemerkenswerte Steigerung der Verwaltun,.skostcn, nämlich um 29 Prozent, stattgefunden. Alles das Wei,!, wie gesagt, mit gebieterischer Notwendigkeit auf die Vereinheitlichung der Versicherung hin. Nun muß ich aber doch sagen, es sind da Aufgaben von einer noch gar nicht zu übersetzenden Tragweite in Angriff zu nehmen, alle diese Nebengebietc, die ich schon vorher erwähnte, die Versicherung der Privatange- stellten, die Versicherung der Witwen und Waisen im Arbeiterstande, den Anschluß aller nicht selbständig Erwerbstätigen im Handel und Gewerve. Da ist ein gewisses Zaudern verständlich, und gerade hier bei der Witwen- und Waisenversicherung, wie bei den Privatangcstellttn handelt eS sich um ganz neue Organisationen, die sich noch nicht recht oorstcllen lasten. Es wird weder die Ouittungskarte noch die berufsgenossenschaftliche Gliederung hier anwendbar, vielleicht gar die Anlehnung an Privateinrichtungen unvermeidlich sein. Ich kann e$ verstehen, wenn die gesamte Reform erst in ihrem Plane festgelegt wird, nachdem die Grundzüge dieser abschließenden VersicherungSzweige mit dem Parlament vereinbart find. Und ein weiteres muß noch ausgesprochen werden. Es ist von ganz besonderrm Interesse, zu sehen, wie alle diese Fragen von der Sozialdemokratie behandelt werden. Vor wenigen Tagen haben wir Die Berichte der Berufsgenossenschaft erhalten, die in einiger Hinsicht recht beruhigende Daten enthielten. Wir sehen, daß die Anzahl der schweren Unfälle von über 8 Prozent auf 7,11 Prozent zurückgegangen ist. Angesichts dieser Tatsache rind angesichts der kolossalen Leistungen, die in den zwanzig Jahren unserer Arbeiterversicherung für die Arbeiterwelt gemacht sind, ist es bettübend zu sehen, wie in der Sozialdemokratie das Be- ,'tteben herrscht, biete Einrichtung geflissentlich verächtlich zu machen. Der heutige „Vorwärts" ist in diesem Punkte geradezu üerraschend. Wir hören da mit einemmal, daß alle diese Aufwendungen nichts weiter find als eine Zuwendung vieler Millionen an die Unternehmer. (Hört, hörtU Durch derartige Doktrinen werden die Arbeiter natürlich aufsässig und verbittert. Doppelt bedauerlich ist diese Haltung, wenn man vergleicht, wie es in anderen Ländern der Welt in diesem Punkte aussieht. Da kann ich mich wieder auf daS Zeugnis des „Vorwärts" berufen. Es leben zwei Seelen in der Brust des „Vorwärts": die eine daheim in der Redaktion, die andere bei den auswärtigen Korrespondenten. In Frankreich z. B. hat die Sozialdemokratie bekanntlich, wenigstens nach ihrer eigenen Meinung, einen außerordentlich großen politischen Einfluß, einen so großen, daß — wie es heißt — Herr Jaures ohne weiteres den Minister Delcastö zu Fall bringen konnte. In diesem Lande nun sieht es nach dem Zeugnis des „Vorwärts" vom 2. September 1905 mit der Sozialdemokratie folgendermaßen aus: „Wenn so der Bloc der demokratischen Politik unverkennbaren Gewinn gebracht hat, so hat er überall dort versagt, wo er den sozialen Reformeifer der besitzenden Klasten antreiben sollte. Nicht einmal die Sterierresorm ist um einen Schritt vorwärts gebracht, weil der bornierteEigentumsfanatiSmus des kleinenRentners ilir entgegenstetzt. Bei den eigentlichen Arbeiterfragen steht eS noch schlimm"r. Die Altersversicherung steckt im Schlamme einer öden Diskussirn fest, ein Greisen- und Jnvaliden-Unterstützungsgesetz ist nicht viel mehr als eine geregeltere Armenversorgung. Von sozialpolitisch, n Leistungen der verflostenen Session ist nur das Acht- stundenoeseh für den Bergbau bemerkenswert, das im Senat erheblich verschlechtert wurde. Aller Eifer der Sozialisten stieß sich da am bornierten kleinbürgerlichen Eigensinn der Radikalen." Wenn man das im „Vorwärts" liest, so muß man sich wirklich darüber wundern, wie der Abg. Fischer hier vorgestern sich hin- stellen und ein Loblied auf die viel besseren Verhältnisse in Frankreich fingen konnte! Und auch in anderen Ländern das gleiche Bild. So in England. Aus dem heutigen „Vorwärts" gerade ersehen wir, was in England als „neuer Geist" gepriesen wird. . Da heißt es: „Die „National Review" veröffentlicht einen Artikel, in welchem Keir Hardie das Programm der englischen Arbeiterpartei mit ein paar Strichen skizziert. Nachdem er die Bemerkung gemacht hat, daß die Abgeordneten der Arbeiterpartei der Regierung scharfe Opposition machen werden, nennt er ein paar der nächsten Forderungen, die von der Fraktion vertteten werden sollen: Bewegungsfreiheit für die Trade-Unions, Pensionen für betaate Arbeiter, Lohnminima, Beschäftigung für Arbeitslose durch Aufforstung von Brachland, Ausbau der Landwirtschaft durch Errichtung Heiner Güter, die genossenschaftlich verwaltet werden. . . ." Also so sieht es wo anders aus! Woher nimmt die Sozialdemokratie also die Berechtigung zu ihrer Herabsetzung der deutschen Sozialreform? Tie Sozialdemokratie erweist sich gerade dadurch als ein von Jahr zu Jahr lästiger werdendes Hindernis aller Sozialreform l Sie will aber gar die tteibende Kraft auf diesem Gebiete sein? Tas ist ja nur Einbildung oder Selbstbetrug. Jedenfalls ist es eine unverantwortliche Täuschung der Masten, toenn ihnen unsere Sozial- reform als verabscheuenswert hingestellt wird! Zur Sozialreformfreudigkeit gehört wenigstens ein Quentchen Anerkennung. Aber was erleben wir? Nur Widerstand und Hohn. Immer heißt es von feiten dieser Herren: „Nichts, nichts, nichts!" Die Kritik, die der Abg., Fischer neulich hier borgetragen hat, ist der beste Beleg für meine Behauptung, fiarm es eine größere Ungerechtigkeit geben? Der „bornierte klein-bürgerliche Eigensinn", über den der Pariser Korresvondent deS „Vorwärts" klagt, war bei uns niemals ein ernsthaftes Hindernis, höchstens, daß wir ihn eine Zeit- lang an der Seite der Sozialdemottatte haben kämpfen sehen gegen jede soziale Reform. Aber das sind tempi passati. Heute denkt man in bürgerlich-radikalen Kreisen anders, wie das Beispiel des Abg. Mugdan zeigt. "'a§ bei uns weit eher zu bedenken ist, ist das, ob wir nicht den (_ alsbegriff überspannen und eher zu viel vom Staate verlangen, "• wir ihn für die Regelung von Verhältnissen in Anspruch nehmen, die zu allem den örtlichen Bedingungen und vor allem der Arbeitstüchtigkeii auf der einen und der Betriebsmöglichkeit auf der anderen Seite überlasten bleiben müßte. Der Abg. Fischer hat uns zwar ein neues Evangelium verkündigt: die Schonung der Arbeitsttaft des Gesunden, die teuerst-mögliche Verwertung der Arbeitskraft ist die Hauptsache, die Fürsorge für die Invaliden Der Arbeit und ihre Angehörigen ist der „Nebenzweig". Der Eckstein aller Sozialpolitik ist für Herrn Fischer der Marimal- arbeitstag und die Einr chtung von Tarifverträgen sowie eine starke Arbeiterorganisation. L'v ganze Arbc^rversickerung ist ihm erst Nummer 2. Nun gebe tu. v^ch zu f' ‘.enfen, ob auf diesem Wege nicht die Schablone zum aLkmMigmacbcnben Hilfsmittel erklärt wird; soll denn für das gute Einvernehmen zwischen dem Unternehmer und seinen Arbeitern gar nichts übrig bleiben? Gar nichts für den freien Entschluß des Arbeiters selbst? Wozu soll die Festlegung des Maximalarbeitstages heute noch dienen? Die Zeiten sind ja doch vorüber, irt denen die Fabrikgesetzgebung jeden Mißbrauch der menschlichen Arbeitskraft gestattete. Und die Arbeiter geben heute, wo sie frei reden können, selber willig zu, daß sie wegen der halben Stunde über die zehnstündige Arbeitszeit nur noch kämpfen, weil sie müssen. (Hört! hört! rechts. Lachen bei den Soz.) Tarifverträge! Für bestimmte Gewerbe mögen sie gut fein. Aber wo die Technik täglich neue Arbeitsmethoden mit fick bringt, Ivo immer neue Maschinen erfunden werden, da erweist sich solch ein Tarifvertrag als ein Hemmnis für den Fortschritt. Nehmen wir solch einen komplizierten Betrieb wie die Elektrizitäts-Industrie. Da will der Vertrauensmann Müller oder Schulze, der von den Dingen gar nichts versteht, einer Arbeiterschaft vorschreiben: „Hier müßt Ihr den und den Akkordlohn verlangen!" DaS sind Eingriffe in Die wirtschaftliche Entwicklung, die das VorwärtSkommen hindern, auch das VorwärtSkommen des Arbeiters, das Schaffen neuer Arbeitsgelegenheit, die Produktionsbeflügelung. Und am letzten Ende hat es ja mit dem Arbeiterintereste gar nichts zu tun, ist nur Mittel zum Zweck der Erweiterung und Erprobung politischer Macht. Ter Abg. Fischer hat sehr unvorsichtigerweise den Streik in der Berliner Eleittczitätsindusttie herangezogcn. Nicht die 35 Pfg. waren es, um derenwillen, wie Herr Fischer meinte, die Arbeiter „auf die Straße geworfen" wurden. Es handelte sich vielmehr um die Frage, ob irgend eine einseitige, außerhalb des Betriebes organisierte Gruppe von Sozialdemokraten den 'Schrieb unter ihre Aufsicht nehmen könnte. (Scbbafter Widcrsvruch bei den Soz.) Sie streiten sich Darüber, ob Sie den Massenstreik schon als Mittel des politischen Kampfes proklamiert oder erst daS Studium dieses Mittels empfohlen haben. Aber darüber herrscht bei Ihnen Einigkeit, daß er nur das Mittel zur Abwehr von Attentaten auf Volksrechte oder zur Erkänvfung verweigerter Volksrechte dienen kann und soll. Als Arbeitervartei müssen Sie nun doch wenigstens daran denken, Ihr Rüstzeug zur Erkämpfung von unmittelbaren Forderungen im Arbeiterinteresse zu vermehren. Warum Sic das nicht belieben? Weil S'e genau wissen, daß Sic dann keinesfalls in Deutschland mit diesem Feuer spielen dürfen. Nun hat Herr Fischer die Frage aufgeworfen, was das 20. Jahrhundert bis jetzt eigentlich schon für sozialpolitische Leistunaen gesehen hat. Ich dächte doch: Gar manches! Ta ist zunächst das neue Jnvalidenversicherungsgesetz von 1900 datiert. Dann haben wir die Kaufmannsgerichte, die Lex Trimborn als Grundlage der Witwen- und Daisenversorgung. Mer wenn das auch alles nichts märe, so bleibt doch das wenigstens: Unsere ganze Sozialreform bat den ersten ernsthaften Stoß, ausgchalten. Wir hatten eine wirtschaftliche Depression. In anderen Ländern hätte sie einen minder festen Bml wohl erschüttert, bei uns ist ‘ ••• Bau unserer Sozialre-orrn ohne die geringsten Riste gebt. 2cn Xur-. ft unsere S"'ialpalitik. Zur Sozialvolittk gehört freilich auch Die ~ r - r a c für den Mittelstand. Und da haben wir allerdings noch . nt wünschen. Ich bedauere, wenn man — wie neulich der Abg. Vauli — sagt: „Tas Handwerk weiß selbst nicht, waS es will!" Ach schätze d"n Kölner Beschluß etwa? anders ein, als Herr Pauli. Ich verstehe ihn dahin, daß daS Handwerk jetzt ernsthaft an sich selbst arbeitet Da? Zentrum hat einem Teil unserer Freunde das Kompliment gemacht, daß er etwas hinziigelernt habe: nämlich den sog. kleinen Befähigungsnachweis. Ich gebe da? Kompliment zurück. Wenigstens nehme ich an, daß die Herren dort ebenfalls Einkehr bei sich gehalten und den „großen" Befähigungsnachweis ihrem Archiv für abgelegte Zugstücke chwerfeibt haben. (Heiterkeit.) Ferner stelle ich unsere Uebereinstimmung betteffs der 129 und 133 der Gewerbeordnung fest. Weshalb hat die Regierung unS eine solche Novelle noch immer nicht vorgelegt? Ich nehme an, daß bk5 Vorbehalten bleibt, bi? die Enquete über die Handwerkerorganisationen bearb^tet ist. Ich wäre dankbar, wenn ich darüber etwas erführe. Auch noch einige andere Wünsche habe ich: daß zu Submissionen nur geprüfte Meister zugelassen werden, daß bei her Unterscheidung vor Fabrik und Handwerk nur keine Kasuistik mehr getrieben wird, sondern diese Sache dem vernünftigen Er- mesten der Behörde" und Sachverständigen überlassen bleibt, daß die Gefängnisarbeit und das Ansverkaufswesen endlich einmal eine Regelung findet. Endlich wünsche ich vor allem die Einrichtung obligatorischer Fortbildungsschulen auch für ..Arbeftsburschen" Es sind wieder zwei Jahre vergangen, ohne daß auf diesem Gebiete nur ein Fortschritt geschehen sei. Bei dieser Gelegenheit muß ich Verwahrung einlegen gegen die Aeußc- rung, die der Dbg. Fischer über den früheren Handelsminister Möller getan bat. Er hat einen Aussvrnch von ihm zitiert und ihn so dargestellt, al-5 ob Herrn v. Möller jedes sozialpolitische Empfinden gefehlt hätte. Ter Ausspruch ist natürlich nur entstellt toicbergegeben worden, und ich glaube, wenn wir Herrn v. M ö l l e r einen Tank schulden, so dafür, daß er für die Entwicklung des gewerblichen Fortschritts in Preußen sehr gesorgt, dafür sehr viel gewn hat, so daß wir in dieser Beziehung jetzt den süddeutschen Staaten, die früher uns weit voraus waren, sehr nahe gekommen sind Dann habe ich noch einige Wünsche in Sachen der freiwilligen Versicherung der Handwerker. Wird hier der Ausbau dieser Versicherung tiorbereitet — auch über ein Einkommen von 3000 Mark hinaus und ohne Rücksicht auf die Zahl der Beschäftigten? Es wäre sehr gut, wenn von Jahr zu Jahr uns bestimmte Mitteilungen gemacht würden von den HauD- werkskammern über die Benutzung dieser freiwilligen Versicherungen und deren Leistungen. Das dürfte auf die beteiligten Kreise sehr gut einwirken. Zum Schluß noch einige allgemeine Bemerkungen über unsere sozialen Zustände: Tie Entwicklung tut den Marxisten durchaus nicht den Dienst, nach deren Schema zu gehen. Die preußischen Steuerlisten führen die marxistischen Behauptungen ad absurdum. Es zeigt sich nämlich die Erscheinung, daß die Einkommen in den mittleren Schichten kräftiger wachsen, die in den oberen aber über eine gewisse Grenze nicht hinausgehen! Wir sehen vor allem ein enormes Aufsteigen in den unteren Erwerbsschichten, das heißt doch wohl eine bedeutende Vermehrung der Arbeitsgelegenheit und ein stetiges Wachsen des durchschnittlichen Arbeitseinkommens. In Preußen waren — ich will einmal sagen — 1899 1905 noch nicht genügend versorgt . 64,30 Proz., 56,43 Proz. genügend versorgt .... 27,42 „ 33,81 gut versorgt.......4,01 „ 4,52 , während 4,27 resp. 5,19 Proz. wegen besonderer Gründe der von der Steuer befreiten Schicht angehören. Es wäre ja ganz schön, wenn man diese Entwicklung beschleunigen könnte. Aber wie? Die Sozialdemokratie bat uns jedenfalls das Rezept dazu noch nicht angegeben. Und mit dem anderen Rezept: wie sich alles auf Den Kops stellen läßt, haben wir wirklich keine Neigung, cs zu versuchen. (Sehr gut! bei den Nl.) In den erwähnten Tatsachen aus der preußischen Steucrstatistik spiegelt sich für mich das Bild unserer ganzen sozialen Entwicklung wieder; sie lassen es auch verstehen, warum wir die wirtschaftliche Depression verhältnismäßig leicht überstanden haben. Auf diesem Wege werden wir hoffentlich fort» schreiten. Damit will ich Dann schließen und im übrigen nur noch bem Wunsch Ausdruck geben, daß der Reichstag möglichst einmütig das Gehalt des Staatssekretärs bewilligen mög! (Heiterkeit und Beifall.) Staatssekretär Graf Posadowskh: Von Seiten des Herrn Vorredners ist hervorgehoben, daß die Sozialdemokratie so wenig das Bestreben der verbündeten Regierungen nach Verbesierung Der Arbeiterlagc anerkenne. Ich möchte ZA mungen herbeizuführen, als wir sie jetzt haben. Für die Sonntags- arbeit in den Glashütten wird ein Gesetzentwurf vorbereitet, der L nun doch noch ein anderes Moment zu berücksichtigen. hat ungefähr den gleichen Flächeninhalt wie Deutschland, aber eine Da' unter beugten In' 's 'S die Sozial- Waren. aU ttgtnb ein RegierunqSrat. Auf die vielfache Anregung c Hebung des Mittel- stande S kann ich nur erwidern, e*ne allgei. eine Mittelstandsfrage gibt es nicht, weil der M'ttelstand sich aus zu viel heterogenen Elementen zusammensetzt. Man kann von einer Handwerkerfrage, von einer Kaufmannsfrage, von einer Beamtenfrage sprechen, aber nicht von einer allgemeinen Mittelstandsfrage. _ Eine allgemeine dem BundeSrat nächstens zugehen wird, und über die SvnntagS- arbeiten in den Zinkhütten totrb noch eine eingehende Prüfung in die Wege geleitet. züglich der Sonntagsruhe nehme ich an, eS wird möglich sein, eine gleichmäßigere Anwendung der einschränkenden Besrim- O » < . •' ö V V V € Vl II SÜVlVUly uiuvpu L* I tann ich nur erwidern: Es wird niemals mög- Kenntnis der sozialen Geie '* ""un^rhrnH^n ™ — Der Auf- traten. Sehr oft zeigt es st»,___„ .................. notige An« lassen aus den Reihen der Sozialdemokraten weit schlimmere etze vermittelt, nicht die Sozialdemo- sich auch, daß die ßtiter von Krankenfluß besitze, dieser doch mich nicht entfernt so zu gunften der Arbeiter wirke, wie in Deutschland die Arbeitergesetzgebung. Da ist lich fein, jeden Bau ununterbrochen zu beaufsichrigen. sichrsbeamte wird immer nur dem Baupecsonal die Wl 10<, wu, leitung gxue Verhütung von Unfällen geben können. ®n wäre x. B. unparteiisches. Der Herr Abg. Patzig hat dann auch noch auf Frankreich exemplifiziert Er hat die Frage aufgeworfen, wie es käme, daß, obgleich die Sozialdemokratie dort einen so großen politischen Ein- Mja noch einen Heinen Beitrag liefern. Bor wenigen Tagen habe eine wichtige Vorschrift die, daß die Leitern stets so gestellt werden, ich eine Deputation englischer Arbeiter empfangen, die vier Wochen * ' ' *■'- ’ ' Ä---------- " c-------- oder länger Deutschland bereist hatten, um t: i beiter und die staatlichen Einrichtungen zu Gunsten der Arbeiter kennen zu lernen. Diese Herren — und es waren wirkliche Ar-1 beiter, ich habe mich genau nach dem Beruf eines jeden erkundigt —1 sagten mir, sie wären geradezu überrascht gewesen über das, was Deutschland zum Besten der Arbeiter geleistet hätte und sie gc». standen zu, daß sie über die Verhältnisse Deutschlands bis dahin, irregeführt worden seien. Diese Deputation ist unaufgefordert zu mir gekommen, um mir dafür zu danken, daß ich ihre Studienreise durch Anweisung an die Handelskammern usw. unterstützt habe. Ich glaube, dieses Urteil ist ein durchaus freimütiges, offenes und ^oPgen ^11 “l öwei Zehren ncuj ölhi . langen, die vier Wochen i daß Ziegel, die beim Herauftragen herunterfallen, nur bis zum die Verhältnisse der Ar-1 nächsten Stockwerk fallen können, aber nicht mich noch in tiefer ,. ni.siegenden Stockwerken Leute gefährden können. Ich hoffe, daß die Verufsgenosscnfchaften, in denen jetzt 75 Bauaufsichtsbeamte tätig sind, die Zahl derselben noch wesentlich vermehren werden. Be- Revolution? Die Sozialdemokraten leugnen es doch, daß sie die Revolution wollen. Die russi'che Revolution hat den Sozialdemokraten den Kopf völlig verdreht. (Heiterkeit.) Was darüber im „Vorwärts" steht, ist teilweise so unverständlich, daß die Arbeiter dies sicher nicht verstehen und es wahrscheinlich für die höchste Weisheit halten. «Große Heiterkeit.) Der 21. Januar, der dem Protest gegen das preußische Wahlrecht gelten sollte, war in Wahrheit in erster Linie der russischen Revolution gewidmet. Daß ein Zusammenhang zwischen der deutichen und der russischen Revolution besteht, ist zweifellos. Aber auch die Sozialdemokraten können doch nicht leugnen, daß in Rußland viele Unsch ckdige ermordet find. Da ist die Sozialdemokratie auf einen genialen Ausweg verfallen, sie hat eine Unterscheidung erfunden zwischen dem edlen Proletariat und zwischen dem „Lumpenpack^ und der „Schwarzen Bande". Wenn nun in Petersburg ober in Hamburg irgend etwas passierte, dann hieß eS, ja, das war nickt das Proletariat, das war die Schwarze Bande, der Mob! Man hat die Polizei und die Regierung aufs schwerste angegriffen wegen der Maßnahmen, die am 21. Januar zum Schutze der Bürger getroffen sind. Aber man hätte dock noch mehr Vorwürfe gegen Polizei und Regierung erhoben, wenn bei geringerer Vorsicht wirklich etwas passiert toure. Denn darüber kann dock kein Zweifel bestehen, wenn die Führer auch die besten Absichten gehabt haben, 150-180 000 Personen lassen sich nicht mehr kommandieren. Da fällt irgend ein schlechter Witz, eine kleine Keilerei entsteht, und daraus entsteht dann eine große Keilerei und alles weitere noch. trachten, so werden Sie bemerken, daß trotz aller Revolutionen, die Frankreich seitdem erlebt hat, der Zustand der französischen Gesellschaft immer der gfeidw geblieben ist. In der Tat liegt gegenüber der schnell zunehmenden industriellen städtischen Bevölkerung die größte Garantie für eine ruhige Weiterentwicklung des Staatswesens in einer kräftigen landwirtschaftlichen Bevölkerung. Das, meine ich, sollte uns zu denken geben. Ter Herr Abg. Patzig hat dann noch einige Wünsche geäußert kn Bezug auf die Eraänqung der Jahresberichte der Unfallversicherung. Ich will versuchen, ob und inwieweit ick seinen Wünschen Rechnung fragen kann Gegenüber der Anregung, das Beamtenpersonal des Reichsamts des Innern zu vermehren, stehe ich auf dem Standpunkte, solche Vermehrungen so wenig wie möglich vor- gunebmen. Die Schwierigkeiten, mit denen das Reichsamt des Innern zu kämpfen hat. lagen auch gar nicht am Mangel an Beamten, sonde..i auf sachlichem Gebiete. Daß das Gesetz, betreffend die Rechtsfähigkeit der SerufSbereine noch nicht borgelegt ist, hat seinen Grund lediglich in geschäftlichen Erwägungen Sobald irgendwie Aussicht Vorbanden ist, daß das Gesetz im Hanse und seiner Kommission beraten werden kann, wird eS dem Reichstage, und zwar noch in dieser Session, sicher vorgelegt werden. Was die K r a n k e n v e r s i ch e- r u n g d e r Heimarbeiter anlarrgt, so bietet die jetzige Ausstellung in Bersin ein ergreifendes Bild von dem in der Heimindustrie hersckenden Elend, und kein fühlender Mensch kann die Angaben, die dort auf den Waren gemacht sind, ohne das tiefste Mitgefühl lesen. Ich hatte auch schon eine Vorlage ausgearbeitet, aber sie scheiterte. an einer Entscheidung des früheren preußischen Handelsministers Möller, der die Erhebung der Versicherungs- beträge an dem Orte verlangte, wo der Hauptbetrieb liegt. Das machte die ganze Ausführung des Entwurfs n"möglich. Es ist jetzt ober schon ein neuer, wesentlich umfassenderer Entwurf ausgearbeitet worden, und ich hoffe, daß wir spätestens im Sommer die Zustimmimi der verbündeten Regierungen dazu erlangen werden. Im übi-gen ist der Schutz der Heimarbeiter ziemlich schmierig. Ein Entwurf, betreffend den Schutz der Hei m- arbeiter im Tabaksgewerbe, liegt dem preußischen Staatsministerium vor. Die Bestrebungen, einen solchen stärkeren Schutz herbeizuführen, stoßen vielfach auf entschiedenen Widerstand wegen der damit verbundenen Eingriffe in da? Familienleben. Ich mache nun aber immer mehr die Erfahrung, je ftrenger die Fabriken im hygienischen Interesse beaufsichtigt werden, desto mehr besteht in gewissen Jndusttien die Neigung, die Fabrikation in die Heimarbeit zu verlegen (Sehr richtig!), um sich der Fabrikkontrolle zu entziehen. In solchen Fällen ist die Heimarbeit nichts anderes als bje Arbeit an vereinzelten kleinen Arbeitsstellen einer großen Industrie, hat also mit der alten, landesüblich aufgewachsenen Heimarbeit und somit auch mit dem Begriff des Familienlebens nichts mehr zu tun. Es kommt hinzu, daß es sich bei dieser neuen Heimarbeit zumeist um Dinge handelt, deren Erzeugung für die Gesundheit ganz besonders schädlich ist. Man wird sich daher an " ^lle ber. -v . trenn die Heimarbeit diesen fabrikmäßigen Charakter träat, miß bu-.n die Gesetzgebung einschreiten mußt denn wenn die jetzigen Verhältnisse weiter fortbauern, dann wird schließlich das gan-e ssstsetz über den Kinderschuh nur noch auf dem Pavier stehen. Auch eine Vorlage über die Krankenversicherung der ländlichen Arbeiter ist m meinem Ressort bereits fertiagestellt. Sie unterliegt setzt noch eingehenden mathematischen Prüfungen in betreff der Kosten. Cft ist in der Presse die Frage aufgeworfen worden: Wie steht eS mit der Zusammenlegung der drei großen Versicherungsgesetze? Es handelt sich hierbei um die lieber# Windung sehr großer Schwierigkeiten; es ist ein Werk, das, auch äußerlich betrachtet, noch wesentlich umfangreicher wird als das bürgerliche Gesetzbuch. Wenn ich einmal gesagt habe, um ein solches Werk durchzuführen, dazu bedürfte es eines Diktators, so war das natürlich nur eine oratorische Hnperbel: ich habe mit diesem ©abe nur sagen wollen, daß es für das Zustandekommen dieses Werkes auf allen Seiten eines hohen Maßes von Selbstbeschränkung bedürfen werde. Natürlich werden wir bei dieser Reform ouch beitrebt sein, die Verwaltungskosten noch weiter zu ermäßigen, ob es aber möglich fein wird, bezweifle ich-, wir verwalten nämlich schon jetzt unendlich viel billiger als alle privaten Versicherungsgesellschaften. Es wird so viel von Mittelstandspolitik geredet, aber die neuen Steuern der Regierung belasten gerade den Mittelstand am meisten, so die Quittungssteuer uitd die Fahrkartcnsteuer. Ter Abg. Büsing will die 4. Klasse von der Steuer frei lassen, aber die 3. soll schon die Steuer zahlen. Diese Steuer ist dann doch ebenso mittelstands- feindlich wie die anderen. Tas Handwerk kann sich am besten selber helfen. Viel erfreuliches auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens schon getan, manches ist noch zu tun übrig, namentlich in der Lieferung von Motoren für den Handwerker und kleinen Gewerbetreibenden. Hier bietet sich ein weites Feld für die Kommunen. Der frühere Handelsminister Möller hat hier schon den Anfang gemacht und eine Motoren-Ausstellung veranstaltet, bei der ein Ingenieur erläuternde Vorträge hielt. Im allgemeinen gewinnen ja die Lehren des Liberalismus von der Selbsthilfe in den Reihen Der kleinen Gewerbetreibenden immer mehr Anhänger. Tie Handwerker sehen jetzt ein, daß Gesetze, wie daS Warenhaussteuergesetz, ihnen keinen Vorteil bringen. Auch das Zentrum bekennt sich immre mehr zu der liberalen Anschauung von der Selbsthilfe. Die Ausstellung in Berlin gibt unS einen deutlichen Beweis von dem Elend der Heimarbeit. Hier ist mal gesagt, jeder Käufer solle sich davon überzeugen, daß die Erzeuger der Waren einen angemessenen Ver- d'" ' h?"en. In Amerika hat man mit diesem Prinzip schon gute c i'fafirunQC.. gemacht. Dort kauft keiner, der etwas auf sich hält, Warui, die durch Ausbeiitung zu stände gekommen sind. Unterdrücken kann man die Heimarbeit nicht. Der Abg. Fischer hat die Aussperrungen aufs schärfste gefabelt. Aber bie Aussperrung ist doch ein durchaus erlaubtes Mittel der Arbeitgeber, ebenso wie der Streik der Arbeiter. Der einzelne Arbeitgeber war bisher gezwungen, bas zu tun, was die Arbeiterorganisation ihm vorschrieb. Jetzt organisieren sick auch die Arbeitgeber, barü er darf man sick nickt wundern. Redner geht dann auf das Verhältnis der Gewerkschaften zu her offiziellen Sozialdemokratie ein. Es seien da zwar mancke Meiitungsversckiedenh--'ten aufgetreten; bj§8er hätten sich die Führer der Gew rksckaften aber immer löblich unterworfen, wenn auch ein Gewerksckaftssekretär die Maifeier einen faulen Zauber genannt habe. Das Spielen mit dem Massenstreik und der Revolutton, das jetzt von bet Sozialdemokratie getrieben wird, ist das Arbeiterfeindlichste, was jemals versucht ist. Was soll überhaupt das Kotettieren mit der Deutsches Reich. Verein, 4. Fcbr. Ter Raife r soll nach einer nn- b’cftiitißlcn SlQlt.'iuicibimg bie Absicht haben, im nächsten H-rbsc mit einer Besichtigung auf dein Truppennbungoplatz GLr.ic einen Besuch im Detmolder Furstenhause zu verbinden. — Tie „Nordd. Wlg. $1$." bestätigt, daß die Kronprinzessin im Lause dieses Sommers einem freudigen Ereign is entgegensieht. — Geh. Komm.-N.at ».Mendelssohn, Mitglied des preußischen Herrenhauses, sott den Charakter als Wirklicher Geheimer Nat mit dem Präditat Exzellenz erhalten. — Cine Korrespondenz berichtet, daß die Ernennung Pes uationalliberalen Abg. Tr. P a a s ch e zum L .i t e r» IColoinalyo/t* . — Ter Gouverneur von Kamerun, v. Putt kam er der gegenwar Ltg in Berlin weilt, ist vom C.bprin'en zu Hohenlohe-Langenburg veranlaßt worden, sich über dw von ft7 'u.ng der uptlin ge u aufcern. Em Urteil über die tm Reichs.aae zur Snrawe gebrachten Vorkommnisse läßt sich zur Stunde uo^niM St midjicbcnefünfte dcm tocuu.rncur naiur- UH« Lr w-rden muß. Sic Entscheid. [eST ,CU bU£fte ül cmig-u Lagen zu slaatssekretär im zukünftigen Ko l o n i a I a m t, von bec eine Zeitlang die Rede war, nicht erfolgen wird. Köln, ö. Febr. In einer gestern abend statlgei.abten, überaus zahlreich bcf'iajtcn Versammlung der Freunde evan- gelijcher Freiheit wurde die Gründung des „Rheinisch- ^ostfalischen Verbandes der Freunoe evangelischer Freiheit" beschlossen. Der Verband hat jemen c^itz in Köln. Die neue Vereinigung vertritt oie unbedingte Freiheit,der the , ' e'was ^f ^ ?"e «s r y^itqebe ' rt-n9 ifl VrWber\ eil'° >vie ' d'e 3rbeC arh°? > i ^ht bann n5\baru er Men Soiinkn , n5 rri4ieben^f?n 0 ralie ri"- >as £ mit dem aaS® !. bafc bi. «,ri0™nrl8‘ «« ■ KM » S*um, btt ’&'ÄÄ $a. 'ft die goiiaU S TSfie ** m cbten Proletariat und „eälwrn Bande". Wenn '0 'Vticnb etwas passierte ’ Proletariat, das war die 1 die Polizei und die Re, en der Maßnahmen, die am offen sind. Aber man batte Polizei und Regierung Vorsicht wirklich ' etwas :n doch kein Zweifel be, [ten Absichten gehabt haben, 5t mebt kommandieren. Da tleine Keilerei entsteht, und ilerei und alles weitere noch, icbe. Tas Verdienst bcr t, Venn am 21. Januar nichts arunter auch der Abg. Bebel sie für die russische Rebolution aus der Rebe des Abg. Bebel. H?n Gingen der.Vorwärts", iityn übte bie M-M-wen rrr Behring gefdjrieben hat, nen vorzuleien. und zuheyen >,u deu Mmtn^ ände \u \ln\diuto und sagv, osia'Ne Mimmung rediU.) .Leipziger Boliszeimng', btt b früher, dasi die Sozial« i Brot gäben und ihn durch eisit doch diielt mit dem Feuer ution verherrlicht. Der .Bor, t zu leben, weil wir im Zett, iana zweifellos werden durch icmolraten die bürgerlichen t und die Bestrebungen te meine Herren _ wn »ünschen, dasi moghcbll rden, denn nicht besier a S Ihre Wünsche bezüglich!>eS i Bestrebungen, das Wall Da halte '5 ef 9e“bef ,-chars wie möglich gegen die Wil hat diele «7 der Gewerllchallen. eie , ?u °". Ä 'U Leibe geben, ldemiuratre ^nn, :atie f die 'c r ri nlbem^nc tann Tie Sozias Qm Ä w cm* Laster ii- *»> «AW8* bei»'” '-chL-ld--"" Gebiet berufen, nicht die S E ^iligten ’H il6äl'” Jn^I8inll< iiirun« 60« V* Oh Iftt- Aus StaSt uns Lanv. Gießen, den 5. Februar 1906. "Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den cvang. Pfarrer, Kirchenrat und Dekan Ludwig Meyer zu Friedberg auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Tienstführung, mit Wirkung vom 1. April 1906, in den Rubestcrnd versetzt. Entlassen wurde aus dem Schuldienste der Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Vilbel Hermann Burk auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1 April 1906. In den Ruhestand wurde versetzt der Gerichtsvollzieher Valentin Ohn- acker in Groß-Gerau auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers cm unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Silb. Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone »♦ In Audienz empfangen wurde am Samstag von S. K. H. dem Großherzog unter anderen Major Kreuter, aggregiert dem Metzer Jnfant-Regt. Nr. 98, Kreisrat v. Bechtold von Lauterbach, Geh. Justizrat Wehner von Gießen und Medizinalrat Tr. Haberkorn von Gießen. — Oeffentliche Lesehalle. Im Januar wurden 2396 Bände auSgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1121, Zeitschriften 605, Jugcndschriften 294, Verdichtungen 49, Litteraturgeschichte 13, Länder- und Völkerkunde 62, Kulturgeschichte 30, Geschichte und Bio» graphien 103, Kunstgeschichte 22, Naturwissenschaft und Technologie 104, Heer- und Seewesen 21, Land- und Hauswirtschaft 6, Gesundheitslehre 7, Religion und Philosophie 22, Staatswissenschaft 12, Sprachwissenschaft 9, Fremdsprachliches 14 Bände. Nach auswärts kamen 95 Bände. ** Ter Krieger verein Gießen feierte am Samstag abend in Verbindung mit seinem 32jähr. S t i f t u n g s - f e st den Geburtstag S M. des Kaisers in Steins Saalbau, der wohl selten so viele Besucher gesehen hat, wie an diesem Abend. Nach einem einleitenden Musikvortrag der Regimentsmusik begrüßte der Vereinsvorsitzende, Hauptmann d. L. Gabriel, die Mitglieder und Ehrengäste, unter denen namentlich das hiesige Offizierkorps stark vertreten war. Er warf sodann einen Rückblick auf das abgelaufene Vereinsjahr, in dem er u. a. anführte, daß der 1874 mit einem Bestände von 150 Mitgliedern gegründete Verein inzwischen auf 387 Mitglieder angewachsen ist. Tic Zunahme im letzten Jahr betrug 115 Mitglieder, unter der Gesamtzahl befinden sich 13 Gründungsmitglieder und 20 Ehrenmitglieder. In diesem Jahr ernannte der Verein 2 Herren zu Ehrenmitgliedern, Oberlandesgerichtsrat Sandmann (jetzt in Darmstadt) und Major Kreuter (jetzt in Metz). Zum Schluß seiner mit Beifall aufgenommenen Ansprache überreichte er den Herren Schad, Margolf, Nauheimer, Hantel und Pfeiffer die Ehrenurkunde für 25jäl)rige treue Mitgliedschaft. Das Kviserhoch brachte mit begeisterten Worten der Ehrenvorsitzende des Vereins, Postsekretär Mayer auS. Er schilderte die Aufgaben und Bedeutung der Kriegervereine als die Träger der Vaterlandsliebe, als treue Stützen von Kaiser und Reich und feierte den Schirmherrn des Reiches, S. M. den Kaiser, indem er seine unermüdliche, pflichttreue Arbeit für Deutschlands und des deutschen Volkes Macht und Wohlergehen in eindringlichen Morten schilderte. Im weiteren Verlauf des Abends erschienen noch Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Brcidert und Oberst v. Lindenau und wurden vom Vorsitzenden herzlich willkommen geheißen. Geheimerat Dr. Breidert dankte für die freundliche Begrüßung und Einladung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, heute dem Kriegervereinsfeste beiwohnen zu können. Nachdem er noch der vaterländischen Aufgaben der Kriegervereine gedacht hatte, brachte er auf den dieser Aufgabe stets eingedenken Kriegerverein Gießen ein dreifaches Hoch aus, das freudig Zustimmung fand. Oberst v. Lindenau wies auf die gemeinsamen Aufgaben und Ziele der Armee und der Kriegervereine hin und gedachte der verdienstvollen Tätigkeit des jehigen und des früheren Vorsitzenden des Kriegervereins Gießen, der Herren Gabriel und Mader. Daß der Verein seiner Aufgaben stets eingedenk sei, dafür bürge die Anteilnahme der Frauen und Töchter an seinen Veranstaltungen, denn für die deutschen Frauen und Töchter geben Deutschlands Männer das Höchste her, sie zu beschützen ist die schönste Aufgabe des deutschen Kriegers Sein Hoch galt den Damen und wurde mit Jubel ausgenommen. Kvmmerzienrat Emme l i u s feierte in einem warmherzigen Trinkspruch die Veteranen, während Geheimerat Dr. Breidert ein dreifaches Hoch auf das Vaterland ausbrachte, dem unser ganzes Denken und Fühlen gehöre. Ter letzte Redner war Weißbindermeister Petri, der mit herzlichen Worten die deutsche Armee feierte. Das Unterhaltungsprogramm des Abends war recht reichhaltig und verlief in schönster Weise. Neben Kvnzert der Regimentskapelle bestand es aus den prachtvollen beweglichen lebenden Bildern „Im Land der Märchen" und „Tie Verlobung am Wachtfeuer", dem flott gespielten Genrebild „Des Kriegers Frau" und einem amüsanten Lustspiel „Der gerade Weg ist der beste", sowie humoristischen Gesangsvorträgen. Erst gegen 2 Uhr erreichte das reichhaltige Programm mit dem Zapfenstreich sein Ende, wobei außer der Musik das neu geschaffene Trommlerkorps des Vereins zum erstenmal mitwirkte und für sein exaktes Spiel lebhaften Beifall fand. Ein flotter Ball bildete den .Schluß der schon und würdig verlaufenen Festlichkeit. ** Ein Militärkonzert unserer Regimentsmusik findet morgen, Dienstag abend, im Neuen Saalbau statt. Für alle, die noch keine Gelegenheit hatten, die prächtige alpinen Charakter tragende Saaldekoration vvm Sängerkranzfest am Sonntag sehen zu können, wird dieses Kvnzert die Möglichkeit hierfür bieten, da der Vorstand des Sänger- kranzes eingewilligt hat, die Dekoration stehen zu lassen. *♦ Ein silbernes Jubiläum eigener Art beging heute die Georg Bender Witwe, Neuen Bäue 17. Es sind heute 25 Jahre vergangen, seitdem die rührige und unverdrossene Jubilarin als Marketenderin die Besucher der tzolzoer st eigerungen in unserem Wald bei jedem Wetter mit dem not'gen Trunk versorgt. Tie Bender Witwe ist bei allen Interessenten der Holzbranche und bei alten, die mit dem Walde zu tun haben, eine bekannte Persönlichkeit. •• Unverhofft kommt oft. Ein Freund unseres Blattes sandte uns eine Nummer der „Dibaskalia*, des bekannten Beiblattes des vor Jahr und Tag sanft entschlafenen ^Frankfurter Journals^ vom 9. März 1877. Wir finden Darin folgende niedliche, auS Darmstadt datierte Anekdote unter der obigen Spitzmarke: .Zwei Prinzen unseres regierenden Halises hatten ginn Verzügen einen Ausflug nach Tt'ning unternommen und hier für sbends im Tbcaler eine VorsteÜlmg von »A n g o ck ailgekündigt gesunden. Die lustige Operette mar in Darmstadt, wo man sich kmeS streng klassischen RepertoirS befleißigt, noch nicht gegeben worden, und die hohen Herren ganOerten deshalb nicht lange, von der günstigen Gelegenheit zu profilieren. Sie schickten eiligst um eine Loge imb brachten nun Direktor und Schnusvieler in nicht geringe Aufregung. Direktor Deuischinger rieb sich förmlich auf, um diese durch den Bestich der erlauchten Gaste ausgezeichnete Vorstellung zu einer besonders genußreichen zu macheii. Der Abend kam. Das Hails war au^oerfauft. Tie Prinzen saßen erwartungsvoll in ihrer Loge. Tie Ouvertüre verrauschte. Der Vorhang flog in die Höh' und — .Der Kaufmann von Venedigs nahm seinen Aiifang. Ter Direktor hatte nämlich in aller Eile die angekündigte Vorstellung abgeändert, da er meinte, die Prinzen durch die 9Iuf- 'ührung eines Shakespeare'schen Meisterwerkes doppelt zu ehren. Kaurn waren noch die ersten Szenen des Dramas abgespielt, so erhoben sich die Prinzen, räumten das HaliS, ließen sich einen Separatzug satteln und fuhren zornig nach Darmstadt gurücf.* --- Salzböden, 2. Febc. Kaisers Geburtstag feierte am Samstag, 27. Januar, der hiesige Pfeifen- Klub „Fidelia* im Saale des Gastwirts Weisbrod durch eine Theatervorstellung, zu der sich viele patriotisch gesinnte Männer eingeslmden hatten. Der Vorsitzende begrüßte die erschienenen Gäi'le und eröffnete den Festabend mit einer Ansprache, in der er des Kaisers unermüdliche Tätigkeit für des Reiches Wohlfahrt feierte. Die zu Herzen gehende Ansprache schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Maj. ben Kaiser, woraus die Musik die Nationalhymne spielte. Hieran schloßen sich die Theaterstücke unb lebenbe Bilder aus dem Kriege 1870/71 unb aus Südwestafrika an, bie mit großem Beifall begrüßt wurden. Nach der Paltse wurden eine Anzahl sehr schöner Lichtbilder gezeigt. Die ganze Feier verlies in bester Weife. () Laubach, 4. Febr. Tie in vergangener Woche in den gräflichen Waldungen erzielten Hol^preise lassen, eine wesentliche Steigerung gegen die früheren Jahre erkennen. An einem Tage wurde als Durchschnittspreis für 1 Meter Buchen-Scheitholz 7,50 Mk., am andern Tage 6,75 bis 7 Mark erzielt. A Homberg a. d. Ohm, 3. Febr. In diesem Jahre blickt der Gesangverein „Frauenlob" auf fein bOjährigeS Bestehen zurück. AuS diesem Anlaß wurde in der kürzlich stattgefundenen Jahresversammlung bcr Beschluß gefaßt, ein Sängerfest zu veranstalten. Es soll nur nicht, wie bereits früher beschloßen, am 1. unb 2. Juli, sonbern schon am 24. und 25. Juni dS. Js. abgehalten werden. Es ist bereits ein Komitee, gebildet aus Vertretern aller Kreise der Einwohnerschaft unseres Städtchens inS Leben getreten, das eS sich zur Aufgabe macht, bie Jubiläumsfeier in würbiger Weise zu gestalten. Frankfurt a. M., 1. Febr. Zur Beglückwünschung des Rektors a. D Georg Lang, der heute sein 70. Lebensjahr vollendet, begaben sich heute mittag Vertreter des Deutschen Sck)riftstellerverbandes und des Frankfurter Journalisten- und Schriftsteller-Vereins, denen sich auch Vertreter anderer Berufsarten, Künstler, Pädagogen usw. anschlossen, in die Wohnung des Jubilars. Die Ortsgruppe des Deutschen SchriftsteUerverbandes, deren Vorsitzender Herr Lang seit Jahren ist, überreichte ihm znm Andenken an Diesen Tag einen silbernen Becher mit eingeschriebener Widmung. Zu Ehren des Jubilars, der die Schwelle des Greisenalters in erfreulicher Frische des Körpers und des Geistes überschreitet, wird nächsten Sonntag abend im Palmengarten noch ein besonderes Fest abgebalten. — In seiner Wohnung Bergerstraße 111 wurde heute früh der 24jährige bei der Staatsanwaltschaft beschäftigte Gerichcsdiätar Eugen Muhlig erhängt aufge- funden. (Kl. Pr.) Aerjammlung des oöeth.jsijchcn Kvstöauv.reins. (Original-Bericht des Gießener Anzeigers.) ----- Gießen, 5. Februar. Der oberhessische Obstbauverein hielt gestern nachmittag im Lenz'schen Fclsenkeller feine Hauptversammlung ab. Kreisamtmann Hechler eröffnete mit kurzen BegrüßungS- roorten bie leider schwach besuchte Versammlung, worauf Land- wirtschastslehrer Dr. Hoffmann-Friedberg feinen „Bericht üder bie Obstausstellung in Mainz gelegentlich ber Landes-Jubiläums-Ausstellung* erstattete. Die Ausstellung habe ein imponierenbes Gesamtbilb bes hessischen Obstbaues gegeben, leiber seien bie Räumlichkeiten etwas beengt gewesen, doch sei bieS burch bas Arrangement ber Ausstellung roiebcr ausgeglichen warben. Der Rebner, ber erst feit v. I. im hessischen Obstbau zu Friebberg als Nachfolger bes verdienstvollen Professors Neichelt tätig ist, sagte, daß er über ben großen Umfang bcS hessischen Obstbaus erstaunt gewesen unb erfreut fei, an besten Weiterentfaltung mitwirken zu können. Obwohl Starkenburg und Rheinhessen dank ihrer günstigeren Lage im allgemeinen schöneres Obst erzielen, hat auch Ober- hesten sehr gut abgeschnilten. Bei ber Wertung bes Obstes ist auf Form, Größe und Gesundheitszustand zu achten. Redner bedauert, baß bies von ben Ausstellern nicht immc eingehalten werbe, unb baß anscheinenb sogar absichtliche Verwechslungen von Zwergobst unb Hochstammobst vorgekommen seien. Das Ob't muß in schöner Anorbnung unb Verpackung präsentiert werden. Zur Versendung wirb in Zukunft burch den Verein ein gutes Kistenwaierial besorgt. Redner spricht seine Ueberzeugung au§, baß Overhesten mit Stolz unb Freude auf bie Ausstellung zurückblicken kann. — Dr. von Peter erklärte, die Ausstellungen seien ein notwenbiges Nebel, sie kosteten viel (Selb unb Zeit, sie seien gleichsam bie Parabe unb könnten nicht entbehrt werben. Große Ausstellungen hätten sich überlebt, bie internationale Ausstellung zu Düsseldorf 1904 habe ben beutschen Obstbau geschädigt, sie habe dem ausländischen Obst weitere Absatzgebiete erschlossen. Dagegen hätten die kleinen Ausstellungen manchen Vorteil; in Zukunft sollen Obstmärkte eingerichtet unb zunächst im Herbst b. IS. in Alsfelb ein solcher abgehalten werben. Was habet nicht verkauft wirb, übernimmt bie Verwertungskommission. Kreisamtmann Hechler spricht seine Freude über die Einrichtung des ObstmarkteS auS, sieht ihm nft Interesse entgegen und hofft auf guten Erfolg. — Hieraus sprach Direktor Dr. von Peter-Friedberg über das Thema »Abänderung ber O bst ba ustati st ik*. Tas Zentralblatt für Obstbau enthält alljährlich eine Statistik, bie jedoch nicht als vollständig zuverlässig gelten kann, da sie nicht in allen Orten mit ber nötigen Gewissenhaftigkeit ausgeführt wirb. Deshalb beabsichtigt bie Regierung eine Neugestaltung der Statistik unb hat bereits bie Kreisämter unb Obstbau- oercine zur Abgabe eines Gutachtens aufgefoebert, auch bas Plenum bcr Landwirtschaftskammer hat sich bereits bamit besaßt. Die Statistik vom vorigen Jahre verzeichnet in Hessen 3 616 681 tragfähige und 889 263 nicht tragsähige junge Bäume; bas zeigt, baß unser Obstbau im Aufschwung begriffen ist. Die Bäume repräsentieren einen Wert von 4 852 172 Mk. unb lieferten einen Ertrag von 654 601 Mk. Der Kreis Gießen besitzt 224 610 tragfähige und 75 512 nicht tragsähige Cbflbäume, bie einen Wert von 294 818 Mk. besitzen und ' 44 477 Mk. Ertrag lieferten. Eine Besserung des Statistikwesens sei bringend erwünscht, ähnlich wie VolkS- unb Viehzählung sollte auch eine Baumzähluna burch Zählkarten stattfinben. Die Zählung mäste grünblich unter Kontrolle unb Nachprüfung gemacht werden, bie Angaben hätten Tragfähigkeit, Art unb Sorte, Stanbort, Felb, Garten, Wegen re. zu umfaffen. Dadurch würde man ein richtiges Bild ber Entwicklung bes Obstbaus in ganz Deutschland erhalten, manche Frage könnte bann gelöst, burch Belehrung viele Mängel beseitigt und bie Sortenwahl bester geregelt werden. Eine Hebung des Obstbaus in ganz Deutschland würde bie Folge sein. Tie Felbschützen seien anzuweisen, auf Abgänge unb Neiipflanzlingen zu sehen, seitens bcr Behörden sollte darauf gedrungen werben, baß nur obftbaitfunbige Leute zu Felbschützen verpflichtet würben. Die Preisnotierung müsse alljährlich burch Vertrauensmänner festgestellt werben. Es sei jedoch darauf hinzuwirken, daß ein mittelmäßiger Preis sestgestellt werde, damit das Obst nicht Luxusartikel werde, sonbern ein VolksnahrungSmittel bleibe. — Nachdem hierzu noch Feldmann-Lauter, H e d erer-Heuchelheim und WieSner-Fricdberg gesprochen hatten, beschloß die Versammlung, daß alle 5 Jahre eineOb st bäum zähl ung unter staatlicher Kontrolle im Anschluß an die Viehzählung stattfinben soll c.______(Joris, folgt.) • Kleine Tageschronik. Der 27 Satire alte verheiratete Dersicherungsbearnte Sterojano in Berlin unterhielt ein LiebeS- verhällnis mit einem jungen Mädchen. Da an eine eheliche Verbindung nicht zu denken war, beging das Paar am Seddin-See S e l d st m o r d durch Erschießen. Das Mädchen mürbe noch lebend aiügesunden. — Eine am'rcgende Szene ereignete sich in einem Londoner Vari6t6--Etablislement. Den Elou des Abends bildete das Erscheinen einer Tänzerin, die inmitten 14 dressierter Löwen Tänze aufführte. Als sie ihren Tanz oorführte, stürzte sich einer ber Löwen auf sie und schlug sie mit einer Tatze z u Boden. Tann machte sich ber Löwe daran, sie zu zer- i l e i s ch e n. Dem hinzneileitden Löwenbändiger gelang es, die Bestie von der Tänzerin abznbringen unb die schwer verletzte Tänzerin aus dem Käfig zu zlehen. — Zn der Auffindung ber verscharrten Leiche in Dresden ist noch mitzuteile»l, daß die beiden von der Polizei Verhafteten gestanden haben, den Versicherungsagenten Hartmann ermordet zu haben. Es sind dies der Kaufmann Bruno Hartmann au5 Leipzig und der Schuhmacher Gilbert Bletcha aus Wien. Im Verdacht der Mittäterschaft steht auch noch ein Bruder des leyteren, der in einer österreichischen Irrenanstalt interniert ist und einen Mord an einem Gefängnisaufseher begangen hat. Gießener Strafkammer. X Gießen, 2. Februar. Die Str^iflannncr Verurteilte den mehrfach vorbestraften Dienstknecht A. Sck). aus Pöllwitz wegen schwerer Körperverletzung zu 2 Jahren Gefängnis. Er war seither rci einem hiesigen Landwirt tätig und gab zu Weihnachten seinen Dienst auf. Lftn dritten Feiertage vergnügte er sich mit einigen jungen Leuten in einer Wirtschaft. Die Gäste neckten sich gegenseitig, biS der Airgeklagte endlich so unangenehm wurde, daß ihn der Wirt aus dem Lokal wies. Dies nahm er sich so zu Herzen, daß er auf Rache sann und sich in einem Straßengraben versteckte, bis einer der Gäste auf seinem Rad an ihm vvrbeifichr. Er spr"ng auf ihn zu und versetzte ihm mit seinem Taschenmesser einen Stich in den Kopf, daß er zu Boden stürzte. Der bereits ohnmächtig gewordene Verletzte erhielt von ihm noch zwei toeitere Stiche in die Brust, sodaß er in die Klinik verbracht werden mußte. Das Gericht berücksichtigte straferschwere?7d, daß der Angeklagte blindlings ohne begründeten Anlaß auf ben Verletzten zugestochen hat, unbekümmert über die Folgen. Hervorgehoben wurde, daß die Begangenschaft an Totschlagsverfuch grenzt, und daß es nur einem glücklichen Zufall zu verdanken fei, daß ber Verletzte mit dem Leben davonkam. Der einzige MilderuncsSgrund wurde in seiner 9bngetrunfenbett gefunden. Mit Rücksicht auf das Geständnis, erfolgte die Anrechnung eines Monats bcr erlittenen Untersuchungshaft auf die erkannte Strafe. DaS bei ber Tat benutzte Messer wurde eingezogen. — Wegen schweren Diebstahls in zwei Fallen und wegen einer Unterschlagung wurde der 15 jährige Schlosserlehrling K. S. hier zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er beschäftigte sich in seiner freien Zeit in einer hiesigen Bäckerei, wo er das größte Vertrauen genoß, da seine Eltern ehrliche unb achtbare Leute sind. Dem! Bäckermeister siel wiederholt auf, daß ihm größere Geldbeträge in der Kasse fehlten. Als er eines Abends sein Geld gezählt hatte und sich zu Tisch begab, bemerkte er, wie der Angeklagte nach dem Laden zuging. Es' fiel ihm dabei nichts auf, doch als er nach dem Essen an die Kasse kam und sah, daß ihm etwa 60 Mk. fehlten, fiel der Verdacht auf den Angeklagten. Er ging zu seinen Eltern, die an feiner Aufregung sahen, daß etwas vorgegangen sein müsse. Es wurde ihm bedeutet, der Angeklagte verkehre in einer Wirtschaft mit Damenbedienung. Er ging hin und fand den Angeklagten zwischen Kellnerinnen sitzend, Seft trinkend. Auf einen Wink kam er vor die Tür und nichts Gittes ahnend, sagte er zu dem Bäckermeister, ohne daß dieser ein Wort gesagt hatte: „Ich will Ihnen ja alles wiedergeben". Nachdem er erst nur 7 Mark gestohlen haben wollte, gab er am nämlichen Abend noch zu, 54 Mark genommen zu haben. Der Meister stellte fest, daß er schon vorher in einer anderen Wirtschaft gewesen ist und den Kellnerinnen neben Ehokolade und Zigaretten zwei Flaschen Wein zu je 10 Mark bezahlt hatte, in etwa anderthalb Stunden war dos ganze Geld verputzt. Bei der Verhandlung gab er zu, einmal 30 Mark unb einmal 40 Mark entwendet zu haben, doch der Fehlbetrag wurde auf annähernd 150 Mark geschätzt. Den Schlüssel zur Kasse hatte er sich gelegentlich des Umzugs des Bäcker? in feinen Neubau verschafft. Wenn das Gericht auch amtahm, daß er mehr als den zugestandenen Betrag von 70 Mark entwendet hat, hielt es doch nicht für erwiesen, daß er den ganzen Fehlbetrag gestohlen hat, da es doch nicht ausgeschlossen, daß ein anderer Unbefugter an die Klasse geraten ist. Da der. Angeklagte 15 Jahre alt ist, hatte das Gericht die Frage zu prüfen, ob er die zur Erkenntnis der Strafbarkeit feiner! Handlung erforderliche Einsicht besitzt, was auf Grund ber Art und Weise seiner Verteidigung bejaht wurde. Die Jugend wurde fitafminbemb berücksichtigt, doch hielt man eine erhebliche Strafe nm Platze, da er das Geld in schlechter Gesellschaft auf zweifelhafte Art verpraßt hat. Bezüglich ber Unterschlagung war er geftänbig, zwei Mark für Hefe vereinnahmt und nicht abgeliefert zu haben. ICircbltcbc Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Montag, den 5. Kebrnor, abends 8 Uhr: Bibelstnnde im Konfirmandensaal ber Lnkasgemeinde. Text 1. Petr. 1, 14 ff. Pfarrer Euler. Das beste Frühstück ist McsnncrS Tee, er wirkt anregend auf Geist und Körper imb wirb selbst vom empfindlichen Magen gut oertragen. Meßmers Englische Mischung stellt sich auf kaum IV, Pfennig die Tasse und ist ber Tee der feinsten Kreise. b8/, Programme frei. für Maschinen- u. Elektrotechnik, verbunden mit Chauffeure chule. Technikum Bingen Ge^egenheitskauf Marktplatz w. Frieds*. Teipel Marktplatz 16 M. Bruch. C. Isemnann. C. Reinthaler. C. Goldmark. in UV B 12/1. Schwabe. Präm.m d. höchst. Aosjelehn. „faflü Fril^Weliaowl SLLouis 1904 Los L Putz-Extrakt »121 Madtjd n. fle nMMe liblldug 71 Die 100 137 B6/, n 2580 Ludwigstrasie 55 Bierverlag Ludmigstrasis 55. 40 48 Praxis einschlagenden Arbeiten. rm 780 10 H Fürstliche Oberförsterei. LV« ;