Erstes Blatt Samstag 1. September 1906 156» Jahrgang Nr. 205 Erscheint täglich außer SonmagS. Dem Gießener Anzeiger werden in, Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Stehener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.^Abl Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen. jRRRRy O Afr Ak "vrfT Ä DezngSprets: monatlich7bPs.,viertel- Eichener Ameiaer General-Anzeiger ** SES Amts- und Anzeigeblatt für öen Kreis Gießen WZ rnj-fcrw-.ir- ■ i11 iiut—urrrjim.- jllhi r. . ,lu.. M ■■■ ... . zeigenteil: Hans Beck!. Are Heutige Plummer umfaßt 16 Seiten. Deutschlands größte Siegesfeier, der Tag von Sedan, hatte dem 2. September in früheren Jahren den Charakter eines allgemeinen Volksfestes verliehen. Dieses jubelnde Gepränge hat im Laufe der Jahre einem stillen, ruhigen Gedenken Platz gemacht, einem Erinnerungsfeste für die deutsche Jugend und einer klaren Würdigung der durch den Sieg gewonnenen Wiederaufricht- ung des Deutschen Reiches, die unseren friedlichen Be- ziehungen zu Frankreichs angemessen ist. Nicht brauchen unsere westlichen Nachbarn in der deutschen Sedanseier die Demütigung des Besiegten zu fühlen. Was deutsches Na- tionolbewußlsein bei diesem Siegesfeste empfindet, ist Freude und Begeisterung über Deutschlands wiedergewonnene Einheit und die im Volke nie erlosch-ene Vaterlandsliebe. In diesem Nationalstolze kann keine Nation der Welt eine Kränkung finden. Was wir im Sednafeste auch heute nach 36 Jahren noch als unvergänglichen <Äegespreis besitzen, wurzelt wie die deutsche Eiche fest im vaterländischen Boden und berührt nicht mehr wie einst den gekränkten Chauvinismus der gallischen Nation. — Am Tage von Sedan war Bayern, Sachsen und Preußen einmütig verbunden, Mac Mahons Heer von 140 000 Mann zu besiegen. Ms dieser verwundet war, zeigte sich aus französischer Seite eine unsichere Haltung und planlose Verteilung der Streitmassen unter General Ducrot und v. Wimpfsen, die zur Niederlage führen mußte. Selbst Gallifet mit seinem groß angelegten Reiterangrfff wurde durch 500 deutsche Geschütze so aufgerieben, daß keine Verteidigung der Festung mehr möglich war. Die feindlichen Batterien schwiegen. Auf Sedans Manerwall flatterte die weihe Fahne, das Zeichen der Uebergabe. Paul Bronsart v. Schellendorf, der deutsche Parlamentär, forderte die Nrederlegnng der Waffen, ihm begegnete unterwegs der französische Parlamentär, der noch nnausgefordert die Uebergabe Sädans ankündigte. Im deutschen Heere war es unbekannt, daß Napoleon anwesend war. Ter Kaiser übergab mit kurzem Schreiben dem deutschen Parlamentär seinen Degen an König Wilhelm. „Welch eine Wendung durch, Gottes Fügung!" So flog die Kunde des Sieges als Depesche nach Berlin. General Reille, der Begleiter Bronsart v. Schellendorfs, empfing von König Wilhelm ein kurzes Antwortschreiben an den gefangenen Franzosenkaiser. Noch in der Nacht setzten Bismarck unb Moltke die Bedingungen fest: Uebergnbe der Stadt und 'Niederlegung der Waffen, Gefangennahme des Heeres bis um 9 Uhr früh. So forderte es Bismarck in persönlicher Unterhandlung mit Napoleon, der gegen Mittag auch König Wilhelm begegnete Das deutsche Volk beklagte an Toten und Verwundeten 8459 Mann und 465 Offiziere; für den Feind waren die Opfer unermeßlich schwer! 17 000 Tote und Verwundete, 21000 Gefangene. Nach Sedan kam der Tag von Paris und von Versailles. Ein morscher Kaiserthron aus schwankendem Boden war gesunken. Die Sonne des Ruhmes strahlte auf Deutschlands neue Kaiserkrone. Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! Zur IodbielsLi-Krifls. Es ist nicht daraus zu rechnen, daß der Wechsel im Land- wirtschastsminislerium schon in nächster Zeit cintreten wird. Man hat ja vielfach bereits nach der Abwesenheit des Fürsten Bülow in Wilhelmshöhe und setzt wieder, da der Reichskanzler zu den Tauffeierlichkeiten nach Berlin kam, die Entscheidung erwartet.. Man hat aber dabei übersehen, daß diese Entscheidung ausschließlich beim Kaiser liegt und dem Kanzler eine Einwirkung aus sie nicht mehr gegeben ist. Nur wenn die schwebende Untersuchung gegen den Major Fischer etwas direkt Belastendes gegen den Landwirtschaftsminister ergäbe,, wäre dessen sofortige Enthebung vom Amte gewiß. Aber es muß wiederholt werden, daß diese Untersuchung derartiges belastendes Material bisher in keiner Weise zutage gefördert ljat. An der höchsten maßgebendsten Stelle ist jedenfalls nicht der Wille vorhanden, eine schnelle Entscheidung zu treffen, umsomehr als es den Freunden des Herrn v. Podbielski gelungen zu sein scheint, nunmehr an jener Stelle die Ueberzeugung her- vorzuruscn, daß der Minister nichts Kompromittierendes sich hat zu schulden kommen lassen, und daß er völlig grundlos von einer übelwollenden, gehässigen Preise verdächtigt und angegriffen werde, um seine Beseitigung herbeizuführen. Argumentationen solcher Natur fallen leider meist auf fruchtbaren Boden, wenngleich ihnen jede tatsächliche Unterlage fehlt. In dem, unseres Erachtens aussichtslosen Eifer, Herrn v. Podbielski sein Portefeuille zu retten, vergessen seine Freunde, daß nirgendwo in der Presw der Minister verdächtigt worden ist, etwas ehrenrühriges begangen zu haben. Man hat es als einen Fehler angesehen, daß der Fürst Chlodwig Hohenlohe seiner Zeit in die weitere Beteiligung der Frau v. Podbielskt an der Firma Tippclskirch einroimgtc; aber aus dieser Einwilligung eine Schuld des Ministers herzuletten, ist niemand eingefallen. Wenn die Presse, uls Ausdruck der öffentlichen Meinung, fast einmütig die Verabschiedung des Ministers gefordert hat und noch fordert, so läßt 'sie sich hierbei von prinzipiellen Gründen leiten. Es liegt im Fnteresse des Aiisehens des Staates, daß ein aktiver preußischer Minister nicht an einer Firma beteiligt sei, die unverhältnismäßig hohen Gewinn nur aus Geschäften mit dem Staate und *auä dem Gelbe der Steuerzahler zieht. Trotz der gerade aus die,cm Ülnlasse wieder verstärkten Abneigung gegen die Presse wird auch die Krone, wie wir glauben, nicht umhin können, sich diesem Standpunkte noch anzuschließen. Der einzige Erfolg, der den Bemühungen der Freunde des Herrn p. Podbrelski erwachsen wird, dürfte bann der sein, die Ent- scheidmig noch weiter zu verzögern und ihrem Schützlinge eine besonders huldvolle Form der Entlassung zu verschaffen. Der ,^!okalanz." zeigt heute, daß er auch inoffiziös und damit Nicht unterrichtet über die Vorgänge in den Regicrungskulissen sein kann. Er meldet wichtigen Tones, die für heut angesctzte Sitzung des Staatsministeriums finde nicht statt. Tatsächlich hat sie unter des Reichskanzlers Vorsitz stattgefunden, wie die „Nordd. Mlg. Ztg." mitteilt, und voranging eine vertrauliche Besprech- uug des Fürsten Bülow mit dem Erbprinzen zu Hohenlohe. Der ^Lokalanz." hat also in Sachen der Kolonialkrisis offenbar keine Fühlung mehr mit der Regierung, und vielleicht ist nicht ganz unschuldig an dieser „Degradierung" des Blattes der Umstand, daß Herr v. Podbielski sich seiner bediente, um seine Beziehungen zur Firma Tippelslirch unter Hinweis auf die „allein maßgebende Stelle" darzulegen und zum Schluß die Bülow- ossiziöse „Nordd. Allg. Ztg." zu dementieren mit Bezug auf sein „Entlassungsgesuch". Es, erhellt aber aus dieser Kaltstellung des „Lokalanz." auch, daß Herr v. Podbielski ein Haar darin gesunden fat, durch die Presse zur Oessentlichkeit zu sprechen. Er hat allerdings Grund, neue „Mißverständnisse" zu fürchten, und es ist möglich, daß ihm Fürst Bülow heut dies nachdrücklich zu Gemüte geführt hat. Im übrigen wird, wie über alle Ministc- rialsitzungen, so wohl erst recht über den Verlauf der heutigen amtlich Schweigen beobachtet werden. Es bleibt nach wie vor die definitive Entschließung des Kaisers abzuwarten. Berlin, 1. Sept. Gestern nachm. empfing Herr v. Podkielski nach seinem Eintreffen aus Talmin den Besuch des Herrn von Lueanus, mit dem er eine längere Unterredung hatte. Ire AraueNaröeit.*) D.e frühere Kultur beruhte viel mehr auf Frauenarbeit als bie heutige. Das war nicht in jeder Hinsicht ein Vorzug, denn bic Möglichkeit, daß der Mann den Herrn spielte und die Frau den Äcker bestellen ließ, war in alten Kulturen vorhanden. Tas äußerste, was in dieser Hinsicht möglich ist, zeigen gewisse Negervölker, wo die Frau als solche Sklavin und Arbeitstier ist. Auch in Deutschlattd gab es genug Barbarenrecht des Mannes gegenüber der Frau, diese wußte sich jedoch immerhin im großen und ganzen als Bäuerin und Meisterin in der alten deutschen Welt ihren Platz zu sichern. Tas wesentlichste war natürlich ihre Stellung innerhalb der Landwirtschaft, da ja 75 Prozent des alten Volkes landwirtschaftlich waren. Tie Stellung der Frau in der älteren deutschen Landwirtschaft gehört zu den besten Positionen, die sich die Iwan in irgendwelchen Mtux» formen errungen hat. Auch da, wo sie erbrechtlich benachteiligt und kirchlich ihrem Manne unterworfen war, fand sich in der Wirklichkeit des Lebens eine gewisse Selbständigkeit der Bauersfrau ein, die gar nicht selten in bäuerliche Mutterherrschaft überging. Tie alte Bäuerin war und ist noch häufig ein Faktor, dem sich alles andere unterordnet. Das übliche Bild von dem armen geknechteten Weibe paßt auf sie am allerwenigsten. Wirtschaftlich aber beruht diese ihre Vorzugsstellung darauf, daß die Wirtschaft alten Stils ohne sie gar nicht getrieben Iv-erdckn kann, da es ein fester Bestandteil der alten deutschen Sitte wurde, daß die Kuh zur Frau gehört, und daß die Kuh, das Hanpttier des alten Betriebes ist. Heute stellt man fest, daß Männerhände besser melken können, aber Männerhände haben es eben in vielen Jahrhunderten nicht tun wollen. In der Milchwirtschaft hatte die Frau ein Gebiet, in dessen Finanzen auch bei beginnender Geldwirtschaft die Männer nicht hineinzugreifen vermochten. Erst die moderne Molkereigenossenschaft entzieht der Frau den Rückhalt der Milchkasse, ein Verlust, der durch alle Vorteile des Moltdreisystems nur schwer gut gemacht werden kann, da er die Frau um eine Stufe tiefer in der Abhängigkeit vom Manne hinabsteigen läßt. Immerhin bleibt in der Landwirtschaft auch heute überall dort, wo Viehzucht getrieben wird, die Frau in relativ gesicherter Höhe, denn die Kinderstube der Tiere erfordert im allgemeinen weibliche Hände. Auch die Garten- und Hacksruchtkulkur ist günstig für weibliche Kräfte. Selbst in der Unterschicht der ländlichen Bevölkerung gelingt es, dort, wo noch irgendwelcher eigener Wirtschaftsbetrieb vorhanden ist, der Frau verhältnismäßig leicht, sich selbst durchs Leben zu bringen. Sie steht in dieser Schicht sehr tief, weil die Schicht selbst tief ist, aber sie sieht nicht in reiner Abhängigkeit vom Mann. Und fast überall hat es die Landwirtschaft alter Art ziemlich gut fertig gebracht, Frauenarbeit und Mutterschaft zu vereinen. Es waren Drang- und Mühe- zeiten für die Frauen, wenn sie kleine Kinder hatten, aber das System als ganzes hat doch innerhalb gewisser Grenzen sich gut bewährt: die Arbeit war elastisch genug, die Fruchtbarkeit nicht zu hindern. Aehnliches gilt vom alten Betrieb des Handwerkes und auch des lokalen Handels. Beide waren ohne Frau undurchführbar, da beide eine Zusammenfassung von Familie und Arbeit darstellten, in der die Frau mindestens so nötig war wie der Mann. Als noch alle Arbeitskräfte zur Familie gehörten, konnte die Arbeit oft leichter von einer Frau ohne Mann als von einem Mann ohne Frau fortgeführt tverdeu. Wenn sich inzwischen neue Erwerbszweige den Frauen geöffnet haben, so sind es die armen Industrien, teilweis Industrien, deren 'Msrechterhaltung in der Konkurrenz des Weltmarktes sehr schwer sein wird. Die großen, entscheidenden Industrien sind fast ftauenlos. Um nur die größten zu nennen: das Baufach in allen seinen Teilen, der Bergbau, die Metallindustrie, der Eisenbahnbetrieb, die Holzver- arbeitung. Diejenigen Arbeitszweige, in denen die 'Nen* zeit am lebhaftesten pulsiert, die in der Volkswirtschaft unserer Tage das eigentlich! neue sind, stellen der Frau fast unübersteigliche Hindernisse in den Weg. Und gerade diese Industrien müssen wir pflegen. Von der Eisenindustrie hängt, wie wir später zeigen iverden, aller andere Fortschritt ab. Es ist ein Unglück, mit dem die Frauen sich abfinden müssen, daß die neue Kulturperiode ihnen in so hohem Grade das Leben schwerer macht. Aber nicht nur die Frauen müssen sich damit abfinden, sondern wir alle ohne Ausnahme müssen die Lage der Frau in ihrer ganzen, nie vorher vorhandenen Schwere kennen lernen, nm bereit zu fein, zu helfen. Tas was die Frau mitbrmgt, ist die Kleinheit der Finger, der Geschmack Tür das Zierliche und Nette, die unerzogene Geduld, Ordnungsliebe und Bedürfnislosigkeit. Mögen einige dieser Eigenschaften auch nur durch die Mot *) Aus dem unlängst erschienenen Buch „Neudeutsche Wirt- schastspolttik" von Dr. Friedrich Nauman: herangebildet worden sein, so sind sie doch jetzt da und bilden Waffen der Frau im Kampfe ums Dasein. Im neuen Mirtschaftsvolke ist die konkurrierende billige und geschickte Frau der gewerblichen Berufe und die Verkäuferin der neueste Bestandteil. Viele weibliche Kräfte, die oben bei Handwerksberusen mitgezählt worden sind, sind in Wirtlichkeit auch Verkäuferinnen. Textilbranche unb Handels öffnen sich dem Weibe. Es ist kleinlich, wenn die Männer! bei der oben dargelegten Schwierigkeit der Frauenberufsfrage auch hier noch den Frauen Nöte machen wollen. Ueberhaupt soll man ihnen alle Mbeitszweige, die sich gesundheitlickj für Frauen eignen, aufmachen, damit sie selber prüfen, ob sie in ihnen fick' ein Leben schaffen können! Seid liberal gegen die Frau, denn wir alle brauchen, daß sie nicht von der Eisenzeit und Geldzeit zur käuflichen Ware ober zum Luxusspielzeug berabgedrückt wird! Es ist die Seele des Volkes und der Nachwuchs des Deutschtums, der in dieser Frage auf dem Spiele steht. Aus Deutschlands Kolonien. Gouverneur v. Lindeqnist. In Südwestafrika gibt man sich der Erwartung hin, daß der Gouverneur der Kolonie, Herr v. Liudequist, zum Beginn der Parlamentssession nach Berlin berufen werden wird, um dem Reichstag die Notwendigkeit umfassender, Geldbewilligungen für wirtschaftlichen Wiederaufbau und Farmerentschädigung, für Bahnbauten, ständige militärische Machtentfaltung usw. in der Kolonie überzeugend darzu- legen. Die „Windhuker Nachr." versprechen sich von solcher persönlichen Vermittlung des Herrn v. Liudequist den besten Erfolg; der Reichstag könne nicht die vom Gouverneur! vertretenen Forderungen im wesentlichen ablehnen, ohne zugleich eine Gouverneurkrisis herbeizuführen, die jeder Freund von Kolonialreformen in dieser für Südwestafrikak so bedeutsamen Zeit und besonders im Hinblick auf den tüchtigen, allgemein beliebten Herrn v. Liudequist zu ver-> meiden trachten müsse. In unterrichteten Kreisen weiß man! indessen noch nichts vmr einer Geneigtheit der Regierung/ den Gouverneur nach Berlin zu berufen. Es ist wohl auchj auzunehmen, daß die Begründung der neuen Kolouialfor- deruugeu dem Reichstag gegenüber, in einer Denkschrift erfolgen wird, zu der Herr v. Liudequist das wichtigste Material beisteuert. * Berlin, 31. Mg. Am 18. Aug. bei Noibis gefallen: Leutnant HaraldvouHeydeu, geb. in Äai-j kow, früher Jufauterieregiment Nr. 164 (Bauchschuß); Ge-! freiter Josef Grieb l, geb. zu Flessiug, früher Jufauterie-j regiment Nr. 16 (Brustschuß). Verwundet: Gefteiter Franzi Wachs, geb. zu Berlin, früher Feldartillerieregimeut Nr. 3,* schwer; Gefteiter Theophil Fudle, geb. zu Schoppiuitz, früher- Feldart-iller.ieregimeut 97r. 39, leicht; Gefteiter Johann, Euues, geb. zu Eicha, früher Infanterieregiment Nr. 95, leicht; Gefreiter August Schulz, geb. zu Schlettstadt, srüherj Tragouerregiment Nr. 14, leicht; Reiter Paul Koch, geb. zu Oederau, früher Feldarlillerieregimeut Nr. 69, leicht. Am 19. August nördlich von Violsdrift verwundet: Unteroffizier Martin Köckritz, geb. zu Rosental, früher sächsisches Füsilierregimeut Nr. 108, leicht; Gefreiter Mchard Schwartz^ geb. zu Halle, früher sächsisches Iüsilierreaimeut Nr. 108, leicht. Am 25. August auf Patrouille bei Duukermodder gefallen: Gefteiter Wilhelm Ritter, geb. zu Schönebeck an der Elbe, früher in der Gardemaschinengewehrabteiluug! Nr. 2. Am 22. August bei Oas im Backrevier verwundete Reiter Joseph Bächle, geb. zu Nöggeuschmihl, früher Infanterieregiment Nr. 169, schwer; Reiter Heinrich Zierjacke,' geb. zu Doberan, früher Tragouerregiment Nr. 18, schwer^ Ferner Reiter Mert Kretsch mar, geb. zu Friedland, früher Infanterieregiment Nr. 52, am 25. August in der) Kraukeusammelstelle Kubub am Typhus gestorben. ** Ans StaOt nno Lnno. Gießen, den 1. Sept. Wir laden zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger für die kommenden Herbst- und Wintermonate ein. Einer Darlegung unseres Programms oder Anpreisung des Inhaltes unseres Blattes, das sich weitesten Ansehens erfreut, bedarf es nicht. Der ^Gieß. Anz." ist anerkanntermaßen die größte, und zwar völlig unabhängige, für die Versöhnung der. Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie der beiden wesentlichen politischen Gruppierungen unter den bürgerlichen Parteien Hessens eintretende, die berechtigten Jnteresien von Industrie und Landwirtschaft nach Möglichkeit fördernde Zeitung Ober» heftens. Die Bestellung ist sofort bei den Postanstalten oder unseren Boten zu veranlassen, wenn die erste September- Nummer pünktlich eintreffen soll. "Zu dem Manöver-Unfall in Groß-Umstadt. Aus Burkhardsfelden, der Heimat des verunglückten Kanoniers, schreibt man uns: Gestern erhielt der hiesige Bürger Wagenbach die Nachricht, daß sein Sohn, welcher bei dem 25. Artillerieregiment stand, bei Groß-Umstadt verunglückt sei. Der Kanonier stürzte beim Uebersetzen über einen Graben vom Geschütz und brach das Genick, o daß er sofort tot war. Die Leiche wird hierher gebracht werden. Das Mitleid mit der betroffenen Familie ist all- gemein. Wir geben diese Schilderung der Todesursache wieder mit dem Bemerken, daß einer unserer Darmstädter Mitarbeiter für seine (gestern veröffentlichte) Darstellung des traurigen Vorfalls amtliche Feststellungen als Quelle angab, so das; es sich bei der obigen Zuschrift wahrscheinlich nur um ein Gerücht ohne tatsächliche Unterlage handelt. Lehrerpersonalien. Uebertragen wurden dem Lehrer Joh. Gg. Trautmann zu Siedelsbrunn eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Crumstadt, dem Schulverwalter Otto Saucrwein aus Gros;-Zimmern die Lehrerstelle an der Geineindeschule zu Frankenhansen, dem Schulverwalter Moritz Katz aus Babenhausen II eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Groh-Bieberau, dem Lehrer- Phil. Koch zu Kirch - Bronrbach eine Lehrerstelle an der Musterschule zu Friedberg, der Schrtlverwalterin an der höheren Bürger - (Mädchen-)Schule, der Schillerschule zu Friedberg Martha Feder eine Lehrerinnenstelle an dieser Schrile. •• Wegmarkierungen im Vogelsberg. Wegmarkierung Lauterba ch—D triam m e n—11 lrich sie in wurde durch die Sektion Ulrichstein im Laufe des Sommers erneuert und in; Verein mit Sektion Laubach vor kurzen; über Petershainerhof — Jägerhaus nach Laubach weitcr- gesührt. Diese neugeschaffene Tour, die von Petershainerhof bis Laubach durch prachtvolle, schattige Laubwaldungen führt, ist allen Freunden des Vogelsberges ganz besonders zu empfehlen. ** D i e Obstaussicht en sind in unserer Gegend recht gute und lassen eine besonders günstige Aepfel- und Zwetschen ernte erwarten. Vielfach sind die Bäume so dicht behangen, das; die ?leste gestützt und aufgebunden werden mußten. Einen erfreulichen. Anblick bieten die Krcisstraßen, so z. B. Gießen-Großen-Linden, Meßen - Klein-Linden-Dutenhofen, Gießen-Rodheim u. a. Hier zeigt es sich wieder, daß gerade Goldparmäne, Schöner von Boskoop, Overdicks-Rcinette und einige andere die einträglichsten und fast nie versagenden Sorten sind. Nächste Woche soll mit der Ernte des Frühobstes begonnen werden. Der Kreis plant wiederunt für Herbst und Frühjahr größere Anpflanzungen, z. B. bei Großen-Linden, Lang-Göns, Langsdorf, Lollar, Wellersburg, Nieder-Bessingen und Nonnen- roth. (!) Klein-Linden, 31. Aust. In einer großen Aufregung befanden sich dieser Tage die Bewohner der Nachbarorte Lützellinden und Rechtenbach, waren doch zwischen beiden Orten im Felde zwei verlötete Blechbüchsen gefunden worden, die man für Bomben hielt. Rasch verbreitete sich das Gerücht in den Dörfern. Beim Oeffnen fand man in den Büchsen Geschosse, Patronenhülsen, Bleistücke u. dergl. Anscheinend handelt es sich um einen Scherz, den Soldaten dein: kürzlich hier stattgehabten Scharfschießen sich leisteten. A Steinberg, 1. Sept. Die Stammtisch-Gesellschaft „zum grünen Baum" gründete einen Turnverein, der bis jetzt 80 Mitglieder zählt. Die Geräte sind schon bestellt und kommen mit allem Zubehör bereits nächste Woche. t. Reiskirchen, 31. Ang. Der Landwirt, der vorige Woche wegen schwerer Blutvergiftung nach Gießen verbracht wurde, ist heute gestorben. — Bad-Nauheim, 31. Aug. Bis zum 30. Aug. sind 2 5 2 0 7 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 4609 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 30. Ang. 1906 333 445 abgegeben. I A u s der W e t t e r a u, 31. Aug. Ein Zeichen dafür, daß das st a a t l i ch e Wasserwerk für Oberhessen rasch gefördert werden soll, ist es, daß die Wetterauer Orte, die sich dem Werk anzuschließen beschlossen haben, mit der Herstellung der OTtslcitung und Hochbehälter schon im September beginnen werden. Es sind dies die Orte Berstadt, Södel, Schwalheim, Dorheim und Melbach. Spätestens im Frühjahr werden die Orte mit Wasser von Lauter versehen sein. — Der Arbeiter Scheid aus Bellers- h eint geriet mit dem Arm in die Dreschmaschine und wurde schwer verletzt. — Die Gemeinde M'ünster, Kreis Friedberg, kaufte vom hessischen Staat 26 Morgen Wiesen am Fuße des Taunus im Jscltal für 15 000 Mk. sd. Darmstadt, 31. Äug. Der hiesige Bierkrieg geht seinem Ende entgegen. Die meisten Brauer haben den alten Verkaufspreis wieder bewilligt, andere fakturieren die Rechnungen auf die erhöhte Summe von 18 Mk., lassen sich aber nur 17 Mk. zahlen. Nur noch wenige wollen nicht nachgeben. Um nun auch hier bald Klarheit zu schaffen, haben die Gastwirte in einer heutigen Versammlung folgende Resolution beschlossen: Die heute stattgehabte allgemeine Wirteversammlung beschließt, in energischer Weise darauf zu dringen, daß alle Brauereien die früheren Bierpreise wieder einführen. Sollte die Brauereivereinigung nicht freiwillig darauf eingehcn, so werden alle Kollegen aufgefordcrt, nur den früheren Einkaufspreis zu zahlen und zwar so lange, bis die Brauereien die Bierlieferungen einstellen. Die Kommission soll weiter energisch für die durch Ehrenwort versprochenen Entschädigungen der geschädigten Wirte durch die Brauer ein treten. R.-B. Darmstadt, 1. Sept. Hofbuchdrucker Karl Wittich, der Mitinhaber der alten renommierten 2. (£. Wittich- schen Hofbuchdruckerei (Tageblatt-Verlag) feierte heute sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Das Gesamtpersonal der Firma ließ dem Jubilar durch Chefredakteur Dr. Waldnestel eine kunstvoll ausgestattete Adresse im Prachtrahmen überreichen. 0 Marburg, 30. Aug. Mehrfache Schwindeleien hat hier ein junge? Mädchen in ländlicher Tracht aus dem nahen Dorfe Schröck verübt. DaS Mädchen vermietete sich, nahm den Mietstaler in Empfang und ließ sich nicht mehr blicken. Eine Reihe von Fällen sind zur Anzeige gebracht und das Mädchen sitzt hinter Schloß und Riegel. Da es sich kürzlich auch einige Zeit in Gießen aufgehalten hat, wird vermutet, daß es vielleicht dort in ähnlicher Weise die Herrschaften geprellt hat. — Die Zahl der Geburten im Kreise Marburg vom Jahre 1905 betrug 1680, die der Sterbefälle 416, der Totgeburten 64; Ehen wurden 416 geschlossen. vermischte». • Eine Seuche unter den Gänsen wird den „Hamburger Nachrichten" aus der Kellinghusener Gegend gemeldet. Das bakteriologische Institut für Tierseuchen in Kiel hat sich mit der Angelegenheit befaßt und folgendes festgestellt: Nach eingegangenen Meldungen sind in vier verschiedenen Gegenden von den angekauften Treibergänsen bald nach dein Ankauf ein Viertel bis ein Drittel aller Tiere gestorben. Die Gänse zeigen nach dein Bericht des Instituts einen oder einen halben Tag vor dem Tode Mattigkeit, folgen der Herde nicht, liegen viel, können sich schwer erheben, schlagen mit den Beinen und dem Kopfe, taumeln beim Gehen und verenden unter allgemeinerAbgeschlagenheit. Die Federn der gefallenen Tiere sind in der Umgebung des Afters mit Kot besudelt. Die Luftsäcke und die wichtigsten inneren Organe waren mit graugelblichen Häuten bedeckt, die sich leicht abziehen und mit den Fingern zerreiben ließen. Die mikroskopische Untersuchung ließ im Magen- und Darmschleim viele 5 bis 10 Millimeter lange und y, Millimeter dicke Bandwürmer und im Darminhalt viele kleine Würmer erkennen. Durch Impfung non Hühnern, Tauben, Enten wurde nachgewiesen, daß es sich nicht um die Geflügelcholera handle. Will man sich also vor empfindlichen Verlusten sichern, so ist beim Ankauf sehr große Vorsicht geboten. Sehr wesentlich ist aber der Umstand, daß diese an Magenwürmern leidenden Tiere mit ihrem Kote große Mengen von Wurmeiern ausscheiden. Gelangen diese Eier ins Wasser, so gehen sie (nach Dr. Bugge) auf kleine Flohkrebse über, wachsen in kurzer Zeit zu Larven aus und können dann andere gesunde Gänse infizieren. * Da? „Liebessyndikat". Aus New-Pork wird berichtet: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die Enthüllungen über einen großen Heiratsschwindel der schönen MrS. Verrault, die als eine MrS. Hamilton auftrat, werden zwar immer abenteuerlicher, und man spricht von einem „Liebessyndikat", das diese menschliche Schwäche in ganz hervorragendem Maße auSzubeuten verstanden hat; aber die Sache nimmt doch eine Wendung, die die unbeteiligten Zuschauer in höchstem Maße amüsiert. Eine ganze Anzahl Börsenleute aus Wall-Street, Sportleute und andere Mitglieder der Lebewelt zittern vor Furcht bei dem Gedanken, daß auch ihr Name in Verbindung mit dieser jüngsten Affäre genannt werden könnte und sie damit dem Gelächter des Publikums preisgegeben wären. So hat man bisher nur drei Leute, die dem Schwindel zum Opfer gefallen sind, zur Aussage bewegen können. „Mrs. Hamilton" hat diese drei aber so lächerlich gemacht, indem sie ihre Briefe veröffentlichte, daß e§ keinen von den vielen anderen Düpierten gelüstet, wider die geriebene Schwindlerin zu zeugen. Die Angeklagte hat augenscheinlich alle ihre Korrespondenzen ausbewahrt und macht sich weidlich über die vielen „Bräutigams" lustig. „Was will man von mir?" sagte sie zu dem Richter: „sie wollten mein Geld, ich wollte ihres. Wir haben beide dasselbe Spiel gespielt; warum klagt man mich an, nur weil ich gewonnen habe? Das ist ungerecht. DaS heißt zweierlei Recht sprechen für Mann und Frau." Und dann erzählte sie die komischsten Geschichten über die Leichtgläubigkeit dieser Glücksjäger. „Der schlimmste von allen war Kießler. Stundenlang lag er vor mir auf den Knien und küßte mir die Hand. Wie leicht ist e§ doch für eine Frau, einen Mann zum Narren zu halten, wenn er eine Geldheirat machen will. Ich halte mich für eine Wohltäterin des Publikums, weil ich diese Leute hineingelegt habe, die in mir die reiche, törichte Frau vermuteten, die sie hineinlegen könnten. Sie waren zu komisch. Es gibt wirklich nichts so Komisches in der Welt wie einen Glücks- jäger . . Man begreift, daß diese Leute nicht allzu große Lust verspüren, in dem kommenden Prozeß als Zeugen aufzutreten . . . * Einen verzweifelten Kamps mit Adlern hatte ein Gemsjäaer Heß kürzlmi zu bestehen, als er in der Nähe von Engelberg (Untcrtvatbcn) ein Adlerneft ausnehmen wollte. Ungefähr 30 Meter von dem Neste entfernt, legte er seine Flinte fort, weile diese ihn am Klettern behinderte. Kaum hatte er fick» dem Neste genähert und wollte die beiden jungen Tiere herausnehmen, da schossen von einer Höhe die beide»; Alten herab und griffen den jungen Jäaer heftig an. 20 Minuten währte der erbitterte Kampf und schon verließen Heß die Kräfte, als es ihm gelang, dem männlichen Tiere einen tödlichen Stich zu versetzen, während das weibliche stoh. Obwohl Heß aus mehreren Wunden blutete, gelang es ihm doch, einige Stunden später mit seiner Beute Engelberg zu erreichen. * E i n T u n u e l durch d e n M o n t B l a n e. In der französischen Schweiz wird der Plan, einen Tunnel durch den Mout-Blane zu bauen, von neuem lebhaft erörtert. Man hat die Msicht, Le Fayet-St. Gervais in Frankreich mit Eermaggiore in Italien zu verbinden, wobei die vorhandene elektrische Bahn bis Chamonix benutzt und dann ein Tunnel durch den Mout- Blane von etwa zehn Kilometern n mqe gebohrt werden soll. Die Kosten des Baues werden auf 80 Millionen Mark geschätzt, und die Bauzeit ist auf sechs Jahre veranschlagt. Der Ingenieur Monod hat bereits die Konzession von den italienischen Behörden erhalten und verhandelt jetzt, wie die Pariser Blätter melden, mit den französischen. * Neues vom Serenissimus. Bei einer Rundreise durch sein Ländchen läßt sich Serenissimus auch auf ein huldreiches Gespräch mit einem Bauern ein. Der erzählt ihm, daß er mit großen Schwierigkeiten bei der Ernte zu kämpfen habe, da der Boden seiner Felder sehr sumpfig und moorig sei. — „Aeh, lieber Kindermann," luenbet sich Se. Hoheit an seinen Reisebegleiter, „wirklich bedauerliche Zustände, aber gibt doch ganz einfaches Mittel dagegen, verstehe nicht, warum— äh — pflastern die Leute nicht solche Wiesen?" — Universitäts-Nachrichten. — Prof. Drude's Nachfolger. Wie uns aus Würzburg gemeldet wird, hat der ordentliche Professor der Physik und Direktor des vhnsikalischen Instituts an der dortigen Universität, Dr. vhil. Wilhelm Wien, einen Ruf in gleicher Eigenschaft an die Berliner Universität als Nachfolger von Prof. Dr. P. Drude erhalten. Geboren am 13. Januar 1864 zu Gaffkcn bei Fischhausen in Ostpreußen, besuchte Wien das Gymnasium in Rastenburg und in Königsberg i. Pr., studierte von 1882—1886 in Göttingen, Heidelberg und Berlin Mathematik und Naturwissenschaften und promovierte am 3. Februar 1886 an der Friedrich-Wilbelms-Universität mit der Arbeit: „Untersuchungen über die bei der Beugung deS Lichtes auftretenden Absorptionserscheinungeu." 1890 wurde er Assistent an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Eharlotteuburg und habilitierte sich 1892 als Privatdozent für Physik an der Berliner Universität. 23ier Jahre später folgte Wien einer Berufung als a. o. Professor an die Technische Hochschule zu Aachen. Am 1. April 1899 wurde er ordentlicher Professor in Gießen an Stelle von Prof. Dr. Otto Wiener (jetzt in Leipzig) und Ostern 1900 Ordinarius in Würzburg als Nachfolger Roentgens, der nach München übersiedelte. Im Studienjahr 1902/03 war Prof. Wien Dekan der Würzburger philosophischen Fakultät. Einen Ruf an die Universität Leipzig lehnte der siselehrte int Jahre 1903 ab. Er veröffentlichte ylbhandlungeu aus dem Gebiete der Optik, über Anwendung der mechanischen Wärmetheorie auf die Theorie der Strahlung, über Hydrodvnamik, Wärmelehre, Entladungen in verdünnten Gasen, Elektrodynamik, Kathoden- und Roentgcn- ftrahlen, ferner ein „Lehrbuch der Hydrodynamik 1900. Prof. Wien ist Ehrenmitglied des physikalischen Vereins in Frankfurt am Main. Z»pitlplan des Großherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim. Direktion Herma un Stein goetter. Montag ben 3. September: „Die golbene Eva." Lustspiel in drei Akten von F. v. Schönthan und Kovpel-Ellfelb. Mittwoch beit 5. (September: „Ter Veilchenfresser." Lustspiel tu vier Akten von G. v. Moser. Freitag ben 7. September: „Ter Schlaiwagen- kontrolleur." Schwank in brei Akten von Bisson. Deutsch von B. Jacobsen. Samstag bett 8. September : „Der Schwabenstreich." Lustspiel in vier Akten von F. v. Schönthan. Sonntag ben 9. September: „Im weißen Rößl." Litstspiel in brei Aufzügen von Oskar Blumenthal itnb Gust, stabelburg. Landwirtschaft. (P.) Aus dem Kreise Wetzlar, 31. Aug. Seit den. letzten Tagen ist bei uns die Grummeternte flott im Gange, und sind in manchen Gemeinden die meisten Wiesengründe schon gemäht. Der Ertrag ist an Menge und Güte ganz vorzüglich, sodaß die Böden und Schober kaum hinreichen, den Segen zu bergen. Die lVchaelegenen i'ooeu. dörren Wiesen, liefern infolge der großen Sommerseuchtigkeit ganz besonders große Erträge, was übrigens schon auf den 1. Grasschnitt zutraf. Da auch die übrige Ernte überaus reichlich ausgefallen ist und auch die Hackgewächse gute Ertröae versprechen, so halten sich die Viehvrene aus ihrer frob< irr sind sonor noch etwas gestiegen., Gerichtssaal. Hannover, 31. Aug. Tie Strafkammer verurteilte den Invaliden Gilewskv, welcher wegen des Nichterscheinens einer Amnestie anläßlich der Silberhochzeit des Kaiser- Paares beleidigende Aeußerungett über den Kaiser Wilhelm hatte fallen lassen, iücqen Majestätsbeleidigung zu neun M o n a t e rt Gefängnis. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. Vom Kohlen syndikat. Das Kohlensyndikat ist in der letzten Zeit wieder lieserungsfähkger geworden. Hamburger Mitteilungen zufolge werden die dortigen Großabnehmer wieder regelmäßiger versorgt. Die Hamburg-Amerika-Linie empfängt seit einiger Zeit die vertragsmäßigen Mengen. Für den Inlandsbedarf hat das Kohlensyndikat neue Abschlüsse in englischer Kohle nicht mehr gemacht, mir die Ausfuhr wird bis,auf weiteres damit bestritten. Die Vereinbarungen mit dem Deutschen Kohlendevot auf Ersatz der Lieferung deutscher Kohle für die englische läuft zunächst noch bis 1. Dezember. Wiederaufbau von Valparaiso. Es h'ißt, die chilenische Regierung unterhandle mit einem französischen Syndikat, das den notwendigen Betrag zum Wiederaufbau Valparaisos vorstrecken will- Der Schaden soll 100 Mill. P^sos betragen. Budavest, 31. Aug. Das ungarische Ackerbauministerium veröffentlicht eine Schätzung für das Welt ernt e-Ergebnis dieses Jahres. Danach weisen die exportierenden Staaten folgendes Erträgnis aus: Weizen 687, Roggen 217, Gerste 209, Hafer 329, Mais 931 Millionen Doppelzentner. Hiervon waren an die importierenden Staaten abzugeben: nn Weizen 166, Roggen 6. Gerste 36, Hafer 25, Mais 90 Millionen Doppelzentner. Das Gesamterträgnis der Welternte wird beziffert für Weizen auf 949 (i. V. 926), Roggen auf 382 (394>, Gerste auf 315 (307), Hafer auf 527 (534) und Mais auf 987 (917) Mill. Doppelzentner. Die Weltvorrätd von der vorange.gange.uen Ernte, betragen an Weizen 49, Roggen 5, Gerste 5, Hafer 19, Mais 13 Millionen Doppelzentner. Demgegenüber beträgt der tatsächliche Weltbedarf für das Ialw 1906/07 an Weizen 923, Roggen 404, Gerste 318, Hafer 537 und Mais 952, zusammen 3160 Millionen Doppelzentner. Somit stellt sich der Ueberschuß in allen Getreidegattungen zusammen auf 110 bis 120 Millionen Doppelzentner. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 31. Aug. fteu« unb S tr o h- markt. Man notierte: Heu Mk. 2.70 bis 3.10. Stroh Mk. 2.50 bis Mk. 2.70. Alles per 50 Kilo. Tenbenz: fest. Meteorolostiscke Beobachtungen der Station Gießen. Vo Angnst September 1906 Wetter 31. 9« 7533 24,8 11,4 49 SSW 4 Sonnenschein 31. 9,& 752,9 15.4 11,5 88 SW 2 KlarerHimmel 1. rpt> 753,4 12,8 9,2 85 N 4 Sonnenschein Höchste Temperatur am 30.—31. August — 4- 24,9 0 C. Niebrigste „ „ 30.—31. August = + 6,9° C. Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse, 1. September, 1.15 Uhr. 3XA5L Beichstmleihe . . 98.85 Elektriz. Lahmeyer . . . 141.90 3% do. . . 87.00 3 A °l0 Konsols .... 98.85 3?6 do.....87 10 3^°/n Hessen.....— 3%°/n Oberbessen . . . —.— 4% Gestern Goldrente. . 100.10 47$ 9« Gestern Silberrente 100.25 4% Ungar. Goldrente . . 95.10 4$o Italien. Rente . . . 103.35 3% Portugiesen Serie T . 70.00 3% Portugiesen „ III 70.60 4xA°(ft russ.Staatsanl. 1905 86.00 4K\ japan. Staatsanleihe 94.20 4% Conv. Türken von 1903 96.30 Türkenlose......147.00 4% Griech. Monopol-Anl. 54.80 4 % äussere Argentinier . 89.75 3°/0 Mexikaner .... —.— 4X% Chinesen .... 97.75 Aktien: Bochum Guss . . . . . 248.00 Buderus E. W .... 126.20 Tendenz: fest. Berliner Börse, 1. Cauada E. B......175.10 Darmstädter Bank . . 141.50 Deutsche Bank .... 240.20 Dortmunder-Union C. . . 8410 Dresdner Bank . . . . 160.00 Tendenz: still. Elektriz. Schlickert . . . 126.00 Eschweiler Bergwerk . . 256.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 228.50 Hamburg - Amerik. Paketf. 162 25 Harpener Bergwerk . . . 215 80 Laurahütte...... 245.50 Nordd. Lloyd.....130,40 Gberscliles. Eisen-Industrie 133.00 Berliner Handelsges . . 172.25 Darmstädter Bank . . .141.60 Deutsche Bank . . . 239.50 Deutsch1-Asiat. Bank . . 175.00 Diskonto-Kommandit. . . 185.75 Dresdner Bank . . . 160.20 Kreditaktien .... 212.00 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . 119.80 Gotthard bahn.....—.— Lombard. Eisenbahn . . 34.10 Gestern Staatsbahn . . . 144.90 Prince-Henri-Eisenbahu . 145.00 September. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 215.10 Laurahütte ..... 245.20 Lombarden E. B. ... 34.00 Nordd. Lloyd.....130.10 Türkenlose.....145.70 Die nach- * amrIa sind Sonntag, den 2 Sept, von stellenden fivl Alu 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts sicher anzutreffen. Dr. Richter, Frankfurter Str. 4. — Dr. Stnhl. Bahnhofstr. 24. Sonntag 4—9 Uhr 488' Nur Hirsch-Apotheke offen. Vorsicht ist geboten wertigen Waschpulvern. 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Mill, der vorangegangMn Ernte Gerste 5, Haier 19, Mais legenüber betrat der tat- 1906 07 an Weizen 923, und Mais 952, Zusammen it stellt sich der llebcrschust nif HO bis 120 Millionen 4 Sonnenschein Klarerhinune! ,anribntto , ß, ■tirken*09®' ldeux r r> >>'L-Kr __2 011 ^skar l'' 31. Aua -• "Ute fl0tt im R?'t den l^e»9timbfe- und ■ ®^tc gcif J. 9?» ''"reichen den 5Mch, :eriMen 9f0 S*l|t ""d T?^'des^L NZZW ien^n- .1U1, eptember, I-1» Uhr' 141.9ö rit Lahmeyer • ■ • ^g.OO riz. Scbnckert . ■ • 256 25 reiler Beiwerk. • nkirchen Bemerk lor-A^'V 3158ö euer Bergwerk. • ^50 ihiitte • • • • 130.40 .„er Ha«»«'«63 ' ; „160 „tätet B»» • _ 2M.,0 whe Bank • j 79.00 ;,äh-A8iat Bank • _ 185.75 nnto-Kommandit- 160.2O ‘*r B.-k ■ ; ; 212.00 jiflentahn • , , -*• UbatäbaBn bu , . . Heu- 1111 b Strobis 3.10. 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