Nr. 178 Erscheint täglich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- bruderei. R. Lange. Redaktion, Erpeditton und Druckerei: Schulstraße 7. Redaktion 112 Verlag n.Exped.^^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt 156. Jahrgang Mittwoch 1. August 1906 EietzenerAnzeiger 5 General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich7bPs^ viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen nwnaklich 6o Pf.; durch diePost Alk.2.— viertel- jährl. auöschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnninlner bis vornrütags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokall2Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich tüt den polit. und allgern. Teil: P. Witt ko: für »Stadt und fianb* und ^Gerichtssaal": Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanSBeck. Ire heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Aischer-TippclsKirch und IuttKarner. Der Kaiser hat am Dienstag seine Nordlandreise beendet und ist in Swinemünde eingetrofsen. Seine Gäste sind von S. bereits abgereist. Am nachinittag trat aus der .Iduna" die Kaiserin in Swinemünde ein. Der Kaiser findet bei seiner Heimkehr viel Unerquickliches vor. In erster Linie den neuen Kolonialskandal. Das Wort Skandab ist scharf, zumal auf deutsche Verwaltungszustände bezogen. Aber man weiß beim besten Willen keinen anderen, milderen Ausdruck. Wir sind überzeugt, daß der Kaiser selbst solchen tief bedauerlichen Vorkommnissen gegenüber, wie der Affäre Major Fischer-Tippelskirch, die gleiche Bezeichnung für am Platze hält. lieber die Beziehungen dec Firma TipHelskirch u. Co., EquiHiernngsgeschäft für KolonialtruHpcn, zu verschiedenen ©teilen, ist in der letzten Reichstagssession viel gesprochen Ivvrden. Das „Konto hat Redakteuren Strafen wegen Beleidigung eingetragen, die Regierung ist vom Reichstag aufgefordert Nwrden, die Vertrüge mit der Firma sofort zu lösen, aber sie hat es nicht getan, denn die Firma TippelsLirch u. Co. verlangte pro Jahr eine Viertel Million Entschädigung. Major Fischer, der überschuldete Offizier, hat von einem Teilhaber der Firma Tippelskirch sehr hohe „Darlehen" erhalten. Man hat sich also ein Hintertürchen offen gehalten und es wird nicht ganz leicht sein, dem Major nachzuweisen, daß er wegen dieser Darlehen die Firma besonders begünstigt hat, zumal die Firma von Reichs wegen schon mehr als gut begünstigt war. Noch schwerer würde es sein, dem splendiden Darlehnsgeber der Firma den Dolus nachzuweisen. In dieser Angelegenheit gibt es unzweifelhaft drei „Schuldige". Eirnmal den Major Fischer. Es ist schändlich, daß ein Offizier sich unter solchen Umständen Geld lechen läßt; aber ein Milderungsgründ ist vorhanden: die brillante Gelegenheit. Und damit kommen wir zu dem Hauptschuldigen: der Firma Tippelskirch il Co. Rian ist geneigt, im allgemeinen den Hehler für schlechter zu halten als den Stehler. Die moralische Hauptschuld in diesem -traurigen Fall trägt die Firma Tippelskirch, die fortan mit dem Stigma der feilen Bestechung vor der Oefsent- lichleit gebrandmarkt ist. Unter Ausnützung der finanziellen Notlage eines Offiziers hat diese Firma ihre schlechtere Ware für teuereres Geld an die Schutztruppe verkauft. Die Firma hat Millionen vom deutschen Reiche verdient. Trotzdem hat sie aus Geldgier einen armen bankerotten Offizier mißbraucht. Der dritte Schuldige ist der Staat oder vielmehr die Verwaltung der Schutztruppe. Hatte man an dieser Stelle keine Kenntnis von prekären Verhältnissen öes Majors Fischer? Sonst ist man doch in der Regel wohlunterrichtet über die Verhältnisse der Offiziere. Wußte man's, dann durfte man den Mann an der Stelle nicht belassen, ihn der Gefahr aussetzen, der er erlegen ist. Gewiß darf man annehmen, daß ein Ofsizier sich zu dergleichen Dingen nicht hergibt, aber die Probe sollte man lieber nicht machen, denn auch ein Offizier kann eine schwache Stunde haben, besonders wenn er sich in ständigen Geldverlegenheiten und in familiären Wirrnissen befindet. Major Fischer gehörte nicht auf diesen Posten, und die Schuld. an den traurigen Vorkommnissen tragen die mit, die ihn auf diesem Posten belassen haben. Was wird nun geschehen? Es ist eine Forderung, die in der gesamten Oeffentlichkeit erhoben wird, daß die Meichsregierung die Beziehungen zur F-irma Tippelskirch it. Co. sofort ab bricht, und zwar ohne jede Kündigung. Dazu liegt eine Handhabe vor, denn die Firma hat sich tzegen Treu und Glauben vergangen und in solchem Falle dürfte nach dem bestehenden Recht ein sofortiges Zurücktreten vom Vertrag wohl möglich sein. Daß die Firma dabei schiuere Verluste erleidet, kann nicht in Betracht ge- Fvgen werden; die Firma hat auch widerrechtlich schweren Gewinn in die unergründlichen Taschen gesteckt. Zum anderen muß man von den maßgebenden Stellen fordern, daß sie alle Konsequenzen aus diesem traurigen Fall ziehen. Es wird sich fragen, ob nicht das Reich selbst die Fabrikation der Equipierungsgegenstände in die Hand nehmen kann. Und zum dritten und Hauptsächlichsten: es muß dafür gesorgt werden, daß an derartig exponierten und gefährlichen TPosten, wie der des Vorstandes der Bekteidunasabteilung es ist, nur Offiziere sich hesiuden, an die sich die Bestechung nicht heranwagt, weil sie Bestechungsgelder nicht nötig haben. Unsere Reichsregierung ist wieder einmal um eine bittere Erfahrung reicher — wenn sie die Nutzanwendung zu ziehen versteht, die sich aus diesem Fall ergeben, wird man sie leichter verschmerzen können. Auf das Eingreifen des Kaisers wird es zurückgeführt, daß jetzt die Untersuchung auch auf den unmittelbaren Vorgesetzten des Majors Fischer, den Chef des Stabes beim Oberkommando der Schutztruppe, Oberst Ohne sorg, ausgedehnt worden ist. Dem Obersten, der, nebenbei be- auch außeretatsmäßiges Mitglied des Reichs-Militärgerichtes ist, wird mangelnde Kontrolle seines Untergebenen zum Vorwurf gemacht. Das Verfahren gegen den Major Fischer ist, wie die ^ägl. Rundfch." erfährt, auf die Anze ige eines Herrn Diettrichs eingeleitet worden, der vier Jahre bei der Firma Tippelskirch beschäftigt war. , Die Untersuchung gegen den Gouverneur v. Puttkamer geht ihrem Ende entgegen. Es ist eine große Reihe Zeugen zum Teil eidlich vernommen worden, sodaß die Haupt- perhandlung vor dem Disziplinarhos in Potsdam in nicht allzu ferner Zeit zu erwarten steht. Das bisher geführte Verfahren hat ergeben, daß Herr v. Puttkamer seiner früheren Freundin einen falschen Reisepaß unter dem Namen einer Freiin von Eckhardtstein ausgestellt hat. Wie festgestellt ist, hat Herr v. Puttkamer jene Dame im Jahre 1896 als Fräulein Ecke kennen gelernt. Er wußte auch, daß sie damals zur Bühne gehen wollte und unter dem Namen Eckhardt öffentlich aufzw treten gedachte. Was ferner den zweiten Teil der gegen Herrn v. Puttkamer geführten Disziplinaruntersuchung betrifft, so ist, wie verlautet, bclvicscn, daß der Gouverneur sich im Besitz von Ehrenanteilscheinen gewisser Kameruner Gesellschaften befindet. Diese Ehren- anteilfcheine haben nichts voraus gegenüber anderen au’ einen Anteil an Gewinn ausgestellren Scheinen. Sollte der Disziplinarhof zu Ungunsten von Puttkamer erkennen, so wird dieser, wie von einem alles wissenden Berliner Lokalpresse jeltsamerweise kühn versichert wird, noch am selben Tage eine hoch dotierte leitende Stellung in einer der afrikanischen Gesellschaften einnehmen, die ihm als Gouverneur von Kamerun nahe gestanden haben!! politische Tagesschau. Eine Rüge des bayrischen Ministeriums durch einen Prinzen. In der Kammer der bayrischen Reichsräte spielte sich am Dienstag ein hochdramatischer Vorgang ab. In Gegenwart seines Vaters, des Generalfeldmarschalls, und seines OheimS, des Thronfolgers, richtete der jugendliche Prinz Georg von Bayern an die Negierung die Frage, ob sie in der Tat gesonnen sei, den Landtag zur Nachsession einzuberufen. Minister Graf Feili tzsch wiederholte die jüngst in der Kammer abgegebene Erklärling, daß die Regierung aus rein sachlichen Gründen, ohne einer Partei nachzugeben, den Landtag zu einer beschränkten Nachsession zur Erledigung des Wassergesetzes einberufen wolle. Prinz Georg erklärte, die Haltung der Negierung in dieser Frage sei zu mißbilligen. Die Negierung sei ftüher gegen eine Nachsession gewesen und würde mit Festigkeit viel erreicht haben. Die Kammer der Abgeordneten hätte dann eingesehen, daß sie schneller arbeiten müße. Mit Gewährung der Nachsession schaffe die Regierung einen bedenklichen Präzedenzfall, eine Prämie für einen schleppenden Gang der Landtags-Verhandlungen. DaS schrittweise Zurückweichen der Regierung sei ein Zeichen der Schwäche. Minister Graf Feilitzsch betonte im Namen des Gesamtministeriums, daß er sich einer Inkonsequenz nicht schuldig fühle und daß er die Mißbilligung nicht für berechtigt halte. E handle sich lediglich um die Fertigstellung eines einzigen Gesetzes in dieser Nachsession. Konsequenzen für die Zukunft konnten daraus nicht entstehen. Er müsse den Vorwurf der Schwäche ganz unenergisch als unberechtigt zurückweisen. Sämtliche Minister seien in dieser Sache einverstanden gewesen. Es ist nicht das erste Mal, daß bayerische Prinzen gegen die Regierung Front machen und auch nicht das erste Rial, daß sich die Spitze solcher Angriffe gegen die ausgesprochen klerikale Tendenz des Ministeriums richtet. Graf Feilitzsch, das eigentliche Haupt der bayerischen Regierung, wird wohl alsbald seine Entlassung am Hoflager des Regenten angeboten haben, denn seine Niederlage ist zu groß. Nicht einmal von dem dem Zentrum nabestehenden Mitgliedern des Hauses hat sich auch nur eine Stimme zu seinen Gunsten erhoben. Der Prinz wird ja wohl auch seinen geschickt geführten Vorstoß nicht anders als auf Verabredung mit den älteren anwesenden Mitgliedern des Königl. Hauses unternommen haben. Jedenfalls muß es als ein Unikum bezeichnet werden, daß der in 25 Negierungsjahren durch die wachsenden Schwierigkeiten weiß gewordene, vielgewandte Graf Feilitzsch schließlich im Neichsrat durch einen Königl. Prinzen in eine Lage gebracht wurde, in die ihn seine ärgsten Widersacher bisher vergeblich zu bringen trachteten. * Ein wichtiger Punkt für das neue Tierquälereigesetz. Der heutige Strafgesetzbuch-Paragraph (360, Ziffer 13) taugt nichts; denn er ist so verklausuliert, als wenn er nicht die Tiere vor Grausamkeiten, sondern die Tierqäler vor Strafe schützen sollte. Deshalb rufen die Tierschutzvereine nach einem bcfferen Gesetz. Dieses ist nun in Aussicht, wenn auch erst in ferner, weil doch die überlasteten und mißhandelten Zugtiere, die auf dem Transport oder beim Schlachten gequälten Schweine und Kälber, kurzum, weil doch alle die vielen Hunderttausende geplagter Tiere in einem Kultnrstaat nicht erwarten dürfen, daß die Vorarbeitungen und Beratungen zu einem humanen Tierschutzgesetz so schnell erledigt werden, wie z. B. das Gesetz zur Einführuna der Fahrkartensteuer fast im Handumdrehen angeregt, beschlossen und eingeführt worden ist. Gut Ding braucht Zeit, und so geht die erste Eingabe auf Verbesserung des Tiergälereigesetzes schon bis in das Jahr 1877 zurück. Seit dieser Zeit „schwebt" die Frage, die .Ermittelungen sind im Gange", die .Vorarbeiten haben begonnen", doch sind die „Beratungen noch nicht abgeschlossen". Wenn es aber mal zu einem neuen und wirklichen Tierschutzgesetz kommen wirb, dann vergesse man den folgenden Punkt nicht: Dem heutigen Gesetz fehlt der Nachtrag, daß die Erlassung besonderer polizeilicher Vorschriften, welche im Rahmen des Tierqälereigefehes die Ver- hinderung von Tierquälereien bezwecken, gestattet ist. Die Recht- prechung vertritt nämlich allgemein die Ansicht, daß, wenn die Gesetzgebung eine Materie geregelt hat, sie damit dem Verordnungsrecht der Polizei entzogen sei. Aus diesem Grunde sind, weil heute die ausdrückliche Ermächtigung im Gesetze fehlt, die Polizeibehörden meist nicht in der Lage, gegen tierquälerische Unsitten mit Verordnungen einzuschreiten; sie können es nut da tun, wo durch die Mißbräuche auch Interessen der Menschen verletzt werden. Und das ist selten. Deutsches Reich. Berlin, 31. Juli. Anfang des Monats führte der Kaiser in Bergen an Bord der „Hamburg" mit dem französischen Deputierte n GastonMenier eine Unterhaltung. Dazu bringt der Pariser ,Matin" jetzt noch einige Nachträge: „Von einem Teile der Preffe wurden", so sagte der Kaiser, „meine Absichten, während die Marokko frage zur Erörterung stand, mißdeutet. Es ist befremdend, daß selbst hervorragende Blätter die wichtigsten Aufgaben mitunter ganz jungen Leuten anvertrauen, die gewiß nicht der bona fides, wohl aber der Erfahrung und der maßvollen Darstellung ermangeln. Der junge Journalist, welcher keinen staatlichen Befähigungsnachweis zu erbringen hat, sucht sich zuweilen durch Brandartikel bemerkbar zu machen". Als der Kaiser dann auf das in Gegenwart Meniers vor vier Jahren mit Waldeck-Rousseau geführte Gespräch zurückkam, erinnerte Menier daran, daß alles pünktlich eingetroffen sei, waS der Kaiser über Japan? KriegSvorbereitungen vorhergesagt habe, und der Kaiser fügte hinzu: .Japans Wcltstellung ist heute eine solche, daß man sich kaum wundern würde, plötzlich einen japanischen Admiral auftanchcn zu sehen, während die europäischen Großmächte über eine rein europäische Frage, zum Beispiel über die Zukunft Kretas, verhandeln." — Den Abendblättern zufolge wurde heute im Kaiserlichen Automobilklub eine Motorluftschiff-Studien- Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, deren Zweck die Förderung der Technik und der Anwendung von Luftschiffen, insbesondere von Motorluftschiffen ist. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Admiral Hollmann. — Bei den Verhandlungen des englischen Oberhauses über das Flottenbau-Programm hat, wie wir meldeten, der erste Lord der Admiralität behauptet, Deutschland, Frankreich und Amerika seien mit ihren Schiffsbauten in Rückstand geraten. Hierzu erfährt der ,Lok.- Anz." von unterrichteter Seite: Für Frankreich stimmt dies in gewissem Maße; was den Hinweis auf Deutschland anbelangt, könne von einer Nichterfüllung des Bauprogramms in diesem Sinne nicht die Rede sein, da vor einiger Zeit schon gemeldet werden konnte, daß der Bauauftrag für das Linienschiff .Ersatz Bayern" der Werft in Wilhelmshaven und der für den neuen großen Panzerkreuzer „Eder" der Werft in Kiel erteilt worden ist. — Dem Vizepräsidenten des Neichsbankdirektoriums, Dr. von Gallenkamp, der am 1. August in den Ruhestand tritt und bei seinem Abschied den Kronen-Orden erster Klasse erhielt, widmet der .Reichsanzeiger" folgende Worte: „Ter Name dieses hochverdienten, in Krieg und Frieden bewährten Beamten, ist mit der Geschichte der Bank imauslöschlich verbunden. Alle Geschäftszweige tragen Spuren seiner umsichtigen, umfassenden, rastlosen, bis zum letzten Tage feiner Dienstführung fortgesetzten Tätigkeit. Sein Scheiden bedeutet einen großen Verlust unb wirb als solcher nicht bloß von seinen bisherigen Mitarbeitern, ionbern von allen, bie mit ihm in bienstliche Berührung gekommen |inb, auch seiner unveränbert liebenswürdigen Formen wegen empfunden." — Die Germania bestätigt heute abend, daß im Reichstage eine Anzahl Abgeordnete der entscheidenden Abstimmung über das selbständige Kolonialamt fern geblieben ist, weil sich die Verhandlungen mit einem der in zweiter Lesung für Bewilligung der Forderungen eingetretenen Mehrheit angehörenden Parlamentarier wegen Eintritts in die Kolonialverwaltung zerschlagen hatten. — Polizeiliche Haussuchungen bei Anarchisten haben in jüngster Zeit wieder hier stattgefunden. Die Polizei will in Erfahrung gebracht haben, daß eine geheime Verbindung, die ihren Sitz in Zürich hat, auch auf Berlin ausgedehnt ist. In Zürich sollen bei einem Anarchisten Sprengstoffe gefunden worden sein, ebenso Adreffen, die das Einschreiten der Polizeiorgane an anderen Orten zur Folge hatten. Bei den BehauSsuchten wurden Druckschriften, Notizbücher u. s. w. beschlagnahmt. Einige Personen, bei denen man Haussuchungen vornahm, wurden auf dem Polizeipräsidium photographiert. Ausland. London, 31. Juli. Unterhaus. Unterstaatssel'retär Churchill erklärte betr. Transvaal, daß nach Ablauf der ersten Parlamentssession auch die Mitglieder der zweiten Kammer aus Wahlen Hervorgeyen sollen, daß die Parlamentsmitglieder Gehalt beziehen sollen und daß nur Männer das Stimmrecht haben sollen. Sir Alfred Lyttelton verurteilte die Vorschläge der Regierung, die er als unglücklich und unopportun bezeichnete. Der Redner forderte die Regierung auf, ihr Augenmerk auf die allgemeine Lage in Südafrika und aus die Gefahr von Rassenkämpfen zu richten, und wies dann auf die Wahrscheinlichkeit einer holländischen Mehrheit in der Kapkolouie und auf die Lage der Eingeborenen hin. Im Da- maralanbe befänden sich außerdem 15000 Mann d eut- cher Truppen nebst einer beträchtlichen Anzahl von Bnren- freiwilligen. Redner kam dann auf die im Mai dieses Jahres im deutschen Reichstage erfolgte Ablehnung des Eisenbahnbaues und auf das Anerbieten der deutschen Regierung zu sprechen, im Falle des Baues der Bahn 5000 Mann zurückzuziehen. Er führte darauf aus, die Anhänger der Friedens- und Sparsam- keckspartn in Deutschland hätten hervorgehoben, daß jener Vor- chlag der deutschen Regierung besage, daß 5000 Mann mehr an Truppen in Damaraland standen, als zur Bekämpfung der Hereros notwendig seien. Obgleich er jetzt nicht behaupten wolle, daß die Truppen dort zu unfreundlichen Zwecken wären, wäre es doch wichtig, in Betracht zu ziehen, daß, falls Streitigkeiten in Europa entstehen sollten, die Anwesenheit einer derartigen Truppenmacht ein Faktor wäre, der nicht außer acht gelassen werden dürfte. Sir Charles 7000—20000 aus hat, wie seither. Aus StaSt utto Cuno. verwendeten Braustoffe einem Brauereibetrieb in den von „ dem Neste Beispiele dienen: Malz Mk. von von 576,625 Mk. 4000 5000 6000 7000 97—121 112—140 ersten folgenden 2 2 7 3 — 1000 = 1125 = 2500 33— 39— 45— 53— 3000- 4000— 5000— 6000— tragen möchten. Das seither gültige Gesetz vom 31. Mai 1872 und das erwähnte neue Gesetz bemessen die Steuer nicht nach dem fertigen Bier, sondern nach der Menge der zu seiner Herstellung Firma vorgekommen sein. sd. Darmstadt, 31. Juli. In einer heute abend abgehaltenen von ca. zweihundert Wirten von Darmstadt und Umgebung besuchten Versammlung, in der auch Vertreter des Brauerverbandes anwesend waren, welche erläuternde Aufschlüsse gaben, wurde nach eingehender lebhafter Debatte folgende von dem Vereinsvorstande vorgeschlagene Resolutiorr gegen eine Stimme angenommen: nötigen Braustoffe. Während ober das frühere Gesetz für Gerstenmalz nur einen einzigen Steuersatz — 4 Mk. vom Doppelzentner kannte, ist die Steuer durch das neue Gesetz nach der Menge 42 48 57 67 Telegraphenagentur: DieMcuterei im Hafen ift unterbrüeft emtuben ist von den Truppen besetzt. Der, Stadtrat ermahnt in einer Bekanntmachung die Bevölkerung, sich ruhig zu verhalten und die Behörden bei den Bemühungen zu unterstützen, Ruhe und Ordnung ausrecht zu erhallen. _____ sie hysterisch beanlagt ist. . sd. Darmstadt, 1. August. Heute vormittag hat sich der 20jährige Mechaniker Wilhelm Halmel in seiner Woh- nung in der Karlstraße einen Revolverschuß in den Kopf beigebracht. Das Motiv der Tat soll Liebeskummer sein, an dem Aufkommen des jungen Mannes wird gezweifelt. — lieber die Ursache, die den Buchhändler Adalbert Pfeiffer, (s. ii. Stadt u. Land) zum Selbstmord trieb, wird solgendes- bekannt: Pfeiffer war seit langen Jahren Vertreter der Annoncenexpedition Hasenstein & Vogler und es sollen. seit einiger Zeit Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung mit dieser Gießen, den 1. Aug. *• Personalien. Otto Simon aus Kronberg i. T. wurde zum Zeichner bei dem Grundbuchsbureau des Kataster- mit jährlichem Verbrauch an Braustoffen vonDoppel- zentner über 2000— 3000 folgenden 250 500 restlichen 1000 des im Jahre von abgestuft, daß sich für die kleinen Brauereien geringere Steuersätze ergeben als für die größeren. Nach § 6 des Ge- d) Ein Betrieb mit 60 000 Doppelzentner jährlicher Malzverwendung, über welche Menge nach der von der Zentralstelle für die Landesstatistik alljährlich veröffentlichten Uebersicht über die entrichteten Steuerbeträge (s. S. 327 der Mitteilungen für 1905) keine hessische Brauerei hinausgekommen Erzeugung eines Hektoliters Bier zu 22 Kilogramm an, so stellt sich die Steuererhöhung auf 100 Liter in den Ausstand getreten waren. Ferner wurde dort von einem Unbekannten eine Bombe in einen Laden geworfen, wobei em Angestellter verletzt wurde. Eine entschliche Meuterei aber wird aus einer finnischen Garnison gemeldet, aus der Festung Sweaborg. In der Nacht von Montag auf Dienstag brach sie aus. Es wurde zunächst, was die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, Gewehrfeuer, Kanonendonner und Geschrei gehört. Verwundete wurden in Booten von der Festung fortgeschasst. Die Artillerie ging zu den Aufruhrern über und b e s ch o ß d i e Infanterie, welche der Regierung treu blieb, mit Kanonen. 5 0 0 M a n n wurden getötet oder verwundet. Es verlautet, daß ein großer Teil der Festung in den Händen der Aufrührer i’*1'. In Skatuden, dem Stadtteil von Svcaborg, in welchem sich die Kasernen befinden, brach am 31. Juli früh ebenfalls eine Meuterei aus. Die Offiziere wurden gefangen genommen, einer getötet und einer verwundet, worauf die Soldaten selbst gewünscht haben. . △ Butzbach, 31. Juli. Ein Soldat des hiellgew Bataillons desertierte heute nacht, nachdem er sich vorher durch Einbrüche in einen Neubau und in eine Steinmetz- merkstätte mit der nötigen Zivilkleidung versehen hatte. Seine Uniform fand man morgens in dem Neubau, Mütze und Seitengewehr an der Steinmetzwerkstätte. — 3n ^ec erwähnten Diebstahlsaffäre eines zwölfjährigen Jungen fanden gestern umfangreiche Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft statt, wobei der Sohn einer Obsthändlerswitwe gestand, noch einen Teil des von dem Knaben erhaltenen Geldes zu besitzen, lieber 300 Mk. wurden denn auch noch bei ihm vorgefunden. Einen großen Teil des Geldes hatte der junge Mann für Baumaterialien ausgcgeben, um, wie er erklärte, ein Gewächshaus zu errichten. Das ■ Nachsuchen an der Stelle seines Gartens, wo Bausteine und Sand angefahren waren, förderte Waffen, Beile, Haus- und Küchengeräte aller Art zutage. Man hatte es hier offenbar ■ * ' 1 "t tun. Iic Mäne Stolypins. Heber eine Woche ist seit der Auflösung der Duma ver- ifloffen und an Stelle der gefürchteten revolutionären Be- roegung herrscht verhältnismäßig Ruhe. Petersburg selbst ist ruhiger als zur Zeit der Duma. Das ist natürlich, da die meisten Zeitungen inhibiert und Versammlungen verboten sind. Die Opposition kann nur auf konspirativen Versammlungen oder im Freundeskreise zur Geltung kommen. Mur fünf oder sechs Zeitungen haben die Möglichkeit, zu erscheinen. Der Arbeiter, der noch in der letzten Woche die Wahl zwischen fünf oder sechs billigen Blättern hatte, muß -jetzt entweder das dreifache bezahlen oder ganz und gar ohne Zeitung bleiben. Es gibt wohl Versammlungen, aber es sind Geheimversammlungen, die jeden 9(ugenblicf der Auflösung ausgesetzt sind. Petersburg ist sehr still, die lärmenden Rednerstimmen schweigen, eS ist, als ob die Duma nie dagewesen märe, und Stolypin kann ziemlich zufrieden sein. Seine Chancen, sein Programm durchzusetzen, sind an- scheinlich nicht schlecht. Sein Ideal ist eine bis jetzt unerprobte Art von bureaukratischem De m okrat ismus; er will mit Hilfe des Kriegszustandes liberale Reformen durchführen. Die Duma war ein Hindernis, die Duma hat zu viel Lärm gemacht und der kluge Stolypin sieht ein, daß c§ viel vernünftiger ist, wenn die Regierung selbst die rechten Reformen durchführt. Nicht die Volksvertretung, sondern die Regierung soll Rußland eine Landreform und andere Wohltaten gewähren. Stolypin erkennt die Fehler feiner Vorgänger, hat von der Wahlkampagne und von der Duma gelernt, wie man es nicht zu machen hat, und will jetzt die negativen Resultate seiner Beobachtungen positivieren. In den letzten Tagen hat er versucht, für feine neue Aufgabe Helfer zu finden. Konstitutionelldemolraten waren nicht zu haben. Aber es gibt in Rußland eine Art von vernünftigen Liberalen, die die Menschenrechte hochschätzen, für weitgehende Reformen eintreten, aber mit gutem Rechte nicht prinzipiell überzeugt sind, daß in Rußland eine legislative Volksvertretung das einzige Mittel sei, die notwendigen Re- formen herbeizuführen. Es gab in der Duma einige Liberale, die durch einen bei der Auflösung verfaßten Aufruf bezeugt haben, daß sie die Stellung einer Volksvertretung im ruß'. Staatsleben zurzeit noch sehr gering schätzen. Dies sind Graf Heyden und Stachowitsch, denen sich der frühere Konsli- tutionelldemokrat Fürst Nikolas Lwow angeschlossen hat. Außerhalb der Duma sind die Hauptvertreter der Partei 500 . 5, belastung । Zahl der Srcvcrcien 10 6 Iie Aierstcuer in iljrer wahren Gestalt, In den Kreisen des nicht fachmännischen Publikums herrschen über die Erhöhung, welche die Biersteuer d»rch das mit dem 1. Juli d. I. in Kraft getretene Brausteuergesetz vom 3. Juni d. I. erfahren hat, noch vielfach unrichtige Vorstellungen, zu deren Klärung die nachstehenden Zeilen etwas bei» zusammen von 60000 „ . oder vom Doppelzentner durchschnittlich . . . ♦ • • 9,61 Mk. d. h. mehr wie seither 5,61 Mk. Für die Berechnung, wie sich diese Steuererhöhung für den Hektoliter fertiges Bier stellen, kommt es daraus an, wie viel Kilogramm Malz in der einzelnen Brauerei zur Her- stellung von 1 Hektoliter Bier verwendet werden. Nimmt man den durchschnittlichen Malzverbrauch zur ist, hat zu zahlen: von den ersten 5000 Doppelzentnern (siehe c) . 29,625 Mk. , „ folgenden 1000 „ 1000 . 8 = 8,000 , ' " 1000 „ 1000 . 9 = 9,000 „ * " restlichen 53000 „ 53000 . 10 = 530,000 „ ihr en Führer wählten. So melden finnische und schwäbische Blätter. Die offr- ziose Tel.-Ag. aber gibt folgende Darstellung: Am Montag abend brach in der Festung Sveaborg ein Ausruhr einer Pionierkomp^.gnie aus, bei”, sich eine Anzahl Artilleristen angeschlossen batte. Die Ausrührer bemächtigten uw Dreier detachierter Forts und eröffneten eine Kanonade auf die Festung, wobei es Tote und Verwundete gab. Die Garnison der Festung ist um zwei Kompagnien verstärk worden. Heute hat die Kanonade ausgehört. SVutc früh drangen in die Bureaus des .Hafens von Skatuden mehrere Dutzend Privatpersonen cm Die durch Matrosen mit Massen versehen worden^ waren Alsbald begann auch ein Aufruhr unter der $lottenmann = f d) art Eilig herbeigeholte Truppen isolierten das tion ben Meuterern besetzte Fort -Intuben von der stabt. Die Gebäude, in denen sich die Ausrührer verbarrikadierten, wurden von drei Kreuzern und Maschinengewehren beschossen. Um 5 Uhr nachmittags drangen die Truppen in den Hasen ein und entwaffneten die Insurgenten. In He lf i n a f o r § herrschte heute vormittag grobe Unru h e. Sie legte sich dann etroa^, aber in der Arbeiterbevölkerung hielt sie an. Arbeiter, die mit einem Zuge von Helnngfors gekommen waren, bemächtigten sich der Station Richimjaki und erklärten, sie würden keinen Militärzug passieren lassen. Aus Helsingfors meldet ferner bte Petersburger zusammen von 500 2125 Mk. d. h. vom DoppelzenMer durchschnittlich 4,25 „ oder gegen seither mehr 25 Pfg. werden also bei gleichbleibenden Verhältnissen von der Stciiererhöhung gar nicht getroffen; bei den 11 Brauereien, die mehr als 250, aber nicht über 500 Dz. Braustoffe verwendet haben, beträgt — wie oben gezeigt — die Mehrbelastung je nach der für das Hektoliter verwendeten Malzmenge höchstens 5—Pfg- für 100 Liter Vier, 18 Brauereien haben zwischen 500 und 600 Dz. Braustoffe verwendet, Mehrbelastung höchstens 13 16 Pfg« für 100 Liter Bier; eine Braustoffoerwendung zwischen 1000 und 2000 Dz. hatten 20 Betriebe, Mehrbelastung höchstens 21 bis 27 Pig., für die übrigen Brauereien stellt sich die Mehr- auf 100 Liter Bier wie folgt: ~ Mehrbelastung je nach bet für das Hktlt. verwendet. Malzmenge höchstens Pfg. 28— 35 Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die Steuer für oas Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen nach der Brailsteiiergemeinschaft eingeführte Bier (UebergangS- abgabe) seit 1. Juli d. I. von 2 Mk. auf 2,75 Mk. vom Hektoliter erhöht worden ist, so daß solches Bier nunmehr ür 100 ßrter 75 Pfg. mehr UebergangSabgabe zu zahlen zusammen von 2000 „ d. h. vom Doppelzentner durchschnittlich . . . . • 50,6 o Mk. oder gegen seither mehr 1,06 Mk. vom Doppelzentner. Zur Erklärung mögen folgende a) Eine Brauerei, die jährlich 500 Doppelzentner verwendet, hat dafür an Steuer zu zahlen: von den ersten 250 Doppelzentnern 250.4.— = 1000 Mk. „ „ folgenden 250 „ 250.4.50 — 1125 „ den ersten 250 Doppelzentnern „ folgenden 250 „ „ 500 „ , , 1000 „ , 1000 „ , 1000 v 1000 5041 le bezeichnete die Rede Lyttellons als höchst gefährlich und spottete über den Gedanken an den M a r s ch e i n e r d e u t s ch e n Streitmacht durch Namaqualand flBicn 31 Juli Die „N. Fr. Pr." verouentlicht I}cuti einen bodnntcrcfffinten Brief, den der Herzog Gr a an den Grafen Beuth gerichtet hat. Es heißt m die,em Briese vom 17. Juli 1870: „Wir sind n i ch t g e g e n D e ut f cy- Land, wir wollen nur den E h r g e i z P r e u ß e n s d a mps e n , bic ^imenfionen Preußens einschränken, und aus dem durcl' Preu- ißens Ehrgeiz h.-rvorgerusenen Zustand der Unruh.' h?rauskommcn. Wenn Sie uns Ijelfen, wenn Loie Italien gestatten, 70 000 Ma n n mach Bayern, 150 000 Mann nach Böhmen mar,chieren »ii lassen, so wird später der Vertrag in Berlin unterzeichnet imb Sie löschen mit einem ruhmreichen Schlage alle Crmncr= ungen an 1870. Nie wieder bietet sich Ihnen eine solche Gelegenheit, niemals werden Sie eine so ausrichtige Unter Nutzung ■finben, niemals toieber wird Frankreich s" gut bewaffnet und ausgerüstet fern/' Aus diesem Briefe geht hervor, daß Die Behauptung unrichtig fein muß, daß Kaiser Franz Jowf im Jahre 1869 den Franzosen ein Bündnis mit Deutschland vor- geschwgen ghat. Zick. Nachdem die Kor.seren; das Recht des Sultans auf ein T a b a k-Mo n o p o 1 anerkannt bat und Einsprüche fremder Fabrikanten vermeiden will, die sich mit großen Vorräten versehen haben, hat der Minister von Langer aus ein Rundschreiben an bas diplomatische Korps^ gerichtet, worin cr^ic Ausländer benachrichtigt, daß sie ihre Fabrikate bis zum Januar nächsten Jahres verkaufen müssen. Man glaubt, daß der Sultan verpflichtet werden wird. Schadenersatz zu leisten. Die bedeutendste Tabaksabrik gehört einem deutschen Hause. Schipow und Gutschkow. Sie sind diejenigen, die Stolypin helfen könnten, denn i sie glauben, Rußland fei nur ohne eine gesetzgebende Volksvertretung zu retten. Mit ihnen trat Stolypin in Verhandlungen. ’ Aber Schipow hat ben angebotenen Posten abgelehnt, benn er vertritt jetzt ben Stanbpunkt, baß nur ein aus ber Dumamehrheit gebilbetes Ministerium Existenzberechtigung habe. Die .Nowoje Wremja- behauptet nun auf bas bestimmteste, baß bas Kabinett bereits gebilbet worben sei. Gutschkow werbe bas Hanbelsporteseuille, Lwow das Ackerbauportefeuille übernehmen. Graf Heyden soll Reichs- kontrolleur werden. Außerdem werden noch zwei Nichtbeamte ins Ministerium eintreten. Das bestätigt auch bereits die offiziöse Petersb. Tel.- Agentur. Die Ernennung ber brei Genannten bebürfe nur noch ber Bestätigung burch ben Zaren. Das offiziöse Bureau melbet ferner: Auf Grund bes im Manifest vom 22. Juli b. I. ausgebrückten festen Willens bes Kaisers, die in bem Manifest vom 30. Oktober 1905 bezeichneten Reformen burchzuführen, muß bie Regierung zweifellos an bic Ausarbeitung ber wichtigsten Gesetzesvorlagen herantreten, über bie bie Duma.bie enbgiltige Entscheibung zu treffen haben wirb. Stolypin versicherte ferner einem Zeitungsberichterstatter, baß im Herbst am Jahrestage ber Publikation des Verfassungs-Manifestes eine umfaffenbe Arnnestie für wegen politischer Delikte Verurteilte erfolgen werbe. Inzwischen aber sind Mächte unter der Oberfläche wirksam, die alle guten Pläne Stolypins über den Hausen zu werfen sich bemühen. Und andere Mächte propagieren offen die Revolution. Die ehemaligen Dumaabgeordneten der verschiedenen revolutionären Fraktionen erließen gemeinsam mit den außerhalb des Parlaments stehenden revolutionären Organisationen einen Aufruf an die Bauern, in welchem sie diese auffordern, sich Land zu nehmen und gewaltsam eine Revolution zu beginnen. Der Aufruf zirkuliert bereits handschriftlich. Der General-Prokurator soll gegen Muromzew und die Duma-Abgeordneten, die 'das Wiborger Manifest unterzeichneten, eine Klage wegen Aufreizung zur Revolution und zum Hochverrat erhoben haben. Mehrere Abgeordnete sind nach Stockholm geflüchtet. Wie wird nun erst gegen die revolutionären Verbreiter des neuesten Manifestes vorgegangen werden? Wie von privater Seite aus Petersburg gemeldet. wird, ist es überhaupt unmöglich, die Folgen der Duma-Auflösung zü übersehen. In verschiedenen Gegenden mehren sich die Verstöße gegen die Disziplin. In Poltawa versuchte die Menge, die politischen Gefangenen zu befreien. In Petersburg ist die Rede von Unruhen im 2. Garde-Regiment. In Odessa verhaftete die Polizei 50 Zollbeamte, welche bei einer Brauerei der Klaffe a zu 51/, Pfg. , , , , , b „ 23 , ' , , „ c „ 42 r Wird der Malzverbrauch" zu 1 Hektoliter Bier "mit 25 Kilogramm, also nach den heutigen Betriebsverhältnissen hoch, in Ansatz gebracht, so berechnet sich die Steuererhöhung auf 100 Liter Bier bei der Klasse a (Malzverbrauch 500 Doppelzentner) zu 61/, Pfg. b 2000 „ „ 27 ' * " c I 5000 , „ 48 " " " ä Wn 60 000 , „140 " Bei Annahme von 20 Kg. Malzverbrauch, welche wohl im allgemeinen der Wirklichkeit sehr nahe kommt, stellt sich die Steuererhöhung auf 5, 21, 39 bezw. 112 Pfg. Von 115 Brauereien, welche im Rechnungsjahr 1905 in Hessen betrieben wurden, haben nach oben erwähnter Statistik 34 an Braustoffen unter 250 Dz. verwendet, zusammen von 5000 „ »• »• Wenh,et b,m^er fegen •feiger mehr °'1,93 TO. Es Angenommen, d-tz b) Bei einer jährlichen Malzvcrivcndimg von 2000 Doppel zentrier sind folgende Steuerbeträge zu zahlen: den ersten 250 Doppelzentnern 250 . 4 250 . 4,50 „ 2000—60000 — — Schluß fei noch bemerkt, daß bie Steuer für bas W Ö eibenbergen, 1. Auq. (Erg. Drahtmeldung.) Heule morgen sand der Förster Heinrich Neumann aus seinem Rund- gang durch den Wald die Leiche eines etwa 25 Jahre alten unbekannten jungen Mannes, der anscheinend Selb st mord verübt hat. Die Friedberger Gerichtsbehörde ist venach- richtial und wird noch im Lauf des Tages am -Latort emtreffen. P Angersbach, 31. Juli. Zu ber bereits gemeldeten Familien-Tragödie, bei der eine Frau ihre eigene Mutter, 29,625 Aik. die Witwe war und trank, erschlug, sei noch berichtet, daß die 5,935 Mk. Verhaftete zur U n t e r s u ch u n g i hr e s Geisteszustand 1000 . 5,50 — 5500 „ -----7—o------ . 10195 Mk mit einer modern eingerichteten Räuberhöhle zu (x) Friedberg, 31. Juli. Mit einem Ueberschuß ..... von über 1700 Mark hat das 17. Bimdesfest desMain- c) Verwendet bie Brauerei jährlich 5000 Doppelzentner tal -SängerbunbeS am 1. Juli abgeschlossen. Malz, so hat sie an Steuer zu zahlen ' ~ ~ amts ernannt. _ Vorn Dünsberg, 31. Juli. In bem an ber etraße nach Glabenbach gelegenen Dorfe Frankenbach gehört fast bie gesamte Eimvohnerschast zur Sekte ber Methobisten. Die ©cmeinbe hat einen eigenen Prediger, ber durch Liebesgaben unterhalten wird. Brot, Fleisch, Eier, Butter, Käse usw. gehen dem Prediger in so reichlichem Maße zu, daß er nicht in ber Laae ift, bie Lebensrnittel für seine Person alle auf» bavon abjugeben. Jungst war nun em fiamicger -ouuer wecken überflüssig geworden unb ging an eine Hänblerin zum S‘=uctfä(jc ergeben alS tüt oie groucren. V “™ ”“ n ' r4 flte. Aber wie erstaunte der Prediger, setze? betragt nmnl.ch d;e Steuer sur d^w-hpend eines Jahres bie &6cfccin crncut oorsprach und ihm ein blankes Zehnmarkstück einhänbigte, das sie als eingeschlossene Liebesgabe in dem Butterweck gefunben hatte. Der Prediger soll den Fund der Heidenmission überwiesen und sich noch weitere derartige Liebesgaben und ehrliche Finder 250 Doppelzentnern 4,— Mk. 250 , 4,50 500 ,, 5,- n 1000 „ 5,50 H 1000 „ 6,- • „ 1000 _ 6,50 1000 „ 7,— ff 1000 8- ff 1000 n 9- ff 10,— ■ 250 . 4 — 1,000 Mk. 250 . 4,50 — 1,125 500 . 5,- — 2,500 1000 . 5,50 — 5,500 1000 . 6,— — 6,000 1000 . 6,50 — 6,500 e. 1000 . 7,— — 7,000 »ns. 2 ' 3 ' ln"' * 2?‘W . 48 ’ «w ,Unä5i*1905 in o Erwähnter verwendet, * von de »tlcn; bc: 7 über 500 & diiben 9CN-~ * verwendeten J00 Liter Bier- ® S|. Md! .J® H für ^''chen 1000 und '9 höchstens 21 bis nt W die Mehr. «chdtt I§ Hktlt. verwendet wnne höchstens Pjg. 28- 35 33- 42 39- 48 45-57 53-67 97-121 , H2-140 ie Steuer für dos aß-Lothnngen nach Sier (Uebergangtz- iu’| 2,75 Mk. vom ches Bier nunmehr -abgabe zu zahlen n, den 1. Ang. aus Kronberg i. T. tbureau deS Kataster« dem an der Straße nbach gehört fast die r Methodisten. Die »t durch Liebesgaben Butter, Käse usw. iße zu, daß er nicht ic Person alle nufer genötigt, eiliges stattlicher Butter- eine Händlerin zum aunte der Predig, reut vochrach und rdiate, das sre als weä gefunden hatte, enmiliion überwiesen n und ehrliche Finder Soldat des hiesigem nachdem er sicher md in eine Steinmetz versehen hatte. Seme i Neubau, Ne “n der schon 5 r"ölfjShrig°n c Bernehmngen durch r Sohn einer W M dem Knaben 300 Mk. wurden den" iU" des f roo“®«** unbb it einem g gjifljn*' btzefchlossen. mann aU,J%fce ,es cma ^selbst- tt anschL'ist b^ MS LKüs SO.« ord trreb' $ -’S -ff* ft-** , Ue °d°°s ‘„b L-S ÄSf«** Hantle] des >b g Wetter . 147.00 Tärkenlose . . . 119.6a 9 Börse, 1. August. Anfangskurse 129.60 so wird aus 28,0 • C. 14,8 ' 0. 28,1 21,0 18,6 12,4 16,1 14,1 4% Griech. Monopol-Au). 54.40 4% äussere Argentinier . 90.50 86.90 94.80 95.20 zu, sie sollten Tscheljustin 747,4 747,7 749,9 44 87 88 SSE SSE E 4 2 2 Sonnenschein Bew. Himmel Sonnenschein . 68.30 . 98.35 . 3410 . 144.30 . 141.00’ . 212.50 . 233.60 2*6 9” 7« e a & Berliner Handelsges . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . . Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn.. . Prince-Henri-Eisenbahn Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . . 183.251 . 158.20 . 210.20 SC? 5-u Juli-August 1906 100.25 100.50 95.30 103.60 70.70 Höchste Temperatur Niedrigste „ Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg - Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte...... Nordd. Lloyd . . . . . Oberschles. Eisen-Industrie ff 5$ 3%°/, 3% 3H°/c 3% 3M°/< 3^°/, Beichsanleihe do. Konsole . . do. . . Hessen . . . Oberhessen . . 99.25 . . 87.55 . . 99.35 . . 87 50 . . 98.10 F Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 2. August 1906: Nachlassen der Gewitterregen und Wiederaufheiter- ung. Etwas warmer, veränderliche Winde. Näheres durch die Oiicnener Wetterkarte. 3°/0 Mexikaner . . 4%°/o Chinesen . . Aktien: Bochum Guss . . . Buderus E. W . . Tendenz: fest. Berliner Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: fest. das dessen Mutter von den Behörden erhielt, zweien Kameraden von Tscheljustin Telegramme Turskij benachrichtigen, daß er nicht mehr lebt, war 24 Jahre alt. * Das Dorado der Duelle. Italien, am 30.—31. Juli — + „ 30.-31. , = + Arbeiterbewegung. X Worms, 30. Juli. Die bei dem Bau der elektrischen Straßenbahn beschäftigten Arbeiter sind heute Morgen in überwiegender Zahl in den Streik getreten. Sie verlangen zehnstündige Arbeitszeit, Lohnerhöhung und den Ausschluß der nicht organisierten Arbeiter. Die Bauleitung hat diese Forderungen abgelehnt. Redner wird jetzt einfach niedergenießt! Hapzieh! — Hapzieh! — Hapzieh I Wer sich nicht brav aufführt, bekommt statt der rüher gebräuchlichen Rasen deren einige Dutzend — natürlich nur zu hören. Das Schnupfpulver wird das parlamentarische Dynamit, mit dem man jede Versammlung sprengen, jede Rede zerstückeln, jede Periode in die Luft fliegen laffen kann. • Die fleißige Kuh. Eine der Landwirtschaftsschule Plantahof bei Lanquart (Graubünden) gehörende Kuh hat während der 4887 Tage ihrer Nutzungszeit Milch im Werte von 12 086 Frank geliefert. Daneben brachte sie noch 12 Kälber zur Welt. . 245.40 . 126.70 143.50 129.40 252 60 227.50 160.60 212.30 233.60 128.90 126.70 169.80 139 90 238 00 175.50' . 165.00 . 140.00 . 236.80 . 87.00 . 158.50 Telefonische KHrsbeipicMe Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen. Frankfnrter Börse, 1. August, 1.15 Uhr. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Temperatur der Lahn und der Luft in der Mülle r'schen Badeanstalt. Wasser 20° R. 31. 31. 1. unweit der Station „Sokalki^. Zugleich mit dem Telegramm, gingen auch Die versammelten Wirte von Darmstadt und Umgebung erklären: daß sie, angesichts des Umstandes, daß die verewigten Brauereien einen, den Wirten keinen Mehrverdicnst bringenden Ausschlag des Bierbezugs eintreten lassen, und denjenigen Wirten kein Vier mehr liefern, welche die vom 1. August ds. Js. von den Vereiiiigten Brauereien festgesetzten Ausschankpreise nicht festhalteii, sich unter den von den SBrmicreien angenommenen Bedingungen mit dem mivermeidlichen Bierausichlag einverstanden sind, unter der Voraussetzung daß die Wirte durch die Brauereien entschädigt werden, welche durch den Aufschlag Nachteile erleiden. h Frankfurt a. M., 31. Juli. Heute mittag fand man in der Elbestraße Nr. 38 ein Liebespaar erschossen vor. Die Getöteten sind der Kaufmann Carlo Mayer aus Wien und die bekannte 23jährigc Cabaret - künstle rin Heggy vom Cabaret „Zu den-bösen Buben V Mayer hatte sich vor'Jahren schon mit der Heggy verlobt, doch wollten seine Angehörigen eine Verbindung nicht zugeben. — In der vergangenen Nacht wurde der 30 Jahre alte Schutzmann Andreas Scherer, als er in seinen ^Hausflur trat, um sich nach seiner Wohnung zu begeben, überfallen. Er erhielt zwei Stiche in den Rücken, von denen einer die Lunge verletzte, einen in den Oberarm und zwei in? Gesicht. Der Schwerverletzte wurde in die Bockenheimersche Klinik gebracht. Der Täter soll erkannt sein. Polizeiverordnung. Betreffend: Den Betrieb der Anschlußgleisanlage der Ge-' werkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vormals Fernie in Gießen. Mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des! Innern vom 18. Juli 1906 zu Nr. M. d. I. III 6802' wird nach Vernehmung der Stadtoerordneten-Versammlung^ auf Grund des Art. 56 der Städteordnung vom 13. Juni! 1874 für den Betrieb der Anschlußanlage der Gewerkschaft^ Gießener Braunsteinbergwerke vormals Fernie zu ©iejjen* hiermit verordnet wie folgt: § 1. Beim Ertönen der Zugsignale haben Fußgänger,^ Fuhrwerke, Reiter und Viehtransporte sich rechtzeitig von dem Gleisen zu entfernen und dem Zuge vollständig auszuweichen oder, falls sie sich dem Bahngleise nähern, in angemessener Entfernung und zwar, sofern Warnungstafeln vorhanden sind^ vor diesen Halt zu machen. Es ist verboten, Fuhrwerke oder Vieh ohne Aufsicht auf oder neben den Fohrgleisen stehen zir laffen oder Vieh frei auf der Bahn laufen zu laffen. Personen, welchen die Aufsicht über die auf der Straße oder sonst in der Nahe der Bahn befindlichen Tiere obliegt, habew dafür Sorge zu tragen, daß die Tiere nicht den Bahnkörper^ betreten und daß sie vorkommendenfalls alsbald wieder von demselben abgetrieben werden. Das Bahnpersonal ist befugt^ alle die Gleise versperrenden Gegenstände von dem Bahn-- körper zu entfernen. § 2. Pflüge, Eggen und andere Gerate, Baumstämme und andere schwere Gegenstände müssen beim Transport über die Bahn entweder getragen oder auf Wagen gefahren" werden. § 3. Jede Beschädigung der Bahn und der dazu ge-> hörigen Anlagen, sowie der Betriebsmittel nebst Zubehör^ das Auflegen von Steinen, Holz usw. auf das Planum derj Bahn, das Auf- und Abladen von Gegenständen auf demi Fahrgleise oder näher als einen Meter 75 Zentimeter vonj der äußeren Schiene, das Anbringen sonstiger Fahrhindernisse^ die Erregung falschen Alarms, die Nachahmung von Signalen, die Verstellung von Ausweichvorrichtungen und überhaupt, die Vornahme aller den Betrieb störenden Handlungen ift' verboten. § 4. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen^ werden, soweit nicht auf Grund anderweitiger Strafbestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zw 30 Mark geahndet. Gießen, den 25. Juli 1906. Großh. Volizeiamt Gießen. Herberg. 4% Gestern Goldrente. . 4’4 % Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Rente . . . 3% Portugiesen Serie I . 3% Portugiesen „ III 4%°l0 russ.Staatsanl. 1905 4japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Märkte. fc. Frankfurt a. M., 1. Aug. (Qrig.-Telegr. des ,,Gieß. Anz.") Viehmarkt. Zum Verkaufe standen 00 Kalber, 00 Schafe und Hämmel, 1022 Schweme: 1. Qual. 76—00 Psg. Lebendgewicht 59.50—00.00 Pf., 2. Qual. 75-00 Pi., Lebendgewicht 58.50-00 Pfa., 3. Qual. 63—65 Psg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pt., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Psg., Lebendgewicht 00-00 Psg., Schlachtgewicht 00-00 Psg. Schafe 1. Qualtta: Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Gefchast: gut, kein lleberüand. Origittal-Drahtmel-uirgerr. Siegen, 31. Juli. Auf den SieghiMer Eisenwerken explo di erte ein Pud del ofen. DerPuddelmeister wurde getötet. Mehrere Arbeiter wurden verletzt. Halle a S 1. Aug. Der Kaufmann Rue hl aus Frankfurt a. M. gab auf seine Geliebte Bertha Ruhle- mann einen Revolver schuß ab. Das Mädchen fluchtete schwer verletzt. Ruehl erschoß sich dann selbst. Hirsch berg i. Schics., 1. Autz. Der Stellenbescher Berndt in Neu-Würgsdorf erschlug den Arbeiter Grundel, welcher der Schwiegermutter Berndts unsittliche Anträge stellte. . Stuttgart, 31. Juli. Die ausständigen Buchbinderei ar bei ter beschlossen, entgegen dem gestrigen Beschlüsse mit 424 gegen 99 Stimmen, die Arbeit morgen wieder auszunehmen. Maßgebend für die Mehrzahl der Ausständigen war dabei die große Zahl der Arbeitswilligen in Bersin und zen, 1. Aug. Ein Reisender Namens Josef Stleler stürzte in den Passeier Bergen 80 Meter über eine Moräne und war sofort tot. Die Leiche konnte geborgen werden. „ w Athen, 31. Juli. Wie hier eingetroffene Nachrichten ans Bulgarien bestätigen, bemächtigten sich Bulgaren mit Gewalt der griechischen Kirche und Schule in Burgas. Die Läden, die int Besitz der Griechen waren, wurden geplündert. Die Bibliothek sowie das Mobisiar der Schule wurde zerstört, ohne daß ein Eingreifen der Behörden erfolgte. Der Präfekt von Burgas war abwesend. An demselben Tage bemächtigte sich die Menge der Kathedrale und des Palastes des Metropoliten, auf dem eine bulgarische Fahne aufgezogen wurde. Der Vikar wurde mißhandelt Dann wurde an anderen Orten geplündert. Auch hier griffen die Behörden nicht ein. General Jmanoff, der Kommandant von Burgas, lehnte es ab, Truppen zur Unterdrückung der ^"^P e't/rsb u'rg" 1 Aug. Einer Anordnung des Ministerpräsidenten Stolypin zufolge sollen wegen gewisser polit. Vergehen verfolgte Beamte an Stelle einer administrativen Verbann^ ung nach Sibirien auf längere Zeit ins Ausland gehendürfen. — Da General Stössel die Untersuchungskominission des Generals Roop megen Befangenheit ablehnte, besteht in der Militär-Verwasimig die Absicht, dem Gesuch Stössels insofern nachzugeben, als c ■' Revision seiner Angelegenheiten vor- genommen werden soll. Petersburg, 31. Jul. Der „Pet. Tel.-Ag." zufolge, .findet die Staatsanwaltschaft in der Tatsache der Abfassung eines Aufrufs an das Volk seitens der 'näheren Dumamitglieder in Wiborg an sich nichts Strafbares, das eine gerichtliche Verfolgung bedinge, wohl aber in der Verbreitung aufrührerischer Reden und Aufsätze. Von diesem Gesichtspunkte au? unterständen nicht nur die früheren Dumamitglieder, sondern auch alle diejenigen, die den Aufruf verbreiteten, den S9e-' stimmungen des Strafgesetzbuches. Newyork, 31. Juli. „Tötet die Fremden!" und „Mexiko für die Mexikaner!" sind die Losungsworte der nach Tausenden zählenden geheimen Organisation in Mexiko, die f ür den 16. September den Ausbruch eines Aufstandes gegen die Nordamerikaner angekündigt hat. Präsident Diaz hat den Gouverneuren von fünf Provinzen befohlen, strenge Maßregeln gegen jeden Aufruhr an- z'.-ordnen. Täglich werden Fraueu auf den Straßen insultiert und blutige Kämpfe sind die Folge davon. Die Amerikaner und die anderen Ausländer auf den Hazienda? bereiten sich auf einen Ausbruch des Rassenhasses vor. Bei der Regierung in Washington liefen noch Beschwerden über Mißhand- (ung von Angehörigen der Vereinigen Staaten auf der südlich von Cuba gelegenen Insel Pino? ein. Gleichzeitig werdew die Vereinigten Staaten ersucht, die Insel zu annektieren. Rom geschrieben, ist und bleibt das Land der Duelle. Kaum ist der Prozeß über die unglückselige Duellaffäre Ettorre beendigt, so lenkt ein anderer Zweikampf — vielmehr eine ganze Serie von Zweikämpfen — die Aufmerksamkeit auf sich. Aus unbekannten Gründen (wahrscheinlich intimer Natur) schlugen sich dieser Tage ein Offizier und ein Industrieller aus Acona. Das erste Duell fand auf Säbel statt. Resultat: Null. E? folgten ein Duell auf Pistolen, wobei der Offizier am Schlüsselbein, der Industrielle am linken Arm verwundet wurde. Kaum einigermaßen hergestellt, traten die Gegner von neuem an, und zwar auf Florett. Da die beiden aber noch durch ihre Verletzungen stark behindert waren, wurde der Zweikamp: auf Pistolen fortgesetzt, und schon beim ersten Schüsse wurden beide Gegner verwundet: der Industrielle im Schenkel, der Offizier in der rechten Hüfte. Notgedrungen wurde der Zweikampf deshalb ausgesetzt, um demnächst wieder aufgenommen zu werden. * Ein neues Obstruktionsmittel ist in Wien erfunden worden. Im Wiener Gemeinderat wurde, so berichtet die „Zeit", in diesen Tagen ein Redner einfach nieder — geniest. Und wie einfach kommt so eine Niesdemonstration zustande! Ein Redner reicht seinem Gesinnungsgenossen eine Dose mit Schnupftabak: „Eine Prise gefällig!" Natürlich war sie gefällig und das Niesen nahm kein Ende. — Eine neue Aera der Obstruktion ist angebrochen. For mit den Kindertrompeten, Pultdeckeln, Tintenfässern, Signalpfeifen! Schonung den trampelndenten Beinen, den zischenden Lippen, den auf das Pult klopfenden Händen! Ein mißliebiger Vermischte». • Ein Reisender des ZugeS Oldenburg- Bremen machte der „Nordwestd. Morgenztg." Mitteilung über einen anscheinend beabsichtigten Raubanfall. Danach habe ein Mann, der oben auf dem Dache des Wagens aus dem Bauche lag, in die Caupßs hineingesehen, dadurch, daß er sich mit dem Oberkörper herunterbeugte und versuchte, an der Seitenwand des Wagens herunterzuklettern. An seinem -Vorhaben wurde der Mann jedoch durch einen in einem Abteil zweiter Klasse befindlichen Herrn verhindert. Aus Erkundigungen teilte die Eisenbahndirektion mit, daß die an- gestellten Nachforschungen nur insofern von Erfolg gewesen seien, als der Zugführer bestätigt, von einem Passagier in Huchtingen die Meldung erhalten zu haben, daß jemand von der Wagendecke her in das Abteil gesehen habe. Eine Sofortige Absuchung habe jedoch nichts ergeben. * Untersuchungen, die über die Eisenbahn kata- strophe bei Le Brus sie re (Frankreich! an Ort und Stelle vorgenommen worden sind, haben ergeben, daß das Attentat aus den Schnellzug schon seit langer Zeit vorbereitet war. Bereits seit einiger Zeit waren aus der Strecke Charleroi nach Thuin verdächtige Individuen aufgetaucht. Sie fühlten sich aber nicht sicher genug und verschwanden, um zwischen den Stationen Le Bruyiere und Soirne°sur-Sambre das Attentat auszuführen. Da Großfürst Wladimir sich in dem Zuge befanb, so heißt es natürlich wieder, daß das Attentat gegen ihn geplant gewesen sei. Der bet der Entgleisung de? Expreßzuges schwer verletzte Maschinist Collard ist seinen Verletzungen erlegen. Die Urheber des Attentats sind noch nicht entdeckt. Daß von den 40 Passagieren des Zuges keiner ernstlich verletzt wurde, ist nur der Geistesgegenwart Collard zu danken, der sofort, als der Zug aus den Schienen sprang, die Bremse anzog und den Dampf rückwärts stellte. *'Die Hitze in Großberlin. Jü Wilmersdorf wurden bei einem Neubau zwei Steinträger vom Hitzschlag getroffen; sie stürzten von der Leiter herunter und blieben bewußtlos auf der Straße liegen. Man brachte sie nach dem Kran^enhause, wo sie hoffnungslos darnieder liegen. Vom Sonnenstich getroffen wurde der Maurer Fritz Hamann auf einem Neubau in der Jüvalidenstraße. Vom Hitzschlag wurde ferner ein Handlungsreisender, als er in der Wollankstraße den Fahrdamm überschritt, betroffen. • Der Tod durchs Los. Peter Tscheljustin und Alexander TurSkij, zu den ersten der Odessaer goldenen Jugend gehörend, konnten sich nicht gut vertragen. Im Februar verließ TurSkij Odessa. Einige Zeit darauf ging Tscheljustin durch die Post ein Brief zu, worin sich ein gezeichneter Schweinskopf und in diesem der aus einer Photographie ausgeschnittene Kopf Tscheljustin? befand. Darunter standen die Worte: „Ein Schwein warst Du — und als Schwein stirbst Du*. Solche Zeichnungen gingen mehreren Kameraden Tscheljuskins mit der Bitte zu, sie dem Genannten einzuhändigen. Tscheljustin schöpfte Verdacht, daß die Zeichnungen von Turskij herrührten, und er fuhr zu ihm nach Nikolajew. Welche Auseinandersetzungen zwischen beiden stattgefunden haben, weiß man nicht. Man erfuhr nur, daß Tscheljustin seinen Gegner zum Duell gefordert hatte. Turskij antwortete, er nehme, um sein Gewissen nicht mit einem Morde zu belasten, nur das amerikanische Duell an. Damit war Tscheljustin einverstanden. Sie warfen das Los. Der Tod fiel Tscheljustin zu. Nach 48 Stunden sollte er aus dem Leben scheiden. Sonntag 'verließ er Nikolajew. An demselben Tage fand man ihn mit durchschossener Schläfe Die einzige hygienisch vollkommene, in Anlage and Betrieb billigste HsizuiiijfünMiiifaimlieiiiiaiis! E ist die verbesserte Zentral-Luf theizung. In jedes, auch alte Haus leicht ■ ffi einzubauen. Prospekte gratis und franko durch ©3 Schwarzhaupt Spiecker &. Co. Nachf., G. m. b. H., Frankfurt a. M. ifij; * Kleine TageSchronik. In einem Hotel der Ortschaft Clamart bei Paris erfolgte in dem Zimmer eines Ingenieurs eine Explosion, wobei der Ingenieur verletzt wurde. Er erklärte bei seinem Verhör, chemische Versuche gemacht zu haben, bei denen eine Rekorte geplatzt sei. Er wurde als verdächtig verhaftet. — Auf einem Neubau in Andelsbuch (Tirol) fand eine Gas-Explosion statt, wobei 10 Arbeiter darunter mehrere schwer verwundet wurden. — In Kremsier (Mähren) wütet ein furchtbarer Brand. Bisher sind 30 Wohnhäuser eingeäschert worden. Zwei Kinder sind in den Flammen umgekomm en. — In Stuttgart hat sich eine verheiratete Frau mit ihrem 18jährigen Liebhaber vergiftet. — Die deutsche Friedens-Gesellschaft lud dre in Herne weilenden gereiteten französischen Bergleute aus Courrieres zu einem Besuch in Berlin ein. — Für das 16. deutsche Bundesschießen in Hamburg im Jahre 1909 stellte ein Hamburger Kaufmann, welcher ungenannt bleiben will, 300 000 Ml. als Garantiefonds zur Verfügung. — In Schäplitz iProv. Sachsen) durchschnitt eine Geisteskranke dem 3 Monate alten Kinde eines Gutsbesitzers, bei dem sie zu Besuch weilte, den Hals. — Der Handarbeiter Fischer au5 Eisfeld (Thüringen) wurde auf der Landstraße ermordet. Der Ermordete war Familienvater. Don dem Täter fehlt jede Spur. Gerichtssaal. sd. Darmstadt, 31. Juli. Wegen Diebstahls hatte sich der Musketier PH. Rehnert aus Gießen vor der 8. Kompagnie des Infanterie- Regiments Nr. 118 zu verantworten. Er entwendete einem Kameraden auS dem Spind 11.50 Mk. und verbrauchte das Geld zum größten Teil für sich. Rehnert ist wegen ähnlicher Vergehen schon vorbestraft, und das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte ibn diesmal zu 4 Wochen strengen Arrest und erneut zur Versetzung in die zweite Klaffe des Soldatenstandes. — Seinen Vorgesetzten bestohlen bat der Musketier Jos. Birg von der 3. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 168, der aus Walsum bei Ruhrort stammt. Er hat als Putzer eines Fähnrichs, diesem aus dem Portemonnai 20 Mk. gestohlen. Es stellte sich bann Heraus, daß er den Fähnrich auch früher schon bestohlen hatte. Das Kriegsgericht verurteilte Birg zu vier Wochen strengen Arrest und zur Versetzung in die zweite Klaffe deS Soldatenstandes. art KL ' ' W n”^erf)o(t Wilhelm fut Mite C?W» spg*. L°"d" D. r fddjN* fle M' .Anzeiger' Nicht ö Ade sein, Mi Protest Aömer geh. gemeinden beider stn gemeinden nicht bestL " Der 6 dadurch, b nicht aus test eingeu haben die - vollzogen Krchendey zu Nichte. Reskript, / Helm It., 11 eüassen w vorschreibt amt ein re daß hiernc im Falle G Es handelt Münster, t merden j- Recht de falen erreg außerorden Lahre lanc Konflikt ge' gegen die! stände meh glied der X Pfarrvereir lrche Wohls heit der fc sitzender d Vereins zur tisch kirchlici Standpunkt ausgeschloss Aemtern rm stehen, weni „Was ist di ist der Prot bcstätigung । abMmten. Äemar so lo verteidigen, i Liberalismus, Auerchuperi HumFa W- Mt bi nehmen ^axi das vtotqiar Gingen nut heil der ®et nung aui en Wahn ist. । leistet auch richt, was I anderes übt Protesten k'rchezut tln Bekenntr Wbe.Jn 'n, mußte < ^egciw '"enn das 1 » -tjal ntdienta; ,n ÄnTrai Lcschaste h' i ndunar Mitte Äg. 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