Dienstag 1. Mai 1906 156. Jahrgang Erstes Blatt 1. ä ■ antle. h d)ult"inbcr trugen Strauß, und Fähnchen 2126 e I 861 M TS eb ges -d gen IKlelll. ^ang. Nun liegen die Kaiserstundcn hinter uns, und graue Alltäglichkeit nmgiebt uns wieder. Schon steht man im Begriff, das bunte Festkleid der Stadt wieder abzuziehcn. Es waren wohtgelungene, unvergleichliche Feierstunden. Und wenn Schulstratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^bl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. no i Aussehen ; Getränke, i im Magen Nur eodi «ezugSpret-r monatlich 7bPf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abholc- u. Zweigstellen monatlich 6ö Pf.; durch diePoslMk.2.—viertel- jährl, auSschl. Bestellg. ?!nnafrne von Anzeige« für die Tagesnununer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den polil. und allgern« Teil: P. Wittko: für »Stadl und Land^ und .Gcrichtssaate: Ernst Heb; für den Anzeigenteil: HanS Be^. en Erkran- len Bekon- Apotheken KU Schl. gptpOS^ & Ja? & lb,'< beider konnte die Smoi iwch nicht ganz gewichen. Tie Spitzen der Behörden ‘ " hatten sich zur Begrüßung des Kaisers im Fürsten^ zimmer des Bahnhofs zur angesetzten Stunde cingefunden. Indessen vriTrami Minute aus Minute, ja eine Viertelstunde nach der anderen, ohne daß der kaiserliche Hoszug einlief. Tie Herren wurden allgemach ungeduldig und — durstig. Ter eine, der Gendarmeriemajor Beck, bestellte sich eine halbe Flasche Ingelheimer, der Proviuzialdircktör Böck- mann eine Flasche Selters u. s. w. Just aber, als der selterwassersüchtige Direktor den Draht der Flasche nahezu entfernt hatte und sie zu öffnen sich anschickte, hieß es: Ter Hofzug läuft ein! In größter Eite wurden die Getränke schleunigst versteckt. Die halbgeöffnete Flasche Selters und die halbe Flasche roten Ingelheimers verschwanden hinter dem Sofa, wo sie in guter yrachbarschaft ihrer Bestimmung entgegcnharrten. Ter Kaiser nahm die Begrüßung der Herren huldvoll und leutselig entgegen und begab sich mit 'ihnen ms Fürst en zimmer, und das Unglück wollte cS, daß er sich auf dem Sofa niederließ, hinter dem sich die Flasche Selters und der Ingelheimer mv- ! heildräuend befanden. Denn es lag die Gefahr nahe, daß der Sesters explodieren und der Ingelheimer umstürzeix und, rot wie Blut, sich ergießen würde. Der Eindruck, das; sich ein Attentat vollzogen habe, würde dann, wenn auch nur für Sekunden, ein die angegriffene Gesmidheit des greisen Kaisers gewiß beeinträchtigendes Erschreckerr aber ganz gewiß unvermeidlich sein. In beklemmendste! Angst aber gerieten die beiden Herren, als es hinter dem Sofa „sch sch" zu machen begann. Ter Kaiser stutzte und' hielt im Gespräch inne. Tie Herren zitterten. Nun gehts jeden Augenblick los, so meinten sie bebend. Aber erstens kommt es anders, zweitens wie man denkt, sagt Wilh. Busch, Tic Flasche beruhigte sich, ebenso der Kaiser und endlich auch die beiden Herren, deren peinliche damalige Situation ihnen unvergeßlich geblieben ist. Kaiser Friedrich hat als Kronprinz Mitte der Achtziger Jahre hier einmal mit Großherzog Ludwig IV. eine Truppenbesichtigung vorgenommen. ."vr.Z,r ientner o 00 Wq, 'er 6 bis B*ro6- 2.60 biz Der Kaiser in Hießen. Gießen, 1. Mai 1906. Während die internationale Sozialdemokratie auch diesen 1. Mai als den ^Weltfetertag der Arbeite in seiner „rodt- historischerte Bedeutung wie alljährlich seit 1889 bei Bier und Käs mit obligatem rednerischem Wortpruuk gemütlich und behäbig feiert, während in Frankreich die Negierung mitsamt ihren Freunden erzittert vor den für den 1. Mai geplanten gefährlichen Machenschaften eines äußerst seltsamen Trifoliums, einer klerikal-bonapartistisch-anarchistischcn Clique, begeht Gießen einen Festtag von noch nie dagewesener lokalgeschichtlicher Bedeutung, das schönste Maifest seit seinem Bestehen. Auf, der Mai zieht in das Land Der da löst der Sorgen Band.' Kinder, Kinder, seid gemahnt, Seine Pracht zu schauen. Auf der lichten Heide breit Sind die Blumen ausgestreut. Wie ein Teppich weit und breit Schimmern Feld und Auen. Nun schlinget den Reihen Und jauchzet dem Maien! Mit diesen jubelnden Worten begrüßte im 13. Jahrhundert der schwäbische Dichter Konrad von Kirchberg den Einzug des Königs Mai. Theatralische Belustigungen im Freien, feierliche Prozessionen durch die Straßen unter Führung eines Maigrafen oder Maikönigs standen in jener | fernen Zeit auf der Tagesordnung des Wonnemonats. Unsere Zeit sreilich brachte längst die Maispiele, an denen sich ganze Gemeinden beteiligten, in Vergessenheit. Und doch dehnt sich heute doppelt maifroh das Herz des Giege- uers. Denn keinen mittelalterlichen Maikönig galt es heute zu grüßen, und nicht allein den jährlich einkehrenden König Mai, von dem die Poeten fingen, sondern des deutschen Reiches erhabenes Oberhaupt, den Kaiser. In des Lenzes Blütenpracht empfingen ihn die Gießener, und es brauchte nur wenig helfende Menschenhand dem festlichen Schmucke hinzuzutun, was der Lenz gerade in den letzten Regentagen an fügend frischen t Grün hatte hervorquellen lassen au Busch und Baum. Die Bürgerschaft tat, was ui der kurzen Frist irgend in ihren Kräften stand, und zum Terl folge Homburg. t. z .., Es waren vier Automobile, die r5,ahrt erfolgte über Friedrichsdorf, Friedberg, Bad-Nanheim, Nieder-^vetfel, Butzbach, Kirch-Göns, Pöhl-Göns, Laug-Göns, Grogen- Linden, Klein-Linden. In allen Orten waren die Straßen und Gebäude, mit Fahnen, Kränzen, Guirlanden geschmückt, vauz besonders auch in den Orten des Kreises Gießen ^.ang- Göns, Großen-Liuden und Klein Linden. In diesen Orten batten die Vereine und Schulklassen in bcu Volkstrachten, her Ortsvorstand vor den Orten, Aufstellung genommen. Großen-Linden und Klein-Linden hatten Ehrenpforten errichtet und die Schulkinder trugen Sträuße und Fähnchen. Sebr b üb sch war die lebende Ehrenpforte, die in Großen- Linden weißgekleidete Turner bildeten. Lebhafte Hurra- Hochrufe er. 'iitcn, als das Automobil heranfuhr und der Kaiser wini.. freundlich lächelnd nach allen Leiten. ^ie mächtigen Blumensträuße, die die Kinder dem hohen Herrn zugedachr harten, mußten sie zu ihrem Bedauern wieder prtenehmem da die .Vorveifcchrt ohne Unterbrechung erfolgte. Nun begab sich der Kaiser an die Spitze der Fahnenkompagnie. An die Tete trat das MnsikkorpS, u löogigt;iullu^, ..... — 7..... folgten, flankiert von zwei Rechen Unteroffizieren, der Kaiser , te abend die Glocken der Erinnerung an den Vormittag und der Regimentskommandeur und dann kam die Korn- ^.-^n Herzen läuten, dann sehen wir den Gießener Kaiser- pagnie. An der Kirscheu-Allec überreichte ,5rl. v. Hin d en au I einen bet inenigen unvergeßlichen in der Geschichte einen Blumenstrauß, der von (Seiner -Rajejtat huldvoll t mit I c ^tadt an. Die kurzen Stunden, die uns vergönnt freudigem Lächeln entgegengenommen wurde, eo bewegte unseren Kaiser zu schauen, haben itn§ lebenslängliche sich der glänzende Zug vom Trieb hinunter durch Grim- ^E-ungen geschenkt. berger-, Moltke- und Lenckenbergitrage nach der schon Tie Hohenzollern haben sich seit 1870/71 eine goldene zahllosen Fahnen und Fähncheni und Guirlanden geschmückten gcßaut zu den Herzen des deutschen Volkes, und da sie Zeughauskaserne, wo ein ^ruhstuck im Ofstziersrafino oes Teil nehmen mit uns an den brennendsten Fragen des kaiserlichen Gastes harrte. Lebens, des sozialen Ringens und Strebens, stehen sie uns Inzwischen und vorher hatte sich eine glanzende doppelt nahe. Fürsten und Volk wetteifern in Ein- Spalierbildung vollzogen: . . tracht zum Ruhme des Vaterlandes. Die Wege, die Hohen- Sechsunddreißig Kriegervereine des Bezirks Osteten lottern loanbclt, wandeln die Deutschen eng vereint mit ihm im " bildeten' Spalier von der Restauration Kranen aus ein hohes Zielbewußtsein. Und glücklich das mania" aufwärts br- zur Ai^chenall ter Front I ba§ mit seinem Kaiser und seinen Fürsten allen Ge- «üotttefttafie U jw Siefeitotüde|faxten begegnet, eins mit ihnen in dem Gedanken ans teure !«chts die Me und' erweiterte Aiädcheuschule und die Saterlanb. Nr. 101 Ersch-tut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Siebener Zamilien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck n. Verlag der Drühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- bruderei. 9L Lange. Gietzener AMger General-Anzeiger -*r Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Schon um 8.23 Uhr traf der Kaiser in Gießen Universität; links: Oberrealschule, Rcalgymnasmm und ein und alsbald begannen die Glocken der Kirchen zu Ghmnasium; von der Wicscckbrückc bis zur ^stanlage an läuten. Am Eingang der Stadt entfernte S. Majestät die beiden Seiten die Volksschulen. Tie ^entenbergstra^ blieb Schutzbrille von den Augen und setzte einen Helm auf. frei. Auf dem Landgraf PhiliypPlak.hatte die Gailfch« In langsamem Tempo bewegten sich die vier kaiserlichen Feuerwehr und die ftaM. ^eucrme^ Automobile, von Radfahrern und einem Motorfahrer es- der Bauerfche Gefaugvereni, Bilrger GeseUjchaft, i ^emutUcy kortiert, durch die angegebenen Straßen zum Trieb. feit, Harmonie, Heiterkeit, Liederkranz, Sangerkranz, SW Fm ersten Automobil fuhr mit S. Majestät General- kordia, Männergesangverein, MaschinenbauerKvefangverein, adjutant General v. Plessen, im 2. Oberstallmeister Freiherr Radfahrerverein 1885, Wanderer, Germania und r.-say!rve- v Reischach, Generalmajor Graf von .Hohenau und Flügel- amtenverein Aufstellung genommen . adjutant Major v. Neumann, im 3. der Chef des Militär- An dem Frühstück nähme,: außer dem OsNzierkorp^ auch kabinetts Graf von .Hülsen und Leibarzt Dr. Jlberg, im teil: Provinzialdirektor Geh. Rat. Dr. Brerdert, Ober-, 4 das kleine Gefolge.' bürgermeister M e c u m und der Rektor der Universität Geh. Bon 1/4 vor 9 Uhr war die Münbergerstraße vollständig Hoftat Prof. Dr. B e h a g h e l. . aesverrt. Oberst v. Linden au brachte einen Toast aus S.
Majestät begrüße ,m Namen der besgschen Landesnnwersttat, als . iukjv iu d 1 > / cr kurzen »ri|t trgeno in Igrcu ‘Wcfeen'der Mtöiger SA".^ach Fahnenmasten in der Frankfurters.raße errichtet; mit Gu^r- heutigen Empsange Eurer Maststät wegen der Kurze der Zettl landen und Kränzen die Bürgermeisterei u. a. öffentliche der Ungunst der Witterung sich nicht so schmücken, wre sie gern Gebäude aesclnnückt. Es schmückten sich ferner besonders qemollt bätie. Welche Freude es aber, unserer Burgerschall ge- schön und mannigfach die alte Zeughauskaseriie mit ihrer währt, Euer Majestät heute an der ^(led)od)fttl)rc^ küiistleri ch anmutenden Front, das Kreisamt, die Loge ments in Gießen zu sehen, das wird deren utbclnbcr 3uvu beiier »hE-*«0’® — s“ “ beherrscht jubelnde Freude die Stimmung -lller in Gießens Unserem Danke fügen wir das Gelübde hinzu, daß wir, wie! Mauern. wir uns in Treue fest verbunden fühlen mit unserem geliebten Vom frühesteli Morgen an strömten ans der ganzen (^^ßherzag und Herrn, so auch allezeit treu zu Eurer Maiettat, zu Provinz und an5 der preußischen Umgebung immer neue Kaiser und Reich stehen, daß wir allezeit gute Burger des Reiches Menschen'charen unserer Stadt zu und es herrschte in den und des Landes fein wollen! und uameiitlick in den vorn Kaiser zu be- Wir bttlen zu Gott, das er Eure Mafestat segnen wolle mtt 7-ich mit Atzü-N usw. bcfonerlen Straffen ein (einem reichsten Segen zum besten umereS gel.ebien Valer-ande-. Ä-böl wm ihn Gießen noch nie gesehen hat. Ter Kaiser dankte sichtlich erfreut, und erwidert, Schon beim ersten Meldstreif Morgenrote regte cs sich er freue sich sehr über den herzlichen Empfang und bedauere, £n den Straßen unserer Stadt. Galt es doch den letzten j0 Stunde gekommen sei und nur so kurze Schmuck der Feftstraßen zu 3eit hier weilen könne. Er freue sich über das gute Ver- ÄÄSn zwischen Stadt and Garnison, von der ihm der 'auswärtig^Gendarmen. Kurz nach 7Uhr begab sich em Oberst erzählt habe. Der Oberst habe ihm auch gesagt, .Trupp Hanauer Ulanen, die bereits gestern hier em-1 Gießen eine sehr angenehme Garnison fei. Er danke getroffen waren, zum Trieb. Die Straßen zeigten das Hasten Gießener Bürgerschaft herzlich für die hübsche Ans- und Rennen iu einem aufgestörten Ameifenhausen Und der Stadt. durch diese Machen» au^deE -in^lM^Ueb». schmu^d^S^^ Z°hu | .{«tebeiun XÄKÄd« fornmani). General ». Eichhorn den Kaiser begleitete trat S3h.*‘£S ÄÄb S'ärsSf'iB’S seftenLÄÄaus fid, Aussicht nach d-u Fest- größere Gefechtsübung statt Die Aufgaben hierzu waren uur dem Geschlechte angehörte, dem mau als eine Haupt-' ‘ "» >»- charaktereigenschaft Neugierde nachsagt. Punkt sieben Uhr verließ der K ai, er mit dem Ge- /< x ■ Eür Lokalpoet, der auch uns gegenüber anonym geblieben Dst, hat sich auf den Flügelgreifen geschwungen und. zum Laisertagc uns folgende Verse gesandt: Welch' ®ctünune[ aus den Straßen, Welches Fragen hin und her: ^Wird der Kaiser heut' wohl kommen? Ist'A nicht wieder eine Mär?" Doch geduldig harrt die Menge, Ihren'Kaiser zu empsah'n. Da aus einmal welch' bedränge, Welcher Qnbet bricht sich Bahn 1 Freud'ger Zuruf wird vernommen, Jubelnd tonts von Mund zu Mund: Endlich wird der Kaiser kommen, Einer tuts dem andern kund. Unser Kaiser, unser Kaiser. Seht dock, seht, er nahet schon, Kaiser Wilhelm ist gekommen! Heil Dir, Hohenzollernsohn! 4. Sitzung der Großh. .Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Aus zug. Gießen, den 25. April 1906. Anwesend die Herren Kommerzienrat Heicknllheim. Stellvertretender Vorsitzender, Dürbeck, Friedberger, Grünewald, Jhrmg, Klingspor, Nowack, Rinn, Röhr, Kommerzienrat Schirmer, sowie der Syndikus Dr. KUipper. . _ v 1. Aus dem Geschäfts-Bericht ist Folgendes nnt- zuteilen: a) Dem Großh. Ministerium des Innern hat bte Handelv- kammer einen Bericht erstattet über die in ihrem Bezirk vorhandenen notleidenden Risiken in Bezug aus die Versicherung von Mobilien gegen Feuersgefahr. Ter Kammer sind nur wenige Fälle bekannt geworden, , in denen eine Versicherung von Mobilien gegen Feuersgefahr trotz wiederholter Bemühungen nicht zustande gekommen ist. Dagegen wurden der Kammer von vielen Seiten Beschwerden geäußert, über außerordentliche Erhöhung der Versicherungsprämien, ohne daß bei den betreffenden Objekten eine Risikoveränderung eingetreten ivar, sowie über das Verlangen der Versicherungsgesellschaften, einen Teil des Versicherungswertes in Selbstversichernng zu nehmen. b) Zu dem Sommerfahrvlan der ^otaatsb ahnen bat die Handelskammer noch einige Mänderungsanträge gestellt, die z. T. berücksichtigt werden konnten. Infolge wiederholter Bemühungen der Kammer wird der Freitags- und Sonntagszug 1063 Fried- berg-H ungen vom 1. Mai ab um 45 Minuten später gelegt, sodaß er bei seiner. Ah fahrt aus Friedberg Jab 11,55 abends) noch "bic Anschlüsse von Personenzug 789 Frankfurt a. M.-Friedberg (Frankfurt a. M. ab J.0,37 abends) und ^»cknellzug 43 Frankfurt a. M.-Cassel (Frankfurt st. M. ab 11,15 abends', sowie von Personenzug 919 Homburg-Friedberg (Homburg ab 11,00 abends) aufnimmt. Ferner wird Persottenzug 953 Heidelberg - Frankfurt a. M. im Sommerfahrplan schon um 4,23 nachmittags in Frankfurt a. Di. eintreffen, sodaß hiermit ein d i r e k t e r Anschluß von Darmstadt an Schnellzug 77 Frankfurt a. M.-Gießen (Frankfurt a. M. ab 4,30 nachmittags) hergestellt wird. Persvnenzug 530 Fulda-Gießen (Gießen an 9,50 abends) wird mit Rücksicht auf die Postübernahme in Ehringshausen einen etwas längeren Aufenthalt erhalten. Dagegen wurde der im Interesse des Touristenverkehrs gestellte Anttag, den Persvnenzug 1399 Stockheim- Gr e b e n h a i n - K r a i u f e l d (Grebenhain an 8,52 abends) bis Lauterbach Weilerzuführen, da jetzt der letzte Zug von Grebenhain nach Lauterbach schon um 5,48 nachmittags abfährt, für den Sommerfahrplan 1906 abgelehnt, weil er von den Interessenten zu spät eingegangenen war. Es sei deshalb hier rwchmals daraus hingewiesen, daß die Eisenbahndirektion Anträge auf Einlegung neuer Züge oder auf erhebliche Verschiebung bestehende^ Züge,, die mehrere Direktionsbezirke berühren, für den Sommertahr- vlan bis zum 25. September des vorhergehenden Jahres, für den Winterfahrplan bis zum 25. März desselben Jahres zu erhalten wünscht, weil nur dann eine eingehende Prüfung vor den allgemeinen Fahrplankonferenzen und eine eventuelle Berücksichtigung möglich ist. Geringfügige Zugänderungen, insbesondere solche, die nur ihren Bezirk berühren, wird die Cisenbahndirektion Frankfurt a. M. twch in Erwägung ziehen, wenn sie für den Sommersahrplan bis' zum 15. November und für den Winterfahrplan bis zum 15. Mai beantragt werden. c) Für den Sommerfahrvlan der Biebertalbahn hat die Handelskammer eine geringe, Früherlegung, des Zuges 8 Gießen-Bieder beantragt, sodaß er in Abendftern Anschluß an Staatsbahnzug 111 nach Lollar (Abendstern ab 1,31 mittags erhält. Diesem Antrag wurde entsprochen, ■htbem Zug'8 viom 1. Mai ab um 12,23 von Gießen abfährt. Ferner hat die Handelskammer die Beförderung von Postpaketen mit Zug 18 der Kleinbahn (Gießen ab 6,25 nachmittags) nach 'Heuckelbeim angeregt. Von dem hiesigen Postamt wurde diese Beförderung in Mssicht gestellt. b) Der König!. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Handelskammer den üblichen Berickt über die Lage des Eisenerzbergbaues im Handelskammer-Bezirk während des 1. Quartals, 1906 erstattet. Hiernach waren die Förderung und der Absatz der Erzbergwerke des Kämmerbezirt's günstig, soweit nickt Witterungs- einflüfse und Wagenmangel ungünstig einwirkten. e) Wn^ der Beisetzung des Präsidenten der Handelskammer Mainz, des §ernt Geheim en Kommerzienrats St. E. Michel, hat sick die Kammer durch ihren Vorsitzenden beteiligt und an der Bahre des Verstorbenen einen Kranz niederlegen lassen. (Schluß folgt.) l ..... .. Ausland. London, 30. April. „Daily Telegraph" meldet ans Tanger, feßB verschiedene Provinzialgouverneure m eine Versckwöru n g «gegen den Sultan von M a ro kko ^verwickelt sind. Diese Gouverneure, welche von den großen Vaassen des marokkanischen Volkes unterstützt werden, verlangen, daß der Sultan alle Beischlüsse derMarokkokvnferenz ablehnen soll. Falts ■bet Sultan Nickt entschiedene Opposition gegen die Versuche der mrropäischen Mächte, Einfluß, in Marokko zu gewinnen, macht, lsvll er feines Thrones vcrlufti- erklärt werden. 'v — „Daily Telegraph" meldet aus Durban, daß bereits Zusammenstöße zwischen den Natalt rupften und den «aufständischen Znluncgcrn stattgefunden haben. Den. Aufständischen wurde eine derartige Niederlage beigebracht, daß sie in großer Unordnung flüchten mußten. Die Gährung !unter der eingeborenen Bevölkerung dehnt sich aus. < Budapest, 30. April. Bisher siud 163 Wahlresul- 'ttate bekannt. Hiervon entfalten aus die Unabhängigkeitspartei •116, auf die Verfassung sparte i 24, auf die beutic^c Partei 8, auf die Serben 3, aus die Sachsen 5, auf die Demokraten 1. Wetter wurde ein Parteiloser gewählt. In Bekanmozo griffen auf- ständige Rumänen die Wähler der Unabhängigkeitspartei an. Gendarmen machten von ihrer Waffe Gebrauch und töteten träten Rumänen. Einer wurde schwer verletzt. •' Be lgrad, 30. LLpril. Endlich 'gelang eS Pasckitsch, ?fein Kabinett zu bilden. Die Ministerliste lautet: Paschitsck Präsidium, Aeußeres und interimistisch Bauten, Stviau Pro titsch Inneres', Dr. Lawr Patscku Finanzen, Dr. Wesnitsck (Gesandter in Paris' Justiz, Audra Nikolitsch Unterricht, General Putnik Krieg und Unioevfitäd-poofeffor Ldofta Stojanolvttsch Handel. Mnisterkrifis m Oesterreich. (Von unserem Wiener Korrespondenten.) Seit beinahe zehn Jahren bilden die Ministerkrisen eine tehende Rubrik in den Spalten der Wiener Presse, denn entweder kriselt's in Cis- oder es kriselt in Transleithanien, manchmal auch gleichzeitig in beiden Reichshälften. Nachdem oeben die Krone durch ihre Kapitulation vor der ungarischen Koalition einen vorläufigen Waffenstillstand in Ungarn erzielt hat, sieht sich jetzt der österreichische Kabinettschef, Freiherr v. Gautsch, veranlaßt, um seine Demission zu bitten, weil er nicht im stände ist, die Wahlreformvorlage im österreichischen Abgeordnetenhause durchzubringen, denn die verfassungstreuen und feudalen Grundbesitzer, die Polen, Alldeutschen und eine Anzahl von Dissidenten aus den übrigen Parteilagern, sie alle haben sich zu einer festen Phalanx zusammengeschlossen, um die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes zu verhindern. Am bockbeinigsten stellt sich dabei der Polenklub an, weil er von einer weitgehenden Wahlreform den Zusammenbruch der Schlachta in Galizien befürchtet. Wäre jedoch die Krone fest geblieben, anstatt den Kanoffagang zu den Wekerle, Apponyi, Polony und Koffuth anzutreten, dann mären die Polen wohl weniger wagemutig, allein böse Beispiele verderben bekanntlich gute Sitten, und sie wollen jetzt an Keckheit den Ungarn nicht allzuviel nachstehen. Der alte Kaiser Franz Josef wird einen schweren Stand bekommen mit seinen Polacken, die bisher immer die artigsten Kinder im Reichsrat waren, weil sie für jede Unterstützung einer wichtigen Regierungsvorlage stets schöne Geschenke mit nach Hause nahmen, natürlich auf Kosten Westösterreichs. Aber die gegenwärtige Ministcrkrisis ist auch wieder ein Beweis dafür, daß sich die alte Form des dualistischen Staaisgebäudes immer wieder nur auf ein paar Monate zusammcnflicken läßt. Der Kaiser hat die Demission des Ministerpräsidenten Gautsch angenommen und den Statthalter Prinzen Konrad zu Hohenlohe mit der Kabinettsbildung betraut. Prinz Konrad zu Hohenlohe, der im 43. Lebensjahre steht, gehört zu den fortschrittlichsten Politikern. Als Landespräsident in der Bukowina sowie als Statthalter in Triest erwarb er sich durch seine Unparteilichkeit gegenüber verschiedenen Nationalitäten und Parteien dieser Länder allgemeine Sympathien. Bereits vor mehreren Jahren sprach er sich entschieden für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aus und wurde deshalb in intimen aristokratischen sowie Hofkreisen der „rote Prinz" genannt. Prinz Hohenlohe wird außer dem Ministerpräsidium, da auch Graf Bylandt aus dem Amte scheidet, auch das Ministerium des Innern übernehmen. Der Kaiser übertrug dem neuen Ministerpräsidenten die Aufgabe, die Wahlreform durchzuführen, und Hohenlohe wird das Wahlreformkompromiß, das Gautsch angebahnt hat, zu beenden trachten. Hohenlohe konferierte nach der Audienz beim Kaiser nachmittags längere Zeit mit Gautsch und begab sich abends nach Triest, um sich von der Statthalterei zu verabschieden. Er kehrt dann nach Wien zurück. Vom französischen Staatsstreich. Paris, 30. April. Infolge der Prüfung der im Laufe der letzten Haussuchungen gefundenen Dokumente wurden heute der Leiter des „Blocks der Patrioten", Bi dert, der Generalsekretär der „Confederation du Travail“, Griff ulhes, und der Sekretär der „Avantgarde Royaliste", Feuillaut, verhaftet. Ferner sind Haftbefehle gegen den Sekretär der „Confederation du Travail“, Levy, und den Besitzer des „Anarchiste", Frementin, die jedoch beide flüchtig sind, sowie gegen zwei andere Personen, deren Namen unbekannt sind, erlassen worden. Sämtliche Personen werden der Teilnahme an Aufruhr und an anarchistischen Umtrieben beschuldigt. Auch der Bonapartist Graf Lurand de Beauregard, der sich gegenwärtig in Nizza aufhält, wurde unter der Beschuldigung der Teilnahme am versuchten Aufstande verhaftet. In Vieux Conde wurde in derselben Angelegenheit ein Dr. Tanche verhaftet, bei dem zahlreiche kompromittierende Schriften beschlagnahmt wurden. In Rouen wurden ebenfalls verschiedene Haussuchungen bei Anti-Militaristen vorgenommen, während in Brest sieh die Haussuchungen auf Mitglieder der reaktionären Partei beschränkte. lieber die Ursachen der Verhaftung des Grafen de Beauregard wird u. a. berichtet, daß man in dessen Wohnung in Paris Quittungen über größere Geldbeträge gefunden habe, die von dem gestern in Brest verhafteten Wahlagitator Breffolcs unterzeichnet sind. Bressoles war früher Wahlagitator Beauregards und steht seit 14 Tagen im Dienst des Präsidenten des sogenannten „Gelben Arbeitersyndikats". Zur Verhaftung Griffulhes und anderer Agitatoren des Allgemeinen Arbeiterverbandes wird berichtet, daß heute an Griffulhes, nachdem derselbe bereits verhaftet war, eine Rohrpostkarte kam, welche lautete: „Schlechte Arbeit in Ar- genteuil, in AsniöreS wirds besser sein." Der frühere Hauptmann Tamburini, welcher bereits vor 2 Jahren als der Anstifter eines militärischen Komplotts verhaftet und angeklagt, jedoch später amnestiert worden war, wurde heute von einem Sicherheitsinspektor dem Untersuchungsrichter vorgesührt. Gerüchtweise verlautet, daß auch gegen den seinerzeitigen Mitangeklagten Tamburinis, den Hauptmann Volpert ein Haftbefehl erlaßen worden sei. Seitens der Behörde wird immer noch strenges Stillschweigen über das Ergebnis der Haussuchungen in Bezug auf ein Komplott gegen die Sicherheit des Staates beobachtet. Man hofft jedoch, daß heute oder morgen das Resultat dieser Haussuchungen offiziell bekannt gegeben werden wird. Vor der Gerichtsbehörde in Valenciennes hat die Durchsicht der beschlagnahmten Papiere begonnen. Auch sie legt großes Stillschweigen an den Tag. In der Arbeiterbörse ereignete sich bei einer Versammlung der Arbeiter ein lebhafter Zwischenfall. Leutnant Trsserande-Delange, der eine Jnfanterieabteilung befehligte, die in der Straße die Polizei unterstützte, begab sich in die Versammlung und hielt in Uniform eine Ansprache, worin er erklärte,' er sei wie viele Soldaten Sozialist und empfehle deshalb den Arbeitern Ruhe, damit leine Konflikte entstehen. Der Leutnant wurde nach Verlassen des SaaleS seines Dienstes enthoben und in seine Kaserne abgeführt. Patrouillen werden morgen von früh bis spät' sämtliche breiteren Straßen der Stadt durchziehen. Um die Truppen in der Stadt nicht zu behindern, hat der Polizeipräfekt die Geschäfte ersucht, nachmittags keine Lieferungen zu machen. Das gesamte Geschäfts- und Straßenleben wird morgen still tehen. — Wie verlautet, ist ein zweites Dynamit- attentat gegen die Eisenbahnbrücke bei Colombes verübt worden. Ein Soldat beobachtete mehrere Personen, die damit beschäftigt waren, die Schrauben der Schienen zu lösen. Bei seinem Hcrannahen ergriffen die Leute die Flucht. In Dona ix fanden zwischen Vertretern der Grubendirektoren und Delegierten der Arbeiter Verhandlungen statt, in denen folgendes Abkommen getroffen wurde: 1) die Prämie von 10 Prozent, die vor dem Ausstand in Kraft war, wird auf 20 Proz. erhöht, 2) die Vertreter der Arbeiter-Syndikate ind ermächtigt, die Lohnskala in den Büchern der Gesellschaft zu kontrollieren. Es finden keine Arbeiterentlassungen im Streikverbande statt. Ausgenommen sind solche Arbeiter, die zu Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Infolge dieser Zugeständnisse werden morgen 10 000 Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen. In Lens beträgt die Zahl der Ausständigen noch immer 37 000, die der Arbeitenden 17 000. Es sind zwei Personen wegen Aufreizung von Soldaten verhaftet worden. Unter den Ausständigen macht sich eine allgemeine Müdigkeit bemerkbar, veranlaßt durch den Mangel an Mitteln, den Streik weiter zu führen und durch die allgemeine Not. In Aniche haben 4000 Arbeiter heute die Arbeit wieder aufgenommen. In der vergangenen Nacht wurde gegen den Befehlshaber des in LenS liegenden Bataillons ein Bombenanschlag verübt, der jedoch nur Sachschaden anrichtete. Auch in Hernes fanden Explosionen statt. Es wurde eine große Anzahl antimilitaristischer Aufrufe und Schriften beschlagnahmt. Koloitialpofi* Berlin, 30. April. Eine außerordentliche Hauptversammlung der SiedelungS- Gesellschaft für Deutsch-Südwestafrika hat beschloffen, dem Ansuchen der Kolonialabteilung Folge zu geben und die bis zum 1. Mai d. I. gestellte Frist für das der Kolonialabteilung gemachte Angebot auf deren Antrag gegen Rückerstattung der bisher seitens der Aktionäre eingezahlten Gelder, zuzüglich der seit dem Einzahlungstermin verloren gegangenen Zinsen, ihr Vermögen mit allen Rechten und Pflichten an die Kolonialverwaltung ab zu treten, bis zum 1. Januar 1907 zu verlängern. Mrche nut Schule. — Bei den diesjährigen Konfirmatiosfeiern haben viele Geistliche das von Deutschlands Großloge II des Guttempler- ordcns herausgegebene Flugblatt „An die Konfirmanden" verteilen lassen und vor bem Alkoholgenusse gewarnt. In dem „Monatsboten der Luthergemeinde in Frankfurt am Main" schreibt Pfarrer F. Mahling dazu folgendes: „Wie int vergangenen Jahr, so mache ich auch in diesem daraus aufmerksam, daß zur Prüfung und Konfirmation dasselbe schwarze Kleid getragen wirb. Ich bitte herzlich alle Eltern, dies Kleid wie die Feier int Hause möglichst einfach zu gestalten, und bei der Nachfeier wenigstens voit beit Kind ent jeden Alloholgenuß sernzuhalten. Ich bitte um der Kinder tvillen wie um der Sache willen. Seit Jahren selbst abstinent, d. h. enthaltsam van jedem alkoholischen Getränk, werbe und wirke ich für diese wichtige Suche, so viel ich kann. Darum bitte ich die lieben Eltern herzlich, meine oben ausgesvrochcne Bitte zu erfüllen." Aus Studt uud Lund. Gießen, den 1. Mai 1906. ** Cabaret z u den luftigen Siebe n. Am Donnerstag und Freitag gastiert hier int Neuen Saalbau das Cabaret zu den lustigen Sieben aus dem Börsen-RestaurcmL zu Frankfurt a. M. 'Ten Künstlern geht ein guter Ruf voraus. Vor allem heben die Frankfurter Blätter hervor, daß sie, im Gegensatz zu anderen Cabarets, in ihrem Programm nur streng dezente Dichtungen zum Vortrag bringen. k— B n tz b a ch , 30. April. In Sachen des Heimats - pflege- und Volkstrachtenfeftes fand heute nachmittag von 4 Uhr ab im Saale zum „Hessischen Host' im Beisein d'es Protektors des Festes, Fürsten Karl von S o l ms -Li ch, eine Versammlung statt, die äußerst zahl- reid) aus allen Teilen der Wetterau besucht war. Von Gießen wohnte Baurat Diehm, von Darmstadt Regierungsrat Dr. Kranzbühler bei. Fürst Karl gab seiner Frende über das Zustandekommen des Festes und über die Bestrebungen Ausdruck. Kreisrat Fey enttvickelte eingehend das Programm der Feier. Danach umfaßt es: die Ausführung des Festspiels „Die Hüttenberger", eine Ausstellung von Trachten und bäuerlichen Geräten usw„ einen Festzug mit Grnppenvorführung und mehrere belehrende und aufklärende Vorträge. Dann ergriff der Denkmalspfleger für Oberhessen, Professor W a l b e-Darmstadt, das Wort zum Vortrage: „Tas Bauernhaus in Oberhessen". In li/2ftün« diger, fesselnder Rede schilderte er zuerst die deutschen Bauernhäuser, dann das Bauenthaus in Oberhessen. Den Vortrag erläuterten Lichtbilder. Das deutsche Bauernhaus zerfällt nach den Stämmen 1. in das niederdeutsche, sächsische, 2. in das fränkische,^dazu das hessische, 3. das oberdeutsche, Schweizerhans, Schwarzwaldhaus. — Lebhafter Beifall lohnte den Redner. Kreisrat Fey-Friedbergj dankte und brachte ein Hock) auf das kunstsinnige Groß^ Herzogspaar aus, das die Bestrebungen tatkräftig untere stützt. (Näherer Bericht folgt morgen.) Homburg v. d. H., 30. April. Heute nachmittag unternahmen der Kaiser und die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und den Damen und Herren des Gefolges, sowie dem Geheinten Oberbaurat Prof. Jakoby einen Ausflug nach bem Altkönig in Automobilen. vermischtes. • Ein Eisenbal;nunglück bei Paris. Der Eilzug aus Cherbourg, toelcher die Reisenden eines Amerikadampfers nach Paris beförderte, stieß bei der Station Andrery nahe Paris auf einen Güterzug. Mehrere Personen wurden ver- wundet. Wahrscheinlich sind auch einige getötet worden. * New-Po r k, 30. April. General Greely verlangt -15 Offiziere mit VerwaltungZtalent. Er sagt, eine Kris« des 3% Öesterr. Goldrente . 109.20 254.30 Berliner Bör*e, 30. April. Anfangskom . 91.20 . 161.80 ?ya 4 °o Harpener Bergwerk Laurahütte . . • ombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . ist er- Perliner Handelsces Darmstädter Bank . Deutsche Bank Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenlahn . Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oestcrr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn . 2310 . 146.10 . 144.70- . 171.20 . 144.20 163.90 22050 250.50 136.50 132.40 173.00 144.10 239.29 185.50 100.55 101.10 96.70 . 68 40 . 97.80 100.50 88.40 100.45 *8 40 99.60 Canada E. B Darmstadter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: ruhig. Beichsanleihe do. Konsols . . do. . . Hessen . - Oberhe Mai 1906: Wolkig, zeitweise heiter, meist trocken, nur stellenweise geringe Regenschauer, kühl, besonders nachts. Vorübergehend geringe Aufheiterung. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. FamUkeii-Nachrichten. Gestorben: Herr Regierungsrat Metzler in Darmstadt. 456 Griech. Monopol-Anl. 4 5s äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . . . 4^°/0 Chinesen . . . Aktien; Bochum Guss .... Buderus E. W . . Tendenz: stilL löst worden. - M hat ein Alter von 82V- Fahren erreicht und als Mitglied der nationalliberalen Partei der hessischen Kkmmer 43 Jahre angehört. Der Dahingesckiedenc erfreute sick wegen ieures ruhigen und liebenswürdigen Wesens der Hochachtung aller Parteien. Er ist nie rin einseitiger Parteimaim gewesen. Seine tiefe Kenntnis der hessiscken Finanzen wurde nickt nur von der Kammer, sondern auch seitens der Regierung hock geschätzt, ^t langen Jahren war er Präsident des Finanz-Aussckiuses und hat als solch-r sich besonders um tue parlamentarsiche Prutnng und Fertigstellung de? Staats Budgets verdient gemach c. Auckden Elar für 1906 bat er uock im verflossenen ^ahre den: Aus,mutz fertig gcfiellt. Bald darauf erkrankte er schwer, so dan er den Kammer-Beratungen über das Staats-Budget nicht mehr beiwohnen konnte. Bei Verabschiedung dMewSr druckten Ivwohl Arbeiterbewegung. Ha mburg, 29. April. Tie 13 größten hiesigen Arbeit' geberverbände, darunter sämtliche See- und Binnenschiffahrts- und die verwandten Betriebe, ferner der Eisen- und anderen Metall-Industriellen, geben bekannt, daß diejenigen Arbeiter, die wegen Beteiligung an der sozialdemokr. Maifeier der Arbeit am 1. Mai fernbleiben, lskontraktbrüchigen Hassen und nicht vor dem 11. Mai wieder eingestellt werden. Der Arbeitgeberschutzverband der Holzindustrie von Hamburg und den Nachbarstädten kündigt den am 1. Ma sembleibenden Gesellen und Arbeitern die Aussetzung der Arbeiten für weitere drei Tage an. Dresden, 26. April. Tie heute abgchaltene Versammlung der Ausständigen und ausgesperrien Metallarbeiter der Gießereibetriebe nahm eine Resolution an, in welcher gesagt wird, daß die Kämpfenden, ebenso wie die Organisation kamvfesmüde seien und daß sie sich trotz der bisher r c s u l t a t l o s ver aufeneu Verhandlungen bereit erklären, diese iortzusetzen. Die Versammlung wünscht, daß weiter die Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen möchten und erklärt solchen Bedingungen die für beide Teile annehmbar sind, gern zustimmcn zu wollen. ssck schlüssig zu tvcibeit. Hennig' wurde wegen Raubmordes zum Tode und wegen Diebstahls, schwerer Urkundenfälschung und Körperverletzung zu 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Verlust der bürgerlrcken Ehrenrechte 'und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt- Hennig verzog bei der Verlesung feine Miene. Der Vorntzende forderte ihn nochmals auf, nunmehr diirck ent otzenes Geständnis sein Gewissen zu erleichtern. Ter Mgeklagte beteuerte nochmals feine Unschuld. Hennig wurde dann der Berliner Kriminalpolizei über* ' geben und traf abends 11.36 Uhr bereits wieder aus dem Potsdamer Bahnhose in Berlin ein Hennig wurde wegen Raubmordes zum Tode und wegen Diebstahls, schwerer Urkundenfälschung und Körperverletziing zu 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Stellung unter Polizeiaufsicht verur tritt. Lott erie-Än zeigen. Ein Offenbacher Lotlcriekallektcur hatte eines Tages einem Jnferaten-Reiscnden^ ans Wiesbaden einen Jnseraten-Anftrag erteilt. Er wusste, day e9 verboten stt, hessische Lose in Preußen anzubieten, der Reuende sagte ihtn jedoch, seine Firma werde eventuell die Strafe bezahlen, und daraufhin inserierte der Kollekteur, -ter Staatsanwalt m Wiesbaden erhob bald Klage gegen 'bn und das Gericht verurteilte ihn zu 20 Mark Geldstrafe und c,60 Mark Kosten. Der Wiesbadener Zeitungsverlag lehnte es.l.edoch ab, die Htrase usw. zu zahlen, da er die Abmachung lernet Reisenden nickt kannte. Daraufhin erhob der Kollekteur Klage auf Bezahlung der Strafe und Rückerstattung von 210 Mark bezahlter Anzeigengelder Das Amtsgericht Offenback lehnte die Klage des Kollekteurs ab ^er Kläger, der mehrfach wegen Lvtterrevergehens vorbesrvast ist, hätte wissen müssen, daß das Anpreri en, he Bischer Lose tn preu^ ßischen Zeitungen verboten ist. Der ^zmertionsv ertrag ist durch den freien Entschluß des Klägers zustande gekmmem Deshalb hat er ouck die Folgen zu tragen. Die beklagte Firma kann sur die Abmachungen ihres Reisenden uidrt haltbar gemacht werden. Von einer Rückerstattung des Geldes für die dnjeigen kann keine Rede sein, da diese ja laut Abmackumg ericknenen und. Wenn nicht in Kürze der Unterschied zwilchen hessuchen und vreu- ßisckstn Lotterielosen und damit die Strafbarkeit der Anpreisung fiele, so könnte dieser Fall den hessischen Kvllekteuren zur Warnung dienen. „ . . . ~ Derlin , 30. April. Divisionspsarrer B a ck st e r n wll gegen t)a9 Urteil des Oberkriegsgerichts abermals Revision em- gelegt haben. Sandelnd Verkehrs Volksivirtschaft. Der Rücktritt des Reichsbank-Präsidenten Kock Ebenso energisch wie die Rücktrittsgesucke dementiert werden, ebenso halsstarrig werden sie weiter behauptet. . ^cden- salls ist es als bemerkenswert zu bezeichnen, beißt es ui einer Kundgebung in letzterem Sinne, daß in der am Donnerstag ab- 41 /,*' Oesterr. Silberreute 4°L I n »ar. Goldrente . . 496 Italien. Bente . . . 3 Sö Portnsriesen Serie I . 2% Portugiesen „ ITT 4 yö'o russ. Staatsanl. 1905 41<°n japan. Staatsanleihe 46; Conv. Türken von 1903 Türkenlose ... . . Aunst rin- Wissenschaft. — Von der Darmstädter Künstlerko 1 oni. e. Von Herrn I. B. Cissarz ging dein „Türmst. Tagebl." eine Zuschrift zu, der wir folgendes entnehmen: Professor Habich hat gleichfalls den R u s nach Stuttgart angenommen und zwar scheiden wir durchaus nicht in T-islurrmonie mit den für uns maßgebenden Stellen. Es liegt nicht in unserer Absicht, die durch S. K. H. den Großherzog gepflegten Kunstbestrebungen in irgend einer Weise durch unsere Uebersiedlung noch Stuttgart zu kritisieren oder gar zu schädigen. Wir haben ganz im Gegenteil uns bemüht, unter der deutschen Künstler- schäft geeignete Vertreter für die einzelnen Gebiete der hier zu pflegenden Kunst ausfindig zu machen irnd werden auch fürderhin die Großh. Kabinettsdirektion in diesen Fragen mit Freuden unte'sstützen. Zweifellos werden auch Künstler bereit sein, an der von uns verlassenen Aufgabe mitzuwirken, namentlich, wenn man, durch die bisherigen Erfahrungen belehrt, sie von vornherein vor den schädlichen Einflüssen bewahrt, die einigen der bis heute vvn Darmstadt geschiedenen oder scheidenden Künstlern das Derweilen hier unmöglich gemacht haben. Gerrchtssaal. Potsdam, 30. April. Vor dem Schwurgericht begann beute der Prozeß gegen den Raubmörder Hennig. Der kleine Schwurgerichtssaal ist überfüllt. Unter den Zuschauern bemerkte man die Erbprinzessin zu Wied. Nach Eröffnung der Sitzung warnte der Präsivent den ziemlich blaß aussehenden Angeklagten vor jedem Fluchtversuch. Indessen wolle man ihm in der Voraussetzung, daß er die Verhandlung nicht störe, die eisernen Fesseln abnehmcn. Nach Auslosung der Geschworenen verzichtete Hennig daraus, einzelne derselben abzulehnen, worauf das Verhör beginnt. Dasselbe ergibt namentlich über das Vorleben des Angeklagten wenig neues. Er gibt seine Straftaten teilweise zu, leugnet aber noch Immer, den Kellner Giernoth ermordet zu haben. Als Täter nennt er einen Unbekannten namens Franz, den er als einen Manu mit langem, glatten Gesicht und in das Gesicht gekämmten Haaren, einem Wiener Kellner ähnlich, bezeichnet. Jin weiteren Verlaufe gibt der Angeklagte eine Darstellung über die Ermordung Giernoths ähnlich, wie bisher, welche jedoch wenig glaubwürdig klingt. Nach der Mittagspause stellt der Verteidiger den Antrag, noch weitere Mittel zur Anwendung zu bringen, um den unbe- 'annten „Franz" zu ermitteln. Insbesondere soll der im Eisen» bahnkoupee überfallene Freiherr von Zitzewitz geladen werden, indessen ist der Staatsanwalt der Ansicht, daß alles Notwendige ge- khchen sei. Der Gerichtshof beschließt über den Antrag erst nach Schluß der Beweisaufnahme zu beraten, um die Verhandlung nicht ui verzögern. Alsdann beginnt die Beweisausnahme. Bemerkenswert ist hierbei die Aussage der Frau des Gendarmen Kumorck, welche angibt, daß drei Tage nach Auffindung der Leiche Giernoths ein Mann zu ihr gekommen sei, mit bet Anfrage, ob die Letcye schon rekognosziert worden sei, er sei ein Vetter des Ermordeten. In Hennig will die Zeugin den betreffenden Mann unbedingt wiedererkennen. Nachdem Hennig eine unerwartete Verteidigungsrede gtyallcn hatte, die bei den Zuhörern nickst vhne gewissen Eindruck blleb, sogen sich um 9 Ubr die Geschworenen zur Beratung zuruck, Die eine Stunde in Mspruck nahm, ^»ecksl der Schalldf ragen wurden mit mehr als 7, zwei weitere mit mehr als 6 stimmen beialst. Staatsanwalt Mendelssohn beantragte darauf für den Mord die Todesstrafe, für den Raub unter Anwendung von Gewalt 5 Jahre Zuchthaus und Aberkennung der Ehrenrechte. Für die weiteren Verbrechen wurden leichtere Nebenstrafen beantragt. Die ,yrage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte noch weitere Anfrage zu stellen habe, beantwortete er mit dem Anträge am Ladung des Franz" und des Herrn v. Zitzewitz. Der Gerichtshof zog sick dann zur Beratung zurück, während im Saal bte größte Aufregung herrschte. Der ?bigeklagte saß anscheinend tellnahms-los da Nur weniger Minuten bedurfte cs für den Gerichtshof, um Privatdiskont 3V< Prozent. Vom Anleihemarkt. Daß die deutsche Finanzwelt sick nickt gewissermaßen mit der Sanktion des' Staates an der großen russischen Anleih: beteiligen konnte, hat sie heute nock nicht ganz verschmerzt und wird eS auch geraume Zeit nickt vergessen. Die Bankiers schmollen und lassen durck F-manzblätter an kündigen, daß der deutsche Wileihemarkt auf einmal überlastet ist. Die großen Anleiheemisswnen des Reiches und Preußens, deren Begebung in diesen Tagen erfolgte, haben den Anleihemarkt derart in Anspruch genommen, daß für die Uebernahme weiterer Anleihen in Bankkreisen zurzeit wenig Neigung besteht. Die Banken sind vielmehr in erster Linie darauf bedacht, die erheblichen Anleihebetrage, die sie in den letzten Tagen auf dem Wege der Intervention aufnehmen mussten, wieder abzustoßen. Unter diesen Umständen stoßen z. T. die Versuche der 'Stadt Rixdorf resp. der Gemeinde Wilmersdorf, die Anleihen von 18—20 Mill. Mark aufzunehmen wünschen, int gegenwärtigen Augenblick auf Schwierigkeiten. Aehnlick liegen die Dinge bei der Submission auf die Mannheimer Stadtanleihe, über deren unbefriedigendes Ergebnis der Telegraph berichtete. In auffälligem Ostgensatz zu dem Wettlauf, der sich in früheren Zeiten gelegentlich um Stadtanleihen entspann, la^ diesmal nur eine einzige Offerte vor, deren Bedingungen indess.n den Mannheimer Stadtrat zur Ablehnung der Offerte veranlaßten. Keine Ausfuhrzölle für Kohlern Für Montanaktien machte sick am Samstag eine rege Nachfrage geltend, die aus die Ablehnung des Kanitz'schen Antrages betr. Einführung von Ausfuhrzöllen für Kohlen in der Reichstagskommission zurückzuführen ist. Namentlich machte die Erklärung der Vertreter der Rricksregierung guten Eindruck, daß sie derartige Anträge stets ablehnen werde. Dadurch ist die Börse ein für allemal von der Sorge befreit, den ihr der Antrag Kunitz bereitet hat. bic Kammer, wie die Regierung, dem greif en Vrässdenlen {5re, ber'.liebsten Wünsche für seine Genesung aus. Möllinger gewotz. au en in feiner Heimat Rheinhessen die grötzie Hochachtung. Lr war von 1874—1890 Bürgermeister v n Pseddersheim und lang- jäbriges Nritalied des Kreistages : ? Kreisausschusses, lottnc Präsident de-> Landwirtschaftsverein "ur Rhemhenen. Ejektriz. Lahmeyer . . . 143.00 Elektriz. Schnckert . . . 132.95 Eschweiler Bergwerk . 267.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 230.00 GrZgrnal-Drahtmeldungen. Darmstadt, 1. Mai. Wegen Erkrankung an Genick- larrc wurde ein Dragoner der 4. Schwadron bc3 Dragoner-Negiincnts Rr. 23 in§ Garnison-Lazarett auf»; genommen. Weitere 14 Mann wurden als verdächtig dort eingeliefcrt. — In einer gestern abend abgehaltenen Metall- arbeiter-Versammlung lunrbe eine Resolution angenommen, in der die Versammlung den Streikenden ihre Sympathien ausspricht. Cie erblickt in dein Vorgehen der Unternehmer, die die Aussperrung verhängen wollen, eine Machtprobe schlimmster Art. In Darmstadt haben bereit?j drei Firmen den Arbeitern gekündigt, die übrigen haben sich' mit dem bekannten Anschlag betr. die Aussperrung begnügt. Berlin, 1. Mai. Tie ,Berl. Morgenpost" erfährt, der, Reichskanzler Fürst Bülow werde sich zu einem Urlaubs von mehreren Wochen auf den Semmering begebeng Saargemund, 1. Mai. In Mörchingen erschoß ich der Musketier Korn elf on wegen Urlaubsuber-> schress'ing. Leipzig, 1. Mai. AuS Furcht vor unheilbarem Wahnsinn erschoß sich die Jngenieursgattin Gisela Berger aus Budapest. Breslau, 1. Mai. Die hiesige Volksmacht wurde wegen eines in ihrer Festnummer enthaltenen Gedichte? »Der 1. Mai" volizeilick beschlagnahmt. Der verantwort!. Redakteur Franz Klühs wurde verhaltet. London, 30. April. (Oberhaus.) Lord Balfour lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Unzuträglichkeiten, welche in. jüngster Zeit durch die Anwesenheit einer Bande von 80 deutschen, Zigeunern entstanden seien, die mehrfach Räubereien begangen hätten und fragt ob im Hinblick auf daS Gerücht, daß noch andere Zigeuner das Land durchstreiften, die Regierung Vorstellungen, bei der deutschen Regierung machen oder sonst Schritte tun, werde, um die Unzuträglichkeit zu beseitigen. Ter Lord der mirnlität Tweedmoutb führte aus, es würde möglich sein, die Zi°, geuncr als lästige Ausländer aus Grund des Fremdengesetzes wegzuschaffen, aber zurzeit scheine fein Grund für ein derartiges Vorgehen vorhanden zu sein. Einige deutsche Einwohner in Glasgow seien bemüht, sie zur Rückkehr in ihr Heimatland zu bringen. Paris, 30. April. Die unter der Beschuldigung der Teilnahme an Aufruhr und anarchistischen Umtrieben Verhafteten werden noch Bethune übergeführt. Der Sekretär- des „EoufödLralion griiörale du travail", Levy, der, da er abwesend war, nicht verhaftet werden konnte, ist nicht geflüchtet,! sondern befindet sich auf einer Rundreise zu Besprechungen in Moutceau-les-Miu eS. Seit 7 Uhr abends sind alle in Paris, weilenden Gruppen in ihren Quartieren konsigniert. Sehr viele, Militärposten sind verdoppelt worden. Toulon, 30. April. Die Straßen bah ns chaffner, sind in den Aussta nd getreten. Sie zündeten die Straßen-« bn (in iv ag en an. Tie Stadt ist ohne jede Beleuchtung. Die sämtlichen Mannschaften des Geschwaders sind konsigniert. Rom, 1. Mai. Botschafter Graf Lanza hatte schon eine Wohnung in Turin gemietet, um sich in das Privatleben zurück- zuziehen. Er kehrte nach Berlin zurück aus ausdrückliche Bitte des Königs, der damit zu erkennen geben wolle, wie viel ihm an den guten Vezie bungen zum deutschen Reiche gelegen sei. Graf Lanza hat den Auftrag, die maßgebenden Kreise in Berlin wissen zu lasten, daß kleine Verstimmungen Italien an der Dreibundtreue nicht hindern können. Neapel, SO. April. Ter König von England hat heute abend die Rückreise nach London angetreten. Petersburg, 30. April. Hier waren heute beharrliche Gerüchte im Umlauf, Graf Witte habe fein Entlassungsgesuch eingereicht, das vom Kaiser genehmigt worden sei. Diese Gerüchte ermangeln jedoch zunachst (!) aller Be-- glaubigung. Riga, 30. April. Eine vielköpfige Bande Revolutionäre, die mit Gewehren bewaffnet war, machte einen Angriff auf das Bezirksamtsgebäude des in der Nähe von Riga gelegenen Ortes Ulbrock-Stolpine, zündete das Gebäude an und zerstörte es vollständig mit allem, was darinnen war. Sämtliche Mitglieder der Bande sind entkommen. Moskau, 1. Mai. Im Gardcregiment ProbraschenSk wurde eine größere Anzahl Soldaten wegen regierungsfeind- kicher Agitation im Heere verhaftet. — Bei dem hier weilenden kürzlich vom Amte zurückgetretenen Gehilfen des Ministers des Innern, Fürsten Jrussew, erschien die Polizei, um ihn wegen politischer Umtriebe zu verhaften. Vorläufig gelang es dem Fürsten, als Mitglied der Reichsduma der Verhaftung zu entgehen. Oakland, 30. Avril. Aus dem deutschen Konsulat sand sich eine Menge Bedürftiger ein. Rach kurzem Befragen erhalten die Leute schnell kleine Geldbeträge. An Familien werden vorläufig bis 10 Dollars ausbezahlt. Kräftiger Junge angekomen. 2781 VI Ri ■ I 6 i $ Julius Berduz und Fran geb. Lony. Literarischer Abend am II. Mai d. Jahres 71/, Uhr in der großen Aula der Universität Gut erh. Kinderwagen zu verk. Schiffenberg er Weg 63. f 03116 Ein schöner, schwarzer Pudel billig zu verkaufen. 103119 Näheres Bleichstrafte 35, II. Zickeifelle zu kaufen gesucht. [2333 Gg. Schultheis, Marktstrafte 3. 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