Nr. 1 Zweites Blatt. 156. Jahrgang Dienstag 2. Januar W06 Erscheint ttgfidf mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener Familiendlätter- werden dem »Anzeiger otcnnnl wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erfcheuu monatlich einmal. L . . Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Unwersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr A. Tel. Nr. 61. Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gießen General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen. Betr.: Die Sterblichkeitsstatisiik. An die Groflh. Bürgermeistereien und Standesämter des Kreises Gießen. 1. Bei Einsendung der Zählkarten und Todes - zeuqnisse (resp. Fehlanzeige) über die Todesfälle der Monate November und Dezeniber, welche bis zum 1 0. I a n u a r 1906 zu geschehen hat, rnüsftn auch die genannten Urkunden von denjenigen Sterbeiällen beigelegt werden, welche im Jahre 1905'sich ereignet, aber erst im Januar 1906 eingetragen worden sind. 2. Wir bedürfen die Zahl der im laufenden Jahre lebend geborenen Kinder, nach dem Geschlechte getrennt, und bitten Sie deshalb bei Einsendung der TodcS- zcugnisse einen Zettel anzulegen nach folgendem Muster: Lebend Geborene im Jahre 1905 in: (Gemeinde) männliche: weibliche:____________ zusammen: Gieß en, den 23. Dezember 1905. Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen. Dr. H a b e r k o r n. Belr.: Die Strafregister; hier: Die Nachweisungen der im 2. Halbjahr 1905 verstorbenen bestraften Personen. Der Grosfh. Ober-Steats-mwalt beim Landgericht der Provinz Olmhssen an sämtliche Ortspolizeibehörden des Kreises. Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen oder Fehlanzeigen bis zum 1. Februar 1906 — ohne daß rine Erinnerung nötig wird — an mich einzusenden. Gießen, den 30. Dezember 1905. Der Großh. Oberstaatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen. Theobald. Deutsche» Berlin, 1. Jan. Die Neujahrsfeier bei Hofe wurde um 8 Uhr morgen? durch Choräle des Trompeterkorps der Gardekürassiere von der Schloßkuppel herab eingeleitet. Inzwischen begann die Auffahrt zum Gottesdienst und zur Cour. Der Kaiser, der Kronprinz mit seinen Brüdern und Prinz Heinrich kamen im Automobil vom Neuen Palais. Zum Gottesdienst in der Schloßkavelle fanden sich ein Mitglieder deS hohen Adels, der Reichskanzler, die BundeSratsbevoll- mächtigten, die Generalfeldmarschälle, die Generalobersten, die Ritter deS Schwarzen AdlerordenS, die Generalität, die Admiralität, die Kommandeure der Leibregimenter, die Staats- minister, die Parlamentspräsidenten, die Wirklichen Geheimen Räte, die Räte erster Klaffe. Der Kaiser Irrig große Generalsuniform mit dem Bande deS Schwarzen Adlerordens und der Kette deS Hohenzollernschen Hausordens. Rechts vom Kaiser nahmen Platz die Prinzen Arnulf von Bayern, Eitel Friedrich, Friedrich Leopold, Ailgilst Wilhelm, links der Kronprinz, die Prinzen Heinrich und Adalbert und der Fürst von Hohen- zollern. Oberhofprediger Dryander predigte über Epheser 4,6 ,Ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch allen und durch euch allen und in euch allen." Nach dem Niederländischen Dankgebet begab sich der Hof naeh dem Weißen Saale, wo der Kaiser vor den Thronbaldachin trat. Unter den ftlängen von Polonaisen, Märschen und Liedern begann die Gratulationscour. Der Kaiser schüttelte dem Reichskanzler, sowie den Präsidenten und Vizepräsidenten der Parlamente die Hand. Nach der Cour empfing der Kaiser die Botschafter, den Reichskanzler, die Staatsminister und die kommandierenden Generale. Um 121/? Uhr gingen der Kaiser, der Kronprinz mit seinen Brüdern, die Prinzen Arnulf von Bayern und Heinrich und die Herren des Hauptquartiers nach dem Zeughause, wo in der RuhmeShalle die Nagelung und im Lichthof die Weihe neuer Feldzeichen stattfand. Im Schlöffe war dann große Tafel. — Generalleutnant v. Moltke wurde zum Chef des Generalstabes der Armee ernannt. Generaloberst Gras Schliessen erhielt den Schwarzen Adlerorden in Brillanten und wurde ä la suite des Generalstabs der Armee gestellt. Gotha, 1. Jan. Auch die zweite Wahl des sozialdemokratischen Fabrikarbeiters Jäger zum Sena tjo r 'in Walters Hausen hat die Bestätigung des Staatsministeriums nicht erhalten. Der frühere bürgerliche Senator Heineke ist von der Regierung als städtischer Senator und Vertreter des Bürgermeisters bestellt woidrn. Anna berg i. S., 1'Jan. Für den verstorbenen wildliberalen LandtagSabg. Gräfe wurde der freisinnige Stadtv. Roch zum Landtagsabgeordneten gewählt. Stuttgart, 1. Jan. Wie der „Stsatsanz." mitteilt, werden zu Beginn des Jahres zur Feier des 100jährigen Bestehens des Königreiches Inbiläumsfreimarken aus- gegeben. An da§ Publikum wird die Jubiläumsmarke in der gleichen Weise käuflich abgegeben, wie die gewöhnlichen amtlichen Postwertzeichen. München, 81. Dez. Zur Frage des Erwerbs eines Kohlenbergwerkes durch deu bayerischen Staat bemerkt die „Allg. Ztg.": Es laufen zur Zeit Angebote beim Veckehrsministerium "ein, die geprüft werden. Bis jetzt ist allerdings kein Angebot so ausgefallen, daß sich die Behörde zu einem entscheidenden Schritte hätte veranlaßt gesehen. London, 1. Jan. Auf Grund des mit dem heutigen Tage in Kraft tretenden neuen Eintvanderungsgesetzes sind heute von 42 aus Hamburg hier eingctroffenen Auswanderern 24 zurückgewresen worden. von unbe- gegenwärtig lig e 3 it - — Ter Herzog von Devonshire erließ ein Manifest an die freihändlerischen Unionisten. Er ermahnt sie, da, wo es nicht möglich sei, sich einen eigenen Vertreter im Parlament zu sichern, ihr Verhalten so einzurichten, daß es zeigt, daß die Unionisten als Ganzes sich nicht auf die Schutzzölle verpflichten. — Campbell Bannerman sagte gestern in einer an den schottischen Vergwerksbnnd gerichteten Ansprache: Bei einer zufriedenstellenden Gestaltung der allgemeinen finanziellen Lage würde die Aufhebung der Kohlen- e x port st euer eine der ersten Angelegenheiten fein, welche mein in Angriff zu nehmen hoffen dürfe. Birmingham, 30. Tez. Chamberlain führte in einer hier gehaltenen Rede aus, die gegenwärtige Re- bierung werde ein Spielzeug in den Händen der irischen Partei fein. Die Verschiedenheit der Zollpolitik Deutschlands und Englands hätte zur Folge gehabt, daß Deutschland jetzt ein größeres Absatzgebiet und eine billigere Produktion habe. England könnte sich nicht mehr die erste Stelle auf dem Gebiete deS Handels sichern, es hätte die F-ührung behalten können, wenn e5 seine Stelle 20 Jahre vorher ausgenutzt hätte. Paris, 1. Jan. Der Vantenminister hat eine Kommission ernannt, welche ein Projekt für einen Kanal ausarbeiten soll, der den atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer verbindet. Ter Minister will das Projekt baldmöglichst der Kammer unterbreiten. — TouNier sucht auf eine in dem kinderarmen Frankreich besonders wirksame Art für sich Stimmung zur Präsidentenwahl zu machen. Er läßt sich im „Malin" mit seinen fünf Söhnen abbilden, von denen der älteste Oberleutnant, der jüngste Quartaner ist. — Präsident Loub et empfing heute aus Anlaß des Jahreswechsels das diplomatische Korps. Ter italienische Botschafter, Graf-Tornielli, hielt eine.Ansprache, in der er ausführte, beim Beginn des vergangenen Jahres habe die ganze Menschheit unter dem Eindruck schmerzlicher Gefühle gestanden, die jedoch durch die allgemeine Ueberzeugung gemildert worden seien, daß die moralischen Bestrebungen 'ugunsten der Solidarität der wichtigsten Interessen der Völkern und friedlicher Beziehungen zu einander in Frankreich gesicherte Mitwirkung fänden. Tas verflossene Jahr Hube dem neuen Jahre das Vermächtnis des internationalen Friedens hinterlassen und dieser Friede scheine g n t g e s i ch e r t zu sein. In seiner Erwiderung sagte der Präsident, der Friede fei jetzt endlich wiederherge stellt. Dem moralischen Einfluß, den die Idee des Friedens sich in der Welt erworben habe, sei der größte Anteil an diesem glücklichen Ergebnis zuzuschreiben. Noch niemals vorher sei dieser Gedanke in so überzeugender und wohltätiger Weise zur Geltung gelangt. Man könne hieraus den günstigsten Schluß für die Zukunft ziehen. Rom, 30. Dez. Beim Empfang des diplomatischen Korps äußerte der Minister des Auswärtigen gegenüber den Vertretern Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, daß sie in ihm einen treuen Mitarbeiter an dem Frie- denswerk des Dreibundes haben würden. Bois 6 (Staat Idaho), 31. Tez. Der frühere Gouverneur Steun-enberg ist durch eine Dyn amit- bombe getötet worden. Man glaubt, daß es sich um einen Racheakt handelt. sammenbruch des Ausstandes ist die Frage einiger Wochen. Die revolutionäre Bewegung wich vor der Gewalt zurück; noch mehr setzte sie sich in den Augen her Bevölkerung in Miskredit. Tie genannte Agentur hat in der Verschleierung der Wahrheit'das Menschenmögliche geleistet, und man brauchte deshalb die Depesche nicht ernst zu nehmen, wenn nicht ausdrücklich von der „zuständigen" Seite die Rede wäre. Nun ist allerdings richtig, daß in Moskau — wenn anders die amtlichen Nachrichten recht haben — der Ausstand zurzeit im Abflauen begriffen. Aber hieran derartige Hoffnungen zu knüpfen, während doch in den baltischen Provinzen der Aufruhr aufs äußerste tobt, während dieselbe Agentur gleichzeitig (!) wüste Aufstandsmeldungen aus verschiedenen Gegenden, des Reiches verbreitet (siehe unten), während das halbe Heer in der Mandschurei meutert, das ist denn doch der Gipfel deS groben Unfugs des Oftiziösen- tums. Zudem tut die russische Regierung des Grafen Mitte im Augenblick auch alles, um sich möglichst verhaßt zu machen und die Empörung deS Volkes nicht einschlafen zu lassen. Die Verhaftungen vollziehen sich wie in den ersten Tagen der Revolution, und mehr als Turnowo unter Billigung Wittes leistet, hat Trepow auch nicht getan. Tie Verhaftungen von hunderten vouArbciterführern haben wohl für den Augenblick einige Ruhe schäften können, aber wenn man glaubt, damit auch zugleich die Bc-lkserreaung beschworen zu haben, so wird man sich in diesem Glauben ganz bedeutend irren. Es hat im Jahre 1905 schon mehrfach Wochen gegeben, in denen Rußland ruhig schien. Um so schrecklicher ist die Revolution dann wieder emporgeflackert. So wird es auch im neuen Jahre fein. Man mag in Moskau die Barrikaden niederreißen und alle 50 000 Empörer standrechtlich erschießen; an ihre Stelle werden neue Empörer treten und die Barrikaden wieder aufbaiven. ES gibt keinen Frieden zwischen dem russischen Volk und der gegenwärtigen Regierung! Die Revolution in Moskau und im Reiche. Meldungen der offiziösen Petersburger T e l e g r.-A g. (!): Petersburg, 1. Jan. amtliche Mitteilung besagt- Verstiegene revolntionSre Gesellschaften erklären, daß sie in anbetracht des M ißerfolges der von ihnen organisierten Meutereien brftMoffen h«ben, ihre Tätigkeit einzustellen, um zu Beginn des neuen Jahres den allgemeinen Ausstand ins Werk zu setzen. Da die Erklärungen derartig seien, nm schlecht informierte oder kleinmütige Leute einzuschüchtern, werden die EinwolMer Petersburgs, wohin sich die ansitänd. Banden nach der Niederlage in Moskau flüchten könnten, ermahnt, sich durch keinen Ausbruch des Ausstandes, der erfolgen könnte, zu beunruhigen, da die Regierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jeden Versuch unterdrücken würde. Petersburg, 31. Dez. Die Unruhen in den Sormovo- werken, wo die Aufständischen über Artillerie per- fügten, sind unterdrückt. Die Z ahl der dort Getö teten undVerwundeten istgrvß. Auch in Nis ch ni-Nowgorod kam eS1 zu blutigen Zusammenstößen. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die Stadt ist von bewaffneten Bürgern bewacht. Petersburg, 31. Tez. Die Perfonenzüge aus Moskau treffen hier ein, allerdings mit starker Verspätung, weil die Station Kulitzkaja von Arbeitern nieder gebrannt ist. Mehrere Stationen werden militärisch bewacht. Ein von hier nach Moskau gehender Person en zug ist gestern 457 Kilometer von hier entgleist. Moskau, 30. Dez. Gestern abend und heute umzingelten Truppen aller Waffengittmrgen in großer Zahl mit Artillerie und Maschinengewehren den Stadtteil Presna, wo sich der Rest der Revolutionäre festgesetzt hatte. Die Truppcm rückten von drei Seiten vor und eröffneten ein Artillerie feuer, das den ganzen Tag über andauerte. Die Revolutionäre flüchteten in die Häuser, wo sie verhaftet wurden. Einige Gebäude wurden in Brand geschossen. In der Fabrik Prochorow, wo sich die Revolutionäre konzentrier hatten, richteten Geschosse große Verheerungen .'n. Als die Massenverh«ftvngm begonnen, entkamen einige Führer d e r A n f st ä n d i s cb e n. Heute sind 600 P e r s o n e n verhaftet worden. Tie Revolution kann hier als unterdrückt betrachtet, werden. Die Zahl der durch Artilleriefeuer beschädigten Häuser beträgt etwa 60. Saratow, 29. Dez. gestern kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Kosaken und Arbeitern. Als die Menge auf die Kosaken feuerte, erwiderten letztere mit Schüssen. Drei Personen wurden getötet und etwa 20 verwundet. Jelisawetgrad, 1. Jan. Zwischen den Stationen Snamenskaja und Trepowka sind zwei Militärzüge zusammengestoßen,' 12 Menschen sollen dabei umgekommen '^"'Odessa, 1. Jan. In einem großen hiesigen Cafe wurden heute vier Bomben geworfen, durch die große Verheerungen angerichtet wurden und mehrere Personen verwundet worden sind. Auch an einem anderen Orte wurde eine Bombe gefunden. Moskau, 30. Dez. Das Hans Küschinski im Stadtteil Presna, in welches sich viele Aufständische geflüchtet hatten, wurde mit Sturm genommen. Eine fu r ck>tba re Kanonade begamr darauf auf die Fabrik von Schmidt, in welcher sich das Hauptquartier der Auffändischen befand. Sie wurde Jffmt den Nachbarhäusern in Brand geschossen: einige Aufständische kamen in den Flammen um. Auch andere Häuser wurden von Artillerie in Trümmer geschossen, da die Aufständischen, welche sie besetzt hatten, es ablehnten, sich zu ergeben Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. 16 Offiziere und 49 Soldaten wurden verwundet, die Zahl der getöteten und verwundeten Aufrührer ist nicht bekannt. Es ist festgestellt, daß die Führer der Aufständischen, nachdem sie die Banden organisiert und den Schlachtplan ausgearbeitet hatten, ihre Posten verließen, ohne an den Kämpfen teilzunehmen. — Alle Druckereien sind wieder in Betrieb. Auf der Station Perovo erbeuteten Kvsaken zwei mit für die Aufständischen bestimmten Waffen beladene Wagen. Moskau, 31. Dez. Eine Bande von Revolutionären, die sich in der Fabrik Prochorow, die der Hauptsitz der Revolutionäre geworden war, verschanzt hatte, ergab sich und lieferte die Waffen sowie die Anführer anderer Banden iw Stadtteil Presna aus. Tie Vcrwalttmgsbehörde hatte die Bewohner dieses Stadtteils von dem Bombardement, benachrichtigt und eine Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder, die ohne Schutz waren oder ihre Häuser aus Furcht vor Gefahr verlassen hatten, eingerichtet. Der bisher in diesem Stadtteil verursachte Schaden beläuft sich schon auf mehrere Millionen Rubel. Fortgesetzt treffen hier Truppenverstärkungen ein. \ Moskau,' 30. Dez. Das fünfstöckige Haus Kürnow wurde heute aus Kanonen beschossen. In der unterhalb des Bannkreises von Moskau gelegenen Ortschaft Nowaia T-erevnia versuchten die Hausbesitzer eine Bande Aufständische zu vertreiben, die in eine Schänke geflüchtet war und von da aus auf die Einwohner schoß. ManschloßdieSchänkeein und setzte sie von asllen Seiten in Brand. Dann kamen Kosaken hinzu, die weitere Entwicklung ist unbekannt. Moskau, 30. Dez. Die Aufständischen verübten m den westlichen Vorstädten Gräueltaten an Gefängnis- und Polizeibeamten. Massenhafte Verhaftungen werden vorgenommcn. Gegenwärtig sind drei Banden bewaffneter Revolutionäre hier tätig. Gestern versuchten sie, sich nut den Regierungsbehörden zu verständigen. Sie erboten sich, die Waffen auszuliefern und sich zu ergeben, wenn ihnen fteier Abzug gewährleistet werde. Da die Bedingungen ab gelehnt wurden, verschanzten sich die Aufständischen heute in den Häusern, welcke, wie, verlautet, von den Truppen genommen wurden. B a k h m a n t >28. Dez. Die revolutionäre Bewegung im Zuge der Jekateribahn konzentriert sick auf die Stadt Bakhmant. Die Stationen längs der Bahnlinie sind in den Händen der Aufrührer, denen sich die Landleute und mehrere n«he der Bahn gelegene Dörfer angeschlossen haben, lieber Bachmut ist der Belagerungszustand erhoben und General -sau» detzkv ist zum Gouverneur ernannt worden. Die in das Aufstandsgebiet entsandten Truppen haben den Befehl erhalten, sich unverzüglich und mit Gewalt der Stationen Grffchino, Aw- deewka, Jacinowataja, Gorlowka, Konstantinoschk und Krama- torsiaja zu bemächtigen und die Komitees und Delegierten der Aufständischen festzunehmen. Privatmeldungen zumeist en glrs chcr Blätter: Der „Daily Telegraph" meldet, daß ein Teil der Anfftändi- schen in Moskau die Absicbt hatte, die in der Stadt lebenden Ausländer zu ermorden, um die Mächte zur Jntsr" Dcmitnt zu veranlassen, und zwar soll das Hotel bombardiett werden, worin viele Engländer und Deutsche wohnen., ^Der be- immenc Teil der Rebellen war vernünftig genug, diesen Vorschlag abzulehnen. Jedenfalls sind die Ausländer in Moskau mit knapper Not einer großen Lebensgefahr entgangen. „Daily Mail" meldet aus Moskau: Tausende von Leichen liegen noch unter den Barrikaden. Die Aufrührer begießen die Barrikaden mit Wasser, da- infolge der Mlte sofort gefriert, wodurch den Truppen ein gr-herer Widerstand entgegengesetzt wird. Große Besorgnis herrscht wegen deS von Petersburg nach Moskau per Eisenbahn entsondten Semenow-Regiments, weil verlautet, daß der Eisenbahnzug von Revolutionären in die Luft gesprengt tworben sei. Die Zehl der bei den K'ämpfen im Moskauer Stadtviertel Presnaja umgekommenen Revolutionäre wird auf 2000 angegeben, die Zahl der Verwundeten beträgt gegen 5000 und die der Verhafteten über 1000. Die Artillerie ging so energisch vor, daß fast da§ ganze Viertel einem Schutt Haufen gleicht. Die Bevölkerung, unterstützte vielfach das Militär bei seinem Vorgehen gegen die Revolutionäre mit Rat und | Tat. Der Geschäftsverkehr nimmt langsam wieder normale Fwrmen Die Znstande in ILußkand. Tie offiziöse Petersb. Telegr.-Ag, erfährt : dingt zuständiger Seite: Die r e v o l. Bewegung in Rußland kann als abgebrochen angesehen werden. Der völ Küßen für Jogltsbergcr Pich. *• Gießen, 31. Dezember. Der Kreiszuchtverein Gießen für Vogelsberger Vieh hielt gestern nachmittag im Cafö Ebel seine Generalversammlung unter dem Vorsitz seines zweiten Direktors Klein ab, die recht gut besucht war. Tie zunächst vorgenommene Vorstandswahl hatte das Ergebnis, daß an Stelle des Kreisamtmanns Dr. Kranzbühler Kreisamtmann Dr. Merck zum ersten Vorsitz-nden gewählt wurde. Als zweiter Vorsitzender wurde Gutspächler Klein wiedergewählt. Auch der seitherige Vereinssekretär, Kreisamtsgehilfe Schupp wurde in seinem Amte bestätigt. Die Prüfung der Rechnung für 1904 ergab keine Veanstandung. Tie Einnahme betrug 534.84 Mk. (darunter 150 Mk. Zuschuß vom landw. Bezirks Gießen und "270 Mk. von den Ortsvereinen zurückerstattete Sammlungspreise), die Ausgaben beliefen sich aus 137.55 Mk. (darunter 75 Mk. für Stallschauen und 38.55 Mk. für Vorträge). Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 1304.41 Mk. Noch einer Mitteilung des Vorsitzenden erhielt der A-reiszuchwerein auf der Landw. Ausstellung in München in Klasse 90 einen 3. Sammlungspreis mit 165 Mk. und auf der landw. Landesausstellung in Mainz den 2. Sommlungs- preis mit 200 Mk. Tie Diplome für letzteren Preis gelangen Ende Januar zur Ausgabe. Tie Kosten der Mainzer on, auch die Trambahn verkehrt wieder regelmäßig, nur der Vahn- verkehr erleidet noch Stockungen. Aus den baltischen Provinzen. Aus den Ostseeprovinzen wird der „Nowoje Wremja gedrahtet: Tie Letten fahren fort, sich so zu benehmen, als ob man am Vorabend der Proklamierung einer Letten- republik stände. In Kurland sind die ^ri'ppen noch nicht in Aktion getreten. Aus Jelez wird vom 29. Dezember gemeldet, daß dort zehn Mitalieder des Streittomitees verhaftet wurden. Daraus wurde sofort der Bahnverkehr er» Ausstellung beliefen sich für den Kretsverein auf 85130 Mark. Ter Provinzialverein gab einen Zuschuß von 3->0 Mark und der landw. Bezirksverein einen solchen von 150 Mark. Bürgermeister K r ä m e r - Steinbach wieS darauf hm. daß der Provinzialverein früher die gesamten Ausstellungskosten getragen habe, während Bürgermeister Leun- Großen-Linden bemerkt, die Abrechnuiig zeige wiederum wie groß die Kosten der Ausstellungen seien. Deshalb solle man die staatlichen Mittel für die Rindviehzucht mehr für Orts- und Stallschauen verwenden. ES wurde beschlossen, wegen der Kosten der Mainzer Ausstellung sich erneut an bcn Provinzialverein zu wenden. An Stelle deS vorge- [c[jenen Vortrags des Landwirt schaftSlehrerS Schwarz von Alsfeld über die landw. Ausstellung in Mainz schilderte sodann der Vorsitzende die dort von dem Vogelsberger Vieh empfangenen Eindrücke. Ter Gesamt- cinorucL den der Vogelsberger Schla-g gemocht habe, sei recht befriedigend gewesen. Tie Tiere hatten -um großen Teil schöne Körperformen gehabt, seien gut genährt gewesen und hätten ein einheitliches Nassebild gezeigt. In der Klasse „junge Bullen" sei leider fast keine Auswahl geboten lvorden und das Urteil über die hwei ausgestellten Tiere sei so wenig günstig gewesen, daß der 1. Preis nicht verteilt worden sei. Tie au-gestellten Rinder seien teilweise >cS Gesangvereins „Eintracht" nahin einen schönen Ver- !auf^ Gelegentlich der Feier rourben die beiden Mitglieder 2l. Feisel und PH. Rinn zu Ehr en mit gliedern ernannt. Beuern, 2. Jan. Am 2. Weihnachtsfeiertag feierten Christoph Keil und Z-rau das Feil der goldenen Hochzeit, außerdem hatten am selben Tage drei Paare silberne Hochzeit. — Tie NeujahrSnacht verlief diesmal, früheren Jahren gegenüber, ziemlich ruhig, hauptsächlich hat das Schießen viel nachgelassen, ebenso die Roheiten und Schlägereien bei Tanzvergnügen. [] O-b er-Nosbach, 31. Dez. Schwer verletzt wurde ein hier bedienßeter Schweizer. Mehrere Raufbolde auerten ihm mit Messern und Knüppeln auf und überfielen ihn. Sie richteten den Schweizer derart zu, daß er blut* überströmt znsammenbrach. Bewußtlos brachte man ihn nach ‘Oaufe und später ins Hospital nach Friedberg. Die Gendarmerie hat die Raufbolde verhaftet. R. B. Darmstadt, 2. Jan. (Eig. Drahtbericht.) Vor 30 Jahren trat liier das Institut der S ch u tz m a n n s ch a f t ms Leben. Ans diesem Anlaß waren gestern vormttag amtliche Beamte des Polizeiamts und die Schutzleute im PolizeiamtSgebäiide versa,nmelt. Der Polizeirat, Regierungsrat Dr. Kratz hielt eine Ansprache, in der er die Entwickelung der Darmstädter Polizeiverhältnisse seit 1806 schilderte. Der fit 1. Januar 1876 im Dienst befindliche Schutzmann Scharmann wurde zmn Polizeiwachtmeister befördert. Mainz, 31. Dez. Ein angenehmes Neujahrs- gefchenk niachte gestern die Sta d t v e r o r d n e t e n - V er- sammlung den Bediensteten der Straßenbahn, die früher bei der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft angestellt waren. Sie beschloß, die von ihnen in die Pensionskasse für Beamte deutscher Privateisenbahnen geleisteten Beiträge an sie zurückzuerstatten, was bei einzelnen Beamten Summen von '30 bis über 800 Mk. ausmacht. (Pt. Tgbl.) Offenbach a. M., 30. Dez. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß, sämtlichen städtischen Arbeitern für die gesetzlichen Fei erta ge, welche aus Weihnachten fallen, ebenfalls den Lohn auszuzahlen. — Betreffs Erbauung der elektrischen Straßenbahnen wurde ter Eintrag angenommen, bei dein Großh. Hessischen Ministerium der Finanzen die Erteilung der Konzession für die Erbaming einer elektrischen Straßenbahn Offen- b ach - Frankfurt bis zur Landesgrciize nachzusuchen und, obald die Unterlagen für die Strecke Offenbach-Bürgel- Nimipenheini angefertigt und die Verträge mit den Gemeinden abgeschlossen sind, das Gesuch auch für diese Strecke zu stellen. Frankfurt a. M., 31. Dez. Die Stadtverordneten haben den Ausschußantrag angenommen, den verheirateten städtischen Arbeitern einen Mindestlohn von 4 Mk. täglich zu gewähren. Ein sozialdemokratischer Antrag, für die Sjpfer der russischen Revolution aus städtischen Mitteln 10 000 Mk. zu bewilligen, wurde ab- gelehnt. Ebenfalls abgelehnt wurde der Antrag, der Magistrat möge die Theatergesellschaft veranlassen, zugunsten der aus Rußland vertriebenen Deutschen Wohltätigkeitsvorstellungen zu veranstalten. Aus dem vorliegen- deu Geschäftsbericht der Reuen Theateraktiengesellschast ging hervor, daß das Schauspielhaus nach wie vor Ueberschüsse liefert, während das Opernhaus nicht nur diese Ueberschüsse, sondern auch noch einen städtischen Zuschuß von 250000 Mk. aufbraucht. Trotzdem erfuhr gerade die Leitung des Schauspielhauses in der Stadtverordnetenversammlung allerlei Angriffe, hauptsäch- ich, weil sie nicht genug moderne Stücke aufführe. Dr. Quarck verlangte die Einrichtung von literarischen Abenden. Für die Vorarbeiten zur Errichtung eines städtischen Wohnungsamtes (Wohuuugsuachweis) wurden 1000 Mk. bewilligt. Frankfurt a. M., 1. Jan. Die Administration des 21 ä d e l f ch e n K u n st i n st i t u t e 8 wählte bcn Privatbozenlen für Kunstgeschichte an der Universität Berlin, Dr. Georg Swarzenski, zum Direktor der Sammlungen. (fc.) Frankfurt a. M., 1. Jan. „Es ivar nichts los!" so lautet stereotyp die Antnwrt auf die F-ragc nach dem Verlauf \-r S v l v e st e r n a ch t. Wohin ist er geschwunden, unser für den Fremden, der nicht einen gar zu kostbaren Zylinder auf dem Haupte trug, so „reizvoller" Sylvesterunfug? Von Jqhr zu Jabr weniger blutige Köpfe, weniger Verhaftungen! 18 „lumpige" Männerchen waren bis heute früh 3 Uhr inhaftiert. Sogar auf der Zeil, auf der in früheren Jahren gar oft die Menge nne festgcrannt stand und weder nach nurn noch rückwärts, weder nach reckuS noch links sich zu verlaufen imstande war, da aus oben Gassen und Gäßchen immer neue Scharen radaulustiaen Janhagels heran drängten, hevrMe in der vergangenen Racltt an^'hinderter Vmkehr. Es gab keine blutigen Schlachten zwischen Polizei und „Publikum", wenn auch hier und da ein Bürschlein m kräftigen SclMvw-umsfäusten zaiwelnd, mit Händen und Füßen II n. such schlug. Es wehte aller ein scharfer Wind, vom Volizei- b»n)ibi.an aus, nicht gegen harmlosen Ulf, aber gegen wirklich t.r^vurdige Exzesse, und ein ebenso scharfer Wind „vom Himmel ,oeV. Beide zusammen waren stark genug, den Rauch in den K-Uffen rasch zu vertreiben. Gcfeuerwrrkert wurde aNeck)iiws nneder schrecklich, die Böllerei, namentlich auS den Htuisern heraus n hm fern Ende. So wäre allo wirklich fast nichK los cn-^n wotm mcht gegen 4 Uhr in ber Graubengaffe ein HvtclhnKbuffch Riga dauert der Estenbahn- und Fleischerausstand fort Seit dem 31. Dezember früh rücken Truppen von zwei Seiten von Dwalk und Minsk an und verfolgen du aufständischen Bonden, die Agitatoren und die von den.Aufständischen eingesetzte Obrigtcit. Tie revolutionäre Propaganda wendet sich setzt nach dem nördlichen 4. eile Livlands, wo, offiziösen Meldungen zufolge, Guter ^er stör t und Morde begangen werden. Am 29. Tez. sind aus Riga Privatmeldungen einge- oangen, denen zufolge dort ein heftiger Str aßen kampf stattgefunden hat. Tie Aufständischen sollen einen großen £eU der Stadt, die Stadtduma, einige Regierungs- aebäude und den Bahnhof in Besitz genommen haben, der Telegraph sei zerstört. . Wie aus Mit au gemeldet wird, haben es bei lieber- fallen auf Gütern die bewaffneten Winden besonders auf Hie Spiritusbrennereien abgesehen, die sofort vernichtet werden. In Riga ergriffen Revolutionäre b re i per re n , Hie aus einem Restaurant heraustraten, verbanden ihnen ine Augen und erschossen sie. Tie Mörder sind entflohen. Derartige Schreckenstaten kommen täglich vor, augenscheinlich ist die Behörde machtlos, ebenso wie in Windau, wo bewaffnete Banden Befehle an die Bevölkerung ergehen lassen, Läden sperren, den Tramwavverkehr verbieten und Regierungsinslituticmeu einfach schließen. Tie Städte sind vollständig in den Händen der Aufständischen /ober, wie sie sich nennen, bes lettischen Sozialdemokraten- Lvmitees. Tas nur in geringer Stärke anwesende Militär ist machtlos. Auf verwüsteten Gütern sind kostbare ?llter- lümlichkeiten, seltene Massen und Sammlungen vernichtet worben. Eine Senbung von 22 000 Patronen, bie per Schiss nach Mit au gebracht werben sollte, würbe von Revolutionären abgefangen. Ter Bürgermeister Abolf des Städtchens Goldungen wurde von Revolutionären ermordet. Aus Slsöl and AmL. Gießen, den 2. Januar. •• Personalien. Se. Kgl. Hob. der Großherzog haben dein Hilfsbahnwärter Val. Bauer zu Bermersbeiin (KreiS Worms) aus Anlaß seines Ausscheidens auS dem StaalSeisenbahndienl't daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift .Für treue Arbeit" verliehen. — Am 23. Dezember 1905 wurde der StenerausseheraSpirant Vizefeld,vebei Karl Kopp au« Groß-Zimmern zum Steucraiifseher ernannt. D i e NeujahrSnacht verlies verhältnismäßig inhig, es kamen Roheiten weiter nicht vor, auch Unfälle sind »licht zu verzeichnen gewesen. Verhaktet wurde nur ein junger Mensch, der sich in den späten Nacht'lunden noch nicht beruhigen konnte, wegen fortgesetzter Ruhestörung und ein anderer, der des Guten zu viel getan, mußte in der "Nacht Wohnung in der Sandgasse nehmen. Wegen iin- iaubtem Schienen und Abbrennen von Feuenverlslörpern würbe eine Anzahl Personen zur Aiizeige gebracht. Mit beni neuen Jahr ist auch der Winter gekommen unb zwar gleich recht tüchtig. In der NeujahrSnacht sank das Thermometer auf — 8.4 und heute früh au; — 9 Grad. D ie Eisbahn des Gießener EiSvereiuS an der Moltkcstraße ist heute eröffnet worden. Voraussichtlich findet am Donnerstag Militärkonzert auf der Eisbahn statt. " Der Theater-Verein leckt unS mit: Die fünfte Vorstellung wird am Montag, den 15. Januar, statt- finden und nach den einfien Darbietungen der beiden vorhergehenden Vorstellungen ein Lustspiel bringen, nämlich Blumenthals neues graziöses VerSspiel „Der Schivui der Treue". Für die Hauptrolle deS Malers Veit wurde der von seinen früheren Gastspielen her bekannte und beliebte jugendliche Held deS Dannlladter HoflheaterS, Willy Loehr, gewonnen. Auch für die 6. Vorstellung steht eine Novität m Aussicht, Suber m an nS neues Schauspiel, „Stein unter Steinen", mit einem der größten darstellenden Künstler der Gegenwart, Albert Basser mann vom Berliner Lessingthcater, als Gast. Die mit ihm eingeleiteten Verhandlungen lasten daS Zustanbckommen des intcrcffantcn Gastspiels am Ende Januar b:S Anfang Februar erhoffen Aus dem Bureau des Stadttheaters Nochmals fei auf die morgige S ch ü l e r v o r st e l l u n g „Ein GlaS Wasser", historisches Lustspiel von Scribe, hmgewicsen, die wiederum um 5 Uhr ihren Anfang nimmt. «* Landwirtschaftlicher Vortragskurs zu ^armitabt. Der 'win Hessischen Lanbioirtschastsral veranltallete Vortragskurs beginnt am 30. Januar mit zweistündigen Vortrag des Geh. Hofrat Professor Dr. Wagner-Darmstadt über „Zeit- und Streitfragen aus dem Gebiet der Düngungslehre" Der Vortragende wirb unter anderem auch die Ergebn'ffe wuier mehrjährigen Stalldüngungsversuche besprechen. Ferner wird der Generalsekretär des Reichsverbaudes der deutschen landw. Genossenschaften Dr. Grabein-Tarm- ftöbt einen Vortrag über „die soziale Bedeutung des ländlichen Genossenschaftswesens" hallen.' ohr 1 90 6 ist ein sogenanntes Gemein- fahr von 365 Tagen mit 52 Wochen, jedoch 53 Soi,ntaaen. Von den beweglichen Festtagen fällt der ftarfreitaq 'auf t»en 13. April, Osteni aus den 15. April, ber Himmelfahrt- tag auf den 24. Mai, Pfingsten auf den 3. Juni, der Buß- und Bettag aus den 21. November, das Totenfest auf den 25 November. Im übrigen entspricht das nach chrtttlieher Zettreehnung 1906. Jahr dem 7414. Jahre der Bvzanttnischen Aera, sowie dein 6619. Jahre der Julia- in chen Periode und dem 5666. 67. Jahre der Juden Seit der Sintflut sind 5244, seit der Emführung des ttllwni,chen Kalenders 1351, seit der Einführung des ver- befferten Kalenders 206 Jahre vergangen. " Eine erfreuliche und willkommene Neu- lahrstreude bereiten die hiesigen Schweinern etzger allen Sion)umenten, insbesondere den Hausfrauen Sie hielten am 31. Dezember eine Versammlung ab, in der Dom Rigaer Stadtthcater Von Herrn Leo Stein, Dem Direktor des Rigaer Stadttheaters, dem Mitverfasser der „Herren Söhne" und bes heute im Gießener Stabttheater zur Aufführ jung kommenben „Gr o ß ka u f m a n n", ging Berliner Blättern ein Schreiben vom 21. v. M. zu, bem wir folgeubes entnehmen, was in schroffem Wiberspruch steht Zu allen Uuheilsmelbungen: „Von Reisendcu, bie ous dem Auslcmbe in bcn letzten Tagen In er cinge troffen fiiib, habe ich erfahren, baß in deutschen Zeitungen die abrntcucrlirWc-n Rackrichtm über b;' Zu^änbe in Riga verbreitet werden. Es bürste für Sie von großem Interesse 'fein, zu erfahren, tote es in Wahrheit hier stehl Es ist weder Has Stadttheater abgebrannt noch irgendeines wer Regierungsgebaude, cs sind überhaupt nicht mehr Feuerbrände hier zu verzeichnen als sonst w^hl in anderen ^Zeiten in größeren Städten. Ter Kricgs-ustuid ist allerdings .über Livland und Kurland verhängt, aber noch nickst proklamiert es^ sind auch keinerlei Verhaltungsmaßregeln für den Verkehr während eines Kriegszustandes bekannt gegeben worden. Das Stadttheater hat feit dem 21. August ununterbrochen mit Aus nähme von 7 Tagen während beS großen Generalstreiks im Oktober, und 5 Tagen während des Heineren Generalstreiks im November gespielt." Die Organisation zur Unterstützung der aus Rußland flüchtenden Deutschen ist nunmehr in Ostpreußen in der Weise durchgeführt, daß das Königsberger Komitee sich durch Zutritt namhafter Persönlichkeiten aller Stände zu einem Provinzialkomitee aus gestaltet und durch Bildung von lokalen Ausschüssen in sämtlichen Stadt- und Landkreisen über die ganze Provinz ausgedehnt hat. Gleichzeitig ist auch dort, tote bei uns in Gießen, eine Verbindung mit dem allgemeinen Komitee in Berlin hergestellt. Von den auf Staatskosten zur Rettung tn die russischen Ostseehäfen entsandten Tampfern hat „Prinz Heinrich" seine Mission durch Zuführung der aus Rußland Geflüchteten erfüllt und cs besteht in Reval nur eine kleine deutsche Kolonie, während der Tampfer „Wolga" auf einer zweiten Fahrt nach Riga — schon auf der Rückreise — unterwegs ist und der Tampfer „Kehrwieder" am 1. Jan. wieder nach Libau abdampftc. Hebet den Voranschlag zum Staatsbudget für 1906 weiß „Slowo" folgende Angaben zu machen: Tie gewöhnlichen Einnahmen sind mit zwei Milliarden, die Aus- •aaben mit acht Millionen weniger als im vorigen Budget, für Aufbefferung der L-aye der Armee 19 Millionen, 'für Verstärkung der Polizei 21 Millionen eingestellt. Ter Bau -neuer Kriegsschiffe wird vertagt. Tie vom Ma- ssineministerium verlangten 60 Millionen für bereits be- jstellte Schisse sind auf 38 Millionen herabgesetzt. Zur Liquidierung der Kriegskosten sind statt'der verlangten 600 nur 400 Millionen angewiesen, die durch Emission kurzfristiger Schatzicheine beschafft werden. über die gegenwärtigen Ein- und Verkaufspreise von Dchweinesteifch 2C. verhandelt wurde. Nachdem schon vor Schluß des Jahres mehrere ähnliche Anträge von Seiten der Metzger vorgelegen hatten, wurde beschlossen, die V e r k a u f s p r e i s c v o n S ch w e i n e f l e i s ch und einigen Wurstsorten den jetzigen Einkaufspreisen ent- iprccf)citb zu reduzieren. Vor Weihnachten wurde hier 74 und 75 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht bezahlt, 'ür Januar sollen schon einige Käufe für 70 Pfg. zum Abschluß gekommen sein, was immerhin auch noch ein hoher Preis ist. ” Der K reiSverein Gießen vom Verbände Deutscher H an dlungSge hülfen Leipzig kommt nichtz nur in ernster Arbeit feinen StcmdcSinteressen nach, sondern versiebt auch die Geselligkeit zu pllegen. DieS bewies die am vergangenen Samsiag im Vereinslokal (Hotel Schütz) abge- haliene Weihnachtsfeier. Bei humoristischen und Ge- sang-vorträgen, launiaen Ansprachen, Musik, Verlosung und einem kleinen Tanz, bei zahlreicher Beteiligung der Mitalieder mit ihren Damen, wurden einige vergnügte Stunden verlebt. Mit dem Wunsche auf ein fröhliches neues Jahr trennten sich die Teilnehmer in vorgerückter Stunde. [ 1 Klein-Linden. 31. Dez. Die Weihnachtsfeier recht gut gewesen, namentlich, wenn man bedenke, wie schwer es sei, für eine Ausstellung die geeigneten Tiere zu finden. Er fei überzeugt, daß in den Ställen sich vielfach besseres Vieh als das' teilweise in Mainz ausgestellte befunden hätte. Auch die Gegner der großen Ausstellungen müßten zugeben, daß nur oiefe Veranstaltungen ein zutreffendes Bild über das Erreichte biet'' tonnten. Einen entschieden besseren Eindruck als die Rinder hätten die Kühe gemacht, hinsichtlich des Körpergewiatts und der Milchergwbigkeit seien sehr hübsche Exemplare vorhanden gewesen. Auch )ie ausgestellten allen Bullen hatten ein gutes Bild geboten. Ter Hauptfehler des Vogelsberger Viehes sei noch, daß die Tiere zu leicht seien Tas könne gebessert werden, wenn bie Tiere von Iugeub auf besser unb gleichmäßiger gefüttert würden und sie nicht zu früh zum Bullen gc- ührt würden. Auch die Körperformen seien noch vielfach zu tadeln und die Milchergiebigkeit sei zu gering. Kreis- uetcrinärrat Tr. Schmidt ergänzte diese Mitteilungen in verschiedenen Richtungen und gab insbesondere seiner llcbcrra)cl)uug über die günstige Entwicklung des Odenwälder Schlages Ausdruck tfnem Kollegen einen lebcnsgefäbrlichen Messerstich bekgcbracht tcitte. der den (bestochenen ins Krankenhaus, den Messerhelden ms Kl^pverfeld brachte. Biebrich, 31. Dez. Tie hiesige Polizerverwaltung erläßt ein Ausschreiben, worin sie mitteilt, daß der Direktor der nass, landw. Genossenschaften, Georg Schreiner, geboren am 12. Mai 1847 zu Biebrich a. Rh., daselbst auch wohnhaft, seit Freitag, 29. Dez. 1905, abends nach S Uhr vermißt wird. Es wird vermutet, daß ihm ein Unfall zugestoßen, oder daß er das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Schreiner ist zirka 1,60 Meter groß, von untersetzter Statur, ziemlich breitschultrig. Auf die Wiederaufsindung des Vermißten ist von den Angehörigen eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. (F. Ztg.) -i- Treysa, 31. Dez. Heute morgen wurde auf dem Hiesigen Bahnhofe der Eisen b ahnscha ffn e r Lu h von einem Güterzuge erfaßt und ihm das linke Bein um Knie abgefahren. Der Bedauernswerte, welcher Familie besitzt, wurde nach Marburg in die Klinik gebracht. ** .Q 1 c i rt c M i r * e n r r = '' -* f fe n und den Nachbarstaaten. In M i", n st e r b. Buhbach wurde der seitherige Büraermeister R e i n e ck einstimmig wiedergewäblt. — Dem Postchon Köhler aus Sorgen au ist für treue Dienste und geschicktes Jahren die silberne Ehrenpeitfche als Weihnachtsgeschenk verlieben worden. — In Mainz wurde eine Frau in der Schafsgasse von einem städtischen K e h r i ch t w a a e n überfahren. Sie wurde nach dem Spital gebracht und starb nach kurzer Zeit. — In Osthofen nahm ein 17 jähriges Mädchen, nachdem cs die Nacht vorher einer Festlichkeit vergnügt beigewobnt hatte, ein schnellwirkendes Gift. Obwohl alles aistgeboten wurde, das Mädchen zu retten, war gegen Mitternacht das junge Leben erloschen. — Herr Fcrnie schickte der Kleinkinderschule zu Großen- Linden auch in diesem Jahre durch Direktor Pascoe ein Weihnachtsgeschenk von 150 Mk. Ornnlldbtes. * Hungers not in Japan. Das englische Sensationsblatt „Daily Telegraph" meldet ans Tokio, daß eine fürchterliche Hungersnot in den nördlichen Provinzen von Japan herrsche. 700 000 Menschen (?) hungern und werden, wenn nicht schleunige Hilfe kommt, den Hungertod sterben. Die Lage ist sehr kritisch. Es wird erklärt, daß, wenn nicht zureichende Maßnahmen getroffen werden, die Hungersnot mehr Menschenleben kosten werde, als der Krieg mit Rußland. Die Ausländer in Tokio haben einen Ausschuß gebildet, um Geldspenden zu sammeln, und unter die leidende Bevölkerung zu verteilen. * Während des Tanzes erblindet. Ein pragisches Ereignis unterbrach dieser Tage jäh die Fröhlichkeit einer Tanzgesellschaft in Newark, New-Jersey. Es wurde gerade statt Walzer getarnt, als plötzlich eine Tänzerin Miß Anna Schaub, die Schönheit des Festes, laut auffchrie und ohnmächtig wurde. Man mühte sich um sie und brachte sie wieder zum Bewußtsein. Da fragte sie: „Warum ist es hier so dunkel?" Als jemand ausrief: „Aber alle Flammen brennen ja," schrie sie verzweifelt auf: „Mutter, ich bin blind." Man brachte sie nach Haule und rief Aerzte herbei; aber diese erklärten sich für unfähig, ihre Blindheit zu heilen. * Kleine Tageschronik. Wie aus Dresden gemeldet wird, f md der Schmiede geselle Gütler in der Vorstadt Uebichau stine ZO jähr'ae Frau die sich in gesegneten Umständen bef-nd. und ein ein Jahr al,"s Kind tot vor. Ein drei Jahre altes Söhnchen atmete noch schwach. Es wurde Kohlengas- Vergiftung fcstaestellt. Es liegt ein Unglücksfall vor. — Der Rentner K u tz n er, früher Mitinhaber der Pfeffcrberg- brauerei, vermachte der Stadt Berlin em Legat von 28^1000 Mark, wovon älteren weibstchen Dicnsiboten laufende Renten von 250 Mark gezahlt werden sollen. Der Erblasser bedachte außerdem Verwandte und den ..Deutschen Tierschutzverein", letz- leren mit °00 000 Mark. — In Aachen wurde ein Oberpostassistent, der an der VostanweisungKannahme beschäftigt war, in Untersuchung genommen. — In Amsterdam wurde der zweite Direktor b^r Holland. Hypothekenbank Jonkheer von Degeer ueegen d'r bekannten Uuterschlogungen in seiner Wohnung verb'ftct. nachdem -r sich zwischen Amsterdam und Hilversum aus dem Zuge gestürzt hatte, augenscheinlich um sich einer Verh.-ft"»g zu entziehen. Er wurde dabei am Kvps verwundet. — Als im Dom von Sonct Agata di Puglia zu R o m am 20. Dezember zahlreiches Volk die Messe anhörte, explodierte unter furchtbarem Krachen eine in einer Nische deponiert^ Dynamitbombe, die sämtliche Fensterscheiben zerstörte und die Mauern beschädigte. In der Menge entstand eine entschliche P^nik. wobei zahlreiche V-rsonen verletzt wurden. Neun d"r T"t °s,nd . Oberberprat Professor Dr. Chelius auf der Anklagebank. H. F. Darmstadt, 1. Jan. Ein Prozeß, der in der ganzen aebildcten Welt das größte Auffeb-n erregen wird, gelangt diese Woche vor der Strafkammer les Großh. Landgerichts zur Verhandlung. Eine pallwestellte Persönlichkeit, ein Mann, d^r sich in allen Gesellsch"fts7reisen größter Hochachtung und Beliebtheit erfreute, d-r Oberbergrat Professor Dr. EheliuS, Vortr. Rat im Großh. Ministerium und Dozent an der Techn. Hochschule zu Darmstadt wird sich wegen sittlicher Verfe^"ng-n mit Mintu'r'ähriaen zu verantwnrten bal>'n. Oberbergrat Cheli''s soll di" beiden Söhne des Pförtners der Technischen Hochschule, die jetzt im 17. bezw. 18. Lebensjahre stehen, ostmlls, angeblich zum Sortieren von Mineralien, in sein Bureau bestellt haben. Später nahm er auch die jungen Leute dienstlichen Exkursionen.mit. Bei solchen Gelegenheiten übernachtete er mit ihnrn in Hotsts. In d'esm soll es zu einem Verkehr gekommen sein, der unter die 175 und 176 Z'fs. 3 d^s Str"f-Geievb"ches fälE Tst b"id"n Iünchinae bewahrten strengstes Stillschweia"N. Allein der Ob-'rb'-rar'-t begnüat" sich mit dm beiden jungen Leuten ni^t. In der Familie eines Amtskollegen lernte er dessen sieb'ebn'ährigen Sohn kennen. Diesem soll er 'sich eb"nf'lls in unsittlicher W^ise genähert haben, er fand aber keineA'i Esttgeaenkommeii. Dm junae Mann machte schließlich von dem VorgM'stmm seinem Vater Mitteilung. Ter Amts- kollege stellt" d u Oberb"rmll zur Rede und aab ihm zwei Tag? Zeit zur Flucht ^bmbmar"t wi"s dies Ansinnen mit Entrüstung zurü'k u d b-^ri't mit Entschiedenh"''t, eine Verf"bl''ng oder auch n m d?u Versuch ?n, ^iiwr solchen begangen zu haben. Dara''fh''n erst"t^em d-r beleidigte Vater Anzeige. Oberbl'rgrll E^eli-s wurde verhaftet und d^ an seiner geizigen .sturechu"N"sf'ihiakeit a--wellest wurde, einer Irrenanstalt zur Beob^cht'-na seines E'-ll'"s'nst"ndes üb-rwi>'scn. Die Irrenärzte erllärten ihn jedoch für geistig gesund, worauf auf Grund der 175 und 176. 3 d"s Str.-G.-D. Anklage erhoben wurde. Oberbmgrat Prof. Dr. Ebelins ist 48 Jahre alt. verheiratet und Voller mehrerer erwachsener Kinder. Er b'lleidete mehrere wisstnsch^ftliche Ebrenämt"r und war auch, Vorstandsmitglied mehrerer gemeinnüvimzr Bere-'"" Sicherem Vernehmen nach ist der Anaefs-'atr Kmill itph Hör l en schaff. — Wie die „Nordd. Mg. Ztg." meldet, sclxied Ober-Regisseur Grube nach gegensmkigem Nebereinkommen im Laufe des neuen Jahres aus seinen kon'rlltlich'n VeN'slichtuugen gegen die Ge- nerll-Jnteudantur der kal. Schauspiele zu Berlin aus. Er erhielt vom 1. Januar ab Urlaub zu Gastspiel-Reisen. An seiner Statt trat Ludwig Barnay, dem der Titel „Direktor des königlichen .Schauspiels" verliehen wurde, am 1. Januar sein Amt an. — Der bekannte Eharaktcr-Darsteller des Frankfurter Schauspiels, langjährige Lehrer am Höllischen Konservatorium und Verfasser einer hervorragenden Schrift über die Sprechkunst, Professor Karl Hermann (GrünwalskM ist am 30. Dez. nach längerem Leiden im Alter von 56 Jahren gestorben. — Nach umfangreichen Untersuchungen und Beobachtungen hat die Kommission belgischer Staatstierärztc mit dem Rinder- tuberlulose-Serum Behrings glänzende Resultate erzielt. Die Kommission zögerte daher nicht, zu erklären, daß der belgische Ninder- b e st a.n d nach einigen Jahren durch Behringsche Jmvfungcn vor jedem Opfer bewahrt und somit auch eine Anstellung durch Kuhmilch nicht mebr ru befürchten sein würde. Arbeiterbewegung. Essen, 30. Dez. Weil die Verwaltung die Wiedereinstellung eines entlassenen Arbeiters ablehnte, trat heute der überwiegende Teil der Arbeiterschaft der Hütte Dinnendahl in den A u s st a n d. Emden, 30. Dez. Ter sechswöchige Hafenarbeiterstreik ist cnTr,A;<.,T b-'S 6^-sD'f>närellst. Tlniversttats-Vachrichten. — Der Proscktor am städtischen Krankenhaus Friedrichsstadt in Dresden, Oberm"dirin"lrat Vr"stssor Dr. Schmorl, n"hm den Ruf als ordentlicher Professor der pathologischen Anatomie in Freiburg im Vrcisgau an und tritt am 1. April seine Stellung an. ^erichlslaal. p H. F. Frankenthal, 31. Dez. In dem Wein- fälschnngSprozeß Sartorins plaidicrtcn die Verteidiger Dr. H a l l w a ch s nnd Merkle auf Freisprechung, während der Staatsanwalt seinen Antrag ansrcchterhielt. Das nm 1 Uhr nachts verkündete Urteil lautete auf 300 0 Mk. Geldstrafe. Dresden, 30. Dez. Die Strafkammer verurteilte den Bauarbeiter Steuer wegen Landfriedensbruches, Aufruhrs Aufforderung zu tätlichen Vnarisfen gegen Beamte, schwerer Beleidigung und ruhestörenden Lärms, begangen bei der Gelegenheit der Straßen -Kundgebungen in der Nacht zum 17. Dez., zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis, und den Metalldrüller Sllweiter wegen Aufruhrs, Aufreizung zum tätlichen Angriff, schwerer B"amtenbeleidigung, Straßenlärms und unbefugten ^r'^eus cines Dolches zu 3 Jahren Gefängnis nnd Zwei Wa-b-m Haft. Landwirtschaft. 0 Marburg, 30. Dez. Eine von über 100 oberhessischen Landwirten besuchte Versammlung des l a n dw i rt s cb a ft- lichen Kreisvereins beschäftigte sich u. a. auch mit der angeregten Verlegung dw am hiesigen Orte befindlichen landwirtschaftlichen Versucysstation der Landwirtschasts- kammer nach Kassel, weil ihr dort mehr Gelegenheit zur Erweiterung geboten sei. Es wurde betont, daß es im Interesse Marburgs und der oberhessischeu Landwirtschaft liege, wenn die Anstalt hier bleibe. Es soll deshalb gegebenenfalls mit der Stadt in Verhandlungen eingetreten werden, daß der Versuchsstation Gelegenheit geboten wird, Gelände zu bekommen und der Verbleib der Anstalt am hiesigen Ort in der Vollversammlung der Land- wirll'b'f^s'ka^'s^-'r- beie'-rmni-fat m?rh<’n Handel ur b Ferkel r. Solüsivirtschatt. Deutsche Reichsbank. Die Ansprüche, die zu Jahresschluß an das Institut gestellt wurden, sind weit größer, als bisher selbst in den Kreisen des Zentralnotcninsti^utes angenommen wurde. Die Wechseleinreichungen nahmen in den beiden letzten Geschäftslagen des vergangenen Jahres einen solchen Umfang an, daß wahrscheinlich der Wechselbestand des Institutes zu Iahres- schluß eine Vekord'iffw nnf'ittoeifen haben wird. Auch der Metallbestand dürfte, obwohl dem Institut seit dem 23. Dezember von neuem russische Geldsendungen sowie auch Gold aus England zugeßossen ist, eine Llbnahme erfahren haben. Soweit bis jetzt zu übersehen ist, geht die Verschlechterung des Status in der letzten Dezemb^rwoche über die Vorjahre, in denen sie 360 bezw. 353 Mill. Mark betrug, erheblich hinaus. Die Berliner Handelskammer spricht sich in ihrem neuesten Jahresbericht über die Konzentrationsbewegung ziemlich skeptisch'aus, indem sie schreibt: Die Konzentrationsbewegung hat wie auf industriellem Gebiete so auch auf dem des Bankwesens weitere sehr erhebliche Fortschritte gemacht. Wir h"ben schon in unseren früheren Berichten hervorgehoben "nd müllen es wiederholen, daß wir diese Bewegung nicht ohne Besorgnis verfolgen. Daß sie unaufhaltsam scheint und immer weitere Gebiete des gewerblichen Lebens erfaßt, erhöbt mir die ihr entgegenstehenden Bedenken, wozu auch gehört, daß es mit her Zeit um so schwerer werden wird, die Persönlichkeiten zu finden, die zur Leitung solcher Riesenbetriebe b"fähwt und gewillt sind, je mehr durch die Bewegung selbst die Entwicklung des einzelnen unterbunden und die Heranbildung geeigneten Nachwuchses beschränkt wird. Märkte. fc. Frankfurt n. M., 2. Ian. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anzck) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 18—18.25, Kurbelst scher Mk. 18.00—18.25, La Plata Mk. 18.50—19.50, Kansas Mk. 18.50—19.25, Roaaen llüestgerf Mk. 16.75 —17.00, Gerste lWetterauerl Mk. 17.75—18.25, Franken- stlder Mk l8 ,50—18,75, HalerMk. 15.75—16.50,MaisMk. 13.75—14, Weizenmehl 27—28.00, M. 00—00, 2. Onalität Mk. 25.00 bis Mk.26.00, 3. Onalität Mk. 22.50—23.00, Roagenmebl 0 Mk. 24.75—25.75, 1. Onalität Mk. 22 25—23.25, Weizenkleie Mf. 9.50 bis Bll. 10.00, Roagenkleie Mk. 11.00—11.50, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 12.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 17.50—18.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 2. Ian. (Telegr. Orig.-Bericbt des „Gieß. 2lnz/ll. mtficbe Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkan'e Hauben ■ 364 Ochsen, 180 ans Oestreich, 37 Bnllen, 6 ans Oestreich, 704 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 an? Oestreich, 209 Kälber, 233 Schale und Hammel. 1263 Schweine, 0 Zieaen, o Ziegen-, 0 Scbaslämmer. Bezahl« wurde lür lOOPknnd Schlachtgewicht Ochsen 1. Onalität 82—84 Mk.. 2. Qnnl 76—78 Mk., 3. Onal. 68—72Mk.: Bnllen l.Qnal. 66 bis 68 All., 2. Onal. 62—64 Mk.: Kühe 1. Qual. 70—71 Bll., 2. Onal. 65—66 Mk., 3. Oual. 47—48 Mk, 4. Oual. 46—47 Mk., 5. Onal. 00—OOMk. Kalber: l.Onal. 86—90Mg., Lebendgewicht 52—54 Pl. 2. Onal. 80—85 Plg., Lebendaewicht 46—50 Psg., 3. Onal. 64—66 Psg., Schlachtgeivicht 60—65 Plg., Schale: l.Onal. 72—74, 2. Onal. 64—66 Psg., 3. Onal. 00—00 Plg.; Schweine 1. Onal 76—00 Plg., Lebdgew. 59.50—00.00 Psg., 2. Ou.75 00 Pllg., Lebend gew. 58.50 Psg., 3. Onal. 68—70 Plg., Lebendgewicht ' 0—00 Psg Geschält bei Hornvieh gut, Ueberstaird unbedeutend, bet Kleinvieh gut, feilt lleberstnnd. ** Druckfebler. In dem Gedicht Jung-Deutschlands Meinung in Nr. 305 des Gieß. 9lnz. muß es in Spalte 2, Zeile 17 von oben „befiehlt" statt „befiehlt" und in Zeile 8 von unten „salm" statt „sehn" heißen. !>nnacn. Berlin, 2. Januar. Wie das „Kleine Journal" iviffcn will, wird der zur Berichterstattung nach Berlin befohlene Gouverneur von Kamerun, von P u t t k a m c r auf seinen alten Posten nicht niehr zurückkehren und auctz sonst im Kolonialdicnst keine Verwendung mehr finden. Als sein Nachfolger dürfte Geh. Legationsrat Seitz nach Kamerun gehen. Pnttkamer wird Ende Januae in Berlin eintreffen und sich sofort über seine Regierungs- Maßnahnwn zu verantworten haben. Das gegen ihn eiuzuleitende Disziplinarverfahren wird im Neichs- tage noch ein Nachspiel haben. — In der Eckertstraße versucht»^?r 29 jährige Arbeiter Beste am Sonntag seine frühere die Kellnerin Elsa Krakauer durch zwei Schüsse zu töten, worauf er die Waffe gegen sich selbst richtete. Während das Mädchen schwer verletzt wurde, verstarb Peske bald nach seiner Einlieferung in die CharitS. Verschmähte Liebe ist die Ursache zur Tat. — Der frühere Direktor der Darmstädter Bank Justizrat Dr. Rießer ist zum Honorar-Professor für Handelsrecht an der hiesigen Universität ernannt. — Wegen strafbarer Betätigung seiner absonderlichen Neigungen wurde ein 29 Jahre alter Kaplan verhaftet. Er veranlaßte Knaben unter einem Vorwande in seine Wohnung zu kommen. Hier verabreichte er ihnen einen Nohrstock, mit dem sie ihn schlagen mußten. Saarbrücken, 2. Ian. Ein Soldat der 9. Kompanie, des 8. Rhein. Infanterie-Regiments 9?r. 70 erkrankte an Genickstarre. Die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. München, 1. Jan. Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens Bayern? als Königreich zeigen die Straßen der Stadt reichen Flaagenschmuck. Im Dome fand ein vom Erzbischof Dr. von Stein zelebrierter Fest- gottesdienst statt, zu dem der Prinzregent, die Prinzen, das diplomatische Korps, die Staatsminister re. erschienen waren. Später gab der Prinzregent für das diplomatstche KorpS eine Galatafel. Während der Tafel brachte der Prinzregent einen Toast auf die Souveräne und Staatsoberhäupter der vertretenen Staaten aus. Spittel (Lothr.), 2. Ian. Vier junge Bergarbeiter die zusammen Sylvester gefeiert hatten, begaben sich heute morgen gegen 5 Uhr in oie Küche der elterlichen Wohnung, eines von ihnen, wahrscheinlich um sich nach etwas Eßbarem umzusehen. Einer fand darin einen Sack mit Pulver, aus dem einige Körner herausgerieselt waren. Er versuchte diese Körner mit einem Streichholz zu entzünden,, worauf sofort der gesamte Inhalt des Sacks explodierte. Die vier jungen Leute wurden tätlich verletzt, der Sachschaden ist bedeutend. Petersburg, 1. Jan. Der deutsche Botschafter v. Schön und der neuernannte Militärbevollmächtigte Generalmajor v. Jacobi sind heute abend hier einge- troffen. Saloniki, 1. Jan. Die Polizei entdeckte in Demir- hissar in der Nähe von Serres eine Bomben-Fabrik im bulgarischen Viertel. Tort wurden 330 fertige und 1200 nicht fertiggestellte Bomben gefunden. Ferner wurden dort Flaschen mit Nitroglyzerin, eine Höllen-Maschine, elektrische Drähte und eine große Menge Manlicher- Gewehre mit Munition entdeckt. Das bulgarische Viertel wurde militärisch besetzt. Eine große Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. Sofia, 1. Ian. Das neue Abkommen zwischen Serbien und Bulgarien, über dessen Bezeichnung bis zum letzten Attgenblick Meinunasverschiedenbeiten herrschten, wurde heute unter dem Titel „Vertrag, betreffend die serbisch-bulgarische Zollunion" in der Sobranje eingebracht. Die 2lppetitloffgkeit bei magenkranken Kindern beruht lehr oft darauf, daß die gereichte Nahrung an sich wohl kräftig,, aber den Verordmmgssästen nicht leicht nemtg zuaänaig ist. Tas leicht verdauliche Knfeke Kindermehl daaeaen wirkt onrc-tcnb aus den Appetit ein und stellt dennoch eine frnftine Nabruna dar, d. h. eine Nahrung, welche reich an Eiive'ß- und Mineralstoffen ist, und die sogar zur ausschließlichen Ernährung der Cänalinge dienen kann. Mit dieler Nahnmg kann man wieder Fleischsnppe und Milch, Kakao etc. in die Ernährung einführen und so zur gewohnten Nahrung überleiten. ' hvs/u Raucht „Meine Sonne“ Feinste 7 Pfg. 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Staatsanleihe 95.45 Diskonto-Kommaudit. . . 191.00 I % Conv. Türken von 1903 90 30 Dresdner Bank .... 167.20 Türkenlose......141.60 Kreditaktien ..... 21-1.80 4% Griech. Monopol-Anl. . 52.80 Ba’timore- und Ohio- \% äussere Argeutinier . 89.00 Eisenbahn.....114.20 .3% Mexikaner .... 67.00 Gotthardbahn.....196.00 l^°/o Chinesen . . . 97 60 l-ombard Eisenbahn . . 24.75 Aktien: Oesterr. Staatsbahn . . . 113 50 Bochum Guss 249.50 Priuce-Heuri-Eiseubahn . 126.50 Buderus E. W.....137.50 Tendenz: sehr fest. Bterliner Börse, 2 Januar. Anfangskurse Canada E. B...... 176.00 Harpener Bergwerk . . 216 50 Darmstädter Bank . . . 149.50 Lauralr-tte . . . . 218.75 Deutsche Bank .... 244.00 Lombarden E. B . 24 80 Dortmunder Union 0. . . 101.25 Nordd Lloyd.....127.90 Dresdner Bank .... 167.00 Ttirkeuluse ..... 11,9.50 Tendenz: sehr fest. BckamUmallmng. 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