Nr. 81 irrstes Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 5. April 1S03 , gins von der ruff. Regierung ersucht worden sein, sich nach Paris zu begeben, wo er eine Unterredung mit einem dort weilenden hohen Beamten des russischen Verkehrsministeriums haben soll, um mit diesem die Bedingungen zu beraten, unter welchen er die Leitung der Expedition übernehmen soll. ES heißt in Petersburg, daß die Regierung mit dem Plane umgehe, einen Freihafen an der Mündung des Jenissei zu eröffnen. Die europäische Handelswelt wäre cm der Durchsetzung dieses wichtigen Planes interessiert. Der Petersburger Berichterstatter des „Standard" er» fährt, daß eine Anzahl Würdenträger vor mehreren Tagen eine Versammlung im Palast des Großfürsten Wladimir abgehalten haben, um die Friedensfrage zu erörtern. Die Mehrzahl der Anwesenden sprach sich entschieden zu Gunsten des Friedensschlusses aus, nur der Kaiser allein bestand energisch auf Fortsetzung des Krieges. Offiziös wird aus Petersburg verkündet: Genüsse russische Zeitungen geben ein Telegramm des „Echo de Paris" vom 30. März wieder, nach welchem Graf Lamsdorff dem Kaiser vorgestellt haben soll, das Ende des Krieges mH Japan sei wünschenswert wegen der Wahrscheinlichkeit von Verwickelungen in Mazedonien. Die Petersburger Tele- graphen-Agentur ist zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Meldung durchaus unbegründet ist. Entgegen allen anderen Meldungen wird aus Petersburg konstatiert, daß sowohl die Mobilisierungen als auch die Truppentra nsporte ihren unausgesetzten Fortgang nehmen. Große Abteilungen kaukasischer Truppen find bereits in Charbin angelangt. Obgleich also über die Fortsetzung des Krieges kein Zweifel besteht, sind in den letzten Wochen zahlreiche Telegramme zwischen Petersburg und Washington gewechselt worden, welche sich nach zuverlässigen Informationen mit der Frage der Friedensvermittelung befaßt. Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch arbeitet, wie es heißt, täglich mehr als 12 Stunden (?) an der Abfassung eines ihm vom Zaren aufgegebenen Berichtes über die militärische Lage in Ostasien. Die Abreiss des Großfürsten nach dem Kriegsschauplätze ist im Prinzip beschlossen. Das Kriegsgericht in der polnischen Stadt Siedlce verurteilte wegen Aufruhrs in den Kasernen und Widersetzlichkeit gegen die MobilisierungS-Ordre vier Reservisten polnischer Nationalität zum Tode, 3 zu Zwangsarbeit und 36 zur Einreihung in Straf-Bataillons und zu Gefängnisstrafen. Zink nb in Sturm und Drang. Die Nachrichten aus dem Innern des russischen Reiches lauten fortgesetzt ernst. Im Kaukasus dauern die Unruhen roerbm. Ausland Univ ersität Studenten sind neymen. Wie man flüchten. Das Ministerkomitee beschäftigte sich am 4. d. Mts. mit der Beratung des die Revision der Rechte von Ausländern und Eingeborenen besonderer Reichsgebiete betreffenden Punktes 7 der kaiserlichen Verordnung vom 25. Dezember 1904 in seiner Anwendung auf die westlichen Gouvernements. Das Ministerkomitee beschloß die Abschaffung einiger Bestimmungen, welche den Grunderwerb für polnische Untertanen erschweren, mit der Einschränkung, daß die Gesamtoberfläche des polnischen Grundbesitzes nicht auf Kosten der russischen Grundbesitzer vermebrt wird. Das Komitee beschloß ferner, den Rechten der Polen auf Anstellung im Staatsdienst eine genauere Auslegung zu geben. Die Frühjahrsparade, welche alljährlich vom Zaren in Begleitung des gesamten kaiserlichen Hauses abgehalten wird, sindet in diesem Jahre nicht statt, ein Fall, der in der russischen Geschichte einzig dasteht. Auch die Herb st Manöver in Zarskoje Sselo sind für dieses Jahr abgesagt. Kaiser Wilöclms Meerfal-rt. Maddalena (Sardinien), 4. April. Der Semaphor signalisierte heute abend die Durchfahrt der „Hamburg", die, vom „Prinz Friedrich Karl" begleitet, nach Neapel geht. Athen, 4. April. Der Kaiser wird am 10. ds. Mts. in Korfu mit dem König von Griechenland zusammentreffen. voll besetzt werden. t ** Fleischer-Innung. In der gestrigen Generalversammlung wurde anstelle des verstorbenen Obermeisters Pirr der seit 15 Jahren stellvertretende Obermeister Ernst Ludwig Sack per Akklamation gewählt. ** Zur Frage der Lotteriegemeinschast wird uns heute aus Darmstadt geschrieben: Aul Grund bester Jnsormationen formen wir versichern, daß entgegen anderweiten Nachrichten Liber die preukischchesiischen Lotterieverhandlnngen an einen A b s ch l u ß derselben vorläufig n i cd t a u denken ist, e4 auch noch fraglich erscheint, ob ein solcher ü b e r h a u p t zu Stande kommen wird. Zunächst steht nur das eine lest, daN zwischen Hessen und den Thüringischen Vertragsstaaten volle Ueberein- st i m m u n g herrscht, die auf der jüngsten Konferenz in Eisenach erreicht wurde. Tie Behauptung, daß Preußen eine Million jährliche Entschädigung an Hessen zahlen werde, ist völlig willkürlich; laliachlich ist über die Höhe der Entschädigung überhaupt noch nicht verhandelt worden. Bezüglich der Ent» ch L d i g u n g der h e j s i s ch e n K o l l e k t e u r e hat der Finanz Aeullch-Siidwestalrika. Berlin, 4. April. Wie der kaiserliche Generalkonsul in Kapstadt unierm 4. April mitteilt, ist nach dem Bericht der englischen Grenzpolizei Abraham Morris aus dem Rückzüge gefallen. Dagegen ist Mar eng o aus den Korasbergen vertrieben und nach Oliiantkloof bei Kunobis geflohen. (Kunobis liegt auf deutschem Gebiet dicht an der Grenze nach Betschlianaland, ungefähr 22 Grad südlicher Breite, Olifantkloof liegt südwestlich davon in Betschuana- laüd.) Die Kapregierung sandte sofort Patrouillen nach der Kalahari.________________ __ «Heer und Alotte. Berlin, 4. April. Dem Vernehmen nach werden die vom Reichstage bewilligten neuen Kavallerie-Regimenter als Regimenter „Jäger zu Pferde" formiert und behalten ihre seitherige Ausrüstung, zu der, soweit es nicht bereits der Fall ist, auch die Lanze tritt. Dies gilt indessen nur für die preußische Armee. Sachsen beabsichtigt, ein Husarenregiment und ein Ulanenregiment zu errichten, Bayern stellt roal)^ cheinlich ein Eheveaurleger-Regiment aus. fort. In Tiflis haben neuerdings blutige Exzesse statt- gefunden. Auch in den baltischen Provinzen ist die Ruhe noch nicht wieder hergestellt. Die Behörden von Riga haben, um eventuelle Unruhen infolge der Anwesenheit Maxim Gorkis vorzubeugen, letzterem die Erlaubnis gegeben, nach der Krim abzureisen. In Petersburg selbst ist die Ruhe nur scheinbar. Wie uns mitgeteilt wird, sind auf Grund der seiner Zeit bei dem durch die Explosion einer Bombe im Hotel Bristol getöteten Nihilisten gefundenen Aufzeichnungen 14 Personen verhaftet worden. Ein Unbekannter erschien, wie aus Warschau gemeldet wird, im Hospital der Vorstadt Praga und gab zwei Revolverschüsse auf den bei der Explosion im Hofe der Pragaschen Polizeiverwaltung am 26. März verwundeten, im Hospital liegenden Polizeibeamten Sarapa ab. Dieser wurde an der Schulter verwundet. Der andere, dort ebenfalls in Behandlung befindliche Polizeibeamte wurde infolge- dem „N. W. Abendbl." von gut unterrichteter Aus Stadt uud Land. Gießen, 5. April 1905. ♦* Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Schmidt aus Sprendlingen, im Kreise Offenbach, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Knoden- Schannenbach, im Kreise Bensheim. •• Hundesperre. Es ist ein zweiter Hund, bei welchem starker Verdacht aus Tollwut vorlag, in die hiesige Veterinäranstalt eingebracht worden. Da der Hund alsbald verendet ist, mußte der Kopf zur weiteren Untersuchung an das Königliche Institut für Infektionskrankheiten eingeschickt werden. Wir weisen deshalb wiederholt daraus hin, daß Hunde nicht frei herumlaufen und auch nicht ohne polizeiliche Erlaubnis in eine andere Gemarkung verbracht werden dürfen. Da der dringende Verdacht besteht, daß in den beiden hier bekannt gewordenen Fällen Tollwut vorlag, sind die polizeilichen Anordnungen strengstens zu be- Die Gemäldeausstellung am Brand bleibt wegen der Weitersendung der Kollektion von Paul Schad- Rossa, am morgigen Donnerstag und am Freitag, ge- ist es dem Mörder des Ministers dessen in das Militärlazarett gebracht. Den Studenten in Warschau ist auf Verfügung des Unterrichtsministers bekannt gegeben worden, daß die Warschauer bis auf weiteres geschlossen bleibt. Die entlassen und können ihre Papiere in Empfang große Heiterkeit erweckte. Neben ihm wetteiferten die anderen, um die Stimmung und frohe Laune unter dmr Zuhörern wachzuhalten. Herr Lüttjohann rezitierte in vorzüglicher Weise plattdeutsch und Herr de Giorgi env fesselte mit Gedichten in Frankfurter Mundart stürmome Heiterkeit. Einen tragischen Schluß bildete die schillern sächsisch nachempfundene „traurige Geschichte von der Kabale und Liebe", die Herr Conradi heraufbeschwor. Nächsten Freitag abend wird, wie wir hören, der Vortragsabend wiederholt, und zwar sollen VolksVorstellungspreise erhoben werden. Dann wird das Haus noch einmal Deutsches Reich. Berlin, 4. April. Bei dem Grasen und der Gräfin Bülow fand heute abend ein Diner statt. Einladungen ergingen u. a. an die Präsidenten der Parlamente mit ihren Damen, die Reichstagsmitglieder v. Normann, Gras Oriola mit Gemahlin usw. . — Der Oberlandesgerichtspräsident, Wirkl. Oberjusnz- tat Dr. Eccius ausEassel ist zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz sowie zum Präsidenten der Justizprüfungskommission ernannt worden — Tie Revisionssumme beim Reichsgericht wurde, wie die Nationalztg." berichtet, von der Reichstags- 'kommission zur Vorberatung der Zivilprozeßnovelle von 1500 auf 2500 M k. h er au fg e se tz t. — Die Matrikularbeiträge fürl905 belaufen sich nach den Beschlüssen des Reichstages in dritter Lesung auf 226,6 Mill. Mk. oder ans 30,1 Mill. Mk. mehr als im Etat für 1901. Auf Preußen entfallen davon 163,8 Mm. Mark oder 18,3 Mill. Mk. mehr, auf Bavern 28,3 Mill. Mark oder 3,5 Mill. Mk. mehr, auf Sachsen 19,9 Mill. Mark oder 2,2 Mill. Mk. mehr, auf Württemberg nahezu 10,1 M ill. Mk. oder 1,2 Mill. Mk. mehr, auf Baden 8,9 Mill. Mk. oder nahezu 1 Mill. Mk .mehr. Elsaß-Lothringen wird 8,2 Mill., Hessen 5,2, Mecklenburg-Schwerin 2,6, Braunschweig 1,9, Oldenburg 1,7, Sachsen-Weimar 1,5, Anhalt 1,3, Sachsen-Meiningen 1,1 Mill. Mk., jeder der übrigen Bundesstaaten unter 1 Mill. Mk. an Matrikularbeitragen zahlen müssen. , — Zur neuen Reichs anleihe schreibt die „Nordd. Atlg. Ztg.": Gegenüber den aus Anlaß des Krieges zwischen Rußland und Japan von diesen Staaten ausgenommenen hoch verzinslichen Anleihen erscheint für die Reichsanleihe ein 3V2prozent. Papier umsomehr angebracht, als auch mehrere deutsche Bundesstaaten in letzter Zeit den Markt mit 3Vsprozent. Anleihen angegangen haben. Mithin handelt es sich bei obiger Slnleihe nicht um ein grundsätzliches Verlassen des 3prozent. Tvpus, sondern um eine ausschließlich durch die derzeitige Beschaffenheit des Geldmarktes bedingte Abweichung, von der erwartet werden darf, daß sie für die Zprozent. Schuldverschreibungen zur Erleichterung in Angebot und Nachfrage beitragen wird. — Alles soll bekanntlich schon dagewesen sein. Ob es sich aber schon ereignet hat, daß ein Gendarm zum Bürgermeister einer Stadt gewählt worden ist? Dieser Fall hat sich jetzt in der Provinz Posen zugetragen, denn aus Kosten wird berichtet: „Die Negierung in Posen hat die Bestätigung des zum Bürgermeister der im hiesigen Kreise gelegenen Stadt Kriewen gewühlten berittenen Gendarmen Kohlmeier von einer viermonatlichen Verwaltung dieser Stelle abhängig gemacht." Kriewen zählt 1600 Seite meldet, Plehwe, Sassonom, gelungen, aus der Peter Paul- Festung zu entkommen und nach dem Auslande zu — In her Kammer und im Senat toigent>e m nult er. klärung des Ministervräiidenten Fortis verlesen. .Tarin beißt es u. ai.: „Wir haben k e in e n e u e poli11s ch « Richtung zu verkünden. Der feste Entschluß, dem Lande die Segnungen des Friedens zu sichern, darf uns nimt ao- halten, unsere V e r t e i d i g u n g s m i t t e l v o r z u b e r e i t e n. Gfcrabc w-il Itali-u b-n Trieben will, mufi es frr bte SBcrbcneruns her militärischen Organisation Sorge tragen. An» der Flotte, diesem wichtigen Faktor der Friebmspslttlk, muiz besondere Sorg- falt zugewandt werden. Wir müssen aber die Versicherung geben, daß wir niemals die Grenzen aus dem Auge lassen werden, die unsere Finanzlage uns auserlegt, und daß nur es uns angelegen sein lasten werden, Sparsamkeit in jedem nur möglichen Umfcnige zu üben. M r Konstantinopel, 3. April. Bei der Bahnltativn Tabo- novee im Bezirke Knmanowo wurden dre gruppen ticm einer serbischen Bande angegriffen. In dem Kampfe, der sich vorauf entspann, wurden vier Soldaten und vier Serben getötet. Unter den letzteren befanden sich ein Hauptmann und ent -eut- nmt. Tic übrigen 80 Mitglieder der Bande wurden -lcfangen genommen und nach Kumanowo gebracht, wo vier durch die über die Tötiing ihrer Landsleute erbitterten Muhamedaner getötet wurden. . ... . . . Petersburg, 4. April. Prinz und Pnnzesim S e t n r i ch von Prcustcu sind heritc in Z a r s k o i e S s e l o -mg-troff-n. Aus dem Dal>nhose war zum Empfange das Kaiserpaar -richicnen. Um den Charakter eines Familienbesuches zu wahren, wurde einem Wunsche des Prinzen entsprechend von Jebem offiziellen Empfange abgesehen. Die Dauer des Besuches ist bis zum Ende dieser Woche in Aussicht genommen, worauf der Prinz jr .Wiel zurückkehrt, während die P r in z e s s i n He inr i ch ihre ^ci)weiter, die Großfürstin Seraei. nach Moskau beasisten wird. in Kopenhagen erwarteten Zarinmutter zusammentreffen wolle. Prag, 4. April. Die „Wiener Amtsztg." verossentliÄt »ahl- reiche Ernennungen richterlicher Beamter beim Prager Lande-- gericht und bei den Kreis- und Bezirksgerichten Bohmnis, hie in Deutsch-Böhmen große Mißstimmung erregen ttegen vielfacher Ernennung von Tschechen fürbeutsche G erji cf) t e und Uebergehung deutscher Beamter, unter 108 neu ernannten richterlichen Adjunkten sind npr 9 Deutsche London, 4. April. Mberhau s.) .3^ richtet an L unt r- zeichneten Erklärung. Lansdowne erwidert, die Regierung be ickästige sich mit dieser Frage. Unserer Avs.cht noch N - Handlung des e u g l i s ch en Handels auf den -Warman Lin sein w' >e' n ig zufrieden stellend. e, . , London,!. Avril. Ueber die Art der Krankheit des Thronfolgers ist bisher amtlich noch nichts bekannt gegeben worden." Man glaubt, daß txr Grund heit in dem wahren Charakter der Krankliett öu inchen ist und daß man nicht zugeben will, daß er an Krebs leide. Alles 1was bisher über den Gesuudheitszustlmd Pnuzen von Wale^ ;u erlaben war, träyt zur Bestätigung dieser: Anffttht den Sein AusiAren läßt feit längerer Zeit auf eine innere Krankheit chlossen. , . . _ ** Vortragsabend von Mitgliedern des S t a d t t h e a t e r s. Ein beinahe vollsiesetztes Haus lauschte gestern abend unseren Künstlern, die an der gewohnten Stätte ihres Wirkens zum Schluß dieser Spielzeit den Theaterbesuchern noch einen Extragenuß bieten wollten. Ein langes Programm ernster und heiterer Dichtungen, vorgetragen in bunter Abwechslung von sechs Künstlern, ist wohl ein etwas gewagtes Experiment, wenigstens was das künstlerische Zu'sammenweben in der Stimmung anlangt. Doch dieses Experiment erlitt keinen Schiffbruch: die meisten der Vorträge fesselten die zahlreichen Zubörer und wurden mit großem Interesse bwgenommen. Von bemerkenswerten neueren Dichtern, die zum Worte kamen, sind zu nennen! Julius Wolff und Emil Rittershaus. Herr Lüttjohann eröffnete den Abend mit einem Gedicht von I'. Wolff „Aus> Sturmes Not", welches im Motiv dem bekannten „tiieh vom braven Mann" oder „Siehst Du die Brigg dort auf den Wellen" stark ähnelt. Herr Lüttjohann brachte auch in stiner zweiten Darbietung, „Unerkannte Schätze" vonj Kneisel, eine sentimentale Dichtung, die die Treue besingt/ die nirgends auf der Welt sich findet, als allein im Mutterherzen und die, wie so viel andere Schätze, erft, entdeckt werden, wenn es zu spät ist, und die Herzen, die fte in sich trugen, ins Grab gebettet worden sind. Das Freilig- ratsche „O lieb, so lang du lieben kann" ist allerdings wertvoller, aber Herr Lüttjohann wußte das längere und dramatischere Gedicht mit gutem Ausdruck und lebhafter Anschaulichkeit vorzutragen. Ein hübsches Pendant zu die,em Kneiselschen Werk bot Herr de Giorgi mit einem interessanten Manuskript Ernst v. Possarts, „Das Wasser des Vergessens", gleichfalls ein Hoheslied auf das Mutterherz. Sehr wirkungsvoll war „Der Henker" von Rittershaus, den Herr de Giorgi mit guter Charakterisiernng vortrug. Fwl. Gartner rezitierte „Die kleine Versetzerin" von Proschko, ein niedliches Merkchen, das ebenso wie „Die zerbrochene Puppe" aus dem Munde des Frl. Ruf vorübergehend unterhalten konnte. Auch die beiden Damen, die im zweiten, humoristischen Teil hübsche, zum Teil mundartliche Scherzgedichte vortrugen,' ernteten reichen Beifall. Hr. An d r e a § hatte sich ein ziemlich seltsames dichterisches Produkt in dem „Kunstreiter" ausgesucht, mit welchem er weniger Anklang fand als im humoristischen Teil mit Gedichtchen von Barthel und Presber. Zu den erwähnten Künstlern I trat im hmnoriflrschen Teil der Komiker Conradi, her Einwohner. Greiz, 4. April. Amtlich wird fetzt bekannt gegeoen, daß der Fürstregent den Direktor der fürstlichen Kammer Dr. Oehrl „auf sein Ansuchen" in den Ruhestand versetzt hat. Damit findet ein Vorfall seinen Abschluß, der seinerzeit hier das peinlichste Aufsehen hervorrief. Tr. Oehrl, her früher in Gera Vortragender Rat im Ministerium war, hatte den Posten eines Direktors der Greizer fürstlichen Kammer erhalten. Bei der Bestellung hierzu kam auch die Frage eines neuen Titels mit zur Sprache. Richt wenig staunte man hier, als das Amtsblatt bekannt gab, daß Dr. Oehrl zum Geheimen Oberkabinettsrat ernannt sei, zumal Exzellenz v. Geldern, der Vorgänger Dr. Oehrls, nur Geh. Kabinettsrat war. Schließlich stellte sich heraus, daß Dr. Oehrl zur Führung dieses Titels tefine Berechtigung hatte. Ein von Dr. Oehrl gegen den Fürstregenten in Dresden angestrengter Prozeß wurde ab gewiesen. Dr. Oehrl soll jetzt Rechtsanwalt in Dresden fein. Stuttgart, 4. April. In der Abgeordnetenkammer Finanzminister v. Zeyer, wenn man eine Sanierung 8er ReiÄsfinanzen herbeiführen woNe, so bliebe nur die Ein- Snetter Reichssteuern Übrig. Der Bundesrat H in dieser ^Hinsicht hem Reichstage Vorschläge zu- ^men lassen Diese werden ftd) aber nicht auf dein Gebiete Reichseiukomrnen- oder Rerchsver- mögenssteuer bewegen, da man diese Steuern der Finanzhoheit her Einzelstaaten überlassen müsse. Minister- >räsident v. Breitling gab die Erklärung ab, daß der Entwurf einer Verfassungsänderung noch diesem Landtage und zwar nach Durchberatung des Etats und der damit zusammenbän^euden Vorlagen vor^eleat werde. Londo n, 4. April. Ueber die Gründe zu dem plötzlichen Enff^luß König Eduards, mit der Königin Alexandra dem Geburt staqe des dänischen Königs nießt beiznwahnen, hüllt sich die Presse in Schweigen. Rur der „Dailh Expreß meint, hny Unwohlsein des Königs sei schlimmer geweien, als man bisher geahnt hat, was jedoch wenig glaubwürdig ist, da die Königin dann vermutlich direkt von Lifiabon Mrückgekehrt wäre. Glaubwürdiger scheint die Tatsache, daß ernste Differenzen zwischen dem en gl ischen und dem r u H11 ct) e n . irai xm iyUmvvL^ycn wi ucy Hofe vorliegen, und daß das englische Königspaar nicht mit der besonders durch einige Vortrage in fach «sicher Mundart parlamentarisches. Berlin, 4. April. Die Börsenkommission des Reichstages genehmigte § 52 in der Fassung der ersten Lesung ohne Debatte und nahm sodann nach längerer Debatte unter Ablehnung der Regierunasfaffung dos 8 67 a den dazu vorliegenden Antrag Colsborn (Ztr.l an welcher dahin gebt, hie Eintragung in das Börsenregsiter ist, wenn der eine Dell zurzeit des Geschäftsabschlusses gemäß § 66 in das Borsenregsiter eingetragen war, zur Wirksamkeit des Geschäftes m Ansehung derjenigen Kaufleute nicht erforderlich, welche zu der Zeit des Geschäftsabschlusses in das Handelsregister eingetragen waren und ein Handelsgewerbe betrieben, mit welchem fern offener Laden und keine Gast- und Schankwirtschaft verbunden war. Zu „Gunsten desjenigen, welcher zurzeit des Geschästsabschlusws gemäß § 66 in das Börsenregister eingetragen war, t!t das Borsentermin- geschäft auch daim als giftig anzusehen, wenn der andere ^.eil! zurzeit des GeickiSstsabschlusses berufsmäßig Bursen- oder D-nkeer- geschäfte betrieben hat. „ — Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Berggesetznovelle setzte die Debatte über die Arbeiter aus,chusie fort und lehnte nach längerer Debatte die Zentrumsantrüge auf die Einführung von Gr u b en ko n t r o l e u r e n und betr. die Mitwirkung der Ar b e i t e r au s i ch u ss e an Wohlfahrtseinrichtungen ab, sowie den Antrag Hirsch, daß die Arbeiterausschülffe »auch Beschwerden an die Staatsbehörden zu richten befugt sein sollen Die Kommission nahm dagegen den Antrag Hevdebrand und Frhr. v. Zedlitz an, welcher dahin geht, dem Msatz 2 des 8 80 folgenden Zusol, zu geben: Es ist die Aufgabe des Arbeiter- Ausschusses auf geordnete und friedliche Verh alt - nisse in der Arbeiterschaft des betreffenden Bergwerkes f zuwirken und Storungen der öffentlichen Ordnimg sowie si .- drängung von Arbeitswilligen, insbesondere auch gelegentlich von Arbeitseinstellungen bintanzuhalten. Bezüglich des aktiven Wahlrechtes wurde beschlossen, daß eine einjährige Arbeit auf der Grube erforderlich ist, nicht aber Kenntnis der deutschen Sprache; dagegen wurde die Kenntnis der deutschen Sprache für das passive Wahlrecht aufteLterhalten und zugleich die Bestimmung, daß dazu eine dreffährige Arbeitszeit aisi der Grube erforderlich ist. Das geheime Stimmrecht wurde aufrecht» erhalten. Sodann wurde beschlossen, daß das Oberbergamt bei UcberfLrcitung d-r Zuständigkeit drr Arbntcrmisichusse sie auf- heben soll und unter Umständen ihnen die Mitgliedschaft aberkennen kann. Die Einführung obligatorischer Arbel- terausschüsse mit Stimmengleichheit wurde ab- qelehnt — Angenommen wurde der nationalliberale Antrag, daß mehr als dreimalige Bestrafung wegen unreiner Förderung oder ungenügender Belad ungin einem Monat mit sofortiger Entlassung bestraft werden kann Zu § 80 g wird der Antrag des Zentrums, daß die Arbeitsordnung dem Oberbergamt innerhalb drei Tagen zur Genehmigung vorgelegt werden soll, abgetebnt. Sie braucht also nur eingereicht tohtiTm, 4 Avril. Generalkomitre, boS beauftragt ist. di- R-gi-rung in d-r Dc>rb-reitung dcr Kcmftren» zurSchaffung eines internationalen landwirtschaftlichen Zn stituts zu unterstützen, begann heute seine Arbeiten. Minister Tittoni und Rava wohnten der Sitzung bei., ^^bent gab die Beitrittserklärungen der sremdev Regierung e n bekannt. Minister den Interessenten fcbon mitteilen lassen, daß er für eine mäßige Entschädiannti" bemüht sein werde; man nennt Hier auch hartnäckig den Saß von 25 M k. v r o L o s, doch wird uns diese Snwlne als dnrebans nicht feststehend bezeichnet. Von der Entfchädiaung anslcheiden wurden auch vor allein diejenigen Kollekteure, heuen im Falle der Viilhebuna der Lotterie eine neue Kotlektur von der preußischen Neaieruna übertragen werden sollte. •• Hessisch-Thüri ngische Staatslotterie. Bei der beute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von je 10 000 Mk. auf Nr. 38248 65199, Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 27095 38055, Gewinne von je 2000 Mk. aus Nr. 4163 22851 15228 15921 27855 29710 42597 55300 59097 59884 62551 68529 64090 75049 78539 81560 87819 96508 98274. (Ohne Gewähr.) —gm Klein-Linden, 5. Avril. Gestern abend sprach Lcmdtagscrbg. Leun in der Wirtschaft Mr Burg vor etwa 50 Zuhörern über den neuen „Gemeinde st euergeseß- en t tonr f" und über „Landwirts ckmftskammern". Tie Diskussion über den klar und sachlich vorgetragenen Vortrag war schwach. Man äußerte namentlich Bedenken über die hoben Kokten, die der große Beamten- a p P a r a t für die L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r n erfordere und die den Nitren der neuen Institute herabsetze. Lebhafter besprach man die Enteignung bei der Klärbeckenanlage. Hier ist eine baldige, zufriedenstellende Lösung der schon lange schwebenden Verhandlungen zu 'hoffen. verrnttchte». Berlin, 4. April. Ein Mordversuch gegen seine Frau wurde heute von dem stellenlosen und dem Trunk ergebenen Tapezierer Metzel verübt. Der Mann lebte seit einiger Zeit getrennt von seiner Frau und erbat heute unter einem Vorwande Zutritt in die Wohnung. Dicht an der Tür umschlang er plötzlich seine ahnungslose Frau und stach ihr ein Messer, das er vordem verborgen gehalten batte, in den Hals. Glücklicherweise wurde die Wucht des Stoßes durch den hohen Samtkragen der Jacke etwas abgeschwächt, und so sind die Verletzunaen, die die Frau davongetragen hat, nicht direkt lebensgefährlich. Metzel entfloh; bisher konnte seine Verhaftung noch nicht erfolgen. London, 4. April. Die Abendblätter bringen die Nachricht, daß in Lahore (Indien) heute ein heftiges Erdbeben stattgesunden habe, das schweren Menschenverlust zur -^alge hatte. Das Erdbeben richtete großen Schaden an öffentlichen Gebäuden und Privateigentum an. Das Rathaus ist fast dem Erdboden gleichgemacht. Der Bahnhof, die Kathedrale und die Juinamasjid-Moschee sind .schwer beschädigt. * Wien, 4. Avril. Heute vormittag hat sich in dem Gebäude der Universität der berühmte Germanist Hofrat Pro- fesior Dr. Richard Heinzel durch einen Revolverschuß in die linke Brustseite getötet. Der Gelehrte, der im 67. Lebensjahre stand, hat den Selbstmord wegen eines quälenden Magenleidens verübt. "Kleine Tageschronik. Prinz de Broglie, der auf der Fahrt von Rom nach Neapel mit einemAutomobil eine Fra u überfuhr und dem schuldigen Chauffeur zur Flucht verhalf, wurde tu Neapel verhaftet. — In den spanischen Pro- vstren Andalusien und Estremadura herrscht übermäßige Hitze, bis 35 Grad im Schatten. Die Saaten sind vertrocknet, das Vieh ft i r b t vor Hunger. Der Breis für «Getreide neht in die Höhe Die Brotvreise in Madrid steiaen. In dem Wuklkralprozeß erklärte am Dienstag der Verteidiger Dr. Sprenger: Mi- u i st e r R u h st r a t h hat einen äußer st schweren Vorwurf gegen den Neichstagsabg. Justizrat Lenzmann erhoben. Mit Rücksicht darauf, daß unserem Kollegen Lenzmann der Vorwurf der wissentlichen Unwahrheit (der Minister gebräunte sogar das Wort Verleumdung") gemacht worden ist, wäre es schon gestern unsere Pflicht gewesen, den Minister in der gleich schroffen Weise in seine Schranken zurücstuweisen. Wir wollen aber nicht in den gleichen Ton verfallen, wir begnügen uns damit, nochmals sachlich seffzustelleu, daß der gegen Lenzmann erhobene Vorwurf gänzlich unberechtigt ist, da er nur das wiederholt hat, was wir längst in unserer Verteidigungsschrift behauptet und niedergelegt hatten. Mit Rücksicht auf diese Feststellung kann ich wohl jetzt an den Minister das Ersuchen richten, seinen Vorwurf gegen Ju st iz- rat Lenz mann zurückzu nehmen. Minister R u b st r a t: Ich b'tte yir Aufklärung bemerken zu dürfen, daß ich nicht von einer Verleumdung schlechthin, sondern nur von einer Behauptung, die nicht erweislich wahr ist, gesprochen habe, die gegen den § 187 des Str.-G.-B. verstößt. Der unter dem Schutze de" Immunität erhobene Vorwurf des Abg. Lenzmann enthält eine äußerst schwere Anschuldigung gegen mich, die jeder Begründung entbehrt, denn ich habe bereits im Schwevnert-Prozeß unter meinem Eide erklärt, daß ich nichts verschwiegen habe, eine Erklärung, die ich gestern wiederholt habe. Vertreter des Ministers, Iustizrat Dr. Lohse: Nach meiner Ansicht ist es ganz glcichgiltig, ob und wann die Verteidiger dieselbe unwahre Behauptung, wie der Abg. Lenzmann aufgestellt haben. Fest steht doch, daß der Vorwurf der Verschweigung von Tatsachen ohne jede Unterlage erhoben worden ist. R.-A. Dr Sprenger: Gegen diese Behauptung des J'ustiz- rats Lobse muß ich protestieren, so lange dieser Prozeß nicht zu Ende geführt ist. Tie Verteidigung hat keine einzige Behauptung ohne Unterlage aufgestellt. Der Minister hat weiter gesagt, er sei im Reichstage unvertreten gewesen und könne deshalb den Schutz des § 193 für sich beanspruchen. Demgegenüber sage ich: der Minister war im Reichstag vertreten durch den oldenburg. Bundes^atsbevollmächttgten, einen Juristen, der sehr angelegentlichst die Verteidigung des Ministers gegenüber d"u Reichstaas^bgeordneten geführt hat. D agegen wäre der Abg. Lenzmann hier unvertreten, wenn wir Kollegen ilm nicht in Schutz aenommen hatten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung kam es zu weiteren heftigen Zusammenstößen zwischen der Verteidigung, dem Staatsanwalt und dem Vorsitzenden bei der Vernehmung des Landtagsabg. Wessels über dessen Unterredung mit her ^^au Ri^^mann. Märkte (’tfi.) Gießen, 4. April. Auf dem heutigen Ri ndvieh- markt stunden rn. 1200 Stuck Großvieh und 200 Kälber zum Verkauf. Für Milck'ware war diesmal eine zahlreichere Kundschaft am Markt als sonst, welche teilweise bereits jetzt ihren Bedarf für die Badeorte deckte. Infolgedessen zogen die Preise, besonders für gute Ware, die auch am Markt vertreten war, etwas an. Die Stimmung für Fettvieh war wieder wie beim letzten Markt wenig animiert, so daß die Preise sich gegen die vor 14 Tagen nickt veränderten. Das K''lb"rgcschäit mackte sich dagegen etwas besser, da Frankfurt und Wstshodm Bedarf Hatten und auch unsere Heimis^en M^a-u in das Geschäft eingrifsen. Gehandelt wurden vra Stück Milckkühe sris^m^k-md und tragend 1. Oual. 500—4^0 Mk.. 2. Qual. 400—350 Mk.. 3. Qual. 350 bis 280 Mark. Fetwieh ging ah pro Ortner Scklacktaewickt: sefte Rinder 1. Qual. 72—70 Mk., 2 Qual. 68—06 Mk., fette Kühe 1. Oual. 70—67 Mk., 2. Qual. 66—64 Mk.. Kälber 1. Sorte 74—07.M.. 2. Qual. 68—64 Mk.. 3. Qual. 60—55 Mk. Der Markt wnrde bemahe in allen Rstlmaltungen geräumt. f c. Frankfurt a. M., 4. Avril. Heu- und Strohmarkt. Hei, kostete beute Mk. 3.10-3.50, Stroh Mk. 2.10 bis Mk. 2.40. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Heu fest. f c. Frankfurt a. M., 5. April. «Qrig.-Telear. des „Gieß. Anz/3 Schweinemarkt. Znm Verkauf standen 1917 Schweine. Schweine: 1. Qualität 65—66 Big., Lebendgewicht 52.50 Ma., 2. Qual. 64—00 Big., Lebendgewicht 51—00 Big., 3. Qualität 58—60 Big., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschält gedrückt, Neherstand bedeutend. Orisiinat-Draßlmcsdunaen. Oberhausen, 5. April. In der Arbeiterkolonie bei Osterfeld erkrankte eine ganze Familie an starken Vergiftungserscheinunaen. Die Frau hatte beim Einkäufen statt Petersilie Schierling erhalten. Der Zustand der Erkrankten ist bedenklich. Saarbrücken, 5. April. In Sulzbach sind von einer Familie Mann, Frau und Kind an Vergiftung gestorben, ein zweites Kind liegt schwer darnieder. Die Ursache der Vergiftung sind verdorbene Nahrungsmittel. Stuttgart, 5. Avril. Der Minister des Innern, v. Vi- schek, gab im Landtage die Erllärung ah, er sei persönlich der Ansicht, daß auf dem Rhein nur im Wege der Mänderung der Reichsverfassung Schiffahrtsabgaben erhoben werden dürfen und daß er einer solchen Aenderung entgegentreten würde, namentlich um einer Verteuerung des Bezuges von Kohlen durch Württemberg entgeaenzutreten imh auch deshalb, weil man daran sei, durch Kanalisierung des Neckars einen mit dem Rhein verbundenen Schiffahrtsweg zu schaffen. L o n d o n, 4. April. (Unterhaus) Der Antrag Wing- ton Churchill auf Herabsetzung des Militär- etats um eine Million Pfund wird mit 234 gegen 191 Stimmen abgelehnt. Darauf nimmt das Haus einstimmig eine Resolution an, welche sich gegen die Finanzpolitik Chamberlains aus sprichst. Paris, 5. April. Wie ein Telegramm aus Kwang-Ehuang berichtet, sind die in Mulden zurückgebliebenen Aerzte und Bekanntmachung. Sonntag den 9. dS. Mts., von vormittags 11 bis nachmittags 2 Uhr, soll itt dem Zimmer Nr. 3 der Stadtknaben-- schnlc eine Ausstellung der von den Schülern im diesjährigen Untervichtskursus für erziehliche Knabenbandarbeit gesertiaten Gegenstände stattfinden, zu welcher wir hiernut einladen. [B6/4 Gießen, den 4. Avril 1905 Mecum, Oberbürgermeister. Hahn, Rektor. Butzbach — Lichev Eisenbahn. Am Montag dem 10. April er. erfolgt die Vervachtung der Grasnutzung an den Böschungen der Butzbach—Licher Eisenbahn wie folgt: auf Bahnhof Lich vorm. 8S0 km 17,0 bis Bahnhof Lich einschl. „ „ Hof-i,.Dorf-Güll „ 9" „ 13,0 „ km 17,0 , „ Mufchenbeim „ 1018 „ 11,5 „ „ 13,5 „ „ TraiS-Münzenberg „ 11 „ 9,5 „ „ 11,6 , „ Münzenherg „ 11M „ 8,5 M „ 9,5 s, „ Ober-Hörgern „12 „ 7,0 „ „ 8,5 „ ,, Gambach nachm. 12" v 4,5 „ ,, 7,0 , , Griedel-R. „ 14S „ 2,0 „ „ 4,5 „ „ Butzbach-Ost „ 3 „ 0,7 „ „ 2,0 Die Verpachtung erfolgt auf 5 Jahre unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen. Die einzelnen Bahnahschnitte sind durch Kilometertafeln, welche die vollen Kilometer und durch Anschriften an den Schienen, welche die Einteilung nach 100 Metern zeigen, kenntlich gemacht. D8/4 Die Babnverwaltung. Alvers. Die Geburt eines gesunden Mädchens zeigen [1888 hoeherfreut an M Statt besonderer Anzeige. Louis Wetterhahn und Frau Jenoy geb. Haas. Giessen. Pflanzenverkarrf aus dem akademischen Forstgarten bei Gießen. Fichten, teils verschult, 6-jhr.: 7000 Stck., teils Saat 4-jhr.: 1800 Stck. Weißtanne, Saat, teils 4-jhr.: 200 Stck., teils 6-jhr.: 400 Stck. Lärchen, 4-jhr. Saat: 400 Stck. Eichen, 4-jhr. Saat: 200 Stck. Rotbuchen, 4-jhr. Saat: 250 Stck. Amerikanische Eschen, verschult, teils 6-jhr.: 600 Stck., teils 3-jhr.: 1500 Stck. Kaufliebhaber wollen sich direkt an den Forstgartenaufseher Därmer im Forstgarten wenden. Gießen, den 4. April 1905. Die Gr. Direktion des akademischen Forstinstituts. Dr. H e ß. d6/4 Di^id ©TOS ober teilbare Zigarre .bereu Hälften sich beim Rauchen nicht mtfvofien. Näheres unter T. 3143 an Haasenstcin & Bögler, A.-G., Nürnberg. hv8/, Bahnhofstraße 27 Caöliaü Schellfisch I Mittwoch, Donnerstag und Freitag lebendfrisch eintreffend, mit und ohne Kopf, in allen Größen. D GebrüsSer Berdux Krankenschwestern des Roten Kreuzes dort eingetroffen. Sl« erzählen, daß die Chmesen an der Ermordung von^Kranken unschuldig seien. Marschall Oyama und General Oku besindeni sich noch immer in Mulden. Die japanische Armee ist sehr erschöpft und wird in nächster Zeit kein bedeutendes Gefeckst liefern können. Die javanischen Aerzte sprechen den Wunsch ans, daß sobald wie möglich Frieden geschlossen werden möge. Tie russische Armee ist in langsamer Um^ bildung begriffen und setz: sich in neuen Stellungen fest.. Bordeaur, 5. April. Der deutsche Konsul Weibert hat im Alter von 49 Jahren unter geheimnisvollen Umständen Selbstmord begangen. Als die Haushälterin gegen 9 Uhr morgens an die Tür des Schlasz-wmers des Konsuls klovfte, um diesen zu wecken, hörte sie ihn in Jeütcm Zimmer auf und ab gehen und dann vlö^lich ein dumvfes Geräusch, worauf Ruhe eintrirt. Als um 10 Uhr der Sekretär des Konsuls erschien, tcKte die Haushälterin ihm ihre Wal)rnehmun^"n mit. Bei Betretei» des Bureau^ fand der Sekretär einen Bogen Pavier mit den Worten: ..Aus Ursachen, die ich nickst vorher an geben will, ersuche ich Sie, nickst nach meine™ Zimm-w zu kommm. Sie w^den später erfahren weshalb." Ms tro<'dem das Zimmer aeöffuet wurde, sand mm dm K'onsul M'<- durchschossenen Schläsm tot auf dem Boden liegend. In der Näh" der Leiche lag eine Bibel mit dem aufaeschlaaeneu Vers: .Gott ruft mich". Man nimmt an. daß dm Konsul den Selbstmord in einem Anfalle von! Neurasthenie verübt hat. Louisville, 4. April. Präsident Roosevelt wurde bei seinem Eintreffen eine Adresse überreicht: dann sangen ihm zu Ehren deutscheGesangvereine das Lied ..Mv old Kentucky home". das der Präsident mit cTitbföhtem Haupte zuhörte. In einer Ansprache an die Sänger state Roosevelt u. a.: „Der Teil unseres Volkes, der deutschen Ursprunges ist, hat nach verschiedener Richtung hin viel dazu bei'getragen und nickst zum wenigsten zu der Fähigkeit zu wisstn, was der Frohsinn! im Lehen hebeut^t. Es gibt im Deutschen ein Wort, von dem ich wünschte, daß wir es in unsere Svrache anfnehmen könnten, wie es ist. Ich meine das Wort „Gemütlichkeit", das ein mächtiger und wertvoller B'stitz ist. Doch ich hoffe. Sie werden als Sendboten in der Lage sein, uns zu lehren, was sie zu bedeuten hat, und hifr sie in a^^immden ist." Kalkutta, 5. Av'-il. Gestern vormsttaq richtete eta heftiges Erd beben ivergleiche „Vermischter Teil") in Nord» indien in der Gegend nördlich von Agra bis südlich von Simla außerordentlich großen Schaden an. Ter erste Stoß erfolgte um 6 Uhr 10 Min. früh und dauerte drei Minuten. Ihm folgten 10 Stöße; besonders groß ist der Suaden in Lahore und Mustoorn. In Agra und Lahore sind Hanser eingestürzt. Man befürchtet, daß viele Personen nm- gekommen sind. Mehrere Moscheen wnrden stark beschädigt. In Mustoorn ist kein Gebäude unbeschädigt; der linke Flügel des Savoy-tzotels ist eingestürzt, die neue katholische Kirche liegt in Trümmer. In vielen Orten sind Erdstürze erfolgt. Ebenso litten Delhi und Simla. Auch von anderen Orten wird großer schaden gemeldet. Telephostischer Kursbericht E •anklsr « 3Vg% Reichsanleihe . . 101.70 3Vo do. ... 91.15 3V,0/c Konsols .... 101.70 to/n do. ..... 91.20 aV<>% Hessen .... 100.10 3\ % Oherhessen . . . 99.00 4 % Oesterr. Goldrente . 102 30 4*4 % Oesterr. Silberrente 101.45 4% linear. Holdrente . . 100.30 4°/ Italien. Rente . . —.— 3% Portugieser I . . . 67.90 1°/ ^orhuriesen. HI . . 67.70 4% Unif. Türken . . . 88.00 Türkenlose .....137.00 5. April, 1% Uhr mittags. o°/n Mexikaner .... 35 75 41/$n/- Chinesen . . . 96.50 Electric. Schlickert . . . 140 20 Nordd Lloyd . . . . 123.80 Kredif.aktien . . . , . 209 80 Diskonto-Kommandit. . . 188 70 Darmstädter Rank . . 142.90 Dresdener Bank . . . . 157 80 Ber’iner Handelsjres . . 171 00 Oesterr. Staatsbahn . . . 141 80 Lombarden ..... 16.70 Gotthard bahn ..... —.— Laiirahütte, ..... 268.50 Bochum . .... 246.00 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 52.00 Darpener . ..... 212 00 4* 0>n nneeere A m-onfinor 45.70 Staat^chntzs^heine . . 100.50 9inn sinkt der liebe Abend nieder, • ich soll reden und bin stockheiser! ^Schnell, Liese — boten Sie mir eine Schachtel Fay's echte Sodener Mineralpastitlen • für 85 Pfg. irgendwo. Inzwischen setz' Milch auf und da binin tun wir bann ein halb Dutzend Pastillen. Wenn irgend etwas mich heut noch retten kann, dann sind's die • Sodener. 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