Nr. 54 ©rftielet tägNH außer SonntagT. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamtlien« Näher viermal in der Woche beigelegt. KotalionSdruck eu Verlag der Brühl 'scheu Un we rf-Duch-u. Stein* druckeret. 8t, Lang«. Redattton, Expedition und Druckerei: Schulpraße 7, tlbrefie für Deveschem Anzeiger Gieße«. Frrnsprechanschluß Nr. 51. Grftes Blatt. 155. Jahrgang Samstag 4. März 1805 äww ve-«g»pr«i»r HD monatlich 75 Pi^ oiertet» ZK JK A . J jährlich M.L.L0. durch Alf AttAü WK A AM »Ara r olr lllr ■ J| || A if I fl | Hf | iäl?Lfto^W. Besttllg. vl fl Iw 'r die Tr rsrn.rnnrer " General-Anzeiger " 43S 07 den polit. und cJae)>t. Amts- Md Znzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ v " zeigenteil: Hans Beck. Amanzmmisier Knautlj LSer die ovekt-ejfijchen KisenöayoprojeLte. R. B. Darmstadt, 3. MärH. Es dürste alle unsere Leser interessieren, den authentischen Wortlaut der Siebe kennen zu lernen, in welcher Finanzminister Gnauth sich in der Lmnnrersitzung vom letzten Dienstag über die verschiedenartigen Bcchn- projekte in Oberhessen äußerte. Er äußerte sich d-arüberr, nachdem er vorher bereits die Unterstützung der Regierung für die Beibehaltung der Station griebberg für den Schnell zug ab Frankfurt 11.lö ccherrds zugesaat und als Ursache der langsamen Fahrt »auf der Strecke Friedberg-Nidda die vielen Haltestellen angeführt hatte, in folgender Weise: . . . Wenn nun der Herr Abg. Dr. Heidenreich eine Pa- raNele konstruiert hat Mischen der Hebung deS Notstandes, der hinsichtlich des Mangels einer Nebenbahn nach Hammelbach und der Durchführung eines Generalkulturplans auf dem hohen Bo gelsberg besteht, so rnöchet ich ihm doch zunächst die Frage nahelegen, ob man nicbt auch vielleicht umgekehrt sagen könne: das, was dem hohen Vogelsberg fehlt, das hat der Odenwald in der vorzüglich rentablen Bahn Mörlenbach-Wahlen bereits vorweg gehabt, (Heiterkeit und Sehr richtig!) ganz abgesehen davon, daß es immer gefährlich ist, foldjsi Vergleiche zu ziehen, die ja dann sehr geneigt sind, iu der Richtung von Kvm- pensationsobjekten sich auszuwachsen. Ter Herr Abg. Schmalbach vermißt in den nächsten, zur Vorlage kommenden Nebenbahnen eine Linie Mücke-Ulrichstein-Rixfeld. Ter Herr Abg. Reh wäre mehr für die Linie Alsseld-Ulrich st ein. Ich kann auch über diese Frage einige Auskunft geben. Kosten würde die Linie, welche der Herr Abg. Schmalbach vermißt, 3 750 000 Mark, die Linie, welche der Herr Abg. Reh wünscht, 2 500 000 Mark. Es handelt sich dabei im wesentlichen darum, denjenigen Teil des hohen Vogelsberges, dessen Mittelpunkt, wenn ich so sagen soll, das Städtchen Ulrichstein bildet, in den Verkehr hineinzuzieheu und eine vergleichsweise große, noch offene Masche unseres oberhessischen Eisen- bahnneses auszufüllen. Nachdem ckmächst ein Streit bestanden hatte. Mischen den zwei Projekten Mücke-Ulrich st ein-Rix- feld und Ehringshausen-Groß-Felda-Ulrichftein- Rixfeld, ist uns die Qual der Wahl noch erschwert worden durch ein drittes Projekt Alsfeld-Ulrichstein-Schotten, und wir haben seinerzeit — ich meine, ich hätte das auch bei der vorjährigen Budgetberatung ausgesprochen — erklärt: Wir wollen einmal abwarten, was aus dem Msfeld-Ulrickstein-Schottener Projekt wird, namentlich weil bei diesem Projekt uns damals die Aussicht einer Verwirklichung unter stärkerer Beteiligung des Privatkchntals eröffnet war und unter Heranziehung der leistungsfähigeren Gemeinden zu besonderen Opfern. EL-^erschLutt. mir, ats ob jenem Projekt, zum mindesten seiner Turchführung bis Ulrichstein, inzwischen Schwierigkeiten erwachsen seren. Erne Anfrage welche ich dieserhalb an das Eisenbahnkomitee habe richten lassen, ist meines Wissens noch nicht beantwortet. Wir werden nicht mehr zu lange bamit warten, umso weniger, als von den Eisenbahnkomitees in Ulrichstein und Groß-Felda uns Eingaben zugegangen sind im Namen von 15 der dortigen Gemeinden, welche in entschiedener Weise betonten, daß der Verkehr ihrer Gegend überhaupt nicht nach Alsfeld, sondern nach Gießen zu gerichtet sei, und welche daher den beiden erstgenannten Projekten den Vorzug geben. Würde die Hoffnung der Verwirklichung und leichteren Finanzierung eines Projekts Alsfeld-Ulrichstein zu Schanden werden, dann würde die Regierung nur noch zu wählen haben zwischen den beiden älteren Konkurrenzlinien Mücke-Ulrichstem und Ehrmgshausen-Groß-Felda-Ulrich- stein, und wir sind, der Meinung, daß dann die erste Linie zu bevorzugen ist, dabei aber zu erstreben sein würde ein Stichbahn- An schtuß des sehr rührigen Orts Groß-Felda an die oberhessische Bahn zwischen Ehringshausen und Zell-Romrod. (Sehr gut.) Tie Sache ist noch nicht ganz spruchreif; wenn wir aber erst darüber im klaren sind, was gemacht werden soll, dann wird die Gießener Stairliyeuier. Der FanrMentag. Lustspiel in 3 Akten von Gustav Kadetburg*. Das Thema der unstmtdesgemäßen Heirat, der Liebe eines Adligen und einer Bürgerlichen, ist seit Schillers Tagen, seit „Kabale und Liebe", ein beliebter Tragödien- stoff gewesen. Daß ihm Herr Kadelburg, der ehemalige Kompagnon und unentwegte Geistesgenosse des Herrn Blumenthal, keine tragische Wendung gibt, versteht sich von selbst. Darum ist denn auch sein Schwank, entgegen dem Geschicke des neuesten Blumenthalsch-en Aduseuerzeugntsses vom „Toten Löwen", von keiner vorsorAichen Zensur irgend jemandem vorerrthalten worden. Vielmehr hat das Publikum allenthalben das Urteil der geehrten Vorlacher in Berlin sanktioniert, wo das ^uck im neuen Lustspielhause Ende November v. I. zum ersten Male das Rampenlicht erblickte und wo es dieser Tage zum 100. Male vor dem Publikum erschien, in Anwesenheit des leidenden Autors, der um des Ehrentages seines Farntlientages willen seine Wiesbadener Kur unterbrach. Mio Herr Kcrdelburg kommt uns natürlich wieder mit Späßen und Späßchen. Der leider so früh verstorbene Otto Erich Hartleben hat in seinem wcvk,amen, aber von ihm selber mit Recht nicht sonderlich hoch ecngeschätzten „Rosenmontag", ebenso wce Beyerlern m fernem „Zapfenstreich", mit dem unlängst die Theaterfreunde von Marland und Paris beglückt worden find, aus dem Standesvorurteil noch ' Uragrjche Schicksale zu entlvickeln gewußt. 5)err Kadelburg, der ewig Lächelnde, benutzte das Mouv zu einem Schwanke. Der Baron Egon v. Wollten soll das ihm zu- gefallene Majorat antreten. Doch ein intriganter Vetter, der selber majoratslüsvern ist, findet in den Familiensatz- ungen eine uralte 5Aaufel, der zufolge der MachratsHerr nur eine Ebenbürtige zur Frau nehmen bars, lind Egons Auserlvählte ist leider Keine „Gekorene", sondern — die Feder strciubt sich gegen die Weiterschrift — ein angenommenes 5kind des Plebejers Ruschke. Herr Ruschke aber — uns stehen die Haare zu Berge - ist m seiner Militärzeit Bursche gewesen beim Rittmeister Ludolf v. Wollcen, der übrigens heule Majoratsherr wäre, wenn nicht sein verstorbener Zwillingsbrstder bei der «butt um fünf Mt- noch schwierigere Frage kommen, wer das bezahlen soll. (Heiterk.) Ich fürchte, die Berhältniife iverden dort so liegen, daß man ohne eine stärkere Heranziehung des Staates, als beispielsweise zu den Projekten, die wir Ihnen demnächst Vorschlägen werden, nicht durchkormnen wird. Zum Trost für den Herrn Ma. Reh mochte ich nun auf die Linie übergehen, die er an erster Stelle genannt hat: Alsfeld- Hersfeld. ist ja schwer, bezügl. dieser Linie, von der er mit Recht hervorgehoben hat, daß alle seitherigen Bemühungen der hessisckMn Regierung auf HerstelÜmg dieser Verbindung im Einvernehmen mit Preußen bis jetzt erfolglos gewesen sind, — es ist schwer, bezüglich dieser Linie einen Trost zu geben, und doch glaube ich ihn heute geben zu können. Die Sache ist wenigstens über den toten Punkt hinausgebracht, und das ist schon etwas wert. Es sind im vorigen Jabre vorläufig Untettuchnngen bezüglich einer Bahnverbindung zwischen Alsfeld und Nieder- A u l a angestellt worden; die haben allerdings geendet mit einem Kvstenvoranschlag für die ganze Sttecke — Hessen und Preußen zusammen —, emschLießüch der Kosten für die Bettiebsmittel, von 4 520 000 Mk. und haben weiterhin geendet mit dem Ergebnis, „daß auf eine auch nur annährend ausreichende Verzinsung dieses Kapitals nicht gerechnet werden kann." Trotzdem hat sich nunmehr der preußische Herr Minister bereit finden lassen, dieses Projekt weiter zu verfolgen, und zwar — das wird den Herrn Mg. Stöpler interessieren — im Zusammenhang mit der gleichzeitigen Projektierung einer Linie von Scklitz nach Nieder-Jossa, also dem Fuldatal folgend. Wir sind erst vor kurzem mit der preußischen Ziegierung glücklich so weil gekommen, und wir werden die von uns erbetene Erlaubnis zum Betreten der Grundstücke usw. zwecks Vornahme der Vorarbeiten — die also nunmehr staatliche Vorarbeiten für die Linie sein werden — selbstverständlich demnächst erteilen; wir werden sä auch erteilen für die Linie im Fuldatal. Ich will aber ausdrücklich zur Beruhigung der Interessenten der Linie Alsfeld-Hersfeld hier wiederholen, was ich vor einigen Jahren schon in Alsfeld feierlich ausgesprochen habe, daß die !>essifche Regierung niemals in einer Linie Schlitz- Nieder-Aula einen Ersatz finden würde für eine Bahn von Alsfeld nach Nieder-Aula. Für uns kann fick die Frage nur so gestalten: Sollen wir, namentlich, wenn aus anderen, allgemeineren Gründen vielleickä preußischerseits darauf Wett gelegt wird, daß das Stück Nieder-Aula-Nieder- Jossa einer Alsfeld-Hersfelder Bahn auch für eine Bahn nach Schlitz ausgenützt wird, uns dem entgegenstellen? Ta fallen ja nun mit ziemlicher Schwere ins Gew^^t die Gründe, welche der Herr Abg. Stöpler narnens der Interessenten in dem Fuldatal geltend gemack-t hat. Insoweit also, darf ich in der Tat viellercyt sagen, sürd wir endlich einmal in der Lage, wieder etwas erfreulicheres über jenes alteSchmerzens- kiud zu sagen. Volilstche Tagesschau. Der Erfolg der Hochfchuldeöatte im preuß. Abgeordnetenhause. Das allgemeine Interesse nationalgesinnter Kreise richtete sich in diesen Tagen auf die Debatte über die akademische Freiheit und den Hochschulstreit im preußischen Abgeordnetenhause. Mit Spannung sah man dem Verlauf entgegen und erwartete hochinteresfante Szenen und auch wohl bedeutende Erfolge gegenüber der Taktik der Regierung. Den also Harrenden ist eine Enttäufchung zuteil geworden, illlcht nur, daß Regierung und Parteien trotz anfänglichen starken Auf- einandervlatzens in holdem Frieden auseinandergegangen sind, als ob nichts geschehen sei, — auch in der F^age der konfessionellen Verbindungen ist man fernen Schritt vorwärts gekommen. Zwar haben sowvhl die Vertreter der Regierung als der Parteien jene als eine „unerfreuliche Erscheinung" anerkannt, zugleich aber die Unzulässigkeit des Verbotes nachdrücklichst betont. Und wie ist das zu erklären? Einfach daraus, daß sämtliche Redner den einzig, richtigen Standpunkt nicht heroorgehoben haben, von dein aus man die konfessionellen Verbindungen allein bekämpfen könnte und müßte, vom politischen! Man hätte dem preußischen Kultusminister die Frage stellen sollen, ob er wohl auf Grund der „akademischen Freiheit^ auch sozialdemokratische Studenten - Vereinigungen dulden würde. Eine verneinende Antwott wäre sicherlich erfolgt. Rian konnte nicht ost genug beteuern, daß man keine Veranlassung habe, gegen die konfessionellen Verbindungen vorzugehen. Wann endlich wird der Liberalismus sich auS seinem, einer Nückenmarkslähmung ähnlichen Zustande herausraffen und lernen, daß gegen Intoleranz niemals die Toleranz, gegen Unfrsiheit nie Freiheit Aussicht auf Erfolg haben. Wann wird der deutsche Diichel in die Lehre gehen bei ber französischen Regierung? Die einzige Hoffnung, die in dieser Hinsicht gehegt werden kann, stützt sich auf die deutsche nationale Stu dentenschaf ü An ihr ist es jetzt, sich der Selbsthilfe zu bedienen und mit eigenen Kräften das zu erstreben, was die preußische Volksvettretung nicht zu erstreben wagte. Riöge der deutsche Geist, der in den deutschen! üllusensöhnen wieder so herrlich erwacht ist und wahrhaft Herz-- erhebende Begeisterung gezeitigt hat, nimmer ruhen, biS er, alle Schädlinge wahren nnd echten Deutschtums von beit; Stätten ber Wissenschaft verbannt unb baburch ber vollen! „akademischen Frelheitt' roieber freie Bahn geschaffen hat! * Zur Frage der ßrafgesetzlichen Aberkennung des Adels hat der Vorlianb der Deutschen Abelsgenossenfchaft folgenbeft Antrag an den Staatssekretär des Reichsjustizamts gerichtet^ „Tie hohe Regierung wolle dahin wirken, daß: 1. Der § 811 des Strafgesetzbuchs durch eine Vorschrift ergänzt werde, wonach die Verurteilung zur Zuchthausstrafe außer den bereits gefetz- iid) vorgesehenen Rechtssolgen auch den dauernden Verlust des Abels v e w i r k t; der § 83 des Straigesetzbuchs durch eine Vorschrift ergänzt werde, wonach die Aberkennung der b ü r g e r 11 et) e n Ehrenrechte autzer den bereits gesetzlich oor- gejcl)enen Rechtssolgen auch den dauernden Verlust des Adels be» wirft. 2. Das Wori „Adelsprädifaie" im § 360 Ziffer 8 des Strafgesetzbuchs durch einen Begriff ersetzt werde, welcher nicht nur die itnbeiugTe Annahme von Adelstilelu, sondern auch von adelige« Wappen und Kronen unter Strafe stellt." MusLanv. London, 3. März. Ter „Stairdard" veröffentlicht ein» Schreiben des deutschen Plarineattachees Kapitän Cörper an Archibald Hurd, den Verfasser der Broschüre „Die britischenj Kriegsflotten", in dem bei Marineattachee ihm mitteilt, Kaiser Wilhelm geruhe ein Exemplar der Broschüre anzu- nehmen unb habe ihn beauftragt, Hurd den kaiserlichen Tank zu übermitteln. In Oer Vorrede der Broschüre sind Zuschriften der Admirale Sir Edw. F. Freemantle, I. Hopkins und Montagn an, den Verfasser abgedruckt, sie erinnern darin an folgende Worte,, die König Eduard am 25. Juni 1904 in Kiel zu Kaiser Wilhelm! beim Fesnuahle auf der „Hohenzollern" sprach: „Möchten imsere beiden Flaggen bis in die fernsten Zeiten, ebenso wie heute neben einander wehen zur Aufreckfterhaltung des Friedens uni> ber Wohlfahrt nicht allein unserer Säubern sondern auch aller Stationen!" Ferner brandmarken biese Admira lealle Versuche, Feindschaft zwischen der deutschen unb englischen Nation zu säen. nitten ihm Mvoigelommen wäre. Der gute Ludolf aber mochte fich doch nicht vordrängen! Lubvlf ist überhaupt ein Prachtkerl. Schon tu eil er wegen seiner ekligen Familie zu den notteidenden Agrarierii gehört, kamt man ihm mit oder trotz s einer großen Kartoffeln und der damit eng verbundenen unvernreidLichen Geisteseigenschast, und mit oder trotz seiner noch größeren Neigung zu einem guten Mosel nicht gram fein. Obendrein ist er bis in die Kapillar- Arterien ehrenhaft. Tas Ende vom Liede kann man sich bei einem Schwanke denken, zunM 5-err Kadelburg als erprobter Heiratsvermittler langst weit geschätzt ist. Die Lbsmrg kommt durch eine urkundliche Entdeckung des sleinatten Archäologie- prosessors v. Wottien, der sich aus feinen wurmstichigen Scharreleu nur zu diesem Zwecke auf einen Atoment l)eraus- vappelt. Tie Ebenbürtig teils ft age, die seit dem Lippeschen Erb- schaftsstreit ja aktuell ist, hat Kadelburg jedenfalls ganz, mrterl-ültsam und mit so diskreter Satire behandelt, daß sie kaum zum Durch schein kommt. Sind aua) die meisten seiner Personen Elichvfiguren, jo sind doch einige rechlv lusttg, jo die eitle ExzeiEnz im SerenijftmuMl, dieser Nachkomme von Schillers Z^oftuarstyall v. Kalb, feine hochnäsige Frau GemalM aus tioch blauerem Blute^ der windige und der solide Leuuiaut, der brave Herr Ruschke, ein Berliner Agrarier, der auf seinem Balkon die Landwirtschaft im großen betreibt rc. re. Das Beste am Ganzen ist die gelungene Idee bc§ FamillentageS derer v. Wollien. Indem Kabelburg diesen im 1. Akte auf die Bühne brachte, führte er das Publikum in em bem Theater seither fremdes Milieu. Dian nimmt gespannt Anteil an den Verhandlungen und sympathisiert mit dem feinem bürgerlichen Liebchen treuen Majorctts- anroärtcr. Der FcmnUentag ber Ruschkes mitsamt ber Verbrüderung des alten Rittmeisters und seines Exbur)chen ist fidele Posse. Rlancher Anspruchslofe aber sieht darin vielleicht „modernes Aleuschentum" unb er zerdrückt eine Trane behaglichsten Mitgefühls, wenn Herr ' Egon fein Majorat und fern Bürgermädchen, wenn fem Schönväschen, das 3-rcifräulein, ihren geliebten Wäjchehändler en gros „friegt". Die Welt ist ja jo jchön und die meisten llftenjchen sind jo brav und jo gut und fo possierlich, unb ber Herrgott sorgt ja in Gemeinschaft mit Herrn Kabelburg so prompt für cmsgleichenbe Gerechtigkeit. Ist es nicht eine Lust, zrt leben ? Kabelburgscher Optimismus ist schließlich auch etroaS wert. Unb zubem ist wenigstens anfangs ber Lustspielton glücklich sestgehalten, es steckt bnrin ein ganz nettes Portiönchen jovialer Liebenswurbigkeit, ein lebensfroher^ wenn auch recht haiisbackener Humor. Der Dialog ist frisch, unb lebendig, niemals albern ober nach faben Witzen haschend/, — kurz, man kann dem anspruchslosen Schwanke nichts Uebles. nachsagen. Es ist ein schmackhafter und wohlbekömmttcherj Nachttrunk für alle, deren ästhetische Magennerven nicht aw galoppierender Verfeinerung leiben. Zumal wenn er fo nett serviert wirb, wie in unserem „Hoft -Theater. Die Regie bes Herrn Hermann S t e i n g o e t t e ri war tadellos. Alle komischen Effekte waren aus bem Stücke herausgeholt, manchmal sogar mehr als in Frankfurt, wo am ersten Weihnachtstagc mancher broUige kabelburgsche Schlager gar nicht zur Geltung» kam. Ebenso gut war bas Zusammenjpiel. Im Einzelnen ist nicht viel zu sagen. Tie Herren Steingoetter, Lüttjohann, be Geocgr, Llnbreas, Li uzen, Conrabi, Sanborfs rc. waren bie gelungenen herrlichen Vertreter ber Familie Wollien, bie in amüsanten Typen an uns vorüber- schritten. Eine köstliche Figur schuf Herr Lippert als Ruschke. Von Damen verdienen Hervorhebung Frau Fischer und Frl. Ruf als Angehörige der Familie Wollicn, sowie Frau Jenny als die liebe „GeburtStagerin^ (um mich eines in Thüringen vielfach ernsthaft gebrauchten hoarsträiibenden Wortes zu bedienen) und Frl. Christoph eis en als die zukünftige llftajoratLherrin. Sie, die ja wohl bisher die einzige Hoffnung unserer nächstwmterlichen Spielzeit repräsentiert, spielte die-junge Malerin schlicht und jynipathisch. Doch hatte sie in ihrem Jleußeren (Kostüm Fnfur rc.) bie Künstlerin sowohl wie deren Armut anzudeuten unterlassen. Auch wäre der Rolle ein Mchmehr an bescheidener, stiller, kleinmädchenhafter Zurückhaltung, cm MWMS Eine Za haben in Apothekenn.Drogerien.— Broschüre gratis a. franko von Bauer & Cie., Berlin SW. 48. Quelle der Kraft für Alle die sich matt und elend fühlen, nervös und energielos sind, ist Sanatogen. Von mehr als 2000 Aerzten aller Kulturländer glänzend begutachtet. K K /f- & il Krod' 1000 jriioi paar fcaor netto hiesige Tichterm einveiiianöen, die uns sollendes Poern idjenlt; Ter P. W. verspricht. sinnigem Ernst (statt zu häusigem i5ächctn) zu Gute gekommen. Ein wenig Koketterie steht ja Frl. Ehr. ganz gut, aber die Hilda Ramberg kennt bic Gefallsucht kaum, besonders nicht vor ihrem Skizzenbuche. Mußte übrigens ihr Geburtstags-Kunstwerk, das emes Ausstellungspreises (11) wert ist, gar so en miniature sein? Immerhin besitzen wir in Frl. Ehr. eine nut einer Reihe vorteilhafter Mittel aus- gcstattete, künstlerisch ganz erfreulich veranlagte Darstellerin, die bei ernstem Studium recht Tüchtiges uns darzubieten Fort mit de Schnake! Nu nix wie druff, uff des Geschinaas, Ufi Schnute uh ujj Miete, Touui mer in der Souunerschzeit Im 'ItialO sich kann eiquicte. Dtei Ahler schilll: kaa Salmiak, Kaa Luvatsraach ll)al baue Un schütze vor de Schnaieichtich Sei Viou5 neu uu sei Plaue. Se schteche durch des schwerste Klaad Uff Miete un ufs Bnie, Lorch 0(1)1111110 un nach bord) Unnerröck, Tora) Schleier un durch Btu|e. Besunnersch in de warme Stächt' Gobs Schliche un auch Beute Bei alle tul)Ucbiicu’ße ireui*, Bei Gaase, Kuh' unu Gaule. Drum brotzelt alle Löcher au§, In die se sich verkröche, Lomit im Sonimer un un Herbst Kaa Plenjch uiehr werd' verschiodze. Un wann am Abend bann im Sumpf ZUuvcistläts-Nachrichten. Göttingen, 2. März. Eme Versammlung dec Stubierenben derAtedizin beschloß zwecks Befreiung von der Ab- tegiing des praktischen Jahres einen Protest an den Reichskanzler und den Reichstag zu richten. Aus Statt unö Kanö. Gießen, 4. März 1905. - Sitzung de§ Provinzial.Ausschusses. Am Mittwoch, dem 8. d. Dtts., vormittags 9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzial-AuSschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: Enteignung für das Hauptsiel und die Kläranlagen der Stadt Gießen, hier die Entschädigung betreffend. Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamts- aspiranten Braun aus Altenglan (Pfalz) die Lehrerstelle zu Groß-Hausen, Kreis Bensheim. — In den Ruhestand versetzt wurden der Zugführer in der Hess.-Preuß. Eisenbahn- gemeinschaft, Nußbaum zu Mainz, der Weichensteller in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Bubach zu Gonsenheim, der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Elfenbahngemein- schäft, Ackermann zu Ober-Ramsladt, und der Bahnwärterin der Hess.-Preuß. Elsenbahngemeinschast, Rauch zu Besiungen. Oeffentliche Lesehalle. Im Februar wurden 2684 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1220, Zeitschriften 563, Iugendschristen 388, Veisdichtungen 66, Lltteralurgeichichte 20, Länder- und Völkerkunde 47, Kulturgeschichte 27, Geschichte und Biographien 114, Kunstgeschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 119, Seewesen 18, Hauswirtschaft 2, Gesundheitslehre 16, Religion und Philosophie 21, Staatswissen» schäft 7, Sprachwissenschaft 10, Fremdsprachliches 33 Bände. Nach auswärts kamen 168 Bände. M Das Promenadenkonzert fällt morgen, Sonn- kag aus. •• Kun st verein. Die Kollektion von F. Lange- Dedekam-Berlin ist morgen, Sonntag, zum letzten male hier ausgestellt. Von Montag an bleibt die Ausstellung gestalten, so wird c8 noch 40 Tage anhalten. — Heilerer März erfreuet des Landmanns Herz. — Märzenstaub bringt Gras und Laub. — Märzengrün und Weibersinn sind im Handumdrehen hin. — Auf Sankt Benedikt-Tag (21.) man Gerste und Erbsen säen mag. — Märzenschnee tut Bäumen und Saaten weh. — Trockner März und feuchter April ist des Landmanns Wunsch und Will. — Sind die Reben um Georgi (24.) noch blind, so soll sich freuen Mann, Weib und Kind. !? Gedern, 3. März. Heute morgen ereignete sich in der gestrigen Wollspinnerei ein schwerer Unglücksfall. Der 16jährige Arbeiter Ludwig Becker geriet mit einem Arm in die Maschine, so daß dieser fast vollständig zerfetzt wurde. Er mußte sofort nach Gießen in die Klinik gebracht werben. Die Wucht war so stark, daß die Teile der Maschine auseinander flogen und ein Maschinenschaden von 400—500 Mk. eninanben ist. Die Ursachen des Unglücks- falls sind bisher unbefanht. a. Marburg, 3. März. In der gestrigen Versammlung des nationalliberalen Vereins, in der Medizmalrat Prof. Tr. Tuczek ernen Inständigen Vortrag über moderne Fürsorge für Geisteskranke hielt, wurde unter Geschäftlichem zunächu der Veränderungen im Vorstände gedacht. Professor Lr. Aichoff, der den Vorsitz übernimmt, führt sich damit cm, daß er eine vom Vorstände beschlossene, an den Zentral- Vorstand dec nationalltberalen Partei zu sendende Resolution verlas: Ter unterzeichnete nationalliberale Verein zu Marburg unter» breitet dem ^enuaiuorfiaub der Partei die dringende Bille, bei der demnächst un Laiidiage fiatifiiibciiben Verhandlung über btt von der Regierung vorzulegende Bergarbeiiergefetz-illovelle im Juteresie der iricdtichen Regelung der zivifchen Aibeugebern und Arbeitnehmern bestehenden Sireiliragen mit Flachdruck daiur eür- zuircien, daß die Lrgamsalionsireiheil der Arbeiter getvahrt und die Anertenlmng der Arbeiterorganisation den Arbeitgebern zur Pflicht gemacht wird. , Märkte. Gieße«, 4. Marz. Martibericht. Auf heutigem Wockenmart kosteien: Butter pr. Pw. 0.95—1.05 Alk^ Hühnereier 1 St. 7-8 Big. 2 Sick. 15—00 Pfg., Gänjeeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pig., Käse pr. Sick. 6—8 Ps., Käjemalle2Sick. 5—6 Psg. Erbsen pr.tUier 21P|g^ Linien pr. Liter32 Psg., Tauben pr.PaarO,80- 0,90Alk., Hühiier pr.St. 1 uu—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten pr. Stück IM—2,20 Alk., Gänse pr. Pid.55—65 Pfg., Lchsenfleisch pr. Pstuid 70—80 Psg., Kuh. und Rindfleisch pr. Ptiuib 62—68 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psunb 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—74 Psg., pammelfleisch pr. Psunb 50—74 Pig. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—-6,50 Alk., Ziviebeln pr. Ztr 8 00—10,00 Alt., Alilch per Xlüer 18 Psg., Aepiel per Zemnec 0 bis 0 Alk., in Körben 00—00 Pig. Nüsse 100 St. 00-00 Psg. Zweijchen per Zentner 0.00- 0.00 Alk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Alk. Weißkraut 0.10—0.15. Alarktzeit 8—2 Uhr. lc. Frankfurt a. Al., 3. März. Heu- und S t r o ist markt. Heu kostete heute Alt. 3.U0— 3.40, Stroh Alk. 2.00 dis 'Ulf. 2.10. Lilles per 50 Kilo. Tendenz: flau. Stadt, die im Begriff steht, ihr Straßenbild zu erneuern und ihr Gebiet mit einem Kaualnetz überziehen zu lassen, so wenig einladend, daß man klugerweise günstigere Zeiten abwarten mußte, Fremden unsere Siadt cns ein Tusrulum zu empfehlen. Dennoch hat der Vorstand eine eifrige Tätigkeit entfalten können: 7 Vorstands) itzungen u— ----- wegen Wechsels der Gemälde vier Tage geschloßen. ** Der Gießener Verkeyrs-Verein hült gestern feine satzungsgemäße Iahresverjammlung ab. Ter Vorsitzende, Herr W. Hornberger, erstattete Bericht über die Tätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre. Ter Verein ist, so wurde berichtet, wenig in die breite Oeffent- lichkeit getreten und hat vermieden, nach außen hin mit Entfaltung eines großen Programms zu glänzen. Mit voller Absichtlichkeiir und aus wohlerwogenen Gründen! Ist doch zurzeit das äußere Gewand unserer Stadt, wie jeder Paris, 3. März. In der Kammer wurde die Beratung des Heeresbudgets wieder angenommen. Em Abgeordneter fteltt den Autraa den Lriegsminifter zu erfuajen, em Jiao- fahrer-Batakllon aufzustellen 4« Äe-xierungsvertteter antwortet, daß fünf Ävmvngnien Radsabrcr bc.tandm, dw wach zweijährigen Versück^n, die dargetan hatten, daß die KamM- äbteilungcn der Radfahrer nur vor^Truppen und em-ttn v tvandt werden dürsten, errichtet wurden. Tieft fünf Kompagnien tonten to tat lebten Manüvern nicht «lS Ä-tatllon verwandt toeti>eu. Ter Redner stellt fchli-Aick test, baß b« Radierer m TrulfMani», Italien und, Belgien in Konipagnien und nicht in Bataillonen organifiert feien. Ter KriegSmiNlstcr erklärt flch §reit in den nächsten groben Manovern einen neuen Bcrfuch wr-chen ju lasten. Ter Antrag rourbe genehmigt 9iom, 3. Mär». Infolge Mälif6xc Bcabnahmen ist die Zifenbahner-Obstruktion auf dem Bahnbofe ui Rom totiMlid) beendet. Tie Verdatung von Zügen, die von an- bereit Städten kommen, wird geringer. Wien, 3. März, tzn der heutigen ffammeififeung Kandt en sich die Sozialilten mit heftigen Z.i>na>enrnfen gegen bS Zentrumsmitglied Abt Treuinfels, der in der Kutte mU etaem großen Kreuze an der Brust, erschien Perners oyer rüst wiederholt' B a a l s p f a f f e", Rieger rust: „Reisjt ihm das Kreuz herab!", ©eig: ,.J« Zeichen des Kreuzes ichandet - r d ° s C h r i st e n t u m!" (Großer L a r m. Zu neuerlichen Sturmizenen führt eine Anftage des chnftitchfozialen Gedmann wegen lltichtenechung des Wortes. Me Sozialisten, Alldeutschen und die Bolkspartei höhnen. Gegmann der, über Formverlehung klagt, und verwesten auf die Art, und Weste des ^orgehens der Christlichfozialen im niederolereichstcheii Landtag Wol, und G.ell- mann geraten in ein D a n dg e m e n g c. Mehrere Christlich- sozial- stürmen di - Prüf i d e n t e n t r i b ü n e und schlagen mir der Faust auf den Plag des Pra, identen. von der Luhne verstehen. Sre muchden verlegene Gesichter, znrtten die Achseln, fanden dies ganz nett und enes ganz hübsch, aber — der Effekt toar: laueste Stimm, unfl. Tann ging das Stüek an die Theater, iv-a hagelten die Wsagen. Die Einen sanden schone Worte, die An- deren kühle: Resultat: Fal-en der Stimmung unter Null. Cadelburg sluchte und dachte bereits an die verniclMnde Flamme und an den Weg aller Makulatur, bis ihir am Erössnungsabend des neuen «ustspielhauses desfen ^i- rekwr Dr. Zickel belscite nahm und ihn fragte, ob er denn gar nichts „aus Lager" habe. Jawohl, antwortete Kadelburg, aber. . . Tr. Jicket hatte sur drcs Aber fern Obr- ihm gesiel das Stück, das in langer Probenreche nctch' riesigen Kürzungen, llmstellung-eir, Äcndcrungcn und kühnen Lperationen aller Art einsrudiert wurde und — am Premiercnabeich einen sogenannten Bombenerfolg sand, der sich in allen solgeiiden Lorchel ungen lmeder- bolte Nun frage ich die kundigsten Thebaner: gibt eS noch eine Verläßlichkeit in cheatralisch-n -rangen? yat her alte Laube (oder Jssland oder wer es war), nicht wrrk- lick reckt? — Die Bühnen, die zuerst Nein gesagt, waren di- ersten, die jetzt nach dem „Familientag" schrreeni eS wurde ein voÜer Chor. Daß üdrrgens dieser Falt nicht einzig seechteht in der neueren Tl)eckergeschickche ,st Eingewcilsteren bekaniit. Stücke wie „Dre Kmdcr der E^ellenz" „Tas Ewig-Weibliche", Alt-^ckelberg" sind mls einem Theaterbureau in das andere gewandert, ehe zur Mfchhrung kamen. „Beim Theater kommt alles ^A^uS Frankfurt wird unS geschrieben: ^ium Beiden tx.5 Pensionsfonbs bet Zerciingl.en c_,.abt^ theater sand am Donnerstag abend die erste nick wohl Pin finite Anffülwunck vvn r q n 11 u t t in d c r 0 rün - 7ffnzei^ von L Döring statt. Der farblose Titel und die sozusagen a!S captatio benevolentiae dienende be- scheidene Eya^at.s.erisie-runb bev Vinckes ccks „Jatbilb W>eck- ren nicht beengeipannic Erwartungen. SJuiu tonnte oal)ex auch kerne grope Enttäuschung erleoen. Tie EreigNiffe des Zahres 1702: die Ueberrnmpelung ^ant-furiS dlilü) Hoii- macd, die. Suche nach französischen Eniigraitten uno tzessl- icijcn äperbeosiczieren, dw vocisoeglncienchn Proilamatwuen per Franzosen, ihre Verlreivung durch die He>>en, unter Mitwirkung FranisuNer Handwerker — geben Veranlass w einigen bunten Szeiren, in bereit Alittelpuntt die Fran Rat Goethe steht, die in ihrer, dem großen Sohne nber- kommenen „Frohnattttt', ihrer Schlagserttgkett und entkräft Franzosen und schlechten Deutschen kräftig die Wahr-, beit sagt uno als gütiger Genius zweier Liebespaare tätig ist. Frl. B o ch stellte die Mutter des größten Frankfurters, ganz glaubhaft dar. Ms ehrsanrer.Schmiedemeister, anfangs widerstrebender, zuletzt überwundener Vater und Schwiegervater, bot Syrer Diegelmann eine prächtige Leistung,. Tas zweite Liebespaar aus patrizischen Kreisen, das ein Stückchen dramatischen Interesses erweckte, fand in Frl. Harnijchfeger und Herrn Fricke weniger gewandte Darsteller. — Das stark lokalpanriotisch ausgejärdle Stück sand jreundriche lAufnahme, sodaß die Verfasserin (ein uraltes Dämchen, von dem sich böse Menschen erzählten^ daß es 12 Jahre lang den Intendanten mit ihrem Stücke gequält und ihm schließlich mit Selbsmwrd im Mainftrom, gedroht habe, bis der Gute ihrem Wunsche nüllsahrte) mehrfach dankend auf der Bühne erscheinen Eomitc. q u c r Meister der Farbe IL 2. Lieferung. (LeipziL E. A. Seemann.) Abonnementspreis 2 Mk. —; Deutsche, Entgländer und Franzosen sinden wir m dews soeben veröffentlichten zweiten Hefte der oriyenellen neiwit Kunstzcitjchrist „Metsier der Farbe vorgefuhrt. Ein Prächtiges Aquarell von A. Ludw. Richter und eine Landschaft, von Ernst Liebermann sind kerndeutsche Leistungen; französischer Eiprit blitzt aus den beiden Arbeiten von Eng. Bomont (Federball spielende Kinder) und von Ll. Zellcroche (eine Zofe am Teetisch); England ist durch züvei talentvolle^ Aquarellisten vertreren. Das eine von Charles Tixon ^igt1 die Themse bei Greenwich und sieht einem Originalaquarell! zum Verwechseln ähnlich; das andere von Peter Leslie, zeigt eine anmutige Lady in veilchenblauem Gewnnd, bemüht, Lavendelblnren zu pslücken. Der junge Künstler Peter- LeSlie gehört einer englischen Malersamitte an. Den Reproduktionen ist je ein kurzer biograpyijcher Text beigegeben. Das Heft enthält aber außerdem noch in einet besonderen Texcdeilage Aufsätze über Anselm Feuerbach, und Gottfried Schadotv, sowie Kunslnotizen. Die Verlagsbuchhandlung von E. A. Seemann in Leipzig hat nut dieser llmgcstaltung eines interessanten Unternehmens in eine originelle Kunstzeitjchrift eine glückliäjie Jnttüttive ergtijjen, Fedor von Zobeltitz hat jüngst das Wort ergriffen, um sich über seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum „Familienlaß" vernehmen zu lassen. 3)n. einem Hamburger Blatte erzählt er: „Vor Jahresftift hatce ich das unwiderstehliche Bedürfnis, in die ode Trauer der Bühnenbiteratllr ein fröhliches Gelächter %u. setzen, und wagemutig verband ich mich zit diesem Zwecke mit einem, der die Kunst, in der Lristheit des Daseins von Zeit zu Zeit ein wohltätiges Lachen auszulösen, sozusagen in Erbpacht hat: mit Gustav Kadelburg. Aber wie es Fuweilen so kommt, wenn man fich vornimmt, sich einmal nach Herzenslust zu amüsieren: es gelang mir nicht, aus dem Walde heraus zu lachen, hne er hinein lachte. Ich kam nicht in Stimmung, ich wurde nicht lustig; ich wurde im Gegenteil immer ernsthafter l-*nd schließlich mißmutig und trat endlich vom Scyauplatze ab, unfern embryonischen Frohsmn, der sich inzwischen zu einem endlosen Dreiakter entwickelt, nach fteundschastticher und loyaler lieber ein Tun $i Kadelburg überlassend, bamit er nach emenem Gutdünken dem Kinde zum Buhrlenleben verhülfe. Kewissenhast hat er die ersten oreißig Abzüge des Manuskripts noch mit beiden Namen gezeichnet und in die Walt geschickt. Dagegen fträubte ich ürich und erklärte peremptorisch: „So soll es nicht sein, so kann eS nicht sein; nimm dir dein ehrliches Kind und- gib ihm deinen ehrlichen Namen; du hast bir deinen Lateriwlz redlich verdient." Aber manches Komische folgte noch- der alte Laube (oder war es Ffflano ober ein oberer) hatte recht, wenn er meinte: „xieim Theater fnmmt alles anders." Tas Druamnnu,irtpl wauoene zunächst in die Hände verschiedener Freunve. die euvnS Bergmegi d»e,Frö|che quake, Tann lüime finge alle Xfeui’: Tie Schiabi iS U*ei von Schnake! ** Bauernregeln vom Nlärz. Weht der Märzstaub über die Saaten, wird Korn und Wein gewiß geraten. — Ist Kunigunde (3) tränenschwer, dann bleibet ost die Scheuer leer. — Auf Dlärzendonner folgt fruchtbar Jahr, viel Frost und Regen bringt Gefahr. — So viel Fröste im März, so viele im Mai. — Säest Du im März zu früh, ist eS oft vergcbne Müh'. — Ist Gertrud (13.) sonnig, so wird dem Gärtner wonnig. — Was der März nicht will, das nnb*biete । t)olt sich der April. — Wie die 40 Ritter (9.) das Wetter engere Sitzungen wurden abgehalten. In den Fragen des Omnibus-Verkehrs unb der Vieh markte griff er ein. und eine rege Auskunfterteilung über die Stadt infolge ergangener Anfragen beschäftigte ihn and-auernd. Der seinerzeit beschlossene Führer, der in 10000 Exemplaren Verbreitung finden soll, liegt druckfertig vor; er ist reich mit Bildern geschmückt und zeigt unsere Stadt und ihre Umgebung von der besten Seite. Auch der Führer konnte vorher nicht zur Ausgabe gelangen, bevor die Theaterfrage nicht eine Erledigung sand. Tiefe Frage ist für die Beurteilung ruinserer Stadt seitens Fremder von so großer Tragweite, daß das Abwarten der Entscheidung über sie durchaus berechtigt erscheint. Sobald der Bahnhöf fertiggestellt jein wird, plant der Verein einen Stadtplan in großen Abmessungen dort anzubringen. Weiter wurde der Wunsch ausgedrückt, daß das Publikum sich gewöhnen möge, in den belebten Straßen au Stunden, wo der Verkehr oft riesig anwächst, auf den Bürgersteigen ste ts r e ch ts zu g e h e n. In den Fastnachts tagen z. B. würde das sehr wohltuend wirken. Ter Anschluß an den Bund hessischer Verkehrs-Vereine, der sich hoher Protektion in großem Maße z»u erfreuen Hut, wurde beschlossen; der Anichluß an den oentscyen Bund der Verkel>rs-Vereme, der ebenfalls viele Vorteile, sogar den einzelnen Mitgliedern, bieten dürfte, |oll nach der im Mai in Darm,iadt stattfindenben Hauptversammlung in Erwngung gezogen werden. — Ter r-iecyner, Herr Röhr, eijtaiteie btn Kaftendericht; ihm wurde nach der Prüfung der Belege Etitlajtung erteilt. Ter Verein hat ca. 2 ■ y. • 7*0. Ess en, 3. MärH. Der Ort Rüttenscheid soll Essen! eingemeindet werden. Dadurch würbe Essen 220 000 Seelen zahlen. Der durch die Eingemeindung frei werdende Bürgermeister von Rüttenscheid, Hild, verzichtete auf seine Anstellung als besoldeter Beigeordneter der Stadt Essen und erklärte sich mit einer Ab fin dun gs sum me von 100 000 Mark einverstanden. Außerdem wurde ihm freie Verfügung bezüglich seiner anderweitigen Tätigkeit zugeftanden. (Beklagen kann sich der Bürgermeister über! die Abfindung kaum.) Gotha, 3. Mär-. In der Sitzung des gemeinschaft- lichen Landtages brachte der sozialdemokratische Abg. Bock einen Antrag ein, der die koburg-gothaischen Bundes- ratsbevollmächtigten dahin instruiert wissen wollte, daß er alle neuen Forderungen für das Heer undi die Marine ablehnen solle, da durch die wachsenden' Ausgaben daS Volk verarmen würde. Der Antrag) wurde gegen acht Stimmen ab gelehnt. Ein zweiter. Antrag Bock, der sich dafür ausspricht, daß die Kostens für die neuen Militärausgaben nicht durch indirekte Steuern, sondern durch eine Reichseinkommen - und Erbschaftssteuer gedeckt werden follen, wurde mit 20 Stimmen gngenommen. Zur Kreppelbäckerei 1 verwendet man nur gutes und bestes Mehl, a $it werfen Ml timS,,TSÄ*.“wS| kaufen, das zu Backzwecken absolut untauglich ist. PaU wenn Sie beste Ware M Sie sparen bßio, bimg kauten. ff, Diamantmehl ™ Äb k«» M?.' 35 Mund-Säikch.».25Mk. :",aÄnticrt Schmalz i Rtiböl per Liter 56 Pfg. Hochfeinstes selbst-- D Sil kNavSöN per geschlagene» SjäCHCOQ Liter OS Pfg. Gebr. Berdux Bahnhofstr. 37. Llnbenplatz 13. stelle in Hamburg dem OberpofldiÄektor Köhler-Posen übertragen worden. — Die „Nordd. Mlg. Ztg." wei stdaranf hin, daß die neuen Handelsverträge eine Reihe zolltechnischer und« anderer Bestimmungen enthalten, welche zum Teil lebhaften Klagen der Interessenten abhelfen und mcmnigsache Erleichterungen für den geschäftlichen Verkehr mit den betreffenden Ändern mit sich bringen. Die „Norddeutsche" beginnt eine Artikelreihe mit einer Uebersicht über die wichtigeren derartigen Bestimmungen. — Dem sächsischen Staatsminister v. Metzsch wurde das Großkreuz des Roten 'Adlerordens mit Kette, dem Ministerresidenten und Generalkonsul in Söul, v. Saldern, der Rote Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen. — Der „Reichsanz." veröffentlicht leine Verordnung Bett, die Ausgabe von Banknoten in den Schutzgebieten. Hamburg, 3. März. Die Bewohner oes Dorfes Bülow, wo die Stammburg des Geschlechtes der von Bülow gestanden haben soll, richteten aus Anlaß des Abschlusses der Handelsverträge ein Glückwunschtelegramm cm den Reichskanzler und erhielten folgende Antwort: herzlichen Dank für freundliches Telegramm aus der alten Heimat und beste Wünsche für Die Zukunft ihrer Bewohner. Reichskanzler Graf Bülow." Versteigerung. Montag den 6. d. MtS., nachmittags 3 Uhr versteigere rch Marktplatz 18 (im Adler:) 1. Haus- und Küchengeräte aller Art, , 2. eine größere Partie Schubwaren, H96 3. eine Ladeneinrichtung, 4. eine größere Partie Zigarren und v. 2L gegen Barzahlung. Gießen, 4. März 1905. __S e i p e l, Gerichtsvollzieher. Bm- Werk- mi> Nißhch-VM«s. Mittwoch beu 8. März b. I., vormittags von 10 Uhl ab, sollen in dem hiefigen Gemeindewald auf Ort und Stelle öffentlich verkauft werden: 120 Stück Eichenstämme mit 60,73 fm, 20 n Kiefern- und Fichtenstämme mit 13,83 fm» Der Anfang beginnt in dem Distrikt Lichteneiche. Fronhausen, am 1. März 1905. D Vs__________Der Walbvorstaub: H. Gerhardt/ Dr. med. Liebe’s HkilMall für Lungenkranke Waldhof Elgershausen (Str. Wetzlar). Auch Heilerziehungsheim für kranke und kränkliche Kinder. , Bürgerliche Preise. Prospekte. 2. 584 , Stangen 1. Kl., 3. 510 ■ * 2. r 4. 455 -ZiMcmchmilg L Stock mit allem Zubehör, Gartenanteil in ruhigem Hause per 1. April zu vermieten .Näh. Ebelstratze 13, part.__________113 Westanlage 62 Wohnung im 1. Stock von fünf Zumnern und sonstigem Zubehör per L Juli event auch 1. April zu vermieten.________________881 528]Eine Familienwo'hnung /mit fünf Zimmern am 1. April oder später zu vermieten __________Bahnhofstraße 57. Stephanstr. 36 Ichöm 5-Zimmerwohnung mit Zubehör und Gartenanteil per I. 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