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Nr. 5L Telegr^Adr.; Adriger Gietz«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. von Gumendje im der Nähe ehemalige Minister I u st izmi nister S t a t e s c u z* Gesetzentwurf betreffend die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke in der Fassung des Abgeordnetenhauses zur Annahme, wodurch derselbe endgiltig erledigt ist. Schließ- weist. Die ländliche Bevölkerung übertrifft an Zahl wie an Wehrkraft die städtische, dabei muß aber in Rechnung gezogen werden, daß der größere Teil der ländlichen Bevölkerung in Bayern im wehrpflichtigen Alter nicht in der Landwirtschaft, sondern in anderen Berufen, speziell in gewerblichen, beschäftigt ist. Der durch seine langjährige Tätigkeit als Generalarzt zu einem Urteil in dieser Frage kompetente Verfasser steht der Frage, inwieweit der Beruf auf die Tauglichkeit einen entscheidenden Einfluß habe, skeptisch gegenüber, da in den meisten Fällen von Untauglichkeit die Erwerbstätigkeit der Eltern nicht mehr, die der Wehrpflichtigen noch nicht als Ursache nachgewiesen werden kann: „Die Wehrfähigkeit auf dem Lande steht weit zurück hinter dein, was sie sein könnte und zu sein scheint nach der überlegenen Prozentzahl der Tauglichen." Jedenfalls ist er weit davon entfernt, die Befürchtung einer Schädigung der Militärtauglichkeit durch Jndustrialisirung als berechtigt anzuerkennen, vorausgesetzt, daß die Städte auf dem bisherigen Wege der Schaffung gesünderer Lebensverhältnisse, insbesondere auch auf dem Gebiete der Wohnungshygiene, fortfahren. Daß in dieser Beziehung auch auf dem Lande die Zustände noch sehr verbesserungsbedürftig sind, erkennt Dr. v. Vogel an. Der Verfasser resümiert sich zum Schluß wie folgt: „Wie aus der Gudustrialisirung so ist auch aus der Städtevergrößerung und -Vermehrung cthc Besorgnis für die Wehrfähigkeit nicht abzuleiten, die Wehrkraft wird durch dieselbe ohnehin nicht berührt, durch die Industrialisierung sogar vermehrt." Ate Reform der hessischen Kemeinderrmlagen. (Von unserem Darmstädter Bureau.) Der von der Zweiten Kammer der Stände niedergesetzte Sonderausschuß zur Vorberatung des Gesetzentwurfs über die Reform der hessischen Gcmeindeumlagen hat seine Aufgabe beendet und durch seinen Referenten, denAbg. Dr. Gut fleisch, einen umfangreichen Bericht darüber anfertigen lassen, der den Mitgliedern der Zweiten Kammer soeben zugegangen ist. Es war ein großes Stück sozialpolitischer und steuertechnischer Arbeit, das diesem Ausschuß zur Erledigung oblag, und sie war um so schwieriger, als die Kammer nicht, wie es richtiger und zweckentsprechender gewesen wäre, aus jeder Partei die berufensten Kräfte dafür auswählte, sondern einfach den ohnehin durch die Etatsberatung stark genug belasteten Finanzausschuß berief und durch Hinzuweisung von zwei weiteren Mitgliedern den , Sonderausschuß" bildete. Das hatte zunächst zur Folge, daß die Arbeiten der beiden Ausschüsse vielfach miteinander kollidierten, vor allem aber, daß in dem ganzen neungliederigen Ausschuß kaum drei Mitglieder waren, die daS vielgestaltige Kommunalsteuerwesen unseres Groß- herzogtumS überhaupt mit Sicherheit beherrschen und demgemäß die neuen Negierungsvorschläge und deren Wirkung aus die davon betroffenen Gemeinden klar zu beurteilen in der Lage waren. So kam es auch, daß die volle Zahl der Ausschußmitglieder nur sehr selten beisammen war; so manches derselben — wir könnten Namen nennen — hatte plötzlich wichtige anderweitige Besorgungen zu erledigen, wenn ihm von der gerade zur Verhandlung stehenden Materie gar zu bunt im Kopse wurde. Mit welcher Harmlosigkeit obr richtiger mangelnder Sachkenntnis besonders ein Ausfchuß- mitglied an die Beurteilung dieser Regierungsvorlage gegangen ist, zeigt eine wider allen parlamentarischen Brauch schon vor Abschluß der Ausschußberatung durch die sozialdemokratischen Parteiblätter HeffenS gejagte lange Artikelserie, in welcher daS Ausschußmitglied den Lesern eine ganz unglaublich schiefe und zum Teil direkt der Wahrheit widersprechende Darstellung über DoMische Tagesschau. Zur Wehrfähigkeitsfrage. Zu der viel umstrittenen Frage, ob die industrielle oder landwirtschaftliche Bevölkerung einen stärkeren Prozentsatz von Militärtauglichen stellt, ist dieser Tage ein mit Rücksicht auf die militärische Stellung des Autors bemerkenswerter Beitrag aus der Feder des Generalarztes z. D. Dr. Anton v. Vogl erschienen. Der Verfaffer weist zunächst für Bayern schlagend nach, zu welchen unzutreffenden Schlußfolgerungen die Gleichsetzung städtischer mit industrieller und ländlicher mit Landwirtschaft treibender Bevölkerung führt. In Bayern z. B. waren im Jahre 1895 45,8 Proz. landwirtschaftlich und 44,2 Proz. nicht landwirtschaftlich tätig, dagegen wohnten 64,7 Proz. auf dem Lande und nur 35,3 Proz. in der Stadt. Beschränkt man den Vergleich zwischen Angehörigen beider Kategorien auf die Zahl derjenigen, die sich im wehrfähigen Alter befinden, so verschiebt sich das Zahlenverhältnis noch nach der Richtung, daß die vorwiegend männliche Arbeitskräfte beschäftigende Industrie die Landwirtschaft überragt, also die stärkere Wehrkraft cuff- Zeitungsartikels ließ der B a d a r a u den ehenialigen Duell fordern. Athen, 4. Juni. In Bezirk Saloniki kam es am 30. Mai zu einem Zusanunenstoß zwischen einer griechisch-mazedonischen Truppenabteilung und einer bulgarische. Bonde. Von der letzteren wurden sieben Mann getötet. Rach dem Eintreffen türkischer inxppr' Ausinnd. Christiania, 4. Juni. „Morgenbladet" schreib heute: „Die Zeit nähert sich, wo die Vorgänge im norwegischen Staatsrat, die sich im Stockholmer Schloß am 27. Mai ereignet haben, ihre politischen Konsequenzen nach sich ziehen. Da bestimmt angenommen werden muß, daß beide Parteien an ihrem Standpunkte festhalten, so scheint es nicht mehr als zwei Alternativen zu geben. Das Land muß regiert werden; da aber der König keine Regierung finden und auch die jetzige Negierung nicht zwingen kann zu bleiben, so steht man vor der Wahl: ein König ohne Regierung, oder eine Negierung ohne König. Das erste ist nach unserer Verfassung von der Erörterung ausgeschlossen. Dagegen sollen nach dem Paragraphen 13 der Verfassung der eine Staatsmmister und mindestens fünf von den übrigen Staatsratsmitgliedern im Namen des Königs die Regierung führen; man hat also da einen ganzen administrativen Apparat, der wohl eingeübt und bereits in voller Wirksamkeit ist. Da der König nicht ohne Ministerium regieren kann und der König ferner erklärt hat, daß er kein Ministerium finden könne, wird es die pflichtmäßige Aufgabe der Nationalversammlung sein, wieder normale Verhältniffe zu- stände zu bringen.. Der administrative Apparat kann nicht stillstehen." Brüssel, 3. Juni. Der Ausschuß der auswärtigen Angelegenheiten der öffentlichen Mrbeiten und Landwirtschaft hat den deutsch-belgischen Handelsvertrag unter Deutsches Reich. Berlin, 4. Juni. Bei dem Empfange der fremden Missionen wurde dem Kaiser von der spanischen Mission ein kostbarer Ehrendegen mit eingelegter Toledaner Klinge als Geschenk des Königs Alfons überreicht. Der Gesandte von Korea überreichte einen Orden für den Kronprinzen. — Der Kaiser hat den Prinzen Arthur von Großbritannien & la suite des Husarenregiments von Zieten (Brandenburgischen) Nr. 3 gestellt. . Die zu den Vermählungsfeierlichkeiten hier cinge- troffene französische Sp ez ia l m ission wurde vom Reichskanzler Grafen v. Bülow empfangen. — Fürst Karl zu Solm s-H o h ens o lms - Li ch ist hier einge troff em __' Das Herrenhaus hat gestern zunächst den Antrag des Freihl v. Manteuffel gegen die Einführung einer Reichserbschaftssteuer mit großer Mehrheit angenommen, nachdem der Finanzminister erklärt hatte, daß die Frage der Reform der Reichssinai'.zen einer Beschlußfassung weder im preußischen ©iootSniiniiieriiun noch im Bundesrat bisher unterlegen habe und es daher völlig dahin- lich wurde die Sekundärbahn-Vorlage angenommen. — Die Oberhofmeisterin der künftigen Kronprinzessin, Fran Rose Hildegard v. Tie le -Winckler, ist vom Kaiser zur Freifrau erhoben worden. Breslau, 4. Juni. Gestern abend beschlagnahmten Kriminalbeamte in dem Lokal der „Volksmacht" die Eremplare und die dazu gehörenden Formen und Platten, in welchen eine Rede Bernsteins über den politischen Massenstreik enthalten war. Die Beschlagnahme ist art- geordnet, weil Aufreizung zum Klasfenhaß vorliegen soll. Auch in der Wohnung des Redakteurs der Volksmacht, Lobe, fand eine Haussuchung statt. Neustadt a. H., 4. Juni. Der Bayerische Handwerker tag, welcher hier tagt, nahm Resolutionen an, welche 1) wünschen, daß für die Landtagswahlen tüchtige Handwerkskandidaten aufgestellt werden; 2) die Einführung des Befähigungsnachweises für das gesamte Gew erb-, namentlich aber für das Bau gew erbe fordern, vorläufig aber größere Rechte für die zur Führung des Meistertitels befugten Handwerker; 3) eine gesetzliche Festlegung der Beitragspflicht der Großbetriebe zu den Einrichtungen der Innungen verlangen. schränkt ist. Zur näheren Beurteilung dieser Abweichungen hat die Regierung sechs verschiedene statistische Tabellen ausgestellt, auf Grund deren der Ausschuß eine Reihe von Betrachtungen anstellt. Wir werden auf diese, wie auf die Stellungnahme des Ausschusses zu den einzelnen Besteuerunasarten noch näher zurückkommen. Der Ausschuß erblickt in der iVor- lage zwar keinesfalls eine Minderung der allgemeinen Gemeindesteuerlasten, aber eine gerechtere Lastenverteilung und klarere Bestimmungen für die künftige Steuerveranlagung. verschiedenen Reserven angenommen. Paris, 3. Juni. Im Elysöe sand heute ein Frühstück zu Ehren des Königs von Spanien statt. Der König brachte einen Trinkspruch aus, in dem er seiner Be- wunderung für die französische Armee Ausdruck gab. „Als ich heute", fuhr der König fort, „die Reihen Ihrer schönen Truppen durchschritt, schlug mein bewegtes Herz höher mit allen französischen Herzen. Ich werde nicht vergessen, daß wir gemeinsam der Gefahr entronnen sind, die in unseren Tagen das Leben aller Staatsoberhäupter bedroht, und daß ich inmitten Ihrer braven Kürassiere die Feuertaufe erhalten habe. Ich erhebe mein Glas auf Ihre Gesundheit, auf den Ruhm der Armee und auf das Glück Frankreichs." Loubet erwiderte: Die Armee wird stolz auf das Lob fein, das Em. Majestät ihr gespendet hat. Die Armee begrüßt in Em. Majestät den hochherzigen Ches einer unter allen Ländern berühmten Armee, der Ihre erleuchtete Fürsorge ein ihrer glänzenden Geschichte mürdiges Geschick verspricht. Im Namen Frankreichs, dessen Herzen Sie durch Ihre Liebenswürdigkeit zunächst und dann durch Ihren Mut doppelt gewonnen haben lind dessen heiße Wünsche Ihnen übermorgen in das befreundete Land folgen werden, das sich anschickt, Sie zu feiern, trinke ich auf den Ruhm der spanischen Armee, auf eine lange glückliche Negierung ihres Chefs und aus die Wohlfahrt Spaniens. — Hier sind zwei weitere Bomben gefunden morden. Toulon, 3. Juni. Der Kreuzer „Du Chayla" ist heute nach Marokko in See gegangen. Barzelona, 3. Juni. Gestern nachmittag wurde gegen den Palast des Militärgouverneurs eine Bombe geschleudert. Personen wurden nicht verletzt, jedoch ist der Materialschaden groß. Zehn Personen roueben verhaftet. Belgrad, 3. Juni. Bei Kitschebo fand ein Zusammenstoß zwischen Serben und einer bulgarischen Bande statt, wobei fünf Serben und zwanzig Bulgaren getötet lvurden. Der Führer der bulgarischen Bande, angeblich ein früherer bulgarischer Hauptmann, wurde gefangen genommen. Bukarest, 3. Juni. Wegen eines beleidigenden die Vorlage aufzutischen sich erlaubte. < Gleich in den ersten Sätzen dieser sozialdemokratischen ( Musterleistung heißt es, daß durch das Verbot des Schuldenabzugs, das in der Vorlage für die Gemeinbebesteuerung als Prinzip durchgeführt ist, die „Reichen geschont" und 1 die „Armen belastet", somit ein „Unrecht, zum Prinzip er- । hoben" werde; auch bei der Gewerbebetriebs- wie bei der Kapitalvermögenssteuer zeige sich die „deutliche Tendenz, die Kleinen am empfindlichsten zu treffen, die Großen und Größten aber verhältnismäßig günstiger wegkommen zu lassen als die Meinen". Au anderer Stelle wird dem Ausschuß direkt der Vorwurf gemacht, daß er bei der Beratung der Vorlage noch „kapitalistenschonungslüsterner war, als die Regierung." (brrr!) Solche Behauptungen mögen ja rn einer sozialdemokratischen Volksversammlung mit großem Beifall ausgenommen werden, im Munde eines Volksvertreters aber, der die Regierungsvorlage kennen muß und auch der Beratung derselben im Ausschuß beigewohnt hat, sind sie ja nichts als demagogische Taschenspielerstt'.ckchen. Tie ganze Tendenz des Gesetzentwurfs geht bekanntlich -ahin, im Gegensatz zu den jetzigen Bestimmungen eine gerechtere Verteilung der Gememdesteuerlasten herbeizuführen und den wirtschaftlichSchwächeren zu entlasten; ob dies dem Entwurf in allen Punkten-gelungen ist, mag zunächst dahingestellt bleiben. Aber leichthin ohne jeden tatsächlichen Beweis der art rge Vorwürfe geaen die Regierung und den Ausschuß zu c,^ben, ift doch zu - sozialdemokratisch. Der ganze, mit größter Msor- teit, Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit abgcfaßte Be- richt des Abg. Dr. Gutfleisch straft ihren Urheber Lügen. Wie oberflächlich übrigens der parlamentariich« Artrkel- schreiber zu Werke gegangen ist, ersieht man schon daraus daß er zum Beweis seiner Behauptungen die Stenerfteiheit des Großh. Hauses und der Grundstücke und Gebäude der Kirchen- und rechtsfähigen Religionsaeselftchafcen heran- Netzt Der Herr Abgeordnete scheint keine Schwung davon zu haben, daß gerade in dem neuen Gesetzentwurf die von ihm angeführte Steuerfreiheit ganz wesentlich reduziert worden ist und sich nur noch aus die perftn- liche Hofhaltung resp. die dem unmittelbaren öffentlichen Dienst, dem Gottesdienst, der Sanitär-, Schul- und Rechtspflege dienenden Gebäude usw. bezieht. Sämtliche Dmnamal- güter, einerlei, ob dem Landesherrn oder dem Fiskus ge- l örig, die Pfarr- und Kirchengüter, sowie alle sonstigen Besitztümer der kirchlichen oder weltlichen Behörom und Verbünde haben Grund- und Einkommensteuer an die be- treffenden Gemeinden zu zahlen Es kommt hier überhaupt in Zukunft ganz daS Prinzip, der Gegenseitigkeit zur Gel- tuna- so wenig der Staat eine Steuer von den gemem- nütnäen städtischen Anstalten, wie Gas- und Wasicrwerk, Sran^entzäufti-n usw. erhebt, so wenig sollen auch die Ge- meinden von den zum direkten Staatsdienst oder staatlichen Gemeinwohl dienenden Gebäuden Steuern erheben. , Auch Prof Dr. Biermer irrt, wenn er nach ferner tünasteu Broschüre glaubt, daß die großen kirchlichen Vermögen der Gcmeindebesteuerung entzogen werden sollens selbst für die Einnahmen -ms den Friedhöfen haben' die Kirchenbehörden Gemeindesteuern zu entrichten. $Ünnrlamentarische Artikelschrerber dann noch As ^<>reiiant" dw Frage aufwirst, wie das Gesetz w°h?bek'Ln7m Einkommen von 1 und befürchtet, „daß gerade derart g n galtenMHe . Genofsen und auch, von anderen Leuten so g - t« Alf steuerpol/tischem Gebiete feiern faßt, s°lM doch wissen, daß die Steuerveranlagung nicht. etwo- der WiMür der Behörden unterliegt, sondern Sach« d« Steuerweranwa^ nngskommissionen ist, als deren höchste Instanz der hessische Berwaltungsgerichtshof zu entscheiden hat. Und die -m wtlWnben Polemischen Bemerkungen haben Wir zugleich einige wesentliche Bestimmungen des neuen stehe, welche Steuerpläne in die Reform-Vorschlage Auf- Gesetzentwurfs näher gestreift. Der Ausschußbericht bemerkt nähme finden, weshalb er es sich versagen müße, Stellung gewissermaßen als Antwort auf die sozialdemokratischen der Angelegenheit zu nehmen. Hierauf gelangte der Beschuldigungen: Der Entwurf geht von der Annahme aus, J -..... daß die staatliche Besteuerung nach der L e i stu n g s fä h i g- feit sich bewährt habe. Indem sich die Steuer nach dem Einkommen bemißt, mit festen Zuschlägen für die Erleichterung und Sicherung dieses Einkommens durch Vermögensbesitz (ftlndiertes Einkommen) trifft sie alle Steuergenossen mit verhältnismäßig gleicher Schw're und festigt den Staatsgedanken, der verlangt, daß alle im Staate nach ihren Kräften zu dessen Bedürfnissen beitragen. Der Schwache wird entlastet, und die Gerechtigkeit dieses Prinzips wirkt versöhnend gegenüber der Schwere der Opfer, die der heutige Staat seinen Angehörigen zumutet. Der Ausschuß ist mit der Regierung darüber einig, daß im wesentlichen das Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit auch auf den Haushalt der Gemeinde anzuwenden sei. Daher gliedert sich die neue Gemeindesteuer mit Recht ebenfalls in Einkommen- und Vermögenssteuer (Realsteuern) jedoch mit Abweichungen, die in der Natur der Gemeinde als eines Gemeinwesens wurzeln, das hauptsächlich wirtschaftliche und sozialpolitische Aufgaben hat und dessen Gebiet und Teilnehmerkreis be- zog sich die griechisch-mazedonische Truppcnabteilung zurück und stieß auf eine andere türkische Abteilung, mit der sie sich in ein Gefecht verwickelte. Der Führer der ersteren, CodraZ, und der Unterführer ZogiaS wurden getötet. Aer Krieg. v-ever die Gefangennahme de8 Admirals Noschdjestwensky werden folgende Einzelheiten bekannt: Nachdem die japanischen Torpedobootszerstörer „Sadzanani" und „Kagero" während der Nacht des 27. Mai herumgesucht hatten, entdeckten sie zwei russische Torpedobootszerstörer, von denen der eine fortdampste, der andere manöverierunsähig war. Beim Näherkommcn wurde bei letzterem Fahrzeug am Fockmast die weiße Flagge, hinten die Notekreuzflagge erkannt; dies war der „Biedowy^ mit RoschdjestwenZky und seinem Stab an Bord. Der „Biedowy" signalisierte, daß die Maschinen unbrauchbar, Kohlen und Wasser knapp seien. Es wurde eine bewaffnete Wache behufs Entgegennahme der Uebergabe au Bord geschickt. Die Nüssen baten die Japaner, den Admiral und andere wegen ihrer Wunden nicht weiter zu transportieren. Das Gesuch wurde gewährt mit der Einschränkung, daß die Wachtmannschaft Befehl erhielt, den Admiral zu töten, wenn der Aufenthalt der Boote dazu führen würde, daß man andere russische Schiffe träfe und dadurch die Gefahr der Rückeroberung des „Biedowy" durch die Ruffen entstünde. Der „Biedowy" wurde dann von der „Sadzanami" geschleppt, wobei zweimal das Schlepptau brach. Am Morgen traf man dann den japanischen Kreuzer „Akaschi", der die Boote nach Sasebo geleitete. Es stand schwere See während dieser Fahrt, sodaß die Decke immer unter Wasser waren. Von den weiteren Gefangenen. London, 3. Juni. Nach Meldungen aus Japan soll 6er Kais er von Japan Befehl gegeben haben, den Admiral Nebogatow freizulassen, damit er dem Zaren Bericht über die Schlacht und eine vollständige Liste der russischen Verluste überbringen könne. Petersburg, 3. Juni. Die japanische Regierung hat die in Gefangenschaft geratenen russischen Offiziere der genommenen Schiffe dem französischen Konsul in Nagasaki zur Verfügung gestellt, nachdem sie ihr Ehrenwort gegeben, am Kriege nicht mehr teilzunchmen. Sobald seitens der russischen Regierung die Erlaubnis gegeben ist, sollen die Offiziere in ihre Heimat zurückkehren. Tokio, 3. Juni. Die Offiziere des „Orel* lehnten es ab, die Frcilaffung auf Ehrenwort anzunehmen. Es wurde ihnen ein weiterer Tag zur nochmaligen Ueberlegung der Angelegenheit gewährt. Verwundete und Tote. London, 3. Juni. Die beiden Hilfskreuzer „Nippon^ und „Hongkong Maru" suchten die See nach Ertrinkenden ab und brachten gestern 60 0 Gerettete nach Sasebo. An der Küste werden noch überall Leichen angetrieben, auch schwimmen noch immer erschöpfte, zum Teil auch verwundete Seeleute heran, für die ausgiebig gesorgt ist. Das Marinehospital in Sasebo ist überfüllt. Rösch djestwenski hat ein besonderes Abteil für sich erhalten und wird von japanischen Chirurgen besonders fürsorglich verpflegt, er ist von Granatsplittern an der Stirn und leicht im Rücken, ebenso wie an der rechten Hüfte und am Schenkel verwundet. Er sieht blaß und überarbeitet aus, ist aber zu den Aerzten, die ihn herzustellen hoffen, außerordentlich höflich. Sein Stabschef Kriafkorow ist leicht verwundet. Schanghai, 4. Juni. (Reuter.) Ein von dem englischen Dampfer „Kueilin" ins Schlepptau genommener russischer Torpedojäger hatte 180 Mann an Bord, in welcher Zahl die Besatzungen von drei anderen Schiffen einbegriffen sind. Der Torpedojäger war seit 6 Tagen mit dem Strome getrieben, ohne dem Steuer zu gehorchen. Die auf demselben befindlichen Lebensmittel waren fast vollständig aufgezchrt. Die Besatzung wurde nach Wusung auf ein russisches Transportschiff gebracht. Fölkersahm f. ; Es wird bestätigt, daß Admiral Fölkersahm vier Tage vor Beginn der Schlacht an Magenkrebs gestorben ist. Roschdjestwensti befahl, wenn der Tod eintrete, der Flotte keine Mitteilung zu machen, auch nicht die Flagge herunterzulassen, sondern ihn nur durch ein verabredetes Zeichen zu benachrichtigen. Infolgedessen wußte nur die Bevölkerung des Schiffes den Tod des Admirals. Fötker- sam sprach vor seinem Tode den Wunsch aus, daß sein Leichnam nach Rußland überführt werde. Russische Disziplinlosigkeit. Ausführliche Drahtungen eines Mailänder Blattes aus Tokio bestätigen, daß die Mannschaften zahlreicher russischer Schiffe den Befehlshabern den Gehorsam verweigerten. Auf dem Kriegsschauplatz soll ein Auf st and unter den Offizieren und Mannschaften ausgebrochen sein. Angeblich mußte Linewitsch mehrere Offiziere erschießen lassen, weil sie aufrührerische Proklamationen unter die Soldaten verteilen ließen. Amerika interniert russische Schiffe. Manila, 3. Juni. (Reuter.) Die russischen Kreuzer „Awrora", ,-Oleg" und „Schemtschug", unter dem Oberbefehl Enquist's, der sich an Bord der „A w r o r a" befindet (Dieser Admiral ist also nicht ertrunken!), sind in, der Manila-Bucht eingetroffen. Die Schiffe sind beschädigt; von der Besatzung sind viele verwundet. Manila, 4. Juni. (Reuter.) Die Verluste der drei hier eingetroffenen Schiffe betragen an Toten 22 Offiziere und 45 Mann, an Verwundeten 4 Offiziere und 131 Mann. Die Schiffe scheinen unter der Wasserlinie beschädigt zu sein. Die Schornsteine waren durchlöchert und viele Kw- nonen unbrauchbar gemacht. Alle russischen Offiziere erklären, daß die Iraner sich einer großen Zahl Unterseeboote bedienten, mit deren Hilfe Verwirrung verursacht und die russische Niederlage besiegelt wurde. Admiral Eng ui st ist n i ch t v e r w u n d e t. Er mußte das Admiralschiff ,Meg", welches durch das Feuer der Japaner gelitten hatte, verlassen und seine Fahne auf der „Awrora" hissen. Washington, 3. Juni. Nach einer Besprechung, die heute Roosevelt mit dem Marinesekretür Morton und dem Generalstaatsanwalt Moody hatte, wurden an den Admiral Train nach Manila Anweisungen gesandt, daß die dort eingetrosfenen russischen Kriegsschiffe zu internieren sind. Ein japanischer Taktiker äußert sich: Die Russen hatten ungenügende Kundschafter ausgesandt und waren unvollständig und falsch über den Aufenthalt der japanischen Schiffe informiert. Ferner hatte Roschdjestwenski eine schlechte Gefechts- stellung eingenommen, was darauf hindeutete, daß er kein Gefecht erwartete. Togo hatte ferner die Sonne im Rücken und schoß mit dem Winde, die Russen vergeudeten ihre Munition und legten eine große Unterlegenheit gegen das japanische Feuer an den Tag. Kriegerische Maßnahmen beiderseits. Shanghai, 3. Juni. Nach b-er eingegangenen Meldungen sind in Japan die nach Norden führenden Eisenbahnen mit Truppen überfüllt. Ihre Bestimmung ist unbekannt. Den Zeitungen ist verboten, davon Kenntnis zu geben. Man glaubt allgemein, daß es sich um einen bevorstehenden AngriffaufWladiwostok oder auf Sachalin handelt. Paris, 3. Juni. Nach einer Depesche aus Petersburg sollen in den nächsten Wochen täglich 23 Truppen- zü gc nach der Mandschurei abgehen. Der Minister Sacharow hat bereits die notwendigen Vorbereitungen dazu getroffen. Petersburg, 3. Juni. Im Marineministerium erörtert man eingehend den Bau einer neuen russischen Kriegsflotte. Zwei Admwäle haben Projekte eingereicht. Man rechnet darauf, daß die gesamte Ausrüstung in Rußland h. rgestcllt werden kann. Jin drei Jahren sollen nach den Projekten gebaut werden acht Linienschiffe von 16—20 000 T., fünf Kreuzer bis 10 0Ö0JT, 60 Tor- pcdolreuzer. 10 Geschwadertorpedoboote, 20 Trovedoboote zur Küstenverteidiguua und CO Unterseeboote, r'mßcrdem sollen die Fabriken noch 4 Minen eanSportschiffe und 80 Flußkanonenboote liefern. Für die Panzerschiffe sollen der Typus „Paul I.", für die Panzerkreuzer ersten Ranges der verbesserte Typus „Rossija" und „Bajan" beibehalten werden. London, 3. Juni. Der „Daily Cbronicle" meldet ans Petersburg, der Zar werde in der nächsten Zeit den Befehl geben, noch vier Armeekorps zu mobilisieren. Mit Rücksicht auf die Stimmung im Volke befürchtet man ernste Unruhen. VermitUerdienste. Washington, 3. Juni Eine Zusammenkunft des Präsidenien Roosevelt mit dem russischen Botschafter Grafen Cassini ratte < iinn persönlichen Charakter. Später faßte Cassini eine Depesche an seine Negierung ab, in welcher er die Ansichten Roosevelts und dessen Wunsch, Rußland in der jei'igen Krisis zu dienen, mittcilte. Nach Eingang der Au'w^rt wird er eine zweite Zusammenkunft mit Roosevelt haben. Paris, 3. Juni. d'Estonruelles und de Constans werden bei der parlamentarischen Gruppe für internationalen Schiedsspruch beantragen, daß sie eine Resolution beschließe, in der die französische Regierung ersucht wird, im Einvernehmen mit der englischen Regierung Rußland und Japan gemäß den Bestimmungen der Haager Konvention ihre guten Dienste anzubieten. Die Stimmung in Rußland. Petersburg, 3. ^uni. Die ^aqc verschlimmert sich zusehends, ^er fr' a n gegen d i e Offiziere nnnmt unter der Bevölkerung eitlen b droblichen 6 b^rakter an. Auf den Straßen werden Offiziere bou ber Menge onge- griff-m oder iirnttticrl, besonders Merineofs' iere. Unter *cn Matrosen, die einen Teil der Wame am Winterpalais stellen, ist eine Mell ter ei ausgebrochen. Der Kommandant ließ verschiedene Matrosen in Eisen legen. Die aus der Mandschurei zurück gekehrten Offiziere der Landarmee betr^gm sich ge^ad^zu skandalös. Täglich kommt es 311 Skundalln in den Aachtcafös. Russische Großsprecherei. Das Pariser „Petit Journal" meldet aus Petersburg: Ein General aus dem Generalstab erklärte, die Negierung habe vollständig Recht, wenn sie den Krieg in der Mandschurei fort setze. Den^ es würden demnächst Ereignisse eintreten, die auch den Pessimisten überraschen würden. Die Japaner müßten jetzt mehr auf ihre Artillerie gegenüber der russischen Wert legen. Man glaubt hieraus zu schließen, daß es sich um die neuen kugelsicheren Pan? er handelt, die die Regierung vor langer Zeit bestellt und jetzt endlich erhalten habe. Erdbeben in Japan. Tokio, 3. Juni. Bei einem gestrigen Erdbeben »n Hiro- schima und Iljina sind 6 Personen ums Leben gekommen und 79 Personen verletzt. 33 Häuser sind zerstört. Die Meldungen aus den anderen von dem Erdbeben betroffenen Distrikten sind noch unvollständig, doch glaubt man, daß der Verlust an Menschenleben und die Zerstörung an Eigentum verhältnismäßig leicht ist. Ziusr'and in Sturm und Drang. Gerüchtweise heißt es, es stehe die Ernennung Pobje- donoszews zum Reichskanzler bevor. Er soll erklärt haben, der Zar werde Konzessionen im Innern machen, jedoch niemals Japan um Frieden ansuchen. In der Petersburger Vorstadt Ljesnoi famntelfcn sich am Samstag abend gegen 15 000 Arbeiter an, die mit roten Fahnen, revolutionäre Lieder singend, zum technischen Jnstiut marschierten, das ganz mit roten, revolutionäre Inschriften tragenden Fahnen beflaggt war. Als die Arbeiter sich dem Institute näherten, erschienen Kosaken und berittene Polizeimannschasten. In dem entstehenden Getümmel hieben die Kosaken mit Säbeln und Nagaiken auf die Arbeiter ein, die sich mit Stöcken und Steinen verteidigten. Das Getümmel dauerte etwa eine Stunde. Nachdem die Menge auseinander getrieben war, blieben 12 schwer verwundete Arbeiter auf dem Platze, außerdem etwa 40 Leichtverwundete. Von den Kosaken und der Polizei wurden etwa 15 Mann verwundet. Die Vertreter der Petersburger Semstwos traten zu einer Sitzung zusammen, die sich bis 3 Uhr morgens ausdehnte, und in der besonders nachstehende drei Fragen zur Verhandlung kamen: Die Einberufung einer Volksvertretung, der Modus einer, das Volk nicht allzu sehr bedrückenden Mobilisation und die Frage dec Volksbildung. Bei dem letzten Punkte wurde die Wichtigkeit der Resultate betont, die der unglückliche Krieg mit Japan für diese Angelegenheit gezeitigt habe. „In bedeutendem Maße sammeln wir in diesem Kriege die Früchte der groben Unwissenheit, in der das russische Volk künstlich erhalten wird. Infolgedessen ist es die höchste Zeit, diesem Zustande ein Ende zu machen." Stadtv. Oppenheim wies energisch darauf hin, daß Kaiser Will; em I., nachdem Deutschland Frankreich besiegt hatte, ausgerusen habe: „Den Sieg verdanken wir nicht den Soldaten, sondern den Schullehrern.^ Mithin sei es hohe Zeit, daß auch Rußland daran denke, die Volksbildung, die das Grundelement eines zivilisierten Staates bilde, auf eine höhere Stufe zu stellen. Betreffs der Volksvertretung oder des Gemski Sobor wurde folgendes Schema ausgestellt: Im Sobor sollen Großgrundbesitzer, Adel und zum Teil auch Bauern vertreten sein, insgesamt sollen 600 Mitglieder auf drei Jahre gewählt werden. — Aus Riga wird gemeldet: Die Detektivpolizei ent* deckte 5 0 ungefüllte Dynamitbomben, die in der Erde vergraben waren. Es wurde ermittelt, daß im Auftrage der lettischen sozialdemokratischen Partei in der Fabrik Phönix ohne Wissen der Leitung 70 Bomben gegossen wurden. 25 Personen wurden verhaftet. Ferner wurden Waffen, Dolche, Patronen und Pulver sowie Pulver und Schwefel und eine Unmenge Proklamationen gefunden, ebenso Todesurteile über verschiedene Persönlichkeiten. Einige dec Verhafteten gestanden, daß in allernächster Zeit neue Attentate erfolgen sollten. ..... .......... ' । ■■■............... ■ ————1 Metzeleien in Russisch-Armenien. In Genf, dem Sitze des armenischen Komitees in Europa, hat man aus Russisch-Armenien Depeschen erhalten von durch Muselmanen verübte Plünderungen, Metzeleien und Brandstiftungen in Nachitschewan. Seit 10 Tagen dauern diese Missetaten. Die aus Persien über die Grenze gekommenen Kurven verüben unerhörte Grausamkeiten unter den Augen der russischen Polizei und der russischen Soldaten. Am 24. Mai wurde nfast alle Armeniern gehörenden Magazine in Nachitschewan niedergebrannt. Die Armenier wurden auf öffentlichen Plätzen nach verzweifeltem Widerstande getötet. Die Kaufleute Adamian, Kaletian und andere wurden beilebendigemLeibeverbrannt. Im Dorfe Toumbourl wurden 4 0 Personen, Greise, Frauen und Kinder, verbrannt. Das berühmte Kloster Karmirvank und zahlreiche Kirchen wurden entweiht und geplündert. Tie Leichen bleiben in den Straßen unbeerdigt liegen. Die passive Haltung des neuen Generalgonverneurs Worvnzow- Dajchkow ist ^rnbegreiflich und erregt allgemeine Entrüstung. Die Zahl der Getöteten be-.iffert sich auf 7 0 0. Die Ermordung des Pfarrer Thöbes in Heldenbergen vor dem Schwurgericht. llnücrcdjt. Nachdr. berboten! H. F. Gießen, 5. Juni. Schon in früher Morgenstunde flutet heute eine unendliche Menschenmenge nach dem Landgerichtsgebäude, in dem vor den Gesclworenen der grauenhafte Mord am Pfarrer Thöbes zur Aburteilung gelangen soll. Biele Hunderte müssen umkehren, weil sie in dem Zuhörerraum des großen,^ eleganten Schwurgerichtssaales keinen Platz mehr finden. Eine starke Poltzeimachi ist ausgeboten, um die Ordnung aufrechtzue^halten. Eine große Anzahl Zeugen, unter diesen mehrere kathol. Geistliche, sind geladen. Kurz vor 8'2 Uln vormittags vernimmt man Kettengerassel. Die Au geklagten werden auf die Anklageblank geführt. Das größte Interesse lenkt sich naturgemäß auf den Hauptangeklagtcn, den 27jährigen Sckflächtergesellen Oskar fr 11 bb e. Er ist ein mittelgroßer, breitschultriger, , ntcht,,,un- schöner Mann. Sein üppiges blondes Haar ist schön frillert, der kleine blonde Schnurrbart wohl gepflegt. Dieser Mann, der nur durch seinen stechenden Blick etwas auffällt, ist längere Zeit gleich einem Schinderhannes der Schrecken der Landbewohner Oberbessens und vieler Nachbar bezirke^ gewesen. Ten Vorsitz des' Schwurgerichtshofs führt Landgerrchtsral P r e e t 0 r i u s. Die öffentliche Anklagebehörde vertreten Oberstaatsanwalt Theobald intb Staatsanwalt fr00s. Rechtsanw. Dr. Jung ist zum Offizialverteidiger des Hudde, Rechtsanwalt Dr. Spohr zu dem des Walter ernannt. Vernehmung des Hudde. Nach Verlesung d"s Anklagebeschlusses bemerkt Hudde auf 25 cf rag eit des Vorsitzend u: Er sei am 21. Juli 1878 zu Schalke geboren und katholischer Konfession. Sein Vater war Reviersdeiger auf der Zeche Hibernia, in Gelsenkirchen. Seim Mutter starb im Jahre 1892. Sein Vater, der zum zweiten Male geheiratet hatte, wurde tm Jahre 1900 pensioniert. Er zog nach Herne bei Bochum und starb daselbst Llnfang 1904. Er (Hudde) habe in Gelsenkirchen bte Elementarschule bssuckt und danach das Metzgerhandwerk erlernt. 1893 fei er zu dem Metzgermeister Julius Graf in Dahle in die Lehre gekommen. Von 1897 an habe er bei verschiedenen Meistern gearbeitet. Er fet bestraft wegen Mißhandlung mit drei Monaten Gefängnis, ferner wegen Unterschlagung, schweren Diebstahls und vorsätzlicher Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und als Soldat vom Kriegsgericht zu Mouttgny wegen schweren Diebstahls mit ö Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstaudes. Er gebe zu, die Einbruchsdiebstähle, auch den EinbruchsdiebstaM in Helden- bergen begangen zu haben, er habe aber den Pfarrer. Thöbes nicht ermordet, dies habe ein Handwerksbursche, der mit Vornamen Willy heiße, getan. Diesen habe er auf der Landstraße kennen gelernt und sei mit ihm gemeinsam in das Pfarrhaus in Heldenbergen eingebrochen. Hudde bemerkt ferner, er habe nur noch eine Stiefmutter. In den letzten Jahren habe er mit dieser, aber auch mit seinem verstorbenen Vater und seinen Geschwistern keinerlet Beziehungen unterhalten. Er sei von seinem Lehrmeister, dem Metzgermeister Julius Graf, im Jahre 1897 fortgegangen, weil, er sich verbessern wollte. Er sei alsdann bei dem Metzgermeister Wilhelm Sftitte in Lüdenscheid in Stellung getreten., Im Frühjahr 1898 war er bei dem Metzgermeister Mrl Rohte in Wald in Stellung. Im September 1898 kam er zu dem Metzgermeister Karl Bleck) in Kalk bei Köln, im Januar 1899 bei Hermann Hahn^ daselbst, vom 7. Juli bis 6. August 1899 bei dem Metzgermeister Peter Dolff und danach bei dem Metzgermeister Gerhard Pabst in Bonn in Stellung. Alsdann arbeitete er bei Wilhelm Bauer in Altenessen, danach bei Heinrich Frohtne in Horst-Emscher. Dort wurde er wegen Diebstahls zu drei Wochen Gefäncpns verurteilt. Vorher wurde er in Alzey wegen vorsätzlicher Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs bestraft. Er arbeitete danach in Höchst a. M., alsdann in Biebrich, in Weisel bei Caub, in Alzey und zuletzt in Neustadt, a. Hardt. — Vors.: In Neustadt arbeiteten Sie zunt letzten Male? — Hudde: Jawohl. — Vors.: Weshalb traten Sie nicht wieder in Arbeit? — Hudde: Ich begab mich auf die Wanderschaft, suchte Arbeit, konnte aber keine passende finden. — Vors.: Nun erzählen Sie einmal, was Sie auf Ihrer Wanderschaft getan haben: ich ermahne Sie aber, die volle Wahrheit zu sagen. Äe sind des schwersten Verbrechens beschuldigt, das das Straf- Gesetzbuch kennt. Sie werden beschuldigt, den Pfarrer Thöbes in Heldenbergen ermordet zu haben. Wenn Sie , es gewesen find, bann sagen Sie e9, Sie erleichtern bann wenigstens Ihr Gewissen. — Der Angeklagte schweigt. — Der Angeklagte erzählt danach: dlnfang Oktober 1904 kam er nach Heppenheim an der Bergstraße. Dort lernte er auf der Herberge den Mitangellagten, Walter, kennen. Dieser schlug ihm vor, bei dem katholischen Pfarrer M > s chl er daselbst einzubrechen. Walter hatte eine elektrische Lampe. Bei dem Pfarrer Mifchler stahlen sie 2200 Mark bares Geld, ein Opernglas, em Taschenmesser, eine Photographie, ein Zigarrenetui und eine Zigarrenspitze. — Vors.: Als Sie nun von Heppenheim fortfuhren, nahmen Sie sich beide Billets zweiter Klasse? — Hudde: Jawohl. — Vors.: Weshalb fuhren Sie zweiter Klasse? — Der Angeklagte schweigt. — Vors.: Pflegten Sie denn sonst zweiter Klasse, zu fahren? — Hudde: Nein. — Vors.: Sie ftihren offenbar zweiter Klasse, weil Sie glaubten, in dieser weniger beobachtet zu werden? — Hudde: Jawohl. — Vors.: Nachdem Sie den Raub mit Waltet geteilt hatten, fuhren Sie nach Mannheim und kauften sich einen Revolver? — Hudde: Jawohl. — Vors.: Was war das für^ ein Revolver? — Ein sechsläufiger. — Vors.: Diesen trugen Sie stets geladen bei sich? — öubbe: Jawohl. — Vors.: Weshalb taten Sie das: halten Sie die Zustände im Deutschen Reiche für derartig gefährlich, um mit einem sechsläufigen geladenen Revolver das Land zu durchziehen? Der Angeklagte schweigt. — Vors.: Sie taten daS offenbar, weil Sie sich mit Waltet verabredet hatten, das Land zu_ durchziehen, um mit diesem gemeinsam weitere Einbruchs-diebstähle zu begehen? — Dudde: Verabredet war nichts. — Der Angeklagte erzählt danach auf Besvaaen des Vorsitzenden: Er sei von Mannheim nach Frankfurt a. M., von dort nach Köln _ und von da nach 'Marburg gefahren. Er habe schon in Frankfurt mit vollen Händen Geld ansgegeben, er habe bei Dirnen genächtigt und mit diesen Retsen unternommen. In Marburg habe er sich einer umher zieh enden Sängergesellschaft angeschlossen. Er sei schließlich wtederum mit Walter zusammengetrofsen und sei mit diesem nach Wissen gefahren. In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober 1904 habe er mit Walter einen Einbruchsdiebstahl auf den Gewerken Ludwig Spies i n W i s s e n ausgeübt. Sie haben dort 1 silberne Uhr, 2 Broschen, 1 Meßband, einen Kvntschuckstempcl, zwei Taschenmesser, zwei Taschentücher und Versicherungsmarken gestohlen. Sie fuhren von dort nach Herdorff. In der Nacht vom 26. zum 27., Oktober 1904 haben sie bei dem Pfarrer Maur einen Einbruchsdiebstahl begangen. — Vors.: Sie seien dabei auch in das Schlafzimmer des Pfarrers gekommen? Angell.: Jawohl. — Vors.: Was wogten Sie nun machen, wenn der Pfarrer aufwachte? — Angekl.: Dann wollten wir weglaufen. — Vors.: War das verabredet? — Ange kl.: Jawohl. — Vors.: Sie trugen aber Ihren geladenen sechsläuftgen Revolver und Walter ein großes Stemmeisen bei sich? — Angekl.: Jawohl. — Vors.: Der Pfarrer Maur ist auch aufgewacht? — Angekl.: Jawohl. — Vors.: Sind Sie danach weggelaufen? — Angekl.: Jawohl. — Vors.: Sie hatten aber vorher schon gestohlen: 50 Mk. bares Geld, einen Feldstecher, ein Rasiermesser, zwei Broschen, zwei goldene Kreuze, einen Stempelkasten, Quittungsmarken, Photographien, Patronen, 1 silbernes Gefäß. 1 Medaille und ein Stemmeisen? — Angekl.: Jawohl. — Vors.: Hatten Sie sich nicht schon vorher in der Nähe des Pfarrers gütlich getan? — Angekl.: Jawohl, wir aßen Schinken und Brot. — Vors.: Haben Sie nicht auch eine Flasche Wein und eine Flasche Kognak ausgetrunken? — Angekl.: Jawohl. — Vors.: Sie sind alsdann mit Walter nach Garbeck gefahren und haben in der Nacht vom 28. zum 29. Oktober 1904 bei dem Pfarrer Schmitt daselbst eingebrochen. Sie haben dort gestohlen 100 Mark bares Geld, 1 goldene Uhr nebst Klette, und ein goldenes Kreuz. Sie smd danach in die Kirche eingebrochen und haben dort den Opferkasten geplündert? Angekl.: Jawobl. — Vors.: Wieviel Geld war in dem Opferkasten? — Angekl.: Vier Mark. — Oberstaatsanwalt : Weshalb haben Sie sich gerade katholische Pfarrhäuser zu Ihren Einbrüchen ausersehen? — Angekl.: Das kann ich nicht so genau sagen. — Vors.: Dann sagen Sie es ungenau. —Angekl.: Weil ich glaubte, daß in den katholischen Pfarrhäusern das meiste Geld sei. — Vors.: Sind Sie nicht auch der Ansicht gewesen, da die katholischen Geistlichen unverheiratet feien, sei in diesen Pfarrhäusern die geringste Gefahr vorhanden, ergriffen zu werden? — Angekl.: Das wohl auch. — Ter Angeklagte erzählt danach auf Befragen des Vorsitzenden: Nach der Tat in Garbeck habe er Walter aus den Augen verloren. Er habe alsdann seine Wanderschaft allein, fortgesetzt und acht bis zehn Tage lang in Scheunen genächtigt. — Vors.: Hatten Sie denn kein Geld mehr? — Anaekl.: Jawohl, Geld hatte ich. — Vors.: Weshalb schliefen Sie da nicht im Wirtshause? — Der Angeklagte schweigt. — Vors.: Sie werden doch selbst zu- geben, daß es höchst auffällig ist, daß Sie im November 1904 8 bis 10 Tage lang stets in Scheunen übernachteten, obwohl Sie Geld genug besaßen, um in W'rtshäusem zu übernachten. — Angekl.: Ich "wollte mich nicht sehm lassen. — Vors.: Gingen Sie denn nicht bei Tag durch die Dörfer? — Angekl.: Jawohl. Vors.: Also bei Tag vaffterten Sie ganz offen die Dorfstraßen und des Nachts mieden Sie die Wirtshäuser, sondern schliefen in Scheunen, um sich nicht sehen zu lassen, das ist doch ganz unlogisch? — Angekl. schweigt. Einbruchsdiebstahl in Klein-Schwalbach. Der 9Ün gefragte erzählt hierauf auf Befragen W Vorsitzenden : Am 8. November sei er nach Kfrin-Schwolbach gekommen. Nachdem er dort Mendbrot gegessen hatte, habe er bei dem Pfarrer Hartleib einen Einbrucksdiebstahl unternommen. Er habe dort 30 Mark, 1 silberne Uhrkette und ein Tranchiermesser gestohlen. Alsdann sei er in die katholische Kirche eingebrocben. Dort habe er zunächst den Opferkasten aufgebrochen und diesen geplündert. Alsdann habe er eine Kerze angezündet und habe die Sakristei aufgebrochen. Dort habe er einen silbernen Llbeud- mahlskelch gestohlen,. — Vors.: Sie, sind, doch selbst Katholik scheuten Sie sich nicht, in die Sakristei einzubrechen und einen Abendmahlskelch zu stehlen? — Angekl. schweigt. — Der Angeklagte erzählt ferner auf Befragen des Vorsitzenden: Er fei danach nach Frankfurt a. M. gefahren, habe dort eine ihm bekannte Dirne besucht, bei dieser genächtigt, fei in mehreren Wirtschaften gewesen, und fet abends in den Zirkus gegangen. Dort feien Ringkämpfer ausgetreten; ganz besonders habe es ihm Spaß gemacht, daß ein Russe seinen Gegner geworfen hatte. s.Hei- terfeit im Zuschauerraum.) — Auf Befragen des Verteidigers R.-A. Dr. Jung, bemerkt der Angeklagte: In Frankfurt a. M. habe er int Gasthof „Zum Taunus" unter dem Namen: „Schneider, Monteur aus Hagen" gewohnt. — Vors.: Sind Sie außerdem noch unter falschem Namen aufgetreten? — Angekl.: Bisweilen. — Der Angeklagte erzählt weiter auf Befragen: In einer Wirtschaft in Frankfurt a. M. habe er einen Arbeiter, namens Abels kennen gelernt. Er habe mit diesem Freundschaft geschlossen, auf dessen Einladung bei ihm, genächtigt, und mit diesem verabredet, mit ihm gemeinsam Einbruchsdiebstähle zu begehen. Abels hatte ihn aber betrogen, deshalb habe er sich von diesem getrennt. Die Begegnung mit dem Handwerksburschen Willy. Nunmehr erzählt der Angeklagte auf Befragen des Vor- /stzenden: Am 11. November sei er auf der Hanauer Chaussee einem Handwerksburschen begegnet. — Vors.: Woraus entnahmen Sie, daß es ein Handwerksbursche war?— Angekl.: An seinem schlechten Anzug. — Vors.: Beschreiben Sie diesen Willy einmal möglichst genau. — Angekl : Er war etwas größer als ich, etwa 28 Jahre alt, hatte ein auffallend basses Gesicht, dunkle Haare, ciitcit großen dunklen Schn"rrbart. Er grüßte mich und bat mich um eine Zigarette. Er erzählte mir: er sei in Frankfurt a. M. Zuhälter gewesen: sei nun auf die Wanderschaft gegangen, da er von der Polizei wegen Zuhälterei verfolgt werde. Er habe den Willy aufgefordert, sich ihm anzuschließen und mit ihm gemeinsam Einbruchsdiebstähle zu begehen. Willy habe sich sofort einverstanden erklärt und den Vorschlag gemacht, nach "Heldenbergen zu gehen und in dos dortige katholische Pfarrhaus einzubrechen, da der Pfarrer daselbst ein sehr reicher Mann sei. Abends gegen 8 Uhr seien sie in Heldenbergen angekommen. Sie haben zunächst im Wartesaal des Bahnhofs gegessen und getrunken. Gegen 11 Ubr abends seien sie in den Garten des Pfarrhauses über einen Zaun gestiegen und dort durch ein Abort- senster in das .Haus gelangt. Er habe ferne elektrische Taschenlampe, die er kurz vorher gekauft batte angezündet Ich hatte wahrgenommen, so etwa fährt der, Angeklagte, wörtlich fort, da> in einem Parterrezimmer der Pfarrer schlief. ,Jch sagte zu Willy: „Hier dürfen wir nicht hineingchen". Wir drangen in die anderen Zimmer ein, fanden aber nirgends Geld. Da sagte Willy: „Ohne Geld gehen wir hier nicht heraus, wir müssen in das Schlafzimmer des Pfarrers gehen, da ist zweifellos Geld. Willy holte aus der Küche ein großes Tranchiermesser und sagte: „Wenn der Pfarrer aufwacht, dann mache ich ihn damit bonge." Ich öffnete das Pult im Schlafzimmer, in dem einige hundert Mark lagen. Durch das Geräusch erwachte der Pfarrer und schrie: „Au!" Ich drehte mich um und wollte entfliehen. Willi, der am Bett des Pfarrers stand, sagte: „Bleib nur da, es ist schon alles v orüber." — Vors : Was. verstanden Sie darunter? — Angekl.: daß er den Pfarrer ermordet hatte. (Große allgemeine Bewegung.) — Vors.: Sie verließen alsdann das Schlafzimmer?,— Angekl.: Ich öffnete die Tür, in demselben Augenblick hörte ich aber eine Tür auf- gehen. Ich blieb, einen Augenblick stehen,^ da aber alles riihig blieb, begab ich mich auf den Hausflur, auf den ich meine Schuhe gestellt hatte. Ich zog mir diese an, schlich mich in den Garten und gelangte von diesem ins Freie. „ Ich erwartete Willy an der Landstraße, am Aus gange des Dorfes. Nach etwa zehn Minuten kam Willy. Ich fragte ihn, weshalb er den Pfarrer ermordet habe. Willy antwortete: Ich konnte nicht anders. Wenn der Pfarrer auf einmal geschrieen hätte, wären wir ertappt worden. Ich wollte mit einem solchen Menschen nichts weiter zu tun haben. Ich, schlug vor, daß wir feder einen andern Weg nehmen: Willy ging die Chaussee nach Büdesheim, ich die nach Hanau hinunter. Von Hanan fuhr ich mit dem ersten Frühzug nach Frankfurt. Wir hatten verabredet, uns auf dem Frankfurter Hauvtbahnhof zu treffen, Willv kam iedoch nicht, ich habe ihn auch nicht mehr gesehen. — Vors.: Was hatten Sie von dem Raube in Heldenbergen erhalten? — Angekl.: Hundert Mark. — Vors.: Wo haben . Sie den Raub geteilt? — Angekl.: Auf der Landstraße, wo sich die Chaussee nach Büdesheim und nach Hanau teilt. — Es tritt daraus eine kurze Pause ein. (Fortsetzung folgt.) Den fortlaufenden Bericht über den ersten Tag des Hudde- prozesses werden wir heute abend schon durch Aushängen in unseren Kästen und im Schanfenster dem Pub'k"rn bekannt gchen. Aus Stadl m:d Land. Gießen, 5. Juni 1905. Zum Huddeprozeß. Hudde, der vielgenannte Raubmörder, hat sich heute vor dem Schwurgericht zu verantworten. Es ist das große Tagesereignis in Gießen, dessen Ausgang, der voraussichtlich erst in 3 Tagen stattfinden wird, mit größtem Interesse erwartet wird. Die Zulassung des Publikums zum Schwurgerichtssaal bereitete keinerlei Schwierigkeit, da jedermann nur gegen Vorweisung von Eintrittskarten Zulaß fand. Alles ging in schönster Ordnung. Einen ausführlichen sachlichen Bericht bringen wir heute an anderer Stelle. Den Hauptinhalt der Sitzung des heutigen Vormittags bildete die Vernehmung Huddes über seine sämtlichen ihm zur Last gelegten Straftaten, die er im Anschluß an die Erzählung seiner Familienverhältnisse chronologisch vorbringen mußte. Hudde ist verhältnismäßig elegant gekleidet, trägt tadellos gebügelten, weißen Stehumlegkragen mit dunkelm Anzug und etwas helleren Hosen. Bevor er das Wort genommen hat, macht er den Eindruck eines Menschen aus besseren Gesellschaftsklassen, ja, man könnte ihn seinem wohlgenährten Gesicht mit dem gepflegten blonden Haar und Bart nach für einen Studenten in älterem Semester halten. Hochintelligent sieht er allerdings nicht aus, wohl aber kaltblütig, besonnen. Er ist blaß, bewahrt aber bei seinem Eintritt in den Saal wie auch während der Vernehmung vollständig seine Ruhe. Sein Genosse hinter ihm aus der Anklagebank mit seinem langen, blonden Haar und dem etwas stierenden Gesicht sieht gewöhnlicher aus . Auch er sitzt ruhig auf seiner Bank während Hudde vortreten und erzählen muß. Dieser schwere Verbrecher macht seine Angaben mit etwas gepreßter, ziemlich gaunermäßiger Stimme; er erzählt seine unglaublich gemeinen Einbrüche mit völlig gewerbsmäßigem Geschäftston. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Prätorius, stellt ab und zu in ruhiger und eindringlicher Weise seine Fragen, während Hudde den Bericht für die wenigen Tage vor der Heldenberger Tat völlig aus sich selbst heraus berichten muß. Das unglaubliche Zusammentreffen mit Willi auf dem Weg von Frankfurt nach Heldenbergen bringt er äußerst fließend und lebhaft vor. Wahrscheinlich will er überzeugend werden und durch Berichte über kleine Umstände und Begegniffe seinen Bericht glaubhafter machen. Kurz vor 12 Uhr wurde die Sitzung für 5 Minuten abgebrochen. Der Bericht über die Heldenberger Sache ist noch nicht völlig abgeschlossen. Hudde schiebt, wie das seither bekannt geworden ist, die Schuld des Mordes selbst auf Willi, den er genau beschreiben mußte. Diese durchsichtigen Angaben über den großen Unbekannten, die allerdings so bedächtig und geschickt wie möglich vorgebracht wurden, werden ihm allerdings nicht viel helfen. * •* Schillerausstellung der Großh erzogt. Universitätsbibliothek. Einem Wunsche der Teilnehmer an dem diesjährigen Fortbildungskursus für Volksschullehrer entsprechend, hat der Direktor der Großherzogl. Universitätsbibliothek in liebenswürdigem Entgegenkommen bestimmt, daß die Schillerausstellung für die Teilnehmer an dieseni Kursus noch nächsten Mittwoch, 7. Juni, nachmittags von 3 bis 4 Uhr geöffnet bleibt. ** Eine Kommission von Stadtverordneten begibt sich, wie wir lesen, morgen nach Nürnberg und Fürth und trifft dort mit dem Oberbürgermeister Mecum zusammen, um die dortigen neuen Theater zu besichtigen. Das Nürnberger Theater ist übrigens zugleich ein Saalbau von riesigen Dimensionen, in feiner äußeren Gliederung recht uneinheitlich. Der Stil ist mittelalterlicher Burgstil mit Anklängen an deutsche Renaissance. Gauturnsa hrt. Am Südende des Turngaus Hessen, in Niederwöllstadt, fand gestern die Frühjahrs-Gau- Turnfahrt statt. 150 Wetturner hatten sich angemeldet, 143 stellten sich zu den Stabübungen, 114 wurden gewertet. Von diesen gingen als Sieger hervor: Karl Schwarz M.-T.-V. Gießen 36 V2 Punkte, Dalth. Dort T.°V. Großenbuseck 34 % Gottlieb Kuins T.-V. Marburg 33 1 /,, Kart SalzmcmmBad-Nauheim 32 V„ Albert Münch-Wetzlar 32, Heinrich Hamel T.-V. Gießen 30, Ernst Koch-Alsfe!d 29 9,, Heinrich Erle-Usingen 27, Franz Riegel-Wetzlar, Wilhelm Schmidt-Lauus° bach und Herrn. Accularius-Schotteu 26, Wilh. Wiederstein M.-T.--V. Gießen 25, Karl Rees-Butzbach und Wilh. Feger-Aiffvach 24, Och. Hahn-Großenbuieck 23 '/„ Ocb. Wunderlich-Kirchhain und Peter Bangert-Anspach 23, Rieb. Schnbecker T.-V. Gießen 22 V-, Rob. Eli-Anspach und Jakob Steinmüller M.-T.-V. Rodheim an d. Bieber 21 V5, Gg. Fischer-T.-V. Marburg, Karl Dörr-HlUigen, Guido Jhrmgcr-Alsfeld, Karl Schneider-Wetzlar nub Hermann Lehrmund LangLdorf 21, Wilh. Menges-Leihgestern, Karl Oierony' mus-Friedberg, Och. Ernst-Anspacb, Julius LangsdorbBad-Nau- beim und Hch. Schmidt-Schotten 201/2, Och, GrieS-Bad-Nanheim, Otto-Müller-Alsield, Karl Svamer-Schotten, Ocb. Wagner-Großen- liiiden, W. Ooiniaiin-Großenlilideii, Beriihard Wack-Bad-Nauheim und Wilh. Thöt M.-T.-V. Gießen 20 Punkte. tz Fulda, 5. Juni. (Orig.- Dra htmel du ng.) Bei dem gestrigen von vielen Tausenden besilchten Bonifaz i u s f e st e ereignete sich ein Brandung! ü cf. Am Abend wurde die Fassade des Domes bengalisch beleuchtet und ein Feuerwerk abgebrannt. Eine Patrone vom Feuerwerk ist in das Innere des nördlichen TurmeS hineingesahren und Hai dort die Dohlennester entzündet. Das Feuer muß geglimmt haben, denn gegen 12 Uhr stand auf einmal der ganze Dachhelm des nördlichen Turmes in Hellen Flammen. Die berühmte Osanna-Glocke und die Bonifazius-Glocke, welche sich in diesem Turm befinden, sind vernichtet. Abgesehen von unbedeutenden Beschädigungen des Dachstuhls hat der Dom keinen weiteren Schaden erlitten. Gegen 2 Uhr war die Gefahr des Umsichgreifens bereits vorüber. Die Feuerwehren von Fulda und sämtlicher Nachbarorte waren in Tätigkeit. Auch ein Teil der Frankfurter Feuerwehr war requiriert worden. Die Garnison beteiligte sich an den schweren Löscharbeiten. Die Bonifazius- Festwoche, die gestern begonnen hat, wird programmmäßig ihren Fortgang nehmen. Märkte. Gießen, 5. Juni. Vieh markt. Bei dem 'am 80. und 31. Mai d. Js. abaehaltenen Markte waren aufgetrieben 1495 Stück Rindvieh, 1131 Schweine. — Der nächste Markt findet am 27. und 28. Juni statt, am letzteren Tage auch Krämermarkt. fc. Frankfurt a. M., 5. Juni. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpre is e. Weizen V>k. 18.50—00.00, Kurhessischer Mk. 18.50—18.75, La Plata Mk. 18.25—19.25, Kansas Mk. 18.50—19.25, Roggen (hiesiger) Mark 15.75—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.75—18.00, Frankenfelder Mk. 00,00—00,00, Oafer Mk. 15.00—15.50, Mais Mk. 12.25—12.50 Weizenmehl 0 Mk. " 26.75—27.75, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.50—23.00, Roggenmehl 0 Mk.22.75—23.25,1. Qualität Mk. 20.25—20.75, Weizenkleie Mk. 10.75 bis Mk. 11.00, Noggenkleie Mk. 11.50—12.00, Maiskeime Mk. 11.50 bis Mk. 12.00, Franken, Pfälzer, Nied Alk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 5. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 530 Ochsen, 210 aus Oestreich, 52 Bullen, 3 aus Oestreich, 839 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 278 Kälber, 243 Schafe und Hämmel, 1555 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen--, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht' Ochsen 1. Qualität 71—73Mk., 2. Qual 65—67 Mk., 3. Qual. 59—62Mk.; Bullen l.Qnal. 62 bis 64 Mk., 2. Qual. 59—61 Mk.: Kühe 1. Qual. 67—69 Mk., 2. Qual. 59—61 Mk., 3. Qual. 48—50 Mk, 4. Qual. 41—43 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: l.Qual. 87—90Pfg., Lebendgewicht 52—54 Pf., 2. Qiral. 82—86 Pfg., Lebendgewicht 49—51 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 60—64Pfg., Schafe: l.Qual. 72—74, 2 Qual. 64—66 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.: Schweine 1. Qual. 69—70 Pfg., Lebendgew. 55.05 Pfg., 2. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 54—00 Pfg., 3. Qual. 63—65 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Uederstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Uederstand. Krrgmaf-Draöfmeldttngkn. Die Berliner Festlichkeiten. VerIin, 4. Juni. Die Tafel bei dem heutigen Galadiner war hauptsächlich mit Rosen in allen Farben geschmückt. Das goldene und silberne Tafelgerät schimmerte im Glanze der elektrischen Beleuchtung. Der lange.Zug der höchsten Herrschaften bot eine Fülle von Pracht, Würde, Reichtum und Anmut. Die Kaiserin trug eine weiße Seidenrobe mit einer blaßblauen Sammetschleppe, die Herzogin- braut eine rosafarbene Robe mit reichen Silberstickereien. Die Kapelle der Gardefüsiliere konzertierte. — Heute abend brachten 4000 Studierende der sechs Berliner und Charlottenburger Hochschulen einen Fackelzug dar. Mit dem Porkschen Marsche bewegte sich der Zug, in welchem sich zahlreiche Kapellen befanden, einer feurigen Riesenschlange gleich von den Linden her zum königlichen Schloß. An den Fenstern der Prunkgemächer erschienen die Gäste des Kaiserpaares, auf den Balkons die Majestäten und das Brautpaar. Bei deren Anblick erhoben sich die Chargierten in den Wagen, die Schläger wurden geschwungen, die Fahnen gesenkt. Ein Hurra folgte dem anderen. Der Vorüberzug dauerte eine Stunde. Das Wetter war herrlich. —- Prinz Arisugaw a schenkte dem Brautpuare zwei Blumenschalen von wunderbar getriebener Arbeit in Silber in außergewöhnlicher Größe. An die fremdländischen Würdenträger wurde eine große Menge von Ordensauszeichnungen verliehen. Unter anderen erhielten Fürst Alfred zu Windisch gr ätz (Oesterreich) den Schwarzen Adlerorden, General de Lacrois (Frankreich) das Großkreuz des Roten Adlerordens 1. Kl., bevollmächtigter Minister A r a g o (Frankreich) den Kronenorden 1. Kl. Bom Kriege. Tokio, 5. Juni. Togo besuchte am 3. Jurü Noschdjestwensky int Marinehospital zu Sasabo, drückte ihm seine Sl)mpathie aus, lobte die Tapferkeit und zähe Ausdauer der Russen, welche sie int Kampfe an den Tag legten, und sprach die Hoffnung aus, daß Roschdjestwensky bald nach Rußland werde zurückkehren können. Tief bewegt dankte Roschdjestwensky und beglückwünschte Japan zu dem Mute und dem Patriotismus der Seeleute. Der edle Charakter der Sieger vermindere den Kummer um die Niederlage. Moskau, 5. Juni. Die hiesigen Lazarethe sind mü verwundeten und geisteskranken Offizieren und Mannschaften überfüllt. * Varis, 5. Juni. Nack b?m gestrigen Galadiner und Gala- Vorßcckung verließ derKönigvonSpanienurn Mitternacht Paris, um sich von Cherbourg nach England einzu- schisfen Bei bem Eintreffen des Königs in Paris sind, wie nunmehr mitg-eteilt wird, an dielen zahlreiche anonyme Schreiben, darunter auch Drohbriefe gerichtet worden, welche man dem König jedoch nicht zustellte. Auch mehrere Liebesbriefe sind dem König zugegangen. — In Ganat wurde ein 25 jähriger Mann verhaftet, welcher Frauenkleidung trug. Man glaubt in ihm den spanischen Anarchisten Ferras, den vermutlichen Attentäter ergriffen zu habcn. Jedoch heißt c5 auch, es handle sich um einen flüchttgcn Kassierer, der 20 000 Fc. unterschlagen hatte. Seiden-Grieder-Zürich Verengen Sie Muster von neuesten Seidenstoffen (schwarz, weiss und farbig). Seidenstoff-Fabrik-Union Ca7/e Moäff Grsedp L 01% Zürich. Gesiebtsansschläge Äse"* Ich bescheinige hiermit, dass Obcrmcyers Herba-Seife meinem Gesichtsausu schlag, an dem ich Jahre lang auf die unangenehmste Weise litt, nach einigen Wochen vollständig Heilung brachte Grh.Geom.LKl. Krämer, Bad-Nauheim. Z. h. j. a. Apoth., Drog. u. Part p. St 50 Pfg. u. 1 Mk. Obermeycr & Co„ tiauan. ICate Übel Dienstag den 6» Jrmi 8022 BekanntMKchung. B Wilanz am 3L Dezember 1904, Klarier- Passiva JfC [” ö Zimmer an den Gießener Anzeiger erbeten. 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