155, Jahrgang Erstes Blatt. ,ät)vL. ausfchl. Beliellg. Unnaljme von Änzelge» ■ür die TaqeSuunnner ' i? üonmuagfl 10 Uhr. jeile^ptetS: lokal 12 -ns'närts 20 eri troortltd) Hhe de.. poltL und allgem. Teil: P. Will ko iür ,(stabt und Vanb* und .Gerichts aal". Ernst Hetz', für den An- ACiqenteil: ÖanS Beck. Ausland. London, 3. November. Aus Shanqbai liegen hier Nachrichten vor, wonach die chinesische Regierung, er- mut ißt durch die japanischen Erfolge, olle neuen Kon. Zessionen für Gruben und Eisenbahnen Der* weigert sowie durch Ankauf die früher gewährten Kon- Nr. 200 Cr14ei*l 18(1114 oufter Sonntage. Fern Gtebener Anzeiger ©erben im Wechsel mit t>«m kfrsfischen tanbroirt die Lietzener Familien. Hättet uiennal in der Woche betgelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh laichen Nntvers.-Buch-u.Stetn- bruderet. R. Lange. DHebaftton, Ervedtlw« nnb Tnirfcret: Lchul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.Exved.L^dl Jlbrcfic für Deveschen: Anzeiger Gictzcu. „ scDwesternnat ivang 5CD ,„„«.■«»L bB *• imOttn wrs; —--^Manftrjy new finden cbensoils große Juden hetzen statt. Ter Pöbel stürmte und verwüstete viele Häuser von Juden. 8 Personen wurden dabei getötet, zahlreiche verwundet. Kiel, 3 Nov. Wie amtlick mitgcteilt wird, ist eine Funk* sprach Verbindung von Memel nachPeterhos durch den Kreuzer „Lübeck" und 7 Torpedoboote hergcstellt. Torpedoboot D 7 ankert vor Peterhos. Die „Lübeck" und das Doot S 120 fuhren Funkspruchapparate. London. 3. Nov Der „Central News" meldet aus Petersburg: Tic einzige Person der kaiserlichen Familie, welche baflf Anerbieten des deutschen Kaisers an Dord deS Kreuzers „Lübeck" Rußland zu verlassen annchmen werde, sei die Zarin, und zwar wegen ihres gegenwärtigen Gesundheitszustandes. Eichener MzeiM General-Anzeiger u Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ni ft errat enttäuscht. Es ist ein Projekt des Grafen Solski und nicht Wittes, woraus man auf besondere Ein- lüsse schließt und der Ehrlichkeit der Regierung mißtraut. Tas Arbeiter-Komitee veröffentlicht folgenden Aufruf: Da wir es für notwendig erachten, daß sich die Arbeiter auf Grundlage der erzielten Erfolge so aut als möglich organisieren und sich zum Schlußkampf um die Einberufung einer konstituierenden Versammlung bewaffnen, um eine demokratische Republi k zu begründen, fordern wird die Einstellung des A u f st a n d e s. Er soll wieder ausgenommen werden, sobald die Zeit dazu gekommen ist. Ueber die nationalen Bewegungen liegen heute olgende Meldungen vor: Warschau, 3. Nov. Infolge der Krawalle vor dem Rat- Hause hat der Generalgouverneur alle Auszüge auf den Straßen verboten. Trotzdem wurden von den ©Mialiftcn mehrere Volksansammlungen organisiert, welck>e die Hauptstrau.en der Stadt durchzogen. Ein Zug bewegte sich mit einem Priester an der Spitze, der das Lied „Gott rette Polen" anstimnite, nach dem botanischen Garten. Mehrere andere Züge mit natwnal-polntsck-cu Fahnen, deren Stangen von dem weißen polniscl>en Adler gefrönt waren, folgten. Am Minkiewiez-Tenkmal war der Sammelpunkt aller national-polnischen Huldigungen. Dort wurden Festreden auf das polnische Vaterland an die feierlich erregte Menge gehalten. Um 1 Uhr nachmittags wurde vom technisck^n Bereut ein Meeting veranstaltet, das von 10 000 Personen besucht war. Trotz des ausdrücklickien Verbotes erschienen die Zeitungen ohne ^^'Warschau, 3. Nov. Tie Infanterie feuerte aus die Volks menge, wobei drei Personen getötet und 42 verletzt nnirbcn. Anwälte richteten ein Schreiben an den Gasen Witte, in dem sie zur Zurückziehung der Truppen und Aufhebung des Belagerungszustandes bitten. Sechs Prvsessoren der Universität erllärlen, daß die Polonisierungder Universität in Warschau eine berechtigte Forderung sei. . Krakau, 3. Nov. Da die hiesigen D.ihnbeamten vom Revolutions-Komitee Russisch-Polens Briefe erhalten haben, in denen gedroht wird, daß die Bahnbrücke bei Granitza in dieLuftgesprengt werden würde, wenn der Dchu verkehr nicht eingestellt werde, werden vorläufig die Züge bis Szezakowa abgelassen. , , . . _ Petersburg, 3. Nvv. In Finnland dauert die Entwaffnung der Gendarmerie fort Der Polizeichef hat seine Entlassung eingereicht. H e l s i n g f o r s , 3. Nov. Die Stadtverwaltung bildere einen Wohlfahrtsausschuß und erklärte dem Streik- Komitee, daß sie sich im stände sehe, die Aufrechterhaltung der Ordnung zu übernehmen, wozu 10 000 Mark bewilligt wurden. Weiter wählte die Stadtverwaltung, die zweimal täglich zusammentritt, einen Ausschuß von drei Mitgliedern, an den sich das Streikkomitee in wichtigen fragen wenden soll. London, 3 Nov. Der Korrespondent der „Morning Post in Helsingfors (Finnland) telegraphierte über eine Unter rcdung, die er mit einem Führer der finnländischen Bewegung hatte. Dieser sagte: Unsere friedliche Revolution ist erfolgreich gewesen. Wir wollen nur unsere verfassungsmäßigen Rechte wieder Herstellen und dementsprechende Reformen einführen. Wir wollen die P e r s o n a l - u i o n mit Rußland nicht trennen, wollen aber die russische Regierung und das russische Beamtentum nicht dulden. Ueber die Vorgänge im Reiche selber berichtet eine große Reihe von Telegrammen, von denen mir zunächst folgende Der offiziösen Bureaus hervorheben: Petersburg, 3. Nov. Ter heutige Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers D rtief durchaus tu h i g Die Straßen nehmen, wenn auch der Straßenbahnbetricb noch nicht wieder ausgenommen ist, allmählich ihr gewöhnlick>es Aussehen an. Im ganzen gelangt immer mehr die D e f r i e d i g u n g über die vom Kaiser gewährten Freiheiten und der Wille, die Bestrebungen Wittes tatkräftig zu unterstützen, zum Ausdruck. Alles sehnt sich nach Ruhe und Rückkehr zu normalen Verhältnissen. Besonders äußert sich dieser Wunsch m industriellen, kaufmännischen und gewerbetreibenden Streifen. Im Laufe der Nacht trafen neue Naclwichten von gegen die Iu d e n gerichteten Angriffen ein. In R o st o w am Don gleichen einige Straßen Trümmerhaufen: der neue Bazar ist niedergebrannt. Die Angriffe gegen die Juden in Mariupol, Jusowka, ebenso in Kiew dauern fort. Dort wurden Bomben auf die Kosaken geschleudert. In Kiew wurden 12 Personen getötet und 44 verwundet. In Pultawa drang die Volksmenge in das G c f ä n g n i s ein, wobei 38 Person e n verwundet wurden. , Tie Fleisch preise in Petersburg sind etwas gefallen, da die Zufuhr völlig ausreick)end ist. Peter- Hof ist von der Residenz aus dem Landwege a b g e s ch n i t - ten. Ter tägliche Bedarf des Hofes wird deshalb durch einen Konvoi, von 20 Kosaken gedeckt, nach Peterhos befördert. Tie Straßenpatrouillen sind verlleinert. Rostow a. D., 3. Nov. Nach amtlicherFeststellung wurden bei den vorgestrigen Unruhen 34 Personen getötet und 159 schwer verwundet. Tie organisierte Selbstverteidigung der Angestellten der Rostvwb^hn nimmt an der Wieder Herstellung der Ruhe energischen Anteil. O d e s s a , 3. Nov. Angriffe ausJuden fanden gcflerr in stärkerem Maße als bisher statt. In allen Stadtteüen wurden erhebliche Verwüstungen ungerichtet, besonders m den entlegenen Vierteln. Den ganzen Tag über fielen Schüis e. Tie organisierte Selbstverteidigung schritt energstch gegen den Pobel ein Auf einigen Straßen waren Geschütze aufgeiahu n die Stadt gleicht einem Kriegslager. Von Studenten wurden 200 Mann des Pöbels gefangen genommen und in der Universität eingesperrt. Auf den Straßen, auf die sich nur Sanitätsbeamte und barmherzige L-chwestern hmauswagen, ist Polizei nicht zu sehen: bewaffnete Studenten sorgen fiir die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die Lage wird als sehr ernst angesehen. , ,,, . •ftad) privaten Meldungen herrscht u. a. in der Stadt Nikolajew offener Aufruhr, auf allen Straßen vernimmt man Gewehrseuer. Zahlreiche Tote und Verwundete liegen herum. Viele Bomben wurden geworfen, wodurch zahlreiche Personen ums Leben kamen oder verstümmelt wurden. Ter Anblick der Stadt ist trostlos. Tie Mehrzahl der Läden wurde zerstört, nachdem sie vorher vollständig ausgeplündert worden waren. — In Kischi- Stein^ ***rr*"*4 Deutschlands Afrikalorgcn. In dem nun fast zwei Jahre im Kriegszustand befindlichen Südwestafrika wird die Elle nachgerade länger als der Kram. Man berechnet den Gesamtschaden, für den das Reich Ersatz leisten soll, bis jetzt auf 13 Millionen Mark. Diese Ausgabe geb> so nebenher neben den gewaltigen Kosten für militärische Zwecke, und in den beteiligten Kreisen gibt man sich der Erwartung hin, daß der neue Neichselat die volle Entschäd'gungs- summe enthalten wird, damit der Reichstag in bie Lage kommt, „das Unrecht wieder gut zu machen, das in seinem früheren Beschluß lag". Ta außerdem noch die Kosten für die Bahnlinien Lüderitzbucht—Kubub und Windhuk—Kretin aunshoop angefordert werden sollen, läuft die Sache Darauf hinaus, daß die Erträge der neu geplanten Steuern fürs erste zum Teil durch Südwestafrika beansprucht werden. Tie Ausgaben für die Marine stehen auf einem anderen Blatt. Tas beklagenswerte koloniale Ungemach droht verhängnisvoll für die Reichsfinanzen zu werden, und ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. TaS verlustreiche, praktisch ziemli h ergebnislose Gefecht gegen Den gefährlichen Morcnga läßt eine Zuversicht in dieser Beziehung nicht cruskommen. Herr v. Trotha, so hieß es dieser Tage, kehre demnächst zurück, weil ein Oberbefehl durch einen General angeblich nicht mehr nötig sei. Jetzt hören wir von anderer öeite, ein Kommandowechsel in Südwestafrika sei fürs nächste nicht vorgesehen. Ter Kaiser habe vielmehr bei der Enthüllung des Moltkedenkmals in Berlin von dem Verbleiben Trothas aus dem Kriegsschauplätze gesprochen. Tie Herero, so wurde berichtet, schickten sich an, nach Norden, die Hottentotten narb Süden das Schutzgebiet zu, verlassen. Aber eine Gewähr, daß sie nicht mit neuer Bewaffnung und Munition wicderkommen, kann niemand geben. Toch den gegenteiligen günstigen Fall angenommen: iv ie soll der wirtschaftliche Wiederaufbau, itt der entvölkerten Kolonie von statten gehen? Die wenigen, deutschen Ansiedler, denen bas Reich die Farmen wieder Herrichten soll, kommen nicht in Betracht, und von dem a(8 unwayrscheinlich bezeichneten Zuzug zahlreicher Burenq familien aus Südafrika versprechen sich auch Kolonial- freunde keineStärkung des deutschen Elements. Daß neue unh zumal kapitalkräftige deutsche Ansiedler hinausgehen werden, muß zweifeihast erscheinen. Wann also werden die für Südwestatrika gebrachten schweren Opfer ausgewogen roeroen? TeuNchland kann von Glück sagen, wenn ihm öftnllcbe Erfahrungen mit den anderen Kolonien erspart oieibm, denn die Rückwirkung auf die Reichst finanzen wäre nicht auszudenken. Ein Telegramm aus Windhuk meldet heute, daß im Gefecht am Orange östlich von Hartebeestmnnd Leutnant Paul v. Bojanowsky, früher 4. Garderegiment zu Fuß, gefallen ist. Und der .Köln. Ztg." wird amtlich gemeldet, daß nach telegraphischer Meldung au§ Windhuk die üeu tsche Post über Warmbad vom 29. Oktober unweit Nemansdrift von den Hottentotten genommen worden und vermutlich verloren ist. Es wird sich dabei um diejenigen Brieffendungen handeln, die in Deutschland in der Zeit von? 1.—29. September eingeliefert worden sind. Der Kommandant S. M. S. ,^l)eti§* meldet auS Tar-es-Salaain unterm 2. November: Augenblicklich und die Kreuzer in Dar-eZ-Salaam. Am 2. November geht „Bussard" nach dem Süden als Stationär, — er soll daS Detachement von Kiomangao zurückziehen. Am 6. November wird .Thetis" eine kurze Fahrt an der Küste machen; Haupt- liegebafcn wird Tar-es-Salaain sein. Oberleutnant z. S. Paasche hat eine kleine Bande Aufständischer auf dem Südufer des Nufidji zerstreut. Aufständische haben sich im Süden von Mohorro gezeigt und sind durch eine zweitägige Expedition von Marine-Infanterie und der Polizeitnippe vertagt worden. Bei Kibata wurde eine aus 10 Seesoldaten und 5 Askari bestehende Truppe hartnäckig angegriffen, es fanden anhaltend Scharmützel statt. Ter Feind hat zahlreiche Verluste gehabt. Tie Manne-Infanterie in Muansa hat im Sultanat Makongolo die Schutztruppe unterstützt. Der Gegner hat ungefähr 30 Tote. Hauptmann v. Schlichting hat die Etappe auf be m Tuwwa-Berg, 90 Km. südwestlich von Kilwa, besetzt. Unsererseits ist niemand verwundet. SauiStaa 4. November 1905 VezogSprelSi monaltich7bPt„ vierteljährlich DU. 2.20; durch Avhole. il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Ack.2.—v'enel- Äädchen s.i!aW.ü IftnuX ctemslr, 16^. “ft «cb'ldeies Mädcha •- eas ui der icineien Rbt dein panshali Aeiamd ' ^ellung als Liune, C1 ieii bei allerer Taine. (Tin ulicrcs Ä!allli)r>iraü, 2, li IW| z 6 ytm‘. exVluua^ii'2lbeiv. ;u, i)cät>.i.b.^eichän-tu... m Pridat'tzerd vom li: Tejember zu leihen gtjU LS- Eöiei-Hti. ciswert zu vcriaufcn. ________yöltl liuhl^ brikbesiizertocnier, 24 J., tiw ISuiXWX m. fiel) ni.aiMMien .Perm balö ju öCWlieL ta; be>ij.Brieiean„M M111 |0 - j671l hierdurch nebinei^ .endieMlhelmLecheusU e ii ■ssssä srS-- m Glc'sen . JSSÄS"“, ——Türre|seBi > tycutw -DuurNrer umfaßt 20 Seiten. Die revolutionäre Volksbewegung in Rußland ?eigt jetzt den Charakter natronalerSonderbestreb- ungen, deren BrcnnMnkte in Finnland, Polen und im Kaiikasus liegen. Tas bedeutet die größte Gefahr für den Bestand des russischen Reiches, denn wenn sich auch der Zar zur Gewährung noch weitgehenderer politischer Rechte an das Volk bereit finden st:ße, in die Lösung einzelner Glieder vom Äcichsverband würde er keinenfalls cinwilligen. Mit Recht meint die „Kreuzztg.", diese nationalen Sonderbe- fttebungen könnten sehr schnell zum Hebel in der Hand ter von Witte gefürchteten „(Gesellschaft" tverden, die seinem Reformprogramm erbitterten Widerstand entgegensetzt und den Zaren zugunsten der schärfsten Reaktionspolitik zu beeinflussen sucht. Tic nationale Sonderbew^gung gewinnt nach ben neuesten Telegrammen an Ausdehnung: wenn sie erst aas solchen Ideen leicht zugängliche Landvolk erfaßt, bann mag man da? Blaue vom politischen Himmel herunter versprechen, oder erneut zum Schreckensregiment übergehen — man wird nichts ausrichten. Tie Bedeutung der nationalen Sonderbeftrcbungen für des Ausland liegt auf der Hand. Deutschland kann sich ruf eine Verschärfung der Polen ge fahr gefaßt machen, denn die Träume von einem selbständigen oolnischen Reiche müssen auch bei den preußischen Polen Gestalt gewinnen, wenn das ehemalige Kongreßpolen sich von Rußland trennen sollte. Für Oesterreich gilt dasselbe inbezug auf die galizischen Polen. An der Entwicklung der Tinge in Finnland sind die nordischen Ciaaten interessiert, oic selbst erst eine, allerdings friedliche, bin Wälzung erfahren haben, und die Zustände im Kaukasus, wo völlige Anarchie herrschen soll, können für den Frieden im ganzen Orient bedrohlich werden. Je kräftiger also die auf Selbständigkeit gerichtete Bewegung in Rußland sich regt, desto mehr wird sie zu einer internationalen Gefahr. Tas Volk in den Städten kennt in seinen Forderungen kein Maß, und so bleibt an- steinend die letzte Hoffnung Wittes, daß bei der Land-- b^völlerung die Besonnenheit die Oberhand behält auch gegenüber den nationalen Sondcrbestrebungrn. Andernfalls gerät Graf Witte mit seinem Reformprogramm zwischen zrvei Strömungen, die ihn zn.m Scheitern oringen. Ein hoher russischer Diplomat ist von einem deutschen Journalisten befragt worden Es scheint danach, daß die berliner Vertretung des Zaren vorläufig im wesentlichen efrenfo auf die Zeitungsnachrichten angewiesen ist wie das i brige Publikum. Ter letzte, am 1. November eingetroffene Courier ans Petersburg ist aut dem Seew.'gc über Kopenhagen nach Berlin gekommen und hat in der Hauptsache Nachrichten gebracht, die zum größten Teil bis in den Infana des Monats Oktober zurücktiegen. Ter Gewährsmann der Korrespondenz teilt in großen Zügen die von Professor Schiemann in der , Kreuzztg." vertretene Ansicht, daß bei den maßlosen und unausführbaren Forderunaen t -r Revolutionäre eine sofortig? gedeihliche Entwicklung der treuen Staats form en kaum mealich sein wird. Tie Amnestie für die unter dem bisherigen Regime politisch Bestraften sei eine logische Folge der gewährten freihcttllchen Zugeständnisse, da jene für "in? Idee gelitten hätten, welche mau jei>t regierungsseits als berechtigt anerkannt habe. Tie Frage, ob wohl Großfürst Cyrill von einer folck)en Limnestie betreffen würde, beantwortete der russische T-plo- mat indirekt. Die Enthebung d^s Großfürsten von seinen militärischen Würden sei die Strafe für ein Berge h e n gegen bie Bestimmungen der orthodoxen Kirch e, die lcdialich aus gesuudhettlichen Rücksichten — nicht wie in England aus Gründen der Si 'tsverfassung — die Ehe zwischen Geschwisterkindern nicht g e st a t t e t. Tie gewährte Religionsfreiheit sähe wohl neue Heftimmungcn für Mischehen, Taufe von Kindern aus solchen Ehen usw. vor: die Satzungen innerlrnlb der orthodoxen Kirche jedoch blieben durch die konstitutionelle Einführung der Gleichberechtigung al'er R?l gionen unberührt. Eine Parallele sei in Deutschland dadurch geboten, daß z. B. das Gericht eine katholische Elte trennen könne, die religiös- giltige Lösung einer solchen Ehe aber nur dem Papste z>ustehe. Die Stimmung am Zarenhofe soll gedrückt sein. Do 2111 c n t n t 5 g c r ü cb t c durch die Luft schwirren, find, zur Dewockn'ng der Person des Zaren die denkbar größten Dorsichts- maßregeln getroffen und die treuesten Diener herangezogen wor- d.rn, die den Dienst abweckf.lnd verfehm: auch die Lindoftancr, die die Zarentochter bewachen, werden auf das schärffte be- ^"^T^ie^'M in i ster und Mitglieder des kaiserlichen Rates hielten am 2. d. M. im Marrne-Palast eine Beratung ab, um über die Amnestie zu beschließen. Tie große Mehr- Beit der Versammelten war der Ansicht, daß eine umfassende politische Amnestie erfolgen müsse, um den Aufstand uieder- xuwerfen. Eine unvollständige Amnestie würde nur die Fortsetzung der Unruhen bedeuten. Der kaiserliche UkaS, betreffend den Erlaß einer Amnestie iift am 3. d. M. unterzeichnet worden. Tas Amnestiegesetz soll umwandeln: Lebenslängliche foaft in 15 Jahre, 15 Jahre Hast in ?V2 Jahre, 4 Jahre iin Deportation. Die übrigen Strafen werden aufgehoben. Ter Wortlaut des Dekretes, welches die Preß- ffreiheit gewährt, liegt in der Redaktion der „Nowoje ^remja" zur Einsicht aus. Graf Witte hat die Chefredak- öeure der Petersburger Blätter ersucht, von dem Inhalt Kenninis zu nehmen und ihm eventuell Abänderungsvorschläge zu machen. Las soeben veröffentlichte Gesetz über den Mi- me Wohnung befindet sich jq Krcnzpilch 3 yauje des pem, H. Metta Heimer. Friedrica Keil Lchuhmacher. .sckschriti ö m Den nu)Deni//ai schll üblich eritrnl. JiurfM 6 b'i 'Jlcutu : TdH miuayi v. Ll —'l\ zessionen annulliert. In Tokio herrscht großer Unwille, weil die dortige britische Gesandtschaft einen deutschen Arzt anstelltc (?). Der Vorstand des ärztlichen Verein? für Gcoß-Bcitanien ist deswegen beim auswärtigen Amte vorstellig geworden. Paris, 3. Nov. Der König der Hellenen ist heute nachmittag hier eingetroffcn; er wurde von Vertretern deS Präsidenten Loubet und des Ministerpräsidenten Rouvier auf dem Bahnhof begrüßt. — General Andre hat sich gedrängt gesuhlt, für Delcassä einzutreten. Er sagte: Delcaffß bat seinem Lande große Dienste geleistet, er bat uns Freundschaften erworben. Wir waren stark und hätten dies benützen sollen. Wir haben nicht daran verzweifelt, Elsaß-Lothringen zurückzu erobern. Wir bereiten uns darauf vor und im günstigen Aligenblick weichen wir vor der Verantwortlichkeit zurück. Wien, 3. November. (N ic d crö st er re i ch isch er Landtag.) Seitz (Sozialist) behauptet, bei der gestrigen Wahlrechtsdemonstration habe die Polizei unerhörte Noheitsaktc begangen, die von den leitenden Personen der Polizei geplant seien. Die Cbristlichsozialen richten gleichfalls an den Statthalter eine Anfrage, in der sie er- klären, daß die gestrigen Exzesse durch die Agitationen der jüdischen Sozialisten hcrvorgerufen seien, und fragen die Ne- gierung, ob sie willens fei, derartigen Ausschreitungen mit der nötigen Energie entgegenzutreten. Statthalter Gras Kielmannscgg verliest den Polizeibericht, welcher besagt, daß nach Schluß der gestrigen WahlrcchtSversammlung 5 bis 6000 Personen auf die Ningstraße zogen und sich der Aufforderung der Polizei, die das Vordringen der Menge zur Hofburg verhindern sollte, abzuziehen, widersetzte. 9((5 die Menge in ihrem aggressiven Verhalten verharrte und auf die Polizei mit Stöcken ein hieb, machte die Polizei von der Waffe Gebrauch, bis die Menge flüchtete Während der Szenen ivurden 4 0 Personen verletzt und 17 verhaftet. Der Statthalter fügt hinzu, er habe den Polizeipräsidenten aufgefordcrt, schon jetzt durch entsprechende Maßregeln Sorge zu treffen, damit den Aus- schreitlingen wirksani cntgegengetreten werden könne. Der Statthalter weist sodann die Behauptung zurück, daß die Re- gierung für gestern besondere Maßregeln getroffen habe, und richtet unter Hiiiweis darauf, daß die Behandlung der Frage des allgemeinen Wahlrechts in Oesterreich bereits auf gesetzl icheni Wege in Angriff gen o m in.en sei, einen Appell an die Bcvölkeriing, Kundgebungen zu unterlaffen. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Während der Sitzung kain es wiederholt zu Zusauiin e nstö ß en zwischen den Christlich-Sozialen und dem Sozialisten Scitz, so daß einmal die Sitzung unterbrochen iverden mußte. — Blättermeldungen zufolge sind bei den Zusaininen- stüßen zivischcn Polizei und Wahlrechts - Teinonslranten 12 Personen schwer iind liiehrcre hundert leicht verletzt worden. Das Verhalten der Polizei wird scharf oeriirtciU. Fast übereinstimmend wird mitgeteilt, daß die Polizei ohne ersichtlichen Grund einen Säbelaiigriff gegen die Menge eröffnet habe. Einem Hörer der technischen Hochschule wiirde von einem Polizisten ein Auge ausgestochen. In der Vetsammliing erklärten die Redner aller Nationen, daß der Kampf für daS allgemeine Wahlrecht mit allen Mitteln werde geführt und nötigenfalls „russisch'' vorgegangen werden würde. Budapest, 4. Nov. Die Installation der auf Vorschlag des Ministeriums Fejervary ernannten Obergefpäne begegnet in den Komitaten Schwierigkeiten, da die Opposition die EideSleistling der neuen Obergefpäne verhindern tvill. Hente.kam es in Klausenburg zu dem ersten Zusammenstoß. Als der Obergespan Graf Tcleki im Sitzungssaal erschien, wurde er mit stürmischen Abzugrufen empfangen. Es kam zu großen Tumulten, wobei der Obergespan vom Galerie-Piiblikum mit faulen Eiern beworfen und von dlusschußmitglicdern mit aufgehobenen Stühlen bedroht wurde, sodaß er nur von Bcaniten geschützt tverden konnte. Ter Obergespan verlas ra>ch die Eidesformel und verließ den Saal. Tas Mitglied des MumzipalauSschusscs Sandor, der einen Stuhl gegen den Obergespan schleuderte, wurde verhaftet. Jedermann hat Zutritt. Nichtmitglieder zahlen 30 Pfg. zu Gunsten der Sterbekaste. ** DaS Promenadenkonzert fällt morgen, Sonntag, aus. — Geflügelschau. Die am Donnerstag auf LonyS Bierkeller abgehaltene Geflügelschau deS Geflügel- und VogclzuchtvereinS Gießen und Umgegend 18 9 7 war recht zahlreich beschickt und gab ein anschauliches Bild von dem Fortschritt der Geflügelzucht in unserer Gegend. ES waren meist vorzügliche Stämme vorhanden und der Preisrichter H. Marten sen. von Lehrte i. Hann, konnte für Hühner und Großgeflügel folgende Prämien zusprechen: Fr. Becker hier 1 ersten, 5 zweite, 2 dritte und 3 vierte Preise, Ludwig Hanau hier 2 erste, 3 zweite, 1 dritten und 2 vierte Preise, L. Troß hier 2 erste, 2 zweit-, 2 dritte lind 1 vierten Preis, Conrad Rübs am en hier 2 erste, 1 dritten und 1 vierten Preis, K. Heinzerling hier 1 ersten, 1 zweiten, 1 dritten und 1 vierten Preis, Äug. Schwan hier 2 erste und 1 vierten Preis, Georg Bichler hier 2 erste Preise, Oekonomierat Hoffmann-Hof Gull 1 ersten Preis, C. Tickhaus hier 1 zweiten und 1 dritten Preis, L. Jochem hier 1 zweiten Preis und H. Jentzen hier 1 dritten Preis. Für Tauben wurden folgende Auszeichnungen vergeben: Apotheker Schwieder 3 erste, 4 zweite, 2 dritte und 3 vierte Preise, Ferdinand Schmidt 4 erste, 2 zweite, 2 dritte und 3 vierte, Restaurateur Ruth 1 ersten, 1 zweiten, Restaurateur Dickhaus 1 ersten, 1 zweiten, H. Jentzen 1 zweiten, l dritten, L. Reitzel 1 zweiten, 1 dritten, Adolf Möhl 1 dritten und 1 vierten, Fr. Rosenbaum 1 dritten und 1 vierten Preis. "Ein Pferd deS Petroleumhändlers Reusch Deren b c t c gestern abend gegen 7 Uhr auf der Lahn- b rücke. ----- Ehringshausen, 4. Nov. Sehr nobel benahm üch der hiesige Ziegenzucht vere in. Er versteigerte nämlich cm Prachtexemplar von Ziegenbock für 18 Mk. und nahm itachher dem Steigerer beim Äbholen des Bockes nurlOMk. als Kaufpreis ab. Mainz, 2. Nov. Einen Na u bm o rd versuch verübten in der vergangenen Nacht auf der Rhcinstraßc die 17» und 20jährigen Schiffer Eschner von hier und Ferdinand aus Kastel und der 21jährige Metallschleifer Schäfer von hier. Tic Burschen sielen zwei Studenten mit dem Rufe: „Geld her oder das Leben!" an. Die lieber» 'allenen drangen aber auf die Burschen ein und als andere Passanten hmzukamen, flüchteten die Räuber. Heute nachmittag gelang es der Polizei, sie zll verhaften. In der- ’clbcti Nacht wurden in der Altenauerstraße mehrere junge Leute von drei Wegelagerern angefallen und zu berauben versucht. Es wird vermutet, daß auch in diesem Falle die drei Verhafteten die Täter waren. (Kl. Pr.) Alzey, 2. Nov. Heute nachmittag sand eine Sitzling der Stadtverordneten statt mit der Tagesordnung Wahl des Bürgermeisters. Der seitherige Bürgermeister, Herr Tr. Heinrich Stitor, wurde einstimmig ivi ed ergewä hlt. Die jetzige Wahlzeit beträgt zwölf Jahre. (M. A.) * .kleine 9)1 i t f e i 1 n n n e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ter Mitinhaber der weit bekannten großen F r a n k k n r t e r Eisenwareukurzhaudlung en gros Karl Marblirg, N u d o l f W i l h e l m M a r b u r g, ist im Älter von 64 Jahren gestochen. — In Hana u beschloß die Bäckermnung den Preis hn >ede Sorte Brot um 2 Pfennig pro Laib zu e r h o b e n. Begrülldel n'ird dieser Preisaustchlag unter Hinweis ouf die Verteuerung der Dteblpreiie. Aehnliche Preiserhöhungen haben die Bäcker in aiideren Orteii der Gegend eintreteit lasten. — Am 5. November begehen die Eheleute Friedrich Wilhelm 91 a u m o n n und Frau Johanctte geb. Wagner das Fest der silbernen Hochzeit in Klein- Linde n. • Eisenbahn Unfälle mehren sich auch in Italien in beunruhigender Weise. Vorgestern fand ein Zusammenstoß bei Abbiategrasso statt, gestern eine Ziigentgleisiing auf dem Zentralbahnhof z,l Mailand und ein Zusammenstoß zweier Züge der Mailänder Nordbahn, bei dem 2 0 Personen leicht verwundet wurden. Gießener Strafkammer. Aus Stadt and Kautz. Gießen, 4. November 1905. ' Zum N eformati onS fest. Morgen feiern die Evangelischen Christen in ihren Kirchen das Neformationsfest, das der Erinnerung an den Tag gewidmet ist, an dem der Augustmermönch Martin Luther durch den Anschlag seiner 95 Tcheseu an der Schloßkirche zu Wittenberg den Anstoß gab zil der geivaltigen religiösen und weltpolitischen Be- wegimg, die in den nächsten Jahrhunderten die ganze daumls bekannte Kulturwelt ergriff. Vor allem daS deutsche Volk hat Ursache, den Tag als einen Markstein seiner nationalen Entivickelung zu bezeichnen, denn ivenn auch die konfessionelle Spaltung zunächst die unseligen Religionskriege im Gefolge hatte, so ist doch die Vertiefung deS deutschen Geisteslebens, der Grundsatz der GewiffenSfreiheit und der edle friedliche Weitkainpf der verschiedenen Konfessionen, den die Tat Luthers im Laufe der Zeit hervorrief, die haiiptsächlichste Ursache 311111 sittlichen und materiellen Aufschwung des deutschen Volkes geworden. Möge deshalb der Gedächtnistag der Reformation erneut Gelegenheit geben zur Fassung des Vorsatzes, im Sinne Luthers fortzuarbeiten am geistigen und sittlichen Fortschritt der Menschheit. •• A u S dein Mi l i t.-- Wochen bl. vom 4. November: Wolff, Assist.-Arzt beim Jnf.-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, scheidet am 5. November aus dem Heere aus und wird mit dem 6. November in der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika angestellt. •• Ter evangelische Arbeiterverein veraiistaltet morgen in Steins Garten, beginnend 8 Uhr, einen Familienabend (Stiftungsfest) mit Ansprache von Pfarrer Kraus, Deklamation von Herrn Schufst und Liederoorträge des gemischten Cbo s. Der zweite Teil des Programms bildet eine „Bunte Bühne", heitere Tichtunaen und Kompositionen, ausgewählt von SUim'lnxirtcn. ES ist das ein Versuch, der Freunde schöner Darbietungen zum Besuche einlaben wird. )( Gießen, 3. Nov. Tie Firma B. u. D. hier ließ ohne baupolizeiliche Genchrnig- ung in der Marburgerstraße eine Hausentwässerungsanlage Herrichten. Wegen Ucbertretung der allgemeinen Bauordnung in Verbindung mit Uebertretung der baupolizeilichen Verordnung für die Stadt Gießen, ging jedem der Firmeninhaber ein Strafbefehl über 10 Mart zu. Während B. den Strafbefehl rechtskräftig werden ließ, erhob D. Widerspruch in der Annahme, daß es nicht erforderlich sei, daß beide Inhaber bestraft zu tverden brauchen. Das Schöffengericht erkannte auch auf Freisprechung, aber die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an und führte aus, daß, da jeden der Teilhaber die gleiche Schuld trifft, auch jeder bestraft werden müsse. Das Urteil wurde demgemäß aufgehoben und D. in die im Strafbefehl angedrohte Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt. — Bei dem in dem Elsoff er sch en Anwesen in der Marktstraße kürzlich ausgebrochenen Brande haben sich einige Feuerwehrleute Porzellanwaren aus dem Schutt mitgenommen. Drei dieser Leute, die inzwischen aus dem Feuerwehrtorps ansaestvßen wurden, erhielten durch das Schöffengericht wegen Diebstahls je eine Woche Gefängnis. Heinr. M. erhob gegen das Urteil Berufung und behauptete, daß das, was er mitgenommen hat, wertlos war. Demgegenüber wurde festgestellt, daß er nicht weniger als vierzig tadellose Porzellanteller und eine Anzahl Tassen entwendet hat. Seine Berufung wurde mit dem Anfügen zurückgewiesen, daß die Tat einen groben Vertrauensmißbrauch darstelle, da doch die Feuerwehr auch dazu berufen ist, das Eigentum der Brandbeschädigten zu schützen. — Der Taglöhner Joh. G. von Scbwabcurod, ein wegen Betrugs mehrfach vorbestrafter Mensck», gab in verschiedenen Wirtschaften zu Alsfeld fälschlicherweise ■m, er sei von seinem Dienstherrn geschickt, um Essen für die in der Nähe befindlichen Arbeiter zu bestellen. Dabei ließ er sich bewirten, und verschwand dann, ohne zu zahlen. Einen Wirt veranlaßte er auf Grund eines von ihm gefälschten Zettels, »ur Vergabe eines Darlehns und von einem Kaufmann er- er sich unter falschem Namen Handwerkszeug. Wegen Urkunden salschuug und Betrugs wurde er zu 3 Jahren Ge- ! 9 n c5 r 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Mit Rück- sicht auf fein sofortiges umfassendes Geständnis, wurde ihm die Unlcrsuchungsh ik mit einem Monat angerechnet. Ocrichlslaal. -X" Standgericht Gießen. Gestern nachmittag wurde in der alten slaierne eine Standgerichtsverhandlung gegen den Siir Rescnie entlassenen ehemaligen Musketier Albert Klein vom 87. Jns.-Regt. gehalten. Der Gerichtshof bestand aus M/^"r Kveuder als Vorsitzender, Hauptmann Giese und Overleutnant See- bold als Beisitzer. Leutnant Wolf vertrat die Anklage, welch« aus Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft, die sich als Drohung darstellt, lautete. Der Angellagte wurde wiederholt während seiner Dienstzeit wegen Urlaubsüberschreitung bestraft und es handelte sich fast immer darum, daß er sich einen Rausch angetrunken und dann nicht mehr rechtzeitig in die Kaserne zurückkehrte. Ebenso erging cs ihm am Abend des 8. September dieses Jahres, an welchem Tage die 87 er die Kaiserparade mitgemacht hatten. Gegen ’-?12 Uhr nachts brockte das Mädchen des Angeklagten diesen in schwer bezechtem Zustand vor das Kasementor in Mainz. Der wachehabende Gefreite und noch ein Mann der Wache hatten Mühe, den Trunkenen auf seine Stube zu bringen. Am nächsten Vormittag um 9 Uhr suchte dieser den Wachhabenden auf und frug, ob er den Vorfall melden wolle, w's dieser bejahte. Ter Angeklagte meinte daraus, wenn jener das tue und er kriege ihn später einmal, so schlage er ihm die Knochen im Leibe entzwei oder werfe ihn die Trevpe himmtcr. Nach 'der Bekundung der Zeugen bc3 Vorfalls hatte der Angeklagte dabei mit der Faust gedroht, so daß die Wachmannschaft angenommen Hobe, Klein wolle den Wachhabenden schlagen. Tas Standgericht erkannte _ auf 4 Wochen strengen Arrest, und begründete das Strafmaß damit, daß der Angeklagte, trotibcm er mehrfach vorbestraft fei, doch wieder über Unaub ansgeblicben sei. Der Anlläger batte 3 Docken strengen Arrest beantragt. [] Marburg, 3. Nov. Ter verheiratete Schneider Heinrich Matthäi aus Sichertshausen wurde beute vor der Stra komm er wegen eines an einem Kinde begangenen Sittlich, k e i t 4 v e r b r e ch e n s zn V, Jahren Gefängnis verurteilt. — Weiter erschien als Angeklagter der berüchtigte P'erdedieb Heinrich Glatthaar von hier, der im Juli in Köln 1700 Mk. gestohlen und dann im Kreise Ziegenhain sieben Einbrüche und Diebstähle verübt hatte. Er wurde einstweilen zu fünf Jahren Zuchi- h a ii s verurteilt, da etwa 20 andere Anklagen noch nicht spruchreif sind. In welch frivoler Weise oft mit dem Zeugeneid umgegangen wird, zeigte eine Verhandluna. die bei Schwurg-ri^'t Berlin I beschäftigte. Der technische Tircktor R. einer Hofbuchdruckerei Hute in eir-m Ehescheidungsvrozcß mit feiner Frau eine auf Ehebruch gestützte Widerllage erhoben. Diese mürbe in erster Instanz zurückgewiesen, bsr Klage der Ehefrau dagegen stattgegeben und R. kostenpflichtig Der- urteilt. In der zweiten Instanz vor dem Kammergericht nannte R. plötzlich den Koch F'.ihg als Zeugen, der über gewisse Tingc ein ^Aussage macken sollte, wodurch die Fran schwer belastet wurde. Fuhg bekundete vor dem Kammergericht auch verschiedene Tatsachen, die des Ergebnis der ersten Instanz völlig umstürzten und das Kammergericht zu einer wesentlich anderen ^litscheidimg hatten kommen lassen müssen. Bevor indessen das Urteil in der zweiten Instanz gefällt wurde, packte den neu misgetauchten Zeugen die Neue. Er richtete an das Okrid’t ein Schreiben, worin er jene Aussagen widerrief, und zugleich erklärte, von N. zu der falschen Bekundung verleitet worden zu sein. N. habe ihm eine goldene Uhr und ein paar lvindert Mark versprochen. Tie F-olge dieser Erklärung war die Anklage gegen Fuh.i wegen Meineides Der Gerichtshof erkannte auf 4 Monate und 15 Tage Gefängnis. Mailand, 3. Nov. Cotti, der ehemalige Kassierer der Elektrizitätsgesellschaft Edison, der Aktien im Werte von 1 200 000 Lire unterschlagen hatte, wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Arbrilcrkewl'qunK. Gera, 3. Nov. Bis gestern abend Hot eine große Anzahl Arbeiter der Ortsgruppe Gera sich 'zur Wiederaufnahme der Arbeit nach dem neuen Tarif gemeldet. Die Betriebe werden denn auch Montag eröffnet, wenn in den übrigen Ortsgruppen des Verbundes sich genügend Arbeitswillige gemeldet haben. lB. Tst Tcr Streik der Bediensteten der b ö h m i s ch e n Staats- bahn in Form von Obstruktion durch'wortgetreue AnsfüHnou? der Dienstvorschriften nach italienischem Muster hat seit beute auch auf die böhmischen Privatbahnen übergegriffen Ter Verkehr der Versoneuzüge in Böhmen erleidet Verspäwngen bis zu drei Stunden. ßilcNlaljn-Zcilurq. Berlin, 3. Nov. Eine Eisenbahnkouferenz, an der die Präsidenten der preußischen Eisenb'hndirektionen und der Gte’ neraldirektion in Straßburg teilnehmen, hat heute begonnen Erörtert wurden toübtige Fwagen des Eisenbahnwesens, insbesondere auch die Frage, in welcher Weise den schweren Unfällen der letzten Zeit vorgebeugt werden könne. Nach Beendigung der Beratungen waren die Eisenbahndirektionspräsidenten bei dem Minister v. Budde zu Tisch geladen. Hnndet und ynkeljr. Volkswirtschaft. — Der NeichSbank-DrSkont wurde von 5 pkt, auf 5 ', pCt. erhöht. Die Lage in Rußland. Der neuesten Gestaltung der Verhältnisse auf politisch-sozialem Gebiete wird ein ganz ungewöhnlich geringes Vertrauen seitens der Finanzwelt entgegen» gebracht. Es ist noch nie seit Anfang des japanischen Krieges, auch in den schlimmsten Zeiten nicht, so skeptisch von den tonangebenden Finanzmännern geurteilt worden, wie gerade jetzt Vielerseits wird gesagt, daß der Staat jetzt erst recht nicht dem Kvnstitutionalismus sondern dem Anarchismus verfallen werde. Jedenfalls gehen die Russenwerte wieder ständig zurück. Es schein, uns, daß schließlich nur noch die schwärzesten Pessimisten auch recht behalten werden. Der neueste Reichsbankausweis, der eine Steigerung der steuerpflichtigen Noten um 120,95 Mill. Mk. gebrach! hat, hat einen recht ungünstigen Eindruck hervorgerufen. Es hat die Steuerpflicht sich von 25,5 auf 146,5 Mill. Mk. erhöht. In der gleichen Zeit des Vorjahres bestand eine steuerfreie Notenrescrve, die sich von 73 aus 22,9 Mill. Mk. vermindert hatte. Die Inanspruchnahme der Bank auf Wechselkonto war diesmal mit 73 Mill. Mk. recht beträchtlich Der Metallbestand betrug im vorigen Jahre 902 Mill. Mk., der Notenumlauf 1379 Mill. Mark. Reichsbank. Am 13. November wird ins Sensburg (Ostpr.) eine von der Ncicl^sbankstelle in Allenstein abhängige Reichsb.anknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Plutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft uni Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). Inl-alt vom 44. .Heft des zweiten Jahrganges: Erzherzog Friedrich: Kartelle zur Lutherzeit. Don Hans Leuß-Potsdarn: Revue der Presse: Börsen-Kritik: Lurembi'.rger Agio: Japans Schiff-hrt: Nerlinei Theateranf.ang und Villettpreise: Neue Bank-Aktien: Oeffent- tichkeit uni) Generalversammlung: Erziehung durch Inserate: Gedanken über den Geldmarkt: Aus Fabrik und Werkstatt: Cbeft und Angestellte: Emissionen: Gcneralversammlunaen. lAbonne- ment vierteljährlich '3.50 Mk. Verlag, Berlin-Charlottenburg, Goethestr. 69.) Märkte. Gießen, 4. Nov. Marktbericht. 9(itf heutigem Wocheninackt kosteten: Butter vr. Psd. 1.10—1.1b Mk.. Hühnereier 1 St. 8-9 Mg 2 Stck. 00-00 Pia.. Gänseeier 15—00 Psg., Enteneier 6—7 Psg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Stck. 5—6 Pig. Erbken vr. Liter 21 Linken vr. Liter 32 Psg., Tauben vr. Paar0,80- 0,90 D!k., Hühner pr.Lt. 1.00-1,60 Pik., Lahne pr. Stück 0,80—1,80 Dik., Emen pr. Stück 1,80—2,20 Mk.. Gäule vr. Psd. 60-75 Psg., Ochseusteisch pr. Md. 72—82 Big.. Kuh- und Rindfleisch vr. Piuud 70—72 Psg., Schiveinc- steisch vr. Pfttnd 80—90 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Plund 94 Psg., Kalbfleisch pr. Pid. 70—80 Psg., Hammelfleisch pr. l'funi 50—76 Pig. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg 5,00—5,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Dlk., NNlch per Litei 20 Pfg., Aepsel uer Mund 10 bis 25 Pfg., in Körben 00 Pig., Nüsse 100 Stück 30 - 40 Psg,, Birnen per Zentner 6 bis 10 Weißkraut 0.07—0.10 Mk. Marktzeit 8—2 Uhr. Handel' des Tie Revolution in Rußland. Einem Tele 3% das Großh. Hoflager in das Residenzschloß 114.20 67 95 Gotthardbahu . 97.60 Böroc, 4. Nov., Anfangskurse. c"/, ahmnngen anfreden. 3 Chr. Walh i M 17 Marktplatz 17 Siclierheits-Seilwinden Gegründet 1826 Telephon 262 Prospekt gratis. BV, Es suchen Arbeit: Lslz- nah EifentFeit schvHWe Tafchlikkeil [B4/, te. Wallenfels 17 Marktplatz 67 Gegründet 1826. Telephon 262. 5688 253.00 140.00 Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn . Prince-Henri-Eisenbahn 4. Nov. Im Vorwärts wird heute die h-r entlassenen Redakteure auf die Parteivorstandes und der Preß-Kommission znm lahrioden von Lasten. und alsdann Antwort zu Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schnckert . . Eschweiler Bergwerk 4 Oesterr. Goldrente. . 41/g9< Oesterr. Silberrente 4°ü 4% 25.30 143.50 127.20 einem späteren Stadium der Polemik antworten alles zusammen fasten, um seinen Gegnern geben. Harpen er Bergwerk Laurah'itte . . Lombarden E. B Nordd. Lloyd . . Türkenlose . . . Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . niedrige persönliche Rachegefühle zu befriedigen. Im Anschluß an die Antwort des ParteivorstandeS und der Preß-Kommission werden noch Erklärungen Bebels und anderer Parteiführer veröffentlicht, die sich mit derselben Angelegenheit beschäftigen. Bebel will auf die ihn persönlich betreffenden Anzapfungen der .edlen sechs" erst in 143.50' 135.10 272.50 a L eS wird dann verlegt werden. Berlin, Erwiderung Denkschrift des 100.25 100.75 95.35 Reichsanlcihe do. Konsols . . do. . . Hessen . . ■ Oberbesscn 100.80 89.00 101.00 89 05 99.90 Ans der Minna Kkil-Dogt-Stistung sind für das Jahr 1905 drei Gaben •du je 70 Mk. an drei in Gießen wabnhafte, würdige und bedürftige Handwerksmeister oder Witwen von Handwerksmeistern evangelischer Kon- "•ffion, zu vergeben. Bewerbungen sind bis längstens 30 November d. I vim städtischen Armen amt, Nenen-Bäue 2 >, einzureichen Nur selbständige Handwerker oder Witwen selbständiger Hand, oerker können berücksichtigt werden. Versteigerung. Montag, den 6. dö. Mts., nachmittags 2% Uhr sollen dahier, Walltorstr. 6, Darmst. Hans, Haus- u. Küchengeräte aller Art, 2 Ballen Kaffee, 10 Fl. Süd- wein, 1 Kiste mit Spiegelglas, zwei Stämme Werkholz, ein Wagen mit Zubehör, 3 Pferde u. v. a. zwangsweise gegen bar versteigert werden. 5700 Gießen, den 4. November 1905. Seidel, Gerichtsvollzieher. Es sind zu vermieten: 2 Wohnungen von 7 Zimmern, 1 Wohnung von 6 Zimmern, . Wohnungen von 5 Zimmern, 3 Wohnungen von 4 Zimmern, 4 Wohnungen von 3 Zimmern, 2 Wohnungen von 2 Zimmern, 2 Zimmer und 2 Kabinette, 1 unmöbl. und 1 möbliertes Zimmer, AuS den Zinsen der Cnbroiffe-Stiftung und der Echternach-Stroh. Stiftung sind Anfang Januar kommenden Ja'reS Koblen für arme Jannlieit zu vergeben. Anmelvunoen werden aus dem Armenamt, Neuen- Baue 25, Zimmer 2, während der GeschäftSstunden bis 30. Noveulber 1905 Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag den 5. November 1905: Zeitweise heiter, trocken. Nach kühlerer Nackt Temperatur am Tage wenig verändert. Leichter Nachtfrost und stellenweise Morgennebel. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. ES können eingestellt werden: 2 landwirtschastl. Mägde, 6 Bergleute. 3 Arbeiter zum Brikett- verladen, 3 Steinbrucharbeiter, Bau- und Maschinenschlosser, Dreher, 1 Brödckenträgerm, Cchiwider, 1 Friseur, 2 Schuhmacher, 1 jünaerer Hatisbursche, 1 Glaser, Erdarbeiler, 1 Weißbinder, 1 Installateur, 1 Zimmermann, 1 Maurer, 1 Buchdrucker, Verkäuferinnen, Dienstmädchen, Lauffratten imb Laufinädcken. Lehrlinge: 1 Schlaffer, 1 Schmied, 1 Posamentier, 1 Schreiner. mtgkgen genommen. Gießen, den 3. November 1905. Tic Armen-Tepntation der Stadt Gießen. Cnrfcbmann. Möbelfabrik-Lager Th. Brück gegr. 1858. Aeltestes und größtes Geschäft dieser Branche in Ober« heffen. 10 Schaufenster, 100 Zimmereinrichtungen. Ecke Schloß- gaffe — Kanzleiberg — Brandplatz gegenüber dem renovierten alten Schloß in welchem das Museum des Oberhessischen Geschichtsvcrcins. sich befindet. 6T0- j 3WC 3% 314°/- 3% 3M70 Wi< Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Glessen. Frankfurter Börse. 4 Nnv.. 1.15 Uhr. Bochum Guss .... Buderus E. W. . . . Tendenz: behauptet Berliner Canada E. B..... Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . Dortmunder Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: fest 68.10 67.90 95 90 95.10 90 20 137.— 53.00 90.60 Math! Praktisch! Bewährt! (J||^ . 177.2s . . 151.20 . . 243 501 . . 184.701 . . 191.10 . . 67.20 . . 211.10 Einsicht der Beteiligten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Allendorf a. d. Lahn, am 3. November 1905. Eroßherzogliche Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn. Solk. Sport. O Fußball. Morgen, Sonntag nachmittags 3 Uhr, findet ein Verbands-Wettspiel auf dem Trieb zwischen dem Offenbacher Jnßballclub Viktoria I. Mannschaft und dem Gießener Ballspielclub statt. Ph. toiirlh & Co.Fr”“ Zucker (gemahlen) 5502 10 Pfund Mk. 2.— empfiehlt Georg Wallenfels Marktplatz 21 — Telephon 46 gegenüber der Engelapolhete. veröffentlicht. Die Redakteure haben den Vorwärts unter Berufung auf den § 11 des PreßqesetzeS nochmals ersucht, ihre Entgegnung ohne jede Aenderunq in der nächsten Nummer abzudrucken. In der Antwort fordern Parteivorstand und Preß-Kommisfion hinsichtlich der Behauptung, daß die entlaffenen Redakteure die Partei von den bösen Einflüssen hätten retten wollen, die der Parteivorstand oder einzelne feiner Mitglieder geltend zu machen versucht hätten, statt unbestimmter zweideutiger Behauptungen und Verdächtigungen Beweise. So lange diese Beweise nicht erbracht würden, müßten diese Beschuldigungen und Verdächtigungen als Verleumdung bezeichnet werden. Die Forderung, den zwischen den Redakteuren und dem Parteivorstand gepflogenen Schriftwechsel unverkürzt zu veröffentlichen, werde in dem geeignet erscheinenden Augenblick mit großem Vergnügen erfüllt werden. Sei doch u. a. durch diesen Schriftwechsel der Kanal aufgedeckt worden, durch den die falschen Darstellungen über die Vorkommnisse in der 15er-Kommisfion des Jenaer Parteitages in die „Berliner Volkszeitung" gelangte. In der Antwort werden alsdann verschiedene Behauptungen der entlassenen Redakteure zu widerlegen versucht und zum Schluß erklärt, daß die Anklagen und Verdächtigungen den Charakter bekämen, sie handelten nicht au8 edlen Motiven im Interesse der Partei, sondern nur um . 176.00 . 151.50 . 243.20 . 102.20 . 167.40 trwiqinal-Draljimksvnnqen. Darmstadt, 4. Rovbr. Das Großherz o gliche Paar wird Montag früh von Paris zurückkehren. Prinz und Prinzessin Heinrich werden Montag abend hier erwartet; Petersburg, 4. Nov. (Pet. Teb-Ag.) omm aus Tomsk zufolge griffen Gruppen von An. MWer WohiliiilMchiveis ßiefitn Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 14. lGeschästsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) Gelsenkirchen Bergwerk . 236.50 Hamburg-Amerik. Paketf. 171.80 Harpener Bergwerk. . . 218.20. Lanrahntte..... 264.5Q Nordd. Lloyd ..... 131.60 Oberschic«. Eisen-Industrie 138.40 Ungar. Goldrente . . Italien. Rente . . . Portugiesen Serie I . Portugiesen „ III überall erhältlich. b' 8 in der Entwicklung odet beim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich mattfühlende und nervöse^ überarbeitete, leicht erregbare Erwachsene jeden Alters gebrauchen als Kräftigungs-Mittel mit grossem Erfolg Di! HOWEI/s Haernntesen. Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, da* Ge- samt-Nervensystem gestärkt. Man verlange jedoch ausdrücklich das echte „T>r. Hom mel’s ‘ Haemntogen und lasse sich keine der vielen Nach- . 264.00 . 25.05 . 131 70 . 136.20 Nurs;. nbahnkochrenz, an dn y 'hndireklionen und m ' frmen, hat heute beM5 Hsenbahnwe|cns,msb-ie> den schweren Nnfalli. Kit könne. ^hndirestionspraildentcn. eben. __ 4^°'n russ.Staatsanl. 1905 4>5° ,, japan. Staatsanleihe 1 % Cour. Türken von 1903 Türkenlose...... 496 Griech. Monopol-Anl. . A 96 äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner . . . . 4X°/o Chinesen . . Aktien: Hangern der terroristischen Partei eine Versammlung von Liberalen an, die in einem Eisenbahngebäude tagte. Auf beiden Seiten wurde gefeuert. Ws an das Gebäude Feuer angelegt wurde, erhielten die Truppen Befehl zum Feuern. Es gab zahlreiche Verwundete. — Einem Telegramm aus Betum zufolge kam es dort zu einem Zusammenstoß zwischen Manifestanten und Militär, wobei es Tote und Verwundete gab. — Ju Saratow erließ der Gouverneur eine Bekanntmachung, worin er mitteilte, daß Unruhen mit Waffengewalt unterdrückt werden würden. Trotzdem wurden bei Ansammlungen Reden gehalten, die scharfe Angriffe gegen den Kaiser enthielten. Tie Läden und Wohnungen der Juden wurden geplündert, wobei durch das Erplodieren einer Bombe und durch Revolverschüsse zahlreiche Leute getötet und verwundet tour o en. — Aus Sarepta wird gemeldet, daß seit drei Tagen Ausschreitungen der Bevölkerung gegen die Schüler und Juden stattfanden, die Läden der letzteren wurden geplündert. — Tas Mitglied des Reichsrates Obolensky ist zum Oberprokurator des heil. S y n o d s ernannt worden. Petersburg, 3. Nov. Ter kaiserliche Amnestie-- ukas zählt gewisse Kategorien politischer Verurteilter auf? die vollständig begnadigt werden. Bei anderen zu schweren Strafen verurteilten Personen treten große Straf- Herabsetzungen ein. Für politische Vergehen tritt vollständige Begnadigung ein. Kiew, 4. Nov. Seit drei Tagen wüten hier Juden- exzesse. Fast alle jüdischen Magazine und viele Wohnungen sind vernichtet und demoliert. Die zurückgebliebenen Kinder und Greise wurden mißhandelt. Militär und Polizei sehen dem Treiben zu, ohne sich zu rühren. Tie Situation ist verzweifelt. Warschau, 4. Nov. Dem Generalausstand sind die Angestellten des Ma gi str a ts und die Schauspieler des Stadttheaters beigetreten. kont wurde von 5t>6 neueitai Hiete wirb ein ganz ur, Ktz, Wn»* 'ks***i »ssfA empfiehlt von stets frisch eintrefienden Sendungen Aolkmöpse, Msmarckheringe, Aratljeringe, Salzberinge, marinierte Keringe, fe'nffe Aekisrateß-Kksee-Kerinae in Tomaten-, Wein-, Senf-, Champignons- u. Bouillon-Saucen, Sardinen, Sardellen, -Lachs, Kummer, Sardinen in Hel, prima Ochsenzungen in Posen, verschiedene Sorten in nur feinsten cB-StyV Qualitäten. Büchsenfleisch (Corncd bcef) im Ausschnitt und in ganzen Dosen, Aleischpairs, Anetiavispaste in Äbcn uni) $oiei), Krabben, feinsten russischen Caviar, SsHsriue Frauksnrteö Würstchen, Prima Cervelatwurst, 'gnnsi. bcnd Hot eine große & h zur Wiederausifhine fr elbet. Die Betriebe n ben übrigen Dttöffcty gemelkt ljafirn. f?.; böbmifeben Stna! j wvrtgettem Äx'M- nt Mtt V'vt r jntn übtrgcg \ meu erleidet Serif: Bckanntmackung. Ter Loranschlag der Gemeinde BurkhardSfclde« für daS Jahr 1901 liegt vorn 7. November d. Is. an 8 Tage lang zur Einsicht tr Interessenten auf dem Bürgermeistereiburean offen. Burkhardsfelden, den 4. November 1905. Großh. Bürgermeisterei Burkhardsfelden. 6695 Hoffmann. “ Gekannlmachuug. Der Voranschlag der Gemeinde Allendorf a. d. Lahn für 1906 liegt vom 7. November L I. an ackt Tage lang zur . -n- Oocbe»"'^ & ;; «enf|ieC 8 e» rVllör. eil8 - n riV-didervog- ' bst Äff o-m hmmetgeri^t nov 1, !Cn'. über getoipe 2- -j . &rQU lifocr i[ c Mm Ähmmergeri(?’t r 11:9 ber ersten Jnilon; rö'1 ' 5u.emct iresentliS ruber- pviicn. Vevnr indessen k ult wurde, wdle k-n v ' nutete nn das Yferick r totberrief, und -dekundnngvetlei:- golbene Ubr imb ein per je dieser Erklärnno ipnr > . 5 2er Gerichtshof erfom- lis. >tt ehemalige Kassierer > ti'n im Werte von IW uibe zu sechs Jahi- llmDlitt ülnecknemittii aus allerWelt bestätigen, daß es bei Hullen,Heiserkeit,ßals-u.§rull- leidrn. Verschleimung (Katarrh), Üenchhullen kein dergleich. Mittel flieht, welches sich auch nur annähernd mit den feaensreichen Eigenfchaften des Rheinischen Traitben-Brust-Honigs vergleichen könnte. Vorrätig L svl. 0,60,1,1'/, u. 3 Mark bet C. G. Kleinhenn.Delic.-u.Colonialw. in Hießen, Bahnbofstr. 59. 282 2 Treber, 2 Maschinisten oder Heizer, 1 Maschinenschlosser,' 1 Wagner, 1 Schreiner, 2 Wasch- ober Putüranen, 2 Maler ober Anstreicher, 2 §>atlsbnrseben, 1 Kntfcher oder Fahrbürsche, 2 Kellner. Latlffranen (irachnrittags oder abends), 1 Laufmädcben (nachnr.), 1 Köchin event. auch Ticnstbate, Kassierer oder Diener, 3 Bureatl- gebil'en.________________________________________________________________________ Pekltnntmttchnttft. AuS der LouiS Schkid-Sttttung sind am 11. Dezember die bieg, (äfirigtn Zinsen in Gaben nicht unter 20 Mk. an Witwen und Dastcii, armer Kaufleute, oder an arme Kaufleute selbst, fofrrn sic unverschuldet. Not gekommen sind, ohne Unterschied der Konfession zu verteilen. Meldungen nimmt daS Armenamt, Neuen-^äue 25, Zimmer Nr. 2, > \6 20. ds. MtS. mährend der GeschäftSstunden entgegen. von vorzüglichem pikanten Geschmack, Bücklinge, Sprotten rc. Bitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten. e&lr; ? sich Wtem ö . den Tnm!!,' und t: ■Ä Ä«! ^•9, ob i? e ihn sL^nte i^ ^undnng btt oto£t,i' 1 wit bet ! pmen He ■«jggs “F'äs <’4'% 1 Werkstatt. Zn mieten gesucht: 18 Wohirnngen uou 1—7 Zinnnern Tie Verinieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen TEehucrt bis 300 Mk. -einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. ein- Ickließlich 0,50 Mk., imb von mehr als 500 Mk. 1,00 Mk.; außer- sem ist für iede Wohmmgsamneldttng 1,00 Alk. zu hinterlegen. Für die Wohnrtngssuchenden erfolgt die Vermittelung unentgeltlich.__________________________________________________________B4/n LMischer ArbeitMuchivcis kießell. Gartenstratze Nr. 2, Zimmer Nr. 2. Ferd. Nennstiel Plockstrasse 7 Neu I Wirtschafts-Eröffnung Wi.ii. Kohlermann, Neustadt 12 Stuhlschreinerei ^onnmftr. 14 Ga» derobchalter und Kugbäuke 5689 9 Uhr vormittags dir Jahrgänge 1903. 1904 [5650 empfiehlt Konditorei Bettler empfiehlt 5677 heller Kaplansgasse 18 Telephon 399 Oetkefs 2 Madl«. 07514 Bnam. Durch grosse Einkäufe und direkte Abschlüsse mit Gross- Fabrikanten bin ich in der Lage höchst Seltenes zu bieten. 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Mache hiermit die höfliche Mitteilung, daß ich eine Wirtschaft 12 Großer Steinweg 12 Eingang auch von vrünberger Stratze 3 eröffnet habe. — Zum Ausschank bringe nur die besten Biere Weine. Für warmes Krühstück, guten MiltagStisch, loder Altmühitaler Entree 30 Pfg. Sämtliche Reparaturen an Stühlen gut uuö billig. Aenßerst bllllg gestellte Preise. ----- Veste Ausführung Gäste in jeder Weise zuwieden zu stellen. Hochachtungsvoll 1905 der Infanterie. 9. November, 2 Uhr nachmittags sämtliche Jahrgänge der Reserve der Garde, Jäger, Kavallerie, Fcldarttllerie, J-uBQriiMe, Pioniere und Äetkehrsiruppen. 10. November, 8',, Ugr vormittags sämtliche Jahrgänge der Reserve des Trains, Sanitätspersonals, Deterinärversonal-?, sonstige Mannschaften und Marine, sowie die zur Disposition der Truppeu- lelle und Eriatzbehörden entlassenen Maunschasten aller Waffen und die oben unter Nr. 3 Aufgeführten. (Landwehr 1. Aufgebots, denen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Kontrollversammlung zugeht). Es wird folgendes erinnert: 1. Befreinngsgesnche find bis spätestens 8 Tage vor dem Appell durch das Hauptmetdeann einzureichen uno müssen durch die Büraermeiflerelen bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein. Berücksichtigungen können mir in den dringendsten Fällen stattfinden. 2- Jeder Konttollpflichtige ersieht die JahreSklafle, zu der er Männer-Turnverein Sonntag den 5. November 1005: rimiMg über ©fll’bö^cn nch Lsillir. Abmarsch: 2 Uhr pünktlich vom Walltor au8. Nachzügler ireffen den Verein in Vollnr in der Gaslivirtschasl von Weinrich (Zur Traube). v4/.. Der VorNtand. K Rasier- avparaten Ä verschied. Systeme, W wie Napide, Non plu» ultra, Piccolo, D Komfort, Pascha, £4 sowie Sicherheit-» M Rasiermesser Allas m u. Figaro einpfiehlt H unter Garantie Ä Ad Reinig, ” Stahlwareegeschift, «tefc?n, LelierSiveg 80. «an»»,rricha«il. grlr-flnfin« h. ©loffrrd- vraunschwrig, Mndamenwrg 158. ^riinki Suedikdui i?- x J’crwfld., JJcrt'nunnS. ffibrer, Umidfcfrriat, SlelfcrtibtamteM. CteOennadjro Vfbn* SJL t-urch Streiter Nraus«. 11 । ■■■ ■ mot> mnllcrd* CUtftrte 7 Der diesen nicht |» vll ♦ heilt, versündigt sich cua eigenen Leidei Katsch» Brust Caramcllen semschmeckendes Malz-Extrakt. Aerzllich erprobt und empfohlen gegen Husten, Heiserkeit, Katarrh, Berschleimung u. Rachenkatarrhe. 1X10 not.begl.Zeugnisse beweisen, "idlv dah sie halten, ivas sie versprechen. Paket 25 Pfg. Nieder- iage in 8irhto bei U.E. Jughardt, Jnh.Auq. Wallenfels, Marktpl. 15, Georg Wallenfels, Rlarklplotz 21, gegeuüd.d.Enqel-Apoth.Christian Kallenfels, Marktpl. 17, E.Dort, '■ÜtalUorllrQHC 45, L. Steinhäuser; in Mirsrä bei Äug. Seibert. [B7W Bekanntmachung Herbftkontrollvcrsammlnng. ES haben auS der Stadt Gictzeu ans dem Hofe der Alten Kaserne am Landgraf Philipp-Platz zu erscheinen: 1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve. (Klemer Dienstattzug). 2) Die Mannschaften der Reserve, sowie die zur Disposition der Truvvcuicile und der Ersatzbchörden Enllasscncn aller Waffen. 3) Diejcnigctt der Landwehr L Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen cm be'onderec Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei ber Herbsttonttollversammlung zugebl. Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbsttonrroll- Versammlung nicht zu erscheinen. Am 8. November, 9 Uhr vormittags die Jahrgänge 1898, 1899, 1900 der Infanterie, sowie die oben unter Nr. 1 Anf- gefüyrlcn aller Jahrgänge und Waffen (der Reserve), (Offiziere) rc. 8. November, 2 Uhr nachmittags die Jahrgange 1901 und -rci7 1,°sNen «3?g "In» irungSacugntS sind mitzubringen. irgcrticher Kleidung zu erscheinen, Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher weg- Iiuchlsyrup wie Honig aus Brod zu essen per Pfund 30 Pfennig Prima l6021 Speise kartoff ein nur tadellos auserlesene Wan liefert zu den billigste« Tage»« preisen jedes Cuaimnn frei Haut Heinrich Trechsler Tveserstratze 8 Telephon 581 Restaurant Landaras Landgraf Phtlipp-Platz. Liiglich bis 1. Dezember 1905, von abends 8 Uhr an: Großes Preis - Billardspiel I. Preis: Eine goldene Herrenahr PreiSkarte ä 50 Pfg. 5687 wozu ergebenst einladet____________________Karl Vogt. Gamaschen für Jäger, Touristen u.Arbeiter in allen Fatous tn jeder Preislage. Anfertigung nach 2iab. Segeltuchgamaich« von Mt. 2,75 an, la Rmdledcrgamasche in. Fuß von Mk. 7,— an. Marö-Lcl, bestes Konservierungsmittel iür Schuhe u. 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Aus dem Li 'nedberq-Land 2n unserem Nahs tnten. Aus nctior UA Vx s)Äm .tze 2 t 'ix rrixd m ^xy.x'Ä^w Vx\m inte 'vtM'roxxtS lo^ialbemolxa benimmt, V«lh6 fl.^rnnt. Ledensas wel^e bei der letzs Wahlkreises mir el rale Partei erhil vofsnurg brr : Hrr m Vesttebc», drengcn, auf bie < Nch Hießt erfiiüt. bürgerlichen «rarer Porfdii manniT gibt es ff enlichcid.'t: zq. $?frbcn be und der n. b "ernbündleri' d-me retischen Nah ^■linier bei 3 ft» i c j n Q [ t §r die berech R1* > W jei ■ ,j-'e bauer ^ussick'tslr>s 1 unj$ nicht erhält 51 o I b e m o f r Astatischen *. Kandis Z.''rtk>»Neichel erklärt, noch b?r seitberi zulegen. Sämtliche Mannschaften stehen während des ganzen Äontrolltages bis emschlieffltch Mitternacht unter dem Militärgesetz. Dcmgemäsz werden auch Unpünklltchkeit mW Versäumnis der Ztotttrollversamnttmtg bestraft. Gießen, den 3. November 1905. Grosiherzo^ii e ' . . ■ crei Giesie«. I. 23.: Curschmann. Sämtliche Klein- u. 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