Nr. 104 Zweites Blatt 155. Jahrgang Donnerstag 4. Mai 1908 Srschetnt S-Nch mit vnSnahms de» Sonntag». Die „©Usenet FmuiHendlStter" werden dem ytlttgeiger viermal wöchentlich beigelegt Der wQtUHäH LavdVitt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag bet VrühiNch« UntoersitätSdruckerei. St. Laag«, Gieße». Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulyr.T. Tel. Nr. LU Telegr^Ädr.» Lngetg« Gieß«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Nolilffche Tagesschau. Die akademischen Ortsgruppen Berlin und Charlotteubnrg des Cvaug. Bunde? 3irr Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen wenden sich in einer Denkschrift an die Kommilitonen der deutschen Hochschulen, worin sie gegen die Auffassung Verwahrung einlegen, daß sie mit den katholischen Korporationen auf gleiche Stufe gestellt werden. Die Denkschrift legt Wesen und Charakter der akademischen Ortsgruppen des Evang. Bundes wie folgt dar: Da die Ortsgruppen hauptsächlich auf national-kulturellem Gebiet zu wirken bestrebt ftttb, so liegt es uns durchaus fern, überhaupt kirchliche Fragen im engeren Sinne zu erörtern. Hat doch selbst der Evangelische Bund als solcher im Fall Fischer jede kirchlich-dogmatische Erörterung als nicht zu seinen Aufgaben gehörig zuruckgewiesen. In politischer Beziehung schränken wir ferner die akademische Freiheit unserer Mitglieder nicht im mindesten ein. Im Gegentetl betrachten wir es sogar als mffere Aufgabe, allen die Möglichkeit zu geben, „sich eine unabhängige freie Meinung zu bilden". Zu diesem Zweck haben wir in unseren öffentlichen'Versammlungen die freie Debatte, in der wir gern die Meinung unserer Gegner hören. Ja, wir erteilen sogar Katholiken als Vortragenden in unseren Versammlungen das Wort. Auch den Zusammenhang mit einer bestimmten Partei muffen wir als nicht bestehend erklären, da wir Angehörige aller politischen Richtungen ausnehmen, soweit sie nicht international oder gar antinational sind. So würden wir, selbst wenn wir konfessionelle Korporationen auf der bisher ausgeführten Grundlage wären, keinen Angriffs- punkt für die V o r w ü r f e bieten, die den katholischen oder, besser gesagt, ultramontanen Korporationen von der Studentenschaft gemacht werden. Nun sind wir aber nicht einmal konfessionelle Korporationen, obgleich dies von schlecht unter- richteter Serie angenommen wurde. Zum ersten ist unser Ziel kein konfessionelles im Gegensatz zu den katholischen Korporationen, die in geistiger und materieller Abhängigkeit vom Zentrum ihre Mitglieder aus den konfessionell-politischen Standpunkt des Zentrumskatholizismus führen, der jede Meinungs- äußerung einer selbständigen Persönlichkeit seinem Wesen nach ausschließen muß. Wir sind zwar der Ueberzeugunq, daß nur auf dem Boden der Reformation die hohe geistige und nationale Entwicklung möglich geworden ist, deren wir uns erfreuen, und daß ihre Errungenschaften, insbesondere G e i st e s- und Gewissensfreiheit, darum unbedingt festzuhalten sind. Wir denken aber nicht im geringsten daran, deshalb die r e l i g i ö s e U e b e r- zeugung Andersdenkender zu mißachten. Zum Begriff der Konfeffionellität gehört ferner die Ausschließung anderer Bekenntnisse von der Mitgliedschaft. Die akademischen Ortsgruppen nehmen aber im Gegensatz zu den katholischen Korporationen auch Angehörige anderer Konfessionen auf, sobald sie sich ans ihren Boden stellen, und begrüßen insbesondere mit Freude die Bewegung unter den deutschen Kommilitonen in Oesterreich, die, obwohl katholischen Glaubens, zur Rettung ihrer deutschen Eigenart den Rus „Los von Rom" erhoben haben. Unter diesen Gesichtspunkten betrachten wir uns als interkonfessionell! Die Denkschrift hebt hervor, daß die akademischen Ortsgruppen des Evangelischen Bundes zwanglose Vereinigungen seien, die nur durch die eigene Ueberzeugung der Mitglieder zusammengehalten werden, und schließt mit folgenden Sätzen: Als vornehmste der Aufgaben, die uns demnach erwachsen, betrachten wir jene Prägung von Charakteren, die dank der Freiheit des eigenen Gewissens sich zu einer in sich gefestigten, nur durch das Bewußtsein der eigenen höchsten Verantwortlichkeit in ihrem Handeln bestimmten, kraftvollen Persönlichkeit durchringen. Und gerade diese Stärkung der eigenen Persönlichkeit verweist uns eben gebieterisch aus die Seite unseres Vo tkstums, dort deutsche Eigenart zu ftarfen im Gegensatz zu dem alles eigene Wesen nivellierenden und unter Rom beugenden internationalen Prinzip des Ultramontanismus. Das nennen wir Wahrung der ^eutsch-protrstautischenJntereffen. Uedersee-Klatsch? Neber Tätigkeit und Erfolge der nach Abessinien gesandten deutschen Miss io n wird später dem Reichstag in einem Weißbuche Mitteilung gemacht werden. Wünschenswert erscheint die Beschleunigung der amtlichen Berichterstattung, denn schon wird von privater (Beite, eine wenig erquickliche Darstellung der Tätigkeit bet Mission veröffentlicht. In einem angeblich auf Mitteilungen von glaubwürdigster Seite sich stützenden Artikel der „Tägl. Run"au" heißt es: die deutsche Mission habe eine Fülle von Ungeschicklichkeiten begangen, die in ihrem Gesamtergebnis zu der Annahme zwängen, daß die deutschen Interessen durch die außerordentliche Gesandtschaft nicht gefördert worden seien. Wenn man das in dem Artikel beigebrachte „Anktagematerial" vorurteilslos prüft, dann muß man sagen, daß es nicht hinreicht, um einen so schweren öffentlichen 'Angriff zu rechtfertigen. Sind der deutschen Mission weitere Vorwürfe nicht zu machen — der Einsender will „für jetzt" charakteristische Einzelheiten unerwähnt lassen —, so wäre die öffentliche Herabsetzung der deutschen Gesandtschaft, mit der nur den Neidern und Geg^ nern Deutschlands gedient ist, bester unterblieben. Sie gründet sich zum nicht geringen Teil auf gekränkte Eigenliebe eines Herrn Arnold Holtz, der der deutschen Mission am Hofe Meneliks den Weg geebnet, von ihr aber die verletzendste Nichtbeachtung erfahren haben will im Gegensatz zu Meneliks Minister, dem „franzosenfreund- lichen" Jlg, vor deni die deutsche Gesandtschaft „katzbuckelt" haben soll. Ein nicht geschicktes Verhalten wird insbesondere dem der Mission beigeordneten Grasen Viktor Eulenburg vom Auswärtigen Amt, dem früheren Adjutanten des Reichskanzlers, andeutungsweise nachgesagt. Menelik soll größeren Takt bewiesen haben als Graf Eulenburg. Nun, Minister Jlg, der vielgenannte Zeutsch- Schweizer, ist die einflußreichste Person am Hose Meneliks Wenn also die deutsche Gesandtschaft sich um die Gunst dieses Mannes besonders bemühte, so kann das nicht mißbilligt werden. Im übrigen hatte die Mission einen erprobten Diplomaten zum Führer und erfahrene Handelsfachleute zu Mitgliedern. Es wäre also unverständlich, wenn sie eine Fülle von Ungeschicklichkeiten sich hätte AU schulden kommen lassen. Tatsache ist doch, daß der Gesandtschaft der Abschluß eines Handelsvertrages mit Abessmren geglückt ist, und ob das möglich gewesen wäre, wenn Die Mission sich mehr an Herrn Arnold Holtz als an den Minister Jlg gehallen hätte, darf bezweifelt werden. ♦ Reichstagsarbeit. R. Berlin, 3. Mai. Von parlamentarischer Seite ist herausgerechiiet worden, daß noch rund fünfzig in der Petitionskommission des Reichstags bereits auf gearbeiteter Bittgesuche, fast ein Dutzend Wahlprüfungen und annähernd fünf Dutzend Initiativanträge der Erledigung durch das Plenum des Reichstags harren. Dieses Arbeitspensum würde nicht bewältigt werden können, auch wenn die Volksvertretung bis tief in den Sommer versammelt bliebe, denn eine Probe auf Beschlußfähigkeit, auf die es bei der Entscheidung über Wahlpriifungen anronrmt, würde das Haus am wenigsten in der warmen Jahreszeit bestehen. Zum weitaus größten Teil wird alio dieses Beratungsmaterial unerledigt bleiben, und es hängt von der Frage der Vertagung oder des Schlusses der Session ab, ob der umfangreiche Restbestand in die nächste Session hinübergenommen wird oder unter den Tisch füllt. Adr sonstigen Beratungsstoff fehlt es dem Reichstag bis zum Beginn der Pfingsiferien nicht. Von der Kommissionsarbeit kann hierbei umsomehr abgesehen werden, als bis dahin ein wesentlicher Fortschritt in der Beratung der Börsengesetznovelle und der Militärpensionsgesetze kaum zu erwarten ist. Dcrß aus der ersteren Vorlage überhaupt noch etwas gerettet wird, muß nach dem Stand der Dinge zweifelhaft erscheinen, und die Entscheidung über die Militärpensionsgesetze möchte das wegen der Deckungsfrage so besorgte Zentrum wohl verquickt zehen mit der „großen" Finanzreform, was eine Vertagung bis zum Herbst bedeuten würde. Das Plenum des Reichstags wird sich nach Wiederaufnahme der Arbeit am 10. d. M. zu beschäftigen haben mit dem von der Kommission fertiggestellten Gesetzentwurf über die Rennwetten und mit der auf die En tlastung des Reichsgerichts ab^ielenden Vorlage, über die in der Kommission eine Vereinbarung herbeige führt ist. Hinzu kommt die im Ergebnis zweifelhafte Beratung des Garantiegesetzes betr. die Kamerunbahn, und diejenige weiterer Ergänzungsetats für Südwestafrika (Farmer- Entschädigung, Vahnbau Windhuk-Keetmannshoop). Von dem Fortgang der Verhandlungen über den deutsch-bulgarischen Handelsvertrag wird es abhängen, ob die nächsten Wochen eine neue Handelsvertragsdebatte bringen. Eine Reihe weiterer gesetzgeberischer Neuerungen ist von der Regierung vorbereitet, so die Vorlagen über Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit und über den Schutz der Werke der bildenden Künste und der Erzeugnisse der Photographie. Auf der Liste der in Vorbereitung befinolichen Entwürfe stehen noch diejenigen über Rechtsfähigkeit der Berufs vereine mrb über Sichewrng der Forderungen der Bauhandwerker. Möglicherweise kommt der eine oder der andere noch in der laufenden Tagung ans Parlament. Ms sicher kann dagegen gelten, daß der Gesetzentwurf über den Versicherun vertrag erst in der nächsten Session beratungsreif wird. Deutsches Reich. Berlin, 3. Mai. Der Kaiser machte, wie die „Nord- deutsche" berichtet, dem Reichskanzler Grafen v. Bülow zu seinem heutigen 56. Geburtstage eine Standuhr in Goldbronze mit seinem Reliefporträt zum Geschenk. — Der Wirkt. Oberkonsistorialrat Dr. Brückner, Generalsuperintendent und Propst a. D., ist gestern abend im Alter von fast 81 Jahren gestorben. — Die »Rat. Zig." bemerkt zu der gestern angetcetenen Reise des deutschen Gesandten in Tanger nach Fez: Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Mission des Grafen Tattenbach sich nicht darauf beschränken wird, dem Sultan von Marokko den Dank des Kaisers für den freundlichen Empfang in Tanger zu überbringen. Vielmehr gelte diese Mission besonders der Wahrung der deutschen Interessen in Marokko, wie sie in der Festsetzung der Meistbegünstigung Deutschlands auf der Grundlage der Madrider Konvention von 1880 begründet ist. Dabei handelt es sich nicht um spezielle politische oder wirtschaftliche Interessen Deutschlands, wohl aber soll das Prinzip der offenen Tür voll durchgeführt werden. — Wie aus München gemeldet wird, hat Professor Dr. Freih. vonHertling um seine Entlassung aus dem bairischen Staatsdienst gebeten. Dieser Entschluß soll mit Hertlings Streit mit dem Abg. Dr. Heim Zusammenhängen. — Der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund hatte für heute eine Versammlung der Bergbauvereine von ganz Deutschland einberufen zwecks Stellungnahme gegen den vom Abg. Gamp eingebrachten Antrag bezüglich der Mutungen. Der Einladung waren sämtliche Bergbauvereine Deutschlands sowie die bekanntesten Tiefbohrgesellschasten und das Kali-Syndikat gefolgt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, dem Landtage eine Resolution vorzulegen, worin ausgesprochen werden soll, daß der Antrag Gamp, soweit er eine immer wie geartete Sperrung der Mutungen vorsieht, zu verwerfen sei. Soweit eine Beseitigung von Mißständen in Betracht komme, soll dies auf dem Wege der Gesetzgebung geschehen. Mit der definitiven Feststellung der Resolution wurde der Verein für die bergbaulichen Interessen in Dortmund betraut. — Durch einen neuen zwsschen der Reichsregierung und der deutschen Jaluit-Gescllschaft abgeschlossenen Vertrag werden die Verwaltung und Handelsverhältnisse der Marschall- Inseln nett geregelt. Metz, 3. Mai. Gutem Vernehmen nach trifft der Kaiser am 11. d. Mts. mittags von Straßburg in Saar- gemünd ein, macht auf Schloß Remelfingen dem Reichstags- abgeordneten Jaunez einen Besuch und kommt am Nachmittag hierher nach Metz' Nürnberg, 3. Mai. Das Gemeindekollegium beschloß den Magistrat zu ersuchen, sich mit anderen Städte« zu gemeinsamem Vorgehen gegen die Fleisch Verteuerung zu verständigen. München, 3. Mai. Prinzessin Rupprecht wä Bayern, die Gemahlin des ältesten Sohnes des Thronfolgers,' ist heute früh von einem Prinzen entbunden worden. Auslands Varis, 3. Mai. Der König von England hatte yeutS während eines Frühstücks, das ihm zu Ehren bei dem Maranis von Breteuil staitsand, eine längere Nnterredung mit dem eben^ falls als Gast anwesenden Minister des Auswärtigen D e l e a s s 6. — Die Großherzogin-Mutter Anastasia von Mecklenburg ist gestern ans Cannes hier eingetroffen und im Hotel Continental abgestiegen. — Das „Echo de Paris" meldet aus Mailand, dort verlaute mit aller Bestimmtheit, daß währeiü» der Unterredung Golw» chowskys und Tittonis in Venedig alle Einzelheiten einer Zn« sammenkunft zwischen Kaiser Franz Josef »nbi König Viktor Emanuel vereinbart ivott>en seien. Rom, 3. Mai. Ein drittes Bomben-Attentat sitz gestern gegen das bischöfliche Palais in Brindisi ver>^ übt worden. Die Attentäter sind wiederum unbekannt geblieben.! Wien, 3. Mai. Das Abgcordn et en Haus nahm heute! seine Sitzungen wieder auf und begann! die zweite Lesung des! Zolltarifs. Der Berichterstatter Bärnreiter betonte die Not-' Wendigkeit der raschen Erledigung der Zolltarifvorlage nicht nur] wegen des Abschlusses der Handelsverträge, sondern auch mit' Rücksicht auf die Verhältnisse Oesterreichs zu Ungarn.. Die (&> ledigung des Zolltarifs iverde gleichzeitig ein Prüfstein für die, wahrhafte Arbeitsfähigkeit des Hauses bilden. Jin weiteren Vev- laufe der Sitzung erklärt sich Peschka (deutsche Bauernpartei gegen den Abschluß einer Viehkonvention mit Ruß^ land oder den Balkanffnaten und gegen die Getvährun^ irgend welcher Ver;iünstigungen für den Grenzverkehr an Serbien.. Schrasfl (christl.-soz.) wendet sick gegen den vorgelegten Zolltarif! und tritt für die Aufstellung eines selbständigen Zolltarife^ ein, dem Ungarn, bei den Verhandlungen mit dem Auslände bei* treten könne. Kanea, 3. Mai. Die aus dem hiesigen RegierungA-GebLlch^ gehißt gewesene griechische Flagge ist von den Eug», ländern wieder durch das kretische 25 timt er ersetzt worden. Washington, 3. Mai. 50l)Tellnehmer des itttetnttA tionalen Eisenbahnkongresses trafen heute ein. .Dev Präsident der amerikanischen Abteilung des internationalen Eise»-, bahnkongresses, Fish, wies in enter Ansprache darauf hin, auf dem Kongresse zum ersten Mole Deutschland und Kuba; durch Delegierte vertreten seien. George WeUnyhvuse hob hervor, daß ein neues Zeitalter für die Eisenbahnen bevorstehe durch Ersetzung des Dampfes durch die Elektri^itätt! MarinesekrättMorton eröffnetedreAusstellungsür Eisens bahn Materialien. Er sprach die Hoffnung aus, daß btefe internationalen Zusammenkünfte eine billigere, sicherer« und bessere Beförderung der Reisenden und dep Frachtstücke in der ganzen Welt herbeiführen werden. Er betonte, daß die Frachtsätze in Amerika im Durchschnitt eürni 40 Prozent niedriger, dieLöhne dagegen 50 Pro«-; zent höher als in anderen Ländern sind, ob^eich die Ma--, terialpreise die anderer Länder überschreiten, und er bezeichnet^ dies als einen Triumph des Verkehrswesens. Aus Stadt rmd Land. Gießen, 4. Mai 1905. ** Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft. An- 5. April wurde, nach dem Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 8, welches u. a. auch die Promotionen an der Landes Universität im Jahre 1904 enthält, dem Rechtsanwalt Frttz Fischer in Friedberg, nachdem er die Zulassung bei bemj Amtsgericht Friedberg aufgegeben hat, die Zulassung bei d«« Landgericht der Provinz Öberheffen erteilt; der RechtSanwaL; Rudolf Link zu Nidda wrrrde zur Rechtsanwaltschaft bei bet» zu errichtenden Amtsgericht Dieburg zugelaffen. ** Personalnachrichten der Ober-Postb«eeE^ tion Darmstadt. Versetzt find: der Postsekretär Bu nitz von Gießen nach St. Andreasberg unter UebertragrmA der dortigen Postmeisterstelle und der Postassistent Vogt von. Caternberg nach Bad Nauheim. — Angenommen sind? als Postgehilfen die Realschüler Arndt in Echzell, H^n« in Romrod und Möller in Schotten. ** Amtliche Ermittelungen über die Vergift^! ungen in der Alice-Kochschule in Darmstadt Habers zu einem erfreulichen Ergebnis geführt. Man erinnert sich^ daß dort im Jahre 1904 verschiedene Vergiftungen infolge; des Genusses eines aus Konservebohnen bereiteten SalatA vorgekommen sind. Man nahm damals an, daß die 23er giftuug von dem sog. Fleischgift herrührte. Die Untersuchungen haben ergeben, daß in Gemüsekonserven auch bei Luftabschluß Spa ltpilze sich zu entwickeln vermögen, deren giftige Stoff» wechselprodukte die menschliche Gesundheit in ähnlicher Weisej zu schädigen geeignet sind. Es liegt der Verdacht vor, bafs durch Bespritzen oder Begießen von Pflanzen mit fauche»« haltigen Flüssigkeiten die giftbildenden Keime in dieselben gelangen und auf ihnen, unbeschadet ihrer Lebensfähigkeit^ eintrocknen. Ein gemeinsamer Erlaß des preußischen Kullns^ und Landwirtschaftsministers an den Polizeipräsident» do» Berlin und die Regierungspräsidenten läßt deshalb zur Vo-r» sicht bei der Anwendung von Jauche in der Gemüsezucht mahnen und auf die Gefahren hmwersen, die der menschlichen Gesundheit erwachsen, sobald Jauche un-, mittelbar mit den oberirdischen Pflanzenteilen in Berührung kommt. Auch andere durch Spaltpilze hervorgerusenen menschlichen Krankheiten wie Typhus und Ruhr können so verbreitet werden. Durch das Besprengen mit Jauche wird auch der; Wuchs und der Ertrag der Pflanzen beeinträchtigt. Bei dep Zubereitung^von Büchsengemüsen soll auch im Haushalt mit peinlichster Sauberkeit und Sorgfalt verfahren werden. Ein^ gehörige Erhitzung tötet etwaige giftige Keiuie. Der Inhalt von Büchsen, d:c bei der Oeffnung einen verdächtigen Geruch erkennen taffen, ist zu Genußzwecken untauglich und darf voy allem ohne vorausgegangene abermalige Erhitzung als Salat xv keine Verwendung finden. X Mücke, 3. Mai. Die während des Winterhalbjahres an den um 6.20 Uhr hier eintreffenden Zug von Gieren anschließende Personenpost Mücke—Ruppertenrod— Ulrichstein hat mit dem vorgestrigen 1. Mai diesen Anschluß nicht mehr; er findet dagegen mit dem um 10 Uhr von Gießen kommenden Zuge statt. Da erfahrungsgemäß viele Reisende diesen Wechsel übersehen, so sei hiermit darauf besonders hingewiesen. Es steht übrigens wohl außer allem Zweifel, daß es viel zweckdienlicher und viel nicht* im Interesse der Reisenden gelegen wäre, wenn die Post nicht an den allerletzten, sondern wie im Winterhalbjahr an den 6-Uhr-Zug von Gießen anschlöffe. Wer in aller Welt mag denn zu so später Nachtstunde noch reisen? Ferner würden dr: von der Post berührten Orte noch am selbigen Abend die von Gießen kommenden Zeitungen und Briefe erhalten können. Durch den Anschluß der Post an den 10-Uhr-Zug geschieht dieses aber erst am anderen Tage. [] Franken b erg, 3. Mai. Außer der schon viel gekannten Eddertal-Sperre beabsichtigt man auch im benachbarten Sauerlande, in den Seitentälern der Mohne, der Glenne und der Lörniecke zwei Talsperren mit einem Gesamtfaffungsvermögen von 9—10 Millionen Kubikmeter Wasser zu erbauen. T Hohensolms, 2. Mcri. Die Hoffnung, daß die unheimliche Typhusepidemie in der benachbarten großen Gemeinde Erda sich nicht weiter ausbreiten werde, hat sich leider nicht ganz, bewahrheitet. Trotz der Fürsorge der Behörden, worunter die Einrichtung eines Krankenhauses innerhalb der Gemeinde, sowie die Berufung zweier Krankenpflegerinnen zu erwähnen sind, sind im Laufe der vorigen Woche drei neue Krankheitsfälle bekannt geworden. Mle transportfähigen Kranken werden in die Klinik nach Gießen verbracht. Solcher wurden bereits fünf dahin über- gefuhrt, während zu Erda zurzeit noch sieben Kranke interniert sind. Da bekanntlich die Gemeinde Erda zu den ärmeren Gemeinden unseres Bezirks gehört und es meistens ärmere Familien sind, bei welchen diese gefürchtete Krankheit Einkehr gehalten hat, so hat sich zur Unterstützung dieser Betreffenden ein Komitee gebildet. Bürgermeister Huttel-Hohensolms, Pfarrer Brünger-Erda sowie die Geschäftsstelle des Wetzlarer Anzeigers nehmen Gaben entgegen. w Wetzlar, 3. Mai. Die Lescvereinigung von Wetzlar veranstaltet morgen, Donnerstag, im Schützengarten eine Schillerfeier. Die Ausgestaltung des Abends hat die Ortsgruppe Gießen des Dürerbundes übernommen. Als Redner ist Pfarrer Lic. Emil Fuchs von Rüsselsheim gewonnen worden. Mitwirkende find künstlerische Kräfte aus Gießen. Die drei vorgesehenen Chornummern hat der musikalische Verein von Wetzlar übernommen. Das Programm enthält Chöre, Rezitationen einzelner Gedichte and dramatischer Szenen, Gesangssoli und die Festrede. Frankfurt, 3. Mai. Wie der Homburger ^Taunus- Zote^ schreibt, ist die elektrische Bahn Frankfurt- Homburg ernstlich in Frage gestellt. Wenigstens verlautet, daß infolge der Schwierigkeiten, die Homburg neuerdings diesem Projekt entgegenstellt, ernstlich von den Frankfurter Unternehmern in Erwägung gezogen sein soll, die Strecke Heddernheim—Oberursel auszubauen und in Oberursel für diesen Zweck ein neues Elektrizitätswerk zu errichten, das gleichzeitig den elektrischen Bahnbetrieb nach der Hohen Mark und von dort eine Zweiglinie nach dem Gothischen Hause -ermöglicht.' vermißtes. * Der Wille der Schwiegermutter. Die zukünftige deutsche Kronprinzessin wird in einer Toilette vor den Altar treten, von der nicht ein Stückchen deutscher Herkunft ist. Die ganze Aussteuer der Herzogin von Mecklenburg ist in Paris angefertigt worden, mit Ausnahme der Courtoilette, die ein Geschenk der preußischen Krone ist, und deren Schleppe dieser Tage im Berliner Gewerbemuseum ausgestellt war. Für diese Zurücksetzung kann die deutsche Konfektionsindustrie sich bei der Großherzogin Anastasia von Mecklenburg bedanken, deren Verachtung für alles Deutsche bei dieser Gelegenheit wieder zum Durchbruch gekommen ist. Der Kaiser und die Kaiserin haben sich umsonst bemüht, sie umzustimmen. Sie bestellte von Cannes aus alles in Paris. Nur die Stickereien am Brautkleide hat sie in Berlin anfertigen lassen, weil sie da billiger dazu kam, und sie hat auch dabei die Preise noch fürchterlich gedrückt. (Warum hat man sich das gefallen lassen? In Paris hätte man sich's nicht gefallen lassen.) Die zugeschnittenen Teile des Kleides wurden aus Cannes an die Stickerin nach Berlin gesandt und wanderten dorthin zurück. Es gilt jetzt in Hofkreisen für gänzlich ausgeschlossen, daß Großherzogin Anastasia zur Hochzeit ihrer Tochter nach Berlin kommt. Straßburg, 2. Mai. Wie die „Straßb. Reuest. Nachr." mitt eilen, wurde in Rodemachern ein Brudermord verübt. Der 37 jährige Peter Frigand lebte seit Jahren eines alten Erb- schaftsftreites wegen mit seinem jüngeren verheirateten Bruder in Streit. Gestern nacht drang er in das Haus des Bruders und siel zuerst über dessen Frau her und verletzte düse mit einer Mistgabel schwer. Aus die Hilferufe der Fran c’ffc der Marrn herbei. Der Bruder gab auf diesen zwei Flintenschüsse ab In den Hals getroffen stürzte der Unglückliche tot nieder. Die Frau soll 15 Verletzungen erhalten haben, doch gilt ihr Zustand nicht als hoffnungslos. * Wien, 3. Mai. Während der heutigen Opernoorstellung der „Zauberflöte" entstand auf der Hinterbühne infolge Kurzschlusses ein unbedeutender B r a n d, der vom Publikum bemerkt wurde und eine Panik verursachte. Zahlreiche Besucher des Parketts und der Galerien drängten zu den Ausgängen, wobei viele stürzten. Nur durch die Geistesgegenwart des Direktors Mahler, der auf dem Piano ben unterbrochenen Chor intonierte, beruh'gte sich das Publikum, worauf die Vorstellung fortgesetzt wurde. *Die Malerin in Männerkleidern. Zu dem Folie der in Sori verstorbenen Wiener Künstlerin Hermine (oder Emilie?) Gärtner, die seit Jahren als „Anton Hermann" durchs Leben wanderte, wird noch berichtet: Die alte Dame hatte, wie ihr eigener Bruder, Professor Gärtner aus Innsbruck angibt, die Schrulle, dem Beispiel oer Georges Sand und Rosa Bonheur zu folgen und ihr Geschlecht zu verleugnen; ja sie trug sogar einen falschen Schnurrbart, und zwar hatte sie sich als philiströse Germanin einen Werktags- und einen Sonntagsnachmit^agsausgehschnurr- bart ä la „Es ist erreicht" zugelcgt. Ganz Sori kannte diese falschen Schnurrbärte und amüsierte sich darüber in der Annahme, es handele sich um einen bartlosen alten Herrn, der sich aus harmloser Eitelkeit die Zierde des Mannes auf künstlichem Wege verschaffen wollte. Die ein- ygp Person in Sori, die um das „Geheimnis der alten Mamsell" wußte, war die Besitzerin der Villa, wo „Litton Hermann" wohnte, Baronin Redtwitz. * Eheroman eines ungarischen Edelmannes. Der ungarische Edelmann Julius v. Takacs gelangte aus höchst romantische Weise zu einer Gattin, die die Tochter eines amerikanischen vielfachen Millionärs ist. Er war früher Komitatsbeamter und bezog als Sohn einer Gräfin Esterhazy eine monatliche Apanage von 400 Kronen. In Karlsbad lernte er die Tochter des amerikanischen Fabrikanten Charles Hardt kennen, dessen Vermögen auf 20 Millionen Dollars geschätzt wird. Takacs und die chöne junge Charlotta Hardt schlossen heimlich ein Herzensbündnis; als jedoch der Papa dahinter kam, verschwand er mit Frau und Tochter wsort aus Karlsbad. Von. da ab gelangte Herr v. Takacs auf die Suche, und in Verfolgung der stets vor ihm fliehenden Familie Hardt kam er durch alle Hauptstädte Europas. Zuerst erfuhr er durch seine Privatdetektivs, daß sie in Moskau sei. Kaum dort eingetroffen, war die Familie schon abgedampft. So gings nach Petersburg,' von da nach Berlin, dann nach Paris, London usw. Das Geld für'die kostspieligen Recherchen und Reisen entlehnte Takacs von Wiener Geldgebern gegen Wechsel. Endlich war das Herz des Vaters erweicht, und er erfüllte den Wunsch der einzigen Tochter. Am 25. November 1903 wurde sie in Berlin mit Takacs getraut. Die Schulden des jungen Ehemannes waren inzwischen auf eine halbe Million Kronen gestiegen, und als das Paar nach der Hochzeitsreise in Nom angelangt war, wohin Herr und Frau Hardt nachkamen, erschienen plötzlich die Wiener Gläubiger und präsentierten Herrn Hardt ihre Wechsel. Dieser machte große Augen, bedeutete ihnen aber, sein Schwieger- ohn werde in Wien altes ordnen, er sende ihn zu diesem Zweck dahin. Takacs gehorchte und fuhr nach Wien, wo ein Ausgleich arrangiert wurde, dann fuhr er nach Rom zurück — hier war von Gattin und Schwregereltern schon wieder keine Spur. Nun begann die Jagd aufs neue. Wiederholt entdeckte man den Aufenthalt der Gesuchten, 'tets verschwanden sie aber wieder, bis man erfuhr, sie seien in ihre Heimat nach Cleveland gereist. Am 27. März v. I. schiffte sich Takacs mit neuer materieller Hilfe der alten vereinigten Gläubiger nach Amerika ein, um dort seine Gattin zu suchen und vom Schwiegervater Genugtuung zu fordern. Während er in Amerika nach Frau und Geld Jagd machte, wurden in Wien zahlreiche Prozesse gegen ihn und gegen die Gattin „unbekannten Aufenthalts" geführt. Dieser Tage ist Herr v. Takacs wieder in Wien angelangt, ohne Frau und — ohne Geld! * Eine furchtbare Familientragödie hat sich in der verflossenen Nacht in Hamburg zugctragen. Ein 36 jähr. Brothändler, namens Fr. Kruse, ermordete seine vier Kinder, zwei Knaben und zwei Mädchen im Alter von 7 bis 14 Jahren und tötete sich dann selbst. Kruse hatte vor zwei Monaten ein Geschäft im Stadtteil Barmbeck errichtet, aber der Erfolg blieb aus. Der Mann war ein harter verschlossener Charakter, der es nicht verstand, sich mit seinen Kunden gut zu stellen. Schließlich war ihm jeder Kredit abgeschnitten. Die geschäftliche Misere fiel mit dem Tode seiner Fran zusammen. Diese erkrankte plötzlich vor zwei Wochen und starb nach wenigen Stunden. Sie. soll sich aus Gram über den Fehlschlag des Unternehmens vergiftet haben. All' dies Unglück brachte den Mann zu dem entsetzlichen Entschluß, sich und seine Kinder zu töten. Mit welcher Ueberlegung Kruse die Tat geplant bat und welche Energie er aufwendete, um den grauenvollen Kindermord auszusühren, geht aus den umständlichen Vorbereitungen hervor, die er vornahm. Er sägte ein Rohr der Gasleitung in seinem Laden sorgfältig ab, fügte dann eine neue Schraubenmutter ein und leitete von dieser Oesfnung einen langen Gummischlauch in das Zimmer, wo die Kinder schliefen. Dann drehte er das Gas voll an und ging selbst in das Schlafzimmer. Heute morgen schlugen die Nachbarn, durch den durchdringenden Gasgeruch alarmiert, die Türe zu dem Laden ein und fanden den Vater und die vier Kinder tot im Schlafzimmer. Eines der Kinder muß die Absicht des Vaters gemerkt haben, denn es sprang aus seinem Bett, hatte aber nicht mehr die Kraft, die Türe zu erreichen. Es lag tot vor seinem Bettchen auf dem Fußboden. Auf dem Tisch fand man ein Schreiben des Mörders und Selbstmörders, in dem er der Polizei mitteilte, daß er wegen zerrütteter Vermögensverhältnisse m't seinen Kindern in den Tod gehen wolle. Ein neuer Mordprozetz. II. München, 2. Mai. Zu dem heutigen zweiten Sitzungstage ist der Mdrang des Publikums wieder sehr groß. Kreisarzt Dr. Wetzel hat die Leiche obduziert. Der phpsiologische Befund sprach gegen die Annahme eines Lustmordes. Ter Ermordung muß ein heftiger Kampf voraufgegangen sein, denn bei der Toten fanden sich an Kopf und Händen viele Kratzwunden und außerdem eine große Beule am Hintertopf. Die Tote muß zunächst mit der Serviette erwürgt und dann mit einem scharfen Messer in Gesicht und Hals gestochen worden sein. Die Halsschlagader und die Luftröhre waren glatt durchschnitten, sodaß bei den letzten Atemzügen der Ermordeten das Blut in die Lunge gelangt und so der Tod eingetreten ist. Nach dem Leichenbefunde, ist es auch als wahrscheinlich anzusehen, daß zwei Personen die Tat ausgeführt haben. Jedoch könne auch, wenn der Täter nicht fürchten brauchte. überrascht zu werden, einer der Mörder sein. .Die Leiche könne, wie Dr. Wetzel weiter angibt, sehr wohl in einer Kiste von einem Meter Länge verpackt worden sein, da die Centa Falch nur 1,55 Meter groß war. Nach dem ganzen Befunde zu urteilen, muß der Mord am Vormittag des 1. Sept, aus geführt worden sein. — Tie Kellnerin Rosa Mitterer, eine Hauptzeugin, war mit der Angeklagten und der Ermordeten ntfantmen in Holzapfelkreut bedienstet. Sie bekundet unter großer Bewegung, daß Frau Huber ihr gesagt habe: die scheint. Geld zu haben, die hat ein paar Hundertnoten und viel Geld bei sich. Vors.: Wie kommt es denn, Angeklagte, daß Sie durch die ganze Voruntersuchung immer in Abrede gestellt haben, daß Sie vom Besitz des Geldes der Centa Falch etwas wußten? Angell.: Daß sie Geld hatte, habe ich nie bestritten. Ich habe ja gesagt, daß die anderen Kellnerinnen darüber sprachen. Vors.: Diese Zeugin hat doch aber ganz deutlich gesagt, daß Sie wußten, 'wie viel Geld die Falch hatte. Es muß Ihnen doch also aufgefallen sein, daß die Falch gut situiert war. Angellagte murmelt ein paar unverständliche Worte und setzt sich dann sehr blaß geworden schweigend nieder. Am 29. und 30. August habe,, so bekundet die ,3eitgin weiter, die Ceuta Falch Ausflüge in die Umgegend gemacht und erzählt, sie habe auf diesen Ausftugen einen reichen Metzger kennen gelernt, der ihr Blusen gekauft habe und der mit ihr auf dem Starnberger See herumaefahren sei. Am 31. August ist die Zeugin mit der Falch in München gewesen. In der Nähe des Cafö Harras sei der Angeklagte Huber mit einem Bries an die Centa herangetreten und habe leise gesagt: „Den hat mir ein Metzger für dich mitgegeben. Er hat heute keine Zeit uni) kann nicht mit dir nach "Starnberg fahren, weil er geschäftlich verhindert ist. Vors.: Aus welcher Richtung kam wohl die Angellagte? Zengin: Von ihrer Wohnung in der Forstenrieder Straße. Vors.: Können Sie das auf Ihren Eid nehmen? Zeugin: Ja. Dors.: Babette Huber, was sagen Sie dazu? Angell.: Bitt schön, das ist nicht wahr, ich bin von der an hem Seite hergekommen, wo der Metzger mir kurz vorher den Brief übergeben hat. Ich erwartete dort die Centa Falch. — Tie Zeugin bekundet weiter, daß die Angellagte das Bestreben zeigte, sie von der Falch abzutrennen. Bors.: Es ist höchst bemerkenswert, daß dieses die letzte Gelegenheit war, wo die Angeklagte mit der ^Ermordeten in Verbindung treten konnte, da diese am nächsten Tag" abreisen wollte Der Wirt der Waldivirti chatt voczapseirreui zcurzoen (tätigt, daß die Führung der Centa Falch eine gute war. Vors.: Wie entstand denn nun der Verdacht? Zeuge: Ausschließlich durch den Bries, die eine meiner Kellnerinnen in der Tasche der Centa Falch gesunden hott" und in dem es hieß: wenn nicht anders, so können wir uns auch in der Wohnung der Babette treffen. Babette aber l'.eß nur die Angellagte mit Vornamen. Der Zeuge bekundet weiter, da^ am 12. September wmcmd mit verstellter Stimme am Telephon, anrief und sagte: Der Babette ihr Schwager ist krank, sie müsse sofort kommen. Tie Angeklagte war aber den ganzen Tag über nicht zur Arbeit gekommem Frau Knrzbeck bestätigt im wesentlichen die Angaben ihres Mannes. Die Verhandlung w"rd>» aui Mittwoch vertagt. iHeriiÄtslaal. Kiel, 2. Mai. Tas Kriegsgericht des 1. Geschwaders verurteilte au Bord des Linienschiffes „Zähringen" in öffentlicher Sitzung den Kommandanten des Linienschiffes Mecklenburg, Kapitän z u r S e e A d o l s P a s ch e n wegen Auslaufens seines Schiffes auf Hatteriff im Belt zu eintägigem Kammer- Arrest. Der Navigations-Offizier, Kapitänleutnant Fischer wurde freigesprochen. ' L e i p z i g, 3. Mai. Tas Reichsgericht verbandelte heute über die Revision d es Kö n i g s b e r ge r Hochverrats- Prozesses. Reichsanwalt Trentlein-Mördes vertrat in eingehender Rede die Ansicht, daß Rußland dem Deutschen Reiche die Gegenseitigkeit verbürgte. Die Rechtsanwälte Heinemann, Liebknecht und Haase traten diesen Ausführungen entgegen. Die weitere Revisionsverhandlung und die Urteilsfällung wurde auf den 6. Mai vertagt. . Ein bestrafter Schuhhändler. Bei dem, Schöffengericht in Lahr in Baden kam, nach der Zeitschrift ,.Schuh und Leder" jüngst eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs zur Verhandlung, welche damit endigte, daß der Angellagte zu der schweren Strafe von 400 Mark und 7, Tagen Haft, Veröffentlichung des Urteils in beiden dortigen Zeitungen und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt wurde. Der Angellagte, Carl Kaufmann, Schuhhändler aus Pforzheim, hatte letzten Herbst einen großen reellen Aus verkauf in L. abgehalten und sich infolge seiner unlauteren Reklame eine Anklage von feiten der Staatsanwaltschaft zugezogen. Die Verhandlung bot ein interessantes Bild, wie in derartigen S ch l e ud er g e s ch L s- t en gearbeitet wird und wie groß, ost der Nutzen trotz des angeblich »'norm billigen Preises ist. So fanden z. B. Chevreaux-^Stiesel, die in Pirmasens für 3.75 Mk. angekauft waren, flotten Absatz zu 7,50 Mk., also wt einem Verdienst von 100 Prozent. Der Sachverständige, A. Bea, Vorsitzender der Handwerkskammer in Freiburg, stellte allerdings fest, daß die ,,echten Chevreauxstiefel" aus Schafleder hergestellt und in keinem reellen Geschäft solche Stiefel als Chevreaux verkauft werden. In der Urteilsbegründung wurde besonders darauf hingewiesen, daß der öfters vorbestrafte Angeklagte schon zweimal wegen unlauteren Wett- bewerbes bestraft worden, also kein N^nkina^an^diesem^Felde^seu Arbeiterbewegung. Rüdesheim, 1. Mai. Nachdem bereits vor einigen Tagek die Maurer an verschiedenen Baustellen die Arbeit niederlegten, erfolgte heute an sämtlichen Baustellen der Ausstand. Stockholm, 3. Mai. Da es nicht möglich war, ernt Verständigung mit den Gewerkschaften der Felssprenger, her Zementarbeiter und der Klempner zu erzielen, beschloß die Zentrale des Arbeitgeber-Verbandes die A u s s p e r r- ung, beginnend am 4. Mai, zu erklären. Diese Aussperrung umfaßt in erster Linie die Mitglieder der genannten Gewerkschaften, wird aber wahrscheinlich auf mehrere andere Gruppen des Baugewerbes ausgedehnt werden. Es handelt sich 'im wesentlichen bei dem Streite um die Frage des Rechtes der Arbeitgeber, Arbeiter anzunehmen und zu entlassen ohne Einmischung der Gewerkschaften. Chicago, 3. Mai. Bei den gestrigen StraßcnkämpfeN ans Anlaß des K u t s ch er ft r ei ks wurde eine Person getötet, vierzig verletzt. Die Unruhen in allen Teilen der Stadt dauerten, fort bis spat in den Abend. Kisenöahn-Zeilmig. — Die Verbindung mit Süd-Frankreich hat mit dem Inkrafttreten des neuen Sommersahrplans eine wesentliche Verbesserung erfahren. Der neue D - Zug mit allen drei Wagen- klassen, welcher um 3.15 Uhr nachm. im_ Fahrplan des früheren Schweizer Expreß und des Riviera-Expreßzuges über Thüringen, Frankfurt und das Elsaß nach Basel abgeht, findet in Mühlhausen! Anschluß lan den Frühschnellzug über Belfort nach Lyon. Er geht von Mühlhausen 6 Uhr 23 Min. und ist in Lvon 2.4 Uhr nachm. Etwas später findet er Anschluß nach Marseille, an 10.11 Uhr. Der Gegenzug verläßt Marseille 11.5 Uhr abends, Lyon morgens 7.26 Ühr, unb ist in Mühlhausen 4.36 Uhr nachm. Hier trifft er den neuen D-Zug Basel — Straßburg — Frankfurt — Berlin (Stadtbahn) über Gießen, Kassel, Sangershausen, Güsten, an Friedrichstraße 7.50 Uhr morgens. Dieser Zug hat aber nur die 2. Klasse. In Berlin findet er Anschluß an die Schnellzüge nach Posen — Thorn — Insterburg, Dansig — Königsberg — Eydtkuhnen — Petersburg, Stettin — Saßnitz — Stockholm. Rostock und Warnemünde — Gjedser Kopenhagen. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 3. Mai. In der Vormitta^sitzung des heuttgett letzten Tages des Röntgenkongresses besprach Professor L a s s a r, Berlin, die Heilung der Hautkrankheiten durch Röntgenstrahlen. Bisher wurd-en Heilwirllmgen nur bis Vs Zentimeter Tiefe erzielt. Es folgten weitere Vorträge von Albers, Berlin, und ausländischer Forscher über Erfahrungen mit^Röntgenstrahlen. bei den verschiedensten Krankheiten. In der Schlußsitzung berichten Schild-Magdeburg über die Heilung eines Falles von Krebs mittels Röntgenstrahlen, welcher durch eine eigentümliche Hautkrankheit entstand, Wichmann-Hamburgi über ein eigenes System, lyeilfräftige Wirkung der Strahlen auch in der Tiefe zu erzielen, Hennecart-Sedan und Bacher-Berlin über gesetzlichen Schutz vor dem Mißbrauch der Röntgenstrahlem Darauf wurde die Resolution gefaßt: „Der Röntgenkongreß erfiärt, die Untersuchung und Behandlung mit Röntgenftralilew ist eine rein ärztliche Leistung; dem muß in der allgemetnen medizinischen Gesetzgebung Rechnung getragen werden." Die Weitergabe der Resolution übernimmt der Ausschuß des .Kongresses. Nach weiteren wissenschaftlichen Vorträgen schließt Dorfttzender Professor Eberlein den Kongreß. _____.__ Aniverstläts-Äachrichten. — An der Schiller-Gedächtnisfeier der B e r l i n er Universität, die am Dienstag Vormittag im könrgllchen Opernbause statt findet, wird, wie verlautet, der Kronprinz als Vertreter des Koisers teilnebmen. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M., 3. Hat Offizielle Schlusskurse. gu/j, Mexikaner 30/ 4l/,% äussere Argentinei 67.30 67.30 88.50 136.00 51.20 4% 4°/ . 270.00 247.00 . 216 40 . 100.55 . 101.55 . 90.60 . 101.50 . 90.50 . 100.30 . 99.00 . 101.85 . 101.15 . 99.80 4 % Oestorr. Go’dronto 4l „ % Oesterr. Silberrento Ungar. Goldrento Italien. Rente . Portugieser I portnfiesen. HI Unif. Türken . -iVe'Vo Chinesen . Electric. Soluckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Komroandil Darmstädter Bank Dresdener Bank . Bor'iner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden , , Gotthardbahn , . Lanrabötte . . Bochum . . . Harpener . Reichbanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen i'ilrken'ose .... 4% Griech. Monopol.-Anl. 34 75 . 96.25 . 137 40 . 123.80 . 209 00 187.90 . 142.40 . 155 50 . 168 90 . 142 60 . 1630 3Vtn/0 37, 3‘/,% 3 Wo ir —•— St aatschatzscheine Tendenz; ruhig. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein 2461 Ausverkauf Der Kreisbaumeister W. Witte. vervollständigter Neuester Ailan^ am 31. Dezember 1904 vdL £ Aktiva: . 230 668.67 Schlatter die T■'> ♦ Z&Q 238829.21 Fr. Rinn, Heuchelheim Geller. 2453 Will. 02999 ® Bitte Schaufenster beachten. "MW 2358 dein <5 Billig* kräftig, wohlschmeckend sind 2346 GGSSGOKTGTOGGOOGTGTGO 2-Pfd.-D. 1,10 Alk. Gebrüder Berta Bahnhofstraße 27. Grosse Prämien-Verteilung! 02997 Haben Sic tchon fctll- Hochachtungsvoll und zeichnen 858 P^d.-D. Victoria-Drogerio Adolf Bieler Marktstr. 5. Kassenvorrat . . ♦ Ausstände .... 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Um stille Teilnahme bitten die tieftrauernden H'.nter- bliebeuen Katharina Waguer nebst Kindern. Gießen (Schottstrabe 11), den 4. Mai 1905. Die Beerdigung findet Samstag, den 6. Mai, nachm. um 3V. Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 2467 $utrr Hilch-Wein p. Fl. 45 Pfg. AHein- u. Mos^wnni p. Fl. 70 Pfg. Kuter Milder Aotrveiu p. Fl. 80 Pfg. >2152 J. Seibel, Ludwigspl. 13. . 2-Pfd.-D. 35 Pfg. l-Pfd.°D. 22 Pfg. lose per Pfd. 20 Pfg. . 2-Pfd.°D. 45 Pfg. l-Pfd.-D. 30 Pfg. Verdingung. Die zum Anbau der Kirche in Dutenhofen erfor* öerlichen Bauarbeiten und Lieferungen, (Erd- und Maurerarbeiten, Manrermaterialien, Steinhauer-, Zimmer-, Dachdecker-, Klempner-, Schreiner-, Schlosser-, Glafer- und Anstreicher-Arbeiten) sollen öffentlich vergeben werden. Plan, Anschlag und Bedingungen liegen im Geschäftszimmer des Unterzeichneten zur Einsicht auf. Angebote sind daselbst bis zum Samstag, den 6. 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Rütli-Szene aus „Wilhelm Teil“. 5. Historische Märsche. 6. Wallensteins Lager. Es sind zwei Vorstellungen mit vorstehendem Programm in Aussicht genommen, die eine für Freitag, den 5. Mai, abends 8 Uhr, die andere für Montag, den 8. Mai, abends 8 Uhr. Preise der Eintrittskarten: Loge 3.— Mark, Sperrsitz 2.50 Mark, Sperrsitz hintere Reihen 1.75 Mark. Die Platze auf der Estrade und auf der Gallerie (Mittel- und Seiten gallerie) sind zum Preise von 1 Mark für die Studierenden reserviert. Der Kartenverkauf findet in der Musikalienhandlung Ernst Challier statt end beginnt Montag den 1 Mai, vormittags 11 Uhr. Vor dieser Zeit sind Karten nicht erhältlich. Karten für Studierende nur bei Hausverwalter Stork. — Keine Abendkasse? Für die Freitags-Vorstellung wird um Geselischaftsanzug (schwarzer Rock) gebeten. Äusser diesen beiden Vorstellungen finden statt: Volksvor Stellung Sonntag, den 7. Mai, abends 8 Uhr. PpqZqq! Logen 1 Mark, alle übrigen Plätze 50 Pfennig. Die Plätze sind * 1 vlSv ■ sämtlich numeriert Verkauf der Karten von Freitag, dem 5. Mai, ab in der Musikalienhandlung Ernst Challier. 2. Festakt in der Turnhalle des Turnvereins Giessen Samstag den 6= Was, nachmittags 5 Uhr. Programm. 1. Nänie von F. v. Schiller, für Chor und Orchester komponiert von H. Goetz. 2. Festrede des Geheimen Hofrates Professor Dr. 0. Behaghel. 3. Schlusssatz der 9. Symphonie von L. van Beethoven, über Schillers Ode „An die Freude“, für Soli. Chor und Orchester. Näheres enthalten die beim Eingang in den Saal für 20 Pfennig erhältlichen Programme. Eintrittskarten für 1 Mark, Studierende für 50 Pfennig, nur (also auch für Studierende) in der Musikalienhandlung Ernst Challier. Alle Plätze sind numeriert. Die Plätze werden nach der Nummer fortlaufend verkauft. Der Kartenverkauf beginnt Montag, den 1. Mai, vormittags 11 Uhr. Es wird um Gesellschaftsanzug (schwarzer Rock) gebeten. D29/< Telephon No. 35 H. 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