Nr. 76 Donnerstag, 30. März 1905 155. Jahrg. ®*e .*h» lariBtaMttw sote» 6er JfcneVr ^jrrne -oSchrEch beigHtgx. Di *«-<** wawät» «taM Eichener Anzeiger fctrtaiiurf «■» «Mm tae etetm»* tteaemaisiKMteeL X ,«»«, W*M tö fc-M- «*ei-«6e.i fc»ng* w«M General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 175. Sitzung vom 29. März. 11 Uhr. Das HauS ist mäßig besetzt. Am Bundesratsttsch: Graf Bülow. Graf Pofadowsky, d. Einem, Frhr. v. Stengel, Frhr. v. R i ch L h o f e n, v. T r r p i tz , Dr. Nreberding, Dr. Stuebel u. a. _ , .Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung des Gesetzes betreffend die Friedenspräsenz st arte des deutschen Heeres. Eine Generaldebatte findet nicht statt. In der Spezialdebatte gibt . Jlbg Dr. Wolff (B. d. ß.) namens der süddeutschen Mitglieder « eder Landwirte die Erklärung ab. daß sie gegen das Gesetz sttmmen würden, da ihnen bezüglich der Deckungsmittel keine genügende Garantie gegeben würde. Hiermit schließt die Debatte. Das Gesetz wird im einzelnen nn ganzen definitiv angenommen, nur Sozialdemokraten, freisinnige Volksvarteiler und einige Bündler stimmen dagegen. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes betreffend A e n d e- T.” " 9 der Wehrpflicht. (Gesetzliche Festlegung der zwei- jatyri^en Dienstzeit.) . Das Gesetz wird ohne Debatte im einzelnen und im ganzen deftmttv angenommen, nur die Sozialdemokraten stimmen dagegen. Es folgt die dritte Lesung des Etats. In der Generaldebatte führt Abg. Bebel (Soz.) aus: Ich habe nur das Wort genommen, um dem Reichskanzler auf die Rede zu antworten, die er am Montag im Abgeordnetenhause über den Bergarbeiterstreik gehalten hat. Was er über die verhetzende Tätigkeit der Sozialdemokratie bei dem Streik gesagt, widerspricht direkt der Wahrheit! (Zusttmmimg bei den Soz.) Es ist eine Tatsache, daß der Streik über die Köpfe der Führer der Bergarbeiter hinweg aiisgebrochen ist. Die Führung im Streik fiel nicht den Sozialdemokraten zu, sondern der Siebener- Kommission, in der die Sozialdemokraten nicht die Maforität hatten. Im Februar hat der Reichskanzler hier eine Drohung gegen die Arbefter ausgesprochen, die bei den Bergarbeitern viel böses Blut gemacht hat, denn bisher war noch nichts eingetreten, was diese Drohung rechtfertigte. Ich war also vollkommen im Recht, als ich diese Drohung eine Provokation nannte Die Haltung der Bergarbeiter, und im speziellen auch gerade der Führer, verdient die höchste Anerkenmmg. Mit bewundeimngswürdiger Disziplin sind die Arbeiter den Weisungen der Führer gefolgt, und diese haben es über sich gewonnen, den Streik auf der Höhe abzubrechen — sehr zum Aerger des Shndikats, das auf eine längere Dauer des Streik? gerechnet hatte, um die Preise in die Höhe zu treiben. Die kann man von einer Niederlage der Arbeiter reden? Ohne den Streik wären die Berggesetznovellen im Abgeordnetenbause nie eingebracht worden. Wie konnte der Reichskanzler im Abgeordnetenhause io sprechen? Möglich, daß er durch diese Redeweise das Dreiklasten- parlamerrt für sich gewinnen wollte. Aber waren dazu direkte Unwahrheiten notwendig? Jeder Satz, den er über die Sozialdemokratie gesprochen, von A bis Z ist unrichtig! Die Sozialdemokratie soll sich der Beendigung des Streiks entgegengestellt haben! Da? ist fa doch direkt au§ der Luft gegriffen. Die Behauptungen de? Reichskanzlers stehen der Wahrheit schnurstracks gegenüber. Er sprach fa wohl noch gar von der „Kulturfeindlichkest" der Sozialdemokratie. Wenn eine Partei für die höchsten Güter des Volke? für die .Kultiw, für die Bildung eintritt, so ist es die Sozialdemokratie! Deshalb hält man sie fa so ängstlich vom preirßischen Landtag fern, damit dort die Bildungsfeindlichkeit ungestört regieren kann, damit dort so verknöcherte Herren, wie der preußische Handelsminister .... Präsident Graf Valleftrem unterbricht den Redner und bedeutet, daß der Ausdruck „verknöcherter £>err", auf ein Mitglied der Reaierung angewandt, nicht angemessen sei. Abg. Bebel: Ja, das ist der Geist, der in Preußen regiert! Und da spricht man von „sozialem Körngtmn"! Wir würden im? sehr freuen, wenn dieses sog. soziale Königtum em wirklich soziale? Königtum werden würde. Dieses würden wir ebenso entschieden rmterstützen, wie wir fenes bekämpfen. Der Reichskanzler sagte, als er sein Amt antrat, zu uns: „Weshalb bekämpfen Sie mich? Sie kennen mich ja noch gar nicht!" Nun, ietzt haben wir ibn kennen gelernt (Heiterkeit) — und ich muß sagen: die ganze Feit bat er sich immer weiter nach rechts entwickelt. Nun noch em paar Worte Über eine andere Frage, die die Oeffentlichkeft stark erregt bat. Ich meine die marokkanische Frag-. Seltsam ist es, daß num erst setzt, uach einem Jahre nach dem Abschluß deS englisch-französischen Abkommens sich daran erinnert, daß man die deutschen Interessen schützen müsse. Ob für die Demonstrationsreise des Kaisers setzt der geeignete Moment ist, lasse ich dahingestellt. sLärm rechts.! Die Rede, die der Kaiser in Bremen gehalten hat. klingt ganz anders al? die früheren Reden von der „gepanzerten Faust". Derrn man diese Politik, die der Kaiser in Bremen verteidigt hat, weiter verfolgt, dann wird es hoffentlich auch bald mit den ewiaen Verstärkungen von Heer und Flotte ein Ende nehmen. (Beifall b. d. So-..) Mg. Dr. v. SkgrzvnSki (Pole) bringt die bekannten volnischen Klagen vor imd volemistert besonders gegen den Abg. b. Gersdorff, weil er in der zweiten Lesung von der polnischen Schlange gesprochen habe, bleibt aber im einzelnen unverständlich. Abg v. GerSdorfs skons.s meint, wenn Polen ein selbständiger Staat geblieben wäre, würde es nicht den Aufschwung genommen haberr wie jetzt. Wenn man jetzt freilich so die Polen reden böre, so bekäme man fast den Eindruck, daß man eine Schlange am Busen genährt habe Wenn die Polen bei jeder Gelegenheit die Polenfrage auftollten, so dürfen sie füh nicht darüber wundern, wenn auch die Deutschen die Reserve verlassen und ste sich zu kräftiger ^^^g^w^arlinski (Pole) meint, nicht die Polen, sondern die Deutschen hatten angefangen. ~ T v Aba v. Tiedemann (Rpt.s: Nem, dre^olen. Ich habe die größte Bewunderung für die nationale Kraft der* Polen, für rbre nn nationale Kiele, für ihre unverwüstliche Lebenskraft. Abe? woüer Wn fie die MitN bekommen? Nnr durch den pren- Pfitnsoweti lPol-1 erwidert: Nein, di- Deutschen bätten mg-sün^n. da fie grundsätzlich nichts Bet Leuten nut polm- schen Nmneu kausten. $ i. eg kann in keiner Weise be- stritte^wer?em däf; für di- öMiL-n. Landesteile sehr Hel von der preußischen Regierung getan worden ist. beider aber nicht auf dem Gebiete der Schule,' nirgends herrschen so ?er&a(tatg in dieser Beziehung wie tm Osten. Ae ganze Ansiedelungspo itck ist aber nur eine Politik der Nadelstiche, dre die Polen nur verbittert, aber ihnen nichts geschadet hat. Frage, wer angefangen hat, will ich nicht erörtern. Hier steht Behauptung gegen Behauptung. Die Boykottpolittk ist jedenfalls eine unwürdige Politik, die von beiden Seiten aufgegeben werden müßte. Die Reichskanzlerrede über die Bergarbeiternovellen vom Montag hat mich nicht in Verwunderung gesetzt. Der Kanzler hat eben verschiedene Saiten auf seiner Geige. Er hat wohl gemeint, daß er den Gesetzen im Abgeordnetenhause am besten nutzen würde, wenn er ,ihnen einen scharfmacherischen Charakter gebe. Die Regierung ist m einer fatalen Situation, denn sie will doch gerade durch diese Novellen Frieden schäften und die Gemüter beruhigen. Dies wird aber durch solche Reden nicht erreicht. Am besten wäre es, wenn die ganze Berggesetzgebung reichsgesehlich geregelt würde Besondere Aversion scheinen die Herren im Abgeordneten vause gegen „bie Arbesterausschüffe zu hegen. Aber mit Unrecht, wo sie eingeführt sind, haben, sie sich durchaus bewährt. Und wie ist es in Rußland? Dort bitten die Unternehmer gerade die Regierung darum, Arbefterausschüsie etnfitüren zu dürfen, damit sie mit ihren Arbeitern unterhandeln können. Noch ein Wort zu unserer Handelsvertragspolitik: Man häfte mit der Vorlegung des österreichischen Vertrages warten sollen, bi? die Wahlen in Ungarn vollzogen waren. (Graf Bülow schüttelt lächelnd das Haupt: Herr von Loebell darauf desgleichen.) Nun haben wir die Bescherung: der Verttag wird vielleicht von Ungarn sanktioniert, und wft segeln nun doch in einen verttagslosen Zustand hinein. Herr von Kardorff sprach sich gestern für eine Besteuerung der Eisenbahnen aus. Das ist das erste Mal. daß er für direkte Reichssteuern eintrat. Hoffentlich wird jetzt auch aus ihm in Bezug auf die Einführung des aleichen und direkten Wahlrechts in den Einzelstaatcn aus einem Saulus ein Paulus. Vor dreißig Jahren hat er sich doch schon mal dafür ausgesprochen. Abg. von Kardorff (Rp.) erwidert, eine Besteuerung der Eisenbahnen sei noch keine direkte Reichssteuer im Sinne einer Einkommensteuer. Wahr ist es, daß ich vor etwa 30 Jahren gemeint habe: es ginge auf die Dauer nicht an, daß zwei so hervorragende Körperschaften wie der deutsche Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus auf so heterogenen Wahlgesetzen beruhen. Das ist sicher: wenn wir das Reichstagswahlrecht auch für die Einzelstaaten einführten, so wiftde das die politische Sittiatton ganz gewaltig ändern. Dann könnten wft allerdings zu einer Reichseinkommensteuer kommen. Die Rede des Abg. Bebel gehörte nicht hierher, denn das Berggesetz gehört zur Kompetenz Preußens. Die Sozialdemokraten erinnern immer, wenn sie da§ preußische Abgeordnetenhaus bekämpfen, an das Wort Bismarcks von dem elendesten aller Wahl- spsteme. Aber Fürst Bismarck hat auch gesagt, wenn das gleiche und direkte Wahlrecht dazu führen sollte, daß gewisienlose Agitatoren das Volk belügen, dann würde das Öeutfcüe Volk wohl stark genug sein, sich von diesem Wahlrecht zu befreien. Daran mögen die Sozialdemokraten auch Nuten. Ich bestreite es entf(bieben, daß die Sozialdemokraten nur für Kulturförderung und Ideale sind. Ich gebe zu, daß sie für die körperliche Hvgiene der Arbeiter eintreten. aber es gibt mich eine geistige Hvgiene. die Erziehung der Natton dahin, daß sie keinen Konttaktbruch verübt, daß Treu und Glauben mrfrechterbalten bleibt. Das Königttnn ist bei rms schon lange sozial, alle andern Lander beneiden un? um unsere Arbefterichutz- gesetzgebung. Bezüglich der auswärtigen Politik sind meme Freunde natürlich auch dafür, daß wir mit allen Mächten gute Beziehungen unterhalten. Aber Frankreich kann nie darüber im Zweifel gewesen jein, daß wir auch dort die Politik der offenen Tür vertreten. Auch ich bin nicht für Besitzergreifung in Marokko. Dennoch darf man nicht, wie es hier geschehen, sagen, daß wft in einem Kriege gegen Frankreich und zugleich gegen England unbedingt unterließen müßten. DaS heißt doch, diese Mächte geradezu auffordern, über uns hebzufallen. Unser Landheer ist den anderen reichlich gewachsen, und unsere Flotte ist wenigstens zur Verteidigimg völlig ausreichend. Wir Deutschen unterschätzen unsere Gegner nicht, wft geben in den Krieg meist mrr mir schweren Sorgen, nicht mit russischer Selbstüberhebung. (Bestall.) Reichskanzler Graf Bülow: Hinsichtlich der Ostmarkenftage folge ich dem Beispiele und dem Vorbilde des Abg. Gothein und werde mich bemühen, mich über diese Frage so kürz al? möglich zu fallen. Ich kann dies um so eher tun, als die Ausführungen der drei Herren Redner von der polnischen Fraktton nach meiner Auftallung von den deiftschen Herren Abgeordneten so gründlich widerlegt, oder,, wenn ich mich eines Ausdrucks deS Herrn Grafen von Miele-imski von neulich bedienen soll, so gründlich abgeführt worden sind, daß ich dem kaum etwa? hinzuzufügen habe. Der Abg. Gothein bat gemeint, daß der Ostmarkenpolittk der preußischen Reaierung mancher Vorwurf zu machen wäre. Ich glaube, der berechtigtste und stärkste Vorwurf, der der Ostmarkenpolittk der preußischen Regierung gemacht werden kann, stt der Vorwurf eines Mangels an Konttnuität (Sehr richtig! rechts), und deshalb werden wir für die preußische Regierung diejenige Ostmarkenpolittk, die wft jetzt führen, auch mit Stetigkeit fortsetzen. (Beifall.) Der Abg. Bebel hat im Eingänge feiner Ausführungen den bevorstehenden Besuch Seiner Majestät des Kaisers in Tanger m Verbindung mit der marokkanischen Frage berührt. Ich halte es auch heute noch nicht für politisch opportun, mich im einzelnen und eingehend über die marokkanische Frage zu äußern. Ich nehme aber, nachdem die Frage nun einmal angeschnitten ist. keinen Anstand, zu sagen, daß ich mit den Ausführungen meines Vorredners, des Abg. v. Kardorff, über diesen Punkt durchaus einverstanden bin. S. M. der Kaiser hat bereits vor Jahr und Tag S. M. dem Könige von Spanien erklärt, Deutschland erstrebe in Marokko keine territorialen Vorteile. Nach dieser bestimmten Erklärung ist es ein aussichtsloses Unternehmen, dem kaiserlichen Besuch in Tanger irgendwelche selbstsüchttge. gegen die Integrität und Unabhängigkeit von Marokko gerichtete Absichten unterzuschieben. Ein beredttipte? Motiv zur Beunruhigung läßt sich also aus dem Besuche in Tanger für niemand herleften, der selbst keine agressiven Zwecke verfolgt. Unabhängig von der Territorial frage und unabhängig von dem Besuch läuft aber die Frage, ob wir in Marokko deutsche wirtschaftliche Interesien zu schützen haben., Das haben wft allerdings. Wir haben rn Marokko ebenso wie in China ein erhebliches Interesse an der Erhaltung der offenen Tür,, d. h. der Gleichherech- ttgung aller handeltreibenden Völker. Fürst Bismarck hat einmal gesagt, man könne eZ keinem Staate verübeln, wenn er für nachweisbare Interellen eintritt. Verübeln könne man es nur dem. der sich aus Bösartigkeit in eine Sache einmischt, ohne nachweisbare Interesien. Das ist in Marokko nicht unser Fall. Die deutschen Interessen sind, wie gesagt, recht erhebliche und wir haben dafür zu sorgen, daß sie gleichberechtigt mit denen aller anderen Mächte bleiben. Wenn der Abg. Bebel aber gemeint hat, unsere Politik gegenüber Marokko sei eine andere geworden, so muß ick ihn zunächst darauf aufmerksam machen, daß Sprache und Haltung des Diplomaten und Politikers sich nach den Umständen richten. In der Tendenz der deuftchen Polittk aber hat sich nichts geändert. Wer ein fait nouveau sucht, wird es nickt in der deutschen Polittk ttnden. Sofern aber versucht wird, die völkerrechtliche Stellung Marokkos zu ändern, oder in seiner wirtschaftlichen Entwicklung die offene Tür zu kontrollieren, müsien wft auch in höherem Grade als früher darauf achten, dafx unsere wirtschaftlichen Interesien in Marokko ungefäyrdet bleiben. Wir werden uns deswegen zunächst mit dem Sultan von Marokko in Verbindung setzen. Nun hat der Herr Abg. Bebel bei diesem Anlässe ehren Angriff gerichtet gegen den Ahg. v. Riepenhausen. Er hat gemeint; das sei ein militärischer Draufgänger, und hat sich selbst hingestellt als den FriedenSmann par excellence. Mehre Herren, nach meiner Empfindung ist der A'-g von Riepenhausen sehr viel fried-« ferttger als der Abg. Bebel. (Heiterkeit.) Ich habe von dem Abg. von Riepenhausen bisher noch niemals hefttge und sehr tadelrrs- werte Angriffe gehört gegen befreundete ober benachbarte Reiche. Ich habe bisher, auch niemals gebärt, daß der Aba. von Rieven- boufen ober bie ihm nabesiehenbe Prelle hätte eine überaus heftige, hätte eine agressive, hätte eine gerabezu kriegerische Sprache führen lallen gegen unsere Nachbarlänber. Iebenfalls hoffe ich, daß bie friebferttge Gesinnung, der der Abg. Bebel heute Ausdruck gegeben- daß er die immer und überall und künftig bei jeder Gelegenheft zeigen wirb. Nun hat ber Abg. Bebel sich gewandt gegen die Ausführungen, welche ich vorgestern hn preußischen Abgeordnetenhause gemacht habe über den Streik im Ruhrrevier und über die Novelle zum Berggesetz. Wenn der Abg. Bebel bef diesem Anlaß wiederholt hat, daß bas, was ich seinerzeft in biefem hoben Hauie gesagt hätte über die Absicht und den festen Enftchlutz der preußischen Regiemlng. die öffentliche Ordnung unter allen Umständen aufrecht zu erhalten, eine Provokation der Arbefter sei, so erwidere ich ihm: Solange wft eine Regierung in Preußen und ift Denttchland haben werden, die diesen Namen überhaupt verdient, wird sie es als ihre erste und nächste Pftidst halten, zu verhindrrn, baß Gesetz unb Ordnung verletzt werben. (Beffall.) Darm hat ber Herr Abg. Bebel wefter gesagt, daß in Englanb ober Frankreich fein Minister sich so gegenüber einem Streik hätte benehmen, sich so aeaenüber einem Streik hätte anssprechen können, wie ich bet H»fer Gelegenheft, lieber bie Haltung ber königlich preußischen Staatsreaiermig gegenüber dem Stteft im Rubrrevier habe ich müh, eingehend vor zwei Tagen verbreftet, imb ich habe gesagt, daß nach! meiner Ansicht Wohl fairm ie gegenüber einer so ernsten, einer so weitreichenden Arbeitseinstellung, wie es dieser Ausstand im Ruhrrevier war. eine Regiermig eine sachlichere und ruhigere Haltung beobachtet hat, wie in diesem Falle bie königlich preußische Staats-, reaienma. Ich richte aber an den Abg. Bebel bie Gegenfrage: Die haben sich denn bei ähnlichem Anlaß aus ber Sozialdemokratie- bervorgetretene Reni ererbe Verhalten? Wo sie bazu in der Lage- Waren, sind sie dem Stteik meistens mana militari entgegengetreten. So haben es bie Minister gehalten, bie au§ der sozialdemokratischen Partei hervorgingen, so hat eS, wenn ich mich rncht täusche, der Herr Wullschläger in Basel gehalten beim Maur erstreik. Wenn das der Abg. Bebel beftreitet (Zwischenrufe) — w-nn er eß nicht bestreitet, würde daS meine Ansicht bestärken s.Heiterkeft) — so will ich verlesen, was er selbst gesagt hat auf dem Internattonalen Sozialisten-Kongreß in Amsterdam. Ich bemerke dabei aber ausdrücklich, daß der ZeittmgSausschnftt mir nicht von dem Abg. Erzberger vorgelegt ist (große .Hefterkeft), der mft noch niemals ftgend einen Zeitungsausschnitt ober ftgendeine Mitteilung hat zukommen lallen. WaS ber „Vorwärts" darüber behauptet bat, war purer Schwindel. sHefterkeft.) Also auf dem Internatt onalen Sozialisten-Kongreß sagte Bebel: „Kein größerer Kampf, in den letzten vier Jahren, nicht in Lille, Roubaix, Marseille,' Brest, Marttniaue und noch jüngst m der Normandie der Stteik der Glasarbeiter, bei dem das Ministerium Waldeck-Rouffeau- Millerand, bas Dttnisterftnu EombeS gegen die Arbeiter nicht Militär aufgeboten hat! Im November ist die Pariser Polizei in schamlosester gewalttättaster Weise m bie Pariser Arbeit erb örse eingebrochen unb hat 70 Arbefter verwunbet, niebergeknüppeft, und da bat ein Teil unserer sozialistischen Freunde in der Kammer nicht für die Bestrafung deß Polizeipräfetten gestimmt.^ (Hört, hört! rechts. Lebhafte Pftnrufe.) — Diesen Pfuirufen schließe ich mich nattftlich nicht an. Ich verhalte mich ganz objekttv gegenüber Bor- aänaen in anderen Ländern, aber ich richte die Frage an den Abg. Bebel, mit welchem Rechte er da gegen die preußische Regierung -m Felde zieht, die gegenüber einem Ausstand von 200 000 Arbeitern nicht einen einzigen Soldaten auf die Beine gebracht hat. Als in der belgischen Kammer neulich der belgische Bergarbeiter-' streik zur Debatte stand, baten die beiden sozialistischen Vertreter von Lüttich bie belgische Regierung, sie möge gegenüber dem belgischen Stteik eine so gerechte und fachliche Haltung einnehmen, tote die preußische Regierung während des Bergarbefterstreiks im Ruhrrevier es gegenüber den preußffchen und denffchen Bergarbeitern getan hätte. Gehen Sie, Herr Bebel, bei Ihren belgischen Ge- nollen in die Lehre und brechen Sie endlich mit den verknöcherten Anschauungen — ber Ausdruck ist fa erlaubt sHefterkeft) —, bie Sie bisher auf biefem Gebiete gehabt haben. Nun hat ber Herr Abg. Rebel auch die ruhige Halttmg unserer Arbefter im Ruhrrevier bervoraehoben. Werm ich auch die unter Konttaktbruch erfolgte Niederlemma der Arbeit als eine Ilnrechttnäßigkeft habe tadeln müllen und scharf getadelt habe, so habe ich doch immer gern anerkannt. daß der Stteik hn großen und ganzen ruhig verlaufen ist. Da? hat bekanntlich den Arbeitern in weften Kreisen Svmvathien erworben. Mögen sie daraus erkeimen, wie sehr sie sich und ihrer Sacke nützen, wenn sie sich m den Bahnen des Gesetzes und der Ordnung halten. Im schreienden Gegensatz zu dieser Haltung der Bergarbeiter stand aber von Anfang an und bis zu Ende die .Haltung der sozialdemottattschen Partei, des sozialdemottatischen Parteivorstandes, der sozialdemottattschen Preffe, bei welcher von vornherein und immr*r wieder der politische, der revoluttonäre Pferdefuß ^zum Vorschein kam. Die sozialdemottatifche Preffe war bon, Anfang an bemüht, Mißtrauen gegen die Regienmg unb gegen die Volksvertretung zu erwecken. Bevor die Novelle mm Berggesetz an gekündigt wurde, erklärte die sozialdemottattfcbe Preffe. daß von festen der Regierung unb von festen des Parlaments unter keinen Umständen ttaendwelche gesetzliche Remedur zu erwarten wäre. (Zuruf v. d. Soz.: Haben wir beim da nicht etwa recht?) Warten Sie es boch ab. ?lls die Regierung nun im Interelle des sozialen Frieden-, äfa die Reaierung in einer durchaus sachlichen Haltung gegenüber beiden Teilen bie Novelle zum Berggesetz in Aussicht stellte, hat die sozialdemottatifche Preffe alles getan, um den Arbeitern dft Freude an diesem Eingreifen zu verekeln. Regierung und Parlament wiwden aufgefordert, etwas für die Arbeiter zu tun. In demselben Augenblick wurden Regierung und Parlament als Kavitalistenregierung und Kavitalistenvarlameut mit Schmähungen überhäuft, und im Gegensatz zu den Ausführungen deS Abg. Bebel behaupte ich, daß der Ausstand sehr viel früher zu Ende gekommen wäre, wenn die fottaldemottattsche Preffe nicht immer fort Oel inS Teuer gegoffen hätte. (Zustimmung.) Das ist sogar in solchen Blättern anerkannt und hervorgehoben worden, die weder der Regierung besonders tteundlich, noch ftgendwie den Wünschen und Forderungen ber Arbeiter seinblich gegenüberstehen. Ich habe da einen Ausschnitt aus der „Frankfurter Zeitung" vor mft, die frfmitte geliefert. tFeficmfhing aufaeffent 6at, bi? ich rrndimaT? im.) Nun bat ber mehrte, daß sick in der Bergarbeiterangelegenheit der fotfalbenw* kratifche Partcivorstanb und die io^iaTbemofratiftf’e Presse — es i ist die „Frankfurter Zeitung", die spricht — geradezu tävpifck be« 1 nornrnen batten. Mit ibrer abgebrauchten Wafchzettelpbrafeolvgie : hätte die Sozialbemokratie wieder mal eine große Dummbeit ge# ’ macht. Ein anderes, gleichfalls den Forderungen der Arbeiter i sbmvatbisch gegenilberstehendes Blatt, die »Köln. VoffSztg.". wicS । während des Streiks darauf hin, daß der ..Vorwärts" den Kamm der Bergarbeiter aufs äußerste erschwere. Sie wieß auf die Schuld ' bin. welche die sozialdemokratische Presse an der Unerwünschten Gestaltung de? Bergarbeiterstreiks traae imb bob hervor, daß. ie mehr die Sozialdemokratie stch in den Vordergrund dränge, um so mehr andere Kreise zuruckgestoßen würden, auf deren.Sympathie und Unterstützung die Arbeiteroraaniiationen angewiesen waren. Indem die sozialdemokratische Presse alles tue, um den streik der Bergarbeiter nicht zum Abschluß kommen zu lasten, babe sie bewiesen, daß sie durch ihre Voreingenommenbeit und Einseitigkeit für wirkliche Arbeiterinteresten kein Herz und kein Verständnis babe. In einem sebr arbeiterfreundkichen Blatt babe ich gelesen, daß der Abg. Bebel in jener Rede, die er damals während des Streiks in diesem Hause gehalten und auf die er eben Bezug ge» nommen hat. so gesprochen bätte, als ob er dem bergbaulichen Verein zu Hilfe kommen wollte. Diese Austastung will ich mir nicht gerade zu eigen machen, aber das erkläre ich allerdings, daß mir kaum ein Beweis — ich muß wieder dasselbe Wort gebrauchen — von verknocherterer Anschauung vorgekommen ist, als die damaligen Ausführungen des Abg. Bebel. Der Abg. Bebel bätte wirklich nicht anderes sprechen können, wenn es seine ?lbsickt ge- wesen wäre, die arbeiterfreundlichen Bestrebungen der Regierung zu hintertreiben und die bürgerliche Gesellschaft irre zu machen in ihrer sozialpolitischen Tätigkeit. Wenn der Herr Aba. Gothein eben gemeint hat, ich bätte mich bemüht, im Abgeordnetenbause den beiden Novellen zum Berggesetz eine scharfmacherische Nüanee. einen scharfmacherischen Ebarakter zu geben, so bestreite ich das auf das allerentschiedenste, aber das sage ich. einer der wirksamsten Helfer des Scharfmachertums, das ist der Db§. Bebel. (Beifall.) Er ließ ihnen immer und immer wieder Argumente für die Behauptung zukommen, daß die Erfüllung von Arbeiterforderungen nur dazu diene, die revolutionären destruktiven Tendenzen zu bestärken. Nun hat der Abg. Bebel zu meiner nicht geringen Ueberrafckung ,^r gewiste Fälle, für eine gewiße Eventualität seine und seiner Freunde Bundesaenostenschait in Aussicht gestellt unter der Voraussetzung, daß ich nach links rutschen soll, unter der Voraussetzung, daß ich die Sicherheit des Landes kompromittieren soll, indem ick nicht mebr für die Ergänauna. für die Aufrechterhaltung, für die Vervollständigung unserer Rüstungen sorge. Ed war mir sebr charakteristisch, daß sich des Abg. B-'bel bei dieser seiner Aeußemmg, als er von einer möglichen Bundesgenostenschaft seiner Partei sprach und_ man ihm zurief: »Auf wie lange?", eine gewiste Verlegenheit bemächtigte, die ich sonst nicht an ihm gewohnt bin. lGroße Heiterkeit.) Auch erinnere ick mich zu deutlich, daß der Abg. Bebel bei verschiedener Gelegenheit und na mentlich in Amsterdam mit derieniaen, Offenheit, ich mochte das frcmzösiscke Wort gebrauchen, mit derjenigen candenr. die ich an- ernenne, gesagt hat, daß die Sozialdemokratie alle Konzessionen, die man ihr mache, annebnie, sie laste sich jede Vundesaenostenschaft 0^ fallen, sie halte aber fest an ihren letzten Endabsichteu und diese ! tzten Endabsichten, die wären die Ohnmacht des Landes nach e.nßen imd die Anarchie nach innen. Nim bat sich der Abg. Bebel uoch dagegen gewandt, daß ich gesagt hätte, ich wurde, solange ich ’iier stände, mich zur Wehr setzen gegen die kulturfeindlichen und gegen die freibeitsfeindlichen Bestrebungen und Tendenzen der.Sozialdemokratie. Der Abg. von Kardorff bat eben schon hingewiesen auf den Widerspruch zwischen einem solchen Anspruch auf Kultur und dem Ton ich kann wobl sagen, d-n sehr roben Ton der sozialdemokratischen Preste. Der Herr Abg. Bebel bat gemeint, daß diefe meiner Auftastung von der Freiheitsfeindlich:'st und von der .Kulturfeindlichkeit der Sozialdemokratie, daß die nur geteilt^ wurde von einem sehr kleinen Kreise meiner politischen oder persönlichen Freunde. Das bestreite ich auf das aller-nsickiebenste. sSebr richtig! rechts.) Ich bin im Gegenteil der festen lleberzeuaung, daß die Mehrheit des deutschen Volkes nicht die mindeste Lust empfindet unsere verfassungsmäßigen Zustände zu vertauschen mit der uns in Aussicht gestellten Diktatim des Proletariats (Gelächter bei den Soz.) mit der uns in Aussicht gestellten ZucbtbauSordnung. (Erneutes Gelachter imd Widerspruch bei den Soz.) Jawohl, Zuckt - hai:sordmmg, imd die alte und bewährte Kultur zu vertmifchen mit einer banausischen Gleichmacherei, daß sie gar keine Lust empfindet, die subiae, friedliche, gesetzliche Entwicklung einzntmstcken mit einem Wirrwarr, der nach aller geschichtlichen Erfahrung schließlich immer wieder mit dem Säbel durchbauen worden ist. (Lebhafter Beifall! Aba. Sieg (nl.) polemisiert gegen die Polen und bemerkt, die Polen hätten den Deutschen den Kampf aufgedrängt und die Polen hätten es sich selbst zuzuschreiben, wenn der Kampf für sie zu einem ungünstigen Ende führen werde. Die jetzige Polenpolitik der R«"sier"'m müste konstauent w-'t«»r betrieben werden. Abg. Blumenthal l.Hoiv. der südd. Vv.): Gestatten Sie. daß ich Sie für einige Augenblicke aus dem Osten in den Westen führe, nach Elsaß-Lothringen. Es ist da ein förmliches Projekt zur Verfassungsänderung im Umläufe. Aber in Elsgß-Lothringen selbst besteht nickst die geringste Neigung, den Einfluß Preußens im Bundesrat zu stärken. Und das würde der Fall sein, wenn Elsaß- Lotbringen Vertreter im Bundesrat bekämen, die doch von Preußen instruiert werden müßten. Eine ganz andere Frage wäre die Umänderung der Volksvertretung. Der Landesausscbuß kann als eigentliche Volksvertretung nickst gelten. Er setzt sich zusammen aus Vertretern von Körperschaften, die zu ganz anderen Zwecken bestimmt sind. Er müßte auch aus direkten allgemeinen Wahlen hervoraeben. Dann noch eins: die marokkanische Frcme interessiert gerade Elsaß-Lothrinaen aanz besonders, weil dem Elsaß an den deutschfranzösischen Beziehungen besonders viel liegt. Wir wollen hoffen, daß diese durch die Marokko-Angelegenheit nicht leiden. Abg. Bebel (Soz) bleibt dabei, daß der Reichskanzler frier eine Drohung ausgesprochen habe, in einem Moment, wo dazu nicht die geringste Veranlassung vorlag. Seine »verknöcherten^Ansichten" über die preußische Regierung könne er (Redner) nickst ändern: sie habe doch die' Umsturzvorlage, die Zuchthausvorlage vorbereitet, und sie halte an dem infamen Wahlrecht zum preußischen Lond- tag fest. Präsident Graf Ballestrem: Sie dürfen ein Wahlrecht, das in einem Bundesstaate besteht, nicht infam nennen! Abg. Bebel: Wenn die preußische Regierung dieses Wahlrecht absch-afft. will ick meine „verknöcherten Anschauungen" über sie gern ändern. Gibt es eine größere Mißachtung der Arbeiter, als wenn das preußische Handelsministerium dem jetzt tagenden Bergarbeiterkongreß erklären läßt: es habe feinte Zeit, sich da vertreten zu lasten? ' (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) So lange die preußische Regierung so denkt, können wir unsere Haltung ihr gegenüber nickst ändern. Und das Reichsamt hat die Beteiligung am Kongreß abgelehnt, weil das Bergrecht „Landessache" fei! Diese Erklärungen haben unter den Bergarbeitern mehr böses Blut gemacht, als das Fehlen mancher Bestimmungen in her Novelle. Reichskanzler Graf Bülow: Die Mehrheit diese? Hauses durfte mit mir darin übereinstimmen, daß die Kanonade, die wir eben gehört, mehr ober weniger ein Rückzugsgefecht war. Und den fliehenden Feind soll man nickst mit zu scharfen.Waffen verfolgen, man soll ihm goldene Brücken bauen. (Heiterkeit.) Deshalb gehe ich auch auf die kl-inen Malicen nicht ein, mit denen Herr Bebel seine Reden durchflochten bat, zumal dieselben weder besonders neu, noch besonders reizvoll waren. (Heiterkeit.) Ich wiederhole nochmals: Das, was ich bei Beginn des Streiks gesagt habe über die Notwendigkeit, die Ordnung und die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten. Das ist nur die Feststellung eines Grundsatzes, der in jedem geordneten Staatswesen gilt und vorläufig leben wir in Preußen, in Deutschland noch in einer Monarchie, und da wird die Ordnung aufrecht erhalten. (Beifall.) Verstärkung nicht wird tragen wollen. $n Sachen der Gesellschaft „Südkamerun" will ick> bemerken, daß ihr Land durch Hunderte von Meilen von dem Buli-Gebtet entfernt ist. Die Gesellschaft hat für die kulturelle Entwicklung des Landes fehr viel getan, sie hat die Eingeborenen stets mst behandelt. Dies liegt schon in ihrem eigenen Interesse, um bte Eingeborenen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes brauchen zu können. Der Kolonial-Etat wird bewilligt, ebenso der Etat für Kiautschou. Angenommen wird ferner folgende Resolution: . , . , , e Den Reichskanzler zu ersuchen, den ni chtetats - mäßigen Retcbspoftbeamten i n d e n T cP u tz - gebieten für den Fall eintretender Dienstunfähig kett dieselben Vergünstigungen zukommen zu lasten, wie sie den anderen nicktetatsmäßigen Beamten der Sckmtzaebiete und deren ^nnters bitebenen gemäß der Denkschrift zum Haushalt der -Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1905 zukommen. Es folgt der Etat des Reichsamts des Innern. Abg. Dr. Becker-Hesten (natl.): Ich muß das Haus um Entschuldigung bitten, daß ich auf die Angriffe des Abg. S(betbettiann vom 10. März nochmals ziirückkomme. Ich bin der Ansicht, und ich glaube, der größte Teil des Hauses stimmt mir barm bet, daß die Tribüne des Hauses nicht benutzt werden darf, um tn rein persönlicher Weise einen Kampf zu führen, in dem man sachlich schon unterlegen ist. Die Reichstagswahlen von 1903 haben doch ich ihm. daß, wenn die Regierung feine ober feiner Freunde Unter* ftütuma und Hilfe irgendwie in Betracht zielten soll. dann dürfen Sie sich nicht nur maufern. fandern müsten sich eine ganz andere Haut mifchaffen. (Große Heiterkeit.) Nun hat Der ?lbo. Bebel mir mich vorgehalten, daß ich öfters mir erlaubt ho e; an ibn die Frage zu richten, wie es eigentlich mit feinem Zukunf ^staat befck'gffen fei. baß ich baraitf bingewiefen habe, baß ein grc ter Abstanb b"stehe Zwischen den Hoffnimoeu. die die Sozialbemokro :c erwecke unb her fpärlichen, bürftigen Mitteilungen, die wir über Lm rciTen Inhalt feines Zukunftsstaate? hören. Als er sich heute anfckickte. die F^age anntfchneiben, da backte ick. mm kommt er eublich, mm wirb er enblich aereizt (große .Heiterkeit!, aber es war wieber einmal nichts, ber Zukunftsstaat kommt niemals aus bem Futteral heraus (Große Heiterkeit.) Da? ist ein llnreckst geoen bie Arbeiter, ihnen Dinge an bie Wanb zu malen, über bi- Sie nichts Konkretes vor biefem holen Hmife erklären können. Ich erkenne an. baß er bas Verhalten berienigen ferner Parteigenoffen im Auslände mißbilligt, bte bei Streiks anbere Mittel angewanbt hätten, wie sie in biefem Falle bie vreußifche Regierung angewanbt hat. Daß er diefe? Verhalten feiner Parteigenosten von feinem Standpunkt aus mißbilligt. das mag ganz gut und schön fein, aber wenn die Portei- genosten im Ausland, trenn sie vor bas Problem bes Streiks gestellt werben, sich so verhalten, ^arm foll ber Aba. Bebel nickt ein folckes Geschrei erheben über ben Splitter hrt Auge ber Regierung, er sieht dabei nickst ben faustdicken Baffen im Auae feiner Freunde. Der Abg. Bebel hat mit großem Recht in Amsterdam. auf dem s^rialbemokratifcken Parteitag gesagt. — das bitte ich Sie, sich tu? Stammbuch zu schreiben —: „Die Republik ist nicht so gut, wie wir sie macken, imb bie Monarchie ist nicht so schleckt, wie totr sie machen." (Große Heiterkeit unb Beifall.) Abg. KnlerSki (Pole) meint, die preußische Polenpolitik harte stets Kontinuität besessen, ihr Endziel sei stets die Germatiisierimg ber Ottmarken gewesen. Die Polen hätten sick nur gewehrt, denn sie wünschten den Frieden. Der unfähigste Beamte schreie jetzt' Auf zum Kampf gegen die Polen!, es fei schon so weit, daß man nicht ungestört mehr polnisch auf der Straße fprechen könnte. Abg. Lattmann s?lntts.) führt aus, der Abg. Bebel fei nicht der legitimierte Vertreter aller Arbeiter, wenn es nicht im Rubr- ocbiet auch christliche Arbeiter geaeben hätte, würde es für die Sozialdemokraten eine böse Geschichte geworden sein. Hiermit schließt die Generaldiskussion. In der Spezialdiskussion werben debatteloS bewilligt die Etats des Reichstags, des Reichskanzlers, der Reichs - kanzlei und des Auswärtigen Amts. Beim Kolonial- Etat fragt Abg. Dr. Erzherqer (Ztr.) an, ob es richtig sei, daß Sud- Kam ein m sich in offenem Aufruhr befinde. Die Süd-Kamerun- Gesellschaft besitze große Reckte und müste von ihrem Verdienst nur 5 Prozent an die Landesregierung abgeben, sie suche alles mögliche aus der Kolonie her auszuschlagen, da würde es nickst hnmber ncrmen, wenn die Eingeborenen sich empörten. Bisher soll, nur em Weißer ermordet sein, diese Tatsache allein beweise noch nicht, daß ein Aufstand bestehe, denn auch in Berlin kämen Mordonfälle vor. Kolonialbirektor Dr. Stübel: Die Gründe, die uns veranlaßt Wenn der Abg. Bebel gesagt hat, ich hatte mich für die Unternehmer, für die Zechenbesitzer, in einer, wie er sich ausbrückt, zärtlichen Weise ausgesprochen, so würbe ihn ein Blick in diejenigen Organe, die mehr oder weniger als das Sprachrohr des bergbaulichen Vereins gelten, wie z. B. die „Rheinisch-Westfälische Ztg.", vom Gegenteil überzeugt haben. Gewiß, ich befleißige mich ber Gerechtigkeit, unb deshalb verkenne ich nicht, daß die Unternehmer im Ruhrrevier Männer sind, bie burck rastlosen Fleiß. (Zuruf links: „Ihrer Arbeit!") bie burch große geschäftliche Tüchtigkeit, burck hohe Intelligenz der deutschen Industrie ihren Weltruf erworben und ihre Weltstellung erobert haben. Aber ebenso offen unb rückhalt''os. wie ick das anerkenne, habe ick auch bie Punkte namhaft gemacht, wo nach meiner Ansicht bie Unternehmer imb Grubenbesitzer im Ruhrrevier nickt richtig overiert haben. Ick habe bas gesagt, weil ick glaubte, daß ibre Haltung gegenüber dem letzten Streik feine politisch, feine taktisch richtige war. unb ick wiederhole auch bei biefem Anlaß, daß ich die Opposition, bie ber berabaulicke Verein gegen bas Berggesetz gemacht hat. beklagen muß. Ick habe mich, wie ick es vorhin auSgeführt habe, einer durchaus sachlichen -mb unparteiischen Haltung beffeifnat. Der Abg. Beb hat behauptet, ick hätte ihm Aeußerungen in ben Mnnb geleat. bie er nickst getan bat. Er möge bock, damit an# fanocn, mir nickt Aeußenmaen in ben Munb zu legen, bie mir niemals einaefallen finb. Ick hab? niemals gesagt, daß ber Abg. Bebel behauvtet hatte, ber Abg. Erzberger hätte mir Zeitimasaiis- fchnitte geliefert. Ick habe nur gefagt. daß ein .'Zialdemokrot'sches Blatt, ein leitenbes unb tirhrenbe? fozialbemok' tisckes Organ diese " einen albernen gezeigt, daß nickt nur die große Mehrheit der bürgerlichen Parteien, sondern auch ein großer Teil ber Arbeiter mir ihre Stimmen gegeben haben. Ich kann ja wohl ben Haß verstehen, mit dem mich seit längerer Zeit bie sozialdemokratische Prest? unb bewnbers das Organ des Abg. Scheibemann, das „Offenbacher Abendblatt", verfolgt hat. Ich bin in einer Weise persönlich belästigt worden, wie es noch niemals im Deutschen Reiche vorgekommen ist. Ich erinnere nur daran, daß man. als ick mit einem Automobil fuhr, ein Seil über bie Straße gespannt bat. um mich zu strangulieren. sHört! hört! bei ben Natl.: Gelackter bei den Soz.) Wenn Sie hierüber kacken, beweisen Sie nur, daß Sie von Ihren Anhängern nock mehr erwarten. Ick ernnere daran, daß man mich am Tage ber Stickwahl auf ber Straße hinterrücks zu Boden geschlagen hat (hört! hört!), daß man zweimal ben Griff meiner Hausglocke mit Mensckenkot beschmiert hat. Man hat sick bann zu meiner persönlichen Sicherheit veranlaßt gesehen, ständig zwei Gendarmen bei mir aufzustellen. bei Fahrten zu Patienten ritt stet? ein Gendarm hinter mir. Man hat in ber Nackt bei mir geklingelt, imb wenn meine Frau bann am Fenster erschien. _um zu fragen, ob ein Kranker da fei, bat man sie mit den unflätigsten Worten überschüttet unb ist for kaufen. (Hört! hört!) Diefen Kampf auck in den, Reickstag zu übertragen und mich von ber Rebner- tribüne zu v-wimalimpfen, da? blieb dem Abg. Sckeidemann Vorbehalten. Ms am 10. März mein Freund Büsing versuchte, meine Abwesenheit mit dem kürzlich erfolaten Tode meiner Frau zu rechtfertigen. da war es ber Abg. Sckeidemann. der erklärte, der Abg. B'"nua habe einen Appell an bie S-nsim-ntalität bes Haines gerichtet. der ganz unangebracht fei, ba Frau Dr. Becker fckon seit brei Wockeu verstorben fei, unb dieser selbe .Herr schreibt als Redakteur des Offen ho her Abendblattes selbst ü^er den am 24. Februar erio'nten Tob meiner Frau. Unwahr ist auch bie Be- baitptimo des Abg. Sckeidemann, baß ich fckon am 18 Februar auf 14 Taoe beurlaubt fei: ick bin erst am Tage bes Tobes meiner Fron :::: 21. Februar, nack ben arntffcken Akten beurlaubt worden. Herr Sckeidemann sagte zunächst: „In einem kleinen Orte ristierte ein Sanitätsverein . . . Wenn er meinen Artikel „Zur Krankenarzffrage" gelesen hat, so muß er willen, daß in Svrend- lingen nicht ein, sondern 3 Sanitätsvereine emittierten. Ich war auch nicht der einzige Arzt dort, sondern neben mir vraktizierten noch 2 andere. Sprendlingen ist auch kein kleiner Ort. sondern bat 5000 Seelen. Herr Sckeidemann sagte: „in einem so kleinen Ort könne man mit den Leuten alles machen, was man wolle". Ich möchte willen, wie es bei 5000 Seelen möalich fein tollte, die Leute am Gangelbande au führen. Wie kam ick überhaupt dorthin? Gerade die Parteiaenollen des Herrn Sckeidemann waren es, die mich hinzogen. Die Zwei Sanitätsvereine dort tollten zufammen- oefckmolzen werben an einen, imb in den Vorstand diese? einen Vereins batte man wohlhabende Leute gewählt. Darüber beschwerte sich die ärmere Bevöfferuna und sah sich nach einem neuen Arzt um. Ein- Deputation kam zu mir. bot mir die Stelle an. Ich erklärte: nur unter aanz bestimmten Bedinaimaen würde ich meinen Wohnsitz weckteln. und unter keinen Umständen den übrigen Aersten Konkurrenz macken, weshalb das Arzthonorar entsprechend normiert werben mußte. Die Leiste gingen darauf ein. und e§ winde mir mich ein Mindesteinkommen garantiert. Ms ich einiae Jahre praktiziert hatte, verließ erst der eine, dann der andere Ar st ben Ort. ich blieb feit 1895 al? der einzige Arst dort. Daraus kann sich jeder einen Begriff von bem Umfang meiner Tatiakeit macken, aber auck von meiner Beliebtheit gerade ^bei den Arbeii-rn. Herr Sckeidemann farrte, »ich hätte ben Semitätsverein aistaelöst". Ja, wie kann ich das? Ich bin dock nicht der Verein. Ick sprach nur ben Wunfck aus, statt eines Sanitätsv-reins eine Familienverllck.:- runa ins Leben zu rufen. Warum? Nun, die Leiste wollten mög- lickst frei sein, nicht nur oem Arst. fondem mich dem Vorstand gegenüber. Daher ging der Vorstand darauf ein und sistierte fern Eine offizielle Auslösung des Vereins ist noch bis heute nicht erfolgt. Der Aba. Sckeibemonn hot hier in fernem korrigierten ^teno* ^remrm etwas wefentkick anderes stehen als in feinem unkorriaierten Stenogramm. Im „Vorwärts" stand nämkick, daß ick ben Verein g''fgeköst habe gegen da? Versprechen, bie bisherigen Mstakieder des Vereins umsonst an behandeln. Das Wort „umsonst" war noch saaif fett gedruckt. Man wollte mich nur bei meinen Kollegen an# schwärmen, daß ick, ber ick immer für hellere Honorare einaetreteff bin, bei mir den Leisten verivrecke, iMisonst au arbeiten. Hier nn ^nrriaierten Stenogramm ist mm ab-r das Wort „gratis" mehrmals burckstricken. (Hört! hört!) Der Abg. Sckeibe.mann führte Sinn auch wester von mir aus, ber Mann bekam immer mehr Oberwaller, er mackte sich auch polstifck unangenehm bemerkbar. ^Heiterkeit.) Diefe? Wort ist dem Zaun der Zahne hebet in einem unbedachten Augenblick enffvrunaen. denn kurz vorher haste ber Abg. Zickest meinen .Kollegen Miiadan aufgefordert, einen Arst auf ben Tifck des Hmife? zu legen, der wegen feiner politischen Anschauung irgendwie bohfottiert wurde. Ick war leider nickt ba, imb vielleicht hätte auch die .Kraft des Abg. Miiadan nicht an§# gereicht, um mich auf den Tißb des Kaufes zu legen. kHesterkcit.) Daß Aerzte gemaßregelt werden,^wenn sie sich politisch »unangenehm bemerkbar macken", bestätigt mir auch ein Kollege ut einem Briefe, der mir schreibt: „Wenn ick politisch aitftreten würbe, würde vielleicht auck meine ärztliche Stellung gefährdet fein! (Zuruf b. d. Soz.: Vielleicht!) Ja, vielleicht! Er bat sick eben vorsichtig aiidgebrückt. Ich foll mich politisch „unangenehm bemerkbar" gemacht haben, während da? „Offenbacher Abendblatt" doch bei der Wahl schrieb, daß man vor 2 Monaten den Politiker Dr. Becker überhaupt noch nickt gekannt habe! Ick verstehe es daß Sie mich um jeden Preis tot macken wollen. Wenn ein Wahlkreis bereits so lange sozialdemokratisch verseucht ist und bann bieie; Hochburg der Sozialdemokratie plötzlich von „biefem Kerl aus! Sprendlingen" — wie sick das „Offenbacker Abendblatt" au8#l drückte — genommen wirb, von bem man 12 Jahre lang überhaupt^ nichts gehört hat: ja, da verstehe ick den Haß. Der Abg. Scheide-, mann erklärte auck wester, baß erst jetzt bie Leiste zur Besinnung gekommen unb einaefehen hätten, eine Dinmnhest gemacht z« haben. Sonst wirb boch immer behauvtet, baß bie Arbeiter bte intelligentesten Leute seien, unb da gebrauchen sie 12 Jahre, unt eine Dummheit einzusehen? Da§ ist eine sonderbare Intelligenz. Die Sacke liegt aber anders. Als im Jahre 1901 bei ben ®e# meinbercstswahleri infolge ber Uneinigkeit der bürgerlicken Parteien die Sozialdemokraten den Sieg errangen, da richtete sick ihr gegen alle, die nickt auf ihrer Seite stauben und gegen bte, welche sich überhaupt nicht an ben Wahlen beteiligt batten. Da trat bas Regiment bes Terrorismus ein, ba wurde jeder niebergeknüttelt. ber nickt burck Tick unb Dünn mit den Sozial- bemokraten ging. Zu ben Opfern follte auck ick gehören. H«- nächst sollte meine wirtschaftliche Epifteiiz ruiniert toerbetL us kamen einige Sozialbemokraten ZU mir unb verlangten, im 'E für bte Konsultation 50 Pfg. statt 75 Pfg. nehmen. Also die Sözialbemokraten als Lohnbrückerl Sie, bie immer bie Verdatmme bestem wollten! Zehn Jahre lang Hatte ich zur größten 8ufTT?ben* beit ber Arhester meine Prarts ausgeübt, ich batte ca. 1000 Familien. bei benen ick Hausarzt war. Ich konnte die Arbest ntan mehr bewältigen, ick riet ben Leuten, einen zweiten Arzt kommen zu lasten, eine Familienversickerung ins Leben zu rufen. Alw trn selbst Habe biefe Einricktung ben Sozialbemokraten Unb ba sagte Herr Scheibemann: ich fei Hinter biefe Absickt. gekommen! Herr Scheibemann sagte: ich wäre bann tn die HwK gelaufen, um zu fragen, wie bie Geschickte stehe. Die „Geschick » bie ich selbst rnauguriert habe. Ich soll dann Drohungen aitdg stoßen haben, bie Leute brotlos zu machen ufto. Dies Mize Material ist bereits in Flugblättern verwanbt unb 1902 umer nicht worben. Die Arbeiter, bie mich kannten, wußten ganz genau, baß ich niemanb habe brotlos machen wollen. Kein Gebantt Brotlosmachen, bas hat mir der Betteffenbe, um den e? n® handelt, noch erst am Freitag bestätigt. Die anderen ebenso. D« soll der eine Arbeiter, dem ich solch etne Drohung, Sckwinbel charakterisiere. (Sehr gut! im Zeu '?Tbg. Bebel weiter gemeint, ick unterfckätze die Hilfe, bie eventuell hie Sosialbernokratie ber Regierung bieten könne Daraus erwidere haben, für Kamerun eine schleunige Verstärkung der Sckutztrupve zu verlangen, habe ick bereits am 18. März hier dar gelegt ES handelte sick bei der Verstärkung nickt um eine Reprefsivmaßregel gegenüber emgetretenen Unruhen, sondern um eine Präventivmaßregel gegen unliebsame Ueberraschungen. Der Gouverneur, der bei seiner Anwesenheit in Berlin noch ber Ansicht gewesen war, daß die Schutztruvve genüge, hat offenbar nach feiner Rückkehr in bie Kolonie aus allgemeinen Svmptomen heraus bie Ueberzeugung gewonnen, baß bie Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit die Vermehrung der Sckutztruppe erfordere. Die Kolonialverwalttmg hat lediglich ihre Pflicht getan, indem sie die erforderlichen Schritte einleitete. Ms ein hiesiges Blatt die Nachricht brachte, daß in Südkomerun ein allgemeiner Aufstand ^ausgcbrochen sei, und daß die Kolonialverwaltimg bereits seit fünf Tagen davon Kenntnis habe, da haben wir alsbald der Öffentlichkeit mitgeteilt, daß der zweite Teil der Behauptung unzutreffend sei, daß im Gegenteil das letzte Telegramm eine unmittelbare Befürchtung ausschließe. Gleichzeitig ersuchten wir den Gouverneur um ausführliche telegraphische Nachricht. Seine telegraphische Antwort haben wir auch sofort veröffentlicht. Sie bestätigte zunächst, daß die Lage unverändert fei, daß aber mit der Möglichkeit eines,Angriffs fettens der Buli gerechnet werde. Das einzige konkrete Ereignis war die Ermordung des Kaufmanns Kundreich.. Die ^olonialver# toaltung glaubte nun. daß etwas mehr Vorsicht jedenfalls bester am Platze wäre, als etwas weniger. Und ich glaube, daß auch der Reichstag die Verantwortung für eine eventuelle Ablehnung der Karlsbad foor. Der betreffende Herr"hat mir erllärt, er habe von 1898 bis 1904 Karlsbad überhaupt nicht gesehen l Dann bte Sache &cr Herr Scheide mann das Stenogramm feiner Rede in einer Art „lorrigiert*, wie eS Wohl in diesem Hau,e noch nicht üblich gewesen ist. Herr Scheidemann hat dann auch gesagt: ich hätte die Kasse durch die Verschreibung teurer Arzneien zu ruinieren versucht. Dabcl mutz er doch selber wissen, datz bei einer plötzlich auftrerendell Influenza-Epidemie die Arzneikosten in die Höhe schnellen mutzten! Uird das kostbarste ist: seitdem ich meine Stelle dort niedergelegt habe, slnö die Arztkosten bet den sozraldemotrattschen Aerzten noch bcieutcnö gestiegen l Und wie haben die Sozraldemokraten in der Kasse gewrnschaftet! Tas erste war, datz sie bte Betträge von 20 mir 40 Psg. erhöhten. Sie haben pro Jahr das 9- bts 10-fache an 4>erwaliungs- und Ar-nettosten verbraucht, als eine andere, nicht- sozlaldemotratische Kasse, bte infolge bes Terrortspius ber Soztal- bcmotraten dort gegründet wurde. Eine kletne Probe vom Zu- runftsstaatl Ich konstatiere ferner, datz noch nte eine Beschwerde über mich über zu hohe Rezepttosten bet ber Aufsichtsbehörde eingelaufen ist. Das hat Herr Scheidemann behauptet, und auch das lst nicht wahr! Herr Scheidemann hat gesagt: ich sei anfangs wegen^ meiner sparsamen Rezeptur von den $rau der „Äarmllen- ^otror genannt worden, darüber hätte ich mich bann so geärgert, datz ich fortan fo teure Rezepte verschrieb. Tas entspricht alles in s nCcm^c‘1e Ärmchen. Das ist akrenmätzig festgestellt worben, das Material mutz Herr Scheidemann auch haben. Ter Kreisamtmann hat auch erfldrt: datz er bas Wort „Kamillendoktor* zum ersten Male aus dem Bericht der Scheidemannschen Rede vernommen habe! (Hört! hört!) Ein Kommentar ist überflüssig. Nun lagt Herr Scheidemann, ich hätte nur eine neue Kasse gegründet, Ich habe hier etne Bescheinigung des Kreisamlmanns, mit Siegel und Stempel verletzen, datz bteje Kasse etne Gründung bes BurgervereinS ist. Ferner tagte er, bie Aufgabe dieses Bürger- vercins )ei, bte Sozialdemokratie umzubnngen. Ich würde das zwar rur em' ganz gutes Wert halten (Heiterkeit), aber bei Bürgcrverein halt iich uatUtengematz von allen polmichen Streitigkeiten fern. Wenn Herr Scheidemann bieje feine Behauptung beweisen kann, zahle ich 1U00 Aänt in bte ,ozialdemo:rarnche diese Kasse nenne man „ßum billigen Jakob-. Wenn Herr Scheidemann diese Behauptung autzerhalb des Hauses wiederholen würde, könnte ich feststellen, wer dieser „man* ist. Ein Arbeiter sagte mw: „Ja, Herr Dokwr, die Sache ist ganz klar, ich Weitz, wer dieser „man* istt. Ihr Gegner hat eben vergessen, seinen Vor- namen hinzuzusetzen, es muß heißen Scheide—mann. (Stürmische Heiterkeit.) Ich glaube, ich ijabc nachgewtesen, daß bte Angriffe des Abg. Scheidemann mich nicht in meuter Ehre schäbigen können, er verlaßt ja Offenbach am 1. April zum großen Segen der ganzen Gegend. (Hetterkett.) Ich bitte Herrn Scheidemann nur, wenn Sie mich bekämpfen wollen, tun Sie es sachlich, ich werde Ihnen stets Rede stehen, aber nicht persönlich; auch Ware es doch anständiger gewesen, wenn er seine Angriffe so lange aufgespart hatte, bis ich anwesend sein konnte. (Lebhafter Beifall.) Abg. Scheidemann (Soz.): Für jeden Angriff meiner Zeitung bin ich Nicht verantwortlich, denn ich bin während einer langen Zeit in Berlin. Ich bin keineswegs ein politisches Rauhbein. (Heiterkeit.) Ich habe Herrn Becker nicht angegriffen. (Lebhafter Widerspruch.) Tr. Mugdan griff hier Arbeiter an, die sich nicht verteidigen konnten, und präparierte sie sozusagen für seine Zwecke. Tem mußte ich entgegentreten und zeigen, wie es bie Aerzte machen und dachte, es wäre ritterlicher, wenn ich einen Arzt angriff, der zugleich Abgeordneter war. Redner polemisiert hierauf ausführlich gegen den Abg. Tr. Mugdan. Was ich über den Dr. Becker gesagt habe, halte ich Punkt für Punkt aufrecht (Lachen rechts), aus das, was Dr. Becker hier verlesen hat, kommt es gar nicht cm. Ich habe in Sprendlmgen eine Versammlung etnberufen und die Versammlung hat nur gesagt, alles, was ich gesagt hätte, wäre wahr. Der bürgerliche Rechtsanwalt Katz aus Frankfurt hat darüber ein Protokoll aufgenommen. Redner verliest dies Protokoll und legt es auf den Tisch des Hauses nieder. In dem Prowkoll ist alles bestätigt, was ich gesagt habe. Ich lege auch das Rezeptbuch hier nieder. Wenn also das, was ber Abg. Becker gesagt hat, wahr wäre, wären bocb alle Leute, bte das Protokoll unterschrieben. Lügner und 23ctrüger. Ich yave hier auch einige Schreiben von Arbeitern, die mit ihrer Unterschrift bezeugen, daß Dr. Becker ihnen mit Entlassung gedroht hat. Wie ideal Dr. Becker denkt, zeigt em Briet Dr. Beckers an einen Arbeiter, in dem er schreibt: „Wegen Amt als HauSarzt nieder. Ihre Familienmiltzlieber können daher nur gegen Bezahlung behandelt werden.* Redner geht ausführlich weiter auf jede Bemerkung Tr. Beckers ein und sucht nachzuweisen, daß, „fotoert ferne Informattonen reichten*, Dr. Becker unrichtige Behauptungen ausgestellt habe. Dr. Becker har so viel Medizin, besonders Pepsinwein, verschrieben, datz es der stärkste Indianer nicht vertragen könnte. Dabei kann keine Kasse bestehen. Ein Berliner Kassenarzt hat mir geschrieben, daß wiche Rezepte m Berlin unmöglich seien, fern Patient könnte so etwas tiertragen, der betr. Arzt eigne sich nicht als Kassenarzt. Nicht wir, faitbem Dr. Becker hat Terrorismus ausgeübt, er hat sogar einem politi- ichen Gegner ein Kapital gekündigt. Die Roheiten, die gegen Dr. Becker verübt sein sollen, sind nicht erwiefen. Man hat sogar ein Extrablatt herausgegeben, daß Dr. Becker durch Dolchstiche ermordet sei. Da dies nicht wahr ist, werden die anderen Geschichten auch wohl Schwindel sein. Außerhalb des Hauses werbe ich meine Behauptungen nicht wiederholen, ich habe besseres zu tun,, als mich mit ihm herumzustreiten. Daß die Klingel Dr. Beckers mit Kot beschmiert ist, verurteilen auch wir, aber dem Gegenkandidaten Ulrich sind solche liebenswürdige Delationen per Brief übersandt worden. An dem Stenogramm habe ich nichts geändert, die Streichung des Wortes „umsonst* war sinngemäß, ich hatte mich da versprochen. Weshalb sollte einem Sozialdemokraten nicht auch ein falscher Zungenschlag passieren, wenn dies doch Herren vom Bundesratsttsch passiert. Um 7 Uhr wird ein Vertagungsantrag abgelehnt. Nach einigen Bemerkungen des Abg. Bruhn (Antts.) steM Abg. Singer (Soz.) erneut einen Vertagungsantrag und droht zugleich mit Auszählung des Hauses. Jetzt wird der Vertagungsanttag angenommen. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr. (Fortsetzung der Etatsberatung, Nachtrags- und Ergän- zunasetatS und Wahlprüfungen.j Schluß 7% Uhr, Ziuspaud in Sturm und Arang. Petersburg, 29. März. Der Kaiser hat an den Warschauer Geueralgouverneur in einem Reskript darauf hingewiesen, daß sich mit der Erneuerung des bürgerlichen Lebens im Weichselgebiet in den verflossenen letzten vierzig Jahren eine Reihe von Bedürfnissen hervorgedrängt h-ätte, Lenen die Negierung jetzt ihre besondere Aufmerksamkeit jchenke. Die Versuche der Feinde der Rechtsordnung, Wirren chervorzurufen, verhinderten die ruhige Erörterung dieser Bedürfnisse. Gleichzeitig äußerten einige Gruppen der polnischen Gesellschaft übermäßige Ansprüche bezüglich der «Grenzen der Anwendung der Staatssprache, welcher Lm ganzen Reiche ihre gebührende hohe Bedeutung gesichert bleiben müsse, aber ohne überflüssige und un- (gerechte Bedrängung der örtlichen Sprachen. Demgemäß beauftragt der Kaiser den Generalgouverneur, unter gesetzmäßiger und fester Unterdrückung der Künstlich hervorgerusenen Wirren, an die Ausarbeitung Lon Reformen zu schreiten, die als notwendig anerkannt Iwerden für das Gedeihen des untrennbar mit den übrigen Teilen des russischen Staates verbundenen Gebietes. Petersburg, 29. März. Der Minister des Innern «Bulygin erklärt, die Berfas snngskommission werde Lrst dann einberufen werden, wenn die drei Professoren, (welche gegenwärtig die parlamentarischen Einrichtungen !ves Auslandes studieren, ihre Berichte und Schlußfolger- Lungen vorgelegt haben werden. London, 29. März. „Daily Ehronicle" meldet aus Odessa, daß ein dortiges auswärtiges Konsulat die Nachsicht erhalten habe, die Aufständigen in Jalta hätten das SchloßdesBareninLivadianiedergebrannt. Die Nachricht ist bisher noch nicht bestätigt. Petersburg, 29. März. In Jalta wurde folgende Bekanntmachung des Gouverneurs veröffentlicht: Ich erkläre amtlich, daß die Ordnung wieder her gestellt ist. Sie totrb aufrecht erhalten werden. Ich werde Jalta nicht vor dem Wiedereintritt vollkommener Ruhe verlassen. In (einigen Tagen werde ich, wenn die Beruhigung vollkommen Lst, eine Versammlung der Arbeiter und Werksührer gestatten. Petersburg, 29. März. (Petersb. Telegr.-Ag.) Heute suchte eine Menge von etwa 300 Personen die auf 1 Uhr nachmittags angesetzte Wiederaufnahme des Unterrichtes im Konservatorium zu verhindern. Es wurden revolutionäre Rufe ausge,toßen. Die Polizei zer- fftreute die Ansammlung und verhaftete einige Personen. — In den Zuckofsjchen Oelwerken entstand heute nachmittag in der Oeldesuttaüonsabtettnug, wie mau vermutet infolge uon Brandstiftung, eine Feuersbrunst, durch die bO 000 Pud Del vernichtet wurden. Lemberg, 29. März. Der von Warschau nach Wilna Verbannte Richter Andreas Niemojsski hat im Auftrage des Gouverneurs auch Wilna verlassen müssen und ist in Lemberg eingetrosfen, wo er sich vorläustg uied^läßt. 29. März. Anstelle des durch das Bombenattentat verwundeten Oberpolizeimeisters Baron Nolcken wurde mit der Leitung des Polizeiressorts der Oberst B a l k o betraut . AUS Awöl Ull0 Gießen, den 30. März 1905. "Personalien. S. K. H. der Großhcrzog haben den Ocbtcr an dem Herbstgymnasium zu Mainz Petrus ' Nach!uch-n unter Anerkennung seiner langjährigen iteu geleisteten Dienste und Verleihung der Krone zum Ritter, kreuzt. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen iR '« 'Lakdesu°ni°krsitä(. Prof. Dr. Messer ist während des kommenden Sommersemelters gleichfalls b e - ""^«Postsendungen nach Mülheim a. Rhein und s Nudr Man schreibt uns: Nach den St tungent Ä’Ä mit einem E'cht'gen oder ungena Folg- hiervon überhaupt ohne einen solchen emgeuefe v v - iift daß, Ä’Snnen. Da ^bisherigen Bemühungen der Postoerwaltung.,?°^rkolaloS l'um zu einer genaueren Bezeichnung zu bew g , rs 3 waren so hat das Reichspostamt angeordnet. 1. daß bei Einlie erunq an den Schaltern alle Sendungen nach Mui- «m zurückgewiesen werden, die nicht den deutlichen Zusatz Kein« oder „Ruhr« tragen, 2. daß für Pakete und Send, «gen mit Wertangabe, die den unzweideutigen Zusatz „Rhem Mber „Ruhr" tragen, dabei aber nach dem anderen Orte be- jchimmt jmü, bet der Weiterjendung nach dem uchtizen Bestimmungsort Nachsendungsporto erhoben wird und 3. daß die Postanstalten auf Absender, die sich in Bezug auf die zusätzlichen Bezeichnungen nachlässig zeigen, belehrend einwirken. Es liegt daher sowohl im Interesse der Absender, wie auch der Empfänger, alle Postsendungen nach Nlülheim tu Rhein und Mülheim a. d. Ruhr mit einer genauen und richtigen Zusatzbezeichnung zu versehen und bei allen Ortsnamen, die mehrfach vorkommen, ebenso zu verfahren. — Silberne Hochzeit feierten gestern Herr Kaspar Herdt, Diener an der Veterinäranstalt, und dessen Gattin. Von der Philipps-Gemeinde wurde dem Paar ein schöner Regulator zum Geschenk gemacht.j § Friedberg, 29. März. Die feierliche Entlassung der Kandidaten des hiesigen Predigerseminars fand im Beisein des Superintendenten v. Pe- tersen-Darmstadt heute vormittag 11 Uhr in der Burgkirche statt. Die Abschiedspredigt hielt Paos. D. Eger, während von den scheidenden Kandidaten Herr Scharmann sprach. Von den 9 abgehenden Herren sind 4 aus Oberhessen, 3 aus Starkenburg und 2 aus Rheinhessen. Alsfeld, 30. März. Oekonomierat Leithiger, Leiter der hiesigen Ackerbauschule, feierte gestern sein fünf» undzwanzigj ähriges Dienstjubiläum. Zu seinen Ehren fand ein Festesten statt, woran sich Geheimrat Braun aus Darmstadt, Landesökonomie rat Muller und sonstige Vertreter vom landwirtschaftlichen Institute beteiligten. Darmstadt, 29. März. Das Gewerkschaftskartell hat beschlossen, die von den bürgerlichen und Kriegervereinen zu veranstaltende Schillerfeier und deren Festzug nicht mitzumachen, sondern die Feier in Gemeinschaft mit der sozialdemokratischen Partei zu begehen. Die Kriegervereine hatten erklärt, am Festzug sich nicht zu beteiligen, wenn die sozialdemokratischen Gewerkschaften zugezogen würden. r. Hochheim a. M., 29. März. Unsere Gemeindevertretung hat ein eigenartiges Hochzeitsgeschenk für den Kronprinzen ausgedacht, nämlich eine große hölzerne Truhe, auf welcher die verschiedenen Wappen und Emblemen Hochheims künstlerisch dargestellt sind. In der Truhe wird eine Sammlung hochfeiner Hochheimer Weine verschiedener Jahrgänge Aufnahme sinden, die von den ersten Hochheimer Weingütern herrührt. w. Limburg, 28. März. Als heute nachmittag mehrere Jungen Reif spielten, lief der Reif eines Jungen in die Lahn. Um wieder zu seinem Spielzeug zu kommen, ging der Knabe eine Strecke ins Wasser, das gegenwärtig hoch steht. Die Strömung riß ihn jedoch mit sich fort und trieb ihn vom User ab. Mehrere Leute versuchten den Jungen mit Stangen zu erreichen, doch gelang das nicht. Da sprang der Polizeisergeant Möhlhenrich ins Wasser, schwamm dem Jungen nach, erreichte ihn kurz vor der unteren Mühle und rettete ihn so unter eigener Lebensgefahr von dem sicheren Tode des Ertrinkens. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In R e i ch e n b a ch i. O. gerieten mehrere junge Burschen wegen eines Gläschens Schnaps m Streit. Es gab eine Schlägerei, und der 22 jährige Mullerbursche I. Michel wurde mit einem Messer tätlich verletzt. — Bei einem Streit zwischen drei jungen Fabrikarbeitern in Worms wurde der 20 jährige Johann 'L amel y aus Leiselheim durch einen Stich m den Hals so schwer verletzt, daß Lamely soiort seinen Geist aus- hauchte. — Die verstorbene Frau C. Burgeff m H o ch h e i m bei Mainz hat der Pensionskafse der Aktiengesellschaft vormals Burgeff u. Eo. Ml. 110 000 und außerdem der Gemeinde Hochheim Mk. 100 000 teftaineittarijd) vermacht. — Ein 14 jähriger Schlosserlehrling in A s ch a s' e n b u r g schoß beim Spielen mit einem Flobertgewehr (einer Pflegemutter, der 60 jährigen Taglöhnenrau Lackner, eine Kugel durch den Kops. Tie Frau war soiort tot. 214.00 240.62 143.80 246.25 209.60 Oest. Kredit . Deutsche Bank Tarmstädter Baick Bochumer Guß . Harpener Bergbau Kandel und Uerliehr. Volliswirlschafl. Berliner Börse vom 29. Marz 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Pnvat-Diskoul 2*/2 Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. N e u e 3 V, V» D e u t s ch e S t a a t s a n l e i h e. Wir haben aestern kurz mitgeteilt, daß es m der Absicht der maßgebenden llreiie liegt bei Ausgabe der nächsten deutschen Relchsanlelhe und der vreußis'chen Konsols den 3’/,7o Zmsiuß zu wählen, entgegen der schon länger bestehenden Hebung, der 3 °/. Verziiisung. An der Börse wurde die lltachricht recht gut angenommen und auch in Bankkreisen ist man darüber erfreut. Auch wird angenommen, daß die Regierung zu diesem Entschluß — ofttziell ist die Sache ja noch nicht bekannt - jedenfalls gekommen istt, m der Bestirchtung dak neue 3 °/„ Anleihen in bedeutendem Betrage nur mit Schwie- ttake en unte'rgebracht werden könnten, währeiid 3V,°/0 Reichs- «Leihe uud Preußische Konsols jedenfalls vom Kapttalistenpudlikum . . 239.90 . . 143.80 . . 246.40 . 209.50 Tendenz: fest. sehr gerne entgegengenommen würden. Weiter wird man sich sagen, daß eme Ausgabe neuer 3 °/(f inländischer Anleihe eine neue Erschütterung des Kursnweaus ber älteren zur Folge haben würde. Aus diesem Grunde sind auch die 3 °/0 bis 91 gestiegen. Auszug ans teil KirtzkMcher» der Statt Gjrtzeu. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusgemeinde. Ten 13. März. Karl Wahl, Färber in Butzbach, und Karoline Diartha Ftebia, Tochter deS Fabrikarbeiters August Flebig zu Wetter. Deii 15. März. Johann Friedrich August Hofmann, ein Witwer, Schrelnermeister zu Gießen, und Luise Sand, geb. Becker, Witwe des Klubdieners Heinrich Sand zu Gießen. Den 18. März. Adam Döbus, Schuhmacher in Gießen, und Luise Katharine Münker, Tochter des verstorbenen Postillons Heinrich Münker zu Gießen. Denselben. Karl Herr, ein Witwer, Dienstknecht in Gießen, und Elisabete Margarete Walther, Tochter des verstorbenen Alaurers Johannes Waller zu Seckmauern/— Lukasgemeinde. Den 18. März. Johann Georg Spaar, Bremser i. P., und Katharilie Schneider, geborene Jünger. — Johan uesgemeinde. Ten 18. März. Karl Georg Gödel, Gärtner zu Gießen, und Elisabethe Katharine Stühler, Tochter des Fuhrmanns Georg Stühler zu Gießen. Getaufte. M a t t h ä us g e m e in d e. Den 12. März. Dem Schuhmachev Theodor Judt eine Tochter, Alathilde, geb. den 28.Dezember 1904. — Tem Heizer August Deitz eine Tochter, Katharine, geb. den 3. Februar. — Dem Ausläufer Karl Atandler ein Sohn, Christian Ludwig Emil, geb. den 29. Jan. — Dem Kunst- und Handelsgärtner Gustav Wittmann ein Sohn, Gustav, geb. den 8. Febr. — Dem Postboten Georg Hübner eine Tochter, Elisabeth Jofephme Barbara, geb. den 4. Januar. — Dem Kaufmann Adolf Reichert ein Sohn, Adolf Karl, geb. den 12. Febr. Den 18. März. Dem Lehrer Aiartin Fischer eine Tochter, Martha Emilie, geboren den 18. Febr. Den 19. März. Dem Kaufmann Karl Friedrich August Michel eine Tochter, Christine Katharine Else, geb. den 28. Jan. Ten 20. März. Dem Fabrikant Karl Plank ein Sohn, Heinrich Ludwig Karl, geb. den 10. Oft. 1904. — M a r c u s g e m e i n d e. Den 12. Marz. Dem Kaufmann Wilhelm Hofinann ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. den 29. Jan. — Dem Locomotwheizer EmÜ Marx ein Sohn, Ludwig Hemrick), geb. 28. Dez. 1904. Den 19. März. Dem Küfermeister und Wirt Leonhard Dörflern ein Sohn, Leonhard, geb. den 24. Jan. — Dem Fuhrmann Georg Bachmann eine Tochter, Margarete, geb. den 8. Okl. 1904. — Dem Kaufmann Otto Fangmann eine Tochter, Mathilde Rosa Äarola, geb. den 14. Febr. — Lukasgemeinde. Ten 19. März. Dem Hllfä- schaffner Heinrich Schneider em Sohn, Wilhelm Ludwig, geboten den 13. Febr. - Dem Schlosser Daniel Dtohler ein Sohn, Willi Berthold, geb. den 8. März. — Johannesgemeinde. Dtzn 13. März. Tem Schreiner Friedrich Eisenträger eine Tochter, Lucie Juliane Margarete, geb. den 21. Febr. Den 19. März. Dem Taglöhner Kaspar Lenz eine Tochter, Anna, geb. den 18. Jan. — Dem Lackierer Hugo Hisgen eine Tochter, Lina Anna Luise, geb. den 22. Januar. Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 14. März, Friedrich Wil» Helm Thielmann, Ober-Lokomotivführer, verheiratet, 32 Jahre all, starb den 10 März. — 19. Julius Lony, Kaufmann, Sohn des verstorbenen Kaufmanns Karl Lony, 28 Jahre alt, starb den 18. März. — Marie Georgine, geb. Noll, Witwe des Schlöffet- meisters Richard Pröschold, 64 Jahre alt. — 23. Johannette Isabelle Ziegler, geb. Kreich, Witwe des Packmeisters Friedrich Ziegler, 75 Jahre alt, starb den 20. März. — Lukasgemeinde. Ten 18. März. Marie Schwarz, geb. Denzler, Ehefrau des Rent-' ners Karl Schwarz, 61 Jahre alt, starb den 16. März. —19. Reinhard Müller, Lehrer i. P., 69 Jahre alt, starb den 17. März. — 22. Justus Emil Lenz, Wirt, 53 Iahte alt, starb den 20, Marz. — 22. Hanny Werner, geb. Krautze, Ehefrau des Lehramts-AffeffotS Ferdinand Wetlier zu Laubach, 24 Jahre alt, starb den 20. März zu Laubach. — 23. Meta Germann, Tochter des Agenten Karl Germann, 22 Jahre alt, starb den 21. März. — 3obanne3- gemeinde. Ten 14. März. Lina Strubel, geb. Busch, Witwe des Kreisarztes Tr. Franz Strubel, 71 Jahre all, starb den 12. März. — 20. Softe Haubach, geb. Lony, Witwe des Instrumentenmachers Theodor Haubach, 71 Iahte alt, starb den 17. März. Kirchliche Ziachrichten. Evangelische Gemeinde. Freitag den 31. Alärz, nachm. 5 V, Uhr, im Konfirmanden» saal der Lukasgemeinde, Llebigstratze 56: Versammlung ber konfirmierten Mädchen. Porter Euler. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesvienil in Oer Synagoge (Äudanlage). Samstag, den 1. April 1905. Vorabend 6.45 Uhr. Morgens 9.00 Uhr Predigt. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbathausgang 7.45 Uhr. Israelitische Religivusgesellschast. chottesdieast. Sabbalh feier am 1. April 1905. Freitag abend: 6.30 Uhr. Samstag vormittag: 8.30 Uhr. Samstag nachmittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 7.45 Uhr. — Woittenaottesdienst: morgens 6.45, abends 6.30 Uhr. 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In Unttorm, Dienstanzug. BW»Der Borst and. __Gros._________ K. 75/04. Donnerstag, 27. April 1005, nachm. 3 Uhr, werden die vor dem Namen des Carl Buß und Ehefrau stehende Liegenschaften: 1/516V1O = 126 qm Hofraite auf dem Marktplatz, 1/5164/1O «97 qm Hofraite daselbst, l/5167/io — 18 qm Hofrattegrund daselbst auf hiesigem Ortsgericht öffentlich meistbietend versteigert. B16/a Gießen, 13. März 1905. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. __Gro s.__________ K. 56/04. Donnerstag den 13. APrN1005 nachmittags 3 Uhr werden die vor den Namen der Carl Buß Eheleute stehendenParzellen seither 1/516 = 243 qm Hofratte aus dem Marktplatz, fetzt neu eingeteilt in l/516Vre = 126 qm Hos- raite auf dem Marktplatz 1/516*/,, = 99 qm Hofratte daselbst Zur Umzug’szeit wird das Ab- u. Aofhängen sowie Umändern von Lampen für Gas, elektr. Licht und Petroleum schnell und sorgfältig ausgefiihrt Beleuchtungskörper, Gasherde, Badeöfen etc eleganter engl. 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