Nr. 76 Drittes Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 30. März 1905 Erschedtt MgKch mit Bn-nahme des Sonntags. Die „6ießenei ZamMenblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der toaöwtrt* erscheint monaUich einmal Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lche» UnwersitätSdruckeret 8L Lange. Dietzen. Redaktion. Expedition u. Druckerei; Schulst*.K. Tel Nr. 6L Teiegr^Ädr. * An-etga Dietz«, General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Hessischer Landtag. R.-B. Darmstadt, 29. März. Die erste Kammer der Landstände trat heute vormittag rmter Vorsitz des Präsidenten Graf Görtz, genannt v. Schlitz, zu einer kurzen Tagung zusammen. Der Präsident verlas zunächst verschiedene Eingänge und Entschuldigungsschreiben, worauf die Einführung und Vereidigung zweier neuer Mitglieder des Hauses, Landgerichtspräsident Adolf Lippold-Mainz und Graf Karl zu Solms-Laubach, letzterer als Vertreter des minderjährigen Grafen zu Solms-Üaubach erfolgte. Darauf verliest der Präsident die Allerhöchste Botschaft, in welcher der Großherzog seine Vermählung mit Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich mitteilt. Das Haus beschließt einstimmig, eine vonr Bureau vorgeschlagene Adresie an das Großherzogliche Paar zu richten. Zur Ueberreichung wird das Bureau später vom Großherzog empfangen werden. Es folgt darauf zunächst die Wahl eines dritten Präsidenten mittelst Stimmzettel. Geh. Kommerzienrat Frhr. Heyl zu Herrnsheim in Worms wird mit 21 von 22 abgegebenen Stimmzetteln zum dritten Präsidenten gewählt und nimmt das Amt mit Dankesworten an. Zum Mitglied des zweiten Ausschusies wird alsdann Landgerichts- -präsident Adolf Lipp old und zum Mitglied des dritten Ausschusses Graf Karl zu Solms-Laubach gewählt. Der Voranschlag über die Ausgabebedürfnisie der ersten iKammer im Rechnungsjahr 1905 wird ohne Debatte ge- inehmigt. Bei -Beratung des Voranschlags der Staatseinnahmen und Ausgaben 'für das Etatsjahr 1905 nimmt die Kammer ohne Debatte die einzelnen Kapitel der Hauptabteilung an: Reste aus früheren Jahren, Domänen des Großherzoglichen Hauses, Staatsdomänen, Lotterie, direkte Steuern, Regalien, Landstände und Staatsministerium.' Bei letzterem Kapitel richtet Frhr. Heyl zu Herrnsheim mehrere Anfragen an die Regierung. Es sei in unserem Lande eine Agitation hervorgetreten schon im Hinblick auf die nächsten Wahlen, daß sog. hessische Arbeiterkammern eingerichtet werden sollen. Dadurch könnte in Arbeiterkreisen der Anschein erweckt werden, »als ob durch eine derartige Agitation die gesonderte Einführung ssolcher^ Kammern ermöglicht werden sollte. Die Sozial- -demokraten behaupten dabei, daß sie diejenige Partei gewesen ßei, die zuerst diese Kammern im Reichstage zum Vorschlag vgebracht hätten. Das sei aber durchaus nicht der Fall. Diese Angelegenheit sei eine große organisatorische Frage, und er »ersuche die Negierung um Auskunft, wie sie sich zu derselben jstelle. Es sei doch wohl ausgeschloffen, daß die hessische Regierung allein in dieser Frage vorgehe, viel richtiger würde «es sein, wenn die Regierung im Bundesrat dahin wirken wollte, daß die von den staatserhaltenden Parteien schon 1894 iin Anregung gebrachte Einrichtung von Arbeitskammern Ibaldigst weiter gefördert und zum Abschluß gebracht wird. Weiter sei es notwendig, zum Schutz der Heimarbeiter, besonders in der Zigarrenindustrie, wettere Maßnahmen zu ttreffen und dafür zu sorgen, daß die vom Grafen Posadowsky .angedeuteten Vorschläge bald zur Ausführung gebracht würden. Es sei wetter auch immer noch ein großer Kreis von Heim- .arbeitern aus der Unfall- und Invalidenversicherung aus- .geschloffen; gerade die schlecht bezahlten und wenig geschützten Arbeiter bedürften einer größeren Fürsorge. Eine gesunde Sozialpolittk muffe auch auf einer gesunden Agrarpolitik auf- gebaut sein, und im Reichstage sei eine große Majorität zur Fortführung einer gesunden Sozialpolitik bereit. Der Redner kommt dann arg verfchiedenr Vorgänge in der Zweiten Kammer zurück und unterzieht die vom Abg. Ulrich betriebene Erpropriationspolittk, die er durch die von ihm verlangte scharfe Progression der Steuer inauguriere, einer scharfen Kritik. Ein solches Vorgehen müsse eine allgemeine Beunruhigung im Lande Hervorrufen. Die Genossen im Auslande handelten ganz anders, z. B. in Lyon, Paris, Zürich 2C. In Lyon sei sie sogar dazu übergegangen, eine Wohnungsreparatursteuer einzuführen, wodurch die Wohnungsverbesserung gehemmt und die gesunde Ausbauunq der Wohnungen erschwert werde. Redner gibt eineintereffante Statistik, nach welcher die hessischen Steuerzahler mit Einkommen von unter 900 Mk, fast sämtlich unverheiratet sind. Von den Arbeitern seiner Fabrik seien 59 % der Verheirateten Besitzer eines eigenen Anwesens, die also in Worms Grund und Boden besitzen. Wenn jetzt, wie sicher sei, in Preußen die Erhöhung aus 5 Proz. direkter Steuer nicht zur Annahme komme, so bleibe Hessen der höchst besteuerte Staat. Die vor mehreren Jahren nur als „vorübergehend^ eingeführte Erhöhung des Vermögenssteuer- gefetzes sollte nach den Erklärungen des Ministers nur bis 1903, höchstens bis 1904 in Anwendung kommen, sie hätte also schon für 1905 wieder beseitigt werden müffen. Redner kommt dann auf die Aeußerung des Finanzministers in der Kammersitzung vom 8. Februar d. Js. zurück, wie derselbe ausführte, daß ihm gegenüber dem Lamento der wohlhabenden Klaffen über die hohen Steuern die Ausführungen des Abg. Ulrich wie ein „angenehmes Gegengift" geklungen hätten. Das sei eine Aeußerung, die das monarchische Bewußtsein in der Bevölkerung durchaus unangenehm berühren und .erschüttern muffe; sie habe auch m weiten Kreisen des Landes Befremdung und Beunruhigung hervorgerufen. Gerade die Höchstbesteuerten des Landes, zu denen doch auch die Mitglieder dieses Hauses zählten, seien stets für möglichste Steuerfreiheit für Einkommen bis 900 Mk. eingetreten. Redner sei auch in der zweiten Kammer in unerhörter und unqualisizierbarer Weise angegriffen worden, er verzichte daraus, hier eine gebührende Antwort zu geben und begnüge sich damit, zu erklären, daß diese Angriffe völlig unbegründet waren. (Zustimmung.) Frhr. v. Heyl wendet sich zu den viel angegriffenen Amtsblättern; die Sozialdemokraten, die so sehr gegen den Zeugniszwang schimpften, hätten ihn gerade zu einem moralischen Zeugnis darüber zwingen wollen, ob er Artikel in der Wormser Zeittrng schreibe oder nicht. Wenn man ihn für den Inhalt verantwortlich machen wolle, sei das gerade so, als wenn man den Staatsminister für den ganzen Inhalt der Darmstädter Zeitung (Heiterkeit) oder den Domkapitular in Mainz für das dortige Zentrumsblatt verantwortlich machte. Wenn den Sozialdemokraten die Amtsblätter nicht gefielen, so sollten sie doch den Antrag auf Verstaatlichung derselben stellen, das wäre doch schon deshalb sehr naheliegend, weil ja im sozialdemokratischen Zukunstsstaat überhaupt nur eine Politik getrieben werden dürfte, nämlich die der dann regierenden Männer. (Heiterkeit.) Die Amtsblätter müßten ein Reckt haben, sich selbständig über die schwebenden Fragen der Politik zu äußern und auch ihre von der Regierung abweichende Meinung zum Ausdruck zu bringen. Eine nationale und patriotische Negierung, wie wir sie Gott sei Dank in Hessen haben, müßte gerade solche Männer höher schätzen, die offen und ehrlich die Wahrheit sagen, als diejenigen, die sich nach der allgemeinen Gunst und Stimmung drehen und wenden. Die Regierung sollte eine gewisse offene Kritik auch seitens der Amtsblätter als berechtigt anerkennen. (Zustimmung.) Staatsminister Rothe bemerkt, es sei dem hohen Hause bekannt, daß sich die Ri.gier.ung gar nicht in der 9 Lage befinde, für sich eine Regelung der Frage der Arbetts^ kammern vorzunehmen, und ebenso verhalte es sich mit den Bestimmungen in bezug auf den Schutz der Heimarbeiter- und der Erweiterung der Krankenversicherung. Die Regierung bleibe auf ihrem früheren Standpunkte stehen, daß sic inbezug auf diese Fratzen nur das Reich a-ls kompetent erachte; dabei verkenne sie keineswegs den Wert der Arbeitskammern. Mit der Amtsblattfrage werde sicy ja die erste Kammer später noch zu befassen haben. Die Regierung stehe auf dem Standpunkte, daß sie sich mir für den amtlichen Teil derselben verantwortlich halte, der übrige Inhalt der Amtsblätter sei vollständig frei, die Regierung habe gar nichts damit zu tun und sei nicht in der Lage, einen Einfluß darauf auszuüben (Zustimmung). Finanzminister Dr. Gnauth führt aus, man toerbe wohl nicht erwarten, daß er hier in eine akademische Er-- örterung über die Steuerfragen eintrete. Alles, was die Regierung auf diesem Gebiete getan habe, sei ja mit Zustimmung der beiden Ständekammcrn erfolgt. Ob die Steuerpläne der Sozialdemokraten unter das Rubrum „Expropria- tion§fteuer/' fielen, wolle er nicht entscheiden, die Regierung treibe aber eine solche nicht. Bezüglich der Vermögenssteuer werde die Regierung bemüht sein, die peinliche Erhöhung derselben baldigst wieder rückgängig zu machen. Gegenüber der unfreundlichen Kritik von Worms über die Gemeindesteuerrcform verweise er auf die Erklärungen der gesamten hessischen .Handelskammern. Die Regierung müsse derartige wichtige Fragen von FaM zu Fall entscheiden. Seine Aeußerung über die Klagen der Wohlhabenden habe er zwar als Gegengift, aber doch immer noch als Gift bezeichnet. Wenn ihm auf der einen Seite die Mittel gegeben wären, den Steuersatz von 5 auf 4 Proz. herab- zusetzen, und andererseits die Mittel, die Einkommen von 500—900 Mk. steuerfrei zu machen, so erkläre er, daß er in diesem Falle zweifellos das letztere befürworten würde; er glaube damit auch dem monarchischen Gedanken M nützen. Frhr. v. Hey l entgegnet, daß er bezüglich der Steuer» befreiurig der minderbemittelten Klassen selbstverständlich mit dem Minister übereinsttmme. Gerade er und feine Parteifreunde hätten längst dafür gewirkt. Er habe auch mit keiner Silbe von einer Expropriationspolitik der Regierung gesprochen, sondern von einer solchen der Sozialdemokraten. Bei Kap. 38, Gymnasien usw., beklagt Frhr. Heyb zu Herrnsheim, daß die bekannte Position der Obev- lehrer bei der Regierung keine Berücksichtigung gefunden habe und erhofft dieselbe noch nachträglich. Geh. Justtzrat Prof. Dr. Schmidt-Gießen schließt, sich diesem Wunsche an, während Geh. Oberschulrat Nod- nagel und Staatsminister Rothe die Gegengründe darlegen. Bei der 12. Hauptabteilung, Pensionen, wünscht Frhr. M. v. Ried esel, datz den alten hessischen Offi- zieren die Beiträge zur hessischen Offiziers-Witwenkasse erlassen werden. Staatsminister Rothe bemerkt, die Regierung sei be» reit, zu veranlassen, daß diejenigen Offiziere, die nur der hessischen Offiziers-fiLitwen- und Waisenkasse angehören, von der Beitragspflicht befreit werden. Dagegen würde eine Befreiung auch der übrigen Offiziere $u weitgehenden Konsequenzen führen. Jedenfalls bedürfe diese Frage der ernstesten. Erwägung. Die weiteren Kapitel des Etats werden darauf ohns weitere Debatte angenommen, ebenso der Antrag des Ausschusses auf Wiederherstellung der Regierungsforderung von 11600 Mk. für zwei neue Oberlandesgerichtsräte. Damit ist der Verwaltunasetat erledigt; es bleibt noch der S3e? mögensteil zu beraten. Nächste Sitzung Donnerstag vormittag 10 Uhr. auf die Abstellung der gerügten Mängel hinzuwirken. Ich behaupte geradezu, daß Herr Hvfiat Koebke, den ich nicht als unzugänglich und noch viel weniger als unfähig hinstellen möchte, manchen von der Kritik gerügten Mangel abgestellt haben würde, wenn er nicht immer wieder im Rathaus und bei gefälligen Freunden einen Rückhalt gefunden hätte, der ihm die Kritik so gleichmütig werden ließ, daß er sie nicht beachtete und mcht einmal las!" _ m , Die Bestrebungen, das alte Theater in Weimar mit seinen ehrwürdigen Erinnerungen zu erhalten, für Konzerte, Vor- träge oder Versammlungen zu verwenden, das neue Theater dagegen an einem anderen Platze zu errichten, sind endgiltig gescheitert Der Staat, welcher einen Zuschuß zu den Baukosten von 400 000 Mark gewährt hat, darf einen solchen Zuschuß nur leisten, wenn es sich nm einen Ersatz bau handelt, welcher an derselben Stelle ansgefühtt wird. Dieser Zuschuß müßte sonst aus gesetzlichen Gründen fortfallen. In dem berühmten groß- herzogl. Parke nalze der Ilm ist jetzt der Platz für ein neu zu erbauendes Jnterimstheater abgesteckt worden. Nachdem dieser provisorische Bau vollendet ist, wird das alte Theater abgebrochen werden und der Neubau vor dem Schiller- und Goethe- Denkmal beginnen. „ . v , Frankfurt, 30. Marz. Prof. Dr. Bernhard^cholz, der Direktor des Hochschen Konservatoriums, feiert heute in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Scholz ist ein geborener Mainzer. Aucy als Komponist hat Sckolz sich neben seiner reichen, eifrigen Lehr- und Dirtgenten-Tätigkeit hinreichend bemerkbar gemacht. Zu nennen sind seine Opern Goto" , Ingo" und „Anno 175/", ferner Svmphonien, Kammermusikwerke Lieder, Männerchöre und das kürzlich hier wieder zur Aufführung gelangte ,,Lied von der Glocke" Karlsruhe, 28. Marz. Nach einer un Verordnungs- btatt des Großh. Oberschulrats veröffentlichten Bekanntmachung werden am 100. Todestage Schillers (9. Mai) in sämtlichen Gemeinden des Landes die Volksschuler der oberen ^-chuftahre durch ihre Lehrer in feierlicher Weise aus den Lebensgang und die Bedeutung des Dichters aufmerksam gemacht werden. An die Ansprache des Lehrers soll sich, wenn irgend möglich der Vortrag von Gesängen und Schttlerschen Gedichten anschließen. Der Unterricht darf an genanntem Tage ausgesetzt werden. ^SchUlersTod und diePresse. In der damaligen hessischen Presse hat man erst sehr spät und m sehr kurzer Form von dem Tode Schiller'sNotiz ^genommen Ein Exemplar unseres Blattes aus dem Jahre 180a laßt sich leider mcht mehr auttreiben. „Die hervorragendste Zeitung des Departements Kleines AeuiLeton. — Gin Theaterstreit in Erfurt. In der letzten Sitzung der Erfurter Stadtverordneten wurde ein Antrag des dortigen Magistrats verhandelt, dem Theaterdire ktor H o frat /oebke die vorzeitige Auflösung seines Theater- Vertrages nttt der Stadt Erfurt zu gestatten und ba§ StM- ■tteater für die kommende Saison neu mrszus-chreiben. Die Taterkommisiion beschloß einstimmig dem Anttag entsprechend. Dtt Stadtverordneten stimmten sür Vertagung des Magchrats- anttaas und vorherige Revision des Theaterverttags. In der D§attt wurde die Erfurter Theaterkritik angegriffw und _xr foe Schuld zugeschrieben, daß es zu einer „Tragödie der ^->n?^direktwn in Erfurt gekommen sei. ©t^^ytt^erDr^meten^8or» bewSriSTwtt der Saison hätte eine Kritik bie das Gegenteil von Wohlwollen gewesen wäre. Koette Efe Mtfefren müffen, wie die Abonnenten unzufrieden gemacht habe rnseyen i sittlich gesehen, daß er unter allen ^estürtt we^en sollte W^nn man bedenke, daß es Amstand-en gest Theater handle, so müsse man sagen, strenge Kritik die städtischen Jitteressen ver- JA tat bU gerade das Amtsblatt (der „Allgemeine letzt 961)6, unöDOB Erfurt) getan habe, sei sehr be- ünzeig^ Möller erklärte, das; nach seiner Auffassung & U Aadtv. Mouer Kttttk eingesetzt habe. "SU SÄ Ä.-Ä ^^en"d^Allg ist h^r m Zukunft der,'Elg. Anz. Sache!" des Theaterkritikers des — Einem Artikel ,,^yu 6 p-ntnebmen wir, daß er und -'?llg. Anz." Puttmann, sich geeignete Hein Kollege, der Musikkrtti . . Döhler Vorbehalten wegen Echritte gegen Stadtt.-B rs^h schweren Beleidigung, ihrer Tber in dessen Sorten entyuu - . s^lleae fern un- Mrnfschre Herr Rohm-nm. ckcni° w<- erbauter i erfahrener Anfänger, sondern ein ~ einzig-- ‘Wtift, bemerkt in TeSÄt . rtiger Vorgang mw die {n Erfurt über -davon nehmen, daß tne städtischen sto j nicht ibic Kritik darum zu Glicht ^??^^^erhörter Vorgang, daß Donnersber^, die „Mainzer Ztg.", erhielt erst am 10. Prärial XIII gleich 30. Mai 1805, also erst drei Wochen nach dem Tode des Dichters, folgende Mitteilung: „Den 11. Mai blieb das Theater in Weimar wegen dem Tod des unsterblichen Schiller geschlossen. Das Verscheiden des großen Mannes war sanft. Nach seinem Tode wurde er geöffnet, und man fand eine sonderbare Desorganisation in seinem Innern: die Teile der rechten, Sette konnten keine Funktionen mehr machen; er hatte nur mit dem linken Lungenflügel geatmet, und auch dieser begann auszuwachsen. Der Verewigte, dessen Namen Deutschland immer unter den Namen seiner Enten mit Stolz nennen wird, war.erst 45 Jahre alt. Er hinterläßt eine Witwe mit vier unmündigen Kindern." Nur noch am 5. Juni wies die „Mainzer Ztg." darauf hin, daß der Dichter große Pläne unausgefühtt hiitter- lassen habe. Sonst hatte sie bei seinem Tode nichts zu, sagen. Allerdings ist ja in Betracht zu ziehen, daß die Presse im damaligen französischen Reiche überaus streng ^überwacht wurde und namentlich von den Vorgängen in Deutschlmld nicht viel mitteilen durfte. Besonders das geistige Leben in Deutschland erfreute sich nicht in der Sympathie Napoleons I. und er sorgte dafür, daß seine Untertanen nicht allzuviel davon erfuhren! — Björn Björnson, der Sohn des Dichters und Politikers Björnstterne Björnson, hat dieser Tage fein 25 jähriges Schauspielerjubiläum gefeiert. Zu seinem Jubelfest stiftete minlersemester geschlossen hat, wurde heute em vier tägiger Obstbaukursus eröffnet, der von 37 jungen Leuten besucht wird. Der Unterricht erstreckt sich Krrichtsiaal. A l l e n st e i n , (Dftpr.) 28. März. Der M u s k e t i erH richRansch vom hiesigen 150.Infanterie-Regiment hatte tn der Jnstrukttonsstunde auf die Frage'des Leutnants, welches der h ö, ch st e Beriif jedes gesunden unb kräftigen Deutschen sei, geantwortet: Soldaten schinderei. Er war vom Kriegsgericht wegen Achtungsverletzung uni) Ungehorsam mit 3 sJJlonate» ui tb einer Woche Gefängnis 'bestraft ivorden. Rausch hatte sich noch mals vor dem Oberkriegsgericht des 1. Armee-Korps zu verantwort tn, da der Gerichtsherr Berufung eingelegt hatte. Dieses erhöhte die Strafe am 4 Monate Gefängnt s. N e w y o r k, 28. März. Die Millionenschwindlerin Frau Chadwick wurde zu 10 Jahren Zuchtha ns verurteilt. (Frkf. Ztg.) Nnlcrfchleife in der preuß Kisenvaynveiwaltulig. Wir haben gestern kurz über den Ausgang eines Prozesses berichtet, der sich dieser Tage in Görlitz abgespielt. Leider konnten wir aus Raummangel nicht ausführlich darüber berichten. Die Verhandlung forderte Tatsachen zutage, die man in einem Musterbetriebe — und die preuß.-hess. Staatseisenbahnen sind docv Musterbetriebe — nicht für möglich gehalten hätte. Es ist durch den Görlitzer Prozeß rin Korruptionsherd aufgedeckt worden, den mau in dieser Form und in diesem Umfange bisher nur in Rußland vermuten zu dürfen meinte. Seit einer Reihe von Jahren sind hiernach innerhalb des Betriebes der preuß. Staatsbahnen Untersch-leife in größtem Stil vorgekommen. Es haben Räubereien an Materialien stattgcfuuden, die ins Aschgraue gingen. Der wirkliche Umfang dieser Betrügereien und Diebstähle an preufzischrm Staatsgut entzieht sich offenbar der Feststellung. AVer das, was an dergleichen Unterschleifen tatsächlich nachgewiesen worden ist, genügt vollkommen zur Aufstellung des Satzes, daß abgesehen von ber Untreue und Pflichrvergessenheit einer Anzahl von Beamten, Mängel in der Organisation, hauptsächlich im Ueberwachungsdienst bloßgelegt worden ssind. Nur durch die besondere Aufmerksamkeit und Tüchtigkeit des Vorstehers und des Verwalters von zwei kleinen schlesischen Stationen ist der freche Schwindel entdeckt worden, weil diesen beiden Beamten das Uebergewicht zweier Güterwagen verdächtig war. Ehe von diesen beiden Stationen aus der Anstoß zur Untersuchung der schmutzigen Skandalaffare gegeben wurde, konnte der Bresrauer Betrüger mir Hilfe eines Stabes von bestochenen Beamten sein trauriges Handwerk jahrelang fortsetzen. Natürlich ist kein Privatbetrieb, ist auch kein anu.icher Betrieb für etwaige Jeiteu davor sicher, daß sich in ,ie unter der Maske des Biedermannes und des pflichttreuen Beamten gewissenlose Personen einbrungen, tue sich in sträflicher Weise gegen Treu und Glauben vergehen. Aber selbst ein rafstniercer Betrüger wird nur immer eine begrenzte Beit hindurch sein dunkles Treiben sortsetzen können. Etwas anderes qi es, wenn, rote tm Falle Friede berg und Genossen, sozusagen ein ganzes Komplott von ungetreuen Beamten gegen das Eigentum des Staates bestanden hat, um den betrügerischen Gelüsten eines Außenstehenden zu WUlen fein. Wenn diese Mehrheit von Personen Jahr aus Jahr ein den Staat in gröblichster Weise beschwindeln konnte, ehe der Betrug, man mochte beinahe sagen durch Zufall, ans Licht kam, so deutet dies auf innere Gebrechen des Systems hin, innerhalb dessen solche Bandendiebstähle an fiskalischem Eigentum möglich sind. Dies wird leider bestätigt und erhärtet durch die von sachverständiger Seite in diesem Prozeß gentauaen Aussagen. Danach ist, so hieß es in dem Gutachten der Sachverständigen, bei der zurzeit in Betracht zu ziehenden Zahl der überwachungsberechtigten Beamten in den Mette rialicn- depots eine bis ins Kleinste gehende genaue Kontrolle nicht durchführbar. Man vernahm aus dem Munde des einen Sachverständigen, was für eine Plusmacherei inbezug auf die vorh-andenen Materialienbestände im Schwange ist, sodaß sehr leicht Abgänge von beueutenbem Umfange statrsinden können, ohne daß das Manko bemerkt- zu werden braucht. Wenn solche Dinge nach der mangelhaften Struktur des Ueberwachungsdienstes an der einen Stelle möglich sind, wer bürgt der obersten Eisenbahnverwaltung dafür, daß der Laubaner Korruptionsherd die einzige Stelle ist, wo etwa das Gewissen eines Materialienverwalters, eines Lademeisters, eines Arbeiters gegenüber der mit blankem Golde klimpernden Verführungskunst in die Brüche gegangen ist? c Wenn die Kontrolle anderswo nicht strenger, durchgreifender, sicherer fungiert, als es gegen die Machenschaften des Friedeberg und seiner beamteten Werkzeuge geschah, welche Garantieen hat alsdann die Eisenbahnverwaltung dafür, daß es überall in ihrem weiten Reiche mit rechten Dingen zugeht? , Wird der Gorlitzer Prozeß die Folge haben, daß tn der Organisation der Kontrolle über die wertvollen, nach Millionen zu berechnenden Materialienbestände des Eisen- bahnsiskus eine zweckmäßige Aenderung vorgenommen wird? Wir wollen im Zusammenhang hiermit keineswegs für eine Erhöhung der Bezüge ganzer Beamtenkategorien eintreten. Denn gerade, daß die des,er besoldeten Beamten bei diesen banüenmäßigen Unter schleifen an Untreue den schlechter besoldeten mit schlechtem Bei.Piel vorangegangen sind, gerade das beweist, daß das höhere Einkommen kein höherer Schutz gegen die Gewissenlos.gkett ist. Es bleiben Hunderttausende und Millionen Menschen mit einem Exminimum von Einkommen ehrliche Leute, obgleich auch an sie die Verführung zur Unehrlichkeit in den verlockendsten Gestalten herantritt. Der springende Punkt ist, daß die falsche Finanzpolitik überwunden wird, mit der man inbezug auf die Menge des überwachenden Personals an denjenigen Stellen spart, an denen ein zuverlässiges Aufsichtspersonal eher zu reichlich als zu knapp zur Verfügung stehen sollte. Wir hoffen, daß der Görlitzer Prozeß nach dieser Richtung hin aus die Eisenbahnverwaltung einen stark belehrenden irinfluß ausüben toirb. • Hautunreinheiten (Gebrauch des an Wirksamkeit ÄS Myrrholinglycerim bVw THE AMERICAN CEREAL COMPANY, Kaiser Wilhelmstrasse 82, Hamburg. vorteilhaftesten in einem Quaker Oats Kocher zubereitet. Wir senden Grates emen Quaker Oats Kocher an jede beliebige Adresse in Deutschland falls uns die unten angegebene Anzahl Schutzmarken, die aus der Vorderseite der Packete zu schneiden sind und so aussehen, franco in einer Sendung und vor dem 31. Dezember 1905 zu szehen. GO Schutzmarken von *3 Pfd. 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