Erstes Blatr. 155* Jahrgang Donnerstag 3V. Marz LSV5 Nr. 76 Grl-etvt t»«Nch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien« VUttter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckerri. 9L Sange. Redaktion, Erveditto» und Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. GletzenerMzeiger» M General-Anzeiger MßM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WU§ ____________ __________________________________________ " zeigenteil: HanS Beck Ire Heutige Wummer umfaßt IS Seile«. Gießen, den 27. März 1905. Das Großtzerzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Sie wollen innerhalb 8 Tagen berichten, welche Märkte, auf denen Getreide und Fourage gehandelt wird, sowie welche Getreide- und Fouragehandlungen in Ihren Gemeinden bestehen. I. V.: Dr. Wagner. Z>«S deutsche« Kaiserpaares Wcerfayrt. Der Kaiser m Liffabou. Lissabon, 29. März. Die Abordnungen der deutschen Kolonien von Lissabon und Oporto wurden gestern abend im Palast durch den Generalkonsul Dähnhardt dem Kaiser vorgestellt. Der Empfang dauerte eine halbe Stunde. Der Kaiser unterhielt sich lebhaft mit den einzelnen Herren und nahm die Adresse der Kolonie entgegen. Der Besuch des Kaisers im deutschen Klub fällt wegen Zeitmangel aus. Gestern abend fand ein Bankett zu 40 Gedecken in der deutschen Gesandtschaft statt, zu dem die portugiesischen Minister und die Spitzen der deutschen Kolonie geladen waren. Während der Pausen in der gestrigen Opernvorstellung hielten die Majestäten Cercle. Der Kaiser nahm Vorstellungen entgegen. Heute vormittag härte der Kaiser Vorträge und begab sich sodann mit dem König und der Königin nach Schloß Cintra auf der Serrade Cintra, wo Frühstück bei der Königinmutter stattfand. Der Kaiser verlieh u. a. den Kronenorden erster Klasse dem Marineminister Morella, dem Justizminister Alpoim, dem Handelsminister Coelho und dem Kriegsminister Testes; dem Präsidenten des Ministerrates Luciano de Castro das Großkreuz des Roten Adler-Ordens. Marokko. Tanger, 29. März. Ein von der spanischen Kolonie geplantes Manifest, in dem die Spanier aufgefordert werden, den Kaiser als Beschützer der Unabhängigkeit Marokkos und der Gleichheit aller Ausländer zu begrüßen, wurde vom spanischen Gesandten verboten. London, 29. März. Das konservative Organ (Stöbe schreibt u. a.: Deutschland versuche die Uneinigkeit zwischen Den europäischen Rationen auszunutzen, um eine Koalition zu bilden, welche gegen die französische Expansionspolitik in Marokko gerichtet sei. Das Blatt kritisiert in scharfer Weise die Haltung Deutschlands zu dieser Frage und drückt die Hoffnung aus, daß die englische Kolonie in Tanger sich nicht beeinflussen lassen werde, um sich mit den Deutschen zu Kundgebungen gegen Frankreich hinreißen zu laffen. Die deutsche Kaiserin in Italien. Neapel, 29. März. Das deutsche Schulschiff „Hertha^ mit dem Prinzen Adalbert ist heute mittag hier eingetroffen. Der Prinz ging an Bord des englischen Kreuzers „Essex" zum Besuch des Herzogs und der Herzogin von Connaught. Taormina, 29. März. Die deutsche Kaiserin besichtigte heute nachmittag mit den Prinzen Eitel Friedrich und Oskar das griechische Theater. Später machte die Kaiserin mit den Prinzen einen Spaziergang. Vor- Volitische Tagesschau Schatten im Orient. W. T.-B. verbreitet heute folgendes Telegramm: K o n st a n t i no p e l, 28. März. (Wiener Korr.-Bur.) gestern proklamierten die kretensischen Malkontenten bei Therisso bie Vereinigung Kretas mit Griechenland und verständigten das Kvnfularkorps davon, daß die Annexion auf die von den Admiralen 1897 diktierte neue Zone nicht ausgedehnt werde Ferner erklären sie, daß sie die gegenwärtige Verwaltung inrr bis z-ur Einführung der neuen Regierung sanktionieren wollen dieselbe aber bis dahin unterstützen werden, um die Ruh- aufrecht zu erhalten An dmübrigen Orien herrM Ruhe. Diese Proklamitton xft em Glied m der Kette ausfälliger Erscheinungen im europäischen Orient. Zunächst überraschte Me schrosfe Stellungnahme Frankreichs gegenüber der Vsorte in der Quai- und Gsenbahnfrage. Dann zeigt Fürst Ferdinand von Bulgarien eine bemerkenswerte Rührigkeit im unmittelbaren Verkehr mit) den an der Orient« »olitik interessierten Großmächten. Er wird demnächst auch London besuchen, wie es heißt, auf Einladung König Eduards Fürst Ferdinand bat ferne hochfligenden Plane, »ie in der Erlangung der Königswurde gipfeln, durchaus wicht anfgegeben. Vielleicht glaubt er, daß die gegenwärtige politische Konstellation seinen Ab, ichren günstiger 11 Die „Balkanwächter" Rußland und Oesterreich-Ungarn schlafen Kvar nicht, aber sie sind mit ihren eigenen, ihnen naber- lliegenden Sorgen derart beichäftigt, daß dre Wachsamkeit toon selbst nachläßt. Schließlich, wer weiß ob es speMell Nußland so ganz unangenehm sem wurde, vom werten Dsten in den näheren Orient „abberufen zu werden? Wenigstens wäre solche Nötigung durch Auflodern des Walkanfeuers schier das einzige, wenn auch verzweifelte Mittel, mit Ehren von dem verhängnisvollen und aus- sjchtslosen Krieg mit Japan loszukommen. Aus beut Reichstage. Die Vermutung, daß auch nichtdemokratische Abgeordnete aus Süddeutschland gegen die Militärvorlage stimmen werden, wurde heute bestätigt durch eine Erklärung des agrarisch gerichteten M>g. Wolff (Wirtsch. Ver.), der eine Garantie hinsichtlich der Kostendeckung vermißt. An der Annahme der Militärvorlage änderte das natürlich nichts. Tas Hauptinteresse an der gestrigen Sitzung galt der unter Beteiligung des Grafen Bülow sich entspannenden großen politischen Auseinandersetzung in der Generaldebatte zur dritten Lesung des Etats. Zunächst übte Abg. Bebel scharfe Kritik an der preußischen BerggesetzNovelle. Er hatte in der Sackte keinen leichten Stand und sprach auch nicht sonderlich geschickt. Es war also dem Grafen Bülow die Antwort nicht schwer gemacht. Der Kanzler hatte seine, wiederum programmatischen Charakter tragende Rede auf einen ironischen Ton gestimmt. Er flocht Hinweise ein auf die mit der Diktatur des Proletariats in Aussicht stehende „Zuchthausordnung" imb „banausische Gleichmacherei". Diesen Ausführungen wurde ebenso kräftiger Beifall zuteil, wie der Versicherung des Grafen Bülow, daß Preußen an seiner Ostnmrkenpolitik festbalten werde. Zwischendurch gab es nämlich noch eine Polendebatte. Ungleich wichtiger aber war die Erörterung der Marokkofrage in Verbindung mit dem Kaiserbesuch in Tanger. Die Abg. Bebel und v. Kardorfs veranlaßten den Kanzler, sich zu dieser die Tagespolitik beherrschenden Angelegenheit^ zu äußern. Bemerkenswerter als das, was Graf Bülow erklärte — im wesentlichen Wiederbollmgen und Ergänzungen der offiziösen Notizen in der „Nordd. Mlg. Ztg." — war das, was er andeutete oder unerwähnt ließ. Er meinte, Deutschlands Marvkkopolitik könne nur dem Staate Anlaß zur Beunruhigung geben, der selbst agressive Absichten hege. Mit anderen Worten: Deutschland wird um Marokkos willen den Weltfrieden nicht stören. Weiter ist bemerkenswert, daß Graf Bülow jedes unfreundliche Wort an die Adresse Frankreichs unterließ. Mit Recht entnahm der reichsländifche Abg. Blumenthal (südd. Vp.) daraus, daß Deutschland die korrekten Beziehungen zur ftcmz. Republik erhalten zu sehen wünscht. Man darf nunmehr gespannt sein, wie Minister Delcasse im französischen Parlament mit der heutigen Reichslagsrede des Grafen Bülow sich abfinden wird, in der ihm gewissermaßen eine goldene Brücke gebaut ist. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß in der Diplomatenloge der in Berlin beglaubigte japanische Gesandte diesem Teil der Reichstagssitzung beiwohnte. Am Schluß der Generaldebatte versuchte Bebel nochmals einen Waffengang gegen den Reichskanzler. Er hatte aber auch jetzt nicht den erhofften Erfolg. Aus der Einzelberatung sei eine Erklärung des Kolonialdirektors Dr. St übel über die Lage in Kamerun hervorbehoben, wonach ein unmittelbarer Anlaß zur Beunruhtgung nicht gegeben ist. Von starker Wirkung war die Schilderung des Abg. Dr, Becker-Sprendlingen von der Drangsal und Verunglimpfung, die er in seiner Eigenschaft als prakttscher Arzt von feiten der Sozialdemokraten des Wahlkreises Offenbach seit Jahr und Tag erdulden muß. Der Wahrheitsbeweis, den Dr. Becker antrat gegenüber Beschuldigungen seitens des Abg. Scheidemann, bekanntlich eines früheren G i e ß en er, jetzigen Offenbacher und demnächstigen Kasseler sozialistischen Redakteurs, muß als gelungen bezeichnet werden, wenn Llbg. Scheidemann es auch nickt wahr haben wollte. Der Reichstag stellte sich in seiner großen Mehrheit auf die Seite Dr. .Beckers. An parteipolitischer Zerklüftung hat der Wahlkreis Offenbach jedenfalls kaum seinesgleichen im Reiche. Ausland. Kopenhagen, 29. März. Der Reickstag nahm heute endgiltig den Gesetzentwurf betteffend die Einführung der Prügelstrafe ferner den deutsck-russischen Schiedsgerichtsverttag an. London, 29. Mä^. Unterhaus. Im Laufe der Beratung über die Heereserfordernisse spricht sich Lowther skons.) für eine Erweiterung des englischen Bündnisses mit Japan aus, welches eine solche Form annehmen solle, daß im Falle eines Angr'ffes aus die asiatischen Besitzungen einer der beiden Mächte beide Mächte wechselseitig verteidigen, Japan mit dem Heere und England mit der Flotte. — Nach einer Meldung aus Bloemfontein hat der vormalige Präsident des Oranjestaates Stejn nach vielen Bemühungen endlich die Erlaubnis erhalten, in Bloemfontein seine frühere Tätigkeit als Rechtsanwalt wieder aufzunehmen. — Der König beabsichtigt, gegen Ende nächster Woche sich der K ö n i g i n an Bord der königlichen Jacht im Mittel- meer anzuschließen. Es verlautet, der König werde am 6. April nach Mapseille abreisen. — In der Wohnung des stellenlosen Kaffeekellners Didaret, der sich mit der Herstellung von Explosivkörpern beschäftigte, fand eine Explosion statt. Didaret wurde schwer verbrannt. Eine Haussuchung bei ihm führte zur Entdeckung anarchistischer Schriften. Rouen, 29. März. Auf dem Sozialist en-Kongreß hielt Jaures gestern eine zweieinhalbstündige Rede. Er erklärte, die Trennung zwischen Kirche und Staat sei nicht nur ein republikanischer Sieg, sondern auch ein Sieg des Proletariats. Mit der Politik des Kabinetts ist er solidarisch. Bezüglich des Militär-Budgets sagte Jaures, obgleich Gegner des Militarismus und Mhänger der allgemeinen Entwaffnung seien die Sozialisten doch entschlossen, die Integrität des französischen Gebietes, die politische Freiheit und die sozialistischen Reformen zu verteidigen. Schließlich wurde der Antrag auf Vereinigung aller sozialistischen Gruppen einstimmig beschlossen. w Bern, 29. März. Ter Ständerat hat den Handelsvertrag mit Deutschland genehmigt. 2umoa. Berlin, 29. März. Die Petitionskommission deS Reichstags beschäftigte sich mit der Petition betr. die Entschädigung der Ansiedler auf Samoa für die bei der Unterdrückung der Unruhen erlittenen Verluste. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen führt aus, durch den Schiedsspruch des Königs von Schweden sei die Schadenersatzpflicht Amerikas und Englands anerkannt. Die Geschädigten auf Samoa beanspruchten 11 4 000 Doll. England und Amerika erkennen einen Schaden von 6000 Doll, an, erklärten sich aber infolge der Verhandlungen bereit, 40000 Doll, zu zahlen, um die Sache aus der Well zu schaffen. Es sei die Frage, ob man diese Summe annehme und den eventuellen Mehrbetrag aus den Reichs-» Mitteln ersetze. Die Petition wird hierauf dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. — — —-------- ----- ..■■■■'.K Aevtlch-Lüdwekafrika. Aus den Gefechten bei KosiS, Geibanes und Aub am 20. und 21. d. Mts. waren bisher nur die Namen der gefallenen Offiziere des Hauptmanns Kirchner und des Leutnants Fürbringer bekannt geworden. Jetzt meldet ein Telegramm aus Windhuk eine Verlustliste, welche die Name« von 11 Gefallenen, 10 Schwer- und 11 Leichtverwundete» enthält. Der Krieg. Nach den letzten Meldungen vom Kriegsschauplatz herrscht dort vollständige Ruße. Die Befürchtung, daß die Japaner neuerdings Flankenbewegungen durchführen werden, hat sich nicht bestätigt. Die Ruhe dürfte nach Ansicht von Militärkreisen noch lange andauern. Die l-eutigen russ. Meldungen lauten: Petersburg, 29. März. Der Petersb. Tel.-Ag. wird aus Sitjasa bon der ersten mandschurischen Armee am heutigen Tage gemeldet: Gerüchten zufolge unternahmen die Japaner ut der letzten Woche keinen Vormarsch. Ihre Hauptkräfte sind bei Tilling konzenttiert, dre Vorhut bei Kaugan. Petersburg, 29. März. General Karkewitsch meldet dem Generalstab unter dem 29. März: In unseren Armeen ist keine Veränderung cingetreten. General Lnrewitsch hw spizierte die Truppen der zwetten Armee. Ihre Haltung ist ausgezeichnet. Petersburg, 29. März. Es verlautet gerüchtweise, daß auf der Insel Sachalin Aufruhr ausgebrochen sei. Japanische Telegramme vom Kriegsschauplätze sind nicht eingegangen. ~ J Neue Friedensgeruchte. Tie gestrige Börse zeichnete sich durch eine bedeutende; Festigkeit aus, und die Aktien deutscher Banken, dich nun schon seit einigen Wochen recht lahm lagen, erfreuter^ sich einer Steigerung von IV2—3 Proz.; besonders toaren Deutsche Bank und Berliner Handelsgesellschaft gesucht.! Wenn man nach der Ursache forscht, so findet man sie tut folgender Meldung: London, 29. März. (W. 25.) Das Reutersche Bureau veröffentlicht ein Telegramm aus Petersburg, wonach Rußland, einen allgemeinen Umriß der Bedingungen gegeben habe, unter denen Rußland bereit wäre, in Friedensunter«4 Handlungen einzutreten. Gestern abend hat anscheinend glaubwürdig verlautet, daß Dank den guten Diensten der Vev, einigten Staaten und Frankreichs die Friedensftage praktische Gestalt angenommen hat. Es ist immerhin eigentümlich, daß man nicht weites bedachte, was denn Japan dazu sagen wird, toemt das geschlagene Rußland den Frieden gewissermaßen dik- tierüen will, und wie es denn werden solle, wenn Japan! nicht geneigt ist, auf Grundlage der russischen Vorschläge in Friedensverhandlungen einzutreten, denn einstweilen haben die Russen zwar neue Generäle, gesiegt haben aber auch diese bis jetzt nicht. Die offiziöse Petersb. Telegr.-ÄA erklärt, denn auch schon diese Mitteilung Reuters für unrichtig. Trotz der allgemeinen Hinneigung zum Abschlüsse des Krieges habe Rußland keine Friedensbedingungen vorgeschlagen, auch solche Bedingungen nicht ausgearbeitet. Indes hat die Friedensftage wenigstens eine leidenschaftliche Polemik der russischen Zeitungen hervorgerufen. In diplomatischen Kreisen Rußlands, verhält man sich aber äußerst reserviert. Der Londoner „Dailp Chronicle" behauptet, aus bester Quelle zu wissen^ daß die j a p a n i s ch e Negierung auf einer Kriegsentschäoig-, ung von 100 Millionen Pfund Sterling als! Hauptbedingung für den Abschluß des Friedens bestehen^ wird, abgesehen von der endgi ltigen Räumung der Mandscyurei. Dieser ungeheuren Forderung gegenüber fällt der Entscyluß kaum allzuschwer, den Krieg fortzu- setzen, und entweder die Ermüdung Japans, die Versiechung auch seiner Hilfsguellen oder einen günstigen Zufall' ab- zuwarten, der Rußland gebieterisch in den nahen Orient abberuft. Daß die blutige Auseinandersetzung im fernen Osten durch eine nicht minder blutige und fodAen- schwere im europäischen Orient abgelöst werden hnrty ist eine Wahrscheinlichkeit, die man ins Auge fassen mnfc um nicht von den Ereignissen überrascht zu werden. (23gL den Artikel „Schatten im Orient".) Bemerkenswert ist, daß der Leiter der auswärtigen: Politik der Vereinigten Staaten von Nordamerika zurzech in Europa weilt, und zwar in nächster Nähe des deutschen Kaisers. Am 29. d. M. ist in Gibraltar der amerv kanische Staatssekretär Hay angekommen. Er ist auf der Reise nach Algier begriffen. Es heißt, daß er leidend sei und nur aus diesem Anlaß eine Erholungsreise mache. Doch werden in London Stimmen laut, denen zufolge dieft Reise mit Friedensbemühungen der Union in 25erbindmr^ gebracht wird. Man hebt hervor, daß der amerikanische Botschafter in Rom White beauftragt wurde, vor HayZ Ankunft schleunigst nach Rom zurückzu'kehren. 57ays schnelle Genesung und die Ankündigung, daß er am 12. Mai nach Amerika zurückkehren werde, lasse gute Früchte von seiner Mission erwarten. White ist aus Amerika in London ein- getroffen und hatte eine Audienz beim König Eduard. Kriegskontrebaude. Das japanische Maiiueministerium hat eine Instruktion erlassen, wodurch für die Zeit des Krieges mit Rußland die Gegenstände der Kriegskontrebande festgestclll werden, und diese Jnstruktton dahin ergänzt, daß auch Kleidung-M tücke und Material zur Herstellung für solche sowie außer-, dem Steinkohlen imb Bornum aieri al unter gewissen Vor- aussetzungen als Gegenstände der Kriegs kontrcbcmbe erklärt worden sind. ___________ Ans dem preußischen Landtage. Abgeordnetenhaus. D. E. K. Berlin, 29. März. Hebet Stille guna von Zechen, gesetzgeberische Man- Segeln dagegen, zwei Kvmmifswnsanträge dazu — und zum zweiten einen ÄendenmgSantrag — kurz: über „Betriebs- zwang", wie die Tagesordnung die Tendenz des Gesetzes bezeichnet, wird beute zuerst beraten — dann wird der Entwurf an eine Kommission von 28 Mitgliedern zur Beratung überwiesen. In der Begründung der Vorlagen bezeichnete der Hcmdels- xirnifter Möller deren Materie als überaus schwierig, zumal die interessierten Zechen der seitens der Regierung an fte ergangenen Auffordenimg, Vorschläge zu machen, bisher nicht nachgekommen seien. Gegen die „künstliche" (d. h. nicht auf natürlichen Gesichtspunkten beruhende) Stillegung der Zechen müsse die Regierung einschreiten, da sonst, wenn man sie ungehindert in der bisherigen Weise fortschreiten lasse, die Existenz so mancher Kommunen in Frage gestellt sei. Die Vorschläge der R'giernng seien keine Schädigung der ShndikatSbewegung, sondern sie sollen ihr nur Schranken setzen. Dem i"ba. Träger lfr. Vp.), dessen geistvolle, v-ckfach Beifall und Heiterkeit im Hanke hervorrufende Ausführungen Minister Möller als „ästhetischen Genuß" bezeichnet, kommt es bei der Beurteilung des Gntwuries hauptsächlich darauf an. daß der „Betriebszw^ng" sich nicht nur auf die Fortsetzung, sondern auch auf die Eröffnung des Betriebes byefrt. In scharten, öfters mit witzigem Sarkasmus gcsvickten Al'ssührungen wendet sich Träger schließlich gegen daß Kohlensvndikat. im Vergleich zu dem ihm das Staatsmonopol das kleinere liebet sei. Weniger glücklich, als im Vorjahre gelegentlich der Kanal- Vorlage, ist beute der Menschenfreund imb politische Sonderling P. D. von Bodelschwingh (b. k. Fr.); er spricht d-w Notwendigkeit d^s Koblenstreiks, der auch eilt „Spmpatl.ie-Streik" gewesen sein soll, das Wort. Stürmische Heiterkeit erregen im Hause seine Zitationen Dbg. Hilbck lnl.st den er belehrt, daß nickt nur die Arbeitswilligen Helden gewesen seien, säubern daß es auch unter den Streikenden solche gegeben habe. Nachdem Bodelschwingh geendet, geht er zum Minister Möller und schüttelt ihm herzlich die Hand. Die als zweiter Punkt auf der Tagesordrnmg stehende zweite Lesung des Schadloshaltungs-Gesetzentwurfs des- Herzog!. Glücksburgsschen Hauses wird dcbattelos erledigt. Herrenhaus. Minister v. Budde bringt ben Görlitzer Veruntreu- ungsvrvzeß zur Sprache. Infolge dieses bedauerlichen Verfalls seien in allen übrigen Eisenbahndirektlonsbezirken Unter» 'fuckungen angestellt worden, die ergeben hätten, daß n o ck zwei Bahnmeister belastet seien mit dem Vorwurf, alte Schienen an Privatpersonen verkauft zu haben. Die Verwaltung f?be darauf, daß die Materialienverwalter ost verfehl werden, damit die Beziehungen, die sie unter llmsttänd-n angeknüpft haben, gestört werden. Er, der Minister, hoffe, daß weitere räudige Schafe sich in der preußischen Elsenbahnverwalt- uichl befinden. Er beabsichtige, die Althändler auszuschciden und direkt mit den großen Werken zu verkehren. (Vgl. den Artikel „Unterschleife in der preuß. Eisenbahnperwaltung in unserem heutigen 3. Blatte.) Der Ruin der Landwirtschaft in Rußland. Etwa 80 Prozent der russischen Bevölkerung gehören dem Bauernstände an. Und die russischen Bauern leiden am Notwendigsten Mangel, sie hungern geradezu, wie «die „Nowosti" in einem Artikel, der zum schleunigen Frie- densschlust mahnt, hervorheben. Das unsägliche Elend, das seit Jahrzehnten schon auf dem russischen Landvolk lastet, und das durch den unseligen Krieg seinen Höhepunkt erreicht hat, ist die Ursache der Bauernunruhen, die immer mehr an Umfang zunehmen. Im Hinblick auf die Gefahr, die dem russischen Staatswesen droht, ist der nachfolgende Artikel, der der „Berl. Ztg." von einem genauen Kenner der russischen Verhältnisse zugeht, von besonderem Interesse. Der Herr schreibt: Rußland hat seit dem letzten russisch-türkisthen Kriege beständig und mit Erfolg an der Erweiterung seiner äußeren Macht gearbeitet; im Innern sind die Zustände immer trüber geworden. Das Geld hat man aus dem Hause nach Ostasien geschleppt, indessen derjenige Teil der Bevölkerung, in dem man die eigentliche Kraft des Zarenreiches sah, an den Bettelstab geriet. Niemand gibt sich jetzt noch Mühe, dies in Abrede zu stellen. Bis zur Mitte her neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts galt es für eine Art von Vaterlandsverrat, wenn man über den Verfall der russischen Landwirtschaft sprach, man erkannte allenfalls einen Notstand an, aber einen fortschreitenden, unaufhaltsamen inneren Verfall wollte man nicht zugeben. Graf Leo Tolstoi gehörte zu den ersten, welche die verzweifelte Lage der Landwirtschaft öffentlich schilderten und dem Wahne ein Ende machten, als handle es. sich um ein vorübergehendes Mißgeschick. Mit allem Freimut betonte der alte Bauernfreund, daß der Niedergang des russischen Ackerbaues der geistigen und sittlichen Versumpfung und V e r l u m p n n g des Adel- und Bauernstandes zuzuschreiben sei, daß die Schuld an den Menschen und nicht an der Scholle liege. Jetzt finden sich auch in her national-russischen Presse häufig Schilderungen, die rückhaltlos das Elend der beiden Stände darlegen. Es ist dabei schwer zu entscheiden, wen die größere Schuld trifft. Um verarmten Edelleuten aus den Gouvernements Smolensk, Riäsan und Ssimbirsk wirtschaftlich vufzuhelfen, wies die Regierung im Jahre 1848 169 pdligen Familien je dreißig Dessjatinen Land an und unterstützte sie auch mit barem Gelde. Sie hat mit ihrem guten Willen wenig Glück gehabt. Ein Beamter des landwirtschaftlichen Ministeriums, der mit der Revision dieser Majorate beauftragt war, schildert, was aus ihnen bereits nach fünfzig Jahren unter der zweiten Generation geworden ist. Als er sich zu diesen Majoraten begab, durchfuhr er /rarst in trefflicher Kultur stehende Bauernländereien mit mehr oder weniger blühenden Dörfern. Kaum hatte er aber adliges Land betreten, so änderte sich das Bild mit einem Schlage. Die Felder waren völlig verwahrlost, die Häuser im Zustande des Verfalls und die Menschen selbst abgerissen und verelendet. Mit der Landwirtschaft nur wenig oder gar nicht vertraut, trieb sich die überwiegende Mehrheit der Edelleute auf den Gütern herum, die sie verpachtet batten, ohne von der Pacht leben zu können. Votl 169 Majoraten werden gegenwärtig nur noch 58 von ihren Besitzern selbst verwaltet. Die Armut — so fügt das amtliche Organ des Ministeriums dem Berichte AU — ist mit Verwilderung gepaart. Viele der Majoratsherren sind Analphabeten; sittliche Verkommenheit, Trunksucht, Spielwut, Prozeßsucht sind an der Tagesordnung. Sehr oft kommt es vor, daß sie ihr Land gleichzeitig an mehrere Personen verpachten, — nur um zunächst ein doppeltes Handgeld herauszuholen? Und das _ so ruft das Blatt aus — Handlungen von Nachkommen der berühmtesten Geschlechter, die einst im Rate tet Bojaren den Herrschern Rußlands nahestanden. Ebenso traurig ist es mit dem Bauernstand bestellt. Wo der Bauer Pächter ist und sirr sich selbst wirtschaftet, ist er noch einigermaßen obenauf; wo er aber unter dem leidigen Kommunalsystem steht, wo das Land der Gemeinde gehört, steht er in ganz Rußland am Rande des Abgrundes und führt ein jammervolles Leben. Unlängst hat ein früherer 'Adelsmarschall Namens Bechlejew ein Zweifellos mit Sachkenntnis und Gewisten- haftigkeit geschriebenes Buch über die wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands herausgegebcn. Er beweist dauin ziffernmäßig den Niedergang des Landbaues. Niederschmetternd ist das Bild, das er vom russischen Bauern entwirft. Der zeitgenössische Bauernhof in den zentralen Gegenden Rußlands — sagt der Verfasser — hat ein sehr trübes Aussehen: eine kleine, meist verkommene Hütte, in der die infolge schlechter und nicht ausreichender Nahrung degenerierte Bauernfamilie nicht lebt, sondern vegetiert, eingebüNt in schlechte di'nne Zitzkleider: ein Halbpelz und ein paar Filzstiefel müssen für die ganze Familie herhalten. Ms Bettstelle dient eine nackte Bank, das Kopfkissen ersetzt ein zusammengerollter Rock ode Zitzjacke, eine Decke, die man sich unterlegen oder mit der man sich zudecken könnte, fehlt. Ein Absud von Wasser mit einer geringen Beigabe von Sauerkohl, Kartoffeln, Hirsebrei und Schwarzbrot bildet die gewöhnliche Nahrung edr Bauern, als Getränk hat er eine unappetitliche Einsäuerung von Noagenmehl in Wasser, angeblich ein Schutzmittel gegen Skorbut. An Fleisch, Fett und Hanföl kann der Bauer nur drei- od"r viermal im Jahre an großen Festtagen denken. Abends brennt in der Hütte eine Petroleumlampe, meist ohne Zylinder. Tas Hausgerät ist äußerst dürftig und bis auf einen verschwindenden Bruchteil zusammengeschmolzen. Kein Wunder, wenn die Bevölkerung unter solchen Umständen degeneriert und wenn die statistischen Angaben des Kriegsministeriums über die Ergebnisse der Rekrutenaus- hebunaen immer unerfreulicher werden. Die Bauern haben, um ihre Steuern bezahlen zu nen, ihr Eigentum hingegeben und alles verlaust, w sie nur iraend verkaufen konnten. Jetzt ist bei ihnen nichts mehr zu holen, und wenn einmal ein paar Kopeken einlaufen, so werden sie schleunigst vertrunken, bannt sie nicht dem Steuereintreiber in die Hände fallen. Eine Verschlimmerung der Vormögensver- hältnissederBauern ist nach Bechlejew n i ch t m e h r denkbar. Das wissen die Leute, und sie find deshalb gleichgiltig geworden gegen Mißernte, Hagelschlag und selbst gegen die landesüblichen Feuersbrünste. Was sie erübrigen könnten, würde ihnen abgenommen werden, und vor dem direkten Verhungern blieben sie bisher bewahrt. Ter Staat wird, wie auch der Krieg verlausen mag, in absehbarer Zeit über keine Mittel verfügen, mit denen der Landwirtschaft zu helfen wäre. Und im übrigen genügt Geld allein längst nicht mehr zur Heilung der Wunden, an denen Adel und Bauern leiden. Beide müssen vor allem erst wieder zur Arbeit, Zucht und Nüchternheit erzogen werden. Dazu gehören Jahrzehnte und wo findet sich der Erzieher? Mock ist es Zeit die Bestellung auf den „Gießener Anzeiger" für das zweite Vierteljahr zu erneuern. Aste Gollau stallen und Postboten nehmen fortwährend Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegen. Nm eine Störung im Bezüge unserer Zeitung zu vermeiden, bitten wir die auswärtigen Leser, soweit noch nicht geschehen, bei dem sie bedienenden Briefträger oder der nächsten Poftaustalt unter Beifügung des Betrages die Bestellung für das 2. Quartal 1905 sofort erneuern zu wollen. Aus Stad! und KanS. Gießen, 30. März 1905. ** Personalien. Der Großh. Negierungsassessor Dr Probst ist mit der Aushilfeleistung auf dem Sekretariat des Großh. Staatsmiuisteriurns beauftragt worden. — Der Amtsrichter in Altenstadt Pull mann wurde zum Amtsrichter bei dem zu errichtenden Amtsgericht Dieburg, der Amtsrichter in Lorsch Traut wein zum Amtsrichter bei dem zu errichtenden Amtsgericht Lainpertheim, der Amtsrichter in Grünberg Amtsgerichtsrat Hörle zum Amtsrichter in Darmstadt I, der Staats anwalt am Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr. Friedrich zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, der Amtsrichter in Offenbach Kilian zum Amtsrichter in Mainz, der Amtsrichter in Lorsch Seibert zum Amtsrichter in Offenbach, der Gerichtsassessor Hausmann aus Mainz zum Amtsrichter in Ober-Ingelheim, der Gerichtsassessor Strigler aus Mainz zum Amtsrichter in Wöllstein, der Gerichtsassessor Bernhards aus Mainz zum Amtsrichter in Osthofen, der Gerichtsassessor Gläser aus Tübingen zum Amtsrichter in Grünberg unb ber Gerichtsassessor Schneider aus Mainz zum Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Rheinhessen ernannt. ** Geheimrat Oncken in Darmstadt: Unser Darmstädter Redakteur schreibt uns: R. B. Darmstadt, 29 März. Einen bedauerlichen Aus- gcmg nahm die große Bismarckfeier, die beute abend von ber naiinnallih'ralen Partei im Kaisersaal veranstaltet worden war. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Osann, hatte in dem festlich gcfrhmürTfi’n und von innen dicht zusammena»drängten Publikum beiderlei Gejckleckts überfüllten Saal den berühmten Gesckichtssckrciber und Freund Bismarcks Geheimrat Prof. Dr. Oncken au(* herzlichste willkommen geheißen und ein dreimaliges Hoch auf Kaiser und Großherzog ansgebracht. Dann nahm der M't stürmischer Freude begrüßte Festredner das Wort. Er hatte ab-r erst wenige Minuten gesprochen, als er, .von plötzlicher Indisposition ersaßt, innehielt. Nach einer kleinen Pause versuchte er aus Bismarcks Jugendzeit zu erzählen, aber nach wenigen Säuen stockte er wiederum. Nach einigen weiteren Minuten, während deren sich die Vorswudsmitglieber um ihn bemühten, nahm er nochmals das Wort und sagte, wie aufrichtig und schmerzlich er bedauere, seinen Vortrag nicht zn Ende führen zu können. Er habe in den letzten Tagen unter ungewöhnlicher geistiger Ueberlmstrengung schwer gelitten. Er hoffe aber, seinen Vortrag später einmal halten zu können. Der Vorsitzende drückte gleichfalls. Jein herzliches Bedauern darüber aus, den Genuß des so viel versprechende Vortrags eines so vortrefflichen Bismarck- freundeS entbehren zu müssen und wünschte dem hochverehrten Redner von Herzen baldigste volle Wiedergesundung. Die Versammlung verlies; daraus unter Kundgebungen allgemeiner Teilnahme das Fest lokal. Nach bem Empfang dieser Nachricht wandten wir ims heute morgen sofort an die Familie des Hrn. Geheimrats, worauf zu unserer großen Freude nach Ürrzer Zeit Herr Geheimrat Oncken selbst auf unserer Redaktion erschien, um uns die Richtigkeit der obigen Durmstädter Meldung zu bestätigen. Im übrigen fühlt sich Herr Geheimrat Oncken, der heute morgen mit dem ersten Schnellzug wieder hier eingetroffen ist, vollkommen wohl und macht, wie wir uns zu unserer Freude selbst überzettgten, den Eindruck unver> änderter Frische. Wir glauben bestimmt, daß es sich hier in der Tat nur um eine Störung handelt, die rasch vorübergegangen ist und sich nicht wiederholen wird. Am Vormittag des 29. d. M. war Geheimrat Dr. Oncken von S. Kgl. Hoheit dem Großherzog empfangen worden. • • Der Raubmörder Hudde wurde, wie wir aus sicherer Quelle hören, heute von 2 Gendarmen nach Koblenz gebracht. Jedenfalls sollen dort Erhebungen angestellt werden über den bekannten neuen Mordverdacht, der auf Hudde fällt. ** Aus dem Bureau des Stadttbeaters. Es sei an dieser Stelle besonders auf die morgige Schillerfeier hingewiesen, die im Schillerjahr ein würdiges Ausklingen der Spielzeit barstellen soll. Die Direktion hat noch besondere neue Dekorationen in dem Atelier E. Falk (Berlin) anfertigen lassen, so z. B. die szenische Ausstattung für die lebenden Bilder und die Räuberszene. Der Reichstag zu Kralau aus Schillers Demetriusfragment dürfte zum ersten Male hier auf die Bühne kommen. Da die ganze Vorstellung sorgfältig und würdig vorbereitet ist, so wird ans starken Besuch mit Sicherheit zu rechnen sein. Am Samstag nachnnttag 3 Uhr findet die gleiche Vorstellung für Schüler statt und zwar zu ermäßigten Preisen. • ’ Schneider st reit. Die Leitung der Streikbewegung schreibt uns: Es trifft nicht z u, daß ein großer Teil der organisierten Arbeiter ruhig weiter arbeitet. Tatsache ist, daß alle organisierten Arbeiter in den Streik emgetreten sind. Gearbeitet wird nur da, wo der Lohntarif bereits geordnet ist. Nack unserer Fest- ftellung muß bei längerer Dauer des Streiks eine Unterbrechung in der Herstellung der Anzüge eintreten, da bei dem Arbeitermangel, der stch z. Zt. in allen Städten bemerkbar macht, die Unterstützung durch iremde Maßschneidereien als ausgeschlossen gilt. Wird Arbeit in anderen Orten hergestellt, so duckte dies nur in Koweklionsgesckä'ten möglich sein. Tie hiesigen Schneider sehen deshalb dem weiteren Verlauf des Streiks nut aller Ruhe entgegen und denken gar nicht daran „adzufallen". ** Aus bem hessischen Lehrer leben vor 100 Jahren. Auf bem Gerneinbehaus eines rheinhessischen Torfes fanb sich in einer alten, lange Zeit verschlossenen Kiste bas Protokoll über eine Sitzung bes bortigen Muni- )ipalrates vorn Jahre 1803 vor, bas wir hier wortgetreu in seiner Orthographie wiebergeben: „W., ben 26ten Gerrninial XI. Demnach ber seit 8 Mo- nath als Schulvicarius bet) ber reformirten Gemeinde zu W. gestandene Bürger Henrich S. von K., Kantons Alzey, geziemend angestanden, ihm die erledigte Schullehrerstelle der besagten Gemeinde zu conferieren, indem er cflaubt, baß er biese Stelle so versehen habe, bah ein jeber sein Vergnügen barem haben werbe und das um so mehr, da er mit den noch übrigen Besoldungs- stükken sich begnügen lassen wolle, und hoffe anbey auf die gütige Unterstützung ber seinen Fleiß belohnen werden- bert Bürger: 1.) Nach Ansicht ber von den Bürgern dieser Stabt eingereichten Petition, worinneu sämtliche um die Annahme des besagten Bürgers S. als Schullehrer ein- gestauden haben. Nach fernerer Ansicht des Gesczzes vom Ilten Floröal X. 2.) Nach Ansicht des vorgezeigten certi* fieats des knrpfälzischen Kirchenraths vom 3ten Octobris 1792, worinnen derselbe in Examine gut bestanden. 3.) Erwägend, daß die Schule mit einem tauglichen Subjecte versehen sehn müsse — beschließt der Minizipalrath: a) in einer Wohnung mit einem Gärtchen b) in einem Los Holz c) in 114 Ruth oder 27 Aren 25 Eentiarien Ackerfeld b) in 2 Malter ober 2 Hektoliter 6 Dekaliter 6 Liter Korn für Stellung der Uhr und Gemeindeläuten e) voll jedem Haus ein Glokkenbrob f) von jebem Schulkind 52 Kreuzer Holzgelb. Art. 3. Eine Ausfertigung foll^ bemselben zugestellt werbey." Dieses Aktenstück ist geschichtlich imb kulturgeschichtlich in gleicher Weise' interessant. Es versetzt uns in bie Zeit, da bie französische Republik bezw. Napoleon I. einen großen Teil bes südwestbeutschen Gebietes beherrschte und gibt, uns ein Bilb aus dem Lehrerleben dieser Zeit. Bürger, Henrich S. war ein bescheidener Mann, da er sich mit ben, vorhandenen „Besoldungsstükkelck' zufrieden gab. In Wahrheit reichte die ihm gewährte Naturalbesolbung zu seinem Lebensunterhalte nicht aus; er mußte sich, wie heute noch alte Leute erzählen, zeitweilig bnrch Dreschen unb Vor-i spannbienste einen Nebenerwerb schaffen. * • Politisches. Das Stöckersche »Volk" bringt nach-» stehende Notiz: ,,Die Vorstände der christlich-sozialen Partei und der Reform^ partei in Berlin haben sich schriftlich dahin geeinigt, daß bei der nächsten R e i ch s t a g s w a h l in Wetzlar-Altenkirchen seitens der Reformer der christlich-soziale Kandidat, in Marburg und Gießen der Reformer seitens der Christlich- S o z i a l e n u n t e r st ü tz t wird. Die Vorsitzenden der konservativen Partei in Wetzlar und Altenkirchen haben erklärt, daß sie mcht gegen die christlich soziale Kandidatur seien. Die Christlich-Sozialen werben dcüur bei den Landtagswahlen bie Konservativen in beiden Kreisen unterstützen." Die Herren Stöckerianer glauben wohl nach dem alten Satze handeln zu sollen ^Wer zuerst kommt, mahlt zuerst^» Sie können sich aber auch verrechnen. w. Nidda, 28. März. Am letzten Sonntag fand im „Gambrinus" eine sehr gut besuchte Abschiedsfeier für den von hier nach Babenhausen versetzten Bahnhofsvorsteher Fritz statt. Die Feier gab Zeugnis für die große Beliebtheit des Herrn Fritz, der es verstanden hat, neben der Strenge im Dienst auch den Wünschen des Publikums Rechnung zu tragen und seinen Beamten ein treuer Berater und Fürsorger zu sein. Von Seiten des CisenbahnvereinS sprach Bahnmeister Joost, von Seiten der freiwilligen Feuerwehr Herr Vetzberg er, von Seiten der Stadt Bürgermeister Roth. Herr Fritz dankte mit bewegten Worten und betonte, wie lieö lhm Nidda in den 11 Jahren seines Hierseins geworden seu Sein Nachfolger wird H. Fiedler aus Grebenhain. M a i n z, 29. März. In ber heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung brautiportetc Oberbürgermeister Dr. Gaßuer eine Interpellation bezüglich der Erbauung einer elektrischen Bahn nach Gonsenheim dahin, da» die Vorarbeiten dazu bereits begonnen hatten und daß unkgeheno um die Erlaubnis xur Erbauung dieser Bahn, bei ber Regie^ ung die nötigen Schritte geschehen würden; auch über die «acy K o st b e i rn zu erbauende elektrische Bahnverbindung werde her Versammlung demnächst Vorlage gemacht werden. Stodtv. .K. M. Maver berichtete über die S ch i l l er f e ic r an den Tagen des 8. und 9. Mai. Ani Vorabend bc5 Todestages soll an bem Sckü- lerdeutmal eine Huldigung veranstaltet werden, am cf wird eine akademische Feier in . der Stadthalle unb ein Lvroerteu, In der Anlage abgehalten und außerdem w^rbe an Amtliche VolkS- sckiüler ein „Schillerbuck" verabreicht werden, zu welchem Hofrat Dr. Börkel d"n Tert liefern wird. Zur Abhaltung dieser Festlichkeiten bewilliate die Versammlung — einschließlich der Küsten für das „Schillerbuch" — eine Summe von 5000 Mark. Alsdann wurde der Antrag auf „(Errichtung eines Wohnungsamtes" einstimmig angenommen. Auf Antrag desStadtv. Tiefel beschließt die Versammlung, zu den Kosten der in Darmstadt errichteten Schutzmannsschule b-n aus Mainz entfallenden Betrag von rund 6000 Mark zu bewilligen: ferner Warden noch 1400 Mark bewilligt, um mit dieser Summe die Schutzleute, welche die Schule in Darmstadt besuchen zu "ut^utzen. (ft. Z.) Frankfurt a. M., 29. Marz. Noch in diesem Jahre soll das große Zirkus- und Va ri4t6-Gebäude am Bahnhofsplatze dem Publikum seine Pforten erschließen. Es soll in dem Gebäude etwa zwei Monate hindurch der hier bekannte Direktor Albert Schumann mit seinem Zirkus spielen, ca. 6 Monate hindurch soll ein Varißte in großem Stile betrieben werden und die übrige Zeit sollen andere Vorstellungen, ähnlich wie im Wellend- und Metrovoltheater in Berlin, mit großen Balletarrangements rc. llattfinden. Die Manege wird dann überbaut und zum Parkett des Theaters eingerichtet. Das Haus soll ca. 4000 Personen fassen, die sich auf erstes und zweites Parkett, Logen-Promenoir, ersten, zweiten Rang und Gallerie (Sitz- und Stehplatz) verteilen. Ohne Zweifel wird das neue Unternehmen dazu beitragen, daß in Frankfurt etwas mehr sein wird. — Der verstorbene Baron v. Ne in ach hat seine Villa, Taunusanlage Nr. 10, der Stadt vermacht mit der Bedingung, daß jeweils der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt darin seine Wohnung zu nehmen hat. Im Falle die Stadt Frankfurt die Erbschaft ausschlägt, ist der preußische Staat als Erbe vorgesehen. Hanau, 28. März. In dem Augenblick, als heute nachmittag aus dem Friedhöfe bei einer Beerdigung Prediger Vogt aus Offenbach die Grabrede hielt, ertönte aus dem nahen Gebüsch des Friedhofs ein Schuß. Man sah näher zu und fand den 53 jährigen Goldarbeiter Karl Fleischmann entseelt am Boden liegen, der freiwillig aus dem Leben geschieden war. Einiae Stunden vorher war er vom Schöffengericht wegen einer Straftat zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden. ** Kleine M i t t e i l" n c c n ans dessen und den Nachbarstaaten. ftm Grünlleinbruch beiBuchenau wurde der Arbeiter Martin durcb herabkallendes Gestein getötet. Dermifcbte»« • Berlin, 29. März. Durch die Achtsamkeit der Gendarmerie ist heute ein Duell vereitelt worden, das im Grünewald ausqetragen werden sollte. Betreffende, ein Herr aus Bromberg, der an der Hochschule in Charlottenbu^g studiert, und ein Dr. Ehr. aus Gnesen, erschienen zu Wagen auf der Wahlllatt, als sie von Gendarmen bemerkt und ins Verhör genommen wurden. — Der Bau eines Straßenbahntunnels Unter den Linden ist der Stadt Berlin genehmigt worden. • München, 29. März, lieber den bekannten Fall Hausler wird die Entscheidung über das Wiederaufnahmeverfahren demnächst erfolgen. Es handelt sich, wie erinnerlich, um die ehem. Stiftsoberin Elise v. Häusler, die vor zwei Jahren wegen eiueS Gistmordversuches, begangen an dem Dienstmädchen Minna Wagner, vom oberbayerischen Schwuraericht zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Die Wagner ist vor einigen Wochen im hiesigen Krankenhause gestorben und bei der Sektion haben sich Umstände herausgestellt, die starke Zweifel an der als erwiesen angenommenen Vergiftung durch die Häusler wachriefen. * Eine merkwürdige Heiratsgesellschaft hat sich in Düren konstituirt. Dort haben drei Brüder drei Schwellern aeheiratet, und weil's aleich war, eine Schwester der drei Brüder einen Bruder der drei Schwestern. Marb urg, 29. März, lieber eine Lohnbewegung berSDlör* Burger Schneidergehilfen erhält die „Hess. L. Ztg/ folgende Mitteilungen: Die Schneidergehilfen traten, um den angeblich vielfach in ihrem Gewerbe berschenden Mißständen entgegenzutreten, in eine Lohnbewegung ein. Die von ihnen gewählte Lohn- fommiffion arbeitete einen neuen Tarif aus, der eine Anzahl 93er- besierungen gegen die seitherige Bezahlungsweise enthält imb legte biesen Tarif den Arbeitgebern zur Unterzeichnung vor. Drei größere Firmen bewilligten die Forderungen ihrer Personale anstandslos, während die anderen Geschäfte sich bis jetzt ablehnend ver- annheim , 29. März. Zwischen Arbeitswilligen «nd den streikenden Arbeitern der Rheinischen Gasmotorenfabrik Benz & Co. kam es gestern zu einem Z u s a m m e n st o ß vor der Fabrik. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein. Es famen mehrere Verwundungen vor. Auch Frauen und Kinder von Streikenden beteiligten sich an den Verhöhnungen der Arbeitswilligen. Der Straßenverkehr war längere Zeit völlig gehemmt.^ von Charleroi und Mons glimmt die E r b i t e r u n g noch fort. Zahlreiche Betriebsfübrer erhielten, Eine Anarckillengruppe" unterzeichnete Drohbriefe, die ihnen das demnäcbstige In. die Lullstiegen ihrer Säufer m Aussicht stellten. KisenbaKn-ZnIung. ha Ervreßzüge 3. Klasse. Die Reiseverbindunq mit »„r ftffimeu wird im kommenden Sommer ganz ungewöhnliche T^-ts^ritte machen, insbesondere für die Reifenden, welche die z L benuken Der neu. V-Z u a, der --M Anhalter Bahnlw, in S9 er rin 3.15 nach tu. über egen nach Franks urtab- wird, wie wir schon mitfeilten «eichten über ba« Ellto nach et burchaeführt. Um ihn möglichst zu b-Meumaen wird „ n0„ ftranthirt über die Webbalm qelertet imb burcö ba8 Wkrtfo tonet! aefahren, daß er qleich nach 6 Uhr morgen? tn Bafel ist. ■ Kunli «nd WilsensHast beafVfto nach ®entfcf>(anb, um zunächst bart ferne Tuberkulofen- forfdmnaen Fachmännern zu unterbreiten. Giekeuer landwirtschaftlicher W-tt-rdienst. VornnSfichtliche Witterung In 81. März 1905: Zunächst noch trüb und geringe Jtegenfaue, später 'u'h°"-nb^suber etma. Wettertarte. Familien-Nachrichlcn. G eftorben: Katharine Grein, geb.Köhler in Reibertenrod Simon Neu in 5)armstadt. — Lmse Strauß, geb. May, tn Langen. Kandel und Merkeyr. Grosswirtschaft. Frankfurt, 29. März. In der heutigen ordentlichen Generalversammlung der Mitteldeutschen Kreditbank wurden die Anträge der Verwaltung aenehmigt und die Verteilung einer D i v i d e n d e v o n 6 % beschlossen. In den Aufstcktsrat wurde Eduard Kaiser, General-Direktor der Buderrrs'schen Eisenwerke Wetzlar, neu gewählt. Märkte. Limburg a. d. L., 29. März. Fruchtmarkt. Durch- schnittsvreise vro Malter. Roter Weizen 15.32 Mk.. weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 10.90, Gerste 10.60 Mk., Hafer 7.75 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. [] Kirchhain, 29. März. Gestern und heute sand hier großer Rindvieh-, Schweine- rind Schaf markt statt. Der zuerst genormte war mit etwa 750 Haupt Rindvieh beschickt und es entwickelte sich bei reger Nachfrage und hohen Preisen ein slotteS Geschäft. Aehnlich war es bei dem Schweinemarkt, der eine Zufuhr von über 500 Stück Schweine batte. Mai, bezahlte bier für 4—6 Wochen alte Saugferkel 30—44 Mk., für 3—4 Monate alte Läufer 60—70 Mk. und für größere Schlachtschweine 100 bis 120 Mk. pro Paar je nach Qualität. Dem Schaimarkt waren etwa 600 Schase zugetrieben. Da hohe Preise erlangt wurden, blieb der Handel hier recht mäßig. fe. Frankfurt a. M., 30. März. (Tetegr. Oriq.-Bericht de? „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- v r e i s e. Z,rm Verkaufe standen : 9 Ochsen, 0 aus Oesterreich 3 Bullen, 00 aus Oesterreich, 36 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oester., 739 Kälber, 93 Schafe u. Hämmel, 104 Schailämmer, Bezahlt wurde für 100Pfd. Schlachtgewicht: Ockfen 1. Qualität 69 bis 73 Mk., 2. Qual. 63-65 Mk., 3. Qual. 59-60 Mk.; Bullen 1. Qual. 61—63, 2. Qual. 00—00: Kühe 1. Qualität 63-65 All., 2. Qual. 58-60 Mk., 3. Qual. 47—49 Mk., 4. Qual. 37—39 All., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 80—82 Pfg., Lebendgewicht 48—50 Pfg., 2. Qualität 75—78 Pfg., Lebendgewicht 45 -47 Pfg., Schlacktgew. 58—60 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 72—75 Pfg., 2. Qual. 66—70 Pfg. Geschäft gut, kein Ueberstand. Kriginat-Draytmesdungen. Leipzig, 30. März. Die Frau des dienstentlaffenen Gerichtsdieners Nowack sprang in der Furcht vor Nahrungssorgen mit ihrem dreijährigen Kinde vom vierten Stock aus in den Hof. Beide wurden schwer verletzt. Der Mann ist spurlos verschwunden. Paris, 30. März. Zur Bestätigung einer Londoner Meldung will der „TempS" wiffen, daß gegenwärtig der Plan einer freundschaftlichen Begegnung der englischen Kanalflotte und des französischen Nordsee- qeschwaders erwogen werde. Das französische Geschwader statte den englischen Hafen einen mehrtägigen Besuch ab. — Der HeeresauSschuß der Kammer nahm einstimmig einen Antrag an, nach dem die regelmäßigen Hebungen der Reservisten auf vierzehn Tage und die der Territorialarmee auf sechs Tage beschränkt werden sollen. Lissabon, 29. März. Der Kaiser begab sich heute mit dem Königspaar auf die Serra de Eintra, wo im Stadt- schloffe bei der Königin-Mutter Maria Pia ein Frühstück stattsand. Die Majestäten begaben sich bei herrlichstem Wetter nach dem hochgelegenen Schlosse Penha, von wo man eine wundervolle Aussicht über die Berge, die Küste und das Meer genoß. Unter Führung des Königspaares ging der Kaiser zu Fuß durch die herrlichen Kameliengärten hinab. Der ganze Ausflug, der einen familiären Charakter trug, verlief zur größten Befriedigung des Kaisers: Am Abend fand bei dem deutschen Gesandten Grafen Tattenbach ein Diner statt. Der König verlieh den preuß. Generalen Orden. Der Obersthof- und Hausmarschall Graf Eulenburg erhielt ein kostbares Geschenk. Belgrad, 30. März. Jufolge eines beleidigenden Artikels in der „Oppellcia* sand ein Pistolenduell zwischen dem Hofmarschall Tscholakantitsch und dem Redakteur des Blattes statt. Kanea, 29. Marz. (Reuter.) Der Gouverneur von Kreta, Prinz Georg von Griechenland, erließ cm die Einwohner eine Proklamation, in der er erklärt, die Machte hätten die internationalen Truppen angewiesen, behufs Wiederherstellung der Ordnung auf der Insel einzuschreiten. Der Prinz richtete zugleich angesichts der Tragweite des Beschluffes der Mächte, an diese das Ersuchen, die Ausführung desselben 36 Stunden auszuschieben, damit er die Bevölkerung davon benachrichtigen könne. Der Prinz fordert dazu auf, nach Hause zurückzukehren und beschwört die Ausständigen in Therisso, die Waffen niederzulegen. Petersburg, 30. Marz. ES verlautet, em viertes Geschwader werde im April zum Auslaufen bereit sein. Petersburg, 29. März. (PeterSb. Telegr.-Ag.) Bei dem Minister de§ Innern fand die erste private Besprechung über die Frage der Einberufung von Volksvertretern statt. Der Minister sprach sich für eine von Zeit zu Zeit stattfindende derartige Einberufung aus und drückte die Ueberzeugunq auS, daß es notwendig sei, zu den Arbeiten der besonders einberufenen Konferenz Vertreter der Semstvos und der Städte hinzuzuziehen. Er äußerte noch keine bestimmte Ansicht darüber, ob diese Vertreter zu ernennen oder zu wählen seien. Beschlüffe wurden nicht gefaßt. Petersburg, 30. März. Maxim Gorki hat die Erlaubnis erhalten, zur Heilung des wieder auftretenden Bluthustens nach der Krim zu reisen, muß aber am 15. Mai wieder hierher zurückkehren. Petersburg, 30. März. Der Minister des Innern hat den Semstwo von Poltawa verboten, sich in einer- außerordentlichen Sitzung mit der Beratung von Staats- angelegenheiten zu beschäftigen. Die Verfügung widerspricht dem kaiserlichen Erlaß vom 3. Marz. — In Saratow fand eine Frau en-Versammlung statt, in der 800 Frauen eine Resolution annahmen, welche die Gleichstellung mit den Mannern fordert. — Das Moskauer Stadthaupt weist aus die Möglichkeit hin, daß die Aerzte bei Ausbruch der Cholera streiken würden, wenn keine Reform ein* geführt werde. New-York, 30. Marz. Der Vertreter der „Aff. Preß" in Petersburg telegraphiert, daß schon die ersten Schritte zur Herbeiführung des Friedens getan seien. Rußland habe Japan indirekt einige negative Bedingungen mit geteilt, auf deren Grundlage ein Friedens, schloß erfolgen könne, nämlich keine Gebietsabtretung und keine KriegSeutschadiguung. Rußland habe Japan überlasten, zu entscheiden, ob auS dieser Grundlage Verhand- stlngen begonnen werden könnten. Don Japan sei keine Antwort eingegaugen» Tokio, 30. Mürz. Die Japaner rucken schneller als man vermutet hatte, vor und haben eine abermalige Umgehung des Feindes zum Zi«.^ Eine allgemeine Bewegung wird hier binnen kurzem erwartet. Man nimmt an, daß die Ruffen sich in das Sungarital zurückziehen, um sich in der Nähe von Chardin zu> konzentrieren. ■w Telephonischer Kursbericht* F 37t®/0 Reichsanleihe . . 101.65 37n do. ... 90.90 3V/3 Kontols .... 101.60 3°/n do 91.05 ■I7$o/n Hefigen .... 100.55 3’/,% Obei-hessen . . . 99.00 4% Oegterr. Go’drento . 102.25 4*/s% Gestern Silherrente 101.25 4% Unerar. Goldronte . . 100.15 4°/ Italien. Rente . . . 105.70 37,96 Portugieser , . . 67.80 1°/ Portugiesen 67.50 4 96 C. Türken .... —.— Turkenlose 136.00 496 G riech. Monopol.-Anl. 52.00 47,°/0 äussere Argentiner 45 60 Tendenz: nnkfnrt a. L»., 30. März. 3% Mexikaner .... 35.8$ 47?"/. Chinesen . ... 96 30 Electric. Schuck ort . . , 139 8g Nordd Lloyd . . . . 117.70 Kredifnktien 214 50 Diskonto-Korrnnandit. . , 189 90 Darmstädter Bank . , , 141.50 Dresdener Bank .... 160 70 Ber'iner Handelsges . . 169 40 Oesterr. Staate bahn . . . 142.60 Lombarden .... * 1700 Gotthardbahn .... 190.00 Lanrahütte .... 267.50 Bochum .... . 246.00 Harpener . .... 21030 Staatschatzscheine . . . — sehr fest. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die. Landgrafen st raße von heute an bis auf weiteres sur den Fuhr- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 30. März 1905. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Lonystraße zwischen Bleich- und Goethestraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkeh- gesp errt. Gießen, den 30. März 1905. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Herberg. LieserMg nou Lehrmitteln für die Volksschulen Zur Gewährung freier Leh für das fommenbe Schuljahr an 750 Lesebücher 650 Reckenbücher 300 Bibl. Geschichte 200 Gesangbücher 70 Bibeln 30 Neues Testament 180 Katechismen 1200 Schiefertafeln mit Schwämmchen 1200 Sckwämmchen für sich 5000 Schreibhefte mit Schonern und je 2 Löschblättern 150 Atlanten sowie eine größere Menge von nittel an den Volksschulen werden! cihemb erforderlich: -000 Oktavheftchen, liniiert, mit, je 2 Löschblättern 50 Gros Stahlfedern 400 Stück Federhalter 100 „ Griffelkallen 400 „ Zeichenblöcke 1000 „ Bleistifte 900 „ Radiergummi 450 , Papvumschläge für Zeichnungen 20 , Farbekasten mit se 2 Doppelpinselchen 5000 , Griffel laterialien für den HandarbeitS» unterricht in der Stadtmädckenschnle. Die Lieferimg dieser Bedürfnisse soll im Wege schriftlichen ■ Angebots und vorbehältlich der Verteilung größerer Lieferungen! an 2 oder 3 Bieter, vergeben werden. Muster der zu liefernden Gegenstände, welche von den Schülern der beiden Schulgruvpen benutzt werden, liegen bei dem Rektor der Volksschule im Schulgebäude der Stadtknabenfchule und Muller der Materialien für den Handarbeitsunterricht bei dem Hauvtlehrer der Stadtmädchenschule bis einschließlich 5. April ds. Js., vormittags von 11 bis 12 Uhr offen. Angebote — zu welchen Formularien bei dem Rektor in der Stadtknabensckille erhältlich — sind bis spätestens 10. Avril ds. Js., vormittags 10 Uhr, bei der unterzeichneten Stelle verschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen, einzureichen. Gießen, den 28. März 1905. B1*/, Großhcrzoglicke ’ racrmcifterci Gießen. Mecum. Gießener Volksbad. Aktien-Gesellschaft in Gießen. Bilanz am 31. Dezember 1904 Aktiva. je «s An Betriebs-Konto: Vorräte 2 654 49 An Kaffa-Konto: Bestand .... 230 85 An Konto-Korrent-Konto: Bank-Guthaben. . 10 082 35 An Immobilien-Konto: Grundstück, Gebäude, innere u. maschinelle Einrichtung . . . 173 246 03 An Mobilien-Konto: Inventar .... 5599 90 An Gewinn- und Verlust-Konto: Saldo p. 1.Jan. 1904 91161 02 212 974 64 Gewinn- und Soll Passiva. je a; PerAktien-Kapital-Konto: 100 Aktien Lit. A &J( 1000 =^100000 * 260 Aktien Lit. B ä JC 200 — JC 52000 QOO —. Per Hypotheken-Konto: Hyvothek . . . . 48 000 —# Per Darlehens-Konto: Darlehen .... 10 000 —* Per Reservefonds-Konto: Reserve aus 1898 . 24 54 Per Gewinn- u. 23er- lull-Konto: Reingewinn in 1904 2 950 10 212 974 64 Verlirft-Konto Haben am 31. Dezember 1904. Verluste. x $ An Betriebs-Konto: Betriebskosten . . 26 564 63 An Handlungs-Unkosten- Konto: Unkosten .... 1020 15 An Immobilien-Konto: Abschreibungen . . 3 544 70 Än Mobilien-Konto: Abschreibung... 622 21 An Zinsen-Konto: Hypothek-Zinsen. . 1680 — An Bilanz-Konto: Gewinn in 1904 . 2 950 10 36 381 79 Gewinne, je $ Per Betriebs-Konto: Einnahmen in 1904 36 043 60 Per Zinsen-Konto: Zinsen aus Guthaben 338 10 36 381 79i Gießen, den 31. Dezember 1904. v80/, Der AuMtsrat a. öiit^ani. Bekanntmachung. Dir Strnerzettel tocr Staatüstencr nnb allgemeine Kirchensteuer für das Steuerjahr 1905 werden in de» nächste» Tagen de» Steuerpstichttgen durch die Schutzmannschast zugestellt. Diejenigen Einwohner, welche bis -nm 15. April teilten Wiener zettel erhalten Haden, nacl) ihren Verhältnissen aber an- nehmen müssen, daß fie steuerpflichtig find, werden hiermit arrfge- io«erh hiervon alsbald auf der Bürgermeisterei, Amtszimmer Lr. 14, An-eige zu erstatten. Gießen, den 29. März 1905. Großherzoalicke Bürgermeisterei Gießen. Z. V.: L ursch mann. B*°/9 Holzvevsteigernng. ES werden versteigert: Montag den 3. April I. I. aus den Distrikten Hirzenberg, Hoherain, Kohlhag, Trimbacher- Wälbchen und Langetrieo der tforftroortci KilianSherberge: Stämme: 69 Erchen — 34 Fstm. (21—47 Ltm. Nttttcndurch- messer und 2—11 Mtr. Länge); 4 Eschen — 3 Fstm. (26—34 Etm. Mittendnrchmesser und 9—12 Mtr. Länge); 47 Fichten — 26 Fstm. (11—37 Ctm. Attttendnrch- messer und 8—24 Mir. Länge); 1 Lärche — 0,45 Fsttn. Derbstangen. 298 Fichten — 11 Fstm. NetSstartgeir: 43 Fichten = 0,48 Fstm. Sttr-knüppel 'Jim.; 45 Lärche und 55 Fichte. Ferner Brennholz. Scheiter 9hn.: 364 Buche I. Kl. und 137 Buche II. Kl. -Krüppel Rm.: 70 Buche, 40 Hain buche (hierunter 14 Rm. Rundscheitt, 95 Eiche, 5 Esche, 29 Kirsch - bäum, 25 Fichte, 5 Kieler, 9 Saalwetde, 1 Erle und 3 ASpe. Leiser Rm.: 77 Buche (ausgebengelt), 920 Buche (gewöhn!.), 41 Eiche-Knüppelreiser, 12 Esche (in ganzer Länge), 117 Fichte (teilweise zu Bohnenstangen rc. geeignet), sowie 12 Lärche. Stöcke Rm.: 175 Buche. Zusammenkunft vormittags 11 Uhr am ForsthauS Kilians- berderge bei Schotten. Vorgezeigt wird nur das im Distr. Hirzenberg 9a, 5d und Langetried sitzende Holz. Das Holz sitzt meistens an chauffierten Wegen und ca. V, Stunde vom Bahnhof Schotten. Dor Beginn der Versteigerung wird die Anfuhr von 4 Rm. Dfaarbesoldungsholz an den Wenlgstuehmenden öffentlich vergeben. Nähere Auskunft erteilt der Großh. Förster Bing zu ForsthauS KilianSherberge. Schotten, 26. März 1905. Grosther-ogliche OberfSrsterei Schotten. Seidel. D*0/, Steckbrief. Gegen die unten beschriebene Dienstmagd Katharina Friele, geb. zu Harbach, Kreis Gießen, am 30. Oktober 1884, zuletzt wohnhaft in Gelnhaar, evangelisch, welche sich verborgen hält, soll eine durch vollstreckbares Urteil des Königliche» Landgerichts in Limburg vom 27. Februar 1905 erkannte Gefängnisstrafe von drei Monaten vollstreckt werden. Es wird ersucht, dieselbe zu verhaften und in das nächste Gefängnis .abzuUefern, sowie zu den hiesigen Akten LI 87/04 sofort Mitteilung Lm machen. D-/. Limburg, den 23. März 1905. Der erste König!. Staatsanwalt. Beschreibung: Atter: 20 Jahre. Größe: 1 Mtr. 45 Atm. Statur: kräftig, gesetzt. Haare: schwarz. Augen: blau. Gesicht: gesundes Aussehen, rote .Backen. Sprache: deutsch. Besondere Kennzeichen: am rechten oder linken Arm starke Narben. WIw-lmtchMz Umzugshalber findet Montag, den 8. April l. I., im Bieter- ,'scheu Saale, Neustadt, Versteigerung von aut erhaltenen Möbeln, darunter 5 vollständige Betten, Nachttische, Kommoden, Waschtische, SophaS, Kleiderfch ranke, Küchenfchrärrte, vollst. 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