155. Jahrgang Zweites Blatt. Wr. 177 Giehener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen. Nimmer Ambos/ die und Montag 31. JnN 1905 Rotottontonid unb Verlag der » UnwersuülSdruckerel. St. Sang«, Dtrho». Redaktion, Expedition ».Druckerei: 6d)ulftr.t. Lei. üh. 6L Lelegr^Ldr. > Ln-eiga Mit einem althessischen Prüsenticrmarsch schloß die Feier auf der Hardthöhe. Abends um Vz9 Uhr begann tm Saale der Brauerei Bichler der Festkommers der Studentenschaft, wozu sich Mieder die Professoren und Ehrengäste mit ihren Tarnen eingefunden hatten. Sind. Beck, 1. Chargierter des Korps Starkenburgia, fiibrte das Präsidium und eröffnete den Kommers mit folgender Ansprache: Wie's Bismarck war." Der Rektor Geheimrat Prof. Dr Vossius: „Ewig auf den Lippen schweben wird er, Wird im Volke leben Handelns." m , , , Drauereibesitzer Brchler: .Was wir durch dich geworden, wir wissen's und me Welt. — v < ... ! .. y / *< rtl — LA. C A«' 9 A-O irO f 1 4" * * OLlLbtlut mti tbzfna^m« bet Sonntag». fne .gtetena fieetlUnMätur* werden dem Umetaet viermal wöchentlich betgclegt Der JWWfi taiöwtrf erscheint monatlich einmal. Oberstleutnant v. C o n t a: ..Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden Prof. Sauer: L . .Fest stehe, Turm im Zcitewlurm! Geweilst von deutsüzer Jugend, . । mahne an Mannestugend. e Sich' um dich geschart, Suter deutscher Art, ohne Scheu, ohne Reu, Bismarck treu." Dauinspektor Becker: .Möge das Denkmal aus Hessens härtestem Felsen gefügt, Besser als in Erz und Stein." Provinzialdirektor Geheimrat Tr. Brcrdert: „Mles für Deutschland, Deutschland über alles." Landgerichtsdirektor Gung er ich: „Immer Hammer, Fug und Reckt. Wir Studenten sind hierzu mit m erfter Lmie berufen. Das dohe Ziel, da8 Bismarck verfolgte und so hcrrUd) erreichte, bat die deutschen Studenten zuerst hegeisterungSooll beseelt indem sie, für die Einheit eines neuen freien deutschen Hei dies ciiitr'etcnd sich in der deutschen Burschenschaft zusammentaten. Und wenn tenter Bismarck jene EHaraktergröste mnewolmte, die zur ErsüNung seine? großen Werkes erforderlich war, so dürfen wur dies auch wohl nicht zum Geringsten zuruck'uhrcn emerseitS auf die Bildung, die er an deutschen Hochschulen gevotz, alsdaiin andererseils auf den Geist, der die Korporation durchdraiig, ivelcher er als Student angelwrte. Hier gilt da« Prinzip, seine Mitglieder zu ehrenhaften, charakterfesteii Männern beranzubilden, die, was sie als edles Ziel erkennen, mit Tatkraft und Energie erringen werden, ja selbst, wenn es sein must, daS einmal sur richtig Gefundene mit Rücksichtslosigkeit verfolgen. Lauter Eigenschasteu, die Bismarck sein ganze? Leben hindiirch mit durchschlagendein Erfolge morgen TmiicneH tvoTTen, btc danach mit einem Kasten ein- gemauert wurde. Darnach wurden von den Vertretern der Studenten- und Professorenschaft und den Ehrengästen die Hammerschlägc unter kurzen Begleitworten vott- ö„tivd. Wir verzeichnen folgende Sinnspruche, die nach- einander gesprochen wurden: Stud. phil. Schlie (Brirschenschaft Arminia): „Lodre vom Bismarckturm, Flamme hinan. Zeig uns im Wettersturni Auswärts die Bahn: Deutschland uns Dir zu weth'n Auf immerdar, Treu unserm Volk zu sein. begleUeten^ bem TJnnnC( welcher, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, das deutsche Reich in den Sattel gehoben hatte, und der hieran gleichzeitig die freudige Erwartung knüpfte, daß eS letzt wohl reiten von selber lernen werbe, -tafo diese Hoffnung, Kommilitonen, sich in so hohem Maste erfnllte, wenigstens b,S aus den heutigen Tag, das verdanken wir vor allem dei segensreichen nnd weisen Regierung unserer Monarchen und als den Ersten unter ihnen der Regierung der Fürsten ans bem Hause Honen- zollein als dem deutscheii Kalserhanse. Ter hochqeliiUi.e Kaiser Wilhelm I. hat uns Bismarck gegeben, «ndem er ihn mit scharfem Blick und weitgehender Menschenkenntnis zn fernem Minister berufen hatte. Unter ihm imb feinem erhabenen Sohne, dem Kronprinzen und nur so früh verschiedenen späteren Kaiser Friedrich, haben die deutschen Staaten, innerlich schon geeint, für des Vaterlandes Glanz nnd Herrlichkeit gestritten und nach siegreichem Kriege ben letzten entscheidenden Schritt and) zur äußerlichen Einigung, der Gründung des Reiches, getan. Unter unenö- lichern J'.bel und stürniischer Begeisterung wurde König Wilhelm von Preußen zun, deutscheii Kaiser proklamiert. Uno ivie die segenbringende Regentschaft der beiden ersten Herrscher, so berechtigt auch die seiiherlge Regierung Kaiser Wilhelms II., unter der Deutschland zur si'tzigen Weltmachtstellung emporgehobeii wurde, zil der gewißen Zuversicht, das; unser geliebtes Vaterland euer nach innen nnd allsten gesicherten, stets wachsenden, vielverheißenden Zulunit entgegenblickt. Und so möge mich ein jeder von uns, StommiUtonen, seiner Pflicht gegen das Vaterland und auch gegen unser engeres Vaterland, unser geliebtes Hessenland eingedenk, sciii ©chcrflein hierzu beitragen und mit mir seiner niiverbrüchlidleu Treue uno Ergebenheit gegen Kaiser nnd Reich Ausdruck verleihen durch den Riif: Seine Majestät, Kaiser Wilhelm JI. und Seme Komg- liche Hoheit der G r o ß h e r z o g E r n st Ludwig von Hessen und bei Rhein sie leben hoch, hoch, hoch! Der Salamander wurde geriehen — selbstverständlich war die Regimentsmusik unter Musikdirektor Krautze wreder zur Stelle, die den Gesang der gemeinsamen Lieder be- aleitete - und danach nahm der Vertreter der puristischen Fakultät, Stud. Earlebach, das Wort zur Begrüßung der Gäste. Seine Rede lautete folgendermaßen: Meine verehrten Herren Gäste! Es liegt mir die ehrenvolle Pflicht ob, Sie ,m Namen bei Gießener Studentenschaft zu begrüßen. Wir danken Ihnen, daß Sie unserer Einladung gefolgt sind, daß Sie an der »reier der Grundsteinlegung teilgenommen haben, und daß Sie diefen Zeitlichen Tag in fencht-fröblicher Weise mit den Herren Tozenten der Gießener'Universität und uns, den Jüngern der alma mater, zu beschließen gedenken— Herrn Provinzialdirekfor Geheimrat P ve ider t glaube ich in erster Linie für sein Erscheinen danken zu müssen. Wir ivissen die Ehre zil schätzeii, daß der Herr Provinzlal- direkior als Vertreter der Großh. stlegiernng zu unserer reicr fid) eingefunden hat. - Einen Vertreter der Justiz sehen wir leider heute nicht in unserer Mitte. Als vor einigen Wochen m emev Ausschnßsitzung Seine Magnificenz der Besürchtung ylnsdruck verlieh, es wurde wohl wegen der Gerichtsscrien keiner der Herren von der Justiz zur Bismarckfeicr kommen, da erlaubte ich nur, linderer Ansicht zu sein. Leider habe ich mich getäuscht. Zunächst allerdings schien es, als würde Seine Magnificenz nicht recht behalten. ' Herr Landgcrichtsdirektor Tr. Güng er ich hat unsere Einladung angenommen unt> war auch während der Grundsteinleguna anwesend. Wenn Herr Landgerichtsdirektor Güngerich heute abend fehlt, so bitte ich, ihn zu entschuldigen. Wir alle wisicn, wie sehr gerade den Herren von der Justiz, die dock) die Verantwortung^ vollsten Bcruse zu erfüllen haben, Fcrienruhe zu gönnen ist Ich hoffe, daß der Herr Landgerichtsdirektor heute abend im Kreise einer Familie ebenso viel Erholung sindet als er sicherlich auch m unserem Kreise, bei der alten Burschenherrlichkeit gefunden hätte. — Außerordentlich geehrt fühlen wir uns durch die Anwesenheit de? Vertreters der Militärbehörde, Herrn Oberstleutnant von Eonta. Wir danken ihm für sein Kommen. — Ter Stadt Gießen sind wir ah ganz besonderem Tank verpflichtet. Herr Oberbürgermeister Mcciim ist leider am Erscheinen verhindert. Nur durch das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn Oberbürgermeisters ist es uns gelungen das Bismarckturmprojekt einer befriedigenden Losung entgegenzusühren. Die Stadt Gießen, die noch immer die Interessen der Ludoviciana and) als Interessen der Stadt betrachtet hat, ist bereit, dem Bismarckturm ihren Schutz angedeihen zu laffen, sie wird für die Instandhaltung des hoffentlich in Jahressritt vollendeten Turmes Sorge tragen. Ich ergreife die (Gelegenheit, um der Stadt Gießen und insbesondere dem Herrn Oberbürgermeister für ihr Entaegenkommen den Tank der Studentenschaft auszu- sprechen. — Ich begrüße nunmehr ben Herrn Po lizeiamtmann nnd danke ihm für fein Erscheinen. Möge fernerhin jederzeit em eben solch gutes Einvernehmen zwischen den Studenten und der Polizei in Güßen bestehen wie heule abend zwischen dem Herrn Polizeiamtmann und uns. — Was Her-r Baninsvektor Becker ur UNS geleistet hat Uiid nock) weiter leiften wird, das ist Ihnen allen bekannt. Wir haben heute den Grundstein gelegt, die ersten pammer- schläge hoben wir mit Herrn Bauinspektor Becker gktaii. DiS übrifle» Hanrrnerschläge, das Weiterbanen, das null £>err Bauili^ sveltor Becker allein besorgen. Wünschen wir ihm und mrs, dafr ein herrliches Bauwerk erstehe zur Ehre Bismarcks, zum Ruhms unserer alma mater und zur Zierde Gießens. Ich habe nunmehr der Gönner unseres Bauprojektes'zu gv denken, der Herren Brauereidirektor Bichler rurd Kommerzienräte Seyligenstaedt und Heichelheim. Ohne die Lpferireudigkeit des Herrn Brauereidirektor Bichler hätten wir sch weil ick) heute schon den Grundstein legen können. Herr Bichler hat in uneigennütziger Weise das Gelmide zur Beringung gestellt. Ohne die Mithilfe durch Rat und Tat von Seiten des Herrn Bichler iväre des weiteren auch die Kommission zur Vorbereitung der heutigen Feier in einer durchaus schwierigen Laos gewesen^ Wenn ich Herrn Bichler unser aller Dank ausfpreche, so möchte ich ihn gleichzeitig um Entschuldigung dafür bitten, daß die Kommission seine Zeit so stark in Anspruch genommen hat. — Herr Reichstagsabgeordneler Kommerzienrat Heyligenstaedt, den wir als Vertreter der Gießener Bürgerschaft zu begrüßen die Ehre haben, hat uns ebenfalls Gelände geschenkt. Und das mar für ihn nicht allzu leicht. Tie Aecker befanden sich im Besche der Heuchelheimer Bauern, die mit wunderbarer Liebe an ihrer Scholle hingen und sich zuerst um keinen Preis, nachher aber um feinen niedriaen Preis von ihren Aeckern treraum wollten. Herr» Kommilitonen! Dor mehr als einem halben Jahrhundert klangen aus dem Munde eines deutschen Sängers, den krank in der Fremde die Sehnsucht nach dem geliebten Vaterland ergriffen, um feinem gedrückten Herzen Trost zu verleihen, die schönen und stolzen Worte: Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Landl Mit seinen Eichen, seinen Linden Werd ich es immer wieder finden. Deutschland ist kerngesundes Land. — Behalten wir einmal kurz die damalige Zeit im Auge. Klingt dann dieser die Ziikunft mit Seherblick vorausdeutende Ansspruch im Grunde genommen nicht mehr als kühn und gewagt ? Wie sah es Damals mn Deutsch- land aus? Gab es überhaupt ein ewiges groves deutsches Vaterland ? War es nicht allenthalben zerrissen und zerspalten, sodaß man ein österreichisches Tentschlanb und ein preußisches Teuticb- land ein Deutschland ohne Oesterreich und em Deutschland ohne Preußen und ähnliches zu er-richten gedachte? Jedoch laffen Sie uns zur Gegemvart zurnckkehren. _ Wie wunderbar und neu dem Leben der Geschichte zurückgegeben strahlt nickt heute das junge Deutschland im Herzen Europas an der Svihe der Nationen als Weltmacht ersten Ranges! Und wenn wir bedenken, nach welch kurzer Frist es die schwersten politischen Krisen, von denen ein Land nur je heimgcsucht werden kann, glücklich überstanden hat, wie glänzend hat es nicht da den Dichter- warten Ehre verliehen und bewiesen : Deutschland ist kerngesundes oanb! Diese Ueberzeugung, Kommilitonen, stand aber mich m den schlimmsten Zeiten des verflossenen Jahrhunderts telsenfest m dem Herzen eines jeden wirklich Deutschen. Unerschütterlich vertrant er dem Spruche: Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden. Und drum hörte man selbst unter den mißlichsten Verhaltmßen nicht auf, an der Schöpfung der Freiheit und Einheit eines neuen und einheitlichen deutschen Reiches im Stillen weiter zu bauen. War and) die Vorbereitnngszeit lang, und zog sich nur ganz allmählich am politischen Himmel Teiitschlands der grollende Dv'mer zusammen, einmal mußte aus bummer Schwule Erlösung kommen. Und so geschah's. Dem einschlagenden Blstze, dem renngenden Ge- mifter neraleidibor leuchtete plötzlich m allen deutschen Gauen der £ Ja, Ott° °°n Bismarck, der eilen., «ander sollte der Schmied des deutschen Reiches iverden. Seine erhabene, echt deutsche Persönlichkeit sowie sein Wirken kleidet Ernst von Wildenbrnch in die poetischen Worte: Tu gehst von Deinem Werke, Dein Werk geht nicht von Dir. Tenn, wo Tu bist, ist Teutschland. Du warft, drum mürben wir. Was wir burd) Dich geworden, Wir wissens nnd die Welt. Was ohne Dich wir bleiben, Gott sei's anbeimgestellt. Und wem uns heute, Kommilitonen, Rektor und Senat hier- , Zl?® ” haben um durch die Grundsteinlegung einer Bis- m^rdlktle das Andenken des großen Reichskanzlers feierlich zu n mb bkfe ©äule a!6 ein Ehrenstandbild richtigen Deutsch- der N°chw-ll -u hin.-rl°N°n, fo g°!ch.°h. dies mH °oll-m rns- in Ai,KeN |bet Einheit des deutschen Vaterlandes nach außen der (Einheit Krundsteintegung Der Wlsmarmsame in • I des deutschen Volkes nach innen. Darum Kommilitonen, wenn v Gießen, 31. JAN. I den Grundstein schließen, dann laßt uns als höchstes Am S-amstaa beging unsere Studentenschaft die Feier heiligstes da? Gelübde hineinlegen „deutsch- Männer zu w Grundstcinlemrng ihrer Bismarcksäule auf dem Hardt- werden, Männer, bereit zu kämpfen für das, was ste als wahr snwa Ziemlich weit vor der Stadt nach dem Gleibera zu ist und recht erkannt haben. -aA uns das Gelübde bmemlegen. neuen, jetzt hübsch cmsgebauten Straße her hatte man das Nachdem die Versammelten begeistert in dieses Hoch Gefühl, einem echt deuftchen Brauch entgegenzusehen, als 1.^hatten, verlas Stud. Schlie die Urkunde der man hoch oben auf den Stoppelfeldern ben Haufen Menschen G^dstoinlegung, deren Wortlaut wir wegen Raummangels gewahrte und die Fahnen, die den Ma^ ab^enzten. E l mittcilen waren natürlich aitßcr Studenten und Professoren dte Ver-1 » treter aller städtischen und staatlichen Behörden sonne des Militärs, ferner unser Reichstagsabgeprdneter und vrele m dazu eingeladenm Patrioten zugegen, als unsere MrNtar- musik mit Wagners Kaisermarsch die rtzer emletteteUm den Grundstein des Turmes hatten sich die stitdentischen Verbindungen mit ibren Fahnen aufgestellt, und da wo sich deren Kreis öffnete, saßen seitwärts die geladenen Herren und im Hintergmmde deren Damenflor. Prof Dr. Haller hielt mit weithin vernehmlicher Stimme die sehr fesselnde Festrede, die mit hellen Lichtern die Gestalt des Altreichskanzlers vor uns auf tauchen Netz Namentlich der Charakter, die menschliche Persönlichkeit des | großen Staatsmannes und die Triebfedern feiner Handlungen wurden darin ganz vortrefflich beleuchtet. Wir weiten morgen die Rede im Wortlaut bringen; heute können wir sie wegen Raitrnmangel? nur skizzieren.^ Pros. -yr. Haller bemerkte einleitend, daß keines Einzelnen stimme den Ruhm Bismarcks stark genug verkünden könne: dazu gehöre der Chor der ganzeii gebildeten Welt. Und der Tag fet vwlle'ckst mckst mehr fern, wo der Deutsche sich nicht mehr m zwei semdlicae Lager spalten wird, wenn man den Namen seines Einigers.nennt. Ein Eroberer war Bismarck nicht, iondeni durch weise Beschrank- uns hat tr Irin Siel erreicht. Und die Martina war ie, chm wahrlich nickt Natitr gewesen! Wie müssen bet ihm beches Blut Kasicr^^?Franz'osen hatte^er cnisÄn^östreichischen Schlachtfeldern I großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eiset, Vst^JaÄ'hM^- gewartet,^bis"er^den Ämr ^niösen konnh’ 55111 tDBcrBürgenncifter m,c c u m: unb durfte Bismarck war eine durch und durch kriegerische „Dem Schöpfer des Reichs Natur Er ätt n^ch 1870 stets der Versuchung tmderstanden Dem Mehrer des Reichs aus den Venvicklunaen, in denen Deutschland stand, sich nut | _ Dem Erhalter des Reichs, dem Schwerte freie Bahn zu hauen. Welt wird ewig daiiken Prof. .Haller kam dann auf Brsmarcks erstes Auftreten zu sprechen, seine Kämpfe, die er gegen die politischen Dogmas auÄ?t mußte. Die tiefeJKufc die het'te glü^icherwe f unser politisches Denken von den Ideen jener Seit trennt. Der danken wir Bismarck. Er jtat ba§ Doama vvm "^^n Staat gebrochen und das monarchische Gefühl gestarN. An dm allen z>y(Ofle absoluten König glaubte auch et nicht me^; der Herrscher, rtne unvergängliches Wahrzeichen deutscher Einheit sem!. er ihn wollte, und wie wir ihn heute haben, mutzte selbst em Reichstagsobgeorducter Kommerzienrat Heylrgen- Kind seines Volkes sein, dem Volke vertrauen tmd ftaebt- Volkes Stimme hören, als semFührer^nickstsem Herr^ Most dieser Stein der Grundstein bildet einer nationalen Tat Haller schloß mit entern Hinweis auf den edlen Lormt, der Bi 31,genb, so sei und bleibe allezeit unsere Ä Ä unrnTa» 3u8enb bet Ohmd.^ natronato D-nkc.s unb Zukunft entgegenzugeben: Mit Gott Wr Fürst mch Darnach Äelt oer t r e t e r d e wir durch dich geworden, rotr wisien s uno uit schäft, Stud. phil. Schlie (Burschenschaft Armmra) so o^nf VK-iben, Gott sei's anheimgestellt, gende zündende Ansprache: f, I HoheFestversammlung , vereh11 e Leb r c r, 11 ebe , «Kommilitonen! Hundert Jahre find vrrslossen, seit dem Tage, wo auf dem Schlachtfelde von Austerlitz das Zeitige\ . Reich deutscher Nation den letzten ^totz erhalt, daß Kaiser ^anz die deutsche Kaiserwürde für erlösen erklärte, deren .Hcrclich- keit begraben lag in den Akten längst vergangener Jahrhunderts 100 Jahre werden dahingegangen sem, wenn tm nächsten Jvhre zum ersten Male die Flammen vom Bismarckturm ^mporlodern m d e Nacht, seit jenem Tage, wo bet Jena und Auerstadt auch Preu ßeiis Ruhm und Macht verwehte nne eme Fe^ itn Wmde -so begatnt das Jahrhundert, das man nut Stolz das deutsche Jahrhundert genannt bat. Aber bald folgte auf die Zettder Grniebng- ung die Erhebung: bald durfte Lchenkendors,smgen ■ laiid ich muß persinken hier in Demer Herrlichkeit.., Die Freiheitskriege hatten das deutsche Volk geemigt, das emtge deutsche Vaterland blieb unsern Vätern viwsagt. Truhe Jahrzehnte ver gingen, Jahrzehnte, in denen die Gedanken^deutscher: Dichter und Denker sich die Welt eroberten, Fahrzehnte, m. ^enen^ es in unserm eigenen Vaterlande ode und traurig aussah ^och die deutsche Jugend, die Jugend auf Deutschlands Fachschulen verlor die Hoffnung nicht. Uebcnchwenglich zum Teck, aberfirner mit ehrlich stammender Begeisterung, hielt sie^fest audem Än nach der deulfchen Einheit. Mächtig fegte dann der^ urmwmd des Jahres 1848 über die deutschen Lande, aber die Wilsche, d deutsche Patrioten geträumt, ermllte er Nicht Da kam Bismarck, der Göttinger Student. Er schuf uns das Reich, mit Bsiit und Eisen schuf er's iins. Er lehrte uns den Kops wieder yom zu tragen unter den Völkern der Erde. Wieder M fem cn f den Namen „Deutsche". 9Iber, Kommilitonen, schentt es nicht so, als wäre über dem Ringen nach der Einheit des deutschen Vaterlandes die Einheit des deutschen Volkes verloren gegangen Blickt hinaus in die beutfdwn ßanbe, febt Öen Starntf fessionen, seht b;c Erbitterung, die -wischen ^N Klassew herNcht. Da gelten auch für uns noch die ^rte . ,^bex einmal mußt ihr ringen noch m ernster Geisterfchlackt und den letzten Feind bezwingen,, der im Innern drolstnd waÄ, Ha^und Argwohn müßt ihr dämvsen, Geiz und Neid und boie^ust.Lann nach schweren langen Kämpfen kannst Im ^^en. deutsche Bru ^ Ta liegt die Aufgabe, die der deutschen Jugend gestellt ist. Uniere Aufgak^ ist es, mitzuarbeiten. an demWerke der W^de^erenng ung des deutschen Volkes, mttzuarbeiten, daß bflLl hfc Ken- und sozialen Gegensätze dahinschwmden daß dw Ge^e sähe der alles einigende Gedanke des deutschen Vaterlandes tritr Und wir als Jünglinge haben ja das WeÄt,. CMumft n zu sein. Blicken wir hinem m den Kampf, der-stunde, so yavn wir in diesem Kampfe schon die Gewißheit, daß danke siegen wird. Wir sehen in bem Kampfe das ehrliche Rm^en, das Suchen nach ettoas Neuern, Hohen Und wenn das ^oir bei diesem Suchen einmal einen Irrweg beschreitet, • Weim nur das Volk die rechten Führer M, daun ward es Nsv zuruckfinden auf den rechten Weg. ,?er5ra“rf.m ücnagen zum deutschen Volke haben, wollen wir nicht cm allem verzage^ Und darum ist es unsere Pflicht, Manner 5U werden, die dem deutschen Volke Führer sein können auf lemem Wege. Da-u ' wir auf der Hochschule, daß nur neben unserm Fachstudium m und mit unserm Volke lernen, daß werdie Gedanken des Volkes nW nur keMiest, sondern auch verstehen lernen, iwtz wm Männer werden. Männer gletcb tote SiSmtmt mtM^en aber dock. Eharaktern, Männer, die das deutsche Volldas lxuttdst Vaterland aus vollem Herzen lieben, Manner denen M mit Vertrauen folgt auf dem Wege der EmiMng so huldigen wir bem Andenken Bismarcks. Ter Bismarck, der iin Heroen ££ Jugend sicht, ber nll-S V-esönlich- btiffommen «S Ä Ixt m3 crUciat a3 de- Sertater des Geb-nl-ns etc. g UULsL Die Kindergedeihen vorzüglich dabei - & leiden nichtxra an Verdauungs^ Störung. $ JL? Hervorragend ». bewährt bei ^SfekBrechdurchFa'l, ’^.Darmkatarrh, M Diarrhoe ranzdosef- UBITTERQUELLE- Ms von ärztlichen Autoritäten seit | jw Jahrzehnten als das qehaitre^nsleei- jfl sicherste natürliche Hbfuhrmdte^n Fqjie Dftection in Budapest. ~ egt worden fein! Kursbericht 69.00 Tendenz: fest. 4% Oosterr. Goldrente 4V6% Oesterr. Silberrente 4% 4«/, . 90.20 . 101.25 . 90.35 . 100.65 . 87.45 . 101.60 . 101.20 . 97.75 31»/ 1% 67.50 66.90 88.90 134.60 55.50 Türkenlose..... 4% Griech. Monopol.-Anl. 4‘/J°/0 äussere Argentiner Ungar. Goldrente Italien. Rente , Portugieser I Portugiesen. III Unif. Türken . . 96.75 . . 136 70 . . 128.20 , . 20920 . . 19370 . . 145.90 . . 16050 . . 17260 . . 144.40 . . 18.40 Reiohsanleihe do. Koneols do. . . Hessen Oberhessen Lhen Verlauf genommen und Mrd Dielen eine schöne Er- nnerung sein. Möge aber mit der Feier der Grundsteinlegung zur Bismarcksäule zugleich auch ein nie wankender Grundstern ur nationale, vaterländische Gesinnung und Tatkraft ge- 4*/»% Chinesen Electric. Schnckort Nördd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandil Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . Lanrahütte . . Bochum . . . Ilarpener . Staatschatzscheine 37e°/0 3% 3V,% O°/o 8V9% 3 V.M noch patriotische Worte. Nach dem Ende des offiziellen Teiles wurde unter dem Präsidium des Professors Gisevius lustig weiter getagt oder vielmehr genächtigt. Noch viele Male spielte die Musik die Weise vor, und fröhliche Studentenlieder begeisterten auch die alten Herren. Der Kommers hat einen Vorzug- kommen Hafer und Weizen. Die Getreideernte fallt gut aus, und die Dreschmaschine hat ihre Arbeit. r. Braunfels, 31. Juli. Am Samstag besuchte Se. Kgl. Hoheit Prinz Max von Baden die hiesigen -ürstlichcn Herrschaften. Für kleine Kinder Bm«5 leb bin mit der erhaltenen Herba-Seife sehr zufrieden, dieselbe Ist für kleine Kinder äusserst zuträglich und wirkt Wunder bei Hautausschlägen. . , Frau Jda Erichsen. Flensburg. Z. h. L a. Apotb., Drog. u. Pari. p. St. 50 Pfg. u. 1 Mk. Obermcycr & Co., Hanau SS171, . . 264.00 . . 251.50 . .224 30 . . 100.65 Kommerzienrat Heyligenstaedt fei unser Dank ausgesprochen. Herr Kommerzienrat Heichelheim hat da? getan, was lebem t>tu- denten, solange es überhaupt eine Poesie des Studentenlebens glvt, äußerst willkommen ist —: er hat uns mit ein paar hundert Mark unter die Arme gegriffen. Ich spreche dem Herrn Kommerztenrat tmseren allerherzlichsten Dank aus. Meine verehrten Herren Gäste! Sie alle wie auch unsere Herren Professoren sind in der glücklichen Lage, die große Zeit, m titzr Bismarck die Geschicke Deutschlands lenkte, noch aus eigener Anschauung zu kennen! Die bedeutendste Epoche aus Ihren Juqendjahren ist das Kriegsjahr 1870/71. In dieser Zeit, als die meisten von Ihnen noch junge Burschen waren, vollendete sich Bismarcks größte Tat, in diesen Tagen vollzog Bismarck die nationale Einigung Deutschlands durch die Gründung des neuen deutschen Reiches! Sie haben, meine Herren Gaste und Herren Professoren, festgehalten an dem, was Bismarck geschaffen. Sie haben mitgearbeitet durch eigene Kraft an dem, was Bismarck nur begonnen, was heute noch nicht vollendet ist, an der inneren Einigung unseres Vaterlandes, an dem Ausbau des Reichs in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Und wenn Sie dereinst sich zurückziehen werden von Ihren Aemtern, so werden nur, die wir heute noch Jünger der alma inater sind, berufen sein, Sie ersetzen! . . . Tie gesamte Gießener Studentenschaft wird einen Turm errichten zur Ehre Bismarks ; in kurzer Zeit wird er hinubergrußen von der Hardthöhe weithin nach Stadt und Dörfern. In ganz Deutschland, bei fast allen Universitätsstädten sind Bismarktürme erstanden, lodern die Bismarkfeuer gen Himmel, die gesammte deutsche akademische Jugend feiert Bismark! Mögen Sie, meine Herrn Gäste, darin die Versicherung sehen, dav die Jünger der Wissenschaft, die kommende Generation, festhalten wird am Erbe Bismarks! Ich fordere meine Commilitonen auf, zur Bekräftigung dieser Versicherung mit mir einen donnernden Salamander zu reiben auf das Wohl unserer Herrn G ä st e , zu dessen Kommando ich mir die Erlaubnis von einem hoben Präsidium erbitte. . „ ,, . Wiederum erklangen die Gläser und erscholl cm Lieb aus den Kehlen der vielhundertstimmigen Studentenschaft, in das die Gäste, natürlich mit Ausschluß der Damen, die seitwärts nebeneinander Platz genommen hatten, kräftig einstimmten, bis auf die Aufforderung des Rektors, Geheimrat Prof. Dr. V o s s i u s, für einige Zeit der Saal sich leerte, um die bengalisch beleuchtete Burg Gleiberg sich anzusehen. Der Anblick war wunderbar schön und erinnerte lebhaft an die Schloßbeleuchtungen in Heidelberg, die ja auch für die Studenten vorgenommen werden. — Ein Scheinwerfer des Hrn. Bichler ließ von der Höhe die Stadt Gießen aus dem Dunkel der Nacht aufsteigen. Die Terrasse auf der Hardt war mit Lampions festlich geschmückt. Nach dieser stimmungsvollen Unterbrechung fand man sich im Saale wieder zusammen. Die dritte offizielle Rede aus der Studentenschaft, von Stud. Heusel vom mathematisch-naturwissenschaftlichen Verein auf das Blühen der Ludoviciana gehalten, lautete folgendermaßen: Kommilitonen! herabgefchleudert. Mit einigen leichten Verletzungen kam er davon. —-Wenn man die künftige Obsternte von Heuchelheim mit der anderer Gegenden des Kreises vergleicht, so findet man, daß es in der hiesigen Gemarkung bedeutend mehr r'bst gibt, als in anderen Gegenden. Namentlich fällt die Zwetschen- und Aepfelernte sehr gut und reichlich aus. — Die Zeit der Ernte ist nun gekommen. Das Kvru und die sind schon geschnitten; nun Frankfurt a. M., 29. Juli Offizielle Schlusskurse. . 101.30 1 3% Mexikaner Aus Stadt Md Land. Gießen, 31. Juli 1905. - Empfang. S. K. H. der Großherzog empfingen am 29. Juli u. a. den Kanzleirat Keller von Gießen. ** Ordensverleihungen. S. K. H. der Groß- serzog haben dem Hauptmann und Kompagniechef im Jn- anterie-Regiment Herwarth von Bittenfeld (1. Westfälischen) Nr. 13 v. Langen, seither im 1. Großh. Jnfanterie-ftLew- garde-)Regiment Nr. 115, und dem Hauptmann lagniechef im 2. Niederschlesischen JUfanteric-Regt. Vtc. 47 Morgenr oth, seither im 4. Großh. Jnsanterie-Regr. (Prinz Karl) Nr. 118, das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Präsidenten der Oberrechnungskammer Valentin Lorbacher auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als fünfzigjährigen treuen und vorzüglichen Dienste, mit Wirkung vom 16. September 1905 an n den Ruhestand versetzt und ihm bei diesem Anlaß den Charakter eines Wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat „Exzellenz" werliehen; den Ministerialrat im Ministerium her Finanzen, Vorsitzenden der Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen, Ludwig Ewald nnt Wirkung vom 16. September 1905 an zürn Präsidenten der Oberrechnungskammer ernannt. 1— Der Kreisrat des Kreises Alzep Süffert wurde zum Ministerialrat im Ministerium der Finanzen und Vorsitzenden der Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen ernannt; der Oberförster der Oberförsterei Schiffenberg, Geheimer Forstrat Th. Heyer zu Gießen auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober 1905 in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem "Anlaß das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramte Darmstadt Dingeldein wurde zum Hauptsteueramtskontrolleur bei diesem Amte ernannt. ** Eine Vorstellung des hessischen Richtervereins an die zweite Kammer besagt im wesentlichen folgendes: Ein der zweiten Kammer vorliegender Antrag Häusel auf Abänderung des Artikels 17 des Gesetzes, die Besoldung der Staatsbeamten betreffend, hat in allen Beamt en kreisen große Beunruhigung hervvrgerusen, weil seine Annahme und Durchführung eine nicht unerhebliche Schmälerung des seitherigen Dien st einkommens zahlreicher Beamten zur Folge haben würde. Der Rich-terverein glaubt entschieden, der beantragten Erhöhung der in der Besoldungsordnung festgelegten Mietentschädigung entgegentreten zu sollen. Ein Erhö^ing der Dienstwohnungsmiete müßte jedenfalls die derimaligen Beamten mit Dienstwohnung, weil gegen Artikel 17 des Gesetzes vom 9. Juni 1898 verstoßend, gänzlich unberührt lassen. Eine gleichmäßige Erhöhung um 60 Prozent der seitherigen Gehaltsabzüge wäre aber auch den übrigen Beamten gegenüber unbillig und ungerecht und würde die in ander» Berufsständen leider bestehende Landflucht auch zum Schaden des öffentlichen Dienstes in die Beamtenkreise hineintragen. Diese Erhöhung wäre um deswillen ungerecht, weil sie zwar den seitherigen Unterschied zwischen Stadt und Land bestehen ließe, im übrigen aber ohne jede Rücksicht auf die örtlichen Mietpreise gleichmäßig erhöhte Quoten des Gehalts als Mietentschädigung für die Staatskasse in Anspruch nähme. Eine solche nach Quoten des Einkommens bemessene Wohnungsmiete könnte im Hinblick auf die dermalige Besold- ungsordnung nur dann als billig und angemessen gelten, wenn sie durchweg hinter den örtlichen Mietpreisen zurückbliebe^ Die Durchführung des Antrags Häusel würde aber dahin fuhren, daß z. B. ein Richter der obersten Gehaltsstufe an einem Orte, wo bie Mietpreise für die besten Wohnungen den Betrag von 500 Mark nicht oder nur wenig übersteigen, bessere Wohnungen aber schon zu einem niedrigeren Preise zu haben sind, an die Stadtkasse eine jährliche Miete von 780 Mark zahlen und damit zu einem nicht unerheblichen Teile für die Wohnungsmiete anderer Beamten aufkommen müßte. Der Hessische Richterverein hat zu der hohen zweiten Kammer der Stände das feste Vertrauen, daß sic zu der geplanten Schädigung der Staatsbeamten niemals ihre Zustimmung erteilen werde. ** 1. Stockholmer Damenquartett. Wir haben gestern sehr angenehmen und freundlichen Besuch in Gießen gehabt, dessen sich sicher noch viel mehr Musikliebende gefreut hätten, wenn sie gewiß gewesen wären, daß ihnen im Neuen Saalbau ein so gediegenes Konzert bereitet würde. Vier schwedische Nachtigallen von einem Pianisten begleitet, haben uns Lieder aus ihrer Heimat in ihrer Sprache geboten. Und die Zuhörer haben in andächtiger Stille gelauscht, angezogen von den guten, hübschen Weisen der Fremdinnen. Lauter schöne Volkslieder erklangen aus dem Quartett, dessen geschulte weiblichen Stimmen in erhebendem, rührendem EinÄang zusammenwirkten, den ein Männerquartett nie so bezaubernd hervorbringen kann; „meinen hinüberzutreten in den reinsten Kreis". Der erste Sopran des Frl. Sch old trägt die Leistungen des ganzen Quartetts (wie im' Mannerchor der erste Tenor), eine weiche, wohllautende Stimme voll Kraft, die besonders auf der .Höhe sich vorzüglich hält. Auch in ihren Solovorträgen bewährte sich die Stimme. Frau Hafgren, die das Quartett leitet, sang die erste Mtstimme. Die schwedischen Lieder, schwermütig oder flott und ftisch, wie unsere deutschen Volkslieder, haben natürlich am meisten interessiert, aber auch unsere heimatlichen Lieder haben die Schwedinnen sehr erschöpfend und vornehm zum Vortrag gebracht. Besonders „Röslein" von Hermes und „Heimatrosen" von Opladen waren sehr wirkungsvoll. Der reiche Beifall forderte Zugaben: Das bekannte „tiefe Tal" und das reizende, forsche Liedchen „Liebes Schätzchen komm zum Tanz". — Den Schluß bildete das Kromersche „Nach der Heimat", das wir nie so schön gefunden haben als aus dem Munde der : schwedischen Sängerinnen, die die Welt durchziehen und das Lied an ihre eigene Heimat zu richten scheinen. Die Künstlerinnen, die in ihrer kleidsamen Narioualtracht auftraten, sind heute nach Bad-Ems weitergereist. Die Gießener ; möchten sie bald wieder hören. (—) Heuchelheim, 29. Juli. Heute nachmittag gegen : 6 Uhr ereignete sich auf der Straße nach Gießen ein ungluck- , licher Vorfall. Während des Fahrens sprang nämlich das : Vorderrad eines mit Steinen beladenen Wagens heraus, der Wagen kippte über, und der Fuhrmann wurde * Kleine Tageschronik. In H a l l e a. S. hat ein furchtbarer Wolkenbruch in den tiefer gelegenen Stadtteilen eine Ueberschwemmung hervorgerufen. In den Weingärten rettete die Feuerwehr mit Leitern Menschen aus der Gefahr des Ertrinkens. Der Zugang zum Haupt- bahnhofe wurde stundenlang durch eine meterhohe Wasserlut, die in die Droschken cindrang, gesperrt. Auch auf den Feldern der Umgegend ist durch das Wasser ungeheurer Schaden angerichtet worden. — Eine englische Touristin stürzte beim Edelweißsuchen in den Arentaler Bergen Tirol) ab und wurde tödlich verletzt. —In Mailand zerstörte eine Feuersbrunst die Fabrik von Dellon. Ter Brand dehnte sich auf eine Fläche von 6000 Qm. aus. Der Schaden beläuft sich auf IV2 Millionen Lire. — Während eines Versuchsschießens mit Dynamit in der Nähe der Ortschaft Kanajova (Bulgarien) befindlichen geheimen Bombenfabrik, die der macedonischen Organisation angehört, entstand eine Explosion, wodurch drei Mitglieder der mace- donischen Organisation getötet wurden. — Im Rangierbahnhof zu Olmütz explodierte in einem Wagen ein Kohlensäurebehälter. Der Wagen wurde zertrümmert, ein Bahnbedienstetcr getötet. — Am 28 .d. M. sind bei Straschin- Prangschin auf der Strecke Praust-Karthaus (Westpr.) bon einem Güterzuge die Lokomotive und sechs Wagen entgleist. Einige Zugbeamte, die sich durch Mspringen in Sicherheit bringen konnten, sind verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Die Ursache des Unfalls war S^andaufhäufung auf dem Gleise infolge starken Regens. — In Kopenhagen wurde im zoologischen Garten die Tierbändigerin Frau Liszt während der Vorstellung von zwei Bären ins Gesicht gebissen und schwer verletzt. Arbeiterbewegung. Von der sächsischen F ä rb e r e i a r b e i t e r b e weg- ung". Der „Glauchauer Z t g." zufolge, lehnte eine Far- bcreiarbeiterversammlung von der Färberkonvention den ange- botcnen Mindestlohn von 2.35 Mk. Pro Tag mit erheblicher Mehrheit ab. — In M c e r a n e wurde in einer Versammlung der ausständigen Färberciarbxiter, in der sie sich mit den i^ien von der Färberkonvention gemachten Vergleichsvorschlägen befaßten, eine Resolution angenommen, in welcher die Vorschläge der Unternehmer gleichfalls a b g e l e h n t werden. Die Unternehmer sollen nochmals ersucht werben, mit der Lohnkvmmission neu zu verhandeln. Im Falle der Ablehnung dieses Verlangens wollen die Färbereiarbeiter an dem von den Vereinigten Garnfärberei- und Appreturanstalt-Besitzern bereits anerkannten Tarif fest- halten. — Wie die „Meeraner Ztg." berichtet, ist bereits an die Firmen, welche der sächsisch-thüringischen Färber-Konvention an« gehören, die telegraphische Mitteilung ergangen, ihre Betriebe heute, am Montag, zu schließen. _____ Sport. Le Havre, 29. Juli." Das Ergebnis der Wettfahrt für Jachten über 20 Tonnen um deN durch König Eduard von England gestifteten internationalen Pokal war über eine Strecke von 35 Meilen folgendes: Erste „Vendetta" in 7 Stunden 57 Min. 55 Sek. (deutscher Kutter), zweite „Navahre" (deutsche Yawl), dritte „Susanne" (deutscher Schoo- ner), vierte „Therese" (deutsche Pawl). — Das Ergebnis des internationalen Rennens für Mowrboote über die Strecke von 100 Meilen war folgendes: Erstes „Dubonnet" in 5 St 35 Min. 51 Sek., zweites „de la Hohe 4" und drittes >,be Dietrich 2". Kandek und DerkelZr. Volkswirtschaft. Die 31/2 p r 0 z. Anleihe der Stadt Gießen von 1905 ist von der Bank für Handel und Industrie und der Kommerz und Diskonto-Bank an der Berliner Börse zu 2.50 Proz. eingeführt worden. , Deutsch-Asiatische Bank in Yokohama. Dich Bank, deren Errichtung auch von uns angekündigt wurde, soll noch im Laufe dieses Jahres zur Ausführung gelangen Zum Direktor ist das langjährige Vorstandsmitglied der Bank, M. maun bestimmt. Ihm zur Seite steht der ehemalige Teilhaber der Firma Jllies u. Co. in Japan, M. W. Kochen, der lange John in Japan gewesen ist. — Es ist ja möglich, daß die Unternehmung florieren wird, allzu leicht wird dies jedoch von feiten eng. lischer Banken der Firma nicht gemacht werden. Offenbacher Portland Zementfabrik Akt.-Ges. Offenbach kt. M. Wie schon so manches Jahr, hat auch das Geschäftsjahr 1904 wieder zu Verlusten geführt. Sie betrogt 26 403 Mk. und inklusive Mschreibungen mit 54 Proz. 594 Mk. insgesamt 180 997 Mk. Bei einem Aktienkapital von 1 Mill. Mark betragen die Anleiheschulden 1373 000 Mk. li. V. 826500 Mark). Im ganzen ist der Status sehr wenig liquid und die Aussichten auf Besserung scheinen nur gering zu sein, denn sonst wär' etwas dirül^r veröäentli^t worden Heute bei frohem Sang und Gläserklingen ist es auch wohl Ain Platze, ihrer zu gedenken, die uns hier alle zusammengeführt hat, unserer alma mater Ludoviciana. Treu ihrer Ausgabe, eine Pfleg- und Pflanzstätte der Wissenschaften zu sein, ist sie es, die es uns, den Lernenden, ermöglicht, uns das Maß von Können und Wissen anzueignen, das wir im Dienste des Vaterlandes nötig haben. In ihr feiern wir die Stätte, wo wir, stetig angeregt und gefördert durch die Lehrenden, mit allen Seiten des geistigen Lebens in Berührung kommen, in ihr feiern wir somit die Spenderin hoher idealer Güter. Und nicht nur diese Güter sind es, die hier in unsere Brust gepflanzt werden. Ehre, Freundschaft, Liebe zum Vaterland und Fürstenhaus, sie finden hier fruchtbaren Boden. Ein kräftiger Zug echt deutscher Heiterkeit, deutscher Gemütlichkeit, deutschen Frohsinns durchweht unser Studentenleben und läßt uns stets die schönsten Erinnerungen bewahren an unsere alma mater Und wenn der Sturm, der durch die deutschen Lande geht, auch um ihre Wipfel braust, so dürfen wir die feste Zuversicht hegen, daß sie darnach um so stolzer ihr Haupt erheben wird und in alle Zeiten wachse, blühe und gedeihe, ein mächtiges Bollwerk des höchsten Gutes unserer deutschen Universitäten, der deutschen Geistesfreiheit, unserer akademischen Freiheit, verteidigt von Pro- fefforen und Studenten, cm dem sich unsere Widersacher die Köpfe einrennen sollen. Und grade in diesem Sinne fordere ich Sie, meine Kommilitonen, aus, mit mir auf ein ewiges vivat crescat floreat unserer alma mater Ludoviciana und dem Lehrkörper einen urkrästig donnernden Salamander zu reiben, dessen Kommando ich mir vom hohen Präsidium erbitte. Daraus sprach der Rektor, Geheimrat Prof. Dr. Vos- sius. Er drückte seine Freude darüber aus, daß das Wetter der Feier gnädig geblieben sei und das schöne Bild um den Denkstein nicht gestört habe. „Man hält uns also für gute Menschen", so meinte er. Der Gleibergverein und dessen anwesender Vorsitzender, Geheimrat Dr. Breidert, hätten der Studentenschaft mit der Burgbeleuchtung ein ganz besonderes Entgegenkommen bewiesen, worüber auch er sehr er- fteut sei. Er erinnerte auch an das künstlerische Talent, das die hübschen Festpostkartcn und die Zeichnungen auf den Einladungen und den Programmen entworfen habe, den Studiosus P r e e t 0 r i u s, der dafür besondere Anerkennung verdiene. Zum Schluß seiner Rede forderte der Rektor ■auf, mit ihm einen Salamander auf die Studentenschaft zu reiben. Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert dankte für die Begrüßung der Gäste. Sein Hoch galt dem Deutschen Reich. 1 1 FT'1 Oberstleutnant v. Conta dankte gleichfalls und brachte