Dienstag, 28. Februar 1905 155. Jahrg Nr. 50 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. »vfgEPBnfjEFr^.T.r:-i’r^.’ r: r'jy?i'TSv-.'ztKJT'ir K: der A.: DiLnstwohrmngerr und MietserlLMädLgrmg der heksischeu Stttrrtsüeamterr. Sfe werde« 6er- r®njeVc 'attrmc «Achaültch detgelegr. De AW ; «torte«Etttch«tawiM lischen und in Quinta Den französischen Unterricht einführte. Das war aber etwas zu viel für das betr. Alter. Daher ist in Erwägung genommen worden, die bisherige Gouvernementsschule in ein Ueformgymnasium Zu verwandeln. Wir werden jedenfalls die Gouvernementsschule sorgfältig im Auge behalten. Abg. Gröber sZtt.f spricht über die Gerichtsvcrhälinisic in Kiautschou. Man sei leicht geneigt, die europäische Art der Rechtsprechung ohne weiteres auch auf die Kolonien zu übertragen. Ta-, ginge aber nicht wegen der Verschiedenartigkeit Der, Verhältnisse. Man müsse ein eigenes Kolonialrecht ausbilden, das sich einstweilen erst in den allerersten Anfängen befinde. Deutschland sei, berufen, ein solches Kolonialrecht zu schaffen, damit auch hier wieder das Wort „Germania docetl" zur Wahrheit werde! Staatssekretär v. Tirpitz: Ich kann dem , Vorredner nur dankbar sein für die gegebenen Anregungen bezüglich Forderung des Kolonialrechts. Es ist selbstverständlich, daß daS Reichsmarineamt, dem ja bis jetzt nur eine einzige Kolonie untersteht, alles, tun wird, um die Bestrebungen zu fördern, daß wir zu einer Kodifikation des Kolonialrechtes kommen. Ich glaube allerdings, daß das doch eine gewisse Zeit braucht, und daß besonders auch die Erfahrungen reifen müßen, bevor man zu einer Kodifikation des Kolonialrechts schreiten kann. Im übrigen wird der Etat für Kiautschou ohne Debatte bewilligt. Hierauf wird die neulich abgebrochene zweite Beratung des Reichsamts des Innern fortgesetzt, und zwar beim Titel „Staatssekretär". Hierzu liegen 20 Resolutionen vor. Abg. Erzberger (Ztr.) bedauert, daß- es ihm nicht möglich ist, zu all diesen 20 Resolutionen zu sprechen. Er beschränkt sich w- dann auf eine Diskussion der Fabrikinspektionsberichte und wünscht, daß der Registerband doch früher herauskäme. Er verlangt die Aufstellung eines einheitlichen Schemas bei der Anlegung der Tabellen über Revisionen usw., sowie die Vermehrung der Zahl der Fabrikinspektoren, damit jeder Betrieb mindestens einmal jährlich revidiert werden könne. Jetzt liege die Sache so, daß je kleiner der Bundesstaat, desto intensiver die Revision. , Redner wünscht, die Heranziehung der Arbeiter zur Fabrikinspektion; das einzig könne das Vertrauen der Arbeiter zur Fabrikinspektion befestigen. Er hat noch eine Reihe weiterer Wünsche: Aufschluß über das Lehrlmgs- wesen in Fabriken, Einführung des sanitären Maximalarbeitstags in der Glasindustrie, Aufhebung der Beschränkung Der Sonntagsruhe Der Glasarbeiter, Beseitigung Der Mißstände in Der Heimarbeit — eine dringende, aber sehr schwierige Aufgabe! —, Unterstellung der Straßenbahner unter die Gewerbeinspettion, wie überhaupt Schutz der Straßenbahner — eventuell auf dem Wege eines Spezialgesetzes —, eine Definition Der Begriffe „Fabrik und „Handwerk" und manches andere noch. Des weiteren begründet er die folgende, von seiner Fraktion , eingebrachte Resolution (Die Hälfte einer Der besagten 20 Resolutionen): „den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage über die Erteilung des Wandergewerbescheines und der Legitimationskarte für Detailreisende durch „die Verwaltungsbehörden eine eingehende Statistik vorzulegen. _ Diese Resolution ist bestimmt, dem Kolportagehandel fo allmählich das Lebenslicht auszublasen. Redner hält eine Philippika gegen die Kolportageromane, Die in sittlicher und religiöser Beziehung Aergernis erregen, aber von der Verwaltungsbehörde zu oberflächlich geprüft werden. Er beleuchtet zum Himmel schreiende Mißstände auf dem Gebiet des Wandergewerbes: die betrügerische Herstellung von Gewerbescheinen, das Slovakeminwesen (Mausefallen), Auktionen mit Hilfe fingierter Adressen — wodurch z. B. einem Gastwirt 10 Zentner Senf und,10 Zentner Kokosbutter aiif- gehalst wurden — usw. Zum Schluß hebt Redner Die Initiative ' des Zentrums auf dem Gebiet der Sozialpolitik gebührend hervor ! und reklamiert diverse Verdienste, die die Sozialdemokratie für sich in Anspruch nehme, für seine Partei. .. ' Abg. Wurm (Soz.) weist Die letzteren Behauptungen zuruck und betont,, daß z. B. in der Frage der ununterbrochenen 36stün- taut vielleicht darüber, beraten werden, den Baukosten- anfwand auf ein gewisses Maß einzuschränken, rncht aber ihn, ben Beamten, durch Erhöhung der M^beMige, m semem, nach der Besoldungsordnung ihm zustehenden öefyiU AU^bn Die Ungleichheiten, welche das Gesetz vom 9. Ium 1898 b- jeitigen wollte und beseitigt hat, ,bestanden in^ der vordem sehr verschieden bemessenen Mietsentschiidrgung. ^zndem es die letztere für alle Beamtenklassen unD alle DienstgeLaude gleichmäßig regelte, dabei die Gesanrtmietbeträge gegen früher etwa verdoppelte, hat es diese Materie so gründlich und mit w ausgesprochener Willensbekundung erledigt, daß vor allem auch der Einwand, es sei die jetzt beantragte Ausgleichung damals übersehen worden und nunmehr nachzuholen, als hinfällig ericgcxrrt. Syn. keiner Schicht des Volkes wird die allgemeine Verteuerung schwerer und bedrückender empfunden, als in deriLnigen, der jedes Mittel eines Ausgleichs benommen ist: in dem Äeamtenstaud. Ter Beamte, aift ein bestimmtes Gehalt angewiesen, steht dieser zunehmenden Neuerung völlig wehrlos gegenüber: seine Einnahmen blieben Die gleichen, mögen he Ausgaben noch so sehr sich steigern. Während nun die notwendigsten Ansgaren der Lebenshaltung in ben letzten Jahren eine bedeutende Erhöhung erfahren haben, betrug die durch das Besoldungsgesetz vom Jahre 1898 bewirkte Aufbesserung für die unterzeichneten Beamtenkategorien nur 8,7 Prozent Adenkt man weiter, daß dieses Gesetz die Folge langjähriger, zahlreicher Bittgesuche aus allen Klapen vci 'Ooamten- stands also nicht etwa vorgreifenden Charakters war und zudem erst vier Jahre nach dem ursprünglich geplanten -Termin . zur Durchführung gelangte, so ergibt sich Die Tatsache, ohue wettere Beweisführung; m. a. W.: Die Beaniten befinden sich heute bestenfalls — D. h. wenn man von Erhöhung der Steuerquine und anderen Faktoren ganz absieht finanziell in derselben Lage, wie vor dem Erlaß des Bewldungsgeietzev. Wenn sie darum mit Anträgen auf Besserung ihrer Lage bislana nicht hervorgetreten sind, wenn — wie ein Abgeordneter in de/Kammersitzung vom 19. Februar 190o sehr richtig nch aus- drückte - so manche Not, die von vielen leider Gottes nicht tmSv' „klaglos ertragen" wurde und ertragen wird, ch ^glaubtensie für diese Rücksicht auf die Lage der hessischen Staatssinanvm, sowie darauf, an dem Besoldungsgesetz so kurze Zeit nack? seiner Verabschiedung nicht rütteln.zu wollen,. wohl Ales andere eher erwarten zu dürfen, als. daß nunmehr m der Weise des Antrags Häusel eine weitere Verschlechterung ihrer Lage heraufbeschworeii wurde. 1 e Sind die Wirkungen und Wohltaten des Gesetzes vom 9. Juni 1898 vielfach überschätzt worden,, so soll damit diesen ein Abtrag „irf-H- oescbeben Aber bei Beurteilung der emschlagigen Berhalt- u s e wird leicht ohne weiteres das .Höchstgehalt der betreffenden Beamten unterstellt, das nur den wenigsten zufallt und den- jenigSN, die bis dahin gelangen, nur für kurze Zeit . K Der Auffassung gegenüber, Die immer das .Höchstgehalt ins Aun^aßt M hier ein Fall für viele aus dem Leben heraus- Sffen Ein Beamter mit 2800—6000 pJcnr? Gehalt komme nach Zusammengerechnet Dien übriger provisorischer Verwendung ™’S® i>« 33. »Ä zur definitive Wung. «Pint fort Nickt gerade der Fall angenommen werden, daß der Stoeffenbe ßleicö int mteit Jahre d.cnstmttanglich nnd enverbZ- unfählg werde und alsdann cinm Anspruch aus Ruhegehalt über- digen Sonntagsruhe Die Anregung nicht vom Zentrum, sondern von der Sozialdemokratie ausgegangen sei. Er kritisiert sodann das Tempo unserer Sozialpolitik überhaupt. Was sei in Den letzten 15 Jahren geschehen? So gut wie gar nichts. Die Devise laute nach wie vor: rücksichrslose Ausbeutung der Arbeiter durch den Kapitalismus, dessen verelendende Tendenz sich immer krasser zeige. Dazu der Terrorismus Der Unternehmer gegen die Gewerkschaften! Man brauche da gar nicht einmal an Den Bergarbeiterstreik zu Denken! Ueberall Dasselbe! Er rede übrigens nicht gegen Per- lonen. Das sei der Fehler des Zentrums, daß es einzelne Personen verantwortlich mache! Die Existenz der Aktiengesellschcht zeige am besten die Unpersönlichkeit des Unternehmertums! Gleichviel welcher Partei, welcher Religion, welcher Abstammung der einzelne Unternehmer sei: das System sei stets das gleiche. Das- liege eben begründet nicht in der Individualität Der Unternehmer, sondern in Dem Wesen Der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Redner äußert sich dann über die Berichte der. Gewerbeaufsichtsbeamten. Diese Herren haben jedoch nicht das richtige Verständnis für Den Maßstab, den sie an die Lebenshaltung eines Arbeiters stellen sollen und doch haben wir am Militarismus einen guten Maßstab dafür; wird doch in der Armee alljährlich genau festgestellt, was ein Mann für die Ernährung braucht. Der Arbeiterstand verelendet zweifellos. Das famose Gegengewicht der Agrarzölle gegen Die nervöse Hast Der Sozialpolitik — wie Graf Posadowsky sich neulich ausDrückte — sei ein Mühlstein um Den Hals des Arbeiters, um ihn noch tiefer in Das ElenD hinabzuziehen. Und was hätte Denn Die LcmDwirtschaft schließlich davon, der Arbeiter hätte kein Geld mehr für Butter, er müßte Margarine kaufen, er hätte kein Geld mehr für Schweinefleisch, er müßte Pferdefleisch essen Man rede Doch nicht immer von Dem Steigen Der Arbeiterlöhne beim Aufblühen Der Industrie. In der glänzendsten Industrie, in der Eisenindustrie in Rheinland-Westfalen, die 45 Proz. Aktien- Dividende verteilt, werden Löhne von 1200 Mk. gezahlt. Die Arbeiter haben auch dort, wo Die Unternehmer Die märchenhaftesten lieber» schüsse machen, nur Das nackte Leben. Wenn DeutschlanD auf dem Gebiete Der internationalen Konkurrenz bestehen will, Dann Helsen keine Schutzzölle, sonDern nur eine gesunDe, kräftige Arbeiterschaft auf Dem BoDen einer guten Ernährung unD Lebenshaltung. Statt dessen aber nimmt die Zahl Der Unfälle ständig zu, sie ist in dem letzten Jahre von 488 000 auf 530 000 gestiegen. Die" Schuld daran tragen nur Die Unternehmer, die sich ständig über Die Unfallverhütungsvorschriften Hinwegsetzen. Auch Die stänDig überfüllten Werkstätten bilden eine Gefahr für Die GesnnDheit Der Arbeiter. Prof. Koch hat neulich gesagt, daß Die Tuberkulose ebenso sehr durch schlechte Werksstitten als Durch schlechte Wohnungen begünstigt wird. Die Fabrik« inspektion hängt ab von Dem Wind, Der im Reichsamt des ^nnern und im Handelsministerium herrscht. Kein Wunder, Datz die Arbeiter meinen, Die Arbeiterschutzgefetze standen nur auf Dem Papier. Dazu kommt noch, daß Die Zahl Der Aufsichtsbeamten viel zu gering ist. Aufheben kann man Die sozialen Gegensätze nicht, aber es ist Pflicht Der Regierung und Der Gesetzgebung sie zu mildern. Wer Die Regierung laßt sich vom BnnD Der Industriellen beeinflussen und ich würde mich gar nicht wundern, wenn gewisse preußische HanDelsrninrster den Gewerbeaufsichtsbeamten vertrauliche Winke geben, sich teure Uebergriffe zu Schulden kommen zu lassen. Wenn Die Unternehmer wirklich mal wegen Uebertretung Der Vorschriften bestraft werden, so sind Die Strafen so lächerlich gering, Daß Die Unternehmer Durch Unterlassung Der nötigen Schutzvorrichtungen noch Geld verdienen, c^ie Fabrikinspektoren rühmen Sie Wohlfahrtseinrichtungen, aber Drei Arbeiter verzichten Darauf, weil Diese Wohlfahrtseinrichtungen nur eine Kette sinD, Die Die Arbeiter fesselt. Die Arbeiter wollen lerne! Wohltaten, sie wollen ihr Recht, Die Durchführung Der Gesetze. Hierauf vertagt DaS Hans Die weitere Beratung auf Dienstag 1 Uhr. Schluß nach 6^ Uhr. Der Verband Großh. Hess. Oberförster :(L Schwarz (Großh. Forstmeister, Oder-Eschbach) Verein Großh. .Hess. StenerTommis sär e, (i. Dr. Metzler, Großh. Regiermigsrat Gießen), der Hessische Oberklehrerverein (i. 'A.: .Blpick, Großh. Realschnl- direktor, Wimpfen) .derVerband Großh. Hess. Staatsbau b e a m t e n (i. A.Lucius, Großh. Baurat, Mainz) haben soeben dem Stacvtsministerium wie dem Landtag eine Eingabe zugestellt, auA der wir folgendes herausheben: Ten bevorstehenden landstanbischen Beratungen sieht die hessische Beamtenschaft mit Unruhe entgegen wegen Antrags v-es Abg. Häusel, „die Mietseutschädigung für Tienstwohnungm der Staatsbeamten" betreffend. Bereits im Noveniber 1903 haben dft genannten Bereinigungen den Ministerien die nachstehende Resolution unterbreitet: „Hohe Staatsregierung nioge jede Erhöhung der .Abzüge für Gewährung von Dienstwohnungen Mehnen und nicht zulassen, daß die Beseitigung vorhandener Ungleichheiten in der Tienstwohnungsftage durch rückschrittliche Entwicklung des Be- Mntenbesoldunasgesetzes bewirkt werde." Triefe rückschrittliche Entwicklung wurde insbesondere aus dem Standpunkt abgeleitet und begründet, daß „ein derartiges Gesetz erst mit der, in den Nachbarstaaten längst bestehenden Gewährung freier Dicnstwohwung oder eines entsprechenden Wohnungsgeldzuschusses an jeden Beamten als abgeschlossen zu betrachten sei." Mußte es an sich schon beftemden, daß dieser Antrag von einem Aboeordneten der Ständekammer cingebracht wurde, die jedes Rütteln an dem Beanttenbesvldungsgesetz wiederholt und nachdrücklich ablehnte, so steigert sich dieses Befremden im Hinweis darauf, daß der Llntragsteller gerade der Abgeordnete eines ländlichen Wahlkreises ist. Denn es sind doch vorwiegend die kleineren Städte und Dörfer, für welche Dienstwohnungen der Beamten in Frage kommen, und es ist doch die ländliche Bevölkerung, die vielfach und nicht nut Unrecht, sich beklagr über den häusigen Wechsel bczw. die „Landslucht" der Beamten. Ties« Landslucht ist ja (lerder) em Zeichen der Zett und findet sich in allen Schichten des Volkes. T« Beamte aber wurde oll «rn dem ihm lieh gewordenen Wirkunsskeye Mund seine durch örtliche Erfahrung geförderte, mrgleich ersprieglrchere Tätigkeit erhallen, trieb ihn nicht die mit dem Lund eben mm emnml verbundenen Mißstände, vorzugsweise in Smsicht der sprechenden Ausbildung seiner Kiirder, zur Stadt, Tu rst es denn ost die Annehmlichkeit einer Tienstwohnung, dre rhn „auf der Scholle Parlamentarische VerhKNdlmrqen. RachdruL ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 15 0. Sitzung vom 2 7. Februar. 2 Uhr. Das Haus ist äußerst schwach besetzt. Am BunDesratsttsche: v. Tirpitz u. a. . Die zweiteBeratungdes Marineetats wird fortgesetzt beim Titel „Betriebspersonal Der Werften". Hierzu hat die Kommission folgende Resolution angenommen: den Reichskanzler $u ersuchen, für Den nächstjährigen Etat eine Erhöhung des Höchstgehaltes der Führer und Steuerleute von Werftdamvfern, Schwimmkranen, Schwimmdocks, sowie Der Spritzenmeister in Erwägung zu uepmen. Die Resolution wird ohne Debatte angenommen. Der Tttel wird bewilligt, ebenso Der Rest Der Dauernden Ausgaben. . . Bei Den einmaligen Ausgaben Des ordentlichen Etats hat Die Kommission an Schiffsbauten usw. Abstriche im Betrage von 3 198 000 Mark gemacht und u. a. ein Kanonenboot und ein r?luß- kanonenboot (1 300 000 Mk.) gestrichen. , Das Haus tritt ohne Debatte dem Kommisponsbeschluß bei. Im außerordentlichen Etat hat Die Kommission an Bauraten für TrockenDocks, Werftanlagen usw. 3 188 000 Mark gestrichen. Auch der außerordentliche Etat wird nach den Kommii,ions- pefchlüssen Debattelos genehmigt. Hiermtt sind Die Ausgaben erledigt bis auf Den neulich zurückgestellten Titel, der eine Zulage für 29 Fregattenkapitäne enthält. Abg. Graf Oriola (nL) beantragt, mit Rücksicht auf die schwache Besetzung des Hauses diesen Titel auch heute von Der Tagesordnung abzufetzen. Dies geschieht. Der Rest des Marineetats, her die Einnahmen enthält, wird debattelos genehmigt. Eine Anzahl von Petitionen von Werftbeamten um Ge- haltsaufbessenmg werden dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Hiermtt ist Die zweite Beratung des Marineetats erledigt. Es folgt der Etat für Kiautschou. Der Referent Abg. Frhr. v. Mchthosen (tonf.)' berichtet über die Verhandlungen der Kommission. Abg. Eickhofs (freis. Vp.): Die Delikschrift zeigt, daß Kiautschou in erfreulicher Entwicklung sich befindet, die dafür bewilligten Gelder sind in rationeller Weise angewendet. Ein kleines Stück deutschen Kulturlebens ist nach Dem fernen Osten verpflanzt, auf das wir mit Befriedigung schauen Dürfen. Der Plan für die dortige Schule findet meine volle Billigung. Redner bringt noch verschiedene Eiuzelwünsche hinsichtlich Der ferneren Entwicklung Der Gouvernementsschule in Tsingtau vor. Er betont Dann noch, daß die Kolonie sich in Der Tat ganz ausgezeichnet entwickelt, aber Daß Die Voraussetzung für Dies fernere Gedeihen Doch bilDen mutz, Daß man Die Kolonie lediglich als maritimen Stützpunkt betrachtet. Staatssekretär v. Tirpitz: Jnbezug auf Die politische Sette der Sache kann icb nur darauf'Hinweisen, was Der Reichskanzler bereits ausgeführt hat und im allgemeinen mein Einverständnis mit dem Vorredner ausdrückt. Unsere Gouvernementsschule in Tsingtau ist zunächst nach Art eines Realghmnasiums eingerichtet worden mf Grund Des Wunsches Der beteiligten Familien. Ich habe versucht, Die Väter bei Der weiteren Ausgestaltung mit beranzuziehen. Auf Wunsch dieser Väter ist nun Der besonderen Situation Der Schule.Rechnung getragen worden, indem man in Sexta Den eng- haupt nicht besitzt, währeud „aus besonderen Gründeu ,der Re^ gicrung cs unbenommen bleibt", ihm zu seiner (und 1 enter Familie) Erhaltung einer Pension von 2800 = 1120 8“ Sfc>- währen, — dagegen der Fall, daß er, im 50. Lebensjahre bat Seinen entrissen werde. Tie Kinder — sagen wrr drei — werden; um diese Zeit bereits soweit herangewackp en !em, daß zweü das 18. Lebensjahr erreicht haben, ein Sohn seiner Militärpflicht genügen, eventuell eine Tochter sich verheiraten pH. Der etau aber gewährt nach den dermaligen Gehatts.- usw. Bestimmungen! den Hinterbliebenen des Mannes,^ der nack^ einer langjährigen und kostspieligen Vorbereitungszett über20Jahre in feinew Diensten gestanden, zum Lebensunterhalt ein Witwen-- und Waisengeld von zusammen 1194 Mk. Das Großherzogtum Hessen, das erfreulicherweise in feinem Fürsorge für Landwirtschaft und Industrie wohl von fententfi Staat sich übertreffen läßt, das aus dem Gebiet der Arbeittr- versorguug zweifellos allen anderen voransteht,. es wird Der Ge- mährung freier Dienstwohnung oder entiprecyeuder Miet-? entschädigung an seine Beamten, die heute inWW Bayern, Württemberg, Baden, Elsaß-Lothriiigem Sachten, M^- lenbnrg, Braunschweig, kurz fast in ganz T>eutlchland besteht und insbesondere auch für die (mitten _ unter uns wohnenden) Beamtem des Reichs längst durchgeführt ist, auf die «uauer iufy nicht ent-; ziehen können. _ r . Von sämtlichen oben aufgesiihrten Staaten .steht nach ctm General- und Spezialstatistik heute, al|o^ wenige ^ahre nach" Erlaß unseres Besoldungsgesetzes, nur nocy einer hmter Heften zurück — alle anderen bezahlen ihre Beamten besser^ Ist 'doch bereits in denjenigen Bmifszweigen, die, wie die technftcheu, ihren Vertretern eine größere BtzveglMett sichern, ein derartiger Beamtenmangel eingetreten, Daß v- B. die Bauinspektionsposten in Hessen nicht mehr alle tzü besetzen sind! Und zu der oben gekennzeichneten ,Landflucht" ist ein weiteres fast iwch bedenklicheres Moment getreten» die durch die No<- der Verhältnisse aufgezwungene Vaterlandsflucht Eine ganze Anzahl, natürlich gerade der fähigsten Beamten (Bauleute, Oberlehrer usw. usw.) verlassen alljährlich die hessische Heimat, um den ihrer Ausbildung, Leistung und Subsistenz entsprechenden Arbeitsverdienst zu finden, wie er in anderen Staaten, sowie von der Großindustrie, von Städte-Ver- waltungen u. a. ihnen geboten wird. Tie Beamten hegen zu den maßgebenden Faktoren unserer Gesetzgebung das feste Vertrauen, daß diese dcm Antrag des Abg. Häusel, die Mietentschädigung für Dienstwohnungen Der. Staatsbeamten betreffend, als zuwiderlaufend den Bestimmungen, wie der Willensmeinung DK Beamtenbesoldungsgesetzes vom 9. Juni 1898 und Dieses verschlechternd, als einer Beeinträchtig^ ung des Vecmitenstaudes nary- Qualität, Ergänzung und Ern^ kommen, wie einer Quelle bedenklichster und iveitgeliender -oe^ unruhigung, ihre Zustimmung nicht erteilen, vielmehr tnc. MA MI RIM11 ix.i XU W wnC8 V w UW V M V W* V ¥ H W 3b. 6L toteste» < ttnedato Es wird aber gewiß in seiner althergebrachten, von gegen. zwischen bekannten jedenfalls in Stadt bringeitb notwendige. Verbesserung des Beamten einckommens, tn» irmbctfycü durch Gewährung freier Dienstwohnung oder angemessener Wohnungsgeldzuschässe in die Wege leiten werden. Vereinsdiplomen, Ehccnbürgerbricfen zc. genugsam Manier vielen gefallen. Ein Kunstblatt ist es nicht, aber immerhin ein Blatt, das vielen Leuten und Land als Wandschmuck gefallen wird. Ans und Lw'd. Gießen, den 28. Februar 1905. ** Tagesordnung für d i e Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donners- tag den 2. März 1905, n achmittags 4 Uhr pünkt- li ch: 1. Mitteilungen. 2. Baugestnb des Dr. Zinßer für die Goethcstraße neben der Iobanneskirche; hier: Dispens. 3. Baugesuch des I. H. Jhring für Landgraf Philipp-Platz 9; hier: Dispens. 4. Baugesuch des Johs. Prang für dieHamm- straße; hier: DiSpens. 5. Gesuch der Firma Büttner u. Damm um Erlaubnis zur Errichtung eines Backsteinmacherhänschens, tz. Desgleichen des H. W. Rinn. 7. Lagerung von Grabsteinen im Hewelsschen Vorgarten. 8. Abänderung des Fluchtlinienplanes für das Gelände zwischen Mittelweg und Veterinärklinik. 9. Kauf mit E. £>. Müller Eheleuten. 10. Verpachtung von Gelände aus der Margarethenhütte. 11. Disposition der Pumpenanlage für die Kläranlage. 12. Beschaffung eines Dampfkessels für die Kläranlage. 13. Lieferung von Zement für die Sielbauten. 14. Umänderung eines Schlachthauswagens zu einem Kranwagen. 15. Vorlage der Rechnung und des Verwaltungsberichts für 1903. 16. Vorlage ** Die Fernsprechverbindungen Orten, in denen Mcht-Fernjprechdienst abgehaltcn wird, können von den Fernsprechteilnehmern zur Nachtzeit sowohl zu Einzelgesprächen als auch zu Gesprächen im Abonnement benutzt werden. Ms Nachtzeit gelten, soweit nicht für einzelne' Orte etwas anderes bestimmt ist, die Stunden von Aomrveihe zn Arrlin. Berlin, 27. F-cbr. Don 91 ? Uhr vormittags au versammelten sich in der Predigt- kncke die Mitglieder der Domgemeindc und die geladenen Gäste. Auch von den deutschen Fürsten waren zahlreiche erschienen. Es t orten ferner ein: der Reichskanzler, die Botschafter von England, Amerika und Oesterreich-Ungarn, die Gesandten von dessen, Sachsen, Braunschweig, Mecklenburg, Niederlande, Württemberg, der Hansestädte, Dänemark,^ der Schweiz und Bayerns, die Staatsminister und die Staatssekretäre, die Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler, die Generale und Admirale, die Vertreter des hohen Adels. Als Vertreter der auswärtigen Kirchenvereinigungen narren anwesend: . Bischof Rippon-England, Präsident Heischmann aus Amerika, Stiftspropst Pauli aus Dänemark, Kirchenpräsident Gubl aus der Schweiz, der Erzbischof von Upsala, der Bisckrof von Ehristiania, der Präsident des Oberkirchen- rcrtes Franz aus Oesterreich, lortn- mehrere Vertreter der Niederlande. Zusammen waren etwa 2000 Personen erschienen. In der Vorhalle versammelten sich der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Laufes, die hier anwesenden Mitglieder anderer deutscher fürstlicher Läufer, die Tomlmukom- mission, an der Spitze der Hausminister v. Wedel, die Dombau- verwaltung, an der Spitze der Dom bau meister Geheimrat Rasch do rf, das Tvmkirchenkollegium, die drei Hofprediger usw. Um 11 Uhr vormittags begannen die Glocken »des Domes zu läuten: gleichzeitig setzte das Geläut aller evangelischen Kirchen von Berlin, Eharlottcnburg und Schöneberg ein. Ter Kaif er und die Kaiserin erschienen und wurden von der Dombaukommission, der Dombauverwaltung und dem Tomkirchenkollegium empfangen. Der Kaiser nahm die SÄüssel aus den Händen des Lausministers v. Wedel entgegen und übergab ihn dem Oberhofprediger D. Dryander, der unter einem Segensspruch die Tür öffnete. Unter Vorantritt zweier Herolde, unter Führung der Dombaukörperschaften, der Geistlichen und des großen Vortritts betrat das Kaiserpaar den Tom, während das Posaunenkorps das Halleluja aus Händels „Messias" erschallen ließ. Tann folgten der Kronprinz und bo3 königliche Haus. Ter Zug bewegte sich durch die Trauungs- und Taufkirche nach der königlichen Empore gegenüber der Altarnische. Auf der Empore nahm das Kaiserpaar nebeneinander Platz: rechts vom Kaiser: Prinz Waldemar von Täncmark, die Herzogin von Anhalt, der Großherzog von Sack-sen, die Erbpriuzessin von Hohen- zollern, der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz und Prinzessin Feodora von Schleswig: links von der Kaiserin: Prinz Con- naught, die Herzogin zu Schleswig, der Kronprinz, Prinzessin Reuß, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinzessin Alice von Schleswig, die Prinzen, die anderen anwesenden Fürstlichkeiten und die in besonderer Mission entsandten Vertreter. Der .Gottesdienst begann mit einem Psalmgesang des Domchors, begleitet vom Kosleckschen Bläserkorps. An den Psalm schloß sich unter Posaunenbegleitung der Gemeindegesang: „Mein Gott in der Höh sei Ehr" an. T-ann hielt Oberhofprediger T-ryander die Weiherede. Die Tvmtuppet wölbt sich über einen alten Altar, einer geweihten Stätte alter bedeutungsvoller Erimrerungen. Tie gewaltigen Gärungen unserer Zeit drängten nacy Neuem. Soll das Neue zum Heile gereichen, so möge uns erhalten bleiben der alle starke Glaube der großen Reformatormr, den auch unsere ü er Härten Kaiser bekannten. Niederknieend svrach dann Tryander das Weihegebet. Tie amtierenden Geistlichen am Altar knieten gleichfalls nieder. Ter Kaiser mit der gesamten Gemeinde erhob sich. Mendelssohns „Erhaben o Herr über alles Lob" folgte, von: Domchor vorgetragen. Nun brauste starker Orgelklang durch das Gotteshaus. Tas Te deum laudamus von der Gemeinde gesungen ertönte zur Orgelbegleitung. Hofprediger Ohly hielt die Liturgie. Von großer -Wirkung war der Vortrag der Bastschen Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied" durch den Tomchor. Tann ertönte Gemeindegesang: Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott." Hof- prediger Kritzinger betrat die Kanzel und predigte im Anschluß an das Wort aus Moses: „Tas ist der Brunnen, davon der Herr zu Mose sagt: Sammle das Volk, ich will ihm Wasser geben." Nachdem die Gemeinde die Schlußstrophe des Lutherliedes gesungen hatte, hielt Hofprediger Schniewind die Schlußliturgie, Gebet und Vaterunser. Tie Gemeinde mrd der Tomchor vereinigten sich nunmehr zu dem alten Kirchenliede „Nun danket alle Gott". Während wiederum Glocken aller evangelischen Kirchen läuteten und während das Orgelspiel anhob, verließ das Kaiser- vaar die Loge. Tie Kaiserin fuhr, und der Kaiser ging nach dem Vorbeimärsche. der Ehrenkompagnie zum Schlosse zurück. Tort empfing das Kaiserpaar um 2V2 Uhr die zur Einweihung des neuen Toms entsandten Vertreter auswärtiger Souveräne, sowie die Botschafter und Gesandten derjenigen Staaten, aus welchen Vertreter der verschiedenen vrotestantischen Gemeinden eingetroffen sind, diese Vertreter selbst und die Vertreter der deutschen evangelischen Kirchen- re gierungen. Anläßlich der Einweihung des Tomes wurde eine Reihe von Aus Zeichnungen verliehen, u. cnossenschaft enbgütig vollzogen war, fand die Wahl des Vorstandes statt. Durch Artlamation wurden gewählt: Oekonomierat Schlenke-Friedberg, Wrtnhändlcr S ca w au - G i e ß e n und Gutspächter Vorne mal .l-Obbornhofen. vevnrrschtes. * Großfürst Sergius und seine Schwester, die in Tegernsee heimisch gewordene verwitlvete Herzogin, Marie von Koburg und Gotha, standen unter den. Kindern Alexanders II. int Alter einander am nächstem und sie haben sich auch von jeher Liebe und Zuneigung bewahrt. Der sonst sehr wilde Sergius machte stch ein Vergnügen daraus, ber ritterliche Begleiter seiner um breieinhal'b Jahre älteren Schwester zu fein, und die Trennung bei ihrer Verhcirartmg mit dem Herzog von Edinburg war ihm sehr schmerzlich. Sechs Jahre nach ihrer Verheiratung fügte es ein Zufall, daß Kaiser Alexanders II. einzige T 0 ch't e r ihren Bruder vor dem Zorn des Vaters behüten, gleichzeitig aber auch sich uud die ganze Fant ilie vor einer furchtbaren Katastrophe retten konnte, dies freilich unbewußt. Es war eines Abends, im Februar 1880, die Kaiserin Maria krank und Alexander II. verdüstert; war er doch soeben einem E i f e n b a h n a 11 e n - tat bei Moskau entronnen, der Polizeichef von Petersburg auf offener Straße ermordet worden, des Kaisers Jüngster, Sergius, aber durch irgend einen Strich in Ungnade bei dem gereizten Vater. Dia Anwesenheit seiner, aus England zu Besuch gekommenen Tochter vermochte den Zare,.: nur wenig zu erheitern. Man war tut Begriff,:zur Abendtafel zu gehen, als dem Katwr gemeldet wurde, der Großfürst Sergius fehle noch. )llexander II., dem jeder Verstoß gegen die Hausordnung als Achtungs- ticrlcinmg u nd Auflehnung erschien, wurde wütend. Mit Unheil verkündender Miene befahl er, daß- auf seinen Sohn nicht gewartet iverden solle und gab seiner Tochter, die an Stelle der kranken Kaiserin als' .Hausfrau repräsenrterte> den Arm. Da gelang es der Herzogin, ihr Spihentaschen- tnch in einer Azalee zu verbergen, die als Kübelpflanze im Zimmer stand.' Bis das Tüchtein gesucht und gefunden war, entstand ein Äufenchalt und Großfürst Sergius erschien inzwischen, um noch rechtzeitig seinen Platz in dem Zuge einzunehmen, der sich durch die Galerie nach dem Speisesaal begeben wollte. Allein der Weg dahin wurde nicht mehr zurückgelegt. Eine furchtbare Explosion erschütterte das Winterpalais in seinen Grundfesten, Angstgeschrei ertönte und der Speisesaal sank in Trümmer. Das Dynamit war gerade inrtcr den Eßrtsch gelegt worden und flog in dem richtig berechneten Augenblick auf. Die schwesterliche Liebe und Besorgnis um den Bruder hatte der Herzogin und ihren Angehörigen dos Leben gerettet. Die Nachricht von dem schrecklichen Ende ihres Bm- ders hatte die Herzogin jetzt in Südfrankreich erhaltem Sie verließ Schloß Fabron bei Nizza sofort und reiste in Eile nach Moskau. Jetzt weilt sie in Petersburg. Ilniverfitäts-'Nachrichlen. — Studentinnen der Medizin sind in Bayern reckt nn an genehmen Nebcrraschungcn ausgesetzt. Zwei an ber Universität München immatrikulierte junge Damen hatten^ ftck unter Vorlage aller nötigen Zeugnisse beim Vorsitzenden dec arzv- licherl Prüfungskommission, Geh. Rat v. Voit, gemeldet, der die Gesucke prüfte und annahm Nach einigen Tagen crmclten btt beiden Studentinnen jedoch eine ministerielle Mitteilung, sie seien nach beit für die Studentinnen geltenden reichgeietzllchien Bestimmungen auf Grund ihrer Absolutorml-Zmgnisse in Alvern nicht zur Prüfung zugelassen. Tatlächlick haben die beuten Damen in Karlsruhe eine höhere M ädeben - An st alt ab 1 Gintert. Die zwar in Baden zum lieber tritt an die Hochschule berechtigt gleich! cinmt Abfolutorialzeugnis eines humanistischen Gymnasiums, jedoch schreiben die bayeruch-en Bestimmungen zur Immatrikulation yon Stndmtinnen und deren Zulassung zu den Examina, das Absolutorium einer ausdrücklich von der Meichsbehörde als vollwertig anerkannten Mädchen-Bildungsanstalt vor. Tas Karlsruher Mädckenghmnasium sollte diese Anerkennung sich zu verschaffen trachten. Im übrigen ist es unverständlich, ime man bann außerbayerifche Studentinnen immatrikuliert in Bayern, ohne ihnen zu sagen, daß sie dow keine Eramiua machen können. (HeriÄtssaal. Dresden, 26. Febr. Em wahres Genie auf dem.Aebiek des G run dstü cks - und H y pvt heken f chw in b els ist der ehemalige Leutnant bei einem Berliner Garde-Kavallerie-R'e g i m c u t, Freiherr Rudolf von Grabow.aus Neuport. Er ist der Sohn eines Legationsrates. Wegen eines Sturzes vom Pferde mußte er 1897 den Tienft verlassen. und war nun völlig auf die Unterstützung 1 eines Vaters angewicien. Trotzdem verheiratete er sich mit einem zwar hulychen, aber armen Mädchen, und allerlei kleine Schwindeleien 1 ollen schmr damals ihn um die Unterstützung durch seinen Vater gebracht haben, der sich schließlich gänzlich von ihm lossagte. Um ferne Finanzen auszubesseru, fuhr er iu dieser schwierigen Lage nach Monte Carlo, und er hatte hier tatsächlich das wltene Glück, etwa 70000 Mark zu gewinnen die,durch grosse Regen und flottes Leben jedoch bald wieder verpufft waren. Nachdem auch ein Versuch misslungen war, sich durch den vorgespiegelten. Selbstmord seiner Frau in Besitz der väterlichen Hinterlasseisschaft zu setzen, entdeckte der Freiherr unter dem Truck der abermals hereinbrechenden Misere sein eichmtliches Talent. Er ging wieder nach Berlin, wo er mit dem Kaufmann Ernst H. Richard Hilde- brandt aus Magdeburg-Buckau bekannt wurde. Tiefer war der Sohn eines Äpothekerrbesitzers, hatte aber bereits dreimal ben Offenbarungseid geleistet und war unter bic Geld-Agenten gegangen, seit er selber sich vor Schulden nicht retten konnte. Dieser Hildebrand lvurde sehr bald der eigentliche Techniker, der von dem alten Adel des Freiherrn gedeckten Schwindelgeschäfte. Er brachte es nach kurzer Zeit zum „Generalbevollmächtigten d-s Ic&tercn, und beide sollen allein seit 1902 in den verschiedensten Gegenden des Reiches Rittergsiter, Häuser und Grundstücke usw. unter betrügerischen Vorspiegelungen gekauft und zum Schaden der ehemaligen Besitzer schnell wieder losgefchlagen baben. T'er freiherrliche Name diente dabei als Lockmittel. Bei diesen Geschäften halfen der Kanftnann und Agent Scheibe aus Lcwzrg und der Bonspekulanl Fitzuer ans Dresden. hier auf öffentlicher Straße gepfändet wegen einer chntd, trotzdem aber als schwer reicher Kavalier austrat, (ä-etne ?yrau ist in der Uuterinchnngshaft an den Folgen eines,Kindbettes gestorben. Wie sich aus der weiteren Beweisausnahme ergwt, arbeiteten die Angeklagten bei ihren Wechsrtschwmdeleien naüS folgendem Schema: Suchte jemand durch Inserat Geld gegen Akzent, so empfahlen die Genossen des FrmHerrn diesen. T>re Gkibiurfyr hatten dann Gegenakzepte auszustellen, die sofort versilbert wurden, während die freiherrlichen Akzepte wertlos waren. Sie betrogen derart einen Landrat v. Platho um 20 000 Mari. Frbr. v. Grabow wurde zu 5 Jahren, Hildebrandt zu 7 Jahren Gefängnis und beide zu 5 Jahren Ehrverlust benirtetft. Jedem lvurde ein Jahr Untersuchungshaft angerechnet. Fitzner und Sckeibe mürben jed^r zu 10 Monaten Gefängnis und einem Jahre Ehrverlust verurteilt. Vollkommenster Kaffee-Ersatz. V3 Pfd.-Packet (= 30 Tassen) 20 Pfg* bj < 2.5 n =r =r >!• Ä3 &> S" 9 W E a