Erstes Blatt. ISS. Jahrgang MontagS. Juni 1905 -chul-ratze 7« Abteile für Depejchenr Anzeiger (Sieben. Kernsprechanjchluß Nr. 51. Nr. 130 enefiet iieuti außer Sonntags. Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kelftlchen Landwirt die Siebener Kamillen. MN« viermal In der Woche beigelegt. Rotationsdruck tu Verlag der Brüh k'ichen Gietzeiier Anzeiger j w General-Anzeiger " w LLZL . den polit. und tjjoiiie Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MMZ ____ e zeigen teil: 6 an 8 Bech Ile heutige Mmmer umfaßt 10 Selten. Bekanntmachung. Betr.: Rauschbrand zu Hof-Güll. Der Rauschbrand zu Hos-Güll ist erloschen und Sperre aufgehoben. Gießen, am 2. Juni 1905. Großherzogliches KreiSamt Gießen. ________________I. V.r Dr. Fink. Kekannlmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Rodheim a. d. Horloff. In der Zeit vom 2. Juni l. IS. bis einschließlich 15. Juni t. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei'Rodheim an der Horloff folgende Akten, nämlich: 1. die Prosektstücke über die im laufenden Jahre aus- zuführenden Drainagen, 2. der Beschluß der Vollzugskommission vom 4. Mai l. I« zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Aus- schluffes innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Rodheim a. d. Horloff schriftlich einzureichen. Friedberg, den 29. Mai 1905. Der Großherrogliche Fe'bb"rcinigungskommissärr Spam er, Kreisamtmann. Z»rr Kiuzug der zukünftigen Kronprinzessin in Merlin. Berlin, 3. Juni. Die Ankunft. Herzogin Cecilie verließ heute früh die mecklenburgische Residenzstadt Schwerin, die Stätte ihrer Kindheit, nm nach Berlin zu sichrer Hochzeit zu reisen. IN Begleitung des Ministers Grafen v. Bassewitz entstieg sie in der ersten preußischen Station Wittenberge dem mecklenburgischen Sonderzug und wurde dort im Namen des Kaisers von dem Hof- marschall Frhrn. v. Reinhach, dem Schloßhauptmann Grasen Hohenthal-Doelkau und dem Kammerherrn Grafen Kalnein- Kilgis empfangen Frhr. v. Reinhach^ stellte der Herzogin ihren neuen Hofstaat vor, bestehend aus der Oberhofmeisterin Freifrau v. Thiele-Winkler, der Hofdame Burggräfin und Gräfin Walpurgis Air Dohna-Waldburg, der Hofdame Frl. Else Pauline v. Helldorf-Zingt und dem Kammerherrn Grafen v. Bismarck-Bohlen. Auf dem Bahnhofe war eine Ehrenkompagnie des Jnf.-Regts. „Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburgs-Schwerin" mit Fahne und Musik aufgestellt. Herzogin Cecilie bestieg den preußischen Sonderzug und fuhr nach Berlin weiter. Bei der Ankunft auf dem Lehrter Bahnhof wurde die Herzogin-Braut von dem Oberstallmeister Grafen Wedel, dem Gouverneur von Berlin Generaloberst v. Hahnke, dem Kommandanten von Berlin Generalmajor v. Hagen und dem Polizeipräsidenten v. Borries empfangen. Die Herren geleiteten oie Herzogin durch das mit Rosen geschmeckte Portal zu der Galakarosse. Frische Rosen waren der Braut auf den Weg gestreut. Die Fahrt ging nach dem Schlosse Bellevue. Eine ungeheure Menschenmenge begrüßte die Braut mit Hochrufen. Vor dem Schloß Bellevue nahm die Leibkompagnie des ersten Garderegiments zu Fuß als Ehrenwache Aufstellung. Nach der Ankunft war Frühstückstasel. Der Kaiser, der Kronprinz und die Prinzen-Söhne kehrten nach der Frühstückstafel nach dem königlichen Schlosse zurück. Die Gesandten beim Kaiser. Der Kaiser empfing die zur Gratulation hierher entsandten außerordentlichen Missionen. Dem Empfange wohnte der Staatssekretär des Auswärtigen Frhr. v. Richt- hofen bei. Zunächst erschien der amerikanische Botschafter Tower, hierauf eingeführt von den hiesigen Botschaftern und Gesandten die außerordentlichen Botschaften von Spanien, Frankreich und der Türkei, ferner die außerordentlichen Gesandtschaften Persiens und Serbiens. Ihnen folgten die hiesigen besonders beglaubigten diplomatischen Vertreter von Korea. Costa Rica, China, der Schweiz, Mexiko und Luxemburg, meistens unter Ueberreichung von Handschreiben ihrer Souveräne. Der Einzug oer Herzogin Cecilie in der Reichshauptstadt ist heute nachmittag fünf Uhr unter Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung bei prachtvollem Wetter erfolgt. Der Jubel der nach Hunderttausenden zählenden, die ganze geschmückte (Z-est- straße einsäumenden Menge war unbeschreiblich Den Eingang zur eigentlichen via triumphalis bildete das Brandenburger Tor. das diesmal in feiltet klassischen Einfachheit doppelt wirkte, da man glücklicherweise nicht wieder in den Fehler wie bei dem Einzug des Königs von Italien verfallen war, das ganze Tor protzig zu v^golden. Weniger kann man das dagegen von der Kusschmül^mg der Straße „Unter den Linden" sagen. Man harre dev Guten zu viel getan und die Rosenketten, FLi-nenmasten und Rosenausschmückung wirkten auf die Dauer Höchst monoton. Auch die H äuser aus schm ückuu g war bei anderen Gelegenheiten prächtiger. Das Leitmotiv, das der Braut uiosen streuende Berlin darzustellen, verunglückte durch die unschöne Ausführung. Den vornehmsten Schmuck Unter den Linden hat das Palais der russischen Botschaft. Durch ein Spalier von 6000 Schulkindern ging es zunächst. Dann R/'ten bis zum Brandenburger Tor^Vereine staatlicher imb stWucher Beamten, Fabrikarbeiter, Miegerverbande m dichtem Spalier. Höhere Postbeamte ritten, nach alter Sitte voraus, und hinter ihnen ewige 40 Postillone, stramme Gestalten, die auf Postilloushörnern — es mutete bicdermänntsch-- gemütlich an — „Wir winden dir den Iungfernkranz" bliesen. Ein berittenes Musikkorps in der alten Tracht der Bayreuther Dragoner, den „Hoheufriedberger Marsch" blasend, folgte und hinter ihm die Berliner Schlächtermeister im Frack und Zylinder, auf schönen, gut geschirrten Pferden, an der Spitze eine Standarte, sie waren mindestens eine Schwadron stark, in Zügen geordnet. Es ist ihr altes Recht, die Braut einztiholen. Manchen der stattlichen Reiter erkannte die Menge als einen Gewaltigen im Gebiete des Kalbsräckens und der Wurstmacherei. Eine Schwadron des Gardedragoner-RePments mit der Musik schloß sich an, dann Stallmeister in Uniformen, Hofbeamte, Pi- keure. Und nun kamen drei Sechsspänner, Galakutschen mit gepuderten Jockeys und Kutschern. Frhr. v. Mirbach, der Oberhofmeister der Kaiserin, saß im ersten, Herren und Damen des Gefolges in den andern. Im achtspännigen goldenen Brautwagen, der sich in hohen Federn, wiegt, die Pferde prachtvoll reich geschirrt ml«, schwarz-weißen Stratißfedern- panachen, saß zur rechten der Kaiserin die Braut, im Rücksitz die Oberhofmleisterin. Die Braut trtlg ein hellrosa ausgeschnittenes Kleid ohne Hut, ein Perlenkollier um den schlanken Hals. Die Kaiserin war in goldgelber Brokattoilette mit Smaragd- schmuck, ein Diamant-Diadem im Haar. Der Wagen und der ganze Zug hielt in der Mitte des Platzes. Der Oberbürgermeister und seine Begleiter traten heran. Dle Ehrenjungfrauen umgaben die Kutsche in tt eitern Bogen. Die Braut beugte sich anmutig zum Oberbürgermeister herab, der mit lauter Stimme folgendes sprach: Die Ansprache des Oberbürgermeisters. Der Weg durch unsere Stadt führt Euere Hoheit an die Seite deS in Liebe erckorenen Lebensgenossen, auf einen hohen, an Ehren und Würden reichen Platz, einer glückverheißenden, hoffnungsreichen Zukunft entgegen. Ties und lebhaft empfundene Gefühle, heiße Wünsche, frohe Hoffnungen durchzittern in dieser festlichen Stunde Euerer Hoheit bräutliches Herz. Daß die Bevölkerung dieser Stadt in allen Altersstufen und Berussschichten an diesen Empfindungen den innigsten und wärmsten Anteil nimmt, Euerer Hoheit Wünsche und Hoffnungen freudig bewegt teilt, das bezeugt der laute Zuruf, mit dem sie Euere Hoheit jubelnd begrüßt. Uns aber, dm verordneten Vertretern der Hauvt- und Residenzstadt Berlitl, der Hauptstadt des Deutschen Reiches, ist es vergönnt, an dieser durch geschichtliche Erinnerungen geweihten Stätte dem, was die Volksseele erfüllt, in Worten Ausdruck zu geben, Euerer Hoheit in der neuen Heimat das erste herzliche Willkommen der Bürger- schaft ehrfurchtsvoll darzubringen. Es steigt auf,in der Erinnerung die erhabene Gestalt der edlen Königin Luise, die ebenfalls eine Fürstin aus mecklenburgischer^ Fürstengeschlecht und gleichfalls eitre Braut 'eines pi^ußischen Kronprinzen vor länger denn 100 Jahren in diese Mauern ihren festlichen Einzug hielt, und deren Andenken, verehrt und geliebt, noch heute in den Herzen des dankbaren Volkes fortlebt als das Andenken an den Schutzgeift Preußens. Millionen Deutsche vereinigen sich am heutigen Tage mit uns zu dem innigen Gebet: Möge auch Euerer Hoheit EivMg reichen Segen bringen! Reicherl Segen Euerer Hoheit und dem erhaibenen Fürstenhause der Hohen- zollern r Reichen Segen dieser Stadt und dem gesamten preußischen und deutschen Vaterlande! Mit Rosen ist der heutige Weg Euerer Hoheit geschmückt' Rosen bitten wir ehrerbietigst als Willkommensgruß der Stadt Berlin huldvollst entgegen- zrmehmen. Ihre Hoheit die Herzogin Ceeilie zu Mecklenburg, die Braut seiner Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reiches ^und von Preußen, unsei-es Kronprinzm. Hoch! Hoch! Hoch! Die Erwiderung der Braut. Vieltausendstimmig wuri>e ber Ruf aufgenommen. Vom Lustgarten her ertönte Kanonendonner, die Glocken lä"teten, man sah, wie die Braut mit Werfengnira zuerst gegen die Kaiserin, dann gegen den Oberbürgermeister sprach: Hochgeehrter Herr Oberbürgermeister! Ich danke, dank" Ihnen sehr für dm schönen lieben Empfang und die fr^eundlichen Worte. Die Erinnerunb daran wird immer in meinem Herzen fortlebm. Ich wcpde mich stets gern Ihrer Worte erinnern und der Stadt Berlin, der ich nun für immer angehöre, mit dankersi'illtem Herzen gedenken. Das Bukett, das ihr die Tochter des Ob°rbi''rgiermeisters überreicht hatte, behielt die Prinzessin in ihrer Hand. Noch eine Verbeugung, neue Hochrufe, b\A sich nunmehr ununterbrochen sortpflanzten. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung und er ging die Linden entlang durch die Menge, an den Spalieren der Innungen vorbei, vorbei an dem reichgeschmückten Palais der Kaiserin Friedrich, das später das junge Paar beherbergen, wird. An mehreren gi'oßen Tribünen, wie die im Vorhof der Universität, an der Schloßbrücke, lagen zu beiden Seiten bewimpelte Schiffe. Dort bildeten die Rudervereine Spalier, und so immer von neuem stürmisch begrübt bis zum Schlosse. Familientafel. Um 69/4 Ubr begaben sich sämtliche anwesende Fürstlichkeiten zur Familicntafel bei dem Kaiserpaar in den Elisabeth- saal. Der Kaiser führte die Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin, der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin führte die Kaiserin, der Kronprinz führte die Herzogin Cecilie. Bei der Tafel saß die Braut rechts neb-'n dem Bräutigam. Dem Brautpaar gegenüber saß der Kaiser; reckits folgten zunächst die Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin, der Kronprinz von Griechenland, die Großherzogin von Hessen, der Großherzog von Baden, die Herzogin von Aosta und Großfürst Nikolaus von Ltußland; links die Großherzogin von Baden, Großfürst Michael von Rußland, die Großherzogin von Meck^enburg- Strelitz, der Großherzogvon Hessen, Prinzessin Ari- sugalva von Japan und Prinzessin Christian von D^n^mark. Prinz Arisugawa von Japan saß neben der Prinzessin Heinrich. Der Herzogin Cecilie ist der Luisen orden verliehen worden. Nach der Tafel hielten die Majestäten in den nach dem Schloßplatze hinausliegenden Sälen Cercle ab. Als die Majestäten und das Brautpaar an den Fenstern sichtbar wurden, brach die Menge, die sich zu vielen Hunderten auf dem Schloßplatze angesammelt hatte, in andauernde Hochrufe aus. 3m Schloß. Am Fuße der von dem Spalier der Schloßgarde-Kom- pagnie besetzten Wendeltreppe innerhalb des Vestibüls, in welchem eine Ehrenwache des zweiten Garderegimeuts zu Fuß paradierte, empfingen der Ka.iser. der Kronprinz und die Prinzen des königlichen Hauses die Braut unds geleiteten sie hinauf. Der Kaiser bot der Herzogin-Braut den Arm. Inzwischen hatten sich schon um 5V2 Uhr versammelt: Die Generaladjutanten, die Generale und Admirale ä la suite, die Flügeladjutanten des Kaiser- und der Geheime Kabinettsrat in der ersten Parade-Vorkammer; die prinzlichen Hofstaaten und Gefolge, sowie die Gefolge der höchsten Gäste in der zweiten Parade-Borkammer, der Reichskanzler, die Generalfeldmarschälle, die Generalobersten und die Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler, die aktiven Generale der Infanterie, der Kavallerie und der Artillerie, die Admirale, die Minister des kgl. Hauses und die aktiven Staatsminister, sowie die Präsidenten deöl Reichstages und beider Häuser des Landtages im Königszimmer, die Damen der Prinzessinnen des kgl. Hauses und der höchsten Gäste in der Roten Kammer; die Palast^ bcrmen der Kaiserin in der Brandenburgischen Roten Adler- Kammer. An der Tür des Schweizer Saales, in welchem eine Galawache von dem Regimente der Garde du CorpS mit dem Trompeterkorps und der zweite Zug der Leib- gendartnerie aufgestellt war, wurde die Herzogin-Braut vort den Prinzessinnen des kgl. Hauses empfangen. Der Kaiser und die Kaiserin geleiteten die Braut ourch die Paradevor- kammern. das Konigszimmer, die Rote Kammer und die. Brandenourgische Rote Adler-Kammer in den Rittersaal. Die Hofchargen traten dem Kaiserpaare voran, als dteseA die Herzogin-Braut nach den für sie in Bereitschaft gesetztem Gemächern geleiteten. Berlin, 4. Juni. Kirchgang. Für heute vormittag 10 Uhr war Kirchgang in den Doui für das Brautpaar, die kgl. Familie, die Gäste usw. angesetzt. Die Anfahrt der fürstlichen Gäste bot ein farbenreiches Bild. Der Kaiser ging vom kgl. Schloß zu Friß nach dem Dom, mit ihm der Kronprinz und dessen Brüder, der Großherzog von Hessen und der Herzoa von! Sachsen-Koburg und Gotha. Die Kaiserin fuhr mit dep Prinzessin Viktoria Luise in einem Galawagen. Der Kaisep und die Kaiserin wurden vom Publikum mit Hochrufen! empfangen. Zuletzt erschien Herzogin Cecilie mit oep Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin, von stür^ mischen Zurufen der Menge begrüßt. Ter Kaiser bot berj Herzogin den Arm, während der Kronprinz die Großher-i zogin-Mutter führte. Der Domchor trug den 47. Psalm und nach einem Gesang der Gemeinde mit Lithurgie noch „Der Herr ist mein getreuer Hirte" vor. Oberhofpredigep D. Dry an der predigte über Galater 6, 2: „Einer trage deS anderen Last, so werden wir das Gesetz Christi erfüllen.^ Die Gemeinde sang zum Schluß: „So nimm denn meine Hünde und führe mich," Bei der Rückkehr der Majestäten ttnä der vielen Fürstlichkeiten nach dem königlichen Schloß und den anderen Quartieren (der Kaiser und der Kronprinz gingen wieder zu Fuß) wiederholten sich die Ovationen. Der Domchor war in mittelalterlicher Tracht mit ES- carpins, Schnallenschuhen, roten Röcken und SammetbarettS. erschienen. Der Kaiser sah in seiner Husarenuni form! blühend und gesimd aus und befand sich anscheinend in vorzüglicher Stimmung. Die Kaiserin trug eine Toilette von weißer Farbe und weißem Hut, die kleine Prinzessin! hatte ein rosa Kleidchen mit Florenlinerhut angelegt. Die Braut, die die stürmischen Hochrufe des Publikums mit Lächeln und Nicken in freundlichster Weise erwiderte, Hatter eine rosa Atlastoilette mit Spitzengcwnitur, ebensolchen Kut und Schirm angelegt. Galatafel. Heute abend fand bei dem K'aiserpaar im kgl. Schloss-- Galatafel statt, zu welcher sämtliche anwesende Fürstlich^ teiten, die Spezialgesandten, der Reichskanzler, die nister u. a. geladen waren. Unter großem Vortttttt zogen die Fürstlichkeiten in den Weißen Saal ein, voran das Braut» paar, dann der Kaiser mit der Großherzogin-Mutter vonl Mecklenburg-Schwerin. Vor dem Thron-Baldachin in der Mitte der Haupttafel nahm Herzogin Cecilie neben demr Kronprinzen Platz. Rechts neben der Braut saß der Groß» Herzog von Mecklenburg-Schwerin, links neben dem Bräutigam die Kaiserin; gegenüber saß der Kaiser zwischen ber Großherzogin-Mutter unb ber Großherzogin von Baden. Unfälle. Der Verband für erste Hilfe, der mit der Sanitütskolon!n< und der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger den Sanitätsdienst übernommen hatte, leistete in insgesamt 597 Fällen erste Hilfe. An Hitzschlägen und Körperverletzungen, Gehirnerschütterungen usw. waren insgesamt 26 Fälle zu verzeichnen. Mit den Krankenwagen wurden 15 Personen nach den Hospitälern und nach den Wohnungen gebracht. Als am Sonntag mittag der Kronprinz sich in5 Schloß begeben wollte, ü.berfuhr seine Equipage in ber Bellevuestraße eine Dame, die über den Straßendamm gehen wollte. Der Kronprinz sprang sofort aus dem Wagen und war der Dame, die nur leicht verletzt war, beint Ausstehen behilflich. Die Ueberfahrene erholte sich bald. Der Pariser „Malin" veröfsentlicht einen Artikel gegen die Verfügung des deutschen Kaisers, wonach bei den Hoch- zeitsfeierllchkeiten aus j e b cLande nur ein Journalist zu g e l a s s en werden soll. Tas Blatt erllärt, es sei bedauerlich- wenn französische Journalisten nach Passieren der deutschen Grenze nicht so behandelt würden wie die deutschen gelegentlich der verschiedenen Fürstenbesuche in Paris. Französischerseits werde man sich dieses Verhalten merken. Koliiische (Mwsrrtjnu. Schiller ein Agrarier. Wenn man in den Werken eines der Großen in ber Geisteswelt blättert, ro ist er sür jeden eingeschworenen Parteimann ein Leichtes, dieses oder jenes aus dem Zusammenhangs gerisiene Wort als „unwiderleglichen Zeugen" für ein bestimmtes ParteibekenntniS zu deklarieren. Als im Februar v. I. Jmm. Kants, des Weisen von Königsberg, 100. Todestag von der deutschen Presse in Gedenkartikeln gefeiert wurde, da nahmen den Philosophen sowohl die Roten als die Schwarzen, die Kosmopoliten wie die Nationalisten, die Friedensfreunde wie deren heftigste Gegner und ebenso noch eine ganze Reihe von anoeren einander schroff gegenüberstehende Vertreter von parteiisch eng begrenzten Welt- und Lebensauffassungen für sich in Anspruch. Am 150. Geburtstage Herders im August v. I. erklärte sowohl der orthodoxe wie der freisinnige Protestantismus den weimarischen Generalsupcrinten- denten der Goethe-Schillerzeit für „seinen Mann". Und diese wie jene hatten den Schein des Rechtes auf ihrer Seite. Wer kurzsichtig durch eine Parteibrille die Welt nah und fern betrachtet, merkt nicht die Weite und darum die Objektivität des Urteils eines Geistesriesen und klammert sich an ein paar nackte, für einen speziellen Fall gemünzte und für diesen allein zutreffende Worte des großen Mannes, die er in seinem Parteieifer flugs zu Schlagworten macht und in seinen Zitatenschatz aufnimmt. Jetzt hat angesichts der Schillerfeiern irgend ein sonderbarer Kauz in Schillers Werken eine „durchaus agrarische Aeußerung des Dichterfürsten" gefunden. Ein „trockener Jurist" und ein „Mann ohne Ar und Halm" bezeichnet er sich selbst. Dieser hat entdeckt, daß Schiller in seiner Geschichte des 30 jährigen Krieges (Band II) mit Bezug auf die Monarchie Karls V. (Spanien) schreibt: „Von unfruchtbarem Golde zu einer schnellen Größe gebläßt, sah man diese Monarchie in einer langsamen Zehrung schwinden, well ihr die M i l ch d e r S t a a t e n, der Feldbau, entzogen wurde." Dazu bemerkt die „Korrespondenz des Bundes der Landwirte": „Nach diesen Worten des Historikers Fr. von Schiller glauben wir zu der Annahme berechtigt zu sein, daß der Herr Heirat seinem Fürsten gegenüber mit ernster Mißbilligung der Anschauungen eine? bekannten modernen Staatsmannes von der für Deutschlands Weltmachtstellung grundlegenden Bedeutung der Kapitals- Assoziation nicht zurückgehalten haben würde. Er würde im Hinblick auf die moderne wirtschaftliche Entwicklung den Regierenden im Reiche warnend zugcrufen haben: Die von unfruchtbarem Golde zu schneller Große geblähte Weltmacht und unsere Monarchien müssen der Zehrung, dem allmählichen Verfall entgegen geheim, wenn ihr nicht Sorge dafür tragt, daß die gesundeste Nährmilch der Staaten, der Feldbau, unversehrt erhalten bleibt! Wenn diese Mahnung kein Gehör gefunden hätte, würde Fr. von Schiller wahrscheinlich seinen Hoiratstitel preisgegeben haben, um als Mitglied des Bundes der Landwirte gegen die von dem trügerischen Glanze der Kapitals-Assoziation verblendete Negierung für die Sicherung der Existenz unserer Feldbauer zu kämpfen." Die unfreiwilligen Witze sind doch immer die besten. Aeutsch-Südivestafrika. Telegramm aus Windhuk: In dem Gefechte am Zusammenflüsse des Go ab- und des Kuisch-Fluises am 12. Mai ist gefallen: Sergeant Schäfer. — Verwundet wurden ein Unteroffizier, ein Gefreiter und neun Mann. Das Reich?Postamt macht darauf aufmerksam, daß bei den Feldpostsendungen auf eine unaufgeballene Beförderung nur dann gerechnet werden kann, wenn die Sendungen mit genauer und richtiger Aufschrift, wozu die Angabe des Truppenteils und der Kompagnie, Batterie usw. gehört, versehen werden. Die alleinige Angabe „Schutztruppe Südwestafrika" genügt Keinesfalls. Kürzlich wurde gemeldet, daß vier Reiter einer, Patrouille wegen Ermordung eines alten Hereroweibes anfangs zum Tode und mif ihre Berufung zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteile, worden seien. Wie dre „Hamb. Nachr." wissen wollen, bestätig"' sich diese Meldung Tn allen Punkten. Kcer und Il'otie. London, 3. Juni. Em der Admiralität zuaegangen.es Telegramm des Oberbefehlshabers der K'analflctte meldet:. Das Schlachtschiff „Caesar" ist heute mittag' 1 Nbr in dichtem Nebel auf die von Hamburg nacy San Diego unterwegs befindliche britiscl>e Bark „Afghanistan" aufgefabren. Die Bark sank innerhalb zwei Minuten. Von der 34 Mann betragenden Besatzung wurden nur 11 Mann gerettet. Bald nach diesem Vorgang ft i e ß das Schlachtschiff „H a n n i b a l" gegen das Hamburger Swift „Emma Luise" und beschädigte es am oberen Schiffskörper. Aus Stadl und Land. Gießen, 4. Juni 1905. ** Die Frequenz der Landes Universität. Nach vorläufiger Feststellung beträgt die Zahl der an der LandeS- Unioersität Gießen in denr Sommersemester 1905 immatrikulierten Studierenden 1077. ** Generalversammlung der Ortskrankenkasse zu Gießen. Gestern vormittag 10 Uhr fand im Postkeller die Generalversammlung der Ortskrankenkasse zu Gießen statt. Auf der Tagesordnung standen die Punkte Geschäfts- und Kassenbericht, Bericht der Prüfungskommission, Statutenänderung, Wahl von Ersatzmännern zum Vorstand für die Arbeitgeber, ferner auf Antrag der Versammlung der Punkt Verschiedenes. Zum 1. Punkt berichtete der Geschäftsführer der Kasse, Herr Fourier, daß der Ueberschuß für 1904 nicht so hoch sei, wie in den letzten Jahren, da eine Er- höhnng des Aerztehonorars eingetreten sei und durch den hohen Krankenstand im letzten Jahre eine Mehrausgabe zu verzeichnen sei. Deshalb konnte eine Ueberweisung eines Betrages zum Reservefond nicht erfolgen. Zu Punkt Statutenänderung sei zu erwähnen, daß jetzt das Krankengeld gleich oom 1. Tage nach der Erkrankung gezahlt wird. Im Paragraph 30 wurde der Passus gestrichen, wonach Mitglieder, welche innerhalb der 3 ersten Wochentage an§ der Kasse ausscheiden, oder innerhalb der letzten Wochentage in sie eintreten, einen Beitrag für die betr. Woche nicht zu entrichten haben; der Beitrag wird also, wenn ein Mitglied seine Stellung wechselt, nur einmal erhoben. Die Herren Bierau und Weimar wurden zu Ersatzmännern zum Vorstand für die Arbeitgeber gewählt. Unter Punkt Verschiedenes wurde das Fehlen eines städt. Krankenhauses bemängelt; ferner wurde der Vorstand ersucht, Versammlungen von Mitgliedern einzuberufen, in welchen ein Arzt Vorträge über hygienische und sanitäre Verhältnisse halten solle, nur so den Mitgliedern Aufklärung und Anhaltspunkte zu geben, wie sie sich bei Krankheiten oder ausbrechenden Epidemien zu verhalten haben. Der Schluß der Versammlung erfolgte 1 Uhr mittags- ** Der Bahndamm gerät jetzt wieder fast täglich in Flammen. Am Sonntag mittag, 15 Min. vor 1 Uhr, brannte eS lichterloh hinter dem Holz- und Kohlenlager von Wirths Nachfolger. Die Gefahr der Ausdehnung des Brandes ist dort natürlich besonders groß. Ist denn das Flugfeuer wirklich durchaus unvermeidlich? *♦ Polizeibericht. Der Gelegenheitsarbeiter Jakob Schl, aus Bieber entwendete am Samstag abend aus der Wurstküche eines hiesigen Metzgers Wurst und Fleischwaren im Werte von 6 Mk. Der Dieb ergriff die Flucht, wurde aber eingeholt und verhaftet; die gestohlenen Sachen warf er während der Flucht fort. — Gestern morgen von 5 Uhr an erlaubten sich zwei junge Herren in einem Halise in der Ludwigsstraße bei offenem Fenster die Nachbarschaft durch übermäßig lautes Klavierspielen in ihrer Ruhe zu stören. Anzeige gegen dieselben ist erhoben. — Ein hiesiger Glaserlehrling benutzte beim Einsetzen einer Dachfensterscheibe in einem Hause im Großen Steinweg die Gelegenheit, aus einem Schrank 1.50 Mk. zu entwenden. Anzeige wegen Diebstahls ist erhoben. Bei einem AuSfluge, den Gießener Familien nach Marburg machten, zog ein Mann aus Hochelheim in angeheiterter Stimmung auf der Heimreise die Notbremse. Der „Bremser" wurde bei Ankunft des Vergnügungszuges in Gießen von dem Stationsvorfland vernommen und wird ivohl bestraft werden. g. Büdingen, 3. Juni. Prinz Karl zu Psen- burg, Oberleutnant z. S. und Kommandant des Sleipners, ist zu Besuch seiner Eltern hier eingetroffen. — Bei dem Bau einer Villa sand man eine große Anzahl Menschen- llnd Tierknochen. Sie sollen aus dem Jahr 1813 von einem Franzosenlager herrühren. Wiesbaden, 2. Juni. Ein Erpresserkleeblatt, Elektrotechniker Eck, Regierungssekretär Krösch el und Lehrer Antor, hat hier zahlreiche Straftaten verübt. Zwei interessante Fälle, von denen der eine des humoristischen Beigeschmacks nicht entbehrt, werden jetzt bekannt. Bei einem Auktionator suchten die Drei dadurch Geld zu erpressen, daß sie ihm vorschwindelten, man sei Unregelmäßigkeiten in seinem Gewerbebetriebe auf die Spur gekommen, die zur Konzessionsentziehung führen müßten, werde aber die Akten verschwinden lassen, wenn er die Gefälligkeit gebührend honoriere. Ter Mann war klug genug, auf das Ansinnen, das übrigens schriftlich an ihn gestellt wurde, nicht zu reagieren, zumal er sich keiner gesetzlichen Zuwiderhandlung bewußt war, sondern er hat den für die Erpresser verhängnisvollen Brief der Behörde übergeben. Amüsanter ist der zweite Fall: Autor, der aus Bäckerkreisen stammt, nahm sich diesmal mit seinen Spießgesellen einen Bäcker aufs Korn, dem man den Hof- lieserantentit el de§ Kaisers von China versprach, wenn er sich den Spaß 600 Mark kosten lasse. Der Mann soll wirklich in seiner Eitelkeit den drei Herren die 600 Mark gegeben haben, aber er wartet heute noch vergeblich aus seine Bestallungsurkunde aus Peking. Dcr Werbandslag ver Kassia am 3 und 4. Juni in ^auöach. (Original-Bericht des „Gieß. Anz.") Gießen, 4. Juni. Daß den Tag die ganze Stadt mitfeierte, bewiesen ihre reichlich geflaggten Straßen. Eingeleitet wurde das Fest durch einen am Samstag abend im Solmser Hof von etwa 500 Personen besuchten Festkommers. Zum Beginn sprach Frl. E. Bergheimer einen vom Kameraden Storch in Butzbach gedichteten Prolog. Das Programm bot ferner Männerchöre der vereinigten Vereine „Eintracht" nnb „Harmonie", dirigiert von Lehrer Gerhard hier, ein Melodram mit Tableau, das erste gesprochen von Hofapotheker Roßbach, sowie Vorträge der Musikkapelle des 116. Infanterie- Regiments. Vereinspräsident Ritter von hier hielt die Begrüßungsrede und schloß mit einem Hoch auf unseren Kaiser, Geheimrat Schönfeld-Schotten toastete auf den Großherzog. Der Präsident de§ Verbandes, Generalleutnant Hof, sprach aus das Blühen der Stadt Laubach und seines Krieger- vcreins; zugleich überreichte er dem anwesenden Grafen Karl zu Solms-Laub ach die Urkunde zur Ernennung als Ehrenmitglied der Hasfia. Noch viele teils recht launige Reden wurden gehalten, so von den Kameraden Bruch- häuser, Oberpostsekretär Mayer aus Gießen u. a. m. Der Delegiertentag begann heute, am Sonntag, morgens 9 Uhr. Der Besuch war sehr stark, namentlich aus den benachbarten Kriegervereinen; Vertreter aus 37 Bezirken, die für 56 350 Mitglieder zu stimmen hatten, waren erschienen. Die Verhandlungen leitete Generalleutnant Hof. Die Rechnung wurde durch Hauptmann Waldecker-Darmstadt vorgelegt und von dem Delegiertentag für richtig gefunden. Den Providentiabericht erstattete Oberamtsrichter L a h r-Darmstadt. Die gewährte Bonifikation betrug 24 818.21 Mk. Die Kameraden Bruchhäuser-Gießen und Breitwieser-Ulrichstein machten verschiedene Wünsche bezüglich der Gesellschaft geltend. Reallehrer M i n n i ch-Oppenheim referierte über den Verkauf des Hassiakalenders, der im vergangenen Jahre bis auf 46 900 Exemplare stieg. Die aus dem Präsidium statutengemäß ausscheidenden Herren Auler, Minnich, Korell wurden wiedergewählt und für den freiwillig zurückgetretenen Kameraden Bern- hart wurde Herr Krämer-Mainz bestimmt. Die Wahl des Ortes für den nächstjährigen Verbandstag siel aus Sprendlingen in Rhein Hessen. Die Prinz Ludwig-Stiftung belief sich im vergangenen Jahre auf 28 621,88 Mk., die Ernst Ludwig-Stiftung hat ein Kapital von 16 887 Mk. zu verzeichnen. Dem Antrag, statt der Haft- und Unfallversicherung Zürich eine Vertragsgesellschaft in Deutschland zu wählen, wurde nicht zugestimmt. Bezüglich des Vortragswesens wurde der Wunsch geäußert, die von Wanderrednern des Verbands gehaltenen Vorträge möchten stets zu Patriot,schen Abenden ausgestaltet werden unter Mitwirkung der orts- angehörigen Gesangvereine und Zuziehung auch von Nichtmitgliedern. Das Ergebnis der Sammlung der Hochzeits- stist'ung aus Anlaß der Vermählung des Großherzogs ergab über 12 000Mk.; daraus soll ein Geldbetrag zur Begründung einer Lebensversicherung gewährt werden. Eine Debatte entspann sich über die voll, Präsidium beabsichtigte und beantragte Verschmelzung der Bezirksvereine Lich, Laubach, Hungen zu einem Verein „Solms". Es wurde beschlossen, die Abstimmung über diesen Antrag auf ein Jahr zu vertagen; bis dahin sollen die drei genannten Bezirksvereine aufrecht erhalten bleiben. Dem Bezirksverein Laubach wurde auf seinen Antrag ein größerer Geldbetrag zur Schmückung der Gräber im Jahre 1906 der im letzten Feldzug gefallenen Krieger für 1906 und den damit verbundenen Feierlichkeiten bewilligt. Exz. Generalleutnant Hof schloß die Verhandlungen um 1 Uhr mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Das darauf folgende Festessen sowie der Jestball am Abend hatten sich einer sehr guten Teilnahme zu erfreuen. • Der Kronprinz und sein Lakai. Aus Berlin wird geschrieben: Ein in den Diensten des Kronprinzen stehender Lakai hatte sein Herz an die Tochter eines tn Potsdam wohnhaften Subalternbeamten verloren und traf abends gewöhnlich mit ihr zusammen. Durch einen Zufall hatte der Kronprinz von dem Verhältnis der beiden jungen Leute erfahren, ließ sich aber von seiner Kenntnis dem Lakaien gegenüber bis zu seiner Abreise nach Schwerin nichts merken. Als der Bedienstete sich an dem betr. Vormittage gerade vor den Privatgemächern des Kronprinzen befand, ging dieser vorbei und meinte freundlich lächelnd zu dem erstaunten Lakaien: „Für Sie und Ihre Braut beginnt jetzt ja eine feine Zeit, wenn ich nicht zu Hause bin. Grüßen Sie Ihre Braut übrigens von mir und nehmen Sie ihr dies zum Andenken an mich mit." Dabei gab der Kronprinz dem Lakaien ein Zwanzig-Markstück. — Eine andere Episode sei hier angeschlossen: Als der Kronprinz in Ludwigslust zum Besuche seiner Braut weilte, ließ er sich die gesamte Dienerschaft des Großherzoglichen Hofes daselbst vorstellen. Die Diener gratulierten dem Kronprinzen, den sie bis dahin persönlich noch nicht kannten, indem sie einen aus ihrer Mitte veranlaßten, eine kleine Rede zu halten, was diesem ans Reden wenig Gewöhnten große Kopfschmerzen bereitete, bis er schließlich, nachdem er den blühendsten Unsinn vom Stapel gelassen hatte, stecken blieb. Der Kronprinz, der sich nur mit Mühe des Lachens erwehren konnte, sagte nun zu dem in sichtlicher Verlegenheit befindlichen Diener: „Lassen Sie's genug sein des grausamen Spiels! Ich nehme den guten Willen für die Tat und danke Ihnen herzlich! Hier haben Sie übrigens etwas für den guten Willen!" Dabei drückte der Kronprinz dem Diener ein Goldstück in die Hand. * Fort mit den kurzen Aermeln! In englischen Blättern wurde berichtet, der deutsche Kronprinz habe sich mißbilligend über die kurzen Aermel an den Kleidern seiner Braut ausgesprochen. Darauf hat es jetzt eine Diskussion über diese Aermelform in den interres- fierten Kreisen gegeben. Der Inhaber der Pariser Modefirma Worth, Jean Worth, der jetzt in London weilt, um dort die Kostüme für das Auftreten der Düse zu entwerfen, hat dem Vertreter einer englischen Zeitung seine Ansicht über diese wichtige Frage mitgeteilt, und sie weicht von der des Kronprinzen nicht allzu weit ab. „Die kurzen Aermel", so meint er, „sind eine augenblickliche Verirrung der Mode, die besser gar nicht in Aufnahme gebracht worden wäre. Einige Damen tragen zwar noch diese kurzen Puffärmel bet Straßenkostümen, aber ihre Beliebtheit ist schon fast vorbei. Der Gebrauch von kurzen Aermeln ist für jemanden, der sich nicht für jede Stunde des Tages ein anderes Kleid zulegen kann, fast ganz un- möglich. Wenn man sehr lange Handschuhe trägt, kann man alche Aermel vielleicht bei Ausflügen und Spaziergängen tragen, aber für jede gewöhnliche Beschäftigung sind sie als unvornehm abzttweisen. Man stelle sich mir Damen mit roten und häßlichen Armen vor!" • Ein Eisenbahnunglück. Auf dem Wegübergange an Kilometer 30,4 im Zuge der Landstraße Neustadt am Nübenberge-Nienburg wurde am gestrigen Sonntag durch Personenzug 143, von Bremen nach Hannover, infolge verabsäumter Schrankenschließung das Fuhrwerk des Maurermeisters Redderoth aus Neustadt überfahren. Dabei wurden getötet: Dr. jur. Heinrich, Senator zu Neustadt, und Maurermeister Redderoth; schwerverletzt der Kutscher Hachmeister und der Knabe Ernst Heinrich. Der diensthabende Schrankenwärter gab zu, durch grobe Fahrlässigkeit das Unglück verschuldet zu haben. Teiephonischep Kursbericht 3. Juni. Offizielle Schlusskurse. Frankfurt a. M 41/a% äussere Argentiner Tendenz : ruhig. . 264.80 240.50 . 213 40 . 100.45 101.55 90.35 101 35 90.40 100.10 99.— 102.05 Ungar. Goldronte Italien. Rente . Portugieser I . Portugiesen. IH Unif. Türken 4% 4'V-o 4% 3°/ 1% Türkenlose...... 4% Griech. Monopol.-Anl. 8"/o Mexikaner 41/a',/o Chinesen . . Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Komm andit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahu . Lombarden . . . Gotthardbahn « » . Laurahütte . . . Bochum . . . . Ilarpener . . . Staatschatzscheine . 3V2°/o 3Vo 3l/.o/o t°/o S72o/o 66.75 67.— 88.65 136.60 55.- 67.60 . 96.50 . 135 70 . 124.10 . 208 70 187.75 . 140.60 . 154 40 . 168 60 . 142.80 . 18,90 3%% 4% Oesterr. Goldrente . 4\'«% Oesterr. Silberrento . 101.30 ~ ” ■ 99.60 Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen usverkauf! Wegen Verlegung meines Geschäftes von Neustadt 19 nach Marktplatz 11 verkaufe ich sämtliche Waren bestehend in Uhren-, Bald- und Silberwaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 296? I. Sniifi, Iimlikk M Nhmcher. ILTKnifvivi nfIcv Toilcttenseüen ist die an Milde und Lrl“ Feinheit seit Jahren unerreichte und zur Erzielung eines schöner M VIThol . 10, Teints unentbehrliche 11 üVlillövllve bl0/ie Todes-Anzeige Grosshersogliche Rechnungsrat; Karl Ludwin Schmidt in der Nacht von Samstag auf Sonntag infolge eines Schlaganfalles plö'zlich verschieden ist. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen (Bleichstr. 33), Büdingen, Mainz, Offenbach, den 5. Juni 1905. D‘/< RT Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. d. Mts., nachmittags 2y2 Uhr vom neuen Friedhof aus statt. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, dass unser treuer, unvergesslicher Gatte, Vater, Grossvater, Bruder und Schwager, der Todes-Anzeige. 3010 Heute morgen verschied nach langem, sehr schweren Leiden meine liebe Gattin, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. d. Mts., nachmittags 5y2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Anton Zirbus. Gießen (Grünberger Straße 40), den 4. Juni 1905. Fra» MMm Zirtos Alter von 38 Jahren. R W W W W KW Gießen, Asterweg 2. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meiner unvergeßlichen Mutter Fm Marie tone, geb. tot sage ich tiefgefühlten Dank. 03803 Minna Kühne. w W. H5 W P M bestimmt statt. 3015 B o rn. Gerichtsvollzieher verloren: Kl'knnnlm'cchnng. gebrannt, eigener Röstung hiefiger Stadt gesunden: Versteigerung Donnerstag den 8. Juni d. I., vorm. 10 Uhr ab versteigere ich in Löwengasse 2 zu Gießen die zum Nachlaß des Friedrich Schieß daselbst gehörigen Mobilien gegen Barzahlung, als: 2 vollständige Betten, ca. 21/, Dutzend Stühle, mehrere Tische, 2 Küchenschränke je mit Aufsatz, Waschkomode, Nachttisch, Spiegel, Regulator, Bett-, Tisch- u. Leibwäsche, 2 Herren-Anzüge, Küchengeschirr aller Art, sechs Dutzend verschiedene Gläser und andere Sachen. Die Versteigerung findet 1 gelber, blau und rot eingefaßter Pferdeteppich , 1 goldener Damenring mit zwei Steinchen, 1 Plüschportemonnaie mit Inhalt, 1 goldene Damenuhr ohne Kette und Ring, 1 Herrenuhr mit Kette; 1 schwarzer Damengürtel mit silberner Schnalle, 1 Portemonnaie mit einem Fünfmarkstück, zwei Einmarkstücken, einem Fünfzigpfennigstück, zwei oder drei Pfennigen und einer Quittung von Heilbronner-Gießen, 1 rotlederne Zigarrentasche, 1 gelbes seidenes Spitzentuch und 1 silberne Brosche (vierblätteriges Kleeblatt). Betr.: Reinigung der Straßen. Bei der gegenwärtig heißen Witterung fordern wir hiermit auf Grund des § 3 des Lokalreglements rubr. Betreffs vom 10. November 1879 alle Hausbesitzer, bezw. deren Stellvertreter auf, morgens zwischen 6 und 8 Uhr und nachmittags zwischen 12 und 2 Uhr das vor ihrem Hause belegens Bankett nebst Flußrinne und die Hälfte der Fahrbahn mit reinem Waffer begießen zu lassen. Wer es unterläßt, dieser Aufforderung nachzukommen, hat die gesetzliche Strafe zu gewärtigen. Gießen, den 3. Juni 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 3. Juni 1905. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die g schmerzliche Mitteilung daß unsere gute, unvergeßliche K Mutter, Tochter und Schwester 3023 | Frau Margarethe Rinn geb. Lemp im Alter von 4G Jahren gestern nachmittag 6 Uhr nach g langem, schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. | Heuchelheim, Ruttershausen, Treis den 5. Juni 1905. I Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. Juni nachm. j x/27 Uhr vom Sterbehause, Brauhausstraße, aus statt. Stabil den 6. Zilin b. I., nachmittags 2 Uhr, 8018 werden im Bieker'schen Saale 10 Mille Zigarren versteigert. Geißler, Geri-^^vo'lz^her., Kekanntmachung. In der Zeit vom 27. Mai bis 2. Juni l. Js. wurden in la. WiinöitötWrtii Bruno Mandowsky, Duisburg a. Rh. Gießen, den 3. Juni 1905. GroßHer/ogl. >rgermeisterei Gießen. Cu rsch m ann. Bekanntmachung. Betreff: Vergebung der Zinsen aus der Christian Gerhard Hast- Stiftung. Aus obiger Stiftung sind zehn Gaben zu 19 Mk. 71 Pfg. an zehn bedürftige Familien beziehungsweise Witwer oder Witwen zu vergeben. Anmeldungen sind bis 311111 20. Juni l. Js. bei dem Armenamt, Neuen Bäue 25, Zimmer Nr. 2, vorzubringen. Herberg. Bekanntmachung, die Erbauung eines StadtthcarcrS betreffend. Tic bei dem engeren Wettbewerb etngegnngenen 4 Por- «ntwürfc für die Erbauung eines Stadtthcatcrs nebst dem Urteil des Preisgerichts sind von Sonntag, den 4. bisSamS- tag, den 10. Juni, von vormittags 10 bts nachmittags 1 Nhr, und nachmittags von 3-6 Uhr in den, Sihimgslaal der Stadt- erordneten-Bersammlung zu jedermanns Emslcht ausgestellt. Gießen, der: 3. Juni 1905. Großherzo"! v ' Gießen. I. V.: Curschmann. In letzter Zeit sind des Oefteren Beschwerden über Musizieren und Singen bei offenen Fenstern bei uns vorgebracht worden. Wir verfehlen nicht, darauf hinzuweisen, daß, falls hierdurch eine Belästigung des Publikums verursacht wird Be strafung nach Maßgabe des § 360 pos. 11 Reichsstraf- gesetzbuch einzutreten hat. Die Schutzmannschast ist angewiesen, nötigenfalls Anzeige zu erheben. Gießen, den 2. Juni 1905. Großherzogliches Polizciamt Gießen. ' erberg. vorzüglich in Geschmack und Aroma hochfeine Mischungen per Pfund von SIk. LOO bis W. 2.00 bei Mehrabnahme billiger empfiehlt a6/e Christian Wallenfels 17 Marktplatz 17 Telefon 26- Gegründet 1826.