155* Jahrgang Donnerstag 4 Mai 1905 Gchulst-ab- r. Udreffe für Devescheur «u-etger Gtetzeu. Fernsprechanschluß Nr. 61. Nr. 104 etieet*t tL-nch außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem keMsche« Landwirt die Gießener Familien. Mütter Diemtol in der Woche beigetegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch-u. Stein- bmdettL 9L Lang«. e & AW G GletzenerAnzeiaer General-Anzeiger v -v den poltt und iJjenV Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen WWZ ____________________v zeigenteil: HanS Bech- Aie heutige Mummer umfahl 8 Seilen. Iie deutsche Kaiserfamilie in Denedig. Venedig, 3. Mai. DaS deutsche Kaiserpaar und Prinz Adalbert besuchten tieute Vormittag die internationale Kunstausstellung. Tas Publikum wurde während dieses Besuches nicht zugelaffen, auch alle Beamten waren aus den Ausstellungsräumen entfernt. Der kaiserlichen Familie und dem Hofe wurden zur Fahrt nach den Giardini Pubblici (öffentlichen Gärten), wo die Ausstellung sich befindet, von dem Stadtausschuß drei Galawagen zur Verfügung gestellt. Der Bürgermeister hatte die Führung übernommen. Der Besuch dauerte über eine Stunde. Der Kaiser kaufte ein Bild von Emanuele Bouguoli und eine Marmorbüste von Francesco Gerace an. Nach dem Verlaßen der Ausstellung machte das Kaiser- er König von Sachsen in Wien. Wien, 3. Mai. KönigFriedrich August von S a ch s e n ist gestern Äbenb hier eingetroffen. Bei dem Empfang war besonders bemerkenswert, daß auch zwei Erzherzöge des Hauses Toskana anwesend waren: die Erzherzöge Franz Salvator, der Schwiegersohn des Kaisers und (Äzherzog Leopold Salvator, beides Neffen des Großherzogs von Toskana und Vetter der ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen. Der König stattete heute dem Minister des Aeußern Grafen Goluchowski einen Besuch ab und begab sich sodann in die sächsische Gesandtschaft zum Frühstück, an dem auch der Minister des Aeußern teilnahm. Der König stellte den Erzher zog Franz Ferdi- nanb ä la suite des 1. Ulanenregiments „Kaiser Franz, Josef von Oesterreich, König von Ungarn". Bei der gegen abend zu Ehren der Anwesenheit des Königs in der Hofburg stattgehabten Tafel brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: „Eurer Majestät Besuch ist mir ein erfreuliches Zeichen unserer beiderseitigen freundschaftlichen Gefühle sowie der ausgezeichneten und engen Beziehungen, welche zwischen unseren Staaten bestehen. Ich heiße Eure Majestät von Herzen willkommen und kann nicht umhin, meinen aufrichtigsten Dank für diesen Besuch hiermit zum Ausdruck zu bringen. Zugleich spreche ich die Zuversicht aus, daß die traditionelle gute Nachbarschaft, welche von jeher zwischen dem Königreiche Sachsen und Oesterreich-Ungarn gepflegt wird, sortdauern und unseren Völkern wie bisher zum Wohle gereichen werde. Indem ich auch in dieser Richtung mich der glücklicben Uebereinstimmung Eurer Majestät Intentionen mit den meinen versichert halte, erhebe ich das Glas auf das Wohlergehen Eurer Majestät und auf eine lange segensreiche Regierung." Der König von Sachsen erwiderte mit folgendem Toaste: „Eurer Majestät sage ich meinen herzlichsten, tiefgefühltesten Dank für den überaus freundschaftlichen, glänzenden Empfang, den Allerhöchstdieselben die Gnade hatten, mir hier in Ihrer Haupt- und Residenzstadt zu gewähren. Eine langjährige, innige Freundschaft verbindet unsere Länder und Häuser. Eurer Maj. treue Liebe und verwandtschaftlichen Gefühle für meine beiden in Gott Schisser und der Wein. Schiller war einem guten Tropfen Rebensaft niemals abhold. Seine Schwägerin erzählt davon: „Beim ftöhlichcn Mahl im Kreise vertrauter ihn ansprechender Menschen überließ er sich gern einem heitern, aber mäßigen Genüsse des SBeinS. Das Unmaß floh er immer, da ihm, wie er sagte, ein Glas zuviel qleicki den KDpf frerftire. Brim Sckrnben .trank er 'N- Wcm, aber oft Kaffee, der ermunternd auf tim einwirkte . Und ähnlich äußerte sich Goethe in einem Gespräche mit Eckcrmann worin es (am 18. Januar 1827! heiyt: ,,Schüler fiat nie titel getrunken, er war sehr mtog, aber m Augenblicken körperlicher Schwäche suchte er seine Kräfte durch etwas Ligucur oder ähnliches Spirituoses »u steigern." In emem solchen Zustande erfuhr Schiller zum erstenmal di- Wunderwirkung guten Wems. Es war nach seiner Muckt aus Stuttgart, als der lunge Dichter bet „Räuber" am 19. Oktober 1782, nach mehr,kundiger Futz- wanderung. von Mainz nach Nierstein kam. Lein Jreund imd Reisebegleiter Andreas Streicher schreibt dazu in seinem „Bericht über Schillers Flucht": „Ms noch am Vormittag Nierenstein Nierstein am Rhein") erreicht wurde, konnten beide der Versuchung nicht widerstehen, pch an den: m der Gegend wachsenden Weine, den sie nur aus den Lobeserhebungen der Dichter kannten, zu stärken, welches Schiller, der von Mainz bis hierher nur wenige Worte gesprochen, wyr zu bedürfen schien. Sie traten in das zunächst am Rhem gelegene Wirts hau-und erhielten dort durch Bitten und Vorstellungen .emen Schoppen oder ein Viertelmaß von dem besten ältesten Weine, der sich nn Keller fand und der mit einem kleinen Taler bezahlt werden mußte. Als Nicbtkenner edler Weine fa)ieit es ihn u, daß bei bdcfein Getränk wie' bei vielen berühmten Gegenwänden der Ruf arößer sei, als die Sache verdiene. Aber als sre ins Frere ge- □tu, als bic Füß- sich l-icht-w hobm d-r «mn inimtcrer 3e, die Zukunst ihre düstere Hüll- - was lüftete uud man ihr mit mehr Mut psls bisher entgegenMtreten wagte, glaubten ruhenden Vorgänger und die auch mir so oft bewiesenen Zeichen von Huld und Gnade machen es mir zur Ehrenpflicht, int Sinne meines heißgeliebten verewigten Vaters alles zu tun, um die festgeknüpfte Freundschaft weiter zu pflegen. Ich folge auch dem Zuge meines Herzens. Seit den Tagen der großen Kämpfe vor Wien im Jahre 1683 haben unsere Armeen Treue und Waffenbrüderschaft gehalten. Wie meine Armee Eure Majestät mit Stolz zu den ihrigen zählt und seit dem heutigen Tage mit allerhöchster Genehmigung auch S. K. H. Erzherzog Franz Ferdinand ihr angehort, erfüllt es mich mit berechtigtem Stolze, in der glorreichen österreichisch-ungarischen Armee die Stelle eines Oberstinhabers einnehmen, zu dürfen. Alle Gefühle und aufrichtigen Wünsche, die ich für Eure Majestät und die beiden herrlichen, unter allerhöchstibrer weisen Regierung blühenden Länder habe, bitte ich in Sem Ruf zusammen zu fassen zu dürfen: Der Kaiser von Oesterreich und apostolischer König von Ungarn, mein lieber väterlicher Freund, lebe hoch! hoch! hoch! Morgen findet große Frühjahrsparade statt, am Nachmittag ist Familientafel beim Kaiser. Am Abend erfolgt die Abfahrt des Königs zur Auerhabnjagd in Neuberg. Von dort begibt sich der König nach München. Zer Krieg. Aus der Mandschurei. Petersburg, 3. Mai. Nach Meldungen aus Gun- schulin scheinen die Japaner einen neuen allgemeinen Angriff zu planen. Sie sammeln sich gegenüber dem rechten russischen Flügel. Ein Versuch der Russen, den Liaofluß zu überschreiten, ist an der Wachsamkeit der Japaner gescheitert. Die „Köln. Ztg." meldet aus Gunschu lin vom 3. Mai: Gerüchtweise verlautet, das Hospital vom deutschen Roten Kreuz in Charbin werde wegen Mangel an Geldmitteln zu seiner weiteren Unterhaltung im Juni seine Tätigkeit ein stellen, falls das russische Rote Kreuz nichts beisteuert. Sehr wünschenswert wäre, wenn die Mittel zur Bestreitung seiner weiteren Unterhaltung aus Deutschland ausgebracht würden. Der deutsche Name wurde durch die vorzügliche Einrichtung und die erfolgreiche Tätigkeit des deutschen Roten Kreuzes bisher aufs beste vertreten. Das deutsche Lazarett ist das beste auf dem Kriegsschauplätze. Seine Unterhaltung erfordert monatlich Mk. 16 000. Die Gelder wurden unmittelbar von Berlin ohne Vermittelung des russischen Noten Kreuzes überwiesen. Zeitungsnachrichten, das Lazarett habe Verpflegungsgeld von russischer Seiie verlangt oder erhalten, sind unwahr. Aus den oftafiatlscheu Gewässern. Paris, 3. Mai. Ein Sekretär der japanischen Gesandtschaft begab sich am Montag in das Ministerium des Auswärtigen und fragte, so wird offiziös gemeldet, dort, ob die französ. Regierung Kenntnis davon habe, daß die Schiffe des russischen Geschwaders sich noch immer in den territorialen französischen Gewässern befänden. Der Sekretär erhielt die Antwort, man glaube zu wissen, daß die russischen Schiffe die französischen Gewässer verlassen hätten. — Nach Privatmeldungen fordert der Sekretär, daß die französischen Behörden in den ostasiatischen Kolonien für eine sorgsame Bewachung der Küste alles täten, um zu verhindern, daß dort Kriegsschiffe Kontrebande an Bord nehmen. Die japanische Regierung sei im Besitz von Informationen, daß in gewissen stanzös. Häfen fortgesetzt Proviant für die russische Flotte verschifft würde. Zum Schluß ersuchte der Sekretär Delcasso, sich authentische Jn- formahonen über diese Tatsache zu verschaffen. Tokio, 3. Mai. (Reuter.) Die Arbeiten zur Hebung der bei Port Arthur und Tschemulpo gesunkenen russischenSchiffe nehmen einen guten Fortgang. Einzel- sie, einen wahren Herzenströster in ihm entdeckt zu haben, und ließen dem edlen Weine volle Gerechtigkeit angedeihen." Schiller selbst gedenkt des „Niersteiners" noch in seinem 1788 entstandenen Gedicht „Die berühmte Frau" und auch als er längst bei seinen Freunden in Sachsen weilte, blieb er den: rheinischen Rebenblute treu. So berichtet er aus Loschwitz bei Dresden, wo er damals ein von Weinbergen umgebenes Gartenhäuschen seines Freundes Körner bewohnte, daß er die Gesundheit des in Leipzig zurückgebliebenen Huber in „gutem Rheinwein" getrunken habe. Auch in Schillers Brief vom 3. Juli 1785 aus Gohlis bei Leipzig spielt der Wein eine Hauptrolle, und es stimmt geradezu weihevoll, wenn et darin von einem unterwegs mit Freunden eingenommenen Frühstück an Körner schreibt: „Wir fanden Wein in der Schenke. Deine Gesundheit wurde getrunken. Stillschweigend sahen wir uns an, unsere Stimmung war feierliche Andacht, und jeder von uns hatte Tränen in den Augen, die er sich zu ersticken zwang. Göschen bekannte, daß er dieses Glas Wein noch in jedem Glied brennen ftihlte, Huber's Gesicht war feuerrot, als er uns gestand, er habe noch keinen Wein so gut gefunden, und ich dachte mir die Einsetzung des Abendmahls — „Dieses tut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnis." Ich hörte die Orgel gehen und stand vor dem Altäre. Jetzt erst fiel's uns auf die Seele, daß heute Dein Geburtstag war. Ohne es zu wissen, haben wir ihn heilig gefeiert." Auf eine äußerst fröhliche Weinlaune des Dichters läßt dagegen sein Brief vom 7. Dezember 1785 an das Friedrich Kuuze'sche Ehepaar schließen, in welchem sein sonst so, pathetischer Geist ein- einmal in schelmisch-liebenswürdiger Welse zum Ausdruck gelangt. Tie noch so wenig beachtete unb doch so reizvolle Briessittle lautet: „Guter Humor, Freundschaft und ein Glas alten Rheinweins werden schon noch zuweilen einen Funken der Begeisterung ans mir schlagen. Es sollte übrigens ein Gesetz gemacht werden, daß jeder Leser für den angenehmen Augenblick, den ihm ein Gedicht macht, befugt wäre, äem Dichter eine Von- teilte zu dedizieren, wenn das Gedicht auf den Wein ist, und Hecken und die Zahl der Schiffe, um die es sich dabei handelt werden nicht bekannt gegeben. Man hält es aber für gewiß daß die japanische Marineverwaltung sich einige wertvolle Schlachtschiffe sichern wird. London, 3. Mai. Die Times meldet aus Washington» Japan habe die Union-Regierung ersucht, die chinesische Regierung auszufordern, die Neutralität der chinesischen Häfen gegenüber den russischen Kriegsschiffen energisch zu wahren. Das auswärtige Amt sandte in diesem Sinne Telegramme nach Peking. Auch Japan selbst erhob hierüber Vorstellungen. Man glaubt, daß die engl. Regierung gleichfalls m derselben Richtung auf den Pekinger Hof einwirken wird. Madrid, 3. Mai. Nach einer Meldung aus Gibraltar hat England Befehl gegeben, unverzüglich 6 Hochsee- Torpedoboote nach den chinesischen Gewässer»'' abzusenden. China. Shanghai, 3. Mai. (Reuter.) Siebzig bedeutens engl. Kaufleute telegraphierten an den Minister des! Auswärtigen Lansdowne: Die britischen Kaufleute machen die Regierung daraus aufmerksam, daß China die Abmachungen des englisch-chinesischen Handelsvertrages nicht inne hält und diesen in den meisten Punkten unroirtfam macht. China setzt den Vertragsbestimmungen, welche sich auf die WährungSverhältnisse, Besteuerung, Bergbau und Schifffahrt beziehen, offenen Widerstand entgegen. Wir bitten die britische Regierung, die genaue Befolgung der Vertrags^ bestimmungen durchsetzen zu wollen. London, 3. Mai. In hiesigen politischen Kreisen ver» sichert man, daß die englisch-japanische Allianz nach ihrem Ablauf nicht mehr erneuert werden würde. Nur will die englische Negierung vorher an Rußland die Forde-! rung stellen, England in Zentralasien keinerlei Schwierigkeiten mehr zu bereiten. -2LL.L . .!■■■»■■' '■■"in - ---- Außland in Stmm und Drang. Jeder neue Tag bringt neue Kunde von neuen Bluttaten, besonders in Polen. Aus Warschau wird vom 3, d. M. gemeldet: Wegen der Feier des Jahrestages der am 3. Mai 172? erfolgten Proklamierung der polnischen Konstitution sind die Ktr-- chen heute dicht gefüllt. Da Demonstrationen und Unruhen befürchtet werden, haben Truppen die Sttaßen e besetzt. Heute vor-; mittag wurde ein Polizei-Unteroffizier von einem ttxw bekannten erschossen. Die Mätter erscheinen nicht, da in deni Druckereien nicht gearbeitet wird. Die Führer der Sozialdemo-^, traten fordern die Bevölkerung auf, Ivie ein Mann gegen die Re-^ gierung und das ganze russische Regime sich zu erheben, ba nur so nrit der Brutalität der russischen Regierungsorgane ge-, brachen werden körme. In den besseren Bürgerkreisen sieht man! mit Besorgnis der weiteren Entwickelung der Dinge entgegen. Heute nacht wurden 31 Leichen von Gefallenen aus dem Volizeibezirksamt, ohne daß sie eingefargt wurden, unter starkem Polizeiaufgebot nach dem Friedhöfe gebracht und beerdig Kleinere Ausschreitungen und Zusamnrenstöße haben an verschiedenen Stellen stattgefunden. Ein Polizei beamt er wurde auf der Straße von zwe^ Unbekannteir überfallen und durch Revolver schösse verwrmdet. Die Angreifer enttarnen. — Ein von der sozialdemokratischen^ Partei Lithauens und Polens veröffentlichter Aufruf verlangt den allgemeinen Ausstand als Beweis dafür, daß die am Montag erfolgten Zusammenstöße mit dem Militär den revolutionären! Geist geweckt und die Tatkraft der Pattei nicht gebrochen haben.- Der Aus st and ergriff alle Fabriken. 28 von den vorgestern getöteten Zivilpersonen^, 20 Männer. 7 Frauen und ein zehnjähttges Mädchen wareU gestern im Hofe eines alten L>auses der inneren Stadt zur Schau gestellt und nach kurzer Zeit ausnahmsweis agirosziert worden. STÖe Stände sind unter den Opfern vettreten. Die ^Mehrzahl sind ländliche Kleinbürger. Vor den Toren kam cs zwischen SoziaKstenj und Militär zu Streitigkeiten, doch machte das Militär, obschon bic heftigsten Drohworte fielen, von dem Bajonett keinen Gebrauch. Wie nunmehr festgestellt ist, sind- bei den Straßendemmr-, die Mädchen, ihn zu lüiseu, wenn das Gedicht von der Liebs handelt. Wo Henker sott man zuletzt sein Feuer herhvlen^ Weib und Wein im edelsten Wortsinne bildeten^ sonach auch beü Schiller die .Hauptlieferanten des Dichterfeuers inrb ihrem begeisternden Einfluß ist namentlich sein herrliches Lied „An die Freude" zu danken. Dieser feurigfte aller Rundgesänge, bei dem „Freude sprudelt in Pokalen" und „Brüder fliegen von benl Sitzen, wenn der volle Römer freift", bildete schon bÄd nach seinem Entstehen (1785) den Schluß jeder seucht-ftöhlichen Gesellschaft iu Leipzig und Dresden. War nun Schiller, wie eingangs bemerkt, durchaus kein unmäßiger Trinker, so verschmähte er es doch nicht, auch noch in späteren Jahren zuweilen mit guten Freunden zu pokulieren. Einst, als ihn Hernttch Voß zu einer Maskerade ein geladen hatte, war er so aufgeweckt, daß er zur Verwunderung einiger im Wirtszimmer anwesenden Studenten das übermütige Burschenlied „So leben toir" anstimmte. Neben „der Traubeic gold'nem Blut" liebte Schiller den erwärmenden Punsch, ihm hat er sogar noch im Jahre 1803 zwei Lieder gewidmet und iit dem einen davon, das „im 9borben zu singen", preist er zugleich die Wunderkraft des nur im Süden gedeihenden Feuer- Weines, von dem er singt: Funkelnd wie ein Sohn der Sonne, Wie des Lichtes Fenerguels, Spttngt er perlend aus der Tonne, Purpurn und kristallenhell. Und erfreuet alle Sinnen, Und in jede bange Brust Gießt er ein balsamisch Hoffen, Und des Lebens neue Noch bei seinem letzten Fieberanfall bereitete iynr Lotts' ein Glas Punseh und sein letzter Labetrank war ein Glas Chmn°> pagner. So hat Schiller bis an sein Ende die Gaben des Bnchus als echter Mufensohn zu schützen gclvußt, und wer am 9. Mai im Freundeskreise deö Unsterblichen gedenkt, der möge ihm ein Glas edlen Weines weihen — vorausgesetzt, daß es kein Antialkoholiker ist. „Dieses Glas dem guten Geists (Nachdruck verboten.) Dr. B. gezogener junger Mann, dessen Geist sich vor einigen Tagen plötzlich umnachtete, entfernte sich gestern abend barfuß aus einer Wohnung in der Richtung nach Großen-Linden. Der dem Kranken in Zivil nachgesandte Schutzmann traf ihn am Walde hinter Klein-Linden in einer Wiese, wo er übernachten wollte. Alle gütliche Versuche, ihn zum Mitgehen nach Gießen zu bewegen, blieben ohne Erfolg, so daß ein Wagen mit zwei weiteren Schutzmännern von der Stadt requiriert und der Bedauernswerte unter Anwendung von Gewalt in die psychiatrische Klinik gebracht werden mußte. •* Impfung. Vor einigen Tagen wurden wieder etwa 50 ausländische Arbeiter von den Arbeitsstellen abgeholt und zur Impfung dem Großh. Kreisarzt im Polizei- gebäude vorgeführt. ** Schlaf st ellen-Revision. Gestern fand eine polizeiliche Revision in Bezug auf Raum- und Reinlichkeitsverhältnisse derjenigen Schlafraume statt, in denen fremdländische Arbeiter logieren. Der Befund war im Ganzen gut. •• Gin Milchkrieq in Gotha. Sehr bemerkenswert ist für uns in Gießen folgende Meldung: Zwischen den Hausfrauen in Gotha und den Landwirten war ein heißer Kampf entbrannt. Die Dampfmolkerei der Stadt, die von mehreren großen Landwirten gemeinsam betrieben wird, erhöhte den Milchpreis zuerst von 16 auf 18, dann von 18 auf 20 Pfennig. Dre Hausfrauen p r o t e st i e r t e n dagegen, agitierten von Haus zu Hau? und in der lokalen Presse, was den Erfolg hatte, daß neue Händler Milch für 16 und 18 Pfennig nach Gotha brachten, so daß dw Dampfmolkerei 60 pCt. ihrer Kunden verlor und schließlich den alte»! Milchpreis von 18 Pfennig wieder an- setzen mutzte. Die Hausfrauen haben also gefregtll! Friedberg, 3. Mai. Der Bürgermeister hat im Namen der Stadt und deren Bürgerschaft die allgemeine Entrüstung über den Steinwurs ins Großh. Automobil, der diirch einen Jungen unvorsichtigerweise verübt worden ist, dem Großherzogspaar telegraphisch zum Ausdruck gebracht. tWrffonett über 300 Personen getötet und verwundet worden. Die Zahl der Verstorbenen scheint im Ganzen mit Sn“b'^tourbcn am 2. d. M. vierPersonenae tötet. An Oberschutzmann wurde durch vier Revolverschüssc von unbekannten Tätern tödlich verletzt. In Kalisch wurden am 3. d. M. drei Israeliten vergastet. bei denen Proklamationen, Schußwaffen, Patronen imb rote Fahnen gefunden wurden. Die Stadttore sind geschlossen. Die Patrouillen, welche die Stadt durchziehen, werden mit Sternen geworfen. In Moskau begann am Dienstag eine große Volksmenge auf dem Petrowski-Boulevard ein Restaurant zu zerstören, in welches sich der Revierausseher Alexejew, der einen Schlag ins Gesicht erhalten hatte, zurückgezogen hatte, indem er die Menge mit blanker Waffe abwehrte. Die Menge warf die Scheiben ein und hob die Türen aus. Die Gäste des Restaurants flüchteten in wilder Flucht. Berittene Gendarmen stellten die Ordnung wieder her. Alexejew hat sich heute erschossen. Wie aus Sewastopol telegraphirt wird, kam es dort «ährend der Osterfeiertage zu schweren Ausschreitungen von Soldaten. Betrunkene Soldaten drangen in die Häuser ein und demolierten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Da die Miltär-Patrouille nicht im Stande war, die Ruhestörer zu beschwichtigen, wurde Polizei zu Hilfe gerufen, aber auch die konnte nichts auSrichten. Schließlich ließ der führende Offizier auf die Revoltierenden Feuer geben, wobei nehrere Soldaten verwundet wurden, die übrigen ergriffen die Flucht. Schließlich meldet aus Tiflis vom 3. Mai die PeterSb. Lelegr.-Ag.: Als sich Kosaken, die in dem Dorfe Saraconi einen gewiffen Dimitri Gheta, einen bekannten Agitator, verhaften wollten, dem Hause näherten, in dem sich Gheta mit mehreren Begleitern aushielt, wurden sie, wie der Gouverneur -on KutaiS meldet, mit Gewehrschüssen empfangen. Die Kosaken machten ebenfalls von der Waffe Gebrauch. Gheta wurde getötet, seine Begleiter entkamen. ments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, daS Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Krankenpflegerin des Alice- Frauenvereins für Krankenpflege im Großherzogtum Hessen, Schwester Eva Erbes zu Gali-Odernheim wurde das goldene Tienstauszeichnungskreuz für Krankenpflege verliehen. R -B Zur Lotteri e fra ge. Die Behauptung, daß der preußische Minister v. Rheinbaben am Dienstag nach Darmstadt kommen und dort die Unterzeichnung des Staatsvertrags mit der hessischen Regierung in Betreff der Lotterie- Vereinbarung vollziehen würde, hat sich nicht bestätigt. Bezüglich des Lotterieabkommens selber sind während der letzten Wochen zahlreiche Angaben gemacht worden, die nahezu sämtlich auf müssigen Kombinationen beruhen. Wie wir zuverlässig mitteilen können, sind die beiderstaatlichen Unterhändler kurz vor Ostern noch einmal zusammengetreten und haben eingehende Beratung über die näheren Bestimmungen des Vertrages gepflogen. Die Unterhändler glauben auch eine Grundlage gefunden zu haben, aus welcher die preußische Negierung mit Heffen, resp. den Vertragsstaaten die neue Vertragsvereinbarung zum Abschluß bringen kann. Dabei sind, wie wir erwähnen wollen, von Preußen noch mancherlei Zugeständnisse gemacht worden, Zugeständniffe nicht unwesentlicher Art, die unter den gegebenen Verhältniffen für Hessen von Wert sind. Die preußischen Unterhändler mußten hierbei allerdings die Frage offen lassen, ob seitens der preußischen Regierung auch die neueren Vorschläge acceptirt werden würden. Geschieht dies, so ist der definitive Vertragsabschluß für Anfang nächster Woche zu erwarten, da Herr v. Rheinbaben Ende dieser Woche nach Berlin zurückkehrt und alsdann nach nochmaliger Durchsicht der Vertragsgrundlage sofort seine Entscheidung zu treffen gedenkt. •• Das Großherzogliche Paar wird sich nach dem „R. H. Vbl." demnächst zum Sommeraufenthalt nach Schloß Hem mel mark begeben, wo auch Prinz und Prinzessin Heinrich eintreffen. Der Zeitpunkt der Abreise der Großherzoglichen Herrschaften ist noch nicht festgesetzt, und es ist noch unbestimmt, ob der Besuch beim Prinzen Heinrich in nächster Zeit schon erfolgt, oder erst nach der Hochzeits- feier des deutschen Kronprinzen, zu welcher der Großherzog und die Großherzogin nach Berlin reifen werden. Auf Schloß Hemmelmark wird ferner auch Großfürstin Sergius von Rußland erwartet. - Ein Schillerkommers wird in Ergänzung des Programms für die hier geplanten Schillerfeiern nächsten Samstag abend 9 Uhr von der Studentenschaft im Neuen Saalbau veranstaltet. Die Spitzen der Behörden und die Stadtvertretung sind dazu eingeladen worden. ^Gewerbe-Polizei. In der letzten Zeit haben wiederkehrende Revisionen der Bäckereien, der Gast- und Schankwirtschaften bezüglich der Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen, ferner der Steinbrüche und Sandgruben sowie der Backsteinbrennereien in der Stadt und der Gemarkung stattgefunden. •• Ein Geisteskranker. Ein von auswärts zu- Kunst und Wissenschaft. Mainz, 3. Mai. Die Stadt Mainz hat kürzlich ein Kolossal-Gemälde für unsere Gemäldesammlung im kurfürstlichen Schlosse erworben. Das Gemälde ist von dem berühmten Maler Proft W i l l r o i t e r in Müncksen und betitelt sich: „Nach der Sündfluth". Die Stadt hat das im- qemein stimmungsvolle Gemälde imi den billigen Preis von 8000 Mark erworben. Das Pendant zu diesem Gemälde „Vor bei Sündfluth" befindet sich in der Pinakothek in München. Das Ge» mälde, welches über 5 Steter breit ist und sich bereits im Müsens parlamentarisches. RB. Darmstadt, 3. Mai. Der Sonderausschuß für die Komunalsteuerreform hielt gestern und heute zwei lange Sitzungen ab, die sich hinsichtlich des Ergebnisses der Beratung diametral gegenüberstehen. Während es gestern zu lebhaften Debatten zwischen den Ausschußmitgliedem selber kam und dabei so starke Gegensätze zu Tage traten, daß mau nahezu hoffnungslos auSeinanderging — Herr Ulrich hatte seinem Blatte sogar mitgeteilt, daß die Vorlage als gescheitert zu betrachten sei —, fanden sich in der heutigen gemeinschaftlich mit der Regierung abgehaltenen Sitzung die Gemüter wieder soweit zusammen, daß man in wenigen weiteren Sitzungen, vielleicht schon am Schluffe der Woche, mit der Beratung der Vorlage überhaupt zum Abschluß zu kommen gedenkt. Die Hauptdisserenz drehte sich um die Frage der Grundprinzipien für die Gewerbesteuer. Die Regierung hat bekanntlich vorgeschlagen, die Veranlagung zu derselben auf dem Betriebskapital zu basieren, wie das z. B. auch in Baden der Fall ist. Dagegen wurde im Aus» schuß scharfer Widerspruch erhoben und befürwortet, daß auch andere Faktoren, ähnlich wie in Preußen, das Bruttoer- trägniS re. mit herangezogen werden sollten. Nachdem aber heute Finanzminister Dr. Gnauth in eingehender Weise die Gründe für die Stellung der Regierung zu dieser Frage näher dargelegt und die sich bei einem noch komplizierteren Besteuerungsmodus ergebenden Mißstände geschildert, brach sich mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß die Heranziehung deS Erträgniffes kaum durchzuführen sein würde. Ein weiterer schwerwiegender Differenzvunkt betrifft Art. 11 der Vorlage, von welchem man befürchtet, daß die Einschätzung zu ausschließlich m die Hand der Einschätzungskommission gegeben werden würde. Nach der heutigen Aussprache darf man aber die Erwarten hegen, daß die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten des Ausschuß.s mit der Regierung im Laufe der nächsten Sitzungen ausgeglichen und der Gesetzentwurf für die Plenarberatung sertiggestellt werden kann. Wenn nicht neue, unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten und die Beratung verzögern, hofft der Berichterstatter, Abg. Dr. Gutfleisch, seinen bei der Wichtigkeit der umfangreichen Materie natürlich starke Schwierigkeiten verursachenden Bericht bereits in etwa 14 Tagen im Druck fertig gestellt zu sehen. Berlin, 3. Mai. Man rechnet in den maßgebenden Kreisen damit, daß der Reichstag spätestens am 30. Mai geschloffen oder vertagt wird. Ob man ihn schließen oder vertagen wird, hängt im wesentlichen davon ab, wie die Militärpensionsgesetze in der Butgetkommission des Reichstages gefördert sein werden. • Eine Jäger ft atue des Kaisers soll demnächst un- weit des Jagdschlosses 9t om in t en zur Aufstellung gelangen. Sie. ist von dem Bildhauer Norbert Pfretzschmer geschaffen und die erste die den Kaiser als Weidmann darstellt. Der Künstler hat Den? Moment wahrgenommen, wie der Jaqdherr, die Saufeder über ote rechte Schulter gelegt, einen Keiler betrachtet, den er soeben nach weidmännischem Brauch eigenhändig abgefangen hat. ' Die Geni ckstarre. Aus Zamislau, Sohrau ZaboM und anderen oberschlessischeu Ortschaften werden neue Falle von Genickstarre gemeldet. Im Kreise Rybuit find bisher 60 Falle zur Anmeldung gelangt, von denen 18 tätlich verliefen. In Königshütte sind am 1. Mai fünf Kinder an Genickstarre erkrankt. Im städtischen Krankenhause zu Beuthen befinden sich gegemvarttg noch 22 erkrankte Personen. — In Frankfur t g. M. find in den letzten zwei Tagen zwei an Genickstarre erkrankt und gestorben. In Preusisch-Hörnecke sind drei m Groningen am Harz ein Fall von Genickstarre festgestellt worden. — In dem oberfränkische Dorfe Trosdorf unwett Bamberg starb ew Mädchen nach einwöchigem Kranksein nn Genickstarre. Aus Stadt Md Amd. Gießen, 4. Mai 1905. ** Auszeichnungen. Se. Königs. Hoh. der Groß- herzog haben am 3. Mai ds. Js dem Obersten z. D. v. Graevenitz, seither Kommandeur des Infanterie-Regi- Heute fand die Fortsetzung statt in der Kirche der Berliner Stadtmission. Nach einem Gebet begrüßte Graf Hohenthal, der Vorsitzende des landeskirchlichen 'Aus- chusses, die Erschienenen. Es gelte Stellung zu nehmen gegen die Angriffe, die den Glauben der Gemeinden umzustürzen bestrebt sind. Man habe so viel zu tun. Er erinnere nur an die evangelische Volksschule, an den Religionsunterricht in den höheren Schulen, ent die Gefahr der Verflachung durch Massentaufen und Massenkonfirmationen in den größeren Städten. (Sehr wahr!) Aber man habe das alles zurückgestellt. Vorläufig handele es ich nur um den einen Kern- und Brennpunkt: Schutz und Trotz des Evangeliums gegen die jüngsten Angriffe. (Beif.) Ms erster Redner ergriff das Wort Professor Dr. Lütgert-Halle a. d. S. Er behandelte das Thema „Christentum und Theologie". Er verbreitete sich ausführlich über die Gottheit Jesu, die von Pastor Fischer in Frage gestellt werde. Die Verehrung eines genialen Menschen ist nicht die Vorstufe zu einer Verehrung- Gottes, sondern deren Gegensatz. Jesus ist kein fremder Körper, der sich zwischen Gott und die Menschen gedrängt hat. Jesus ist Gott. Wer ihn anbetet und nicht an eine Gottessohnschaft glaubt, begeht eine Sünde. (Zustimmung.) Wir bemerken auf die ganze moderne Christologie: es ist uns nicht genug das Bekenntnis, daß Jesus ein mächtiger Mensch war, sondern uns genügt nur das eine Bekenntnis, daß er die 'Allmacht ist. (Großer Beifall.) Nach weiteren Reden wurde folgender Antrag des landeskirchlichen Ausschusses verteilt: „Die am 3. Mai 1905 in Berlin tagende landeskirchliche Versammlung wählt einen Ausschuß aus ihrer Mitte und beauftragt denselben, auch künftig sich in geeigneter Weise zum Aufbau der Landeskirche zu betätigen, mit wachsamem Auge alle den Bestand der Landeskirche gefährdenden Vorgänge auf dem ganzen Gebiete der Oeffent- iicf)feit zu verfolgen, auf Vorbereitung und Einberufung von Versammlungen bedacht zu sein und zu diesem Behufe sich im Bedarfsfälle durch Zuwahl geeigneter Männer zu erweitern." Ein Vortrag des Pastors Wolff gipfelte in folgender Resolution: „Die zum 3. Mai 1905 nach Berlin Berufene landes- kirchliche Versammlung sieht in Uebereinstimmnng mit dem Bekenntnis ihrer Kirche auf dem Boden der göttlichen Offenbarung heiliger Schriften und auf dem Glaubensgrunde der Gottheit Christi, des für uns gekreuzigten und auferstandenen Heilandes." Mit Schmerz wird festgestellt, daß Irrlehren auf Katheder und Kanzel geduldet werden. Zum Schluß wird verlangt, daß bei der Besetzung von theologischen Professuren neben der wissenschaftlichen Befähigung die dem kirchlichen Bekenntnis entsprechende Stellung zum Worte Gottes maßgebend sein müsse. ung der Religion. Wenn man darunter versteht, daß aus dem Christentum alles ausgemerzt werden muß, was mit dem sogenannten modernen Zeitbewußtsein sich nicht verträgt, dann wird von der Religion nicht viel übrig bleiben. Uns dünkt das aber geradezu gotteslästerlich. (Zustimmung.) Die R e l i g i o n b r a u ch t s i ch n i cht f ortzuentwickeln, das soll nur die Religiosität in uns tun. (Großer Beifall.) Pastor Philipps-Plötzensee wurde noch deutlicher. Er behandelte „Evangelium und Toleranz". Wenn im liberalen Parocknalverein Pastor Fischer unter Anspielung auf dieses Wort unter dem Beifall seiner Zuhörer aussprach, er wolle eine Kirche, in der ein jeder nach seiner Fasson selig werden könne, dann hat er damit den größten Unsinn gesprochen. Der Staat ist die aganisierte Volksgemeinschaft aller Konfessionen, er muß Toleranz üben. Aber die Kirche braucht das nicht, die Kirche ist nur eine ^Gemeinschaft der Gläubigen. Sonst müßten wir ja auch schließlich der Hölle gegenüber tolerant sein. Graf Hohenthal- Dölkau sprach unter oft von stürmischer Heiterkeit (!) unterbrochen über das Evangelium und die kirchliche L i e b e s a r b e i t. Er schilderte, daß vor 40 Jahren in Berlin die Restaurants noch um 8 Uhr abends schlossen. Dafür rauchten aber auch die Müllfahrer noch keine Zigaretten. (Stürmische Heiterkeit.) Der Aufschwung Berlins hat mit sich gebracht eine Demoralisierung unserer Zustande. Man denke nur an die unsittlichen Bilder in den Schaufenstern. Die Liberalen nennen das „Kunst". Nur komische daß vor den Schcm- enftern nie Künstler, sondern nur halbwüchsige Jungen tehen. (Es müssen doch auch andere Leute davor stehen, denn sonst könnten sie gar nicht wissen, daß solche angeblich unsittlichen Bilder ausgestellt sind! Uebrigens würde die Polizei die Ausstelluna unsittlicher Bilder nie dulden. Mancher hält aber ein Bild für unsittlich, bei dem ich ein normal empfindender Mensch nichts schlimmes denkt. Red.) Redner dankt zum Schluß dem Gemeinde- kirchenrat von St. Markus, daß er gegen das Auftreten des Dr. Fischer Einspruch erhoben habe. „Das Evangelium und die Sittlichkeit" war das nächste Thema. Pastor Bohn-Berlin war der Referent. Im Schiller- Jahr starren unsere Straßen und Plätze von Schmutz in Wort und Bild, die sich in den reinen Augen unserer Kinder spiegeln. 6000 Professoren, Aerzte und Gelehrte haben den außerehelichen Geschelchtsverkehr gebilligt. (Pfuirufe.) Ja, ein Professor schrieb: „Ich kann den außerehelichen Geschlechtsverkehr nicht verurteilen. Er ist für viele die Quelle des reinsten und höchsten Glücks." Lebhafte Pfuirufe.) Und dann kommen Frauen — eigentlich verdienen sie den Namen gar nicht — und sagen, die Menschen sollten früher heiraten, und die Ehe soll kinderlos bleiben. (Erneute Pfuirufe.) Wir halten den Geschlechtstrieb an sich nicht für unsittlich. Allein wir verlangen Geschlechtsordnung, Enthaltsamkeit vor der Ehe und Zucht und Schonung der Frau in der Frau. Wir haben da unseren Heiland hinter uns. Wenn er die Ehebrecherin von sich stieß, so tat er es nicht, wie der „Simplizisfimus" (Pfuinlfe) es neulich auslegte, weil er in ihrer Handlung keine. Sünde sah, sondern er sagte zu ihr: Gehe hin und tue keine Sünde mehr. Also hält er sie für eine Sünderin. (Beifall.) Arbeiter Dunkel-Berlin: Die moderne Wissenschaft zieht den Menschen in den <54 a u b und degradiert ihn herab zum Tier. (!!) Und dieser Wissenschaft wegen sollten wir unser altes Evangelium preisgeben? Nimmermehr! Seitdem diese moderne Wissenschaft besteht, haben sich Tausende von Gott abgewendet. (Beifall.) * ßhriflus, der Aall Aischer und die landeskirch- liche Konferenz in Arrlin. Berlin, 3. Mai. Gestern abend hat die „landeskirchliche Versammlung" Fttt einem Festgottesdienst im Neuen Dom begonnen. Hinterher gnig man nis Polasttheater, das von Geistlichen von außerhalb sowie von konservativen Elementen Berlins gefüllt war. Es wurde dort von dem Berliner Pastor Israel eine Rede gehalten, die deutliche Anspielungen auf den Fall Fischer enthält. Es wird darüber berichtet^ Wenn wir, so sprach er, jetzt nicht reden würden, würde das als Zustimmung aufgefaßt werden. Wenn man sich Christus vorstelle als einen frommen Mann wie andere auch, was hat er dann voraus? Wenn man nicht glaubt, daß Christus von den Toten auferstanden ist; wenn man nicht glaubt, daß der Vater im Himmel, indem er seinen Sohn auferweckt hat, sein Siegel gedrückt hat unter seine Worte und Taten, dann zweifle ich an der Sündlosigkeit Christt und damit an seiner Wahrhaftigkeit. Nur die Rückkehr zum alten Evangelium ist imstande, uns ^u erlösen aus den unwahren Zuständen unserer Zeit. Es sind keine objektiv wahren Zustände, wenn Geistliche, die aus den Glauben an die Bibel verpflichtet sind, gegen diesen Glauben Sturm laufen. (Großer Beifall.) Es sind keine wahren Zustände, wenn Prediger bei ihren liturgischen Amtshandlungen bte Rolle von Automaten spielen (Stürmischer Beifall), wenn sie innerlich anders denken, als der Mund es ausspricht. Wenn die Katholiken der Jungfrau Maria die Kcvne der Himmelskönigin aussetzen, so ist das schlimm. Aber wenn man dem .Heiland die Krone seiner Gottheit vom Haupte reißt, so ist das schlim- mer (Beifall.) Man redet so viel von der Fortentwickel- Tnatßrficfie Grb’sse e< s m Zeit haben der Gaß. und tg von Gehilfen Sandgruben jo» । ber®emarfung Ergänzung be& rieiem nächsten Haft im Neuen orten und die auswärts zu» c einigen Tagen »end barfuß aus n-Linben. Der \n traf ihn am er übernachten gen nach Gießen ein Wagen mit >t requiriert und i Gewalt in die soll demn^§it luna Ö^JÄ^e t itSÄn««* dener' -K-AH tt a- ^□eftorb01' »lön>n!>Mdk!N Dori»"; -E ^nrberg -.‘i’Ä £ ptU * . L:.r'u 'M L n'xt^ tourten medec j« ArbÄsskLm .Sarit im W* „ fort» eine pct'« Seiniidjf-'ilS««' m srerndlindiHe tjtn gut. dem-rtwswert» LS- "S”ü e. Die Haus' «Ä ia ®lt. \iil L« ut-m-btt- «» Ä* »lusdruckg^^ ?b 11 !-fe „-'«4 «■ c w'r iu. 'hd)en Uni,,. «nk d'st'-nmnnge, °uch ein, JWfy Re. ’l( "tue 5Jtt, lnx$abii Und, * "ch nn. «rttaifa füt ,Qnbl't mutzten o Seitens der W occenfirt Uwe Vertrags. r*en. da Herr iurückehrt und ^gsgrundlaze sich nach dem n°ch Schloß !>d Prinzessin der Groß. !6t und es ist !n Heinrich in ' Hochzeits- Her der Grotz. reisen roerten. Fürstin Sergius Ausbeuten und Zu° u. Schlnßknrse. 209.10 M.90 142.10 247.25 218.25 Handel und MrKehr. Dolkswirlschaft. Berliner Börse vom 3. Mai 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 21/* Prozent. Anfangs- Ceft. Kredit. « • « 209.50 Deutsche Bank . . . 239.25 Darmstädter Bank • ♦ 142.00 Bochumer Guß ... 246.75 Harpener Bergbau . . 216.30 Tendenz: fester. Erz-Kuxe. Fernie. Anaebot —, Nachfrage 3450. büßen, 1903: 225; 1904: 300. Frankreich und Deutschland. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daü der letzte Rückgang der 3 Proz. Reichsanleihe auch darauf zurückzufuhren war, daß der Pariser Platz bedeutende Posten 3proz. deutsche K'onsols, die im Januar gekauft wurden, wieder an den Markt gebracht hat. Jucan erblickte darin eine gewisse Revanche für Marokko. Auch sind französische Guthaben in nicht unerheblichem Umfang aus Teuttch- land zurückgezogen worden. Neuerdings ift dieses Zuruazrehen fortgesetzt worden und erst dieser Tage wurden Poften Gold von Berlin nach Paris exportiert. Einstweilen handelt es ftm noch um relativ geringere Beträge, doch wird in leitenden Krisen damit gerechnet, daß bei dem derzeitigen Stand der sranzöftschen Wechselkurse weitere Beträge nach Frankreich gehen werden. Die Berliner Zigarettenfabrik Jofetti G. m. b. H. ist in den Besitz des amerikanischen Tabaktrusts übergegangen. Diese Meldung kommt um so überraschender, als die Fabrik Josetti alle kürzlich gebrachten Mitteilungen von dem Uebertritt der Fabrik zu dem amerikanischen Tabaktrust sehr energisch dementierte. Die Trustgesellschast soll noch mit emer zweiten großen Berliner Zigarettenfabrik wegen Ankaufs m Unter- handlimgen stehen. Die Tabakhändler-Vereinigungen werden sich bereits in ihren nächsten Sitzungen mit der neugeschaffenen Sachlage beschäftigen und es ist wahrscheinlich, daß der seiner Zeit über die Trustzigerrette ausgesprochene Vovkott auch aus die Berliner Filialen des Trusts übertragen werden wird. Der Rheinisch-Westfälische Effektenmarkt. Das rege Kaufinteresse für schwere Kohlenwerte hielt heute an Konstantin der Große, Mont-Cenis, Dorstfeld, Graf Schwerin und König Ludwig konnten ihre Kurse um mehrere 100 Mark erhöhen bei lebhaften Umfätzeik. Auch Augusta Viktoria,, Johann Deimelsberg und Trier verkehrte zu gebesserten Prerien. «jit kleinen Werten dagegen war das Geschäft gering und bestand nur Nachfrage für Altendorf, Borussia, Dahlhauser Tiefbau, Frere Vogel und Unverhofft, Die Lippe und Kobold — Der Kalikur c n m a r k t verharrt in seiner ruhigen Haltung. Fast sämtliche Preise für schwere und mittlere Werte geben weiter nach. Auch kleine Werte niedriger erhältlich. — Auf dem E rzku x e n- markte sind die Kurse weiter rückgängig bei säst vollstandrger Geschäftsunlust. „ Markte. (W Gießen, 4. Mai. (Bi-ehmarktb erickt.) Der Gestrige Ochsenmarkt war nur mit einigen Stücken befahren, so daß von einem Handel keine Rede fein konnte Der ^chweme- markt batte einen Vorrat von ca. 900 Stuck. Trotzdem die Käufer zahlreich gekommen waren, wollte sich bis zur Mitte des Marktes das Geschäft nicht recht entwickeln. Die sur die Tine verlangten Preise waren noch etwas höher als am letzten Markt, Mi denen die Verkäufer auch mit Zähigkeit fefthiclten. Erst als der Mittag näher rückte, wurde der Handel, besonders in Laufern, die stark begehrt waren, recht lebhash so daß diese Gattung, sehr bald geräumt war. Der Vorrat an Erkeln wurde Nicht geräumt. Gezahlt wurde pro Paar: Ferkel, 6—8 ^tota* f47?>— in_19 Mne-tztni alt 50—66 Mk-, 14—16 Wochen alt 72 oo .uci., leichte Svr-nger bis 5 Monate alt 100—110 Mk., ältere Tiere 120—140 Mk. Nächste Markttage 16. und 17. Mai; am zweiten Tier wiederholten sich beute die gewalttätigen Szenen bei dem Ausstande der Fuhrleute. Es trugen sich einige ernste Strasienkrawcrlle zu. In mehreren Fällen kamen Kämpfe zwischen Unionisten und Streikbrechern vor und verursachten Paniken in den belebten Straßen. Die schwarzen Kutscher schossen in einigen Fällen auf die Volksmenge, die die Waaenzüge in den Straßen angriff. Die Bureaugebäude haben Mangel an Kohlen und leiden an anderer Zufuhr. Tausende Tonnen Nahrungsmittel verderben auf den Bahnhöfen Wie verlautet, begab sich ein Mitglied des Verbandes der Arbeitgeber mit dem Ersuchen zum Gouverneur, zum Schutze der Angestellten Miliz zu beordern. Die Polizeibehörde gibt an, bisher seien drei Leute getötet und über hundert verwundet worden. LircktiHe 'NartzrilKlen. Lsraelitifche Rcligionsgesellschaft. chotte.«;dlenü. Sabbat h feier am 6. Mai 1905. Freitag abend 7.26. Samstag vormittag 8.00, Predigt. Nachmittags 4.00. Sabbathausgang 8.40. — Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 8.40 Uhr. Gebrüder Bell, Gräfrath Ü16 bei Solingen Aeltostos Fabrikversandhaus am Platze x_ Gegründet 1876, Damen», Uhr- nna H le ketten, umsonst n. portofrei kann eich Jeder von uns fQr entsprechenden Wert Waren erwerben. 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