Wr. 50 Blatt. 155. Jahrgang Dienstag A8. Fevruar I»O5 's vo-mittags J "* clii. nreis: arrswärts '■) j’j. Berantwor^L'ch sink den poltt und cu;2t>r. Teil: P. Wittko; für ^Stadt und Land^ und „Gerichlssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. 3»le yeuttge Kummer umfaßt 10 Selten. Ariede In Kannover. W. T.-B. verbreitet folgende Nachricht: Hannover, 27. Febr. Ter Friede an der Technisch e n H o ch s chu l e ist nunmehr geschlossen. T-er Kultusminister hat die Bestra fung der Studenten Heile und Zimmermann in Verweise umgetvandelt und verfügt, daß der Studentenausschuß wieder gebildet werden soll. Gleichzeitig ist die Zusicherung des freien Meinungsaustausches mit anderen Hochschulen in allen studentischen Fragen erfolgt mrd der Erlaß neuer Satzungen für die Studentenausschüsse angekündigt. Tie Studierenden nehmen morgen den Besuch der Vorlesungen wieder auf. T-er 7 Tage lange hannoversche Studentenftreik ist also M Ende. Am schwarzem Brett der Hochschule war Montag- vornnttag folgende Bekanntmachung zu lesen: Einer verehrlichen Studentenschaft! Auf Grund des in der heutigen Vertretersitzmrg näher mitzuteilenden Ergebnisses der Verhandlungen der Vertrauensmänner mit dem Vrofessoren-Aus- schuß fordere ich alle Kommilitonen auf, von Tienstag ab alle Vorlesungen wieder zu besuchen. Mit studentischem Gruß! I. A.: Karl Remy. Tie Friedensbotschaft wird auf Deutschlands hohen Schulen allgemein mit gleicher Freude begrüßt werden. Tas Verdienst an der Beendigung des Konflikts haben Stadtdirektor Tramm sowie der aus Professoren-und den Vertrauensmännern der Hannoverschen Studentenschaft gebildete „Friedensausschuß", Vorsitzender Geheimrat Prof. Launhardt. Vlan darf aber bedauern, daß der Friedens- ausschuß nicht 8 Tage früher ins Leben getreten ist. Einstimmig ist man auch in der Anerkennung der musterhaften Haltung der Studentenschaft während des ganzen von Ende November sich hinziehenden Konflikts. Tie Studentenschaft der Technischen Hochschule übersandte dem Kultusminister folgendes Telegramm: Euer Exzellenz gestattet sich der Unterfertiget für die schnelle Erledigung der Angelegenheit Heile und Zimmermann den gehorsamsten Dank der Studentenschaft auszusprcchen. Tie Studentenschaft hofft bei beiderseitigem guten Willen auf die end- giltige Beilegung des Konflikts der Studentenschaft der Technischen Hochschule mit Ausnahme der konfessionellen Verbindungen. Remy. Ministerialdirektor Dr. Althoff erklärte einem Hannoverschen Preßvertreter folgendes: Tie Regierung habe in ihrer Erklärung das h ö chst e z u g e ft arbeit, sie werde auch nicht ein Tipfelchen mehr zugleven. Tie akademische Freiheit kam bei den ganzen Vorgängen nicht in Frage. Was das Vermögen des Ausschusses betreffe, so habe der Rektor die Kasse an sich genommen, weil es keinen Ausschuß mehr gab. Sobald der Ausschuß gewählt sein werde, stehe die Kasse zur Verfügung. Das Disziplinarverfahren gegen Refmy sei aufgehoben. Tie Beendigung des Hochschulkonfliktes gibt einem Teil der Presse Anlaß» zu recht maliziösen Bemerkungen über den Rückzug, den die Unterrichts Verwaltung antreten mußte. So schreibt das „Berl. Tagebl": „Der unrühmliche Feldzug gegen die akademische Freiheit hat auf der ganzen Linie den verdienten Ausgang genommen. Tas preuß. Kultusministerium nmß sich selbst desavouieren." ♦ Aus Berlin wird uns geschrieben: Obwohl im Hochschulkouflikt die Studentenschaft den Erfolg davongetragen hat, sind die hier und da verbreiteten Meldungen von einer Erschütterung der Stellung des preußischen Kultusministers unzutreffend. Wer Minister Studt im preuß. Abgeordnetenhaus gesehen hat, jetzt bei Beratung des Kultusetats, der wird nichts weniger als den Eindruck der „Amtsmüdigkeit" von ihm empfangen haben. Tie agrarische „Tagesztg." versichert, die politische Richtung, die der Minister in den letzten Tagen mit besonderer Schärfe vertreten, entspreche vollkommen den Anschauungen des Grasen B ü l o w. Das ist nicht un- wahrscheinlich.^ Tenn der Minister vertrat einen Standpunkt, der fast uneingeschränkt den Be ifall des Z cntrums fand. Und diese Partei ist immer noch „Trumpf" im Reiche wie in Preußen. Rußland In Storm und Drang. Konstitution? Tie neuesten Nachrichten über die inner politische Lage Rußlands, von denen die meisten infolge der verschärftem Zensur nur auf Umwegen und unter erschwerenden Umständen ins Ausland gelangen, lassen immerhin erkennen, daß das längst geplante Refornrwerk Fortschritte macht. Tas deutsche offiziöse Telegraphenbureau meldet heute: Petersburg, 27. Febr. Der Landwirtschaftsminister Jermolow überreichte am 24. Februar dem Kaiser eine auf dessen Befehl ausgearbeitete Denkschrift über die gesamte innere politiscye Lage Rußlands und über die zur Herbeiführung normaler Verhältnisse erforderlichen Maßnahmen. Ter Minister gelangt in dieser Denkschrift zu dem Schluß, daß normale Verhältnisse und eine Beruhigung, der Gemüter nur noch durch die Einführung einer Konstitution und durch die Berufung einer Versammlung von Volksvertretern zu erhoffen sei. Ter Kaiser beriet diese Denkschrift eingehend mit dem Minister und b e a u f 1 r a g t e ihn, ein entsprechendes Reskript an den Minister des Innern, bezw. ein Manifest zu entwerfen. Am 25. Febr. fand bei Jermolow eine vertrauliche Beratung der zuständigen Persönlichkeiten behufs Ausführung der kaiserlichen Willensäußerung statt. v„ r. Man wird diese offiziöse Meldung vorläufig mit maßvoller Freude aufnehmeu. Zunächst wird abzuwarten sein, wie fiel) der neue Ministier des Innern zu der Denkschrift seines Kollegen von der landwirtschaftlichen Fakultät stellen wird. Jedenfalls ist durch die Vorarbeit des Landwirtschaftsministers das ^russische Konstitutionswerk erfreulich -gefördert worden, bindende Schlüsse auf die Zukunft läßt sie aber bisher keineswegs zu. Man wird nach wie vor zu beachten haben, daß gerade jetzt nach dem Bombenattentat, dem der mächtigste und tatkräftigste Großfürst zum Opfer siel, die zarische Regierung den Anschein zu vermeiden suchen wird, als sei sie eingeschüchtert. Tie Zurückberufung des Großfürsten Paul wurde vielfach als Zeichen des Einlenkens in freiere Bahnen angesehen. Großfürst Paul ist persönlich zweifellos ein sympathischer Charakter, man rühmt ihm Wohlwollen, unabhängiges Urteil und moderne Bildung nach, — soll in ihm der kommende Mann der russischen Politik zu sehen sein? Paul ist keine eigentlich politische Persönlichkeit; er hat vielmehr durch seine Heirat gezeigt, daß er seine politischen Vorrechte der Unabhängigkeit seines Privatlebens opferte. Sollte er der intellektuelle Urheber der Denkschrift des Landwirtschaftsministers sein? Manches scheint daraus hinzudeuten. Ein Vorfall, der erst jetzt bekannt geworden ist, verdient Beachtung. Ms im Dezember v. Je von überall her die Zustimmungserklärungen zum Semstwv-Kongreß sich mehrten, war der Zar bereit, auf die Witteschen Reformvorschläge einzuaehen, was bereits damals ein Einlenken in konstitutionelle Bahnen bedeutet hätte. Sobald Sergius dies erfuhr, reiste er sofort nach Petersburg und erreichte es, daß silch der Zar entschloß, das autokratische Prinzip beizubehalten. Großfürst Sergius hat hierbei unverblümt dem kaiserlichen Neffen mit einer Palastrevolution gedroht, wenn er 'die „geheiligten Traditionen des Selbstherrschertums, auf dem die Größe des Hauses der Romanow beruhe", verlassen sollte. Dieses Prinzip wird jetzt nicht mehr Lochgehalten? Privatmeldungen aus Warschau bestätigen, daß in der vorigen Woche dort 150 wegen Aufruhrs verhaftete Personen an der Gefängnismauer durch Salvenfeuer niedergeschossen wurden. Und nun schlägt plötzlich die Regierung andere Bahnen ein? Tie Rückkehr des Großfürsten Paul scheint hieran vielleicht doch etwas zu ändern. Noch aber sind die Großfürsten Wladimir und Alexis einflußreiche Ratgeber des Zaren; noch walten Trepow und Bulygin ihres Amtes. Daß irgend etwas geschehen wird, um die dräuenden Mächte des Umsturzes zu bannen, ist sicher. Was dabei herauskommt, wird hoffentlich nicht als Blendwerk unter die Kategorie der Potemkin- schen Dörfer einzureihen sein. Die russischen Diplomaten haben freilich auf diesem Gebiete schon vielerlei geleistet, so die Friedenskonferenz im Haag mit dem Abrüstungs- antrage, so das kaiserliche Reformmanifest vor Weihnachten und schließlich die Farce mit dem Empfang der Arbeiterdeputation, wo man dem Zaren Leute zuschickte, die überhaupt keine Ahnung von ihrer Mission hatten und deshalb die im Arbeitervolk gärenden Wünsche gar nicht zum Ausdruck bringen konnten. Durch solche Farcen wird nicht nur der Außenwelt Saud in die Augen gestreut, sondern vor allen Dingen auch der Herrscher selbst über den tatsächlichen Stano der Dinge getäuscht. Jetzt fühlt die Negierung, daß auf die ungeheure Erregung, die das Attentat auf Sergius hervorrief, irgend etwas geschehen muß. Und so wird auch etwas geschehen. Wird es wirklich ein enffcheidender Schritt zur Verfassung im modernen Sinne sein? Wenn,ein Parlament berufen werden sollte, wird es, so fürchten ivir, nicht viel anders sein als eine Ständeversammlung nach dem Muster derjenigen, mit der Katharina II. einstens ihr Rußland beglückte und das sich nicht einmal über die jAushebung der Leibeigenschaft einigen konnte. ♦ Das neueste offiziöse Petersburger Telegramm zeigt bereits, daß allzugroße Hoffnungen unangebracht sind. Immerhin bestätigt es den Fortschritt der ministeriellen Resormberatungen. Es lautet: Petersburg, 28. Febr. Tas Ministerkomitee beriet am 26. Januar über eine Revision derGesetze gegendie Feinde der sozialen Ordnung. Es sprach feinen Zwsifel darüber aus, sich der revolutionären Elemente zu entledigen durch Anwendung der Sondervorschriften über den verstärkten Schutz von 1881. T-er Gehilfe des Ministers des Innern, Tur- nowo, erklärte, die Bevölkerung werde durch das bisherige Verfahren, Verhaftungen, Haussuchrmgen und administrative Bestrafungen anstatt eines Gerichtsverfahrens erregt. Witte erklärte, die Regierung übersah bisher, daß der Hauptabhilfsweg n i ch t R e p r e s s i o n sondern dieVerhütungderGrund- Ursachen des Nebels sei. Tie Gesetzgebung arbeitete bisher zu langsam und entsprach nicht den sozialen Bedürf- nissen. So sei die Arbeitergesetzgebung verzögert worden durch die Annahme, die russischen Arbeiter seien noch nicht im Entwicklungsstadium. Andere beunruhigende Elemente seien die Studentenschaft wegen der Aushebung der Unterstellung unter die akademischen Gesetze, sowie die Juden wegen ihrer unerträglichen materiellen Lage infolge einschränkender Gesetze. Tas Komitee war der Ansicht, die Staatsorgane könnten staatsschädliche Handlungen verhüten unter der Bedingung, daß die Gese tz e g enau b e g r en z t würden. Ausnahmegesetze seien auf die Gegenden von , Unruhen sowie auf deren Tauer zu beschränken. Tie Kommission befürwortete die Einberufung einer Spezialkonferenz zur Revision derGesetze über die Sicherheit der Staatsordnung Ein vom Kaiser zu ernennender Präsident der Konferenz solle das Recht haben, den Entwurf eines neuen Gesetzes unmittelbar dem Staatsrate vorzulegen, ohne ihn vorher den übrigen Regierungsdepartements zu unterbreiten. Ter Kaiser bestätigte am 23. Februar diesen Beschluß. Der Mörder des Grotzsürsten Sergius entflohen? Tie Londoner Central-News verbreitet eine sensationelle Meldung aus Petersburg, wonach es heißt, daß der Mörder deS Großfürsten Sergius aus seinem Gefängmsse entkommen ist. Seine revolutionären Kameraden sollen Dttttel gefunden haben, mit dem Mörder in Verbindung zu treten, sowre ihm die Flucht zu ermöglichen. Es wird behauptet, daß der Mörder in der Uniform 'eines Gefängniswärters einfach aus dem Gefängnis h i u a u s g c g a n g e n ist, ohne daß die Militär Posten die geringste Ahnung von seiner Identität Ijätten. Derartiges hat nmn in Rn^l^nd schon öfter erlebt. Die Judenkrawalle in Feodofia. Feodosia, 27. Febr. Der Aus stand wurde hier vonr jüdischen Arbeitern begonnen. Als der Direktor der Arbeiter erschien, wurde er von den Arbeitern umsingt, welche gegen die Regierung gerichtete Proklamationen verteilten. Achtzehn Personen sind verhaftet. Tie Menge^zog durch die Straßen und zwang die Arbeiter mehrerer Fabriken, die Arbeit ein- zu stellen. Israelitische Redner riefen dann: „Nieder mit dem Kaiser! Mag es so fein wie im Auslande, dann sind wir gleichgestellt." Tie Menge teilte sich nun und ein Teil zog zum Tenkmal Alexanders III. Später wurden die Arbeiter von der Polizei zerstreut. Von ernstlichen Ruhestörungen kann jedoch nicht gesprochen werden; es kam mir zu unbedeutenden Reibereien. Ms die Christen die Juden schlugen mit den Worten, es gebe in Rußland noch Leute, welche den Kaiser verteidigen werden, wurde e i n I s r a e l i t g e t ö t e t. Bei seinem Begräbnisse kam es wieder zu Reibereien. Ter Polizei ch e f erhielt anonyme Briefe, in denen ihm mit dem Tode gedroht wurde. Tienstmädchen-AuSstand. Kiew, 27. Febr. Hier sind die Tienstmädchen in den Ausstand getreten. Sie sammelten sich auf der Hauptstraße. Es wurden Kosaken und eine Kompagnie Soldaten herbeigerufen und darauf^ eine Menge der angesammelten weiblichen Personen zur Polizei gebrackt. Aus dem Kaukasus. Petersburg, 27. Febr. Wie die aus dem Kaukasus -hier ein getroffenen Privatmeldungen besagen, haben die schrecklichen Metzeleien einen polftischen Belueggrund. Zunächst fällt die Schuld an den Massenmorden, auf die Regierung, da die Behörden und die Geistlichkeit die Muha- medmier gegen die revolutionären Armenier gehetzt haben. Tie Behörden begünstigen offen die M ö r d e r b a n d e n, die selbst wehrloseF rauen undKinder ab sch lachten und Häuser und Reisende plündern. Alle abschwächenden offiziösen Meldungen über die Kämpfe im Kaukasus snrd tendenziöse Entstellungen, die nickst einmal ein annähernd zutreffendes Bild von den durch die Regierung hervorgerufenen Greueln geben. Tie Nachricht, daß jetzt die Ruhe wieder eingekehrt sein soll., verdient ebenfaNs keinen Glauben. Baku, 27. Febr. Infolge der jüngsten Vorgänge wurde der Naphthakongreß gestern geschlossen. Vor der Schließung rvurde das Budget bestätigt, das ein Tefizit von 556 000 Rubeln auf- iveist. 1Ö0 000 Rubel wurden zum Besten der Opfer der Unruhen bewilligt. Tie hiesigen Krankenhäuser hatten während der ersten zwei Tage der U.Lnrben 136 Verwundete ausgenommen, von denen 28 gestorben sind. Cholera. Dem Standard wird gemeldet, daß in drei Distrikten im Gouvernement Charkow die a s i a t i s ch e C h o l e r a ausgebrochen ist. Umfassende Maßregeln wurden getroffen, um das Vordringen nach Westen im Frühling zu Verbindern. Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Montag den Titel „Nichtpensionsfähige Zulagen das Lehrerpersonal der Lehrerbildungsanstalten" bewilligt. — Der Antrag des Abg. Frhrn. v. Zedlitz u. Gen., die Zulagen für die Seminardirektoren, Seminarlehrer und Seminarlehrerinnen pcnsionsfähig zu machen, wird der Budgetkommission überwiesen. Der Antrag der Abgeord. Ernst, D. Hackenberg und Kopsch auf Verleihung des Titels und Ranges der Oberlehrer an die dienstältere Hälfte der Seminarlehrer und auf Zulassung derjenigen Volks- schullehrer zum Besuch der Universitäten, die sich .im praktischen Schuldienst bewährt haben, wird abgelehnt. — Beim Titel „Schulaufsicht" bittet Abg. Dr. v. Savigny (Ztr.), die Kreisschulinspektion in erster Linie stets den Geistlichen in Nebenamt zu übertragen. Abg. Wolgast (Hosp, d. fr. Np.) hält es für das richtigste, die Geistlichen aus der Schulaufsicht auszuschließen mit Rücksicht auf die Schule. ES sei anzuerkennen, daß eine große Anzahl Geistlicher in der Schulaufsicht tüchtiges leiste. Abg. Hackenberg (nl.) rechtfertigt das rheinische Konsistorium, welches eine Umfrage an1 die Kreissynoden darüber veranstaltet hat, ob die geistliche Schulinspektion beizubehalten sei. Seine Partei sei der Meinung, daß die Kreisschulinspektionen von eineni Manne inti Hauptamt geführt werden muffen, der im Stande sei, die Lehrer anzuregen, und der das Amt unter Einsetzung seiner ganzen Person zum Wohle der Volksschulen führt. Ministerialdirektor: Dr. Schwarzkopfs erwidert, daß die Anschauung des Oberkirchenrats und der Generalsynode über die geistliche Schulaufsicht doch von derjenigen mancher Kreissynoden erheblich abwcicht. Abg. Geißler (Ztr.) hält daran fest, daß eine große Zahl der katholischen Lehrer, wenn nicht die Mehrzahl, für die Beibehaltung ser geistlichen Schulaufsicht sei. Abg. Wolgast (Hosp. d. fr. Vp.) wendet sich dagegen, daß die Lehrer von Leuten beaufsichtigt werden, die nicht Fachmänner sind. Ministerialdirektor Schwarzkopfs betont, daß der Staat seine Aufsichtsbefugnis je nach dem Bedürfnis Geistlichen im Nebenamt oder Beamten im Hauptamt übertrage. §■. Iwiirf eines lielsischcn Gesetzes, die Ansialtsvormundschaft betreffend. — Rrrrr — ein andere? Bild! So könnte man fast sagen, wollte man das rasche Aufeinanderfolgen der Regierungsvorlagen in bildlicher Form darstellen, denn es dürfte kaum eine Zeit gegeben haben, in welcher die hessische Regierung so produktiv gewesen ist, wie in diesem Winter. Qn dem vorliegenden Entwurf ist Gebrauch gemacht von der in Art. 136 des Einf.-Ges. zum B.-G.-B. enthaltenen Ermächtigung, was bis jetzt deshalb noch nicht geschehen war, weil das in Oberhessen und Starkenburg geltende Vormunds schaftsrecht ziemlich mit den Grundsätzen des B. G.-B. über^ Inftimmte und weil kein besonderer Grund zur Abände- rung deS rheinischen Rechtes vorhanden war. Den Anstoß zu dem vorliegenden Entwürfe gaben die größeren Städte, deren Verwaltungen beantragten, die AnstaltS-, sowie die General-Vormundschaft einzuführen oder die Einführung durch Ortsstatut zuzulassen. Mit dem Entwurf ist diesem Wunsche Rechnung getragen. Art. 1 bestimmt, daß daS Vormundschaftsgericht mit Genehmigung des Ministeriums der Justiz, welche die Genehmigung nur im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern erteilen soll, den Vorstand einer unter staatlicher Verwaltung oder Aufsicht stehenden ErziehungS- oder Verpfleg- ungßanstalt oder einem von dem Vorstande bezeichneten Angestellten oder einen Beamten zum Vormunde ernennen kann, soweit es sich um Minderjährige nach Art. 136, Nr. 1, 3 handelt. Nach Art. 2 kann durch Statut einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalverbandes bestimmt werden, daß der Vorstand einer unter staatlicher Aufsicht stehenden Er- ziehungs- oder Verpflegungsanstalt als ein Beamter alle oder einzelne Rechte für die in Beziehung zu der Anstalt stehenden Mmderjährigen hat und daß diese Vormundschaft auch nach Beendigung der Erziehung oder Verpflegung bis zur Volljährigkeit deS Mündels bestehen bleibt, doch ist die Genehmigung des Ministeriums der Justiz erforderlich. Bei unehelichen Minderjährigen soll diese Vorschrift auch gelten können, wenn dieselben unter Aufsicht des Vorstandes oder des Beamten in der mütterlichen Familie erzogen oder verpflegt werden. Die Befugnis des Vormundschaftsgerichts, einen anderen Vormund zu ernennen, hleibt unberührt. Nach Art. 3 bedarf es einer Anerkennung oder Bestätigung deS statutarisch bestellten Anstalts- oder General. Vormundes durch das Vormundschastsgericht nicht; auch wird feine gerichtliche Bestellung erteilt, nur muß der Eintritt der Vormundschaft wegen der Aufsichtführung zur Kenntnis des Vormundschaftsgerichts gebracht werden. Die Stellung des gesetzlichen Vormundes an sich ist überhaupt nicht anders als bei dem ernannten Vormund. Eine Vormundschaft oder Pflegeschaft, die auf Grund /iatutarischer Vorschriften von dem Vorstände einer Anstalt oder von einem Beamten geführt wird, endigt, gemäß Art. 4, sobald das Vormundschaftsrecht einen anderen Vormund oder Pfleger bestellt. Das kann auf Verlangen des gesetzlichen Vormundes geschehen. Ob ein Grund zu einem solchen Verlangen vorliegt, darüber wird die dem Beamten vorgesetzte Dienstbehörde zu entscheiden haben, so daß das Vormundschaftsgericht den Grund des Antrages auf Bestellung eines anderen Vormundes nicht zu prüfen haben wird. Nach Art. 5 soll die gesetzliche Vormundschaft eine sog. , befreite Vormundschaft" sein, so daß also z. B. ein Gegen- vormund nicht zu bestellen ist. Da eS sich meistens um Ver- waltung geringer Vermögensobjekte handeln werd, so ist eine solche Bestimmung nur natürlich. Immerhin läßt der Art. 5 für das Vormundschaftsgericht das Recht bestehen, diesen Art. 5 geeigneten Falles außer Kraft zu setzen. Die interessierten Kreise dürften mit dem Regierung?- entwurf wohl in allen Punkten einverstanden sein. Aus Staöt unö Lanö. Gießen, 28. Februar 1905, ** Aus dem Mil ist är-Wochenblatt: Veränderungen beim Sanitätskorps: Berlin, Studierender der Kaiser WilhelmS-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen, zum Unterarzt deS Friedensstandes ernannt und beim Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 an- gestellt. •* Schillerfeier. Da sich herauSgestellt hat, daß die Aufführung der „Braut von Messina" zu große Schwierigkeiten verursachen würde, so ist beschlossen worden, eine Auf- ftihrung von Wallensteins Lager und der Rütliszene zu veranstalten. e* Die hiesige Ortsgruppe des Durerbundes seramialtet morgen, Mittwoch abend, in Friedberg einen Uhtand-Abend, der Dichtungen Uhlands in Rezitationen und Gesängen darbieten wird. Die ordentliche Mitglieder-Versammlung d e s L e s e h a l l e-V e r e i n s hat dieser Tage im Cafe Ebel statt- gefiinden. Der Vorsitzende legte Rechenschaft ab über das Wirken der Anstalt und über den Vermögensstand im abgelaufenen Ge- fchäfts;ahre. Der Bibliothekarin und ihren Helfern, dem Rechnungsführer und den Rechnungsprüfern wurde der Dank des Vereins ausgesprochen, auch des Stifters und Pflegers der Bilder und Schriften im Lesesaal mit warmer Anerkennung gedacht. Durch Zuruf erfolgte die Wiederwahl des Vorstandes. Wie schon so oft, bildete die Raumnot den Gegenstand ernster Erörterung. Die Lesehalle kann auf das eine TorhäuSchen am Selterstor nicht mehr lange beschränkt bleiben, wenn anders ihre segensreiche Entwicklung anhalten soll. Ein ausführlicher Jahresbericht wird baldigst erscheinen. )( Verdingungswesen in allen Zweigen der Staatsverwaltung. Tie Handwerksmeister tr’rb es in- tereuier-n, einige sehr wichtige Vorsckwiften und Bestimmung^ ans dem ministeriellen Erlasse vom 16. Juni 1893, Betr. das Verdingungswesen, wörtlich zu erfahren. Unter M^t ( — Zuschlagerteilung — heißt es: Tie niedriaste Geimornernng a-lS solche ist bei der ZvschlagSerteilung küncswcgs vorzugsweise zu berücksichtigen. D>er Zuschlag darf nur auf ein m reder Beziehung annehmbares, die tüchtige und rechtzeitlge Ausführung der betr. Arbeit oder Lieferung gcwähr- teurendes Gebot „ erteilt werden. Ausgeschlossen von der Berücksichtigung sind solche Angebote: a) welche den der Ausschreibung zu Grunde gelegten Bedingungen oder Proben nicht entsprechen;^, b) welche nach den von den Bewerbern eingereichten Proben sur den vorliegenden Falll nicht geeignet sind; c) welche eine in^ offen barem Mißverhältnis zu der betreffenden Leistung oder Lieferung stchmde PreiSsordernng enthalten, so daß nach dem geforderten Preise an und für sich eine tüchtige Ausführung nicht erwartet werden kann. Nur ausnahmsweise darf in dem letzteren Falle (zu c) der Zuschlag erteilt werden, sofern der Bewerber alS Zuverlässig und leistungsfähig bekannt iß und ausreibde Gründe für die Abgabe des ausnahmsweise niedrigen Gebotes beigebracht werden. Im übrigen ist bei ö f f e n t - lichen Ausschreibungen der Zuschlag demjenigen der drei Mindest fordern den zu erteilen, dessen Angebot unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände als das annehmbarste zu «rächten ist. Beim Vorhandensein erheblicher Gründe kann j-doch ausnahmsweise einem Bewerber, welcher nicht zu den drei Mindestford'rnden gehört, der Zuschlag erteilt werden. — Bei engeren Ausschreibungen hat unter sonst gleickavertigen Angeboten die Vergebung an den Mindejlfordernden zu erfolgen. Sind ausnahmsweise den Bewerbern die näheren Vorschläge in betreff der im einzelnen zu wählenden Konstruktionen und Einrichtungen überlassen worden, so ist der Zuschlag auf dasjenige Gebot zu erteilen, welches für bett gegebenen Fall als das geeignetste und zugleich in Abwägung,aller in Betracht kommenden Umstände als bas preiswürdigste erscheint. Ist keines der hiernach in Betracht kommenden Gebote für annehmbar zu erachten. so sind sämtliche Gebote abznlehnen. Bei der Vergebung von Bau ar beiten sind im Falle gteickMertiger Angebote in der Regel die am Orte der Ausführung oder in der Nähe desselben w o h n e n d e n Gewerbetreibenden vorzugsweise zu berücksichtigen.. Bei Lieferungen berbiciteit unter der gleichen Voraussetzung die Er stell er den Vorzug vor den Händlern — Wenn die Handwerksmeister vorstehende Be- stimmunaen Boidjteit wollten, so würde ihnen mancher Nachteil erspart bleiben. ** Gau turn tag des Gan es Hessen. In nnserem gestrigen Bericht mnß der 4. Satz sanken: „Daß der Gau im verflossenen Jahr 9 bereits vorhandene Turnvereine auf- nehnten konnte und einen Mitglicderzuwachs von 306 zu verzeichnen hatte, erklärt, daß die Ganleitung in bewährten Händen liegt." [J Marburg, 27. Febr. Zur Erinnerung an den Ob e r fte n Ent m e r i ch , der am 18. Juli 1809 als Opfer der Fremdherrschaft nach dem mißglückten Aufstande auf dem Trost bei Kassel unter französischen Kugeln sein Leben aushauchte, wurde heute an dessen ehemaliger Wohnung Barfüßerstzraße 12 hier eine M a r nt o r t a'f e l angebracht. — Heute nachmittag durchzogen die studentischen Korps ^Nassovta", „Teutonia" und „Westfalia" mit Musik die Stadt. In einer von Vorreitern eröffneten Chaise saß ein Student in voller Ritteransrüstuna, über dem Panzer trug er jedoch die studentischen Bänder .Hinter der Chaise führte ein Student ein Lannn. Kassel, 25. Febr. In der heutigen Plenarsitzung des Komnrunallandtages fourbc dem Anträge des Landesaus- schusses entsprechend beschlossen, zum dauernden Gedächtnis a n d i c silberne Hochzeick der Kaiserlichen! M a j e st ä t c n der lAnftalt Hephaka in T r e v s a eine Kirche zu stiften, für diesen Zweck die Summe von 75 000 Mk. aus bereiten Mitteln des Bezirksverbandes zur Verfügung zu stellen, sowie Ihre Kaiserlichen Majestäten zu bitten, die Stiftung als Huldigung anläßlich ihres Hochzeitstages gnädigst anzunchmen. ** Kleine Mitteilungen aus H e s fe n u n b den Nachbar st aaaten. In Bad-Nauheim beabsichtigt der prakt. Arzt Dr. Hofmann zu Berlin in der Bismarckstraße ein Sanatorium für Herz- und Nervenkranke zu errichten. — Kreisarzt Medizinalrat Dr. Matthias in Friedberg ist mit Rücksicht auf seine geschwächte Gestmbbeit um seine Versetzung in den Ruhestand mit Wirkung vom 1. April l. I. eingekommen. * Berlin, 27. Febr. Heute wurde ein r a d s a h r e n - der Kassenbote der Deutschen Bank, der eine protze G c l d s u m m e bei sich führte, überfallen. Der Täter, ein angeblicher B an mei ft e r John aus Fürstenwalde, warf dem Boten Zement in das Gesicht und raubte ihm die Geldtasche. Er wurde bei dem Versuche, mit seiner Beute zu entkommen, verhaftet. * GrafFinken st ein-Herzogs mal de hat sich wegen eines gegen ihn ergangenen Ehrengerichtsurteils erschossen. Graf Finkenstein hat vor einigen Monaten in einem Nachruf bei dem Tode seiner Gattin Vortvürfe gegen den konservativen Wbg. v. Oldenburg-Januschau und den früheren konservattven Mg. v. Puttkamer-Plauth gerichtet. In einem deshalb gegen ihn eingeleiteten ehrengerichtlichen Verfahren ist vor ttirzem auf Entfernung! aus dem Heere erkannt worden. * Prinzessin Luise von Kobuirg. der Untersuchung, welche die Irrenärzte Garnier und Magnin in Paris über den Geisteszustand der Prinzessnr führen, teilt der „Temps" reiche Beobachtungen und Feststellungerr mit, woraus hervorgeht, daß der M'schluß des Gutachtens bcvorsteht, daK durchaus zu gunften der Prinzessin spricht. Tie Aerzte haben den Eindruck, daß die Prinzessin zwar nervös ist, btifj diese Nervosität durch ihre Erziehung, ihre Herkunft, ihr Eheleben und ihr Standesgefühl jedoch genügend erklärt ivird und daß ihre Jntelligenzdurch- a u s normal ist. * Zur Affäre der Prinzessin Alexandra zu Asenburg-Bü dingen wird gemeldet, daß das Bundesgericht den Rekurs der Prinzessin in Sachen ihres Konkurses ab gewiesen hat, ferner, daß sie auf ihre Beschwerde beim Bundesgericht wieder aus der Haft entlassen wurde, die ihr auf Anordrrung der Staatsanwaltschaft zu Arbon wegen Verdachts der Pfandverschlepptmg auferlegt war. Wie die Blätter erzählen, veröffentlichte die Prinzessin in einer Münchener Zeittmg ein ,.Schmäh- gedich,t" gegen den Thurgau und allerlei Ausfälle gegen die Scbweiz. Sie erklärt, man habe sie schlecht behandelt, weil sie kein Geld mehr hatte; nun werde sie, wenn sie wieder zu Geld komme, nicht mehr in die Schweiz zurückkehren. Sie pfeife auf die Schweizer Freiheit. * Der Raubmörder Allramseder in München, dessen Hinrichtung vor acht Tagen, kurz vor der Hinrichtungsstunde ausgesetzt worden war, weil er einen anderen Mann als Täter bezeichnet und Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt hatte, ivurde am Montag hinge richt et, nachdem sich seine Angaben als erfunden erwiesen hatten. Eine Gnadenfrist wurde ihm nicht mehr gewährt^ Allramseder legte dem Staatsanwalt sofort ein vollständiges Geständnis ab. Vor Mitternacht legte er sich zu Bett, schlief ruhig und wurde um i/24 Uhr morgens geweckt. Dte gleichmütige Stimmung der letzten Tage hat er bei seinem letzten Gcnge nicht mehr gezeigt, aber er war nicht gebrochen und fdjritt sicher zum Schafsott. Zu einem Gefängniswärter soll er gesagt haben, er habe nicht geglaubt, daß man die Gerichtsherren so anlügen könne, wie er es getan habe. * e in e Tages chronik. Ju Macon (Frankreickfl wurde der Versicherringsbeamte Ccribcrt durch Umscl-lagen seines Automobils getötet, zwei seiner Begleiter schwer verletzt. Der Unfall war durch Radbrucki entstanden. — In Karlsruhe wurde die Leiche^ der 16jährigen Karoline Reinboldt mlfgefunden. Es scheint ein Lustmord vorzuliegen, da der Lbertorper mehrere Stichwunden aufwies. Einige Verhaftungen — In Berlin wurde der Untergrundbahn -Schafjner Schönborn, der einen Raubmord-V er- l u A lruf eine Kass i er er in des Untergrundbcihnlwfes „Zoolo- gucher Garten" machte, festgenommen. — Aus Iselle wird gemeldet, daß der Turckbruch des S i m p l o n t u n n e l s ein jto eite 3 Opfer erforderte. Außer Gressi ist auch der Jn- genieur Bianco an KohseuaaSvN'aisttMg gestorben. ArBeitfrbfW/’ßunfl. Der A u S s ch u ß des belg'schen LandeSgewerbearbei- t e r o e r >'a n d e s, d^r in Charleroi tagte, nofnit eine Tagesordnung uh, in der mit Bedauern die W i e d e. r o u f n a h m e c r? rV!r P ’1 J” dnn Becken bon Lüttich und im Mittelbeckm festgeuellt wurde und den Bezirksvereiniguirgen der Becken von Eharleror und des Boriuage überlassen lvird, die Forderungen der Bcrgarb<üter weiter zu verfolgen. In diesen beiden Kohlenbecken hat sich die Lage noch verschärft; in zahlreichen einzelnen Versammlung«m imtrbe die Fortsetzung des Ausstandes beschlossen. Im Borinage sowie im Becken von Charleroi bmiern die Anschläge gegen Arbeitswillige fort. In Chcftelineau im Becken von Charleroi wurde am Samstag bei einem Zusammenstöße mit Gendarmen ein Aus ständiger getötet Die Zabl der Streikenden im Borinage und im Becken von Charleroi wird auf zusammen 61 OOO Mann angegeben und man ist noch auf eine längere Dauer des Ausstandes in diesen Bezirken vorbereitet. Htniversttäts-Machrichten. — Amtlich wird die Ernennung des bisherigen Prosestor^ an der Llkademie für praktische Medizin und Oberarzt am Augusta- Hospital. Köln, Dr. Oskar Minkowski, zum ordentlichen Professor und Direktor der mediziinschen Klinik an der Universität Greifswald bestätigt. Er tritt dort au Stelle von Prozessor Friedr. Moritz, der bekanntlich Riegels Lehrstuhl in Gießen übernommen bat. p-crichtsinal. Das Marthrium eines Kindes bildete den Gegen» stand einer Verhandlung vor der 3. Straflammer des Land- g-r-chts I zu Berlin. Wegen Körperverletzung war die verehelichte Berta Kalisch augeklagt. Sie brachte einen setzt fünfjährigen Knaben mit in die Ebe. Das Kind war der Mutter ein Dorn im Auge. Tie Lieblosigkeit und der Haß steigerte sich noch me^r, als jie Mutter eines ehelichen Kindes wurde. Die Angel, agte lief mit einem Stocke hinter dem Knaben her und trieb ihn von einer Stube zur anderen, dabei immer auf das Kürd ein schlag end. Ob die Schläge Kopf, 05esick>t oder Schultern trafen, war anscheinend egal. Es wurde einmal bemerkt, wie die Angeklagte diese grausame Hetzjagd etwa eine halbe Stunde lang betrieb, bis der Knabe bewichstlos zusammenbrach. Infolge einer erbärmlichen Ernährung blieb der anfangs kräftige und gesunde Knabe körperlich zurück. D^er Körper des Kindes zeigte Beulen, biaue Und braune Flecke, Körperstellen waren aufgeschlagen und infolge Mangels reinlicher Behmdlung in Eiterung übergegangen. Das rohe Weib brachte es fertig, mit kaum glaublicher Brutalität auf diese Wunden noch weiter elnzuschlagen. Schließlich konnte das Kind keinen Arm mehr hochheben. Trotzdem wurde es unter Stockschlägen gezwungen, einen Korb mit Kartoffeln, an welchem ein kräftiger Knabe schwer schleppen muß, nach dem Boden zu tragen. Ms die Angellagte hierbei in rohester Weise öffentlich das arme Kind mißhandelte, hielten sich die Hauß- bewobuer endlich für verpflichtet, dem Marthrium ein Ende zu bereiten. Das Kind wurde der Polizei übergeben und gegen die Mutter Strafanzeige erstattet. Der Gerichtshof erkannte auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung der Angeklagten. C i l l i, 27. Febr. Der K a p l g n S ch l a m b e r wurde wegen Notzucht und Schandung au Schulkindern, welchen er Religious- Nuterricht erteilte, zu anderthalb Jahren schweren KerkerS verurteilt. giuwcl und yerkeljr. Volkswirtschaft. N ü ckgang der Russen werte. (Heftern eiugelamene Depeschen lasten darauf schließeu, daß die russische Armee in der Mandschurei wieder einmal eine große Niederlage erlitten hat. Diesmal konnten aber die Jnterventionskäufe nicht ausreichen, um den Stur-z aufzuhalten und die Kurse derReuteir gingen um 1—1%% gegen letzten Freitag zurück. Einige Abschwäglmg war ja schon am Samstag eingetreten. Immerhin legte sich die Börse die stticderlage der Russen so zurecht, daß die letztere auf die Gesamt- stnnmuug günstig eiuwirkte und die Kurse aller auderen Werte zum Teil bedeuteude Kurssteigerungen erfuhren. Man sagt sich nämlich: je öfter 9llißland weiter gedemüdigt wird, jemehr wird es dem Friedeiisschluß zugänglich sein. Der soeben erschienene Bericht der Man nheimer H a n d e l s k a m in e r sür das Jahr 1904 sagt, daß das Getreide- g efchäft im abgelaufenen Jahre im großen und ganzen zufriedenstellend verlaufen ist. Die Preise für Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Aiais fiitb am Ende des Jahres 1904 wesentlich höher als zu Begiml desselbeu. Der Laudel mit iuläudischein R o h t a b a k blickt auch in diesem Jahre wieder auf wenig erfreuliche Resultate zurück. Jnsbesoudere hat der Export der Pfälzer Tabake ganz aufgehört, da Englaud durch ben im Laufe bes Jahres erhöhten Ein- gangszoll für entrippten Tabak zum Bezüge femrippiger Tabake gebrmigt hat, wobnrch bet bentsche Tabak burch überseeische Ke- lvächse stark kcnckurrenziert wirb. Dre Z i g a r re n i n b u st r: e berichtet über eine allmähliche Besserung ber Absatzverhältnisse. Reichsbank. Die der Reick>Zbankhauptstelle in Königsberg i. Rr. nachgeordnete Reichsbankilebcnstelle in Braunsberg (Ostpr.) wird vom 10. März ab zur Vermittelung von, Wechsel- und Lombarbgeschäften mit Kasseeinrichtung unb beschränktem Giroverkehr versehen werden. Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 27. Febniar 1905. Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gieße n Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 72-74 Mk. ’/, Kg. Schlachtgew. 80—82 Pf. *4 p____„ 64 —65 n 7, Kg. 70-80 Psg. 7, v 70—74 „ „ 60 72 w Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 18,75 TU. Roggen 100 „ 14,60 „ Weißbrot 2 Kg. 52 Pig. Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg. Märkte. Gießen, 28. Febr. Marktbericht. 9luf heutigem Wochemnart kosteteu: Butter vr. Vfb. 0.95-1.00 Mk.. Hülmereier 1 St. 8-9 Bfg. 2 Stck. 15—00 Big., Gäuseeier 00—00 Big., Euteneier 7—0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbfeu vr. Liter 21 Pfg., Lmfeu vr. Liter32 Psg.,Tazcheuvr.Paar0,80- 0,90TU., Hühner pr.St. 1,00—1,60 TU., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 TU., Enten pr. Stück 1,80—2,20 TU., Gänse vr. Pfd. 55—65 Pfg., Ochsenfleisch iw. Pfund 70—80 Pfg., Kuh- itiib Riudfleisch pr. Pfuub 62—68 Pfg., Schweiue- ^iid) vr. Pstmd 60—72 Psg., Schweiuefleifch, gesalzen, pr. Pfund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pstmd 50—74 Pfg. Kartosteln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 TU., Zwiebeln pr. Ztr 8,00—10,00 TU., Milch per Liter 18 Pfg., Aevkel per Zentner 0 dis 0 TU., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Zwetfchen ver Zentner 0.00-0.00 Mk. Birnen ver Zentner 6 bis 0.00 TU. Weißkraut 0.10—0.15. Marktzeit 8—2 Uhr. Kriefkalltn der Dlkkalttilnr. (Anonyme Anfragen bleiben nnberücksichtigtZ . H R. 116. 1. Ein hi der Geschäftsfähigkeit beschränktes d. h. minderjähriges also noch nicht 21-jähriges Mädchen bedarf zur Eingehung einer Ehe der Einwilligung des gesetzlichen Vertreters, also hier des Vormundes. Wenn dieser die Einwilligung verweigert, so kann die Einwilligung auf Antrgg des Mündels durch das Vormuudscbaftsgericht ersetzt werden, wenn die Eingehung der Ehe im Interesse des Tll'mdels erfolgt. 2. Die Vormundichgft über ein Mädchen endigt in der Regel mit der Volljährigkeit, oder Bolljährigkeitserklärung, nicht aber mit der Verheiratnng. Heirat macht nicht mündig. Für die NgmenSerteilung an das uneheliche Kind, sofern sie durch den wirklichen Vater erfolgen soll, ist es erforderlich, daß der Vater des unehelichen Kindes, dessen Mutter heiratet und bei der Eheschließung vor dem Standesbeamten die Paterscbast zu dem unehelichen Kinde anerkennt, damit ein enksvrechender Vermerk in das Standesamtsregister gemacht wird. Das Kmd erhält Danksagung Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Ableben unserer lieben Mutter, Cross mutter und Schwiegermutter, der MW Y A M 1 Wf E M MW IWWWWWWW 70-80 A uirtfW ni einflt/w e Arm» in Ln sie erldffli hat. tiusrfiffflj um |tn uml-lM ; imt ja schon dic Äock die ani bie TckmI- (inneren Werte fflnii Mat sich jemet) r wird 70-74 i 60 72 . »in T'-k" nnfieimtt lhtzet'ce'rde« \^n MÄM' a,V»ecke,hvin h WY Ju )^taba!Nuft M. eß erliötMÄ!- lNvpisier überieeW^ enind uiint lbsatzverhäl'l"'- *(Ie in NB 'm $raun»1 mnittelung m chtuns Ml» zrucht -otpreife (I1L d. t KWj&* die" 'ü ^der jn cin ^iAneQu ctöTe1^. sss S und trieb Ä b°d $;nb 5''S™, treten, L £« die $n; E » lang v'n;o(ge einer L'unde Beulen, Waagen und üblicher Bnita- ?• .Schlietzlich Jobbern nnirde m;t. Kartoffeln, W noch dem .rnhcsier Weise uch die hauL- n ein Ende zu . und gegen die ’ erkannte auf '-ge BerHaftung r wurde wegen n er Religion;, n fchweren qnncbeii"'^ ; iS 6ntt"^hiiib sys S'h4n mit« ßentn{C 4'5% Oesferr. Silberretite 101.10 Tendenz: fest. 136.80 52.00 3°/o Mexikaner 4V2n/n Chinesen . Electric. Sebuckert Nördd Lloyd . . Kreditflktien Diskonto-Kommandi Darmstädter Rank Dresdener Bank . Berliner Handels?©« Oesterr. Staatabahn Lombarden . . Gotthard bahn . , Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpen er . . Sta atssch atzsch ein e Reichsanleibe do. Konsuls . do . . Ressen Obärhoasen wurde das Mitglied des natiefs ernannt. Warschau, 28. Febr. und Schriftsteller Andreas Warschau ausgewiesen. ihm Lull)in angewiesen. . 102 50 . 91.90 . 102.30 . 91.80 . 100.60 . 99.70 . 102 40 . 10015 . 105.60 . 68.30 . 68.60 Paris, 28. Febr. Wie aus Petersburg gemeldet wird/ werde Gr o ß für! st Konstantin wahrscheinlich anstelle' Glasows zum Unterrichtsminister ernannt werden/ Glasow wird für die an den Universitäten ansgebrochenent Unruhen verantwortlich!igemacht. IN nnrtlichen Kreisen wer-; den umfassende Borsich^smaßregeln fi'r den 4. März, dem Jahrestage der Mschaffung der Leibeigenschaft, getroffen. — Aus Petersburg wird telegraphiert, daß Maxim Gorki aus dem Gefängnis entlassen worden ist. (?) Er werde sich ins 'Ausland begeben. Warschau, 28. Febr. In den letzten Tagen sind wieder zwe >7) ffizierc, welche aus Anlaß der Unruhen! grausam gegen die Volksmenge vor gegangen waren, imf sächsischen Garten erhängt aufgefunden. Tokio, 28. Febr. Nach Privatmeldungen vom Kriegsschauplätze soll Kuroki die Russen in dreitägiger Schlacht völlig geschlagen und zum Abzug von Mukden n a^ Tieling gezwungen haben. Teiepho^ischer8 Kursbericht. F nnkfnrt a. N., 28. Februar. ■W/o 3Vi •V,0/o 3% ’D/gO/n Der jüngst verhaftete Dichter NiemojewSki wurde ans LUs ständiger Wohnsitz wurde . 35 80 . 95.80 . 144 30 . 116.20 . 214 30 . 194 20 . 143.90 . 159.80 . 164 70 . 141 20 . 18.10 . 191.00 . 258.70 . 246.90 . 210.00 496 Unsrer. Goldrente . 4°/ Italien Rente . . 4,,„% Portugieser . . 3'/ Portugiesen. . . . 1 % C. Türken . . . Tdrkenlose .... 4°/q Grieoh. Monopol.-Anl. 41/,% äussere Argentiner Familien Nachrichten. (Geboren : Dem Dr. Weber und Frau in Alsfeld ein Sohn. Verlobte: Frieda Katz, Schotten, Mar Siern, Büdingen. — Marie Wolf, Elbenrod, Karl Weinmüller, Bingen a. R. Kestorben: Frau Kreisaeometer Jochim, oeb. Lind, Scholten. bahucmschluß nach Groß-Felda den Vorzug geben, falls sich die nötigen Interessenten der Bahn zusammenfinden. Schluß der Sitzung: lVt Uhr; Fortsetzung der Beratung morgen 9 Uhr. Berlin, 28. Febr. Wegen Duellvergehen hatten sich vor dem Oberkriegsgericht des 3. Armeekorps der Leutnant d. R. und Landwirt von Klitzing' und der Stabsarzt Dr. Mittendorf zu verantworten. Während der ganzen Dauer der Verhandlungen wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Das Urteil lautete gegen von Klitzing auf 6 Monate, gegen Dr. Mittendorf auf 8 Monate Festungs- haft. Hamburg, 28. Febr. Bei Ankunft des Dampfers „Herzog von Ostafrika" wurde ein afrikanischer Farmer als Gefangener zurückbehalten. Er ist in Dar es Salam zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt und soll nach einem deutschen Zuchthause transportiert werden, wahrscheinlich nach Lüneburg. Der Mann soll in Ostafrika einen Schwarzen an einen Bau m gebunden haben und verhungern lassen. « Er behauptet englischer Untertan zu sein und Eckart zu heißen. Wien, 28. Febr. Aus Preß bürg wird gemeldet: König Alfons von Spanien trifft hier Mitte Juni ein und wird sich mit der dritten Tochter des Erzherzogs Friedrich, der jetzt 17*^jährigen Erzh erzo gin Gabriele verloben. 4% Oesterr. Go’drento Netteste Meldungen. R. B. Darmstadt, 28. Febr. (Eigener Trahtbericht.) Ju der zweiten Kammer erklärte heute bei Beginn der Beratungen über den Eisen bahne tat Finanznrinifter Gnauth, die Negierung erkenne die Weiterzahlung der hohen Pensionsbeiträge seitens der Angestellten der früheren Ludwigsbahn als eine ungewöhnliche Härte an und werde deren Gesuch um Herabsetzung der Beiträge unterstützen. Er hoffe auch auf Erfolg. Daraus brachten zahlreiche Abgeordnete ihre besonderen Eifenbahnwünsche vor. Auf die Klage des Abg. Damm darüber, daß der Abendschnellzug ab Frankfurt 11.15 Uhr in Friedberg nicht mehr halte, erwiderte der Minister, er werde dafür sorgen, daß Abhilfe eintrete. Sehr ausführlich wurde in der Debatte die Anlage von Nebenbahnen im Vogelsberg behandelt. Der Minister erklärte, daß jetzt zu den früheren Projekten auch noch das Projekt Alsfeld-Ulrichstein-Schotten hinzugetrcten sei. Die Regierung werde wohl zwischen den beiden älteren Projekten SU wählen haben und der Sinte Mücke-Ulrichstein mit einem Stich- Die Borgänge in Rußland. Petersburg, 28. Febr. Zrm Vorsitzenden der besonderen Konferenz zur Revision des für den Schutz, der staatlichen Ordnung erlassenen Ausnahmegesetzes Reich st ats Graf Al-eM I g- mit der Eheschließung von selbst dann die Stelbmg eine? ehelichen $inb3». Der vor Jahren in unseren „Familienblättern" erschienene Roman Die Biper" ist in den zahlreichen Fortsetzungen nicht mehr vorrätig. Vielleicht erhalten Sic ihn noch von der Verlags- biubbanblnna Lutz in Stuttgart. ____ " Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Bo anssichtlicke Witterung in Hessen für Mittwoch, den 1. Mörz 1905: ' Meist trüb, zeitweise windig, etwas kälter, mehrfach Niederschläge (meist Schnee). Näheres durch die Siebener Wetterkarte. Giessen, 27. Februar 1905. €1161 Heute verschied in Brooklyn (Nord-Amerika) unsere liebe Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter Frau Margarethe Wnest geb. von Wallau. Im Namen der Hinterbliebenen: Julias Muth und Frau Mathilde, geb. Wuest. emvkiehlt 1096 empfiehlt Georg Wallenfels gegenüber der Engel-Avotbeke. Georg Wallenfels Marktplatz 21 gegenüber der EngeI-Avotheke. Neue "WC Ma-Modeln u. 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