General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Krtis Gießen SSW Berliner 228 Mill.> wer mag! * Coup5 TMbi°ich % 2 I S. g”/t ahmungen aufreden. Redaktion. Expedttton u.Druckerei; Schulstr.R. Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. i Anzeiger Gietzea» Sebnitz in Sachsen sich bei der Durch- M V nicht gerechnet eine inzwischen neu leiheschuld von 216 Millionen und die Anleihe. * Eine Katzen st euer hat sich in JUFä j”9'8 u * Welche Städte in Deutschland haben die meisten Schulden? Diese Frage beantwortet das Sta- zustellen sein. • Brandursachen. Die wenigsten Brände entstehen durch Blitz, nämlich nur 0,24 Proz. Dann kommt (nach einer Statistik des Görlitzer Stadtrats TschierSky) Brandstiftung mit 1,15 Proz., Explosion (Gas, Kessel u. s. w.) mit 4,56 Proz., Kinderspielerei mit Streichhölzern 5,70 Proz. Fehlerhafte Bauanlagen (Schornsteine u. s. w.) verursachen 21 Prozent aller Brände, eine Tatsache, welche der Baupolizei zu denken geben sollte! Eine noch größere Zahl, 33,76 Proz., entfällt nur auf Fahrlässigkeit. * Kleine Tagesckronik. Auf dem Gute Zenkubuen bei Memel (Ostpr.) kamen bei dem Brande des Gärtuerhauses zwei Kinder im Alter von etwa drei Jahren um. Der Schlesische Bauern verein hat eine Rundfrage über vorhandenes schlachtfähiges Vieh, Preise u. s. w. veranstaltet. Auf Grund der Ergebnisse dieser Umfrage, die u. a. zu der Feststellung führte, daß heute durchschnittlich in jeder der berichtenden Ortschaften mehr als 23 reife Schlachtschweine und 14 Stück schlachtreifes Großvieh zum Verkauf stehen, veröffentlicht er jetzt eine Darlegung, worin es heißt: Es besteht die Tatsache, daß in B e z i r k e n mit r e i ch st e n Viehbeständen die höchsten Fleischpreise herrschen. Interessant ist ferner die Tatsache, daß in den Bezirken, tn denen die höchsten Preise für Schlachtschweine gezahlt werden, nicht immer die höchsten Preise für Schlachtschweine zu verzeichnen sind, so daß hier die S p a n n u n g zwischen dem Höchstpreise für lebende Schweine und dem Höchstpreise für Schweinefleisch am größten ist. Es betrug diese Spannung in den Bezirkeii, in benen der Höchstpreis des Schweinefleisches 100 Pfg. betrug, im Durchschnitt 38 da, wo der Höchstpreis 90 Psq. betrug, durchschnittlich 30 und endlich da, wo der Höchstpreis des Fleisches 80 Pfg. betrug, 24. Ans diesen Wahlen geht hervor, daß in einigen Bezirken das Fleisch a u' dem Wege vom Produzenten zum Konsumenten durch hohe Aufschläge ungebührlich verteuert wird. Das sind auffallender,veise die Bezirke, in denen das meiste Schlachtvieh zur Verfügung steht. In 21 berichtenden Orten war der Viehstand größer als im Vorjahre, ,n 99 Orten gleich groß, in 88 Orten geringer. , . , „ , , xr. Diese Mitteilungen zeigen, wie viel Nutzen zweckmäßig angeordnete amtliche Erhebungen für das ganze Reichsgebiet hätten bringen können, wenn sie rechtzeitig vorge- nommen worden wären. in der Entwicklung oder «cäJCau bS J0■ Ebeim Lernen zurückbleibende Kinder, sowie blutarme, sich mattfühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare Erwachsene jeden Alters gebrauchen als Kräftigungs - Mittel mit grossem Erfolg D|L HOMMEE’s Haematogen. Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werdest rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem gestärkt. Man verlange jedoch ausdrücklich das echte „Dr. Homme l’s ‘ Haematogen und lasse sich keine der vielen Nach tisiische Jahrbuch deutscher Städte folgendermaßen: Allen voran steht die Reichshauptstadt mit rund 313 Millionen Anleihe und sonstigen Schulden, einschließlich eines „vorübergehend ausgenommenen" Darlehns von 9,7 und der Amts- usw. Kautionen von 11,2 Millionen Mark. Die nächstgrößte Schuldenlast hat die Stadt München (147^ Millionen), dann folgen Frankfurt a. M. mit 107, Leipzig mit 82,6, Köln mit 73,4, Hannover mit 68,8, Dresden mit 63y2 und Breslau mit 57 Millionen Mark. Unter den folgenden sieben Städten, die zwischen 40 und 50 Millionen Schulden haben, befindet sich auch Charlottenburg mit 48^ Millionen; mehr haben Elberfeld, Magdeburg, Nürnberg und Düffeldorf (von 47 Millionen herab bis auf 44), weniger Mannheim und Stettin (42 Mill.). Auch in bezug auf die Höhe der Gesamtausgabe für Tilgung und Verzinsung der Schuldenlast steht Berlin (mit 16*/* Millionen Mark) an der Spitze, den nächst höheren Betrag hat zu diesem Zweck aber Köln (mit 10,8 Millionen) aufzuwenden und ihm folgen dann erst München (nut 8,4) und Frankfurt a. M. (mit 7,4 ist und angeblich sehr gut bewährt. Es sollen führung der Steuer gar keine Schwierigkeiten ergeben haben, und auch eine Zunahme der nützlichen Vögel soll bereits fest- Millionen Mark). Die Gesamtsumme der Schulden für 52 Städte (die Hansastädte sind als Bundesstaaten nicht mitgezählt) beläuft sich auf über 1865 Millionen Mark, noch aufgenommene An- lofort gilt Kapitel für Mancher und Michtraucher. Menn von einer Erhöhung der Tabaksteuer die Rede ist, so sagt wohl mancher Raucher: „'Auf 50 Pfennig pro Zigarrenkiste kann es nicht ankommen." Und der Nichtraucher sagt: „Muß überhaupt geraucht werden? Wer rauchen will, mag zachlen." Die Leute, die so sprechen, beweisen damit, daß ihnen die Elemente der Volkswirtschaft böhmische Dörfer sind, und daß sie keine Ahnung haben von der Bedeutung der Tabakindustrie für das Wirtschaftsleben. Nicht umsonst haben die Steuerpläne der Reichsregierung zur stärkeren Heranziehung des Tabaks im gesamten Tabakgewerbe bei den 'Arbeitgebern, bei den 'Arbeitern, bei den Handelsfirmen, große Beunruhigung hervorgerufen. Es wird mit Recht befürchtet, daß infolge einer neuen Erhöhung der 'Abgaben für Tabak der Konsum wesentlich eingeschränkt wird. Darunter würden die Unternehmer des Handels und der Fabrikation wie auch die Arbeiter zu leiden haben. Gerade in der Tabakbranche, im Zigarrenhändel sind die Verhältnisse während der letzten Jahre für die Unternehmer nicht befriedigend gewesen. Zwar hat es nicht an Aufträgen gefehlt, aber infolge der mißlichen Konkurrenzverhältnisse, bei den langen Zahlungsfristen, bei hohen Spesen und Reklamekosten konnten nur schmale Profite gemacht werden. Die Arbeiter haben im letzten Jahre verschiedentlich Verbesserungen der Lohn- und Ärbeitsverhältnisse durchgesetzt. Es liegt aber die Gefahr nahe, daß wieder Verschlechterungen eintreten, wenn als Folge verminderten Konsums die Arbeitslosigkeit in stärkerem Umfange ihren Einzug hält. Der Versuch zur Einführung nm Verschlechterungen seitens der unter schwierigeren Bedingungen produzierenden Arbeitgeber würde voraussichtlich von neuem 'Arbeitskämpfe im Tabakgewerbe zur Folge haben. Tie ZahlderTabakarbeiterin Deutschland kann man jetzt auf rund 200 000 schätzen! Ein großer Teil von ihnen sind bekanntlich Frauen. Bemerkenswert ist aber dabei, daß in den Produktionsstätten der Tabakindustrie während der beiden letzten Jahrzehnte eine große Verschiebung eingetreten ist. Zwar werden auch heute noch in Hamburg und in Bremen und in der Umgebung dieser beiden Hansastädte in größerem Umfange Zigarren produziert. Aber diese Städte haben nach dieser Richtung hin nicht mehr die ftühere Bedeutung. Besonders Bremen ist mehr und mehr nur Versandplatz geworden. Die Produktion ist vielfach nach Gegenden verlegt worden, wo die 'Arbeitskräfte billiger sind. JU vielen Gegenden Süd- und Westdeutschlands, nicht allein nur in der Gießener Gegend, hat sich die Zigarrenindustrie eingebürgert. Gleichzeitig aber hat sich ganz allgemein die Tendenz bemerkbar gemacht, den Fabrikbetrieb, der früher in Hamburg und Bremen auzutreffen war, in Heimindustrie aufzulösen. Ter bremische Fabrikinspektor sagt in einem seiner letzten Berichte über die Heimarbeitsbetriebe in der Tabakbranche: „Eine fünfzehnstündige Arbeitszeit bildet fast die Regel, und dies in Räumen, die manchmal aller Beschreibung spotten, in denen nicht bloß fabriziert wird, sondern auch eine Kinderschar sich fast den ganzen Tag aufzuhalten ge- zivungen ist. . . Besonders muß noch in Betracht gezogen werden, daß die Tabakarbeiter %u einem großen Teil schwächliche Leute sind, bei denen der Nebergang zu einer anderen Beschäftigung so aut wie ausgeschlossen ist. Gerade das Tab akgewerb e sollte man mit Steuerexperimenten verschonen, die notwendigerweise zu einer Niederdrückung der .Lebensbedingungen der Tabakarbeiter führen müssen. Kerichtssaal. B. B. Darmstadt, 27. Sept. Die heutige Schwnr- gerichtsverhandlung brachte einen interessanten Mein- -> i d spr oz eß mit ehedramatischem Hintergrund. Der angeklagte Albert Schmitt aus Offenbach, 37 Jahre alt und bis zu seiner Verhaltung Expedient bei einer großen hiesigen Firma, hatte in einer Ehescheidungsklage des Kaufmanns G. am 13. März d. I. vor dem 1. Zivilsenat des hiesigen Landgerichts den Eid geleistet, daß er mit der Ehefrau des G. nie einen geschlechtlichen Umgang gepflogen habe. Ta aber inzwischen das Gegenteil dieser Aussage bewiesen wurde, erfolgte gegen Schmitt Anklage wegen wiffentlichen Meineids. Der Angeklagte ist selber verheiratet, aber seine Frau im Jrrenhause. Er behauptete heute, den Eio so verstanden zu haben, daß er während des Zusammenlebens der G.ffchen Eheleute mit der Frau keinen Umgang hatte. Er habe auch verschiedenen Personen gegenüber geäußert, nachdem der Mann die Frau auf ca. 14 Tage verlassen hatte, das Ehepaar fei von jetzt ab getrennt und mithin begehe er durch den Verkehr mit Frau G. keinen Ehebruch mehr. Bei der Ehescheidung rourben übrigens beide Ehegatten für schuldig erklärt. Staatsanwalt v. Pfister hob hervor, es müsse doch jeder gebildete Mensch wiffen, daß ein zeitweiliges Getrenntleben zweier Ehegatten noch lange keine Ehescheidung bedeute und sie nicht einfach dadurch vogelftei würden. Der Angeklagte habe auch geschworen, daß er nie Umgang mit der Frau hatte und der Gatte bekundete ausdrücklich, daß er erst durch diesen Umgang während der kurzen Trennung zur Einleitung der Ehescheidung veranlaßt wurde. Der Angeklagte müffe nach § 154 des St.-G.-B. verurteilt werden, es stehe chm aber der Vorteil des § 157 zur Seite, da er sich durch eine wahre Aussage selber strafbar erklärt hätte. Die Geschworenen verneinten nach langer Beratung sowohl die Schuldfrage des wissentlichen. wie des fahrlässigen Meineids, worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgen mußte. Verteidiger war Justizrat Hallwachs. Um ein Fiinfzigpfemngstiick vor dem Schwurgericht. Aus D a r m st a d t, 28. Sept., wird uns berichtet: Wie leicht man mitunter völlig unschuldig unter schweren Verdacht kommen und vor Gericht gestellt werden kann, bewies die heutige S chWürger i ch tsv erb a nd l u ng. Der Bäckermeister Peter Schnei^ der HI. aus Zwingenberg hatte eine Tour, in den Odenwald gemacht und in Knoden beim Eastwirt Reinig eine Erfrischung ein» genommen. Beim Verlassen des Lokals soll er nun ein falsches 50 Pfennigstück in Zahlung gegeben haben,- und zwar ein aus Pappe nachgemachtes, dessen Fälschung man schon Won wettern! erkennen konnte. Er sollte bei Ueberreichung des Falsifikates auch noch erklärt haben, das sei eins von den neuen 50 Pfennigstücken und der kurzsichtige Schwiegervater nahm es auch an. Die Folge war eine Anklage wegen Betrugs vor dem Schöffengericht zu Fürth i. O. Dieses entschied jedoch, daß hier ein! Münzv erbrechen vorliege und erklärte sich für inkompetent. So kam die Sache heut vor das Schwurgericht. Der Angeklagte,- ein gutsituierter Mann, bestritt entschieden, das Falsifikat in Zahlung gegeben zu haben: von ihm sei für seine Zechschuld von 90 Pf. mit einem Markstück bezahlt worden. Der Staatsanwalt Dr. Maurer bemttragte nach der Zeugenvernehmung selber die Freisprechung des Angeklagten,- da hier weder ein Münzverbrechen noch ein Betrug vorliege, man könne die Verabreichung des Falsifikats eher als einen schlechten Scherz bezeichnen. Natürlich sprachen auch die Geschworenen ein Nichtschuldig aus. Und das alles um ein 50 Pfennigstück aus Pappe. ^».geitanbt?—' Näherin lieber den Tabakb.-u und die Tabakernte im Jahre [904 enthält das letzte „Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reicks" die endgiltigen Zahlen, wonach der Ertrag der Ernte etwas größer, dagegen ihr Wert g e r i n g e r war, als int vorausgegangenen Jahre. Der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke betrug 15 883 Hektar gegen 16 552 im Jahre 1903 und 17 325 im Jahre 1902. An dem Ruckgange um 669 Hektar gegenüber dem Jahre 1903 ist allem Baden mit 385 Hektar beteiligt: auch in allen anderen süddeutschen Staaten bat eine Abnahme, in Preußen dagegen eine kleine Zunahme bek, Tabakareals stattgefunden. Die Menge des geernteten Tabaks in dachreifem trockenem ZJ^de betrug 343 797 Doppelzentner gegen 330 718 im Jahre K . 376 975 i. I. 1902 und 400127 i I. 1901. Auf den Heuar entfallt hiernach eine Durchschnittsernte von 21,65 Kilogramm gegen 19,98 im Jahve 1903. Ter Hektarertrag ist also um 8,4 v. H. größer gewesen als im Jahre 1903. Der mittlere Preis von 1 Doppelzentner Tabak ist dagegen von 82,5d auf 77,44 Mark zurückgegangen, so daß der Gesamtwert der ^abak- ernte8 nur 26,62 Millionen Mark betragen hat gegen 27,30 Millionen i. I. 1903 und 31,13 Mill, i. I. 1902. Zur Ileischteuerung ergreift wieder einmal ein Bauer das Wort. Wir geben der Zuschrift, die ja wohl manches Berechtigte enthält, wieder. Sie lautet: Wer Augen zum Sehen hat, der sieht, wo die Flelschnot und e is ch teu erung, unter der auch b t e Bauern leiden, hettommt. Ter erste Grund der Fleischnot liegt vor allem in der Z u n a h m e der Bevölkerung. Vor 60 Jahren hatte Gießen kaum 7000, heute etwa 27000 Einwohner. Die Städte werden immer größere Freßplatze. Aum Zweiten hat der F l e if ch k o n s u rn überhaupt m Stadt und Land außerordentlich stark z u g e n o m tn e n. Früher haben die Leute weniger Fleisch und dafür Mehl- und andere Speisen gelassen, die Bauern saure Milch und Kartoffeln u. a. Heute muffen dre Bauern wie die Stadtleute schon wegen der Dienstboten fast täglich Fleisch kochen. Tie Taglöh.ier und Industriearbeiter haben sich ebenfalls der Fleischkost zugewendet. Aiich die Soldaten in den Kasernen, deren Zahl sich seit 40 Jahren vervierfacht hat, bekommen mehr Die"^ VeÄs'ch en sind die Fleischfresser an er ft er Stelle geworden und haben laut Statistik hierin sogar die Engländer überflügelt. Ob dies flerabefur die. Gesundheit und Kräftigung unseres Volkes gut .ist, möchte ich , bezwei eln. Daß m 6- n a l a n d die N e r v o s i t ä t eine allgemeine Volkskrankheit geworden ist, die Z a b l d er N a r r e n ko l of s a l zu g en o m m e n bat und der Krebs bei mehr als 60 Prozent der Todesfälle als To desurfache erscheint, wird von manchen auf die ausschließl che Fleischnahrung zurückgesührt. Mit der Ausdehnung der Jleisch- aüchrung hängt auch die Mehrung des Durstes und des Alkoholgen nsses zusammen. Krebs unb Tuberkulose sind Geschwisterkinder. Die ungeheure Zunahme der Tuberkulose, des Irrsinns und Idiotentums in Deutschland hat die gleichen Ursachen wie in England. Der Alkoholgegner und Pflanzenkostschwärmer haben mit ihren Bestrebungen viel Recht, wenn sie auch stellenweise übertreiben. Die Bauern sind an dieser ganzen, den fleischlichen Genüssen zugewendeten Entwickelung unschuldig. Sie suchten zwar dem vermehrten Fleischbedarf zu genügen, bauten mehr Futter und züchteten mehr Vieh. Aber sie konnten für das Kulturland, das ihnen durch die Ausdehnung der Städte, Industrien, Bahnanlagen, Exerzierplätze, Fideikommisse, Waldungen und Jagdgründe entzogen wurde, keinen Ersah schaffen. Die Bauern machen auch die Viehpreise so wenig wie die Getreidepreise. Das besorgen andere Leute, welche kein Getreide, kein Futter bauen und von der Viehzucht nur die Kultur der goldenen Kälber verstehen. Das Vieh wird wie das Getreide immer mehr zur W e l t m a r k t w a r e. Die Viehpreise in H e s s e ii regeln sich schon lange nach den Preisen des Frankfurter Marktes. Auch das frühere volkswirtschaftliche Gesetz, daß der Preis sich nach Angebot und Nachfrage regelt, kommt immer mehr außer Geltung. Es'wird vom Handel und der Spekulation mit aller Gewalt darauf hingearbeitet, daß die F l e i s ch p r e i s e noch teuerer werden.^ Die Bauern müssen dieser Bewegung wohl oder übel folgen. Denn je größer ihre Auflagen und Auslagen werden, je mehr die Landflucht zu- und die Zahl der Bauern und ihrer A r b e i t s h ä n d e a b n i m m t, je mehr die Bauernlegerei um sich greift, je schwieriger die Existenzverhältnisse für die Landwirtschaft durch die ausländische Konkurrenz und durch die von unserer Sozialgesetzgebung gepflegten Arbeitsscheu werden, desto kritischer wird die Frage der Fleischnahrung. Diese Entwicklung vollzieht sich, ob die Bauern wollen oder nicht. Sie aber für die- elbe verantwortlich machen und beschimpfen, heißt die Urach en der wirtschaftlichen und sozialen Auf- und Niederbewegung völlig verkennen. Aus dieser Verkennung der Ursachen entspringen auch die falschen Vorschläge zur Abhilfe der Fleisch not. Mit der Oeffnung der Grenzen würde das Fleisch sicher nicht verbilligt, wohl aber nach kurzer Zeit noch weiter verteuert werden, weil durch die Einschleppung von Krankheiten der deutsche Viehstand wiederum verseucht und an Zahl wie an Güte vermindert würde. Für die Masseneinfuhr von Vieh könnte setzt überhaupt nur Rußland in Betracht kommen. Aber auch dort sind die Existenz- und Wohlsahrtsbedingungen der Landwirtschaft fchlechter geworden. Seuchen verheeren den Viehstand und ungünstige Verhältnisse hemmen die Viehzucht wie . die Freude am Feldbau. Die Bevölkerung nimmt stark zu, die Städte und Ansprüche der Arbeiter wachsen, die Lebensmittelpreise steigen, ohne ein Anreiz für einen intensiven Betrieb der Landwirtschaft zu sein. „ , . In Oesterreich-Ungarn geht es ähnlich wie bei uns: die gleichen Ursachen erzeugen die gleichen Wirkungen. In Italien liegen die ländlichen Besitzverhältnisse im Argen und verhindern den Aufschwung der Kultur. In Frankreich versorgt der einheimische Bauernstand dank einer verständigeren Schutzzollpolitik mit seinen Produkten das ganze Land, doch zur Ausfuhr reicht es nicht. Holland und Dänemark erzeugen viel Milchkühe, aber wenn auch der Ucberschuß der gemästeten Tiere statt nach England nach Deutschland gebracht würde, so würde diese Einfuhr die Fleischpreise schwerlich erniedrigen. Amerika und Australien könnten allerdings viel Fleisch zu uns liefern und unsere Viehzucht völlig unrentabel machen. England hat dies bereits an sich erfahren und nun bemüht sich die dortige Regierung, die durch die überseeische Konkurrenz zu Grunde gerichtete einheimische Landwirtschaft und Viehzucht wieder zu heben — eine vergebliche Arbeit! Wenn es morgen einer feindlichen Armee gelänge, in England zu landen, würde es schon nach vierzehn Tagen nach Abschneidung der Zufuhren durch den Mangel an Nahrungsmitteln zur Kapitulation gezwungen sein. Diese englische Gefahr hat wohl unserer deutschen Regierung eine Lehre gegeben und veranlaßte sie, der Landwirtschaft einen besseren Schutz gegen die ausländische Konkurrenz zu bieten. Allein damit hält sie die Landflucht nicht auf. Je mehr die Städte wachsen und das platte Land sich entvölkert, desto schwieriger und teuerer wird die Viehproduk- tion und sonach besteht nicht die geringste Aussicht, daß Vieh und Fleisch in absehbarer Zeit auf die früheren Preise zurückgehen werden. Wir hören wohl seit Jahren den Ruf: baut Obst, baut Gemüse, züchtet Geflügel! Aber was nützt das alles, wenn uns das Ausland hierin weit über ist und bleibt, zumal diese Sparten der Bodenkultur und Viehzucht nicht durch höhere Schutzzölle gedeckt werden. Die Nahrungsmittel für die wohlhabenden Klassen gehen zollfrei ein, die Nahnmgsmittel für die ärmere Bevölkerung sind mit Füllen belastet, wie ja auch die Bauern an Grundlasten einschließlich der Bodenzinse und der landw. Unfallversicherung die fünf- und sechsfache Einkommen- und Kapitalsteuer und obendrein noch für die Einfichr ihrer Schlachttiere in die Städte hohe Zölle, Oktroi und Gebühren zahlen müssen. Wie unter solchen Umständen der Bauer das Vieh billiger Herstellen soll, das begreife, «'“.'ÄwÄt» I StzC - «L-" W Mw . ob" Teilhaber? ur Seschaste aller M »?brileu, Häuser, 6n Villen, Prüfte Jüt«, Mühlen, Ziegen Brauereien,Hotels,tzaftn beschaffl rasch und dtritti? dar >^'al-Aureau von Alk Aäller, üaiibflt, 74, L Au 20 bei 3n« und Auslav-n treten! «in kein Agent! h her ohne Provision! r. Bio Hz, Frankfurt a. M., Zeil 44u, neben der Hauptpost. [D7/1 Der beste Schutz gegen 05869 ist Patent-Sicherheitsschloß D- K- p- DK» UÄ 150457 In zahlreichen Fällen aufs Beste bewährt! [05869 Abschrauben unmöglich! Zu haben bei: Brüder Schmidt, Selterswcg; A. StrÖfl, Söhne, Karl Hensel, Walltorstr.; Edgar Borr- mann, Neustadt; I. Häuser vorm. I. Happel, Neustadt. 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L1O. 250 918 treten wir hiermit vor der breiten Oeffentlichkeit für die Angaben unseres Prospektes voll und ganz ein. 5 Mark und mehr per Tag sind auf unserer Maschine bei sachgemässer Ausnutzung und Befolgung unserer Anweisungen zu verdienen SEÄ Und Befolgung unserer Instruktionen wird selbst verständlich die Leistungsfähigkeit und Willigkeit unserer Maschine beeinträchtigt Es liegen uns viele Anerkennungsschreiben vor, ausserdem das auf gerichtliche Anordnung abgegebene Gutachten des beeidigten Sachverständigen der Hamburgischen Gewerbekammer worin er hervorhebt, unsere Strickmaschine sei einfach und übersichtlich konstruiert, infolgedessen leicht zu handhaben, er habe n dieser Beziehung keinen Punkt in unserem Prospekt gefundenTwelchen die Maschine nicht erfüllt. Das Gutachten steht jedem Interessenten auf Wunsch zur Verfüguno. Gegen die Verläumder haben wir nunmehr Strafantrag gestellt O. C. Kiuian &, Co HßimS^URG, Zo88vereinsnieder8age-