Nr.4S Ältt ©flBBKÄSi^ß» i* JWw ^fl®flittt6Gtti$r weAm bem •SbqeVu y*e*mi? «SchenLtch twtgtieyt Dr «HM-'r M M ‘ «w« *WÄ* etanrf Montag, 27. Februar 1905 Gießener Anzeiger 155. Jahrg. «* tele« 6* ^»w«ArLtSk8LLr«t. Äc La»-«, tittfli KsdaMo^Rrvedtttc»».DrmL«t r SchuM.A K».LL. fis^ctßtt W-tzm General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen. Parlamentarische Verhandlungen. Rachdruek ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 149. Sitzung vom 25. Februar. 1 Uhr. Das Haus ist s e h r s ch w a ch besetzt; bei Beginn der Sitzung find 17 Abgeordnete anwesend. Am Bundesratstische: b. Tirpitz u. a. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Marrneetats. Die Kommission hat an dem Etat Abstriche im Betrage von 6 600 264 Mk. gemacht und außerdem folgende Resolution angenommen: Den Reichskanzler zu ersuchen, für den nächstjährigen Etat eine Erhöhung des Höchstgehalts der Führer und Steuerleute von Wcrftdampfern, Schwimmtränen, Schwimmdocks, sowie der Spritzenmeister in Erwägung zu ziehen. Die Beratung beginnt beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs." Der Berichterstatter Frhr. v. Thünefeld (Ztr.) berichtet über die Verhandlungen in der Kommission. . Abg. Bebel (Soz.): Die Marineverwaltung hat in der Kommission erklärt, daß sie keine Beziehungen zu dem Flottenberein und dessen Agitation habe. Der Flottenverein ist angeblich nur ein Privatverein, er betreibt die Agitation jedoch so, daß der Reichstag sich doch mal eingehend mit ihm beschäftigen muß. Der Flottenverein sagt, er _ bezwecke, im Sinne der Marine- und Kolonialpolitik des deutschen Kaisers zu wirken, und angesichts der Tatsache, daß sämtliche deutschen Bundesfürsten Protektoren und "alle Minister Mitglieder des Vereins sind, scheint in der Tat ein Gegensatz zwischen den Zielen des Vereins und denen des Kaisers nicht zu bestehen. Die Agitation des Flottenvereins aber geht dahin, daß wir noch 3165 Millionen mehr für unsere Flotte ausgeben sollen, als bisher. (Hört, hört!) Der sächsische König hat ja sogar als Kronprinz während der vorjährigen Hauptversammlung des Flottenvereins auf diesen ein Hock ansgebracht, und in einem Telegramm an den Vorsitzenden des Vereins, den Fürsten Salm, sagt der Kaiser: Mögen Ihre auf Verstärkung unserer Wehrkraft zur See gerichteten^ Bestrebungen der Erfüllung entgegenreifen und von Erfolg gekrönt sein. Das ist auch eine Bestätigung dafür, daß die Bestrebungen des Flottenvereins vom Kaiser unterstützt werden. Auch der Bürgermeister von Lübeck und eine Menge von Handelskammern haben für den Flottenverein agitiert, aber dieselben Herren wollen nichts von ihren Millionen für diese Zwecke abfleben. Die beste Antwort auf dieses Treiben wäre, sofort eine Reickseinkommen- und Reichsvermögenssteuer einzuführen, dann würde sehr bald die Agitation des Vereins aufhören. Der Generalmajor Licbert hat sogar von dem kläglichen Flottengesetz gesprochen, das uns wehrlos macht. (Zuruf des Abg. v. Kardorff.) Sie gehören auch zu denen, Herr v. Kardorff, die die Kosten durch indirekte Steuern ai!f6rmgen wollen. Das ist eine Politik so sckamloser Art, daß ich nicht begreife, wie jemand sie vertreten kann. Präsident Graf Ballestrem: Wenn Sie auf ein Mitglied des Hauses mit, dem Ausdruck schamlose Politik hingewiesen haben wollen, so wäre das durchaus unangemesien. (Abg. Bebel: Ich meine sämtliche Herren, die diese Politik treiben.) Sie haben aber die Sache in Zusammenhang mit Herrn von Kardorff gebracht, und wenn Sie den mit gemeint haben, so rufe ich Sie zur Ordnung. Dbg. Bebel (fortfahrend): Was hat nun die ganze Agitation für einen Zweck? — Sie kann sich doch nur gegen England richten. Nach der Ansicht der Flottenvereinspolitiker war ein Krieg zwischen Deutschland mit Rußland und Frankreich das drohende Gespenst, das seit anderthalb Jahrzehnten über uns schwebte. Ter Gang der Ereignisse im Osten hat gezeigt, daß das schöne Gemälde von der gewaltigen Macht, die Rußland repräsentierte, vollständig verschwunden ist; nun meinen die Herren, die Gefahr zu Lande ist vorüber, jetzt sind Ausgaben für das Landheer nicht dringlich, jetzt Mussen umso größere Aufwendungen für die Flotte gemacht werden, und zwar doch oftenbar noch bevor die neuen Pensionsgesetze ein- flebrackt werden. Das alles, t: 'tocm die Minister der Bundesstaaten hier doch oft genug über die traurige Finanzlage ihrer Staaten, geklagt haben. Durch die Neubauten von Schiffen ist der beabsichtigte Zwecks doch nicht erreicht worden, die Spannung zwischen den Größenverhältnisien der englischen und deutschen Flotte hat sich seit unserem letzten Flottengesetz nicht vermindert, soridern noch vermehrt. Dem Handel haben wir durch unsere Flotte noch sehr wenig genützt, noch nicht um hundert Millionen haben ton ihn durch sie gesteigert. meine Pflicht gehalten, auf diese Dinge hier rückhaltlos emzugehen, damit die Nation beizeiten gewarnt ist. Wenn Sie diese Flottenagitation unterstützen aber dagegen sind, oie Herren vom großen Geldbeutel heraiigezogen werden, darin buten Sie sich davor, daß Ihre Politik erst einmal den großen Massen zum klaren Bewußtsein kommt. Geschieht das, dann sage rch: Wehe Ihnen! (Llha! rechts; Beifall b. d. Soz.) Staatssekretär v. Tirpitz: Es ist nicht richtig, daß seinerzeit zas zweite Flottengesetz auf Grund der Agitation des Flottenver- erns eingebracht und beftirwortet worden ist. Die Einbringung des zweiten ^lottengesetzes beruht auf toohlevwogenem Entschluß der verbündeten Regierungen. Daß es notwendig sei, unsere Motte auf eine andere Grundlage zu stellen, als sie sie im Jahre 1898 mnehatte, zu dieser Ansicht waren der damalige Reichskanzler, der jetzige Reichskanzler, der damals Staatssekretär des Aeußern war, und ich im ^aufe des Sommers gekommen und in dieser Auf- fapung haben sich die Verbündeten Regierungen entschlossen, ein zweites Flottengesetz eiryubringen. Ich g!mib- auf dies- Ana-- legenhert nickt naher eingehen zu brauchen, auch nicht auf die Begründung. Es ist ja alles damals im Jahre 1900 im Plenum und namentlich in der Kommission eingehend verhandelt worden Wenn nun der Abg. Bebel es als die Aufgabe, die der Flottenverein sich gestellt hat, ansieht, durch ein bestimmtes Programm auf die Verbündeten Regierungen zu wirken, und insbesondere ein Doppelgeschwader zu fordern, so widerspricht das den Satzungen des Flottenvereins. In diesen Satzungen steht der Passus,'daß der Flottenverein den Zweck hat, das Verständnis und das Interesse des deutschen Volkes für die Bedeutung und Aufgaben der Flotte zu wahren, zu pflegen und zu stärken. Wenn man berücksichtigt, daß unsere Natton durch Jahrhunderte der See fremd geworden ist, daß sie den Einfluß, den die See und alles, was mit der See zu- sammenhängt, auf die nationale und kulturelle Entwicklung unserer Nation ausübt, nicht mehr zu fühlen bekommen hat, dann muß ich sagen, der Zweck, den der Flottenverein sich gestellt hat, ist dnrch- aris anerkennenswert. (Sehr richttg! rechts.) Auf der andern Seite muß ich aber auch bedauern, daß der Flottenverein ober Teile desselben, ich bin darüber nicht genau informiert, ein ganz bestimm- teS Programm für die Verstärkung unserer Flotte ausgestellt hat. Das entspricht nicht den Satzungen des Vereins. Diese schwierige ot c < * $er Verstärkung der Flotte kann allerdings meiner Ansicht nach _ der Flottenverein nicht übersehen und es ist ganz dabei leicht über das Ziel hinausschießt. Aber das • j? tolbstperständlich, daß die verbündeten Regierungen sich davon nicht beeinflussen lassen und in keiner Weise von der Linie abgehen werden, die sie für die Entwicklung der Flotte für richtig nalten, imb ich glaube, daß von vielen Seiten die solide und sachliche Basis, auf der unser Vorgehen bezüglich der Entwicklung unsrer flotte beruht, in ihrer Sachlichkeit unterschätzt wird, -^enn ton, tote ich in der Dndgetkommission schon zu erklären ge- nongt war, noch einmal ein Flottengesetz aufzustellen hätten, so wuroen ton es genau so aufstellen, tote ton es im Jahre 1900 fur.bic oestimmten Ztoecke seinerzeit aufgestellt haben und keine Ltme davon abgehen. Damit fällt alles, was der Abg. Bebel in auf^ Zukunftsphantasien gesagt hat, in den Sand. Es ist auch schließlich in keiner Weise wahr, daß der Kaiser sowie der ^ontg von Sachsen daran gedacht haben, sich mit dem speziellen Programm des Flottenvereins zu identifizieren. Ich glaube, ohne daß ich den Aufttag dazu habe, das bestimmt hier sagen zu können Der Kaiser und der König von Sachsen haben nur im allgemeinen tqre. Anerkennung ausgesprochen für die Zwecke, die der Flottenverein verfolgt, und das ist etwas ganz natürliches. (Beifall rechts.i Abg. Graf Oriola snl.): Es mackt auf mich einen eigentüm- ar -T1 .®*n^ruc^ daß gerade Herr Bebel, dessen Partei in der Agnatton doch das Menschenmögliche leistet, sich über eine gewisse Agitation von anderer Seite beschwert. Der Flottenverein hat in Beziehung sehr nützlich gewirkt, er hat zu der Erkenntnis mit beigetragen, daß für Deutschland eine gute Wehrkraft zur See durchaus erforderlich ist, und weil ick das Programm des Vereins kenne, tote cs der Staatssekretär vorgelesen hat, so gehöre ich ihm nur einer ganzen Anzahl meiner politischen Freunde an und fühle mich auch durch die Rede des Abg. Bebel nickt bewogen, aus dem Verein auszutreten. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das Wort „gemeingefährlich", das man auf den Flottenverein angewendet bat, verdient weit eher Anwendung auf eine ganze Reihe von Vereinen, denen Herr Bebel nahe steht. (Unruhe bei den Sozial- demokraten.) Daß der Flottenverein manchmal weiter geht, als es wünschenswert ist, taut sich dadurch erFfären, daß die Männer, die sich dort von der Notwendigkeit einer starken Flotte überzeugt haben, die Steuerkraft des Volkes und die Finanzlage des Reiches nicht immer mit berücksichtigen. Wenn die Herren aber auch leicht in ihrer Agitation, weiter gehen, als es richtig erscheint, so halte ich es, dock für unrichtig, deshalb den ganzen Verein zu verurteilen, und. ich bin überzeugt, daß es ganz richtig ist von den deutschen Fürsten, daß sie mit der Grundtendenz des Vereins, das Interesse für unsere Flotte zu beben, einverstanden sind. Ich bin sehr froh, daß durch foie Ausführungen des Staatssekretärs in der Budgetkommission manche. Unklarbeiten über die Ziele der Regierungen beseitigt sind. Die Ausführungen des Staatssekretärs werden Beruhigung herbeiführen darüber, daß unsere Regierung zielöewußt und sicher borgeht und nickt die Absicht hat, über das Notwendige hinauszugehen. Diese Beruhigung wird vielleicht manchen Freunden des Herrn Bebel, unangenehm sein, denn wenn her Staatssekretär üd) so offen ausspricht, dann ist es viel schwerer, Erregung in die Msissen hineinzutragen. Ich freue mich darüber, daß die Gelegenheit hierzu den Sozialdemokraten genommen ist. Der Staats- sekretär hat in der Budgetkommission erklärt: „Ick kann mick dahin resümieren, daß, die Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges eine volle Bestätigung der Richtigkeit der Grundprinzipien unseres Flottengesetzes erbracht haben, daß unsere Flotte nicht nur aus den richtigen Schiffsklasien besteht, sondern daß auch die Zahl der den einzelnen,.Klassen angehörenden Schiffe richttg gegeneinander abgewogen.ist." Der Staatssekretär hat ferner erklärt: „Die Grundsätze unseres Flottengesetzes haben sich in jeder Beziehung als richtig erwiesen, und es kann nickt zweifelhaft sein, daß, wenn das Flottengesetz noch einmal ausgestellt würde, wir es genau auf denselben Grundsätzen aufgebaut hätten wie damals." In diesen Worten, liegt für uns eine große Beruhigung. Der Staatssekretär hat weiter ausführlich in der Budgetkommission mitgeteilt, daß allerdings die Regierungen noch keine definitiven Beschlüsse gefaßt hätten in Bezug auf die Flottenvorlage, die in diesem Herbst zu erwarten si't — wir alle wußten, daß eine zu erwarten sei — baß er aber glaube, daß durch diese Novelle nur angefordert werden toürben die seinerzeit vom Reichstage abgelehnten, aber von der Negierung bet der , letzten Vorlage geforderten großen Auslandskreuzer und bann die vom Reichstage nicht bewilligten sieben kleinen Kreuzer und sieben Torpedodivisionen. Die Aeußerungen, die der Staatssekretär in der Budgetkommission gemacht hat, sind leider in der Presse größtenteils falsch verstanden worden. Es sind die Berichte aus der Kommission so ungenügend (Lebhafte Zustimmung), daß geradezu das Gegenteil von dem, was der Staatssekretär erklärt hat, vielfach in den Zeitungen stand. (Erneute lebhafte Zustimmung.) Ein Mitglied des Flottenvereins hatte ans diesen Zeitungsnotizen sogar schon zu ersehen geglaubt, daß die neue Vorlage genau dem Programm des Flottenvereins entsprechen werde (Hört, hört!), und nach den ungenauen Berichten war der Herr zu dieser Annahme durchaus berechtigt. Ich könnte nur wünschen, daß, wenn überhaupt ausführliche Berichte über die Budgetkommissionsverhandlungen kommen sollen, daß sie in einer gesichteten und allen Parteien in gleicher Weise gerecht werdenden Form ansgegeben werden. (Lebhafte Zustimmung.) In Betreff der vom Staatssekretär ange- kündeten Vorlage würden meine Freunde gegen ihre ganze frühere Haltung handeln, wenn sie der Bewilligung widersprächen, denn wir haben ja auch schon 1900 gegen die damaligen Mstriche gestimmt. Wünschen, die dahin gehen, der Staatsekretär solle sich für alle Zukunft binden, kann dieser natürlich nickt entsprechen, denn selbstverständlich werden unsere Rüitttngen zu Lande und zu Wasser immer in einem gewissen Verhältnis stehen müssen zu den Rüstungen anderer Nationen, aber für die nächsten Jahre wenigstens hat der Staatssekretär ein so klares Programm aufgestellt, daß wir zuftieden sein können. Wir werden die Flottenvorlage prüfen von dem Gesichtspunkte: Ist sie notwendig vom Standpunkte der Wehrhaftigkeit des Vaterland-s, und wir werden sie weiter selbstverständlich prüfen von dem Standpunkte, der vielleicht von manchen Herren des Flottenvereins übersehen wird: Inwieweit können wir sie vereinbaren mit der Finanzlage des Reiches und der Steuerkraft des Volkes, und wir sind ferner der Meinung, daß die wohlhabenden Klassen in erster Linie zu den Kosten heran- gezogen werden müffen. Selbstverständlich wollen wir keinen Krieg mit England haben, wohl aber ^en wir in der deutschen Flotte das Mittel, uns jeder anderen Natton als gute und wichtige Bundesgenossen vorstellen zu können. Eine starke deutsche Flotte ist das wichttgste Förderungsmittel zur Erhaltung des Friedens (Beifall.) Abg. Gröber (Ztr.): Der Flottenverein macht wohl etwas zu viel Reklame. Gleichwohl steht meine Partei auf dem Standwuikt, daß die freie Agitation nicht beschränkt werden darf. Doch mutz der, welcher diese Agitation treibt, auch selber die Verantwortung tragen und vor allem sich jede Krittk gefallen lassen. Auch die hohen Herren, die daran teilnehmen, müssen das. Komisch berührt die Naivität, mit der der Flottenverein sich als einen nichtpolittschen ■Uerein hinstellen will. Er verfolgt doch direkt ein politisches Pro- grmnml Ich bestreite übrigens nicht, daß der Flottenverein innerhalb gewisser Grenzen nützlich wirken tarnt: durch Beibringung von Material usw. Aber er darf sich nicht herausnehmen, Leute von S!ir^cr ®cUnmtnS M besckimpfen. Er spricht von seiner hohen, sutuchen Aufgabe. Dann darf er aber auch nicht zu den kleinlichen Mitteln der persönlichen Beschimpfung seine Zuflucht nehmen! (Sehr richttg N Und tun sie das, dann dürfen sie sich natürlich nicht darüber wundem, wenn man von „gemeingefährlicher Agttation" spricht. Wte's tn den Wald hineinschallt, schallt es heraus. Wenn von unserer Seite die Agitation als gemeingefährlich bezeichnet wurde, so geschah es sowohl im Hinblick auf das Ausland, wie auf unjere inländischen Verhältnisse. Wir halten es für gefährlich, unferc ?ylptte fortwährend vor dem Ausland so schlecht zu machen. Hoffentlich ist man im Ausland klüger und fällt man dort nicht aus die Exklamattonen des Flottenvereins herein. Durch jene Agitation wird aber ferner eine Art Nebenregierung inszeniert neben der verantwortlichen Verwaltung des Marineamts. Daher haben wir die Sache zur Sprache gebracht, um dem Staatssekretär Gelegenheit zu geben, die Verantwortung für den Flottenverein abzulehnen. Er mag sich wohl selber die Gefahr vor Augen ge- iührt haben, die durch jene Agitation uns erwächst! Es könnte ja fünft leicht fo kommen, daß man die Auslandsschifse hier auf Grund der fackverständigen Aeußerungen des Flottenvereins ablehnt, und das dritte Geschwader auf Grund der sachverständigen Aeußerungen der Marineverwaltung l (Heiterkeit.) Das wäre ein Standpunkt, auf den sich manche Parreien hier im Haufe (mit einem Blick zu den Soz.) hier einigen lvürden. . (Heiterkeit.) Ohnehin läßt ja auch bei begeisterten Flottenfckwärmem die Begeisterung immer1 etwas nach, wenn's ans Zahlen kommt. (Heiterkeit.) Der ^Flottenverein täte besser daran, eine reckt „großzügig^ Agitation" dafür zu entfalten, daß die leistungsfähigen.Elemente in erheblichem Maße zu Opfern für die Flotte herangezogen werden. Aber wenn es heißt: diejenigen Kreise, die den größten unmittelbaren Nutzen von der Flotte haben, sollten auch am meisten herangezogen werden, dann sind die Herren immer merkwürdig harthörig. . Was die Flottenvorlage selbst betrifft, so werden wir, wenn sie eingebracht wird, sie prüfen. Einsttveilen schlage ich vor, dem Staatssekretär sein Gehalt zu bewilligen. (Heiterkeit.) Abg. v. Normann flons.): ,Wir haben keine Veranlassung» hier auf die Tätigkeit des Flottenvereiiis einzugehen, da wir davon überzeugt sind, daß er auf die Entschließungen der Regierung keinerlei Einfluß misübt. Wenn die Flottenvorlage kommt, werden tote fie so wohlwollend prüfen, wie es unserer Vergangenheit entspricht. Abg. Mommsen ffreif. Vgg.): Wir haben keine Veranlasiung, uns heute schon zu der kommenden Flottenvorlage zu äußern. Sich hier hinzustellen, wie Graf Oriola, und zu sagen: „Wenn die Vorlage kommt, werden wir sie bewilligen", das ist ungefähr dasselbe, wie wenn der Flottenverein ein neues Doppelgeschwader fordert. Wir sind, wie bekannt, an sich keine Gegner der Ver- mebrunb der Marine. Das glaube ich nicht, daß Die Kreise der Industrie und des Handels, die für die Marine sind, in ihrer Begeisterung Nachlassen würden, wenn man die Vermehrung der Flotte nur um den Preis birefter Reichssteuern bewirken konnte. Diese Kreise haben bisher noch stets die Opfer getragen, die sachlich notwendig waren. Abg. v. Kardorff (Reichsp.): Der Flottenverein kann reckt darauf sein, daß der Reichstag sich zwei Stunden lang mit ihm beschäftigt hat. Ick bin ganz zuflieden mit dem Flottenverein, toeun er auch manchmal über die Schnur haut. Er hat einen frischen, fröhlichen Zug in unsere Natton gebracht. Mit der englischen Flotte werden wir es ja nie aufnehmen können. Und einen Krieg mtt England wünsche ich ebensowenig, tote der Abg. Bebel. Die germanischen Nationen sind auf einander angetoiesen, ein Krieg mit England toärc das größte Unglück für die zivilisierte Welt. Dem Flottenverein ist es zu verdanken, daß man im Volke selbst letzt allenthalben.Svmpathie für die Flotte hat. „Uferlose Flotten- vläne" heißt es jetzt wieder! Ja, meine Herren, „uferlos" waren bis letzt noch alle Flottenpläne! Also, lassen wir uns durch das Wort nicht einscküchtem. ^err Bebel sagte weiter: Wcw eine Flotte will, soll sie auch bezahlen! Also wieder die dirette Reichseinkommensteuer! Ja, meine Herren, ich habe ja nichts dagegen! Mer Herr Bebel weiß ganz gut, daß eine dirette-Reichseinkommensteuer nichts anderes bedeutet, als eine Mediatisierung der Einzelstaaten! Also was toll das? Doch nur Agitattonsstoff für die Masse außer dem Hauw, die zu wenig davon versteht! Unter meinen Freunden gibt e§ viele, die eine Verstärkung der Dtarine momentan viel lieber bewilligen. toürben als eine Vermehrung der Landarmee. (Höri, hort! ) Die Marine entlastet ja auch die Landarmee bei der Küsten- bericwigung! Im übrigen: wie wir uns zur Flottenvorlage stellen werden, das wird sich zeigen, wenn sie eingebracht ist! Die Klagen über die zu großen Lasten hören wir jetzt an dreißig Jahre. Und Deutschland ist dabei doch ganz gut gediehen! (Beifall rechts.)' Aba. Dr. Müller-Sagan (freis. Vp., schwer verständlich): Der Flottenverein braucht nicht besonders stolz darauf zu sein, daß der Reichstag sich so eingebend mit ihm beschäftigt. Sehen Sie sich nur die geringe Präsenz des Hauses an! Ueber die Agitatton des Flottenvereins besckwercn wir uns nicht, sondern nur darüber, daß er von den Behörden gewissermaßen alimentiert wird. Der Staatssekretär^ braucht doch solche Meute nickt! Auch meine Freunde freuen sich darüber, daß der Staatssekretär kein neues Programm aufgestellt hat, sondern an dem alten Flottengesetz festhält. Was notig ist, werden auch wir bewilligen, aber darüber, was nötig ist. geben die Ainichten auseinander. Diese Frage kann nur der Politiker entscheiden. Jedenfalls dürfen nur die bemittelten Klaffen die Kosten tragen; eine Reicksvermögenssteuer würde am besten dazu geeignet sein, sie läßt sick gut durchführen, ohne die Selbstständigkeit der Einzelstaaten anzittasten. Abg. Werner (Antis.) tadelt die Agitatton des Flottenvereins und plaidiert ebenfalls für eine Reickseinkommensteuer. Abg. Bebel (Soz.) führt au§, daß er dem Flottenverein seine Agitation nicht übel nehme, sondern nur die Unterstützung dieses Vereins durch die Behörden tadele. An dem Kaisertelegramm: „Mögen die Wünsche des Vereins in Erfüllung gehen!" ist nickt zu deuteln. Herr von Kardorff meinte, wir wollten nur Agitatton treiben. Gewiß, das wollen wir, wir wollen die Massen aufklären, wir wollen Agitatton treiben, genau so wie der Flottenverein, nur im umgekehrten Sinne. Wer so für die Flotte agitiert, muß sie auch bezahlen, das ist doch eine einfache Pflicht des Anstandes. Der Flottenverein ist zum mindesten ein offiziöser Verein. Abg. Dr. Arendt (Reichsp.): Eine große Handelsflotte ohne eine starie Kriegsflotte ist ein Unding, da§ geirrt die Geschickte alleri Völker. Die BebeWo Theorie, baß der Sfenbel eine Flotte nicht nötig fet, ist gaidz falfcb. 2dc Notwenbigkrit einer Flotte jetgt «euch her japanische Krieg. 9Cfe. Cothein (fr. Bg.) enipsiehlt zur Deckung der Kosten Air die Flotte -ltrfhebung der Liebesgaben bei der Branntwein- steuer, «rußerdem Vermögens- und Erbscfeftssteuern. Damit smliestt die Debatte imb Titel Staatssekretär wird genehmigt. Beim Abschnitt Werften bringt Ma. Znbcil (SrU.'> Beschwerden iiber Behandlung von Ärbeiten, mit besonderer Berücksichtigung der ArbeitSverhaltuisse Cki>. Adiniral. Rat HermS geht ausführlich auf bie AuS- führungeii des Vorredners ein. die er in allen Tcuen zu wwer«- legen sucht und bemerkt zum Schluß, daß im vorigen Jahre nicht weniger alS GO Pinzent der Arbeiter im Lolme erhöht wurden iutb etwas ahnliclxS werbe wohl auch in diesem Jahre ein treten. Mg. Mommsen (fr). Dg.) ist überzeugt, daß bet den Werft ve rN'altungen int Ganzen bet beste Wille bestehe und daß bei der Eigenmt der Arbeit ans den Werften bte Akkordarbeit noch immer das Angemessenste sei. ( Mg. Legien sÄoz.) führt aus. daß durch bie Flvttenvorlage Aie Stellung bvr Werstarbeiter nicht verbessert, sondern verschlechtert worden sei. , , c Staatssekretär TirPitz erwidert, bie Vorlage habe den Ar- Leitern nichts genutzt. Er geht dann auf die Löhne der Werft- Montag 2 Uhr Fortsetzung daiNi Etat d^s d^-"> ^vh-'T" Schluß 6 45 Uhr. ar bei ter ein. Tas Kapitol wird genehmigt. Politische Wochenschau. Die 'Xmintime her Bülow-Poscwowvkvschcn Handels- dertr ii g c btTbcbci dcns große inncrpolitische Evei^tis der vergangenen Woche. .309 Abgeordnete waren am Mittwoch im Reichstage anwesend, eine Zahl, wie sie selten erreicht wird. Mer schon am Tage darauf war das HanS wieder beschlußunfähig, als es die noch restierenden Resolutionen zu den Handelsverträgen erledigen sollte. Graf Kanitz will die Segnungen des neuen Zolltarifs der Landwirtschaft nicht erst am 1. März 190G, sondern bereits am 1. Juni 1905 zugängig machen und beantragte, den $ 12 deS Zoll- tartfgesetzeS an dem letztgenannten Tage in Kraft setzen« zu lassen. Es sott vom 1. Juni 1905 ab verboten sein, Zölle auf Getreide und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse zu stunden. Ter Antrag Singer auf namentliche Abstimnw ung ergab die Anwesenheit von nur 141 Mitgliedern, und so wird es in Zukunft bleiben, die alte Beschlußunfähigkeit ist wiederhergestellh, die alte Interesselosigkeit ist sofort wieder eingetreten. Der Kaiser hat dem Kanzler aus Anlaß des Zustandekommens der Vorlage ein Dankschreiben zngehen und seine Düste inj Marmor überreichen lassen. Man erfuhr ferner, daß der Kaiser dem Kanzler den Fürstentitel zn- gedacht hatte. Herr v. BNow, der den Ewasenstand bereits seiner Kanzlerschaft verdankt, hat jedoch oas rechte Cte- fühl gehabt, daß, waS einen: BiSmarck zu kam, einem Bülow nicht zustehe. Graf PosadowSky erhielt beit Schwarzen Ablerorden, PobbiclS^i und Herr v. Rhcinbaben sowie tine Reihe höherer Beamter würben gleichfatts mit Auszeichnungen bedacht. So ist also endgiltig die große politische Aktion abgeschlossen,und zwar mit einem Stege der „mitt* leren Linie", die nach rechts hin ihren Schwerpunkt hat. Noch bis zur Mstimnmng sollte diese Vorlage ihren Einfluß bis in die äußersten Kreise der Linken tragen. Sieht man sich die Opposition der 81 gegen die Handelsverträge abgegebenen Stinnnen an, so ergibt sich, daß geschlossen dagegen stimmten nur die Sozialdemokratie und die deutsche Volkspartei. Die freifimtige Dolkspartei aber und die freisinnige Vereinigung waren gespalten. Von beiden Parteien stimmten je ffutf gegen die Verträge, und zwar seitens der VottsparteiEickhoff, Bargmann, Meier-Jobst, Mugdan und Dr. Miiller-Meiningen, seitens der Vereinigung: Schrader, Gothein, Dove, Potthof und v. Gerlach. Die drei Stimmenthaltungen bei der'Abstimmung über den russischen Vertrag erfolgten ebenfalls! auf feiten der Freisinnigen. Volkspartei. Zwei freisinnige Abgeordnete fehlten entschuldigt. Die übrigen (11 VolkSpa'rteiler und 4 Vereinigung) stimmten dafür. Bis zum letzten Augenblick hat also der Einfluß der Zolltarif imb Handelsvertragsvorlage auf die Politik der äußersten« Linken anaehalten, während durch die Handelsverträge der interne «streit der Parteien der Rechten beendet ist, da auch die extremsten Agrarier unter .Herrn v. Oldenburgs Führung mit ergebenstem Dank an den ihnen wohlgesinnten Kanzler für die Verträge stimmten, die ganze Melnbeit der Rechten ein .Herz imb eine Seele, wirtschaftliche Vereinigung, Antisemiten, Zentrum, Bündler, Konservative, alles tnrit einander. Man kann darauf gefaßt sein, daß die neu geschlossene Furimdschafl! zu noch weiteren politischen Taten geaen die Linke benutzt werden sott. Da heißt eS denn, bie Augen offen halten, damit das neue Kartett nicht „ber Linken an den Sltagen'' geht, lvofür Herr von« Oldenburg offen eintrat. In der 2. Hess. Kammer wurde in der vergangenen Woche zunächst der Justizotat beraten. Justizminister Dr. Dittnmr erklärte unter anderem, daß der gesetzliche Schutz für die Gehilfen der Rechtsanwälte und Notare, insbesondere hinsichtlich der Sonntaasarlwit, am besten von der Reichsverwattung festgelegt luiirbe, deren eventuelles Vorgehen er lebhaft unterstützen nmrbe. Eine reichSgesetz- liche Regelung hält der Minister auch hinsichtlich der Trinker für mtgebrodrt; Ijier so-Nte von ReichSwegern vor allem der .tet5 der Antnagsbereättigtetl zur Ent- ntünbigiing eines Trinkers «erweitert werden. In der A n t o m o b i l f r a g e werde das Ministerium des Innern gesetzliche Maßnahmen Ire ff en, wenn das Reich sich dieser Angelegenheit nicht annehnlen sollte, lieber den einzigen wichtigeren Differenzpunkt, der zwischen der Regierung und der Mehrheit deS FinatrzauSschusseS bei der Budgetberatung bestand, wurde ßnt llngnnsten der Regierung entschieden. ES handelte sich nm die Frage der'Vermehrung des Nichterivers on als aut Oberlandes- gericht von 1*2 auf 14 Köpfe. Sie wurde mit der zunehmenden Prozeßverschleppnng begrün bet. Eine Terminfest- fetning auf (> Monate hinaus ist durchnuS nichts seltenes. Jubes der Ausschuß glaubte nur durch Schaffung eines dritten SeualS Abhilfe schaffen zu können. Eine umfangreiche Statistik, die den Nachweis zu bringen sich bemühte, daß von einer llcbcrlafhtng eigentlich überhaupt nicht die Rede sein könne, führte dazu, daß die von der Regierung geforderten beiden Nichterstetten von der Kamnter gnnfr gestrichen wurden. Dus war freilid) nicht ber Zweck der siallstischen Meinung, und vollends liegt dieser Beschluß nicht im Interesse deS rechtsuchenden Publikums. Die bisherigen Klagen über Prozeßverzöaerung werden immer heftiger« werden. Jedenfallö ist mit diesem Kammerbeschlutte niemandem geholfen. — Bei der Beratuna deS Etats deS Finan;-- mbtißerinm^ wurde Klage geführt iwet die Vergebung von kunstgewerblichen Arbeiten au ausländische Firmen.' Die inegt/mng konnte jedoch« den Nachweis erbrintwn, daß nur ausnahmsweise derartiges gefcljclje imb daß in den wenigen lAn^nabmesätten die Regierung sich in einer Zwangslage bcjundeu habe. Dw Äcw>pojitivuun für die Landes- Universität -wurden sämtlich genehmigt, auch die Summe zu dem Ausbau unserer Au Im 63 000 Mk. wurden genehmigt für die Errichtung einer, Irrenanstalt in Gießen. Im p r e u ß i s ch e n A b g e o r d n e t e n h a u s e wurden die Etats des Innern, der Finanzen und des Kultus beraten. Recht bemerkt worden ist bei der jüngsten Abgeordnetenhaus- Debatte über die akademische Freiheit, daß §err Studt die konfessionellen Studentenverbindungen als eine „u nerfreuliche Erscheinun g" bezeichnete. Mit Nachdruck wurde der Minister daraus aufmerksam gemacht, daß mit dieser Charakterisierung zugleich auch das Urteil über die Konsessionalisiernng der Volksschule gesprochen sei. Mer die preuß. Regierung geht in ihrer Bewertung der konfessionellen Tendenz auf diesen« beiden Gebieten des öffentlichen Lebens nicht gleichmäßig vor. In der Volksschule führt sie ein, was sie aus den Universitäten als« unerfreulich bezeichnet. Eine recht eigentümliche Behandlung haben deutsche Stu de u t en und ihre Ausschüsse in der letzten Zeit an einer Reihe technischer Hjochschulen und Universitäten erfahren, woraufhin ein Kamps, für die akademische Freiheit Moklamiert wurde. Während in Marburg der Konflikt durch die Nachgiebigkeit des Kultusministers beigelegt wurde und die Braunschweiger technische Hochschule den Ausschuß der Studentenschaft wieder anerkannte und der Stndentenschaft das VersammlnngSrecht zurückgab, wurde in H an noücr die Anbahnung deS Friedens erschwert durch die überraschende Relegation des Wortführers der Studierenden, .Heile, und die Erteilung des consilium abeundi an seinen Kommilitonen Zimmermann. Die Aufregung in der Studentenschaft Hannovers nahm infolge dieser Maß- regelnng einen solchen Grad an, daß die Studentenschaft einen Streik beschloß und sich unterschriftlich gegenseitig verpflichtete, nicht eher wieder die Kottegien zu besuchen, als bis Heiles Relegation zurückgenommen sei. Der Lehrkörper der Hochschule unternahm einen Vermittelungsversuch, auf den die Studentenschaft einging. Im M- geordnetenhause verkündete Ministerialdirektor Mthosf die bevorstehende Beilegung des Konflikts. Der Rekto^ der Hannoverschen Hochschule, Barttwusen, sowie der bet den Studenten sehr beliebte Pros. Launhardt haben sich nach Berlin begeoen. In Eisenach fand ein allgemeiner Vertretertag der Studentenschaften der deutschen o ch s ch u ll e n statt, um eilte Verbindung mit den UniversitatS-Studentenschaften anzubahnen und geeignete Maßnahmen zum Schutze der akademischen Freiheit zu beraten. Hoffentlich tmrd die akademische Freiheit aus oeifen Kämpfen gestärkt und innerlich gekräftigt hervorgehen. Die Ministerkrise in Ungarn ist immer noch nicht beseitigt. Der Versuch zur Bildung eines Koalitionskabinetts, wie es Owas Andrassy beabsichtigte, ist an der Mi- litürfrage gescheitert. Gegen die Zotttrennuna dagegen sott der Kaiser nichts einzuwettden haben; er fordert nur, daß Ungarn mit Oesterreich sowohl betr. das künftige wirtschaftliche Verhältnis als auch bezüglich der Handelsverträge inS Reine komme. Man erwartet jetzt indes die Berufung WekerleS, der Anhänger deS gemeinsamen Zollgebietes ist. In Frankreich wurde daS Marine-Budget beraten. Der neue Marineminister Thomson forderte 120 Millionen Francs zum Bau neuer Torpedo- und Unterseeboote und stellte dem deutschen Flottenprogramm ein neues fran- zösisches Programm entgegen. Die Kammer nahm das Marinebndget an. Die Hul l k o m m i s s i o u hat ihr Urteil gefällt. (Dgl. den heutigen besonderen Artikel.) Sie ist zu einer Rußland' halb und halb rechtigebenden Stellungnahme gekommen, hat sich indes gleichwohl tadelnd über RoschdjestweuSky und für Schadenersatzpflicht ausgesprochen. Die englische Presse äußert (im recht ai ngehalten über diesen ,.bisher einzigen Sieg" ib,cr Russen, doch hält sie an der Ansicht fest, daß bie unselige Affäre damit enbgiltig ans der Welt geschafft ist. In den Vereinigten Staaten beging die U n i v e r s i t ä t Philadelphia ihre Wasliingtonfeier und ernannte Roosevelt und Kaiser- Wil ye l m zu Do e t o re s j ur i s. honoris causa. Dieser freundschaftliche Akt ist im Interesse einer friedlichen, Annäherung beider Völker mit. Freuden zu begrüßen. Dementiert wurden alle im Laufe der.Woche über den russisch-japanischen Krieg verbreiteten Friedcns- aerüchte, die bereits mit der vollständigen Angabe der Friedenöbedingungen auswarteten. In Rußland selbst hat sich seit der Ermordung des Großfürsten Sergius noch nichts geändert. Nur Gpoßsürst Paul ist bcimberiifcn und als E^eueralgonvemeur in den Kreml eingezogen. Nach neuesten Meldungen ausl Petersburg hätte verletzte Ministerrat den Vorschlag eines Ministers abgelehtit, wonach vor Erlaß jedes neuen stksetzcs die Vertreter der betressendn Jnteressenteugruppcm uni) die zeitweilige Vereinigung der Zemsti Zobor zur 23egufad)hing der Entwürfe zu befragen seien. Diese Neneruna sei als zu weitgehend erachtet worden. §t»s Mitcil der K llstommilsion. Paris, 26. Februar. Die Hnllkommission hielt gestern nachmittag ihre letzte Sitzung ab. Der Vorsitzende Admiral Fournier begann sofort mit der Verlesung bc5 Gutachtens der Kommission, das aus 17 Sätzen besteht: Der erste Teil schildert, wie der russische Admiral R oshestwenöki dazu kam, an die Gegenwart von feindlichen Torpedobooten zu glauben und den einzelnen Kommandanten seiner Schiffe Befehl zum Feuern zu geben, falls sie Torpedoboote gewahren sollten. Die Mehrheit der Kommission ist der Meinung, daß dieser Befehl nicht übertrieben war. Der Bericht stellt fest, daß die durch einen Maschinenschaden entstandene Verzögerung der ?ahrt der „Kamschatka" vielleicht eine Mitursache der folgenden Ereignisse war. Der Kommandant der „Kamschatka" ivlbete am 21. Oktober abends, er sei allseitig von Torpedo booU'n angegriffen. Dadurch konnte die Annahme kommen, er (Roshestwenöki) würde ebenfalls angegriffen. In Roshest- «venSkiö Befehl, bie Wachsamkeit zu verdoppeln und sich au« einen Torpedo.Angriff gefaßt zu machen, sieht die Kom- nnfsion nichts übertriebenes in KriegSzeiten und unter Um« müden, bie Roshestwenstt für sehr beunruhigend zu halten alle Ursache hatte, da er die ihm ^gegangenen Nachrichten ber russischen Agenten nicht nachprüfen konnte. Die Kommission erklärt sich jedoch ans Mangel an Beweisen nicht imstande, zu kontrollieren, ob der russische Admiral richtig informiert war. Die englischen Zeugen haben jedenfalls bewiesen, daß die Hüller Fischer- fahrzenge die vorgeschriebenen Signale besaßen und der Admiral Fölkerfahm, der dem Geschwader RoshestwenSki vor» ausfuhr, erkannte auch richtig den Eharakter der Fifcherflotte. Die Kommission stellt fest, daß der Admiral Rosh estwenski verantwortlich ist für das Kommando, Feuer zu geben. Da aber alle russischen Schiffe mit ihren Scheinwerfern operierten, können Konfusionen entstanden sein. Jedenfalls war es unmöglich, nach dem der Kommission vorliegen, den Material zu beurteilen, zu welchem Zwecke und nach welchem Ziele die Nüssen geschossen haben. Die Kommission stellt einmütig fest, daß sich überhaupt keine Torpedoboote in der Nähe befanden. Die Kommisiion bedauert fernerhin, daß der russische Admiral bei seinem Eintreffen in den englischen Gewässern unter» ließ, die nötigen Mitteilungen zu machen. Dagegen er» kennt die Kommission an, daß der Admiral Noshestwenski p ers önlich da s M og lichste t at, nm da s Feuer so zu richten, daß die Fischerflotten möglichst wenig getroffen wurden. Aber andererseits bedauert die Sxoimniffion, daß der russische Admiral das Feuer zu lange fortsetzte. Nach alledem erklärt die Kommission in dem letzten Artikel, daß nach ihrer Anschauung nichts o o r l i e g e, was dem militärischen Wert des )l d m i r a l s und seinen menschlichen Gefühlen Eintrag tuc. Nach ber Verlesung dieses Gutachtens erklärt der eng« lische Anwalt Fry, er freue sich ganz besonders als Jurist, an einem so hervorragenden Werke deS Friedens mitgearbeitet zu haben. Der österreichische Admiral Spann hielt eine Ansprache, worin er dem Präsidenten der Republik und der französischen Negierung dankt. Der Vorsitzende Admiral Fournier erwidert seinerseits mit einem Dank an seine Mitarbeiter und die englische und die russische Negierung. Beim Präsidenten Lau bet fand heute zu Ehren der Mitglieder der Hullkommisiion FrühstückStafel statt, an der auch bie Minister Rouvier, Deleasss und Thomson, sowie die diplomatischen Vertreter der Länder teilnahmen, welche bei der Sitzung der Hullkommission mitwirkten. Zer verband aller ZZursch.nsÄatter an technischen Hochschulen, ber Rhein-Maingaw verband, sieht sich veranlaßt unter Bezunahme auf bie letzten Ereignisse an unseren Hochschulen und insbesondere an unseren technischen Hochschulen in Hannover, Brann- schweig und Eharlottenburg, nachstehenbe Erklärung uieberzulegeu: Von der lieber,veugung durchdrungen, daß unser deutsches Stu» dentcnleben in seiner heutigen Gestaltung und Verfassung nur bann unberührt und unverändert weiter bestehen kann und nur dann in der Lage ist, Männer hcranzuziehen, welche befähigt sind, zum Segen und Wohle eines einigen deutschen Volkes zu wirken, wenn die bisher hoch gehaltenen und als heilig angesehenen Rechte der akademischen Jugend unbe» r ü h r t u n d ungekürzt bleiben werden. Freiheit dem Lehrenden, Freiheit dem Lernenden! An diesem Sclbstbestimmicngsrechte darf nichts gerührt und gerüttelt werden. Geistes- und Gewisseusfteiheit ist der Grund- ton eines jeden deutsch-völkischen Lebens, wie überhaupt eines jeden gesunden, aufgeklärten uni) gedeihlichen Lebens eines Volkes. Mit alten uns zu Gebote stehenden Mitteln und Wegen müssen wir nu diesen II eher Beugungen fest halt en und jeden, wenn auch nur schwacl>en Versuch, daran Aend.'nmgen vornehmen zu wotteu, auf das Entschiedenste znrückweisen. Wir swechen uns auf das Nachdrücklichste dagegen au?, daß Hochischulfragen unter dem Gesichtswinkel einzelner politischer Parteien betrachtet, behandelt oder gar auch noch erledigt iverden. Zu bebaueru ist auf daS Lebhafteste, daß unsere diesbezüg» licken, maßgebenden Behörden so gaii'i in dem Fahrwasser ge- wisser Parteien segeln und deren rückständigen imb rückwärtsbewegenden Wünschen so bereitwilligst nack>zukommen f(feinen. Tic Vergangenheit unserer Hochschulen bestätigen uns,, baß der Begriff der akademischen Freiheit dort jeder Zeit richtig verstanden, anSgclcgt und auch danach gehandelt worden ist. Wir können keinen Girnnd einsehen und eS liegt auch keine Veranlassung vor, warum auf einmal bie heutige akabemuche Jugend oieser überliefertc-ii Begriffe verlustig gegangen sein sollte! Ter Kampf, den unsere akademische Jugend in den letzten Tagen führen mußte, wurde nicht dnrck dieselbe, oder gar durch einen Mißbrauch dieser akademischen Rechte und Pflichten hervorgerufen, souberii derselbe ist durch die oben erwähnten Einflüsse imb seine Begleiterscfeinuugeii in die Wege geleitet worben. Wir nehmen Stellung nicht gegen die einzelnen Personen» welche diese Richtung vertreten und gutheißen, sondern wir verurteilen und bekämtzfeii daS ganze Svstem. welcfeS unser deutsches Volk imb Vaterland einem Zustande wieder cntgegenzusi'iln'eu beabsichtigt, der mit den schlimmsten Zeiten deS MittelalterS und feilten Bildungs- und bkistcsniveau wetteifern könnte. Wir nehmen Veranlassimg. unserer völkisch gesinnten Jugend auf den Hochschulen zu danken für die mannhafte Aufnahme des Widerstandes gegen jene Unfeit kündenden Einflüsse. Dir begrüßen es mit Freuden, baß bie (fetamtfeit, mit ganz geringen Ausnahmen, unserer ftubierenben Kreise in diesen Fragen so einmütig Stellung genommen haben und knüpfen hieran die Erwartung und Hoffnung, baß cö ihr gelingen möge, diesen Kampf gedeihlich durchzuführeu. G1 ü ck auf! Um unseren Standpunkt noch einmal festzulegon und ück die ein geleitete Bewegung nadibriicTiitfer zu gestalten, schließen wir iiuS ber Resolution an, welch? auf ber am 21. bS. MtS. tagen- den Akademikcrversammlung in München mit bedeutender Mehrzahl ancseiwrnrnen Worben ist. „Wir legen Verwahrung ein gegen bie Beschränkungen bet akademischen Freiheit, wie sie in brr iüngsten Zeit zutage getreten sind. Diesen Vorgängen gegenüber gibt ber Verband der Erwartung Ausdruck: 1. Daß in Zukunft auf den Senat einer Hochschule nunt wieder, wie es in Hannover geschehen ist, von der Regierung.em Druck ausgeübt wird, der den Senat nötigt, lewen m einer akabernischeu Frage bereits angenommnten Stanbpuntt Völlig zu ändern; 2. baß c5 ber deutschen Studentenschaft jederzeit unbenommen blebit, Stellung zu nelymen sowohl zu akademisfen, wie zu nationalen Fragen: t rr _ , 3. das; cs den Studierciifen verschiedener deutschen Hocfe schulen nicht verwehrt wirb, zur Verfolgung gemeinsamer afabe» mi'scfer ober n aticnaler Bestrebungen sich zu verständigen. Wir erklären semerhin. daß wir da» Betonen des konfessionellen Gegensatzes auf nicht rein religiösen Gebieten und ins- bosondere aus unseren Hochschulen verurteilen. Wir fetten es für äußerst bedenklich, das; fhibvutivfe Korporationen bestehen, welche von ihren Mitgliedern die Zugehörigkeit zu einer bo stimmten Konfession verlmigen." Der Verband ist außerdem ber Ansicht: 1. baß auf die, ben konsessionetteu Verbindungen angehören» den Stud ukeu ein GcivissenSzwang auSgeiWt ivix*b, der mit den Grundsätzen fer aTabemifdwt Frei feit niemals vereinbar ist: 2. baß bas Ansehen der akademisdi Gebildeten leiden muß, und daß ihnen der Kampf um Bosseisteilnug ihrer wirtschaftlichen Lage erfdnvert wird, wenn sie durch das Hervorkefeeu des kon- sesiioneuen Gegensatzes in zwei sich srrmd gegenüber stehende Gnippeu gesdÜeden werden; 3. daß die zunehmende Beurteilung weitUdier und politisch^. Fragen vom konsefsionellen Standz>unkl auS für die Zukuipt feS gefamteii beutid}en Volkes eine ungeheure Gcürhr in sich rnrt und daß es darum Wicht oTter national gesinnten und (rfa- ^misch Gebildeten ist, dieser Entwicklung entgegenzutreten." Nniversttäts-Yachrichten. Die Schillerfeier von Deutschlands Studenten Sämtliche Hochschulen Deutschlands sowie alle deutschsprachigen Hochschulen des Auslandes haben der Tübinger Studentenschaft ihre Zustimmung zu der angeregten^ Schiller-rzeier erklärt, die am 9. Mai in der Weim arer Fürsten gruft stattfinden soll.___________ "jpielptoK der vereinigen Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 28. Februar"): „Hoffmanns Erzählungen." Mittwoch den 1. März gefdilofiem Donnerstag den L März: Ter Prophet" Freitag den 3. Marz geicbloifen. Sanrstag bcii 4 Mä« - ^ie Zauberglocke." Sonntag den 5. März, nachmittags halb 4 Uhr^ ,Boccaccio." Abends 7 Uhr: Figaros Hochzeitt." Montag den 6. März: .Alesiandro SlradeNa " Dienstag den 7. März, abends halb 7 Uhr: „Tristan lind Isolde.' Schauspielhaus. Dienstag den 28. Februar*): „Traumulus/ Mittwoch den 1. Tiara, nachmittags halb 4 Uhr: Schüler-Vorstellung: „Wilhelm Tell" Abends 7 Uhr: ^Medea." Donnerstag den 2. Marz. Hum Besten der Chor-Pensionsanstalt: Zum ersten Male: „Frankfurt in der Franzosenzelt." Freitag den 3 Marr' Hur Erinnerung an Otto Erich Hartleben: .Rosenmontag." Samstag den 4. März: ,Jm weißen Rößl. Sonntag •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. den 5. März, ftchmittaqs halb 4 Uhr: „Traumülus." Svends 7 Uhr: „Medea." Montag den 6. März: „Monna Vanlia." Kandel und Derkclir. Kolkswirlschaft. Die R e i ch s b a ii k hat ihren Diskontsatz auf 3 und den Lombardzinsfuß aus 4 °/fl herabgesetzt. Vo in Geldmarkt. Die Herabs etzungdesDisconts der deutschen R e i ch s b a ii k auf 3 °/0 kam überraschend. Daß das Ereigniß eintreten würde, haben wir angekündigt, 11111* war nicht vorauszusehen, daß die Tatsache so schnell käme. Tie Geldgeber sind mit ihren Mitteln gegenwärtig ziemlich übel daran und die Großbanken werden den Ausfall der durch die geringeren Zinseingänge entsteht, auch bald empfinden. Ta nun auch Frankreich an einem ganz außerordentlichen Geldüberfluß leidet und England ebenfalls vor einer Zinsfußherabsetzung steht, so kann man jedenfalls von einem Ueberfluß sprechen, der zum Notstand geworden ist. Dies dürfte sich so lange nicht wesentlich ändern, bis der Friedensschluß zwischen Rußland und Japan vollzogen ift, Tenn dadurch wird der erstere Staat gezwungen sein, außergewöhnliche Anleihen auszunehmen. Die Industrie, obwohl gut beschäftigt, bedarf gegenwärtig nur geringer Mittel zumal auch an Neugründungen kaum zu denken ist — daftir sorgen schon die neuen Handelsverträge. Auch die Emissionstätigkeit konnte bis jetzt nicht als sehr erheblich bezeichnet werden. Was an den Markt kam, wurde über Nacht ausgenommen. Bank f ü r H a n d e l u n d I n d u st r i e (D a r m st ä d t e r Bank). Die Bilanzsitzung dieser Bank, die, bis jetzt immer m Darmstadt stattiand, wurde jüngst in Berlin angehalten was einiges Aufsehen erregte. Wohl aus diesem Grunde soll mm die ordentliche Generalversammlung in Tarmstadt abgehalten werden. In Dieser wlrv aber uoer israrurenanoerungen Deicyrun 51t Tttntn-tevn ,■ von denen eine dahingeht, daß bei der Berliner Abteilung nicht nur die Bezeichnung Filiale gestrichen wird, sondern jeder Hinweis ans den Filialcharakter künftig wegsällt, sodaß gewissermaßen offiziell in Zukunft die Zentrale nicht mehr Darmstadt sonders Berlin ist. für Kinder, KranKe,uenesenae. vernucec U-beseitigbPiarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrn. | und Hochzeit Seidenstoffe, neueste Genres in schwarz, weiss und farbig. Verlangen Sie Muster. Seiden-Grieder-Zürich. 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Die Bedingungen können auf dem Vcr- waltungsbureau eingesehen bezw. gegen eine Schreibgebühr von 1 Mk. in Empfang genommen werden, woselbst Offerten mit der Aufschrift: „Lieferung von Fleisch- und Wurstwaren .— oder Viktualien, Backwaren, u. s. w. — für die Pro- vinzial-Siechenanstalt versehen, bis zum Eröffnungstermin, 11. März, vormittags 10 Uhr, einzureichen sind. B2T/2 Verwaltung der Provinzial-Siechenanstalt Oberheffen. Iergebung von Aauaröeiten. Die zur Wiederherstellung der Austenseiten am -Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Domanialhofs Schiffenberg nötigen Maurerarbeiten und Steinhauerarbeiten, letztere in Basaltlava (12,00 cbm) und rotem Sandstein (2,5 cbm) werden hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionswege ausgeschrieben. Die Aussührungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum Eröffnungstermin Donnerstag öen 9. März 1905, vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 25. Februar 1905. Großherzogliches Hochbauamt Gießen. Neuling. b27/3 Holzversteigerung. Es werden versteigert: Dienstag den 7. März l. I. aus dem Franzenwald Abt. Fuchsbau, Tiefental und Wüstung: Stämme: 23 Fichten von 13—26 Ctm. Durchmesser and 9—14 Mtr. Länge mit 4,65 Fstm.; Derbstangen: 18 Fichten mit 1,64 Fstm.; Knüppel: 182 Nm. Kiefern, 1 Nm. Fichten; Neisigwellen: 3620 Eichen, 1780 Kiefern, 50 Fichten; Stöcke: 24 Nm. Eiche, 45 Nm. Kiefern, 1 Nm. Fichten. Zusammenkunft vormittags IOV2 Abt» Fuchsbau an der Iägerschneise bei Holz Nr. 356. Nähere Auskunft erteilt Gr. Forstwart Menges Großen-Linden. Gießen, den 25. Februar 1905. Großherzogliche Obcrförstcrei Schiffenberg. Heyer. ^27A Nutz- M VttMlBMßchttNNW. 1. Am Freitag den 3. März vorm. von 9 Uhr ab bei Gastwirt Peusch in Kinzenbach. Eichen: 7 Stämme 3- u. 4. Kl. — 2,79 Fstm., 3 Rm. Scheit, 76 Rm. Reiser; Fichten: 103 Stärnme 3. u. 4. Kl. — 21,23 Fstm., 301 Stangen 1—3. Kl. — 19,75 Fstm., 0,7 Rm. Knüppel, 89 Rm. Reiser, Reiser (Hart- u. Weichholz gemischt) 385 Nm. Das Holz liegt in den Distr. 2 Wanne, 5 drei blaue Enten und 8 Kerberswald, Gemeindewald von Kinzenbach. 2. Am Samstag den 4. März vorm. von 9 Uhr ab bei Gastwirt Klinkel, Odenhausen. Eichen: 2 Stämme 3. u. 4. Kl. — 0,57 Fstm., 4 Nm. Reiser; Buchen: 153 Nm. Scheit, 145 Rm. Knüppel, 604 Rm. Reiser, 30 Nm. Stöcke; Fichten 65 Stangen 3. Kl. = 1,95 Fstm., 1470 Stangen 4.-6. Kl., 205 Nm. Reiser; Kiefern: 2 Nm. Knüppel. Das Holz liegt in den Distr. 5c Hoherwald, 4c Junkerwald, 9a Neuer Schlag u. Totalität. Gemeindewald von Odenhausen. 3. Am Samstag den 4. März 1 Uhr mittags bei Gastwirtin Weißbrodt, Salzböden. Eichen: 32 Stämme 3. u. 4. Kl. = 14,56 Fstm., 5 Nm. Schichtnutzh. 2. Kl., 11 Rm. Scheit, 11 Nm. Knüppel, 180 Rm. Reiser; Buchen: 2 Rm. Nutzh. 2. Kl. 2 Mtr. lang, 185 Rm. Scheit, 154 Nm. Knüppel, 912 Nm. Reiser, 42 Rm. Stöcke; Fichten: 2 Stämme 3. u. 4. Kl. = 0,76 Fstm; 15 Stangen 2. u. 3. Kl., 7 Nm. Scheit und Knüppel, 10 Rm. Reiser. Das Holz liegt in den Distr. 14 Schottenholz, 4 Jlscheid, 10 Heuserberg, 11 Hardt u. Totalität. Gemrindewald Salzböden. Die Instandsetzung des Weges in Distr. Schottenholz wird vor der Abfuhr erfolgen. Außerdem wird Kirschbaumholz verkauft und zwar: 2 Stämme 5,4 u. 4 Mtr. lg. mit 0,40 u. 0,34 Mtr. Durchm., 10 Nm. Scheit, 2 Nm. Knüppel, 28 Nm. Reiser. Dieses Holz liegt in den Felddistr. hinter der Brück, Bcühlsbach u. Neinbach, Gemarkung Salzböden. 4. Am Montag den 6. März vormitt, von 9 Uhr ab bei Gastwirt Keller in Atzbach. Eichen: 59 Stämme 3. u. 4. Kl. — 26,95 Festm., 13 Stangen 2. Kl., 46 Nm. Nutzch. 2. Kl., 74,60 Rm. Scheit und Knüppel, 401 Rm. Reiser; Buchen: 4 Stämme 3. Kl. = 2,47 Fstm., 15 Rm. Nutzh. (Nollen) 2. Kl., 409 Nm. Scheit und Knüppel, 818 Rrm Reiser; Fichten: 138 Stämme 3. u. 4. Kl. = 17,03 Mm., 1224 Stangen 1.—3. Kl., 90 Nm. Neiser; Kiefern: 12 Stämme 4. Kl. — 2,46 Fstm., 7 Stangen 2. u. 3. Kl., 2 Nm. Nutzh., 17 Nm. Knüppel, 19 Rm. Neiser; Lärche: 1 Stamm 4. Kl., Neiser (Hart- it. Weichholz, gemischt) 669 Nm. Das Holz liegt in den Distr. 8 Leitzheck, 9a Lantzer- loch, 12a Klein Eichelstück, 13 u. 13b aus dem Kopf, 3c obere Gänsheim, 4a u. c untere Reitel, 16 obere Pferdsheck u. 18d Häring. Gcmeindewald von Atzbach. 5. Am Dienstag den 7. März vormitt. 9 Uhr bei Gastwirt Weber, Dorlar. Eichen: 3 Stämme 4. Kl. = 0,56 Fstm., 2 Rm. Nutzh. 2. Kl., 2,5 Nm. Knüppel, 170 Nm. Reiser; Buchen: 65 Nm. Scheit, 50 Nm. Knüppel, 551 Nm. Neiser; Fichten: 18 Stämme 4. Kl. ----- 3,61 Fstm., 12 Stangen 1. u. 2. Kl., 15 Stangen 4. Kl., 42| Nni. Reiser: Kiefern: 2 Rm. Nutzh. 2. Kl., 1 Rm. Knüppel, 8 Rm. Reiser, Weichholz 1,5 Rm., Eschen und Ahorn- Knüppel, Hart- und Weichh. (gemischt), 11 Rm. Knüppel, 1122 Rm. Reiser. Das Holz liegt in den Distr. 13 Königstein, 18 Dreistege, 5a Rüsternschneise, 14a u. b Köhlerwald, 17 Schulwiese, 7 Hohlergrund u. Totalität. Gemeindewald von Dorlar. Krofdorf, 25. Februar 1905. Der Bürgermeister._____________ Hslzversteigernngen in (Hräflicker Obersörsterei Laubach: I. Freitag 3. März d. I., nach Zusammenkunft vorm. 10V.2 Uhr beim Tiergarten-Pflcuuqarten, I) im Lampertsthor (größtenteils vorgezeig't): Buche: 250 rm Scheiter, 300 rm Stamm- prügel, 75 rm Stöcke, 54 rm Reiserprügel, 125 rm Astreiser; 2) tm Sützekopf : Eiche: 4 Abschnitte von 45—67 cm Durchm. — 5,17 cbm (Schnitt-rc.holz), 4 desgl. (Oberholz) = 0,53 cbm; 5 rm Scheiter und Prügel; Buche: 13 rm Stammprügel, 110 rm Stamm- und Zopfreiser (Heegreinigung); 3) im Wildfrauenberg: Buche: 6 rm Scheiter, 240 rm Stammprügel, 5 rm Stöcke, 68 rm Reiserprügel, 145 rm Stammreiser (Schichten); 4) aus dem Hofwalde (beim Flensungerhosteicbe): 184 rm Kiefer-Stammreiser (Schichten); 5) aus verschredenen Distrikten des Tiergartens: Kohlreiser und Les- Holz. — Ein Führer wird vorm. 10 Uhr bei Ankunft des Zuges uon Hungen aui hiesigem Bahnhose bereit stehen. II. Montag 6. März d. Js., von vormittags 107, Uhd an auf der Schreinersmühle bei Freienseen 1) aus Kreuzseener- berg: Buche: 100 rm Stammprügel, 42 rm Reiserprügel, 10 St. Langwieden; Kirschbaum: 6 rm Prügel: Fichte: 11 rm drugel, 19 rm Nutzreisig; 3 Kieferstämme = 0,77 cbm; 2) aus Peters- Wald : Buche: 7 rm Scheiter II. Kl., 5 rm Stöcke, 100 rm Reiser- prügel; Eiche, Kirschbaum, Nadelholz: 50 rm Prügel, 5 rm Nutz- reisig (Fichte); 3) aus Schornberg und Mushau: Buche: 17 rm Scheiter und Prügel II. Kl., 19 rm Stöcke, 46 rm Reiserprügel; Esche: 5 rm Scheiter und Prügel; Fichte: 87 rm Prügel und Stöcke, 8 rm Nutzreisig; 4) aus Wintersberg und Hoherain: Buche: 80 rm Scheiter II.Kl., 130 im Stöcke, 60 rm Reiserpruge ; 5) aus Liesewäldchen : Buche : 49 rm Stöcke, 55 rm Reiserprügel; 6) aus Li-ettcrauerberg : Buche: 36 St. Langwieden (4 m lang), 220 rm Reiserprügel; 1 Kirschbaumstamm — 0,48 cbm; 7) aus Heirrzeberg: Buche: 11 rm Stöcke, 19 rm Reiserprügel; 8 aus verschiedenen Distrikten des Reviers Freienseen: Kohlreiser und Lesholz. B h Laubach, 22. Februar 190o. ____Gräfliche Obcrförsterei._____________ Rtzholz-Bttsteißekimg p Dillenburg. Moutag, den 6. März 1905, nachmittags 2 Uhr anfangend, iverben im Rathaussaal zu Dillenburg aus den Stadtwald-Distr. 9!ebelsberq, Donsbacherberg, Braunshell, Hilzhcck, Herberstruth, Langpferd'u. Totalität verkauft: Eichen: 158 St. — 101,34 Fstm. (darunter wertuom Schneidesiämme bis zu 2,50 Fstm.), 31 Rm. Nutzsch. 1,2 Mtr. lang, 5 Rm. Nsch. 2,4 Mtr. lang. Buchen: 37 St. — 34,76 Fstm. Erlen: 3 Rm. Nutzsch. tu Knüppel, 2,4 Mtr. lang^ Nadelholz: 381 St. — 113,52 Fstm., darunter 1 schneide, ftamiu von 3,86 Fstm., 132 Rm. Nutzscht., 26 Rm. Nutzknüppel 2,4 Mtr. lang, 313 St. I.—III. Kl. 9lä()crc Auskunft erteilt Stadtförster Schneider, auch merben bei densielben bei frühzeitiger Bestellung Auszüge augeferligt. Dillenburg, den 17. Februar 1905. C”/t 1 " Der Magistrat- Alle Ban- und Kanalbau-Artikel liefert zu billigsten Preisen ISlUll Gießen, Liebigsirasre 51, Riegelpsab. 1055 8nih.RtklghWaßvm «.RealsGle MMsihüle zu Gießeir. Die Anmeldungen der für da§ Schuljahr 1905/06 neu /mrfzunehmenden Schüler werden an folgenden Tagen in dem dtealschulgebäude entgegcngenommen: 1) Für Realgymnasium und Realschule: Donnerstag den 2. und Montag den 6. Marz, vorm. 10—12 Uhr. 2) Für die Vorschule: Montag den 13. März, vorm. 10—12 Uhr. Bei der Anmeldung sind vorzulegen: Geburtsschein, -Impfschein (bei Schülern über 12 Jahren die Bescheinigung der Wiederimpfung) und eventuell ein Abgangszeugnis der zuletzt besuchten Schule. d33/$ Die Direktion: Dr. Rausch. 10 Pfund Mk. 6.50 5 Pfund Mk. —.80 Gebrüder Berdux liessen Bahnhofstr. 27 LindenpL 12 Riiböl RgnfcHI geschlagenes U U U R U fl per Liter 08 Pfg. A « a WM m Gemahlen ■ BF® H erste Qualität AiHVllUI 99,7 prozentig per Pfund 24 Pfg. Puderzucker per Pfund 26 Pfg. Feinstes 6 n ß Conrad Bramms 18 Marktplatz 18 in großer Auswahl. Steter Eingang von Neuheiten. 776 Annahme von Reparaturen Hüte -i Mützen S Verein vom Voten Kreu;. Die verehrlichen Mitglieder des hiesigen Zweigvereins werden zu der Mittwoch den 1. März l. I., abends sy2 Uhr, im Lokale des Caf6 Ebel dahier stattftndenden ordentlichen Hauptversammlung ergebenst eingeladen. IMüiwii Miuig | Für geringen Einsatz 1 Grosse Gewinnaussichten! Nur 1 Mark kostet ein Los der beliebten u. gewinnreichen Gothaer Geldlotterie 3338 Bargeid-Gewinne 1 und eine Prämie mit zusammen 48 BO Grösster Gewinn i. günst. Falle 25000 J bestehend aus einer Prämie v. 15000«..! und einem Gewinn von 10000».! U. 8. f. SS38/1 Auszahlung ohne jeden Abzug. Ziehung bereits am 2o u. 3. März 1905 durch die staatliche Lotterie- Direktion in Darmstadt. Lose ä I Mk. (11 für 10 Mk.) I (Porto une Liste 25 Pf. extra) empfiehlt u. versendet auch unt Nachnahme