Mittwoch 30. August 1905 Erstes Blatt. 155. Jahrgang wär-Ainik. Ideen zur Wirklichkeit werden zu lassen, als nunmehr die, Sie heutige Kummer umfaßt 8 Seilen. Das deutsche tigstes Schiff seinem Elemente zuführe. i* »mist 11 sich der »er Uephacke kwaJd. größte aller deutschen Reedereien ihr gcwal* Schiffsrumpf des neuen Doppelschraubendampfers aufgestellt. Der Kaiser schritt die Front der Ehrenkompagnie ab und begab sich mit der Kaiserin auf die Tauskanzel. Bürgermeister Burcha rd aus Hamburg hielt die Taufrede. Er führte aus: Der heutige Tag erglänze als leuchtender Höhepunkt in der Geschichte der Ham b urg-Amerika- Linie, die stets bemüht gewesen sei, ihre weltumfasienden Hstseetage. Stettin, 29. August. Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute vorinittag Uhr 85 Min. auf dem hiesigen Bahnhofe ein, begaben an Bord des Stationsschiffes „ Carmen * und fuhren nach Hingen früher- beziehbar, toäwerleu mittel» -nncn die schönsten -11 Zimmern mit 3252 , Hofmaitustr» U. Werft des „Vulkan*. Tas Wetter war trübe. Auf dem Festplatze der Werft hatten sich die Spitzen der Behörden, der Aufsichtsaat und die Direktion des „Vulkan*, viele Offiziere mit ihren Damen und die Ehrengäste versammelt. Die Arbeiter der Werst halten sich auf und neben dem riesigen »le Basses ä‘> Freiwilligen, na. beTtoe Unter- stalt. September. 4254 r. KübeL Nv. 803 erfdjeini täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Selfischeu Landwirt die Siegener Familienblätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch-u. Stein- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulpraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. M«be» Pmd Psg- WB* ’M» s-rfnro-tbtn, ktm Siieiit i’ ien bie Si««on bis und gd0^ ,dl, schmevun Sä80, en 2Jlinulen; ‘’ullö ojg Gleichzeitig mit den ersten FriedenSmeldungen lief übrigens noch folgende Meldung vom Kriegsschauplätze ein: Petersburg, 29. Aua. (Pet. Tel.-Ag.) General Line- tv i t.s ch meldet unter dem 28. Aug.: Unsere gegen Ardagau vvr- gegangene Truppenabteüung nahm dem Gegner in einem Gefecht 116 Gefangene ab, von denen 26 verwundet und 90 unverwundet sind. Unsere Verluste betragen 6 Mann. Linewrtsch, der Renommist, der bisher noch gar keine Gelegenheit gehabt hat, seine Leistungsfähigkeit zu beweisen, wird vielleicht der einzige Russe sein, der sich den Anschein geben wird, als sei ihm der Friede unerwünscht. Marschall Oyama dagegen verlangte bereits seit Wochen mit Rücksicht auf das- militärische Interesse Japans dringend, die kriegerischen Operationen sofort wieder aufzunehmen, wenn nicht unverzüglich der Friedensschluß erfolge. Nun wird er wohl der erste sein, der das Ende des Krieges begrüßt im Interesse seiner über die Maßen angestrengten heldenhaften Mannschaften, denen endlich Ruhe tm Schmucke des Siegeslorbeers wahrlich zu gönnen ist. befreit auf. Mit beispiellosem Jntereffe, aber auch mit dem Schauder, den da§ furchtbare Morden im fernen Osten in der Brust jedes gesitteten Menschen Hervorrufen mußte, haben die Völker der Erde dem gewaltigen Ringen des russischen Kolosses, dessen tönerne Füße längst sprichwörtlich geworden sind, mit dem mächtig aufstrebenden Pionier der gelben Rasse zugeschaut. Richt völlig wird die Spannung sich jetzt lösen; die Probleme, dse der ostasiatische Krieg aufgeworfen, können auch durch den Friedensschluss noch nicht endgiltig entschieden werden. Aber e« besteht doch die Hoffnung, daß es gelingt, die weitere Entwickelung in friedlichen Bahnen zu erhalten. Daß dies gelingen möge, ist der dringende Wunsch wohl der ganzen Welt, namentlich auch Deutschlands, dessen Regierung keinen Augenblick gezögert hat, die Friedensaktion des, Japan zu fürchten beginnenden Präsidenten Roosevelt, dessen Verdienste um den Frieden doch niemand verkennen darf, zu unterstützen. DaS siegreiche Japan aber hat sich durch seine Selbstbescheidung den Dank aller Kulturvölker gesichert; auch sein eigner Vorteil wird dabei vielleicht besser gewahrt sein, als wenn eS durch Schroffheit den Frieden vereitelt hätte. Wir können nur wünschen, daß der so mühsam erreichte Friede sich als dauerhaft erweisen möge. Japan hat das Ziel, weshalb es den Krieg begann, erreicht, nämlich das Zurückdrängcn des russischen Einflusses und Korea und seine Entfernung aus der Mandschurei, die Anerkennung des „offenen Tores" dort. Wenn es weiter gekämpft hätte, wäre vielleicht Wladiwostook gefallen, aber auch dann wäre Rußland nicht unbedingt zum Frieden gezwungen gewesen. Das Ende war nicht vorauszusehen, deshalb aab Komura, wenn aucb gewiß recht widerwillig, in der Jnoemnitätsfrage nach, die nicht ein vitales Interesse für Japan bedeutet. ES ist anzunehmen, daß Rußland nach dem großen diplomatischen Siege in der Festsetzung der Einzelheiten, namentlich der hohen Entschädigung für die Verpflegung der Kriegsgefangenen, freigebig sein werde. Kein anderer war so wie Witte zur Durchführung der Aufgabe geeignet. Ihm allein hat der Zar das so über alle Massen glücklich für Russland auSgegangene Friedenswerk zu danken, sein Name steht heute unter den Staatsmännern der neuesten Zeit in höchstem Glanze an der obersten Spitze. Als anerkannter Führer der Friedenspartei vor dem KriegeFund Gegner der russischen ExpasionSpolitik in Ostasien, gab er den Japanern die Gewähr, daß er bis an die Grenze seiner Vollmachten ging, sodaß seine Versicherung, Rußland zahle keinesfalls eine Entschädigung, ernst genommen wurde. Dadurch, daß er KomuraS Vorschlag, die Punkte einzeln vorzulegen, abwies und die Vorlegung der ganzen Liste der Bedingungen verlangte, konnte er zunächst die Rußland annehmbaren Punkte gewähren und dann die Japaner mit der Entschädigungsfrage in die Enge treib en. Sehr bemerkenswert ist, daß sogar bereits ein neuer Meistbegünstigungsvertrag zwischen Rußland und Japan diSkutieä worden sein soll sowie der Artikel betreffend die Räumung der Mandschurei. Ferner wurde, wie eS heißt, über die ostchinesische Eisenbahn bestimmt, daß sie ganz unter japanischer Kontrolle stehen soll, falls China zustimmt. Die Güter Rußlands und Japans sollen gleiche Transportvergünstigungen genießen. per Friede ist gesichert! Folgende Nachrichten, die die Welt in freudige Erregung -ersehen werden, verkündet heute das W. T. B.: Portsmouth, 29. Aug. (Neuler.) Die heutige Sitzung der Friedens-Konferenz hat kurz nach 10 Uhr begonnen. 8s wurde eine völlige Uebereinstimmung in allen Fragen erzielt und beschlossen, zur Ausarbeitung des Friedens-Vertrages zu schreiten. Die Konferenz vertagte sich auf 8 Uhr nachmittag?. — Die „Associated Preß" meldet: Die Japaner machten tatsächlich alle Konzessionen. Die weiteren ofsiziösen Nachrichten lauten: Portsmouth, 29. Aug. (Reuter.) Die FriedenS-Dele- gierten beantragten beim russischen bezw. japanischen Kaiser, daß sofort ein W a f s e n st i l l st a n d abgeschlossen werde. — Die FriedenSnachrtcht wurde hier mit großer Begeisterung ausgenommen. Portsmouth, 29. Aug. (W. B.) Witte erklärte in einer Unterredung, die er alsbald nach dem Zustandekommen der Einigung hatte, er sei über den großen und glücklichen Erfolg erstaunt gewesen, den er nicht zu hoffen gewagt hatte. In der Dormittagssitzung der Konferenz legte er ein schriftliches Ultimatum Rußlands vor, das die Japaner zu seiner Ueber- raschung an nahmen. DaS Ergebnis sei ein großer Sieg für Rußland. Witte hob dann die Punkte hervor, in denen Rußland mit seinen Wünschen obgesiegt hatte, und sagte, er habe aus Befehl des Zaren nur de« südliche« Teil vou Sachalin abgetreteu. Bezüglich des Besuches, den der Finanzmann Vanderlip gestern Witte gemacht hat, deutete dieser die Möglichkeit an, daß Russland eine Friedensanleihe abschließt, und gab der Ansicht Ausdruck, daß zur Regelung der Einzelsragen einige Zeit erforderlich sein werde. Privattelegramme melden folgendes: Portsmouth, 20. Aug. Russland zahlt einzig für die Unterhaltung der Kriegsgefangene«. Portsmouth, 29. Aug. Witte teilt über die Bedingungen mit, dass Russland keinerlei Kriegscntschädignng zahlt und Sachalin zwischen Rußland und Japan geteilt wird. Um 1 Uhr kehrten Witte und Rosen in daS Hotel zurück. Auf der Veranda warteten zahlreiche Journalisten. Bei der Einfahrt des Automobils ertönten Jubelruse. Witte schüttelte den Journalisten die Hand, sichtlich tief erregt. Auf der inneren Treppe verkündete er, kaum sprechen könnend, das günstige Resultat für Rußland, daS die Journalisten mit ,Vive la Russie I“ beantworteten. — R ußland i st nicht gebunden, den südlichen Teil Sachalinszurückzukaufen, so daß keinerleiSchieds- g e r i ch t nötig ist. Die Unterhändler verbleiben vorläufig hier, um die Einzelheiten betreffs der hohen Entschädigung für die Unterhaltung der Gefangenen, der Räumung des besetzten Gebotes, der Grenzregulierung und Eisenbahnen festzusetzen. Der Vorschlag des W a s f e n st i l l st a n d e S geschah beiderseitig gleichzeitig. Portsmouth, 29. Aug. Zuerst schlug Komura eine Reduktion der Rückkaussumme für Sachalin vor. Witte antwortete: „Ich lehne das ab, Rußland gibt keine Kriegsentschädigung. Rußland übergibt Japan die südliche Hälfte Sachalins, kauft sie aber nicht zurücf. Das ist aus Befehl des Zaren mein letztes Wort/ K o m u r a antwortete trocken : „I a c c e p t“. New-Uv rk, 29. Aug. Beim Eintreffen der Friedens- Nachricht sagte Roosevelt: „Dies ist wundervoll. Nichts hat mich seit Jahren so erfreut, wie diese Botschaft." So ist denn also der Friede gesichert und das Ende des grauenvollen Krieges, der dem riesigen russischen Reiche so endlose Niederlagen und so überaus schmerzhafte Verluste gebracht hat, nahe bevorstehend. Die Meldung kommt, trotz der günstigen gestrigen Nachrichten, die man aber nur als die letzten Versuche Roosevelts ansah, doch überraschend, und man könnte sich versucht fühlen, sie mit einem Fragezeichen zu versehen, wenn nicht alle offiziösen und privaten Nachrichten mit so vosi- tiver Bestimmtheit aufträten und im wesentlichen überein stimmten. Das Ergebnis der Friedenskonferenz bedeutet in Wahrheit einen ganz unerwarteten glänzenden Sieg Rußlands. Denn alles, was bisher — noch dazu aus ziemlich unsicheren Quellen — über etwaige weitere Zugeständnisse verlautete, ließ nur eine Herabsetzung der von Japan geforderten Kriegskostenentschädig- ung oder „Rückkaufssumme" für die halbe Insel Sachalin erwarten, während Rußland mit aller Bestimmtheit jede Festsetzung einer Entschädigung, gleichviel in welcher Form, abgelehnt hatte. Auf alles dieses ist Japan ein gegangen! Eß werden sich jetzt viele Stimmen finden, die ihr lebhaftes Mißfallen und ihr herzliches Bedauern über die gar so große Willfährigkeit Japan? zum Ausdruck bringen werden. Daß in Japan selber große Niedergeschlagenheit herrschen wird, daß das ganze Volk seiner Erbitterung über diesen im Grunde doch sehr kläglichen Ausgang freien Lauf lassen wird, ist nicht zu bezweifeln. Von den vier Streitpunkten: Indemnität, internierte Schiffe, Beschränkung der erussischen Seemacht in Ostasien und Sachalin, haben die Russen alle mit Ausnahme de§ letzten vollständig durchgedrückt. Besonders schmerzlich für Japan ist, dass es keine Kriegsentschädigung erhält, wodurch die offizielle Anerkennung des Sieges und ein Aeguivalent für die großen Lasten des Volkes vor und während des Krieges fehlt. Die Enttäuschung in Japan wird also recht groß sein, namentlich auch angesichts der Nachricht, daß die Reisernte in Japan sehr ge- litten hat und ein Notstand unter der ärmeren Bevölkerung daher unausbleiblich ist. Trotzdem zögern wir nicht mit dem Ausdrucke uneingeschränkter Befriedigung über das, nach entsetzlichem Blutvergießen, nach der Hinmordung so vieler Tausender braver Söhne ihrer Heimat, endlich gesicherte Ergebnis der Friedensverhandlungen selbst. Die Welt atmet wie von einem Alp S w i n e m ü n & e, 29. August. Heute vormittag sand ein kameradschaftliches Frühi stü ck auf einem engl. Kriegsschiffe statt, zu dem die Offiziere der Garnison und Flotte geladen waren. An Bord des deutschen Flaggschiffes „Kaiser Wilhelm II." fand heute mittag bei dem Großadmiral v. Köster ein Diner statt. Geladen waren Admiral Wiffon, Biz^ admiral Moore, Kontreadmiral Poore, sowie die Kommandanten der englischen Schiffe und die Spitzen der Militär-, und Zivilbchörden der Stadt Swinemünde; ferner der englische Konsul von Stettin und der englische Dizekonsul von Swinenkünde. — Die englischen Matrosen erhielten um! 2 Uhr Landurlaub. Beide Flotten liegen an derselben Stelle vor Anker wie bei ihrer Ankunft. In erster Reihe die englischen nach Divisionen geordnet in einem Abstand von 1000 Meter. Die deutschen Linienschiffe liegen in zwei Reihen geordnet; in einer Dritten Reihe liegen die dem Geschwader BetgjO gebenen kleinen Kreuzer. Fortdauernd vermitteln Dampf- pinassen und kleine Dampfer einen regen Verkehr zwischen den Schiffen und den deutschen Besuchern. Dampfer und Eisenbahnzüge bringen stündlich neue Schaulustige herbÄ. d O nwnatWbPss,viertel- Mietet Hitidüct ▼ I M | Wr B d? ▼w bis vormittags 10 Uhr. Ui M «, * Aw- • Fh M Zeilenpreis: lokal 12 Pf. ** Eeimal-Ameiger v .ssssä. v ** den polit. und allgem, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW ** ,4Se' * U zeigenteil: Hans Beck. Volk, daß die Bedeutung des Meeres und der Schiffahrt für ein wirtschaftliches Gedeihen erkannt habe, begrüße mit Stolz den herrlichen Zuwachs seiner blühenden Handelsflotte. Mit ihm freue sich besonders Hamburg des schönen Schiffes. Mit dem Hochgefühl der Freude aber einige sich der tiefempfundene Dank für das gnädige Interesse, das der Kaiser seit langen Jahren in stets gleichbleibender Huld der unter genialer Leitung voll erblühten Hamburg-Amerika-Linie erwiese, und. für die von feinem Verständnis für daS wirtschaftliche Interesse der Gesellschaft zeugenden Anregungen, die ihr vom Kaiser so oft zuteil geworden seien. Festgegründet seien auch die huldigenden Beziehungen, deren die Gesellschaft zu der Kaiserin sich rühmen dürfe. Die Kaiserin wolle heute bekunden, daß ihr der meereSftohe Geist der alten meet^ umschlungenen Heimat nicht fremd geworden, daß sie sich eins weiß mit ihrem Gemahl in der Anerkennung und Wertschätzung der deutschen Betätigung auf dem Gebiete der völkerverbindenden Seefahrt. Möge daS Schiff, dem in Gegenwart deS Kaisers der Name der ersten, edelsten und besten deutschen Frauen zuteil werde, allezeit glücklich die Meere befahren imb stets den Ruhm der hohen Frau zu künden wissen, in welcher Alldeutschland seine Kaiserin preisend verehre. Burchard schloß mit einem Hochruf auf den Kaiser und die Kaiserin. Die Kaiserin zerschellte darauf die Sektflasche am Bug deS Schiffes mit den Worten: „Ich taufe dich Auguste Viktoria!" Hierauf begab sich das Kaiserpaar zur Ablauflanzel. Der, Stapellauf ging glänzend von statten. Es war ein imposanter Anblick, wie die Schrauben sich zu drehen begannen.' Einen Moment hatte man das Gefühl, daß baS Schiff gegen, das nahe gegenüber liegende Ufer stoßen könnte. In detz Mitte des Flusses blieb es endlich liegen, nachdem die beiden mächtigen Zuganker Halt gefunden und gefaßt hatten. Man kann dem Vulkan zu dem glücklich gelungenen Stapellauf nur gratulieren. Es ist das größte Schiff der Welt, welches hier zu Wasser gekommen ist. Seine Eigenart gegenüber den! Schnellschiffen wie „Deutschlandund „Kaiser Wilhelm dcr§ Große* besteht hauptsächlich darin, daß es nicht wie diese 22 bezw. 23 Knoten, sondern nur 17 laufen soll. Die „Kaiserin Auguste Viktoria * wird Anfang nächsten Jahres ihre Fahrten nach Amerika aufnehmen können. Si^ wird 1000 Kajüt- und 2500 Zwischendeckspassagiere aufnehmen und 650 Mann Besatzung haben. Ihr Schwesterschiff, die in England gebaute „Amerika*, ist mit den Probe--' fahrten beinahe fertig und soll Oktober^ die erste Fahrck über den Ozean cm treten, Nach dem Stapellauf hielt der Kaiser noch eine ganze Weile Cercle und unterhielt sich ganz besonders lange mit dem Generaldirektor Ball in. Der Kaiser nahm dann mit der Kaiserin das Frühstück bei dem kommandierenden General v. Sangenbecf ein. Generaldirektor Ba llin erhielt die Brillanten zum KSnigl. Kronenorden II. Klasse, Geh. Kommerzienrat Schlutow erhielt den Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub und Krone. Dem Stapellauf des Schnelldampfers wohnten auiH zahlreiche Fremde bei, darunter 1200 Mitglieder der Pro^ vinzialgruppe Berlin-Mark-Brandenburg! des Deutschen Flottenvereins, die nachstehendes HuldigungD-Tele-i gramm an den Kaiser absandten: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät sicheln 1200, Mitglieder der Provinzialgruppe Berlin-Mark Brandenburg beä deutschen Flottenvereins, die zum Stapellauf des Schnelldampfers „Auguste Viktoria" und zum Besuch der englischen; Flotte (Das stimmt nicht! D. Red.) nach Stettm-Swinemunde gefahren sind, begeistert zu. Fest überzeugt, daß eine starke, achtungsgebietende Flotte das sicherste Bollwerk des Friedens ist, für dessen Erhaltung Eure Kaiserliche Majestät unermüdlich sorgen, geloben die Mitglieder der Provinzialgruppe, mit ihrer AufÜLr» ungstätigkeit nicht eher aufzuhören, bis das ganze deutsche Volk von dieser Notwendigkeit durchdrungen ist. Es lebe unser Kaiser, König und Markgraf, Hurra!" Das Karserpaar ist um! 3 Uhr 45 Min. nachmittags von hier nach Wildpark ab gereist und ist um 6 Uhr 45 M.ü^ abends auf Station Wildpark eingetroffen. Heute trafen über tausend' Mitglieder des Deutschen Flotten- vererns, ferner 250 Personen, die deut Stapellaufe des Doppclscbraubendanipfers „Kaiserin Anqusta Viktoria" in Stettin beigewohnt haben, ein. Das Wetter hat sich auf» geklart. Die zweite englische Torpedoboot szer- ftörerdivisiou unter Admiral Wmdsloe ist heute nachmittag hier eingetroffen. Die Schiffe nahmen im Hafen Kohlen ein und gingen dann aus der Reede bei den übrigen Sschrfsen vor Anker. Die Berichte über die Aufn ahme der Engländer in Stvinemünde, über die Stimmung des Publikums lauten sehr verschieden. Der eine Korrespondent bemerkt eine vollkommene Harmonie, ja die Anfänge einer Begeisterung. die verwundert fragt, wie jemals von Unfreundlichkeit habe gesprochen werden können; der andere Korrespondent konstatiert, daß die zahlreich erschienene Menge Bet de Absahrrt der englischen Gäste in Schweigen verharrte; die Schilderungen des offiziösen Depeschenbureaus endlich schlagen einen Ton an, worin Höflichkeit mit Zurückhaltung, Wärme mit Kälte gemischt ist. Jedenfalls entbehren die offiziösen Meldungen der „Bewunderung", die sich bei anderen Gelegenheiten auf alle möglichen Einzelheiten erstreckt und an Besuchern, die unserem Herzen näher stehen, nur die vorzüglichsten, verehrungswürdigsten Eigenschaften entdeckt. Es sind, wenn man so sagen darf, auf eine Molltonart abgestimmte Depeschen, ebenso wie die Gastfteund- schast jede Anforderung erfüllt, von vornehment, gutem Geschmack ist, aber doch von Enthusiasmus sich frei hält. DeS englischen Admirals Wilson für englische Empfindungen überraschend herzliche Rede haben wir bereits gestern im wesentlichen wiedergegeben. Den Wortlaut in oeutscher Uebersetzung herüberzutelegraphieren, hielt das halbamtliche Depeschenbureau. nicht für erforderlich. Wir finden ihn auch nicht in der „Nordd. Allg. Ztg." Uns wird von einem unserer Berliner Korrespondenten, der nach Swinemünde gereist ist, nntgeteilt, daß es dort zwar viel Interessantes zu sehen gibt, daß das Leben und Treiben groß und geräuschvoll ist, besonders nach der Ankunft der schaulustigen „Berliner", daß die englischen Blaujacken neugierig betrachtet werden, daß abgesehen von den wohlbekannten Mitgliedern der Berliner englischen Kolonie, die Neigung zu Begrüßungen und anderen erfreuten Kundgebungen nicht als lebhaft zu bezeichnen sei. Das großartige Schauspiel fessele, der gewaltige Anblick der Schiffskolosse die Engländer sind den Zuschauern ziemlich gleichgiltig. Einem scharfen Urteil über die englische Besatzung Begegnen wir int „Berl. Tagebl." Der Swiuemünder Berichterstatter des „Tagebl." bemerkt u. a.: „Soviel steht fest,- wenn unsere Kriegsschiffsvesatzungen sich int Auslande befinden, hinterlassen sie überaU den besten Eindruck: ob dies von unserem englischen Besuch der Fall ist, möge dahingestellt bleiben. Die spazierstockschwingenden, auf der Straße gehenden englischen Marinemannschasten, wie sie jetzt vor unseren Fenstern auf und ab wandeln, haben für unser Auge etwas Fremdes und Befremdendes." Die englischen Blätter nehmen mit großer Befriedigung von den: guten Empfang des englischen Geschwaders und ganz besonders von der Entsendung des deutschen Geschwaders dorthin Kenntnis. Das fteundschaft- liche Interesse, das das deutsche Publikum an den Gästen nehme im Verein mit der von Kaiser Wilhelm bewiesenen Courtoisie werden allgemein als Beweis dafür angeführt, daß in Deutschland Regierung wie Volk in wohlwollender Stimmung gegen England beseelt sind._________________ Deutsches Rekch. Berlin, 29. August. Verhandlungen über den An - tauf eines Gutes in Litauen für den Kaiser sollen nach einer Meldung der „Tils. Ztg." im Gange fein. Der Verwalter des Rittergutes Schreitlaugken, Forstmeister Frhr. Speck v. Sternburg, ein Schwiegersohn des verstorbenen Rittergutsbesitzer und Herrenhausmitgliedes v. Dreßler- Schreitlaugken, hat da? angrenzende, 900 Morgen große Gut Walenthal angekanst und steht wegen Weiterveräußenmg mit der kaiserlichen Hofverwaltung in Unterhandlungen. — Der Kaiser hat gestern den Bildhauer Professor Brütt zum Frühstück im Renen Palais geladen. Nachher besprach der Monarch mit dem Künstler den Plan, im König!. Schloß zu Berlin einige Bronze statu en, welche Markgrafen auß dem Hause derAskanier darstellen sollen, aufzustellen. Mit der künstlerischen Ausführung der Arbeiten, über die sieh der Kaiser die näheren Bestimmungen noch Vorbehalten hat, sollen außer Prof. Brütt noch drei andere namhafte Künstler betraut werden. Breslau, 29. August. Der Verbandstag der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Beruss- genossenschasten Deutschlands beschloß angesichts der drohenden Verstaatlichung der Kaffen mit allen gegen vier Stimmen den Anschluß ihrer Organisation an die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. Ausland. Paris, 29. Ang. (Agenee Havas.) Der französische Gesandte Graf Taillandier wird morgen oder übermorgen eine letzten Forderungen an den Maghzen wegen Freilassung der verhafteten algerischen Untertanen stellen und ihn gleichzeitig von seiner Absicht unterrichten, daß er Fez verlassen werde, wenn nicht innerhalb deS zur Erledigung seiner Reifevorbereitungen unbedingt nötigen Zeitraumes volle Genugtuung geleistet würde. Taillandier wird sich auf dem sichersten Wege nach Tanger begeben. Erst nachdem die Gesandtschaft dort eingetroffen war, wird die Regierung zu Zwangs maßregeln greifen. Sie wird hierbei die Maßnahmen im Vollbesitz ihrer Handlungsfreiheit treffen und sich die durch zahlreiche gleichartige frühere Zwischenfälle geschaffenen Präzedenzfälle zur Richtschnur nehmen. Hinsichtlich der übrigen Mächte wird sie baS heutzutage übliche Verfahren bcob a eilten. Ans HtM und Land. Gießen, 30. August 1905. ** Personalien. S .K. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Bernhard zu Ernsthofen, Dekanat Eberstadt, die dortige evangelische Pfarrstelle übertragen. ** Hundesport. Bei der am 27. und 28. d. Mts. in Offenbach a. M. stattgehabten Hundeausstellung, erhielten die nachstehenden Gießener Herren Preise: Wein- händler Aug. Schwan auf seine selbstgezüchteten raub» haarigen Pinscher drei 1., einen 2. und zwei 3. Preise. Weißbindermeister Ioh. Schäfer III. auf glatthaarige Pinscher einen 2. und einen 3. Preis. Ebenfalls auf glatthaarige Pinscher Gastwirt Wilh. Mayer einen 2. und einen 3. Preis. Fuhrunternehmer Earl Jughard II. erhielt auf deutsche Doggen einen 3. und einen 1. Preis. Fri e db erg, 29. Aug. Von dem durch die Sammlung der Frauen und Jungfrauen im Kreise Friedberg eingegangener. Betrag hat das Komitee mehrere Ausstattungsgegenstände für Räume des hiesigen Schlosses beschafft. — Frau L. Rot- child Wwe. kaufte das Haus des Milchhändlers Görg in der Köhlergaffe für 19 250 Mk. RB. Darmstadt, 29. August. Ein raffinierter Wechselfälscher wurde gestern in der hiesigen Fahrrad- Handlung von Lautermann entlarvt und hinter Schloß und Riegel gebracht. Schon häusiger waren bei der Firma Volk in Groß-Gerau Wechsel präsentiert worden, die sich als ge- älscht erwiesen. Vor etwa 8 Tagen nun erschien bei Lautermann ein Herr, der sich als Mitbesitzer der Lackfabrik von KuhfuS tu Co. in Frankfurt vorstellte und der sich über die Groß-Gerauer Firma erkundigte, die Herr Lautermann als gut bezeichnen konnte. Gestern nun kam derselbe Herr aus Frankfurt wieder und kaufte ein Fahrrad, bot als Zahlung einen auf die Groß-Gerauer Firma gezogenen und von dieser anscheinend acceptierten Wechsel über 400 Mark an und bat um Auszahlung des Restbetrages. Diese Art deS Kaufes kam aber Herrn L. verdächtig vor, er bestellte den Käufer auf später wieder, da er nicht so viel Geld im Hause habe, und begab sich auf dem schnellsten Rad nach Groß-Gerau, wo er erfuhr, daß der Wechsel nicht nur gefälscht sei, sondern der Gauner schon wegen der früheren falschen Wechsel von der Staatsanwaltschaft eifrig gesucht werde. Als der „Frankfurter Herr" dann ahnungslos am Nachmittag wieder in der Fahrradhandlung erschien, um den überschüssigen Betrag von ca. 250 Mark in Empfang zu nehmen, wurde er vom Geschäftsinhaber festgehalten und der Polizei übergeben, wo er sich als der Kaufmann Friedrich Trunnert von hier entpuppte. * kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Beim DünSberg-TUrnen am Sonntag errang, wie wir unserem gestrigen Bericht noch nachtragen wollen, der Turner Karl M ü l l e r vom Turnverein Gießen, der in früheren Jahren bereits 1. Sieger des Dünsbera-Wettnrnens war und diesmal außer Konkurrenz teilgenommen hat, die Punktzahl 41V„ wofür ihm eine Ehrenurkunde ausgehändigt wurde. — Der Kreisrat des Kreises Bingen, Geh. Regierungsrat Spam er, wird im Laufe des Monats Oktober sein goldenes 91 m t § i u b i I ä u ni feiern. Im gleichen Monat des nächsten Jahres sind es 25 Jahre, daß er an der Spitze des Kreises Bingen steht. Vermachtes. ^Räuber im Harze. Man meldet heute aus Braunschweig: Als der Geh. Oberregierungsrat Dr. v. Martitz aus Berlin, ein betagter Herr, den H e x e n t a n z p l a tz herabging, nachdem er das Harzer Bergtheater besucht hatte, gesellte sich ein junger Mensch zu ihm mit der Frage, ob er wohl auch das Theater besucht habe. Nach wenigen Augenblicken versetzte ihm der Unbekannte einen Faustschlag, riß ihm Uhr nebst Kette ab und verschwand in der Dunkeheit. Bis jetzt fehlt von dem Wegelagerer jede Spur. * Norden hani, 29. Aug. Heute entgleiste auf der Strecke Blexenhude zwischen den Stationen Rodenkirchen und Kleinensiel etwa vier Kilometer von Kleinensiel ein Schnell zu g. Der Zug lief etwa 20 Meter weiter, ohne daß der Lokomotivführer ihn zum Stehen bringen konnte, und stürzte dann mit dem Tender und den Packwagen den Bahndamm herunter in einen Graben. Auch der nächste Wagen erster und zweiter Klasse kippte zur Seite und blieb über dem Graben liegen. Zwei weitere Personenwagen entgleisten ebenfalls, blieben aber auf dem Bahndamm stehen. Ein Schaffner und mehrere Reisende erlitten unerhebliche Kontusionen. Nach 40 Minuten war ein von hier entsandter Hilfszug vor der Unfallstelle. Die Sonnenfittsternis. Das Wetter ist heute morgen zur Beobachtung der bald nach Mittag eintretenden Sonnenfinsternis außerordentlich ungünstig. Allerdings ist das Wetterglas ein wenig gemegen, sodaß wir noch nicht ganz die Hoffnung auf einige Sichtbarkeit der ungewöhnlichen Hinimelsvorgänge aufgeben trotz des leichten und scheinbar anhaltenden Regens. Auch in den wissenschaftlichen Beobachtungsstatten, in der spanischen Stadt Burgos und in Algier ist nach drahtlichen Meldungen das Wetter bisher wenig hoffnungsvoll. In Burgos war am Dienstag der Himmel bewölkt und die Atmosphäre stark bewegt, am Mend aber wurde es gestern klarer. Die staatliche Fovschungskommisfion aus Potsdam unter den Gelehrten Prof. Dr. Säbel in a und Nippold wird die begonnenen Versuche über die Aeuderung der drei erdmagnetischen Größen sowie der Lustelektri- zität, Ionisation und Radioaktivität auch nach der Finsternis längere Zeit fortsetzen. Dieses Gebiet ist fast ganz neu und bisher nur durch eine nordamerikanische und ftanzösische Kommission bearbeitet. Die deutsche Forschungs - Kommission, die mit geringerer Ausrüstung seitens der Berliner Sternwarte und durch Martins und den Camegiefond dotiert ist, installierte eine ungeheuere photographische Camera zur Aufnahme des Sonnenbildes. Die der Expedition zugeteilten Damen wollen die Kvrona zeichnen. Prof. Peerson-Berlin ist von der spanischen Regierung eingeladen worden, als Vertreter an dem internationalen wissenschaftlichen Aufstieg teilzunehmen. Burgos ist überfüllt. Die Preise für Hotelzimmer und Wagen sind ungeheuerlich. Die Unterkunft ist trotz der Bemühungen der Ortsbehörden elend. — Die Festlichkeiten begannen in Burgos schon am Dienstag mit einem Empfang auf dem Rachans und der Grundsteinlegung des Cidmonuments sowie einem Stiergefecht, dem der König beiwohnte. Im Theater war Gala-Vorstellung. — Kommissionen zur Beobachtung der Sonuensinstemis entsandten Bordeaux, Montpellier, Meudon in Belgien und London. Außerdem sind Privatgelehrte eingetrosfen. Auf der spanischen Station sind allein über sechzig Beobachter. In Algier sind von wissenschaftlichen Millionen gleichfalls große Vorbereitungen getroffen worden. Die Füllung des Ballons ‘.Gatcntour" wurde gestern ausgeführt. Die Astronomen hoffen eine Höhe von 4000 Meter erreichen zu können. Erz - Kuxe. F e r n i e. Angebot 4150, Nachfrage 4100. Ausbeuten und Zu- l'iißen 1903: 225: 1904: 300. Ärbeilerkewcgung. Dochu m , 29. Aug. Die VertrauenSmänneroersaminlung der Arbeiterorganisation des B a u g e w e r b e s na hm mit knavver Majorität den von der Einigungskommission in Essen aufgestellten Tarif an. < . , . Essen a. d. Ruhr, 29. Slug. Infolge der durch den Streik im Baugewerbe entstandenen Absatzschwierigkeiren im Zigeleige- werbe haben die meisten Z i e g e le i e n im Dortmunder und Kol- ner Reuier ihren Betrieb eingestellt. Original- Zer Friede. London, 30. Ang. „Morning Post" meldet ans Portsmouth Japans heutiges Verhalten war die Antwort ans den Hinweis aus die gelbe Gefahr. Nuß! and errang unstreitig einen großen diplomatischen Sieg. Indem es tal- sächlich die Annahme seiner eigenen Bedingungen erzwang, sicherte es sich den Frieden, ohne dafür zahlen zu muffen. Nur der moralische Sieg bleibt auf feiten Japans. Man wird nicht unrecht tun, wenn man sagt, daß, wenn Japan bereit ist, 6 0 Millionen Pfund Sterling und die südliche Hälfte von Sachalin an Stelle einer Entschädigung für alle anderen finanziellen Forderungen an zu- nehmen, dieses Ucbereiukommen durch den Präsidenten Roosevelt vorgeschlagen worden ist, der glaubte, daß Rußland dies annehme. Ob Japans persönliches Verhalten von den Ruffen als ein Zeichen seiner Schwäche ausgelegt wird oder ob Rußland tatsächlich nach einem Borwand suchte, um den Krieg fortzusehen, ist unbekannt. In- besten lehnte Rußland kategorisch die Zahlung auch nur eines Schillings mehr ab, als Japan rechtmäßig auf Grund der Bc- timmungen der Haager Konferenz für den Unterhalt der Kriegsgefangenen zu fordern berechtigt war. So hartnäckig war Rußland, daß sogar der Vorschlag, einem Schiedsgericht die Entscheidung über die Höhe der für die nördliche Hälfte von Sachalin zu bezahlende Summe zu überlasten, von ihm kurzer Hand ab gelehnt wurde. In diesem Augenblick wandte sich Präsident Roosevelt an Japan. Welchen Einfluß der Präsident in Tokio geltend machte, ist unbekannt. Man weiß nicht, in welcher Ausdehnung es fein Verdienst ist, zu diesen weitgehenden Versprechungen bewogen zu haben. Man kann je» doch zuversichtlich behaupten, daß auf sein Verlangen die gestrige Sitzung anb.'raumt wurde, die wahrscheinlich die letzte gewesen wäre, wenn sie auf heute verschoben worden wäre. Portsmouth, 30. Aug. (Reuter.) Seitens der japanischen Bevollmächtigten gab Sato heute die Erklärung ab: Von Anfang an sind es Einwendungen über die Frage die endgiltige Bestimmung Sachalins und die Kriegsentschädigung betreffend gewesen, über die eine absolute Meinungsverschiedenheit herrschte. Nickt nur eine, sondern beide Parteien stellten häufig den günstigen Llbschluß der Konferenz in Frage. Der Kaiser'von Japan legte entschieden den Forderungen der Menschlichkeit und der Zivilisation gegenüber den Geilt vollkommener Versöhnlichkeit an den Tag und ermächtigte im Interesse des Friedens seine Delegierten, die Frage der Entschädigung für die Ausgaben fallen zu lassen und in die Teilung Sachalins und die Bedingungen zu willigen, die für beide Teile gleich annehmbar sind. Auf diese Weise hat es der Kaiser ermöglicht, daß dieses bedeutsame Werk einen glücklichen Mschluß gefunden hat. — Witte hat dem Präsidenten in einem Telegramm zum Ausdruck gebracht, daß die Geschichte ihm den Frieden von Portsmouth z u s ch r e i b e n werde, und wie aufrichtig seitens Rußlands die Initiative des Präsidenten geschäht werde. Baron Komura hat zunächst von den Bevollmächtigten den Präsidenten von dem Ausgang der Konferenz in Kenntnis gesetzt, hat sich aber auf die einfache Tatsache des Uebereinkommens beschränkt. Präsident Roosevelt sandte darauf an beide Dank- und Glückwunschschreiben. Portsmouth, 30. Aug. (Reuter.) Man erwartet, daß der Friedensvertrag Ende dieser Woche abgeschlossen sein wird. Witte bemerkte, daß dieser Vertrag in den Protokoll-Sitzungen tatsächlich bereits aufgesetzt ser und daß cs nur erforderlich sei, den Wortlaut zu ändern. Eine neue Klausel wird hinzugefiigt, die einen Handelsvertrag zwischen Japan und Rußland vorsieht, wobei jede der beider: Nationen den Vorteil der Mcistbegünstig- sten genießt, da diese Klausel das Prinzip der offenen Tür in sich schließt. In gut unterrichteten Newyorker Bankkreisen ist man der Ansicht, daß dem Friedcnsschluß bald die Aufnahme einer Anleihe durch Rußland und etwas später durch Japan folgen wird, deren Höhe in vollem Maße von den dlurch beide Länder gebotenen Sicherheiten abhängig sein wird. Es ist bekannt, daß Rußland alle Vorbereitungen trifft, um einen Teil der Anleihe hier unterzubringen; es ist auch wohl verständlich, wenn Japan die Aufnahme von mehr Geld beabsichtigt, da es seine einheimischen Schuldverschreibungen bezahlen muß. Portsmouth, 29. Aug. Heber beit Verlauf der Na'ch- mittagssitzuiig der Friedenskonferenz wurde von Sato, nachdem er in das Hotel zurückgekehrt war, folgender amtlicher Bericht veröffentlicht: „In der Nachmittagssitzung der Friedenskonferenz wurden die Einzelheiten des Friedensvertrages beraten. Es wurde beschlossen, Prof. v. Martens und den rechtsverständigen Beirat des japanischen Ministeriums des Aeußeren Dennisson mit der Ausarbeitung der einzelnen Artikel zu betrauen mit der Weisung, diese Arbeit möglichst bald zu beendigen. Portsmouth, 29. Aug. Das Abkommen bezüglich Sachalins verpflichtet Rußland wie Japan, diese Insel nicht für strategische Zwecke zu befestigen; es verpflichtet ferner Japan, die Laperonseslraße zwischen Sachalin und Hokkaido nicht zu befestigen. — Als die Friedensnachricht bekannt wurde, wurden die Glocken geläutet. Pvrtsmouth, 30. Aug. Für den Unterhalt der russischen Gefangenen verlangt Japan eine Entschädigung von 100 Millionen Dollar. Tokio, 29. Aug. Der japanische Minifterrat hat sich entschlossen, eine außerordentliche parlamentarische Session einzubenifen, um dem Landtage den Friedensvertrag zu unterbreiten. Die Session dürfte höchstens 8 Tage dauern. London, 30. Aug. „Daily Mail" bestätigt, daß die Erneuerung des All i anzv er tr a g es zwischen England und Japan eine umfassendere und bedeutendere Basis besitzt als der frühere Vertrag. Die Unterzeichnung desselben habe bereits stattgefunden. London, 30. Aug. In hiesigen gut unterrichteten Streifen ist man der Ansicht, daß Japan durch einen Geheimvertrag mit Rußland sich weitere Konzessionen gesichert hat. (??) Petersburg, 30. Aug. Die Nachricht, daß die Friedenskonferenz zu einem günstigen Ende geführt habe, kam um so unerwarteter, als man hier wußte, daß Rußland über die einmal gemachten Konzessionen nicht hinausgehen werde. Wittes Geschicklichkeit und Beharrlichkeit wird hier allgemein rühmend anerkannt. Die 9lbfenbung der ersten russischen Gefangenen erfolgt in der nächsten Woche. Roschdjestwensky wird unter den ersten fein. Berlin, 30. Aug. Die Morgenblätter geben ihrer Befriedigung über den nunmehr gesicherten Frieden Ausdruck und heben insbesondere die Verdienste Roosevelts hervor. Auch der Bemühungen Kaiser Wilhelms und der Haltung der deutschen Regierung während des Krieges wird lobend gedacht. Einstimmig vertritt die Presse die Ansicht, daß die Japaner, wenn sie auch noch im letzten Moment besonders hinsichtlich der Kriegsentschädigung nachgegeben haben, doch reich an militärischen Erfolgen und mit einem bedeutenden Zuwachs an Macht und Ansehen aus diesem Kriege hervorgehen, der sie zum Ausschlag gebenden Faktor int fernen Osten gemacht hat. Rußland dagegen scheidet vom Kampfplatz mit der Versicherung, daß es nicht überwunden sei und die Japaner russischen Boden nicht berührt haben. Die Welt werde aber nicht über den wahren Charakter dieses Friedens getäuscht, der das Verzicht Rußlands auf seine mit enormem Aufwand betriebene ostasiatische Politik bedeutet. mb ber Zivili- mcr Versöhn. M Interesse des r Entschädig- ssen und in bie zu willigen, die Auf diese Deise bebeutscune Ank — Witte hat m zum Ausdruck Frieden von mb wie aufrichtig äsibenten geschäht n den Bevollmäch- ; der Konferenz in einfache Tatsache it RooseveÜ sandte chschreiben. ■.) Man erwartet : dieser Wockc e, baß bieser Der- ij bereits aufgeseht 'ortlaut zu anher. einen Handel nb DMiiefyt, tft» r MistöeMM' der Tür Bank- riedensfchiuh bald ßland unb etwas m Höhe in vollem itenen Sicherheiten Rußland alle Vor- llnleihe hier unter- ich, wenn Japan htigt, ba es seine Hungen bezahlen t Verlauf der M von Sato, noOm der amtlicher BmV ,-r F-ricbenskonseren» träges beraten. & )en rechtsverstandrga Z'Kk- * ‘fr®**1 J'S&Sj AM rZZ Ä'nichl beru^W L/K" .:-K ä.’S ^7 eine« eines 1 «tttk b,t 8 S* 7*«»«m ÄS'titt bi. 7l»e.« •” * Nt *?. sch ; b.t «nt. Mm teii "ü if. ;u kiejeg “■ Wan lann je 'langen bie 1 ?!e letzte gewesen wate. Ottens bet japa- )lc Erklärung ab: '"?ie Frage die Kriegsentschädig- solute Meinungs- mbern beibe Par- Berlin, 30. Aug. In einem Hanse der Manienffclstraße erschoß ein unbekannt gebliebener Mann die Näherin Krüger aus Eifersucht und erschoß sich dann selbst. Danzig, 30. Ang. Die Stadtverordneten nahmen mit überwältigender Mehrheit eine Magistratsvorlage an, nach der 5000 Mark für den Empfang der englischen Flotte bewilligt werden. L andsbergo. Warthe, 30 Aug. Die asiatische Ch ol e r"ä wurde bei einem verstorbenen Flößer im Nachbarorte Zantoch amtlich festgestellt. Ein zweiter Todesfall trat heute ein. Hamburg, 29. Aug. In einem Veranüaungslokal auf der Peute, einem Vororte Hamburgs, wurden die Leichen eines Liebespaares auf dem Musikpodium des Tanzsaales auf- aefunden. Tas Paar hatte sich erschossen. Jede Leiche wies drei Schußwunden auf der Brust auf. Der junge Maun trug die blaue Uniform eines Musikschülers. Hamburg, 30. Aug. Mir dem Dampfer „Professor Woer- mann" trafen 6 Militärarrestanten ein, die vom Kwie^- gericht Swakopmund zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt sind, 2 Pioniere wegen tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte, vier Reiter wegen Tötung Eingeborener. Neufahrwasser, 30. Aug. Bei einem aus Thorn gekommenen Floßschiffer sind choleraverdachtige Erscheinungen aufgetreten. Eisenach 30. Ang. Der kürzlich verstorbene Landgraf Alexis von Hessen-Philippsthal-Barchfeld setzte testamentarisch 75 000 Mark für wohltätige Stiftungen ans. Peckelsheim, 30. Aug. Die Feuersbrunst wütet weiter. Bisher sind 180 Häuser eingeäschert. Das Feuer war in der Waschküche eines Landwirtes ausgebrochen. Warschau, 30. Aug. In 10 Dörfern des Nowomineki'schen Kreises erhoben sich die Bauern und traten den Räubern mit Waffengewalt entgegen. Sie töteten bisher 11 und verwundeten 50. P e k i n g, 29. Ang. (Reuter.) Die fremden Gesandten wohnten heute einem Bankett bei, welches Prinz Tsching zum Mschied der Kommission gab, welche ihre Weltreise antritt, um die parlamentarischen Regierungsformen zu studieren. Die Kaiserin-Witwe beabsichtigt, zu Neujahr eine Verfügung zu erlassen, nach ^welcher nach 12 Jahren ein chinesisches Parlament errichtet werden soll. In der Zwischenzeit wird China ständig eine Anzahl von Beamten in fremden Ländern halten, welche durch ihre Studien das Land auf die parlamentarische Regierungsform vorbereiten sollen. Die Kommission wird einen Monat in Japan zubringen und dann über die Vereinigten Staaten von Amerika nach Europa reisen. Es haben Beratungen darüber stattaefunden, ob man nicht den 4% Oesterr. Goldrente 101.90 4*/s% Gestern Silberrente . 101.65 . 272.50 257.70 . 223.50 . 100 30 4% 4O/o 4% 30/ 1% Ungar. Goldrente Italien. Rente . Portugieser I Portugiesen. IH Unif. Türken Türkenloso .... 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 3°/6 Mexikaner 41 /•% Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . . Kroditaktien . . Diskonto-Kommandi Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Gestern Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurabütte . . Bochum . . . •’arponor . 100.95 . 8.990 . 101.10 . 89.85 . 100.20 37t°/0 3-Vo 3*/,% 3°/o W/n Reichsanleiho do. Konsole , do . . Hessen Oberhessen Weg über Kanada wählen sollte, um die Vereinigten Staaten' wegen der gegen die Chinesen erlassenen Ausschlußgcsetzc zu vermeiden, doch dieser Plan wurde wegen des in Kanada herrschenden rauhen Klimas aufgegeben. . 96.90 Stnatschatzscheine Tendenz: sehr fest. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. II., 30. August 1905. . 98.00 . 106.35 . 80.70 . 68.40 . 90.20 . 137.80 54.90 . 68.80 . 96.90 . 139 00 . 139.00 . 212.60 194.90 . 14930 . 166 2K . 172.50 . 144.75 . 20.70 4°/0 äussere Argentiner Bekanntmachung. Die unterin 31. Juli 1905 ungeordnete Sperre der Stein st raße zwischen Asterweg und Schottstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 28. August 1905. Großh. Voliz"iamt Gießen. ________________Herberg._________________ Bekanntmachung. Die unterm 5. August l. Js. anqeordnete Sperre der Wolf st raße zwischen Grünberger- und Licherstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 28. August 1905. Großh. Voliroiamt Gießen. Herberg Bekanntmachnna. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Stephan st raße zwischen Bleich- und Goethestraße von heute an bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt. Gießen, den 28. August 1905. Großh. Volizeiamt Gießen. Herberg Bekamsimachrmg. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß sich die Bureanrämne des Standesamts vom 1. September d. I. ab im alten Rathaus am Marktplatz besmden unb daß dortfelbst alle Amtshandlungen, einschließlich der Eheschließungen, vorgenommen werden. Tie Geschäftsstunden des Standesamtes sind vormittags von 8 bis 10 Uhr und nachmittags von 3 bis 4 Uhr. Gießen, am 30. August 1905. B80/8 Großherzo"!! ' ' Gießen. I. V.: Curschmann. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Garteustratze 2 (Bürgermeistereigebüude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat bie Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jealtcher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 btfl 1 Uhr unb von 4 bis Ä Uhr geöffnet. ES können eingestellt werden: 1 Schmied, Schlosser, 1 Spengler, 1 Strickerin, Schreiner, 2 Weckträgerinnen, 1 Friseur, Schneider, Erdarbeiter, 1 Weißbinder, 3 Hausburschen, 3 Fuhrleute, Haus- 11. Dienstmädchen, Laufmädchen oder Lauffrauen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 2 Schreiner, 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schuhmacher, 1 Schreiber. Es suchen Arbeit: B80/fl 2 Schmiede, 1 Spengler, 1 Maschinenschlosser, Maschinist- oder Heizer, 1 Buchbinder, 1 Schneider, 2 Wäscherinnen, 1 Fahrbursche, 3 Lauffrauen, 1 Lausmädchen, Haus- oder Bureaudiener, Kassierer, Taglöhner für leichtere Arbeit. Alebeits-VergeLrrng. Die nachstehenden Arbeiten und Lieferungen zur Erbauung einer höheren und erweiterten Mädchenschule sollen Samstag, den 9. September d. I., vormittags 10 Nhr öffentlich vergeben werden. 1. Zimmerarbeit, darunter ca. 2,40 cbm Eichenholz, „ „ 297 „ Tannenholz, „ „ 200 Ifdm Gesimse. 2. Schrcincrarbcit, insbesondere 200 Ifdm Dachgesimse. 3. Dachdeckerarbeit, darunter 2512 qm Schieferdach mit Schalung, „ 455 „ „ ohne „ „ 313 Ifdm Kehleindeckungen. 4. Speuglerarbeit, darunter 252 Ifdm Hauptgesimsbachrinnen, „ 366 stgdjn Abfallrohre, „ 158 qm Zinkeindeckungen, „ 15 Stück Dachspitzen. 6. Blitzableiteranlage» darunter 5 Auffangstangen, „ 500 Ifdm Kupferdraht. Zeichnungen, Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen wahrend der Amtsstunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Städtisches Hochbauamt. Gerbel. 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I., vormittags 10 Uhr, soll ein abzuschaffender Gemeinde-Uelblllle auf hiesiger Bürgermeisterei öffentlich versteigert werden. Bersrod, 29. August 1905. Gr. Bürgermeisterei BerSrod. Reuschling. 4489 Damen- Znschneideschule. Unterricht im Zuschneider» von Damen- und Kindergarderobe nebst Verarbeiten erteilt nach leicht fatzlicherMethode Luise Weinhardt, Goethestraße 46, part. Zuschneideschule — Konfektion. Beginn eines Kursus täglich. OOOOOOQOOCC Penaten Creme verhindert sicher jedes Wund- wcrden derHaut, Durchlaufen, Schweißfüße,HautauSschläge re. 3« derKinderstube unentbehrlich. Preis per Dose 25 Psg. Erhältlich in Gießen bei [hv15/fl Adolf Bieler. Drogerie 'OcFneni Oelfarben nicht uachNebend, PttkMchs — Parkettwach» —- ohne Glätte sowie alle sonstigen Artikel zum Anstrcicheu und Wichse« bet 1 Fußböden bei [42531 Emil Fischbach. Horrido. Geladene Jagdpatronen, la. Schwarzpulver imd Schrots Cal. 16, per Stück 6 Pfg. Geladene Jagdpatronen, gasdicht, per Sttick 7 Pfg. 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