Nr. 125 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Erscheint MgNch mli TluSnahm« de» Sonntag». Die „•kfienet Zcnntltendlätter- werden dem ^Anzeige, viermal wöchenlUch betgelegt. Der «Helstich« Laadwttt- erjchevu monatlich einmal. Giehener Anzeiger Montag 29. Mai 1905 RßtartonSbrud and Verlag bet Brühl IdXB UntDedU&lßbruderet eutf(5-5üöwc$lafrifta» Berlin, 27. Mai. (W. B.) Ein Telegramm aus Wind- huk meldet: Gefallen auf Patrouillenritt bei Ko wes am 17. Mai: Oberleutnant Heinrich Häring, geb. 15. Mai 1871 zu Freiburg, früher Juf.-Regt. 163; Unteroffizier Reinhold Stahn, geb. 22. Nov. 1878 zu Logau, früher Eisenbahnregt. 2; Reiter Wilhelm Bitter, geb. ,16. Dez. 1881 zu Neu-Jaromirz, früher Juf.-Regt. 140; Reiter Wil- Thies, geb. 3. März 1881 zu Celle, früher Luftschifferbat. Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Unteroffizier Franz Lengowski, geb. 22. August 1878 zu Bialken, früher Kürassierregt. 5; Reiter August Krüger, geb. 29. Nov. 1882 zu Jakobshagen, früher Lehr-Regt. der Feldartillerieschießschule; Reiter Konrad Girod, geb. 8. April 1879 zu Dresden, früher kgl. sächs. 1. Feldart.-Regt. 12; Reiter Mar Hellbig, geb. 11. Juni 1883 zu Vromberg, früher Feldart.-Regt. 53. I m G e f e ch t b e i B i s s e p o r t am 19. Mai: Feldwebel Robert Schnalle, geb. 2. Okt. 1874 zu Leobschütz, früher Feldart.-Regt. CG: Unteroffizier Heinrich Oelze, geb. 8. März 1883 zu Hildesheim, früher Juf.-Regt. GO —Verwundet: Auf dem Patrouillenritt bei Kowes am 17 Mai: Reiter Adolf Bode, geb. 21. März 1883 zu Nordhausen, früher Jnf.-Regt. 49; Reiter Louis Bernhardt, geb. 24. Nov. 1882 zu Waltersdorf, früher Juf.-Regt. 163 Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Assisten'arzt Joh. Kahle, geb. 27. Juni 1878 zu Neuendorf,*früher Feld- artillerie-Negt. 62; Unteroffizier Franz Iegust, geboren 1878 zu Wittgirren, früher Feldart.-Regt. 52; Gefreiter Friedrich Bröcker, geb. 1. Februar 1885 zu Röbel, früher Feldart-Regt. 24. Im Gefecht bei Visseport am 19. Mai: Sergeant Will). Kn oke, geb.. 27. Juni 1879 zn Diesdorf, früher Pionierbataillon 4; Unteroffizier A bert Hausler, geb 25. Sept. 1880 zu Maibach am Neckar, frül>er 2. württ. szeldart-Regt. 29; Gefreiter Emil Wawries , geb. 31. Juli 1882 zu Krerwöhncn, früher Wanen-Negiment Nr. 8; Reiter Karl Gölicke, geb. 31. Januar 1883 zu Würmlitz, früher Inf-Regt. 32; Reiter Richard Hartwig, geb. 11. <>''fivi,a-’X1882 zu Flieth, früher Pionier-Bataillon 15: Reiter Rudolf Bar en thin, geb. 22. Dez. 1882 zu M anker, früher Inf-Regt 24; Reiter Gustav Wilduer, geb. 11. De,. 1881 w Primkenau, früher Lchr.-Regt. der FeldartBlerieschieß- schule Vermißt: Im Gefecht bei Kowes am 17. Mai: Ilnlcrosfi.'.'er Johann Grundmann, gcb. 15. Nov. 1881 zu. Königsdorf, früher Husaren-Negt. 1. prr 2 Perbandstaq der Spenglermeister und Installateure des Kroßyer,oqfums Keffcn. Gießen, 29. Mai. Seit Samstag tagt hier der Verbandstag der Spengler. Ain Samstag nachmittag von 5 Uhr ab wurden die auswärtigen Gäste am Bahnhof empfangen, und abends 8 Uhr fand im Saale des Cafö Ebel ein VcgrüßungskommcrS statt. Im Namen der Gießener Kollegen begrüßte der Vorsitzende Appel die zahlreich erschienenen Festgäste, während Herr Metzle r - Mannheim namens der Gäste den Gießenern für den schönen Empfang dankte. Der „Liederkranz" trug unter der Leitung des Dirigenten Franz Bauer mehrere Chöre vor, und einige Solovorträae fanden lebhaften Beifall. Gestern vormittag um 11 Uhr begannen die Hauptverhandlungen des Verbandstags im Hotel Einhorn. Als Vertreter der Negierung war Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert anwesend; als Vertreter des Gewerbevereins Stadtv. Petri und ferner hatte sich Direktor Bergen vom städt. Gas- und Wasserwerk eingefunden. Spenglermeister Selbst aus Worms leitete die Verhandlungen. Rühl-Darmstadt verlas den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr. Die Mitgliederzahl des noch jungen Verbands hat zugenommen. Der Verband, der erst am 14. Sept. 1902 in Darmstadt gegründet wurde, umfaßt in den drei Provinzen 18 Bezirksvereine; davon entfallen aus Oberhesseu 7 sLich, Grüuberg, Laubach, Friedberg, Nidda, Alsfeld und Büdingen): Starkenburg 6 und Rheinhessen 5. Der Vertreter für Oberhessen ist Faber-Gießen, für Starkenburg Rockel-Darmstadt, für Rheinhessen Eckert-Mainz. Der Rechner des Verbands, Hörle-Offenbach, erklärte, daß, die Beiträge erhöht werden müßten,- dem schließen sich Benz und Rockel an. Hierauf sprachen Stadtv. Petri-und Direktor Bergen-Gießen und wünschten den Verhandlungen reichen Erfolg zum Wohl des Handwerks. Die Neuwahl des Verbandsausschusses ergab folgende Wahlen: Selbst-Worms, Hörle-Offenbach, Faber-Gießen, Neitmayer, Appel-Gießen, Kaifer-G)rünberg, Fnchs-Lollar, Nohl-^Darm^ stadt, Eckert- und Grünert-Mainz. Herr Metzger-Mannheim hielt daraus einen hochinteressanten Vortrag über „Das Handwerk in seiner heutigen wirtschaftlichen Bedeutung". Er führte ans, daß gerade dem Berufe der Installateure zahlreiche Feinde drohen. Es sind auf der einen Seite Großkapital, Fabriftvesen und die organisierte Arbeiterschaft, aus der anderen Seite Warenhäuser, Hausierhandel und Gas- und Wasserwerke. Die Gefahren, die dem Hundwrrk drohen, müßten die Handwerksmeister von Stadt und Land dcrzu treiben, sich zusammen^ uischließen, sich zn organisieren. Vor Jahrzehnten war das Spenglerhandwerk noch ein goldenes Handwerk, heute ist, es ausschließlich noch ein Bauhandw^rk. Der Redner wieS dann auf die Organisationen der Arbeiter hin, denen eS dadurch gelungen ist, sich bei Reich und Regienmg Gesetze M schaffen zur Wahrung ihrer Interessen. Auch zunt Schutze des Handwerks müßten solche Gesetze geschaffen werden, und dies würde umso leichter sein, da die Regierung ein wohlwollendes Herz für das Handwerk hege, ivas sich bereits durch die Gründung von Handwerkskammern gezeigt habe. Damit aber das Handwerk eine Macht wird, muß es zur Einigkeit kommen. Die Slufstellung einer Normal-Preisliste für alle Arbeiten hält der Referent für geeignet, um das gegenseitige Unterbieten zu beseitigen. Seine Rede gipfelte "in den Worten: Alle für einen, einer für alle. Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert erklärte, daß er im Auftrag des Großh. Ministeriums den Verhandlungen beiwohne, großes Interesse für die Verhandlungen habe und ihnen den besten Erfolg wünsche. Herr Kaiser-Grünberg spricht hieranf über die Konkurrenz des Hausierhandels. In manchen Städten würden ganze Wagenladungen in den Wanderlagern verkauft, das Publikum kennt den geringen Wert und die großen gesundheitlichen Schädigungen der Schundware gewöhnlich nicht und kaust sie gern, wodurch das Handwerk sehr geschädigt werde nnd die Volksgesundheit Not leide. Kaiser bringt dann folgende Resolution an die Handwerkskam- in e r n ein: „Die hessische Handelskammer möge die Initiative ergreifen daß dem Unfug der Wanderlaqer und der umheräeheudeu Hausierer gesteuert werde im Interesse des Handwerkerstandes, zumal auch durch die minderwertige Emaitteware das Volk gesundheitlich geschädigt werde/ Hörne-Ofsenbach tritt für die Annahme ein, ebenso Fuchs-Lollar und Nockel-Darwstadt. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Hörne wendet sich gegen das bestehende Sub- inissionswesen und fordert, daß Arbeiten, deren Gewinn leicht zu berechnen ist nnb bie etwa 3—4000 Mk. in Rechnung stellen, von bei- Submission ausgeschlossen werden. Er wendet sich auch dagegen, daß alle Arbeiten eines Baues nicht selten in eine Hand vergeben werden und betont, daß bie einzige Rettung für bas Hanbwerk bie Genossenschaft und Organisation fei. Ferner fordert er, daß die Meisterprüfung obligatorisch eingeführt wirb, denn die nicht auS- aed'ldeten Elemente schädigten das Ansehen und den guten Ruf deS Handwerks. 9l ppcl-GZießen referierte über «Die Konkurrenz der städtischen Gas- nnb Wasserwerke.^ Manche Stäbte ließen ihre Arbeit selbst ausführen, cinbevc stellten sogar noch Anschlüße für Private her und hielten sich ihre eigenen Arbeiter ynn großen Schaben ber Installateure. 9lppel weist bann ganz besonberS ans bie Verhältnisse in ber Stabt Gießen bei der jetzigen Kanalisation hin. Es entspinnt sich hierauf eine ■ehr lebhafte Debatte, in bie auch Gas- und WasserwerkS- bireftor Bergen, Rockel- Darmstadt, Metzger-Mannheim und Hörne-Ofsenbach eingreifen. Hörne hofft, baß auch in dieser Beziehung bei dem nötigen Entgegenkommen eine gütliche Einigung zn erzielen fei. Es wirb bann beschlossen, baß bie Mstglu berbeiträqe von 1 Mk. be* bcn organisierten Handwerkern auf 1.50 Mk., bei den Nichtorganisierten auf 2 Mk. pro Jahr erhöht werbe- sollen — Als Ort des nächsten VerbandStageS im Jahre t 1907 wird Offenbach cmSerfehen. 1 Nachdem der Vorsitzende noch alle Handwerker zum Bei- ! tritt in den Verband aufqefordert batte, schloß er die Ver- handlunqen. — Nach dem gemeinsamen Mittagessen fand i nachmittags ein Ausflug auf TextorS Terrasse statt; abends - war Konzert im Hotel Einhorn. Heute vormittag ist Frühschoppen in Steins Garten und nachmittags 2 Uhr findet ein Ausflug nach der Burg Gleiberg statt. Aus Stadt und Land. Gießen, 29. Mai 1905. " Empfang. S. K. H. der Grobherzog empfingen «m 27. Mai u. a. den Justizrat Weidig von Gießen. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben am 27. Mai d. I. den Kaufmann Bernhard Albert Mayer II. in Mainz zum Ergänzungsrichter bei der Kammer für Handelssachen am Landgericht der Provinz Rheinhessen für die Zeit bis zum 31. Dezember 1906 ernannt. — Ernannt wurde der Aktuar bei dem Amtsgericht Homberg, Supp, zum Aktuar bei dem Amtsgericht Dieburg, der Aktuariats- assistent bei dem Amtsgericht Fürth, Röhrig, zum Aktuar bei dem Amtsgericht Homberg, der Gerichtsschreibergehilfe Koch in Offenbach zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Dieburg, der Gerichtsschreibergchilfe Reinhardt in Nidda zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Fürth, der Gerichtsschreibcrgehilfe Sartorius in Gießen zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Gießen, der Gerichtsvollzieher in Ulrichstein Ab stein zum Gerichtsvollzieher in Dieburg, der Amtsgerichtsdiener in Groß-Gerau Donde zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Darmstadt I, der Amtsgerichtsdiener in Groß-Umstadt Dubberke zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Groß-Gerau, der Gefangenaufseher an der Zellenstrafanstalt Butzbach Günt h er zum Gefangenwärter am Haftlokal in Lampertheim. • * Die Schiller-Ausstellung der Universitätsbibliothek wird, um vielfach geäußerten Wünschen nachzu- fonunen, noch bis zum 9. Juni unentgeltlich geöffnet bleiben und zwar an den Sonntagen von 11—1 Uhr, am Dienstag und Freitag von 11—12 Uhr. • * Röntgenkurs inAschaffenburg. Während der Psingstfeiertage veranstaltet der Lehrkörper der Aschaffenburger Röntgenkurse wieder einen Röntgenkurs in Aschaffenburg. Es ist dies seit deren Gründung (Pfingsten 1903) der 17 te, einschließlich der beiden anläßlich des Röntgenkongresses in Berlin abgehaltenen Kurse. Wie uns mitgeteilt wird, in der Lehrplan erweitert worden. Die Kurse sind bekanntlich honorarfrei. Nähere Auskunft erteilt Med.-Rat Dr. Roth in Aschaffenburg. — Die preußisch-hessische Eisen bahnVcr- waltung beabsichtigt, sämtliche StattonsgeHilfen des mittleren Dienstes, sowie die noch vorhandenen Hilfstelegraphisten nach und nach ohne jede Prüfung etatsmäßig anzustellen. Sie sollen zu Weichenstellern ernannt und angestellt werden. Die nötigen Verhandlungen bezüglich der Personalfragen sind bereits zum Abschluß gebracht. Eine Aenderung in der bisherigen Beschäftigung ist jedoch keineswegs beabsichtigt. Die zurückgelegte Dienstzeit soll der Gehaltsskala angepaßt werden, so daß eine Verkürzung der bisherigen Gehaltsbezüge unter allen Umständen vermieden wird. So kann es vorkommen, daß namentlich die älteren Jahrgänge der StationSgehilfen und Hilfstelegraphisten bei ihrer etatsmäßigen Anstellung sofort das Höchstgehalt eines Weichenstellers erhalten. Dazu kommt noch ein ortsüblicher Wohnungsgeldzuschuß und eine Stellenzulage. Stationsgehilien sollen in Zukunft nicht mehr eingestellt werden. Die Bezeichnungen „Stationsgehilfe" und Hilfstelegraphist sollen auf den preußisch-heffischen Bahnen überhaupt in Wegfall kommen. * * Jugend von heute. In Homburg sind in der höheren Töchterschule seit einigen Tagen ähnlich wie bei dem Gymnasium bunte, sehr kleidsame Klassenmützen (!) eingeführt worden. ** Eine amüsante Theatervorstellung. Die kn Bingen erscheinende „Mittelrh. Volksztg." berichtet: Im Englischen Hof z-u Bingen veranstaltete in diesen Tagen wieder einmal ein Künstler-Ensemble Theaterabende. Gestern wurde zur Eröffnung des Zyklus das Lustspiel „Liebesmanöver" von Kurt Kraatz und Frhrn. v. Schlicht gegeben. Dabei fehlte es nicht an unfreiwilliger Komik. Bereits eine halbe Stunde hatte der Major a. D. v. Felsen auf der Bühne gedonnert und gewettert und die Annehmlichkeiten geschildert, die der „blaue Brief" im Gefolge habe. Da sollte Frl. Leontine v. Breitenback plötzlich aus Berlin Eintreffen! Aber sie traf nicht ein, Die Liebhaberin, und knurrend zog sich der Major zurück. Leer die Bühne . . . Vorhang herunter . . . Vorhang herauf! Seinen Schnurrbart streichend, wandte sich Major a. D. v. Felsen zum Publikum mit den Worten: „Wegen Nichtfertigwerdens von Frl. v. Hohenfels müssen wir noch einmal von vorn anfangen!" Und wirklich: Glockenzeichen .. . Die Vorstellung begann noch einmal! Große Heiterkeit. Der Erfolg war garantiert, umsomehr diesmal Leontine v. Breitenbach zum ^gegebenen Momente mit liebenswürdiger Grandezza hereinrauschte und durch ihr sympathisches Spiel die Heine Versäumnis vergessen machte. Später freilich schien es, als ob sie noch einmal etwas länger als nötig ihrer Toilette Aufmerksamkeit geschenkt habe, denn der Major brummte grimmig in den Bart. Mer ehrlich gesagt, es ist nicht zu verwundern, wenn auf einer solch klapperigen, primitiven Bühne die Künstler sich nicht zurechtfinden. Schade ist eigentlich, daß hier nicht ein Unternehmer so viel Spekulationssinn entwickelt und eine hübsche Bühne baut; dann würde in Bingen sicher mehr und besser Theater ge- Ipielt werden und die Vorstellungen würden auch Besucher inden. pn. Lang-Göns, 27. Mai. Durch das rasche Vorbei- sahren eines Automobils scheute das Pferd eines einem hiesigen Landwirt gehörigen Wagens und sprang in den Zaun des Kleinkindergartens auf dem Kirchenplatz hinein. Der Fuhrmann wurde an der Hand verletzt. -j- Steinbach, 29. Mai. Am Samstag abend wurde die Ehefrau des Maurergesellen Heinrich Schäfer IV. hier in ihrem Zimmer erhängt ausgefunden. Sie war schon seit etwa einem Jahr nicht mehr geistig normal, sodaß mit Sicherheit anzunehmen ist, daß sie die Tat in einem Anfall geistiger Umnachtung ausgeführt hat. Bad-Nauheim, 27. Mai. Folgende Unterhaltungen werden in dieser Woche stattfinden: Dienstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Der Veilchensresser." Donnerstag (Himmelfahrttag) nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kapelle des 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Nr. 168 aus Offenbach. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kur- kapelle. Abends Theater-Vorstellung: „Als ich wiederkam." Dazu Ballet-Einlagen von Frtt Linny Eichrodt. Samstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „In Vertretung." Sonntag den 4."Juni: Konzert der Kapelle des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 aus Hanau. Abends im Saale Symphonie-Konzert der Kurkapelle. Mainz, 27. Mai. Gestern mittag fuhr der aus Romrod gebürtige Arbeiter Karl Schm ehl auf einem Motorrad von Isenburg nach Rüsselsheim. In derNäl.. von Rüsselsheim rannte er mit großer Gewalt gegen ein Mi st fuhrwerk und wurde in einem großen Bogen vom Rad herabgeschleudert. Man brachte den lebensgefährlich Verletzten hierher ins Nochusspital. Anscheinend hat er außer einem schweren Schädelbruch innerliche Verletzungen erlitten. fc. Biblis, 28. Mai. Für die Errichtung einer Genossenschaft ssa b rik zur Sel bst Verwertung von Gurken und Kraut ist das Grundstück des Großhändlers Nikolaus Seid VI. gegenüber der Bahn in Aussicht genommen worden. [ ] Marburg, 28. Mai. Der hier seit Jahren segensreich wirkende Milch verein, der armen Kindern, sowie Kranken und Schwachen unentgeltlich gute Milch verabreichen läßt, hat jetzt dank des Entgegenkommens der Leiter der medizinischen Klinik in dieser ein sog. „Säuglingsheim" eingerichtet, das allen hygienischen Anforderungen entspricht und in dem nur verbürgt keimfreie Milch den Säuglingen verabreicht wird. Die neue Anstalt wurde am Freitag abend von den städtischen Körperschaften besichtigt. * Kleine M i t k e i l n n a n aus Hessen, und den N a ch b a r st a a t e n. Der Brandstister Jung aus Niedermeimar, der aus der Landesbeilanstalt zu H a i n a entwichen war, ist gestern bier wieder auigegriffen worden. vermischte«. • London, 26. Mai. In Bake well wurden gestern abend in Sangers reisendem Zirkus zwei große Elephauten vorgeführt. Plötzlich warf einer derselben seinen Wärter mit dem Rüssel zu Boden und kniete mit den Vorderfüßen auf ihm. Der Elephant wurde hinausgeführt; draußen drückte er brüllend gegen das Zirkuszelt, sodaß dieses wankte, riß dann die Leinwand nieder und kam wieder zum ZirkuS hinein. Die Zuschauer flohen in einer Panik. Der Direktor des Zirkus,. Coleman, wurde von ihm zu Boden geworfen und der Elephant stieß ihm einen Stoßzahn in die Hüfte. Zuletzt gelang es, das Tier mit Ketten zu fessekn, worauf es von Soldaten erschossen wurde. • Schanghai, 26. Mai. (Durch Kabel.) Der österreichische Dampfer „Marie Valerie" ist heute morgen nach einem Zusammenstoß mit dem China Mutual- Dampfer „Pingsuey" schwer beschädigt bei Wusung auf den Strand gesetzt worden. 'In d ie Trinks rei h eit der englischen Marineoffiziere hat die Admiralität mit rauher Hand eingegriffen. Wie die „Weserztg." mitteilt, sind die Offiziere der britischen Marine gegenwärtig sehr entrüstet über einen Erlaß der Admiralität an alle Schifsskapitäne, in dem darauf hin- gewiesen wird, daß die Marineoffiziere zu viel trinken. Die Schiffskommandanten werden ersucht, eine genauere Kontrolle über die Kasinos zu führen und darauf zu achten, daß der Konsum von geistigen Getränken möglichst eingeschränkt wird. Die Offiziere betrachten das als einen unerlaubten Eingriff in ihre persönliche Freiheit und erklären, daß sie lieber ihren Abschied nehmen, als solchen Bestimmungen sich fügen wollen. Das ganze sei eine Beleidigung des Osfizierkorps. Trotzdem die Anordnung geheim gehalten werden sollte, ist bekannt geworden, daß in derselben z. B. die Bestimmung enthalten ist, daß Offiziere im Durschnitt nicht mehr als drei Glas irgend eines alkoholhaltigen Getränks an einem Tage zu sich nehmen sollen. • Eine Deputation von kleinen Mädchen vor dem Schlosse zu Wiesbaden. Den „2. N. N." wird solgendes berichtet: Als in Wiesbaden sich das Gerücht verbreitet, die Verletzung der Kaiserin infolge des bekannten Unfalles sei ernster Natur, bestürmten einige kleine Mädchen die vor dem königlichen Schlosse Posten stehenden Soldaten, sie möchten doch der Kaiserin gute Besserung wun- sch en und ihr einen Blumenstrauß, den die Kleinen mitgebracht hatten, ins Schloß tragen, was den Kriegern natürlich ihre Wachtinstruktion verbot. Die ganze Szene war aber vom Kaiser von einem Fenster aus beobachtet worden und nach wenigen Minuten erschien ein Adjutant auf der Bildfläche, der die Posten fragte, was da vorginge, und von ihnen eine wortgetreue Meldung des Falles empfing. Der Kaiser ließ, als er den Hergang der Dinge erfahren hatte, die Kleinen ins Schloß holen und teilte ihnen selbst mit, daß sie sich um ihre Kaiserin keine Sorge zu machen brauchten, da es ihr gut ginge. Die Kleinen wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet, mit Süßigkeiten reichlich beschenkt, auch wurde ihnen durch einen Hofbediensteten auf Befehl des Kaisers das ganze Schloß gezeigt. * Eine Aufregende Nacht zwischen Eisbergen hatte, wie die „M. N. N." berichten, eine englische Barke durch- zumachen, die soeben die Fahrt über den Atlantischen Ozean zurückgelegt hat. Das Schiff, „Vemeira" mtt Namen, gehört einem Schiffsingenieur in Glasgow. Er befand sich in der Näbe der Küste von Neufundland, als während einer Nacht dichter Nebel ein trat, jo daß an ein Vorwärtskommm kaum zu denken w>ar. Plötzlich ertönte dw Ruf: „Eisberge dicht vor uns"! Mit einem Schlage wurde di" Luft furchtbar kalt, so daß man die außer- ordeutliche Nähe des Eises deutlich fl'chlen konnte, wenn man auch in dem Nebel nick^ weiter sah. Gleich darauf bemerkte man etwas Dunkles, das wie ein Felsen aussah, über das Schiff herüber hängen. Im letzten Moment konnte der Kurs noch geändert werden, gerade ehe ber, schon unvermeidlich erscheinende Zusammenstoß mit dem Eisfelsen eintrat. Noch immer konnte : man den Berg nicht recht sehen, aber man hörte deutlich, wie die Wellen des Meeres sich an dem Felsen brachen. Kaum war man aber einige Meter weitergefahren, als auf der andern Seite ein Eisberg auftrat, so daß es dem Kapitän klar wurde, : daß er sich zwischen riesigen Eis'blöcken befand. Nur mit der 1 größten Vorsicht und Kaltblütigkeit gelang es, zwischen den Bergen hindnrchzukommen, aber man begegnete immer wieder anderen, bis man sich schließlich in einem vollkommenen Eiswalde zu befinden schien. Erst am Morgen kam man aus dem Labyrinth heraus. Die Besatzung des Schiffes behauptet, auf einem der Berge müßten sich Menschen und Tiere befunden haben, sie meinen, daß sie das Schreien von Frauen und das Brüllen von! Kühen und endlich auch das Schrien von Hühnern gehört haben. Auch der Kapitän hörte merkwürdige Töne, er ist aber der An- idit. daß es sich mu ^ch.-,nd"lt bat. Kerichtssaal. Ein interessanter Prozeß um' den Lotterie- gewinn spielte sich an der ersten Zivilkammer des Landgerichts in M a i n z lab. Das Dienstmädchen Barbara Kath. Jocks ans Wörrstadt, in Mainz bedienstet, spreite, so berichtet man uns, früher und bis in den Herbst v. I. bei der Hauptkollek- tur der Firma Julius Anger in der Schusterstraße ein Los der Hess. Thüringischen Staatslotterie. Am 24. S/Pt. 1904 wurde ihr Los 34 195 mit dem Einsatz gezogen, was ihr unter Neber- scndung eines Ersatzloses 32 141 mitgeteilt wurde. Das Dienstmädchen behielt das Los, das am 29. September ebenfalls mit dem Einsatz herauskam. Nun wurde dar Gewinnerin wrederum ein Ersavlos übermittelt und ihr schriftlich mitgeteilt, daß sie bis zum 30. September vormittags 10 Uhr sich schlüssig machen müsse, ob sie das Los behalten oder den Einsatz erheben wolle. Das Dienstmädchen trug aber erst am 3. Oktober nachmittags das Ersatzlos, das die Nrnnmer 14 759 trug, in das Ladenlokal des Kollekteurs zurück und erhob den auf das vorletzte Ersatzlos 32141 entfallenen Einsatzbetrag. Gleich darauf begegnete bet Jocks eine Bekannte, bei welcher Gelegenheit .sie dieser von ihrem Gewinn erzählte und bemerkte, daß sie jetzt das weiter erhaltene Ersatzlos &urü cf getragen und ihren Einsatz erhoben! habe. Als die Bekannte von der Nummer 14 759 hörte, meinte sie, es sei ihr so, als ob diese Nummer am Vor^ mittag mit einem großen Treffer gezogen worden sei. Sofortige Feststiellung führte zur Vestättgung. der Rrchtlg- keit dieser Annahme. Nun eilte die Jocks sofort in das Ladenlokal von Anger und verlangte Rückgängigmachung der, vorherigen Vereinbarungen und Auszahlung des hohen Gewinnes, was von der Firma verweigert wurde. Die Jocks ging von der Auffassung aus, daß, als sie am Nachmittag das Ersatzlos zurückgeaeben halte, sie von der Tatsache des am Vormittag auf Nr. 14 759 entfallenen Gewinnes nichts gewußt habe, und wenn sie es gewußt, hätte sie niemals dieses Ersatzlos zu- riiefgegeben (!), dagegen sei der Abnehnrer des Loses von dem Resultate der Vormittagsziehung schon unterrichtet gewesen. Sre habe sofort ihre dem Angeklagten gegenüber abgegebene Willenserklärung auf das Ersatzlos 14 759 angefochten. Aus diesemj Grrmde und auch wegen ungerechtfertigter Bereicherung sei bte beklagte Firma zur Herairszahlung des Gewinnes verpflichtet. Es wurde beantragt, bie Angeklagte zur Zahlung des Gewinnes nebst 4 Prozent Zinsen zu verrirteilen. Die Lkngeklagte beantragte kostenfällige Klageabweisung. Die Klage wurde als unbegründet kosterffällig abgewiesen. In der Begründung des Urteils wurde gesagt, daß daß die Klägerin ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden sei, daß eine Annahmeerklärung bezüglich des Ersatzloses bis längstens 30. September vormittags 10 Uhr erfolgen müsse, weiter sei in der Zuschrift darauf hingewlesen worden, welche Folgen es habe, wenn der Spielende den erwahn- ten Termin nicht einhalte oder eine Annahmeerllärung erst später erfolge. Sei das Los dann noch nicht gezogen,, bann sei du Annahmeerklärung als angenommen anzusehen, sei das Los aba gezogen, dann stehe das Eigentumsrecht und der. auf das Log entfallene Gewinn der Beklagten zu. Die in dieser Zuschrift enthaltenen Bringungen stellten sich als ein Vertragsantrkg der Beklagten zum Verkauf des Ersatzloses dar, für den eine Frist Vorbehalten worden sei. Hätte die Klägerin auch sofort am Nachmittag des 3. Oktober der Firma gegenüber erfidrt, daß sie das Ersatzlos spielen wolle, so hätte der Gewinn und das Eigentumsrecht an dem Los nach den Bestimmringen der Zusmrifi doch der Kollekttir zugestairden, da die Ziehung zu dieser Zett bereits stattgefunden hatte. Die Klägerin habe übrigens durch die Zurückgabe des Ersatzloses und der Erhebung ihres Einsatzes zum Ausdruck gebracht, daß sie nicht metyr weiter spielen wolle. Der Vorwurf der ungerechtfertigten Bereicherung sei. ungerecht- fertigt, weil der Beklagte nichts auf Kosten der Klägerin verlangt habe, ebenso wenig könne gegen einen Verstoß gegen die guten Sitten gesprochen werden. Die arme Maid hat Pech gehabt, und dieses trifft sie, obwohl eigentlich nur von dem Nichteintreffen eines außerordentlichen Glückes gesprochen werden kann, vielleicht schwerer, als wenn ihr ein Liebster untreu geworden wäre. Da aber der Richter gesprochen hat und alles nach Gesetz und Recht gegangen ist, muß sie sich bescheiden und sich vornehmen, bet der nächsten Ziehung rechtzeitig bessere Erkundigungen einzu- ziehen. Tendenz: Still Oest. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau Anfangs- u. . 209.— . 236.50 . 140.30 . 240.30 . 211.40 Kandel itrb Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 27. Mai 1905. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2‘/< Prozent. " Schlußkurfe. 208.80 236.90 140.12 240.87 211.75 Telephonischer Kursbericht Frankfurt a. M., 3l/2% Reichsanleihe . . 100.45 3 n/o do. ... 90.45 3/n Chinesen .... 96.25 Electric. Schuckert . . . 135 90 Nordd. Lloyd . . . . 123.10 Kroditaktien . . . « , 209.00 Diskonto-Kommandit. . . 186.60 Darmstädter Rank . . . 140.50 Dresdener Bank . . . . 153 50 Berliner Handelsgeg. . . 168 60 Oesterr. Staatsbahn . . . 143 00 Lombarden . . ... 1550 Gotthardbahn « . . . . 00.00 Laurahiltte . . . . . 265.00 Bochum ......241.00 P arpener......211 95 Staatschatzscheine . . . 100.55 Tendenz: ruhi^. Für die Gesamt-Red'ktiou verantwortlich: i. B. August Goetz. ss8/c in Seiden-Grieder-Zürich bewährteste Nahrung für magendarmkranke K 6 RTL CÄ ® Schwaira® Seiden der neuen garantiert soliden Pari-Färbung. Reiche Auswahl. Verlangen Sie Muster. C2T/t Dül*nAM npA:t6f zarte weiße Haut, Jugeudirische und lllbvi Hili JLvflliib Schönheit ist der sichere Erfolg des täg- •SSSSS? Myrrholinseifo.